Donate books to help fund our work. Learn more→

The Rudolf Steiner Archive

a project of Steiner Online Library, a public charity

DONATE

Work Councils And Socialization
Discussion Evenings with Workers' Committees
GA 331

8 May 1919, Stuttgart

Translate the original German text into any language:

Versions Available:

Work Councils and Socialization, tr. SOL
  1. Betriebsräte und Sozialisierung

Versammlung der Arbeiterausschüsse der großen Betriebe Stuttgarts

Meeting of the Workers' Committees of Stuttgart's Large Enterprises

Einleitende Worte von Rudolf Steiner

Introductory Remarks by Rudolf Steiner

[ 1 ] Meine sehr verehrten Anwesenden! Unter dem Eindruck dessen, was Ihnen der Herr Vorsitzende gesagt hat, stelle ich mir vor, daß sich heute unser Abend vorzugsweise so abspielen könnte, daß die verehrten Anwesenden konkrete Fragen stellen. Auf diese Weise werden wir am besten unseren Zweck, der Ihnen eben vorgetragen worden ist, erreichen. So wird es vielleicht am besten sein, wenn ich nur weniges vorausschicke, um Ihnen eine kleine Unterlage für die nachfolgende Diskussion, die, wie ich glaube, heute die Hauptsache sein sollte, zu geben.

[ 1 ] Ladies and gentlemen! In light of what the Chairman has just said, I imagine that our evening today might best proceed with the distinguished attendees asking specific questions. This is the best way for us to achieve our purpose, which has just been explained to you. So it might be best if I say just a few words to begin with, to provide you with a brief introduction to the discussion that will follow—which, I believe, should be the main focus today.

[ 2 ] Sie werden ja, wie der Herr Vorsitzende vorausgesetzt hat, Kenntnis genommen haben von dem, was ich aus einer lebenslangen Erfahrung heraus an Vorschlägen für einen wirklich praktischen Weg zur Sozialisierung, die erst unter den laut sprechenden Tatsachen der Gegenwart zum Abschluß gekommen sind, machen mußte. Nur kurz möchte ich, gewissermaßen wiederholend, einiges charakterisieren.

[ 2 ] As the Chair has assumed, you will have taken note of the proposals I have had to make—based on a lifetime of experience—for a truly practical path to socialization, proposals that have only now come to fruition in light of the stark realities of the present. I would like to briefly characterize a few points, repeating myself, so to speak.

[ 3 ] Es geht darum, daß in der Zukunft radikal das angestrebt werden muß - und es kann viel schneller angestrebt werden, als viele glauben -, was ich in einem «Aufruf» und in meinem Buch die Dreigliederung des sozialen Organismus genannt habe. Diese Dreigliederung würde dazu führen, daß in der Zukunft ein eigenständiger geistiger Organismus da sein würde, der sich selbst verwaltet und der die Aufgabe hätte, die Naturgrundlage des Menschen, also seine individuellen Fähigkeiten, so zu pflegen, wie man sonst im Wirtschaftsleben die Naturgrundlagen pflegen muß. Das zweite würde die Organisation sein, die an die Stelle des gegenwärtigen Staates zu treten hat, die eigentliche Rechtsorganisation. In ihr würde zunächst vor allen Dingen alles das zu regeln sein, was die gegenwärtigen Besitz- und Eigentumsverhältnisse, auf die es ja bei der wirklichen Sozialisierung vor allen Dingen ankommt, in einen wünschenswerten nächsten Zustand überführt. Auf der einen Seite hätte man also zunächst das - es kommen natürlich unermeßlich viele Dinge im Laufe der Zeit in Betracht -—, was an die Stelle des Staates zu treten hätte. Man würde also die gegenwärtigen Gewalt-, Besitz- und Eigentumsverhältnisse überzuführen haben in solche Verhältnisse, die auf das Recht, in dem alle Menschen gleich sind, gebaut sind. Und auf der anderen Seite würde in diesem, den Staat ersetzenden mittleren Glied des sozialen Organismus alles das geregelt werden, was das gesamte Gebiet des Arbeitsrechtes umfaßt.

[ 3 ] The point is that in the future we must strive radically—and this can be achieved much more quickly than many believe—for what I have called the threefold structure of the social organism in an “Appeal” and in my book. This threefold structure would lead to the existence in the future of an independent spiritual organism that would govern itself and whose task would be to nurture the natural foundation of the human being—that is, his or her individual abilities—just as one must otherwise nurture natural resources in economic life. The second would be the organization that is to take the place of the present-day state: the actual legal organization. Its primary task would be to regulate, above all else, everything necessary to transform the current conditions of possession and ownership—which are, after all, of paramount importance for genuine socialization—into a desirable future state. On the one hand, then, there would first be—though, of course, an immeasurable number of factors will come into play over time—that which would take the place of the state. One would thus have to transform the current conditions of power, possession, and ownership into conditions based on the law, in which all people are equal. And on the other hand, within this intermediate link of the social organism—which replaces the state—everything encompassed by the entire field of labor law would be regulated.

[ 4 ] Das Arbeitsrecht sehe ich immer dann gefährdet, wenn es innerhalb des Kreislaufes des Wirtschaftslebens selbst geregelt werden soll. Jene Schäden, die vor allen Dingen im heutigen Wirtschaftskörper auftreten, werden gewöhnlich falsch beurteilt. Ich habe mir viel Mühe gemacht, mir nicht aus dem, was über die Dinge geschrieben worden ist — denn daraus ist in Wahrheit sehr wenig zu entnehmen -, sondern gerade aus dem Leben heraus ein entsprechendes Bild zu machen. Ich möchte diese Dinge heute nur kurz referieren, damit wir zu konkreten Fragen kommen können. Ich habe es in meinem Buch ja ausführlich begründet: Solange der Glaube herrscht, daß man das, was Arbeitszeit, was Maß und Art der Arbeit sein muß, innerhalb des Wirtschaftskörpers selbst regeln will, so lange kann der Arbeiter nicht zu seinem Recht kommen. Der Arbeiter muß bereits sein Arbeitsrecht voll geregelt haben, wenn er dem Arbeitsleiter nur irgendwie gegenüberrtritt. Nur dann ist er in der Lage, einen wirklichen Vertrag zu setzen an die Stelle der heutigen Scheinverträge, des Lohnvertrages, oder wie man es nennen will, der kein freier Vertrag ist, weil der Arbeiter nicht das Arbeitsrecht hinter sich hat, das ihn erst in die Lage versetzt, einen wirklich freien Vertrag zu schließen. In dieser Wirtschaftsordnung kann der Arbeiter nicht zu seinem Recht kommen, sondern nur durch die Abgliederung der gesamten Rechtsverhältnisse vom Wirtschaftsleben und ihrer Überführung in das, was an die Stelle des Staates zu treten hat.

[ 4 ] I see labor law as being at risk whenever it is to be regulated within the cycle of economic life itself. The harms that occur primarily within today’s economic system are usually misjudged. I have gone to great lengths to form an accurate picture not from what has been written about these matters—for in truth, very little can be gleaned from that—but rather directly from life itself. I would like to discuss these matters only briefly today so that we can move on to specific questions. I have explained this in detail in my book: As long as the belief prevails that working hours, as well as the scope and nature of work, should be regulated within the economic system itself, workers will not be able to obtain their due rights. The worker must already have his labor rights fully established before he can even begin to engage with his supervisor in any meaningful way. Only then is he in a position to replace today’s sham contracts—the wage contract, or whatever one wishes to call it—with a genuine contract; for the wage contract is not a free contract because the worker lacks the labor rights that would first enable him to enter into a truly free contract. Under this economic order, the worker cannot obtain justice; this can only be achieved by separating all legal relationships from economic life and transferring them to whatever is to take the place of the state.

[ 5 ] Als drittes käme der selbständige Wirtschaftsorganismus in Betracht. In ihm wird man es dann nicht mehr mit irgendeiner Abhängigkeit des Arbeitsrechts von einer wie auch immer gearteten Konjunktur, Preisbildung und so weiter zu tun haben, sondern alle wirtschaftlichen Konsequenzen, namentlich alle wirtschaftlichen Preisbildungen werden sich nicht als Ursache ergeben, sondern als Wirkung dessen, was im Arbeiterrecht schon oder besser gesagt im Arbeitsrecht selbst schon begründet ist. Das Arbeitsrecht wird für das Wirtschaftsleben etwas sein wie die Naturbedingungen selber. Dadurch allein schaffen Sie eine gesunde Grundlage für die Sozialisierung des Wirtschaftskreislaufes.

[ 5 ] Third, an independent economic entity could be considered. In such a system, labor law would no longer be subject to any dependence on economic cycles, price formation, or the like; rather, all economic consequences—namely, all economic price formations—would arise not as causes but as effects of what is already established in workers’ rights, or rather, in labor law itself. Labor law will be to economic life something like natural conditions themselves. Through this alone, you create a sound foundation for the socialization of the economic cycle.

[ 6 ] Sehen Sie, diese Anschauung ist ja wahrhaftig keine ideologische, keine utopistische, sondern eine solche, die sich mir aus meinem Darinnenstehen — und das ist ja fast so alt oder ganz so alt wie mein Leben - in der proletarischen Bewegung ergeben hat. Selbstverständlich sieht man sich dann nachträglich in der Welt um, wie sich eigentlich alles das, was soziale Bewegung ist, entwickelt hat. Die soziale Bewegung ist ja wahrhaftig nicht von heute. Sie ist etwas, auch in der Gestalt, wie sie heute lebt, ziemlich Altes. Man meint ja zunächst, wenn man die Dinge bezüglich der heutigen sozialen Bewegung durchschauen will, nur zurückgehen zu müssen bis zum Kommunistischen Manifest. Aber wer die Dinge heute, wo wir an einer so gewaltigen Wende stehen, wo wir nicht vor einer kleinen Abrechnung, sondern vor einer großen Abrechnung stehen, richtig anfassen, also anfassen, nicht nur verstehen will, der muß eigentlich das Wirtschaftsleben und die Vorstellungen, die sich die Menschen über dasselbe gebildet haben, schon in frühere Zeiten zurückverfolgen.

[ 6 ] You see, this view is truly neither ideological nor utopian, but one that has emerged for me from my deep involvement—which is almost as old, or just as old, as my life itself—in the proletarian movement. Of course, one then looks back at the world to see how everything that constitutes the social movement has actually developed. The social movement is certainly not a recent phenomenon. It is something—even in the form in which it exists today—that is quite old. At first, one might think that to understand the current social movement, one need only go back to the Communist Manifesto. But anyone who wants to truly grasp things today—now that we stand at such a momentous turning point, facing not a minor reckoning but a major one—that is, to grasp them, not merely to understand them—must actually trace economic life and the mental images people have formed about it back to earlier times.

[ 7 ] Denn sehen Sie, es ist wahrhaftig nicht gleichgültig, daß zum Beispiel im Jahre 1826 ein Mensch wie Thünen in einer Zeit, in der die meisten Menschen in Europa noch gar nicht an irgend etwas wie eine soziale Frage gedacht haben, schon in einer gewissen Weise das vorausgesagt hat, was als eine Folge unserer Weltkatastrophe dann eingetreten ist. Thünen war ja ein Mensch, der selbst gewirtschaftet hat, aber nicht nach den üblichen Gewohnheiten, sondern mit vollem Verstand und mit einem Verhältnis zum Wirtschaftsleben, das auf Wirklichkeit beruht. Dieser Thünen sagte schon 1826: Wenn sich die Menschen nicht entschließen, das zu tun, was in sozialer Beziehung notwendig ist, dann geht Europa einer furchtbaren Verheerung und Barbarei entgegen. — Das wußte man also schon, aber es waren nur wenige, die so sprachen. Dies wurde 1826 gesprochen.

