Work Councils And Socialization
Discussion Evenings with Workers' Committees
GA 331
28 May 1919, Stuttgart
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Work Councils and Socialization, tr. SOL
Zweiter Diskussionsabend
Second Discussion Evening
Einleitende Worte von Rudolf Steiner
Introductory Remarks by Rudolf Steiner
[ 1 ] Meine sehr verehrten Anwesenden! An unserer letzten Zusammenkunft haben wir ausführlich über die Dreigliederung des sozialen Organismus gesprochen, und ich glaube, daß Ihnen im wesentlichen bekannt ist, worin dieser dreigliedrige Organismus bestehen soll und daß in diesem dreigliedrigen Organismus die einzige Möglichkeit liegt, zu einer wirklichen Sozialisierung zu kommen. Denn, sehen Sie, gegenwärtig ist die Hauptsache ja wohl diese, daß von keiner Seite so recht, namentlich von keiner heute noch so maßgeblichen Seite, etwas gewußt wird über das Wesen der Sozialisierung. Das sieht man wohl am besten an den Gesetzen, die herausgekommen sind und die ja auch aus dem Geiste der Sozialisierung sein sollen. Ich meine da insbesondere das Gesetz über die Betriebsräte.
[ 1 ] Ladies and gentlemen! At our last meeting, we spoke at length about the threefold structure of the social organism, and I believe that you are essentially familiar with what this threefold organism is intended to consist of, and that this threefold organism offers the only possibility of achieving true socialization. For, you see, at present the main issue is surely this: that no side—especially none of the sides that are still so influential today—really understands the nature of socialization. This is perhaps best seen in the laws that have been enacted, which are supposed to embody the spirit of socialization. I am referring in particular to the law on works councils.
[ 2 ] Sie wissen vielleicht, daß namentlich in Berlin das Wort [...] geprägt wurde: Die Sozialisierung marschiert! — Ich glaube nicht, daß man heute behaupten kann, daß die Sozialisierung marschiert. Sie trippelt nicht einmal! Man könnte sogar die Ansicht haben, die Sozialisierung verstecke sich. Nun, es wird in der Zukunft darum gehen, wirklich einzusehen, wie in den Impulsen des dreigliedrigen Organismus nicht irgend etwas Utopistisches, etwas Ideologisches liegt, sondern daß in ihnen durchaus die Keime liegen zu dem, was Taten werden können.
[ 2 ] You may know that, particularly in Berlin, the phrase [...] was coined: “Socialization is marching!” — I don’t think one can claim today that socialization is marching. It isn’t even toddling! One might even take the view that socialization is hiding. Well, the task in the future will be to truly recognize that the impulses of the threefold organism do not contain anything utopian or ideological, but rather that they certainly contain the seeds of what can become reality.
[ 3 ] Das Wesentliche dieses dreigliedrigen Organismus ist ja, daß wirklich reinlich auseinandergelegt werden das wirtschaftliche Leben, das Rechtsleben und das geistige Leben. Nur muß, da wir uns ja in einer Übergangszeit befinden, irgendwie ein Anfang gefunden werden. Dieser kann heute, das werden Sie aus den Verhältnissen heraus gut erkennen, zunächst im Wirtschaftsleben gefunden werden, und zwar aus folgendem Grunde: Der Proletarier steht im Wirtschaftsleben drinnen, der Proletarier kennt aus dem, was er an seinem Leib und seiner Seele erfahren hat, die Notwendigkeit der Sozialisierung. Man kann wirklich sagen, daß außer dem Proletarier kaum jemand einen so wirklich vollgültigen Begriff sich von dem machen kann, was Sozialisierung ist. Gewiß, einige aus der Intelligenz können das auch. Mit denen kann ja auch gerechnet werden. Aber darum kann es sich ja heute nicht handeln, daß einige Leute einsehen, dieses oder jenes sei richtig, sondern es kommt heute darauf an, daß eine möglichst große Anzahl von Menschen erkennt, was zu tun ist, und eine neue Gesellschaftsordnung herbeiführt, die im wirklichen Sinne eine soziale ist. Darum möchte ich heute in der Einleitung etwas sagen über das, was für unser Fortschreiten in der Sache von Bedeutung ist. Weiteres kann dann, anknüpfend an diejenigen Fragen, die, wie ich hoffe, sehr zahlreich aus Ihrer Mitte gestellt werden, in der Diskussion zum Vorschein kommen. Daher möchte ich in der Einleitung nur ganz kurz einige Anregungen geben. Dasjenige, was geschehen muß, das ist, daß wir vor allen Dingen Menschen bekommen, mit denen die Sozialisierung möglich ist. Diese Menschen müssen aber wirklich echte Vertreter der breiten Massen des Proletariats sein. Sie müssen in einer gewissen Weise ein Mandat dieser breiten Massen des Proletariats haben. Nun ist ja dasjenige, was der Impuls des dreigliedrigen sozialen Organismus ist, bis zu dem Grade praktisch, daß überall angeknüpft werden kann. Man kann von jedem Punkte aus beginnen zu arbeiten. Nun ergibt sich heute als sehr wichtiger Ausgangspunkt die Frage der Betriebsräte. Und über diese Frage, über die Sie ja schon einiges von meinem verehrten Vorredner gehört haben, möchten wir uns heute erschöpfend unterhalten.
[ 3 ] The essence of this threefold social order is, after all, that economic life, legal life, and spiritual life are truly and clearly distinguished from one another. However, since we are, after all, in a transitional period, a starting point must somehow be found. As you will readily recognize from the circumstances, this starting point can be found today, for the time being, in economic life, and for the following reason: The proletarian is immersed in economic life; the proletarian knows, from what he has experienced in his own flesh and soul, the necessity of socialization. One can truly say that, apart from the proletarian, hardly anyone else can form such a genuinely comprehensive understanding of what socialization is. Certainly, some members of the intelligentsia can do so as well. They, too, can be counted on. But that is not the issue today—whether a few people realize that this or that is correct—but rather, what matters today is that as many people as possible recognize what needs to be done and bring about a new social order that is truly social in the real sense. That is why I would like to say a few words today in the introduction about what is important for our progress in this matter. Further points can then emerge during the discussion, building on the questions that I hope will be asked in great numbers from among you. Therefore, in this introduction, I would like to offer only a few brief suggestions. What must happen, above all, is that we find people with whom socialization is possible. These people, however, must truly be genuine representatives of the broad masses of the proletariat. They must, in a certain sense, have a mandate from these broad masses of the proletariat. Now, the impulse behind the threefold social organism is practical to the extent that it can be applied anywhere. One can begin working from any point. Today, the question of works councils emerges as a very important starting point. And regarding this question—about which you have already heard quite a bit from the distinguished speaker before me—we would like to discuss it in depth today.
[ 4 ] Bei der Behandlung der Betriebsräte-Frage geht es nun darum, daß diese Betriebsräte zunächst, ich möchte sagen, auf die Beine gestellt werden so, daß sie nur aus dem Wirtschaftsleben heraus entstehen. Wir müssen nämlich den dreigliedrigen Organismus in der Weise in Angriff nehmen, daß wir zunächst in einem der drei Glieder etwas wirklich Praktisches tun. Es muß dann natürlich auch parallel hierzu in den anderen beiden Gliedern etwas Praktisches geschehen. Praktisch können wir nur etwas tun, wenn wir zunächst diejenigen Menschen, die geeignet sind, praktisch zu wirken, gewissermaßen auf die Beine gestellt haben. Dazu brauchen wir die Betriebsräte, die hervorgehen müssen aus den einzelnen Betrieben.
[ 4 ] When addressing the issue of works councils, the point now is that these works councils must first—I would say—be established in such a way that they arise solely from economic life. For we must approach the threefold social order in such a way that we first do something truly practical in one of the three members. Of course, something practical must then also happen in parallel in the other two sections. We can only do something practical if we have first, so to speak, established those people who are suited to take practical action. For this, we need the works councils, which must emerge from the individual companies.
[ 5 ] Nun ist es so, daß diese Betriebsräte aus den einzelnen Betrieben in der allerverschiedensten Weise hervorgehen können. Notwendig ist ja nur, daß die Betriebsräte, die aus den einzelnen Betrieben hervorgehen, das absolute Vertrauen der Arbeiterschaft und, bis zu einem gewissen Grade, soweit es möglich ist, auch das Vertrauen der geistigen Arbeiter des betreffenden Betriebes haben. Daher wird es sich darum handeln, daß die wirklichen Arbeiter eines Betriebes und aus den leitenden Stellen diejenigen, die nun wirklich mitgehen können, zunächst aus den Verhältnissen des einzelnen Betriebes heraus, diesen Betriebsrat auf die Beine stellen. Die Verhältnisse können in den verschiedensten Betrieben sehr verschieden sein. So kann es zum Beispiel so sein, daß man in dem einen Betrieb auf die eine Weise die Wahl oder Ernennung — oder wie man es nennen will - eines Betriebsrates durchführt, in einem anderen Betrieb auf eine andere Weise. Die Hauptsache bleibt, daß diejenigen, die aufgestellt werden, das Vertrauen der physischen und geistigen Arbeiterschaft der betreffenden Betriebe haben.
[ 5 ] The fact is that these works councils can emerge from individual companies in a wide variety of ways. The only requirement is that the works councils emerging from the individual enterprises have the absolute trust of the working class and, to a certain extent—as far as possible—also the trust of the white-collar workers in the enterprise in question. Therefore, the task will be for the actual workers of a company—and, from among the management, those who are truly willing to cooperate—to establish this works council, initially based on the specific conditions of the individual company. Conditions can vary greatly from one enterprise to another. For example, it may be the case that in one enterprise the election or appointment—or whatever one wishes to call it—of a works council is carried out in one way, while in another enterprise it is done differently. The main point remains that those who are selected must have the trust of both the manual and white-collar workers in the enterprises in question.
