The Emergence of Natural Science
in World History
and its Subsequent Development
GA 326
1 January 1923, Dornach
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Der Entstehungsmoment der Naturwissenschaft
Sechster Vortrag
Sechster Vortrag
[ 1 ] Ich habe in einem Teile des letzten Kursvortrages davon gesprochen, wie die naturwissenschaftliche Weltanschauung eine ihrer Wurzeln darinnen hat, daß in jener Zeit, die vergangen ist, seit, ich möchte sagen, dem Geburtsmomente dieser naturwissenschaftlichen Anschauungsweise im 15. Jahrhundert, daß in dieser Zeit John Locke und ähnliche Geister unterschieden haben in dem, was uns sinnesgemäß umgibt, die sogenannten primären Qualitäten der Dinge, der Körperwelt von den sekundären Qualitäten. Primäre Qualitäten nannte Locke zum Beispiel alles dasjenige, was sich auf die Gestalt der Körper, auf deren geometrische Eigentümlichkeit, auf das Zahlenmäßige bezieht, auf die Bewegung bezieht, auf die Größe und so weiter. Davon unterschied er dann alles dasjenige, was er die sekundären Qualitäten nennt, Farbe, Ton, Wärmeempfindung und so weiter. Und während er die primären Qualitäten in die Dinge selbst hineinverlegt, so daß er annimmt, es seien räumliche, körperliche Dinge da, welche Gestalt haben, geometrische Eigentümlichkeiten haben, Bewegungen haben, nimmt er an, daß alles dasjenige, was sekundäre Qualitäten sind, Farbe, Ton usw., nur Wirkungen auf den Menschen seien. Draußen in der Welt seien nur primäre Qualitäten in den Körpern. Irgend etwas, dem Größe, Gestalt, Bewegung zukommt, das aber finster, stumm und kalt ist, irgend etwas übt eine Wirkung aus, und diese Wirkung drückt sich eben aus darinnen, daß der Mensch einen Ton, eine Farbe, eine Wärmequalität usw. erlebt.
[ 1 ] Ich habe in einem Teile des letzten Kursvortrages davon gesprochen, wie die naturwissenschaftliche Weltanschauung eine ihrer Wurzeln darinnen hat, daß in jener Zeit, die vergangen ist, seit, ich möchte sagen, dem Geburtsmomente dieser naturwissenschaftlichen Anschauungsweise im 15. Jahrhundert, daß in dieser Zeit John Locke und ähnliche Geister unterschieden haben in dem, was uns sinnesgemäß umgibt, die sogenannten primären Qualitäten der Dinge, der Körperwelt von den sekundären Qualitäten. Primäre Qualitäten nannte Locke zum Beispiel alles dasjenige, was sich auf die Gestalt der Körper, auf deren geometrische Eigentümlichkeit, auf das Zahlenmäßige bezieht, auf die Bewegung bezieht, auf die Größe und so weiter. Davon unterschied er dann alles dasjenige, was er die sekundären Qualitäten nennt, Farbe, Ton, Wärmeempfindung und so weiter. Und während er die primären Qualitäten in die Dinge selbst hineinverlegt, so daß er annimmt, es seien räumliche, körperliche Dinge da, welche Gestalt haben, geometrische Eigentümlichkeiten haben, Bewegungen haben, nimmt er an, daß alles dasjenige, was sekundäre Qualitäten sind, Farbe, Ton usw., nur Wirkungen auf den Menschen seien. Draußen in der Welt seien nur primäre Qualitäten in den Körpern. Irgend etwas, dem Größe, Gestalt, Bewegung zukommt, das aber finster, stumm und kalt ist, irgend etwas übt eine Wirkung aus, und diese Wirkung drückt sich eben aus darinnen, daß der Mensch einen Ton, eine Farbe, eine Wärmequalität usw. erlebt.
[ 2 ] Nun wies ich auch in diesen Vorträgen darauf hin, wie in diesem naturwissenschaftlichen Zeitalter das Räumliche schon in bezug auf die Dimensionen ein Abstraktes geworden ist. Der Mensch wußte nichts mehr davon, daß in ihm selbst die drei Dimensionen konkret erlebt wurden als oben-unten, rechts-links, vorne-hinten (siehe Zeichnung S. 86). Er nahm auf diese Konkretheit der drei Dimensionen im naturwissenschaftlichen Zeitalter keine Rücksicht. Für ihn entstanden sie in völliger Abstraktheit. Er suchte den Schnittpunkt der drei Dimensionen nicht mehr da, wo er real erlebt wird, im menschlichen Inneren, er suchte ihn irgendwo — und da kann er dann wo auch immer sein irgendwo im Raume — und konstruierte sich so seine drei Dimensionen. Jetzt hatte dieses Raumschema der drei Dimensionen ein selbständiges, aber nur gedachtes, abstraktes Dasein. Und das Gedachte wurde eben nicht erlebt als sowohl der Außenwelt wie dem Menschen angehörig, während eine frühere Zeit, wie ich sagte, die drei Raumdimensionen so erlebt hat, daß der Mensch wußte, er erlebt sie in sich mit der Natur der physischen Körperlichkeit zusammen.
[ 2 ] Nun wies ich auch in diesen Vorträgen darauf hin, wie in diesem naturwissenschaftlichen Zeitalter das Räumliche schon in bezug auf die Dimensionen ein Abstraktes geworden ist. Der Mensch wußte nichts mehr davon, daß in ihm selbst die drei Dimensionen konkret erlebt wurden als oben-unten, rechts-links, vorne-hinten (siehe Zeichnung S. 86). Er nahm auf diese Konkretheit der drei Dimensionen im naturwissenschaftlichen Zeitalter keine Rücksicht. Für ihn entstanden sie in völliger Abstraktheit. Er suchte den Schnittpunkt der drei Dimensionen nicht mehr da, wo er real erlebt wird, im menschlichen Inneren, er suchte ihn irgendwo — und da kann er dann wo auch immer sein irgendwo im Raume — und konstruierte sich so seine drei Dimensionen. Jetzt hatte dieses Raumschema der drei Dimensionen ein selbständiges, aber nur gedachtes, abstraktes Dasein. Und das Gedachte wurde eben nicht erlebt als sowohl der Außenwelt wie dem Menschen angehörig, während eine frühere Zeit, wie ich sagte, die drei Raumdimensionen so erlebt hat, daß der Mensch wußte, er erlebt sie in sich mit der Natur der physischen Körperlichkeit zusammen.


[ 3 ] Es waren also gewissermaßen schon die Raumdimensionen von dem Menschen abgesondert und nach außen geworfen worden und hatten dadurch einen völlig abstrakten, unlebendigen Charakter angenommen. Der Mensch wußte nicht mehr, daß er die Raumdimensionen — und solches kann ja auch gesagt werden von allem anderen, das geometrisch ist, das zahlenmäßig ist, das gewichtmäßig ist usw. —, daß er alles das in seinem Inneren erlebt mit der Außenwelt zusammen, daß er aber eigentlich, um es in seiner Konkretheit, in seiner vollen, lebendigen Wirklichkeit zu erleben, in sein Inneres blicken müsse, um es da gerechtfertigt zu finden. Und eigentlich ist es so, daß eine Persönlichkeit wie John Locke nur deshalb die primären Qualitäten, die von der Art sind wie die drei Raumdimensionen — denn die drei Raumdimensionen sind eine Art Gestaltung —, in die Außenwelt verlegte, weil nicht mehr gewußt wurde der Zusammenhang dieser Qualitäten mit dem menschlichen Inneren.
[ 3 ] Es waren also gewissermaßen schon die Raumdimensionen von dem Menschen abgesondert und nach außen geworfen worden und hatten dadurch einen völlig abstrakten, unlebendigen Charakter angenommen. Der Mensch wußte nicht mehr, daß er die Raumdimensionen — und solches kann ja auch gesagt werden von allem anderen, das geometrisch ist, das zahlenmäßig ist, das gewichtmäßig ist usw. —, daß er alles das in seinem Inneren erlebt mit der Außenwelt zusammen, daß er aber eigentlich, um es in seiner Konkretheit, in seiner vollen, lebendigen Wirklichkeit zu erleben, in sein Inneres blicken müsse, um es da gerechtfertigt zu finden. Und eigentlich ist es so, daß eine Persönlichkeit wie John Locke nur deshalb die primären Qualitäten, die von der Art sind wie die drei Raumdimensionen — denn die drei Raumdimensionen sind eine Art Gestaltung —, in die Außenwelt verlegte, weil nicht mehr gewußt wurde der Zusammenhang dieser Qualitäten mit dem menschlichen Inneren.
