Work Councils And Socialization
Discussion Evenings with Workers' Committees
GA 331
22 May 1919, Stuttgart
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Work Councils and Socialization, tr. SOL
Erster Diskussionsabend
First Discussion Evening
Einleitende Worte von Rudolf Steiner
Introductory Remarks by Rudolf Steiner
[ 1 ] Meine sehr verehrten Anwesenden! Sie haben soeben gehört, in welcher Weise der heutige Abend verlaufen soll. Wir werden in der ganzen Bewegung, die dem sozialen Neuaufbau dienen soll, am besten vorwärtskommen, wenn wir auf diesem Weg der Fragestellung und freien Aussprache versuchen, uns über das zu verständigen, was geschehen soll. Da ich mich ja erst durch Ihre späteren Diskussionsbeiträge über das, was heute abend verhandelt werden soll, zu unterrichten haben werde, erlaube ich mir, nur mit ein paar Worten auf einiges aufmerksam zu machen, da es vielleicht gut ist, wenn es unseren Disputationen vorausgeschickt wird. Vor allen Dingen möchte ich noch einmal besonders betonen, daß sich dieser «Bund für Dreigliederung des sozialen Organismus» in gewisser Beziehung unterscheidet von anderen, von parteimäßigen Bewegungen, ohne daß diese parteimäßigen Bewegungen durch diesen «Bund für Dreigliederung» irgendwie gestört oder beeinträchtigt werden sollen. Wenn der «Bund für Dreigliederung des sozialen Organismus» glaubt, heute tätig werden zu müssen, so geschieht es ja aus einem ganz bestimmten Grund heraus.
[ 1 ] Ladies and gentlemen! You have just heard how this evening’s proceedings are to unfold. We will make the most progress in the entire movement aimed at social reconstruction if, through this process of posing questions and engaging in free discussion, we strive to reach a consensus on what needs to be done. Since I will only learn about what is to be discussed this evening through your subsequent contributions to the discussion, I will take the liberty of drawing your attention to a few points with just a few words, as it may be helpful to address them before we begin our deliberations. Above all, I would like to emphasize once again that this “League for the Threefold Social Order” differs in certain respects from other, party-based movements, without this “League for the Threefold Social Order” intending in any way to disrupt or interfere with those party-based movements. If the “League for the Threefold Social Order” believes it must take action today, it does so for a very specific reason.
[ 2 ] Sie alle wissen gut, wie lange schon in einer mehr gefühlsmäßigen Weise der Ruf nach Sozialisierung durch die Welt geht. Sie alle wissen auch, daß dieser Ruf nach Sozialisierung heute eine besonders drängende Gestalt angenommmen hat. Sie wissen, daß wir aus Wirrnis und Chaos nicht herauskommen können, wenn wir nicht dem Rechnung tragen, was in der Forderung nach Sozialisierung enthalten ist, wenn wir nicht ernsthaft durch die Tat das anstreben, was wirklich Sozialisierung genannt werden kann.
[ 2 ] You all know very well how long the call for socialization has been echoing around the world in a more emotional way. You all also know that this call for socialization has taken on a particularly urgent form today. You know that we cannot escape confusion and chaos unless we take into account what is contained in the demand for socialization, unless we earnestly strive through action for what can truly be called socialization.
[ 3 ] Auf der anderen Seite sehen wir, daß sich ja gerade seit dem Beginn der Deutschen Revolution so vielfach zeigt, wie zwar der Ruf nach Sozialisierung da ist, wie es aber zugleich an Vorstellungen darüber fehlt, was man nun eigentlich tun soll, wie das nun eigentlich in die Tat umgesetzt werden soll, was als Sozialisierung verlangt wird. Gerade jetzt bekommt man jeden Tag aufs neue Beweise dafür, wie wenig sich die Menschen klar darüber sind, was geschehen soll, um die Sozialisierung herbeizuführen. Und so sehen wir, daß immer deutlicher und deutlicher, immer berechtigter und berechtigter der Ruf nach Sozialisierung ertönt, daß aber von seiten der Regierung für eine wahre Sozialisierung nichts Erhebliches, ja nicht einmal Unerhebliches geschieht. Ja, wir können sogar sagen — vielleicht werden Sie sich nachher im Verlauf der Disputation gerade über diese Frage näher aussprechen oder auch genauer unterrichten wollen -, daß man aus dem, was geschieht, deutlich ablesen kann, daß keine Vorstellung von einer wirklichen Sozialisierung da ist.
[ 3 ] On the other hand, we see that, especially since the beginning of the German Revolution, it has become abundantly clear that while there is a call for socialization, there is at the same time a lack of concrete mental images about what actually needs to be done, how this is actually to be put into practice, and what socialization actually entails. Right now, we are seeing fresh evidence every day of just how little people understand what needs to happen to bring about socialization. And so we see that the call for socialization is growing ever clearer and more justified, yet the government is doing nothing significant—indeed, not even anything insignificant—to bring about true socialization. Indeed, we can even say—perhaps you will wish to elaborate on this very question or provide more detailed information later in the course of the debate—that it is clear from what is happening that there is no mental image of genuine socialization.
[ 4 ] Sie werden vielleicht jenen Gesetzesentwurf gelesen haben, der ja in die Wege leiten soll - so sagt man ja wohl in der bürokratischen Sprache - die Institution der sogenannten Betriebsräte. Natürlich denkt man zunächst an den Stellen, an denen man solche Dinge heute in die Wege leiten will, daran, Gesetze zu machen darüber, was Betriebsräte tun sollen, was ihre Rechte sein werden und so weiter. Aber nehmen Sie das Ganze, was da als Entwurf jetzt in die Welt gegangen ist, so werden Sie sich sagen müssen: Ja, das trägt auch nicht im geringsten den Stempel einer wahren Sozialisierung. Man nennt es sogar «Sozialisierung der Betriebe», als ob man die einzelnen Betriebe in Wirklichkeit sozialisieren könnte! Was in diesem Entwurf für die Konstituierung der Betriebsräte enthalten ist, das ist ja nichts anderes als, ich möchte sagen, das Hineinfließenlassen eines gewissen demokratischen Prinzips des uns sattsam bekannten Parlamentarismus in die einzelnen Betriebe. Man nennt die Sache ja heute schon vielfach «Demokratisierung der Betriebe». Das parlamentarische Prinzip soll gewisse Ausläufer, solche Meerbusen ausstrecken, die in die Betriebe hineingeleitet werden, in denen dann weiter parlamentarisiert werden soll. Ja, so wenig der bisherige Parlamentarismus, indem er in der Abgeschlossenheit in allerlei «Häusern» praktiziert wurde, irgend etwas zur Sozialisierung hat beitragen können, ebensowenig wird dieses Ausstrecken der parlamentarischen Meerbusen den Betrieben etwas bringen können von dem, was Sozialisierung ist. Sie sehen es ja am besten daran, daß in diesem Entwurf überall in der ganz alten Weise geredet wird vom «Arbeitgeber» und «Arbeitnehmer». Wenn es auch nicht offen ausgesprochen wird, so ist es doch so, daß hinter all dem der alte Kapitalismus auch weiterhin lauert. Es ist alles in der alten kapitalistischen Form gedacht. Es soll im Grunde genommen alles beim alten bleiben, und die Arbeitnehmer sollen dadurch beruhigt werden, daß nun irgendwie Betriebsräte gewählt werden können, die allerlei theoretische Verhandlungen zu pflegen haben mit den Unternehmern. Aber mit Bezug auf die eigentliche soziale Gestaltung soll doch letztlich alles beim alten bleiben. Das kann derjenige aus einem solchen Entwurf deutlich herauslesen, der einen Sinn dafür hat, so etwas überhaupt zu lesen. Es ist auch nicht der allergeringste Anlauf genommen worden, um den Kapitalismus wirklich abzubauen. Und so sehen wir, daß schon die allererste Forderung der Sozialisierung, der Abbau des Kapitalismus, nicht in Angriff genommen wird durch das, was jetzt so vielfach Sozialisierung genannt wird.
[ 4 ] You may have read that draft bill, which is supposed to establish—as they say in bureaucratic language—the institution of the so-called works councils. Of course, in the places where such things are being initiated today, the first thought is to enact laws specifying what works councils are supposed to do, what their rights will be, and so on. But if you take a look at the entire draft that has now been released, you’ll have to admit: Yes, this doesn’t bear the mark of true socialization in the slightest. They even call it the “socialization of enterprises,” as if individual enterprises could actually be socialized! What this draft contains regarding the formation of works councils is, in my view, nothing more than the infusion of a certain democratic principle—that of the parliamentary system with which we are all too familiar—into individual enterprises. Indeed, this is already widely referred to today as the “democratization of enterprises.” The parliamentary principle is supposed to extend certain offshoots—like inlets—into the enterprises, where the process of parliamentarization is then to continue. Just as the parliamentary system to date—practiced in isolation within all sorts of “houses”—has contributed nothing to socialization, so too will this extension of parliamentary “inlets” into the workplaces bring nothing to them in terms of what socialization actually is. You can see this most clearly in the fact that this draft speaks throughout, in the very old way, of the “employer” and the “employee.” Even if it is not openly stated, the fact remains that old capitalism continues to lurk behind it all. Everything is conceived in the old capitalist form. Essentially, everything is to remain as it was, and workers are to be reassured by the fact that works councils can now somehow be elected to conduct all sorts of theoretical negotiations with the employers. But when it comes to the actual social restructuring, everything is ultimately to remain as it was. Anyone with a sense for reading such a draft can clearly see this. Nor has even the slightest attempt been made to truly dismantle capitalism. And so we see that even the very first demand of socialization—the dismantling of capitalism—is not being addressed by what is now so often called socialization.
[ 5 ] Was soll man eigentlich angesichts einer solchen Regierung noch an Gedanken entwickeln können? Man kann doch heute wahrhaftig nicht mehr zu einem anderen Gedanken kommen als zu dem, daß die einzige Rettung darin besteht, daß sich die große Masse der Arbeiter nun wirklich unterrichtet über das, was die Schäden der sozialen Ordnung bisher hervorgebracht hat, und daß sie sich unterrichtet über das, was nun wirklich eine Besserung bringen kann. Es ist schon die Aufklärung dasjenige, um was es sich vor allen Dingen handelt. In diesem Zusammenhang ist es wichtig, daß jetzt nicht mehr auf die gehört werden sollte, die immer wieder sagen: Ja, die Aufklärung dauert aber lang. - Sie braucht nicht lange zu dauern, wenn wir uns nur ein wenig Mühe geben wollen, die Dinge ohne Masken und Illusionen zu sehen, wenn wir uns bemühen, die Dinge so zu sehen, wie sie sind und wie sie geschehen müssen. Wir haben nicht mehr die Zeit, jahrelang auf eine Sozialisierung zu warten. Es muß unmittelbar etwas geschehen. Aber es kann nur etwas geschehen, wenn eine geschlossene Masse von Menschen dasjenige, was geschehen soll, trägt. Immer wieder fragen die Leute: Ja, wo ist denn die praktische Anweisung zu dem, was zum Beispiel in meinem Buch «Die Kernpunkte der sozialen Frage in den Lebensnotwendigkeiten der Gegenwart und Zukunft» steht? — Das nächstliegende Praktische ist, daß möglichst viele Leute da sind, die das fordern, was in meinem Buch steht, so daß es ganz unmöglich wird, gegen diese Forderungen noch weiter zu regieren. Darin besteht die zukünftige Macht, daß sie sich dasjenige erzwingen wird, um was es sich handelt. Sonst wird eine Macht eben niemals wissen, wie sie eben diese Macht ausnützen soll, was sie tun soll. Es kommt wirklich darauf an, zu wissen, was man tun soll. Deshalb muß in den weitesten Kreisen eine sachgemäße Aufklärung stattfinden, und man muß sich eine Vorstellung machen können von dem, wie so etwas vor sich gehen kann wie der Abbau des Privatkapitals und die Abschaffung des Lohnsystems.
[ 5 ] What kind of thoughts can one even possibly form in the face of such a government? Truly, one can no longer come to any other conclusion today than that the only salvation lies in the vast majority of workers now truly educating themselves about the harm that the social order has caused so far, and in their educating themselves about what can truly bring about improvement. Enlightenment is, above all else, what matters most. In this context, it is important that we no longer listen to those who keep saying, “Yes, but enlightenment takes a long time.”—It need not take long if we are only willing to make a little effort to see things without masks or illusions, if we strive to see things as they are and as they must happen. We no longer have the time to wait years for socialization to take place. Something must happen immediately. But something can only happen if a united mass of people supports what is to be done. Time and again, people ask: “Well, where are the practical instructions regarding what is written, for example, in my book The Key Points of the Social Question in the Necessities of Life in the Present and Future?” — The most obvious practical step is for as many people as possible to demand what is written in my book, so that it becomes completely impossible to continue governing against these demands. Therein lies the power of the future: it will force through exactly what is at stake. Otherwise, a power will simply never know how to exercise that very power, or what it is supposed to do. It really comes down to knowing what to do. That is why proper education must take place in the broadest circles, and people must be able to form a mental image of how something like the dismantling of private capital and the abolition of the wage system can take place.
[ 6 ] Vor allen Dingen muß man sich von folgendem eine gründliche Vorstellung machen können. Sehen Sie, die eigentliche Wirtschaftsfrage, wo zeigt sie sich denn? Man muß sie am richtigen Ort sehen können. Man muß sich nicht durch graue Theorien die Tatsachen verdunkeln lassen. Man muß die Wirtschaftsfrage da sehen, wo sie ist, und von dort ausgehen. Wo ist sie? Wo ist sie als Tatsache? Nun, sie ist da, wo ich mein Portemonnaie aus der Tasche herausnehmen muß und in ihr das Geld haben soll, für das ich mir etwas zur Befriedigung meiner Lebensbedürfnisse in einem Laden besorgen soll. Und es muß durch den Wirtschaftsvorgang so viel in meinem Portemonnaie sein können, daß ich mir die lebensnotwendigen Dinge besorgen kann. Das ist die Grundtatsache allen Wirtschaftslebens. Alles übrige ist heute im Grunde genommen nur dazu da, um diese Tatsache zu verdunkeln.
[ 6 ] Above all, one must be able to form a thorough mental image of the following. You see, the actual economic issue—where does it manifest itself? One must be able to see it in the right place. One must not allow gray theories to obscure the facts. One must see the economic issue where it is, and proceed from there. Where is it? Where is it as a fact? Well, it is there where I have to take my wallet out of my pocket and have the money in it to buy something in a store to satisfy my basic needs. And the economic process must ensure that there is enough in my wallet for me to purchase the necessities of life. That is the fundamental fact of all economic life. Everything else today is, in essence, there only to obscure this fact.
[ 7 ] Warum fordert der dreigliedrige soziale Organismus eine Loslösung des Wirtschaftslebens vom Rechtsleben und vom Geistesleben? Er fordert diese Loslösung aus dem Grunde, damit das Wirtschaftsleben in sich wirklich sozialisiert werden kann, so daß man es endlich in seiner wahren Gestalt vor sich hat, in der wahren Gestalt, die sich als Vorgang abspielt zwischen der Ware im Laden und dem Inhalt des Geldbeutels. Nur dann, wenn wir aus dem ganzen übrigen Gesellschaftsprozeß das herauslösen, was sich zwischen Portemonnaie und Laden abspielen muß, versetzen wir uns in die Lage, richtig sozialistisch zu denken. Was heißt das aber? Das heißt sehr viel. Wenn man aber nicht von der richtigen Tatsache ausgeht, dann kann man auch mit Bezug auf alle übrigen Dinge nicht zu richtigen Ansichten kommen.
[ 7 ] Why does the threefold social organism call for a separation of economic life from legal life and spiritual life? It calls for this separation so that economic life can be truly socialized within itself, so that we may finally see it in its true form—the true form that unfolds as a process between the merchandise in the store and the contents of the wallet. Only when we separate from the rest of the social process what must take place between the wallet and the store do we put ourselves in a position to think in a truly socialist way. But what does that mean? It means a great deal. However, if one does not start from the correct facts, then one cannot arrive at correct views regarding all other matters either.
