The Liberation of Humanity as the
Basis for Social Transformation
GA 329
2 April 1919, Basel
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Die Befreiung des Menschenwesens als Grundlage für eine soziale Neugestaltung
4. Proletarische Forderungen und deren Künftige praktische Verwirklichung
4. Proletarische Forderungen und deren Künftige praktische Verwirklichung
[ 1 ] Glauben Sie nicht, daß ich heute hier das Wort nehmen möchte, um mit Bezug auf die soziale Frage von jener billigen Verständigung zu sprechen, von der heute so viele Leute gerne sprechen möchten und die namentlich gerne gehört sein möchten. Ich möchte von einer ganz anderen Verständigung sprechen, von jener Verständigung, die mir scheint durch laut, laut sprechende Tatsachen, die über einen großen Teil Europas hin sich heute ausbreiten, gefordert zu sein: von der Verständigung mit den in der Gegenwart und in die Zukunft hinein wirkenden geschichtlichen Kräften, welche ein ganz bestimmtes klares und energisches Verhalten zu dem, was seit mehr als einem halben Jahrhundert die soziale Frage genannt wird, herausfordert. Wie sollte man auch heute von jener anderen, eingangs erwähnten Verständigung sprechen wollen? Ist nicht für diese Verständigung allzuviel verloren worden? Hat sich nicht ein gewisser Teil der neueren Menschheit recht viel Zeit gelassen, eine solche Verständigung zu suchen? Heute tut sich ein tiefer Abgrund auf zwischen denjenigen, die die bisher führenden Klassen der Menschheit waren, und denjenigen, die herandrängen mit neueren, aus der Zeit heraus mit Notwendigkeit folgenden Forderungen, also zwischen den bisher führenden Klassen der Menschheit und dem Proletariat mit seinen berechtigten Forderungen.
[ 1 ] Glauben Sie nicht, daß ich heute hier das Wort nehmen möchte, um mit Bezug auf die soziale Frage von jener billigen Verständigung zu sprechen, von der heute so viele Leute gerne sprechen möchten und die namentlich gerne gehört sein möchten. Ich möchte von einer ganz anderen Verständigung sprechen, von jener Verständigung, die mir scheint durch laut, laut sprechende Tatsachen, die über einen großen Teil Europas hin sich heute ausbreiten, gefordert zu sein: von der Verständigung mit den in der Gegenwart und in die Zukunft hinein wirkenden geschichtlichen Kräften, welche ein ganz bestimmtes klares und energisches Verhalten zu dem, was seit mehr als einem halben Jahrhundert die soziale Frage genannt wird, herausfordert. Wie sollte man auch heute von jener anderen, eingangs erwähnten Verständigung sprechen wollen? Ist nicht für diese Verständigung allzuviel verloren worden? Hat sich nicht ein gewisser Teil der neueren Menschheit recht viel Zeit gelassen, eine solche Verständigung zu suchen? Heute tut sich ein tiefer Abgrund auf zwischen denjenigen, die die bisher führenden Klassen der Menschheit waren, und denjenigen, die herandrängen mit neueren, aus der Zeit heraus mit Notwendigkeit folgenden Forderungen, also zwischen den bisher führenden Klassen der Menschheit und dem Proletariat mit seinen berechtigten Forderungen.
[ 2 ] Schauen wir uns einmal das neuere Leben an, um zunächst ein Urteil zu gewinnen über die Unmöglichkeit eines leichten Verständnisses heute. Vieles ist gesprochen worden jahrzehntelang von dieser modernen Zivilisation, von dieser Zivilisation, die so Großes, so Gewaltiges für die Menschheit heraufgebracht haben soll. Wie hat man sie immer wieder und wiederum hören können, die Lobhudeleien auf die moderne Technik, auf das moderne Verkehrswesen! Kennt man sie nicht, all die Phrasen davon, wie heute es den Menschen möglich ist - ja, welchen Menschen möglich ist!? -, in verhältnismäßig kurzer Zeit weite Landstrecken zu durchmessen, wie es den Gedanken möglich geworden ist, fast jede Raumesweite zu überbrücken, wie es möglich geworden ist, das sogenannte Geistesleben auszubreiten? Nun, ich brauche das ganze Loblied, das so und so oft gehört worden ist, nicht ausführlicher darzustellen. Aber worüber hat sich all das, dem ein solches Loblied gesungen wird, erhoben? Ohne was wäre es nicht möglich gewesen? Es wäre nicht möglich gewesen ohne die Arbeit des größten Teiles der Menschheit, jenes Teiles, der nicht teilnehmen durfte an all dem, was so gelobt worden ist, jenes Teiles, der unter körperlichen und seelischen Entbehrungen für diese Lebensbequemlichkeiten zu sorgen hatte, ohne daß er irgendwie Anteil nehmen konnte an all dem, was die moderne Zivilisation an Errungenschaften hervorgebracht hatte.
[ 2 ] Schauen wir uns einmal das neuere Leben an, um zunächst ein Urteil zu gewinnen über die Unmöglichkeit eines leichten Verständnisses heute. Vieles ist gesprochen worden jahrzehntelang von dieser modernen Zivilisation, von dieser Zivilisation, die so Großes, so Gewaltiges für die Menschheit heraufgebracht haben soll. Wie hat man sie immer wieder und wiederum hören können, die Lobhudeleien auf die moderne Technik, auf das moderne Verkehrswesen! Kennt man sie nicht, all die Phrasen davon, wie heute es den Menschen möglich ist - ja, welchen Menschen möglich ist!? -, in verhältnismäßig kurzer Zeit weite Landstrecken zu durchmessen, wie es den Gedanken möglich geworden ist, fast jede Raumesweite zu überbrücken, wie es möglich geworden ist, das sogenannte Geistesleben auszubreiten? Nun, ich brauche das ganze Loblied, das so und so oft gehört worden ist, nicht ausführlicher darzustellen. Aber worüber hat sich all das, dem ein solches Loblied gesungen wird, erhoben? Ohne was wäre es nicht möglich gewesen? Es wäre nicht möglich gewesen ohne die Arbeit des größten Teiles der Menschheit, jenes Teiles, der nicht teilnehmen durfte an all dem, was so gelobt worden ist, jenes Teiles, der unter körperlichen und seelischen Entbehrungen für diese Lebensbequemlichkeiten zu sorgen hatte, ohne daß er irgendwie Anteil nehmen konnte an all dem, was die moderne Zivilisation an Errungenschaften hervorgebracht hatte.
[ 3 ] Sehen wir uns einmal genauer an, wie es seit mehr als einem halben Jahrhundert dazu gekommen ist, daß wir noch heute sagen müssen, der Abgrund besteht. Und wenn heute vielfach von einer Verständigung gesprochen wird, so ist es eben deshalb, weil man Furcht, weil man Angst hat vor den Tatsachen, die so drohend für manche Menschen heraufziehen. Womit hat sich zum Beispiel - um von einem beliebten Gegenstande der seither führenden Klassen auszugehen -, womit hat sich die moralische Weltanschauung dieser führenden Klassen besonders gern beschäftigt? Besonders gern beschäftigt hat sich die Weltanschauung, die moralische Weltanschauung dieser führenden Klassen in unendlichen Reden, in salbungsvollen Darstellungen, in Worten, die nur so von Gefühl überzurriefen schienen, damit, wie die Menschen füreinander Liebe entfalten müssen, wie die Menschen dafür sorgen müssen, daß Brüderlichkeit sich ausbreite, wie die Menschen nur dadurch sich die geistige Welt erobern können, daß sie auf solche Brüderlichkeit eingehen. Derlei von scheinbar tiefem Gefühle triefende Reden wurden von den leitenden Geisteskreisen der bisher führenden Klasse der Menschheit wahrhaftig recht viele geführt. Versetzen wir uns einmal an die Stelle solcher Reden in Spiegelsälen oder dergleichen und denken wir, wie da über Menschenliebe, über Nächstenliebe, über Religiosität gepredigt wurde, gepredigt wurde bei einer Öfenheizung, die geleistet wurde von Kohlen - ich möchte, um ein wenig den Hergang der heutigen Tatsachen zu charakterisieren, doch auf dieses aufmerksam machen -, die gefördert wurden aus jenen Kohlengruben, über die eine englische Enquete im Beginn der neueren Arbeiterbewegung ganz merkwürdige Dinge zutage gefördert hat. Da unten in den Schächten der Erde, da arbeiten neun-, elf-, dreizehnjährige Kinder, die den ganzen Tag unten in den Schächten waren, Kinder, die außer am Sonntag niemals das Sonnenlicht sahen, aus dem einfachen Grunde, weil sie, als es noch finster war, hinunterstiegen in die Gruben, und erst als es nicht mehr hell war, wiederum heraufgebracht wurden. Männer standen da unten, vollständig nackt, neben Frauen, die schwanger waren und die auch halb nackt unten standen und arbeiten mußten.
[ 3 ] Sehen wir uns einmal genauer an, wie es seit mehr als einem halben Jahrhundert dazu gekommen ist, daß wir noch heute sagen müssen, der Abgrund besteht. Und wenn heute vielfach von einer Verständigung gesprochen wird, so ist es eben deshalb, weil man Furcht, weil man Angst hat vor den Tatsachen, die so drohend für manche Menschen heraufziehen. Womit hat sich zum Beispiel - um von einem beliebten Gegenstande der seither führenden Klassen auszugehen -, womit hat sich die moralische Weltanschauung dieser führenden Klassen besonders gern beschäftigt? Besonders gern beschäftigt hat sich die Weltanschauung, die moralische Weltanschauung dieser führenden Klassen in unendlichen Reden, in salbungsvollen Darstellungen, in Worten, die nur so von Gefühl überzurriefen schienen, damit, wie die Menschen füreinander Liebe entfalten müssen, wie die Menschen dafür sorgen müssen, daß Brüderlichkeit sich ausbreite, wie die Menschen nur dadurch sich die geistige Welt erobern können, daß sie auf solche Brüderlichkeit eingehen. Derlei von scheinbar tiefem Gefühle triefende Reden wurden von den leitenden Geisteskreisen der bisher führenden Klasse der Menschheit wahrhaftig recht viele geführt. Versetzen wir uns einmal an die Stelle solcher Reden in Spiegelsälen oder dergleichen und denken wir, wie da über Menschenliebe, über Nächstenliebe, über Religiosität gepredigt wurde, gepredigt wurde bei einer Öfenheizung, die geleistet wurde von Kohlen - ich möchte, um ein wenig den Hergang der heutigen Tatsachen zu charakterisieren, doch auf dieses aufmerksam machen -, die gefördert wurden aus jenen Kohlengruben, über die eine englische Enquete im Beginn der neueren Arbeiterbewegung ganz merkwürdige Dinge zutage gefördert hat. Da unten in den Schächten der Erde, da arbeiten neun-, elf-, dreizehnjährige Kinder, die den ganzen Tag unten in den Schächten waren, Kinder, die außer am Sonntag niemals das Sonnenlicht sahen, aus dem einfachen Grunde, weil sie, als es noch finster war, hinunterstiegen in die Gruben, und erst als es nicht mehr hell war, wiederum heraufgebracht wurden. Männer standen da unten, vollständig nackt, neben Frauen, die schwanger waren und die auch halb nackt unten standen und arbeiten mußten.
[ 4 ] Das war das erste Mal, als man aufmerksam machen wollte durch eine Regierungsenquete darauf, was eigentlich vorgeht unter den Menschen, daß man solche Erfahrungen machte, über die sich die Gedankenlosigkeit niemals hat aufklären wollen, trotz aller Predigten von Humanität, Nächstenliebe und Religiosität. Allerdings, das war im Anfange der modernen proletarischen Bewegung. Aber man kann nicht sagen, daß dasjenige, was wenigstens einigermaßen die Lage weiter Menschenkreise besser gemacht hat, herrührt von dem Verständnisse, das in den bisher führenden Klassen der Menschen gewonnen worden wäre. Ein großer Teil dieser führenden Klassen der Menschheit steht heute ebenso verständnislos den wahren Forderungen der Zeit gegenüber, die aus solchen Tatsachen folgen, wie er ihnen vor fünfzig und mehr Jahren gegenübergestanden hat.
[ 4 ] Das war das erste Mal, als man aufmerksam machen wollte durch eine Regierungsenquete darauf, was eigentlich vorgeht unter den Menschen, daß man solche Erfahrungen machte, über die sich die Gedankenlosigkeit niemals hat aufklären wollen, trotz aller Predigten von Humanität, Nächstenliebe und Religiosität. Allerdings, das war im Anfange der modernen proletarischen Bewegung. Aber man kann nicht sagen, daß dasjenige, was wenigstens einigermaßen die Lage weiter Menschenkreise besser gemacht hat, herrührt von dem Verständnisse, das in den bisher führenden Klassen der Menschen gewonnen worden wäre. Ein großer Teil dieser führenden Klassen der Menschheit steht heute ebenso verständnislos den wahren Forderungen der Zeit gegenüber, die aus solchen Tatsachen folgen, wie er ihnen vor fünfzig und mehr Jahren gegenübergestanden hat.
[ 5 ] Man braucht ja nicht gleich so weit zu gehen, wie eine bisher führende, wenigstens scheinbar führende Persönlichkeit der Menschheit gegangen ist: der gewesene deutsche Kaiser, der die sozialistisch denkenden Menschen genannt hat: Tiere, welche den Unterbau des deutschen Reiches benagen und die Wert sind, ausgerottet zu werden. Das sind seine eigenen Worte. Wie gesagt, man braucht nicht gleich so weit zu gehen, aber immerhin gar so sehr verschieden sind die Urteile, die heute noch in gewissen Kreisen gefällt werden, nicht von diesem eben angeführten, besonders charakteristischen Urteile.
[ 5 ] Man braucht ja nicht gleich so weit zu gehen, wie eine bisher führende, wenigstens scheinbar führende Persönlichkeit der Menschheit gegangen ist: der gewesene deutsche Kaiser, der die sozialistisch denkenden Menschen genannt hat: Tiere, welche den Unterbau des deutschen Reiches benagen und die Wert sind, ausgerottet zu werden. Das sind seine eigenen Worte. Wie gesagt, man braucht nicht gleich so weit zu gehen, aber immerhin gar so sehr verschieden sind die Urteile, die heute noch in gewissen Kreisen gefällt werden, nicht von diesem eben angeführten, besonders charakteristischen Urteile.
[ 6 ] Wenn wir nun hinblicken auf dasjenige, was sich abgespielt hat im Laufe der letzten fünf bis sechs Jahrzehnte, seitdem es das gibt, was heute die soziale Frage genannt wird, so erblicken wir auf der einen Seite eben den gedankenlosen Unverstand mit Bezug auf alles dasjenige, was heraufgekommen ist in der Entwickelung der Menschheit, und auf der anderen Seite erblicken wir den Ansturm, den berechtigten Ansturm der weiten proletarischen Massen, der sich immerzu zusammendrängte in die Worte: So kann es nicht weitergehen. Aber heute sprechen Tatsachen noch eine ganz andere Sprache, als sie in den letzten Jahrzehnten gesprochen haben. Und die Urteile, die manche Leute sprechen, wie nehmen sie sich gegenüber den Tatsachen aus? Darüber ist uns die Schreckenskatastrophe, die wir in den letzten vier bis fünf Jahren durchlebt haben, eine gute Lehre.
[ 6 ] Wenn wir nun hinblicken auf dasjenige, was sich abgespielt hat im Laufe der letzten fünf bis sechs Jahrzehnte, seitdem es das gibt, was heute die soziale Frage genannt wird, so erblicken wir auf der einen Seite eben den gedankenlosen Unverstand mit Bezug auf alles dasjenige, was heraufgekommen ist in der Entwickelung der Menschheit, und auf der anderen Seite erblicken wir den Ansturm, den berechtigten Ansturm der weiten proletarischen Massen, der sich immerzu zusammendrängte in die Worte: So kann es nicht weitergehen. Aber heute sprechen Tatsachen noch eine ganz andere Sprache, als sie in den letzten Jahrzehnten gesprochen haben. Und die Urteile, die manche Leute sprechen, wie nehmen sie sich gegenüber den Tatsachen aus? Darüber ist uns die Schreckenskatastrophe, die wir in den letzten vier bis fünf Jahren durchlebt haben, eine gute Lehre.
[ 7 ] Gestatten Sie die folgende persönliche Bemerkung. Dasjenige, was ich mir seit Jahrzehnten als Urteil über die europäischen politischen Verhältnisse bilden mußte, ich mußte es zusammenfassen in einem Vortrage, den ich im Frühling des Jahres 1914 in Wien vor einem kleineren Kreise gehalten habe - ein größerer hätte mich dazumal wahrscheinlich verlacht -, ich mußte zusammenfassen dasjenige, was dazumal unter den Menschen Europas wob, unter denjenigen Menschen, von denen man sagen konnte, daß sie etwas zu tun haben mit der politischen Schicksalsbildung in Europa. Damals mußte man sagen, wenn man unbefangenen Blickes in die Zeit hineinsah: Wir leiden mit Bezug auf die politischen und Staatenverhältnisse Europas an einem schleichenden Geschwür, an einer Krebskrankheit, die in der allernächsten Zeit in einer furchtbaren Weise wird zum Ausbruche kommen müssen. Die Zeit, in der diese Krebskrankheit ausgebrochen ist, sie kam sehr bald. Aber was sprachen die «Praktiker»? Was sprachen die «Staatsmänner»? Man ist heute versucht, wenn man von Staatsmännern spricht, immer Gänsefüßchen zu machen bei dem Worte. Was sprachen die «Staatsmänner»? Was dazumal der leitende auswärtige Staatssekretär im deutschen Reichstag gesagt hat, das ist das Folgende. Er sagte: Dank den Bemühungen der Kabinette können wir sagen, daß für absehbare Zeiten der europäische Frieden gesichert sein werde. - Das wurde im Mai 1914 von einem leitenden Staatsmann gesagt. Dieser Friede war so gesichert, daß seither zwölf bis fünfzehn Millionen Menschen totgeschossen worden sind, dreimal so viel zu Krüppeln geschlagen worden sind. So wie dazumal diese Staatsmänner sprachen über dasjenige, was auf dem politischen Himmel ist, so sprechen heute viele Leute über dasjenige, was heute durch Tatsachen bedeutsamster, energischester Art durch die ganze gebildete Welt spricht. So sprechen die Leute vielfach gegenüber der sozialen Frage. Keine Ahnung ist in vielen Kreise von dem vorhanden, was da kommen muß und was sicher kommen wird, und dem gegenüber unbedingt von jedem vernünftigen Menschen ein Urteil zu gewinnen ist.
