Work Councils And Socialization
Discussion Evenings with Workers' Committees
GA 331
14 June 1919, Stuttgart
Translate the original German text into any language:
Versions Available:
Work Councils and Socialization, tr. SOL
Vierter Diskussionsabend
Fourth Discussion Evening
Vorsitzender Herr Lohrmann: Ich eröffne die heutige Versammlung. Sie ist leider sehr schlecht besucht, was wohl sehr stark darauf zurückzuführen ist, daß die Parteien dazu übergehen, unsere Sache zu bekämpfen. Es beruht das auf einem Irrtum. Ich habe mich auch mit verschiedenen Parteileuten auseinandergesetzt. Sie sehen in der Sache der Dreigliederung eine Zersplitterung der Arbeiterschaft, des Proletariats, in dem Kampfe, der zur Befreiung des Proletariats führen wird. Aus diesem Grunde bekämpft die Partei die Dreigliederung des sozialen Organismus. Wir können uns ja heute noch darüber aussprechen, welche Stellung wir fernerhin einnehmen müssen speziell den Parteien gegenüber. Ich glaube, daß nachher in der Diskussion die Sache zur Sprache kommen kann.
Chairman Mr. Lohrmann: I hereby call today’s meeting to order. Unfortunately, attendance is very low, which is likely due in large part to the fact that the political parties are now turning against our cause. This is based on a misunderstanding. I have also discussed this with various party members. They view the threefold social order as a fragmentation of the working class—the proletariat—in the struggle that will lead to the liberation of the proletariat. For this reason, the party opposes the threefold social order. We can, of course, still discuss today what position we must take going forward, especially with regard to the parties. I believe this matter can be addressed later in the discussion.
Einleitende Worte von Rudolf Steiner
Introductory Remarks by Rudolf Steiner
[ 1 ] Meine werten Anwesenden! Ich will in der Einleitung recht kurz sein, weil ich glaube, daß die Hauptsache dann in Rede und Gegenrede behandelt werden sollte. Eben hat Sie der Herr Vorsitzende darauf aufmerksam gemacht, daß sich gegen das, was hier von seiten des «Bundes für Dreigliederung» gewollt wird, eine heftige Gegenströmung in Szene setzt. Und Sie haben ja auch gehört, aus welchen Gründen diese Gegenströmung sich geltend macht. Ich möchte vielleicht sogar sagen, daß man die Sache noch ganz anders ausdrücken könnte, also das, was über die Gründe, aus denen heraus sich diese Gegenströmung geltend macht, gesagt wird. Wenn sich diese Gegenströmung wirklich auf die Vermutung stützen würde, daß in das Parteiwesen ein Keil hineingetrieben werden könnte, so würde sie ja von durchaus falschen Voraussetzungen ausgehen. Ich kann nicht einsehen, wie man die Behauptung aufrechterhalten will, daß von unserer Seite irgendwie die Absicht vorliegen sollte, in das Parteriwesen einen Keil hineinzutreiben. Denn sehen Sie, die Sache liegt doch so: Die Parteien haben ihr Programm, und sie haben auch die Absicht, in der nächsten Zeit dieses oder jenes zu tun. Sie werden ja gar nicht daran gehindert, dieses oder jenes zu tun! Es handelt sich ja nur darum, daß den Angehörigen irgendeiner Partei - sie können ja in ihrem Parteizusammenhang bleiben und das mitmachen, was der Parteizusammenhang von ihnen fordert — die Möglichkeit geboten wird, etwas Positives, was zur Tat werden kann, aufzunehmen. Daß damit die Absicht verbunden sei, daß die Persönlichkeiten des «Bundes für Dreigliederung des sozialen Organismus» selber die Plätze einnehmen wollten, welche von den Parteimitgliedern eingenommen sein wollen, davon kann ja nicht im geringsten die Rede sein.
[ 1 ] Ladies and gentlemen! I will keep my introduction quite brief, because I believe that the main issue should then be addressed in the discussion and rebuttal. The Chair has just drawn your attention to the fact that a fierce countercurrent is emerging against what the “Federation for Threefolding” is seeking here. And you have also heard the reasons why this countercurrent is asserting itself. I might even go so far as to say that the matter could be expressed quite differently—that is, what is being said about the reasons behind this countercurrent. If this countercurrent were truly based on the assumption that a wedge could be driven into the party system, it would be proceeding from entirely false premises. I cannot see how one can maintain the claim that we somehow intend to drive a wedge into the party system. For you see, the situation is this: The parties have their platforms, and they also intend to do this or that in the near future. They are not being prevented from doing this or that at all! The point is simply that members of any party—who are free to remain within their party structure and do what that structure requires of them—are offered the opportunity to take up something positive that can be put into practice. There can be no question whatsoever that this is linked to any intention on the part of the leaders of the “League for the Threefold Social Order” to take for themselves the positions that the party members are meant to fill.
[ 2 ] Sehen Sie, die Sache ist ja so gekommen, daß man gesehen hat: Mit dem Parteiprogramm ist gegenwärtig gerade mit Bezug auf die allerwichtigste Frage, die Frage der Sozialisierung, nichts zu erreichen. Sie haben erlebt die sogenannte Revolution vom 9. November. Sie haben erlebt, daß da die Parteimänner an die Spitze der Regierung getreten sind. Sie haben aber auch erlebt, daß diese Parteimänner nichts anzufangen wußten mit dem, was ihnen nun wirklich so vorlag, daß sie bis zu einem hohen Grade darüber die Macht hatten. Sie könnten eine große Enttäuschung erleben, ja, ich möchte sagen, ich habe die Überzeugung, daß Sie sie wirklich erleben, wenn Sie gar nicht auf so etwas wie die Bestrebung für den dreigliedrigen sozialen Organismus eingehen würden. Sie könnten die Enttäuschung erleben, daß bei der zweiten Umwälzung andere Parteimänner an die Spitze der Regierung kommen, die, gar nicht aus irgendeinem bösen Willen heraus, sondern einfach, weil die Parteiprogramme machtlos sind, nach einiger Zeit nichts, was irgendwie etwas Positives ist, hervorbringen. Sie könnten erleben, daß eben wiederum eine Enttäuschung folgt. Sie vor diesen Enttäuschungen, diesen neuerlichen Enttäuschungen zu bewahren dadurch, daß man aufzeigt, was die gegenwärtige Zeit fordert und was in Wirklichkeit durchzuführen ist, das eben hat sich der «Bund für Dreigliederung des sozialen Organismus» zur Aufgabe gemacht.
[ 2 ] You see, the way things turned out was that people realized: With the party platform, nothing can be achieved at present, especially with regard to the most important issue—the issue of socialization. You witnessed the so-called revolution of November 9. You saw that party members had taken the helm of the government. But you have also seen that these party members didn’t know what to do with the situation that was actually before them—even though they had a high degree of power over it. You could experience great disappointment—indeed, I would say I am convinced that you will actually experience it—if you were to completely disregard something like the striving for the threefold social organism. You might experience the disappointment that, during the second upheaval, other party members will rise to the top of the government who—not out of any ill will, but simply because the party platforms are powerless—will, after some time, fail to produce anything that is in any way positive. You might find that yet another disappointment follows. To protect you from these disappointments—these repeated disappointments—by pointing out what the present time demands and what actually needs to be carried out—this is precisely the task that the “League for the Threefold Social Order” has set for itself.
[ 3 ] Parteien haben immer die Eigentümlichkeiten, daß sie nach und nach eigentlich abkommen von dem, was ursprünglich ihre Impulse waren. Parteien haben überhaupt ein merkwürdiges Schicksal. Da ich ja den Impuls zum dreigliedrigen sozialen Organismus nicht aus der Luft gegriffen habe, sondern ihn aufgrund eines wirklich intensiven Miterlebens der sozialen Bewegung über Jahrzehnte hin ergriffen habe, habe ich auch so manches erlebt. So habe ich zum Beispiel den Aufstieg der sogenannten liberalen Partei in Österreich erlebt. Diese Partei nannte sich liberal, stand aber auf dem Boden des Monarchismus, wie das selbstverständlich war in den sechziger und siebziger Jahren des vorigen Jahrhunderts. Es war also eine liberale Partei. Aber wenn diese liberale Partei sich innerhalb des bestehenden österreichischen Staatswesens geltend machen wollte, da legte sich diese liberale Partei eine merkwürdige Bezeichnung zu: «Euer Majestät allergetreueste Opposition». Das war ein offizielles Beiwort für die Opposition im monarchischen österreichischen Staat.
[ 3 ] Political parties always have the peculiarity of gradually drifting away from what originally inspired them. Political parties, in general, have a strange fate. Since I did not simply pull the idea of the threefold social organism out of thin air, but rather arrived at it through truly intense, firsthand experience of the social movement over decades, I have witnessed quite a lot. For example, I witnessed the rise of the so-called Liberal Party in Austria. This party called itself liberal, but was rooted in monarchism, as was to be expected in the 1860s and 1870s. So it was a liberal party. But when this liberal party sought to assert itself within the existing Austrian state system, it adopted a peculiar title for itself: “Your Majesty’s Most Loyal Opposition.” This was an official epithet for the opposition in the monarchical Austrian state.
[ 4 ] Ich habe dieses Beispiel angeführt, um aufzuzeigen, daß den Parteien in bestimmten Situationen manchmal ihre eigentliche Stoßkraft genommen wird. Aber es gibt noch viel deutlicher sprechende Beispiele. So gibt es in Nordamerika ja zwei Hauptparteien, die demokratische und die republikanische. Diese zwei Parteien hatten vor längerer Zeit ihre Bezeichnung zurecht: Die einen nannten sich republikanisch, weil sie Republikaner waren, die anderen nannten sich demokratisch, weil sie Demokraten waren. Heute ist die Sache so, daß die republikanische Partei durchaus nicht mehr republikanisch ist und die demokratische Partei alles andere als demokratisch ist. Die beiden Parteien unterscheiden sich lediglich dadurch, daß sie von verschiedenen Konsortien aus verschiedenen Wahlfonds gespeist werden. Parteien entstehen, haben eine gewisse Lebenszeit, die verhältnismäßig kurz ist, dann sterben sie. Aber sie bleiben gewissermaßen, wenn sie schon Leichnam sind, noch lebendig als Leichnam; sie mögen nicht gerne sterben. Aber das schadet nichts. Wenn sie auch ihre ursprüngliche Bedeutung verloren haben, so sind sie doch noch Sammelbecken für die Menschen, und es ist trotzdem noch gut, wenn sie da sind, damit die Menschen eben nicht auseinanderlaufen. Deshalb hat man, wenn man nicht ein theoretisierender Politiker ist, wie es die Parteimänner ja oft sind, und wenn man nicht ein ideologischer oder utopistischer Politiker sein will, sondern wenn man sich auf praktischen Boden stellen will und sich bewußt ist, daß im politischen Leben nur etwas zu erreichen ist mit geschlossenen Menschengruppen, deshalb hat man gar kein Interesse daran, die Parteien zu zersplittern. Wir würden das Dümmste machen, was wir überhaupt machen könnten, wenn wir darauf aus wären, die Parteien zu zersplittern, oder etwa gar eine neue Partei begründen wollten. Wir könnten nichts Dümmeres machen. Also, darum kann es sich nun wirklich ganz und gar nicht handeln.
[ 4 ] I cited this example to show that, in certain situations, political parties are sometimes stripped of their true driving force. But there are examples that speak even more clearly. For instance, there are two major parties in North America: the Democratic and the Republican parties. A long time ago, these two parties deserved their names: one called itself Republican because its members were republicans, and the other called itself Democratic because its members were democrats. Today, the situation is such that the Republican Party is by no means republican anymore, and the Democratic Party is anything but democratic. The only difference between the two parties is that they are funded by different consortia from different campaign funds. Parties come into being, have a certain lifespan—which is relatively short—and then they die. But even as corpses, they remain alive in a sense; they are reluctant to die. But that doesn’t matter. Even though they have lost their original meaning, they still serve as gathering places for people, and it is still good that they exist, so that people do not drift apart. That is why—unless one is a theorizing politician, as party members often are, and unless one wants to be an ideological or utopian politician, but rather wants to stand on practical ground and is aware that in political life, something can only be achieved with cohesive groups of people—that is why one has absolutely no interest in fragmenting the parties. We would be doing the most foolish thing we could possibly do if we were intent on splitting up the parties, or if we even wanted to found a new party. We couldn’t do anything more foolish. So, that really cannot be the issue at all.