[ 8 ] Ich werde mich aus Ihrer Disputation unterrichten über das, was über die Einzelheiten zu sagen ist. Aber zuvor möchte ich notwendige Richtlinien angeben, wobei ich von der eben geschilderten wirtschaftlichen Grundtatsache ausgehen werde. Sehen Sie, wenn sich in einem Laden irgend etwas befindet, was ich zur Befriedigung meiner Lebensbedürfnisse brauche, und ich komme mit meinem Portemonnaie und gebe aus diesem Portemonnaie das Geld für die Ware hin, dann muß man sich klar darüber sein, daß darin zunächst ein Vorgang enthalten ist, der schon etwas den wahren Tatbestand vertuscht. Ich bekomme Ware, ich gebe Geld hin. Ist das Geld eine Ware? Kann das Geld jemals eine Ware sein? Sie brauchen wirklich keine tiefsinnigen Studien zu machen, aber die tiefsinnigen Studien beweisen gerade das, was ich jetzt sagen werde.
[ 8 ] I will draw on your discussion to learn what needs to be said about the details. But first, I would like to set out some necessary guidelines, based on the fundamental economic fact I have just described. You see, if there is something in a store that I need to satisfy my basic needs, and I come with my wallet and pay for the goods out of that wallet, then one must be clear that this initially involves a process that somewhat obscures the true nature of the situation. I receive goods; I hand over money. Is money a commodity? Can money ever be a commodity? You really don’t need to conduct any in-depth studies, but those in-depth studies prove precisely what I am about to say.
[ 9 ] Sie brauchen nur einen wirklichen Lebenssinn dafür zu haben, was ein Stück Papier ist, und Sie werden sich sagen: Ein Stück Papier kann niemals in derselben Weise Ware sein wie zum Beispiel ein Laib Brot, den Sie im Laden kaufen. Ich meine, das ist etwas, was der schlichteste Verstand einsehen kann, und etwas anderes kann keine Wissenschaft behaupten. Das, was Sie als Geldzettel aus Ihrem Portemonnaie herausnehmen, kann keine Ware sein, sondern nur eine Anweisung auf den Erhalt einer Ware, nichts anderes. Deshalb muß es aber herkommen von der Ware. Es muß einmal eine Ware erzeugt, also etwas geleistet worden sein. Leistungen sind in diesem Sinne auch Ware. Dieses Papierstück muß geschaffen worden sein durch einen solchen Vorgang, der Ware, der Leistung hervorbringt, und so bildet das Papierstück nur die Brücke zwischen der Ware, die Sie im Laden kaufen, und jener Ware, die einmal erzeugt sein muß, damit man auf diese Ware die Papieranweisung hat erhalten können. Das ist, schlicht gesagt, der Wirtschaftsprozeß. Jedes andere Element im Wirtschaftsprozeß ist ungesund. Es kann im Wirtschaftsprozeß nichts anderes getauscht werden, wenn er gesund sein soll, als Ware gegen Ware.
[ 9 ] You just need to have a real sense of what a piece of paper is, and you’ll say to yourself: A piece of paper can never be a commodity in the same way as, say, a loaf of bread that you buy at the store. I mean, that’s something even the simplest mind can understand, and no science can claim otherwise. What you take out of your wallet as a banknote cannot be a commodity, but only an instruction to receive a commodity—nothing else. Therefore, however, it must originate from a commodity. A commodity must first have been produced—that is, something must have been provided. In this sense, services are also commodities. This piece of paper must have been created through a process that produces a commodity or a service, and thus the piece of paper merely forms the bridge between the commodity you buy in the store and the commodity that must first have been produced so that you could have received this paper instruction for that commodity. That, simply put, is the economic process. Any other element in the economic process is unhealthy. If the economic process is to be healthy, nothing else can be exchanged within it except commodity for commodity.
[ 10 ] Nun fragen wir aber: Wird heute im Wirtschaftsprozeß bloß Ware gegen Ware getauscht? Nein, und sobald man sich das ordentlich überlegt, kommt man auf das, um was es sich handelt. Heute wird im Wirtschaftsprozeß nicht bloß Ware gegen Ware getauscht, sondern heute wird im Wirtschaftsprozeß noch Ware, wenn auch vielleicht repräsentiert durch das Geld, also Ware oder Geld getauscht gegen Arbeit. Die Arbeitskraft wird heute im Wirtschaftsprozeß ebenso bezahlt wie Ware. Dadurch aber ist die Arbeitskraft in den Wirtschaftsprozeß hineingestellt.
[ 10 ] But let us ask: Is it merely goods for goods that are exchanged in today’s economic process? No, and as soon as one thinks it through properly, one realizes what is really at stake. Today, in the economic process, it is not merely commodities that are exchanged for commodities; rather, commodities—albeit perhaps represented by money—that is, commodities or money, are exchanged for labor. Labor power is paid for in the economic process just as commodities are. As a result, however, labor power is incorporated into the economic process.
[ 11 ] Sehen Sie, es gibt eine ganz schlichte Überlegung, die Ihnen zeigen kann, daß die Arbeitskraft gar nicht in den Wirtschaftsprozeß hineingehört, weil sie in ihrer Art eigentlich niemals mit irgendeiner Ware verglichen werden kann. Man muß nur mit Bezug auf solche Dinge heute die ganz vertrackten Vorstellungen der Menschen zurechtrücken. Man muß darauf kommen, wie die Menschen gelernt haben, über diese Dinge verkehrt zu denken.
[ 11 ] You see, there is a very simple line of reasoning that can show you that labor does not belong in the economic process at all, because by its very nature it can never really be compared to any commodity. One simply has to set straight people’s very convoluted mental images about such things today. One must figure out how people came to think about these things in the wrong way.
[ 12 ] Sehen Sie einmal, es ist doch Arbeitsleistung verbunden mit einer gewissen Anstrengung des menschlichen Organismus. Nun, der Mensch kann sogar, auch wenn er es nicht nötig hat, zum Beispiel Holz zu hacken, das Bedürfnis haben, dennoch zu arbeiten. Dann treibt er zum Beispiel Sport. Und die Arbeitsmenge, die einer auf den Sport verwendet, die könnte unter Umständen gerade ebensoviel den Körper abnutzen — wenn er sich beim Sport besonders anstrengt — wie die Arbeit dessen, der Holz hackt, den Körper abnutzt. Die Arbeit hat nichts zu tun mit dem wirtschaftlichen Prozeß, sondern die Arbeit hat nur dadurch mit dem Wirtschaftsprozeß etwas zu tun, daß sie auf etwas wirtschaftlich Wertvolles angewendet wird. Sport ist etwas wirtschaftlich Wertloses, ist bloß für den Egoismus des Menschen da. Holzhacken ist wertvoll. Dadurch, daß die Arbeit wirtschaftlich wertvoll ist, wird sie Bestandteil des Wirtschaftsprozesses. Aber das, was bei der Arbeit das Wesentliche ist, das ist, daß ich in bezug auf die Verwendung meiner Arbeit ein freier Mensch sein muß, daß ich nicht durch einen wirtschaftlichen Zwang dazu veranlaßt werden kann, meine Arbeit in einer beliebigen Weise in den Dienst des Kapitalismus zu stellen. Wenn es sich um die Verwendung der Arbeitskraft handelt, da greifen Freiheit und Unfreiheit und Zwang ein. Wie die Arbeit als solche ein Gegenstand des Rechts sein muß und nicht ein Gegenstand des Wirtschaftslebens, ist daher dasjenige, was man sich in ganz einfacher Weise klarmachen muß.
[ 12 ] Look, it’s work that involves a certain amount of physical exertion. Now, even if a person has no need to, say, chop wood, they may still feel the need to work. In that case, they might engage in sports, for example. And the amount of effort one expends on sports could, under certain circumstances—if they exert themselves particularly hard—wear down the body just as much as the work of someone chopping wood wears down the body. Work has nothing to do with the economic process; rather, work is related to the economic process only insofar as it is applied to something of economic value. Sports are of no economic value; they exist solely for the sake of human self-interest. Chopping wood is valuable. Because the work is of economic value, it becomes part of the economic process. But what is essential about work is that, with regard to the use of my labor, I must be a free person—that I cannot be compelled by economic coercion to put my labor at the service of capitalism in any arbitrary way. When it comes to the use of labor, freedom, lack of freedom, and coercion come into play. Therefore, it is essential to understand quite simply that work as such must be a matter of law and not a matter of economic life.
[ 13 ] Im Wirtschaftsleben hat nur das eine Bedeutung, was durch Arbeit erzeugt, hervorgebracht wird; das muß bezahlt werden. Nicht aber muß dasein ein Unternehmer, der einem Arbeiter seine Arbeitskraft bezahlt. Wie sich der Arbeitsleiter und der Arbeiter zueinander verhalten, das muß auf einem ganz anderen Boden, auf dem Boden des Rechts, ausgemacht werden. In bezug auf das Wirtschaftsleben können, wenn wirkliches Recht vorhanden ist, der Arbeiter und der Arbeitsleiter nur Gesellschafter sein, die den Ertrag der Leistung in gerechter Weise unter sich verteilen. In Zukunft darf es keine Bezahlung der Arbeitskraft mehr geben, das heißt: Das Lohnverhältnis muß weg, das Lohnverhältnis darf ferner nicht existieren.
[ 13 ] In economic life, the only thing that matters is what is produced through labor; that must be paid for. However, there need not be an entrepreneur who pays a worker for his labor. The relationship between the supervisor and the worker must be determined on an entirely different basis—that of the law. With regard to economic life, if true justice prevails, the worker and the employer can only be partners who distribute the proceeds of their labor fairly among themselves. In the future, there must be no more payment for labor—that is to say, the wage relationship must be abolished; furthermore, the wage relationship must not be allowed to exist.
[ 14 ] Es muß ein Zustand herbeigeführt werden, und das ist dann ein sozialer Zustand, in dem der Arbeitsleiter und der Arbeiter die Waren gemeinschaftlich erzeugen und das, was sie als freie Gesellschafter miteinander erzeugen, in einer gerechten Weise nach dem Warenvertrag, nicht nach dem Arbeitsvertrag, miteinander teilen. Erst wenn eine solche Umgestaltung der Produktionsverhältnisse herbeigeführt wird, kann man von Soztalisierung sprechen. Dann hört man aber auch damit auf, in einem Sozualisierungsprogramm alle die alten Begriffe, die noch auf dem Kapitalismus basieren, zu verwenden. Man muß ganz gründlich umdenken. Man muß wirklich die alten Vorstellungen über den Haufen werfen, nicht etwa bloß weil sie Vorstellungen sind, sondern weil sie im Leben drinnenstecken.
[ 14 ] A new state of affairs must be brought about—a social state in which the supervisor and the worker jointly produce goods and share what they produce together as free partners in a just manner, based on a commodity contract rather than an employment contract. Only when such a transformation of the relations of production has been brought about can one speak of socialization. But then one must also stop using all the old concepts—those still based on capitalism—in a socialization program. One must completely rethink things. We must truly cast aside the old mental images—not merely because they are mental images, but because they are embedded in our lives.
[ 15 ] Nun muß aber noch etwas beachtet werden. Wenn die Arbeitskraft innerhalb des Wirtschaftsprozesses in ein Zwangsverhältnis gestellt werden soll, dann muß etwas dasein. Was ist denn das? Sehen Sie, da muß ich wieder zurückkommen auf die Urtatsache des Wirtschaftsprozesses, auf das Portemonnaie und den Laden. Wenn der Zettel, den ich im Portemonnaie habe, wirklich nichts anderes ist als die Anweisung auf eine Ware, dann kann im Grunde genommen gar kein Arbeitszwang herrschen, denn dann muß in irgendeiner Weise dieser Schein immer zurückführen auf etwas, was als Leistung in die Welt gesetzt worden ist. Und es handelt sich nur darum, daß dann diese Leistung in der entsprechenden Weise zirkuliert, zirkuliert so, daß der Verbrauch die Produktion jederzeit regelt. Aber so ist die Sache ja heute nicht. Das, was ich da im Portemonnaie trage, das ist nämlich durch den Wirtschaftsprozeß der neueren Zeit etwas ganz anderes geworden als eine Anweisung auf die Ware. Das ist nämlich selber Ware geworden, ist etwas geworden, was in der sozialen Ordnung einen selbständigen Wert hat. Das ist es aber nur dadurch geworden, daß eine Warenart -— die im Grunde genommen ganz ausgeschaltet werden könnte, wenn sie nur der führende Handelsstaat England auch mit ausschalten würde, dann könnte sie ganz aus dem Wirtschaftsprozeß ausgeschaltet werden, in einem inneren Wirtschaftsprozeß kann sie immer ausgeschaltet werden, man würde dann nur noch gegenüber dem Ausland eine andere Rücksicht zu nehmen brauchen -—, daß dieser Schein, den ich im Portemonnaie trage, eine andere Bedeutung hat, als eine bloße Anweisung auf Ware zu sein. Dies rührt nun daher, daß durch die Staatsverhältnisse eine Ware geschaffen worden ist, die eigentlich keine Ware ist, nämlich das Gold oder Silber. Beide sind ja in Wirklichkeit keine Ware, werden aber repräsentiert durch den Schein. Dadurch wird der Geldprozeß losgelöst vom Wirtschaftsprozeß, wird herausgezogen aus dem Wirtschaftsprozeß, dadurch wird das Geld selber zur Ware gemacht, und dadurch kann das Geld, das in Wahrheit keine Ware sein darf, im Wirtschaftsleben für sich ganz selbständig werden. Das ist aber die Grundlage des Kapitalismus.
[ 15 ] But there is still something else to consider. If labor is to be placed in a relationship of compulsion within the economic process, then something must exist. What is that? You see, here I must return once again to the fundamental fact of the economic process: the wallet and the store. If the bill I have in my wallet is really nothing more than an instruction to obtain a commodity, then, strictly speaking, there can be no compulsion to work at all, because then this bill must always, in some way, trace back to something that has been produced as a service. And the only issue is that this output then circulates in the appropriate manner—circulates in such a way that consumption regulates production at all times. But that is not how things are today. What I carry in my wallet has, in fact, become something entirely different from a claim on a commodity through the economic process of modern times. It has, in fact, become a commodity in its own right—something that possesses an independent value within the social order. But it has become this only because a certain type of commodity—which, strictly speaking, could be completely eliminated if only the leading trading nation, England, were to eliminate it as well—could then be entirely removed from the economic process; within a domestic economic process, it can always be eliminated; one would then only need to take a different consideration into account in relation to foreign countries—namely, that this token I carry in my wallet has a different significance than merely being a token representing a commodity. This stems from the fact that, through state relations, a commodity has been created that is not actually a commodity, namely gold or silver. Neither is actually a commodity, but both are represented by the note. As a result, the monetary process is detached from the economic process, drawn out of the economic process; thereby, money itself is turned into a commodity, and thus money—which in truth ought not to be a commodity—can become entirely independent in economic life. But this is the foundation of capitalism.
[ 16 ] [Wenn man mit dem Geld selbständig wirtschaften kann, was entsteht da? Da Geld niemals anders geschaffen werden kann als dadurch, daß Waren erzeugt werden, Ware aber im arbeitsteiligen Wirtschaftsleben nie anders erzeugt werden kann als durch Arbeit, so entsteht Macht über die Arbeitskraft durch das Kapital. Kapital ist nichts anderes als Macht über menschliche Arbeitskraft.] Man bekommt die Möglichkeit, sich menschliche Arbeitskraft zu verschaffen, indem man das Geld als selbständige Ware loslöst von dem Wirtschaftsprozeß, während das Geld eigentlich bloß ein wertloser Schein sein sollte im Sinne einer Anweisung auf das, was man als Ware durch das Geld eintauscht. Durch diese Loslösung des Geldes aber ist die Arbeitskraft zum Knecht der Macht «Kapital» geworden. Dadurch waltet heute etwas in dem Wirtschaftsprozeß, was ihn zum Beispiel in bezug auf die Preisbildung fortwährend verfälscht. Denn während ich nur die Ware bezahlen sollte, muß ich mitbezahlen die Arbeitskraft. Aber weil über die Arbeitskraft die Macht des Kapitals herrscht, wird die Arbeitskraft so billig wie möglich bezahlt, weil natürlich eine Macht, die herrscht, die Tendenz hat, so billig wie möglich einzukaufen. Ist die Arbeitskraft im Wirtschaftsprozeß selbst enthalten, so wird sie durch den Kapitalismus verbilligt.
[ 16 ] [If one can manage one’s finances independently using money, what results? Since money can never be created in any way other than through the production of commodities, and since commodities, in an economic system based on the division of labor, can never be produced in any way other than through labor, capital gives rise to power over labor. Capital is nothing other than power over human labor.] One gains the ability to acquire human labor by separating money—as an independent commodity—from the economic process, whereas money should actually be nothing more than a worthless token in the sense of an instruction regarding what one exchanges for a commodity using that money. But through this separation of money, labor power has become the servant of the power known as “capital.” As a result, something now prevails in the economic process that continually distorts it—for example, with regard to price formation. For while I should be paying only for the commodity, I am forced to pay for labor power as well. But because the power of capital reigns over labor power, labor power is paid as little as possible, since, naturally, a ruling power tends to purchase as cheaply as possible. If labor power is contained within the economic process itself, capitalism drives down its value.
