Work Councils And Socialization
Discussion Evenings with Workers' Committees
GA 331
5 June 1919, Stuttgart
Translate the original German text into any language:
Versions Available:
Work Councils and Socialization, tr. SOL
Dritter Diskussionsabend
Third Discussion Evening
Einleitende Worte von Rudolf Steiner
Introductory Remarks by Rudolf Steiner
[ 1 ] Meine sehr verehrten Anwesenden! Damit wir uns nachher in der Diskussion fruchtbar über die Einrichtung der Betriebsräte unterhalten können, will ich nur einige hierfür notwendige Worte vorausschicken. Ich glaube, daß es in erster Linie notwendig ist, daß man gerade an der Einrichtung der Betriebsräte gleich von vorneherein die Sozialisierungsaufgabe der gegenwärtigen Zeit in der richtigen Art erfaßt. Das heißt, daß man, indem man an die Einrichtung dieser Betriebsräte geht, eine wirkliche Sozialisierungsarbeit leistet oder, besser gesagt, einen wirklichen Anfang macht mit der Sozialisierung. Sie wissen ja, daß der Impuls zur Dreigliederung des sozialen Organismus dasjenige leisten will, was zu einer solchen umfassenden wirklichen Sozialisierung führen kann. Nun muß man sagen: Gerade an dieser Einrichtung der Betriebsräte zeigt sich eigentlich sogleich, wie wenig Verständnis heute noch vorhanden ist für die wirkliche soziale Bewegung. Nicht wahr, es sollten sich gewisse Leute, welche hauptsächlich die Interessen der Arbeitgeber vertreten, doch einmal darüber Gedanken machen, wie es dazu gekommen ist, daß heute in einer so laut sprechenden Weise gerade aus der Arbeiterschaft heraus dieser Ruf nach Sozialisierung erhoben wird. Wenn nun ein Spezielles auftritt wie die Frage nach den Betriebsräten, dann merkt man sogleich bei dieser Seite, ich meine bei denjenigen, die die Interessen der Arbeitgeberschaft vertreten, wie wenig Verständnis eigentlich für solch eine Einrichtung vorhanden ist. Man kann schon sagen: An dem Widerstand, der von dieser Seite kommt, kann man so recht merken, wie schwierig es sein wird, mit einer wahren und nicht mit einer falschen Sozialisierung durchzugreifen. Ihnen liegen die Flugblätter vor, welche ja auf Anregung des Bundes für Dreigliederung des sozialen Organismus zur Einsetzung von Betriebsräten gerade abgefaßt worden sind.
[ 1 ] Ladies and gentlemen! So that we may later engage in a fruitful discussion regarding the establishment of works councils, I would like to preface this with a few necessary remarks. I believe that, first and foremost, it is necessary to grasp, right from the outset and specifically in the establishment of works councils, the task of socialization that our present age demands in the proper way. This means that, in setting up these works councils, we are carrying out genuine work toward socialization—or, to put it better, making a genuine start on socialization. As you know, the impulse toward the threefold organization of the social organism aims to achieve what can lead to such a comprehensive and genuine socialization. Now it must be said: It is precisely in the establishment of these works councils that it immediately becomes apparent how little understanding still exists today for the true social movement. Isn’t it true that certain people—who primarily represent the interests of employers—should really give some thought to how it has come to pass that today, precisely from within the working class, this call for socialization is being raised so vociferously? When a specific issue arises, such as the question of works councils, one immediately notices on this side—I mean among those who represent the interests of employers—just how little understanding there actually is for such an institution. One might well say: The resistance coming from this side makes it abundantly clear just how difficult it will be to implement true—rather than false—socialization. You have before you the leaflets that were drafted specifically for the establishment of works councils at the suggestion of the Federation for the Threefold Social Order.
[ 2 ] Nun, was hört man von der anderen Seite, von den Vertretern der Interessen der Arbeitgeber angesichts dessen, was in diesen Flugblättern zum Ausdruck kommt? Sehen Sie, da wird als erstes gesagt: Ja, wenn das so ist, wie das in diesem Flugblatt ausgeführt wird, dann greifen ja die Arbeiter zur Selbsthilfe! Die Leute, die so sprechen, die bedenken eben gar nicht, daß eigentlich im Grunde doch die Arbeiterschaft immer nur dann zur Selbsthilfe gegriffen hat, wenn diese Selbsthilfe dringend notwendig war!
[ 2 ] Well, what do we hear from the other side—from the representatives of employers’ interests—in light of what is expressed in these leaflets? You see, the first thing they say is: “Yes, if it’s as this leaflet describes, then the workers are indeed taking matters into their own hands!” The people who speak this way simply fail to consider that, in reality, the working class has only ever taken matters into its own hands when such action was absolutely necessary!
[ 3 ] Ich habe in meinen Vorträgen verschiedentlich ausgeführt, wie das Nicht-Proletariat, wie die leitenden Kreise in der neueren Zeit jede Gelegenheit versäumt haben, um irgendwie verständnisvoll auf die soziale Bewegung einzugehen. Und ich habe auch geschildert, wie selbst die kleinen Brosamen, die der Arbeiterschaft gegeben wurden in Form von Versicherungen, Altersversorgung oder der Regelung der Arbeitszeit oder des Verbotes von Kinderarbeit und dergleichen, ich habe geschildert, wie selbst dieses alles nur dadurch möglich wurde, daß die Arbeiterschaft zur Selbsthilfe gegriffen hat. Heute liegen aber die Dinge noch etwas anders. Das, was ich eben aufgezählt habe, das ist in bezug auf die heute anstehende große Aufgabe der Sozialisierung eher eine Kleinigkeit. Die Arbeiterschaft hat früher in bezug auf Kleinigkeiten zur Selbsthilfe gegriffen. Jetzt aber stehen größere Aufgaben als Forderungen da, das heißt, jetzt muß einmal im Zusammenhang mit einer großen Aufgabe zur Selbsthilfe geschritten werden. Dabei muß man sich aber immer vor Augen halten, daß aus dem Unternehmerverständnis heraus immer die Parole «die Arbeiter greifen zur Selbsthilfe» wie ein rotes Tuch wirkt. Denn sehen Sie, die Unternehmer streben jetzt wieder an, daß in die Betriebe wiederum Vertrauen und Arbeitslust einziehe, obwohl sie hätten einsehen können, wie wenig gerade die Vertreter der Interessen der Arbeitgeber geeignet sind, dieses Vertrauen und diese Arbeitslust zu begründen. Gerade dadurch, wie diese führenden Kreise vorgegangen sind, ist das Vertrauen, ist die Arbeitslust aus den Betrieben verschwunden. Und jetzt wollen sie, wenn das, was zur Produktion und zum sozialen Leben notwendig ist, von denen in die Hand genommen werden soll, die am eigenen Leibe die Arbeit der Unternehmerschaft gespürt haben, jetzt wollen sie sagen: Das steht Euch nicht zu, das steht uns zu.
[ 3 ] In my lectures, I have explained on several occasions how the non-proletariat—that is, the ruling circles in recent times—have missed every opportunity to respond to the social movement in any meaningful way. And I have also described how even the small crumbs given to the working class—in the form of insurance, pension plans, regulations on working hours, the prohibition of child labor, and the like—I have described how even all of this was made possible only because the working class took matters into its own hands. Today, however, things are somewhat different. What I have just listed is, in relation to the great task of socialization that lies before us today, rather a minor matter. The working class used to take matters into its own hands when it came to minor issues. But now there are greater tasks at hand—that is, now we must take matters into our own hands in connection with a major undertaking. In doing so, however, one must always bear in mind that, from the employers’ perspective, the slogan “the workers are taking matters into their own hands” always acts like a red rag. For you see, the employers are now once again striving to restore trust and a willingness to work in the factories, even though they should have realized how ill-suited the very representatives of employers’ interests are to fostering that trust and willingness to work. It is precisely because of the way these leading circles have acted that trust and the willingness to work have vanished from the workplaces. And now, when what is necessary for production and social life is to be taken into the hands of those who have experienced the business community’s practices firsthand, now they want to say: “That is not your right; it is ours.”
[ 4 ] Sie werden durch das Flugblatt und vielleicht auch aus den letzten Versammlungen, wenn Sie dabei waren, wissen, daß es zunächst darauf ankommt, daß erst einmal Betriebsräte da sind, Betriebsräte, die wirklich hervorgegangen sind aus der Gesamtheit aller derjenigen, die am wirtschaftlichen Leben arbeitend und organisierend beteiligt sind, und daß es darauf ankommt, daß nun auch wirklich die Leute, die gewählt wurden, auch zu Worte kommen, sich äußern können über das, was nun geschehen soll. Da dürfen dann nicht einfach die alten Wirtschaftsformen fortgesetzt werden, sondern es muß aus dem Urgrund heraus etwas Neues geschaffen werden. Und man kommt nur weiter, indem heute in den einzelnen Betrieben Betriebsräte gewählt werden und dann, hervorgehend aus einem größeren zusammenhängenden Wirtschaftsgebiet, sagen wir Württemberg, eine Betriebsrat-Urversammlung zusammentritt und daß sich diese dann aus den Erfahrungen, aus den Kenntnissen der Betriebsräte heraus selbst eine Verfassung gibt, also festlegt, was die Betriebsräte zu tun haben, was ihre Rechte und Pflichten sind. In dieser Weise muß heute aus dem wirtschaftlichen Leben selbst, aus dem selbständigen wirtschaftlichen Leben heraus das entstehen, was für dieses wirtschaftliche Leben notwendig ist. Es muß also durch die Betriebsräte erst etwas entstehen. Man kann nicht aus den alten Einrichtungen heraus heute dasjenige schaffen, was eigentlich durch die wirklich neue Betriebsräteschaft erreicht werden soll.
[ 4 ] As you may know from the flyer—and perhaps also from the most recent meetings, if you attended them—the first priority is to ensure that there are works councils in place, works councils that have truly emerged from the collective of all those who participate in economic life through their work and organization, and that it is essential for the people who have been elected to actually have a voice and be able to express their views on what should happen next. The old economic structures must not simply be continued; rather, something new must be created from the ground up. And progress can only be made by electing works councils in individual companies today and then—drawing from a larger, cohesive economic region, say Württemberg—convening a founding assembly of works councils, which, drawing on the experiences and knowledge of the works councils, will then adopt a constitution for itself—that is, define what the works councils are to do and what their rights and duties are. In this way, what is necessary for economic life must emerge today from economic life itself—from independent economic life. Something must therefore first emerge through the works councils. One cannot create today, out of the old institutions, what is actually to be achieved through the truly new works council system.
[ 5 ] Sehen Sie, das müßte eigentlich heute das Bestreben breitester Kreise der arbeitenden Menschheit sein: Durch das Vertrauen, das derjenige, der gewählt werden soll, im Betrieb hat, durch dieses Vertrauen soll er getragen sein. Und dann soll er sich vereinigen mit den Betriebsräten eines größeren zusammenhängenden Wirtschaftsgebietes, also sagen wir Württembergs in diesem Fall, um gemeinsam mit ihnen die Aufgaben der Betriebsräte festzustellen, festzulegen. Das müßte heute aus der Sache heraus die Ansicht der breitesten Kreise der arbeitenden Menschheit sein.
[ 5 ] You see, this should actually be the goal of the broadest possible circles of the working class today: The person to be elected should be supported by the trust he enjoys within the workplace. And then he should join forces with the works councils of a larger, contiguous economic region—let’s say Württemberg in this case—to work with them to identify and define the tasks of the works councils. Objectively speaking, that should be the view of the broadest circles of the working class today.
[ 6 ] Dem steht nun das gegenüber, was von anderer Seite — zu meiner Verwunderung allerdings auch von sehr vielen Kreisen der Arbeiterschaft — gefordert wird. Es ist dies, daß zunächst wiederum ganz in der alten Weise, so wie es immer geschehen ist, vom alten Staat ein Gesetz gegeben werden soll, das von vorneherein bestimmt, welche Pflichten und Rechte die Betriebsräte haben sollen. Geht man so vor, so kommt man, wie ich glaube, nicht nur keinen Schritt vorwärts, sondern man macht angesichts der Zeitverhältnisse sogar ganz wesentliche Schritte nach rückwärts. Was von dieser Seite her kommen kann, das haben wir ja deutlich gesehen. Was beinhalten denn die Forderungen, die von dieser Seite kommen? Da wird zum Beispiel gesagt: Der Staat, der Unternehmer und die Arbeiter müssen auf ihre Rechnung kommen. Daß der Staat, der ja heute doch immer noch im Grunde genommen so gedacht ist, daß er der Beschützer des Kapitalismus ist, zu seinem Recht kommt, das kann ja ganz aufrichtig gemeint sein. Daß schließlich auch der Unternehmer zu seinem Recht kommen soll, will ich auch nicht bezweifeln. Aber das, was die Leute darunter verstehen, daß der Arbeiter zu seinem Recht kommen kann, wenn sie solche Gesetze fabrizieren, das, glaube ich, bedarf doch einer genaueren Betrachtung, denn diese Leute verwechseln gewöhnlich das Interesse des Arbeiters mit dem, wie sie in ihrem Interesse den Arbeiter am allerbesten brauchen können.