[ 5 ] Man fragt sich daher: Ja, aus welcher Ecke kommt denn da eigentlich der Widerstand? Sehen Sie, er kommt, ich möchte sagen, aus der konservativen Gesinnung der Menschen. Ich erlebe es ja immer wieder in meinen vielen Vorträgen, daß das Folgende geschieht. Diskussionsredner stehen auf, und wenn sie sprechen, so macht man eine merkwürdige Erfahrung. Sie haben nämlich nur das gehört, was sie schon seit Jahrzehnten gewohnt sind zu denken. Vieles daran ist ja richtig, denn die alten Dinge sind ja nicht falsch. Aber es muß doch heute zu den alten Dingen Neues hinzukommen! Das Merkwürdige, das man bei den Diskussionsrednern oftmals konstatieren kann, besteht vor allem darin, daß sie nicht einmal mit dem physischen Ohr das Neue gehört haben, Sie haben eben nur das gehört, was sie schon seit Jahrzehnten gewohnt sind zu hören. Ja, das beruht schon auf einer gewissen inneren Trägheit des gegenwärtigen menschlichen Verstandes. Man muß sich schon mit dieser inneren Trägheit des gegenwärtigen menschlichen Verstandes bekannt machen, und man muß sie bekämpfen.
[ 5 ] So one wonders: Yes, where exactly is this resistance coming from? You see, it comes—I would say—from people’s conservative mindset. I see this happen time and again in my many lectures: panelists stand up, and when they speak, you have a strange experience. You realize that they’ve only heard what they’ve been accustomed to thinking for decades. Much of it is correct, of course, because the old ideas are not wrong. But today, new ideas must be added to the old ones! The strange thing that one often observes among these panelists is, above all, that they have not even heard the new ideas with their physical ears; they have simply heard only what they have been accustomed to hearing for decades. Yes, this is indeed due to a certain inner inertia of the contemporary human mind. One must familiarize oneself with this inner inertia of the contemporary human mind, and one must combat it.
[ 6 ] Schwer begreiflich ist mir aber doch, wenn von einer gewissen Seite gesagt wird: Ja, wir sind eigentlich sowohl mit dem, was Steiner zur Bekämpfung des Kapitalismus vorbringt, als auch mit der Dreigliederung des sozialen Organismus einverstanden, die muß kommen. Aber wir bekämpfen sie doch! Wir müssen uns kämpfend dagegenstellen! — Jedem, der über einen gewissen gesunden Menschenverstand verfügt, muß dies absonderlich vorkommen. Und dennoch ist ja dieser Standpunkt vorhanden!
[ 6 ] What I find hard to understand, however, is when certain people say: “Yes, we actually agree both with what Steiner proposes to combat capitalism and with the threefold social order—it must come about. But we oppose it nonetheless! We must fight against it!” — To anyone with a modicum of common sense, this must seem bizarre. And yet this point of view does exist!
[ 7 ] Nicht wahr, wir stehen jetzt vor der Einrichtung der Betriebsräteschaft. Ja, diese Betriebsräteschaft ist eine ungeheuer wichtige Sache, und zwar aus folgendem Grunde. Es können heute die Betriebsräte so eingerichtet werden, daß sie nichts weiter sind als eine Dekoration für eine geheimnisvolle Fortsetzung des alten kapitalistischen Systems. Man kann sie so einsetzen, aber sie werden gewiß nichts anderes werden als dieses, wenn sie im Sinne des Gesetzentwurfes, der Ihnen ja hinlänglich bekannt ist, eingesetzt werden. Sie werden ganz gewiß auch nichts anderes werden als eine solche Dekoration, wenn sie auch auf Grundlage eines anderen Gesetzentwurfes eingesetzt werden. Das einzige Heil besteht darin, daß man die Betriebsräte, wie ich hier schon oftmals gesagt habe, aus dem lebendigen Wirtschaftsleben heraus auf die Beine stellt, daß sie also gewählt werden aus dem Wirtschaftsleben selber heraus und sich zusammenschließen innerhalb eines in sich geschlossenen Wirtschaftsgebietes. Dies wäre hier — weil man die alten Landesgrenzen beibehalten muß - Württemberg. Das muß eine konstituierende Versammlung sein, die aus sich heraus dasjenige schafft, was die anderen als Gesetz machen wollen. Die Rechte, die Befugnisse, all das, was die Betriebsräte zu tun haben, muß aus der Betriebsräteschaft selbst heraus entstehen. Und man darf nicht den Mut verlieren, aus dem Wirtschaftsleben heraus selber die Betriebsräteschaft zu schaffen. Aber sehen Sie, sobald man anfängt an einem Ende, sobald man wirklich Ernst damit macht, das eine Glied des dreigliedrigen sozialen Organismus so zu nehmen, wie es im Wirtschaftskreislauf zu nehmen ist, dann muß man sich auf den Boden des dreigliedrigen sozialen Organismus stellen. Dann müssen die beiden anderen Glieder wenigstens irgendwie mitarbeiten und parallel dazu eingerichtet werden, sonst kommt man nicht vorwärts. Es ist heute schon leicht der Beweis zu liefern, einfach aufgrund der Tatsachen, daß? man das braucht, was der dreigliedrige soziale Organismus will. Denn, was auch immer geschwätzt wird über jenes Sozialisierungsexperiment, das im Östen gemacht worden ist, dasjenige, worauf es ankommt, das wird ja immer nicht hervorgehoben.
[ 7 ] Isn’t it true that we are now on the verge of establishing the works council system? Yes, this works council system is an immensely important matter, for the following reason. Today, works councils can be set up in such a way that they are nothing more than a facade for a covert continuation of the old capitalist system. They can be established in this way, but they will certainly amount to nothing more than that if they are established in accordance with the draft bill, with which you are, of course, thoroughly familiar. They will most certainly amount to nothing more than such a mere formality even if they are established on the basis of a different draft bill. The only solution, as I have said here many times before, is to establish works councils out of the living fabric of economic life—that is, for them to be elected from within the economic sphere itself and to organize themselves within a self-contained economic region. Here—since the old state borders must be maintained—that would be Württemberg. This must be a constituent assembly that creates from within what others seek to enact as law. The rights, the powers—everything that works councils are tasked with doing—must arise from the works council movement itself. And we must not lose the courage to create the works council movement ourselves, out of economic life itself. But you see, as soon as one begins at one end—as soon as one really gets serious about treating one member of the threefold social organism as it ought to be treated within the economic cycle—then one must stand on the ground of the threefold social organism. Then the other two members must at least cooperate in some way and be organized in parallel; otherwise, one will not make any progress. It is already easy to provide proof today, simply based on the facts, that… we need what the threefold social organism calls for. For, whatever is said about that socialization experiment carried out in Austria, the very thing that matters is never emphasized.
[ 8 ] Sie haben in diesen Tagen von ministerieller Seite im hiesigen Landtag hören können, wenn Sie aufmerksam die Berichte verfolgt haben, daß Lenin nun auch wieder an dem Punkt angekommen sei, nämlich beim Kapitalismus Hilfe zu suchen, weil er daran zweifele, daß in der Jetztzeit eine Sozialisierung, so wie er sie gewollt hat, durchgeführt werden könne. Solche Dinge werden ja heute auch von sozialistischen Regierungen mit einer gewissen Befriedigung registriert. Sollen sie diese Befriedigung doch haben. Aber sehen Sie, worauf es ankommt, ist doch, daß man sich fragen muß: Woran liegt es denn, daß dieses östliche Experiment gescheitert ist? Es liegt daran — es gibt wirklich die Möglichkeit, das einzusehen, man muß nur den Mut haben, sein eigenes Vorurteil zu bekämpfen -, es liegt daran, daß vor allen Dingen innerhalb dieses russischen, östlichen, sozialistischen Experimentes keine Rücksicht darauf genommen worden ist, eine selbständige Sozialisierung des Geisteslebens mit einzurichten. Dieses Glied hat gefehlt, und an dem Fehlen dieses Gliedes liegt es. Und wird man das einsehen, dann wird man wissen, wie man es anders machen muß. Man muß doch von den Tatsachen lernen und nicht von seinen seit Jahrzehnten im Kopfe herumspukenden Gespenstern der Parteiprogramme. Das ist es, worauf es ankommt, und ich kann Ihnen sagen: Entweder werden die Betriebsräte so eingerichtet, daß sie die erste Einrichtung sind von dem, was im großen Stile gedacht ist im Sinne einer sozialen Gestaltung des menschlichen Gemeinwesens, damit dann aus der Einrichtung der Betriebsräte etwas hervorgehen kann, was einer wirklichen Sozialisierung gleichkommt, oder es wird nicht so gemacht, und dann erreicht man keine wirkliche Sozialisierung. Wenn man abwartet, bis die Fortsetzung des alten Regierungssystems aus einem Gesetz heraus Betriebsräte einrichtet, wenn man immerfort von der Idee ausgeht, daß derjenige, der praktisch handeln will, die Partei zersplittert, dann wird man auf keinen grünen Zweig kommen.
[ 8 ] If you have been following the reports closely, you may have heard from ministers in the state legislature here in recent days that Lenin has now once again reached the point of seeking help from capitalism because he doubts that socialization, as he envisioned it, can be carried out in the present era. Such developments are, of course, noted today with a certain satisfaction even by socialist governments. Let them have that satisfaction. But you see, what really matters is that we must ask ourselves: Why has this Eastern experiment failed? It is because—and it is truly possible to see this; one need only have the courage to combat one’s own prejudices—it is because, above all, within this Russian, Eastern, socialist experiment, no consideration was given to establishing an independent socialization of intellectual life. This link was missing, and the failure lies in the absence of this link. And once one recognizes this, one will know how to do things differently. One must learn from the facts, after all, and not from the ghosts of party programs that have been haunting one’s mind for decades. That is what matters, and I can tell you this: Either the works councils are established in such a way that they are the first institution of what is envisioned on a grand scale in the sense of a social organization of human society—so that something equivalent to true socialization can emerge from the establishment of the works councils—or it is not done this way, and then true socialization will not be achieved. If one waits until the continuation of the old system of government establishes works councils through a law, if one constantly proceeds from the idea that anyone who wants to act practically will fragment the party, then one will get nowhere.
[ 9 ] Eine Frage muß notwendig immer wieder gestellt werden. Sehen Sie, als wir hier angefangen haben im Sinne des dreigliedrigen sozialen Organismus über die Dinge zu reden, da erwarben wir und unsere Freunde aus den Parteien verhältnismäßig rasch das Vertrauen der Arbeiterschaft, das Vertrauen eines großen Teiles der Arbeiterschaft. Dem sah man offenbar zunächst gelassen zu, weil man sich gedacht hat, nun, solange da einige Leute ein paar Spielereien treiben, da genügt es ja, wenn man sagt: Bekümmert euch nicht um diese Utopien. - Dann sah man aber, daß es sich gar nicht um Utopien handelte, sondern um den Beginn, einmal wirklich etwas Praktisches in Szene zu setzen. Da zog nun nicht mehr so recht die Geschichte mit den Utopien und Ideologien. Dann aber, als wir versuchten, für die Betriebsräte zu wirken, ließ sich der Vorwurf der Utopie überhaupt nicht mehr aufrechterhalten. Und nun kommt man damit, daß man sagt, daß eine Zersplitterung in die Partei hineingetragen wird. Ja, aber es mußten doch erst die kommen, die das sagen; die mußten es doch erst den Leuten sagen, daß da die Zersplitterung hineingetragen wird. Wir haben sie nämlich nicht hineingetragen. Aber die, die das sagen, die tragen sie selbst hinein. Woher kommt denn die Zersplitterung? Auf diese Frage gibt es nur die folgende Antwort: Ihr braucht ja nicht in einer solchen Form, wie ihr es tut, darüber zu reden, dann wird die Zersplitterung auch nicht dasein. Nun, die Sache ist eben doch zu ernst, die Sache der Betriebsräteschaft, als daß man nicht solche Dinge heute wirklich zur Sprache bringen müßte. Und so hoffe ich, daß von diesen Gesichtspunkten aus von dem einen oder anderen von Ihnen in dieser leider wenig besuchten Versammlung heute noch sehr viel über die verschiedenen Dinge, die notwendig sind, gesprochen wird.