[ 4 ] Die anderen, die sekundären Qualitäten, die als Sinnesinhalt eigentlich qualitativ erlebt werden, wie Farbe, Ton, Wärmequalität, Geruch, Geschmack, die wurden nunmehr nur als die Wirkungen der Dinge auf den Menschen, als innere Erlebnisse angesehen. Aber ich habe ja darauf hingewiesen, wie im Inneren des physischen Menschen, auch im Inneren des ätherischen Menschen, ja diese sekundären Qualitäten nicht mehr gefunden werden können, wie sie daher in gewisser Beziehung auch für dieses Innere des Menschen vogelfrei geworden sind. Man suchte sie nicht mehr in der Außenwelt, man verlegte sie in das menschliche Innere. Man sagte: Wenn der Mensch nicht zuhört der Welt, wenn der Mensch nicht hinschaut auf die Welt, wenn der Mensch nicht seinen Wärmesinn der Welt offenbart, dann ist die Welt stumm und so weiter. Sie hat primäre Qualitäten, bestimmt gestaltete Luftwellen, aber sie hat keinen Ton; sie hat irgendwie Vorgänge im Äther, aber sie hat keine Farbe; sie hat irgendwelche Vorgänge in der ponderablen Materie, in der Materie, die ein Gewicht hat, aber sie hat nicht dasjenige, was Wärmequalität ist usw. Eigentlich war damit in diesem naturwissenschaftlichen Zeitalter für diese erlebten Sinnesqualitäten nichts anderes gesagt, als: Man weiß sie eigentlich nicht unterzubringen. In der Welt wollte man sie nicht suchen. Man gestand sich, daß man keine Macht habe, sie in der Welt zu finden. Im Inneren suchte man sie zwar, aber nur, weil man gedankenlos war oder ist. Gedankenlos war oder ist man in dem Sinne, daß man ja keine Rücksicht darauf nimmt, daß, wenn man nun dieses Innere des Menschen, soweit man es nun gelten läßt, wirklich durchforscht, das heißt, wenn man es durchforscht, soweit dies natürlich möglich ist — aber das geschieht ja nur als ein Ideal, so daß man eigentlich nicht von der Tatsache eines vollendeten Durchforschens reden kann —, wenn man also dieses Innere durchforscht, so findet man nirgends diese sekundären Qualitäten. Man weiß sie daher eigentlich in der Welt nicht unterzubringen. Woher kommt dieses?
[ 4 ] Die anderen, die sekundären Qualitäten, die als Sinnesinhalt eigentlich qualitativ erlebt werden, wie Farbe, Ton, Wärmequalität, Geruch, Geschmack, die wurden nunmehr nur als die Wirkungen der Dinge auf den Menschen, als innere Erlebnisse angesehen. Aber ich habe ja darauf hingewiesen, wie im Inneren des physischen Menschen, auch im Inneren des ätherischen Menschen, ja diese sekundären Qualitäten nicht mehr gefunden werden können, wie sie daher in gewisser Beziehung auch für dieses Innere des Menschen vogelfrei geworden sind. Man suchte sie nicht mehr in der Außenwelt, man verlegte sie in das menschliche Innere. Man sagte: Wenn der Mensch nicht zuhört der Welt, wenn der Mensch nicht hinschaut auf die Welt, wenn der Mensch nicht seinen Wärmesinn der Welt offenbart, dann ist die Welt stumm und so weiter. Sie hat primäre Qualitäten, bestimmt gestaltete Luftwellen, aber sie hat keinen Ton; sie hat irgendwie Vorgänge im Äther, aber sie hat keine Farbe; sie hat irgendwelche Vorgänge in der ponderablen Materie, in der Materie, die ein Gewicht hat, aber sie hat nicht dasjenige, was Wärmequalität ist usw. Eigentlich war damit in diesem naturwissenschaftlichen Zeitalter für diese erlebten Sinnesqualitäten nichts anderes gesagt, als: Man weiß sie eigentlich nicht unterzubringen. In der Welt wollte man sie nicht suchen. Man gestand sich, daß man keine Macht habe, sie in der Welt zu finden. Im Inneren suchte man sie zwar, aber nur, weil man gedankenlos war oder ist. Gedankenlos war oder ist man in dem Sinne, daß man ja keine Rücksicht darauf nimmt, daß, wenn man nun dieses Innere des Menschen, soweit man es nun gelten läßt, wirklich durchforscht, das heißt, wenn man es durchforscht, soweit dies natürlich möglich ist — aber das geschieht ja nur als ein Ideal, so daß man eigentlich nicht von der Tatsache eines vollendeten Durchforschens reden kann —, wenn man also dieses Innere durchforscht, so findet man nirgends diese sekundären Qualitäten. Man weiß sie daher eigentlich in der Welt nicht unterzubringen. Woher kommt dieses?
[ 5 ] Nun, erinnern wir uns noch einmal: Will man in rechter Weise irgend etwas anschauen, das sich auf Gestaltliches, Räumliches, Geometrisches oder auch Arithmetisches bezieht, will man solches wirklich richtig anschauen, so muß man die innere Tätigkeit ins Auge fassen, diese lebensvolle Tätigkeit, wodurch der Mensch in seinem eigenen Organismus das Räumliche sich konstruiert, wie im Oben und Unten, Vorne und Hinten, Rechts und Links. Man muß also in diesem Falle sagen: Willst du finden das Wesen des Geometrisch-Räumlichen — man könnte aber auch ganz sinngemäß sagen: Willst du finden das Wesen der Lockeschen primären Qualitäten der körperlichen Dinge —, so mußt du in dich selber hineinschauen, sonst kommst du nur auf Abstraktionen. Nun ist es mit den sekundären Qualitäten, Ton, Farbe, Wärmequalität, Gerüchen, Geschmack so, daß der Mensch davon etwas wissen muß — es kann ja dieses Wissen sehr instinktiv nur sein, aber etwas wissen muß er davon —, daß er mit seinem geistig-seelischen Wesen ja nicht bloß in seinem physischen und ätherischen Leib lebt, sondern daß er auch außerhalb dieser Leiber sein kann mit seinem Ich und seinem astralischen Leibe, nämlich im Schlafzustande. Aber ebenso wie der Mensch bei einem vollen, intensiv empfundenen Wachzustande nicht außer sich, sondern in sich die primären Qualitäten erlebt, wie im speziellen Fall die drei Dimensionen, so weiß der Mensch, wenn es ihm entweder durch Instinkte oder durch eine instinktive Selbsterkenntnis oder auch durch geisteswissenschaftliche Schulung gelingt, das auch wirklich innerlich zu erleben, was außerhalb vom physischen Leib und Ätherleib vom Einschlafen bis zum Aufwachen ist, dann weiß er auch, daß er das wahre Wesen von Ton, Farbe, Geruch, Geschmack, Wärmequalität wirklich dann in der Außenwelt erlebt außerhalb seines Leibes. Wenn der Mensch im Wachzustande bloß in seinem Inneren ist, so kann er nichts anderes erleben als die Bilder der wahren Realitäten von Ton, Farbe, Wärmequalität, Geruch, Geschmack. Aber diese Bilder entsprechen geistig-seelischen Realitäten, nicht physisch-ätherischen Realitäten. Trotzdem dasjenige, was wir als Ton erleben, so stark zusammenzuhängen scheint — es tut es ja auch, aber in einer ganz anderen Hinsicht — mit bestimmt gestalteten Luftwellen, wie Farbe zusammenhängt mit gewissen Vorgängen in der farblosen Außenwelt, so muß eben dennoch anerkannt werden, daß Ton, Farbe und so weiter Bilder sind, nicht vom Körperlichen, sondern vom Geistigen, GeistigSeelischen, das in der Außenwelt ist.