[ 6 ] This stands in contrast to what is being demanded by others—and, to my surprise, also by a great many sectors of the working class. This is that, first of all, in the old way—just as has always been the case—the old state should enact a law that determines from the outset what duties and rights the works councils are to have. If we proceed in this manner, I believe we will not only fail to take a single step forward, but—given the current circumstances—we will even take significant steps backward. We have already seen clearly what can come from this side. What, then, do the demands coming from this side entail? For example, it is said: The state, the employer, and the workers must all get their due. That the state—which, after all, is still fundamentally viewed today as the protector of capitalism—should get its due may well be meant in all sincerity. Nor do I wish to doubt that entrepreneurs, too, should ultimately get their due. But what these people mean by the idea that workers can get their due when they draft such laws—that, I believe, requires closer examination, for these people usually confuse the interests of the workers with how they can best use the workers to serve their own interests.
[ 7 ] Da legen sich also diese Leute merkwürdige Worte zurecht, Worte, die im Grunde genommen immer dazu angetan sind, den Leuten Sand in die Augen zu streuen, einen $and, der dann meistens eine ganz merkwürdige Bestimmung hat. Dieser Sand soll sich, wenn er etwa zurückfällt auf diejenigen, die ihn streuen, ein bißchen in Goldkörner verwandeln. Da sagen die Leute: Die Betriebsräte müssen aber dem Ganzen, dem Staatsganzen dienen. Sie sind auch nicht dazu da, dem einzelnen Arbeiter Vorteile zu verschaffen, sondern sie sollen dem Blühen des ganzen Betriebes dienen. — Nun frage ich Sie, was das eigentlich heißt, wenn man so etwas sagt: «dem Blühen des ganzen Betriebes sollen die Betriebsräte dienen». Das heißt nichts anderes, als daß in abstrakter Weise dasjenige verschleiert wird, um was es sich eigentlich handelt. Wozu sind denn überhaupt Betriebe in der Welt da? Doch dazu, daß sie etwas liefern für die Menschen, und die Menschen sind doch alle einzelne! Betriebe sind überhaupt nur dazu da, daß dasjenige, was in ihnen erzeugt wird, Konsumgut der einzelnen Menschen wird. Und zu sprechen von einem Blühen der Betriebe in einem anderen Sinne, als daß der einzelne Mensch zu seinem Gedeihen kommt durch das, was in den Betrieben erzeugt wird, das heißt nicht aus einer Wirklichkeit reden, sondern die Wirklichkeit mit blauem Dunst zudecken.
[ 7 ] So these people come up with strange words—words that, when you get right down to it, are always meant to pull the wool over people’s eyes, a “$and” that usually serves a very peculiar purpose. This sand, when it falls back onto those who scatter it, is supposed to turn into little grains of gold. People say: “But the works councils must serve the whole—the state as a whole.” They are not there to secure advantages for individual workers, but rather to serve the prosperity of the entire enterprise. — Now I ask you, what does it actually mean when people say something like this: “The works councils are supposed to serve the flourishing of the entire enterprise”? It means nothing other than that, in an abstract way, the real issue at hand is being obscured. What are enterprises in the world for, anyway? Surely to provide something for people—and people are all individuals! Businesses exist solely so that what is produced in them becomes consumer goods for individual people. And to speak of the flourishing of businesses in any sense other than that the individual person flourishes through what is produced in them—that is not speaking from reality, but covering reality with a veil of smoke.
[ 8 ] Es klingt immer so furchtbar schön, wenn man sagt, es soll dem Ganzen gedient werden. Im wirtschaftlichen Bereich hat das keinen Sinn, denn: Was ist da das Ganze? Es sind die einzelnen alle zusammen! Man sollte also nicht sagen «dem Blühen der Betriebe», sondern «dem Blühen all derer, die an den Betrieben und überhaupt an der Wirtschaft beteiligt sind». Dann wäre die Sache richtig dargestellt, und die Tatsachen würden nicht durch blauen Dunst zugedeckt.
[ 8 ] It always sounds so wonderfully beautiful when people say that everything should be done for the sake of the whole. In the economic sphere, this makes no sense, because: What exactly is the “whole” here? It is all the individuals taken together! So one shouldn’t say “the prosperity of businesses,” but rather “the prosperity of all those who are involved in businesses and in the economy in general.” Then the matter would be presented correctly, and the facts would not be obscured by a haze of vagueness.
[ 9 ] Sehen Sie, man sagt öfters: Der Impuls zum dreigliedrigen sozialen Organismus sei eine Ideologie. In Wahrheit aber möchte dieser Impuls allen blauen Dunst, von dem genugsam nicht nur geredet worden ist, sondern der im Dienste der Unterdrückung gebraucht worden ist, beseitigen und an dessen Stelle die wahre Wirklichkeit, den Menschen mit seinen: Bedürfnissen, setzen. Nun sehen Sie, was verlangen die Leute? Die Leute verlangen, daß die Befugnisse der Betriebsräte nach reichlicher Prüfung der Verhältnisse — so sagt man ja immer, wenn man eine Sache nicht will - durch Sachverständige geregelt werden, und als Sachverständige werden genannt Arbeitgeber, Arbeitnehmer und Sozialpolitiker. Nun, der Begriff des Arbeitgebers — Sie können es meinen früheren Vorträgen und auch meinem Buch über die soziale Frage entnehmen -, der Begriff des Arbeitgebers, der muß eigentlich als solcher bei einer wirklichen Sozialisierung verschwinden. Denn einen Arbeitgeber kann es nur geben, wenn er ein Arbeitbesitzer ist, und Arbeitbesitzer darf es eben nicht geben. Es kann nur Arbeitsleiter geben, das heißt solche Menschen, die in der Arbeitsorganisation tätig sind, und zwar so, daß auch der physische Arbeiter seine Arbeitskraft am besten eingesetzt weiß und dergleichen. Natürlich kann in einem Betrieb die Arbeit nicht so ablaufen, daß jeder das tut, was er will. Es muß eine Leitung dasein, es muß der ganze Betrieb durchgeistigt sein, aber das sind keine Arbeitgeber, das sind Arbeitsleiter, das heißt Arbeiter von anderer Art. Darauf ist der größte Wert zu legen, daß man endlich einmal den wirklichen Begriff der Arbeit faßt, denn ein Arbeitgeber, der nicht selbst mitarbeitet, gehört in Wirklichkeit gar nicht zum Betrieb, sondern ist ein Parasit der Arbeit.
[ 9 ] You see, it is often said that the impulse toward the threefold social organism is an ideology. In truth, however, this impulse seeks to eliminate all the vague, hazy notions—which have not only been talked about at length but have also been used in the service of oppression—and to replace them with true reality: the human being with his or her needs. Now, what do people demand? People demand that the powers of the works councils be regulated by experts after a thorough examination of the circumstances—as people always say when they don’t want something—and the experts named are employers, employees, and social policymakers. Now, the concept of the employer—as you can see from my earlier lectures and also from my book on the social question—the concept of the employer must, in fact, disappear as such in the event of true socialization. For an employer can only exist if he is an owner of labor, and owners of labor simply must not exist. There can only be work supervisors—that is, people who are active in the organization of labor—in such a way that even the manual laborer knows how to make the best use of his labor and so on. Of course, work in a business cannot proceed in such a way that everyone does whatever he wants. There must be leadership; the entire enterprise must be imbued with a spirit of cooperation—but these are not employers; they are work supervisors, that is, workers of a different kind. The greatest emphasis must be placed on finally grasping the true concept of work, for an employer who does not work alongside the others does not, in reality, belong to the enterprise at all, but is a parasite on labor.
[ 10 ] Über diese Dinge haben die Menschen heute ganz merkwürdige Anschauungen. Ich war vorgestern in Tübingen, wo ich vor einer Versammlung gesprochen habe. Es waren auch Professoren da, und sehen Sie, einer dieser Professoren, der scheint sich besonders aufgeregt zu haben darüber, daß ich gesagt habe, daß dem Arbeiter heute nun endlich einmal klar geworden ist, daß das alte Lohnverhältnis aufhören muß, weil unter diesem alten Lohnverhältnis der Arbeiter seine Arbeitskraft als Ware verkaufen muß. Nun, daraufhin hat einer der Professoren das Folgende eingewendet: Soll denn das wirklich nicht menschenwürdig sein, daß man seine Arbeit verkauft? Was ist es denn schließlich für ein Unterschied, ob der Arbeiter in der Fabrik seine Arbeit verkauft oder Caruso an einem Abend singt und 30 000 bis 40000 Mark am Abend bekommt? Hat der nicht auch seine Arbeit verkauft? — Sehen Sie, solche Vorstellungen haben die Leute heute noch, und gegen die muß man heute noch angehen!
[ 10 ] People today have some very strange views on these matters. I was in Tübingen the day before yesterday, where I spoke before an audience. There were also professors there, and you see, one of these professors seemed particularly upset that I had said workers today have finally come to realize that the old wage system must come to an end, because under this old wage system, workers must sell their labor power as a commodity. Well, in response to that, one of the professors objected as follows: Is it really so undignified to sell one’s labor? After all, what difference does it make whether a worker in a factory sells his labor or Caruso sings one evening and earns 30,000 to 40,000 marks? Didn’t he also sell his labor? — You see, people still hold such mental images today, and we must continue to challenge them!
[ 11 ] Was aber wird heute gefordert? Arbeitgeber, Arbeitnehmer und Sozialpolitiker sollen erst erwägen, was nun die Betriebsräte tun sollen. Nun, die Sozialpolitiker, das sind eben solche Herren, die die Gleichartigkeit der Arbeit des Fabrikarbeiters und Carusos vertreten. Diese Herren sollen also die gewichtigste Stimme haben. Es handelt sich aber heute doch darum, daß wir endlich dazu kommen, uns zu sagen: Diese Leute haben lange genug ihre Stimme abgegeben, und gerade durch die Art, wie sie ihre Stimme abgegeben haben, haben sie gezeigt, daß sie nichts mitzureden haben. Auf die Sozialpolitiker kann in weitestem Umfang verzichtet werden. Ich bin überzeugt, daß wir etwas viel Gescheiteres zustande bekommen, wenn wir aus den Betrieben heraus, aus der physischen und geistigen Arbeiterschaft heraus Vertrauensleute für den Betriebsrat wählen, als wenn sich die Sozialpolitiker zusammensetzen, die doch gründlich bewiesen haben, daß sie zwar alles verderben, aber nichts aufbauen können. Und weil man das erkannt hat, deshalb hat sich der Impuls für die Dreigliederung vor allen Dingen Klarheit darüber verschafft, daß heute nur aus einer Betriebsräte-Urversammlung etwas kommen kann. Und wenn heute gefragt würde, wer da mitzureden hat, dann würde ich sagen: Vor allen Dingen nicht diejenigen, die noch am alten Begriff des Arbeitgebers festhalten, und nicht diejenigen, welche theoretisierende Sozialpolitiker sind, die sollen besser draußen bleiben. Es gibt Leute, die sagen dann: Dazu gehören eingehende Studien, wie sie von Sozialisierungsausschüssen gemacht werden. Sehen Sie, einen wirklichen Sozialisierungsausschuß, den möchte man eben gerade haben in der Betriebsräteschaft, die aus dem wirklichen Vertrauen der Menschen hervorgeht. Dagegen aber sagen diese Leute, daß durch gewalttätige Eingriffe der Betriebsräte, die ohne vorherige gesetzliche Regelung sich ihre Befugnisse selbst geben und einen Zentralrat im Sinne des Flugblattes bilden, die schwersten Schädigungen zu erwarten sind. Man sollte sich schon klar darüber sein, daß vielleicht schwere Schädigungen des alten Kapitalismus zu erwarten sind, aber das werden solche Schädigungen sein, welche sich als Nützlichkeiten erweisen werden im Dienste der wirklich tatkräftigen Menschheit.