[ 9 ] There is one question that must inevitably be asked again and again. You see, when we began discussing these matters here in the spirit of the threefold social organism, we and our friends from the political parties gained the trust of the working class—the trust of a large portion of the working class—relatively quickly. At first, people apparently watched this unfold with equanimity, thinking, well, as long as a few people are just playing around, it’s enough to say: Don’t worry about these utopias. — But then they saw that these weren’t utopias at all, but rather the beginning of actually putting something practical into action. At that point, the whole “utopias and ideologies” line no longer really held water. But then, when we tried to work on behalf of the works councils, the accusation of utopianism could no longer be sustained at all. And now they’re coming out with the claim that fragmentation is being brought into the party. Yes, but those who say that had to come along first; they had to be the ones to tell people that fragmentation is being brought into the party. After all, we didn’t bring it in. But those who say that are the ones bringing it in themselves. Where does this fragmentation come from? There’s only one answer to that question: You don’t need to talk about it the way you do, and then there won’t be any fragmentation. Well, the matter—the matter of the works council—is simply too serious for us not to really bring such things up today. And so I hope that, from these perspectives, one or the other of you in this unfortunately sparsely attended meeting will still speak at length today about the various things that are necessary.
[ 10 ] Eigentlich muß ich mich doch sehr wundern über die Opposition, die sich hier auftut, wenn ich so manche Dinge näher betrachte. Die Parteien zum Beispiel, sie brauchen eigentlich alle ein gewisses Hinausgehen über sich selbst, nämlich ein Hinaufgehen zu etwas Positivem. Da bekam ich gestern den «Arbeiterrat», das Organ der Arbeiterräte Deutschlands, deren Schriftleitung Ernst Däumig innehat. In diesem finden Sie einen Artikel unter der Überschrift «Geistesarbeiterrat und Volksgeist» von Dr. Heuser, KPD. Da wird manches auseinandergesetzt. In diesem Artikel finden Sie unter anderem das Folgende, das ich für so wichtig halte, daß ich es Ihnen vorlesen möchte. Also, der Artikel ist von Dr. Heuser, Mitglied der KPD: «Es ist jedoch eine Lebensbedingung des sozialistischen Staates, daß das geistige Element im Volksleben seiner Bedeutung entsprechend berücksichtigt wird. Es besteht die große Gefahr, daß durch die einseitige Berücksichtigung des materiell tätigen Volksteils die geistigen Lebensbedingungen der sozialistischen Volksgemeinschaft erstickt und der Zukunftsstaat in ein materielles Gebilde verwandelt wird, in dem die geistigen Kräfte keinen Spielraum und somit keine Freiheit besitzen. Die zielbewußte Arbeiterschaft fordert mit Recht: Alle politische Macht den Arbeiterräten — alle ökonomische Macht den Betriebsräten. Wir fordern: Alle geistige Macht den Geistesarbeiterräten!» — Bitte, ein Mitglied der KPD! Alle geistige Macht den Geistesarbeiterräten! «Wir fordern neben der Körperschaft der Arbeiterräte (politische Körperschaft) und derjenigen der Betriebsräte (wirtschaftliche Körperschaft) eine Körperschaft der Geistesräte (geistige Körperschaft), in der das geistige Element des Volkes sich jederzeit Gehör verschafft und die zum Ausgleich der ungeheuren politischen und ökonomischen Rechte der überwiegenden Handarbeiterschaft genügenden Einfluß erhält auf die Besetzung der wichtigeren Stellungen der Allgemeinheit mit geistigen, tüchtigen Persönlichkeiten, da sonst keine Gewähr ist, daß diese Stellungen nicht wie bisher geistlos nach machtpolitischen oder materiell-ökonomischen Gesichtspunkten erfolgen. Die militaristische Hohenzollern-Herrschaft ist zusammengebrochen, weil sie die sozialen Forderungen unserer Zeit nicht verstanden hat, ebenso wie die kapitalistische Scheindemokratie trotz ihrer «Siege zusammenbrechen wird. Ein sozialistischer Staat, der einseitig die Interessen der Handarbeiterschaft begünstigen und die Interessen des geistigen Volkselementes vernachlässigen wird, ist ebenso unhaltbar: Er wird einen neuen Klassengegensatz, neue Unterdrückung und neue Kämpfe schaffen.»
[ 10 ] Actually, I can’t help but be very surprised by the opposition that’s emerging here when I take a closer look at certain things. The political parties, for example—they all really need to look beyond themselves, namely, to strive toward something positive. Yesterday I received Arbeiterrat, the journal of the Workers’ Councils of Germany, edited by Ernst Däumig. In it you’ll find an article titled “The Council of Intellectual Workers and the Spirit of the People” by Dr. Heuser of the KPD. It addresses a number of issues. Among other things, the article contains the following passage, which I consider so important that I would like to read it to you. So, the article is by Dr. Heuser, a member of the KPD: “It is, however, a prerequisite for the existence of the socialist state that the intellectual element in the life of the people be given due consideration in accordance with its significance. There is a great danger that, through the one-sided consideration of the materially active segment of the population, the intellectual conditions of life in the socialist community will be stifled and the future state will be transformed into a material entity in which intellectual forces have no room to maneuver and thus no freedom. The purposeful working class rightly demands: All political power to the workers’ councils—all economic power to the works councils. We demand: All intellectual power to the councils of intellectual workers!”—Please, a member of the KPD! All intellectual power to the councils of intellectual workers! “We demand, alongside the body of workers’ councils (political body) and that of the works councils (economic body), a body of intellectual councils (intellectual body), in which the intellectual element of the people can make its voice heard at any time and which, to counterbalance the immense political and economic rights of the overwhelming majority of manual laborers, is granted sufficient influence over the appointment of the more important public positions to ensure that they are filled by intellectual, competent individuals in the more important positions of the public sphere; otherwise, there is no guarantee that these appointments will not continue to be made, as they have been, in a spiritless manner based on power politics or material-economic considerations. The militaristic Hohenzollern regime collapsed because it failed to understand the social demands of our time, just as capitalist sham democracy will collapse despite its “victories.” A socialist state that unilaterally favors the interests of manual laborers while neglecting the interests of the intellectual segment of the population is equally untenable: it will create a new class conflict, new oppression, and new struggles.”
[ 11 ] Nun frage ich Sie — hier ist nichts erwähnt von der Lektüre meines Buches -, aber ich frage Sie: Was ist das anderes als die Dreigliederung? Und jetzt ein besonders wichtiger Schluß:
[ 11 ] Now I ask you—there is no mention here of reading my book—but I ask you: What is this other than the threefold social order? And now a particularly important conclusion:
[ 12 ] «Das geistige Element der Völker ist jedoch auch allein imstande, die internationale Verständigung der Zukunft dauernd zu gestalten und einen ungeheuchelten Völkerbund zu stiften. Nehmen wir an, daß in dem neuen sozialistischen Staat die politischen Arbeiterräte oder die ökonomischen Betriebsräte das auschlaggebende Wort sprechen — wohin würde das hinauslaufen? Die äußere Politik würde dann entweder nach (politischen) Machtgesichtspunkten entschieden — die Kabinettskriege der früheren Jahrhunderte sind uns schon genügend ein warnendes Beispiel —, oder die Politik würde von wirtschaftlichen Interessen entschieden; da ist uns der eben erlebte Weltkrieg ein furchtbares Beispiel. Wird jedoch die Politik von Gesichtspunkten geistiger Menschlichkeit geleitet, so ist dadurch allein Gewähr gegeben, daß den Versuchungen der menschlichen Macht- und Besitzgelüste dauernd ein Damm vorgeschoben wird. Der kultivierte Mensch kehrt erst dann zur Gerechtigkeit gegen sich und andere zurück.»
[ 12 ] “The intellectual element of the peoples, however, is also capable on its own of permanently shaping the international understanding of the future and establishing a genuine League of Nations. Let us assume that in the new socialist state, the political workers’ councils or the economic works councils have the final say—where would that lead? Foreign policy would then either be determined by considerations of (political) power—the cabinet wars of earlier centuries are already a sufficient cautionary example for us—or policy would be determined by economic interests; the World War we have just experienced serves as a terrible example of this. If, however, policy is guided by considerations of spiritual humanity, this alone guarantees that a permanent barrier will be erected against the temptations of human lust for power and possessions. Only then will the cultured person return to justice toward oneself and others.”
[ 13 ] Das, sehen Sie, ist ein Artikel von einem Angehörigen der Kommunistischen Partei im «Arbeiterrat», der von Ernst Däumig herausgegeben wird. Also, diejenigen, die die Dinge nicht nur durch die Parteibrille sehen, sondern sie so sehen, wie sie sind, die bestätigen das, was hier oftmals gesagt wurde, nämlich daß die Dreigliederung des sozialen Organismus in der Luft liegt. Es ist schon seltsam, daß nicht mehr Leute darauf kommen. Hier aber haben Sie, ohne daß unsere Bewegung erwähnt wird, die ganze Geschichte von der Dreigliederung. In meinem Buch ist sie natürlich im einzelnen vollkommener fundiert und ausgebaut. Angedeutet finden Sie sie schon in dem Aufruf «An das deutsche Volk und an die Kulturwelt».
[ 13 ] This, you see, is an article by a member of the Communist Party in the Arbeiterrat, which is published by Ernst Däumig. So, those who do not view things solely through the lens of the party, but see them as they are, confirm what has often been said here—namely, that the threefold social order is in the air. It is strange, really, that more people do not come to this realization. Here, however, without any mention of our movement, you have the entire story of the threefold social order. In my book, of course, it is more thoroughly substantiated and elaborated in detail. You will find it hinted at in the appeal “To the German People and to the Cultural World.”
[ 14 ] Leider ist es aber noch immer so, daß sich die Leute heute noch nicht zu den großen Gesichtspunkten, die wirklich notwendig sind, erheben können. Deshalb werden sie auch nicht die kleinsten Institutionen in dem Sinne einrichten können, daß sie der großen Abrechnung, in der wir uns befinden, entsprechen. Daher ist es notwendig, daß wir heute wirklich wissen, daß für das Wirtschaftsleben nur dann ein Heil erwachsen kann, wenn wir zunächst einen eigenständigen Wirtschaftskörper — zumindest müssen wir damit anfangen - auf die Beine stellen. Das muß die Betriebsräteschaft sein. Es wird schon aus der Betriebsräteschaft auch das andere herauswachsen, was da kommen muß: Die Verkehrsräteschaft und die Wirtschaftsräteschaft. Aus diesen drei Räteschaften wird es sich ergeben, daß die Betriebsräte es mehr mit der Produktion, die Verkehrsräte es mit der Güterzirkulation und die Wirtschaftsräte es mit der Konsumgenossenschaft im weitesten Sinne zu tun haben. In dieses Rätesystem des Wirtschaftslebens kann dann auch alles weitere wie zum Beispiel die Forstkultur, Landwirtschaftskultur, Rohstoffgewinnung und vor allen Dingen das, was das internationale Wirtschaftsleben betrifft, eingegliedert werden. Man muß lediglich einsehen, daß dieses Wirtschaftsleben gar nicht die Schwierigkeiten bietet, von denen man immer redet, um einen Popanz hinzustellen, sondern daß es nur erforderlich ist, wenn man wirtschaftlich sozialisiert, die passive Handelsbilanz, das heißt den Überschuß der Einfuhr über die Ausfuhr, auf der Seite des Konsums zu buchen. Dann wird von selbst das Richtige herauskommen.