[ 6 ] Dann haben wir zunächst aber erst den Grundstock, den wir zur praktischen Arbeit brauchen. Diese Betriebsräte werden dann als solche dasein und werden eine Betriebsräteschaft bilden. Dann muß sich diese Betriebsräteschaft klar darüber sein, daß sie diejenige Körperschaft sein muß, aus der zunächst die Gesundung unseres Wirtschaftslebens hervorgehen muß. Es geht heute nicht darum, daß wir halbe oder Viertelsmaßregeln treffen, sondern darum, daß tatsächlich von Grund auf gearbeitet wird. Das kann nur geschehen, wenn wir die Menschen haben, die geneigt sind, von Grund auf zu arbeiten. Lassen Sie sich nicht betören dadurch, daß gesagt wird, es gäbe in der Arbeiterschaft nicht genügend vorgebildete Leute. Das wird sich als der größte Irrtum, vielleicht auch als der größte Unsinn erweisen. Denn es handelt sich zunächst nicht darum, daß wir Leute mit einer speziellen Fachbildung bekommen, sondern darum, daß wir aus der unmittelbaren Praxis des Wirtschaftslebens heraus Menschen bekommen, die das Vertrauen der Wirtschaftenden haben. Dann wird sich das Weitere schon ergeben, wenn tatsächlich vorhanden sein wird der Ernst und tatsächlich vorhanden sein wird der gute Wille, von Grund auf etwas Neues zu schaffen.
[ 6 ] But first, we need the foundation required for practical work. These works councils will then exist as such and form a body of works councils. This body of works councils must be clear that it is the institution from which the recovery of our economic life must first emerge. The issue today is not about taking half-measures or quarter-measures, but about actually working from the ground up. This can only happen if we have people who are willing to work from the ground up. Do not be misled by the claim that there are not enough pre-trained people among the working class. That will prove to be the greatest error, perhaps even the greatest nonsense. For the issue at hand is not, first and foremost, that we need people with specialized technical training, but rather that we need people drawn from the immediate practice of economic life who have the trust of those engaged in economic activity. Then the rest will follow naturally, provided there is genuine commitment and genuine goodwill to create something new from the ground up.
[ 7 ] Wir haben also dann, wenn wir aus den einzelnen Betrieben heraus die Betriebsräte auf die Beine gestellt haben, die Betriebsräteschaft. Dann brauchen wir als nächstes eine Vollversammlung, gewissermaßen eine Plenarversammlung dieser Betriebsräteschaft. Und diese Betriebsräteschaft muß sich, ungeachtet dessen, was von gewissen Stellen her als Gesetz über die Betriebsräte fabriziert wird, aus den Erfahrungen des Wirtschaftslebens heraus selbst eine Konstitution geben. Sie muß sich als eine Urversammlung ansehen. In dieser Betriebsräteschaft muß verhandelt werden über die Befugnisse, über die Aufgaben, über die ganze Stellung der Betriebsräteschaft selber. Das kann nur geschehen dadurch, daß in dieser Vollversammlung zunächst über das gesprochen wird, was eigentlich hinsichtlich einer Gesundung unseres Wirtschaftslebens zu tun ist. Es geht also nicht darum, daß wir jetzt viel theoretisieren über dasjenige, was die Betriebsräte zu tun haben. Das muß sich aus der Vollversammlung der Betriebsräteschaft selber ergeben.
[ 7 ] So once we have established works councils in the individual companies, we will have the “works council body.” The next step is to convene a general assembly—in a sense, a plenary session—of this works council body. And this body of works councils must, regardless of whatever is being concocted by certain authorities as a “law on works councils,” draw up its own constitution based on the experiences of economic life. It must view itself as a constituent assembly. Within this body of works councils, negotiations must take place regarding its powers, its tasks, and the entire status of the body itself. This can only happen if, at this general assembly, we first discuss what actually needs to be done to restore our economic life to health. It is therefore not a matter of theorizing at length right now about what the works councils are supposed to do. That must emerge from the general assembly of the works council body itself.
[ 8 ] Halten wir zunächst fest: Man kann nicht einen einzelnen Betrieb sozialisieren. Das ist völliger Unsinn, da kann man nur betrieblich individualisieren. Sozialisieren kann man nur ein geschlossenes Wirtschaftsgebiet. Daher brauchen wir auch nicht irgendwelche allgemeinen Vorschriften über die Funktion der Betriebsräte in einzelnen Betrieben, wie es auch jetzt wiederum in den Gesetzen zum Ausdruck kommt, sondern wir brauchen eine zwischenbetriebliche Konstitution der Betriebsräteschaft. Fine Betriebsräteschaft über ein geschlossenes Wirtschaftsgebiet muß ein Ganzes sein. Wenn dann diese Vollversammlung, diese Urversammlung, sich eine Konstitution gegeben hat, dann wird das zurückwirken können auf die Betriebe.
[ 8 ] Let us first establish this: It is not possible to “socialize” a single enterprise. That is utter nonsense; one can only “individualize” operations at the enterprise level. One can only “socialize” a cohesive economic region. Therefore, we do not need any general regulations governing the function of works councils in individual enterprises—as is once again reflected in current legislation—but rather we need an inter-enterprise constitution for the works council system. A works council system covering a cohesive economic region must form a unified whole. Once this general assembly—this founding assembly—has adopted a constitution, it will be able to exert influence back on the individual enterprises.
[ 9 ] In einem nächsten Schritt muß dann aus dieser Vollversammlung der Betriebsräteschaft heraus ein Gremium gewählt werden, das man nennen könnte: Betriebsräteschaft-Direktorinm oder Zentralrat der Betriebsräteschaft. Gewählt werden müßte nach einem Wahlmodus, der wiederum ganz aus der Betriebsräteschaft selbst hervorgeht. Wenn dieser Zentralrat der Betriebsräteschaft da ist, dann ist ein wesentlicher Schritt getan. Denn was wir in der Zukunft innerhalb des Wirtschaftskörpers brauchen, ist so etwas wie eine Wirtschaftsvertretung oder meinetwillen, wenn wir das alte Wort gebrauchen wollen, so etwas wie ein Wirtschaftsministeriunm. Diese Dinge können sich auf keine andere Weise zunächst in der Übergangszeit ergeben, als daß wir die Vertretung suchen auf dem Weg über jene Urversammlung, jene Plenarversammlung der Betriebsräteschaft. Und wir müssen, um für künftige Zeiten im Hinblick auf eine sozialistische Gesellschaftsordnung eine Grundlage zu haben, aus dieser Betriebsräteschaft heraus eine Zentralstelle geschaffen haben, die jederzeit imstande ist, das zu bilden, was ein Wirtschaftsministerium genannt werden könnte. Also, wir müssen in dieser Richtung dasjenige vorbereiten, was eine wirklich sachgemäße Verwaltung des Wirtschaftslebens aus der sozialen Gesellschaft heraus sein kann. Arbeiten wir nicht in dieser Weise, dann wird uns der Zeitpunkt, der doch ganz gewiß eintreten wird, zu dem die Sozialisierung in Angriff genommen werden soll, unvorbereitet treffen, und er darf uns nicht unvorbereitet treffen! Das ist heute eine fundamentale Frage. Der Zeitpunkt darf uns nicht unvorbereitet treffen. Es muß derjenige, der die Macht hat — und Sie sehen, es handelt sich, allerdings in vernünftigem Sinne, um eine Machtfrage -, wissen, was er zu tun hat. Das ist ja gerade das Charakteristische, das Kennzeichnende des 9. November gewesen, daß die Leute, die an die Spitze gekommen sind, nicht gewußt haben, was zu tun ist. Es muß dafür gesorgt werden, daß die Menschen da sind, die wissen, was sie zu tun haben.
[ 9 ] In the next step, a body must be elected from this general assembly of the works council membership—a body that could be called the “Works Council Director” or the “Central Council of the Works Council Membership.” The election would have to follow a procedure that, in turn, arises entirely from the Works Council Body itself. Once this Central Council of the Works Council Body is in place, a significant step will have been taken. For what we will need in the future within the economic body is something like an economic representation—or, if you will, using the old term, something like a Ministry of Economics. During the transitional period, these things cannot initially come about in any other way than by seeking representation through that constituent assembly, that plenary assembly of the works council body. And in order to have a foundation for the future with a view to a socialist social order, we must have created, out of this works council body, a central body that is capable at any time of forming what could be called a Ministry of Economic Affairs. So, we must work toward establishing what can be a truly appropriate administration of economic life rooted in social society. If we do not work in this way, then the moment—which will most certainly come—when socialization is to be undertaken will catch us unprepared, and it must not catch us unprepared! This is a fundamental question today. That moment must not catch us unprepared. Those in power—and you see, this is, albeit in a reasonable sense, a question of power—must know what they have to do. That was precisely the defining characteristic of November 9: that the people who rose to the top did not know what to do. We must ensure that there are people in place who know what they have to do.
[ 10 ] Verschiedentlich schon habe ich in meinen Vorträgen betont, daß es heute allein mit Betriebsräten nicht getan ist. Man wird noch andere Räteschaften brauchen. Aber darum brauchen wir uns heute nicht zu kümmern, denn es geht ja darum, daß wir zunächst an einem Punkt praktisch zu arbeiten beginnen. Der Impuls zum dreigliedrigen Organismus ist nicht dazu da, um immer wiederum darüber zu theoretisieren, sondern überzugehen, unmittelbar überzugehen zu einer wirklich praktischen Arbeit. Der Zeitpunkt, wo man diese praktische Arbeit braucht, der braucht nicht mehr gar so ferne zu liegen. Denn wenn sich heute gewisse Kreise vorstellen, daß mit irgendeinem Friedensschluß - irgendein Friedensschluß muß ja doch zustande kommen — ein Ende da wäre, so ist das ein völliger Unsinn. Mit einem Friedensschluß ist heute kein Ende da, sondern es ist ein Anfang gemacht für eine Zeit, durch die wir durchgehen werden und in der sich über die zivilisierte Welt einfach aus einer inneren Notwendigkeit heraus, aber gemacht durch die Menschen, die Sozialisierung vollziehen muß.