[ 11 ] But what is being demanded today? Employers, employees, and social policymakers are first asked to consider what the works councils should do. Well, social policymakers are precisely the kind of people who advocate for the equivalence of the work of a factory worker and that of Caruso. These people, then, are supposed to have the most weighty voice. But the point today is that we must finally come to the conclusion: These people have had their say long enough, and precisely through the way they have expressed their views, they have shown that they have no say in the matter. We can do without the social politicians to the greatest extent possible. I am convinced that we will achieve something far more sensible if we elect representatives to the works council from within the workplaces—from among the physical and intellectual workers—than if the social politicians sit down together, having thoroughly proven that they can ruin everything but build nothing. And because this has been recognized, the impetus for the threefold social order has, above all, made it clear that today, something can only come about from a founding assembly of works councils. And if someone were to ask today who should have a say in this, I would say: Above all, not those who still cling to the old concept of the employer, and not those who are theorizing social policymakers—they’d be better off staying out of it. There are people who then say: This requires in-depth studies, such as those conducted by socialization committees. You see, a genuine socialization committee is precisely what we want within the works council movement, one that arises from the genuine trust of the people. These people, however, argue that the most serious damage is to be expected from violent interventions by works councils that, without prior legal regulation, grant themselves powers and form a central council in the sense described in the leaflet. One should be clear that serious damage to the old capitalism may indeed be expected, but such damage will ultimately prove beneficial in the service of a truly active humanity.
[ 12 ] Dann ist da noch eine Phrase, die heute immer wieder und wiederum gebraucht wird und die auch in den Kreisen der Arbeitgeberschaft verwendet wird, nämlich daß die Einrichtung von Betriebsräten ihren Zweck nur durch weitgehende Aufklärung und Schulung der Arbeiterschaft und der Unternehmer erfüllen kann. Ja, von dieser Art von Schulung hat man auch schon einiges wahrnehmen können. Bei dieser Art von Schulung handelt es sich ja darum, daß die Leute zunächst grundlegend dahingehend präpariert werden, daß sie den herrschenden Klassen den besten Dienst erweisen können, und nicht etwa, daß sie etwas Menschenwürdiges erkennen. Man möchte ihnen durch eine Schulung alles das gründlich austreiben, was sie durch das Leben gelernt haben und was sie angesichts der jetzigen Zeitverhältnisse aus ihrer Seele heraussetzen möchten. Mit dieser Schulung verbindet man die Absicht, das Vertrauen zwischen Arbeitgeber und Arbeitnehmer herzustellen, zu festigen. Ich habe ja schon gesagt: Nachdem man alles getan ‚hat, um dieses Vertrauen gründlich auszumerzen, hat man eingesehen, daß man dieses Vertrauen glaubt wieder herstellen zu können, indem man die Leute in dieses Vertrauen hineinschult. Das heißt in diesem Falle nämlich nichts anderes, als die Leute darauf hin zu dressieren, daß sie sich im Dienst des Kapitalismus wohlfühlen.
[ 12 ] Then there is another phrase that is used time and again today, even in employer circles, namely that the establishment of works councils can only fulfill its purpose through extensive education and training of both workers and employers. Yes, we have already seen quite a bit of this kind of training. The point of this kind of training is, after all, to fundamentally prepare people so that they can best serve the ruling classes—and not, by any means, to help them recognize what is truly dignified. Through this training, the aim is to thoroughly eradicate everything they have learned through life and everything they would like to cast out of their souls in light of current circumstances. This training is linked to the intention of establishing and strengthening trust between employers and employees. As I have already said: After having done everything to thoroughly eradicate this trust, it has been realized that this trust can be restored by training people to have it. In this case, that means nothing other than conditioning people to feel comfortable serving capitalism.
[ 13 ] Noch etwas anderes muß berücksichtigt werden, nämlich daß auch der Staat von der Arbeiterschaft profitieren will. Kürzlich ist in der Stadt, in der sich die Zentrale der höchsten Intelligenz Württembergs befindet, von einem Professor des Staatsrechtes gesagt worden: Ja, wir gehen traurigen Zeiten entgegen. Die Leute werden sehr arm sein! -— Damit mag ja der Herr einigermaßen recht haben. Aber dann sagte er: Wir werden große, große Ausgaben haben. Womit sollen diese großen Ausgaben gedeckt werden? Die Leute werden kein Geld haben, damit diese Ausgaben gedeckt werden können. Da wird der Staat eintreten müssen, um diese Ausgaben zu decken! — Nun, meine sehr verehrten Anwesenden, da muß ich sagen: Es ist dies ein gründlicher Beweis dafür, daß endlich einmal auch das Geistesleben auf andere Füße gestellt werden muß, wenn ein hervorragender Vertreter des Geisteslebens heute die Behauptung aufstellt, daß der Staat für die armen Leute eintreten muß, damit er die großen Ausgaben, die wir haben werden, zahlen kann. Ich möchte nur wissen, wie das der Staat anstellt, ohne daß er den Leuten erst das Geld aus dem Portemonnaie nimmt? So redet man vom Staate wie von einer wirklichen Persönlichkeit. Wenn man den Leuten heute von Gespenstern reden würde, die ihnen ihre Schulden zahlen, so würden sie einen selbstverständlich auslachen als einen dummen Kerl. Aber dieser Staat, so von ihm gesprochen, ist ja nichts anderes als ein Gespenst. Denn schließlich kommt man in der wirklichen Volkswirtschaft damit nicht weiter, daß man eine Geldnote nach der anderen druckt, denn diese Noten haben ja nur einen Wert, wenn sie durch Arbeit eingelöst werden!
[ 13 ] There is something else that must be taken into account, namely that the state, too, wants to profit from the working class. Recently, in the city where the headquarters of Württemberg’s highest intellectual elite is located, a professor of constitutional law said: “Yes, we are heading toward sad times. People will be very poor!” — The gentleman may well be right to some extent. But then he said: “We will have huge, huge expenditures. How are these huge expenditures to be covered? People will have no money to cover these expenditures. The state will have to step in to cover these expenditures!” — Well, ladies and gentlemen, I must say: This is clear proof that intellectual life, too, must finally be put on a different footing, when an outstanding representative of intellectual life today asserts that the state must step in on behalf of the poor so that it can pay for the enormous expenses we will face. I’d just like to know how the state is supposed to do that without first taking the money out of people’s wallets? People speak of the state as if it were a real person. If you were to tell people today about ghosts that pay their debts, they would naturally laugh at you as a fool. But this state, spoken of in this way, is nothing more than a ghost. After all, in the real economy, printing one banknote after another gets you nowhere, because these notes only have value if they are backed by labor!
[ 14 ] Sehen Sie, die Leute sagen heute auch so gerne: Ehe nicht unter Mitwirkung von Sachverständigen abgegrenzt ist, welche Befugnisse ohne Vernichtung unseres schwerkranken Wirtschaftskörpers die Betriebsräte haben können, und ehe nicht durch die von der Regierung zu schaffenden Gesetze das Recht derselben festgelegt ist, können wild gewählte - ich betone: wild gewählte — Betriebsräte nur Unheil anrichten. — Ja, diese wild gewählten Betriebsräte sollen also diejenigen Betriebsräte sein, die nur durch das Vertrauen der werktätigen Bevölkerung auf die Beine gestellt werden. Denen sollen entgegengestellt werden diejenigen, die in die Fabriken hineingesetzt werden, indem man ihnen sagt: Das dürft ihr tun, das dürft ihr nicht tun, das müßt ihr unterlassen. — Ja, das führt natürlich zu nichts anderem als zur Konservierung der alten Verhältnisse. Das führt nicht vorwärts, sondern einige Schritte zurück, denn es war schon ein Unheil, als das Wirtschaftsleben noch floriert hat, daß man über Arbeiterausschüsse in dieser Weise gedacht hat. Jetzt, wo das Wirtschaftsleben am Boden liegt, ist es ein noch größeres Unheil, wenn nicht aus der werktätigen Bevölkerung selbst heraus die Betriebsräteschaft entsteht und wenn man, wenn so etwas auftritt, sagt, das sei wild gewählte Menschheit.
[ 14 ] You see, people today are so fond of saying: Until experts have defined the limits of the powers that works councils can have without destroying our gravely ailing economic body, and until the government enacts laws establishing the rights of these councils, works councils elected haphazardly—I emphasize: haphazardly—can only cause harm. — Yes, so these “wildly elected” works councils are supposed to be the ones established solely through the trust of the working population. They are to be contrasted with those who are installed in the factories and told: “You may do this, you may not do that, you must refrain from doing this.” — Yes, of course that leads to nothing other than the preservation of the old conditions. It does not move us forward, but rather a few steps backward, for it was already a disaster—even when economic life was still flourishing—that people thought of workers’ committees in this way. Now that economic life is in ruins, it is an even greater disaster if works councils do not emerge from the working population itself, and if, when something like this happens, people say that these are “wildly elected” individuals.
[ 15 ] Nun ja, nachdem man gesehen hat, was von der anderen Seite gepflanzt werden soll, muß man schon einmal zu den Wildwachsenden greifen. Das wird dann das Gesündere sein, gesünder als dasjenige, was in den Ziergärten derer gepflanzt werden soll, die so gerne in den alten Verhältnissen drinnen stecken bleiben wollen. Einen anderen schönen Satz, der auch in diesen Tagen gegen unsere Bestrebungen zur Wahl von Betriebsräten aufgetaucht ist, möchte ich doch noch anführen. Es wird nämlich verschiedenes befürchtet von dieser wild gewählten Betriebsräteschaft. Unter anderem wird gesagt: Die einseitige Ausschlachtung der Betriebe durch die Arbeiter widerspricht dem Gedanken der Sozualisierung. — Aber, ich weiß gar nicht, was das überhaupt heißen soll. Ich zermartere mir das Gehirn, um bei diesem Satz etwas zu denken. Die einseitige Ausschlachtung der Betriebe durch die Arbeiter, was soll das heißen? Sehen Sie, wenn die Arbeiter ihre gehörige Dosis von Mitverantwortlichkeit an dem Betrieb haben, dann werden sie nämlich wissen, daß, wenn sie die Betriebe nicht von sich aus hegen und pflegen, die Betriebe in kurzer Zeit in einem Zustand sind, daß sie sie nicht mehr ausschlachten können. Daß man just voraussetzen soll bei den gescheiten Vertretern der Unternehmerschaft, daß die Arbeiter so töricht sein sollen, daranzugehen, alles aus dem Betrieb herauszuschlagen, damit sie sich nachher selber auf die Straße werfen, das sollte man sich eigentlich nicht vorstellen. Denn die Arbeiter haben hinlänglich gelernt, was es heißt, durch andere auf die Straße gesetzt zu werden. Daß sie das selber nachmachen sollten, glaube ich nicht, denn diese Praxis haben sie bei den anderen zur Genüge kennengelernt.
[ 15 ] Well, once you’ve seen what the other side intends to plant, you really have to turn to the wild plants. Those will be the healthier option—healthier than what’s meant to be planted in the ornamental gardens of those who are so eager to remain stuck in the old ways. I’d still like to quote another fine sentence that has also surfaced in recent days in opposition to our efforts to elect works councils. There are, in fact, various fears regarding this “wildly elected” works council. Among other things, it is said: “The one-sided exploitation of the enterprises by the workers contradicts the idea of socialization.”—But I have no idea what that’s even supposed to mean. I’m racking my brain trying to make sense of this statement. The one-sided exploitation of the enterprises by the workers—what is that supposed to mean? You see, if the workers have their fair share of shared responsibility for the enterprise, then they will know that if they do not nurture and care for the enterprises of their own accord, the enterprises will soon be in such a state that they can no longer exploit them. That one should assume—especially on the part of the sensible representatives of the business community—that the workers would be so foolish as to go about squeezing everything out of the business, only to end up throwing themselves out onto the street afterward—one really shouldn’t have such a mental image. For the workers have learned all too well what it means to be thrown out onto the street by others. I do not believe they would do this to themselves, for they have become all too familiar with this practice when others have done it to them.