[ 14 ] Unfortunately, however, it is still the case that people today are unable to rise to the level of the broader perspectives that are truly necessary. That is why they will not be able to establish even the smallest institutions in a way that corresponds to the great reckoning we are currently facing. Therefore, it is essential that we truly understand today that salvation for economic life can only come about if we first establish an independent economic body—at the very least, we must begin with that. This must be the works council system. From the system of works councils, the other necessary elements will naturally emerge: the system of transportation councils and the system of economic councils. From these three systems of councils, it will follow that the works councils will deal primarily with production, the transportation councils with the circulation of goods, and the economic councils with consumer cooperatives in the broadest sense. Everything else—such as forestry, agriculture, raw material extraction, and, above all, matters pertaining to international economic life—can then also be integrated into this council system of economic life. One need only realize that this economic life does not present the difficulties that are always cited to create a bogeyman, but that it is merely necessary, when the economy is socialized, to record the trade deficit—that is, the excess of imports over exports—on the consumption side. Then the correct outcome will follow naturally.
[ 15 ] In dem System des dreigliedrigen sozialen Organismus steckt dies alles drinnen, und wenn die Leute sagen, sie verstehen das nicht, so rührt das bloß daher, daß sie sich nicht die Mühe machen wollen, wirklich auch die entsprechenden Konsequenzen zu ziehen, sondern glauben, man muß erst ein Programm aufstellen. Ja, die Wirklichkeit ist eben kein Programm, die Wirklichkeit braucht mehr, als was man in einem Programm sagen kann. Wer über die Wirklichkeit spricht, muß schon ein wenig voraussetzen, daß die Leute ein bißchen nachdenken, weil die Wirklichkeit doch sehr kompliziert ist. Und ich bitte Sie, wenn es sich um die wichtige Frage der Betriebsräte im praktischen Sinne handelt, wirklich sich die Sache nicht so einfach vorzustellen, wie das heute viele tun. Die künftige soziale Wirtschaftsordnung wird ausgehen müssen von dem Grundsatz, der ja seit Jahrzehnten vollständig richtig verkündet wird: Es muß produziert werden, nicht um zu profitieren, sondern um zu konsumieren. — Die Frage ist nur: Wie macht man das? Diese Frage läßt sich nicht theoretisch beantworten, sondern sie wird dadurch beantwortet, daß Sie Betriebsräte wählen und daß dann diese Betriebsräte in einer Betriebsräteschaft zusammenkommen. Geht man so vor, dann wird die Frage nach der Produktion für den Konsum aus den Menschen heraus beantwortet. Es gibt keine ’Theorie darüber, sondern das wird die Lösung sein, was die lebendigen Menschen, die aus dem Wirtschaftsleben kommen, jeder von seinen Bedürfnissen aus, zu sagen haben und was sie zur Lösung beitragen.
[ 15 ] All of this is contained within the system of the threefold social organism, and when people say they don’t understand it, it’s simply because they don’t want to make the effort to truly draw the appropriate conclusions, but instead believe that one must first draw up a program. Yes, reality is not a program; reality requires more than what can be expressed in a program. Anyone who speaks about reality must assume to some extent that people will think things through a bit, because reality is, after all, very complicated. And I ask you, when it comes to the important question of works councils in a practical sense, not to form a mental image of the matter as simply as many do today. The future social economic order will have to be based on the principle that has, after all, been correctly proclaimed for decades: Production must take place not for the sake of profit, but for the sake of consumption. — The only question is: How do we do that? This question cannot be answered theoretically; rather, it is answered by your electing works councils and by those works councils then coming together in a federation of works councils. If we proceed in this way, then the question of production for consumption will be answered by the people themselves. There is no “theory” about it; rather, the solution will lie in what real people—those who come from economic life—have to say, each based on their own needs, and what they contribute to the solution.
[ 16 ] Die Dinge müssen so in Angriff genommen werden, daß man nicht das praktisch nennt, wenn man sagt, daß dieses oder jenes geschehen soll, sondern wenn man die Menschen auf die Beine stellt, die nun durch ein lebendiges Zusammenwirken das Richtige erst herausbekommen sollen. Oberflächlich betrachtet kann man sagen, daß es leicht ist, sich darüber klar zu werden, was mit dem Konsum zusammenhängt, denn überall in den Statistiken steht, wieviel man an Pfeffer, an Kohle, wieviel Messer und Gabeln und dergleichen man braucht. Und wenn man die genauen Statistiken hat, wird man einfach so viel zu produzieren haben, wie diese Statistiken angeben. Jawohl, selbst wenn die Statistik nicht zu alt ist, würde sie dennoch überhaupt nichts taugen für den jetzigen Zeitpunkt. Und selbst, wenn sie neu ist, dann gilt sie nur für das eine Jahr, und im nächsten Jahr ist sie schon überholt. Dasjenige, was über den Konsum zu sagen ist, das muß fortwährend in lebendiger Weise neu erfaßt und angefaßt werden. Dazu braucht man dann die Wirtschaftsräte. Die müssen immerfort in Bewegung sein. Denn so einfach ist die Sache nicht. Wir können uns nicht auf die Literatur verlassen, sondern wir brauchen ein über das ganze Wirtschaftssystem ausgebreitetes lebendiges Rätesystem. Dazu muß man aber den Mut haben. Wir brauchen an Stelle dessen, was das Kapital in egoistischer Weise gemacht hat, die lebendigen Menschen, damit die Neugestaltung des Wirtschaftslebens in sozialer Weise gemacht wird. Sonst kommen wir nicht weiter. Das ist das, was heute gerade bei der Frage der Betriebsräteschaft ernsthaft bedacht werden muß. Praktisch bedeutet dies nichts anderes, als daß die Betriebsräte gewählt werden, die sich dann wiederum in einer Betriebsräte-Urversammlung zusammenfinden. Dann wird sich schon diese Betriebsräteschaft ergänzen müssen durch die Verkehrsräteschaft und durch die Wirtschaftsräteschaft. Auf diese Weise wird man vorwärtskommen.
[ 16 ] Things must be approached in such a way that we do not call it “practical” when we say that this or that should happen, but rather when we empower people who, through lively collaboration, are then to figure out what is right. At first glance, one might say that it is easy to figure out what is involved in consumption, because statistics everywhere show how much pepper, coal, knives, forks, and the like are needed. And if one has the exact statistics, one will simply have to produce as much as those statistics indicate. Yes, even if the statistics aren’t too old, they would still be completely useless for the present moment. And even if they are new, they apply only to that one year, and by the next year they’re already outdated. What needs to be said about consumption must be continually reassessed and addressed in a dynamic way. That is why we need the economic councils. They must be constantly on the move. For the matter is not that simple. We cannot rely on the literature; rather, we need a living system of councils spread throughout the entire economic system. But this requires courage. Instead of what capital has done in a selfish manner, we need living human beings so that the reorganization of economic life can be carried out in a social manner. Otherwise, we will not make any progress. This is precisely what must be seriously considered today, particularly with regard to the question of works councils. In practical terms, this means nothing other than that works council members are elected, who then in turn come together in a constituent assembly of works councils. This body of works councils will then have to be supplemented by the transportation councils and the economic councils. In this way, we will make progress.
[ 17 ] Wie das, daß man nun einen praktischen Weg angibt, zur Zersplitterung der Parteien, zu einer Verwirrung der Köpfe führen soll, das sehe ein anderer ein als ich. Ich kann es nicht einsehen. Den Parteien soll nicht ein Haar gekrümmt werden dadurch, wahrhaftig nicht, wenn sie eine geschlossene Phalanx bilden wollen. Sie mögen es tun. Das wird viel besser sein, als wenn die Leute auseinanderlaufen. Wir haben gewiß kein Interesse daran, daß die Leute auseinanderlaufen. Wohl aber haben wir ein Interesse daran - vor allem wenn man sieht, daß durch bloße Programme nichts Positives getan werden kann -, daß das Positive in die Arbeiterschaft hineingetragen wird. Es ging uns nie darum, eine neue Partei zu begründen, sondern die Intention, die der Gründung des «Bundes für Dreigliederung» zugrunde lag, war, dem Proletariat zu einer wirklich sozialen Stellung zu verhelfen. Und dies kann nur verwirklicht werden, wenn die Klassenherrschaft aufhört. Dann aber handelt es sich nicht darum, mit welchen kleinen oder großen Mitgliederzahlen man an einem Parteiprogramm hängt, sondern darum, sich zu fragen: Was hat zu geschehen? Und weil immer mehr eingesehen wird, daß das Proletariat sein Ziel niemals mit den alten Parteiprogrammen erreichen wird, deshalb ist der Impuls für die Dreigliederung da.
[ 17 ] How suggesting a practical course of action is supposed to lead to the fragmentation of the parties and confusion in people’s minds—that’s something someone else would have to explain to me. I cannot see it that way. Not a hair on the parties’ heads will be harmed by this—truly not—if they wish to form a united front. Let them do so. That will be much better than if people go their separate ways. We certainly have no interest in people going their separate ways. We do, however, have an interest—especially when one sees that nothing positive can be achieved through mere programs alone—in ensuring that positive ideas are carried into the working class. Our aim was never to found a new party; rather, the intention underlying the founding of the “League for Threefold Social Order” was to help the proletariat attain a truly social standing. And this can only be realized if class rule comes to an end. Then, however, the issue is not one of clinging to a party program with a small or large membership, but rather of asking: What must happen? And because it is increasingly recognized that the proletariat will never achieve its goal with the old party programs, that is why the impulse for the Threefold Social Order exists.
[ 18 ] Das wollte ich als Einleitung vorausschicken. Jetzt hoffe ich, daß wir uns lebhaft über die Betriebsratsfrage und andere damit zusammenhängende Fragen unterhalten werden. Wenn ja die Betriebsratswahl die erste Tat zur wirklichen Sozialisierung sein soll, so kann es nur gut sein, wenn man die Sozialisierung immer wieder von einem anderen, höheren Gesichtspunkt aus betrachtet.
[ 18 ] I wanted to start with that as an introduction. Now I hope that we will have a lively discussion about the works council issue and other related questions. If the works council election is to be the first step toward true socialization, then it can only be beneficial to repeatedly examine socialization from a different, higher perspective.
Diskussion
Discussion
Vorsitzender Herr Lohrmann: Es ist für uns sehr wichtig in der gegenwärtigen Zeit und bei den jetzigen Verhältnissen, daß, wie Herr Dr. Steiner vorgelesen hat, ein Kommunistenführer so schreibt, daß die Dreigliederung vorgenommen werden muß. Wenn wir uns mit unseren Genossen unterhalten, werden wir mit kurzen Schlagworten abgetan. Das ist doch der Hemmschuh in unserer Arbeit für die Wahl der Betriebsräte! Wir haben in den Betrieben lauter überzeugte Genossen als Führer, sie werden aber gegen unsere Sache von der Partei beeinflußt, so daß die nicht einmal sich interessieren. Sie verwerfen die Sache, ohne ihr auf den Grund zu gehen. Unsere Hauptarbeit wird sein, diesen Widerstand zu beseitigen. Die Parteien fürchten, daß durch die Dreigliederung ein Spalt in der Arbeiterschaft entstehen wird, der das Proletariat schwächen wird in dem Kampf gegen den Kapitalismus.
Chairman Mr. Lohrmann: It is very important for us at this time and under the current circumstances that, as Dr. Steiner read aloud, a Communist leader writes that the threefold social order must be established. When we talk to our comrades, we’re brushed off with brief sound bites. That’s the stumbling block in our work for the works council elections! We have nothing but committed comrades as leaders in the workplaces, but they’re being influenced by the party against our cause, so they aren’t even interested. They reject the cause without getting to the bottom of it. Our main task will be to overcome this resistance. The parties fear that the threefold social order will create a rift among the working class that will weaken the proletariat in the struggle against capitalism.
Ich habe aber auch viele Genossen gesprochen, die unsere Sache für gut halten. Die Leute wollen aber nicht auftreten in der Öffentlichkeit, damit sie sich nicht kompromittieren den Parteiführern und Genossen gegenüber. Das ist der große Krebsschaden in unserer Bewegung. Jeder, der die Sache erfaßt hat, sollte sich frei und offen dazu bekennen.
But I have also spoken with many comrades who believe in our cause. However, these people do not want to speak out in public so as not to compromise themselves in the eyes of the party leaders and comrades. That is the great cancer plaguing our movement. Everyone who understands the cause should freely and openly stand up for it.