[ 7 ] For you see, it is truly significant that, for example, in 1826, a man like Thünen—at a time when most people in Europe had not even considered anything resembling a social issue—had already, in a certain sense, predicted what would later occur as a consequence of our global catastrophe. Thünen was, after all, a man who managed his own farm, but not according to conventional practices; rather, he did so with clear judgment and an understanding of economic life grounded in reality. As early as 1826, Thünen said: “If people do not resolve to do what is necessary in social terms, then Europe is heading toward terrible devastation and barbarism.” — So people already knew this, but there were only a few who spoke out this way. This was said in 1826.

[ 8 ] Nun haben sich im Laufe des 19. Jahrhunderts immer wieder ehrliche, aufrichtige Menschen abgemüht mit dem, was man die soziale Frage nennt, und da möchte ich doch noch einmal betonen — das ist nicht für mich maßgebend gewesen, aber doch etwas, was ein Licht zurückwirft -, daß derjenige, der objektiv auf das eingeht, was auf seiten einiger als die Forderung des Sozialismus hervorgetreten ist — gestern ist ja genauer darüber gesprochen worden -, sich nur sagen konnte: Der Sozialismus muß einmal kommen. Sozialismus ist eine Notwendigkeit. Er muß kommen, er wird kommen. Der mußte sich dann auch sagen, daß das, was die Menschen, die es mit dem Sozialismus ehrlich meinen, vorbringen, Bedeutung hat. Und, nicht wahr, wenn man mitgemacht hat all den Kohl der nationalökonomischen Gelehrten, die den Marx widerlegen zu müssen glaubten, so kann man sagen: Die wichtigsten Behauptungen von Karl Marx sind nicht zu widerlegen, sind ganz unmöglich zu widerlegen. Aber wendet man sich dann zur anderen Seite hin, natürlich nicht zu den Söldlingen und Dienern der Kapitalisten, sondern zu denjenigen, die soziales Verständnis hatten, so findet man unter denen auch immer wieder solche, die aus der Wirklichkeit des praktischen Lebens heraus Einwendungen gegen den Sozialismus machten, die einen schon nachdenklich stimmen konnten. Es ist nicht uninteressant, daß in demselben Jahr, in dem das Kommunistische Manifest in die Welt hinausgegangen ist, ein Buch erschienen ist von Bruno Hildebrand, einem Menschen, der ehrlich ist und der gewichtige Dinge zur Widerlegung des Sozialismus vorgebracht hat. Und gerade wenn man ehrlich auf dem Boden des Sozialismus steht, dann kommen einem gewisse merkwürdige Gedanken, wenn man solche Dinge liest. Ich will nicht Wert legen darauf, was dieser oder jener andere aus den bürgerlichen Kreisen gesprochen hat, das ist ja zumeist Kohl, aber wenn man so etwas wie die Darstellung von Bruno Hildebrand vor sich hat, kommt man doch dazu, sich zu sagen: Auf der einen Seite kann man gegen den Sozialismus nichts einwenden, der muß kommen. Jedoch die Bedenken, die solche Leute wie Hildebrand haben, die sind außerordentlich schwer zu widerlegen. Denn Hildebrand macht seine Einwendungen nicht aus einer Abneigung gegen den Sozialismus, sondern er hat, angesichts des Sozialismus, so wie er ihn kannte im Jahre 1848 — und heute würde für Hildebrand dasselbe gelten, wenigstens bis 1914 -, lediglich seine Bedenken geäußert. Er hat sich vorgestellt, daß, wenn der Sozialismus im alten Stile eingeführt wird, nicht die Bürgerlichen irgendwie unter die Räder kommen, sondern diejenigen, die den Sozialismus wollen, letztlich nichts erreichen werden. In gewissem Sinne sahen solche Menschen wie Hildebrand schon voraus, was da kommen kann, wenn gerade solche Leute aus den Kreisen der sozialistischen Partei nach oben kommen, aus denen heraus dasjenige, was gerade die große Masse des Proletariats will, nicht entstehen kann.

[ 8 ] Now, throughout the 19th century, honest, sincere people have repeatedly grappled with what is called the “social question,” and I would like to emphasize once again—this was not decisive for me, but it is nonetheless something that sheds light on the matter—that anyone who objectively addresses what has emerged on the part of some as the demand for socialism—as was discussed in more detail yesterday—could only conclude: Socialism must eventually come. Socialism is a necessity. It must come; it will come. One would then also have to admit that what people who are sincere about socialism put forward is significant. And, isn’t it true that once you’ve waded through all the nonsense spouted by the economists who believed they had to refute Marx, you can say: Karl Marx’s most important assertions cannot be refuted; they are utterly impossible to refute. But if one then turns to the other side—not, of course, to the mercenaries and servants of the capitalists, but to those who possessed social understanding—one finds among them, time and again, those who, based on the realities of practical life, raised objections to socialism that were certainly thought-provoking. It is not without interest that in the very same year the Communist Manifesto was published, a book appeared by Bruno Hildebrand, a man of integrity who put forward weighty arguments against socialism. And precisely when one stands honestly on the ground of socialism, certain curious thoughts occur to one upon reading such things. I do not wish to dwell on what this or that person from bourgeois circles has said—it is mostly nonsense, after all—but when one has something like Bruno Hildebrand’s argument before one, one cannot help but say to oneself: On the one hand, there is nothing to object to regarding socialism; it must come to pass. However, the reservations held by people like Hildebrand are extremely difficult to refute. For Hildebrand does not base his objections on an aversion to socialism; rather, in light of socialism as he knew it in 1848—and the same would apply to Hildebrand today, at least up until 1914—he merely expressed his reservations. He had a mental image of socialism being introduced in the old style, in which the bourgeoisie would not somehow fall by the wayside, but rather those who wanted socialism would ultimately achieve nothing. In a certain sense, people like Hildebrand already foresaw what might happen if precisely those individuals from within the socialist party rose to power—individuals from whose ranks what the vast majority of the proletariat actually wants could not emerge.

[ 9 ] Sehen Sie, dazu gibt es natürlich die verschiedensten Abstufungen von Ansichten. Und wenn man da nun ganz ehrlich zu Werke geht, so muß man sich sagen: Ja, das ist überhaupt ein Mangel unserer jetzigen menschlichen Gedanken, daß wir nicht dazu in der Lage sind, etwas zu finden, was nicht bloß ausgedacht ist, denn sozialistische Programme sind trotz allem, was auch gesagt wird, vielfach bloß ausgedacht. Wir brauchen heute etwas, was nicht ausgedacht ist.

[ 9 ] You see, there are, of course, all sorts of different shades of opinion on this. And if one approaches this with complete honesty, one must admit: Yes, this is indeed a shortcoming of our current human thinking—that we are unable to find something that isn’t merely contrived, for socialist programs, despite whatever may be said, are in many cases merely contrived. Today we need something that isn’t contrived.

[ 10 ] Nun wirft das, was ich Ihnen eben jetzt gesagt habe, eine Art Licht zurück auf das, was sich mir aus dem praktischen Leben ergeben hat. Wenn ich mir die Entwicklung der sozialistischen Gedanken im 19. Jahrhundert verdeutliche und auch Hildebrand sowie die revisionistischen Gedanken im 19. Jahrhundert berücksichtige, dann komme ich zu folgendem: Wenn man den Sozialismus so durchführen will, daß man unter der Hypnose des Einheitsstaates weiterwirtschaftet, daß man also nur den Einheitsstaat mehr nach der wirtschaftlichen Schattierung hin verlängert, werden gerade für die breiten Massen alle die Schäden eintreten, die Hildebrand vorausgesehen hat. Das heißt, wir brauchen einen Sozialismus, der sich so verwirklicht, daß diese Dinge nicht eintreten. Es darf also in dem sozialen Organismus, in dem Wirtschaftsorganismus das nicht enthalten sein, was zu solchen Bedenken führt. Und da sagte ich mir: Da gilt gerade diese Dreiteilung, denn ich nehme auf der einen Seite das Geistesleben und auf der anderen das Rechtsleben heraus, wodurch ein Wirtschaftsorganismus geschaffen wird, der nicht mehr die Bedenken erregen kann, weil eine großzügige Sozialisierung in dem dreigeteilten Organismus durchgeführt werden kann. Das werden Sie in allen speziellen Fragen sehen, insbesondere, wenn wir dann auf die konkretesten Fragen eingehen.

[ 10 ] Now, what I have just told you sheds a kind of light on what I have come to understand from practical experience. When I consider the development of socialist thought in the 19th century, and also take into account Hildebrand as well as the revisionist ideas of the 19th century, I arrive at the following conclusion: If one seeks to implement socialism in such a way that one continues to operate under the spell of the unitary state—that is, by merely extending the unitary state further into the economic sphere—then all the harms that Hildebrand foresaw will befall the broad masses in particular. This means we need a form of socialism that is realized in such a way that these things do not occur. Therefore, the social organism—the economic organism—must not contain anything that gives rise to such concerns. And so I said to myself: This is precisely where the threefold social order applies, for by separating the spiritual life on the one hand and the legal life on the other, an economic organism is created that can no longer give rise to such concerns, because a generous socialization can be carried out within the threefold social order. You will see this in all specific questions, especially when we then address the most concrete issues.

[ 11 ] Nehmen wir als eine heute aktuell werdende Frage, von der ich hoffe, daß wir nachher darauf näher eingehen werden, die Frage der Betriebsräte. Sehen Sie, meine Vorschläge sind aus der Wirklichkeit heraus gedacht und daher nicht ein fertiges Programm, sondern etwas, was in Angriff genommen werden soll und was nach und nach, nicht langsam, sondern eben vielleicht auch schnell nach und nach, das werden die Zeitverhältnisse notwendig machen, entstehen soll. Es entsteht durch das, was ich als dreigliedrigen Impuls für eine wirkliche Sozialisierung hinzustellen versuchte, die Möglichkeit, wirklich vorwärtszukommen.

[ 11 ] Let’s take the issue of works councils as an example of a question that is becoming relevant today—one that I hope we will discuss in more detail later. You see, my proposals are rooted in reality and are therefore not a finished program, but rather something that should be undertaken and that should develop gradually—not slowly, but perhaps even quickly, step by step, as circumstances will necessitate. It is through what I have attempted to present as a threefold impulse for genuine socialization that the possibility of truly moving forward arises.

[ 12 ] Die Frage der Betriebsräte — ich hoffe, daß sie nachher eingehend besprochen wird — ist heute ja real vorhanden, und von jedem Punkte der Wirklichkeit kann man heute praktisch ausgehen, um das zu verwirklichen, was in meinem Buch ausgeführt ist. Diese Betriebsräte denkt sich zum Beispiel derjenige, der im alten Stil sozialistisch denkt, vor allen Dingen so — mir ist das gesagt worden -, daß sie mehr oder weniger gesetzlich eingeführt werden, das heißt, er denkt sich die Betriebsräte als Staatsinstitution. Nun bin ich einmal mehr der Ansicht, daß, wenn sie so eingeführt werden, sie ganz sicher das fünfte Rad am Wagen sein werden. Es ist nur möglich, daß man die Betriebsräte aus dem Wirtschaftsleben selbst heraus schafft.

[ 12 ] The issue of works councils—which I hope will be discussed in detail later—is indeed a reality today, and we can practically build on every aspect of that reality to bring about what is outlined in my book. For example, those who think in the old socialist style imagine these works councils—as I have been told—primarily as something that is more or less established by law; in other words, they view works councils as a state institution. Now, I am once again of the opinion that if they are introduced in this way, they will most certainly be a fifth wheel on the wagon. The only way to create works councils is to let them emerge from economic life itself.

[ 13 ] Ich sprach das neulich so aus: Lasse man die Betriebsräte entstehen, und patze man nicht in ihre Entstehung hinein durch Gesetze über dieselben! Sie sollen zuerst da sein, sie sollen zuerst in den einzelnen Betrieben entstehen, aber sie müssen sich besonders für die Übergangszeit unbedingt eine solche Stellung schaffen, daß sie gegenüber den bisherigen Chefs und Betriebsleitern ganz unabhängig sind. Sie müssen selbstverständlich eine unabhängige Stellung haben.