[ 16 ] Und dann die Äußerung, daß man dem Gedanken der Sozialisierung widerspräche. Ja, Sozialisierung soll sein: Aufrufen zur Mitarbeit an der Gesellschaftsordnung im geistigen, rechtlichen und wirtschaftlichen Leben all jener, die als Werktätige an diesem Leben beteiligt sind, die als Werktätige wirklich in der Arbeit stehen. Diese soll dadurch erreicht werden, indem aus der werktätigen Bevölkerung heraus die Betriebsräteschaft — wie die Herren sagen — «wild» gewählt wird. Nun ja, das soll nun der Sozialisierung widersprechen. So quäle ich mich also auch mit der zweiten Hälfte jenes Satzes im Kopf herum und kann einfach nicht dahinterkommen, was damit gemeint ist, denn dadurch, daß Betriebsräte aus denjenigen, die die Betriebe betreiben, gewählt werden und für das Gedeihen der ganzen Volkswirtschaft sorgen, soll also der Sozialisierung widersprochen werden. Vielleicht könnte ja damit gemeint sein, daß dadurch diejenigen, die als Werktätige in den Betrieben beschäftigt sind, an der Fruktifizierung teilhaben, während diejenigen schlecht wegkommen, die bisher in der verschiedensten Weise immer nur am Gewinn beteiligt waren. Das heißt, es werden schlecht wegkommen die aus dem bloßen Kapitalismus heraus ihr Leben fristenden Menschen. Ich müßte also den Satz so auslegen, daß die einseitige Wahl von solchen Betriebsräten, wie wir sie haben wollen, der Ausmerzung der eigentlichen Kapitalisten widerspricht. Dann müßte ich meinen, daß in dem Kopfe eines solchen Menschen der Gedanke entstehen kann, daß nämlich die Ausmerzung des Privatkapitalismus der Sozialisierung widerspricht. Ich kann mir sogar vorstellen, daß in den Köpfen gewisser Leute die Sozialisierung so verstanden wird, daß sie, indem sie den Interessen der Privatkapitalisten widerspricht, keine rechte Sozialisierung ist. Dann aber müssen wir uns schon gestehen, daß wir uns eben selbst Begriffe über die Sozialisierung machen müssen, daß wir uns wahrhaftig von den Leuten nicht aufdrängen lassen können die Begriffe von wahrer Sozialisierung oder von dem, was dieser Sozialisierung widerspricht. Wenn man noch so sehr nach Gesetzen schreit, man wird doch keinen wahren Begriff von den Betriebsräten gewinnen. Deshalb müssen wir uns schon entschließen, als einen wahren Begriff von Betriebsräten diese Betriebsräte zu schaffen, und uns nicht abhalten lassen davon, daß wir den Ziergärten des Systems der heutigen wirtschaftlichen Ordnung die wildgewachsenen Betriebsräte entgegensetzen. Wir müssen dazu den Mut fassen und uns sagen: Aus der Institution derjenigen Betriebsräte, die wir jetzt durch Urwahl festsetzen das Nähere kann nachher in der Diskussion besprochen werden -, soll eine Betriebsräteschaft hervorgehen, die nun geeignet sein wird, wirklich eine Grundlage für die Sozialisierung zu schaffen. Dann kann es sein, daß die Sozialisierung wirklich marschieren wird, während bis jetzt vom Marschieren der Sozialisierung nur diejenigen Menschen sprechen, von denen man genau weiß, daß sie unter wirklicher Sozialisierung ein kapitalistisches Gespenst in neuer Form, das sich vollsaugen soll mit allerlei Parasiten, verstehen.
[ 16 ] And then there is the claim that one would be contradicting the idea of socialization. Yes, socialization should be: a call for all those who, as working people, participate in this life—who, as working people, are truly engaged in labor—to contribute to the social order in intellectual, legal, and economic life. This is to be achieved by “spontaneously” electing works council members from among the working population—as these gentlemen put it. Well, that is supposed to contradict socialization. So I, too, am racking my brain over the second half of that sentence and simply cannot figure out what is meant by it, for the fact that works council members are elected from among those who run the enterprises and ensure the prosperity of the entire national economy is supposedly supposed to contradict socialization. Perhaps what is meant is that, as a result, those employed as workers in the enterprises will share in the fruits of their labor, while those who, until now, have always merely shared in the profits in various ways will fare poorly. That is to say, those who eke out a living solely through capitalism will fare poorly. I would therefore have to interpret the statement to mean that the one-sided election of the kind of works councils we want contradicts the elimination of the actual capitalists. Then I would have to conclude that the idea could arise in the mind of such a person that the elimination of private capitalism contradicts socialization. I can even have a mental image of how, in the minds of certain people, socialization is understood to mean that, because it contradicts the interests of private capitalists, it is not true socialization. But then we must admit to ourselves that we must form our own concepts of socialization, that we truly cannot allow others to impose on us their notions of true socialization or of what contradicts this socialization. No matter how much one clamors for laws, one will still not gain a true understanding of works councils. That is why we must resolve to create these works councils as a true embodiment of what works councils are, and not allow ourselves to be deterred from setting the wild, uncontrolled works councils against the ornamental gardens of today’s economic order. To do this, we must summon the courage and tell ourselves: From the institution of those works councils that we are now establishing through direct election—the details can be discussed later—a works council movement shall emerge that will be capable of truly laying the foundation for socialization. Then it may be that socialization will truly take hold, whereas up to now, the only people speaking of socialization’s advance are those whom we know full well to understand “true socialization” as a capitalist specter in a new form, destined to gorge itself on all manner of parasites.
[ 17 ] Wenn wir das durchdringen, dann werden wir in uns den Mut entzünden können, diesen wildgewachsenen Wald von Betriebsräten endlich in die Welt zu schicken, damit nicht alles wieder verdorben werde durch die Zierpflanzen derjenigen, die nichts vom Sozialisieren verstehen.
[ 17 ] If we can get to the bottom of this, then we will be able to kindle the courage within ourselves to finally send this overgrown forest of works councils out into the world, so that everything is not spoiled once again by the ornamental plants of those who know nothing about socialization.
Diskussion
Discussion
Fran Bühl: Sie hat in Calw das Flugblatt des Bundes über die Schaffung der Betriebsräte verteilt und hat erfahren, daß dort die Arbeiterschaft wenig Interesse zeigt für die Schaffung von Betriebsräten. Sie bittet deshalb Herrn Dr. Rudolf Steiner, einmal dort einen Vortrag zu halten, um die Menschen etwas aufzurütteln.
Herr Armbruster ist nicht zufrieden mit dem Verlauf der Ereignisse und findet wie der «Sozialdemokrat» die Ausführungen Dr. Steiners «pflaumenweich». Außerdem findet er, daß die Sozialisierung nichts Neues ist. Er erhofft sich Hilfe von einer neuen Regierung.
Fran Bühl: She distributed the federal government’s leaflet on the establishment of works councils in Calw and learned that the workers there show little interest in establishing works councils. She is therefore asking Dr. Rudolf Steiner to give a lecture there to stir people up a bit.
Mr. Armbruster is dissatisfied with the course of events and, like the Sozialdemokrat, finds Dr. Steiner’s remarks “soft as a plum.” Furthermore, he believes that socialization is nothing new. He is hoping for help from a new government.
[ 18 ] Rudolf Steiner: Ja, daß im «Sozialdemokrat» gestanden hat, daß meine Ausführungen «pflaumenweich» seien, daraus habe ich mir dazumal nichts gemacht. Ich habe mir gesagt: Es hat schon so viele Ausführungen gegeben über alle möglichen sozialistischen und sozialen Programme, die wie saure Zwetschgen geschmeckt haben, da scheint es mir eigentlich gar nicht so unstatthaft zu sein, endlich einmal die Pflaumen zur Reife zu bringen; dann sind sie ja bekanntlich weich.
[ 18 ] Rudolf Steiner: Yes, the fact that the Sozialdemokrat wrote that my remarks were “as soft as plums”—I didn’t let that bother me at the time. I told myself: There have already been so many discussions about all kinds of socialist and social programs that tasted like sour plums; so it doesn’t really seem so unreasonable to me to finally let the plums ripen—after all, as we all know, they’re soft when they’re ripe.
[ 19 ] Das eine aber, was der Herr Vorredner gesagt hat, liegt mir doch sehr am Herzen, weil ich glaube, daß es vielleicht nicht so sehr zu unserem Verstand als zu unserem Willen sprechen soll. Es wird ja vielleicht richtig sein, wenn man sagt: Wenn dazumal, als die Revolution 1918 aufgetreten ist, in der Weise, wie das heute versucht wird, von der Dreigliederung und von der Sozialisierung gesprochen worden wäre und diese auch angestrebt worden wären, dann wären wir heute weiter. — Sehen Sie, daß ich damals nicht selber aufgetreten bin, das hatte seine Gründe, weil ich ja nun schließlich meinte, daß die anderen, die immer in der Partei gestanden haben, die immer drinnen waren, das besser können, und ich habe ja auch gewartet, ob sie es besser können. Nun hat der verehrte Vorredner selber gesagt, daß wir eigentlich ja noch nichts Besonderes erreicht haben. Da wird es vielleicht aus den Tatsachen heraus gerechtfertigt erscheinen, daß man sich dann, nachdem diejenigen, auf die man sich verlassen hat, nichts erreicht haben, daß? man sich dann auf die Sache einläßt. Wichtig ist -— wenn der Vorredner wirklich meint, «daß wir heute weiter wären, wenn das dazumal in Angriff genommen worden wäre» daß man sich sagt: Nun, dann wollen wir es wenigstens heute in Angriff nehmen, damit wir, wenn wir wiederum so viele Monate nach dem Heute stehen wie jetzt nach der Revolution, uns dann in der Wirklichkeit befinden, wie wir sie uns heute wünschen. Also ich möchte das in eine Aufforderung zu dem Willen und zu dem Mut zur Sozialisierung kleiden. Und da glaube ich nun allerdings, daß man ein wenig auf die Erfahrung sich stützen soll.
[ 19 ] But there is one thing the previous speaker said that is very close to my heart, because I believe it is meant to speak not so much to our intellect as to our will. It may well be true to say: If, back when the 1918 Revolution broke out, people had spoken of the threefold social order and of socialization—in the way that is being attempted today—and had actually strived for them, then we would be further along today. — You see, there were reasons why I didn’t step forward myself back then, because I ultimately thought that the others—who had always been in the party, who had always been part of it—could do it better, and I did wait to see if they could do it better. Now, the esteemed speaker before me has himself said that we haven’t actually achieved anything significant yet. Given the facts, it may seem justified that, now that those on whom we relied have achieved nothing, we should then get involved in the matter. What’s important—if the previous speaker truly believes “that we would be further along today if this had been tackled back then”—is that we tell ourselves: Well, then let’s at least tackle it today, so that when we find ourselves as many months from today as we are now from the revolution, we will actually be living in the reality we desire today. So I would like to frame this as a call for the will and the courage to pursue socialization. And in this regard, I do believe that we should rely a little on experience.
[ 20 ] Nehmen Sie es mir bitte nicht übel, wenn ich sage, daß man den Ausspruch «Wenn wir erst eine neue Regierung haben, wird die es schon machen» eigentlich schon auch immer wieder unter dem alten Regime gehört hat. Ja, es gibt sogar ein niedliches Beispiel, wo ungefähr alle paar Monate gesagt worden ist: «Wenn wir eine neue Regierung haben, dann wird es schon besser werden.» Das war in Österreich in den Jahrzehnten vor dem Krieg. Da hat man alle paar Monate einmal eine neue Regierung gebildet und hat sich auf sie verlassen. Nun sollte man aber aus den Tatsachen gelernt haben, daß man sich in einer solchen Weise nicht auf irgendeine Regierung verlassen soll. Deshalb soll ja gerade in der Betriebsräteschaft dasjenige geschaffen werden, was aus der breiten Masse der werktätigen Menschheit heraus nun auch schöpferisch sein kann mit Bezug auf das Sozialisieren. Es scheint mir eben eines — wie ich auch hier schon einmal gesagt habe noch nicht begriffen worden zu sein, was aber begriffen werden sollte, und das ist, daß es einen Unterschied gibt zwischen Herrschen und Regieren. Herrschen wird in der Zukunft das ganze werktätige Volk müssen. In alten Zeiten hat man das Herrschen und das Regieren verwechselt, indem man geglaubt hat, die Regierung müsse auch herrschen. In der Zukunft werden die Regierungen lernen müssen zu regieren. Regieren heißt, das zum Ausdruck zu bringen, was das werktätige Volk eigentlich als sein Wollen in sich trägt. Dieser Unterschied muß erst gelernt werden.