Im Betriebe Bosch haben wir die Betriebswahl vorgenommen, aber nur als Provisorium. Das ist wiederum ein Schaden, denn wenn wir jetzt einen provisorischen Betriebsrat haben, so sind die Leute doch nicht von der Arbeiterschaft eingesetzt, und so ist auch nicht die ganze Arbeiterschaft interessiert an der Sache. Unsere Hauptaufgabe ist ja, das ganze Proletariat an der Sache zu interessieren, um der jetzigen Regierung, die den Kapitalismus unterstützt, im Ernste zu zeigen, was wir wollen.
At the Bosch plant, we held workplace elections, but only as a temporary measure. This is a problem, because even though we now have a provisional works council, its members were not elected by the workers, and so not all of the workers are interested in the cause. After all, our main task is to get the entire working class interested in the cause, in order to seriously show the current government—which supports capitalism—what we want.
Herr Huth: Wenn ich den leeren Saal ansehe, muß ich mir doch sagen, daß die, die als Arbeitsausschuß-Mitglieder Verantwortung zu tragen haben, auch den Mut aufbringen müßten, das zu vertreten, was sie als richtig erkannt haben. Und die, die die Dreigliederung als richtig erkennen, wie ihr starker Beifall immer bewies ie auch vertreten. Es wird gesagt, die Dreigliederung bedeutet Zersplitterung der Arbeiterschaft. Sehen wir uns einmal die Arbeiterschaft an. Sie ist doch so zerrissen in verschiedene Parteien, die sich auf das heftigste gegenseitig bekämpfen, daß es fast nicht möglich ist, ste überhaupt noch weiter zu zersplittern.
Mr. Huth: When I look at this empty hall, I can’t help but think that those who bear responsibility as members of the Labor Committee should also have the courage to stand up for what they have recognized as right. And those who recognize the threefold social order as correct—as their strong applause has always shown—do indeed advocate for it. It is said that the threefold social order leads to the fragmentation of the working class. Let’s take a look at the working class. It is already so torn apart into various parties that fight each other with such ferocity that it is almost impossible to fragment it any further.
Wir brauchen Einigung des Proletariats, aber nicht nur unter irgendeiner Parole, wie zum Beispiel «Alle Macht den Räten», wie sie von den Kommunisten ausgegeben wird, von der aber niemand weiß, was sie eigentlich sagen will. Es ist nur ein Schlagwort, und wir brauchen eine Tat. Wenn wir solche Schlagworte aussprechen wie auch «Die Diktatur des Proletariats», so ist es doch notwendig, daß wir uns unter diesem Schlagwort etwas vorstellen können.
We need unity among the proletariat, but not merely under just any slogan, such as “All Power to the Soviets,” as put forward by the Communists—a slogan whose actual meaning no one really understands. It is merely a slogan, and we need action. When we use slogans such as “The Dictatorship of the Proletariat,” it is essential that we be able to create a mental image of what this slogan actually means.
Was ist denn eigentlich die «Diktatur des Proletariats»? Soll sie von oben herunter oder von unten herauf kommen? Wenn wir warten, bis die Regierung ein Betriebsrätegesetz schafft, das dem entspricht, was wir brauchen, dann erleben wir es wahrscheinlich nicht, und wenn wir warten wollen, bis uns irgendeine proletarische Partei die Richtlinien so gibt, wie wir sie notwendig brauchen, um zur Einigung des Proletariats zu kommen, dann kommen wir meiner Überzeugung nach niemals zur Einigung, so wie wir niemals zu dem kommen werden, was wahre Sozialisierung ist. Alles klammert sich heute an die Worte von Karl Marx: «Die Befreiung der Arbeiterklasse kann nur das Werk der Arbeiterklasse selbst sein», und wenn sie nun einmal daran geht, dann sagt man: Laßt die Finger davon, das versteht ihr nicht, bis wir euch sagen, was ihr zu tun habt. Dadurch kommt ja die Zersplitterung zustande, daß jede Partei etwas anderes will. Wir brauchen eine revolutionäre Tat, bei der jeder Arbeiter, einerlei, welcher proletarischen Partei er angehört, mitarbeiten kann, Und eine solche Tat ist die Schaffung der Betriebsräte auf wirklich revolutionärer Grundlage, wie sie uns Dr. Steiner gezeigt hat. Das, was Dr. Steiner verlesen hat als die Worte eines Kommunisten, sie sind doch ganz genau dasselbe, was Herr Dr. Steiner uns sagt, nämlich die Dreigliederung.
What exactly is the “dictatorship of the proletariat”? Is it supposed to come from the top down or from the bottom up? If we wait until the government enacts a works council law that meets our needs, we’ll probably never see it happen; and if we wait for some proletarian party to give us the guidelines we need to achieve unity among the proletariat, then I am convinced we’ll never achieve that unity—just as we’ll never achieve true socialization. Everyone today clings to the words of Karl Marx: “The emancipation of the working class can only be the work of the working class itself,” and yet when it actually sets out to do so, people say: “Stay out of it; you don’t understand this until we tell you what to do.” This is precisely what causes fragmentation—that every party wants something different. We need a revolutionary act in which every worker, no matter which proletarian party he belongs to, can participate. And such an act is the creation of works councils on a truly revolutionary basis, as Dr. Steiner has shown us. What Dr. Steiner read aloud as the words of a communist is, after all, exactly the same thing that Dr. Steiner is telling us—namely, the threefold social order.
Lesen wir doch einmal die Broschüre, in der die Rede des Genossen Däumig steht, die er auf dem Parteitag der USP gehalten hat, und wenden wir das einmal auf die Praxis an. Er sagt ja nicht «Dreigliederung», aber das, was er sagt, bedeutet doch die Dreigliederung. Wenn er zum Beispiel ausführt, daß streng unterschieden werden muß zwischen der politischen und der wirtschaftlichen Aufgabe, die zu lösen ist, und daß ein besonderes Rätesystem für die beiden Zweige bestehen muß. Er hat das ja allerdings nur flüchtig angegeben, weil es ihm nicht ganz klar bewußt war. Es wird notwendig sein, daß die Arbeiterausschußmitglieder, die mit dem einverstanden waren, was Herr Dr. Steiner gesagt hat, sich nicht abschrecken lassen durch das Auftreten der Parteien, die sich nun ausgeschaltet sehen von der wirklich revolutionären Arbeit, und daß sie sich nicht abschrecken lassen durch das Geschrei, das in die Welt gesetzt wird, sondern konsequent fortfahren, das in die Tat umzusetzen, was sie für richtig befunden haben, nämlich die Wahl der Betriebsräte vorzunehmen in allen Betrieben und diese Betriebsräte zusammentreten zu lassen zu einer Betriebsräteschaft, die sich die Gesetze selbst schaffen wird, die wir brauchen.
Let’s take a look at the brochure containing Comrade Däumig’s speech, which he delivered at the USP party convention, and apply it to practical situations. He doesn’t actually say “threefold social order,” but what he says does indeed imply the threefold social order. For example, when he explains that a strict distinction must be made between the political and economic tasks to be solved, and that a separate council system must exist for each of these two branches. He did, however, only mention this in passing, because he wasn’t entirely clear on it himself. It will be necessary for the members of the workers’ committees who agreed with what Dr. Steiner said not to be deterred by the behavior of the parties, which now find themselves excluded from the truly revolutionary work, and that they not be deterred by the clamor being spread, but rather consistently continue to put into practice what they have deemed correct—namely, to hold elections for works councils in all enterprises and to have these works councils come together to form a federation of works councils that will create for itself the laws we need.
Wir in unserem Betrieb haben den Betriebsrat gewählt, und ich möchte nun bitten, daß all die Betriebsräte, die schon gewählt sind, sich anmelden möchten sowohl bei dem «Bund für Dreigliederung» als auch bei dem Aktionsausschuß des geeinigten Proletariats. Dieser Aktionsausschuß hat ein Flugblatt ausgegeben zur Wahl der Betriebsräte, weil dieser Aktionsausschuß die Wahl der Betriebsräte auch auf dem Boden vorgenommen wissen will, wie er gekennzeichnet worden ist. Es ist also notwendig, daß sich die Betriebsräte melden, so daß wir zur praktischen wirklichen Arbeit kommen können. Es ist vorhin gefragt worden, ob der Aktionsausschuß noch besteht. Ja, er besteht noch, obwohl die Partei ihre Mitglieder aufgefordert hat, aus dem Aktionsausschuß auszutreten. Das ist eine Anmaßung der Partei. Die Mitglieder des Aktionsausschusses sind gewählt gegen die Parteien und gegen die Führer der Parteien aus den Betrieben heraus. Nur wenn wir über die Parteien hinausgehen können, kommen wir zur Gesundung des Parteilebens. Die Parteien haben uns auseinandergeführt, sie können uns nicht wieder zusammenführen. Sie haben sich gegenseitig so bekämpft, daß sie, wie sie selbst sagen, es ablehnen, sich an einen Tisch zu setzen. Wenn ich aber heute als USP-Mitglied mit einem Mitglied der KPD rede, sind wir ganz einig. Diese Einigkeit kann sich nur verkörpern in einer Organisation, die vom Vertrauen aller Arbeiter getragen ist. Wir müssen den Mut haben, auch den Führern zu sagen, was notwendig und recht ist. Wenn sie die Dreigliederung ablehnen, ohne sich überhaupt mit dem Gedanken befaßt zu haben, so ist das, ja, ich finde keinen passenden Ausdruck, beinahe eine Gemeinheit, dem Arbeiter, der sich in den Gedankengang der Dreigliederung eingearbeitet hat, einfach zuzumuten, er müsse hinweg, und ihn vor ein Inquisitionsgericht stellt, weil er etwas für gut und wahr hält aufgrund seiner Überzeugung. Wenn die Arbeiterführer mit Mut auftreten, werden wir auch die Arbeiter, die in den Parteien organisiert sind, zu überzeugen vermögen, daß die Dreigliederung kommen muß. Sie selbst, die Mitglieder und Führer dieser Parteien, hefern uns ja unbewußt die Waffen, um sie selbst zu schlagen. Lesen Sie den Artikel im «Spartakist» über die Dreigliederung. Man sieht, daß man mit der Dreigliederung vollständig einverstanden ist, sie aber dennoch bekämpft. Warum? Wenn wir den Artikel aus der «Süddeutschen Zeitung» unseren Führern vorhalten, bin ich der Überzeugung, daß auch die Arbeiter, die in diesen Parteien organisiert sind, davon überzeugt werden, daß die Dreigliederung des sozialen Organismus kommen muß und daß es eine revolutionäre Tat ist, wenn wir für sie arbeiten und für sie eintreten. Nur das konservative Denken all dieser revolutionär sein wollenden Führer ist es, was sie hindert, die Dreigliederung wirklich zu begreifen.
We at our company have elected the works council, and I would now like to ask that all works council members who have already been elected register with both the “Federation for Threefold Social Order” and the Action Committee of the United Proletariat. This Action Committee has distributed a leaflet regarding the election of works council members because it wants the election to be conducted on the basis that has been outlined. It is therefore necessary for the works council members to register so that we can get down to practical, real work. A question was asked earlier about whether the Action Committee still exists. Yes, it still exists, even though the party has called on its members to withdraw from the Action Committee. That is an act of arrogance on the part of the party. The members of the Action Committee were elected from within the workplaces, in opposition to the parties and the party leaders. Only if we can move beyond the parties can we restore health to party life. The parties have driven us apart; they cannot bring us back together. They have fought each other so fiercely that, as they themselves say, they refuse to sit down at the same table. But when I, as a member of the USP, speak today with a member of the KPD, we are in complete agreement. This unity can only be embodied in an organization that is supported by the trust of all workers. We must have the courage to tell even the leaders what is necessary and right. If they reject the threefold social order without even having considered the idea, then that is—yes, I can’t find a fitting expression—almost a meanness: simply expecting the worker who has familiarized himself with the concept of the threefold social order to step aside, and putting him on trial before an inquisitorial court because he holds something to be good and true based on his convictions. If the labor leaders act with courage, we will also be able to convince the workers organized in the parties that the threefold social order must come about. They themselves—the members and leaders of these parties—are, after all, unconsciously handing us the weapons with which to defeat them. Read the article in the Spartakist about the threefold social order. It is clear that they are in complete agreement with the threefold social order, yet they still oppose it. Why? If we present the article from the Süddeutsche Zeitung to our leaders, I am convinced that even the workers organized in these parties will be persuaded that the threefold social order must come about and that it is a revolutionary act when we work for it and advocate for it. It is solely the conservative mindset of all these leaders—who wish to be revolutionary—that prevents them from truly understanding the threefold social order.