[ 13 ] I put it this way the other day: Let the works councils come into being, and don’t interfere with their formation through laws governing them! They should be in place first; they should first emerge within the individual companies, but—especially during the transition period—they must absolutely establish a position for themselves that ensures they are completely independent of the current bosses and plant managers. They must, of course, have an independent position.

[ 14 ] Dann wird der nächste Schritt sein, daß schon bei der Konstituierung der Betriebe heute hauptsächlich darauf Rücksicht genommen wird, daß sie über die in Betracht kommenden Wirtschaftsterritorien hin eine eigene Körperschaft bilden. Denn wer heute noch die Sozialisierung so auffaßt, daß man nur die einzelnen Betriebe sozialisieren will, der würde sehr bald sehen, auf welch kuriosem Standpunkt wir durch die Sozialisierung lediglich einzelner Betriebe in fünf Jahren stehen würden. Würden wir bloß die einzelnen Betriebe sozialisieren, so kämen wir zum wüstesten Individualismus der einzelnen Betriebe, und die Unzufriedensten müßten die Arbeiter sein. Es würde eine solche Ungleichheit unter den Arbeitern in bezug auf das Einkommen eintreten, daß es unerträglich ‘ wäre. Sozialisieren kann man nämlich nur, wenn man den ganzen Wirtschaftskörper, von einer gewissen Größe an, als solchen sozialisiert.

[ 14 ] The next step, then, will be to ensure that, even as enterprises are being established today, the primary consideration is that they form a single legal entity spanning the relevant economic territories. For anyone who still conceives of socialization today as merely the socialization of individual enterprises would very soon see what a bizarre situation we would find ourselves in five years from now if we were to socialize only individual enterprises. If we were to socialize only individual enterprises, we would end up with the most extreme individualism among those enterprises, and the workers would be the most dissatisfied. Such inequality in income among workers would arise that it would be unbearable. For socialization is only possible if the entire economic entity—once it reaches a certain size—is socialized as such.

[ 15 ] Also, es handelt sich erstens darum, daß vor allen Dingen sich über ein gewisses Gebiet Betriebsräte für gewisse gleichartige Betriebe konstituieren. Von den Betriebsräten geht ein sehr wichtiger Akt der Gesamtsozialisierung aus, so daß nicht nur ein Band geschaffen wird zwischen den Betriebsräten gleichartiger Betriebe, sondern über alle Betriebe hinüber. Dann kann eine wirkliche Sozialisierung des Wirtschaftslebens allmählich eintreten. Nur dann sind die Dinge zum Segen. Wenn also damit begonnen wird, Verständnis zu entwickeln schon bei dieser außerordentlich wichtigen Einsetzung der Betriebsräte, so wird man sehen, daß man auf einen grünen Zweig kommt mit dem, was die Dreiteilung meint. Erreicht werden wird nur etwas, wenn man nicht dulden wird, daß in die Funktionen der Betriebsräte dasjenige, was an die Stelle des Staates: tritt, in einer anderen Weise eingreift als bloß mit Bezug darauf, daß der Staat dafür einzutreten hat, daß die Betriebsräte funktionieren können, so wie er natürlich dafür zu sorgen hat, daß ich einen Weg gehen kann, ohne überfallen zu werden. Aber anders als sonst der Staat sich stellt zu den persönlichen Rechten der Menschen, soll er sich auch nicht stellen etwa mit irgendwelchen Begrenzungen der Funktionen und so weiter zu den Betriebsräten. Die Funktionen müssen hervorgehen aus der Selbstkonstitution der Betriebsräteschaft im Wirtschaftskörper. Das allein führt auf einen grünen Zweig. Mit diesem Beispiel wollte ich Ihnen zeigen, wie eigentlich die Dreigliederung gemeint ist. Sie ist praktisch gemeint, das heißt, daß alles, was wir morgen und übermorgen zu tun haben, nur zu etwas führen kann, wenn es unter dem Gesichtspunkt der Dreiteilung gehandhabt wird. Dann werden die Dinge in der richtigen Weise zusammenwirken.

[ 15 ] First of all, the point is that, above all else, works councils should be formed for certain types of businesses within a given region. The works councils initiate a very important process of overall socialization, so that a bond is created not only between the works councils of similar businesses, but across all businesses. Then a genuine socialization of economic life can gradually take place. Only then will things turn out for the best. So if we begin to develop an understanding right from the start of this extraordinarily important establishment of works councils, we will see that we are on the right track with what the threefold social order entails. Progress will only be achieved if we do not tolerate the state—which takes the place of the state—interfering in the functions of the works councils in any way other than by ensuring that the works councils can function, just as the state must naturally ensure that I can walk down the street without being mugged. But just as the state does not otherwise interfere with people’s personal rights, it should not interfere with the works councils by imposing any restrictions on their functions or the like. The functions must arise from the self-constitution of the works council system within the economic organism. That alone leads to success. With this example, I wanted to show you what the threefold social order actually entails. It is meant to be practical; that is to say, everything we have to do tomorrow and the day after can only lead to something if it is handled from the perspective of the threefold social order. Then things will work together in the right way.

[ 16 ] Sehen Sie, mein Vorschlag geht davon aus, daß der Sozialismus, nachdem er nun einmal da ist, wiederum nicht von der Tagesordnung abgesetzt werden kann. Wer die Verhältnisse sowohl im Wirtschaftsleben wie im politischen Leben, also im Rechtsleben, und im geistigen Leben kennt, der kann sich nämlich nicht mehr vorstellen, weil das eine unreale Vorstellung ist, daß man den Sozialismus heute einführt, und dann ist er morgen da. Nein, am Sozialismus wird, nachdem er einmal da ist, fortdauernd gearbeitet werden müssen. Der Sozialismus wird immer neu gehandhabt werden müssen. Er ist etwas ganz Lebendiges. Wir müssen gerade solche Organisationen haben, die immer wieder und wiederum im Sinne des Sozialismus arbeiten. Die Menschen kommen mit ihren Gedanken dem noch nicht nach, was auf diesem Gebiet tatsächlich Wirklichkeit ist.

[ 16 ] You see, my proposal is based on the assumption that, now that socialism is here, it cannot be removed from the agenda. Anyone familiar with conditions in economic life, political life—that is, the legal sphere—and intellectual life can no longer imagine—because it is an unrealistic mental image—that socialism can be introduced today and simply be in place tomorrow. No, once socialism is here, it will require constant work. Socialism will always have to be reimagined. It is something truly alive. We must have precisely the kind of organizations that work time and again in the spirit of socialism. People’s thoughts have not yet caught up with what is actually a reality in this field.

[ 17 ] Vor langer Zeit schon ist aus einer volkswirtschaftlichen Schule ein merkwürdiger Satz hervorgegangen. Man betrachtet ihn heute als überwunden, aber in den Köpfen der Menschen spukt er immer noch herum. Es waren die Physiokraten, die sagten, daß man dem Wirtschaftsleben keine Gesetze vorzuschreiben brauche, denn entweder entwickelt es sich von selber so, wie diese Gesetze sind, dann braucht man sie nicht, oder man schreibt ihm andere Gesetze vor, die der Entwicklung nicht entsprechen. Dann aber würde man dem Wirtschaftsleben schaden. Es scheint das, wenn man es so sagt, absolut richtig zu sein und ist dennoch total falsch, nämlich aus dem Grund, weil das Wirtschaftsleben nicht etwas ist, was stationär bleibt, also so bleibt, wie es einmal war. Es ist ein Organismus, und wie ein natürlicher Organismus auch immer älter wird und sich verändert und man seine Veränderung als Lebensbedingung anerkennen muß, so muß es beim Wirtschaftsleben auch sein. Das heißt, es müssen Gesetze dasein, aber sie müssen aus dem Wirtschaftsleben selber hervorgehen. So müssen die Impulse aber immerfort dasein, die den Schädigungen des Wirtschaftslebens, die es sich zufügen muß, entgegenwirken. Wer glaubt, daß er einmal den Sozialismus einführen kann, und dann ist er da, der gleicht einem Menschen, der sagt: Ich habe gestern gegessen, da war ich ganz satt. Nun brauche ich nichts mehr zu essen. Sie müssen, weil der Organismus ständig gewisse Veränderungen durchmacht und weil er etwas Lebendiges ist, fortwährend essen. Und so ist es auch mit dem, was sozialistische Maßnahmen sind. Sie müssen fortwährend sozialisieren, weil der soziale Organismus etwas Lebendiges ist. Und das ist es auch, was zu der Notwendigkeit führt, daß wir aus dem Leben heraus gerade von Anfang an so etwas schaffen wie zum Beispiel Betriebsräte und vieles andere.

[ 17 ] A long time ago, a peculiar statement emerged from a school of economic thought. Today it is considered outdated, but it still lingers in people’s minds. It was the Physiocrats who said that there was no need to impose laws on economic life, because either it develops on its own in accordance with those laws—in which case they are unnecessary—or one imposes other laws on it that do not correspond to its development. But then one would be harming economic life. Put that way, it seems absolutely correct, and yet it is completely wrong—namely, because economic life is not something that remains static, that is, that stays the way it once was. It is an organism, and just as a natural organism grows older and changes—and we must recognize its change as a condition of life—so too must it be with economic life. This means that laws must exist, but they must emerge from economic life itself. Thus, there must always be forces at work that counteract the damage economic life inevitably inflicts upon itself. Anyone who believes that they can introduce socialism once and for all—and then it will simply be there—is like a person who says: “I ate yesterday, and I was completely full. Now I don’t need to eat anything else.” Because the organism is constantly undergoing certain changes and because it is a living entity, it must eat continuously. And so it is with socialist measures. You must continually socialize, because the social organism is a living entity. And that is also what leads to the necessity that, right from the start, we create—out of life itself—such things as, for example, works councils and many other things.

[ 18 ] Sehen Sie, der größte Fehler, der gemacht worden ist bisher, der ist der, daß die Leute geglaubt haben, das soziale Leben sei so etwas wie eine Nachbildung eines Organismus aus Pappmaché. Sie haben sich also vorgestellt, es sei ein Mechanismus; der lebt nicht. Aber er lebt, nur haben die Leute dem sozialen Organismus solche Gesetze gegeben, die für etwas gelten sollten, was tot ist. Der Organismus aber ging weiter, und nun wundern sich die Menschen, wenn Revolutionen kommen. Das, was man fortwährend verbessern muß, schoppt sich zusammen, wenn es nicht verbessert wird, und bricht in Revolutionen aus. Die Revolutionen haben die gemacht, die kurzsichtig genug waren, die Lebendigkeit des sozialen Lebens nicht zu erkennen. Ich meine nicht diejenigen, die dazu gedrängt werden, das eine oder andere zu tun, sondern diejenigen, welche die Führenden sind und die Handhabung der Führung nicht verstehen. Deshalb ist es heute so wichtig, daß, wenn über kurz oder lang wirklich neuerdings der Ruf ergeht, nun selbst Hand anzulegen an das, was geschehen soll, daß man nicht wiederum mit leeren Köpfen an die Sache herantritt, sondern daß man mit konstruktiven Vorschlägen kommt. Damit ist es nicht getan, daß man sagt: Die Macht müsse man erwerben. Das ist freilich richtig, aber dann, was können wir, wenn wir die Macht haben, mit dieser Macht anfangen? Das wollte ich vorausschicken. Jetzt hoffe ich, daß die Diskussion durch Ihre Fragen eine sehr rege werden kann.

[ 18 ] You see, the biggest mistake that has been made so far is that people have believed social life to be something like a papier-mâché replica of an organism. So they created a mental image of it as a mechanism; one that does not live. But it is alive; it’s just that people have imposed laws on the social organism that are meant to apply to something that is dead. The organism, however, carried on, and now people are surprised when revolutions occur. That which must be continually improved builds up when it is not improved, and erupts into revolutions. Revolutions have been brought about by those who were short-sighted enough not to recognize the vitality of social life. I do not mean those who are pressured into doing one thing or another, but rather those who are the leaders and do not understand how to exercise leadership. That is why it is so important today that, when sooner or later the call truly goes out once again to take matters into our own hands regarding what needs to be done, we do not approach the matter with empty heads once more, but rather come forward with constructive proposals. It is not enough simply to say: “Power must be acquired.” That is certainly true, but then, once we have power, what can we do with it? I wanted to preface my remarks with that. Now I hope that your questions will help spark a very lively discussion.