[ 20 ] Please don’t take it the wrong way when I say that the phrase “Once we have a new government, they’ll take care of it” was actually heard time and again under the old regime as well. Yes, there’s even a telling example where, roughly every few months, people would say, “Once we have a new government, things will get better.” That was in Austria in the decades before the war. Back then, a new government was formed every few months, and people relied on it. But we should have learned from experience that one shouldn’t rely on any government in that way. That is precisely why the workers’ council movement must create what can now emerge creatively from the broad masses of working people with regard to socialization. It seems to me that one thing—as I have already said here once before—has not yet been understood, but should be understood, and that is that there is a difference between ruling and governing. In the future, the entire working class will have to rule. In the past, people confused ruling with governing, believing that the government must also rule. In the future, governments will have to learn to govern. To govern means to give expression to what the working class actually carries within itself as its will. This distinction must first be learned.
[ 21 ] Die neue Regierung hat viel zuviel gelernt von den alten Regierungen, die Herrschaftsregierungen waren. Sie hat sich viel zu viel von dem angeeignet, was man früher immer gesagt hat, nämlich, daß die Regierung es schon richtig machen wird. Ich denke, es wird mit Bezug auf das Sozialisierungsproblem ein wesentlicher Fortschritt gerade darin bestehen müssen, daß das, was die Regierung tut, vom Volk sachgemäß kontrolliert werden kann. Es wird der Regierung ihre Richtung geben müssen, so daß man sich nicht einzig und allein auf Stimmzettel verläßt, sondern auf das wirkliche Leben, das im Grunde jeden Tag aufs neue der Regierung die Richtung ihres Vorgehens weist. Aber man wird das nicht erreichen, wenn man immer sagt: Wenn wir erst eine neue Regierung haben, dann wird es schon besser gehen, die wird schon sozialisieren. — Vielmehr ist es jetzt an der Zeit, daß jeder Mensch an der Sozialisierung mitarbeiten muß. Das ist gerade der Sinn unserer Zeit, daß jeder Mensch fühlt, daß er mitarbeiten muß. Und man muß verstehen lernen, daß, wenn man sozialisieren will, man als erstes das Herrschen sozialisieren muß. Das Herrschen muß sozialisiert werden. Es darf nicht in den alten Formen fortgeführt werden. Deshalb möchte ich nicht weiter davon sprechen hören, daß «die Regierung es schon machen wird», sondern ich wäre mehr befriedigt, wenn von den breitesten Kreisen des Volkes gesagt würde: Wir werden es machen, selbst wenn nicht nur die Regierung, sondern alle Teufel dagegen wären.
[ 21 ] The new government has learned far too much from the old governments, which were governments of domination. It has adopted far too much of what people used to say—namely, that the government will do the right thing. I think that, with regard to the problem of socialization, a significant step forward will have to consist precisely in ensuring that what the government does can be properly monitored by the people. The people will have to guide the government’s course, so that we do not rely solely on ballots, but on real life, which, in essence, points the way for the government’s actions anew every day. But this will not be achieved if we keep saying: “Once we have a new government, things will get better; it will take care of socialization.”—Rather, now is the time for every person to play a part in socialization. That is precisely the spirit of our age: that every person feels they must play a part. And we must learn to understand that, if we want to socialize, we must first socialize the exercise of power. Rule must be socialized. It must not be continued in its old forms. That is why I no longer wish to hear people say that “the government will take care of it”; rather, I would be more satisfied if the broadest sections of the people were to say: We will do it, even if not only the government but all the devils were against it.
Ein Diskussionsteilnehmer berichtet, daß man im Bekleidungs- und Instandsetzungsamt in Feuerbach vor der Wahl der Betriebsräte steht. Der leitende Offizier hat sich dahingehend ausgesprochen, daß er der Wahl von Betriebsräten nicht abgeneigt sei, müsse aber im voraus betonen, daß diese Betriebsräte nur eine beratende, aber keine bestimmende Stimme haben dürfen.
One participant in the discussion reports that the Clothing and Repair Office in Feuerbach is about to hold elections for the works council. The commanding officer has stated that he is not opposed to the election of a works council, but must emphasize in advance that these council members may only have an advisory role and no decision-making authority.
[ 22 ] Rudolf Steiner: Was der verehrte Vorredner ausgeführt hat, das soll ja durch die besondere Art, wie die Betriebsräteschaft hier gemeint ist, verhindert werden. Natürlich, wenn die Betriebsräte im Sinne des Gesetzes, das ja aus dem alten Geiste heraus gemacht werden soll, eingesetzt werden sollen, werden sie ja selbstverständlich Strohpuppen sein. Und damit nicht Strohpuppen entstehen, sondern wirkliche Betriebsräte, sollen ja, nun, sagen wir, zunächst diese Wildlinge gewählt werden gegen die Pflanzen der anderen. Und so wird es uns zunächst nicht besonders interessieren, wenn gesagt wird: Nun, ich will der Wahl von Betriebsräten zustimmen, aber die dürfen nur eine beratende Stimme haben.
[ 22 ] Rudolf Steiner: What the esteemed speaker before me has outlined is precisely what is to be prevented by the specific way in which the concept of works councils is understood here. Of course, if works councils are to be established in accordance with the law—which is, after all, supposed to be drafted in the spirit of the past—they will, naturally, be mere figureheads. And to ensure that we do not end up with straw men, but with real works councils, let us say, for now, that these “wild ones” should be elected in opposition to the “plants” of the others. And so, at first, we will not be particularly concerned if someone says: “Well, I am willing to agree to the election of works councils, but they may only have an advisory vote.”
[ 23 ] Wir möchten zunächst, daß einmal Betriebsräte da sind. Und ich sagte, daß wir dann anstreben, daß sich die Betriebsräte fühlen sollen als eine gesetzgebende Urversammlung, aus der dann eine Art Zentralwirtschaftsrat hervorgeht, und daß dieser dann die Funktionen derjenigen übernimmt, von denen jetzt noch ausgeht dasjenige, was Strohpuppen erzeugen will. Wir möchten eben gerade durch diese besondere Art zu einer Betriebsräteschaft kommen und damit verhindern, daß dieses Gesetz Wirklichkeit wird. Dazu ist es notwendig, daß hinter diesem Auf-die-Beine-Stellen der Betriebsräte die Arbeiterschaft wirklich steht. Wenn die Arbeiterschaft wirklich dahintersteht, so ist nicht zu befürchten, daß dann irgendein Gesetz, das die Betriebsräte zu Strohpuppen macht, entstehen kann. Darauf kommt nämlich alles an.
[ 23 ] First of all, we want there to be works councils. And I said that we would then strive to ensure that the works councils see themselves as a legislative constituent assembly, from which a kind of Central Economic Council would emerge, and that this council would then assume the functions currently performed by those who are still trying to create straw men. It is precisely through this particular approach that we wish to establish a system of works councils and thereby prevent this law from becoming a reality. For this to happen, it is essential that the working class truly stand behind this effort to establish the works councils. If the working class truly stands behind it, there is no need to fear that any law turning the works councils into straw men could come into being. That, in fact, is what it all comes down to.
[ 24 ] Ich muß sagen, ich war eben vorgestern recht verwundert, als ich von einer sehr interessanten Persönlichkeit, die im Sinne einer Sozialisierung aller Verhältnisse gesprochen hat, doch immer wieder hören mußte: Ja, man muß aber bedenken, daß ja nun endlich seit dem November 1918 alles erreicht ist. Württemberg sei ein freier Volksstaat geworden, in dem alles erreicht werden kann. Dieser württembergische Volksstaat wird sich sogar ein wunderbares Schulgesetz geben, und er wird es eben auch dahin bringen, daß durch ein Gesetz die Betriebsräte in der richtigen Weise in Szene gesetzt werden, und man sollte nicht in das Gesetz hineinpfuschen. — Es wird sich also darum handeln, daß man endlich einsieht, daß das bloße Rufen nach Macht nichts bewirkt, sondern daß diese Macht erst geschaffen werden muß. Aber, wie wird sie geschaffen? Sie wird dadurch geschaffen, daß nicht immer solche Dinge, wie ich sie geschildert habe, geglaubt werden, sondern daß sich immer mehr Menschen zu einer wirklich freien Tat zusammenfinden. Die Macht wird ja gerade darin bestehen, daß sich die Menschen immer bewußter werden dieser ihrer Macht. Wenn sie immer nur davon reden: Diese Macht soll von da oder dort kommen -, dann wird diese Macht niemals erlangt werden. Diese Macht wird erlangt werden, wenn die Menschen sich bewußt werden, daß sie aus ihrem eigenen Verständnis heraus etwas tun müssen. Wenn genügend Menschen dasein werden, die verstehen werden, wie man aus der werktätigen Bevölkerung heraus nun wirklich zur Sozialisierung kommt, dann ist mir um die Macht gar nicht bange.
[ 24 ] I must say, I was quite surprised the day before yesterday when, from a very interesting individual who spoke in favor of the socialization of all conditions, I kept hearing: “Yes, but one must bear in mind that, after all, everything has finally been achieved since November 1918.” Württemberg has become a free people’s state in which anything can be achieved. This Württemberg people’s state will even enact a wonderful school law, and it will also ensure that works councils are properly established by law, and one should not meddle with the law. — So it will be a matter of finally realizing that merely calling for power achieves nothing, but that this power must first be created. But how is it created? It is created not by always believing the things I have described, but by more and more people coming together to take truly free action. Power will consist precisely in people becoming increasingly aware of this power of theirs. If they keep talking only about how this power is supposed to come from here or there—then this power will never be attained. This power will be attained when people realize that they must act out of their own understanding. When there are enough people who understand how to truly achieve socialization from within the working class, then I am not at all concerned about power.
In einer längeren Diskussion, in der auch Gewerkschaftsfragen gestreift werden, betonen die Redner einstimmig, daß, soweit es noch nicht geschehen ist, so schnell wie irgend möglich Betriebsräte gewählt werden trotz des Widerstrebens der Unternehmer und der Leitungen von Staatsbetrieben.
In a lengthy discussion that also touched on labor union issues, the speakers unanimously emphasized that, where this has not yet been done, works councils should be elected as soon as possible, despite the reluctance of business owners and the management of state-owned enterprises.
Ein Redner weist auf die Arbeit von Professor Abbe, Jena, hin, der, allerdings unter der günstigen Voraussetzung eines Monopolbetriebes, gute Vorarbeiten zur Sozialisierung geleistet habe. Ferner weist er hin auf die Ideen von Friedrich Naumann und Walther Rathenau.
A speaker refers to the work of Professor Abbe of Jena, who—albeit under the favorable conditions of a monopoly—has done good groundwork on socialization. He also refers to the ideas of Friedrich Naumann and Walther Rathenau.
Diskussionsredner Grosshans, Heilbronn: Ich konnte leider dem Vortrag von Herrn Dr. Steiner nicht beiwohnen, habe ihn aber einmal in Heilbronn sprechen hören. Veranlassung, Ihnen einige Worte zu sagen, gibt mir meine 39-monatige Gefangenschaft in Rußland, um Ihnen die Erfahrungen über die verschiedenen Probleme, die die Revolution in Rußland mit sich gebracht hat, klarzulegen. Als schon die zweite Revolution der Bolschewiki in Rußland einsetzte, war es der Fall, daß diese Bolschewiken den größten Fehler gemacht haben, indem sie die ganze technische Leitung und sämtliche Beamten davongejagt haben. Sie wollten ihre Geschicke selbst in die Hand nehmen. Dies halte ich zwar für richtig, aber, da die Verhältnisse in Rußland so liegen, daß 60 % der Bevölkerung Analphabeten sind, wie können sie imstande sein, die Betriebe selbst zu führen? Die Erfahrung zeigt also, daß es grundlegend falsch war, alle Beamten, technischen Leiter usw. davonzujagen und selbst die Geschicke in die Hand nehmen zu wollen. Meines Erachtens sind es eben diese Gedanken, die Herr Dr. Steiner Ihnen wohl auch diesen Abend vorgetragen hat und wonach auf die Verselbständigung des ganzen schaffenden Volkes hingearbeitet werden soll, um so die langersehnte Macht des arbeitenden, des schaffenden Volkes zu erlangen.