[ 17 ] Worauf es nun ankommt, das ist, daß die Arbeitskraft aus dem Wirtschaftsprozeß heraus muß. Im Wirtschaftsprozeß darf nur Ware sein. Dadurch aber, daß der Wirtschaftsprozeß so verfälscht wird, kann in ihm auch noch anderes sein. Sehen Sie, die Soziualisten haben durch viele Jahrzehnte hindurch immer wieder den Ruf nach der Vergesellschaftung der Produktionsmittel ergehen lassen. Heute aber ist es erforderlich, daß man weiß, wie diese Vergesellschaftung der Produktionsmittel bewirkt werden muß. Es genügt nicht, daß man in abstrakter Form bloß den Ruf nach Vergesellschaftung ergehen läßt, sondern man muß wissen, wie diese vollzogen werden kann. Heute sind wir so weit, daß wir solche Dinge schon verwirklichen können, wenn wir nur wollen, wenn wir nur wirklich den Mut dazu haben.
[ 17 ] What matters now is that labor power must be removed from the economic process. Only commodities may exist within the economic process. However, because the economic process is so distorted, other things can also exist within it. You see, for many decades the socialists have repeatedly called for the socialization of the means of production. Today, however, it is essential to know how this socialization of the means of production must be brought about. It is not enough to merely call for socialization in the abstract; one must know how it can be carried out. Today we have reached the point where we can already make such things a reality—if only we want to, if only we truly have the courage to do so.
[ 18 ] Sehen Sie, bevor wir uns ganz genau unterrichten über die eigentümliche Stellung der Produktionsmittel im heutigen Wirtschaftsleben —- im wesentlichen sind sie ja das Kapital -, ist es gut, wenn wir zuerst noch auf etwas anderes sehen.
[ 18 ] You see, before we examine in detail the unique position of the means of production in today’s economic life—which, in essence, are capital—it would be good to first consider something else.
[ 19 ] Es können ja heute nicht bloß Waren gekauft werden, das heißt dasjenige, was im arbeitsteiligen sozialen ÖOrganismus durch menschliche Arbeitskraft erzeugt wird, sondern man kann heute noch etwas ganz anderes kaufen, was kein Mensch erzeugt, sondern was da ist von Natur aus, das ist der Grund und Boden. Aber dieses Kaufen von Grund und Boden beziehungsweise das Hypotheken-Nehmen auf Grund und Boden ist ja nur ein Verfälschungsprozeß der wirtschaftlichen Ordnung. Das ist ja etwas ganz anderes, als sich die Leute darunter eigentlich vorstellen. Man kann nämlich in Wirklichkeit den Grund und Boden nicht kaufen, denn Grund und Boden sind auch erst ein Wert, wenn darauf gearbeitet wird. Was man kauft, das heißt, was man durch den sogenannten Kauf erwirbt, das ist das ausschließliche Recht, den Grund und Boden zu benützen. Darauf kommt es nur an, auf dieses ausschließliche Recht, den Grund und Boden zu benützen.
[ 19 ] Today, it is not only goods that can be purchased—that is, what is produced by human labor within a social organism based on the division of labor—but one can also purchase something entirely different: something that no human produces, but which exists by nature—namely, land. But this buying of land—or, rather, taking out a mortgage on land—is merely a process that distorts the economic order. It is something entirely different from the mental image people have of it. In reality, one cannot actually buy land, because land only has value when it is worked. What one buys—that is, what one acquires through the so-called purchase—is the exclusive right to use the land. That is all that matters: this exclusive right to use the land.
[ 20 ] Sie kaufen also nicht eine Ware, indem Sie Grund und Boden kaufen, sondern ein Recht. Und das sind die Krebsschäden der heutigen sozialen Ordnung, daß man innerhalb des Wirtschaftsprozesses nicht bloß Waren kaufen kann, sondern auch Arbeit und Rechte kaufen kann. Indem man Arbeit kaufen kann, erwirbt man die Möglichkeit, diese Arbeit in den Wirtschaftsprozeß hineinzuziehen, das heißt zu vergewaltigen. Und indem man das Nutzungsrecht an Grund und Boden kaufen kann, erwirbt man Macht.
[ 20 ] So when you buy land, you are not buying a commodity, but a right. And these are the cancerous flaws of today’s social order: that within the economic process, one can buy not only commodities, but also labor and rights. By being able to buy labor, one acquires the ability to draw that labor into the economic process—that is, to exploit it. And by being able to buy the right to use land, one acquires power.
[ 21 ] Man muß sich klar darüber sein, daß man aus dieser Kalamität überhaupt nicht herauskommt, wenn man der Sache nicht radikal zu Leibe rückt. Ganz genau denselben Wert, den im Wirtschaftsprozeß der Grund und Boden hat, oder besser gesagt dieselbe Bedeutung, haben aber fertiggestellte Produktionsmittel, nicht Produktionsmittel, die erst gemacht werden, sondern die fertiggestellten Produktionsmittel, die dann dazu dienen, daß mit ihnen weiter produziert wird. Diese fertiggestellten Produktionsmittel, die kann man in Wirklichkeit eigentlich auch nicht kaufen. Kauft man sie aber, dann erwirbt man in Wahrheit das Recht, sie ausschließlich zu benutzen. Also, man kauft wiederum ein Recht. Und nun sehen Sie am allerbesten an diesen Produktionsmitteln, daß, wenn sie fertig sind, sie einfach nicht verkäuflich sein dürfen, daß aufhören müssen die Produktionsmittel auf dem Wirtschaftsmarkt einen Wert zu haben. Wenn sie fertiggestellt sind, dann sind sie gerade so wie Grund und Boden. Jetzt stellt sich die Frage, die ja eine wirklich soziale Forderung beinhaltet: Wie schaffen wir es, daß die Produktionsmittel nicht mehr länger einen Wirtschaftswert haben, wenn sie fertig sind? Wir schaffen es nur dadurch - ich habe es vorhin ja schon gesagt —, daß man alles das, was nicht in den Wirtschaftsprozeß hineingehört, in selbständige Glieder des sozialen Organismus übergehen läßt.
[ 21 ] One must be clear that there is no way out of this calamity at all unless one tackles the issue head-on. However, finished means of production—not means of production that are still being made, but rather the finished ones that are then used to continue production—have exactly the same value as land does in the economic process, or rather, the same significance. In reality, these finished means of production cannot actually be bought. But if one does buy them, one is in fact acquiring the right to use them exclusively. So, once again, one is buying a right. And now you can see most clearly from these means of production that, once they are finished, they simply must not be for sale—the means of production must cease to have a value on the economic market. Once they are completed, they are exactly like land. This raises the question—which, after all, involves a truly social demand: How do we ensure that the means of production no longer have economic value once they are finished? We can achieve this only—as I mentioned earlier—by allowing everything that does not belong in the economic process to become independent components of the social organism.
[ 22 ] Was ist denn notwendig für die Produktion? Ist in Wirklichkeit Kapital notwendig? Nein! Es ist eben ein Unsinn, daß Kapital notwendig ist. Damit die Produktionsmittel bedient werden können, ist notwendig, daß geistige Arbeit da ist. Das versteht natürlich jeder Arbeiter, daß geistige Leitung, geistige Arbeit da sein muß. Und er versteht auch, daß er bald aufhören müßte zu arbeiten, wenn nicht eine geistige Leitung, geistige Arbeit, vorhanden wäre. Aber heute geht es nicht um geistige Leitung, sondern um den Privatbesitz an den Produktionsmitteln und um die Rentabilität, um die Anlagefähigkeit wiederum des im Produktionsmittel steckenden Kapitals. Deshalb ist es notwendig, daß man die Produktionsmittel herauslöst aus dem Wirtschaftsprozeß, so daß sie durch die soziale Ordnung selbst immer an den gelangen können, der die entsprechenden Fähigkeiten hat und zu dem die Arbeiter Vertrauen haben. Deshalb will die Dreigliederung des sozialen Organismus den selbständigen Geistesorganismus. Es ist einfach Unsinn, wenn gesagt wird, [daß dadurch neue Besitzverhältnisse geschaffen werden ...] In diesem Geistesleben, das ja mit den anderen Zweigen des Lebens in enger Verbindung steht, wird dann dafür gesorgt, daß die Produktionsmittel ihren Weg durch die Welt anders machen als durch Kauf. Und in dem, was ich den Rechtsstaat nenne — er hat ja wahrhaftig nichts mehr mit dem alten Staat zu tun -—, wird dafür gesorgt werden, daß die Arbeitskraft ihr Recht bekommen kann. Im Wirtschaftsleben selbst bleiben dann nur noch die Warenerzeugung, die Warenverteilung und die Warenkonsumtion.
[ 22 ] What, then, is necessary for production? Is capital really necessary? No! It is simply nonsense to say that capital is necessary. In order for the means of production to be operated, intellectual labor is necessary. Every worker understands, of course, that intellectual leadership and intellectual labor must be present. And he also understands that he would soon have to stop working if intellectual leadership and intellectual labor were not available. But today the issue is not intellectual leadership, but rather private ownership of the means of production and profitability—that is, the ability to invest the capital tied up in the means of production. That is why it is necessary to separate the means of production from the economic process, so that, through the social order itself, they can always reach those who possess the appropriate abilities and in whom the workers have confidence. That is why the threefold social order seeks an independent spiritual organism. It is simply nonsense to say [that this creates new ownership structures …] In this spiritual life, which is, after all, closely connected to the other branches of life, it will then be ensured that the means of production find their way through the world by means other than purchase. And in what I call the constitutional state—which truly has nothing more to do with the old state—provisions will be made to ensure that labor can obtain its due. In economic life itself, then, only the production, distribution, and consumption of goods will remain.
[ 23 ] Dann, wenn wir einen solchen Wirtschaftsprozeß vor uns haben, werden wir uns aufraffen können, zu verlangen, daß es eine Liquidierungsregierung geben muß. Diese sagt sich dann: Nun gut, ich muß eine Zeitlang bestehen, weil das Alte sich fortsetzen muß. Aber ich muß zurückbehalten höchstens nur so etwas wie ein Polizeiministerium, ein Ministerium des Inneren, ferner ein Justizministerium, das die Rechtsverhältnisse durch die entsprechende demokratische Vertretung herbeiführen wird.
[ 23 ] Then, when we are faced with such an economic process, we will be able to muster the courage to demand that there be a liquidation government. This government will then say to itself: All right, I must remain in place for a while, because the old system must continue. But I must retain, at most, only something like a Ministry of Police, a Ministry of the Interior, and a Ministry of Justice, which will establish the legal framework through the appropriate democratic representation.
[ 24 ] Es ist wiederum eine Verleumdung, wenn gesagt wird, daß dann auf dem Rechtsboden nur die Rechtsgelehrten herrschen werden. Nein, es wird das Volk herrschen, es wird eine wirkliche Demokratie geben, die sich ausdehnen wird. Nach links und nach rechts muß die Regierung eine Liquidierungsregierung sein, die nach der einen Seite hin das Geistesleben in seine eigene Verwaltung überführt und nach der anderen Seite hin das Wirtschaftsleben in seine eigene Verwaltung überführt. Die Liquidierungsregierung wird die Initiative zu ergreifen haben so, daß sie den freien Boden für das Wirtschaftsleben schafft, so daß im Wirtschaftsieben aus den Kräften, die die jeweiligen Werte der Waren, das heißt die für die gesunde Lebenserhaltung notwendigen Preise, regulieren, eine wirkliche Sozualisierung eintreten kann.
[ 24 ] It is, again, a slander to say that, under this legal framework, only legal scholars will rule. No, the people will rule; there will be a true democracy that will expand. Both on the left and on the right, the government must be a liquidation government that, on the one hand, transfers intellectual life to its own administration and, on the other hand, transfers economic life to its own administration. The liquidation government will have to take the initiative in such a way as to create a free environment for economic life, so that within the economic sphere, a genuine socialization can take place through the forces that regulate the respective values of goods—that is, the prices necessary for a healthy livelihood.
[ 25 ] Sehen Sie, ich weiß selbstverständlich, daß, wenn ich so etwas auseinandersetze, immer wieder von den verschiedensten Gesichtspunkten her die Leute sagen: Ja, er drückt sich so unbestimmt aus. — Ich möchte bloß wissen, wie sich jemand bestimmt ausdrükken soll über etwas, was ein unendliches Gebiet ist. Man kann ja nur aufmerksam machen auf das, was den Dingen eigentlich zugrunde liegt. Aber ich habe immer die Hoffnung, daß .gerade diejenigen, die aus ihren Lebensnöten heraus sich eine gewisse innere Empfindung für die Wahrheit dieser Sache erworben haben, sehen möchten, daß dem, was hier vorgetragen wird, eine wirklich gründliche Einsicht in den gesamten Produktions- und Konsumtionsprozeß zugrunde liegt. Und nur aus einer solchen Einsicht heraus kann man zur Tat fortschreiten. Das allein ist daher das wirklich Praktische, während das keine Praktiker sind, die die Gesetze immer so machen oder Einrichtungen so gestalten, daß das eine Loch zu und ein anderes dadurch wieder aufgemacht wird.
[ 25 ] You see, I know, of course, that whenever I discuss something like this, people will say—from all sorts of different perspectives—“Yes, he expresses himself so vaguely.” — I just want to know how anyone is supposed to express themselves precisely about something that is an infinite realm. One can only draw attention to what actually underlies these matters. But I always hope that precisely those who, out of the hardships of their lives, have acquired a certain inner sense of the truth of this matter, will see that what is being presented here is based on a truly thorough understanding of the entire process of production and consumption. And only from such an insight can one move on to action. That alone is therefore what is truly practical, whereas those who always draft laws or design institutions in such a way that one hole is closed only to open another in its place are not true practitioners.
[ 26 ] Man kann ja einen Wirtschaftsbetrieb recht schön einrichten, wenn man ihn kapitalistisch läßt, das heißt die ganze Wirtschaft kapitalistisch läßt. Dann wird es vielleicht in den einzelnen Wirtschaftsbetrieben möglich sein, daß sogar das für den Arbeiter zustande kommt, was man so schön einen vollen Arbeitsertrag nennt, daß dann aber kein Mehrwert mehr erzeugt wird. Da wird zwar Walther Rathenau kommen und sagen: Der Mehrwert ist zu nichts anderem da als für die Rücklage, also für die fortlaufende Verbesserung der Produktionsmittel und die Vergrößerung des Betriebes. Es geht alles, was an Mehrwert erzeugt wird, wiederum in den Betrieb hinein. — Ich möchte dann bloß wissen, wovon diejenigen leben, die nicht mitarbeiten, sondern irgendwelche Tantiemen oder dergleichen beziehen, wenn alles wiederum in den Betrieb hineingeht. Nun ja, solche Leute kann man ja reden lassen. Aber viel wichtiger ist noch etwas ganz anderes.
[ 26 ] It is certainly possible to organize a business quite well if one leaves it to operate under capitalist principles—that is, if one allows the entire economy to operate under capitalist principles. Then it may be possible within individual businesses for workers to receive what is so nicely called the “full product of their labor,” though this would mean that no surplus value is generated anymore. Walther Rathenau will, of course, come along and say: Surplus value serves no other purpose than to build up reserves—that is, for the ongoing improvement of the means of production and the expansion of the enterprise. All the surplus value that is generated goes back into the enterprise. — I would simply like to know how those who do not work but receive some kind of royalties or the like make a living if everything goes back into the enterprise. Well, one can let such people talk. But something else is far more important.
[ 27 ] Nehmen wir an, es würde der ganze Mehrwert einfach unter den Arbeitenden aufgeteilt. Glauben Sie, daß dann, wenn die alte kapitalistische Ordnung bliebe und wenn in einem Betrieb der Mehrwert unter den Arbeitenden aufgeteilt würde, daß dann ohne Mehrwert gearbeitet werden braucht? Man kann, wenn man die Wirtschaft nicht sozialisiert, trotzdem einen Mehrwert herausschlagen. Dann wird er nur nicht dem Lohn der Arbeiter abgezogen, sondern dann muß ihn der Konsument bezahlen. Es kommt nicht darauf an, daß kein Mehrwert erzeugt wird, sondern darauf, daß ihn der Produzent nicht zahlt ..., der Konsument ihn zahlen muß. Wer ist das aber? Auch wieder der Arbeiter. Nehmen Sie sich also zu Ihrem Lohn auch den Mehrwert dazu, so müssen Sie wiederum dasjenige, was Sie sich errungen haben, als Konsument bezahlen. Ein Loch stopfen Sie zu, das andere machen Sie wieder auf.