[ 10 ] I have emphasized on several occasions in my lectures that works councils alone are not enough today. We will need other forms of council-based governance as well. But we need not concern ourselves with that today, for the point is that we must first begin to work practically on one specific issue. The impetus for the threefold social order is not meant for endless theorizing, but rather to move on—to move on immediately—to truly practical work. The time when this practical work will be needed may not be all that far off. For if certain circles today have a mental image of some kind of peace agreement—and some kind of peace agreement must surely come about—that would bring an end to things, that is utter nonsense. A peace treaty today does not mark an end, but rather marks the beginning of a period through which we will pass and in which the civilized world—simply out of an inner necessity, yet brought about by human beings—must carry out its socialization.
[ 11 ] Zweierlei müssen wir ja berücksichtigen, und diese zwei Punkte möchte ich heute noch einleitungsweise vor Sie hinstellen. Sehen Sie, es wird heute vielfach in Versammlungen — und ich habe ja nun jetzt recht viele Versammlungen und Diskussionen mitgemacht — über Kapitalismus geredet, und zwar so, wie geredet worden ist vor dieser Weltkriegskatastrophe. Selbstverständlich gelten all die Schäden des Kapitalismus heute noch genauso wie vor dem Kriege, aber die Tatsache des Kapitalismus ist durch diese Weltkriegskatastrophe eine ganz andere geworden. Bedenken Sie nur die Verhältnisse in Deutschland selbst. Der Kapitalismus hat ja eine Veränderung durchgemacht durch die Kriegswirtschaft. Die Kriegswirtschaft hat in einer gewissen Weise den Kapitalismus bis zu seiner höchsten Höhe erhoben. Und sie konnte das dadurch, daß völlig an den wirklichen Bedürfnissen der Menschen vorbeigewirtschaftet wurde, indem nur für den Krieg gewirtschaftet wurde. Dadurch aber, daß der Kapitalismus in diese Krisis hineingetrieben worden ist, indem nur Unproduktives geschaffen wurde, dadurch ist tatsächlich der ganze Kapitalismus in ein ganz anderes Verhältnis zur Arbeiterschaft getreten, als dies früher der Fall war. Heute steht der Kapitalismus nicht so da wie vor der Weltkriegskatastrophe. Und dasjenige, was eigentlich vorliegt, ist, daß man sich bewußt werden müßte, daß dieser Kapitalismus nicht mehr so dasteht. Denn dieser Kapitalismus hat, wenn das auch heute noch nicht so stark hervortritt, das Wirtschaftsleben über einen großen Teil der zivilisierten Welt einfach ruiniert, er hat das Wirtschaftsleben unterhöhlt. Er hat heute schon so viel getan zu seiner eigenen Vernichtung, daß diese Vernichtung kommen muß, nicht in «irgendeiner Zeit», wie man früher in sozialistischen Kreisen gesprochen hat, nicht in «einer fernen Zukunft», sondern in unmittelbarer Zukunft wird der Kapitalismus über die zivilisierte Welt hin zeigen, daß er imstande war, unter dem alten Regime fortzuarbeiten und sich in das Ihnen ja genügend bekannte Verhältnis zur Lohnarbeiterschaft zu setzen. Aber dieses Verhältnis, das kann gar nicht wieder hergestellt werden. Daher ist heute die Frage so brennend: Was tut das Proletariat in dem Augenblick, in dem ihm durch die Selbstvernichtung des Kapitalismus die Aufgabe zufällt, die Welt neu zu gestalten? Der Kapitalismus konnte unter den alten Verhältnissen fortwirtschaften. Er kann dies jetzt nicht mehr. Er kann es gar nicht. Es würde ein völliges Chaos, eine völlige Wirrnis eintreten, wenn der Kapitalismus so fortwirtschaften würde.
[ 11 ] There are two things we must take into account, and I would like to present these two points to you today by way of introduction. You see, there is a great deal of talk about capitalism in gatherings today—and I have, after all, taken part in quite a few gatherings and discussions—and it is discussed in the same way it was before this catastrophe of the World War. Of course, all the ills of capitalism still apply today just as they did before the war, but the reality of capitalism has become something entirely different as a result of this World War catastrophe. Just consider the conditions in Germany itself. Capitalism has, after all, undergone a transformation due to the war economy. In a certain sense, the war economy elevated capitalism to its highest peak. And it was able to do so by completely ignoring people’s real needs, since the economy was geared solely toward the war effort. But because capitalism was driven into this crisis by producing only unproductive goods, the entire capitalist system has in fact entered into a completely different relationship with the working class than was previously the case. Today, capitalism does not stand as it did before the catastrophe of the World War. And what is actually the case is that we must become aware that this capitalism no longer stands as it did. For this capitalism—even if this is not yet so evident today—has simply ruined economic life across a large part of the civilized world; it has undermined economic life. It has already done so much to bring about its own destruction that this destruction must come—not “sometime,” as was once said in socialist circles, not in “the distant future,” but in the immediate future, capitalism will demonstrate to the civilized world that it was capable of continuing to operate under the old regime and of establishing the relationship with the wage-earning class that you are all well acquainted with. But this relationship cannot possibly be restored. That is why the question is so pressing today: What will the proletariat do at the very moment when, through the self-destruction of capitalism, the task of reshaping the world falls to it? Capitalism was able to continue operating under the old conditions. It can no longer do so now. It is simply incapable of it. Complete chaos and utter confusion would ensue if capitalism were to continue operating in this manner.
[ 12 ] Nehmen wir einmal an, irgendein Friede käme zustande, auch dann, wenn diejenigen, die ihn jetzt ablehnen wollen, ihn ablehnen. Irgend etwas muß doch zustande kommen. Was immer aber zustande kommt, das könnte doch nur darin bestehen — das bitte ich durchaus festzuhalten —, daß mit Hilfe des noch nicht völlig geknickten Entente-Kapitalismus totgetreten würden Mittel- und Osteuropa, da, wir eine Versklavung bis zum Rhein, insbesondere für die arbeitenden Menschen, haben würden. Das könnte nur dann sein, wenn der Entente-Kapitalismus nicht geknickt würde. Denn was könnte dann eintreten? Das kann sich jeder praktische Mensch klar sagen. Es würde nämlich folgendes eintreten: Nehmen wir an, der Friede käme zustande, dieser Friede, der ja ein Friede des eigentlich schon abgewirtschafteten Kapitalismus von Mittelund Osteuropa mit dem Entente-Kapitalismus ist, denn das Proletariat ist bis jetzt nirgends, trotz der sozialistischen Regierung, irgendwie aufgerufen worden, teilzunehmen an den Geschicken der Welt. Nehmen wir also an, dieser Friede kommt zustande, dann würde er nur einen Sinn haben, wenn sich das deutsche Proletariat dazu bereit fände, den Kapitalismus wieder aufzubauen dadurch, daß es sich mit einem furchtbar niedrigen Lohn begnügen würde. Würde es diesen furchtbar niedrigen Lohn, bei dem es allmählich verhungern würde, akzeptieren, dann könnte durch diesen niederen Lohn der deutsche Kapitalismus sich wieder erheben, und es könnte auf Kosten der Arbeiterschaft sozusagen bezahlt werden, was der Entente-Kapitalismus verlangt. Das ist der eine Fall.
[ 12 ] Let’s assume for a moment that some kind of peace were to come about, even if those who now wish to reject it were to do so. Something must come of it. But whatever does come of it could only consist—and I ask that this be clearly noted—in Central and Eastern Europe being crushed to death with the help of Entente capitalism, which has not yet been completely broken, since we would then have enslavement all the way to the Rhine, especially for the working people. That could only happen if Entente capitalism were not crushed. For what might happen then? Any practical-minded person can see this clearly. Namely, the following would happen: Let us assume that peace were to be concluded—this peace, which is, after all, a peace between the already bankrupt capitalism of Central and Eastern Europe and Entente capitalism—for the proletariat has not yet been called upon anywhere, despite the socialist government, to participate in the affairs of the world. So let us assume this peace is achieved; it would only make sense if the German proletariat were willing to rebuild capitalism by contenting itself with a terribly low wage. If it were to accept this dreadfully low wage—which would gradually starve it—then German capitalism could rise again through this low wage, and what Entente capitalism demands could, so to speak, be paid for at the expense of the working class. That is one scenario.
[ 13 ] Der andere Fall ist der, daß, was Sie wahrscheinlich nicht glauben werden, es eintritt, daß sich zum Beispiel das amerikanische und das englische Proletariat dazu entschließt, möglichst billig, mit möglichst niedrigen Löhnen zu arbeiten, damit an Deutschland Produktionsmittel geliefert werden können, die Deutschland zunächst ja nur dann zahlen kann, wenn wiederum das Proletariat fast umsonst arbeitet. Für den deutschen Proletarier ergibt sich in beiden Fällen, daß er in eine furchtbare Lage kommt. Befreiung aus dieser Lage bringen kann nur eine wirkliche Sozialisierung, welche das soziale Leben auf eine ganz andere Basis stellt. Wenn Sie auf die Weise, wie es oftmals geschildert wurde, den Kapitalismus herausbringen aus der sozialen Ordnung, dann kann dasjenige, was als Friede oder Ausgleich oder Verständigung zustande kommt, nicht irgend etwas sein, was abgeschlossen wird zwischen den Kapitalisten Mittel- und Osteuropas und den westlichen Kapitalisten, sondern es kann nur etwas sein, was hervorgeht aus der immer sozialistischer werdenden Gesellschaft. Und das allein kann gesunde Verhältnisse in den internationalen Beziehungen herbeiführen. Denn dann wird es so sein, daß gerade durch den Friedensschluß der heute nicht mehr auf seinen Beinen stehende miittel- und osteuropäische Kapitalismus tatsächlich von der Bildfläche abtreten muß. Und das wird im Gefolge haben, daß auch in den Entente-Staaten der Kapitalismus in einer wirklichen Weise bekämpft werden kann. Denn wenn es an irgendeinem Orte kein Kapital gibt und dennoch produktives Leben herrscht, produktive Kraft herrscht, dann muß man in ganz anderer Weise zu einer solchen produktiven Wirtschaft sich verhalten, als wenn man die Hoffnung hat, daß der Kapitalismus wieder erstarkt und einem die Kriegsentschädigung zahlt oder dergleichen. Sie sehen, ich sage das letztere nur aus dem Grunde, damit Sie nicht glauben, daß irgend etwas in eine ferne Zukunft geschoben wird. Es geht um die allernächste Zukunft, es geht darum, daß die Zeit, die beginnt mit der notwendigen Verständigung der Völker oder mit dem Friedensschluß, entweder der Anfang einer furchtbaren Lage des mittel- und osteuropäischen Proletariats sein wird oder der Anfang sein wird einer wirklichen Sozialisierung, die hervorgehen muß aus Ihrem Mut, aus Ihrer Kraft, aus Ihrer Einsicht in die Notwendigkeit. Das ist es, was ich vorausschicken wollte.