[ 7 ] Gestatten Sie die folgende persönliche Bemerkung. Dasjenige, was ich mir seit Jahrzehnten als Urteil über die europäischen politischen Verhältnisse bilden mußte, ich mußte es zusammenfassen in einem Vortrage, den ich im Frühling des Jahres 1914 in Wien vor einem kleineren Kreise gehalten habe - ein größerer hätte mich dazumal wahrscheinlich verlacht -, ich mußte zusammenfassen dasjenige, was dazumal unter den Menschen Europas wob, unter denjenigen Menschen, von denen man sagen konnte, daß sie etwas zu tun haben mit der politischen Schicksalsbildung in Europa. Damals mußte man sagen, wenn man unbefangenen Blickes in die Zeit hineinsah: Wir leiden mit Bezug auf die politischen und Staatenverhältnisse Europas an einem schleichenden Geschwür, an einer Krebskrankheit, die in der allernächsten Zeit in einer furchtbaren Weise wird zum Ausbruche kommen müssen. Die Zeit, in der diese Krebskrankheit ausgebrochen ist, sie kam sehr bald. Aber was sprachen die «Praktiker»? Was sprachen die «Staatsmänner»? Man ist heute versucht, wenn man von Staatsmännern spricht, immer Gänsefüßchen zu machen bei dem Worte. Was sprachen die «Staatsmänner»? Was dazumal der leitende auswärtige Staatssekretär im deutschen Reichstag gesagt hat, das ist das Folgende. Er sagte: Dank den Bemühungen der Kabinette können wir sagen, daß für absehbare Zeiten der europäische Frieden gesichert sein werde. - Das wurde im Mai 1914 von einem leitenden Staatsmann gesagt. Dieser Friede war so gesichert, daß seither zwölf bis fünfzehn Millionen Menschen totgeschossen worden sind, dreimal so viel zu Krüppeln geschlagen worden sind. So wie dazumal diese Staatsmänner sprachen über dasjenige, was auf dem politischen Himmel ist, so sprechen heute viele Leute über dasjenige, was heute durch Tatsachen bedeutsamster, energischester Art durch die ganze gebildete Welt spricht. So sprechen die Leute vielfach gegenüber der sozialen Frage. Keine Ahnung ist in vielen Kreise von dem vorhanden, was da kommen muß und was sicher kommen wird, und dem gegenüber unbedingt von jedem vernünftigen Menschen ein Urteil zu gewinnen ist.
[ 8 ] Was ich in dieser Angelegenheit zu sagen habe, ist wahrhaftig nicht aus irgendeiner theoretischen Anschauung heraus gesprochen. Ich war jahrelang Lehrer an der in Berlin von Wilhelm Liebknecht, dem alten Liebknecht gegründeten Arbeiter-Bildungsschule, habe in den verschiedensten Zweigen gelehrt, von da aus auch innerhalb des Bildungswesens des modernen Proletariats in Gewerkschaften, in Genossenschaften und auch innerhalb der politischen Partei gewirkt. Gerade wenn man in dieser Weise bei denen, die bestrebt waren, aus wirklichen Gedanken, aus wirklichen Geistesgrundlagen heraus die moderne Arbeiterbewegung zu tragen, wenn man unter ihnen gelebt hat, wenn man mit ihnen gearbeitet hat, dann kann man vielleicht sagen, man könne sich ein Urteil bilden, nicht so, wie einer, der über das Proletariat denkt. Solches Urteilen hat heute keinen Wert. Heute kann nur einen Wert haben das Urteilen, das mit dem Proletariat gebildet ist, aus der Mitte des Proletariats heraus selbst gebildet ist.
[ 8 ] Was ich in dieser Angelegenheit zu sagen habe, ist wahrhaftig nicht aus irgendeiner theoretischen Anschauung heraus gesprochen. Ich war jahrelang Lehrer an der in Berlin von Wilhelm Liebknecht, dem alten Liebknecht gegründeten Arbeiter-Bildungsschule, habe in den verschiedensten Zweigen gelehrt, von da aus auch innerhalb des Bildungswesens des modernen Proletariats in Gewerkschaften, in Genossenschaften und auch innerhalb der politischen Partei gewirkt. Gerade wenn man in dieser Weise bei denen, die bestrebt waren, aus wirklichen Gedanken, aus wirklichen Geistesgrundlagen heraus die moderne Arbeiterbewegung zu tragen, wenn man unter ihnen gelebt hat, wenn man mit ihnen gearbeitet hat, dann kann man vielleicht sagen, man könne sich ein Urteil bilden, nicht so, wie einer, der über das Proletariat denkt. Solches Urteilen hat heute keinen Wert. Heute kann nur einen Wert haben das Urteilen, das mit dem Proletariat gebildet ist, aus der Mitte des Proletariats heraus selbst gebildet ist.
[ 9 ] In den Stunden, die sich die Arbeiter abrangen nach der harten Arbeit des Tages, in denen sie, während andere Klassen ins Theater gingen oder Skat spielten - ich will die schönen Dinge nicht alle aufzählen -, in den Stunden, in denen der Proletarier versuchte sich aufzuklären über seine Lage, in denen konnte man lernen, wie aus der modernen proletarischen Frage etwas ganz anderes geworden ist und werden wird als eine bloße Lohn- oder Brotfrage, wie heute noch viele glauben, nämlich eine Frage der Menschenwürde. Eine Frage des menschenwürdigen Daseins, das ist dasjenige, was doch hinter allen proletarischen Forderungen steckt, und seit langem steckte.
[ 9 ] In den Stunden, die sich die Arbeiter abrangen nach der harten Arbeit des Tages, in denen sie, während andere Klassen ins Theater gingen oder Skat spielten - ich will die schönen Dinge nicht alle aufzählen -, in den Stunden, in denen der Proletarier versuchte sich aufzuklären über seine Lage, in denen konnte man lernen, wie aus der modernen proletarischen Frage etwas ganz anderes geworden ist und werden wird als eine bloße Lohn- oder Brotfrage, wie heute noch viele glauben, nämlich eine Frage der Menschenwürde. Eine Frage des menschenwürdigen Daseins, das ist dasjenige, was doch hinter allen proletarischen Forderungen steckt, und seit langem steckte.
[ 10 ] Auf drei Grundlagen, kann man sagen, ruhen die heutigen proletarischen Forderungen. Die eine Grundlage, sie wird von den Proletariern selbst sehr häufig bezeichnet dadurch, daß sie sprechen in Anknüpfung an den großen Lehrer des Proletariats, an Karl Marx, von dem Vorhandensein des sogenannten Mehrwertes. Mehrwert, es war stets ein Wort, welches tief hineindrang in die Seele des modernen Proletariers; es war ein Wort, welches zündend auf die Empfindungen dieses modernen Proletariers wirkte. Welches Wort stellten die bisher führenden Klassen diesem Mehrwert entgegen? Man wird vielleicht überrascht sein, wenn ich gerade die folgenden zwei Dinge gegenüberstelle.
[ 10 ] Auf drei Grundlagen, kann man sagen, ruhen die heutigen proletarischen Forderungen. Die eine Grundlage, sie wird von den Proletariern selbst sehr häufig bezeichnet dadurch, daß sie sprechen in Anknüpfung an den großen Lehrer des Proletariats, an Karl Marx, von dem Vorhandensein des sogenannten Mehrwertes. Mehrwert, es war stets ein Wort, welches tief hineindrang in die Seele des modernen Proletariers; es war ein Wort, welches zündend auf die Empfindungen dieses modernen Proletariers wirkte. Welches Wort stellten die bisher führenden Klassen diesem Mehrwert entgegen? Man wird vielleicht überrascht sein, wenn ich gerade die folgenden zwei Dinge gegenüberstelle.
[ 11 ] Die führenden Klassen stellten diesem Mehrwert entgegen das Wort von dem großen, bedeutenden Geistesleben, das die Zivilisation der Menschheit heraufgebracht hat. Der Proletarier, was wußte er von diesem Geistesleben? Was war für ihn die große, die Menschheitsfrage? Er wußte, daß der Mehrwert, den er produziert, verwendet wird, um dieses Geistesleben möglich zu machen, und ihn auszuschließen von diesem Geistesleben. Mehrwert war für ihn die ganz abstrakte Grundlage des Geisteslebens. Was war das für ein Geistesleben? Es war das Geistesleben, das entstanden ist in der Morgenröte der modernen bürgerlichen Wirtschaftsordnung. Man spricht oft davon, gewiß nicht mit Unrecht, daß das moderne Proletariat geschaffen worden sei durch die moderne Technik, durch den modernen Industrialismus, durch den modernen Kapitalismus, und wir wollen von diesen Dingen gleich auch nachher sprechen. Aber gleichzeitig mit dieser modernen Technik, mit diesem Kapitalismus ist etwas anderes heraufgezogen, was man nennen kann die moderne wissenschaftliche Orientierung. Da war es- es ist schon ziemlich lange her -, daß gegenüber dem, was das moderne Bürgertum als die moderne wissenschaftliche Orientierung heraufgebracht hat, das Proletariat das letzte große Vertrauen dem Bürgertum entgegengebracht hat. Und dieses letzte große Vertrauen, weltgeschichtliche Vertrauen ist enttäuscht worden.
[ 11 ] Die führenden Klassen stellten diesem Mehrwert entgegen das Wort von dem großen, bedeutenden Geistesleben, das die Zivilisation der Menschheit heraufgebracht hat. Der Proletarier, was wußte er von diesem Geistesleben? Was war für ihn die große, die Menschheitsfrage? Er wußte, daß der Mehrwert, den er produziert, verwendet wird, um dieses Geistesleben möglich zu machen, und ihn auszuschließen von diesem Geistesleben. Mehrwert war für ihn die ganz abstrakte Grundlage des Geisteslebens. Was war das für ein Geistesleben? Es war das Geistesleben, das entstanden ist in der Morgenröte der modernen bürgerlichen Wirtschaftsordnung. Man spricht oft davon, gewiß nicht mit Unrecht, daß das moderne Proletariat geschaffen worden sei durch die moderne Technik, durch den modernen Industrialismus, durch den modernen Kapitalismus, und wir wollen von diesen Dingen gleich auch nachher sprechen. Aber gleichzeitig mit dieser modernen Technik, mit diesem Kapitalismus ist etwas anderes heraufgezogen, was man nennen kann die moderne wissenschaftliche Orientierung. Da war es- es ist schon ziemlich lange her -, daß gegenüber dem, was das moderne Bürgertum als die moderne wissenschaftliche Orientierung heraufgebracht hat, das Proletariat das letzte große Vertrauen dem Bürgertum entgegengebracht hat. Und dieses letzte große Vertrauen, weltgeschichtliche Vertrauen ist enttäuscht worden.
[ 12 ] Wie war die Sache eigentlich? Nun, aus alten Weltanschauungen heraus, deren Berechtigung wir heute wahrhaftig nicht prüfen wollen, hat sich das gebildet, was heute aufgeklärte, wissenschaftliche Weltanschauung ist. Der Proletarier, der hinweg von dem mittelalterlichen Handwerk an die seelentötende Maschine gerufen worden ist, in den modernen Kapitalismus eingespannt worden ist, konnte nicht entgegennehmen dasjenige, was die alten Klassen in ihrem Geistesleben aufgenommen hatten. Er konnte nur entgegennehmen gewissermaßen das modernste Produkt, den modernsten Ausfluß dieses Geisteslebens. Aber für ihn wurde dieses Geistesleben etwas ganz, ganz anderes als für die führenden Klassen. Das muß man nur mit Bezug auf alle Tiefen der proletarischen Seele einmal sich vor Augen führen. Man muß sich vorstellen, wie Leute aus den bisher führenden Klassen, selbst wenn sie so aufgeklärte Leute waren wie der Naturforscher Vogt oder der naturwissenschaftliche Popularisator Büchner, wie sie mit dem Kopfe, mit dem Verstande aufgeklärte Leute im Sinne der heutigen Wissenschaft sein konnten; aber sie waren so aufgeklärte Leute nur deshalb, weil sie mit ihrem ganzen Menschen in einer gesellschaftlichen Ordnung drinnen lebten, die noch herrührte von den alten religiösen und sonstigen Weltanschauungen, in denen das Alte noch fortlebte. Ihr Leben war ein anderes als dasjenige, wozu sie sich bekannten, wenn sie theoretisch noch so ehrlich waren. Der moderne Proletarier war genötigt, dasjenige, was ihm da blieb als die Erbschaft des Bürgertums, im vollsten menschlichen Ernst zu nehmen. Man muß nur einmal gesehen haben, was es für eine Bedeutung hatte für den modernen Proletarier, wenn ihm, wie einst von Lassalle, gesprochen wurde von der Wissenschaft und den Arbeitern.
[ 12 ] Wie war die Sache eigentlich? Nun, aus alten Weltanschauungen heraus, deren Berechtigung wir heute wahrhaftig nicht prüfen wollen, hat sich das gebildet, was heute aufgeklärte, wissenschaftliche Weltanschauung ist. Der Proletarier, der hinweg von dem mittelalterlichen Handwerk an die seelentötende Maschine gerufen worden ist, in den modernen Kapitalismus eingespannt worden ist, konnte nicht entgegennehmen dasjenige, was die alten Klassen in ihrem Geistesleben aufgenommen hatten. Er konnte nur entgegennehmen gewissermaßen das modernste Produkt, den modernsten Ausfluß dieses Geisteslebens. Aber für ihn wurde dieses Geistesleben etwas ganz, ganz anderes als für die führenden Klassen. Das muß man nur mit Bezug auf alle Tiefen der proletarischen Seele einmal sich vor Augen führen. Man muß sich vorstellen, wie Leute aus den bisher führenden Klassen, selbst wenn sie so aufgeklärte Leute waren wie der Naturforscher Vogt oder der naturwissenschaftliche Popularisator Büchner, wie sie mit dem Kopfe, mit dem Verstande aufgeklärte Leute im Sinne der heutigen Wissenschaft sein konnten; aber sie waren so aufgeklärte Leute nur deshalb, weil sie mit ihrem ganzen Menschen in einer gesellschaftlichen Ordnung drinnen lebten, die noch herrührte von den alten religiösen und sonstigen Weltanschauungen, in denen das Alte noch fortlebte. Ihr Leben war ein anderes als dasjenige, wozu sie sich bekannten, wenn sie theoretisch noch so ehrlich waren. Der moderne Proletarier war genötigt, dasjenige, was ihm da blieb als die Erbschaft des Bürgertums, im vollsten menschlichen Ernst zu nehmen. Man muß nur einmal gesehen haben, was es für eine Bedeutung hatte für den modernen Proletarier, wenn ihm, wie einst von Lassalle, gesprochen wurde von der Wissenschaft und den Arbeitern.
[ 13 ] Ich stand - wenn ich diese persönliche Bemerkung auch noch machen darf - vor jetzt mehr als achtzehn Jahren in Spandau, in der Nähe von Berlin, auf der gleichen Rednerbühne mit der kürzlich so tragisch geendeten Rosa Luxemburg. Wir sprachen beide vor einer Proletarierversammlung über die Wissenschaft und die Arbeiter. Rosa Luxemburg sagte dazumal Worte, von denen man sehen konnte, wie zündend sie hineinwirkten in die Seelen dieser proletarischen Menschen, die am Sonntagnachmittag gekommen waren und Frau und Kind mitgebracht hatten; es war eine herzerquickende Versammlung. Sie sagte, die Menschen können sich unter dem Einflusse der modernen Wissenschaft nicht mehr einbilden, daß sie aus Zuständen heraufgekommen sind, die engelgleich waren, aus denen sich rechtfertigen würden die modernen Rang- und Klassenunterschiede. Nein, sagte sie ungefähr wörtlich: der Mensch, der physische Mensch von heute war einmal höchst unanständig, kletterte auf Bäumen herum, und wenn man sich dieses Ursprunges erinnert, dann findet man wahrhaftig keinen Anlaß, von den heutigen Klassenunterschieden zu sprechen.
[ 13 ] Ich stand - wenn ich diese persönliche Bemerkung auch noch machen darf - vor jetzt mehr als achtzehn Jahren in Spandau, in der Nähe von Berlin, auf der gleichen Rednerbühne mit der kürzlich so tragisch geendeten Rosa Luxemburg. Wir sprachen beide vor einer Proletarierversammlung über die Wissenschaft und die Arbeiter. Rosa Luxemburg sagte dazumal Worte, von denen man sehen konnte, wie zündend sie hineinwirkten in die Seelen dieser proletarischen Menschen, die am Sonntagnachmittag gekommen waren und Frau und Kind mitgebracht hatten; es war eine herzerquickende Versammlung. Sie sagte, die Menschen können sich unter dem Einflusse der modernen Wissenschaft nicht mehr einbilden, daß sie aus Zuständen heraufgekommen sind, die engelgleich waren, aus denen sich rechtfertigen würden die modernen Rang- und Klassenunterschiede. Nein, sagte sie ungefähr wörtlich: der Mensch, der physische Mensch von heute war einmal höchst unanständig, kletterte auf Bäumen herum, und wenn man sich dieses Ursprunges erinnert, dann findet man wahrhaftig keinen Anlaß, von den heutigen Klassenunterschieden zu sprechen.
[ 14 ] Das wurde verstanden, aber anders als von den leitenden Kreisen. Es wurde so verstanden, daß der ganze Mensch hineingestellt sein wollte in diese Weltanschauung, die dem an der öden Maschine verschmachtenden Proletarier die Frage beantworten sollte: Was bin ich als Mensch? Was ist der Mensch überhaupt in der Welt?
[ 14 ] Das wurde verstanden, aber anders als von den leitenden Kreisen. Es wurde so verstanden, daß der ganze Mensch hineingestellt sein wollte in diese Weltanschauung, die dem an der öden Maschine verschmachtenden Proletarier die Frage beantworten sollte: Was bin ich als Mensch? Was ist der Mensch überhaupt in der Welt?
[ 15 ] Nun konnte aber der moderne Proletarier aus dieser ganzen Wissenschaft heraus nichts anderes gewinnen als dasjenige, was er ein Spiegelbild nennen konnte dessen, was als moderne kapitalistische Wirtschaftsordnung heraufgezogen ist. Er empfand: die Leute sprechen so, wie sie sprechen müssen nach ihren wirtschaftlichen Verhältnissen, nach ihrer wirtschaftlichen Lage. In diese wirtschaftliche Lage hatten sie ihn hineingestellt; aus der heraus konnte er auch nur urteilen. Die leitenden Kreise sagten: Wie die Menschen jetzt leben, ist das ein Ergebnis der göttlichen Weltordnung, oder aber ein Ergebnis der moralischen Weltordnung, oder aber ein Ergebnis der geschichtlichen Ideen und so weiter. Der moderne Proletarier, der konnte das alles nur so empfinden, daß er sich sagte: Ihr habt mich aber hineingestellt in dieses Wirtschaftsleben, und was habt ihr aus mir gemacht? Zeigt das, was ihr aus mir gemacht habt, diese göttliche Weltordnung, diese moralische Weltordnung, diese historischen Ideen’?
[ 15 ] Nun konnte aber der moderne Proletarier aus dieser ganzen Wissenschaft heraus nichts anderes gewinnen als dasjenige, was er ein Spiegelbild nennen konnte dessen, was als moderne kapitalistische Wirtschaftsordnung heraufgezogen ist. Er empfand: die Leute sprechen so, wie sie sprechen müssen nach ihren wirtschaftlichen Verhältnissen, nach ihrer wirtschaftlichen Lage. In diese wirtschaftliche Lage hatten sie ihn hineingestellt; aus der heraus konnte er auch nur urteilen. Die leitenden Kreise sagten: Wie die Menschen jetzt leben, ist das ein Ergebnis der göttlichen Weltordnung, oder aber ein Ergebnis der moralischen Weltordnung, oder aber ein Ergebnis der geschichtlichen Ideen und so weiter. Der moderne Proletarier, der konnte das alles nur so empfinden, daß er sich sagte: Ihr habt mich aber hineingestellt in dieses Wirtschaftsleben, und was habt ihr aus mir gemacht? Zeigt das, was ihr aus mir gemacht habt, diese göttliche Weltordnung, diese moralische Weltordnung, diese historischen Ideen’?