[ 27 ] Let’s assume that all surplus value were simply distributed among the workers. Do you believe that, if the old capitalist order remained in place and surplus value were distributed among the workers in a given enterprise, it would then be necessary to work without producing surplus value? Even if the economy is not socialized, it is still possible to extract surplus value. In that case, it is simply not deducted from the workers’ wages; instead, the consumer must pay for it. The point is not that no surplus value is produced, but that the producer does not pay for it… and the consumer must pay for it. But who is that? Once again, it is the worker. So if you take the surplus value in addition to your wages, you must in turn pay, as a consumer, for what you have earned. You plug one hole, only to open another.
[ 28 ] Aus diesem unnatürlichen Kreislauf des Wirtschaftslebens kann man niemals herauskommen, wenn man nicht das fünfte Rad am Wagen, das nur dazu da ist, damit sich die Leute, die nicht gearbeitet haben, etwas herausschlagen können, beseitigt. Dieses fünfte Rad trägt ja den Namen Kapital. Und man kommt aus diesem Kreislauf nicht heraus, wenn man nicht ein unmittelbares Verhältnis herstellt zwischen den Produktionsmitteln und dem geistigen Arbeiter auf der einen Seite und dem körperlichen Arbeiter auf der anderen Seite. Wenn man das nicht will, wenn man nicht herauswirft dieses fünfte Rad am Wagen, das nur denjenigen dient, die nicht arbeiten, so kommt man zu keiner Sozialisierung.
[ 28 ] One can never break free from this unnatural cycle of economic life unless one eliminates the fifth wheel on the wagon—which exists solely so that people who have not worked can profit from it. This fifth wheel is, of course, called capital. And one cannot break free from this cycle unless one establishes a direct relationship between the means of production and the intellectual worker on the one hand, and the manual worker on the other. If one is unwilling to do this—if one does not throw out this fifth wheel, which serves only those who do not work—then one will never achieve socialization.
[ 29 ] Wie Sie finden werden, ist die Hauptsache dessen, was in meinem Buch geschildert ist, daß dort wirklich angestrebt wird, das aus dem Wirtschaftsleben zu tilgen, was Kapital ist, und das, was ein Zwangsverhältnis der Arbeit ist. Das kann man nicht anders, als daß man einen Rechtsboden schafft, auf dem, vom Wirtschaftsleben unabhängig, die Arbeit geregelt wird, und daß man einen Geistesboden schafft, auf dem die menschlichen individuellen Fähigkeiten unabhängig vom Wirtschaftsleben geregelt werden. Dann werden sie in der richtigen Weise in das Wirtschaftsleben hineinfließen.
[ 29 ] As you will see, the main point of what is described in my book is that it genuinely seeks to eliminate from economic life that which constitutes capital and that which constitutes a coercive relationship of labor. This can only be achieved by establishing a legal framework within which labor is regulated independently of economic life, and by creating an intellectual framework within which individual human abilities are regulated independently of economic life. Then they will flow into economic life in the proper way.
[ 30 ] Wer das einsieht, dem wird nicht sehr imponieren, wenn dann Leute kommen und sagen: Ja, Du willst ja die Einheit des sozialen Lebens zerstören, indem Du es in drei Teile zerteilen willst. Nein, ich will gerade diese Einheit herstellen, und diejenigen Menschen, die von der Zerteilung dieser Einheit sprechen, wie der törichte Artikelschreiber gestern in der Süddeutschen Zeitung, die glauben, ich will einen Gaul zerschneiden. Ich will nicht den Gaul zerschneiden, sie glauben aber, daß ich den Gaul zerschneide, wenn ich ihn nicht auf einen einzelnen Fuß stelle. Den Leuten kommt es darauf an, daß der Gaul nur dann eine Einheit ist, wenn er auf einem Bein steht. Aber der Gaul muß auf vier Beinen stehen. Ich will den sozialen Organismus nicht zerschneiden, sondern auf seine drei gesunden Beine stellen. Dadurch will ich ihn gerade zu etwas Ganzem gestalten. Das ist es, worauf es ankommt.
[ 30 ] Anyone who understands this won’t be very impressed when people come along and say: “Yes, you want to destroy the unity of social life by dividing it into three parts.” No, I want to establish precisely this unity, and those people who speak of the fragmentation of this unity—like the foolish columnist in yesterday’s Süddeutsche Zeitung—believe that I want to cut up a horse. I do not want to cut up the horse, but they believe that I am cutting up the horse if I do not make it stand on a single leg. People think that the horse is a unity only when it stands on one leg. But the horse must stand on four legs. I do not want to cut up the social organism, but rather to set it on its three healthy legs. In doing so, I want to shape it into a whole. That is what matters.
[ 31 ] Nun habe ich Ihnen wieder einiges darüber gesagt, wie die Dinge aufzufassen sind, aber von einer anderen Seite her, als ich es sonst schon in Vorträgen gesagt habe. Ich wollte nur den heutigen Abend einleiten, und ich hoffe, daß jetzt aus Ihrer Mitte viel gesagt wird, was uns heute abend vorwärtsbringen kann. Wir müssen vorwärtskommen gerade in bezug auf einen wirklichen Abbau des Kapitalismus und einen wirklichen Abbau der Zwangsarbeit.
[ 31 ] Now I have once again shared some thoughts with you on how to understand these matters, but from a different perspective than I have usually presented in my lectures. I simply wanted to introduce this evening’s discussion, and I hope that many of you will now speak up with insights that can help us move forward tonight. We must make progress, particularly with regard to the genuine dismantling of capitalism and the genuine abolition of forced labor.
Diskussion
Discussion
Herr Biel stellt zwei Fragen: 1. Ist zur Durchführung einer derartigen neuen Form des Wirtschaftslebens die Demokratie eine Notwendigkeit, oder ist es unter Umständen richtig, wenn eben durch die Demokratie ein derartiger Zustand nicht herbeizuführen ist, Gewalt anzuwenden? Kann die Gewalt in diesem Falle auch ein Recht sein? — 2. Ist diese Dreigliederung oder Sozialisierung ohne Berücksichtigung der internationalen Verhältnisse, also ohne daß alle kulturell entwickelten Völker, die da in Frage kommen, gleichzeitig mit denselben Ideen und Forderungen auf den Plan treten, möglich?
Mr. Biel poses two questions: 1. Is democracy a necessity for implementing such a new form of economic life, or is it, under certain circumstances, justified to use force if democracy cannot bring about such a state of affairs? Can powers also be justified in this case? — 2. Is this threefold social order or socialization possible without taking international conditions into account—that is, without all culturally developed nations that are relevant to the matter coming forward simultaneously with the same ideas and demands?
[ 32 ] Rudolf Steiner: In bezug aut die Frage, ob zur Durchführung einer wirklichen Sozialisierung die Demokratie eine Notwendigkeit ist, möchte ich das Folgende sagen: Man kann in einem gewissen Sinne wirklich sagen, daß sich bisher eine Mehrzahl von Menschen noch nicht für neue Gedanken erwärmen konnte, sondern, wie mein verehrter Vorredner schon gesagt hat, immer nur kleine Gruppen. Allein, man wird sich gerade in diesem Punkt darüber klar sein müssen, daß wir heute eben nicht vor kleinen, sondern vor großen Abrechnungen der Weltgeschichte stehen. Es muß vieles anders werden, und es wird nur anders werden, wenn wir uns gerade in bezug auf die allerwichtigsten Dinge dazu bequemen, etwas anderes anzustreben, als was bisher vorhanden war. Wer heute nicht bloß auf die Gepflogenheiten früherer Zeiten zurückblickt, sondern heute sehen kann, was die Menschen wollen, der wird mit den verschiedensten realen Faktoren rechnen.
[ 32 ] Rudolf Steiner: Regarding the question of whether democracy is a necessity for the realization of true socialization, I would like to say the following: In a certain sense, one can truly say that, up to now, the majority of people have not yet been able to warm to new ideas; rather, as the esteemed speaker before me has already said, it has always been only small groups. However, it is precisely on this point that we must be clear: today we are facing not small, but major turning points in world history. Much must change, and it will only change if, precisely with regard to the most important matters, we are willing to strive for something different from what has existed until now. Anyone who today does not merely look back on the customs of earlier times, but can see what people want, will have to take into account a wide variety of real factors.
[ 33 ] Sehen Sie, der Herr Vorredner hat zum Beispiel gesagt, daß eine kleine Kaste die Menschen in den Weltkrieg hineingetrieben hat. Nun, es wird durch mich in den nächsten Tagen eine kleine Broschüre über den Ausbruch des Ersten Weltkrieges erscheinen, in der gezeigt werden wird, wie klein die Zahl derer war, die zum Beispiel von deutscher Seite her die Sache betrieben haben. Diese kleine Gruppe hat in ihrer Art ganz aus den Verhältnissen aus grauer Urzeit heraus gewirkt. Da sind einfach die alten Verhältnisse in die Gegenwart hineingetragen worden. Damit der Gesinnung nach, nicht mit den technischen Mitteln, in Berlin so regiert werden konnte, wie regiert worden ist, hätte es zum Beispiel gar keiner Buchdruckkunst bedurft, durch die die Bildung und Urteilsfähigkeit in die breitesten Massen hineingetragen worden ist. Aber ist dann nicht wirklich durch diese Weltkriegskatastrophe das in den Abgrund gesunken, was einfach immer nur so weiter fortgewirtschaftet hat? |
[ 33 ] You see, the previous speaker, for example, said that a small caste drove people into the World War. Well, in the next few days I will be publishing a short pamphlet on the outbreak of World War I, which will show just how small the number of people was—on the German side, for example—who drove the conflict forward. This small group operated, in its own way, entirely out of conditions dating back to a distant prehistory. The old conditions were simply carried over into the present. For the government in Berlin to have ruled as it did—in spirit, not through technical means—there would have been no need, for example, for the art of printing, through which education and the capacity for judgment were brought to the broadest masses. But hasn’t this catastrophe of the World War truly plunged into the abyss that which had simply been allowed to continue unchecked? |
[ 34 ] Wir stehen heute auf einem anderen Boden, und heute sind eben die Menschen nicht so, daß sie sich von kleinen Gruppen dasjenige diktieren lassen wollen, was sie zu tun haben, und daß sie bloß eine kleine Gruppe gegen eine andere kleine Gruppe austauschen wollen. Heute will schon ein jeder mittun. Heute ist die Zeit, in der man lernen muß den Unterschied zwischen herrschen und regieren. Es scheint ja allerdings so, als ob dieser Unterschied noch nicht gründlich genug erkannt worden ist. Herrschen muß heute das Volk, eine Regierung darf nur regieren. Das ist es, worauf es ankommt. Und damit ist auch gegeben, daß in einem gesunden Sinne heute die Demokratie notwendig ist. Deshalb habe ich auch keine Hoffnung, daß man mit den schönsten Ideen etwas erreichen kann, wenn man sie durch kleine Gruppen verwirklichen will und wenn man nicht getragen wird von der Erkenntnis und Einsicht der wirklichen Majorität der Bevölkerung. Die wichtigste Aufgabe heute ist, die große Mehrheit der Bevölkerung für das zu gewinnen, was man als Möglichkeit zur Veränderung erkannt hat. So stehen wir heute vor der Notwendigkeit, für das, was zuletzt wirklich an wahrer Sozialisierung erreicht werden wird, in demokratischer Weise die Mehrheit der Bevölkerung zu haben.
[ 34 ] Today we stand on different ground, and people today are simply not the sort who are willing to let small groups dictate what they should do, or who want merely to replace one small group with another. Today, everyone wants to have a say. Today is the time when we must learn the difference between ruling and governing. It certainly seems, however, that this difference has not yet been fully recognized. Today, the people must rule; a government may only govern. That is what matters. And this also means that democracy, in a healthy sense, is necessary today. That is why I have no hope that even the most beautiful ideas can achieve anything if they are to be realized by small groups and if they are not supported by the understanding and insight of the true majority of the population. The most important task today is to win over the vast majority of the population to what has been recognized as an opportunity for change. Thus, we are now faced with the necessity of securing the support of the majority of the population, in a democratic manner, for what will ultimately be achieved in terms of true socialization.
[ 35 ] Es könnte natürlich Übergangszeiten geben, in denen eine kleine Gruppe irgend etwas verwirklichen würde, was von der Mehrheit nicht erkannt wird. Aber das würde doch nur von kurzer Dauer sein. Gerade in diesem Punkt muß man sich klar darüber werden, daß sogar heute bereits die Zeit da ist, in der durch die Demokratisierung die Menschen als Gleiche zu betrachten sind, und deshalb müssen wir den Boden schaffen, auf dem alle Menschen in ihrem Urteil gleich sein können, den wir loslösen von dem, worin die Menschen nicht gleich sein können in ihrem Urteil. Denken Sie doch einmal, wenn irgendein Kind in der Schule besonders dazu begabt ist, rechnen zu lernen, und Sie wollen es zum Musiker machen, so entziehen Sie ja dadurch, daß Sie das Kind falsch ausbilden, dem sozialen Leben eine ganz besondere Kraft. Die gesunde Entwicklung der Individualität muß gerade im sozialen Organismus gepflegt werden. Da können Sie nicht demokratisieren, da können Sie nur die Finsicht in die wirkliche Menschenkenntnis walten lassen. Auf dem Boden der Erziehung, des Unterrichtswesens muß etwas ganz Neues eintreten.
[ 35 ] Of course, there could be transitional periods during which a small group might achieve something that is not recognized by the majority. But that would surely be short-lived. On this point in particular, we must realize that even today the time has come when, through democratization, people are to be regarded as equals; and therefore we must lay the groundwork on which all people can be equal in their judgment, separating it from that in which people cannot be equal in their judgment. Just think: if a child at school is particularly gifted at learning arithmetic, and you want to make him or her a musician, then by educating the child incorrectly, you are depriving social life of a very special force. The healthy development of individuality must be nurtured precisely within the social organism. You cannot democratize this; you can only allow discernment based on a true understanding of human nature to prevail. Something entirely new must emerge in the realm of education and the school system.
[ 36 ] Und im Wirtschaftsleben, wollen Sie da demokratisch entscheiden? Etwa wie man Stiefel fabrizieren muß oder Ventile? Da muß man aus sachlicher Kenntnis heraus Korporationen bilden in bezug auf Produktion und Konsumtion; da müssen sachliche Interessen maßgebend sein. Nach links und nach rechts müssen die rein sachlichen Interessen abgesondert werden, dann bleibt in der Mitte der Boden der Demokratie übrig, auf dem nichts anderes in Betracht kommt als das, was jeder reife, ausgewachsene Mensch von jedem ausgewachsenen, reifen Menschen als gleichem zu fordern hat, und von wo dann das Recht in das Geistesleben und Wirtschaftsleben hineinstrahlt. Gerade weil heute der Ruf nach Demokratie so berechtigt ist, müssen wir erkennen, wie die Demokratie durchgeführt werden kann. Das war nicht notwendig in der kapitalistischen Gesellschaft. Da haben sich die Leute auch Demokraten genannt, aber da war es noch nicht notwendig, daß man so gründlich zu Werke ging mit dem Begriff Demokratie wie heute. Heute sind wir an dem Punkt angelangt, wo wir uns fragen müssen: Weil die Demokratie kommen muß, wie können wir sie praktisch verwirklichen? -— Die Antwort muß lauten: Nur dadurch, daß wir sie auf ihren eigenen Boden stellen, und was nicht demokratisch verwaltet werden kann, was nicht alle Menschen beurteilen können, das wird nach links und rechts sachlich abgesondert.
[ 36 ] And in economic life, do you want to make decisions democratically? For example, how boots or valves should be manufactured? There, one must form corporations based on objective knowledge regarding production and consumption; there, objective interests must be the deciding factor. On the left and on the right, purely practical interests must be set aside; then what remains in the middle is the foundation of democracy, where nothing else comes into consideration except what every mature, adult human being has the right to demand from every other mature, adult human being as an equal, and from which justice then radiates into intellectual and economic life. Precisely because the call for democracy is so justified today, we must recognize how democracy can be implemented. This was not necessary in capitalist society. People called themselves democrats there as well, but it was not yet necessary to engage so thoroughly with the concept of democracy as we must today. Today we have reached the point where we must ask ourselves: Since democracy must come, how can we realize it in practice? — The answer must be: Only by placing it on its own foundation, and whatever cannot be administered democratically, whatever not all people can judge, will be objectively separated to the left and right.