Diskussion

Discussion

Diskussionsredner Beierat führt unter anderem aus: Bei der Sozialisierung müssen auch die Unternehmer gefragt werden, denn die Arbeiterschaft kann nicht allein alle Fragen lösen. Um eine Handhabe zu haben, damit die bisherigen Besitzer die Betriebsräte schaffen helfen, ist es notwendig, daß eine gesetzliche Grundlage geschaffen wird, die für das ganze Reich gleich ist.1Der Wortlaut der Voten einzelner Diskussionsteilnehmer wurde vom Stenografen nicht immer — und dann bisweilen auch nur bruchstückhaft - festgehalten. Manchmal handelt es sich bei den überlieferten Texten auch um sinngemäfße Zusammenfassungen der Wortmeldungen.

Beierat, one of the panelists, states, among other things: “When it comes to socialization, business owners must also be consulted, because the working class cannot resolve all issues on its own. In order to ensure that the current owners help establish works councils, it is necessary to create a legal framework that is uniform throughout the entire Reich.” 1The stenographer did not always record the exact wording of individual participants’ remarks—and when he did, it was sometimes only fragmentary. In some cases, the surviving texts are summaries that convey the gist of the remarks.

[ 19 ] Rudolf Steiner: Ich möchte dazu gleich einiges sagen, weil wir vielleicht am besten vorwärtskommen, indem wir auf die einzelnen Fragen eingehen.

[ 19 ] Rudolf Steiner: I’d like to say a few things about this right away, because we might make the most progress by addressing the individual questions.

[ 20 ] Sehen Sie, im Grunde genommen widerspricht der Sache nach dasjenige, was der verehrte Vorredner eben gesagt hat, dem, was ich vorgebracht habe, eigentlich nicht, nur versuchte ich die Sache nicht theoretisch, sondern so praktisch anzufassen, daß wirklich zu einem Ziel zu kommen ist. Man sollte, wenn man etwas Praktisches erreichen will, sich nicht die Sache gar zu sehr dadurch verderben, daß man nicht irgendwo konkret den Anfang machen will. Irgendwo muß immer bei etwas Praktischem der Anfang schon gemacht werden, und es ist doch immerhin, bevor wir hierher gekommen sind, da unten in einem kleinen Zimmer eine Sitzung gewesen, wo lauter Betriebsräte, die schon vorhanden sind, versammelt waren. Also immerhin, ein Anfang ist gemacht. Es würde sich nur darum handeln —- man kann natürlich über diesen Anfang denken, wie man will, man kann ja einen anderen machen -, daß von einem solchen Anfang etwas Praktisches ausgeht. Dabei will ich daran erinnern, daß ich auch gestern davon gesprochen habe, daß zur praktischen Durchführung der Dreigliederung selbstverständlich zunächst notwendig ist, daß eine Art Liquidierungsregierung entsteht. Ich denke durchaus nicht, daß man heute beschließen kann, bis morgen die Dreigliederung einzuführen!

[ 20 ] You see, essentially, what the esteemed speaker just said does not actually contradict what I have put forward; it’s just that I tried to approach the matter not theoretically, but practically, so that we can actually achieve a goal. If one wants to achieve something practical, one shouldn’t let the matter be ruined too much by refusing to take a concrete first step somewhere. With anything practical, a start must always be made somewhere, and after all, before we came here, there was a meeting down there in a small room where all the existing works council members were gathered. So, at any rate, a start has been made. The only thing that matters—and of course you can think of this beginning however you like; you can always make a different one—is that something practical emerges from such a beginning. In this regard, I would like to remind you that I also spoke about this yesterday: for the practical implementation of the threefold social order, it is, of course, first necessary that a kind of liquidation government be established. I certainly do not think that we can decide today to introduce the threefold social order by tomorrow!

[ 21 ] Da wir nun einmal in den Denkgewohnheiten der Menschen leben, die sich bisher nur im Einheitsstaat eine Regierung vorstellen konnten, müssen wir unter allen Umständen, nicht deshalb, weil wir irgendeine Regierung lieben, sondern weil die Menschen bisher zusammen im Staat gelebt haben, für die verschiedensten Dinge eine Regierung haben, von der ich, im Gegensatz zu dem, was der Vorredner ausgeführt hat, aber sagen muß: Ob es die eine oder die andere Regierung ist, ist mir nicht gleich. Also es kommt mir sehr darauf an, daß es sich um eine Regierung handelt, die im Sinne einer wirklichen Sozialisierung Vorschläge macht. Also das empfinde ich nicht als einen richtigen Ausspruch: «Es kommt mir nicht darauf an, ob es die eine oder andere Regierung ist.» Denn gerade wenn eine Regierung da ist, welche wird einsehen müssen, daß sie sich zukünftig nur auf den Rechtsboden zu stellen hat und zu liquidieren hat einerseits das Geistesleben, andererseits das Wirtschaftsleben, dann wird in Gestalt einer solchen Liquidierungsregierung die richtige Instanz dasein, um jene Übergangszeit zu schaffen, und zwar mit vernünftigen Maßregeln. Diese bilden dann die Grundlagen, auf denen die Betriebsräte aufgebaut werden können, welche in der Tat, statt manch anderer Dinge, die heute von verschiedenen Regierungen getan werden, ihre Macht dazu verwenden könnten, die widerspenstigen Unternehmer - verzeihen Sie den Ausdruck - irgendwie zu veranlassen, auf vernünftige Sozialisierungsgedanken einzugehen. Das würde in der Übergangszeit die Aufgabe einer vernünftigen Regierung sein.

[ 21 ] Since we live within the mindset of people who, until now, could only form a mental image of a government within a unitary state, we must—under all circumstances, not because we love any particular government, but because people have lived together in a state until now—have a government for a wide variety of matters. However, contrary to what the previous speaker stated, I must say: It doesn’t matter to me whether it is one government or another. What matters greatly to me is that it be a government that makes proposals in the spirit of true socialization. So I don’t consider this a correct statement: “It doesn’t matter to me whether it is one government or another.” For precisely when there is a government that will have to recognize that, in the future, it must stand solely on a legal foundation and must liquidate, on the one hand, intellectual life and, on the other, economic life—then, in the form of such a liquidation government, the proper authority will exist to bring about that transitional period, and indeed with reasonable measures. These will then form the foundations upon which works councils can be established; these councils, in fact, instead of engaging in many other activities currently undertaken by various governments, could use their power to somehow persuade recalcitrant business owners—pardon the expression—to embrace reasonable ideas of socialization. That would be the task of a sensible government during the transitional period.

[ 22 ] Diese Grundlagen, die heute noch von der Liquidierungsregierung geschaffen werden müssen, die könnten schon dasein. Aber dabei müßte gerade diese Liquidierungsregierung durchaus durchdrungen sein von der Erkenntnis, daß durch Regierungsgesetze niemals die Entstehung eines gesunden Wirtschaftslebens gestört werden darf, damit dieses Wirtschaftsleben sich wirklich aus sich heraus aufbauen kann. Daher ist es notwendig, daß die Liquidierungsregierung dafür sorgt, daß Betriebsräte entstehen können. Sie darf sich aber nicht hineinmischen in deren ganze Konstituierung. Diese muß aus der Betriebsräteschaft selber heraus geschehen.

[ 22 ] These foundations, which still need to be laid today by the liquidation government, could already be in place. But in doing so, this very liquidation government must be thoroughly imbued with the realization that government laws must never interfere with the emergence of a healthy economic life, so that this economic life can truly develop on its own. It is therefore necessary for the liquidation government to ensure that works councils can be established. However, it must not interfere in the entire process of their formation. This must come about from within the works council movement itself.

[ 23 ] Die Regierung hat keine andere Aufgabe, als dafür zu sorgen, daß die Betriebsräte sich über ihre wirtschaftlichen Territorien hinaus, das heißt aus wirtschaftlichen Notwendigkeiten heraus, konstituieren können. Das wird die beste Grundlage sein, wenn die Regierung dafür sorgt, daß die Betriebsräte ordentlich arbeiten können. Die Betriebsräte können sich dadurch konstituieren, daß die Regierung eine Grundlage schafft und nicht über sie herrschen will.

[ 23 ] The government has no other task than to ensure that works councils can be formed beyond their economic territories—that is, based on economic necessity. This will provide the best foundation if the government ensures that works councils can function properly. Works councils can be formed when the government creates the necessary conditions and does not seek to dominate them.

[ 24 ] Heute kennt man den eigentlichen Unterschied zwischen herrschen und regieren nicht, und man kann eigentlich sehr verwundert sein darüber, daß durch die Novemberereignisse die Menschen bezüglich dieser Unterscheidung so wenig gelernt haben. Es gibt — diese Unterscheidung ist nicht von mir, sondern von Karl Marx einen ganz beträchtlichen Unterschied zwischen regieren und herrschen. Und wenn eine Regierung lernt zu regieren und nicht mehr glaubt, sie sei nur eine Regierung, wenn sie herrschen kann, dann wird selbst das möglich sein, was die breitesten Massen sich unter Sozialisierung vorstellen können. Denn herrschen muß in der Zukunft nicht eine Regierung, sondern die ganze breite Masse des Volkes. Die Regierung muß regieren und lernen, wie man regiert, wenn tatsächlich die ganze breite Masse des Volkes herrscht. Die Leute haben sich noch nicht abgewöhnt, mit dem Ausdruck Herrscher eine einzelne Persönlichkeit oder Körperschaft zu verbinden. Das ist etwas, was gründlich aus den Denkgewohnheiten der Leute heraus muß. Bei der Inangriffnahme einer im Sozialisierungssinne gedachten Körperschaft — und sie muß so gedacht sein wie die Betriebsräte —, da muß vor allen Dingen der Unterschied zwischen regieren und herrschen in die Köpfe hinein. Aus der breiten Masse heraus muß sich alles das bilden, was zu den Befugnissen der Betriebsräte gehört, und das Regieren wird nur darin bestehen, daß eine reale Grundlage, nicht eine Gesetzesunterlage geschaffen wird, damit sich die Betriebsräteschaft frei, rein aus wirtschaftlichen Notwendigkeiten, aus Erkenntnis und Einsicht bilden kann.

[ 24 ] Today, people do not understand the actual difference between ruling and governing, and one can truly be very surprised that the events of November have taught people so little about this distinction. There is—and this distinction is not mine, but Karl Marx’s—a very significant difference between governing and ruling. And if a government learns to govern and no longer believes that it is a government only if it can rule, then even the mental image of socialization that the broadest masses can have will become possible. For in the future, it is not a government that must rule, but the entire broad mass of the people. The government must govern and learn how to govern if the entire broad mass of the people is indeed to rule. People have not yet broken the habit of associating the term “ruler” with a single individual or body. This is something that must be thoroughly eradicated from people’s ways of thinking. When establishing a body conceived in the spirit of socialization—and it must be conceived in the same way as the works councils—the distinction between governing and ruling must, above all, be instilled in people’s minds. Everything that falls within the powers of the works councils must emerge from the broad masses, and “governing” will consist solely in creating a real foundation—not a legal one—so that the works council system can form freely, based purely on economic necessities, knowledge, and insight.