[ 16 ] Und so zündete der Begriff vom Mehrwert - jenem Mehrwert, den er produzierte, der ihm abgezogen wurde, der dieses Leben der führenden Klassen möglich machte - in seiner Empfindungswelt und in ihm entstand die Meinung, daß alles, was an Geistesleben von den leitenden Kreisen hervorgebracht wird, doch nur das Spiegelbild ihrer wirtschaftlichen Ordnung ist.
[ 16 ] Und so zündete der Begriff vom Mehrwert - jenem Mehrwert, den er produzierte, der ihm abgezogen wurde, der dieses Leben der führenden Klassen möglich machte - in seiner Empfindungswelt und in ihm entstand die Meinung, daß alles, was an Geistesleben von den leitenden Kreisen hervorgebracht wird, doch nur das Spiegelbild ihrer wirtschaftlichen Ordnung ist.
[ 17 ] Schließlich, für die letzten Jahrhunderte hatte der proletarische Theoretiker mit dieser Anschauung zweifellos Recht. Die letzten Jahre, sie haben ja auf den verschiedensten Gebieten das hinlänglich gezeigt. Oder kann man glauben, daß die Menschen, die an den verschiedenen Schulen - ich will nicht sagen Mathematik und Physik, da kann man nicht viel in Weltanschauungen machen - zum Beispiel Geschichte gelehrt oder über die Geschichte geschrieben haben, kann man sagen, daß die schließlich etwas anderes zum Ausdruck gebracht haben als ein Spiegelbild desjenigen, was staatlich-wirtschaftliche Ordnung war? Man sehe sich die Geschichte derjenigen Staaten an, die in den Weltkrieg eingetreten sind. Ganz sicher wird die Geschichte der Hohenzollern in der Zukunft anders ausschauen, als die deutschen Professoren sie in den letzten Jahren und in den letzten Jahrzehnten geschrieben haben. Sie wird allerdings gemacht werden, diese Geschichte, von Leuten, denen gegenüber man gesagt hat es ist Ja auch ein Wort des deutschen Kaisers -, daß sie nicht nur Feinde der herrschenden Klasse, sondern Feinde der göttlichen Weltordnung seien.
[ 17 ] Schließlich, für die letzten Jahrhunderte hatte der proletarische Theoretiker mit dieser Anschauung zweifellos Recht. Die letzten Jahre, sie haben ja auf den verschiedensten Gebieten das hinlänglich gezeigt. Oder kann man glauben, daß die Menschen, die an den verschiedenen Schulen - ich will nicht sagen Mathematik und Physik, da kann man nicht viel in Weltanschauungen machen - zum Beispiel Geschichte gelehrt oder über die Geschichte geschrieben haben, kann man sagen, daß die schließlich etwas anderes zum Ausdruck gebracht haben als ein Spiegelbild desjenigen, was staatlich-wirtschaftliche Ordnung war? Man sehe sich die Geschichte derjenigen Staaten an, die in den Weltkrieg eingetreten sind. Ganz sicher wird die Geschichte der Hohenzollern in der Zukunft anders ausschauen, als die deutschen Professoren sie in den letzten Jahren und in den letzten Jahrzehnten geschrieben haben. Sie wird allerdings gemacht werden, diese Geschichte, von Leuten, denen gegenüber man gesagt hat es ist Ja auch ein Wort des deutschen Kaisers -, daß sie nicht nur Feinde der herrschenden Klasse, sondern Feinde der göttlichen Weltordnung seien.
[ 18 ] So wurde das, was das Geistesleben der herrschenden Klassen war, für den Proletarier zu einer öden Ideologie, zu einem Luxus der Menschheit, zu etwas, wofür er kein Verständnis aufbringen konnte. Dennoch, seine tiefste Sehnsucht ging dahin, gerade etwas zu finden, was ihm sagte, was Menschenwürde, was Menschenwert ist. Daher ist die erste proletarische Forderung eine Geistesforderung. Und man mag da oder dort sagen, was man will, die erste proletarische Forderung ist eine Geistesforderung, die Forderung nach einem solchen Geistesleben, in dem man empfinden kann, was man als Mensch ist, in dem jeder Mensch empfinden kann, was das Menschenleben auf der Erde wert ist. Das ist auf geistigem Gebiete die erste proletarische Forderung.
[ 18 ] So wurde das, was das Geistesleben der herrschenden Klassen war, für den Proletarier zu einer öden Ideologie, zu einem Luxus der Menschheit, zu etwas, wofür er kein Verständnis aufbringen konnte. Dennoch, seine tiefste Sehnsucht ging dahin, gerade etwas zu finden, was ihm sagte, was Menschenwürde, was Menschenwert ist. Daher ist die erste proletarische Forderung eine Geistesforderung. Und man mag da oder dort sagen, was man will, die erste proletarische Forderung ist eine Geistesforderung, die Forderung nach einem solchen Geistesleben, in dem man empfinden kann, was man als Mensch ist, in dem jeder Mensch empfinden kann, was das Menschenleben auf der Erde wert ist. Das ist auf geistigem Gebiete die erste proletarische Forderung.
[ 19 ] Die zweite proletarische Forderung, sie entspringt dem Gebiet des Rechtslebens, des eigentlich politischen Staates. Es ist schwierig, theoretisch über das zu reden, was eigentlich das Recht ist. Jedenfalls ist das Recht etwas, das alle Menschen angeht, und man braucht eigentlich über das Recht nur das Folgende zu sagen: Geradeso, wie man mit dem, der blind ist, nicht sprechen kann über das, was eine blaue Farbe ist, aber man nicht viel zu theoretisieren nötig hat über die blaue Farbe mit dem, der sieht, so läßt sich auch über das Recht mit denjenigen nicht reden, welche für das Recht blind sind. Denn auf einem ursprünglichen menschlichen Rechtsbewußtsein ruht das Recht. Auf den Geboten des politischen Staates, den sich in den letzten Jahrhunderten die herrschenden Klassen so fein zurechtgezimmert haben, suchte der Proletarier sein Recht, sein Recht vor allen Dingen mit Bezug auf sein Arbeitsgebiet. Was fand er? Er fand sich zunächst eingespannt nicht in den Rechtsstaat, er fand sich eingespannt in den Wirtschaftsstaat. Und da sah er, daß gegenüber allen Humanitätsideen, gegenüber allen Ideen von reiner Menschlichkeit für ihn ein Rest alter Unmenschlichkeit, ein furchtbarer Rest alter Unmenschlichkeit geblieben ist. Das ist wiederum etwas, was so zündend durch Karl Marx eingeschlagen hat in die Proletarierseelen. Sklaven hat es in alten Zeiten gegeben. Der ganze Mensch wurde wie eine Ware gekauft und verkauft. Später hat es Leibeigene gegeben. Da wurde dann weniger vom Menschen gekauft und verkauft als in der alten Sklavenzeit. Auch jetzt noch wird vom Menschen etwas gekauft und verkauft wie eine Ware. Was Karl Marx und seine Nachfolger immer wieder und wiederum so verständlich für die proletarische Seele ausgesprochen haben, das ist, daß die menschliche Arbeitskraft verkauft wird. Die Arbeitskraft wird auf dem modernen Warenmarkt, wo nur Waren sein sollten, selber wie eine Ware behandelt. Das ruht in den Tiefen, wenn auch oft unbewußt, der proletarischen Seele, so daß sich diese sagt: Die Zeit ist gekommen, wo meine Arbeitskraft nicht mehr Ware sein darf.
[ 19 ] Die zweite proletarische Forderung, sie entspringt dem Gebiet des Rechtslebens, des eigentlich politischen Staates. Es ist schwierig, theoretisch über das zu reden, was eigentlich das Recht ist. Jedenfalls ist das Recht etwas, das alle Menschen angeht, und man braucht eigentlich über das Recht nur das Folgende zu sagen: Geradeso, wie man mit dem, der blind ist, nicht sprechen kann über das, was eine blaue Farbe ist, aber man nicht viel zu theoretisieren nötig hat über die blaue Farbe mit dem, der sieht, so läßt sich auch über das Recht mit denjenigen nicht reden, welche für das Recht blind sind. Denn auf einem ursprünglichen menschlichen Rechtsbewußtsein ruht das Recht. Auf den Geboten des politischen Staates, den sich in den letzten Jahrhunderten die herrschenden Klassen so fein zurechtgezimmert haben, suchte der Proletarier sein Recht, sein Recht vor allen Dingen mit Bezug auf sein Arbeitsgebiet. Was fand er? Er fand sich zunächst eingespannt nicht in den Rechtsstaat, er fand sich eingespannt in den Wirtschaftsstaat. Und da sah er, daß gegenüber allen Humanitätsideen, gegenüber allen Ideen von reiner Menschlichkeit für ihn ein Rest alter Unmenschlichkeit, ein furchtbarer Rest alter Unmenschlichkeit geblieben ist. Das ist wiederum etwas, was so zündend durch Karl Marx eingeschlagen hat in die Proletarierseelen. Sklaven hat es in alten Zeiten gegeben. Der ganze Mensch wurde wie eine Ware gekauft und verkauft. Später hat es Leibeigene gegeben. Da wurde dann weniger vom Menschen gekauft und verkauft als in der alten Sklavenzeit. Auch jetzt noch wird vom Menschen etwas gekauft und verkauft wie eine Ware. Was Karl Marx und seine Nachfolger immer wieder und wiederum so verständlich für die proletarische Seele ausgesprochen haben, das ist, daß die menschliche Arbeitskraft verkauft wird. Die Arbeitskraft wird auf dem modernen Warenmarkt, wo nur Waren sein sollten, selber wie eine Ware behandelt. Das ruht in den Tiefen, wenn auch oft unbewußt, der proletarischen Seele, so daß sich diese sagt: Die Zeit ist gekommen, wo meine Arbeitskraft nicht mehr Ware sein darf.
[ 20 ] Das ist die zweite proletarische Forderung. Sie entspringt dem Rechtsboden. Indem Karl Marx auf dieses Verhältnis aufmerksam machte, da sprach er wiederum eines seiner zündenden Worte. Aber noch radikaler, als Karl Marx selber dabei zu Werke gegangen ist, muß gerade auf diesem Gebiete zu Werke gegangen werden. Klar muß es werden: eine Weltordnung, eine Gesellschaftsordnung muß heraufziehen, in der die Arbeitskraft des Menschen keine Ware mehr ist, in der sie vollständig entkleidet wird des Charakters der Ware. Denn muß ich meine Arbeitskraft verkaufen, so kann ich auch gleich meinen ganzen Menschen verkaufen. Wie kann ich meinen Menschen noch zurückbehalten, wenn ich an irgend jemanden meine Arbeitskraft verkaufen muß? Er wird Herr meines ganzen Menschen. Damit ist der letzte Rest des alten Sklaventums, aber wahrhaftig nicht in geringerer Gestalt, heute noch da in dieser «humanen» Zeit.
[ 20 ] Das ist die zweite proletarische Forderung. Sie entspringt dem Rechtsboden. Indem Karl Marx auf dieses Verhältnis aufmerksam machte, da sprach er wiederum eines seiner zündenden Worte. Aber noch radikaler, als Karl Marx selber dabei zu Werke gegangen ist, muß gerade auf diesem Gebiete zu Werke gegangen werden. Klar muß es werden: eine Weltordnung, eine Gesellschaftsordnung muß heraufziehen, in der die Arbeitskraft des Menschen keine Ware mehr ist, in der sie vollständig entkleidet wird des Charakters der Ware. Denn muß ich meine Arbeitskraft verkaufen, so kann ich auch gleich meinen ganzen Menschen verkaufen. Wie kann ich meinen Menschen noch zurückbehalten, wenn ich an irgend jemanden meine Arbeitskraft verkaufen muß? Er wird Herr meines ganzen Menschen. Damit ist der letzte Rest des alten Sklaventums, aber wahrhaftig nicht in geringerer Gestalt, heute noch da in dieser «humanen» Zeit.
[ 21 ] So fand sich der Proletarier mit seiner Arbeitskraft und deren Verkauf vom Rechtsleben in das Wirtschaftsleben hinausgestoßen. Und wenn gesagt wird, nun, es besteht ja der Arbeitsvertrag, so muß dem entgegengehalten werden, daß so lange, wie überhaupt über das Arbeitsverhältnis zwischen Unternehmer und Arbeiter ein Vertrag geschlossen werden darf, so lange ist das Sklavenverhältnis in bezug auf die Arbeitskraft da. Erst dann, wenn hinübergenommen werden wird auf den bloßen Rechtsboden das Verhältnis mit Bezug auf die Arbeit zwischen Arbeitsleiter und physischen Arbeitern, erst dann ist dasjenige da, was die moderne Proletarierseele fordern muß.
[ 21 ] So fand sich der Proletarier mit seiner Arbeitskraft und deren Verkauf vom Rechtsleben in das Wirtschaftsleben hinausgestoßen. Und wenn gesagt wird, nun, es besteht ja der Arbeitsvertrag, so muß dem entgegengehalten werden, daß so lange, wie überhaupt über das Arbeitsverhältnis zwischen Unternehmer und Arbeiter ein Vertrag geschlossen werden darf, so lange ist das Sklavenverhältnis in bezug auf die Arbeitskraft da. Erst dann, wenn hinübergenommen werden wird auf den bloßen Rechtsboden das Verhältnis mit Bezug auf die Arbeit zwischen Arbeitsleiter und physischen Arbeitern, erst dann ist dasjenige da, was die moderne Proletarierseele fordern muß.
[ 22 ] Das kann aber nur dann sein, wenn ein Verhältnis nurmehr abgeschlossen wird nicht über den Lohn, sondern lediglich abgeschlossen wird über dasjenige, was von dem physischen und dem geistigen Arbeiter gemeinschaftlich produziert wird. Verträge kann es nur geben über Waren, nicht über Stücke Menschen. Statt sein Arbeitsverhältnis geschützt zu wissen auf dem Boden des Rechtes, was fand der moderne Proletarier auf diesem Rechtsboden? Fand er Rechte? Wenn er auf sich sah, fand er wahrhaftig keine Rechte. Gewisse Leute hatten sich ja allmählich angewöhnt, diesen modernen Staat wie eine Art Gottheit, wie einen Götzen zu empfinden. Fast wie der Faust zum Gretchen im ersten Teile über Gott sprach, so sprachen gewisse Leute über den modernen Staat. Man könnte sich ganz gut denken, daß ein moderner Arbeitsunternehmer seine Arbeiter unterrichtete über die Göttlichkeit des modernen Staates und sagte von diesem Staat: «Der Allerhalter, der Allumfasser, faßt und erhält er nicht dich, mich und sich selbst?» Denken wird er dabei wahrscheinlich immer: besonders mich. - Rechte erwartete das Menschheitsbewußtsein auf dem Boden des Staates. Vorrechte derjenigen, welche sich diese Vorrechte aus dem Wirtschaftsleben, namentlich in der neueren Zeit, errungen haben, fand der moderne Proletarier. Statt desjenigen, was in bezug auf alles Recht gefordert werden muß Gleichheit aller Menschen -, was fand der moderne Proletarier? Wenn man hinblickt auf das, was er da fand auf dem Boden des Rechtsstaates, dann kommt man zu seiner dritten Forderung; denn er fand auf dem Boden, auf dem er das Recht finden sollte, namentlich das Recht seiner Arbeit und das entgegengesetzte Recht, das Recht des sogenannten Besitzers, er fand den Klassenkampf. Der moderne Staat ist für den modernen Proletarier nichts weiter als der klassenkämpferische Staat.
[ 22 ] Das kann aber nur dann sein, wenn ein Verhältnis nurmehr abgeschlossen wird nicht über den Lohn, sondern lediglich abgeschlossen wird über dasjenige, was von dem physischen und dem geistigen Arbeiter gemeinschaftlich produziert wird. Verträge kann es nur geben über Waren, nicht über Stücke Menschen. Statt sein Arbeitsverhältnis geschützt zu wissen auf dem Boden des Rechtes, was fand der moderne Proletarier auf diesem Rechtsboden? Fand er Rechte? Wenn er auf sich sah, fand er wahrhaftig keine Rechte. Gewisse Leute hatten sich ja allmählich angewöhnt, diesen modernen Staat wie eine Art Gottheit, wie einen Götzen zu empfinden. Fast wie der Faust zum Gretchen im ersten Teile über Gott sprach, so sprachen gewisse Leute über den modernen Staat. Man könnte sich ganz gut denken, daß ein moderner Arbeitsunternehmer seine Arbeiter unterrichtete über die Göttlichkeit des modernen Staates und sagte von diesem Staat: «Der Allerhalter, der Allumfasser, faßt und erhält er nicht dich, mich und sich selbst?» Denken wird er dabei wahrscheinlich immer: besonders mich. - Rechte erwartete das Menschheitsbewußtsein auf dem Boden des Staates. Vorrechte derjenigen, welche sich diese Vorrechte aus dem Wirtschaftsleben, namentlich in der neueren Zeit, errungen haben, fand der moderne Proletarier. Statt desjenigen, was in bezug auf alles Recht gefordert werden muß Gleichheit aller Menschen -, was fand der moderne Proletarier? Wenn man hinblickt auf das, was er da fand auf dem Boden des Rechtsstaates, dann kommt man zu seiner dritten Forderung; denn er fand auf dem Boden, auf dem er das Recht finden sollte, namentlich das Recht seiner Arbeit und das entgegengesetzte Recht, das Recht des sogenannten Besitzers, er fand den Klassenkampf. Der moderne Staat ist für den modernen Proletarier nichts weiter als der klassenkämpferische Staat.
[ 23 ] Damit bezeichnen wir die dritte proletarische Forderung als diejenige, welche darauf hinzielt, den Klassenstaat zu überwinden und den Rechtsstaat an seine Stelle treten zu lassen. Arbeit und Arbeitsleitung sind Gegenstände des Rechtes. Was ist denn schließlich der Besitz? Der wird im Laufe der neueren Zeit etwas werden müssen, das zu den alten verrosteten Dingen gehört; denn was ist er in Wirklichkeit? Im sozialen Organismus ist nur der Begriff zu brauchen, der da sagt: der Besitz ist das Recht irgendeines Menschen, sich irgendeiner Sache zu bedienen. Besitz beruht immer auf einem Rechte. Nur dann, wenn auf dem Boden, aber jetzt wahrer demokratischer Gesellschaftsordnung, die Rechte geregelt sind, dann werden den sogenannten Besitzrechten die Arbeiterrechte gegenüberstehen. Nur dann aber kann dasjenige erfüllt werden, was des modernen Proletariers berechtigte Forderungen sind.