[ 5 ] Nun, erinnern wir uns noch einmal: Will man in rechter Weise irgend etwas anschauen, das sich auf Gestaltliches, Räumliches, Geometrisches oder auch Arithmetisches bezieht, will man solches wirklich richtig anschauen, so muß man die innere Tätigkeit ins Auge fassen, diese lebensvolle Tätigkeit, wodurch der Mensch in seinem eigenen Organismus das Räumliche sich konstruiert, wie im Oben und Unten, Vorne und Hinten, Rechts und Links. Man muß also in diesem Falle sagen: Willst du finden das Wesen des Geometrisch-Räumlichen — man könnte aber auch ganz sinngemäß sagen: Willst du finden das Wesen der Lockeschen primären Qualitäten der körperlichen Dinge —, so mußt du in dich selber hineinschauen, sonst kommst du nur auf Abstraktionen. Nun ist es mit den sekundären Qualitäten, Ton, Farbe, Wärmequalität, Gerüchen, Geschmack so, daß der Mensch davon etwas wissen muß — es kann ja dieses Wissen sehr instinktiv nur sein, aber etwas wissen muß er davon —, daß er mit seinem geistig-seelischen Wesen ja nicht bloß in seinem physischen und ätherischen Leib lebt, sondern daß er auch außerhalb dieser Leiber sein kann mit seinem Ich und seinem astralischen Leibe, nämlich im Schlafzustande. Aber ebenso wie der Mensch bei einem vollen, intensiv empfundenen Wachzustande nicht außer sich, sondern in sich die primären Qualitäten erlebt, wie im speziellen Fall die drei Dimensionen, so weiß der Mensch, wenn es ihm entweder durch Instinkte oder durch eine instinktive Selbsterkenntnis oder auch durch geisteswissenschaftliche Schulung gelingt, das auch wirklich innerlich zu erleben, was außerhalb vom physischen Leib und Ätherleib vom Einschlafen bis zum Aufwachen ist, dann weiß er auch, daß er das wahre Wesen von Ton, Farbe, Geruch, Geschmack, Wärmequalität wirklich dann in der Außenwelt erlebt außerhalb seines Leibes. Wenn der Mensch im Wachzustande bloß in seinem Inneren ist, so kann er nichts anderes erleben als die Bilder der wahren Realitäten von Ton, Farbe, Wärmequalität, Geruch, Geschmack. Aber diese Bilder entsprechen geistig-seelischen Realitäten, nicht physisch-ätherischen Realitäten. Trotzdem dasjenige, was wir als Ton erleben, so stark zusammenzuhängen scheint — es tut es ja auch, aber in einer ganz anderen Hinsicht — mit bestimmt gestalteten Luftwellen, wie Farbe zusammenhängt mit gewissen Vorgängen in der farblosen Außenwelt, so muß eben dennoch anerkannt werden, daß Ton, Farbe und so weiter Bilder sind, nicht vom Körperlichen, sondern vom Geistigen, GeistigSeelischen, das in der Außenwelt ist.
[ 6 ] Wir müssen also uns sagen können: Wenn wir einen Ton, eine Farbe, eine Wärmequalität erleben, dann erleben wir sie im Bilde. Aber wir erleben sie real, wenn wir außerhalb unseres Leibes sind. Und so können wir etwa schematisch den Tatbestand in der folgenden Weise darstellen (siehe Zeichnung): Die primären Qualitäten erlebt der Mensch wachend, voll wachend, in sich, und schaut sie in die Außenwelt hinein in Bildern; wenn er sie nur in der Außenwelt weiß, so hat er diese primären Qualitäten nur in Bildern (Pfeil). Diese Bilder sind das Mathematische, das Geometrische, das Arithmetische an den Dingen.
[ 6 ] Wir müssen also uns sagen können: Wenn wir einen Ton, eine Farbe, eine Wärmequalität erleben, dann erleben wir sie im Bilde. Aber wir erleben sie real, wenn wir außerhalb unseres Leibes sind. Und so können wir etwa schematisch den Tatbestand in der folgenden Weise darstellen (siehe Zeichnung): Die primären Qualitäten erlebt der Mensch wachend, voll wachend, in sich, und schaut sie in die Außenwelt hinein in Bildern; wenn er sie nur in der Außenwelt weiß, so hat er diese primären Qualitäten nur in Bildern (Pfeil). Diese Bilder sind das Mathematische, das Geometrische, das Arithmetische an den Dingen.


[ 7 ] Mit den sekundären Qualitäten ist es anders. Die erlebt der Mensch wenn ich den physischen und Ätherleib des Menschen mit diesen waagerechten Strichen bezeichne und das Geistig-Seelische, das Ich und das Astralische, mit dem Roten —, die erlebt der Mensch außerhalb seines physischen und Ätherleibes und er projiziert in sich herein nur die Bilder. Weil das nicht mehr durchschaut wurde im naturwissenschaftlichen Zeitalter, wurden gewissermaßen die mathematischen Formen, die Zahlen auch, zu etwas, das der Mensch nur in der Außenwelt abstrakt suchte. Die sekundären Qualitäten, sie wurden etwas, das der Mensch nur in sich suchte. Aber weil sie da bloße Bilder sind, verlor er sie eben für die Wirklichkeit vollständig.
[ 7 ] Mit den sekundären Qualitäten ist es anders. Die erlebt der Mensch wenn ich den physischen und Ätherleib des Menschen mit diesen waagerechten Strichen bezeichne und das Geistig-Seelische, das Ich und das Astralische, mit dem Roten —, die erlebt der Mensch außerhalb seines physischen und Ätherleibes und er projiziert in sich herein nur die Bilder. Weil das nicht mehr durchschaut wurde im naturwissenschaftlichen Zeitalter, wurden gewissermaßen die mathematischen Formen, die Zahlen auch, zu etwas, das der Mensch nur in der Außenwelt abstrakt suchte. Die sekundären Qualitäten, sie wurden etwas, das der Mensch nur in sich suchte. Aber weil sie da bloße Bilder sind, verlor er sie eben für die Wirklichkeit vollständig.
[ 8 ] Es war ja so, daß einzelne Persönlichkeiten, die noch Traditionen aus älteren Anschauungen über die Außenwelt hatten, damit rangen, sich Vorstellungen zu machen, welche wirklichkeitsgemäßer waren als diejenigen, welche, ich möchte sagen, als die offiziellen im Laufe des naturwissenschaftlichen Zeitalters allmählich heraufkamen. So zum Beispiel, außer Paracelsus, auch van Helmont, der sich durchaus bewußt war, daß, wenn Farbe, Ton usw. erlebt werden, das Geistige des Menschen in Tätigkeit ist. Aber weil dieses Geistige im Wachzustande nur mit Hilfe des physischen Leibes sich betätigt, erzeugt es in sich bloß ein Bild von dem, was als Wesen in Ton, Farbe und so weiter enthalten ist, und so kommt man dann zu einer unzutreffenden Beschreibung der äußeren Wirklichkeit, nämlich zu der reinen mathematisch-mechanischen Bewegungsform, Bewegungsgestaltung für dasjenige, was als sekundäre Qualitäten im Menscheninneren erlebt werden soll. Während es in Wahrheit seiner Realität, seiner Wirklichkeit gemäß allein außerhalb des Menschenleibes erlebt werden kann. Man muß zu dem Menschen nicht sagen: Wenn du das wahre Wesen zum Beispiel des Tones erkennen willst, so mußt du physikalische Experimente machen über dasjenige, was sich, wenn du einen Ton hörst, innerlich in der Luft sich abspielt, die den Ton zu dir bringt, sondern dann mußt du dem Menschen sagen: Wenn du das wahre Wesen des Tones kennenlernen willst, so mußt du dir eine Vorstellung davon bilden, wie du eigentlich den Ton außer deinem physischen und ätherischen Leibe erlebst. Das sind aber Gedanken, welche von den Menschen des naturwissenschaftlichen Zeitalters eben nicht gedacht wurden, weil diese Menschen eben nicht auf die vollständige Menschennatur eingehen wollten, weil sie keine Neigung entwickelten, die wahre Wesenheit des Menschen kennenzulernen. Und so fanden sie eben in der ihnen unbekannten Menschennatur nicht die Mathematik oder auch die primären Qualitäten; und so fanden sie in der Außenwelt — weil sie nicht wußten, daß der Mensch ja der Außenwelt auch angehört — nicht die sekundären Qualitäten.