[ 13 ] The other scenario is this: although you probably won’t believe it, it could happen that, for example, the American and British working classes decide to work as cheaply as possible, for the lowest possible wages, so that means of production can be supplied to Germany—which, after all, can initially pay for them only if its own working class, in turn, works almost for free. In both cases, the German proletarian finds himself in a terrible situation. Only genuine socialization—which places social life on an entirely different foundation—can bring liberation from this situation. If, as has often been described, you remove capitalism from the social order, then whatever emerges as peace, reconciliation, or understanding cannot be something merely agreed upon between the capitalists of Central and Eastern Europe and the Western capitalists; rather, it can only be something that arises from a society that is becoming increasingly socialist. And that alone can bring about healthy conditions in international relations. For then it will be the case that, precisely through the peace settlement, Central and Eastern European capitalism—which is no longer standing on its own two feet—will in fact have to fade from the scene. And this will have the consequence that capitalism can also be genuinely combated in the Entente states. For if there is no capital anywhere, and yet productive life prevails—productive power prevails—then one must relate to such a productive economy in an entirely different way than if one harbors the hope that capitalism will regain its strength and pay war reparations or the like. You see, I mention the latter only so that you do not believe that anything is being pushed off into the distant future. This concerns the very immediate future; it concerns the fact that the period beginning with the necessary understanding among nations or with the conclusion of peace will either mark the beginning of a terrible situation for the proletariat of Central and Eastern Europe or the beginning of a genuine socialization that must emerge from your courage, your strength, and your understanding of necessity. That is what I wanted to say at the outset.
[ 14 ] Ich glaube, daß wir uns heute über die Betriebsräteschaft unterhalten sollen, aber so, daß das zu einem wirklichen Tun führt, damit wir nicht bloß reden, sondern sehen, wie der Impuls zur Dreigliederung des sozialen Organismus darin besteht, daß er Gedanken enthält, die auf die Beine gestellt werden können, die zur Tat werden können.
[ 14 ] I believe that today we should discuss the works council, but in a way that leads to real action—so that we do not merely talk, but see how the impulse toward the threefold social order consists in ideas that can be put into practice, that can become reality.
Diskussion
Discussion
Diskussionsredner Biel wendet sich gegen das von der Regierung vorgeschlagene Gesetz über die Betriebsräte und gegen einen Artikel im Tagblatt über die Koalitionsregierung.
Diskussionsredner Lange fragt: Ist, wenn die Betriebsräte gewählt oder ernannt werden sollen, daran gedacht, daß Angestellte und Direktoren, technische oder kaufmännische Direktoren, mitzuwählen sind? Es ist doch wichtig, daß die Gesetze oder Bestimmungen, die gemacht werden, auch wirklich von Leuten gemacht werden, die den gesamten Zusammenhang überblicken.
Biel, a panelist in the discussion, speaks out against the government's proposed law on works councils and against an article in the Tagblatt about the coalition government.
Panelist Lange asks: When works council members are to be elected or appointed, has consideration been given to the fact that employees and directors—both technical and commercial—should also have a say in the selection? After all, it is important that the laws or regulations that are enacted are actually drafted by people who have a comprehensive understanding of the entire context.
[ 15 ] Rudolf Steiner: Die Frage ist außerordentlich wichtig. Es handelt sich ja eben darum, daß wir etwas zustande bringen, was arbeiten kann. Nicht wahr, arbeiten in der gegenwärtigen Wirtschaftsform ohne die geistigen Leiter kann man selbstverständlich nicht. Die Wirtschaft würde in eine Sackgasse hineingetrieben werden. Die Produktion würde nach verhältnismäßig kurzer Zeit stillestehen, wenn man nicht die technische Leitung dafür gewänne. Sie wissen ja, daß in Rußland durch die verschiedenen Verhältnisse — über die es ja interessant wäre, sich auch einmal zu unterhalten — es nicht möglich gewesen ist, die technischen Leiter entsprechend für den wirklichen Sozialisierungsgedanken zu gewinnen, so daß man also dort vor der Tatsache stand, daß auf der einen Seite ein vielleicht sogar genügend großes Handarbeiterproletariat da war, welches den Sozialisierungsgedanken hätte aufnehmen können, und auf der anderen Seite es nicht möglich war, die Masse der sogenannten geistigen Arbeiter für den Sozialisierungsgedanken zu gewinnen. Die Folge davon war dasjenige, was für Rußland am meisten bedauert werden muß: die Sabotage dieser geistigen Arbeiterschaft. Diese Sabotage der geistigen Arbeiterschaft muß unbedingt vermieden werden, das heißt: Es ist notwendig, daß alle Hebel in Bewegung gesetzt werden müssen, um dasjenige zu überwinden, was als Hindernis innerhalb der geistigen Arbeiterschaft da ist. Verkennen wir eben nicht, welche schweren Hindernisse da sind.
[ 15 ] Rudolf Steiner: The question is extremely important. The point is, after all, that we must create something that can function. Isn’t it true that, in the current economic system, one cannot, of course, function without spiritual leaders? The economy would be driven into a dead end. Production would come to a standstill after a relatively short time if we did not secure the technical leadership for it. As you know, in Russia—due to various circumstances, which it would indeed be interesting to discuss at some point—it was not possible to win over the technical leaders to the true idea of socialization, so that there one was faced with the fact that, on the one hand, there was a manual labor proletariat—perhaps even a sufficiently large one—that could have embraced the idea of socialization, and on the other hand, it was not possible to win over the masses of so-called intellectual workers to the idea of socialization. The consequence of this was what must be most deeply regretted in Russia: the sabotage by this intellectual workforce. This sabotage by the white-collar workers must be avoided at all costs; that is to say: it is necessary to pull out all the stops to overcome whatever stands as an obstacle within the white-collar workforce. Let us not underestimate the serious obstacles that exist.
[ 16 ] Sehen Sie, ich habe ja auch über dies hier schon gesprochen. Nicht wahr, wir stehen ja heute einmal vor der Tatsache, daß das Proletariat durch eine lange Schulung in einem gewissen Grade politisch geschult ist. Das Proletariat ist, wenn das vielleicht auch nicht für jeden einzelnen gilt, politisch geschult. Politische Schulung besteht ja nicht darin, daß man bis in die Einzelheiten das eine oder andere weiß, sondern darin, daß man eine gewisse Grundverfassung der Seele hat, die politisch ist. Das hat das Proletariat, das haben aber diejenigen nicht, die den Kreisen der sogenannten geistigen Arbeiterschaft angehören. Diese geistige Arbeiterschaft, die hat sich daran gewöhnt, in sich zu pflegen, was man nennen könnte Obrigkeitsgesinnung. Ob diese Obrigkeit nun eine Staatsobrigkeit oder eine Fabrikobrigkeit ist, ist nicht entscheidend. Wichtig ist zu wissen, daß in diesen Kreisen eine tiefe Obrigkeitsgesinnung herrscht. Gewiß, der einzelne mag innerlich revoltieren, meistens tut er es aber mit der Faust in der Hosentasche. Aber zu entbehren für die wirkliche Sozialisierung ist die geistige Arbeiterschaft nicht. Deshalb sage ich: Es ist nötig, die Angestellten und auch die Betriebsleiter zu gewinnen und vor allem unter ihnen diejenigen zu gewinnen, welche einen Sinn und ein Herz haben für wirkliche Sozialisierung.
[ 16 ] You see, I’ve already spoken about this. After all, we are faced today with the fact that the proletariat, through a long process of education, is politically educated to a certain degree. The proletariat—even if this may not apply to every single individual—is politically educated. Political education does not consist in knowing this or that down to the last detail, but rather in possessing a certain fundamental disposition of the soul that is political. The proletariat has this, but those who belong to the circles of the so-called intellectual workers do not. These intellectual workers have become accustomed to cultivating within themselves what one might call a spirit of deference to authority. Whether this authority is state authority or factory authority is not decisive. What is important is to know that a deep deference to authority prevails in these circles. Certainly, the individual may rebel inwardly, but most often he does so with his fist in his pocket. Yet the white-collar workforce is indispensable for genuine socialization. That is why I say: It is necessary to win over the employees and also the plant managers—and above all, to win over those among them who have a sense of purpose and a heart for genuine socialization.