[ 23 ] Damit bezeichnen wir die dritte proletarische Forderung als diejenige, welche darauf hinzielt, den Klassenstaat zu überwinden und den Rechtsstaat an seine Stelle treten zu lassen. Arbeit und Arbeitsleitung sind Gegenstände des Rechtes. Was ist denn schließlich der Besitz? Der wird im Laufe der neueren Zeit etwas werden müssen, das zu den alten verrosteten Dingen gehört; denn was ist er in Wirklichkeit? Im sozialen Organismus ist nur der Begriff zu brauchen, der da sagt: der Besitz ist das Recht irgendeines Menschen, sich irgendeiner Sache zu bedienen. Besitz beruht immer auf einem Rechte. Nur dann, wenn auf dem Boden, aber jetzt wahrer demokratischer Gesellschaftsordnung, die Rechte geregelt sind, dann werden den sogenannten Besitzrechten die Arbeiterrechte gegenüberstehen. Nur dann aber kann dasjenige erfüllt werden, was des modernen Proletariers berechtigte Forderungen sind.
[ 24 ] Wenn man so die heutigen Tatsachen, die so laut sprechen, sich ansieht, dann kommt man dahin, sich zu sagen: Genauer muß dasjenige, was sich allmählich als sozialer Organismus unter dem Einfluß der modernen Technik, unter dem Einfluß des modernen Kapitalismus herausgebildet hat, angesehen werden. - Und man braucht nur hinzuschauen auf die eben charakterisierten drei Forderungen des modernen Proletariats, dann wird man auch sehen, was not tut zur Gesundung des sozialen Organismus. Ein Geistiges, ein Rechtliches, ein Wirtschaftliches, das sind die drei Momente, auf die man hinschauen muß. Wie aber sind diese drei Momente in der modernen geschichtlichen, eben unter dem Einfluß von Technik und Kapitalismus stehenden Ordnung behandelt worden?
[ 24 ] Wenn man so die heutigen Tatsachen, die so laut sprechen, sich ansieht, dann kommt man dahin, sich zu sagen: Genauer muß dasjenige, was sich allmählich als sozialer Organismus unter dem Einfluß der modernen Technik, unter dem Einfluß des modernen Kapitalismus herausgebildet hat, angesehen werden. - Und man braucht nur hinzuschauen auf die eben charakterisierten drei Forderungen des modernen Proletariats, dann wird man auch sehen, was not tut zur Gesundung des sozialen Organismus. Ein Geistiges, ein Rechtliches, ein Wirtschaftliches, das sind die drei Momente, auf die man hinschauen muß. Wie aber sind diese drei Momente in der modernen geschichtlichen, eben unter dem Einfluß von Technik und Kapitalismus stehenden Ordnung behandelt worden?
[ 25 ] Hier kommen wir aus der Kritik dessen, was sich herausgebildet hat durch die herrschenden Klassen der Gegenwart, zu dem, was heute als geschichtliche Forderung auftritt. Ich kann mir vorstellen, daß mancher in dem, was ich nunmehr sprechen werde, nicht mit mir vollständig übereinstimmen werde. Aber zeigen nicht die Tatsachen, die sich entwickelt haben, daß die Gedanken der Menschen vielfach hinter diesen Tatsachen zurückgeblieben sind? Deshalb ist es vielleicht doch berechtigt, darauf zu hören, wenn jemand sagt: Wir haben nicht nur allerlei Redensarten über Umwandlung der Zustände nötig, nein, wir haben es heute nötig, zu ganz neuen Gedanken vorzuschreiten. Neue Gedanken müssen in die menschlichen Hirne hinein, denn die alten Gedanken haben gezeigt, wozu sie die menschliche Gesellschaftsordnung gemacht haben. Umdenken und umlernen, nicht bloß umprobieren ist heute notwendig. Und wenn das, was ich zu sagen habe, in manchem abweichen wird von gewohnten Gedanken, so bitte ich Sie, die Sache so aufzunehmen, daß es aus der Lebensbeobachtung der Tatsachen heraus genommen ist und ebenso ehrlich gemeint ist wie manches andere, was ehrlich für die Gesundung der neueren sozialen Verhältnisse vorgebracht wird.
[ 25 ] Hier kommen wir aus der Kritik dessen, was sich herausgebildet hat durch die herrschenden Klassen der Gegenwart, zu dem, was heute als geschichtliche Forderung auftritt. Ich kann mir vorstellen, daß mancher in dem, was ich nunmehr sprechen werde, nicht mit mir vollständig übereinstimmen werde. Aber zeigen nicht die Tatsachen, die sich entwickelt haben, daß die Gedanken der Menschen vielfach hinter diesen Tatsachen zurückgeblieben sind? Deshalb ist es vielleicht doch berechtigt, darauf zu hören, wenn jemand sagt: Wir haben nicht nur allerlei Redensarten über Umwandlung der Zustände nötig, nein, wir haben es heute nötig, zu ganz neuen Gedanken vorzuschreiten. Neue Gedanken müssen in die menschlichen Hirne hinein, denn die alten Gedanken haben gezeigt, wozu sie die menschliche Gesellschaftsordnung gemacht haben. Umdenken und umlernen, nicht bloß umprobieren ist heute notwendig. Und wenn das, was ich zu sagen habe, in manchem abweichen wird von gewohnten Gedanken, so bitte ich Sie, die Sache so aufzunehmen, daß es aus der Lebensbeobachtung der Tatsachen heraus genommen ist und ebenso ehrlich gemeint ist wie manches andere, was ehrlich für die Gesundung der neueren sozialen Verhältnisse vorgebracht wird.
[ 26 ] Ich sehe, wie zum Beispiel in der neueren Zeit gerade unter dem Einfluß der bürgerlichen Gesellschafts- und Wirtschaftsordnung das Wirtschaftsleben immer mehr und mehr mit dem Rechtsleben zusammengewachsen ist, wie der politische Staat und der Wirtschaftsstaat eins geworden sind. Nehmen wir ein recht charakteristisches Beispiel der Gegenwart. Nehmen wir das Beispiel des eben seinem Schicksal erlegenen Österreich. Als in den sechziger Jahren des 19. Jahrhunderts dieses Österreich sich endlich einmal entschloß, ein sogenanntes Verfassungsleben einzurichten, wie wurde denn da der Reichsrat, dieser alte selige Reichsrat - man nannte, weil man einen so recht deutlichen kurzen Namen haben wollte, diesen österreichischen Staat außer Ungarn, den Ländern der sogenannten heiligen Stefanskrone, «die im Reichsrate vertretenen Königreiche und Länder», - kurzer Name für Österreich! - gewählt? Da wurde gewählt für diesen Reichsrat nach vier Kurien, erstens der Großgrundbesitzer, zweitens der Handelskammern, drittens der Städte, Märkte und Industrialorte, viertens der Landgemeinden. Die letzteren durften nur indirekt wählen. Aber was sind alle diese Kurien? Wirtschaftskurien waren sie. Bloße wirtschaftliche Interessen hatten sie zu vertreten, und sie wählten ihre Abgeordneten in den österreichischen Reichsrat. Was war dort zu tun? Rechte waren festzusetzen, politische Rechte. Was hatte man für Vorstellungen über politische Rechte, indem man den österreichischen Reichsrat auf diesen vier Kurien aufbaute? Nun, man hatte die Vorstellung: im Reichsrate, wo das Recht beschlossen werden soll, wandelt man die wirtschaftlichen Interessen bloß um in Rechte. Und so kam es, und so ist es noch, daß im Grunde genommen die staatlichen Vertretungen in sich einschließen, zumeist offen oder versteckt, die bloßen wirtschaftlichen Interessen. Man sehe auf den Bund der Landwirte im deutschen Reichstag hin; näherliegende Beispiele erlassen Sie mir aufzuzählen. Überall sehen wir, wie die Tendenz der neueren Zeit dahin ging, das Wirtschaftsleben zusammenzuschmelzen mit dem politischen Leben des eigentlichen Staates. Das nannte man den Fortschritt. Man begann mit denjenigen Zweigen, die den herrschenden Klassen besonders genehm waren, dem Post-, Telegraphen-, Eisenbahnwesen und dergleichen, und dehnte das immer mehr und mehr aus. Das ist das eine, was man zusammengeschweißt hat. Das andere, was man verschmolzen, was man zusammengeschweißt hat, das war das Geistesleben und der politische Staat.
[ 26 ] Ich sehe, wie zum Beispiel in der neueren Zeit gerade unter dem Einfluß der bürgerlichen Gesellschafts- und Wirtschaftsordnung das Wirtschaftsleben immer mehr und mehr mit dem Rechtsleben zusammengewachsen ist, wie der politische Staat und der Wirtschaftsstaat eins geworden sind. Nehmen wir ein recht charakteristisches Beispiel der Gegenwart. Nehmen wir das Beispiel des eben seinem Schicksal erlegenen Österreich. Als in den sechziger Jahren des 19. Jahrhunderts dieses Österreich sich endlich einmal entschloß, ein sogenanntes Verfassungsleben einzurichten, wie wurde denn da der Reichsrat, dieser alte selige Reichsrat - man nannte, weil man einen so recht deutlichen kurzen Namen haben wollte, diesen österreichischen Staat außer Ungarn, den Ländern der sogenannten heiligen Stefanskrone, «die im Reichsrate vertretenen Königreiche und Länder», - kurzer Name für Österreich! - gewählt? Da wurde gewählt für diesen Reichsrat nach vier Kurien, erstens der Großgrundbesitzer, zweitens der Handelskammern, drittens der Städte, Märkte und Industrialorte, viertens der Landgemeinden. Die letzteren durften nur indirekt wählen. Aber was sind alle diese Kurien? Wirtschaftskurien waren sie. Bloße wirtschaftliche Interessen hatten sie zu vertreten, und sie wählten ihre Abgeordneten in den österreichischen Reichsrat. Was war dort zu tun? Rechte waren festzusetzen, politische Rechte. Was hatte man für Vorstellungen über politische Rechte, indem man den österreichischen Reichsrat auf diesen vier Kurien aufbaute? Nun, man hatte die Vorstellung: im Reichsrate, wo das Recht beschlossen werden soll, wandelt man die wirtschaftlichen Interessen bloß um in Rechte. Und so kam es, und so ist es noch, daß im Grunde genommen die staatlichen Vertretungen in sich einschließen, zumeist offen oder versteckt, die bloßen wirtschaftlichen Interessen. Man sehe auf den Bund der Landwirte im deutschen Reichstag hin; näherliegende Beispiele erlassen Sie mir aufzuzählen. Überall sehen wir, wie die Tendenz der neueren Zeit dahin ging, das Wirtschaftsleben zusammenzuschmelzen mit dem politischen Leben des eigentlichen Staates. Das nannte man den Fortschritt. Man begann mit denjenigen Zweigen, die den herrschenden Klassen besonders genehm waren, dem Post-, Telegraphen-, Eisenbahnwesen und dergleichen, und dehnte das immer mehr und mehr aus. Das ist das eine, was man zusammengeschweißt hat. Das andere, was man verschmolzen, was man zusammengeschweißt hat, das war das Geistesleben und der politische Staat.
[ 27 ] Ich weiß, daß ich gewissermaßen auf Eis trete, wenn ich gerade über dieses Zusammenschmelzen des Geisteslebens mit dem politischen Staate spreche, wenn ich heute davon spreche, daß diese Zusammenschmelzung zum Nachteil, zum Schaden, zur Erkrankung des sozialen Organismus geführt hat. Gewiß, für die herrschenden Klassen war das in den letzten Jahrhunderten, und namentlich im 19. Jahrhundert, notwendig. Aber man darf nicht bloß glauben, daß die Verwaltung, der Betrieb von Wissenschaft und anderen Zweigen des Geisteslebens korrumpiert, beeinträchtigt worden ist durch die Staatsverwaltung, sondern der Inhalt der Wissenschaft selber. Auch da braucht man ja nicht gleich wiederum so weit zu gehen, wie der berühmte Physiologe Du Bois-Reymond, der einmal in einer schönen Rede - die Herren sprechen ja immer sehr, sehr schön, wenn sie von solchen Dingen reden -, in einer schönen Rede die Mitglieder der Berliner Akademie der Wissenschaften «die wissenschaftliche Schutztruppe der Hohenzollern» genannt hat.
[ 27 ] Ich weiß, daß ich gewissermaßen auf Eis trete, wenn ich gerade über dieses Zusammenschmelzen des Geisteslebens mit dem politischen Staate spreche, wenn ich heute davon spreche, daß diese Zusammenschmelzung zum Nachteil, zum Schaden, zur Erkrankung des sozialen Organismus geführt hat. Gewiß, für die herrschenden Klassen war das in den letzten Jahrhunderten, und namentlich im 19. Jahrhundert, notwendig. Aber man darf nicht bloß glauben, daß die Verwaltung, der Betrieb von Wissenschaft und anderen Zweigen des Geisteslebens korrumpiert, beeinträchtigt worden ist durch die Staatsverwaltung, sondern der Inhalt der Wissenschaft selber. Auch da braucht man ja nicht gleich wiederum so weit zu gehen, wie der berühmte Physiologe Du Bois-Reymond, der einmal in einer schönen Rede - die Herren sprechen ja immer sehr, sehr schön, wenn sie von solchen Dingen reden -, in einer schönen Rede die Mitglieder der Berliner Akademie der Wissenschaften «die wissenschaftliche Schutztruppe der Hohenzollern» genannt hat.
[ 28 ] Man hat ja in einer aufgeklärten Zeit viel darüber gespottet, wie im Mittelalter die äußere Wissenschaft und Weltanschauung, die Magd, die Dienerin der Theologie war. Gewiß, man wird diese Zeiten wohl niemals wieder zurückwünschen wollen. Wer die heutigen Dinge mit unbefangenem Urteil überblickt, der weiß, daß eine spätere Zeit über die unsrige in einer ähnlichen Weise urteilen wird. Die Schleppe der Theologie tragen vielfach die Gelehrten nicht mehr, na, ich will nicht sagen, daß sie die Stiefel putzen der betreffenden Staaten, aber Schleppenträger der betreffenden Staaten sind die Geistesträger in vieler Beziehung schon geworden. Das ist dasjenige, was man sich immer wieder und wiederum vor Augen halten muß, wenn man davon sprechen will, was es eigentlich bewirkt hat, daß in der neueren Zeit auf der einen Seite das Wirtschaftsleben zusammengeschmolzen wurde mit dem politischen Staatsleben, auf der anderen Seite das Geistesleben zusammengeschmolzen wurde mit eben diesem politischen Staatsleben. Wer in diese Dinge hineinschaut, der fragt Jetzt nicht, wie so viele Leute fragen: Was soll der Völkerbund tun, der jetzt von dem einen oder von dem anderen Standpunkt aus gegründet werden soll? Ich habe neulich in Bern gehört, wie ein Herr, der sich besonders gescheit dünkt, sagte: Der Völkerbund muß einen Überstaat begründen, er muß ein Überparlament ins Leben rufen. Ja, sehen Sie, wer mit unbefangenem Blick auf das schaut, was die bisherigen Staaten in diesen vier Schreckensjahren bewirkt haben, der möchte mit Bezug auf den Völkerbund wahrhaftig nicht fragen: Wie soll man die verschiedenen Maßnahmen und Einrichtungen der bisherigen Staaten auf diesen Völkerbund übertragen? Was soll man tun, damit dieser Völkerbund möglichst ähnlich werde dem Staate? - Er wird wohl anders fragen. Er wird vielleicht fragen: Was sollte denn dieser Staat unterlassen? - Denn das, was er getan hat, hat wahrhaftig in den letzten vier Jahren nicht sonderlich gute Früchte getragen. Da kommt man allmählich dazu, wenn man wirklich mit gesundem Sinn hineinschaut in das Getriebe des modernen sozialen Lebens, dasjenige zu sagen, was die geschichtlichen Mächte und Kräfte wirklich fordern in der neueren Zeit.
[ 28 ] Man hat ja in einer aufgeklärten Zeit viel darüber gespottet, wie im Mittelalter die äußere Wissenschaft und Weltanschauung, die Magd, die Dienerin der Theologie war. Gewiß, man wird diese Zeiten wohl niemals wieder zurückwünschen wollen. Wer die heutigen Dinge mit unbefangenem Urteil überblickt, der weiß, daß eine spätere Zeit über die unsrige in einer ähnlichen Weise urteilen wird. Die Schleppe der Theologie tragen vielfach die Gelehrten nicht mehr, na, ich will nicht sagen, daß sie die Stiefel putzen der betreffenden Staaten, aber Schleppenträger der betreffenden Staaten sind die Geistesträger in vieler Beziehung schon geworden. Das ist dasjenige, was man sich immer wieder und wiederum vor Augen halten muß, wenn man davon sprechen will, was es eigentlich bewirkt hat, daß in der neueren Zeit auf der einen Seite das Wirtschaftsleben zusammengeschmolzen wurde mit dem politischen Staatsleben, auf der anderen Seite das Geistesleben zusammengeschmolzen wurde mit eben diesem politischen Staatsleben. Wer in diese Dinge hineinschaut, der fragt Jetzt nicht, wie so viele Leute fragen: Was soll der Völkerbund tun, der jetzt von dem einen oder von dem anderen Standpunkt aus gegründet werden soll? Ich habe neulich in Bern gehört, wie ein Herr, der sich besonders gescheit dünkt, sagte: Der Völkerbund muß einen Überstaat begründen, er muß ein Überparlament ins Leben rufen. Ja, sehen Sie, wer mit unbefangenem Blick auf das schaut, was die bisherigen Staaten in diesen vier Schreckensjahren bewirkt haben, der möchte mit Bezug auf den Völkerbund wahrhaftig nicht fragen: Wie soll man die verschiedenen Maßnahmen und Einrichtungen der bisherigen Staaten auf diesen Völkerbund übertragen? Was soll man tun, damit dieser Völkerbund möglichst ähnlich werde dem Staate? - Er wird wohl anders fragen. Er wird vielleicht fragen: Was sollte denn dieser Staat unterlassen? - Denn das, was er getan hat, hat wahrhaftig in den letzten vier Jahren nicht sonderlich gute Früchte getragen. Da kommt man allmählich dazu, wenn man wirklich mit gesundem Sinn hineinschaut in das Getriebe des modernen sozialen Lebens, dasjenige zu sagen, was die geschichtlichen Mächte und Kräfte wirklich fordern in der neueren Zeit.
[ 29 ] Während der Weltkrieg gewütet hat, habe ich so manchem dasjenige vorgetragen, was ich auch hier vortrage. Tauben Ohren hat man gepredigt. Gar manchem habe ich gesagt: Jetzt haben Sie noch Zeit; solange die Kanonen donnern, schickt es sich, daß in den Kanonendonner hinein von denjenigen Staaten, die vernünftig diesen Krieg beenden wollen, Worte gesprochen werden, wie sie von der Zeit gefordert werden, wie sie sich unbedingt realisieren werden in den nächsten zehn, zwanzig Jahren. Sie haben heute die Wahl, entweder Vernunft anzunehmen und durch Vernunft sie zu realisieren, oder, wenn Sie das nicht wollen, gehen Sie eben Kataklysmen und Revolutionen entgegen. WieSchall und Rauch ging das an den Ohren vorbei.