[ 8 ] Es war ja so, daß einzelne Persönlichkeiten, die noch Traditionen aus älteren Anschauungen über die Außenwelt hatten, damit rangen, sich Vorstellungen zu machen, welche wirklichkeitsgemäßer waren als diejenigen, welche, ich möchte sagen, als die offiziellen im Laufe des naturwissenschaftlichen Zeitalters allmählich heraufkamen. So zum Beispiel, außer Paracelsus, auch van Helmont, der sich durchaus bewußt war, daß, wenn Farbe, Ton usw. erlebt werden, das Geistige des Menschen in Tätigkeit ist. Aber weil dieses Geistige im Wachzustande nur mit Hilfe des physischen Leibes sich betätigt, erzeugt es in sich bloß ein Bild von dem, was als Wesen in Ton, Farbe und so weiter enthalten ist, und so kommt man dann zu einer unzutreffenden Beschreibung der äußeren Wirklichkeit, nämlich zu der reinen mathematisch-mechanischen Bewegungsform, Bewegungsgestaltung für dasjenige, was als sekundäre Qualitäten im Menscheninneren erlebt werden soll. Während es in Wahrheit seiner Realität, seiner Wirklichkeit gemäß allein außerhalb des Menschenleibes erlebt werden kann. Man muß zu dem Menschen nicht sagen: Wenn du das wahre Wesen zum Beispiel des Tones erkennen willst, so mußt du physikalische Experimente machen über dasjenige, was sich, wenn du einen Ton hörst, innerlich in der Luft sich abspielt, die den Ton zu dir bringt, sondern dann mußt du dem Menschen sagen: Wenn du das wahre Wesen des Tones kennenlernen willst, so mußt du dir eine Vorstellung davon bilden, wie du eigentlich den Ton außer deinem physischen und ätherischen Leibe erlebst. Das sind aber Gedanken, welche von den Menschen des naturwissenschaftlichen Zeitalters eben nicht gedacht wurden, weil diese Menschen eben nicht auf die vollständige Menschennatur eingehen wollten, weil sie keine Neigung entwickelten, die wahre Wesenheit des Menschen kennenzulernen. Und so fanden sie eben in der ihnen unbekannten Menschennatur nicht die Mathematik oder auch die primären Qualitäten; und so fanden sie in der Außenwelt — weil sie nicht wußten, daß der Mensch ja der Außenwelt auch angehört — nicht die sekundären Qualitäten.
[ 9 ] Ich sage nicht, daß man hellsichtig sein müsse, um in diesen Dingen die richtige Einsicht zu bekommen, sondern ich muß betonen, daß zwar die hellsichtige Weltenerklärung tiefere intensive Erkenntnisse gerade auch auf diesem Gebiete geben kann, daß aber eine gesunde Selbstschau durchaus dahin führt, das Mathematische, die primären Qualitäten, das Mathematisch-Mechanische auch in das Innere des Menschen zu verlegen, die sekundären Qualitäten auch in die Außenwelt des Menschen zu verlegen. Man kannte die Menschennatur nicht mehr. Man wußte nicht in Wirklichkeit, wie die Körperlichkeit des Menschen erfüllt ist von der Geistigkeit, wie die Geistigkeit, indem sie wachend im Menschen ist, sich vergessen muß, sich ganz hingeben muß dem Körper, damit sie das Mathematische begreift. Und man wußte auch nicht das andere, daß die Geistigkeit sich ganz in sich zusammenfassen muß und unabhängig vom Körper, das heißt außerhalb des Körpers, leben muß, um zu den sekundären Qualitäten zu kommen. Über alle diese Dinge, sage ich, kann die hellseherische Anschauung intensivere Einsichten geben, aber sie ist nicht nötig. Eine Selbstschau, eine wirkliche, gesunde Selbstschau kann fühlen, in richtigem Gefühl erkennen, daß Mathematik auch etwas innerlich Menschliches ist, Ton, Farbe usw. auch etwas Äußerliches sind.
[ 9 ] Ich sage nicht, daß man hellsichtig sein müsse, um in diesen Dingen die richtige Einsicht zu bekommen, sondern ich muß betonen, daß zwar die hellsichtige Weltenerklärung tiefere intensive Erkenntnisse gerade auch auf diesem Gebiete geben kann, daß aber eine gesunde Selbstschau durchaus dahin führt, das Mathematische, die primären Qualitäten, das Mathematisch-Mechanische auch in das Innere des Menschen zu verlegen, die sekundären Qualitäten auch in die Außenwelt des Menschen zu verlegen. Man kannte die Menschennatur nicht mehr. Man wußte nicht in Wirklichkeit, wie die Körperlichkeit des Menschen erfüllt ist von der Geistigkeit, wie die Geistigkeit, indem sie wachend im Menschen ist, sich vergessen muß, sich ganz hingeben muß dem Körper, damit sie das Mathematische begreift. Und man wußte auch nicht das andere, daß die Geistigkeit sich ganz in sich zusammenfassen muß und unabhängig vom Körper, das heißt außerhalb des Körpers, leben muß, um zu den sekundären Qualitäten zu kommen. Über alle diese Dinge, sage ich, kann die hellseherische Anschauung intensivere Einsichten geben, aber sie ist nicht nötig. Eine Selbstschau, eine wirkliche, gesunde Selbstschau kann fühlen, in richtigem Gefühl erkennen, daß Mathematik auch etwas innerlich Menschliches ist, Ton, Farbe usw. auch etwas Äußerliches sind.
[ 10 ] Ich habe das, was einfach ein gesundes Empfinden, das aber zu wirklichen Erkenntnissen führt, nach dieser Richtung haben kann, in den achtziger Jahren in meinen Einleitungen zu «Goethes Naturwissenschaftlichen Schriften» dargestellt. Da ist auf keine hellseherische Erkenntnis Rücksicht genommen, aber es ist gezeigt, inwieweit der Mensch ohne hellseherische Erkenntnis zur Anerkennung der Realität von Farbe, Ton usw. kommen kann. Dies hat man noch nicht verstanden. Das naturwissenschaftliche Zeitalter ist in der Lockeschen Denkungsweise noch zu sehr befangen. Dies konnte man nicht verstehen, konnte es auch nicht verstehen, als ich es, ich möchte sagen, philosophisch geschürzt, 1911 deutlich ausführte am Philosophischen Kongreß in Bologna. Da versuchte ich zu zeigen, wie das GeistigSeelische des Menschen beim Wachzustande zwar im physischen und Ätherleib ist, aber seiner Qualität nach, gewissermaßen indem es den physischen und Ätherleib erfüllt, doch innerlich selbständig bleibt. Fühlt man diese innerliche Selbständigkeit des Geistig-Seelischen des Menschen, dann hat man auch eine Nachempfindung von dem, was das Geistig-Seelische im Schlafen von den Realitäten des Grünen und Gelben, des G und Cis, des Warmen und Kalten, des Sauren und Süßen usw. erlebt hat. Aber eben auf eine wirkliche Menschenerkenntnis wollte zunächst das naturwissenschaftliche Zeitalter nicht eingehen.
[ 10 ] Ich habe das, was einfach ein gesundes Empfinden, das aber zu wirklichen Erkenntnissen führt, nach dieser Richtung haben kann, in den achtziger Jahren in meinen Einleitungen zu «Goethes Naturwissenschaftlichen Schriften» dargestellt. Da ist auf keine hellseherische Erkenntnis Rücksicht genommen, aber es ist gezeigt, inwieweit der Mensch ohne hellseherische Erkenntnis zur Anerkennung der Realität von Farbe, Ton usw. kommen kann. Dies hat man noch nicht verstanden. Das naturwissenschaftliche Zeitalter ist in der Lockeschen Denkungsweise noch zu sehr befangen. Dies konnte man nicht verstehen, konnte es auch nicht verstehen, als ich es, ich möchte sagen, philosophisch geschürzt, 1911 deutlich ausführte am Philosophischen Kongreß in Bologna. Da versuchte ich zu zeigen, wie das GeistigSeelische des Menschen beim Wachzustande zwar im physischen und Ätherleib ist, aber seiner Qualität nach, gewissermaßen indem es den physischen und Ätherleib erfüllt, doch innerlich selbständig bleibt. Fühlt man diese innerliche Selbständigkeit des Geistig-Seelischen des Menschen, dann hat man auch eine Nachempfindung von dem, was das Geistig-Seelische im Schlafen von den Realitäten des Grünen und Gelben, des G und Cis, des Warmen und Kalten, des Sauren und Süßen usw. erlebt hat. Aber eben auf eine wirkliche Menschenerkenntnis wollte zunächst das naturwissenschaftliche Zeitalter nicht eingehen.