[ 25 ] Sehen Sie, das ist das Eigentümliche meiner Vorschläge zur Dreigliederung, daß ich nicht Programme aufstelle, sondern daß ich versuche, aus der Wirklichkeit heraus solche Anregungen zu geben, damit etwas Vernünftiges entstehen kann. Ich sage Ihnen offen: Dadurch unterscheiden sich meine Impulse der Dreigliederung von allen übrigen. Gestern ist hier gesagt worden, sie enthielten nichts Neues. Sie enthalten grundsätzlich Neues. Die Leute, die früher von Sozialisierung und überhaupt von irgendwelchen Erneuerungen gesprochen haben, die waren gescheit und wußten bis ins einzelne hinein, was getan werden soll. Ich bilde mir nicht ein, gescheiter zu sein als die anderen, aber ich glaube fest, daß solche Zustände herbeigeführt werden können, durch welche diejenigen, die etwas wissen von den Dingen, zu ihrem Recht kommen können. Ich will nicht den Weg zu dem zeigen, was die Betriebsräte tun sollen, sondern dazu, wie sie sich bilden können. Dann werden sie selbst erkennen, was sie zu tun haben. Ich will die Menschen in der richtigen Weise an ihren Platz stellen. Ich bilde mir nicht ein, etwas Neues zu wissen, aber ich will, daß das Neue entsteht.

[ 25 ] You see, that is what is unique about my proposals for the threefold order: I do not draw up programs, but rather I try to offer suggestions based on reality so that something sensible can emerge. I’ll tell you frankly: this is what distinguishes my ideas on the threefold order from all others. Yesterday it was said here that they contain nothing new. They contain something fundamentally new. The people who used to speak of socialization and of all kinds of reforms were intelligent and knew down to the last detail what needed to be done. I do not presume to be smarter than the others, but I firmly believe that conditions can be brought about in which those who know something about these matters can come into their own. I do not wish to show the way to what the works councils should do, but rather to how they can educate themselves. Then they will recognize for themselves what they must do. I want to put people in their proper place. I do not presume to know anything new, but I want the new to emerge.

Verschiedene Diskussionsteilnehmer ergreifen das Wort.

Various participants in the discussion take the floor.

[ 26 ] Rudolf Steiner: Mit Bezug auf die beiden verehrten Vorredner ist es mir eine gewisse Befriedigung, festzustellen, daß ich ja selbst nur noch wenig zu sagen brauche, weil in erfreulicher Art die Diskussion zwischen diesen beiden Rednern so verlaufen ist, daß der eine den anderen vollständig ergänzt hat und das schon ausgeführt wurde, was eigentlich zu sagen ist. Ich möchte nur das Folgende dazufügen.

[ 26 ] Rudolf Steiner: With regard to the two esteemed speakers who spoke before me, it gives me a certain sense of satisfaction to note that I myself have very little left to say, because the discussion between these two speakers has unfolded in such a gratifying way that one has completely complemented the other, and everything that actually needed to be said has already been said. I would just like to add the following.

[ 27 ] Wenn vorgebracht wird, es sei ein Unterschied vorhanden zwischen dem Richten aller Gedanken auf den Weg: Wie erringen wir die Macht der Herrschaft? — und der anderen Gedankenart: Was tun wir, wenn wir die Macht errungen haben? -, da muß ich sagen, da fällt mir immer wieder dasjenige ein, was schon in den Diskussionen der achtziger Jahre eine so starke Rolle gespielt hat. Ich habe in jenen Jahren Gelegenheit gehabt, manche Fragen, die damals schon auf sozialistischem Boden behandelt worden sind, zum Beispiel mit Adler in Wien, dem kürzlich Verstorbenen, und auch mit Pernerstorfer, der ebenfalls im letzten Jahr gestorben ist, zu besprechen. Und selbstverständlich, diese sozialistisch Denkenden von damals, sie standen den großen sozialistischen Impulsen, die von Marx und Engels ausgegangen sind, noch näher. Es war damals noch nicht die Zeit des sogenannten Revisionismus, von der ich glaube, daß sie hinsichtlich der Entwicklung des Sozialismus viel verdorben hat. Ich möchte da nicht mißverstanden werden, aber ich habe meinerseits immer gefunden, daß diese sanfte Überleitung des wirklichen Sozialismus in ein etwas unklares, bürgerliches Denken, das man Revisionismus nannte, daß das eigentlich furchtbar geschadet hat, aus dem einfachen Grunde, weil manche Leute so schrecklich zufrieden sind, wenn sie sagen können: Wir wollen das nächstliegende Praktische, wir wollen etwas erreichen für morgen. — Diese Leute bedenken nicht, daß das, was für morgen erreicht wird, unter Umständen allen Boden für das Übermorgen abgraben kann. Da mußte ich oftmals gegenüber Adler und Pernerstorfer einwenden, ich erkenne alles das an, was sie als Kritik an der gegenwärtigen gesellschaftlichen Ordnung anführen, aber man müsse doch auch etwas haben, was man dann tun würde, wenn das eintritt, was ja schließlich diese sozialistischen Führer selbst voraussetzten. — Diese sozialistischen Führer sagten immer voraus: Diese gegenwärtige Gesellschaftsordnung baut sich selbst ab, sie vernichtet sich selbst. -— Das war eine absolut richtige Anschauung. Und deshalb haben auch diese sozialistischen Führer immer abgewinkt, wenn irgend etwas getan werden sollte, um in gewaltsamer Weise die Ablösung der gegenwärtigen Ordnung durch eine andere herbeizuführen. Sie waren im eminentesten Sinne Entwicklungssozialisten und sagten: Der Abbau wird schon besorgt, dann kommt das Proletariat an die Reihe. — Ich war immer der Ansicht, daß man dann aber wissen müsse, gerade wenn man das voraussetzt, was man dann tun werde.

[ 27 ] When it is argued that there is a difference between focusing all one’s thoughts on the question: “How do we gain the power to rule?”—and the other line of thought: “What do we do once we have gained that power?” —I must say that I am constantly reminded of what already played such a significant role in the discussions of the 1880s. During those years, I had the opportunity to discuss many questions that were already being addressed from a socialist perspective at the time—for example, with Adler in Vienna, who recently passed away, and also with Pernerstorfer, who likewise died last year. And of course, those socialist thinkers of that time were even closer to the great socialist impulses that originated with Marx and Engels. Back then, it was not yet the era of so-called revisionism, which I believe has done much harm to the development of socialism. I don’t want to be misunderstood here, but for my part, I have always felt that this gradual shift from real socialism toward a somewhat vague, bourgeois way of thinking—which was called revisionism—actually did tremendous harm, for the simple reason that some people are so terribly satisfied when they can say: “We want the most immediately practical solution; we want to achieve something for tomorrow.” — These people do not consider that what is achieved for tomorrow may, under certain circumstances, undermine all ground for the day after tomorrow. I often had to object to Adler and Pernerstorfer: I acknowledge all the points they raise as criticism of the current social order, but one must also have a plan for what to do when what these socialist leaders themselves ultimately predicted comes to pass. — These socialist leaders always predicted: This current social order is breaking itself down; it is destroying itself. — That was an absolutely correct view. And that is why these socialist leaders always waved off any suggestion that anything should be done to forcibly bring about the replacement of the current order with another. They were, in the truest sense of the word, developmental socialists, and they said: The breakdown will take care of itself, and then it will be the proletariat’s turn. — I have always been of the opinion, however, that if one assumes this will happen, one must know exactly what one will do then.

[ 28 ] Sind wir denn nicht eigentlich heute in einer anderen Lage? Wir haben doch die Novemberereignisse hinter uns, und Sie können ganz sicher sein, daß sich jene Menschen, die damals Führer waren, schon so etwas vorgestellt haben wie die Novemberereignisse, aber nun war das nicht da, was man positiv tun sollte. Das zeigt doch, daß es eine gewisse Wichtigkeit hat, nicht bloß wie ein hypnotisiertes Hühnchen immer der Frage nachzulaufen: Wie erlangen wir die Macht? -, sondern sich zu fragen: Was tun wir mit der Macht? - Ich muß das immer wieder fragen: Wie handeln wir?

[ 28 ] Aren’t we actually in a different situation today? After all, the November events are behind us, and you can be quite certain that those who were leaders at the time had already created a mental image of something like the November events, but there was nothing positive to be done about it. This shows, after all, that it is important not merely to run after the question like a hypnotized chicken—“How do we seize power?”—but to ask ourselves: “What do we do with power?” I must ask this again and again: How do we act?

[ 29 ] Der verehrte Vorredner hat gesagt, daß der wirtschaftliche Zusammenbruch kommt. Ich bin eigentlich nicht dieser Ansicht. Ich bin der Ansicht, daß er längst da ist, daß das, was jetzt von den leitenden Kreisen getan wird, nur ein fortwährendes Verhüllen und Verschleiern des längst vorhandenen wirtschaftlichen Zusammenbruchs ist. Der wirtschaftliche Zusammenbruch ist seit jener Zeit da, wo man offiziell erklärt hat, daß es das beste für das Deutsche Reich ist, nicht mehr für die Bedürfnisse der Menschen zu produzieren, sondern für dasjenige, was in die Luft verpulvert wird. Damit hat sich eigentlich der wirtschaftliche Zusammenbruch vollzogen. Und mir war es immer unerklärlich, wie wenig die Leute eigentlich eingesehen haben, daß mit einer ja den subjektiven Bedürfnissen der alten Herrschaften gut entsprechenden Maßnahme wie dem Hilfsdienstgesetz dem wirtschaftlichen Leben ein furchtbarer Hieb versetzt werden muß, der eigentlich durch nichts zu kurieren sein wird. Man hat nur immer wieder an andere Dinge gedacht, aber keinen Sinn gehabt für die wirtschaftlichen Konsequenzen einer solchen Maßnahme.

[ 29 ] The esteemed speaker before me said that economic collapse is coming. I do not actually share this view. I believe that it has long since arrived, and that what is now being done by the ruling circles is merely a continuous attempt to cover up and obscure the economic collapse that has long existed. The economic collapse has been with us ever since it was officially declared that it was best for the German Reich to no longer produce for people’s needs, but rather for what is blown up in the air. With that, the economic collapse was, in fact, complete. And it has always been incomprehensible to me how little people actually realized that a measure such as the Auxiliary Service Act—which, admittedly, well suited the subjective needs of the old ruling classes—would deal a terrible blow to economic life, one that could not really be remedied by anything. People simply kept thinking about other things, but had no sense of the economic consequences of such a measure.

[ 30 ] Also, ich glaube, der wirtschaftliche Zusammenbruch ist da, und wir stehen vor Ereignissen, die nur so lange auf sich warten lassen, als es durch dieses oder jenes noch gelingen kann, gewisse Dinge zu verschleiern, zu verhüllen. Dann werden wir aber wissen müssen, wie der Neuaufbau einzurichten ist. Ich habe deshalb gar nichts gegen das, was der Herr Vorredner, Herr Schreiber, gesagt hat, aber ich sage Ihnen: Es wird von selbst kommen, daß sich die Herrschaft von den bisher leitenden Kreisen hinüberwenden muß zu den Kreisen, die dieser Vorredner im Sinn hatte. Aber um so mehr müssen diese Kreise das Verantwortungsgefühl empfinden, damit sie dann, wenn sie zur Macht kommen, das Richtige zu tun imstande sind. Also, das ist es, was ich immer wieder und wieder betonen möchte und was mir von ganz besonderer Wichtigkeit ist.

[ 30 ] Well, I believe the economic collapse is here, and we are facing events that are only being delayed as long as it remains possible—through one means or another—to conceal or obscure certain things. But then we will have to figure out how to organize the reconstruction. I therefore have absolutely no objection to what the previous speaker, Mr. Schreiber, said, but I tell you this: It will happen naturally that power must shift from the circles that have been in charge until now to the circles that the previous speaker had in mind. But all the more must these circles feel a sense of responsibility so that, when they come to power, they will be capable of doing what is right. So, that is what I would like to emphasize again and again, and what is of particular importance to me.