[ 29 ] Während der Weltkrieg gewütet hat, habe ich so manchem dasjenige vorgetragen, was ich auch hier vortrage. Tauben Ohren hat man gepredigt. Gar manchem habe ich gesagt: Jetzt haben Sie noch Zeit; solange die Kanonen donnern, schickt es sich, daß in den Kanonendonner hinein von denjenigen Staaten, die vernünftig diesen Krieg beenden wollen, Worte gesprochen werden, wie sie von der Zeit gefordert werden, wie sie sich unbedingt realisieren werden in den nächsten zehn, zwanzig Jahren. Sie haben heute die Wahl, entweder Vernunft anzunehmen und durch Vernunft sie zu realisieren, oder, wenn Sie das nicht wollen, gehen Sie eben Kataklysmen und Revolutionen entgegen. WieSchall und Rauch ging das an den Ohren vorbei.
[ 30 ] Das, was die Zeit von uns fordert ist, daß wir uns wirklich dazu aufraffen, selbständige soziale Gebilde zu schaffen: ein freies, auf sich selbst gestelltes Geistesleben, einen politischen Staat, dem wir nur das Rechtsleben überlassen, und ein Wirtschaftsleben, das wir auf seine eigene Grundlage stellen. - Wie schauderhaft ist das für manchen, der sich im Sinne der alten Denkgewohnheiten für einen Praktiker hält, daß man nun dem Komplizierten entgegengehen soll, drei nebeneinanderstehende soziale Organismen, eine besondere Geistesorganisation, eine besondere Rechtsorganisation und eine besondere Wirtschaftsorganisation! Allein, machen wir uns das nur klar, was das zum Beispiel für das wirtschaftliche Leben für eine Wirkung haben wird. Da haben wir das wirtschaftliche Leben auf der einen Seite begrenzt durch die Naturgrundlage, Klima, Bodenbeschaffenheit. Man kann auf der einen Seite dadurch, daß man allerlei technische Verbesserungen macht, der Natur beikommen, aber eine Grenze ist gesetzt, über die man nicht hinausgehen kann. Die Naturgrundlage bildet die eine Grenze des Wirtschaftslebens. Man braucht sich nur an extreme Beispiele zu erinnern. Denken wir an ein Land, wo viele Leute sich von Bananen ernähren können. Um die Banane von ihrem Ausgangsorte zum Konsum zu bringen, ist hundertmal weniger Arbeit nötig, als um unseren Weizen in unseren Gegenden von der Aussaat bis zur Konsumfähigkeit zu bringen. Nun, so extreme Beispiele klären die Sache auf. Aber wenn auch die Dinge sonst in einem geschlossenen sozialen Territorium nicht so extrem nebeneinanderstehen, die Naturgrundlage ist da. Sie ist die eine Grenze des Wirtschaftslebens. Eine andere Grenze muß noch da sein. Das ist diejenige, die von dem selbständig neben dem Wirtschaftsleben stehenden Staate gebildet wird. Innerhalb dieses Staates, der auf rein demokratischer Grundlage stehen muß, weil er das behandelt, was für alle Menschen gleich gilt, worüber alle Menschen sich verständigen müssen, weil er aus dem Rechtsbewußstsein, das in der Seele jedes Menschen wurzelt, hervorgehen muß, in diesem Rechtsstaat wird auch bestimmt werden ganz unabhängig von dem Wirtschaftsleben Maß, Zeit und manches andere mit Bezug auf die menschliche Arbeit. Geradesowenig wie das Samenkorn in bezug auf die Kräfte, die es erfassen unter der Erde, schon im Wirtschaftsleben drinnensteht, sondern wie diese Naturkräfte das Wirtschaftsleben selbst bestimmen, so muß von seiten des selbständigen Staates dem Wirtschaftsleben auch das Arbeitsrecht zugrunde gelegt werden. Der Preis der Ware muß bestimmt werden, wie durch die Naturgrundlage auf der einen Seite, so auf der anderen Seite durch das vom Wirtschaftsleben unabhängige Arbeitsrecht. Warenpreise müssen abhängig sein vom Arbeitsrecht, nicht, wie es heute der Fall ist, Arbeitspreise von Warenpreisen.
[ 30 ] Das, was die Zeit von uns fordert ist, daß wir uns wirklich dazu aufraffen, selbständige soziale Gebilde zu schaffen: ein freies, auf sich selbst gestelltes Geistesleben, einen politischen Staat, dem wir nur das Rechtsleben überlassen, und ein Wirtschaftsleben, das wir auf seine eigene Grundlage stellen. - Wie schauderhaft ist das für manchen, der sich im Sinne der alten Denkgewohnheiten für einen Praktiker hält, daß man nun dem Komplizierten entgegengehen soll, drei nebeneinanderstehende soziale Organismen, eine besondere Geistesorganisation, eine besondere Rechtsorganisation und eine besondere Wirtschaftsorganisation! Allein, machen wir uns das nur klar, was das zum Beispiel für das wirtschaftliche Leben für eine Wirkung haben wird. Da haben wir das wirtschaftliche Leben auf der einen Seite begrenzt durch die Naturgrundlage, Klima, Bodenbeschaffenheit. Man kann auf der einen Seite dadurch, daß man allerlei technische Verbesserungen macht, der Natur beikommen, aber eine Grenze ist gesetzt, über die man nicht hinausgehen kann. Die Naturgrundlage bildet die eine Grenze des Wirtschaftslebens. Man braucht sich nur an extreme Beispiele zu erinnern. Denken wir an ein Land, wo viele Leute sich von Bananen ernähren können. Um die Banane von ihrem Ausgangsorte zum Konsum zu bringen, ist hundertmal weniger Arbeit nötig, als um unseren Weizen in unseren Gegenden von der Aussaat bis zur Konsumfähigkeit zu bringen. Nun, so extreme Beispiele klären die Sache auf. Aber wenn auch die Dinge sonst in einem geschlossenen sozialen Territorium nicht so extrem nebeneinanderstehen, die Naturgrundlage ist da. Sie ist die eine Grenze des Wirtschaftslebens. Eine andere Grenze muß noch da sein. Das ist diejenige, die von dem selbständig neben dem Wirtschaftsleben stehenden Staate gebildet wird. Innerhalb dieses Staates, der auf rein demokratischer Grundlage stehen muß, weil er das behandelt, was für alle Menschen gleich gilt, worüber alle Menschen sich verständigen müssen, weil er aus dem Rechtsbewußstsein, das in der Seele jedes Menschen wurzelt, hervorgehen muß, in diesem Rechtsstaat wird auch bestimmt werden ganz unabhängig von dem Wirtschaftsleben Maß, Zeit und manches andere mit Bezug auf die menschliche Arbeit. Geradesowenig wie das Samenkorn in bezug auf die Kräfte, die es erfassen unter der Erde, schon im Wirtschaftsleben drinnensteht, sondern wie diese Naturkräfte das Wirtschaftsleben selbst bestimmen, so muß von seiten des selbständigen Staates dem Wirtschaftsleben auch das Arbeitsrecht zugrunde gelegt werden. Der Preis der Ware muß bestimmt werden, wie durch die Naturgrundlage auf der einen Seite, so auf der anderen Seite durch das vom Wirtschaftsleben unabhängige Arbeitsrecht. Warenpreise müssen abhängig sein vom Arbeitsrecht, nicht, wie es heute der Fall ist, Arbeitspreise von Warenpreisen.
[ 31 ] Das ist dasjenige, was im geheimen, im Innersten seiner Seele im Grunde jeder wirkliche Arbeiter erwartet, daß die Regelung der Arbeitskraft und auch die Regelung des sogenannten Besitzes, der dadurch gar kein Besitz mehr sein wird, abgesondert wird vom Wirtschaftsleben, damit auf wirtschaftlichem Gebiete nicht mehr ein Zwangsverhältnis zwischen Arbeitgeber und Arbeitnehmer, sondern lediglich ein Rechtsverhältnis sein könne. Dann wird es im Wirtschaftsleben nur dasjenige geben, was einzig und allein in das Wirtschaftsleben gehört: Warenerzeugung, Warenverkehr, Warenkonsum. Und verwirklicht werden kann dasjenige, was gerade das sozialistische Denken zu verwirklichen anstrebt, daß fortan nicht mehr produziert werde, um zu profitieren, sondern daß produziert werde, um zu konsumieren. Das kann nur geschehen, wenn ebenso unabhängig über Arbeit und Arbeitsleistung die Regeln getroffen werden, wie von der Natur für die wirtschaftliche Ordnung unabhängig von dieser wirtschaftlichen Ordnung, die Regeln selber getroffen werden. Dann wird auf dem Gebiete des Wirtschaftslebens erst das zu seinem Rechte kommen, was sich heute alles herausbildet als das Genossenschaftswesen, das Assoziationswesen; das muß eine sachgemäße Verwaltung auf dem Boden des Wirtschaftslebens finden. Da muß nach dem Konsumbedürfnisse das Produktionsleben in Assoziationen, in Genossenschaften geregelt werden. Da muß vor allen Dingen genommen werden dem politischen Staate die ganze Regelung der Währung. Währung, Geld kann nicht mehr etwas sein, was dem politischen Staat untersteht, sondern etwas, was in den Wirtschaftskörper hineingehört. Was wird dann dasjenige sein, was der Repräsentant des Geldes ist? Nicht mehr irgendeine andere Ware, die eigentlich nur eine Luxusware ist und deren Wert auf menschlicher Einbildung beruht, das Gold, sondern dem Gelde wird entsprechen - ich kann das nur andeuten, Sie werden es nächstens in meinem Buche über die soziale Frage, das in ein paar Tagen erscheinen wird, ausgeführt finden -, dem Gelde wird entsprechen alles dasjenige, was vorhanden ist an brauchbaren Produktionsmitteln. Und diese brauchbaren Produktionsmittel, sie werden so behandelt werden können, wie sie eigentlich behandelt werden sollen im Sinne des modernen sozialen Denkens, sie werden so behandelt werden können, wie man heute nur dasjenige, was man in unserer Zeit als das schofelste Eigentum ansieht, behandelt.
[ 31 ] Das ist dasjenige, was im geheimen, im Innersten seiner Seele im Grunde jeder wirkliche Arbeiter erwartet, daß die Regelung der Arbeitskraft und auch die Regelung des sogenannten Besitzes, der dadurch gar kein Besitz mehr sein wird, abgesondert wird vom Wirtschaftsleben, damit auf wirtschaftlichem Gebiete nicht mehr ein Zwangsverhältnis zwischen Arbeitgeber und Arbeitnehmer, sondern lediglich ein Rechtsverhältnis sein könne. Dann wird es im Wirtschaftsleben nur dasjenige geben, was einzig und allein in das Wirtschaftsleben gehört: Warenerzeugung, Warenverkehr, Warenkonsum. Und verwirklicht werden kann dasjenige, was gerade das sozialistische Denken zu verwirklichen anstrebt, daß fortan nicht mehr produziert werde, um zu profitieren, sondern daß produziert werde, um zu konsumieren. Das kann nur geschehen, wenn ebenso unabhängig über Arbeit und Arbeitsleistung die Regeln getroffen werden, wie von der Natur für die wirtschaftliche Ordnung unabhängig von dieser wirtschaftlichen Ordnung, die Regeln selber getroffen werden. Dann wird auf dem Gebiete des Wirtschaftslebens erst das zu seinem Rechte kommen, was sich heute alles herausbildet als das Genossenschaftswesen, das Assoziationswesen; das muß eine sachgemäße Verwaltung auf dem Boden des Wirtschaftslebens finden. Da muß nach dem Konsumbedürfnisse das Produktionsleben in Assoziationen, in Genossenschaften geregelt werden. Da muß vor allen Dingen genommen werden dem politischen Staate die ganze Regelung der Währung. Währung, Geld kann nicht mehr etwas sein, was dem politischen Staat untersteht, sondern etwas, was in den Wirtschaftskörper hineingehört. Was wird dann dasjenige sein, was der Repräsentant des Geldes ist? Nicht mehr irgendeine andere Ware, die eigentlich nur eine Luxusware ist und deren Wert auf menschlicher Einbildung beruht, das Gold, sondern dem Gelde wird entsprechen - ich kann das nur andeuten, Sie werden es nächstens in meinem Buche über die soziale Frage, das in ein paar Tagen erscheinen wird, ausgeführt finden -, dem Gelde wird entsprechen alles dasjenige, was vorhanden ist an brauchbaren Produktionsmitteln. Und diese brauchbaren Produktionsmittel, sie werden so behandelt werden können, wie sie eigentlich behandelt werden sollen im Sinne des modernen sozialen Denkens, sie werden so behandelt werden können, wie man heute nur dasjenige, was man in unserer Zeit als das schofelste Eigentum ansieht, behandelt.
[ 32 ] Was gilt in unserer Zeit als das schofelste Eigentum? Na, selbstverständlich das Geistige, das geistige Eigentum. Von dem weiß man in unserer Zeit, daß man es hat von der sozialen Ordnung. Ja, wenn man ein noch so gescheiter Mensch ist, wenn man noch so viel leisten kann, noch so schöne Sachen hervorbringt, gewiß, den Anlagen entspricht es, manchem anderen auch noch, aber insofern man es verwertet im sozialen Organismus, insofern hat man es vom sozialen Organismus. Deshalb ist es gerecht, daß dieses Geistesgut nicht bei den Erben verbleibt, sondern wenigstens nach einer Anzahl von Jahren in den sozialen Organismus übergeht, Gemeineigentum wird, verwendet werden kann von dem, der dazu durch seine individuellen Fähigkeiten geeignet ist. Dieses schofelste Eigentum, das geistige Figentum, wird heute so behandelt. So wird in der Zukunft behandelt werden jedes sogenannte Eigentum. Nur wird es viel früher übergehen müssen in das Gemeineigentum, so daß derjenige, der dazu die Fähigkeiten hat, diese Fähigkeiten an diesem Eigentum wiederum im Sinne des Nutzens und Zweckes des sozialen Organismus einbringen kann. Deshalb habe ich in dem Buch, das in ein paar Tagen erscheinen wird, gezeigt, wie es notwendig ist, daß die Produktionsmittel nur so lange bei der Leitung eines Menschen bleiben, als die individuellen Fähigkeiten dieses Menschen die Leitung dieser Produktionsmittel rechtfertigen, daß alles dasjenige, was profitiert wird auf Grundlage der Produktionsmittel, wenn es nicht wiederum hineingesteckt wird in die Produktion selbst, übergeleitet werden muß an die Allgemeinheit. Durch den geistigen Organismus kann derjenige aufgesucht werden, der im Sinne seiner individuellen Fähigkeiten das für die soziale Gemeinschaft weiterleiten kann.
[ 32 ] Was gilt in unserer Zeit als das schofelste Eigentum? Na, selbstverständlich das Geistige, das geistige Eigentum. Von dem weiß man in unserer Zeit, daß man es hat von der sozialen Ordnung. Ja, wenn man ein noch so gescheiter Mensch ist, wenn man noch so viel leisten kann, noch so schöne Sachen hervorbringt, gewiß, den Anlagen entspricht es, manchem anderen auch noch, aber insofern man es verwertet im sozialen Organismus, insofern hat man es vom sozialen Organismus. Deshalb ist es gerecht, daß dieses Geistesgut nicht bei den Erben verbleibt, sondern wenigstens nach einer Anzahl von Jahren in den sozialen Organismus übergeht, Gemeineigentum wird, verwendet werden kann von dem, der dazu durch seine individuellen Fähigkeiten geeignet ist. Dieses schofelste Eigentum, das geistige Figentum, wird heute so behandelt. So wird in der Zukunft behandelt werden jedes sogenannte Eigentum. Nur wird es viel früher übergehen müssen in das Gemeineigentum, so daß derjenige, der dazu die Fähigkeiten hat, diese Fähigkeiten an diesem Eigentum wiederum im Sinne des Nutzens und Zweckes des sozialen Organismus einbringen kann. Deshalb habe ich in dem Buch, das in ein paar Tagen erscheinen wird, gezeigt, wie es notwendig ist, daß die Produktionsmittel nur so lange bei der Leitung eines Menschen bleiben, als die individuellen Fähigkeiten dieses Menschen die Leitung dieser Produktionsmittel rechtfertigen, daß alles dasjenige, was profitiert wird auf Grundlage der Produktionsmittel, wenn es nicht wiederum hineingesteckt wird in die Produktion selbst, übergeleitet werden muß an die Allgemeinheit. Durch den geistigen Organismus kann derjenige aufgesucht werden, der im Sinne seiner individuellen Fähigkeiten das für die soziale Gemeinschaft weiterleiten kann.
[ 33 ] Es ist, wenn man wirklich aus dem Leben heraus diesen sozialen Organismus kennengelernt hat, nicht so einfach, diese moderne Forderung zu erfüllen, die Produktionsmittel nicht mehr in das Privateigentum zu übergeben, damit sie in diesem Privateigentum bleiben. Es müssen aber die Mittel gefunden werden, wodurch dieses Privateigentum allen Sinn verliert, so daß dann der sogenannte Privateigentümer nur der zeitweilige Leiter ist, weil er die Fähigkeiten hat, die Produktionsmittel durch seine Fähigkeiten zum Wohle der Gemeinschaft am besten zu verwalten.
[ 33 ] Es ist, wenn man wirklich aus dem Leben heraus diesen sozialen Organismus kennengelernt hat, nicht so einfach, diese moderne Forderung zu erfüllen, die Produktionsmittel nicht mehr in das Privateigentum zu übergeben, damit sie in diesem Privateigentum bleiben. Es müssen aber die Mittel gefunden werden, wodurch dieses Privateigentum allen Sinn verliert, so daß dann der sogenannte Privateigentümer nur der zeitweilige Leiter ist, weil er die Fähigkeiten hat, die Produktionsmittel durch seine Fähigkeiten zum Wohle der Gemeinschaft am besten zu verwalten.
[ 34 ] Wenn auf der einen Seite das Arbeiterrecht in dem politischen Staate geregelt wird, wenn auf der anderen Seite der Besitz so in wahrem Sinne des Wortes ein Besitz-Kreislauf wird, dann wird ein freies Vertragsverhältnis über die gemeinschaftliche Produktion zwischen Arbeiter und Arbeitsleiter erst möglich sein. Arbeiter und Arbeitsleiter wird es geben, Unternehmer und Arbeitnehmer nicht mehr.
[ 34 ] Wenn auf der einen Seite das Arbeiterrecht in dem politischen Staate geregelt wird, wenn auf der anderen Seite der Besitz so in wahrem Sinne des Wortes ein Besitz-Kreislauf wird, dann wird ein freies Vertragsverhältnis über die gemeinschaftliche Produktion zwischen Arbeiter und Arbeitsleiter erst möglich sein. Arbeiter und Arbeitsleiter wird es geben, Unternehmer und Arbeitnehmer nicht mehr.