Panelist Grosshans, Heilbronn: Unfortunately, I was unable to attend Dr. Steiner’s lecture, but I did hear him speak once in Heilbronn. My 39-month imprisonment in Russia prompts me to say a few words to you, in order to explain my experiences regarding the various problems that the revolution in Russia has brought about. When the Bolsheviks’ second revolution began in Russia, they made the gravest mistake by driving out the entire technical leadership and all civil servants. They wanted to take their fate into their own hands. While I consider this to be correct in principle, given that conditions in Russia are such that 60% of the population is illiterate, how can they possibly be capable of running the enterprises themselves? Experience thus shows that it was fundamentally wrong to drive out all civil servants, technical managers, and so on, and to attempt to take matters into their own hands. In my opinion, it is precisely these ideas that Dr. Steiner has likely presented to you this evening as well—namely, that we should work toward the emancipation of the entire productive population in order to attain the long-awaited power of the working, productive people.
Was ich noch weiter ausführen möchte, das sind die großen Fehler, die seit dem 9. November bei uns gemacht wurden. Ich verwerfe es, daß der Krieg mit Rußland auch heute noch weitergeführt wird, auch auf Geheiß der Entente. Aber vergessen Sie nicht: Hätten wir einen Anschluß an Rußland gesucht, so würde heute die Entente uns nicht so gegenübertreten können, wie sie es tut. In Rußland, in Sibirien habe ich selbst gesehen, wie an der Erdoberfläche kolossale Mengen von Kohlen liegen, die nicht einmal zutage gefördert werden brauchen, denn sie liegen an der Erdoberfläche. An der Murmánschen Küste sind kolossale Kupferbergwerke, ferner findet man dort Quecksilber und alle Rohstoffe, wie wir sie heute so notwendig in Deutschland brauchen könnten. Außerdem habe ich gesehen, wie in Samára im Wolgatal kolossale Getreidebestände von 1912, 1913 und 1914 heute noch liegen, das heißt im Juli 1917 noch gelegen sind, die nicht einmal ausgedroschen waren. Sie waren zu Haufen aufgestapelt, die so groß waren wie ein dreistöckiges Haus. Hätte unsere Regierung nach der Revolution — ich will nicht zurückgreifen auf das alte System, das hinweggefegt ist, denn ihm brauchen wir ja keine Worte mehr zu widmen -, hätten wir also nach der Revolution einen Anschluß an Rußland gesucht, hätten wir auf eine Verständigung mit Rußland hingearbeitet, so hätten wir heute andere Zeiten und wären nicht auf die Gnade und Barmherzigkeit unserer Feinde angewiesen, denen wir machtlos gegenüberstehen.
What I would like to elaborate on further are the major mistakes that have been made here since November 9. I reject the idea that the war with Russia should still be waged today, even at the behest of the Entente. But do not forget: If we had sought an alliance with Russia, the Entente would not be able to confront us today as it does. In Russia, in Siberia, I saw for myself how colossal quantities of coal lie on the earth’s surface—coal that doesn’t even need to be mined, since it lies right on the surface. On the Murman Coast there are colossal copper mines; furthermore, mercury and all the raw materials we so desperately need in Germany today can be found there. Furthermore, I saw how in Samara, in the Volga Valley, colossal grain stocks from 1912, 1913, and 1914 still lay there—that is, were still there in July 1917—and had not even been threshed. They were piled up in heaps as tall as a three-story house. Had our government, after the revolution — I do not wish to refer back to the old system, which has been swept away, for we need not devote any more words to it — had we, after the revolution, sought an alliance with Russia, had we worked toward an understanding with Russia, then we would be living in different times today and would not be at the mercy of our enemies, against whom we stand powerless.
Und ich möchte da noch folgendes ausführen: Wenn ich betrachte, was seit dem 9. November in Deutschland geschehen ist, so komme ich zu dem Ergebnis, daß es höchste Zeit ist, daß wir uns einigen. Wir, das ganze arbeitende Volk, die Handarbeiter, die Kopfarbeiter, die Angestellten, müssen uns gegenseitig vertrauen, müssen uns aufeinander verlassen können und uns nicht immer wieder in die Partei- und Gewerkschaftsschranken hineinziehen lassen. Ich bin überzeugt, daß eine große Anzahl unserer Führer schon längst von der neuen Zeit überholt sind. Das beweisen uns ja diese Vorschläge zur Sozialisierung. Wenn wir da die einzelnen Paragraphen durchlesen, sind wir mit unseren Betriebsräten doch letztlich nichts anderes als ein Demonstrationsstück. Wir sind wohl Betriebsräte, aber wir haben kein Recht, wir sind nur da, damit wir auch im Betrieb sitzen.
And I would like to add the following: When I consider what has happened in Germany since November 9, I come to the conclusion that it is high time we reached an agreement. We—the entire working class, manual laborers, white-collar workers, and employees—must trust one another, must be able to rely on one another, and must not allow ourselves to be drawn back into the confines of party and union divisions time and again. I am convinced that a large number of our leaders have long since been left behind by the new era. These proposals for socialization prove this to us. If we read through the individual paragraphs, we—with our works councils—are ultimately nothing more than a showpiece. We may be works council members, but we have no rights; we are only there so that we, too, have a seat in the workplace.
Es ist eigentlich, wenn man dieses Programm unserer Regierung betrachtet, weit über 50 Jahre alt, und ich glaube, dieses Programm kann heute für uns nicht mehr maßgebend sein. Deshalb bitte ich Sie, die Sie heute hier sind, tragen Sie diese Ideale, die uns Dr. Steiner vorgetragen | hat, hinaus in die breite Masse des arbeitenden Volkes. Sehen Sie zu, daß wir zur Verständigung kommen und daß wir so schnell wie möglich die Betriebsräte einführen, denn die Zeit drängt. Es ist höchste Zeit, daß unser Wirtschaftsleben endlich wieder gehoben wird zugunsten des ganzen schaffenden Volkes.
Actually, if you look at this program of our government, it is well over 50 years old, and I believe this program can no longer serve as a guide for us today. That is why I ask all of you who are here today to carry these ideals, which Dr. Steiner has presented to us, out to the broad masses of the working people. Make sure that we reach an understanding and that we introduce works councils as quickly as possible, for time is of the essence. It is high time that our economic life is finally revitalized for the benefit of the entire working population.
[ 25 ] Rudolf Steiner: Es war ja heute hauptsächlich unsere Aufgabe, auf die Wichtigkeit und die Notwendigkeit der Betriebsräteschaft einzugehen, damit wir mit dieser Betriebsräteschaft endlich die positive, die tatsächliche Grundlage haben, aus der heraus dann weiter gearbeitet werden kann. Ich kann durchaus nachfühlen, wenn hier gesagt worden ist, daß es wünschenswert gewesen wäre, daß wir heute ein wesentliches Stück weitergekommen wären. Gewiß, wir alle haben uns dies gewünscht, jedoch haben wir eben bisher diese Arbeit gebraucht, um wenigstens so weit zu kommen, daß wir heute immerhin schon das Resultat erreicht haben, daß wir deutlicher darauf hinblicken können, daß diese Betriebsräteschaft jetzt wirklich entsteht. Ich glaube, es ist ein großer Fortschritt, den wir dadurch zu verzeichnen haben, daß uns doch sehr viele der verehrten Anwesenden sagen konnten, wie weit die Sache vorangeschritten ist, und daß wir uns mit der Sache sogar im Hinblick auf die Wahlen beschäftigt haben beziehungsweise uns in der nächsten Zeit noch mehr damit beschäftigen werden. Ich glaube, daß wir daraus sehen können, wie notwendig es ist, zunächst einmal diesen Betriebsräten den Boden zu bereiten und zugleich zu sehen, daß man ja, wenn man nur den guten Willen hat, damit wirklich weiterkommt.
[ 25 ] Rudolf Steiner: Our main task today was, after all, to address the importance and necessity of the works council, so that, with this works council, we finally have the positive, concrete foundation from which we can then continue our work. I can certainly understand when it has been said here that it would have been desirable for us to have made significantly more progress today. Certainly, we all wished for this; however, we have needed this work up to now in order to at least get to the point where we have already achieved the result today that we can see more clearly that this works council is now truly taking shape. I believe we have made great progress in that so many of the distinguished attendees here were able to tell us how far the matter has advanced, and that we have even addressed the issue with regard to the elections—or rather, will be addressing it even more in the near future. I believe this shows us how necessary it is, first and foremost, to lay the groundwork for these works councils and, at the same time, to recognize that—provided there is goodwill—we can truly make progress in this regard.
[ 26 ] Es wird ja mit dem, was ich eine Art gesetzgebende Versammlung genannt habe, die sich aus der Betriebsräteschaft heraus ergibt, harte Arbeit verbunden sein, und mir scheint es von ganz besonderer Wichtigkeit, daß wir uns nicht der Illusion hingeben, wir könnten dieser Urversammlung der Betriebsräteschaft irgend etwas vorwegnehmen. Gerade das, was der eine Herr aus Heilbronn erwähnt hat im Zusammenhang mit dem Wesen der Güterverteilung und dergleichen, das wird ein wesentlicher Bestandteil der Arbeit gerade der Versammlungen sein, welche die Betriebsräte werden abzuhalten haben. Es soll dort über all diese Dinge wirklich aus den Grundbedingungen unseres Wirtschaftslebens heraus gesprochen werden, damit die entsprechenden Grundlagen geschaffen werden können. Ich erkenne an, daß mancherlei gute Anfänge gemacht worden sind wie derjenige von Professor Abbe. Es sind ja auch viele andere gemacht worden, namentlich sind in England mannigfaltige Versuche gemacht worden. Es ist mit Recht erwähnt worden, daß eigentlich Abbe nur deshalb so weit kommen konnte, weil sein Betrieb eben von ganz besonderer Art war. Andererseits hat sich gerade da, wo die Sache weiter verfolgt worden ist, immer wiederum gezeigt, daß diese Dinge doch nicht bis zu einem gewissen Ende führen können. Und man muß dann die Frage aufwerfen: Warum ist das so? Nun, der Grund ist eben der, daß von wohlwollenden Leuten, wie es Abbe war, diese Dinge immer wieder ganz individualistisch in Angriff genommen worden sind und nicht eigentlich sozial. Das ist das, was ich Sie bitte, nicht zu unterschätzen und zu verkennen, daß wir die Sache nun wirklich sozial in die Hand nehmen wollen, daß wir tatsächlich dasjenige, was dann in einzelnen Betrieben angegangen wird, herausschaffen wollen aus dem Sozialen der ganzen Wirtschaft über ein geschlossenes Wirtschaftsgebiet hin. Für hier würde also Württemberg in Betracht kommen. Erst dann, wenn man in diese Richtung hin vorgearbeitet hat, was ja bei gutem Willen wahrscheinlich verhältnismäßig schnell gehen kann, dann wird man sehen, wie im einzelnen Betrieb eigentlich gar nicht sozialisiert werden kann, sondern daß die Sozialisierung des einzelnen Betriebes sich nur aus der Sozialisierung eines geschlossenen Wirtschaftsgebietes ergeben kann. Wir werden nämlich dadurch erst die Möglichkeit gewinnen, das wirklich durchzuführen, was vom Sozialismus immer verlangt worden ist, nämlich daß produziert wird, nicht um zu profitieren, sondern um zu konsumieren.
[ 26 ] Hard work will certainly be involved with what I have called a kind of legislative assembly, which emerges from the ranks of the works councils, and it seems to me of particular importance that we not succumb to the illusion that we could anticipate anything regarding this original assembly of the works councils. Precisely what the gentleman from Heilbronn mentioned in connection with the nature of the distribution of goods and the like will be an essential part of the work of the assemblies that the works councils will have to hold. All these matters must be discussed there, truly grounded in the fundamental conditions of our economic life, so that the appropriate foundations can be laid. I acknowledge that various promising beginnings have been made, such as that of Professor Abbe. Many others have also been made; in particular, numerous attempts have been undertaken in England. It has rightly been pointed out that Abbe was actually only able to get so far because his enterprise was of a very special nature. On the other hand, precisely where the matter has been pursued further, it has time and again become apparent that these efforts cannot, after all, lead to a certain conclusion. And one must then ask the question: Why is that so? Well, the reason is simply that well-meaning people, such as Abbe, have repeatedly tackled these issues in a purely individualistic manner rather than from a truly social perspective. This is what I ask you not to underestimate or misunderstand: that we now truly want to take this matter into our own hands in a social way, that we actually want to take what is then being addressed in individual businesses and extend it from the social context of the entire economy across a unified economic region. Württemberg, for example, would come into consideration here. Only once we have laid the groundwork in this direction—which, with good will, can likely happen relatively quickly—will we see that individual enterprises cannot actually be socialized on their own, but rather that the socialization of an individual enterprise can only result from the socialization of a unified economic region. For it is only through this that we will gain the possibility of truly carrying out what socialism has always demanded—namely, that production take place not for the sake of profit, but for the sake of consumption.