[ 17 ] Wir dürfen es nicht dahin kommen lassen, dann, wenn der Zeitpunkt da ist, eine Art Wirtschaftsministerium so zu begründen, daß? dieses Ministerium genötigt ist, sich fünf oder sechs oder zwölf Sessel hinzustellen als obere Spitze, und der ganze Apparat in der alten Gesinnung weiterarbeitet. Aber noch zu etwas anderem dürfen wir es auch nicht kommen lassen. Herr Biel hat es ganz gut angedeutet, um was es sich handeln würde, wenn so etwas Wirklichkeit würde wie das, was über die Betriebsräteschaft in diesem unglücklichen Gesetz liegt, das jetzt herauskommen soll. Ich habe Ihnen ja gesagt, daß es eine wesentliche Tatsache ist, daß wir gerade jetzt in einem Zeitpunkte stehen, wo sich eigentlich der Kapitalismus ruiniert hat und sich nicht wiederum aus sich selber aufbauen kann. Wenn ein Aufbau geschehen soll, muß er von den arbeitenden Menschen her geschehen. Die Kapitalisten können nicht weitermachen. Das ist dasjenige, was aber beweist, daß man den Zeitpunkt ergreifen muß. Solche Gesetze wie das, was da Wirklichkeit werden soll, die sind dazu geeignet, daß mit Hilfe der irregeführten Arbeiterschaft der Kapitalismus, der sich selbst nicht helfen kann, wiederum aufgepäppelt wird und zur alten Herrschaft gelangt. Die Arbeiterschaft soll solche Betriebsräte bilden, die durch ihre ganze Art, wie sie eingerichtet sind, dem Kapitalismus wieder aufhelfen. Dem können wir nur entgegenarbeiten, wenn aus der wirklich arbeitenden Menschheit heraus eine Betriebsräteschaft von unten herauf geschaffen wird und sich selbst eine Konstitution gibt, das heißt sich nicht kümmert um das, was im Grunde eine Fortsetzung des alten Kapitalismus sein will, weil es sich die Welt nicht anders als kapitalistisch eingerichtet denken kann.
[ 17 ] We must not allow it to come to the point where, when the time comes, a kind of Ministry of Economic Affairs is established in such a way that… this ministry is forced to set up five or six or twelve chairs at the very top, while the entire bureaucracy continues to operate with the same old mindset. But there is something else we must not allow to happen either. Mr. Biel has indicated quite well what would be at stake if something like what is contained in this unfortunate law regarding works councils—which is now set to be enacted—were to become reality. I have already told you that it is a fundamental fact that we are currently at a point in time where capitalism has, in effect, ruined itself and cannot rebuild itself from within. If a new order is to be built, it must come from the working people. The capitalists cannot continue as before. But this is precisely what proves that we must seize the moment. Laws such as the one that is about to become reality are designed to ensure that, with the help of the misled working class, capitalism—which cannot help itself—is propped up once again and restored to its former dominance. The working class should form works councils that, by the very nature of their organization, help capitalism back on its feet. We can only counter this if, from among the truly working people, a workers’ council movement is created from the bottom up and gives itself a constitution—that is, one that pays no heed to what essentially seeks to be a continuation of the old capitalism, because it cannot conceive of the world being organized in any way other than capitalistically.
[ 18 ] Wir müssen uns ganz klar darüber sein, daß wir als erste Aufgabe haben, die Betriebsräte überhaupt auf die Beine zu stellen, und daß wir, soweit es geht, in dieser Betriebsräteschaft auch die geistigen Arbeiter brauchen. Diejenigen, die keinen Sinn und kein Herz haben für die Sozialisierung, die können wir dort nicht brauchen. Es würde sich auch kaum darum handeln, möglichst viele Direktoren oder Spitzen darin zu haben, sondern vor allen Dingen diejenigen, die geistig wirklich arbeiten müssen. Dann ist es möglich, aus einer solchen Betriebsräteschaft heraus, so etwas wie die Sozialisierung zu bewältigen. Bekennen Sie sich aber zu einem solchen Gesetz, wie es jetzt projektiert wird, dann haben Sie nichts anderes als die alten Arbeitsausschüsse umgetauft. Es ist nur eine Umtaufung, und selbstverständlich — weil man die beiden nicht nebeneinander haben kann - sollen die alten Arbeiterausschüsse abgeschafft werden. Die alten Arbeiterausschüsse konnten den Kapitalismus nicht beseitigen, die nach dem Gesetz zu begründenden neuen Betriebsräte werden es auch nicht tun.
[ 18 ] We must be absolutely clear that our first task is to get the works councils up and running in the first place, and that, as far as possible, we also need intellectual workers in these works councils. We have no use for those who have neither a sense of nor a heart for socialization. Nor would the point be to have as many executives or top managers as possible in these bodies, but above all those who must truly engage in intellectual work. Then it will be possible, through such a works council structure, to achieve something like socialization. But if you endorse a law such as the one currently being proposed, then you have done nothing more than rename the old workers’ committees. It is merely a rebranding, and of course—since the two cannot coexist—the old workers’ committees are to be abolished. The old workers’ committees could not eliminate capitalism, and the new works councils to be established under the law will not do so either.
[ 19 ] Also, wir müssen so weit wie möglich eine Betriebsräteschaft zustande bringen, und die muß aus sich selbst heraus die Betriebe betreiben können. Wir dürfen dabei nicht bloß an Agitation denken, sondern wir müssen an die praktische Arbeit denken, aus der heraus die Betriebe neu gestaltet werden können. Da reicht es nicht aus, daß man die Auffassung vertritt, daß die Produktion sozialisiert werden soll, sondern es kommt darauf an, daß man möglichst genau weiß, wie sie sozialisiert werden muß. Das wird dadurch geschehen, daß wir wirklich die geistige Arbeiterschaft in die Betriebsräteschaft hereinbekommen. Darauf muß unser Bestreben gerichtet sein. Daher muß die unpolitische Gesinnung der geistigen Arbeiter beseitigt werden. Und auch dasjenige, worauf heute gewartet wird, dürfen wir nicht aus dem Auge verlieren. Heute wird ja unter Verhältnissen, die Ste vielleicht genügend kennen, von dem Nichtproletariat darauf gewartet, daß nicht etwa nur irgendeine Sozialisierung zustande kommt, sondern daß das Proletariat überwunden werden kann. Vergessen Sie nicht, es gibt solche Aussprüche wie die eines deutschen Großindustriellen, der gesagt hat: Wir Großindustriellen, wir können warten, und wir werden warten, bis die Arbeiter an die Tore unserer Fabriken kommen und um Arbeit bitten! — Diese Gesinnung ist nicht selten. Man wartet darauf, ob sich die Arbeiter nicht doch unterkriegen lassen. Und das ist dasjenige, was durch die Wirklichkeit verhindert werden muß. Darauf kommt es an. Hieran gilt es auch zu denken, wenn man sich mit der Frage beschäftigt, wie die geistigen Arbeiter für unsere Sache zu gewinnen sind. Am Anfang dessen, was als Tat unter uns aufleben soll, muß erstens stehen, daß Betriebsräte aufgestellt werden, und zweitens, daß, soweit es heute geht, auch die geistigen Arbeiter mit dabei sein müssen.
[ 19 ] So, we must establish a system of works councils as far as possible, and these councils must be able to run the enterprises on their own. In doing so, we must not think merely of agitation, but we must think of the practical work through which the enterprises can be restructured. It is not enough to simply hold the view that production should be socialized; rather, it is essential to know as precisely as possible how it must be socialized. This will be achieved by truly bringing the intellectual workers into the works council system. That is what our efforts must be directed toward. Therefore, the apolitical attitude of white-collar workers must be eliminated. Nor must we lose sight of what is being awaited today. Today, under circumstances with which Ste is perhaps sufficiently familiar, the non-proletariat is waiting not merely for some form of socialization to come about, but for the proletariat to be overcome. Do not forget that there are statements such as that of a major German industrialist, who said: “We major industrialists can wait, and we will wait, until the workers come to the gates of our factories and beg for work!”—This mindset is not uncommon. People are waiting to see if the workers will ultimately allow themselves to be defeated. And that is precisely what must be prevented by reality. That is what matters. This must also be kept in mind when considering how to win over white-collar workers to our cause. At the beginning of what is to take shape as action among us must stand, first, the establishment of works councils, and second, that—as far as is possible today—white-collar workers must also be included.
Ein Diskussionsredner fragt: Was haben denn die Betriebsräte eigentlich zu tun? Und was muß in der allernächsten Zeit getan werden?
A panelist asks: What exactly do works councils do? And what needs to be done in the very near future?
[ 20 ] Rudolf Steiner: Ich möchte durchaus betonen, daß das, was ich gesagt habe, nicht für die nächste, sondern für die allernächste Zukunft ist. Ich habe schon betont: Es kann heute nicht an der Zeit sein, daß wir viel herumdenken darüber, wie wir gebildete Betriebsräte bekommen, sondern es geht zu allererst darum, daß wir die Betriebsräte auf die Beine stellen und zu einer BetriebsräteVollversammlung kommen. Was vor allem notwendig ist: daß wir Leute aus dem Wirtschaftsleben selbst haben, die dann das Weitere tun. Es kann heute nicht darum gehen, daß man in bezug auf einzelne Situationen genau abgezirkelt sagt, die Betriebsräte haben dieses oder jenes zu tun, sondern ich stelle mir die Sache ganz praktisch vor. Gewiß, unter diesen Betriebsräten werden einzelne sein, die schon wissen, wie man in dem oder jenem Fall in bezug auf die Sozialisierung vorgehen kann, andere werden es nicht wissen. Es ist aber gar nicht so schwer, wenn wirklich guter Wille herrscht, die wirklichen Aufgaben für die allernächste Zeit zu erkennen.
[ 20 ] Rudolf Steiner: I would like to emphasize that what I have said applies not to the near future, but to the very near future. As I have already emphasized: Now is not the time for us to spend a lot of time pondering how we can get well-educated works council members; rather, the first and foremost priority is to get the works councils up and running and to convene a general assembly of works councils. What is necessary above all else is that we have people from the business world itself who will then take care of the rest. Today, the issue cannot be about making precise, rigid statements regarding individual situations—saying that the works councils must do this or that—but rather, I have a mental image of the matter in very practical terms. Certainly, among these works councils there will be some who already know how to proceed in this or that case with regard to socialization, while others will not. However, if there is genuine goodwill, it is not at all difficult to identify the actual tasks for the immediate future.