[ 35 ] Ich kann alle diese Dinge eben nur kurz skizzieren. Deshalb gestatten Sie mir, daß ich auch noch darauf hinweise, daß als besonderes Gebiet neben dem selbständigen Wirtschaftsgebiet, das auf der anderen Seite das selbständige politische Staatsgebiet, den Rechtsstaat hat, der unabhängig, souverän neben dem Wirtschaftsgebiet steht, wie die Natur selbst, stehen wird das Geistesleben. Dieses Geistesleben, das kann sich nur seinen eigenen, wahren, wirklichen Kräften gemäß entwickeln, wenn es in der Zukunft auf seinen eigenen Boden gestellt ist, wenn der unterste Lehrer bis hinauf zu dem höchsten Leiter irgendwelchen Unterrichts- oder Bildungszweiges nicht mehr abhängig ist von irgendeiner Kapitalgruppe oder von dem politischen Staat, sondern wenn der unterste Lehrer und alle diejenigen, die am geistigen Leben beteiligt sind, wissen: dasjenige, was ich tue, ist nur abhängig von der geistigen Organisation selber. Aus einem guten Instinkt heraus, wenn auch nicht gerade aus einer besonderen Schätzung der Religion, aus einem guten Instinkt heraus hat mit Bezug auf Religion die moderne Sozialdemokratie das Wort geprägt: Religion muß Privatsache sein. In demselben Sinne, so sonderbar das auch heute noch den Menschen klingt, muß alles geistige Leben Privatsache sein und auf dem Vertrauen beruhen, das digjenigen, die es entgegennehmen wollen, zu denjenigen haben, die es leisten sollen. Gewiß, ich weiß, viele Menschen fürchten heute, daß wir alle wiederum, respektive unsere Nachkommen, Analphabeten werden, wenn wir uns unsere Schule selber wählen können. Das werden wir schon nicht werden. Es haben ja heute vielleicht gerade Angehörige leitender Kreise, bisher leitender Kreise, recht viel Veranlassung, so über die Bildung zu denken; sie erinnern sich, was es ihnen für Mühe gemacht hat, das bißchen Bildung sich anzueignen, welches ihnen ihre gesellschaftliche Stellung sichert. Dasjenige aber, was der dreigeteilte soziale Organismus von den Menschen fordert, das wird gerade unter dem Einfluß des modernen Proletariats bei einem freien Geistesleben wahrhaftig nicht zum Analphabetismus führen.
[ 35 ] Ich kann alle diese Dinge eben nur kurz skizzieren. Deshalb gestatten Sie mir, daß ich auch noch darauf hinweise, daß als besonderes Gebiet neben dem selbständigen Wirtschaftsgebiet, das auf der anderen Seite das selbständige politische Staatsgebiet, den Rechtsstaat hat, der unabhängig, souverän neben dem Wirtschaftsgebiet steht, wie die Natur selbst, stehen wird das Geistesleben. Dieses Geistesleben, das kann sich nur seinen eigenen, wahren, wirklichen Kräften gemäß entwickeln, wenn es in der Zukunft auf seinen eigenen Boden gestellt ist, wenn der unterste Lehrer bis hinauf zu dem höchsten Leiter irgendwelchen Unterrichts- oder Bildungszweiges nicht mehr abhängig ist von irgendeiner Kapitalgruppe oder von dem politischen Staat, sondern wenn der unterste Lehrer und alle diejenigen, die am geistigen Leben beteiligt sind, wissen: dasjenige, was ich tue, ist nur abhängig von der geistigen Organisation selber. Aus einem guten Instinkt heraus, wenn auch nicht gerade aus einer besonderen Schätzung der Religion, aus einem guten Instinkt heraus hat mit Bezug auf Religion die moderne Sozialdemokratie das Wort geprägt: Religion muß Privatsache sein. In demselben Sinne, so sonderbar das auch heute noch den Menschen klingt, muß alles geistige Leben Privatsache sein und auf dem Vertrauen beruhen, das digjenigen, die es entgegennehmen wollen, zu denjenigen haben, die es leisten sollen. Gewiß, ich weiß, viele Menschen fürchten heute, daß wir alle wiederum, respektive unsere Nachkommen, Analphabeten werden, wenn wir uns unsere Schule selber wählen können. Das werden wir schon nicht werden. Es haben ja heute vielleicht gerade Angehörige leitender Kreise, bisher leitender Kreise, recht viel Veranlassung, so über die Bildung zu denken; sie erinnern sich, was es ihnen für Mühe gemacht hat, das bißchen Bildung sich anzueignen, welches ihnen ihre gesellschaftliche Stellung sichert. Dasjenige aber, was der dreigeteilte soziale Organismus von den Menschen fordert, das wird gerade unter dem Einfluß des modernen Proletariats bei einem freien Geistesleben wahrhaftig nicht zum Analphabetismus führen.
[ 36 ] Ich bin völlig überzeugt davon, wenn man auf diese Weise zu verwirklichen in der Lage ist den völlig demokratischen Rechtsstaat, der das Arbeiterrecht sichert, in dem jeder Mensch über dasjenige, was gleich ist für alle Menschen, mitzuberaten hat, dann wird sich insbesondere das moderne Proletariat nicht dazu hergeben, den Analphabetismus besonders zu predigen, dann wird es schon von sich aus auch in einem freien Geistesleben fordern, daß die Menschen nicht so zur Wahlurne geführt werden, wie es jetzt erzählt werden kann zuweilen aus einzelnen Gegenden eines Nachbarstaates, wo die Mönche und die Landpfarrer die Idioten- und Irrenanstalten ausgeräumt haben, um diejenigen Leute, die nicht einmal wußten, wie sie hießen, zur Wahlurne zu führen.
[ 36 ] Ich bin völlig überzeugt davon, wenn man auf diese Weise zu verwirklichen in der Lage ist den völlig demokratischen Rechtsstaat, der das Arbeiterrecht sichert, in dem jeder Mensch über dasjenige, was gleich ist für alle Menschen, mitzuberaten hat, dann wird sich insbesondere das moderne Proletariat nicht dazu hergeben, den Analphabetismus besonders zu predigen, dann wird es schon von sich aus auch in einem freien Geistesleben fordern, daß die Menschen nicht so zur Wahlurne geführt werden, wie es jetzt erzählt werden kann zuweilen aus einzelnen Gegenden eines Nachbarstaates, wo die Mönche und die Landpfarrer die Idioten- und Irrenanstalten ausgeräumt haben, um diejenigen Leute, die nicht einmal wußten, wie sie hießen, zur Wahlurne zu führen.
[ 37 ] Wer an diese Dinge glauben und auf diese Dinge hoffen will, der muß allerdings den Glauben haben an wirkliche Menschenkraft und an wirkliche Menschenwürde. Wer wie ich sein ganzes Leben unabhängig war von einer jeglichen staatlichen Ordnung, wer sich nie gefügt hat in eine Abhängigkeit von irgendeiner staatlichen Ordnung, der hat sich auch die Unbefangenheit bewahren können für dasjenige, was als ein auf sich selbst gestelltes, vom Staate unabhängiges Geistesleben sich aufbauen läßt. Dieses Geistesleben, das wird nicht die individuellen menschlichen Fähigkeiten so pflegen, wie es das Luxusgeistesleben, die Ideologie des bisherigen Geisteslebens getan hat. Das Geistesleben, das auf sich selbst gebaut ist, wird auch kein philiströses, kein bürgerliches Geistesleben sein, das wird ein Menschheits-Geistesleben sein, ein Geistesleben, das von den höchsten, allerhöchsten Gliedern des geistigen Schaffens hinunterreichen wird bis in die einzelnen Details der menschlichen Arbeit und ihrer Leitung hinein; die Leiter der einzelnen Wirtschaftsgebiete, sie werden Zöglinge des freien Geisteslebens sein und aus diesem freien Geistesleben heraus nicht das entwickeln, was heute zum Unternehmergeist, zum Kapitalismusgeist geworden ist.
[ 37 ] Wer an diese Dinge glauben und auf diese Dinge hoffen will, der muß allerdings den Glauben haben an wirkliche Menschenkraft und an wirkliche Menschenwürde. Wer wie ich sein ganzes Leben unabhängig war von einer jeglichen staatlichen Ordnung, wer sich nie gefügt hat in eine Abhängigkeit von irgendeiner staatlichen Ordnung, der hat sich auch die Unbefangenheit bewahren können für dasjenige, was als ein auf sich selbst gestelltes, vom Staate unabhängiges Geistesleben sich aufbauen läßt. Dieses Geistesleben, das wird nicht die individuellen menschlichen Fähigkeiten so pflegen, wie es das Luxusgeistesleben, die Ideologie des bisherigen Geisteslebens getan hat. Das Geistesleben, das auf sich selbst gebaut ist, wird auch kein philiströses, kein bürgerliches Geistesleben sein, das wird ein Menschheits-Geistesleben sein, ein Geistesleben, das von den höchsten, allerhöchsten Gliedern des geistigen Schaffens hinunterreichen wird bis in die einzelnen Details der menschlichen Arbeit und ihrer Leitung hinein; die Leiter der einzelnen Wirtschaftsgebiete, sie werden Zöglinge des freien Geisteslebens sein und aus diesem freien Geistesleben heraus nicht das entwickeln, was heute zum Unternehmergeist, zum Kapitalismusgeist geworden ist.
[ 38 ] Arbeitsverträge gibt es, aber über die Arbeit kann man eigentlich keinen wirklichen Vertrag schließen. Dasjenige, was heute Arbeitsvertrag ist, ist eine Lebenslüge, denn in Wirklichkeit ist Arbeit nicht vergleichbar mit irgendeiner Ware. Daher muß man sagen: Wenn in der Zukunft irgendein Vertrag geschlossen werden soll, so wird er über das gemeinsam geleistete Produkt geschlossen werden, und man wird dann erst recht empfinden: Was war denn eigentlich dieser bisherige Arbeitsvertrag? Auf was beruhte er? - Er beruhte auf keinem Recht, sondern auf einem Mißbrauch persönlicher, individueller Fähigkeiten. Im Grunde genommen war er eine Übervorteilung. Aber Übervorteilung, woraus geht sie denn hervor? Aus der Klugheit, die das heutige Geistesleben vielfach gezeitigt hat. Dasjenige Geistesleben, das ich mir denke, das auf sich selbst gestellt ist, das wird nicht diese Klugheit, das wird nicht die Lebenslüge, das wird Lebenswahrheiten zeitigen. Da werden keine Schutztruppen mehr für irgendwelche Throne und Altare herrschen, sondern da wird der Geist selber bis hinein in die einzelnen Menschenzweige die individuellen Fähigkeiten des Menschen verwalten. Kapitalismus ist nur möglich, wenn das Geistesleben auf der andern Seite geknechtet sein kann. Wird das Geistesleben befreit, dann verschwindet in seiner heutigen Form der Kapitalismus. Ich wollte nachdenken, wie der Kapitalismus verschwinden kann. Sie können es in meinem Buch über die soziale Frage in einigen Tagen lesen, daß dieser Kapitalismus verschwinden wird, wenn das Geistesleben wirklich emanzipiert ist und die Lebenswahrheiten an die Stelle der Lebenslüge gesetzt werden.
[ 38 ] Arbeitsverträge gibt es, aber über die Arbeit kann man eigentlich keinen wirklichen Vertrag schließen. Dasjenige, was heute Arbeitsvertrag ist, ist eine Lebenslüge, denn in Wirklichkeit ist Arbeit nicht vergleichbar mit irgendeiner Ware. Daher muß man sagen: Wenn in der Zukunft irgendein Vertrag geschlossen werden soll, so wird er über das gemeinsam geleistete Produkt geschlossen werden, und man wird dann erst recht empfinden: Was war denn eigentlich dieser bisherige Arbeitsvertrag? Auf was beruhte er? - Er beruhte auf keinem Recht, sondern auf einem Mißbrauch persönlicher, individueller Fähigkeiten. Im Grunde genommen war er eine Übervorteilung. Aber Übervorteilung, woraus geht sie denn hervor? Aus der Klugheit, die das heutige Geistesleben vielfach gezeitigt hat. Dasjenige Geistesleben, das ich mir denke, das auf sich selbst gestellt ist, das wird nicht diese Klugheit, das wird nicht die Lebenslüge, das wird Lebenswahrheiten zeitigen. Da werden keine Schutztruppen mehr für irgendwelche Throne und Altare herrschen, sondern da wird der Geist selber bis hinein in die einzelnen Menschenzweige die individuellen Fähigkeiten des Menschen verwalten. Kapitalismus ist nur möglich, wenn das Geistesleben auf der andern Seite geknechtet sein kann. Wird das Geistesleben befreit, dann verschwindet in seiner heutigen Form der Kapitalismus. Ich wollte nachdenken, wie der Kapitalismus verschwinden kann. Sie können es in meinem Buch über die soziale Frage in einigen Tagen lesen, daß dieser Kapitalismus verschwinden wird, wenn das Geistesleben wirklich emanzipiert ist und die Lebenswahrheiten an die Stelle der Lebenslüge gesetzt werden.
[ 39 ] Im Grunde genommen klingt das, was ich Ihnen heute in einer kurzen Skizze auseinandergesetzt habe, seit langer Zeit durch die Menschheit hindurch. Ende des 18. Jahrhunderts erklangen wie eine gewaltige Devise in Frankreich die Worte: Freiheit, Gleichheit, Brüderlichkeit. - Im Lauf des 19. Jahrhunderts haben ganz gescheite Leute immer wieder den Beweis geliefert, daß diese drei Ideen im sozialen Organismus einander widersprechen. Freiheit auf der einen Seite fordert, daß die Individualität sich frei bewegen kann. Gleichheit schließt diese Freiheit aus. Brüderlichkeit wiederum widerspricht den beiden anderen.
[ 39 ] Im Grunde genommen klingt das, was ich Ihnen heute in einer kurzen Skizze auseinandergesetzt habe, seit langer Zeit durch die Menschheit hindurch. Ende des 18. Jahrhunderts erklangen wie eine gewaltige Devise in Frankreich die Worte: Freiheit, Gleichheit, Brüderlichkeit. - Im Lauf des 19. Jahrhunderts haben ganz gescheite Leute immer wieder den Beweis geliefert, daß diese drei Ideen im sozialen Organismus einander widersprechen. Freiheit auf der einen Seite fordert, daß die Individualität sich frei bewegen kann. Gleichheit schließt diese Freiheit aus. Brüderlichkeit wiederum widerspricht den beiden anderen.
[ 40 ] Solange man unter der Hypnose des Dogmas stand: Der Allerhalter, Allumfasser, umfaßt er nicht dich und mich, sich selbst? Solange man unter der Hypnose dieses Einheitsstaatsgötzen stand, so lange waren diese drei Ideen Widersprüche. In dem Augenblicke, wo die Menschheit sich verständnisvoll finden wird für den dreigeteilten gesunden sozialen Organismus, werden sich diese drei Ideen nicht mehr widersprechen, denn dann wird herrschen auf dem Gebiete des selbständigen, souveränen Geistesorganismus die Freiheit, auf dem Gebiete des Staatsorganismus, des Rechtsorganismus die Gleichheit aller Menschen, und auf dem Gebiete des Wirtschaftsorganismus die Brüderlichkeit, jene Brüderlichkeit im großen Stile, die auf den Produktions- und Konsumgenossenschaften beruhen wird, die beruhen wird auf den Assoziationen der einzelnen Berufe, die sachgemäß brüderlich das Wirtschaftsleben verwalten werden. Die drei großen Ideen Freiheit, Gleichheit und Brüderlichkeit, sie werden einander nicht mehr widersprechen, wenn die drei Gebiete, Geistiges, Rechtliches, Wirtschaftliches, selbständig zu ihrem Rechte gekommen in der Welt dastehen werden. Nehmen Sie das heute noch so auf als etwas, an das wenig gedacht wird, aber es ist keine Utopie, es ist nicht dasjenige, was irgendwie ausgedacht nur ist, sondern es ist dasjenige, was aus einer jahrzehntelangen Beobachtung der modernen politischen, wirtschaftlichen und geistigen Verhältnisse hat gewonnen werden können, von dem geglaubt werden kann, daß es im Schoße der Menschheitsentwickelung selber wie ein Keim ruht, der sich in der nächsten Zeit verwirklichen will. Und man kann wahrnehmen in den laut sprechenden Tatsachen der heutigen Tage, man kann wahrnehmen in den Forderungen des Proletariats, wenn auch vieles noch anders ausgesprochen wird, daß die Sehnsucht nach solcher Verwirklichung durchaus heute schon vorhanden ist.
[ 40 ] Solange man unter der Hypnose des Dogmas stand: Der Allerhalter, Allumfasser, umfaßt er nicht dich und mich, sich selbst? Solange man unter der Hypnose dieses Einheitsstaatsgötzen stand, so lange waren diese drei Ideen Widersprüche. In dem Augenblicke, wo die Menschheit sich verständnisvoll finden wird für den dreigeteilten gesunden sozialen Organismus, werden sich diese drei Ideen nicht mehr widersprechen, denn dann wird herrschen auf dem Gebiete des selbständigen, souveränen Geistesorganismus die Freiheit, auf dem Gebiete des Staatsorganismus, des Rechtsorganismus die Gleichheit aller Menschen, und auf dem Gebiete des Wirtschaftsorganismus die Brüderlichkeit, jene Brüderlichkeit im großen Stile, die auf den Produktions- und Konsumgenossenschaften beruhen wird, die beruhen wird auf den Assoziationen der einzelnen Berufe, die sachgemäß brüderlich das Wirtschaftsleben verwalten werden. Die drei großen Ideen Freiheit, Gleichheit und Brüderlichkeit, sie werden einander nicht mehr widersprechen, wenn die drei Gebiete, Geistiges, Rechtliches, Wirtschaftliches, selbständig zu ihrem Rechte gekommen in der Welt dastehen werden. Nehmen Sie das heute noch so auf als etwas, an das wenig gedacht wird, aber es ist keine Utopie, es ist nicht dasjenige, was irgendwie ausgedacht nur ist, sondern es ist dasjenige, was aus einer jahrzehntelangen Beobachtung der modernen politischen, wirtschaftlichen und geistigen Verhältnisse hat gewonnen werden können, von dem geglaubt werden kann, daß es im Schoße der Menschheitsentwickelung selber wie ein Keim ruht, der sich in der nächsten Zeit verwirklichen will. Und man kann wahrnehmen in den laut sprechenden Tatsachen der heutigen Tage, man kann wahrnehmen in den Forderungen des Proletariats, wenn auch vieles noch anders ausgesprochen wird, daß die Sehnsucht nach solcher Verwirklichung durchaus heute schon vorhanden ist.