[ 37 ] Es ist so einfach zu verstehen, warum dieser dreigliedrige soziale Organismus notwendig ist, daß man sich eigentlich immer wundern muß, daß die Leute so viel dagegen haben. Wenn sie fragen: Wer ist offen und ehrlich zum Beispiel in der Demokratie, so ist es gerade der dreigliedrige soziale Organismus, weil er danach suchen will, wie man die Demokratie verwirklichen kann und nicht vermischen und verwirren will alles, damit keine Demokratie im Einheitsstaat sein kann. Diejenigen haben natürlich keine Demokratie gemacht, die immer den Ruf ertönen lassen: «Für Thron und Altar!» — Aber, meine sehr verehrten Anwesenden, die werden auch keine Demokratie machen, die an die Stelle des Thrones das Kontor setzen und an die Stelle des Altars die Kasse. Eine Demokratie werden nur diejenigen machen, die es ehrlich meinen mit der menschlichen Gesellschaft und nicht das Demokratische dorthin tragen wollen, wo Sachkenntnis das einzig Maßgebende sein kann. Deshalb werden sich die Menschen schon dazu bequemen müssen, einzusehen, was übrigens die vernünftigen Sozialisten immer schon gesagt haben, daß es in der Zukunft sachliche Verwaltungen und keine Scheinverwaltungen durch Wahlen und dergleichen geben muß. Gewiß, es muß gewählt werden, aber über die Technik des Wählens hinaus wird man noch andere Dinge lernen müssen, als man heute schon kennt. Ich will nur darauf aufmerksam machen: Demokratie muß kommen, aber wir müssen einen solchen sozialen Organismus haben, der Demokratie gründlich möglich macht.
[ 37 ] It is so easy to understand why this threefold social organism is necessary that one really has to wonder why people are so opposed to it. When people ask, “Who is open and honest, for example, in a democracy?” the answer is precisely the threefold social organism, because it seeks to discover how democracy can be realized, rather than mixing everything up and creating confusion so that democracy cannot exist in a unitary state. Of course, those who constantly cry out, “For throne and altar!” have not created democracy. — But, ladies and gentlemen, neither will those who replace the throne with an office and the altar with a cash register bring about democracy. Democracy will be achieved only by those who are sincere in their commitment to human society and do not seek to impose democracy where expertise alone can be the decisive factor. That is why people will have to come to terms with the fact—which, incidentally, sensible socialists have always maintained—that in the future there must be objective administrations and no sham administrations based on elections and the like. Certainly, elections must take place, but beyond the mechanics of voting, we will have to learn other things as well, beyond what we already know today. I simply wish to point out this: Democracy must come, but we must have a social organism that makes democracy truly possible.
[ 38 ] Was nun die internationalen Beziehungen betrifft, so will ich nur sagen, daß, während dieser Weltkrieg wütete, gerade wegen der Internationalität diese Dreigliederung von mir aufgestellt wurde, weil ich nur in der Dreigliederung ein Heilmittel sah, um aus den furchtbaren Verwüstungen und Verheerungen dieses Weltkrieges irgendwie herauszukommen. Denn wenn man schon durch Jahrzehnte hindurch ein aufmerksamer Beobachter war, dann erkannte man ganz deutlich, daß durch das Durcheinanderwerfen von allem möglichen diese moderne Katastrophe, die größte der Weltgeschichte, die übrigens noch lange nicht überwunden ist, kommen mußte.
[ 38 ] As for international relations, I will simply say that, while this world war was raging, it was precisely because of this international character that I proposed this threefold social order, for I saw in this threefold order alone a remedy to somehow emerge from the terrible devastation and destruction of this world war. For anyone who had been an attentive observer over the course of decades could see quite clearly that the jumbling together of all manner of things was bound to bring about this modern catastrophe—the greatest in world history, which, incidentally, is still far from being overcome.
[ 39 ] Verdeutlichen wir uns die Geschichte einmal an einer einzigen Erscheinung, der Bagdadbahn-Frage. Sie wissen ja wohl vielleicht, daß diese Bagdadbahn-Frage eine große Rolle gespielt hat innerhalb der Vorgänge, die dann eingemündet sind in diesen Weltkrieg. Wer die Verhandlungen im Zusammenhang mit der BagdadbahnFrage studiert, der weiß, wie da ineinander verwoben sind wirtschaftliche Interessen des Kapital-Imperialismus oder der KapitalImperialismen und nationale, chauvinistische, staatliche, rechtliche Vorurteile. So glaubte irgendein deutsches Finanzkonsortium die Sache schon zu haben, weil es gewisse Leute in England, auch Finanzkonsortien, das heißt von kapitalwirtschaftlichen Interessen durchdrungene Leute, an sich gezogen hatte, da tauchte das Staatsmäßige auf und verwirrte alles so, daß die Engländer wieder abfielen. Dann fielen die Franzosen ab aus gleichen Interessen. Dann wiederum war es gegen die deutschen staatlichen Interessen, und so ging das durch die ganzen Verhandlungen durch. Wer das wirkliche Leben kennt, der weiß eben, wie sich im modernen Leben immer wieder ineinander verknotet haben die drei Lebensgebiete, das Geistesleben, zu dem auch das nationale Leben gehört, das Wirtschaftsleben und das Staats- oder Rechtsleben.
[ 39 ] Let us illustrate this history using a single example: the Baghdad Railway issue. As you may well know, this Baghdad Railway issue played a major role in the events that ultimately led to this world war. Anyone who studies the negotiations surrounding the Baghdad Railway issue knows how closely intertwined the economic interests of capital imperialism—or capital imperialisms—are with national, chauvinistic, state-sanctioned, and legal prejudices. For example, a certain German financial consortium believed it already had the matter in the bag because it had won over certain people in England—including financial consortia, that is, people steeped in capitalist economic interests—but then state interests came into play and threw everything into such disarray that the English backed out again. Then the French backed out for the same reasons. Then, in turn, it ran counter to German state interests, and this pattern continued throughout the entire course of the negotiations. Anyone familiar with real life knows how, in modern life, the three spheres of existence—spiritual life (which also includes national life), economic life, and state or legal life—have repeatedly become intertwined.
[ 40 ] Sehen Sie, als ich während dieses Weltkrieges einmal nach Wien kam - die Leute haben ja von den verschiedensten Gesichtspunkten aus diesen Weltkrieg und ihr Schicksal in ihm beurteilt —, da haben mir einige gesagt: Dieser ganze Krieg ist ja ein Schweinekrieg. — Nicht verurteilend, sondern kennzeichnend wollten sie zum Ausdruck bringen, daß eine der wichtigsten Ursachen die war, daß Ungarn sich geweigert hat, die serbischen Schweine einführen zu lassen. Also eine rein wirtschaftliche Angelegenheit, die sich verquickte mit nationalen, das heißt geistigen Fragen. So bildeten sich verschiedene Hexenkessel, in denen das gebraut wurde, was dann zum Weltkrieg geworden ist: allerlei rechtliche Verhältnisse, vorrechtliche Verhältnisse, klassenrechtliche Verhältnisse und dergleichen mehr. Deshalb mußte gerade derjenige, der auf das Internationale sieht, darauf hinweisen, daß das einzige Heil, das es in der Zukunft gibt, darin besteht, die drei Lebensgebiete zu sondern, so daß ein dreigegliederter sozialer Organismus sich bildet. Dann werden die einzelnen Gebiete sich untereinander stützen, dann wird das eine auf das andere hinweisen.
[ 40 ] You see, when I visited Vienna once during this world war—people have, of course, judged this world war and their fate in it from a wide variety of perspectives—some told me: “This whole war is nothing but a pig’s war.” — Not to condemn it, but to describe it, they meant to express that one of the most important causes was Hungary’s refusal to allow the import of Serbian pigs. In other words, a purely economic matter that became intertwined with national—that is, spiritual—issues. Thus, various cauldrons of turmoil formed, in which the events that eventually became the World War were brewing: all manner of legal relationships, pre-legal relationships, class-based relationships, and the like. That is why precisely those who look to the international level must point out that the only salvation for the future lies in separating the three spheres of life, so that a threefold social organism may take shape. Then the individual spheres will support one another, and each will point to the other.
[ 41 ] Die Menschen sind ja manchmal von einer Verstocktheit, über die man staunen könnte. Sehen Sie, ich habe einmal mit einem Menschen gesprochen, der ein Rechtsgelehrter ist, der sogar Ministerialdirektor ist, und ich habe ihn darauf aufmerksam gemacht, daß dann, wenn der soziale Organismus dreigegliedert ist, die Konflikte nicht mehr an den Grenzen entstehen können, weil das eine nicht in das andere eingreift, habe gesagt, daß nicht so schnell Staatskonflikte entstehen durch wirtschaftliche Konflikte, wenn nicht alles durcheinandergemengt ist. Da werden die guten wirtschaftlichen Beziehungen zum Beispiel helfen bei den Staatskonflikten und dergleichen. — Ja, sagte er, wenn man das aber durchführt, dann verstößt man ja gegen etwas, was immer in der Geschichte war, nämlich daß die wichtigsten Kriege in der Geschichte ja eigentlich Rohstoffkriege sind. Wenn Sie das einführen wollen, schaffen Sie ja die Rohstoff-Konflikte aus der Welt, und es ist doch unsere Erfahrung, daß diese Rohstoff-Konflikte immer da waren. — Ich mußte ihm antworten: Ja, wenn Sie mir eine Bestätigung hätten liefern wollen, daß ich recht habe, dann würde mir das einleuchten. Daß Sie mir es als Widerlegung sagen, das kann ich nicht begreifen. - So sind die Leute heute. Wenn gerade und natürlich gedacht wird, kommen sie nicht darauf, das hinzunehmen, denn die Vorstellungen der Menschen sind schon verrenkt worden.
[ 41 ] People can sometimes be so stubborn that it’s truly astonishing. You see, I once spoke with a man who is a legal scholar—he’s even a director-general—and I pointed out to him that when the social organism is threefold, conflicts can no longer arise at the boundaries because one sphere does not interfere with the other. I said that conflicts between states do not arise so quickly from economic conflicts if everything isn’t all mixed up. Good economic relations, for example, will help with state conflicts and the like. — “Yes,” he said, “but if you implement that, then you’re going against something that has always been part of history, namely that the most important wars in history have actually been wars over raw materials.” If you want to implement that, you’d be eliminating resource conflicts altogether, and yet our experience shows that these resource conflicts have always existed. — I had to reply: “Yes, if you’d wanted to provide me with confirmation that I’m right, then that would make sense to me. But I can’t understand why you’re presenting it to me as a rebuttal.” - That’s how people are today. When they think straightforwardly and naturally, they can’t bring themselves to accept it, because people’s mental images have already been warped.
[ 42 ] Also, mit Bezug auf das Internationale als solches ist ja gerade die Dreigliederung zuerst gedacht worden. Sie ist die Grundlage für eine wirkliche Sozialisierung auch des internationalen Lebens. Aber sie hat noch eine besondere Eigenschaft. Es schadet nämlich gar nichts, wenn der eine soziale Organismus sich dreigliedert und die anderen noch nicht wollen. Denn, wenn die anderen noch nicht wollen, so können ja diejenigen die Segnungen des dreigeteilten Organismus genießen, die ihn eingeführt haben. Nach außen, wenn es sie hindern sollte, können sie ja als Einheit auftreten. Wenn drei Parlamente da sind, so können sich die ja in Verhandlungen mit dem Ausland zusammentun, weil die anderen es noch nicht anders zulassen. Aber sie werden immer noch den anderen voraus sein, weil sie die Dreigliederung in ihrem Gebiete verwirklichen. Das ist gerade dasjenige, was wichtig ist, daß man gar nicht meint, die ganze Welt revolutionieren zu wollen, sondern daß man anfangen kann in einem bestimmten Gebiet. Dann wird das - und das glaube ich ganz bestimmt - sehr ansteckend wirken, wenn wirklich heilsame Zustände in einem Gebiete auftreten. Das wird gehörig ansteckend wirken. Gerade das wird dann beitragen zur Internationalisierung. Man muß nur praktisch denken. Das einzige, was jetzt passieren könnte, das wäre, daf uns die Entente daran hindert, diese Segnungen einzuführen, damit wir kein Beispiel geben können. Aber wir müssen gerade in dem, was wir imstande sind, neu zu schaffen, Mut und Tatkraft zeigen. Vielleicht werden wir gerade durch so etwas gegen die stark kapitalistischimperialistischen Mächte ankämpfen können.
[ 42 ] So, with regard to the international sphere as such, it was precisely this threefold social order that was conceived first. It is the foundation for a genuine socialization of international life as well. But it has another special characteristic. It does no harm at all if one social organism is threefold while the others are not yet ready for it. For if the others are not yet ready, those who have introduced the threefold social organism can still enjoy its benefits. Externally, if that should hinder them, they can still present a united front. If there are three parliaments, they can join forces in negotiations with foreign countries, since the others do not yet allow for anything else. But they will still be ahead of the others because they are implementing the threefold social order within their own territory. That is precisely what is important: that one does not set out to revolutionize the whole world, but rather that one can begin in a specific region. Then—and of this I am absolutely certain—it will have a very contagious effect when truly wholesome conditions arise in a region. It will have a thoroughly contagious effect. That, precisely, will then contribute to internationalization. One must simply think practically. The only thing that could happen now is that the Entente might prevent us from introducing these blessings, so that we cannot set an example. But we must show courage and initiative precisely in what we are capable of creating anew. Perhaps it is precisely through such efforts that we will be able to fight against the powerful capitalist-imperialist forces.
Diskussionsredner Mittwich fragt: 1. Wie wird in Zukunft in der sozialistischen Wirtschaftsweise die Besteuerung des Menschen möglich sein? - 2. Wie werden wir sozialisieren?
Panelist Mittwich asks: 1. How will it be possible to tax individuals in the socialist economic system in the future? - 2. How will we socialize?
[ 43 ] Rudolf Steiner: Mit dem Hinweis auf die Demokratisierung und ihre Bedeutung in der Übergangszeit glaube ich nicht, daß die verehrten beiden Vorredner etwas von meinen Ausführungen sich wirklich Unterscheidendes vorgebracht haben. Es könnten natürlich in dem einen oder anderen Kreise .Mißverständnisse eintreten, aber wirklich etwas von dem, was ich gesagt habe, Verschiedenes, ist eigentlich nicht vorgebracht worden.
[ 43 ] Rudolf Steiner: With regard to the point about democratization and its significance during the transitional period, I do not believe that the two esteemed speakers who spoke before me have presented anything that truly differs from my remarks. Of course, misunderstandings might arise in one circle or another, but nothing that truly differs from what I have said has actually been put forward.
[ 44 ] Sehen Sie, das müssen Sie als eine Grundlage gerade des ganzen Impulses der Dreigliederung ansehen, nämlich daß er überall auf die Wirklichkeit hinzielt, daß er gar nicht theoretisiert. Es ist eigentlich bei dem, was in meinem Buche über die soziale Frage steht - wenn ich mich jetzt ein bifßchen paradox ausdrücken darf -, nicht einmal so sehr das wichtig, was da unmittelbar drinnen steht, sondern das, was geschieht, wenn man darangeht, das zu verwirklichen, was da drinnensteht. Da werden die Leute merken, daß allerlei Dinge herauskommen, von denen sie sich vorher gar keine Vorstellung gemacht haben, gerade die Dinge, die heute unbewußt gefordert werden von den wirklich arbeitenden und produktiven Menschen. Und in einem speziellen Falle ist das mit der Demokratie der Fall. Natürlich, für die Übergangszeit wird ja eine sehr bedeutende Frage diese sein: Wenn wir nun wirklich eine ausreichende Mehrheit bekommen, und die halte ich für das einzig Gesunde, denn mit kleinen Gruppen läßt sich eben nichts auf die Dauer halten, wenn wir eine ausreichende Mehrheit bekommen für etwas wirklich praktisch Ausführbares, dann entsteht natürlich die Frage aus den betreffenden tatsächlichen Verhältnissen heraus, sie kann nur daraus kommen: Auf welche Weise komplimentiert man dann mehr oder weniger deutlich — Sie wissen ja, was ich damit meinen kann -, wie komplimentiert man diejenigen, von denen man wünscht, daß sie nun nicht mehr da sind als Regierende, heraus? Das ist natürlich eine bedeutsame Übergangsfrage, und ich glaube, daß, wenn eine wirklich relative Mehrheit —- ich will sogar sagen, eine ausreichende Mehrheit, es kommt nur darauf an, daß es eine Anzahl von Menschen ist, die den Ausschlag gibt und die Sache tragen kann, die aus Überzeugung dabei ist, aus Einsicht und nicht durch Nachlaufen, nicht auf Autorität hin — da ist, dann wird man auch die Form finden, in der das Neue erreicht werden kann.