[ 21 ] Es gibt natürlich in bezug auf die Vorgehensweise verschiedene Wege. Nehmen wir einmal an, die Sozialisierung kann sich nicht auf Stuttgart beschränken, also nehmen wir einmal nur Württemberg an. Der eine Weg wäre, daß man im ganzen Lande herumzieht und von Arbeiterkreis zu Arbeiterkreis geht und vor den einzelnen Gruppierungen über das spricht, was im Sinne der Dreigliederung das Allernotwendigste ist, wobei einem gewöhnlich erwidert wird: Das sind Ziele, aber nicht Wege! - Obwohl es gerade eben auf den richtigen Weg hindeuten will. Das also wäre der eine Weg, denn heute können wir nichts erreichen, ohne daß wir eine wirklich große Anzahl von Menschen haben, auf die man sich stützen kann. Diesen Weg zu gehen, haben wir aber nicht die Zeit, wenn man daran denkt, daß es nicht darum geht, für die nächste Zukunft zu arbeiten, sondern für die allernächste Zeit. So müssen wir also unbedingt an den anderen Weg denken. Wir müssen diejenigen Personen bekommen, und das will die Betriebsräteschaft sein, die sich dadurch, daß sie sich zu Betriebsräten haben wählen oder ernennen lassen, voll und ganz in die Arbeit der Sozialisierung hineinstellen. Dann stelle ich mir dasjenige, was mit einer solchen geschlossenen, aber das Vertrauen breitester Massen besitzender Körperschaft zu tun hat, wahrhaftig nicht so schwierig vor.
[ 21 ] Of course, there are various approaches to this. Let’s assume for a moment that socialization cannot be limited to Stuttgart; so let’s just consider Württemberg. One approach would be to travel throughout the entire state, going from one workers’ circle to another, and speaking to the individual groups about what is absolutely essential in terms of the threefold social order—to which one usually receives the reply: “Those are goals, but not paths!”—even though it is precisely intended to point the way. So that would be one way, because today we cannot achieve anything without having a truly large number of people on whom we can rely. But we do not have the time to take this path, considering that the goal is not to work for the near future, but for the very immediate future. So we must absolutely consider the other path. We must secure those individuals—and this is what the works council aims to be—who, by having themselves elected or appointed as works council members, commit themselves fully to the work of socialization. Then I truly do not imagine that anything involving such a united body, one that enjoys the trust of the broadest masses, would be all that difficult.
[ 22 ] Wenn wir nun diese Betriebsräte haben, dann kommt gar nicht mehr so sehr die Frage in Betracht, ob die Leute schon ganz genau wissen, was sie zu tun haben. Nach acht Tagen werden sie es wissen. Man muß nur erst die Leute haben. Das Problem heute besteht ja nicht darin, daß es so furchtbar schwer ist, zu wissen, was zunächst zu tun ist, sondern darin, daß so wenig Leute den guten Willen und die Lust haben, das zu tun, was getan werden muß. Also, haben wir diejenigen Menschen, die in sich die innere Verantwortung fühlen, an der Sozialisierung zu arbeiten, weil sie durch das Vertrauen ihrer Mitarbeiter gewählt worden sind, dann werden wir dadurch die Basis geschaffen haben für die allernächste praktische Arbeit.
[ 22 ] Now that we have these works councils, the question of whether people already know exactly what they’re supposed to do isn’t really an issue anymore. After eight days, they’ll know. You just have to have the people first. The problem today isn’t that it’s so terribly difficult to know what to do at first, but rather that so few people have the goodwill and the desire to do what needs to be done. So, if we have people who feel an inner sense of responsibility to work on socialization—because they have been elected by their coworkers’ trust—then we will have laid the foundation for the very next practical steps.
[ 23 ] Die allernächste praktische Arbeit, lassen wir sie uns nicht dadurch verdrießen, daß wir sagen: Wir müssen erst Aufklärung schaffen. Diejenigen sind heute wirklich auf dem Holzweg, die sagen: Die Sozialisierung nimmt lange, lange Zeit in Anspruch, da muß erst jeder einzelne aufgeklärt werden. Darum handelt es sich nicht, sondern darum, daß zunächst eine Gesamtheit von Menschen geschaffen wird, die das Vertrauen ihrer Mitarbeiter haben. Dann wird mit diesen weitergearbeitet werden können, dann wird man eben, weil diese das unmittelbare Verantwortungsgefühl haben, nicht ständig vor dem Problem stehen, daß man an die breite Masse nur schwer herankommen kann. Denn sehen Sie, man kann noch so viele Versammlungen abhalten, es werden immer einige gegenüber solchen Versammlungen Vorbehalte haben wie: Heute scheint die Sonne so schön, da machen wir einen Spaziergang, oder: Am Himmelfahrtstag geht es nicht, an einer Versammlung teilzunehmen — und so weiter. Die Arbeit, die auf uns zukommt, ist ungeheuerlich. Sie wird nicht gelingen, wenn wir in der Weise vorgehen, daß wir gewissermaßen jeden einzelnen aufklären. Wir müssen verantwortliche Personen haben, die dann ganz die Aufgaben ergreifen. Mit denen wird sich in aller-, allernächster Zukunft die Arbeit durchführen lassen.
[ 23 ] Let us not allow ourselves to be discouraged from the most immediate practical work by saying: “We must first raise awareness.” Those who say today that “socialization takes a long, long time, so every single person must first be educated” are truly on the wrong track. That is not the issue; rather, the point is to first create a group of people who have the trust of their colleagues. Then we will be able to continue working with them, and precisely because they have a direct sense of responsibility, we will not constantly face the problem of having difficulty reaching the broader masses. You see, no matter how many meetings we hold, there will always be some who have reservations about such gatherings, such as: “The sun is shining so beautifully today; let’s go for a walk,” or: “On Ascension Day, it’s not possible to attend a meeting”—and so on. The work that lies ahead of us is immense. It will not succeed if we proceed by, so to speak, enlightening every single person. We must have responsible individuals who will then fully take on the tasks. With them, the work will be carried out in the very, very near future.
Diskussionsredner Mittwich macht den Vorschlag, daß die Betriebsratswahl getrennt nach Angestellten und Arbeitern vorgenommen wird und daß von jeder Seite Delegierte gewählt werden.
Speaker Mittwich proposes that the works council election be held separately for white-collar and blue-collar employees and that delegates be elected from each group.
[ 24 ] Rudolf Steiner: Ich will nur ein paar Worte sagen, da ich ja mit allem Wesentlichen einverstanden sein kann, was der verehrte Vorredner gesagt hat. Aber auf eine wichtige Frage, die er gestellt hat, möchte ich zurückkommen, und zwar handelt es sich um die Art und Weise, wie der Betriebsrat, der ja aus einzelnen Betriebsräten bestehen wird, zustande kommt. Auch ich glaube, daß die Zahl, die er angegeben hat, für die einzelnen Betriebe eine hinreichend große ist. Darüber läßt sich ja natürlich aus den unterschiedlichen praktischen Verhältnissen heraus die eine oder andere Ansicht gewinnen. Was ich aber für wichtig halte, das ist, wie dieser Betriebsrat überhaupt auf die Beine gestellt wird. Glauben Sie nicht, daß ich, indem ich gesagt habe «durch Wahl oder Ernennung», daß ich an eine Ernennung von oben oder dergleichen gedacht habe. Sondern ich dachte natürlich daran, daß zunächst heute ja die verschiedensten Verhältnisse in den einzelnen Betrieben bestehen, und es ist ganz gewiß sehr richtig, daß es heute zahlreiche Betriebe gibt, in denen die Arbeiterschaft genau weiß: das ist für uns der rechte Betriebsrat -, wo man also nicht erst lange zu debattieren braucht, sondern wo man rein durch das Vertrauen weiß: das ist der rechte. Und ich möchte auf die außerordentliche Wichtigkeit hinweisen, daß dieses schon bestehende Vertrauen gerade bei der Wahl der Betriebsräte zum Ausdruck kommt, so daß in den Betriebsrat eben solche Leute hineinkommen, die das Vertrauen ihrer Mitarbeiter haben. Das würde einer Ernennung ähnlich sein.
[ 24 ] Rudolf Steiner: I just want to say a few words, since I agree with everything essential that the esteemed speaker before me has said. But I would like to return to one important question he raised, namely, the way in which the works council—which will, of course, consist of individual works council members—is formed. I, too, believe that the number he specified is sufficiently large for the individual companies. Of course, given the varying practical circumstances, one can arrive at one view or another on this matter. What I consider important, however, is how this works council is actually established in the first place. Please do not think that when I said “by election or appointment,” I was referring to an appointment from above or anything of the sort. Rather, I was of course thinking that, first of all, there are currently a wide variety of circumstances in individual companies, and it is certainly very true that there are numerous companies today where the workforce knows exactly: “This is the right works council for us”—where, in other words, there is no need for lengthy debate, but where, purely through trust, they know: “This is the right one.” And I would like to emphasize the extraordinary importance of ensuring that this existing trust is reflected in the election of works council members, so that the works council is composed of precisely those people who have the trust of their coworkers. That would be similar to an appointment.
[ 25 ] Man muß natürlich praktisch-technisch die Wahl durchführen, aber es sollte verhindert werden, daß durch die Wahl irgendwelche Zufallszusammensetzungen zustande kommen. Es sollten nur solche Persönlichkeiten in den Betriebsrat gewählt werden, die das Vertrauen ihrer Mitarbeiter haben. Das ist notwendig, weil wir vor allen Dingen Leute brauchen, die sich für das, was sie zu tun haben, verantwortlich fühlen. Das ist das eine.
[ 25 ] Of course, the election must be conducted in a practical and technical manner, but we should prevent the election from resulting in any random compositions. Only those individuals who have the trust of their coworkers should be elected to the works council. This is necessary because, above all, we need people who feel responsible for the tasks they are assigned. That is one thing.