[ 41 ] Viele nennen das, was ich ausspreche, eine Utopie. Sie ist einem wirklichkeitsfreundlichen, einem wirklichkeitsgemäßen Denken entnommen. Diese Idee der Dreiteilung, sie ist keine Utopie. Sie kann überall von jedem sozialen Zustand aus sofort in Angriff genommen werden, wenn man dazu nur den guten Willen hat, an dem es heute leider so sehr häufig fehlt. Glaubt man, dasjenige, was ich ausspreche, sei eine Utopie, dann möchte ich doch dem gegenüber daran erinnern, daß das, wie ich hier von dem gesunden sozialen Organismus spreche, doch anders gesprochen ist, als gewöhnlich gesprochen wird. Leute, die von sozialen Ideen sonst sprechen, stellen Programme auf. Ich denke nicht an ein Programm, ich denke nicht daran, gescheiter sein zu wollen als andere Leute und über alles das Beste zu wissen, wie man’s machen muß und so weiter, sondern ich denke nur daran, die Menschheit, die sich selber zum Wahren, zum Guten, zum Zweckmäßigen entschließen soll, in der richtigen Weise zu gliedern. Und mir scheint, wenn sie so gegliedert ist, daß die Menschen drinnenstehen erstens in einem freien Geistesleben, zweitens in einem freien politischen Rechtsleben, drittens in einem sachgemäß aus den wirtschaftlichen Kräften heraus verwalteten Wirtschaftsleben, daß dann die Menschen aus sich selber heraus das Beste finden werden; nicht an eine Gesetzgebung über das Beste denke ich, sondern an die Art und Weise, wie die Menschen aufgerufen werden müssen, um durch sich selber dasjenige zu finden, was ihnen frommt. Ich denke auch nicht, wie manche geglaubt haben, an eine Wiedergeburt der alten Stände und Klassen: Lehrstand, Wehrstand, Nährstand - nein, das Gegenteil ist es, von dem ich hier rede. Nicht die Menschen sollen geteilt werden in Klassen. Klassen, Stände, sie sollen verschwinden dadurch, daß das Leben außerhalb des Menschen, das objektive Leben gegliedert wird. Der Mensch aber ist die Einheit, der in alle drei Organismen hineingehört. In dem geistigen Organismus werden seine Anlagen, seine Fähigkeiten gepflegt. Im staatlichen Organismus findet er sein Recht. Im wirtschaftlichen Organismus findet er die Befriedigung seiner Bedürfnisse.
[ 41 ] Viele nennen das, was ich ausspreche, eine Utopie. Sie ist einem wirklichkeitsfreundlichen, einem wirklichkeitsgemäßen Denken entnommen. Diese Idee der Dreiteilung, sie ist keine Utopie. Sie kann überall von jedem sozialen Zustand aus sofort in Angriff genommen werden, wenn man dazu nur den guten Willen hat, an dem es heute leider so sehr häufig fehlt. Glaubt man, dasjenige, was ich ausspreche, sei eine Utopie, dann möchte ich doch dem gegenüber daran erinnern, daß das, wie ich hier von dem gesunden sozialen Organismus spreche, doch anders gesprochen ist, als gewöhnlich gesprochen wird. Leute, die von sozialen Ideen sonst sprechen, stellen Programme auf. Ich denke nicht an ein Programm, ich denke nicht daran, gescheiter sein zu wollen als andere Leute und über alles das Beste zu wissen, wie man’s machen muß und so weiter, sondern ich denke nur daran, die Menschheit, die sich selber zum Wahren, zum Guten, zum Zweckmäßigen entschließen soll, in der richtigen Weise zu gliedern. Und mir scheint, wenn sie so gegliedert ist, daß die Menschen drinnenstehen erstens in einem freien Geistesleben, zweitens in einem freien politischen Rechtsleben, drittens in einem sachgemäß aus den wirtschaftlichen Kräften heraus verwalteten Wirtschaftsleben, daß dann die Menschen aus sich selber heraus das Beste finden werden; nicht an eine Gesetzgebung über das Beste denke ich, sondern an die Art und Weise, wie die Menschen aufgerufen werden müssen, um durch sich selber dasjenige zu finden, was ihnen frommt. Ich denke auch nicht, wie manche geglaubt haben, an eine Wiedergeburt der alten Stände und Klassen: Lehrstand, Wehrstand, Nährstand - nein, das Gegenteil ist es, von dem ich hier rede. Nicht die Menschen sollen geteilt werden in Klassen. Klassen, Stände, sie sollen verschwinden dadurch, daß das Leben außerhalb des Menschen, das objektive Leben gegliedert wird. Der Mensch aber ist die Einheit, der in alle drei Organismen hineingehört. In dem geistigen Organismus werden seine Anlagen, seine Fähigkeiten gepflegt. Im staatlichen Organismus findet er sein Recht. Im wirtschaftlichen Organismus findet er die Befriedigung seiner Bedürfnisse.
[ 42 ] Ich glaube allerdings, daß der moderne Proletarier aus seinem Klassenbewußtsein heraus das wahre Menschheitsbewußtsein entwickeln wird, daß er Verständnis finden wird immer mehr und mehr für das, worauf hier hingewiesen worden ist: für die wahre Befreiung der Menschheit. Und ich hoffe, daß wenn einmal ganz klar vor des modernen Proletariers Seele stehen wird, wie er gerade nach dem wahren Menschheitsziel hinzustreben berufen ist, daß er dann werden wird, dieser moderne Proletarier, nicht nur der Befreier des modernen Proletariats - das muß er ganz gewiß werden -, daß er werden wird der Befreier alles Menschlichen, alles desjenigen, was im Menschenleben wahrhaft wert ist, befreit zu werden. Das wollen wir hoffen, dahin wollen wir wirken. Wenn gesagt wird: Der Worte sind nun genug gesprochen, Taten wollen wir sehen - ich wollte heute in solchen Worten sprechen, die unmittelbar in Taten wirklich übergehen können.
[ 42 ] Ich glaube allerdings, daß der moderne Proletarier aus seinem Klassenbewußtsein heraus das wahre Menschheitsbewußtsein entwickeln wird, daß er Verständnis finden wird immer mehr und mehr für das, worauf hier hingewiesen worden ist: für die wahre Befreiung der Menschheit. Und ich hoffe, daß wenn einmal ganz klar vor des modernen Proletariers Seele stehen wird, wie er gerade nach dem wahren Menschheitsziel hinzustreben berufen ist, daß er dann werden wird, dieser moderne Proletarier, nicht nur der Befreier des modernen Proletariats - das muß er ganz gewiß werden -, daß er werden wird der Befreier alles Menschlichen, alles desjenigen, was im Menschenleben wahrhaft wert ist, befreit zu werden. Das wollen wir hoffen, dahin wollen wir wirken. Wenn gesagt wird: Der Worte sind nun genug gesprochen, Taten wollen wir sehen - ich wollte heute in solchen Worten sprechen, die unmittelbar in Taten wirklich übergehen können.
[ 43 ] Diskussion
[ 43 ] Diskussion
[ 44 ] 1. Redner (Herr Handschin): Spricht sehr temperamentvoll von der Unterdrückung des Arbeiters durch das Bürgertum. Das Bürgertum zwinge dem Proletariat die Gewalt auf. Das Privateigentum der Besitzenden ist durch die Arbeiter erarbeitet worden. Erst der Kommunismus werde Ruhe bringen.
[ 44 ] 1. Redner (Herr Handschin): Spricht sehr temperamentvoll von der Unterdrückung des Arbeiters durch das Bürgertum. Das Bürgertum zwinge dem Proletariat die Gewalt auf. Das Privateigentum der Besitzenden ist durch die Arbeiter erarbeitet worden. Erst der Kommunismus werde Ruhe bringen.
[ 45 ] 2. Redner (Herr Studer). Weist auf die Ideen von Freigeld und Freiland hin, welche die Befreiung des Wirtschaftslebens ermöglichen sollen.
[ 45 ] 2. Redner (Herr Studer). Weist auf die Ideen von Freigeld und Freiland hin, welche die Befreiung des Wirtschaftslebens ermöglichen sollen.
[ 46 ] 3. Redner (Herr Mühlestein): Zeigt, wie in Deutschland die alten Mächte wieder aufkommen und sich nichts geändert hat. Kritik an Sozialdemokratie und Zentrum. Kritik an der Dreiigliederung: Durch sie werde das Recht aus dem Wirtschafts- und Geistesleben herausgenommen; Gerechtigkeit müsse aber in allen drei Gebieten, nicht nur im Rechtsstaat walten.
[ 46 ] 3. Redner (Herr Mühlestein): Zeigt, wie in Deutschland die alten Mächte wieder aufkommen und sich nichts geändert hat. Kritik an Sozialdemokratie und Zentrum. Kritik an der Dreiigliederung: Durch sie werde das Recht aus dem Wirtschafts- und Geistesleben herausgenommen; Gerechtigkeit müsse aber in allen drei Gebieten, nicht nur im Rechtsstaat walten.
[ 47 ] 4. Redner: Will über einen «Schweizerischen Bund für Reformen der Übergangszeit» berichten; wird aber unterbrochen und damit die Diskussion geschlossen.
[ 47 ] 4. Redner: Will über einen «Schweizerischen Bund für Reformen der Übergangszeit» berichten; wird aber unterbrochen und damit die Diskussion geschlossen.
[ 48 ] Rudolf Steiner: Sie werden bemerkt haben, daß die beiden ersten Diskussionsredner im Grunde genommen nicht etwas vorgebracht haben, wogegen ich nötig hätte, zu diskutieren, da ja, mindestens nach meinem Gefühl, dasjenige, was von den beiden Herren vorgebracht worden ist, im wesentlichen zeigt - mir wenigstens -, wie sehr notwendig das ernst zu nehmen ist, was von mir versucht worden ist in einer vielleicht schwachen, aber ehrlichen Weise, in der gegenwärtigen ernsten Zeit, soweit es menschenmöglich ist, zur Lösung der sozialen Frage beizutragen. Und daß dies notwendig ist, daß heute die Zeit dazu da ist, das werden Sie jedenfalls aus dem haben entnehmen können, was gerade der erste Diskussionsredner aus einer gewiß warm empfundenen Seele heraus Ihnen vorgebracht hat.
[ 48 ] Rudolf Steiner: Sie werden bemerkt haben, daß die beiden ersten Diskussionsredner im Grunde genommen nicht etwas vorgebracht haben, wogegen ich nötig hätte, zu diskutieren, da ja, mindestens nach meinem Gefühl, dasjenige, was von den beiden Herren vorgebracht worden ist, im wesentlichen zeigt - mir wenigstens -, wie sehr notwendig das ernst zu nehmen ist, was von mir versucht worden ist in einer vielleicht schwachen, aber ehrlichen Weise, in der gegenwärtigen ernsten Zeit, soweit es menschenmöglich ist, zur Lösung der sozialen Frage beizutragen. Und daß dies notwendig ist, daß heute die Zeit dazu da ist, das werden Sie jedenfalls aus dem haben entnehmen können, was gerade der erste Diskussionsredner aus einer gewiß warm empfundenen Seele heraus Ihnen vorgebracht hat.
[ 49 ] Ich möchte deshalb, weil die Zeit schon weit vorgeschritten ist, nur noch auf einige wenige Punkte hier eingehen. Da ist von seiten des verehrten zweiten Diskussionsredners das Wort «Freiland, Freigeld» gefallen. Sehen Sie, damit ist etwas angedeutet worden, mit dem es einem so geht wie mit sehr vielem in der Gegenwart, wenn man gerade auf solchen Wegen, wie ich sagte, auf Wirklichkeitswegen, der sozialen Frage sich nähern möchte, wie es in meinen Darlegungen versucht worden ist. Ich bin bei solchen Gelegenheiten sehr häufig in der Situation gewesen, sagen zu müssen: Ich bin ja mit Ihnen vollständig einverstanden; der andere sagt es nur gewöhnlich, oder wenigstens sehr häufig nicht zu mir! Die Sache ist nämlich so: Wenn ich glauben würde, daß meine Ideen so einfach aus der Luft irgendwoher geholt seien, dann würde ich Sie nicht langweilen damit, dann würde ich glauben, daß sie längst nicht reif geworden sind. Das gerade ist es, was ich glaube, daß Wesentliches den Ihnen heute vorgetragenen Ideen anhaftet. Die Materie, die Bausteine dazu finden Sie überall. Ich habe den Vortrag ähnlich neulich in Bern drüben gehalten. Ein Herr kam dazumal, nicht nur in der Diskussion, sondern am nächsten Tag zu einer Unterredung zu mir, sprach auch über «Freiland, Freigeld». Wir konnten uns allerdings nach einer Stunde darüber verständigen, daß ja dasjenige, was eigentlich gewollt wird in der Regulierung der Währungsfrage, in der Herstellung einer absoluten Währung, einfach dann erreicht wird, wenn sachgemäß - allerdings sachgemäß - diese Dreiteilung durchgeführt wird, von der ich Ihnen heute gesprochen habe, wenn einfach die Verwaltung der Werte, die Verwaltung des Geldes weggenommen wird vom politischen Staate und in das Wirtschaftsleben hineinversetzt wird. Wie gesagt, ich werde in meinem Buche «Die Kernpunkte der sozialen Frage in den Lebensnotwendigkeiten der Gegenwart und Zukunft» zeigen, daß dann die Grundlage der Währung eine ganz andere sein wird als dasjenige, was sie heute ist, außerdem international wird. So lange natürlich der führende Staat, England, an der Goldwährung festhält, wird außenpolitisch die Goldwährung gelten müssen; aber im Innern werden diejenigen das Gold im sozialen Organismus nicht mehr brauchen, die nun wirklich die eine wahre Währung haben; die einzig wirkliche wahre besteht nämlich in den Produktionsmitteln, die dann da sein werden, um Währung zu sein für das Geld. Das Geld verkennt man eben heute vollständig. Geld begreift man nur dann, wenn man es fassen kann als den vollen Gegensatz zu der alten Naturalwirtschaft.
[ 49 ] Ich möchte deshalb, weil die Zeit schon weit vorgeschritten ist, nur noch auf einige wenige Punkte hier eingehen. Da ist von seiten des verehrten zweiten Diskussionsredners das Wort «Freiland, Freigeld» gefallen. Sehen Sie, damit ist etwas angedeutet worden, mit dem es einem so geht wie mit sehr vielem in der Gegenwart, wenn man gerade auf solchen Wegen, wie ich sagte, auf Wirklichkeitswegen, der sozialen Frage sich nähern möchte, wie es in meinen Darlegungen versucht worden ist. Ich bin bei solchen Gelegenheiten sehr häufig in der Situation gewesen, sagen zu müssen: Ich bin ja mit Ihnen vollständig einverstanden; der andere sagt es nur gewöhnlich, oder wenigstens sehr häufig nicht zu mir! Die Sache ist nämlich so: Wenn ich glauben würde, daß meine Ideen so einfach aus der Luft irgendwoher geholt seien, dann würde ich Sie nicht langweilen damit, dann würde ich glauben, daß sie längst nicht reif geworden sind. Das gerade ist es, was ich glaube, daß Wesentliches den Ihnen heute vorgetragenen Ideen anhaftet. Die Materie, die Bausteine dazu finden Sie überall. Ich habe den Vortrag ähnlich neulich in Bern drüben gehalten. Ein Herr kam dazumal, nicht nur in der Diskussion, sondern am nächsten Tag zu einer Unterredung zu mir, sprach auch über «Freiland, Freigeld». Wir konnten uns allerdings nach einer Stunde darüber verständigen, daß ja dasjenige, was eigentlich gewollt wird in der Regulierung der Währungsfrage, in der Herstellung einer absoluten Währung, einfach dann erreicht wird, wenn sachgemäß - allerdings sachgemäß - diese Dreiteilung durchgeführt wird, von der ich Ihnen heute gesprochen habe, wenn einfach die Verwaltung der Werte, die Verwaltung des Geldes weggenommen wird vom politischen Staate und in das Wirtschaftsleben hineinversetzt wird. Wie gesagt, ich werde in meinem Buche «Die Kernpunkte der sozialen Frage in den Lebensnotwendigkeiten der Gegenwart und Zukunft» zeigen, daß dann die Grundlage der Währung eine ganz andere sein wird als dasjenige, was sie heute ist, außerdem international wird. So lange natürlich der führende Staat, England, an der Goldwährung festhält, wird außenpolitisch die Goldwährung gelten müssen; aber im Innern werden diejenigen das Gold im sozialen Organismus nicht mehr brauchen, die nun wirklich die eine wahre Währung haben; die einzig wirkliche wahre besteht nämlich in den Produktionsmitteln, die dann da sein werden, um Währung zu sein für das Geld. Das Geld verkennt man eben heute vollständig. Geld begreift man nur dann, wenn man es fassen kann als den vollen Gegensatz zu der alten Naturalwirtschaft.
[ 50 ] Was ist eigentlich für den heutigen sozialen Örganismus das Geld? Es ist das Mittel, um gemeinsame Wirtschaft zu führen. Stellen Sie sich nur einmal die ganze Funktion des Geldes vor. Sie besteht darinnen, daß ich einfach für dasjenige, was ich selber arbeite, Anweisung habe auf irgend etwas anderes, was ein anderer arbeitet. Und sobald Geld etwas anderes ist als diese Anweisung, ist es unberechtigt im sozialen Organismus.
[ 50 ] Was ist eigentlich für den heutigen sozialen Örganismus das Geld? Es ist das Mittel, um gemeinsame Wirtschaft zu führen. Stellen Sie sich nur einmal die ganze Funktion des Geldes vor. Sie besteht darinnen, daß ich einfach für dasjenige, was ich selber arbeite, Anweisung habe auf irgend etwas anderes, was ein anderer arbeitet. Und sobald Geld etwas anderes ist als diese Anweisung, ist es unberechtigt im sozialen Organismus.
[ 51 ] Ich könnte, um das zu bestätigen, lange Ausführungen machen; ich will das aber nur kurz anführen: das muß das Geld werden! Es wird es werden, wenn alle übrigen Machinationen aufhören werden, die in die Zirkulation des Geldes hineinspielen. Denn lediglich das Geld ist der gemeinsame Index, der zu dem gemeinsamen Vergleich für die gegenseitigen Werte der Waren da ist. Das ist dasjenige, was auch durch die Art dieser Dreiteilung erreicht werden kann, und was partiell, einzeln angestrebt wird von der Freiland-FreigeldBewegung; deshalb habe ich in einem solchen Falle gesagt: Ich bin ganz mit dieser Bewegung einverstanden - weil ich immer versuche, die einzelnen Bewegungen in ihrer Berechtigung einzusehen, und ich möchte sie in einen gemeinsamen großen Strom leiten, weil ich eben nicht glaube, daß ein Mensch, oder selbst eine Gruppe von Menschen das Richtige finden kann, sondern weil ich demokratisch glaube, daß die Menschen zusammen in der Wirklichkeit, im Zusammenwirken, allein richtig organisiert, erst das Rechte finden werden.
[ 51 ] Ich könnte, um das zu bestätigen, lange Ausführungen machen; ich will das aber nur kurz anführen: das muß das Geld werden! Es wird es werden, wenn alle übrigen Machinationen aufhören werden, die in die Zirkulation des Geldes hineinspielen. Denn lediglich das Geld ist der gemeinsame Index, der zu dem gemeinsamen Vergleich für die gegenseitigen Werte der Waren da ist. Das ist dasjenige, was auch durch die Art dieser Dreiteilung erreicht werden kann, und was partiell, einzeln angestrebt wird von der Freiland-FreigeldBewegung; deshalb habe ich in einem solchen Falle gesagt: Ich bin ganz mit dieser Bewegung einverstanden - weil ich immer versuche, die einzelnen Bewegungen in ihrer Berechtigung einzusehen, und ich möchte sie in einen gemeinsamen großen Strom leiten, weil ich eben nicht glaube, daß ein Mensch, oder selbst eine Gruppe von Menschen das Richtige finden kann, sondern weil ich demokratisch glaube, daß die Menschen zusammen in der Wirklichkeit, im Zusammenwirken, allein richtig organisiert, erst das Rechte finden werden.