[ 27 ] Sehen Sie, bei der heutigen Struktur der Gesellschaft läßt sich eigentlich gar nicht anders produzieren als im Hinblick auf den Profit. Das Prinzip, zu produzieren, um zu konsumieren, das muß erst geschaffen werden! Und von diesem Prinzip wird wiederum abhängen, ob in einer entsprechenden Weise Wege für eine Güterverteilung gefunden werden können. Es wird viel davon abhängen, daß man über einen großen Bereich hin, ich möchte sagen, eine wirtschaftliche Urzelle findet.
[ 27 ] You see, given the current structure of society, it’s actually impossible to produce in any way other than with a view to profit. The principle of producing in order to consume—that must first be established! And this principle, in turn, will determine whether appropriate ways of distributing goods can be found. Much will depend on finding, across a broad spectrum, what I would call an economic “primordial cell.”
[ 28 ] Diese wirtschaftliche Urzelle — ich möchte wenigstens mit ein paar Worten kurz von ihr sprechen -, worin besteht sie denn? Geht man nicht vom Produzieren, sondern vom Konsumieren, von der Befriedigung der Bedürfnisse aus, so handelt es sich darum, daß wir erst zu einem praktikablen Ergebnis dessen kommen müssen, was im Sinne der Bedürfnisbefriedigung zu einer sachgemäßen Preisbildung führt. Das geschieht nämlich heute in anarchisch-chaotischer Weise durch Angebot und Nachfrage, und da steckt viel drinnen von der Unmöglichkeit, heute überhaupt zu etwas zu kommen. Mit der Formel von Angebot und Nachfrage wird man nicht zu dem Ziel kommen, zu produzieren, um zu konsumieren. Nicht wahr, um zu dem Ziel zu gelangen, ist es notwendig, daß das, was ich produziere, im Vergleich zu anderen Gütern so viel wert sein muß, daß ich dafür eintauschen kann, ganz gleich, wie sich der Tausch gestaltet, alle diejenigen Güter, die meine Bedürfnisse befriedigen bis zu dem Zeitpunkt, an dem ich ein gleiches Produkt wie jetzt hervorgebracht habe. Dabei muß dann alles das mit eingerechnet werden, was man als Beitrag zu leisten hat für diejenigen, die zur Zeit nicht unmittelbar selbst produzieren können, also für Kinder, die erzogen werden müssen, für Arbeitsunfähige und so weiter. Wovon man also ausgehen muß, das ist, sich klar zu werden über diese wirtschaftliche Urzelle. Erst dadurch wird es möglich, auf wirtschaftlichem Boden eine gerechte Preisbildung zu erreichen, so daß man dann in der Zukunft nicht wiederum, wenn man auf der einen Seite mehr verdient, auf der anderen Seite mehr ausgeben muß, weil die Dinge selbstverständlich unter dem Einfluß des Mehrverdienstes teurer werden.
[ 28 ] This economic unit—I would like to say a few words about it—what does it consist of? If we start not from production but from consumption—from the satisfaction of needs—then the issue is that we must first arrive at a workable solution for what, in terms of satisfying needs, leads to appropriate price formation. Today, this happens in an anarchic and chaotic manner through supply and demand, and therein lies much of the reason why it is virtually impossible to achieve anything at all today. The formula of supply and demand will not lead us to the goal of producing in order to consume. Is it not true that, in order to achieve this goal, what I produce must be worth enough in comparison to other goods that I can exchange it—regardless of how the exchange takes place—for all those goods that satisfy my needs until the point at which I have produced a product identical to the one I have now produced? In doing so, one must take into account everything one must contribute to those who are currently unable to produce directly themselves—that is, children who need to be raised, those unable to work, and so on. What one must therefore start with is gaining a clear understanding of this fundamental economic unit. Only then will it be possible to achieve fair pricing on an economic basis, so that in the future, when one earns more on the one hand, one will not have to spend more on the other, because prices naturally rise under the influence of that increased income.
[ 29 ] Heute noch beklagt man sich immer wieder darüber, daß zwischen Warenpreis und Löhnen ein unnatürliches Verhältnis besteht. Die Sozialisierung wird das große Problem zu lösen haben, diesen Unterschied zwischen Warenpreis und Löhnen überhaupt aus der Welt zu schaffen, weil der Lohn als solcher aus der Welt geschafft werden muß, weil die Möglichkeit gegeben werden muß, daß es in Zukunft grundsätzlich keinen Lohnarbeiter mehr gibt, sondern den freien Genossen, den freien Mitarbeiter des geistigen Arbeiters, des geistigen Leiters, weil das Verhältnis zwischen Arbeitnehmer und Arbeitgeber in der heutigen Form überhaupt zur Unmöglichkeit werden muß. Erst dann, wenn es möglich ist, alles das auszumerzen, was heute da ist und was die Preisbildung verunreinigt, erst dann ist es möglich, eine wirkliche Sozialisierung zu erreichen.
[ 29 ] Even today, people continue to complain that there is an unnatural relationship between commodity prices and wages. Socialization will have to solve the major problem of eliminating this disparity between commodity prices and wages altogether, because wages as such must be abolished; because the possibility must be created that, in the future, there will in principle be no more wage laborers, but rather free comrades, free collaborators of the intellectual worker, the intellectual leader; because the relationship between employee and employer in its current form must become impossible altogether. Only when it is possible to eradicate everything that exists today and that distorts price formation—only then will it be possible to achieve true socialization.
[ 30 ] Heute kauft man ja nicht bloß Güter, sondern heute kauft man erstens Güter, zweitens Rechte und drittens Arbeit. Rechte kauft man, wenn man Grund und Boden erwirbt. Dadurch, daß der Boden heute eintauschbar ist gegen Produktionsgüter, entsteht eine unmögliche Situation, die darauf zurückzuführen ist, daß auf dem allgemeinen Markt Grund und Boden den gleichen Preisbildungsmechanismen unterliegen wie andere Güter. Ferner kosten heute die Produktionsmittel auch etwas, nachdem sie fertiggestellt sind. Sie wissen, daß in meinem Buch veranlagt ist, daß die Produktionsmittel, wenn sie fertiggestellt sind, nicht mehr verkäuflich sind, sondern auf anderem Wege der Gesellschaft zugeführt werden sollen. Es muß in der Zukunft ein Produktionsmittel nur so lange etwas an Arbeitskraft verschlingen, bis es fertig ist.
[ 30 ] Today, people don’t just buy goods; rather, they buy, first, goods; second, rights; and third, labor. One acquires rights when one purchases land. The fact that land is now exchangeable for means of production creates an untenable situation, which stems from the fact that, on the general market, land is subject to the same price-formation mechanisms as other goods. Furthermore, the means of production also have a cost today, even after they have been completed. You know that my book posits that, once the means of production are completed, they are no longer for sale but are to be made available to society by other means. In the future, a means of production must consume labor only until it is finished.
[ 31 ] Wenn Sie heute die Nationalökonomen fragen: Was ist Kapital? -, so bekommen Sie ganz verschiedene Antworten. Die besten Nationalökonomen sind noch schließlich die, die sagen: Kapital ist produziertes Produktionsmittel, also fertig produziertes Produktionsmittel, das man besitzen kann und das dann verkäuflich ist. Ja, gerade wenn man Kapital ansieht als entsprechend dem produzierten Produktionsmittel, dann erweist sich das Kapital als fünftes Rad am Wagen. Sie wissen, daß ich in meinem Buch als die Grundlage für alle künftige Güterverteilung aufgeführt habe, daß tatsächlich das Produktionsmittel nur so lange Arbeit verschlingen darf, bis es fertiggestellt ist. Eine Lokomotive darf, wenn sie fertig ist, nur durch andere Maßnahmen als durch Kauf irgendwo in den gesellschaftlichen Verkehr gebracht werden. Wir brauchen also zunächst Klarheit darüber, daß in bezug auf die Produktionsmittel und in bezug auf Grund und Boden ganz andere Maßnahmen. ergriffen werden müssen als bisher. Nur dadurch und es gibt kein anderes Mittel -—, nur dadurch, daß wir die Produktionsmittel nur so lange menschliche Arbeit verschlingen lassen, bis sie fertig sind, kommen wir dazu, der Arbeit wirklich ihr Recht zu verschaffen. Denn was ist das Geld? Geld ist nichts. Der, der noch so viel besitzt, würde nichts haben, wenn er durch die bestehenden Machtverhältnisse nicht in der Lage wäre, soundso viele Menschen zu veranlassen, daß sie Arbeit leisten für sein Geld. Das werden sie nicht mehr können, wenn wir die Preise der Produktionsmittel in dieser Weise gestalten, daß diese Preise überhaupt aufhören, wenn die Produktionsmittel fertig sind. Ein weiteres Problem ist das der Güterverteilung:
[ 31 ] If you ask economists today, “What is capital?”—you’ll get a wide variety of answers. Ultimately, the best economists are those who say: Capital is produced means of production—that is, finished means of production that can be owned and are therefore marketable. Yes, precisely when one views capital as corresponding to the produced means of production, capital turns out to be a fifth wheel on the wagon. You know that in my book I have stated as the basis for all future distribution of goods that the means of production may, in fact, consume labor only until it is completed. Once a locomotive is finished, it may be introduced into social circulation only through means other than purchase. So we first need to be clear that, with regard to the means of production and with regard to land, measures quite different from those taken so far must be implemented. Only in this way—and there is no other means—only by allowing the means of production to consume human labor only until they are completed will we be able to truly secure labor’s rightful place. For what is money? Money is nothing. Even someone who possesses a great deal would have nothing if, due to the existing balance of power, they were not in a position to induce a certain number of people to perform work in exchange for their money. They will no longer be able to do so if we structure the prices of the means of production in such a way that these prices cease to exist altogether once the means of production are finished. Another problem is that of the distribution of goods:
[ 32 ] Der Herr, der das Problem der Güterverteilung angeschnitten hat, der muß bedenken, daß unsere ganze Güterverteilung seit drei bis vier Jahrhunderten eine solche geworden ist, die ganz im Sinne des Kapitalismus ist und daher ebenfalls sozialisiert werden muß. Dies kann erst geschehen, wenn wir eine Ur-Versammlung von Menschen haben, die wirklich gewillt sind, gegen alle Widerstände den Mut zu entwickeln, auch neue und zugleich notwendige Formen der Preisbildung zu entwickeln. Es wird eine harte Arbeit sein, und sie wird um so schneller geleistet werden können, wenn wir nicht den dritten vor dem ersten Schritt machen, sondern uns dazu entschließen, den ersten Schritt wirklich zu machen. Heute hängt alles davon ab — und es ist keine Kleinigkeit -, daß wir zunächst wirklich diese Betriebsräteschaft bilden. Diese Betriebsräteschaft soll nicht Programme und dergleichen aufstellen, sondern als Tatsache zunächst Tatsachen in die Welt setzen.
[ 32 ] The gentleman who raised the issue of the distribution of goods must bear in mind that, for the past three to four centuries, our entire system of distribution has become one that is entirely in line with capitalism and must therefore also be socialized. This can only happen when we have a founding assembly of people who are truly willing to muster the courage, against all opposition, to develop new and, at the same time, necessary forms of price formation. It will be hard work, and it will be accomplished all the more quickly if we do not put the third step before the first, but instead resolve to actually take the first step. Today, everything depends on this—and it is no small matter—that we first truly establish this council of works councils. This council of works councils should not draw up programs and the like, but rather, as a matter of fact, first bring facts into the world.
[ 33 ] Ich wollte nur andeuten, wie schwierig das Problem der Güterverteilung ist. Wir werden es erst überwinden, wenn wir die Grundlagen haben, und die Grundlagen sind die Menschen, die das Vertrauen ihrer Mitmenschen haben, um sich zusammenzufinden, wie man sich noch niemals in der Welt zusammengefunden hat, um nun nicht kleine atomistische Versuche zu unternehmen, die man auch sozialisieren nennt, sondern um wirklich aus dem Ganzen heraus zu sozialisieren.