[ 11 ] Wir sehen an dieser Charakteristik des Verhältnisses des Menschen zur Welt nach den primären und sekundären Qualitäten ganz deutlich, wie der Mensch abkommt davon, über sich und sein Verhältnis zur Welt eine richtige Empfindung zu haben. Aber dasselbe steckte auch in anderen Vorstellungen, die man über den Menschen gewann, darinnen. Weil man keine Anschauung gewinnen konnte davon, wie das Mathematische in seinen drei Dimensionen im Inneren des Menschen lebt, konnte man auch nicht das Wesentliche des Menschen in bezug auf seine Geistigkeit durchschauen. Denn dieses Wesentliche hätte darinnen bestanden, daß man sich gesagt hätte: Der Mensch ist in der Lage, das Rechts-Links durch die symmetrische Bewegung seiner Arme und Hände, durch die anderen symmetrisch durch ihn vollbrachten Bewegungen zu erfassen. Er ist, indem er zum Beispiel den Gang seiner Nahrungsmittel fühlt, in der Lage, zu erleben das Vorne und Hinten. Er erlebt das Oben und Unten, weil er sich ja während seines Lebens erst in dieses Oben und Unten hineinordnet. Durchschaut man dieses, dann sieht man ja, wie der Mensch innerlich die Tätigkeit entfaltet, die in der Erzeugung der drei Raumdimensionen liegt, und man wird, wenn man vom Menschen spricht in seinem Verhältnisse zur Tierwelt, auf das Charakteristische hinweisen, daß ja das Tier nicht in derselben Weise wie der Mensch zum Beispiel das Oben und Unten hat, weil es seine wesentliche Körperachse in der Horizontalen hat, also in demjenigen, was der Mensch als vorne und hinten empfinden kann. Das abstrakte Raumschema genügte nicht mehr, um etwas anderes als mathematisch-mechanisch-abstrakte Verhältnisse in der unorganischen Natur zu ergründen. Es genügte zum Beispiel nicht, um über das innere Erleben des Raumes, auf der einen Seite beim Tier, auf der anderen Seite beim Menschen, eine Anschauung zu entwickeln.
[ 11 ] Wir sehen an dieser Charakteristik des Verhältnisses des Menschen zur Welt nach den primären und sekundären Qualitäten ganz deutlich, wie der Mensch abkommt davon, über sich und sein Verhältnis zur Welt eine richtige Empfindung zu haben. Aber dasselbe steckte auch in anderen Vorstellungen, die man über den Menschen gewann, darinnen. Weil man keine Anschauung gewinnen konnte davon, wie das Mathematische in seinen drei Dimensionen im Inneren des Menschen lebt, konnte man auch nicht das Wesentliche des Menschen in bezug auf seine Geistigkeit durchschauen. Denn dieses Wesentliche hätte darinnen bestanden, daß man sich gesagt hätte: Der Mensch ist in der Lage, das Rechts-Links durch die symmetrische Bewegung seiner Arme und Hände, durch die anderen symmetrisch durch ihn vollbrachten Bewegungen zu erfassen. Er ist, indem er zum Beispiel den Gang seiner Nahrungsmittel fühlt, in der Lage, zu erleben das Vorne und Hinten. Er erlebt das Oben und Unten, weil er sich ja während seines Lebens erst in dieses Oben und Unten hineinordnet. Durchschaut man dieses, dann sieht man ja, wie der Mensch innerlich die Tätigkeit entfaltet, die in der Erzeugung der drei Raumdimensionen liegt, und man wird, wenn man vom Menschen spricht in seinem Verhältnisse zur Tierwelt, auf das Charakteristische hinweisen, daß ja das Tier nicht in derselben Weise wie der Mensch zum Beispiel das Oben und Unten hat, weil es seine wesentliche Körperachse in der Horizontalen hat, also in demjenigen, was der Mensch als vorne und hinten empfinden kann. Das abstrakte Raumschema genügte nicht mehr, um etwas anderes als mathematisch-mechanisch-abstrakte Verhältnisse in der unorganischen Natur zu ergründen. Es genügte zum Beispiel nicht, um über das innere Erleben des Raumes, auf der einen Seite beim Tier, auf der anderen Seite beim Menschen, eine Anschauung zu entwickeln.


[ 12 ] Und so konnte zunächst in diesem naturwissenschaftlichen Zeitalter keine richtige Meinung entstehen über die Frage: Wie verhält sich eigentlich der Mensch zum Tier, das Tier zum Menschen? Wodurch unterscheiden sie sich? Da man aber doch noch fühlte in einer gewissen Weise: Es ist ein Unterschied zwischen dem Menschen und dem Tiere — so suchte man ihn in allerlei Merkmalen, die nicht durchgreifend charakteristisch sein können, weder für den Menschen noch für die Tiere. Und davon ist ein sehr bedeutsames Beispiel das, daß man mit Bezug auf die obere Kinnlade des Menschen, in der die Oberzähne sitzen, gesagt hat: Dieser Kinnladenknochen ist beim Menschen ein einziger; beim Tiere ist er so, daß die vorderen Schneidezähne in einem abgesonderten Zwischenkiefer drinnen sitzen, und erst zu beiden Seiten dieses Zwischenkiefers ist der eigentliche Oberkiefer. Der Mensch habe diesen Zwischenkiefer nicht. Nachdem man also keine Fähigkeit mehr hatte, durch innerlich Geistig-Seelisches das Verhältnis des Tieres zum Menschen zu finden, sah man es in etwas so Äußerlichem, daß man sagte: Das Tier hat den Zwischenkiefer, der Mensch hat ihn nicht.
[ 12 ] Und so konnte zunächst in diesem naturwissenschaftlichen Zeitalter keine richtige Meinung entstehen über die Frage: Wie verhält sich eigentlich der Mensch zum Tier, das Tier zum Menschen? Wodurch unterscheiden sie sich? Da man aber doch noch fühlte in einer gewissen Weise: Es ist ein Unterschied zwischen dem Menschen und dem Tiere — so suchte man ihn in allerlei Merkmalen, die nicht durchgreifend charakteristisch sein können, weder für den Menschen noch für die Tiere. Und davon ist ein sehr bedeutsames Beispiel das, daß man mit Bezug auf die obere Kinnlade des Menschen, in der die Oberzähne sitzen, gesagt hat: Dieser Kinnladenknochen ist beim Menschen ein einziger; beim Tiere ist er so, daß die vorderen Schneidezähne in einem abgesonderten Zwischenkiefer drinnen sitzen, und erst zu beiden Seiten dieses Zwischenkiefers ist der eigentliche Oberkiefer. Der Mensch habe diesen Zwischenkiefer nicht. Nachdem man also keine Fähigkeit mehr hatte, durch innerlich Geistig-Seelisches das Verhältnis des Tieres zum Menschen zu finden, sah man es in etwas so Äußerlichem, daß man sagte: Das Tier hat den Zwischenkiefer, der Mensch hat ihn nicht.