[ 52 ] Das ist dasjenige, was ich als Wirklichkeitsansicht bezeichnet habe, nicht als irgendeine objektive Entwickelung ansehe. Aber ich glaube, daß der wirkliche Mensch aus seinem gesunden Menschenerleben heraus im Verein mit den anderen Menschen das finden wird, was dem sozialen Organismus frommt.
[ 52 ] Das ist dasjenige, was ich als Wirklichkeitsansicht bezeichnet habe, nicht als irgendeine objektive Entwickelung ansehe. Aber ich glaube, daß der wirkliche Mensch aus seinem gesunden Menschenerleben heraus im Verein mit den anderen Menschen das finden wird, was dem sozialen Organismus frommt.
[ 53 ] Wir haben eines, wovon jeder Mensch weiß, daß es nur im sozialen Leben möglich ist - die heutigen Egoisten möchten wahrscheinlich auch das für sich haben -, das ist für einen geschlossenen Organismus die Sprache. Immer wiederum wird in den Schulen gepredigt: Wäre der Mensch auf einer einsamen Insel, einsam aufgewachsen, so würde er nicht sprechen können; denn Sprechen kann sich nur-im sozialen Leben ausbilden. Man muß erkennen [.. .], daß alle die Dinge, die sich verbergen hinter Privatkapital, Besitz, die sich verbergen hinter der Herrschaft über irgendeine Arbeit und dergleichen, daß alle diese Dinge, auch die menschlichen Talente, die individuellen Begabungen, genau so wie die Sprache, soziale Funktionen haben, daß sie ins soziale Leben hineingehören und nur innerhalb desselben möglich sind. Es muß eine Zeit kommen, wo das in den Schulen den Menschen schon klar wird, was sie durch den sozialen Organismus sind, und was sie daher verpflichtet sind, dem sozialen Organismus wiederum zurückzugeben. Worauf ich also zähle, das ist: soziales Verständnis, welches kommen muß, wie heute von den Schulen das Einmaleins kommt. Darinnen wird man auch noch umlernen müssen. Es gab Zeiten, in denen man in den Schulen etwas ganz anderes gelernt hat als heute; man denke nur an die römischen Schulen. Es werden Zeiten kommen, wo man gerade das in den Schulen den Kindern schon beibringen wird, was soziales Verständnis ist. Weil dieses versäumt worden ist unter dem Einfluß der neueren Technik und des Kapitalismus, deshalb sind wir in die heutigen Zustände, in die krankhaften Zustände des sozialen Organismus hineingekommen.
[ 53 ] Wir haben eines, wovon jeder Mensch weiß, daß es nur im sozialen Leben möglich ist - die heutigen Egoisten möchten wahrscheinlich auch das für sich haben -, das ist für einen geschlossenen Organismus die Sprache. Immer wiederum wird in den Schulen gepredigt: Wäre der Mensch auf einer einsamen Insel, einsam aufgewachsen, so würde er nicht sprechen können; denn Sprechen kann sich nur-im sozialen Leben ausbilden. Man muß erkennen [.. .], daß alle die Dinge, die sich verbergen hinter Privatkapital, Besitz, die sich verbergen hinter der Herrschaft über irgendeine Arbeit und dergleichen, daß alle diese Dinge, auch die menschlichen Talente, die individuellen Begabungen, genau so wie die Sprache, soziale Funktionen haben, daß sie ins soziale Leben hineingehören und nur innerhalb desselben möglich sind. Es muß eine Zeit kommen, wo das in den Schulen den Menschen schon klar wird, was sie durch den sozialen Organismus sind, und was sie daher verpflichtet sind, dem sozialen Organismus wiederum zurückzugeben. Worauf ich also zähle, das ist: soziales Verständnis, welches kommen muß, wie heute von den Schulen das Einmaleins kommt. Darinnen wird man auch noch umlernen müssen. Es gab Zeiten, in denen man in den Schulen etwas ganz anderes gelernt hat als heute; man denke nur an die römischen Schulen. Es werden Zeiten kommen, wo man gerade das in den Schulen den Kindern schon beibringen wird, was soziales Verständnis ist. Weil dieses versäumt worden ist unter dem Einfluß der neueren Technik und des Kapitalismus, deshalb sind wir in die heutigen Zustände, in die krankhaften Zustände des sozialen Organismus hineingekommen.
[ 54 ] Auch was Herrn Mühlestein betrifft, muß ich sagen, gleichfalls bin ich in der Lage, eigentlich gar nichts zu haben gegen das, was er vorgebracht hat; ich glaube nur, daß, wenn sich seine Ideen noch weiter ausbilden werden, sie dann einmünden werden in dasjenige, was ich gesagt habe.
[ 54 ] Auch was Herrn Mühlestein betrifft, muß ich sagen, gleichfalls bin ich in der Lage, eigentlich gar nichts zu haben gegen das, was er vorgebracht hat; ich glaube nur, daß, wenn sich seine Ideen noch weiter ausbilden werden, sie dann einmünden werden in dasjenige, was ich gesagt habe.
[ 55 ] Er hat zum Beispiel ganz und gar nicht ins Auge gefaßt, daß ich ja nicht - natürlich nicht! - aus dem Wirtschaftsleben und Geistesleben das Recht herausnehmen will. Nein, im Gegenteil, ich will es gerade drinnen haben. Und weil ich es drinnen haben will, deshalb will ich eine selbständige Sozialwissenschaft ausgebildet haben, wo es erst wirklich ausgebildet, erzeugt werden kann. Wenn es erzeugt worden ist, dann kann es in bezug auf die übrigen Gebiete wirken. Ein umfassendes Denken zeigt Ihnen das. Wenn Sie zum Beispiel folgendes ins Auge fassen: Heute denkt auch das naturwissenschaftliche Denken noch nicht wirklich folgerichtig und sachgemäß mit Bezug auf den natürlichen menschlichen Organismus. Da denken die Menschen heute: die Lunge - ein Stück Fleisch; Hirn - auch ein Stück Fleisch, und so weiter. Die Wissenschaft sagt es zwar anders, aber sie sagt nicht viel anderes; denn für sie sind diese einzelnen Glieder des menschlichen Organismus Teile einer großen Zentralisation. Anderes sehen sie in Wahrheit nicht. Der Mensch als natürlicher Organismus ist ein dreigliedriges System: Wir haben einen Nerven-Sinnesorganismus. Das eine steht für sich zentralisiert da, hat seine eigenen Ausgänge bei den Sinnesorganen. - Wir haben einen rhythmischen Organismus, den Lungen-Herzorganismus; er hat seine eigenen Ausgänge in den Atmungswegen. - Wir haben den Stoffwechsel-Organismus, der wiederum seinen eigenen Ausgang nach der Außenwelt hat. Und wir sind gerade dadurch dieser natürliche Mensch, daß wir diese drei Glieder, diese drei in sich zentralisierten Glieder des Organismus haben.
[ 55 ] Er hat zum Beispiel ganz und gar nicht ins Auge gefaßt, daß ich ja nicht - natürlich nicht! - aus dem Wirtschaftsleben und Geistesleben das Recht herausnehmen will. Nein, im Gegenteil, ich will es gerade drinnen haben. Und weil ich es drinnen haben will, deshalb will ich eine selbständige Sozialwissenschaft ausgebildet haben, wo es erst wirklich ausgebildet, erzeugt werden kann. Wenn es erzeugt worden ist, dann kann es in bezug auf die übrigen Gebiete wirken. Ein umfassendes Denken zeigt Ihnen das. Wenn Sie zum Beispiel folgendes ins Auge fassen: Heute denkt auch das naturwissenschaftliche Denken noch nicht wirklich folgerichtig und sachgemäß mit Bezug auf den natürlichen menschlichen Organismus. Da denken die Menschen heute: die Lunge - ein Stück Fleisch; Hirn - auch ein Stück Fleisch, und so weiter. Die Wissenschaft sagt es zwar anders, aber sie sagt nicht viel anderes; denn für sie sind diese einzelnen Glieder des menschlichen Organismus Teile einer großen Zentralisation. Anderes sehen sie in Wahrheit nicht. Der Mensch als natürlicher Organismus ist ein dreigliedriges System: Wir haben einen Nerven-Sinnesorganismus. Das eine steht für sich zentralisiert da, hat seine eigenen Ausgänge bei den Sinnesorganen. - Wir haben einen rhythmischen Organismus, den Lungen-Herzorganismus; er hat seine eigenen Ausgänge in den Atmungswegen. - Wir haben den Stoffwechsel-Organismus, der wiederum seinen eigenen Ausgang nach der Außenwelt hat. Und wir sind gerade dadurch dieser natürliche Mensch, daß wir diese drei Glieder, diese drei in sich zentralisierten Glieder des Organismus haben.
[ 56 ] Kann nun jemand kommen und sagen - wenn ich, wie ich es jetzt getan habe in meinem letzten Buche «Von Seelenrätseln», sage, daß einfach die sachgemäße naturwissenschaftliche Betrachtung diese drei Glieder des menschlichen natürlichen Organismus ergibt -, kann jemand kommen und sagen, die Natur hätte nicht diese drei Glieder entwickeln sollen, denn es komme darauf an, daß alle drei Glieder Luft haben? - Selbstverständlich haben alle drei Glieder Luft! - Wenn die Luft erst eingeatmet wird durch die Lunge, und entsprechend verarbeitet wird; dadurch haben gerade die Stoffwechselglieder und das Gehirn ihre Luft, daß diese Luft eingesogen und verarbeitet wird, und daher auch mit aller natürlichen Sorgfalt behandelt werden kann in einem besonders abgetrennten Gliede des menschlichen natürlichen Organismus. Ich will nicht, wie Schäffle, oder wie jetzt wiederum Meray oder andere, dieses Analogiespiel treiben zwischen physiologischen und sozialen Begriffen, das fällt mir gar nicht ein; ich will nur darauf aufmerksam machen, daß ein durchgebildetes Denken auch den Menschen als natürlichen Organismus nicht begreift, wenn man nur denkt: alles ist auf eines hin zentralisiert -, sondern man begreift den Menschen, wenn man seine drei in sich zentralisierten Organsysteme begreift.
[ 56 ] Kann nun jemand kommen und sagen - wenn ich, wie ich es jetzt getan habe in meinem letzten Buche «Von Seelenrätseln», sage, daß einfach die sachgemäße naturwissenschaftliche Betrachtung diese drei Glieder des menschlichen natürlichen Organismus ergibt -, kann jemand kommen und sagen, die Natur hätte nicht diese drei Glieder entwickeln sollen, denn es komme darauf an, daß alle drei Glieder Luft haben? - Selbstverständlich haben alle drei Glieder Luft! - Wenn die Luft erst eingeatmet wird durch die Lunge, und entsprechend verarbeitet wird; dadurch haben gerade die Stoffwechselglieder und das Gehirn ihre Luft, daß diese Luft eingesogen und verarbeitet wird, und daher auch mit aller natürlichen Sorgfalt behandelt werden kann in einem besonders abgetrennten Gliede des menschlichen natürlichen Organismus. Ich will nicht, wie Schäffle, oder wie jetzt wiederum Meray oder andere, dieses Analogiespiel treiben zwischen physiologischen und sozialen Begriffen, das fällt mir gar nicht ein; ich will nur darauf aufmerksam machen, daß ein durchgebildetes Denken auch den Menschen als natürlichen Organismus nicht begreift, wenn man nur denkt: alles ist auf eines hin zentralisiert -, sondern man begreift den Menschen, wenn man seine drei in sich zentralisierten Organsysteme begreift.
[ 57 ] Gerade dadurch ist der Mensch vollkommen, daß er diese drei in sich zentralisierten Organsysteme hat. Das wird ein großer Fortschritt in der Naturwissenschaft sein, wenn man das einsehen wird! Und das Denken, das so gesund über den Menschen denkt, das denkt auch gesund über den sozialen Organismus, und empfindet gesund über den sozialen Organismus. Das Geistesleben wird am freiesten sein, und am besten organisiert, wenn es emanzipiert ist. Denn auf dem Gebiete des emanzipierten Geisteslebens finden sich schon die Menschen, die für dieses freie Geistesleben sorgen werden. Da werden diejenigen erstehen, welche tatsächlich diesem Geistesleben die nötige Herrschaft bringen werden. Diejenigen, die sie ihm nicht bringen, sind eben die knechtisch vom Kapitalismus oder anderem Abhängigen. Diejenigen, die als Geistesverwalter frei sein werden, die werden den anderen beiden Gliedern auch die Segnungen des Geisteslebens bringen können.
[ 57 ] Gerade dadurch ist der Mensch vollkommen, daß er diese drei in sich zentralisierten Organsysteme hat. Das wird ein großer Fortschritt in der Naturwissenschaft sein, wenn man das einsehen wird! Und das Denken, das so gesund über den Menschen denkt, das denkt auch gesund über den sozialen Organismus, und empfindet gesund über den sozialen Organismus. Das Geistesleben wird am freiesten sein, und am besten organisiert, wenn es emanzipiert ist. Denn auf dem Gebiete des emanzipierten Geisteslebens finden sich schon die Menschen, die für dieses freie Geistesleben sorgen werden. Da werden diejenigen erstehen, welche tatsächlich diesem Geistesleben die nötige Herrschaft bringen werden. Diejenigen, die sie ihm nicht bringen, sind eben die knechtisch vom Kapitalismus oder anderem Abhängigen. Diejenigen, die als Geistesverwalter frei sein werden, die werden den anderen beiden Gliedern auch die Segnungen des Geisteslebens bringen können.
[ 58 ] Und so wird man, wenn Recht wirklich in einem für sich bestehenden, wirklich in sich zentralisierten Rechtsstaate erzeugt wird, nicht zu sorgen haben, daß die beiden anderen Glieder kein Recht haben, gewiß in günstiger Verteilung; in all den Dingen, die berührt worden sind von Herrn Mühlestein, muß Gerechtigkeit sein; die wird hineinkommen, wenn sie erst erzeugt ist.
[ 58 ] Und so wird man, wenn Recht wirklich in einem für sich bestehenden, wirklich in sich zentralisierten Rechtsstaate erzeugt wird, nicht zu sorgen haben, daß die beiden anderen Glieder kein Recht haben, gewiß in günstiger Verteilung; in all den Dingen, die berührt worden sind von Herrn Mühlestein, muß Gerechtigkeit sein; die wird hineinkommen, wenn sie erst erzeugt ist.
[ 59 ] Also nicht, um in einem abgesonderten Organ Recht zu haben, und in dem anderen nicht, nehme ich diese drei Teile, sondern gerade, um in allen dreien das Recht richtig zu haben, sehe ich die Notwendigkeit, daß es erst erzeugt wird.
[ 59 ] Also nicht, um in einem abgesonderten Organ Recht zu haben, und in dem anderen nicht, nehme ich diese drei Teile, sondern gerade, um in allen dreien das Recht richtig zu haben, sehe ich die Notwendigkeit, daß es erst erzeugt wird.
[ 60 ] Ich möchte wissen, ob irgend jemand sagen kann: In einem Hause, da sind Vater, Mutter, da sind Kinder, die Mägde; aber du teilst nun dieses Haus in Vater, Mutter, Mägde und zwei Kühe, die Milch geben, aber alle brauchen die Milch, also müssen alle Milch erzeugen, nicht bloß die zwei Kühe? - Nein, ich sage: Die Kühe müssen die Milch erzeugen, damit alle im Hause richtig mit Milch versorgt werden können. Und so muß der Rechtsstaat das Recht planmäßig haben, das Recht erzeugen, dann werden dort die Rechte sein, wo sie gebraucht werden. Gerade dann werden sie es sein, wenn sie - verzeihen Sie den etwas trivialen Vergleich - an dem Rechtsstaat gemolken werden können!
[ 60 ] Ich möchte wissen, ob irgend jemand sagen kann: In einem Hause, da sind Vater, Mutter, da sind Kinder, die Mägde; aber du teilst nun dieses Haus in Vater, Mutter, Mägde und zwei Kühe, die Milch geben, aber alle brauchen die Milch, also müssen alle Milch erzeugen, nicht bloß die zwei Kühe? - Nein, ich sage: Die Kühe müssen die Milch erzeugen, damit alle im Hause richtig mit Milch versorgt werden können. Und so muß der Rechtsstaat das Recht planmäßig haben, das Recht erzeugen, dann werden dort die Rechte sein, wo sie gebraucht werden. Gerade dann werden sie es sein, wenn sie - verzeihen Sie den etwas trivialen Vergleich - an dem Rechtsstaat gemolken werden können!
[ 61 ] Das ist dasjenige, was ich betonen möchte; daß es heute darauf ankommt, nicht irgendwie Lieblingsideen nachzugehen, sondern gerade darauf ankommt, dasjenige, was in vielen Herzen pulst als Forderung, dasjenige, was in vielen Köpfen, wenn auch mehr oder weniger unbewußt, aus den Zeitkräften heraus schon vorhanden ist, zusammenzufassen, und das wirklich zu erfassen in den Impulsen, die als die großen Kräfte der Zeit da sind, die sich verwirklichen wollen, die wir nun durch Vernunft verwirklichen sollten. Aber wollen wir sie nicht durch Vernunft verwirklichen, so wird das sie nicht hindern, in die Wirklichkeit überzutreten.
[ 61 ] Das ist dasjenige, was ich betonen möchte; daß es heute darauf ankommt, nicht irgendwie Lieblingsideen nachzugehen, sondern gerade darauf ankommt, dasjenige, was in vielen Herzen pulst als Forderung, dasjenige, was in vielen Köpfen, wenn auch mehr oder weniger unbewußt, aus den Zeitkräften heraus schon vorhanden ist, zusammenzufassen, und das wirklich zu erfassen in den Impulsen, die als die großen Kräfte der Zeit da sind, die sich verwirklichen wollen, die wir nun durch Vernunft verwirklichen sollten. Aber wollen wir sie nicht durch Vernunft verwirklichen, so wird das sie nicht hindern, in die Wirklichkeit überzutreten.
[ 62 ] Sehr verehrte Anwesende, wir haben entweder die Wahl, eben vernünftig zu sein, oder auf eine andere Weise die Verwirklichung dessen abzuwarten, was sich verwirklichen muß, weil es sich aus den Kräften der Geschichte selbst heraus verwirklichen will.
[ 62 ] Sehr verehrte Anwesende, wir haben entweder die Wahl, eben vernünftig zu sein, oder auf eine andere Weise die Verwirklichung dessen abzuwarten, was sich verwirklichen muß, weil es sich aus den Kräften der Geschichte selbst heraus verwirklichen will.
[ 63 ] In diesem Sinne glaube ich, daß allerdings das proletarische Bewußtsein dazu geeignet ist, diese Forderungen, die in der Geschichte selbst liegen, zu erfassen und damit das, was ich zum Schlusse bemerkte, wirklich anzustreben und zu erreichen, soweit es Menschen möglich ist: die Befreiung alles desjenigen, was in der Menschheit wert ist, befreit zu werden.
[ 63 ] In diesem Sinne glaube ich, daß allerdings das proletarische Bewußtsein dazu geeignet ist, diese Forderungen, die in der Geschichte selbst liegen, zu erfassen und damit das, was ich zum Schlusse bemerkte, wirklich anzustreben und zu erreichen, soweit es Menschen möglich ist: die Befreiung alles desjenigen, was in der Menschheit wert ist, befreit zu werden.