[ 26 ] Das andere ist, daß ich nicht glaube, daß es richtig ist zu fragen: Wie soll die Zahl der Betriebsräte verteilt werden nach Angestellten und Arbeitern? Ich halte es gar nicht für möglich, daß man heute irgendein Regulativ aufstellt. Ich bin deshalb völlig einverstanden mit dem, was der Herr Vorredner gesagt hat, daß nämlich nicht etwa — das würde ja zu etwas Ungeheuerlichem führen — auf der einen Seite die Angestellten ihren Betriebsrat und auf der anderen Seite die Arbeiter ihren Betriebsrat wählen. Da würden wir von vorneherein eine nicht arbeitstfähige Betriebsräteschaft bekommen. Sie muß vielmehr als eine einheitliche Körperschaft von Angestellten und Arbeitern gemeinsam gewählt werden. Und wie viele dann auf der einen Seite aus dem Kreis der Angestellten und auf der anderen Seite aus der Arbeiterschaft hervorgehen, das wollen wir dann der Wahl überlassen. Es ist selbstverständlich, daß derjenige, der zum Beispiel aus der geistigen Arbeiterschaft in den Betriebsrat hineinkommt, ein solcher Mensch sein muß, welcher das Vertrauen nicht etwa bloß der Angestellten hat, sondern welcher auch das Vertrauen der Arbeiterschaft haben muß. Die Arbeiterschaft muß ihn als geistigen Arbeiter ebenso akzeptieren. So muß also, wenn zum Beispiel in irgendeinem Betrieb, sagen wir, fünf Handarbeiter und ein geistiger Arbeiter gewählt werden, es ebenso möglich sein, daß andernorts drei geistige und drei Handarbeiter gewählt werden. Es muß das durchaus dem Vertrauen überlassen sein. Als eine einheitliche Gruppe müssen geistige und physische Arbeiter aus ihrem Vertrauen heraus diejenigen wählen, die Betriebsräte sein sollen. Es muß schon bei dieser Urwahl jeder soziale Unterschied zwischen geistigen und physischen Arbeitern wegfallen.
[ 26 ] The other point is that I do not believe it is right to ask: How should the number of works council members be distributed among white-collar and blue-collar workers? I do not think it is at all possible to establish any kind of regulation today. I therefore fully agree with what the previous speaker said, namely that we should not—for that would lead to something monstrous—have the white-collar workers elect their works council on one side and the blue-collar workers elect theirs on the other. That would result in a works council that is unfit for the job from the outset. Rather, it must be elected jointly as a unified body of white-collar and blue-collar workers. And as for how many members will come from the ranks of the white-collar workers on one side and from the blue-collar workers on the other, let us leave that to the election. It goes without saying that someone who, for example, joins the works council from among the white-collar workers must be a person who enjoys not only the trust of the white-collar workers but also that of the blue-collar workers. The manual laborers must accept him as a white-collar worker as well. Thus, if, for example, in a given company, let’s say, five manual laborers and one white-collar worker are elected, it must also be possible for three white-collar workers and three manual laborers to be elected elsewhere. This must be left entirely to the workers’ trust. As a unified group, white-collar and blue-collar workers must, based on their mutual trust, elect those who are to serve on the works council. Any social distinction between white-collar and blue-collar workers must be eliminated right from the start of this primary election.
[ 27 ] Ich kann mir nicht denken, daß die eine Forderung, daß wir gemeinsam physische und geistige Arbeiter wählen, zu etwas anderem führen sollte, als daß eben derjenige, der als geistiger Arbeiter gewählt wird, das Vertrauen auch der gesamten Arbeiterschaft hat, gleichgültig, ob sie eine physische oder geistige Arbeiterschaft ist. Würden wir die Wahl so gestalten, daß wir gezwungen werden, soundso viele Betriebsräte aus den Reihen der geistigen Arbeiter und soundso viele aus der physischen Arbeiterschaft zu wählen, dann würde das keine freie Wahl mehr sein, die auf Vertrauen gebaut ist. Denken wir, in den Betrieben hätten wir unter den geistigen Arbeitern nicht so viele, die Vertrauen verdienen, dann würden ja Leute in diese Urversammlung hineinkommen, die nicht zu brauchen sind! Die Wahl selbst muß sich nicht nur so vollziehen, daß geistige und physische Arbeiter ohne Unterschied in Betracht kommen, sondern daß sie gemeinsam die Macht haben zu wählen und gemeinsam denjenigen wählen, den sie wollen, und so viele von der einen oder der anderen Seite, wie sie wollen. Die geistigen Arbeiter müssen sich klar darüber sein, daß sie nur dadurch in den Betriebsrat hineinkommen können, daß sie das Vertrauen der gesamten Arbeiterschaft haben. Das ist dasjenige, was ich als sehr wesentliche Frage ansehe. Zu dieser Auffassung bin ich aufgrund reichhaltiger Erfahrungen gekommen. Heute müssen wir es wirklich so weit bringen, daß die Betriebsräte auf die Beine gestellt werden. In acht Tagen werden sie so weit sein, daß sie eine gesunde Grundlage für die Sozialisierung aus dem Vertrauen der gesamten Arbeiterschaft heraus abgeben, wenn auch nicht restlos, so doch in der Weise, wie ich es geschildert habe.
[ 27 ] I cannot imagine that the demand that we jointly elect both manual and white-collar workers would lead to anything other than the person elected as a white-collar worker also having the confidence of the entire workforce, regardless of whether they are manual or white-collar workers. If we were to structure the election in such a way that we were forced to elect a certain number of works council members from among the white-collar workers and a certain number from among the blue-collar workers, then it would no longer be a free election based on trust. If we believe that there aren’t enough white-collar workers in the companies who deserve our trust, then people who aren’t needed would end up in this constituent assembly! The election itself must not only be conducted in such a way that white-collar and blue-collar workers are considered without distinction, but also so that they have the power to vote together and jointly elect whomever they want, and as many from one side or the other as they wish. White-collar workers must be clear that they can only gain a seat on the works council by having the trust of the entire workforce. That is what I consider to be a very essential issue. I have arrived at this view based on extensive experience. Today, we really must ensure that the works councils are established. In eight days, they will be ready to provide a sound foundation for socialization based on the trust of the entire workforce—if not completely, then at least in the manner I have described.
Plenum: Es wird mit nur einer Gegenstimme von der Versammlung eine Resolution angenommen, die die Forderung enthält, daß so schnell wie möglich allerorts Betriebsräte gegründet werden, bevor das Gesetz, das nur eine halbe Sache ist, in Kraft tritt.
Plenary Session: With only one dissenting vote, the assembly adopts a resolution calling for works councils to be established everywhere as quickly as possible, before the law—which is only a half-measure—takes effect.
[ 28 ] Rudolf Steiner: Ich muß gestehen, daß ich mit der ja sehr häufig auftretenden Frage: Was für Machtmittel stehen zur Verfügung oder willst du geben? - einen praktischen Sinn eigentlich nicht so recht verbinden kann. Denn sehen Sie, es muß sich ja darum handeln, daß diese Betriebsräteschaft, wie ich schon sagte, wirklich dazu kommt, in irgendeinem Zentralrat oder dergleichen das zu bilden, was wirklich eine Art eines im emanzipierten Wirtschaftsleben drinnenstehenden Wirtschaftsministeriums sein kann. Nun frage ich: Wenn das ein wirkliches Wirtschaftsministerium sein kann, so doch nur dadurch, daß es gerade die Massen hinter sich hat. Ich möchte wissen, wer einem solchen Zentralrat beziehungsweise Wirtschaftsministerium widerstehen kann, wenn es die Massen hinter sich hat, wenn es wirklich aus dem Vertrauen der Masse hervorgegangen ist. Dadurch geben Sie ihm ja die Macht. Die Macht kann heute in nichts anderem bestehen, als daß alle das gleiche wollen und es durch einzelne ausführen lassen, daß also wirklich hinter einem solchen Ministerium etwas steht, was verunmöglicht, daß es zusammengeschossen wird und dergleichen, und zugleich ermöglicht, auf festem Boden zu stehen, basierend auf dem Vertrauen der breitesten Massen. Anders kommen wir nicht zur Macht. Diese Macht aber, die ist dann von selbst da, wenn die Körperschaft da ist. Die Frage, welche Machtmittel ich einer solchen Körperschaft geben will, die kann ich nur als außerordentlich abstrakt ansehen. Ich weiß nicht, woran man bei einer solchen Frage denkt. Meint man, man solle Regimenter aufmarschieren lassen oder man solle Vorschläge machen, daß soundso viele Leute ausgehoben werden, damit, wenn diese Körperschaft zusammentritt, sie funktionieren kann gegen den Willen der anderen? Ich weiß nicht, was hinter einer solchen Frage steckt. Denn wenn dasjenige, was in die Betriebsräteschaft hineinkommt, aus dem Vertrauen der großen Masse hervorgeht, was geschieht dann? Dann wird der Zentralrat beziehungsweise das Wirtschaftsministerium eine wirkliche Sozialisierung herbeiführen können, und mit der werden die breiten Massen dann einverstanden sein, denn es ist ja Fleisch von ihrem Fleisch.
[ 28 ] Rudolf Steiner: I must admit that I cannot really see the practical significance of the question—which, of course, comes up very frequently—‘What means of power are available, or are you willing to provide?’ For you see, the point must be that this works council, as I have already said, actually comes to form, within some central council or the like, what can truly be a kind of economic ministry embedded within an emancipated economic life. Now I ask: If this can be a real economic ministry, it can only be so because it has the masses behind it. I would like to know who could resist such a central council—or ministry of the economy—if it has the masses behind it, if it has truly emerged from the trust of the masses. That is what gives it its power. Power today can consist of nothing other than everyone wanting the same thing and having it carried out by individuals—that is, that there is truly something behind such a ministry that makes it impossible for it to be shot down or the like, and at the same time enables it to stand on solid ground, based on the trust of the broadest masses. There is no other way for us to come to power. But this power will then exist of its own accord once the body is in place. The question of what means of power I wish to grant to such a body—I can only view this as extraordinarily abstract. I do not know what one has in mind when posing such a question. Does one mean that regiments should be marched in, or that proposals should be made to conscript so-and-so many people, so that when this body convenes, it can act against the will of the others? I do not know what lies behind such a question. For if what enters the works council structure arises from the trust of the broad masses, what then happens? Then the Central Council or the Ministry of Economic Affairs will be able to bring about genuine socialization, and the broad masses will then agree to it, for it is, after all, flesh of their flesh.