So möchte ich bitten, daß in den Betrieben, in denen ein Ansatz vorhanden ist, in denen ein kleiner Anlauf genommen wurde zur Betriebsrätewahl, sich die Ausschußmitglieder nicht irremachen lassen, sondern konsequent weiter fortfahren und immer erneut in jeder Betriebsversammlung Stellung nehmen zur Betriebsräte-Wahl. Wir müssen die Einigung des Proletariats unbedingt durchführen, und nichts ist wichtiger. Auf dem Wege der Parteien werden wir niemals zur Einigkeit kommen. Die Arbeiterschaft wird immer mehr zersplittert, und die Sozialisierung des gesamten Wirtschaftslebens, auch des Geisteslebens, auch des politischen Lebens würde niemals verwirklicht werden können. In dem Sinne möchte ich die Anwesenden auffordern, nicht mehr die Frage aufzuwerfen: Welche Macht haben wir denn? - Es ist dies eine ganz nebensächliche Frage. Wir sollen nur heraustreten und auf den Kern der Sache eingehen, und wir sollen den Mut aufbringen, gegenüber den Parteien den dreigliedrigen sozialen Organismus zu verteidigen. Nur wenn mit Mut und Selbstachtung wir jenen die Meinung sagen, die zu bequem sind, sich einer neuen Meinung anzuschließen, werden wir weiterkommen.
I would therefore ask that in those workplaces where there is already a movement underway—where a small step has been taken toward works council elections—the committee members not allow themselves to be misled, but instead continue consistently and repeatedly take a stand on the works council election at every works meeting. We must absolutely achieve the unity of the proletariat, and nothing is more important. We will never achieve unity through the political parties. The working class is becoming increasingly fragmented, and the socialization of the entire economic life—as well as intellectual life and political life—could never be realized. In this spirit, I would like to urge those present to stop raising the question: “What power do we actually have?”—This is a completely secondary question. We must simply step forward and address the heart of the matter, and we must summon the courage to defend the threefold social organism against the political parties. Only if, with courage and self-respect, we speak our minds to those who are too complacent to embrace a new perspective will we make progress.
Herr Sander: Ich habe sämtliche Vorträge von Dr. Steiner gehört und habe die Sache nie durch die Parteibrille gesehen, sondern sie für eine ideale Sache gehalten. Jetzt kommen die Parteien und sagen, der Weg der Dreigliederung sei eine neue Partei. Ich halte aber die Sache noch nicht für durchführbar, weil wir die Menschheit dazu noch gar nicht haben. Wir haben nur Parteimenschen, die sich herumstreiten und die überhaupt noch nicht in ein geistiges Leben hineingekommen sind. Da der Arbeiter überhaupt noch kein Geistesleben besitzt, kann er mit der Sache nicht leben. Nur das materielle Interesse spielt beim Proletariat eine Rolle. Der Proletarier unterscheidet sich da nicht vom Kapitalisten. Er kriegt auch nie genug. Nur durch die Dreigliederung kann es besser werden, nur durch sie kann eine Gesundung des ganzen Lebens kommen, denn das ganze soziale Leben krankt an der Verquickung der drei Gebiete. Aber die Proletarier sind oft enttäuscht worden und sind deshalb mißtrauisch. Sie haben immer Angst: Halt, der Mann und jener Mann -— da steckt was anderes dahinter. Sie meinen, auch Herr Dr. Steiner könnte im Schlepptau des Kapitalismus gehen. Sie können sich die Sache nicht anders erklären, sie denken sich nur: Der Mann ist bezahlt! - Das ist ja selbstverständlich ganz ausgeschlossen. Ich habe auch die Beobachtung gemacht in Versammlungen und Vorträgen, in denen viele so begeistert klatschten, daß andere sagten: Warum klatschen die so? - Aus der großen Enttäuschung heraus kommen die Leute zu solchem Mißtrauen.
Mr. Sander: I have listened to all of Dr. Steiner’s lectures and have never viewed the matter through a partisan lens, but rather have regarded it as an ideal cause. Now the political parties are coming forward and saying that the path of threefolding is a new party. However, I do not yet consider the matter feasible, because humanity is not yet ready for it. We have only party people who argue among themselves and who have not yet entered into a spiritual life at all. Since the worker has no spiritual life whatsoever, he cannot live with this cause. Only material interests play a role among the proletariat. In this respect, the proletarian is no different from the capitalist. He, too, can never get enough. Only through the threefold social order can things improve; only through it can a healing of life as a whole take place, for the entire social life is ailing due to the entanglement of the three spheres. But the proletarians have often been disappointed and are therefore suspicious. They are always afraid: Wait, this man and that man—there’s something else behind it. They think that even Dr. Steiner might be in the pay of capitalism. They cannot explain it any other way; they simply think: The man is being paid!—That is, of course, completely out of the question. I have also observed this in meetings and lectures where many clapped so enthusiastically that others asked, “Why are they clapping like that?” It is out of this great disappointment that people develop such mistrust.
Im letzten Sieglehaus-Vortrag hat ein Agitator der USP gesagt, die Leute, die sich hinter die Dreigliederung stellen, die müßten einfach heraus aus der Partei. -— Das ist eine Anmaßung der Partei, die man an den Pranger stellen muß. Die Sache der Dreigliederung hat doch mit der Partei nichts zu tun. Die Parteien selber zersplittern die Massen. Auch das Aktionskomitee der geeinigten Proletarier war wieder eine Partei, und das war ein großer Fehler. Wäre es keine Partei gewesen, dann wäre eine Einigung viel besser zustande gekommen.
At the most recent Sieglehaus lecture, a USP agitator said that people who support the threefold social order simply have to leave the party. — That is an act of arrogance on the part of the party that must be denounced. The issue of the threefold social order has nothing to do with the party. The parties themselves fragment the masses. Even the Action Committee of United Proletarians was, once again, a party, and that was a major mistake. If it had not been a party, unity would have been achieved much more successfully.
Die Frage der Betriebsräte ist eine sehr ernste. Ob das Rätesystem, das von der Nationalversammlung angenommen ist, ausgebaut wird, ist noch eine Frage. Wenn wir aber die Betriebsräte jetzt einstellen, stoßen wir auf Schwierigkeiten bei der Regierung, die wir jetzt haben und die auf dem Standpunkt steht: Ihr habt gewählt und müßt die Gesetze annehmen, die wir euch vorlegen. - Und wir müssen uns vorläufig daran halten. Die Betriebsräte können erst dann eingesetzt werden, wenn die Sache von den Parteien oder Gewerkschaften befohlen wird. Ich sage auch: Die Betriebsräte hätten längst hergehört, und wir müssen Dr. Steiner einmal Dank sagen, daß er uns einmal gesagt hat, wie ein Betriebsrat aussieht. Keiner ist noch aufgestanden und hat gesagt, was man unter einem Betriebsrat versteht und welche Pflichten und Aufgaben derselbe hat. Nur von Herrn Dr. Steiner konnte man das lernen. Ich glaube, die anderen verheimlichen es, oder sie wissen es nicht. Wenn die Sache auch noch nicht praktisch durchzuführen ist, so ist es doch schon ein kolossaler Fortschritt der heutigen Zeit, daß wir endlich einmal Richtlinien bekommen haben, daß endlich einmal im innersten Herzen eine Bewegung vorgeht durch Herrn Dr. Steiner. Er hat nämlich einen tiefen Einfluß gewonnen in das innere menschliche Fühlen und Denken. Das wird jeder, der bei den Vorträgen war, wenn er es auch öffentlich nicht bekennt, im stillen sich sagen müssen: Der Mann hat schließlich doch recht. — Man sagt es nur nicht aus Angst oder aus parteipolitischen Gründen. Herr Sommer aus München-Pasing: Ich bin hierhergekommen, um mich zu informieren, wie in Zukunft die Verhältnisse in Bayern gestaltet werden könnten. Bayern hat ja ein ganz besonderes Interesse, daß es aus der Revolution auch mit einem Gewinn hervorgeht. Die Regierung, die jetzt in Bayern besteht, hat noch keine Lösung gebracht, die das bayrische Volk und auch die anderen deutschen Staaten brauchen. Zum Verständnis dessen, was ich sagen will, mache ich die Bemerkung, daß ich höherer Beamter bin. Ich habe es in meinem Beruf unter anderem auch damit zu tun, Unterlagen zu beschaffen für die sehr großen Projekte, die jetzt überall, auch außerhalb Bayerns, besprochen werden und die in Bayern zur Ausführung kommen sollen und die sich befassen mit großen Wasserverbindungen zwischen Rhein und Donau. Bayern ist, verhältnismäßig, in Deutschland außerordentlich begünstigt. Man könnte nach neueren Untersuchungen, wenn man alles in der technisch bestmöglichen Weise ausführen würde — was ja natürlich nie geschehen wird, es ist das nur die höchste Grenze, die theoretische, die jedoch mit technischen Mitteln erreichbar wäre -, gegen sechs Millionen Pferdekräfte aus der Wasserkraft gewinnen. Walchensee-Projekt, Mittlere-Isar-Projekt und so weiter. [Zuruf: Zur Sache!] Ich habe Interesse daran, eben zu hören und mich hier belehren zu lassen in Vorträgen bei Herrn Dr. Steiner, wenn derartige große Dinge vorbereitet werden, wie man das zukünftig machen soll. Ist es zweckmäßiger, die Wege beizubehalten, die die maßgebende Regierung in Bayern bisher eingeschlagen hat, oder ist es richtiger und für das Volkswohl besser, die Wege einzuschlagen, die Dr. Steiner vorgeschlagen hat. Ich bin aufgrund dessen, was ich hier erfahren habe, zu der Überzeugung gekommen, daß es im Interesse des Volkswohles nur gelegen sein kann, wenn auf der Grundlage der Vorschläge des Herrn Dr. Steiner gearbeitet wird. Die Ideen Dr. Steiners müssen in allen Kreisen verbreitet werden. Ich glaube, daß leider verhältnismäßig sehr wenige von den mittleren und höheren Beamten, die nun einmal in das Schlepptau der bestehenden Regierung geraten sind und die in sehr vielen Fällen, jedenfalls als Berater, bei der Aufstellung von Gesetzesentwürfen beigezogen werden, über die Sache unterrichter sind. Ein Grund, warum die Sache langsamer vorwärtsgeht als man wünschen möchte, wenn man den Ernst der Sache kennt, liegt darin, daß die Menschen mit Furcht behaftet sind. Ich spreche heute hier in Stuttgart. Es ist fraglich, ob ich in meinem Heimatland das, was ich hier sage, ohne weiteres sagen dürfte, ohne dieses oder jenes zu riskieren. Aber man muß sich in der Jetztzeit über Menschenfurcht hinwegsetzen und nur nach dem sehen, was das Beste ist für die Allgemeinheit.