[ 13 ] Goethe war derjenige, der zwar solche Erkenntnisse wie diese, die ich heute ausgesprochen habe über primäre und sekundäre Qualitäten, nicht in Worte fassen konnte, auch keine äußerlichen Gedanken mit völliger Klarheit sich darüber erringen konnte, aber Goethe hatte ein gesundes Gefühl von all diesen Dingen. Vor allen Dingen wußte Goethe instinktiv, man muß in der ganzen Bildung des Menschen seinen Unterschied von den Tieren finden und nicht in etwas Einzelnem. Deshalb wurde Goethe zum Bekämpfer der Idee von dem fehlenden Zwischenkieferknochen am Menschen. Und er schrieb als junger Mann seine bedeutungsvolle Abhandlung, die dem Menschen wie dem Tiere einen Zwischenkiefer in der oberen Kinnlade zuschreibt. Und es gelang ihm, den vollgültigen Tatsachenbeweis für diese Behauptung zu finden, indem er eben zeigte, wie noch im embryonalen Zustande beim Menschen der Zwischenkiefer durchaus zu sehen ist, wie er aber, indem der Mensch sich entwickelt, also schon beim kleinen Kinde, mit dem Oberkiefer verwächst, während er bei dem Tier getrennt bleibt. Goethe hat das alles aus einem gewissen richtigen Erkenntnisinstinkte heraus behandelt, und aus diesem Erkenntnisinstinkte heraus ist er zunächst dazu gekommen, zu sagen: Man darf nicht in solchen Einzelheiten den Unterschied des Menschen von den Tieren finden wollen, man muß ihn in dem ganzen Verhältnis seiner Gestaltung, seines Seelischen, seines Geistigen zur Welt suchen. Deshalb bedeutet die Bekämpfung der Naturforscher, die dem Menschen den Zwischenkiefer absprechen, die Bekämpfung dieser Naturforscher durch Goethe auf der einen Seite, daß er in bezug auf die Äußerlichkeiten den Menschen nahe herangebracht hat an die Tiere, um ihn andererseits gerade in bezug auf sein eigentliches Wesen in seinem wahren Unterschiede hinstellen zu können. Diese Anschauungsweise, die Goethe aus einem Erkenntnisinstinkt heraus der Form derjenigen Naturwissenschaft entgegengesetzt hat, die diese bis zu ihm angenommen hatte, die sie auch heute noch hat, diese Anschauungsweise Goethes fand ja eigentlich keine Nachfolge innerhalb der naturwissenschaftlichen Kreise. Dagegen trat gerade im 19. Jahrhundert immer mehr als Konsequenz alles desjenigen, was sich auf naturwissenschaftlichem Felde herausgebildet hatte seit dem 15. Jahrhundert, die Tendenz auf, den Menschen dem Tier anzunähern, nicht um seinen Unterschied von ihm in Äußerlichkeiten zu suchen, sondern um sein Wesen ganz nahe an die Tiere heranzutragen. Und diese Tendenz, sie ist dann enthalten in dem, was als darwinistischer Entwickelungsgedanke und so weiter auftrat. Das hat Nachfolge gefunden. Goethes Anschauung hat keine Nachfolge gefunden. Ja, manche haben Goethe sogar als eine Art Darwinisten behandelt, weil sie an Goethe nur gerade das sehen, daß er durch so etwas, wie es der Zwischenkiefer ist, den Menschen dem Tiere nahegebracht hat. Aber sie sehen nicht, daß er dies getan hat, um gewissermaßen darauf hinzuweisen — er hat nicht selber mit ausdrücklichen Worten darauf hingewiesen, aber es liegt in seiner Weltanschauung —, daß in etwas ganz anderem als in diesen Äußerlichkeiten der Unterschied des Menschen von den Tieren gefunden werden müßte.
[ 13 ] Goethe war derjenige, der zwar solche Erkenntnisse wie diese, die ich heute ausgesprochen habe über primäre und sekundäre Qualitäten, nicht in Worte fassen konnte, auch keine äußerlichen Gedanken mit völliger Klarheit sich darüber erringen konnte, aber Goethe hatte ein gesundes Gefühl von all diesen Dingen. Vor allen Dingen wußte Goethe instinktiv, man muß in der ganzen Bildung des Menschen seinen Unterschied von den Tieren finden und nicht in etwas Einzelnem. Deshalb wurde Goethe zum Bekämpfer der Idee von dem fehlenden Zwischenkieferknochen am Menschen. Und er schrieb als junger Mann seine bedeutungsvolle Abhandlung, die dem Menschen wie dem Tiere einen Zwischenkiefer in der oberen Kinnlade zuschreibt. Und es gelang ihm, den vollgültigen Tatsachenbeweis für diese Behauptung zu finden, indem er eben zeigte, wie noch im embryonalen Zustande beim Menschen der Zwischenkiefer durchaus zu sehen ist, wie er aber, indem der Mensch sich entwickelt, also schon beim kleinen Kinde, mit dem Oberkiefer verwächst, während er bei dem Tier getrennt bleibt. Goethe hat das alles aus einem gewissen richtigen Erkenntnisinstinkte heraus behandelt, und aus diesem Erkenntnisinstinkte heraus ist er zunächst dazu gekommen, zu sagen: Man darf nicht in solchen Einzelheiten den Unterschied des Menschen von den Tieren finden wollen, man muß ihn in dem ganzen Verhältnis seiner Gestaltung, seines Seelischen, seines Geistigen zur Welt suchen. Deshalb bedeutet die Bekämpfung der Naturforscher, die dem Menschen den Zwischenkiefer absprechen, die Bekämpfung dieser Naturforscher durch Goethe auf der einen Seite, daß er in bezug auf die Äußerlichkeiten den Menschen nahe herangebracht hat an die Tiere, um ihn andererseits gerade in bezug auf sein eigentliches Wesen in seinem wahren Unterschiede hinstellen zu können. Diese Anschauungsweise, die Goethe aus einem Erkenntnisinstinkt heraus der Form derjenigen Naturwissenschaft entgegengesetzt hat, die diese bis zu ihm angenommen hatte, die sie auch heute noch hat, diese Anschauungsweise Goethes fand ja eigentlich keine Nachfolge innerhalb der naturwissenschaftlichen Kreise. Dagegen trat gerade im 19. Jahrhundert immer mehr als Konsequenz alles desjenigen, was sich auf naturwissenschaftlichem Felde herausgebildet hatte seit dem 15. Jahrhundert, die Tendenz auf, den Menschen dem Tier anzunähern, nicht um seinen Unterschied von ihm in Äußerlichkeiten zu suchen, sondern um sein Wesen ganz nahe an die Tiere heranzutragen. Und diese Tendenz, sie ist dann enthalten in dem, was als darwinistischer Entwickelungsgedanke und so weiter auftrat. Das hat Nachfolge gefunden. Goethes Anschauung hat keine Nachfolge gefunden. Ja, manche haben Goethe sogar als eine Art Darwinisten behandelt, weil sie an Goethe nur gerade das sehen, daß er durch so etwas, wie es der Zwischenkiefer ist, den Menschen dem Tiere nahegebracht hat. Aber sie sehen nicht, daß er dies getan hat, um gewissermaßen darauf hinzuweisen — er hat nicht selber mit ausdrücklichen Worten darauf hingewiesen, aber es liegt in seiner Weltanschauung —, daß in etwas ganz anderem als in diesen Äußerlichkeiten der Unterschied des Menschen von den Tieren gefunden werden müßte.
[ 14 ] Weil man nichts mehr vom Menschen wußte, suchte man seine eigenen wesentlichen Merkmale bei dem Tiere und sagte sich: Da sind die tierischen Merkmale, die sind nur etwas höher entwickelt beim Menschen. Daß der Mensch schon rein räumlich eine ganz andere Lage zur Welt in der Anschauung erhalten müsse, davon hatte man immer weniger und weniger eine Ahnung. Und im Grunde genommen sind alle Anschauungen über die Entwickelung des Lebendigen im naturwissenschaftlichen Zeitalter eben so entstanden, daß sie Systeme bildeten mit Ausschluß einer wirklichen Erkenntnis des Menschen. Man wußte mit der Wesenheit des Menschen nichts anzufangen. Daher stellte man ihn nur wie den Schlußpunkt der Tierreihe dar. Man sagte gewissermaßen: Da sind die Tiere; dann bringen es die Tiere noch zu einem letzten Grade der Vollkommenheit, zu einem vollkommensten Tier, und dieses vollkommenste Tier, das ist eben der Mensch.
[ 14 ] Weil man nichts mehr vom Menschen wußte, suchte man seine eigenen wesentlichen Merkmale bei dem Tiere und sagte sich: Da sind die tierischen Merkmale, die sind nur etwas höher entwickelt beim Menschen. Daß der Mensch schon rein räumlich eine ganz andere Lage zur Welt in der Anschauung erhalten müsse, davon hatte man immer weniger und weniger eine Ahnung. Und im Grunde genommen sind alle Anschauungen über die Entwickelung des Lebendigen im naturwissenschaftlichen Zeitalter eben so entstanden, daß sie Systeme bildeten mit Ausschluß einer wirklichen Erkenntnis des Menschen. Man wußte mit der Wesenheit des Menschen nichts anzufangen. Daher stellte man ihn nur wie den Schlußpunkt der Tierreihe dar. Man sagte gewissermaßen: Da sind die Tiere; dann bringen es die Tiere noch zu einem letzten Grade der Vollkommenheit, zu einem vollkommensten Tier, und dieses vollkommenste Tier, das ist eben der Mensch.