[ 44 ] You see, you must regard this as the very foundation of the entire impulse of the threefold order—namely, that it is directed toward reality in every respect, that it does not theorize at all. Actually, when it comes to what is written in my book on the social question—if I may express myself a bit paradoxically—it is not even so much what is directly written there that is important, but rather what happens when one sets out to put into practice what is written there. People will realize that all sorts of things emerge—things they had no mental image of before—precisely the things that are unconsciously demanded today by those who are truly working and productive. And in one specific case, this applies to democracy. Of course, during the transitional period, a very significant question will be this: If we now actually achieve a sufficient majority—and I consider that the only sound approach, since small groups simply cannot sustain anything in the long run—if we achieve a sufficient majority for something that is truly practicable, then the question naturally arises from the actual circumstances at hand; it can only come from there: In what way does one then, more or less explicitly—you know what I mean by that—show those whom one wishes to see no longer in power the door? This is, of course, a significant transitional question, and I believe that if a truly relative majority—I would even say a sufficient majority— it just depends on there being a number of people who tip the scales and can carry the cause—people who are involved out of conviction and insight, not out of blind following or deference to authority—then a way will also be found to bring about the new.
[ 45 ] Aber sehen Sie, die Frage, die ja sehr schön Herr Mittwich hier erörtert hat, erscheint mir doch nicht so ganz praktisch behandelt zu sein, insbesondere wenn ich mir vorstelle, daß sich ja die Dinge eben im Raum und nicht in unserem Kopfe, nicht in unseren Gedanken abspielen sollen. Herr Mittwich hat mit Recht gesagt: Bei den Schicksalsfragen Deutschlands, bei den großen, ernsten Fragen der Gegenwart dürfen nur diejenigen mitsprechen, welche produktive Arbeiter sind, welche in irgendeiner Weise wirklich produktiv tätig sind. — Ich bin vollständig einverstanden. Aber sehen Sie, die menschliche Gesellschaft würde schlecht dastehen, wenn die Mehrzahl der Menschen nicht produktiv, wenn sie untätig wäre. Die Mehrzahl ist schon produktiv tätig. Und wenn man all die produktiv Tätigen nur hätte, wenn die nur wirklich eine Mehrzahl’ bildeten, dann wären wir ja fein heraus. Dann wären diejenigen stark in der Minderheit, die produktiv untätig sind: die Parasiten der Gesellschaft.
[ 45 ] But you see, the question—which Mr. Mittwich has indeed discussed very well here—does not strike me as having been addressed in a particularly practical way, especially when I have a mental image of these things taking place in space and not in our heads, not in our thoughts. Mr. Mittwich rightly said: When it comes to the fate of Germany, to the great, serious issues of the present, only those who are productive workers—those who are truly engaged in productive activity in some way—should have a say. — I completely agree. But you see, human society would be in a bad state if the majority of people were not productive, if they were idle. The majority is already engaged in productive work. And if we had only those who are productively active—if they truly constituted a “majority”—then we would be in fine shape. Then those who are productively inactive—the parasites of society—would be in a strong minority.
[ 46 ] Nun ist die Sache mit dem dreigeteilten Organismus so, daß ganz gewiß nur die produktiv Tätigen, also diejenigen, die wirklich etwas hervorbringen und etwas bedeuten für die Gesellschaft, sich das aneignen werden, was in seinen Impulsen liegt. Wenn die es sich aneignen, können wir uns auf diese Leute verlassen, und die Minorität, die es sich nicht aneignet, kommt nicht in Betracht. Durch das Annehmen eines wirklich Vernünifigen bekommen wir eben in der Praxis eine Majorität, auf die man sich verlassen kann. Also ich meine, die Sache selbst wird bewirken, daß, wenn sie angenommen wird, die Mehrheit der produktiv Tätigen sich Geltung verschaffen wird. Wie man aber irgend etwas durchbringen will, ohne daß man sich auf die Mehrheit der produktiv Tätigen stützen kann, das sehe ich in der Praxis noch nicht. Damit, daß man die Forderung aufstellt, es sollen an dem Schicksal Deutschlands nur die produktiv Tätigen teilnehmen, damit ist es noch nicht getan. Praktisch wird die Sache erst dann, wenn man bedenkt, wodurch denn die produktiv Tätigen allein eine Mehrheit bilden können. Die Parasiten werden schon ausgemerzt, wenn wir uns an den dreigliedrigen sozialen Organismus halten können. Denn der wird eine wirkliche Sozialisierung herbeiführen, und diejenigen, die unproduktive Gesellschaftsparasiten sind — dessen können Sie ganz sicher sein —, die werden keinen Geschmack finden können an dieser Sozialisierung. Die werden in die Untätigkeit — nun, da sind sie ja schon drinnen -, aber auch in die Untätigkeit in bezug auf ihre Stimme und so weiter zurückfallen müssen.
[ 46 ] Now, the thing about the threefold social order is that it is certainly only those who are productively active—that is, those who truly produce something and matter to society—who will internalize what lies at its core. If they embrace it, we can rely on these people, and the minority that does not embrace it need not be taken into account. By adopting something truly reasonable, we will, in practice, end up with a majority that can be relied upon. So I believe that the matter itself will ensure that, if it is accepted, the majority of productive workers will assert themselves. But I do not yet see, in practice, how one could push anything through without being able to rely on the majority of productive workers. Merely making the demand that only productive workers should have a say in Germany’s fate is not enough. The matter only becomes practical when one considers how the productive members of society alone can form a majority. The parasites will already be weeded out if we can adhere to the threefold social organism. For that will bring about true socialization, and those who are unproductive social parasites—of that you can be quite certain—will not be able to find any appeal in this socialization. They will have to fall back into inactivity—well, they’re already there—but also into inactivity with regard to their vote and so on.
[ 47 ] Nicht wahr, wirtschaftlich läßt sich allerdings durch den Kapitalismus Zwang ausüben, das habe ich ja genügend ausgeführt. Aber dieser Zwang fällt eben dann fort, wenn wir ihn unschädlich machen dadurch, daß wir für den Abbau des Kapitalismus sorgen. Deshalb kann ich eigentlich immer nicht begreifen, wie fortwährend durcheinandergemischt wird dasjenige, was so paßt für die Gegenwart und was so paßt für die Zeit, die da kommen soll, die aber wirklich schon vor der Türe stehen muß, denn wir haben nicht lange Zeit. Für die Gegenwart kann man ja davon sprechen, daß einem die Kapitalisten die Gurgel zuschnüren können, aber das wollen wir gerade verhindern, daß sie das machen können. So können wir uns nicht Zustände ausdenken, die wir ja gerade beseitigen wollen. Deshalb ist es nicht richtig, daß eingewendet wird, die Kapitalisten werden die Macht haben. Sie werden sie eben nicht haben, wenn wir so vorwärtsschreiten, wie es der drei- gliedrige soziale Organismus andeutet. Dadurch wird sie ihnen eben genommen. Und schließlich, wer heute genauer hinsieht, für den stellt sich die Frage so: Ja, ist denn eigentlich heute noch das Kapital als solches, in der Hauptsache als wirtschaftliche Macht, über weite Gebiete wirklich ein so außerordentlich Mächtiges?
[ 47 ] It’s true, of course, that capitalism can exert coercion economically—I’ve made that point clear enough. But this coercion ceases the moment we render it harmless by ensuring the dismantling of capitalism. That is why I really still cannot understand how people constantly confuse what is appropriate for the present with what is appropriate for the time to come—a time that must truly already be at our doorstep, for we do not have much time left. As for the present, one could certainly say that the capitalists can strangle us, but that is precisely what we want to prevent—that they be able to do so. We cannot imagine conditions that we are actually trying to eliminate. That is why it is incorrect to object that the capitalists will hold power. They simply will not have it if we move forward as the threefold social organism suggests. That is precisely how it will be taken from them. And finally, for anyone who looks more closely today, the question arises: Is capital as such—primarily as an economic power—really still so extraordinarily powerful across vast areas today?
[ 48 ] Sehen Sie, da will ich Ihnen doch an einem Vergleich etwas verdeutlichen. Ich war einmal in einer Familie, die hatte einen recht großen Hund. Und plötzlich, nachdem sich die Frau der Familie lange Zeit sehr bedächtig diesen Hund angeschaut hatte, kam sie auf einen merkwürdigen Gedanken. Sie sagte, wenn sich dieser Hund jetzt plötzlich seiner Kraft bewußt würde und er würde sie anwenden, dann könnte er uns alle zerfleischen. Aber der ist so zahm, und wir sind eigentlich nur durch das, daß er sich an die Zahmheit gewöhnt hat, gerettet. — Sehen Sie, von der Kraft des alten Kapitalismus ist heute schon sehr viel unterhöhlt. Man denkt nur nicht daran, wieviel schon unterhöhlt ist, wieviel heute nur noch dadurch zum Schein aufrechterhalten wird, daß die alten Verhältnisse fortgepflanzt werden. Ja, sehen Sie, hätten nach der deutschen Revolution — nicht wahr, Vergleiche hinken ja immer, der Vergleich soll nichts anderes sein als ein Ausdruck für die Kraftverhältnisse — diejenigen, die dann heraufgekommen sind, das in sich hervorgebracht, daß sie sich bewußt geworden wären der Kraft, die in dem Bulldoggen liegt, hätten sie sich nicht hypnotisieren lassen von einem Fortwursteln in alten Bahnen, dann wären wir heute schon weiter.
[ 48 ] Look, I’d like to use an analogy to illustrate something. I was once visiting a family that had a rather large dog. And suddenly, after the woman of the family had been looking at this dog very thoughtfully for a long time, she had a strange thought. She said that if this dog were to suddenly become aware of its strength and use it, it could tear us all to pieces. But he’s so tame, and we’re really only saved by the fact that he’s grown accustomed to being tame. — You see, the strength of old capitalism has already been greatly undermined today. People just don’t realize how much has already been undermined, how much is only being kept up in appearance today simply by perpetuating the old conditions. Yes, you see, if after the German Revolution—though comparisons are always flawed, and this one is meant merely to illustrate the balance of power—those who rose to power had found within themselves the awareness of the strength inherent in the bulldog, and had not allowed themselves to be hypnotized by muddling through along the old paths, then we would already be further along today.
[ 49 ] Nun, spezielle Fragen sind ja gerade bei den praktischen Menschen nicht immer so ganz leicht zu beantworten. Ich will Ihnen sagen, aus welchem Grunde. Die speziellen Fragen sind nämlich je nach den Verhältnissen mal so und mal so zu beantworten. Die Dinge können ganz verschieden gehandhabt werden, und es ist nicht immer notwendig, daß sie immer auf dieselbe Art gemacht werden. Der Programm-Mensch, der Theoretiker, der ist gewöhnlich so gescheit, daß er bis aufs I-Tüpfelchen hin ein sozialistisches Programm ausdenkt. Solche Leute hat es immer gegeben. Aber darauf kommt es nicht an, sondern darauf, daß man zeigt, wie der Boden gestaltet sein muß, damit die Menschen selber sozialisieren können, damit sie sich zusammenfinden im Sozialisieren.
[ 49 ] Well, specific questions aren’t always that easy to answer, especially for practical-minded people. Let me tell you why. The thing is, depending on the circumstances, specific questions sometimes call for one answer and sometimes another. Things can be handled in very different ways, and it isn’t always necessary to do them the same way every time. The “program-oriented” person, the theorist, is usually so clever that he devises a socialist program down to the last detail. There have always been people like that. But that’s not what matters; what matters is showing how the groundwork must be laid so that people can socialize on their own, so that they can come together in the process of socializing.
[ 50 ] Ich muß immer wieder betonen: Ich fühle mich nicht gescheiter als andere mit Bezug auf die Einzelheiten, aber ich versuche, Anregungen zu geben, wie aus jedem Menschen das herauskommen kann, was zur Sozialisierung beitragen kann. Deshalb möchte ich, daß sich die Menschen auf drei Böden stellen. Die Menschen werden ja nicht in Stände gegliedert, sondern sie alle werden in jedem Gebiete drinnenstehen. Und die Menschen sind es, die die Einheit bilden werden. Deshalb möchte ich so in die Ideengemeinschaft der Kräfte hineinkommen, daß die Sozialisierung durch die Menschen wirklich bewirkt werden kann. Dann werden wir unter den neuen Verhältnissen auch ein gerechtes System der Besteuerung herausfinden. Wir dürfen nicht vergessen: Wir können nicht aus der heutigen Vermögensstatistik ein gerechtes Prinzip für die Besteuerung herausfinden, da wir doch daran arbeiten, sie auf einen ganz anderen Boden zu stellen. Nicht wahr, alle diese Dinge wie Einkommenssteuer, Verbrauchssteuer und so weiter, die werden ja auf einen ganz anderen Boden in der Zukunft gestellt. Lesen Sie in meiner Schrift über die soziale Frage nach. Da werden Sie sehen, daß ja in der Zukunft manches ganz anders sein wird. So zum Beispiel steht der Familienvater in ganz anderer Art im sozialen Organismus als der Ledige, und zwar deshalb, weil, wenn der Rechtsstaat sich wirklich so ausbildet, wie ich es annehme, dann jedes Kind das Recht auf Erziehung besitzt. Dann ist die Situation nicht die, daß der Familienvater seinen kärglichen Lohn auf eine große Familie verteilen muß, während der Ledige alles für sich verbrauchen kann. Die Verhältnisse werden ganz andere. [Zwischenruf: Und die anderen Bedarfsartikel?] Das Recht auf Bedarfsartikel ist ja ein selbstverständliches. Das ist ja dadurch, daß der Wirtschaftsprozeß ein realer ist, gesichert. Jeder, der etwas produziert, wird einfach durch den Wirtschaftsprozeß die Möglichkeit haben, die viel sicherer ist als ein abstraktes Recht, die Bedarfsartikel zu beschaffen. Das, was durch die Emanzipierung des Wirtschaftslebens hervorgerufen werden soll, ist, daß man so viel hat, daß es reicht. Der Bedarf wird besser befriedigt dadurch, daß man ein Recht auf Bedarfsartikel und damit genug im Portemonnaie hat. Das ist dasjenige, was das Recht auf Bedarfsartikel betrifft. Es ist das eigentlich kein brauchbarer Ausdruck, weil es in der Realität nicht von Bedeutung ist, wenn man wirklich an eine Realisierung des dreigliedrigen sozialen Organismus denkt. Dann nämlich wird ja hergestellt das, was den Menschen von einem gewissen Lebensalter an auch wirklich gleichstellt mit einem anderen Menschen.
[ 50 ] I must emphasize again and again: I do not consider myself smarter than others when it comes to the details, but I try to offer suggestions on how to bring out in every person what can contribute to socialization. That is why I would like people to stand on three foundations. After all, people are not divided into classes; rather, they will all be part of every sphere. And it is the people who will form the unity. That is why I would like to join the community of ideas and forces in such a way that socialization can truly be brought about by the people. Then, under the new conditions, we will also find a just system of taxation. We must not forget: We cannot derive a just principle for taxation from today’s wealth statistics, since we are working to place them on an entirely different foundation. Isn’t that right? All these things—such as income tax, excise tax, and so on—will be placed on an entirely different foundation in the future. Please read my treatise on the social question. There you will see that, in the future, many things will indeed be quite different. For example, the father of a family occupies a very different position in the social organism than the single person, precisely because, if the constitutional state truly develops as I assume it will, then every child has the right to an education. Then the situation will not be one in which the family man must divide his meager wages among a large family, while the single person can spend everything on himself. The circumstances will be entirely different. [Interjection: And the other necessities?] The right to necessities is, of course, a given. It is guaranteed by the fact that the economic process is a real one. Anyone who produces something will, simply through the economic process, have the opportunity—which is far more secure than an abstract right—to procure the necessities of life. What the emancipation of economic life is intended to bring about is that people have enough to get by. Needs are better met when one has a right to the necessities of life and, consequently, enough money in one’s wallet. This is what concerns the right to necessities. It is actually not a useful expression, because in reality it is irrelevant if one truly envisions the realization of the threefold social organism. For then, in fact, what is created is what truly places people on an equal footing with one another from a certain age onward.