[ 31 ] Es ist gesagt worden, nicht als Vorwurf, sondern in Übereinstimmung mit mir, ich wolle zuerst die Institution der Betriebsräte haben und dann würde sich schon ergeben, welches ihre Funktionen sein werden. Dann dürften wir uns aber weiterhin auch keinen Illusionen hingeben, denn was der Neuaufbau fordern wird, das wird nicht sehr einfach sein, das wird nicht ohne wirklich sachliche Kenntnisse des Wirtschaftskörpers vor sich gehen können. — Der verehrte Vorredner hat gerade in dankenswerter Weise verschiedenes angeführt. Wir dürfen nicht in Dilettantismus verfallen, sondern wir müssen sachgemäß gerüstet sein, wenn wir zum Beispiel eine solche Feststellung treffen, daß die Funktion der Betriebsräteschaft nicht damit abgeschlossen ist, daß man einzelne Betriebe sozialisiert. Gerade dasjenige, was der Vorredner gesagt hat über das Mitbestimmungsrecht, über den Profit, der aber eine ganz andere Form annehmen muß, und was er gesagt hat über das Mitbestimmungsrecht in bezug auf den Preis, das zeigt uns, daß, sobald diese konkreten Dinge auf uns zukommen, wir sehr, sehr viel auf sachlichem Felde zu tun haben. Denn gerade mit diesen Dingen, das ist das Eigentümliche des kapitalistischen, des privat-kapitalistischen Interessentums, hat es sich nicht befaßt, sondern es hat die Menschheit einfach einer wüsten Konkurrenz der Interessen, des Einkommens und so weiter überlassen.

[ 31 ] It has been said—not as a criticism, but in agreement with me—that I want to establish the institution of works councils first, and then their functions will naturally become clear. But then we must not continue to harbor any illusions, for what the reconstruction will require will not be very easy; it will not be possible without a truly substantive understanding of the economic system. — The esteemed speaker before me has just helpfully cited various points. We must not succumb to amateurism; rather, we must be properly equipped when, for example, we make the observation that the role of the works council is not limited to the socialization of individual enterprises. Precisely what the previous speaker said about the right to co-determination, about profit—which must, however, take on a completely different form—and what he said about the right to co-determination with regard to pricing, shows us that, as soon as these concrete issues come before us, we will have a great deal of work to do in the realm of facts. For it is precisely these matters—and this is the peculiarity of capitalist, specifically private-capitalist self-interest—that it has not addressed; rather, it has simply abandoned humanity to a savage competition of interests, income, and so on.

[ 32 ] In dieser Richtung darf nicht fortgefahren werden, sonst kommen wir nach kurzer Zeit wieder in die alten Zustände hinein. Ob die Betreffenden, die dann die Produktionsmittel verwalten, Kapitalisten heißen oder anders, darauf kommt es nicht an. Es ist schon auch die Möglichkeit vorhanden, daß aus den Kreisen - ich will nicht sagen: unbedingt des Proletariats, aber derjenigen, die das Proletariat führen — Leute an die Spitze kommen, die dann unter Umständen den Gepflogenheiten alter Kapitalisten in nichts nachstehen; nun, das ist das, was nur vermieden werden kann, wenn wir fest gesattelt sind.

[ 32 ] We must not continue down this path, or we will soon find ourselves back in the old conditions. Whether those who then manage the means of production are called capitalists or something else is irrelevant. There is also the possibility that people from these circles—I won’t say necessarily from the proletariat, but from those who lead the proletariat—will rise to the top, who, under certain circumstances, may be every bit as bad as the old capitalists; well, that is something that can only be avoided if we are firmly in control.

[ 33 ] Sie werden es mir nicht übelnehmen, wenn ich etwas scheinbar Theoretisches anführen werde; es ist aber etwas Praktisches. Wenn es sich um das Recht der Mitbestimmung bei der Preisbildung handelt, kommen zwei Dinge besonders in Betracht. Der Preis, der regelt sich in einem Zufalls-Wirtschaftssystem, das nicht sozialisiert ist, von zwei Seiten her, denn es ist eine Art Naturgesetz, daß sich der Preis nicht nach einer Kraft richtet, sondern nach zwei Kräften. Nehmen Sie zum Beispiel an, in einem wirtschaftlichen Zusammenhang wird eine bestimmte Menge Butter erzeugt. Nehmen wir an, es wird mehr Butter erzeugt, als für die menschlichen Bedürfnisse notwendig ist. Dann wird unter Umständen es kann das durchaus eintreten — von dem Rest der Butter, den die Menschen nicht brauchen, sagen wir zum Beispiel Wagenschmiere fabriziert. Das bewirkt, daß die Butter ungeheuer viel billiger wird, als sie zum Beispiel ist, wenn weniger Butter erzeugt wird, als die Gesamtheit der Menschen braucht. Solche Dinge stecken in der Preisbildung im eminentesten Sinne drinnen. Das ist eine Richtung, aus der die Preisbildung bestimmt wird. Die andere Richtung, nämlich daß sich die Preisbildung orientiert an den Herstellungskosten, ist im Wirtschaftsleben ganz getrennt von der eben angeführten Richtung; da kommt in Betracht, was die Herstellung kostet. Da bildet sich ein ganz anderes Preissystem, und dieses Preissystem kreuzt sich mit dem Zufalls-Wirtschaftssystem, also mit dem anderen. Und dadurch bekommen wir ein gegenseitiges Konkurrieren nicht nur der Preise, sondern auch der Preissysteme, und darin stecken wir heute.

[ 33 ] You will not hold it against me if I cite something that may seem theoretical; it is, however, something practical. When it comes to the right of co-determination in price formation, two things are particularly relevant. In a non-socialized, market-based economic system, the price is determined by two factors, for it is a kind of natural law that the price is not determined by a single force, but by two forces. Suppose, for example, that a certain quantity of butter is produced in an economic context. Let’s assume that more butter is produced than is necessary for human needs. Then, under certain circumstances—and this can certainly happen—the surplus butter that people do not need is used, for example, to make wagon grease. This causes the price of butter to become immensely cheaper than it would be, for instance, if less butter were produced than the total population needs. Such factors are inherent in price formation in the most fundamental sense. This is one factor that determines price formation. The other factor—namely, that prices are based on production costs—is entirely separate from the factor just mentioned in economic life; here, what matters is the cost of production. This gives rise to an entirely different pricing system, and this pricing system intersects with the random economic system—that is, with the other one. And as a result, we have mutual competition not only among prices but also among pricing systems, and that is the situation we find ourselves in today.

[ 34 ] Nun denken Sie sich doch einmal: Wenn sich die Regulierung der Einnahmen des Arbeiters nur nach dem einen Preissystem ergibt, dann können Sie unter Umständen erleben, daß der Arbeiter immer höhere und höhere Löhne bekommt, aber niemals eine bessere Lebenslage, weil die Preise der Wohnungen und aller anderen Dinge in demselben Maße wiederum steigen. Sie können ein Loch schließen, ein anderes öffnet sich von selber. Da können wir nur irgendwie Ordnung schaffen, wenn wir sachgemäß gerüstet sind.

[ 34 ] Now just think about it: If a worker’s income is regulated solely by this one pricing system, you may find that, under certain circumstances, the worker receives higher and higher wages but never achieves a better standard of living, because the prices of housing and everything else rise at the same rate. You can plug one hole, but another opens up on its own. We can only bring some order to this situation if we are properly equipped.

[ 35 ] Es muß in der Zukunft eine Sache berücksichtigt werden, nämlich wie von den verschiedensten Seiten her die Ursachen zusammenfließen. Das wird erforderlich sein, wenn die Sozialisierung nicht als eine bloße Herzensforderung, sondern in sachlicher Weise als Impuls wirklich leben soll. Und wenn die Betriebsräte in bezug auf die Preisbildung mitbestimmend sein sollen, so werden sie in diesen Dingen gerüstet sein müssen. Da wird es sich darum handeln, daß gearbeitet wird, und nicht darum, daß man sagt: Ach, die Reden, die idealistisch gedachten Reden, die bewirken nichts. — Nein, dieses sind keine idealistisch gedachten Reden, sondern es sind praktische Anweisungen im Hinblick auf das, was zu geschehen hat. Die Menschen können nicht einfach eine Aufgabe übernehmen, ohne sich zuerst zu verständigen, wie man etwas macht. Die Dinge, auch im Wirtschaftsleben, müssen wirklich gelernt sein. Und heute ist noch nicht viel Wissen vorhanden. Wir müssen uns sehr darum bemühen, müssen den guten Willen haben, zu Einrichtungen zu kommen, und dann in den verschiedensten Kreisen versuchen umzulernen. Ich halte es für furchtbar notwendig, daß von den Betriebsräten so schnell wie möglich Genossenschaften eingerichtet werden, in denen mit gutem Willen zusammengearbeitet wird, so daß wir zu einem wirklichen, wirtschaftlich sachgemäßen Aufbau kommen.

[ 35 ] In the future, one thing must be taken into account: namely, how the causes converge from a wide variety of perspectives. This will be necessary if socialization is to truly take root—not merely as a matter of the heart, but in a practical way as a driving force. And if the works councils are to have a say in pricing, they will need to be prepared for these matters. The point will be to take action, not to say, “Oh, all that talk—those idealistic notions—they accomplish nothing.” — No, these are not idealistic speeches, but practical instructions regarding what needs to be done. People cannot simply take on a task without first agreeing on how to do it. Things—even in economic life—must truly be learned. And today, there is still not much knowledge available. We must make a great effort, we must have the goodwill to establish institutions, and then try to relearn in the most diverse circles. I consider it absolutely essential that works councils establish cooperatives as quickly as possible, in which people work together with goodwill, so that we can achieve a genuine, economically sound structure.

[ 36 ] Wir werden gerade besonders viel geistig arbeiten müssen, wenn wir weiterkommen wollen. Das bitte ich zu berücksichtigen. Deshalb war es sehr befriedigend, daß von den Vorrednern auf diese Sache aufmerksam gemacht worden ist. Es wird darum gehen, daß wir uns wirklich auf den Boden stellen, daß nicht einer allein gescheit sein und etwas wissen will, also darum, daß darauf aufmerksam gemacht wird, daß wir die Menschen dahin bringen müssen, daß sie sich das, was die einzelnen Menschen an Lebenserfahrungen während der Arbeit gesammelt haben, einander mitteilen können. Dann wird sich, gerade durch dieses Zusammenwirken der auf den richtigen Posten stehenden Menschen, die Sozialisierung vollziehen.

[ 36 ] We will have to do a great deal of mental work right now if we want to make progress. I ask that you keep this in mind. That is why it was very gratifying that the previous speakers drew attention to this matter. The key will be for us to truly stand on solid ground—to ensure that no one person alone claims to be wise or to know everything—and thus to emphasize that we must enable people to share with one another the life experiences each individual has gathered through their work. Then, precisely through this collaboration among people in the right positions, socialization will take place.

Es folgen weitere Diskussionsbeiträge, und es wird der Antrag gestellt, .daß Herr Dr. Steiner zur weiteren Besprechung der wichtigen Fragen weitere Vorträge halten möchte. Dr. Steiner erklärt sich dazu bereit.

Further contributions to the discussion follow, and a motion is made that Dr. Steiner give additional presentations to further discuss the important issues. Dr. Steiner agrees to do so.

[ 37 ] Schlußworte von Rudolf Steiner: Ja, meine sehr verehrten Anwesenden, es ist ja der Antrag angenommen worden, daß diese Diskussion fortgesetzt werden möge. So wird ja Gelegenheit geboten sein, über mancherlei Fragen, die im Laufe der Diskussion noch aufgetaucht sind, vielleicht später in günstigerer Weise zu sprechen als heute, wo die Zeit schon zu weit vorgeschritten ist, als daß ich noch Erhebliches sagen, beziehungsweise Ihnen zumuten könnte. Ich will deshalb nur ganz kurz noch auf einige Punkte, die im Laufe des letzten Teiles der Diskussion aufgetaucht sind, eingehen.

[ 37 ] Closing remarks by Rudolf Steiner: Yes, ladies and gentlemen, the motion to continue this discussion has indeed been adopted. This will provide an opportunity to address various questions that have arisen in the course of the discussion—perhaps at a later time in a more suitable manner than today, when the hour has already grown too late for me to say anything substantial or to ask too much of you. I will therefore only briefly touch upon a few points that came up during the latter part of the discussion.