[ 15 ] Ich wollte, meine sehr verehrten Anwesenden und lieben Freunde, Sie mit diesen Auseinandersetzungen darauf aufmerksam machen, wie sogar mit einer gewissen innerlichen Konsequenz in den verschiedenen Gebieten des naturwissenschaftlichen Denkens seit der ersten Phase dieses Denkens, vom 15. Jahrhundert an bis heute, vorgegangen worden ist, wie der Mensch sich auf dem Gebiete der Physik, der Physiologie sein Verhältnis zur Welt ausmalt, indem er sagt: Da draußen ist eine stumme, eine farblose Welt. Die wirkt auf dich. Du bildest die Farbe aus, du bildest die Töne aus in dir als Erlebnis der Wirkungen der Außenwelt. — Wie der Mensch sich dieses sagte auf der einen Seite und auf der anderen sich auch sagte: Es gibt in der Außenwelt ohne dich die drei Raumdimensionen —, wie sich der Mensch das sagte, weil er die Fähigkeit verloren hatte, auf das Vollkommene des Menschen einzugehen, so bildete er sich auch in seinen Anschauungen über die tierische und menschliche Gestaltung solche Vorstellungen aus, welche nicht eingingen auf das wirkliche Wesen des Menschen. Und so kann man eigentlich, trotz dieser großen, gewaltigen Fortschritte, die von einem gewissen Gesichtspunkte aus mit Recht als menschliche Fortschritte allerersten Ranges geschildert werden, man kann sagen: Die naturwissenschaftliche Weltanschauung ist gerade dadurch groß geworden, daß sie vom Menschen und seinem Wesen völlig abgesehen hat. Allerdings bekam man eigentlich keine rechte Ahnung davon, wie sehr man von dem wirklichen Menschen absieht, indem man ihn naturwissenschaftlich betrachtete. Man kann zum Beispiel bei besonders enthusiastischen materialistischen Denkern des 19. Jahrhunderts geschildert finden, wie der Mensch gar nichts besonders Seelisch-Geistiges für sich in Anspruch nehmen dürfe, denn dasjenige, was als Seelisch-Geistiges erscheint, das sei ja nur die Wirkung desjenigen, was äußerlich räumlich-zeitlich sich vollzieht. Und da beschrieben solche enthusiastischen Naturdenker, wie das Licht auf den Menschen wirkt, also das Ätherische nach ihrer Anschauungsweise, wie das sich in seinen Nerven nach innen vibrierend fortsetzt, wie aber auch in der Atmung sich die äußere Luft in ihm fortsetzt usw. Und dann sagten sie etwa zusammenfassend: Oh, der Mensch ist ja von jeder 'Temperaturerhöhung, von jeder Temperaturerniedrigung abhängig. Der Mensch ist abhängig von alledem, was zum Beispiel auftritt als Deformation seines Nervensystems. Man spitzte etwa eine solche Auseinandersetzung zu, indem man sagte: Der Mensch ist ein Geschöpf, abhängig von jedem Zug oder Druck der Luft und dergleichen.
[ 15 ] Ich wollte, meine sehr verehrten Anwesenden und lieben Freunde, Sie mit diesen Auseinandersetzungen darauf aufmerksam machen, wie sogar mit einer gewissen innerlichen Konsequenz in den verschiedenen Gebieten des naturwissenschaftlichen Denkens seit der ersten Phase dieses Denkens, vom 15. Jahrhundert an bis heute, vorgegangen worden ist, wie der Mensch sich auf dem Gebiete der Physik, der Physiologie sein Verhältnis zur Welt ausmalt, indem er sagt: Da draußen ist eine stumme, eine farblose Welt. Die wirkt auf dich. Du bildest die Farbe aus, du bildest die Töne aus in dir als Erlebnis der Wirkungen der Außenwelt. — Wie der Mensch sich dieses sagte auf der einen Seite und auf der anderen sich auch sagte: Es gibt in der Außenwelt ohne dich die drei Raumdimensionen —, wie sich der Mensch das sagte, weil er die Fähigkeit verloren hatte, auf das Vollkommene des Menschen einzugehen, so bildete er sich auch in seinen Anschauungen über die tierische und menschliche Gestaltung solche Vorstellungen aus, welche nicht eingingen auf das wirkliche Wesen des Menschen. Und so kann man eigentlich, trotz dieser großen, gewaltigen Fortschritte, die von einem gewissen Gesichtspunkte aus mit Recht als menschliche Fortschritte allerersten Ranges geschildert werden, man kann sagen: Die naturwissenschaftliche Weltanschauung ist gerade dadurch groß geworden, daß sie vom Menschen und seinem Wesen völlig abgesehen hat. Allerdings bekam man eigentlich keine rechte Ahnung davon, wie sehr man von dem wirklichen Menschen absieht, indem man ihn naturwissenschaftlich betrachtete. Man kann zum Beispiel bei besonders enthusiastischen materialistischen Denkern des 19. Jahrhunderts geschildert finden, wie der Mensch gar nichts besonders Seelisch-Geistiges für sich in Anspruch nehmen dürfe, denn dasjenige, was als Seelisch-Geistiges erscheint, das sei ja nur die Wirkung desjenigen, was äußerlich räumlich-zeitlich sich vollzieht. Und da beschrieben solche enthusiastischen Naturdenker, wie das Licht auf den Menschen wirkt, also das Ätherische nach ihrer Anschauungsweise, wie das sich in seinen Nerven nach innen vibrierend fortsetzt, wie aber auch in der Atmung sich die äußere Luft in ihm fortsetzt usw. Und dann sagten sie etwa zusammenfassend: Oh, der Mensch ist ja von jeder 'Temperaturerhöhung, von jeder Temperaturerniedrigung abhängig. Der Mensch ist abhängig von alledem, was zum Beispiel auftritt als Deformation seines Nervensystems. Man spitzte etwa eine solche Auseinandersetzung zu, indem man sagte: Der Mensch ist ein Geschöpf, abhängig von jedem Zug oder Druck der Luft und dergleichen.
[ 16 ] Derjenige, der unbefangen solche Beschreibungen nimmt, der kann merken, daß da nicht das eigentliche Wesen des Menschen beschrieben ist, sondern das beschrieben ist, wodurch dieses Menschenwesen ein Neurastheniker wird. Denn zum Beispiel kann man durchaus, wenn man die Betrachtungen, welche materialistische Denker des 19. Jahrhunderts vom Menschen gaben, sagen: Ja, das wären nicht Menschen, das wären spezifische Neurastheniker, wenn der Mensch so von jedem Luftzug abhängig wäre, wie da diese materialistischen Denker ihn schildern. Von diesem Neurastheniker sprach man als vom Menschen, ließ dasjenige, was das eigentliche Wesen ist, aus, und wußte nur noch dasjenige, wodurch dieses wahre Wesen, das unbekannt blieb, ein Neurastheniker wird. Überall fällt nach und nach durch den besonderen Charakter, den das Denken über die Natur angenommen hat, aus diesem Denken das wahre Wesen des Menschen heraus. Man verliert für die Anschauung das wahre Wesen des Menschen. Das ist dasjenige, wogegen eigentlich Goethe revoltiert hat, trotzdem er nicht imstande war, durch klar formulierte Sätze dasjenige auszusprechen, was er seinen Anschauungen nach als richtig erkannt hatte.