[ 33 ] I just wanted to point out how difficult the problem of the distribution of goods is. We will only overcome it when we have the foundations in place, and those foundations are the people who have the trust of their fellow human beings to come together—in a way the world has never seen before—not to undertake small, atomistic experiments, which are also called “socialization,” but to truly socialize from a holistic perspective.
[ 34 ] Es sind vorhin verschiedene Namen genannt worden, unter anderem auch der Name Rathenau. Der Name Rathenau erinnert mich an etwas für die Gegenwart gar nicht so Unwichtiges. Gestern ist das neueste Heft der «Zukunft» mit einem Aufsatz von Walther Rathenau «Das Ende» erschienen. In diesem Aufsatz «Das Ende» hat man so recht den Beweis dafür, wie der Kapitalist mit seinem Urteil gegenüber den heutigen Zeitereignissen wirklich am Ende ist. Walther Rathenau ist wahrer, aufrichtiger und in einem gewissen Sinne ehrlicher als die anderen, aber er kommt eben auch nicht weiter, als diejenigen gelangen, die nicht aus dem sozialen Denken heraus, sondern doch aus dem kapitalistischen Denken heraus sich ihre Vorstellungen bilden. Ich möchte sagen: Was Walther Rathenau in diesem Aufsatz «Das Ende» sagt, es ist nur allzu begründet. Er sagt: Nun ja, wir haben lange Zeit von allen möglichen Seiten her nur das gehört, was erlogen war. Unsere erste Forderung müßte darin bestehen, daß nun endlich einmal den Leuten nicht das gesagt wird, was nicht wahr ist, sondern das, was wahr ist. Und er stellt mit Recht die Frage: Was ist, wenn der jetzige Friedensvertrag nicht unterschrieben wird? Nun, dann wird halt ein anderer gemacht, dann wieder ein anderer. Was aber, wenn er doch unterschrieben wird? Rathenau sagt dazu: Rantzau kann dann nichts weiter tun, als die Nationalversammlung für aufgelöst zu erklären; er kann erklären, daß es keinen Sinn mehr habe, daß in Deutschland ein Präsident da ist, daß ein Reichskanzler da ist und so weiter. Er kann also nichts anderes tun, als alle Souveränitätsrechte des ehemaligen Deutschen Reiches in die Hände der Entente zu legen und sie zu bitten, für die 60 Millionen Menschen in Deutschland zu sorgen. — Ja, das ist die Wahrheit von diesem Gesichtspunkte aus. Das ist die Wahrheit, daß diejenigen Menschen, die bisher die Geschicke lenkten, jetzt in bezug auf Mitteleuropa am Ende stehen und sich eingestehen müssen: Wir haben es dahin gebracht, daß wir eigentlich nichts anderes tun können, als der Entente anzutragen: Übernehmt unsere gesamte Regierung und sorgt für uns! — Er macht sich mit Recht sogar ein wenig her über die, die da sagen: «Lieber sterben als den Vertrag unterschreiben! -, indem er darauf hinweist, daß man sich nicht vorstellen könne, daß 60 Millionen Deutsche auf einmal sterben werden.
[ 34 ] Several names were mentioned earlier, including that of Rathenau. The name Rathenau reminds me of something that is by no means unimportant for the present. Yesterday, the latest issue of Zukunft was published, featuring an essay by Walther Rathenau titled “The End.” In this essay, “The End,” one truly finds proof of how the capitalist, with his judgment of current events, has truly reached the end of the road. Walther Rathenau is more truthful, more sincere, and in a certain sense more honest than the others, but he, too, gets no further than those who form their mental images not from a social perspective but from a capitalist one. I would like to say: What Walther Rathenau says in this essay, “The End,” is all too well-founded. He says: Well, for a long time we have heard nothing but lies from all sides. Our first demand must be that people finally be told not what is untrue, but what is true. And he rightly asks the question: What if the current peace treaty is not signed? Well, then another one will simply be drawn up, and then yet another. But what if it is signed after all? Rathenau says in response: Rantzau can then do nothing more than declare the National Assembly dissolved; he can declare that it no longer makes sense for there to be a president in Germany, a Reich Chancellor, and so on. So he can do nothing else but place all the sovereign rights of the former German Empire into the hands of the Entente and ask them to take care of the 60 million people in Germany. — Yes, that is the truth from this point of view. It is the truth that those people who have guided the course of events until now have reached the end of the road with regard to Central Europe and must admit to themselves: We have brought things to such a point that we can actually do nothing else but propose to the Entente: Take over our entire government and take care of us! — He is even right to mock a little those who say, “Better to die than to sign the treaty!” by pointing out that one cannot form a mental image of 60 million Germans dying all at once.
[ 35 ] Was gibt es dazu zu sagen? Nur das eine: Das, was sich abgespielt hat zwischen Mitteleuropa und dem Westen, ist ein Spiel zwischen Kapitalismus und Kapitalismus. Und solange es ein Spiel sein wird zwischen Kapitalismus und Kapitalismus, wird es zu nichts führen als zu seinem Ende. Ein Anfang kann erst wieder gemacht werden, wenn von unten herauf gearbeitet wird, das heißt, wenn aus der werktätigen Bevölkerung heraus gearbeitet wird an einem wirklich ernsthaften sozialen Aufbau. [...]* Und weil man aus innenpolitischen und vor allen Dingen außenpolitischen Gründen einen Anfang braucht, deshalb hat sich dieser Impuls des dreigliedrigen sozialen Organismus ergeben, der allein imstande ist, einer wirklichkeitsgemäßen Warenproduktion zu ihrem Recht zu verhelfen. Zugleich geht es darum, neue Wege der Güterverteilung zu finden, wodurch verhindert wird, daß mittels der Güterverteilung das entsteht, was bisher kapitalbildend war und was auch unsere internationalen Konflikte hervorgerufen hat. Deshalb ist heute das Wichtigste, einzusehen, daß die Sozialisierung damit begonnen werden muß, daß wir einen Grundstock sozial denkender Menschen haben. Diese werden es möglich machen, daß man den Weg zu einer solchen Güterverteilung findet, wie ich es eben angedeutet habe, und daß man zu einer neuen Art der Behandlung der mit dem Grund und Boden sowie der Produktionsmittel verbundenen Probleme kommt. Es ist nicht genug, daß man bloß Forderungen aufstellt. Vergesellschaftung der Produktionsmittel gut. Aber es handelt sich vor allem darum, daß man Mittel und Wege findet, diese Forderungen zu erfüllen. Da gibt es keinen anderen Weg als den, sich an die Arbeit zu machen. Heute würde es ja ganz interessant sein, sich in allerlei Art darüber zu unterhalten, wie wir die Güter verteilen. Das erste aber, was notwendig ist, ist, daß wir endlich mit den Menschen sprechen können, die überhaupt gewillt sind, eine andersartige Güterverteilung vorzunehmen. Worte, die Programme sind, brauchen wir nicht, sondern Worte, die Menschen auf die Beine stellen. Programme werden uns niemals nützen. Wir brauchen heute die Menschen, welche sich wirklich ihrer Macht bewußt werden und dasjenige in die Wirklichkeit umsetzen, wozu die Worte eben Keimgedanken sein sollen.
[ 35 ] What is there to say about this? Just this: What has been playing out between Central Europe and the West is a game between capitalism and capitalism. And as long as it remains a game between capitalism and capitalism, it will lead to nothing but its own end. A new beginning can only be made when work is done from the bottom up—that is, when the working population works toward a truly serious social reconstruction. [...]* And because a new beginning is needed for domestic political reasons and, above all, for foreign policy reasons, this is why the impulse for the threefold social organism has emerged—the only one capable of ensuring that commodity production in accordance with reality is given its due. At the same time, the goal is to find new ways of distributing goods, thereby preventing the distribution of goods from giving rise to what has hitherto been a source of capital accumulation and what has also caused our international conflicts. That is why the most important thing today is to recognize that socialization must begin with the existence of a foundation of socially minded people. These people will make it possible to find the path to the kind of distribution of goods I have just outlined, and to arrive at a new way of addressing the problems associated with land and the means of production. It is not enough merely to make demands. The socialization of the means of production is good. But above all, it is a matter of finding ways and means to fulfill these demands. There is no other way than to get to work. Today, it would indeed be quite interesting to discuss in all sorts of ways how we distribute goods. But the first thing that is necessary is that we finally be able to speak with people who are at all willing to carry out a different kind of distribution of goods. We do not need words that are merely programs; rather, we need words that put people into action. Programs will never be of any use to us. What we need today are people who truly become aware of their power and turn into reality what words are meant to be—seeds of thought.
[ 36 ] Das ist dasjenige, was ich Sie bitte nicht so zu nehmen, daß Sie wiederum sagen: Ja, es wäre gut, wenn wir weitergekommen wären und jetzt schon wüßten, was alles getan werden soll. Leute wie Naumann wissen immer, was alles getan werden soll; aber ich würde mir gar nicht so viel daraus machen, wenn ich wüßte, was alles getan werden soll im Sinne Naumanns. Dann würde ich nämlich wissen, daß es zwar schöne Gedanken sind, an denen man sich erfreuen kann, aber sozialisiert wird damit nicht. Der Impuls des dreigliedrigen sozialen Organismus unterscheidet sich von anderen Impulsen dadurch, daß er nicht ein neues Programm in die Welt hineinstellt, sondern daß er lediglich aufzeigen will, wie die Menschen in der Welt zusammenkommen müssen, wie sie sich finden müssen, damit Wirklichkeiten und nicht Utopien oder Programme entstehen. In diesem Sinne ist es mir eine Befriedigung, daß so viele unserer Freunde heute schon verkündet haben, wie weit die Dinge bereits gediehen sind. Ich möchte bitten, nicht zu erlahmen, die Schritte, die gemacht worden sind, fortzusetzen und sie noch schneller und schneller zu machen. Denn wenn wir die Räteschaft haben, wird sich mit ihrer Hilfe alles weitere durchsetzen lassen. Das dürften diejenigen schon verstanden haben, die heute das, was gesagt worden ist, in realer Weise ins Auge fassen. Sie dürften verstanden haben, daß es darauf ankommt, daß wir zunächst zur Sozialisierung die Menschen haben müssen, die wirklich sozialisieren wollen. Das ist das erste tatsächliche Sozialisierungsprogramm. Und die Verwirklichung des ersten Schrittes zur Sozialisierung wird geschehen sein, wenn in den Betrieben des hiesigen Wirtschaftsgebietes die Betriebsräte gewählt sein werden. Und dann wird man sagen können: Jetzt wollen wir den nächsten Schritt tun. Denn dazu müssen sie erst dasein, damit wir die nächsten Schritte tun können. Zur Sozialisierung brauchen wir die Menschen, die die Sozialisierung wollen. Und die Betriebsräteschaft wird wohl überhaupt in der Zukunft als der erste Schritt zur wahren Sozialisierung angesehen werden.
[ 36 ] That is precisely what I ask you not to take to mean that you should say again: “Yes, it would be good if we had made more progress and already knew exactly what needs to be done.” People like Naumann always know exactly what needs to be done; but I wouldn’t make such a big deal out of it if I knew what needed to be done according to Naumann’s ideas. For then I would know that, while these are indeed beautiful ideas that one can take pleasure in, they do not lead to social transformation. The impulse of the threefold social organism differs from other impulses in that it does not introduce a new program into the world, but merely seeks to show how people in the world must come together, how they must find one another, so that realities—and not utopias or programs—may emerge. In this sense, it gives me great satisfaction that so many of our friends have already announced today how far things have progressed. I would ask that we not slacken our efforts, but continue the steps that have been taken and accelerate them even further. For once we have the council system, everything else will be achievable with its help. Those who are realistically considering what has been said today should already have understood this. They should have understood that what matters is that, for socialization to begin, we must first have people who truly want to socialize. That is the first actual program of socialization. And the first step toward socialization will have been taken once works councils are elected in the factories of this economic region. And then we will be able to say: Now let’s take the next step. For they must first be in place so that we can take the next steps. For socialization, we need people who want socialization. And in the future, the institution of works councils will likely be regarded as the first step toward true socialization.
Nach Mitteilung des Vorsitzenden hat sich soeben aus den Meldungen ergeben, daß vier Betriebsräte gewählt sind und die Wahl von sechs weiteren Betriebsräten in Angriff genommen wurde.
According to a statement by the chairperson, reports indicate that four works council members have just been elected and that the election of six additional works council members has begun.