The issue of works councils is a very serious one. Whether the council system adopted by the National Assembly will be expanded remains to be seen. But if we establish works councils now, we will run into difficulties with the current government, which takes the position: “You have voted, and you must accept the laws we present to you.”—And for the time being, we must abide by that. Works councils can only be established once the matter is mandated by the political parties or labor unions. I would also say: Works councils should have been established long ago, and we must thank Dr. Steiner for finally explaining to us what a works council looks like. No one else has stood up and explained what a works council is and what duties and responsibilities it has. We could only learn that from Dr. Steiner. I believe the others are either hiding it or simply do not know. Even if the matter cannot yet be put into practice, it is nonetheless a colossal step forward in our time that we have finally received guidelines, that a movement is finally taking place in the innermost heart thanks to Dr. Steiner. For he has gained a profound influence over people’s inner feelings and thoughts. Anyone who attended the lectures, even if they do not admit it publicly, must quietly say to themselves: After all, the man is right. — People simply do not say it out of fear or for partisan political reasons. Mr. Sommer from Munich-Pasing: I have come here to find out how conditions in Bavaria might be shaped in the future. Bavaria, after all, has a very special interest in emerging from the revolution with something to gain. The government currently in power in Bavaria has not yet provided a solution that the Bavarian people—and the other German states as well—need. To help you understand what I mean, I’ll note that I am a high-ranking civil servant. Among other things, my job involves obtaining documentation for the very large projects that are currently being discussed everywhere—including outside Bavaria—and that are to be carried out in Bavaria; these projects concern major waterway connections between the Rhine and the Danube. Bavaria is, relatively speaking, exceptionally well-positioned within Germany. According to recent studies, if everything were carried out in the best possible technical manner—which, of course, will never happen; this is merely the upper limit, the theoretical one, which could nevertheless be achieved with technical means—one could generate approximately six million horsepower from hydropower. The Walchensee Project, the Middle Isar Project, and so on. [Interjection: Get to the point!] I am interested in hearing and being instructed here in lectures by Dr. Steiner when such major projects are being prepared, regarding how this should be done in the future. Is it more expedient to continue along the paths that the governing authorities in Bavaria have taken so far, or is it more correct and better for the public good to follow the paths proposed by Dr. Steiner? Based on what I have learned here, I have come to the conviction that it can only be in the interest of the public good to work on the basis of Dr. Steiner’s proposals. Dr. Steiner’s ideas must be disseminated in all circles. I believe that, unfortunately, relatively very few of the mid-level and senior officials—who have, as it happens, fallen in the wake of the current government and who, in many cases, are consulted—at least as advisors—in the drafting of legislation—are informed about the matter. One reason why progress on this matter is slower than one might wish—given the gravity of the situation—is that people are gripped by fear. I am speaking here today in Stuttgart. It is doubtful whether I would be allowed to say what I am saying here in my home country without risking one thing or another. But in this day and age, one must set aside fear of others and look only to what is best for the general public.
Herr Pfetzer: Wir dürfen nicht glauben, daß wir den Kapitalismus durch den Willen dazu bewegen können, der Arbeiterschaft beizustehen. Das kann nur mit Gewalt, mit Kampf geschehen. Die Betriebsräte können wir wählen, aber was für eine Funktion und Aufgabe haben die Betriebsräte gegenüber der jetzigen Regierung, die doch vollständig das Heft in der Hand hat? Die Regierung schafft doch mit der kapitalistischen Gesellschaft eng zusammen! Die Zersplitterung der Parteien besteht tatsächlich, aber ich bin mir klar, daß die Arbeiterschaft sich in ihrer Not einig ist. Aber wir haben alle den Egoismus im Kopf, und der ist auch bei den Parteiführern vorhanden. Ich bin überzeugt, daß man in den Parteien an nichts anderes denkt als: Wie kann ich auf einen Ministersessel oder an einen Parlamentssitz kommen? - Wir sollten Vertrauensleute wählen, die dann wieder zu entfernen sind, wenn wir die Gewißheit haben, daß sie der Allgemeinheit Schaden zufügen. Dann bin ich überzeugt, daß wir keine Parteien zu Herren machen.
Mr. Pfetzer: We must not believe that we can persuade capitalism, through sheer will, to stand by the working class. That can only happen through force, through struggle. We can elect works councils, but what role and function do they have vis-à-vis the current government, which is, after all, completely in control? The government works closely with capitalist society, doesn’t it? The fragmentation of the parties is indeed a reality, but I am well aware that the working class is united in its distress. Yet we all have selfishness in our minds, and it is present among party leaders as well. I am convinced that the only thing on the minds of party members is: How can I secure a ministerial post or a seat in parliament?—We should elect representatives who can then be removed if we have reason to believe they are harming the common good. Then I am convinced that we will not allow political parties to become our masters.
Herr Lange: Man geheimnißt viel zuviel in die Dreigliederung, in die Sache von Dr. Steiner hinein, und man tut dieses und jenes hinzu, was er gar nicht gesagt hat. Wir sollten doch einfach einmal das Neue zu erfassen suchen! Einer der Redner hat gesagt, daß, wenn man einen Platz kaufen will, man Geld haben muß. Aber Dr. Steiner sagt, das Geld muß in den Wirtschaftskreislauf hinein, und der Boden ist Produktionsmittel; darauf kommt es an. In der neuen Ordnung muß jeder, der Lust und Liebe dazu hat, zu seiner Sache kommen. Der Herr aus Bayern hat mit Recht gesagt, wir können wirtschaftlich und technisch die Sache nicht so weit ausnützen, wie es möglich wäre. Warum denn nicht? Nur wegen dem leidigen Geld und weil das Geld heute eine solche Stellung hat, wie es hat? Seinen Leib zur Verfügung zu stellen, wie der Herr Vorredner sagte, das ist gar nicht so wichtig. Das Praktische besteht nicht darin, daß man sich erst totschlagen läßt. Dann ist man ja nicht mehr da und kann nicht mehr arbeiten. Man muß einsehen: Ich muß dasein, ich muß der Träger sein der richtigen Ideen, ich muß wirklich arbeiten und nicht denken, daß ich mich totschießen lassen muß. Daß die Parteien sich, wie die liebe Kirche, darüber zerwerfen: Wie ist die Sache wohl auf ein hundertstel Millimeter genau? - und zu dem Richtigen nicht kommen, das sieht man doch. Schiller hat gesagt: Ich gehöre keiner Kirche an — aus Religiosität. - So kann man heute sagen: Ich gehöre keiner Partei an. Aber viele pendeln dann zwischen den Parteien hin und her.
Mr. Lange: People make far too much of a mystery out of the threefold social order and Dr. Steiner’s ideas, and they add this and that—things he never actually said. We should simply try to grasp what is new! One of the speakers said that if you want to buy a seat, you have to have money. But Dr. Steiner says that money must enter the economic cycle, and that the soil is a means of production; that is what matters. In the new order, everyone who has the desire and love for it must be able to pursue their calling. The gentleman from Bavaria rightly said that, economically and technically, we cannot exploit this potential to the full extent that would be possible. Why not, then? Just because of that pesky money—and because money holds such a position today? Putting one’s life on the line, as the previous speaker said, isn’t really that important. The practical approach isn’t to let yourself be beaten to death first. Then you’re no longer here and can no longer work. One must realize: I must be present; I must be the bearer of the right ideas; I must truly work—and not think that I have to let myself be shot dead. That the parties, like the dear Church, quarrel over this—how precise is the matter down to a hundredth of a millimeter?—and fail to arrive at the truth—that is plain to see. Schiller said: “I belong to no church”—out of religiosity. - So today one can say: I do not belong to any political party. But many then swing back and forth between the parties.
Es handelt sich heute darum, daß man Betriebsräte schafft, und da fragt man nun: Was wird die Regierung sagen? — Das schert uns nicht, was die Regierung sagt, das ist ganz einerlei. Die Hauptsache ist, daß wir Betriebsräte aufstellen. Die Leute werden dann schon die Gesetze machen. Wir müssen erst einmal die Menschen haben, die die Wirtschaft vertreten können. Jetzt haben sie sich ja noch verkrümelt. Es ist keiner da, der wirklich Träger wäre der praktischen Erfüllung. Da sagt man immer: Das ist theoretisch, das kann man nicht verstehen. — Ich habe kürzlich vor Handlungsgehilfen geredet. Ich habe gesagt: Jetzt wollen wir durchgedrückt haben unsere Gehalts- und Lohnforderungen [...] Gestern haben die Leute darüber geredet, ich war nicht da, sie haben aber ohne weiteres begriffen: Wir müssen Betriebsräte haben, wir müssen Menschen haben, die wirklich bestimmen können, was mit dem Wirtschaftsleben werden soll. Darauf kommt es an, daß diese Leute, die in der Wirtschaft stecken, das Notwendige tun. Dann werden auch die Leute nicht mehr fragen: Was wird die Regierung sagen? Was wird uns passieren? — Es wird uns nichts passieren, sondern wir müssen bloß einsehen, wie einfach die Sache ist und nichts hineinlegen, was nicht vorliegt.
The issue today is setting up works councils, and people are asking: What will the government say? — We don’t care what the government says; it doesn’t matter at all. The main thing is that we establish works councils. The people will take care of making the laws. First of all, we need to have the people who can represent the economy. Right now, they’ve all scattered. There’s no one there who could truly take on the practical implementation. People always say: “That’s theoretical; you can’t understand it.” — I recently spoke to sales assistants. I said: “Now we want to push through our salary and wage demands [...]” Yesterday the people were talking about it—I wasn’t there—but they understood right away: We need works councils; we need people who can truly determine the future of economic life. What matters is that these people, who are part of the business world, do what’s necessary. Then people will no longer ask: “What will the government say? What will happen to us?” — Nothing will happen to us; we just have to realize how simple the matter is and not read into it anything that isn’t there.
Dr. Unger: Der Gegenstand der heutigen Beratungen ist ja in erster Linie die Frage der Betriebsräte, in zweiter Linie, wie wir uns stellen können zu den Angriffen, die gegen die Ziele des «Bundes für Dreigliederung» erhoben werden. Da ist es wohl Pflicht, auch in diesem Kreise hinzuweisen auf etwas, was ich am letzten Dienstag im Siegle-Haus öffentlich vorgebracht habe betreffend den Widerstand, der von seiten der Industrie in starkem Maße gegen die Wahl der Betriebsräte sich geltend macht. Nun beachten Sie, daß diese Industriellen sich mehr oder weniger entschlossen haben, die Betriebsräte selbstverständlich zunächst einmal abzulehnen. In zweiter Linie werden aber auch abgelehnt solche Industrielle, die etwa im «Bund für Dreigliederung» tätig sind, oder solche, die von sich aus zusammengehen wollen mit den übrigen Produktiv-Kräften zur Bildung von Betriebsräten. Über solche Mitglieder des «Bundes für Dreigliederung» wird von den Industriellen ein Ketzergericht abgehalten. Wir sehen also auf der einen Seite Parteien, die erklären, daß diejenigen, die die Dreigliederung des sozialen Organismus propagieren wollen, jetzt vor die Frage gestellt werden müssen, ob sie innerhalb der Partei bleiben können oder nicht. Auf der anderen Seite sehen wir die Industriellen, die ganz genau das Gleiche tun. Sie sehen Gewaltmaßregeln von rechts und von links gegen die Freiheit, gegen etwas, was die Gemüter, die Herzen, die Köpfe, den ganzen Menschen ergreifen kann als Weg aus dem Chaos heraus. Dagegen macht sich geltend das Gesetz, das mit Gewalt das Heraufkommen einer Idee unterdrücken will. [Es folgen einige kritische Bemerkungen über die Haltung der Parteien und führender Wirtschaftskreise. Die Ausführungen schließen mit den Worten:] Ich möchte noch etwas erzählen, was sich vorige Woche ereignet hat. Wir hatten eine Versammlung, auf der ein Kommunist sagte: Ich habe das Auftreten von Herrn Dr. Steiner mit großem Interesse verfolgt. Aber ich mußte mir dann sagen, daß solche Theorien im Grunde genommen nicht sehr viel zu bedeuten haben. Nun sehe ich aber immer deutlicher, daß dieser «Bund für Dreigliederung» gar nicht bei der Theorie stehengeblieben ist, sondern eine Frage, die in Wahrheit eine Grundfrage der Gegenwart ist, nämlich die Frage der Betriebsräte, praktisch in die Hand nimmt. Seit ich dies erkannt habe, bin ich ganz einverstanden. Ich muß zugeben, daß hier in der Tat ein Entschluß vorliegt, zu praktischer Arbeit vorzuschreiten. Nun, das war ein Geständnis, wie wir es brauchen können.