[ 16 ] Derjenige, der unbefangen solche Beschreibungen nimmt, der kann merken, daß da nicht das eigentliche Wesen des Menschen beschrieben ist, sondern das beschrieben ist, wodurch dieses Menschenwesen ein Neurastheniker wird. Denn zum Beispiel kann man durchaus, wenn man die Betrachtungen, welche materialistische Denker des 19. Jahrhunderts vom Menschen gaben, sagen: Ja, das wären nicht Menschen, das wären spezifische Neurastheniker, wenn der Mensch so von jedem Luftzug abhängig wäre, wie da diese materialistischen Denker ihn schildern. Von diesem Neurastheniker sprach man als vom Menschen, ließ dasjenige, was das eigentliche Wesen ist, aus, und wußte nur noch dasjenige, wodurch dieses wahre Wesen, das unbekannt blieb, ein Neurastheniker wird. Überall fällt nach und nach durch den besonderen Charakter, den das Denken über die Natur angenommen hat, aus diesem Denken das wahre Wesen des Menschen heraus. Man verliert für die Anschauung das wahre Wesen des Menschen. Das ist dasjenige, wogegen eigentlich Goethe revoltiert hat, trotzdem er nicht imstande war, durch klar formulierte Sätze dasjenige auszusprechen, was er seinen Anschauungen nach als richtig erkannt hatte.
[ 17 ] Man muß solches, was ich Ihnen jetzt vorgeführt habe, verfolgen in dem inneren Umschwung der Entwickelung des naturwissenschaftlichen Denkens seit dem 15. Jahrhundert, und man wird finden, daß man gerade dadurch das, worauf es ankommt in dieser Entwickelung, im richtigen Lichte ansieht. Ich möchte sagen: Goethe interessierte sich in seiner Jugend intensiv für dasjenige, was die Naturwissenschaft auf ihren verschiedenen Gebieten hervorgebracht hatte. Er studierte es, ließ sich von der Naturwissenschaft anregen, war aber nicht mit allem einverstanden, was da an ihn herantrat, weil er in allem fühlte, daß der Mensch aus diesen Anschauungen herausgeworfen war. Goethe aber fühlte intensiv den vollen Menschen. Daher revoltierte er auf den mannigfaltigsten Gebieten gegen die naturwissenschaftliche Anschauung, die er um sich herum sah. Und es kommt schon darauf an, daß man diese naturwissenschaftliche Entwickelung seit dem 15. Jahrhundert auch dadurch begreift, daß man sie auf dem Hintergrunde des Goetheschen Weltanschauungssystems anschaut. Da kommt man am besten darauf, wenn man rein historisch vorgehen will, wie dieser Betrachtung das eigentliche Wesen des Menschen fehlt, fehlt schon in den physikalischen Wissenschaften, fehlt auch in den biologischen Wissenschaften.
[ 17 ] Man muß solches, was ich Ihnen jetzt vorgeführt habe, verfolgen in dem inneren Umschwung der Entwickelung des naturwissenschaftlichen Denkens seit dem 15. Jahrhundert, und man wird finden, daß man gerade dadurch das, worauf es ankommt in dieser Entwickelung, im richtigen Lichte ansieht. Ich möchte sagen: Goethe interessierte sich in seiner Jugend intensiv für dasjenige, was die Naturwissenschaft auf ihren verschiedenen Gebieten hervorgebracht hatte. Er studierte es, ließ sich von der Naturwissenschaft anregen, war aber nicht mit allem einverstanden, was da an ihn herantrat, weil er in allem fühlte, daß der Mensch aus diesen Anschauungen herausgeworfen war. Goethe aber fühlte intensiv den vollen Menschen. Daher revoltierte er auf den mannigfaltigsten Gebieten gegen die naturwissenschaftliche Anschauung, die er um sich herum sah. Und es kommt schon darauf an, daß man diese naturwissenschaftliche Entwickelung seit dem 15. Jahrhundert auch dadurch begreift, daß man sie auf dem Hintergrunde des Goetheschen Weltanschauungssystems anschaut. Da kommt man am besten darauf, wenn man rein historisch vorgehen will, wie dieser Betrachtung das eigentliche Wesen des Menschen fehlt, fehlt schon in den physikalischen Wissenschaften, fehlt auch in den biologischen Wissenschaften.
[ 18 ] Das soll keine Kritik sein der naturwissenschaftlichen Weltanschauung, sondern nur eine Charakteristik. Denn nehmen wir einmal an, daß jemand sagt: Hier habe ich Wasser. Das kann ich so nicht brauchen. Ich sondere den Sauerstoff vom Wasserstoff ab, weil ich den Wasserstoff brauche. — Er sondert den Sauerstoff vom Wasserstoff ab. Wenn ich das Ergebnis dann feststelle, so ist das keine Kritik seines Verhaltens. Ich habe ihm nicht zu sagen: Du machst etwas Unrichtiges, denn du mußt das Wasser sein lassen. — Das Wasser ist kein Wasserstoff. Ebensowenig ist es eine Kritik, wenn ich sage: Die naturwissenschaftliche Entwickelung seit dem 15. Jahrhundert nahm die Welt der Lebewesen und sonderte, wie der Chemiker vom Wasser den Sauerstoff absondert, den Menschen in seinem eigentlichen Wesen ab, warf ihn weg und behielt das zurück, was die damalige Zeit brauchte, so wie der andere den Wasserstoff braucht, und führte die menschlose Naturwissenschaft zu den Triumphen, zu denen sie eben führte. — Es handelt sich nicht um eine Kritik, wenn man so etwas ausspricht, sondern um eine Charakteristik. Der neuere Naturforscher brauchte gewissermaßen die Natur menschlos, so wie irgendein Chemiker brauchen kann den Wasserstoff sauerstofflos und daher nötig hat zu teilen das Wasser in Wasserstoff und Sauerstoff. Aber man muß verstehen, um was es sich handelt, so daß man nicht immerfort wieder in den Fehler verfällt, doch irgendwo durch die Naturwissenschaften das Wesen des Menschen suchen zu wollen. Das wäre geradeso unmöglich, wie wenn man in dem Wasserstoff, den einem jemand daherbringt, auch den Sauerstoff suchen würde, den er aus dem Wasser ausgeschieden hat.
[ 18 ] Das soll keine Kritik sein der naturwissenschaftlichen Weltanschauung, sondern nur eine Charakteristik. Denn nehmen wir einmal an, daß jemand sagt: Hier habe ich Wasser. Das kann ich so nicht brauchen. Ich sondere den Sauerstoff vom Wasserstoff ab, weil ich den Wasserstoff brauche. — Er sondert den Sauerstoff vom Wasserstoff ab. Wenn ich das Ergebnis dann feststelle, so ist das keine Kritik seines Verhaltens. Ich habe ihm nicht zu sagen: Du machst etwas Unrichtiges, denn du mußt das Wasser sein lassen. — Das Wasser ist kein Wasserstoff. Ebensowenig ist es eine Kritik, wenn ich sage: Die naturwissenschaftliche Entwickelung seit dem 15. Jahrhundert nahm die Welt der Lebewesen und sonderte, wie der Chemiker vom Wasser den Sauerstoff absondert, den Menschen in seinem eigentlichen Wesen ab, warf ihn weg und behielt das zurück, was die damalige Zeit brauchte, so wie der andere den Wasserstoff braucht, und führte die menschlose Naturwissenschaft zu den Triumphen, zu denen sie eben führte. — Es handelt sich nicht um eine Kritik, wenn man so etwas ausspricht, sondern um eine Charakteristik. Der neuere Naturforscher brauchte gewissermaßen die Natur menschlos, so wie irgendein Chemiker brauchen kann den Wasserstoff sauerstofflos und daher nötig hat zu teilen das Wasser in Wasserstoff und Sauerstoff. Aber man muß verstehen, um was es sich handelt, so daß man nicht immerfort wieder in den Fehler verfällt, doch irgendwo durch die Naturwissenschaften das Wesen des Menschen suchen zu wollen. Das wäre geradeso unmöglich, wie wenn man in dem Wasserstoff, den einem jemand daherbringt, auch den Sauerstoff suchen würde, den er aus dem Wasser ausgeschieden hat.
[ 19 ] So müssen diese Dinge betrachtet werden gerade dann, wenn man in richtiger Weise über sie diese historischen Anschauungen gewinnen will. Morgen werde ich weiter fortfahren in der Schilderung der Geburt und Entwickelung der Naturwissenschaft in der neueren Zeit.
[ 19 ] So müssen diese Dinge betrachtet werden gerade dann, wenn man in richtiger Weise über sie diese historischen Anschauungen gewinnen will. Morgen werde ich weiter fortfahren in der Schilderung der Geburt und Entwickelung der Naturwissenschaft in der neueren Zeit.