[ 38 ] Da war zuerst die Frage, wie ich mir die weitere Entwicklung vorstelle, wenn Betriebsräte bestehen, aber nichts bedeuten, wenn also die Betriebsräte bis zur politischen Umwälzung bloß eine Art Dekoration sein sollten. - Nun, ich glaube allerdings, daß man in solchen Dingen mit einem allzu argen Pessimismus der Sache schadet. Ich glaube, daß im praktischen Leben in solch ernster Lage, wie die ist, in der wir uns befinden, es in ganz eminentem Sinne darauf ankommt, daß der eine dem anderen hilft. Es schließt das durchaus nicht aus, daß die Betriebsräte, wenn sie dasjenige an die Oberfläche der sozialen Bewegung tragen, was sie an Erfahrungen, was sie an Erkenntnissen aus den Betrieben heraus haben - und darin wird eine Fülle von sozialer Einsicht stecken -, im wesentlichen auch dazu beitragen, die Zeit herbeizuführen, die uns die notwendigen Umwälzungen bringen kann. Man sollte sich nicht damit begnügen zu sagen: Wir müssen warten, bis die Umwälzung eingetreten ist -, sondern es handelt sich darum, daß wir in der Tat erkennen, daß, wenn die Betriebsräte auf ihrem Posten stehen, wir in ihnen ein sehr wichtiges Mittel zum Vorwärtskommen haben werden.

[ 38 ] First, there was the question of what my mental image of future developments would be if works councils exist but have no real significance—that is, if works councils were to be merely a kind of decoration until a political upheaval occurs. - Well, I do believe, however, that in such matters, excessive pessimism does the cause a disservice. I believe that in practical life, in a situation as serious as the one we find ourselves in, it is of the utmost importance that people help one another. This by no means precludes the possibility that the works councils—by bringing to the forefront of the social movement the experiences and insights they have gained from the workplaces—and this will contain a wealth of social insight—will also, in essence, help bring about the time that can bring us the necessary upheavals. We should not be content to say, “We must wait until the upheaval has occurred”—rather, the point is that we must truly recognize that, if the works councils remain at their posts, we will have in them a very important means of moving forward.

[ 39 ] Ich glaube, Sie sollten über das, was die Betriebsräte sein können, nicht zu gering denken. Sie werden keine Dekoration sein, wenn sie ihren Mann stehen. Es wird sich vieles ergeben gerade als Aufgabe der Betriebsräte, in das im Grunde genommen selbst die böswilligsten Unternehmer nicht hineinreden werden können. Sie werden nicht irgendwie die Sache aus der Welt schaffen können. So glaube ich, daß wir an irgendeinem Punkt — und das ist ein wichtiger Punkt — praktisch anfangen sollten. Wir sollten uns nicht zu sehr bedächtig zurückhalten oder gar befürchten, daß die Betriebsräte nur Dekoration sein könnten, sondern wir sollten zur Tat schreiten. Das ist auch das, was der «Aufruf» und der Impuls der Dreigliederung enthält. Es sollte nicht bloß weiter geredet werden, sondern die Worte sollten Keime zu Taten sein, und das ist das Wesentliche der ganzen Vortragsserie, die ich gehalten habe, und das wird das Wesentliche sein, wenn ich wirklich die Ehre haben werde, noch eingehender über diese Dinge mit Ihnen zu sprechen. Und noch etwas: Es ist gerade in dem letzten Teil der Diskussion viel über die geistigen Arbeiter gesprochen worden. Nun, ich darf mir schon einige Erfahrung auf diesem Gebiet zuschreiben. Sie beruht auf dem, was ich in vielen Jahren durchlebt habe. Die geistigen Arbeiter sind durch die Verhältnisse, die ich gerade in meinen Vorträgen schildere, in eine eigentlich gräßliche Lage gekommen. Es ist fast unmöglich, selbst nach diesen furchtbaren Erfahrungen der Weltkriegskatastrophe, mit der großen Masse derer, die sich geistige Arbeiter nennen, über politische Fragen zu reden. Ich schmeichle Ihnen nicht, wenn ich sage ich habe das ja schon gesagt in dem Vortrag -, daß mit Bezug auf politische Schulung, auf politische Bildung das Handarbeiterproletariat den geistigen Arbeitern ungeheuer voraus ist, ja, daß die politische Bildung der geistigen Arbeiter fast gar nicht vorhanden ist. Das muß man durchaus berücksichtigen. In diesem Zusammenhang muß man noch etwas anderes sehen.

[ 39 ] I believe you shouldn’t underestimate what works councils can be. They won’t be mere window dressing if they stand their ground. Many responsibilities will fall specifically to the works councils—areas where, fundamentally, even the most malicious employers won’t be able to interfere. They won’t be able to brush the issue aside. So I believe that at some point—and this is an important point—we should begin taking practical action. We should not hold back too cautiously or even fear that the works councils might be nothing more than window dressing; rather, we should take action. This is also what the “Call” and the impulse of the threefold social order entail. We should not just keep talking; rather, words should be the seeds of action, and that is the essence of the entire series of lectures I have given, and it will be the essence if I truly have the honor of speaking with you in even greater depth about these matters. And one more thing: There has been much discussion about intellectual workers, particularly in the last part of the discussion. Well, I can certainly claim some experience in this area. It is based on what I have lived through over many years. Intellectual workers have been placed in a truly dreadful situation by the circumstances I am describing in my lectures. It is almost impossible—even after these terrible experiences of the catastrophe of the World War—to discuss political issues with the vast majority of those who call themselves intellectual workers. I am not flattering you when I say—as I have already stated in the lecture—that, with regard to political training and political education, the manual laboring proletariat is immensely ahead of the intellectual workers; indeed, that the political education of intellectual workers is virtually nonexistent. This must certainly be taken into account. In this context, there is something else that must be considered.

[ 40 ] Ich bin der Auffassung, daß es grundsätzlich nicht günstig wirken wird, wenn neben den eigentlichen Arbeiterräten sich noch ein Rat geistiger Arbeiter gesondert herausbildet. Vielleicht wird dies, wenn es zu den Vorträgen, die von mir verlangt wurden, kommen sollte, eine wichtige Sache in der Erörterung sein müssen. Ich glaube, daß mit der Absonderung der geistigen Arbeiter als besondere «geistige Arbeiter» von den anderen Arbeitern nichts herauskommen kann. Die Arbeiter, die in einem bestimmten Bereich eines Betriebes arbeiten, gehören, auch wenn sie geistige Arbeiter sind, eben zu den Arbeitern dieses Betriebszweiges. Es muß eine Zusammengehörigkeit zwischen allen Arbeitern in den einzelnen Betriebszweigen dasein. Wir kommen nicht vorwärts, wenn sich die geistigen Arbeiter der verschiedenen Betriebszweige absondern und Extrawürste braten, denn die Kategorie, die Bezeichnung «geistige Arbeiter» hat keine Berechtigung. Man müßte Verständnis dafür wecken, daß sich die geistigen Arbeiter der einzelnen Betriebszweige den anderen Arbeitern anschließen. Nur dann wird etwas Vernünftiges herauskommen.

[ 40 ] I believe that, in principle, it will not be beneficial if, in addition to the actual workers’ councils, a separate council of intellectual workers is formed. Perhaps this will have to be an important point of discussion should the lectures I was asked to give actually take place. I believe that nothing good can come of separating intellectual workers as a distinct category of “intellectual workers” from the other workers. Workers who are employed in a specific area of a business—even if they are intellectual workers—belong to the workforce of that particular branch of the business. There must be a sense of solidarity among all workers in the individual branches of the business. We will not make progress if the white-collar workers from the various branches of the business isolate themselves and demand special treatment, because the category and designation “white-collar workers” has no justification. We must foster an understanding that the white-collar workers in the individual branches of the business should join forces with the other workers. Only then will something sensible come of it.

[ 41 ] Nicht einverstanden bin ich mit dem, was gesagt worden ist mit den Worten, daß sich die geistigen Arbeiter mit der handarbeitenden Bevölkerung auf gemeinsamen Boden stellen, wenn sie gemeinsam mit ihr das Programm der Dreigliederung anerkennen. Das ist ja ein allgemein sozualpolitisches Programm, und da stehen sie noch nicht auf dem realen Boden! Man kann viele Programme gemeinsam anerkennen, aber auf einem realen Boden steht man erst, wenn dieser Boden ein Lebensboden ist, wenn man nicht wiederum herausbildet aus dem, was zusammengehört, gleichsam eine aristokratische Schicht. Ich sehe in dieser Absonderung der geistigen Arbeiter eine aristokratische Schichtbildung, das müßte verstanden werden. Und wenn das durchgeführt würde, was ich eigentlich meine, dann würde der geistige Arbeiter vor allen Dingen in der politischen Schulung außerordentlich viel gewinnen, wie ich überhaupt für die nächste Zeit einen großen Wert darauf legen würde, daß der eine von dem anderen lernt.

[ 41 ] I disagree with the statement that intellectual workers stand on common ground with the manual laboring population when they jointly endorse the program of threefold social order. That is, after all, a general socio-political program, and they have not yet reached the level of reality! One can jointly endorse many programs, but one stands on real ground only when that ground is a living foundation—when one does not, in turn, create—out of what belongs together—a sort of aristocratic class. I see in this separation of intellectual workers the formation of an aristocratic class; that must be understood. And if what I actually mean were to be carried out, then the intellectual worker would gain an extraordinary amount, above all in political education—and I would place great value on one learning from the other in the near future.

[ 42 ] Ich möchte daher auch nicht so pessimistisch sein wie der Herr Vorredner, der sagte: Ja, es komme vor allen Dingen darauf an, daß eine gewisse Fachbildung, Fachschulung bei den Betriebsräten die unbedingte Grundlage ist. - Es ist tatsächlich ja heute so, daß derjenige, der die Verhältnisse kennt, weiß, daß aus der gebräuchlichen Fachschulung, die heute ja ganz ein bürgerliches Produkt ist, sich nicht viel gewinnen läßt. Ich verspreche mir mehr von der praktischen Zusammenarbeit, von dem, was entsteht, wenn jeder das mitbringt, was er aus seinen Lebenserfahrungen heraus mitbringen kann. Da werden wir einander schulen, da wird etwas ganz Neues entstehen. Ich könnte mir vorstellen, daß gerade dann, wenn in richtiger Weise die Betriebsräte zusammenarbeiten und auch ohne das philiströse Vorurteil aufrechtzuerhalten, daß man zuerst auf eine Schulbank gehört, und wenn man den ernsten Willen hat, voneinander zu lernen, und aus beider Fehler zu lernen vermag, das Beste erreicht wird. Wir werden vor allen Dingen notwendig haben, in dieser Weise auch von Mensch zu Mensch zu sozialisieren. Sozialisieren heißt ja zusammenarbeiten, einander helfen, Brüderlichkeit entfalten, und das müssen wir gerade auf geistigem Gebiet. Ich habe oftmals zu meinen Zuhörern in den letzten Jahren gesagt, daß die Welt glaubt, daß derjenige, der lernen soll, nur von dem lernen kann, der soundso viele Diplome hat. Wer wirklich lernen will - er mag schon sehr viel gelernt haben -, er lernt unter Umständen furchtbar viel von einem zwei- oder dreijährigen oder nicht einmal so alten Kind. Das ist das Lernen am Leben, und das werden wir besonders pflegen müssen. Wir müssen gerade über die Philistrosität des alten Fachschulsystems hinauskommen, dann werden die Betriebsräte für den Neuaufbau etwas ungeheuer Bedeutendes leisten können. Die Sache sollte nicht pessimistisch angesehen werden, sondern mit Vertrauen. Aus dem Vertrauen wird Tüchtigkeit erwachsen. Dann werden die Betriebsräte keine Dekoration sein, wenn sie nicht selber Dekoration sein wollen.