[ 51 ] Nicht wahr, das Einkommen als solches, das braucht unter Umständen gerade in einem wirklich sozialisierten Gemeinwesen gar nicht maßgebend zu sein für dasjenige, was man verbrauchen kann. Denn es ist durchaus möglich, daß der Mensch dadurch, daß er irgendwie eine, nun, nennen wir es Qualitätsarbeit, zu leisten hat, daß er scheinbar gerade im sozialistischen Gemeinwesen mehr einnimmt als ein anderer; er hat deshalb nicht mehr für seinen Verbrauch als ein anderer, er muß es wiederum ausgeben in der entsprechenden Weise. Darauf kommt es nicht an, diesen Begriff von Einnahmen und Verbrauch in der Zukunft besonders ins Auge zu fassen, sondern es kommt darauf an, daß — weil ein Mensch wirtschaftlich gerecht in bezug auf den anderen Menschen gestellt sein wird -—, daß es in der Zukunft möglich sein wird, überhaupt den Staat auch als Steuereinnehmer aus dem Wirtschaftsprozeß auszuschalten.
[ 51 ] Isn’t it true that income as such may, under certain circumstances—especially in a truly socialized community—not be the determining factor in what one can consume? For it is entirely possible that, because a person has to perform—let’s call it—high-quality work, he may appear to earn more than others, especially in a socialist community; yet he does not have more for his consumption than others—he must, in turn, spend it in the appropriate manner. What matters is not to focus particularly on this concept of income and consumption in the future, but rather that—because one person will be placed on an economically equal footing with others—it will be possible in the future to eliminate the state as a tax collector from the economic process altogether.
[ 52 ] Sehen Sie, ein Begriff wird in der Zukunft ganz verschwinden müssen, der Begriff der juristischen Persönlichkeit, auch der wirtschaftlich-juristischen Persönlichkeit. Es wird tatsächlich das, was an Steuern zu bezahlen ist, von einzelnen Menschen zu zahlen sein, weil im Staate, im demokratischen Staate, auf dem Boden, auf dem das Recht leben soll, der einzelne Mensch dem einzelnen Menschen gegenübersteht. Die Menschen können nur dann gleich sein, wenn ein Mensch dem anderen als Einzelner gegenübersteht. Auf dem Boden des Wirtschaftslebens und auf dem Boden des Geisteslebens muß es Korporationen geben. Auf dem Boden des Staates kann es nur Recht geben, das ist für alle Menschen dasselbe, das kann auch jeder erwachsene Mensch durchschauen. Davon ist aber das Äquivalent, daß jede Privatperson, daß jeder einzelne nur der Steuerträger ist. Das kann proportional so eingerichtet werden, daß nie Ungerechtigkeit vorkommt, aber diese Proportionalität wird nicht notwendig sein, wenn wirklich ein Ausgleich unter den Menschen da ist. Die Steuerfrage wird dann etwas ganz anderes sein. Deshalb gelten die Dinge, um die es sich handelt und die heute gefragt werden können, mehr für das Übergangsstadium. Da muß man oftmals ja Dinge machen, die nicht bleiben. Da handelt es sich natürlich darum, daß man allmählich die Wege schafft zu der Besteuerung des einzelnen Menschen, nicht zur Besteuerung von Komplexen [...] Natürlich muß auch eine Verbrauchssteuer geschaffen werden, womit ich nicht die indirekten Steuern meine, die ungerecht sind. Also, eine Verbrauchssteuer muß geschaffen werden, das heißt, daß derjenige, der viel Geld verbraucht, natürlich mehr herangezogen werden muß als derjenige, der nicht viel verbraucht, denn wenn sich einer das Geld in den Strohsack legt, so hat das für das soziale Leben keine Bedeutung. Bedeutung erlangt es erst dann, wenn es ausgegeben wird.
[ 52 ] You see, one concept will have to disappear entirely in the future: the concept of legal personality, including economic-legal personality. In fact, the taxes that are due will have to be paid by individual people, because in the state—in the democratic state—on the foundation upon which the law is to stand, the individual stands face to face with the individual. People can only be equal when one person faces another as an individual. In the realm of economic life and in the realm of intellectual life, there must be corporations. In the realm of the state, there can only be law—which is the same for all people—and every adult can understand this. The corollary of this, however, is that every private individual, every single person, is merely a taxpayer. This can be structured proportionally so that injustice never occurs, but such proportionality will not be necessary if there is truly a balance among people. The tax issue will then be something entirely different. That is why the matters at hand—and those that can be addressed today—apply more to the transitional stage. In such a stage, one often has to implement measures that are not permanent. Of course, the aim here is to gradually pave the way for the taxation of the individual, not the taxation of entities [...] Naturally, a consumption tax must also be established—by which I do not mean the indirect taxes that are unjust. So, a consumption tax must be established; that is to say, those who spend a lot of money must naturally be taxed more than those who do not spend much, because if someone stashes their money away in a straw sack, it has no significance for social life. It only gains significance when it is spent.
[ 53 ] Das sind natürlich so spezielle Fragen, die heute, weil sie ganz einzelne praktische Fragen sind, im Grunde genommen immer nur mangelhaft beantwortet werden können, weil auch die Einrichtungen im Übergangsstadium noch nicht gut sein können. Wenn wir eine Denkweise finden, die es ermöglicht, das gerecht zu verteilen, was dem Staate zukommt, so werden wir auch einen Weg finden, daß wir den, der heute noch ein großes Einkommen hat, mehr besteuern als den, der weniger hat. Und das, was Herr Mittwich in bezug auf die Zukunft gesagt hat, das kann nur verwirklicht werden, wenn alles das da sein wird, was durch die Dreigliederung geschaffen werden kann.
[ 53 ] These are, of course, such specific questions that today—because they are very specific practical issues—can, in essence, only ever be answered inadequately, since even the institutions in this transitional stage cannot yet be fully developed. If we can find a way of thinking that makes it possible to distribute fairly what is due to the state, then we will also find a way to tax those who still have a high income today more heavily than those who have less. And what Mr. Mittwich said about the future can only be realized if everything that can be created through the threefold social order is in place.
[ 54 ] Eine sehr reale Frage ist die, wie die Durchführung der Sozialisierung zu denken ist. Manche sagen, sie könne nur durch eine Steigerung der Produktion angestrebt werden. Ja, da kommen aber wirklich noch ganz andere Dinge in Betracht. Diesbezüglich ist noch keine große Klarheit in der gegenwärtigen Menschheit anzutreffen. Sehen Sie, ich sagte einmal in einem Vortrag — ich glaube vor Daimler-Arbeitern —, daß das Eigentümliche in der neueren Menschheitsentwicklung das sei, daß durch die Maschinen die Anzahl der Arbeitenden auf der ganzen Erde nicht übereinstimmt mit der Anzahl der Menschen, die im Konversationslexikon als Bevölkerungszahl der Erde angegeben ist. Da werden ungefähr 1500 Millionen Menschen angegeben, aber in Wahrheit, wenn wir die arbeitende Bevölkerung zählen, sind es 2000 Millionen, also 500 Millionen mehr. Das ist eine eigentümliche Tatsache. Ich behaupte natürlich nicht, daß Gespenster herumlaufen, die ja auch nicht arbeiten würden, wenn sie herumliefen, sondern das ist so, weil wir Maschinen haben und vergleichen können, was wirtschaftlich produziert wird unter Anwendung der Maschinen etwa im Gegensatz zum Orient, wo noch nicht so viele Maschinen vorhanden sind, wo der Mensch mehr Hand anlegt. Dadurch ist man in die Möglichkeit versetzt, zu berechnen, daß das, was seit der Herrschaft der Maschine auf der ganzen Erde mehr geleistet wird, eben 500 Millionen Menschen entspricht. Denken Sie sich einmal, wieviel da an Arbeit, an Produktionskraft erspart werden könnte, wenn das wirklich in vernünftiger Weise verwertet würde. Aber darauf ist mir merkwürdigerweise erwidert worden: Ja, ich hätte ja ganz richtig gesagt, daß durch die Maschine 500 Millionen imaginärer Menschen da seien, also 500 Millionen Menschen mehr als in Wirklichkeit, daß also die Arbeit geleistet würde von 2000 Millionen Menschen, aber dafür seien auch die Bedürfnisse der Menschen gestiegen während des Maschinenzeitalters und das gleiche sich wiederum aus gegenüber früher. — Das ist ein Einwand, den man sehr häufig gemacht bekommt, daß einfach, wenn die Produktionskraft gesteigert wird, sich auch die Bedürfnisse steigern. Ein Loch wird zugemacht, ein anderes geht auf. Aber in Wirklichkeit ist es doch anders. Da ist es doch so, daß alles zu Hilfe genommen werden muß, was zur Rationalisierung, zur richtigen Ausgestaltung des Produktionsprozesses führen kann. Wer nur denkt, der Produktionsprozeß müsse gesteigert werden, der kommt nicht zum Richtigen - und dies ist: ein richtiger Ausgleich zwischen Konsumtion und Produktion, nicht die möglichst große Steigerung der Produktion. Die führt auch nicht zu dem, was erstrebt werden muß, also zu einer solchen Preisbildung, die wirklich menschenwürdige Lebensbedingungen für alle Menschen schafft.
[ 54 ] A very real question is how the process of socialization should be conceived. Some say it can only be achieved through an increase in production. Yes, but there are really quite other factors to consider as well. In this regard, there is still little clarity among people today. You see, I once said in a lecture—I believe it was to Daimler workers—that what is peculiar about recent human development is that, because of machines, the number of workers worldwide does not correspond to the number of people listed in the encyclopedia as the world’s population. The encyclopedia lists approximately 1,500 million people, but in reality, if we count the working population, the number is 2,000 million—that is, 500 million more. That is a peculiar fact. Of course, I am not claiming that ghosts are running around—who, after all, would not be working even if they were—but this is the case because we have machines and can compare what is economically produced using machines, as opposed to, say, the Orient, where there are not yet so many machines and where people do more manual labor. This makes it possible to calculate that the increase in output achieved worldwide since the advent of machinery corresponds precisely to 500 million people. Just imagine how much labor and productive capacity could be saved if this were truly utilized in a sensible way. But, strangely enough, I was told in response: Yes, I was quite right to say that machines have created 500 million “imaginary” people—that is, 500 million more than actually exist—so that the work is being done by 2,000 million people; but in return, people’s needs have also risen during the machine age, and the same is true compared to earlier times. — This is an objection one hears very frequently: that simply increasing productive capacity also increases needs. One hole is plugged, and another opens up. But in reality, things are different. The fact is that we must make use of everything that can lead to rationalization and the proper organization of the production process. Anyone who thinks that the production process simply needs to be ramped up is missing the point—and that point is: a proper balance between consumption and production, not the greatest possible increase in production. Nor does that lead to what we must strive for, namely a pricing structure that truly creates dignified living conditions for all people.
[ 55 ] Das, was notwendig ist, das ist namentlich, daß gerade in der Produktion nicht solche Fehler gemacht werden, die, sagen wir, in Deutschland gemacht worden sind. Einer davon — es sind ja viele gemacht worden - ist der, daß in den Jahren lange Zeit vor Ausbruch des Weltkrieges für die deutsche Industrie doppelt so viele Kohlen gebraucht worden sind, als erforderlich gewesen wäre. Da sind einfach soundso viele Kräfte nutzlos verbraucht worden, die eigentlich ganz anderem hätten dienen können. Gerade darauf kommt es an, daß wir im Wirtschaftsprozeß Menschen haben, die der gegenwärtigen Situation gewachsen sind. Die haben wir aber nicht. Die Menschen können zwar im großen Stil sehr fortgeschritten technisch denken, hingegen wirklich wirtschaftlich leitende Persönlichkeiten haben wir nicht, an denen fehlt es uns. Der wirtschaftliche Prozeß ist gar nicht in der Weise wirklich organisiert, wie er sein müßte, denn die Leute haben gar keine Ahnung davon, wie sehr es darauf ankommt, daß nicht unnötig Produktivkräfte in die Luft verpulvert werden.
[ 55 ] What is necessary, specifically, is that—particularly in production—mistakes not be made of the kind that, let’s say, were made in Germany. One of these—and many were made—is that, for a long time before the outbreak of World War I, German industry consumed twice as much coal as was necessary. Simply put, a great deal of resources were wasted that could actually have been put to entirely different uses. It is precisely this that matters: that we have people in the economic process who are up to the task of the current situation. But we do not have such people. While people may be capable of thinking in highly advanced technical terms on a grand scale, we lack true economic leaders—that is what we are missing. The economic process is not really organized the way it should be, because people have absolutely no idea how crucial it is not to waste productive forces unnecessarily.
[ 56 ] Ich habe öfter schon in diesen Vorträgen ein groteskes Beispiel gebraucht. Es kommt ja heute nicht selten vor, daß ein junger Dachs, nachdem er die Universität absolviert hat, seine Doktorarbeit schreiben muß. Ich schildere jetzt ein konkretes Beispiel. Ein junger Mensch bekam von seinem Professor die Aufgabe, seine Doktorarbeit zu schreiben über die Beistriche bei Homer - die es übrigens nicht gibt. Das ist natürlich eine Arbeit, die zum sozialen Prozeß nicht das Geringste beiträgt. Die Leute, die vom Wissenschaftsdenken hypnotisiert sind, die nehmen es einem übel, wenn man so etwas sagt. Aber diese Sache muß in das wirtschaftliche Licht gerückt werden. Wirtschaftlich kommt das in Betracht, daß dieser junge Mann eineinhalb Jahre für die Arbeit braucht. In dieser Zeit muß er doch essen, trinken, sich kleiden. Daß er das kann, macht notwendig, daß soundso viele Menschen für sein Essen und Trinken Arbeit leisten müssen, er aber verpulvert seine Produktivkraft, er leistet für die Gesellschaft nichts. Er wird durch dasjenige, was die Leute «freie selbständige Wissenschaft» nennen, zum Parasiten des Gesellschaftslebens. Das ist nur ein Beispiel. Solche Dinge aber, wo man sehr fleißig sein kann, aber letztlich unproduktiv, solche Dinge gibt es viele in unserem Produktionsprozeß, in unserem ganzen gesellschaftlichen Leben. Da entsteht die Frage: Wie bekommen wir denn das heraus? Wir bekommen es nicht heraus, ohne daß wir das geistige Leben auf seinen eigenen Grund und Boden stellen. Steht es denn heute auf seinem Grund und Boden? Wo man es angreift, da spürt man den ungesunden Boden. Wo kommen denn die zahlreichen Menschen her, die da losgelassen werden auf die arbeitende Bevölkerung und die da leiten oder regieren sollen diejenigen, die da arbeiten?
[ 56 ] I have often used a grotesque example in these lectures. It is not uncommon today for a young person, after graduating from college, to have to write a doctoral dissertation. I will now describe a specific example. A young man was assigned by his professor to write his doctoral dissertation on commas in Homer—which, incidentally, do not exist. This is, of course, a dissertation that contributes absolutely nothing to the social process. People who are hypnotized by scientific thinking take offense when one says such a thing. But this matter must be viewed from an economic perspective. From an economic standpoint, it is significant that this young man needs a year and a half to complete the work. During this time, he must eat, drink, and clothe himself. For him to be able to do so requires that a certain number of people must work to provide his food and drink, yet he squanders his productive capacity; he contributes nothing to society. Through what people call “free, independent science,” he becomes a parasite on social life. That is just one example. But there are many such things in our production process—and in our entire social life—where one can be very diligent yet ultimately unproductive. This raises the question: How do we eliminate this? We cannot eliminate it without placing intellectual life on its own solid foundation. Does it stand on its own solid foundation today? Wherever you examine it, you sense the unhealthy ground beneath it. Where do all these people come from who are unleashed upon the working population and are supposed to lead or govern those who actually do the work?