[ 29 ] Also, ich meine, indem man wirklich etwas Tatsächliches auf einen gesunden Boden stellt, ergibt sich die Macht ganz von selbst. Sie ergab sich am 9. November aus dem Grunde nicht, weil das, was da heraufkommen wollte, nicht aus dem Vertrauen der Massen hervorgegangen ist und man auch nicht wußte, was man da oben tun soll. Da gilt auch alle andere Macht nichts. Es gibt keine anderen Machtmittel als die, die in der Sache selber liegen. Daher habe ich es immer als eine höchst sonderbare, ganz abstrakte philosophische Frage betrachtet, wenn man heute sagt: Du sagst uns nichts über den Weg, wie wir zur Macht gelangen. -— Das ist eben der Weg zur Macht, aus dem Vertrauen heraus eine Vertretung zu finden und aus der Vertretung dann dasjenige zu gestalten, was Anklang findet bei denjenigen, die das Vertrauen dieser Vertretung gegeben haben. Das würde ein praktischer Weg sein. Selbsternennung und dergleichen kann nur dazu führen, daß die Herrlichkeit bald zu Ende ist.
[ 29 ] Well, I mean, by truly establishing something concrete on a sound foundation, power arises all on its own. It didn’t arise on November 9 for the simple reason that what was trying to emerge there did not spring from the trust of the masses, and people didn’t even know what to do once they were in power. In that case, no other form of power counts for anything. There are no means of power other than those inherent in the cause itself. That is why I have always regarded it as a highly peculiar, entirely abstract philosophical question when people say today: “You tell us nothing about the path by which we might attain power.” — That is precisely the path to power: to find a representation based on that trust, and then, through that representation, to shape what resonates with those who have placed their trust in it. That would be a practical path. Self-appointment and the like can only lead to the glory coming to an end all too soon.
[ 30 ] In der Art und Weise, wie wir heute sprechen, besprechen wir ja die Machtfrage mit, und es wäre wirklich ein großer Irrtum, wenn man wiederum die Sache auf Nebengleise führt, indem man wieder die Frage aufwirft, welche Machtmittel denjenigen gegeben werden, die ja schon die Macht haben dadurch, daß sie auf der Grundlage des Vertrauens und nicht auf irgendwelchen anderen Grundlagen in ihre Position hineinkommen. Das bitte ich zu berücksichtigen, denn ich sehe, wie durch Wochen hindurch immer wieder die Konfusion dadurch entsteht, daß man auf der einen Seite sagt: Ja, das ist ja alles recht. Solche Ziele, die mögen mal erreicht werden, wir brauchen aber zuerst die Macht. - Wir müssen die Macht dadurch erringen, daß wir uns mit diesen Zielsetzungen an den betreffenden Ort stellen, an dem wir, wenn wir an ihre Ausführung gehen, tatsächlich das Verständnis der breitesten Massen gewinnen. Das ist der Weg zur wirklichen Macht, zur wirklichen Sozialisierung. Ein anderer wird zu Enttäuschungen führen, zur Wiederholung desjenigen, was sich am 9. November und in der Folgezeit ergeben hat.
[ 30 ] In the way we speak today, we are, in fact, discussing the question of power, and it would truly be a grave mistake to derail the discussion once again by raising the question of what means of power should be granted to those who already hold power simply by virtue of having attained their positions on the basis of trust and not on any other grounds. I ask that you take this into account, because I see how, week after week, confusion arises time and again from the fact that, on the one hand, people say: “Yes, that’s all well and good. Such goals may be achieved someday, but first we need power.” - We must win power by presenting these objectives in the relevant setting, where—as we set about implementing them—we actually gain the understanding of the broadest masses. That is the path to real power, to real socialization. Any other path will lead to disappointment, to a repeat of what happened on November 9 and in the days that followed.
Diskussionsredner Funk fragt: Wie sollen wir uns verhalten, wenn die Betriebsräte von den Unternehmern ignoriert oder nicht anerkannt werden?
Panelist Funk asks: How should we respond when works councils are ignored or not recognized by management?
[ 31 ] Rudolf Steiner: Gewiß, man kann diese Frage aufwerfen, wie man sich zu der Sache verhalten wird, wenn die Betriebsräte da sind und von den Unternehmern nicht anerkannt werden. Aber sehen Sie, so wie die Sache heute abend vor Sie hingetreten ist, ist ja eigentlich schon das Mögliche gegen eine solche Eventualität geschehen. Wir denken uns diese Betriebsräteschaft gar nicht so, daß es darauf ankommt, ob der Unternehmer sie nun anerkennt oder nicht. Deshalb soll ja nicht dieser schauderhafte Wechselbalg von Betriebsräteschaft geschaffen werden, die darin bestehen soll, daß die Betriebsräte in den einzelnen Betrieben wiederum den Leuten Sand in die Augen streuen, um die Arbeiter damit zu beruhigen, daß man sagt: Wir haben ja Betriebsräte. Wir wollen eine Betriebsräteschaft, die sich über das ganze Wirtschaftsgebiet erstreckt und aus der heraus nach und nach eine Zentralgewalt entsteht. Diese Zentralgewalt wird sich stützen auf eine Majorität oder, wie ich immer wieder gesagt habe, auf die breite Masse. Nun frage ich Sie: Wenn diese Berriebsräteschaft dazu führt, daß aus ihr heraus die künftige Wirtschaftsregierung auf die Beine gestellt wird, was soll dann der Widerspruch der verschiedenen Unternehmer noch für eine Bedeutung haben? Diese verschiedenen Unternehmer werden ja von dieser Betriebsräteschaft als Unternehmer einfach aus ihren Angeln gehoben! Die Berriebsräteschaft soll ja etwas tun. Sie wird, wenn sie zum Ziel kommt, der Unternehmerschaft von heute gar nicht mehr gegenüberstehen. Das ist mir in der letzten Zeit überhaupt in den verschiedensten Diskussionen häufig entgegengekommen, daß man auf der einen Seite sozialisieren will und auf der anderen Seite sagt: Wenn wir nun sozialisiert haben, was werden die Kapitalisten dazu sagen? Ja, wenn wir uns auf diese Frage einlassen, dann kommen wir nie zu einer wirklichen Sozialisierung. Wenn wir aber die Sozialisierung ernsthaft in Angriff nehmen, dann kommt es auf die Stellung der Kapitalisten nicht an. Das heißt ja gerade «sozialisieren», daß es in der Zukunft nicht auf sie ankommt, auf die Kapitalisten. Sie werden dadurch aus der Welt geschaffen, daß wir uns nicht weiterhin das Geflunker von einzelnen Betriebsräten, die von der kapitalistischen Obrigkeit anerkannt werden, anhören. Mit denen wollen wir ja gar nicht weiterarbeiten. Deshalb muß ja dieses Gesetz bekämpft werden. Wir müssen tatsächlich Ernst machen mit dem, was Sozialisierung ist. Machen wir Ernst, dann fällt diese Frage ganz von selbst weg. Würde die Frage: Was sagen die Kapitalisten dazu? — weiter bestehen, dann hätten wir eben nicht sozialisiert. Aber wir wollen doch gerade die Sozialisierung auf die Beine stellen! Deshalb dürfen wir uns nicht mutlos machen lassen durch solche Fragen, sondern wir müssen uns Klarheit verschaffen, müssen in uns einen Willen erzeugen, der durchgreifen kann, weil er auf gesunden Impulsen beruht. Dann wollen wir nur fragen: Wie machen wir es, um diesen Willen, ohne Rücksicht auf dieses oder jenes zu nehmen, durchzudrücken? — und nicht: Was könnte kommen? Was wollen wir tun? -, das ist es, worauf es ankommt.
[ 31 ] Rudolf Steiner: Certainly, one can raise the question of how to deal with the situation if works councils are in place but are not recognized by the employers. But you see, as the matter has been presented to you this evening, the necessary steps to prevent such an eventuality have, in fact, already been taken. We do not conceive of this works council system in such a way that it depends on whether the employer recognizes it or not. That is precisely why we should not create this dreadful, distorted version of a works council system, which would consist of the works councils in individual companies once again pulling the wool over people’s eyes in order to pacify the workers by saying: “After all, we do have works councils.” We want a works council system that extends across the entire economic sphere and from which a central authority gradually emerges. This central authority will be based on a majority or, as I have said time and again, on the broad masses. Now I ask you: If this works council system leads to the establishment of the future economic government, what significance will the opposition of the various entrepreneurs still have? These various entrepreneurs will simply be swept aside as entrepreneurs by this works council system! The works council system is meant to take action. If it achieves its goal, it will no longer even be in opposition to today’s business community. This is something I’ve encountered frequently lately in a wide variety of discussions: on the one hand, people want to socialize the economy, and on the other hand, they say, “Once we’ve socialized the economy, what will the capitalists say?” Yes, if we get bogged down in this question, we’ll never achieve true socialization. But if we seriously tackle socialization, then the position of the capitalists will not matter. That is precisely what “socialization” means: that in the future, it will not depend on them—on the capitalists. They will be eliminated from the picture precisely because we will no longer listen to the drivel spouted by individual works council members who are recognized by the capitalist authorities. We have no intention of continuing to work with them. That is precisely why this law must be opposed. We must truly get serious about what socialization entails. If we get serious, then this question will resolve itself entirely. If the question—“What do the capitalists have to say about this?”—were to persist, then we simply would not have socialized. But we do, after all, want to get socialization off the ground! That is why we must not allow ourselves to be discouraged by such questions, but rather we must gain clarity and generate within ourselves a will that can take hold because it is based on sound impulses. Then let us ask only: “How do we go about pushing this will through, without regard for this or that?”—and not: “What might happen?” What do we want to do?—that is what matters.