[ 42 ] I, therefore, do not wish to be as pessimistic as the previous speaker, who said: “Yes, what matters above all is that a certain level of specialized education and training for works council members is the absolute foundation.” - The fact is that anyone familiar with the situation today knows that there is little to be gained from the standard technical training available, which is, after all, a thoroughly bourgeois product. I expect more from practical collaboration—from what emerges when everyone contributes what they can draw from their life experiences. That is where we will educate one another, and something entirely new will emerge. I could have a mental image of the best results being achieved precisely when works councils collaborate in the right way—without clinging to the philistine prejudice that one must first sit in a classroom—and when there is a sincere willingness to learn from one another and to learn from both sides’ mistakes. Above all, we will need to socialize in this way, person to person. Socializing means working together, helping one another, and fostering brotherhood—and we need this especially in the intellectual realm. I have often told my audiences in recent years that the world believes that those who are supposed to learn can only learn from someone who has so many degrees. Anyone who truly wants to learn—even if they have already learned a great deal—may, under certain circumstances, learn an awful lot from a two- or three-year-old child, or even one younger than that. That is learning from life, and we will have to cultivate it especially. We must move beyond the narrow-mindedness of the old vocational school system; then the works councils will be able to make an immensely significant contribution to the reconstruction effort. The matter should not be viewed with pessimism, but with confidence. Competence grows out of confidence. Then the works councils will not be mere window dressing—unless they themselves wish to be.

[ 43 ] Vollständig einverstanden aber bin ich damit, daß die Betriebsräte ein Stoßbock nach zwei Seiten hin sein werden. Ich glaube nicht, daß die Zeit, der wir entgegengehen, wenn wir ernsthaft arbeiten wollen, eine solche sein wird, daß wir uns von den Wogen des Lebens tragen lassen, unter Umständen uns auch zuweilen auf ein sanftes Ruhebett legen können. Wir werden sehr viel arbeiten müssen und dürfen nicht davor zurückschrecken, nach den verschiedenen Richtungen hin Sturmböcke zu sein. Es wird nicht leicht sein, aus dem Zusammenbruch etwas Neues zu schaffen. Wir brauchen uns nur daran zu erinnern, daß die alte Wirtschaftsordnung uns besonders in Deutschland geradezu in das Unsinnige hineingeführt hat. Wir befinden uns nicht nur im Zusammenbruch, sondern auch im Unsinn. Bedenken Sie nur einmal, was es bedeutet, wenn für alles das, was sich angehäuft hat durch die Verheerungen des Krieges, in den nächsten Jahren bloß die Zinsen gezahlt werden sollen! Es ist ja viel mehr, als Dernburg ausgerechnet hat. Es werden jährlich mindestens 30 Milliarden Mark sein; wo sollen die herkommen? 30 Milliarden Mark, die selbstverständlich nicht vorhanden sein werden! Wenn wir irgendwie daran denken, etwas von dem Vergangenen fortzusetzen, dann gehen wir nicht nur unmöglichen Zuständen, sondern geradezu dem Unsinn entgegen. Es wird schwer, sehr schwer werden, aber ich denke, daß derjenige, der ein wenig den Geist der Zeit begreift, sich sagen muß: Wir müssen eben arbeiten, müssen ernsthaft arbeiten. Nur so können wir aus dieser Situation herauskommen.

[ 43 ] I fully agree, however, that the works councils will serve as a buffer on both sides. I do not believe that the times ahead—if we are serious about our work—will be such that we can let ourselves be carried along by the tides of life, or even, under certain circumstances, lie down on a soft bed of rest from time to time. We will have to work very hard and must not shy away from acting as battering rams in various directions. It will not be easy to create something new out of the ruins. We need only remind ourselves that the old economic order—especially in Germany—has led us straight into utter absurdity. We find ourselves not only in a state of collapse, but also in absurdity. Just consider for a moment what it means if, for everything that has accumulated as a result of the devastation of the war, we are to pay nothing but the interest over the next few years! It is, after all, much more than Dernburg calculated. It will amount to at least 30 billion marks annually; where is that money supposed to come from? 30 billion marks that, of course, will not be available! If we even consider continuing anything from the past, then we are heading not only toward impossible circumstances but toward outright nonsense. It will be difficult, very difficult, but I think that anyone who understands the spirit of the times even a little must tell themselves: We simply have to work—we must work earnestly. Only in this way can we get out of this situation.

[ 44 ] Nun möchte ich nur noch darauf hinweisen, daß ich auf die Erwiderung des Herrn Remmele nicht eingehen möchte, und zwar aus dem Grunde, weil es mir noch nicht ganz deutlich ist, worin die Hauptsache seiner Einwendungen besteht. Das, was gesagt wurde, läßt mir doch die ganze Sache merkwürdig erscheinen, denn sehen Sie, Irrlehre kann man schließlich alles nennen. Ich wurde gleich stutzig, als gesagt wurde, es sei das eine Irrlehre wie die Lehre von Dühring, der vor Jahrzehnten das Gleiche gelehrt habe. Ich kenne den Dühring und vermute, daß ihn der Herr Redner wenig kennt, denn ich kann Ihnen ruhig empfehlen: Lesen Sie ihn, dann werden Sie sehen, daß er nicht das Gleiche gewollt hat, sondern etwas, was sich von dem, was ich für notwendig halte, völlig unterscheidet. Ich halte das, was Dühring gelehrt hat, für einen Ausbruch eines auf die menschliche Gesellschaft etwas wütenden Menschen, der von der Wirklichkeit nicht viel kennt. Es ist zuweilen geistreich, aber nicht etwas, was in der Wirklichkeit angewendet werden kann. So flüchtig sind dann solche Einwendungen. Ich glaube, es ist vielleicht nicht günstig, mit vielen Worten auf diese Dinge einzugehen, denn es wird sich schon mit der Zeit an der Art und Weise zeigen, wie die Worte, die zunächst ja gesprochen werden können aus der Wirklichkeit heraus, sich auch wiederum in Taten umwandeln und in die Wirklichkeit einleben können. Ich bin beruhigt, wenn die Wirklichkeit prüft, was ich sage. Ich glaube, sie wird das, was ich zu sagen habe, aufzunehmen wissen.

[ 44 ] Now I would just like to point out that I do not wish to address Mr. Remmele’s response, for the reason that it is not yet entirely clear to me what the main point of his objections is. What has been said makes the whole matter seem rather strange to me, for, you see, after all, anything can be called a heresy. I became suspicious right away when it was said that this was a heresy like the doctrine of Dühring, who taught the same thing decades ago. I am familiar with Dühring and suspect that the speaker knows him only a little, for I can confidently recommend that you: Read him, and you will see that he did not mean the same thing, but rather something that is completely different from what I consider necessary. I regard what Dühring taught as the outburst of a man somewhat enraged by human society, who knows little of reality. It is witty at times, but not something that can be applied in reality. Such objections are, after all, so fleeting. I believe it may not be advisable to dwell on these matters at length, for time will reveal how the words—which, after all, can initially be spoken based on reality—can in turn be transformed into deeds and take root in reality. I am reassured when reality puts what I say to the test. I believe it will know how to take in what I have to say.

[ 45 ] Über das, was gegen die Unterschriften des Aufrufes gesagt wurde, hat ja Herr Molt zu Ihnen gesprochen, und ich glaube, daß Sie in dieser Beziehung durch Ihre Zustimmung, die Sie Herrn Molt dargebracht haben, wirklich Ihr gründliches Verständnis gezeigt haben für etwas, was durchaus notwendig ist. Sie können ganz sicher sein, aus einer solchen Gesinnung heraus, wie sie gezeigt worden ist von denjenigen, die diesen «Aufruf» unterschrieben haben, werden nicht viele Unternehmer handeln. Aber diejenigen, die so handeln, die sind sich voll bewußt, daß einerseits dieser «Aufruf», diese Impulse ganz bestimmt nicht um der Fabrikanten willen aufgestellt wurden, sondern, wenn die Fabrikanten damit etwas zu tun haben sollen, dann müssen sie sich aus freiesten menschlichen Gründen heraus zu ihnen bekennen. Die Fabrikanten können höchstens sich zum «Aufruf» bekennen, aber der «Aufruf» hat auf sie keine Rücksicht zu nehmen und wird es nicht tun. Das auf der einen Seite. Auf der anderen Seite muß gesehen werden, daß es notwendig sein wird, gerade mit solchen Menschen zu arbeiten, die aus ernstestem Willen heraus sich zu der Sache der Sozialisierung, des sozialen Fortschritts im objektiven Sinne überhaupt bekennen, denn sonst haben Sie nur die Wahl — da ja schließlich diejenigen noch gebraucht werden, die irgendwelche Sachkenntnis haben -, es entweder so zu machen, daß sie die Spitzen besetzen und alles sonst beim alten lassen — dazu haben wir ja auch Beispiele -, oder aber Sie setzen sich der Gefahr aus, daß von jener Seite aus alles sabotiert wird.

[ 45 ] Mr. Molt has already spoken to you about the objections raised against the signatures on the appeal, and I believe that, in this regard, by expressing your agreement with Mr. Molt, you have truly demonstrated your thorough understanding of something that is absolutely necessary. You can be absolutely certain that not many business owners will act out of the same mindset as that demonstrated by those who signed this “appeal.” But those who do act this way are fully aware that, on the one hand, this “appeal” and these impulses were certainly not put forward for the sake of the factory owners; rather, if the factory owners are to have anything to do with it, they must commit to it of their own free will. At most, the manufacturers can declare their support for the “appeal,” but the “appeal” need not—and will not—take them into consideration. That is one side of the matter. On the other hand, it must be recognized that it will be necessary to work precisely with those people who, out of the most sincere conviction, are committed to the cause of socialization and social progress in the objective sense—for otherwise you have only one choice—since, after all, those with some expertise are still needed— either to have them occupy the top positions and leave everything else as it is—we have examples of this, after all—or else you run the risk of everything being sabotaged from that side.

[ 46 ] Es handelt sich also darum, daß wir nicht nur eine richtige Gesinnung empfindungsgemäß einzuschätzen wissen, sondern wir müssen auch imstande sein, einzusehen, was notwendig ist, einzusehen, daß wir nicht hinarbeiten auf die Sabotage derjenigen, die heute aus der alten Anschauung heraus nicht das Neue entwickeln wollen. Wir müssen einsehen, daß wir genötigt sind, mit denjenigen zusammenzuarbeiten, die nicht aus egoistischem Interesse heraus, sondern um der Sache willen sich dem «Aufruf» angeschlossen haben. Das ist bei den Unterzeichnern geschehen, sonst stünden sie nicht darauf. Denn ich habe noch nicht festgestellt, daß jemand, um seine egoistischen Interessen zu befriedigen, sich just hinter mich gestellt hat. Das ist eine Erfahrung, die ich mein ganzes Leben hindurch gemacht habe. Sie werden keine allzu schlechten Erfahrungen machen. Verzeihen Sie diese persönliche Bemerkung, aber wir werden noch manche sachliche Frage, eben wie es der Ernst der Zeit fordert, ausführlich besprechen werden können. In dem kurzen Schlußwort konnte ich nur einiges andeuten, aber ich hoffe, die Besprechungen werden fortgesetzt werden können.

[ 46 ] The point, then, is that we must not only be able to intuitively assess the correct attitude, but we must also be able to recognize what is necessary—to realize that we are not working toward sabotaging those who, based on their old views, do not wish to develop the new today. We must realize that we are compelled to work together with those who have joined the “Call” not out of selfish interest, but for the sake of the cause. This is what has happened with the signatories; otherwise, their names would not appear on the list. For I have yet to find anyone who has aligned themselves with me precisely to satisfy their own selfish interests. This is an experience I have had throughout my entire life. You will not have all that bad an experience. Please forgive this personal remark, but we will yet be able to discuss many substantive issues in detail, just as the gravity of the times demands. In this brief closing statement, I could only hint at a few things, but I hope the discussions can be continued.