[ 57 ] Ich habe in meinen Vorträgen schon öfter das Beispiel angeführt eines gewissen Regierungsrates Kolb. Dieser Regierungsrat Kolb, er machte es nicht wie viele andere, die sich nach einer gewissen Zeit pensionieren lassen, sondern er ging nach Amerika und arbeitete dort unter Arbeitern, zuerst in einer Fahrradfabrik, dann in einer Brauerei. Dann hat er ein Buch geschrieben: «Als Arbeiter in Amerika». In diesem Buch lesen Sie den folgenden schönen Satz: Früher, wenn ich auf der Straße einen Menschen sah, der nicht arbeitete, dachte ich: Warum arbeitet denn der Lump nicht? Heute sehe ich die Sache ganz anders an. Heute weiß ich, daß sich die unbehaglichen Dinge des Lebens in der Studierstube noch ganz behaglich ausnehmen. — Nun, sehen Sie, dieser Mensch hat es bis zum Regierungsrat gebracht. Er hat also ganz gewiß da drinnen studiert in unseren heutigen Geisteswerkstätten, aber er hat keine Ahnung gehabt vom Leben, keine Ahnung von der Arbeit. Von solchen Leuten wird heute das Leben geleitet! Man ahnt gar nicht, wie sehr von solchen Dingen unsere Lebensverhältnisse abhängig sind! Müssen aber diese Verhältnisse nicht ungesund sein? Ja, ich bitte Sie doch nur zu berücksichtigen, daß der Mensch wirklich von seinen Gedanken abhängig ist. Was da im Kopfe drinnen ist, das ist nicht gleichgültig, das steckt an, das steckt, besonders wenn es in den Entwicklungsjahren an den Menschen herankommt, den ganzen Menschen an. Und jetzt will ich Ihnen etwas sagen: Sorgen die heutigen Lehranstalten dafür, daß Menschen ausgebildet werden, die dann etwas verstehen vom Leben, auf dessen Boden sich die Arbeit abspielt? Nein, das sind ganz andere Verhältnisse. Und in den Köpfen derjenigen, die heute von unseren Lehranstalten entlassen werden, was leben in ihnen für Gedanken? Es leben in ihnen die Gedanken, die die Leute zum Beispiel durch die griechische Sprache aufnehmen. Aber eine Sprache ist das deutliche Spiegelbild des äußeren Lebens. Grammatik, Wortbildung, selbst der Tonfall und alles andere ist dem Leben entnommen. Die griechische Sprache, wenn ich mich mit ihr durchdringe, die macht mich so, daß ich mich in das griechische Leben hineinfinde. Damals war es so, daß nur der ein freier Mensch sein durfte, der Politik oder Kunst oder Wissenschaft trieb oder vielleicht noch den Ackerbau verwaltete. Alle anderen waren Unfreie. Auf dieses nun ist alles, indem man das Griechische aufnimmt, hingerichtet. Die Menschen, die da heute aus den Lehranstalten herauskommen, die kommen heraus mit Gedanken, die nur anwendbar sind auf eine solche Gesellschaftsordnung, in der nur wenige Menschen freie, die meisten aber unfreie sind. Das merken die Leute nicht, was da unbewußt vorgeht, was da in sie einfließt. Deshalb muß das Geistesleben befreit werden, damit wir nicht Kapitalisten und ihre Knechte als geistige Leiter haben, sondern damit die geistige Leitung zum Wirtschaftsleben paßt. Ist es denn eigentlich nicht absurd — es handelt sich ja jetzt um die «große Abrechnung» -, ist es denn nicht absurd, daß unsere geistigen Leiter es nicht so machen wie die Griechen? Die Griechen haben in ihren Lehranstalten für ihr Leben gelernt. Man mag das heute kritisieren wie man will, aber es war eben das Leben damals. Heute darf das das Leben nicht sein! Wir lernen aber nicht dasjenige, was für unser Leben erforderlich ist, sondern wir lassen unsere Jugend das lernen, was für das alte Griechenland war.
[ 57 ] I have often cited the example of a certain government official named Kolb in my lectures. This government official, Kolb, did not do what many others do—retire after a certain amount of time—but instead went to America and worked there alongside laborers, first in a bicycle factory, then in a brewery. Then he wrote a book: As a Worker in America. In this book, you’ll find the following beautiful sentence: “In the past, when I saw someone on the street who wasn’t working, I used to think: Why isn’t that good-for-nothing working? Today I see things quite differently. Today I know that the uncomfortable aspects of life seem quite comfortable when viewed from the comfort of a study.” — Well, you see, this man made it all the way to the position of State Councilor. So he certainly studied there, in our modern intellectual workshops, but he had no idea about life, no idea about work. Life is run by such people today! You have no idea how much our living conditions depend on such things! But aren’t these conditions bound to be unhealthy? Yes, I simply ask you to consider that a person is truly dependent on his or her thoughts. What’s inside the head is not insignificant; it’s contagious—it affects the whole person, especially when it reaches them during their formative years. And now let me tell you something: Do today’s educational institutions ensure that people are trained to understand the very life in which their work takes place? No, the circumstances are entirely different. And in the minds of those who graduate from our educational institutions today, what kinds of thoughts dwell within them? They harbor the thoughts that people absorb, for example, through the Greek language. But a language is the clear reflection of external life. Grammar, word formation, even intonation, and everything else is drawn from life. The Greek language—when I immerse myself in it—enables me to find my way into Greek life. Back then, only those who engaged in politics, art, or science—or perhaps managed agriculture—were permitted to be free people. All others were unfree. Everything about learning Greek is geared toward this very fact. The people who graduate from educational institutions today come out with ideas that are applicable only to a social order in which only a few are free, while the majority are unfree. People do not realize what is happening unconsciously, what is seeping into them. That is why spiritual life must be liberated, so that we do not have capitalists and their servants as spiritual leaders, but rather so that spiritual leadership is in harmony with economic life. Isn’t it actually absurd—since we are now talking about the “great reckoning”—isn’t it absurd that our spiritual leaders do not follow the example of the Greeks? The Greeks learned in their educational institutions for the sake of their lives. One may criticize this today as one pleases, but that was simply life back then. Today, that must not be our life! Yet we do not learn what is necessary for our own lives; instead, we allow our youth to learn what was relevant to ancient Greece.
[ 58 ] Ja, sehen Sie, an diesen Grundlagen für eine gesunde Sozialisierung denken eben die Menschen heute noch nicht. Das ist aber notwendig, vor allen Dingen, wenn von einer richtigen Gestaltung der Produktion, die ja heute recht kompliziert ist, gesprochen wird. So muß man heute lernen einzusehen, zum Beispiel wie groß ein Produktionsbetrieb sein darf. Denn sehen Sie, auf einen zu kleinen Produktionsbetrieb trifft durchaus das zu, was Herr Mittwich gesagt hat. Er kann natürlich nicht bestehen, weil er einer alten Wirtschaftsordnung angehört. Aber wir dürfen die Produktionsbetriebe aus rein wirtschaftlichen Gründen nicht zu groß werden lassen, und zwar deshalb: Zu kleine Betriebe — das muß ich als wirtschaftliches Gesetz heute aussprechen -, zu kleine Betriebe werden in der Zukunft dazu führen, daß diejenigen, die in ihnen arbeiten, verhungern. Zu große Betriebe werden ein Verhungern derjenigen bewirken, die das kaufen sollen, was in diesen Betrieben produziert wird. Der Produktionsbetrieb muß eine ganz bestimmte Größe haben, und diese Größe wird nur festgestellt werden können, wenn in Zukunft durch die Menschen, die etwas verstehen, eine richtige Balance zwischen Konsumtion und Produktion geschaffen wird. Die Konsumtionsinteressen sind immer so, daß sie sich ausdehnen wollen. Konsumtionsgenossenschaften, das werden Sie immer sehen, haben ein Interesse, groß zu werden. Produktionsgenossenschaften wollen immer kleiner werden. Der richtige Ausgleich wird geschaffen durch dasjenige, was Produktion und Konsumtion zusammen bewirken. Dann werden solche Betriebe entstehen, die eine entsprechende Größe haben werden, so daß wirklich der geistig tätige Mensch zum Heil der mit ihm körperlich Arbeitenden wirken kann, und daraus wird ein natürlicher Wohlstand hervorgehen, der den breiten Massen ein menschenwürdiges Dasein sichern können wird.
[ 58 ] Yes, you see, people today still don’t think about these fundamentals of healthy socialization. But that is necessary, especially when we talk about properly organizing production, which is, after all, quite complicated today. So today we must learn to recognize, for example, how large a production facility may be. Because, you see, what Mr. Mittwich said certainly applies to a production facility that is too small. It cannot, of course, survive because it belongs to an old economic order. But we must not allow production facilities to become too large for purely economic reasons, and here’s why: Facilities that are too small—and I must state this today as an economic law—will, in the future, lead to those who work in them starving. Facilities that are too large will cause those who are supposed to buy what is produced in these facilities to starve. A production enterprise must be of a very specific size, and this size can only be determined if, in the future, people who understand the matter create a proper balance between consumption and production. The interests of consumption are always such that they seek to expand. Consumer cooperatives—as you will always see—have an interest in growing larger. Production cooperatives always want to become smaller. The proper balance is created by the combined effects of production and consumption. Then enterprises will emerge that are of an appropriate size, so that the intellectually active person can truly work for the benefit of those who labor physically alongside them, and from this will arise a natural prosperity that will ensure a dignified existence for the broad masses.
[ 59 ] Also, Sie sehen, so einfach ist die Frage nicht. Es ist notwendig, daß man einsieht, daß es ungesund ist, wenn jemand sagt, daß, wenn die gesamte Produktion durch die Maschine geleistet wird — wie der Herr mir dazumal sagte -, daß dann auch die Bedürfnisse steigen. Es ist eine Frage, ob das ein gesunder Zustand ist, wenn die Bedürfnisse steigen dürfen, oder ob nicht die Möglichkeit ins Auge gefaßt werden muß, dem Menschen Arbeit abzunehmen, damit er etwas Ruhe finden kann. Das kann auch beitragen zur richtigen Regulierung der Preise. Die Menschen sehen oft das Allereinfachste nicht. Ich möchte Ihnen ein Beispiel geben: Ich kam einmal mit jemandem in einen freundschaftlichen Streit über das Bekritzeln von Ansichtspostkarten. Ich sagte: Ich schreibe nicht gerne Ansichtskarten, denn meistens sind sie doch nur einer Laune entsprungen und eigentlich etwas Unnötiges. Und ich glaube, daß ich all den Briefträgern, die da treppab und treppauf laufen müssen, dieses Treppab- und Treppauflaufen ersparen kann. Ich möchte ihnen diese Arbeit ersparen. Der andere sagte: Das ist nicht richtig, denn erstens habe ich eine Freude, wenn ich einem anderen eine Freude machen kann mit der Karte. - Nun, das ließ sich noch anhören. Dann sagte er aber: Dann werden zweitens die bisherigen Briefträger bald nicht mehr ausreichen, und man muß weitere einstellen. So kommt dann wieder jemand in Brot dadurch, daß ich viele Ansichtskarten schreibe. — Daraufhin sagte ich: Aber bedenken Sie doch, was Sie jetzt eigentlich sagen. Glauben Sie denn, daß Sie die Menge des Brotes dadurch auch nur um ein Gramm vermehren können, daß Leute angestellt werden, um Ansichtskarten herumzutragen? Die Menge von Verbrauchsgütern, die für die gleiche Anzahl Menschen notwendig ist, wird doch nicht erhöht dadurch, daß die Karten herumgetragen werden! Man muß doch unterscheiden zwischen der Produktionskraft, die eben in Arbeit verwandelt werden muß, und ganz unproduktiven Kräften. Und diese schauderhafte Phrase, die oftmals benutzt wird, daß man Arbeit schaffen müsse, damit die Menschen eingestellt werden können, die hat gar keinen Sinn, wenn man etwas ganz Unproduktives schafft.
[ 59 ] So, as you can see, the issue isn’t that simple. It’s important to realize that it’s unhealthy when someone says that if all production is carried out by machines—as that gentleman told me back then—then needs will also increase. The question is whether it’s a healthy state of affairs to allow needs to rise, or whether we shouldn’t consider the possibility of relieving people of some of their work so they can find some rest. That can also contribute to the proper regulation of prices. People often fail to see the simplest things. Let me give you an example: I once got into a friendly argument with someone about scribbling on postcards. I said: I don’t like writing postcards, because most of the time they’re just a whim and actually somewhat unnecessary. And I believe that I can spare all the mail carriers—who have to run up and down the stairs—this running up and down. I’d like to spare them this work. The other person said: “That’s not right, because, first of all, it gives me joy when I can bring joy to someone else with the card.”—Well, that was still reasonable. But then he said: “Secondly, the current mail carriers will soon no longer be enough, and more will have to be hired. So someone else will earn a living because I write a lot of postcards.” — To which I replied: “But just consider what you’re actually saying. Do you really believe that you can increase the amount of bread by even a single gram simply by hiring people to deliver postcards? The amount of consumer goods needed for the same number of people isn’t going to increase just because the cards are being delivered!” One must distinguish between productive forces—which must be transformed into labor—and entirely unproductive forces. And that dreadful phrase, often used, that one must “create work” so that people can be hired—it makes no sense at all if what is being created is something entirely unproductive.
[ 60 ] Also, es kommt darauf an, daß gerade durch eine vernünftige Sozialisierung die Produktion nicht einfach blind gesteigert wird, sondern darauf, daß ein richtiges Gleichgewicht zwischen Konsumtion und Produktion hergestellt wird. Sehen Sie, es ist eben so sehr notwendig, daß wir heute den guten Willen entwickeln, uns über diese Dinge zu unterrichten. Denn wenn wir fortfahren, in diesen schauderhaften Begriffen zu denken, mit denen man aus der kapitalistischen Ordnung heraus denkt, dann kommen wir eben nicht weiter. Man muß sich immer wieder fragen: Ist irgend etwas noch kapitalistisch gedacht, oder ist es ein wirklichkeitsgemäßer Keimgedanke für die Zukunft? Deshalb muß man sich schon sagen: Man muß heute einen Gedanken schon zweimal umkehren, um sicher zu gehen, daß es ein Gedanke für den Neuaufbau ist und nicht ein Gedanke, der gelernt ist aus dem heraus, was für den Abbau reif ist. Das ist dasjenige, was ich zu den Fragen sagen wollte.
[ 60 ] So, what matters is not simply that production be blindly increased through sensible socialization, but rather that a proper balance between consumption and production be established. You see, it is just as necessary that we develop the goodwill today to educate ourselves about these matters. For if we continue to think in those dreadful terms that stem from the capitalist order, then we simply won’t make any progress. We must ask ourselves again and again: Is this still a capitalist way of thinking, or is it a realistic seed of an idea for the future? That is why we must tell ourselves: Today, we have to turn an idea around twice to ensure that it is a thought for rebuilding and not one derived from what is ripe for dismantling. That is what I wanted to say in response to the questions.
Es wird folgende Frage gestellt: Unter den heutigen Umständen bekommen wir kaum eine Majorität für die Dreigliederung, weil nicht einmal die Proletarier unter sich einig sind. Was tut man, um diese Einigung herbeizuführen?
The following question is raised: Under current circumstances, we are unlikely to secure a majority for the threefold social order, because not even the proletariat is united among itself. What can be done to bring about this unity?
[ 61 ] Rudolf Steiner: Ja, das ist eine von den Fragen, die immer darauf hinauslaufen, daß man zwar einsieht, was richtig ist, sich aber vorstellt, daß man es aus irgendwelchen Gründen nicht erreichen könne. Diese Frage sollte man so eigentlich nicht aufwerfen, damit kommt man wirklich nicht weiter. Die Frage muß eine Willensfrage werden. Ich kann mich darüber nicht aussprechen. Man muß eben etwas tun. Man muß das, was man als richtig eingesehen hat, von Mensch zu Mensch tragen. Man muß sich nicht fragen: Erlangen wir eine Majorität oder nicht? —, sondern man muß alles tun, um diese Majorität zu erlangen. Dann tun wir unsere Pflicht gegenüber uns selbst und gegenüber der ganzen Menschheit. Eine Willensfrage muß aufgeworfen werden und nicht bloß eine theoretische Frage wie die: Wie bekommen wir die Majorität? — Ich sage: Wir müssen sie haben! Und deshalb müssen wir arbeiten, um sie zu bekommen. Eine Willensfrage muß es sein. Anders geht es nicht.
[ 61 ] Rudolf Steiner: Yes, that is one of those questions that always boil down to the fact that, while one recognizes what is right, one has a mental image of not being able to achieve it for whatever reason. One really shouldn’t pose this question in this way; it truly gets us nowhere. The question must become a matter of will. I cannot speak definitively on this. One simply has to do something. One must carry what one has recognized as right from person to person. One must not ask oneself: “Will we achieve a majority or not?”—but rather, one must do everything to achieve this majority. Then we fulfill our duty toward ourselves and toward all of humanity. It must be a matter of will, not merely a theoretical question like: “How do we get the majority?”—I say: We must have it! And that is why we must work to get it. It must be a matter of will. There is no other way.