Dr. Unger: The main focus of today’s discussions is, first and foremost, the issue of works councils; secondarily, how we can respond to the attacks being leveled against the goals of the “Federation for Threefold Social Order.” It is therefore our duty, even in this circle, to point out something I publicly raised last Tuesday at the Siegle House regarding the strong resistance being mounted by industry against the election of works councils. Now, please note that these industrialists have more or less resolved to reject the works councils—at least initially, of course. Secondly, however, they also reject those industrialists who are active in the “Federation for Threefold Social Order,” for example, or those who, of their own accord, wish to join forces with the other productive forces to form works councils. The industrialists hold a kind of inquisition against such members of the “Federation for Threefold Social Order.” So, on the one hand, we see parties that declare that those who wish to advocate for the threefold social order must now be asked whether they can remain within the party or not. On the other hand, we see the industrialists doing exactly the same thing. They view coercive measures from both the right and the left as attacks on freedom—on something that can capture people’s minds, hearts, and souls, and the whole person, as a way out of chaos. Against this, the law asserts itself, seeking to suppress the emergence of an idea by force. [Several critical remarks follow regarding the stance of the political parties and leading economic circles. The remarks conclude with the words:] I would like to share something else that happened last week. We had a meeting at which a Communist said: “I have followed Dr. Steiner’s presentation with great interest. But I then had to tell myself that such theories, when it comes down to it, do not really mean very much.” Now, however, I see more and more clearly that this “League for Threefold Social Order” has not remained merely theoretical, but is practically addressing an issue that is, in truth, a fundamental question of our time—namely, the question of works councils. Since I have recognized this, I am in complete agreement. I must admit that there is indeed a resolution here to move forward with practical work. Well, that was a confession just as we need it.
Ein weiterer Diskussionsteilnehmer meldet sich zu Wort: Als Arbeiter habe ich selbstverständlich das größte Interesse daran, daß die Frage der Betriebsräte in die Praxis umgesetzt wird. Die Reichsgesetzvorlage für die Begründung von Betriebsräten stellt weiter nichts als Schattenbilder dar. [...] Die Abneigung der Parteien gegen die Dreigliederung besteht in erster Linie darin, daß sie das Gefühl haben, die Arbeiterschaft werde vom Klassenkampf abgezogen. Wir stehen aber doch trotzdem auf diesem Boden des Klassenkampfes und werden auch da unsere Interessen zu vertreten wissen. Vorläufig müssen wir es eben zu praktischen Ergebnissen bringen, und das ist die Wahl der Betriebsräte. Die Frage der Betriebsräte ist auch die Frage des Klassenkampfes. Sie ist sogar die allerpraktischste Frage, und wir müssen alles tun, um so schnell wie möglich Betriebsräte zu schaffen. Wenn die Gesetzesvorlage durchkommt, dann bleibt der alte Kapitalismus bestehen. Aus der ganzen Opposition und den Stellungnahmen von rechts und links müssen wir unsere Lehren ziehen. Wie können wir das machen? Da gibt es nur eine Antwort: Wir wählen unsere Betriebsräte trotz aller Anfeindungen. Wir propagieren doch den Gedanken der Betriebsräte, weil er der einzige wahre Ausweg aus dem Chaos ist, aus dem wir ohne praktische Arbeit nicht herauskommen können.
Another participant in the discussion speaks up: As a worker, I naturally have the greatest interest in seeing the issue of works councils put into practice. The Reich bill for the establishment of works councils is nothing more than a shadow of the real thing. [...] The parties’ aversion to the threefold social order stems primarily from their feeling that the working class is being drawn away from the class struggle. But we still stand on this ground of class struggle and will know how to represent our interests there as well. For now, we simply have to achieve practical results, and that means electing works councils. The issue of works councils is also an issue of class struggle. It is, in fact, the most practical issue of all, and we must do everything we can to establish works councils as quickly as possible. If the bill passes, the old capitalism will remain in place. We must learn our lessons from the entire opposition and the statements coming from both the right and the left. How can we do this? There is only one answer: We elect our works councils despite all hostility. We promote the idea of works councils because it is the only true way out of the chaos from which we cannot escape without practical action.
Herr Navrocki aus Berlin-Friedrichshagen: Verehrte Volksgenossen! Wenn ich mir gestatte, einige Ausführungen zu machen, so möchte ich Ihnen zunächst sagen, daß für mich, bevor ich hierher kam, das zur Diskussion stehende Problem Neuland war. Aber als Proletarier, der mit den Massen zusammen denkt und fühlt, war es für mich klar, daß dieses Problem, wenn es wirklich ergriffen werden soll, nicht als Parteiprogramm behandelt werden kann, sondern, wie Herr Dr. Steiner gesagt hat, aus dem Leben selbst heraus ergriffen werden muß. [Nach einigen kritischen Bemerkungen über das bisherige Vorgehen der Parteien schließt Herr Navrocki seine Ausführungen mit den Worten:] Mehrere Redner haben gesagt: Wir müssen zur Tat übergehen. - Diese Tat kann aber nur sein, über das Regierungsprogramm hinwegzugehen und zu beweisen, daß es möglich ist, unser Programm durchzuführen. Das Notwendigste und Wichtigste dabei ist aber, daß alle diejenigen, die sich mit ganzer Seele diesem Programm hingeben, weil sie überzeugt sind, daß nur durch die Verwirklichung dieses Programmes etwas Sinnvolles geschaffen werden kann, sich auch ganz dafür einsetzen. Es können das nur Leute sein, die proletarisch denken und fühlen. Nur derjenige, der Fühlung mit der Masse hat und vielleicht selbst durch die proletarische Elendsschule gegangen ist, dem wird es auch am Herzen liegen, daß das Proletariat auch aus dem Elend herausgeführt wird. Der wird einsehen müssen, daß nur nach der Richtung gearbeitet werden kann, daß alle Menschen zu hohen Menschheitsgedanken hinaufgeführt werden. In dieser Höhe sind die Gedanken auch entstanden, und wir sind nur diejenigen, die hinausgehen müssen, um dieses Programm zu verwirklichen.
Mr. Navrocki from Berlin-Friedrichshagen: Dear Comrades! If I may take the liberty of making a few remarks, I would first like to tell you that, before I came here, the issue under discussion was uncharted territory for me. But as a proletarian who thinks and feels alongside the masses, it was clear to me that if this issue is to be truly addressed, it cannot be treated as a party platform but, as Dr. Steiner said, must be approached from the perspective of life itself. [After making a few critical remarks about the parties’ actions to date, Mr. Navrocki concludes his remarks with the following words:] Several speakers have said: We must take action. — But this action can only consist of going beyond the government’s program and proving that it is possible to carry out our program. The most essential and important thing, however, is that all those who devote themselves wholeheartedly to this program—because they are convinced that only through the realization of this program can something meaningful be created—must also commit themselves fully to it. These can only be people who think and feel in a proletarian way. Only those who are in touch with the masses—and who may themselves have gone through the school of proletarian misery—will truly care about lifting the proletariat out of that misery. Such a person will have to recognize that work can only proceed in the direction of elevating all people to lofty ideals of humanity. It is at this level that these ideas originated, and we are merely the ones who must go out and realize this program.
Herr Jansen: Ich will der erste sein, der Mitteilung macht über den Stand der Wahlen für die Einführung der Betriebsräte. Wenn nicht eine Arbeitergruppe in unserem Betrieb eine separate Haltung eingenommen hätte, könnten wir Ihnen sagen, daß heute die Wahl der Betriebsräte stattgefunden hat. Wir haben am letzten Montag mit unserer Direktion über die Einführung der Betriebsräte verhandelt. Wir haben ihr die verschiedenen Gesichtspunkte unterbreitet und haben gesagt: Die Ablösung ihrer Privatrechte ist der Zweck der Einführung der Betriebsräte. Wir wollen den Privatkapitalismus ablösen, und deshalb wollen wir Betriebsräte wählen. Der Direktor hat zuerst ein komisches Gesicht gemacht, aber er ist ein gemütlicher und vernünftiger Mann und hat sich mit der Tatsache abgefunden. Er sagte: Nun ja, ob wir nun die Wahl der Betriebsräte etwas früher vornehmen, als es gesetzlich geschieht, das kann mir egal sein. Beraumen Sie die Wahl in Gottes Namen an. — Dies als Mitteilung. Die eine Gruppe von uns, welche sich noch nicht dazu bequemen konnte, Stellung zu nehmen, wird sich am Montag verantworten müssen, so daß am Mittwoch so oder so die Wahl vor sich gehen wird.
Mr. Jansen: I want to be the first to report on the status of the elections for the establishment of works councils. If a group of workers in our company had not taken a separate stance, we could tell you that the works council elections took place today. Last Monday, we negotiated with our management regarding the introduction of works councils. We presented them with the various points of view and said: The purpose of introducing works councils is to replace their private rights. We want to replace private capitalism, and that is why we want to elect works councils. At first, the director made a funny face, but he is a good-natured and reasonable man and has come to terms with the fact. He said: “Well, whether we hold the works council election a little earlier than required by law doesn’t matter to me. For heaven’s sake, schedule the election.” — Just a heads-up. The one group among us that has not yet been able to bring itself to take a stand will have to answer for it on Monday, so that the election will take place one way or another on Wednesday.
Aus Besprechungen mit Kollegen und auch mit anderen ist zu entnehmen, daß die Leute das Gefühl haben, die Einführung der Betriebsräte sei ein Weg, der ins Dunkle führt. Es gibt eine Unmenge von Menschen, die es nicht gewohnt sind, selbständig zu denken und zu handeln. Sie wünschen und wollen gar nicht, daß sie in irgendeiner Form etwas tun oder lassen sollen. Von vorneherein wollen sie bis in die letzten Kleinigkeiten hinein die Folgen ihrer Handlungen unterbreitet haben. Weil aber von den Betriebsräten verlangt wird, daß sie, nachdem sie gewählt sind, die Verpflichtung und Verantwortung haben, das Betriebsleben und das Wirtschaftsleben in die Bahnen zu bringen, welche für das proletarische Wohl und das Wohl der gesamten Volksgenossen maßgebend sein sollen, schrecken sie zurück. Es sei dies zuviel zugemutet. Wahrhaftig, man kann es verstehen. Seit Jahr und Tag ist organisiert, ist geleithammelt worden. Wir dürfen nicht darüber hinwegsehen. Seit Jahrzehnten hat der größte Teil unserer Arbeitskollegen sich nicht aufraffen können, einen selbständigen Gedanken zu fassen oder zu einer selbständigen Tat zu kommen. Sie brauchen überall Stütze und Führung. Der Widerstand und die Abneigung seitens eines Teiles der Arbeiterschaft ist hierauf zurückzuführen. Eine gewisse Interesselosigkeit herrscht da, verbunden mit einer großen Bequemlichkeit. Man kann mit Herrn Dr. Steiner auch sagen: Denkfaulheit. Dagegen müssen wir angehen.
From discussions with colleagues and others, it appears that people feel the introduction of works councils is a path leading into the dark. There are a great many people who are not accustomed to thinking and acting independently. They do not wish or want to be told, in any way, what they should or should not do. From the very outset, they want the consequences of their actions laid out for them down to the smallest detail. But because works councils are required, once elected, to assume the obligation and responsibility of steering workplace and economic life in directions that are supposed to be decisive for the welfare of the proletariat and the well-being of all our fellow citizens, they recoil. They feel this is too much to ask. Truly, one can understand this. For years on end, people have been organized and herded along. We must not overlook this. For decades, the majority of our fellow workers have been unable to bring themselves to form an independent thought or take independent action. They need support and guidance in everything. The resistance and reluctance on the part of a segment of the working class can be attributed to this. A certain apathy prevails there, coupled with a great deal of complacency. One might agree with Dr. Steiner and call it “intellectual laziness.” We must tackle this head-on.
Immer noch steht die Lohnfrage bei den Arbeitskollegen zu sehr im Vordergrund. Spricht man von Betriebsräten, so heißt es gleich: Bekommen wir dann mehr Lohn? - Wenn wir sagen könnten, zwei Mark am Tag mehr, dann hätten wir lauter Freunde. Weil wir aber sagen: Kollegen, richtet einmal den Blick vorwärts! Wenn ihr heute durch Kampf erreicht, daß ihr eine Mark mehr bekommt, müßt ihr morgen eine Mark fünfzig mehr ausgeben. Es ist eine ewige Schraube. Das eine treibt das andere. Eure Lebenslage wird immer schlimmer. Auf einmal seid ihr so weit, nicht mehr existieren zu können.
The issue of wages is still too much of a focus among our coworkers. As soon as we mention works councils, the first question is: “Will we get a raise then?”—If we could say, “Two marks more a day,” we’d have nothing but friends. But since we say: “Coworkers, look ahead for a change!” If you fight today to get one mark more, you’ll have to spend one mark fifty more tomorrow. It’s a never-ending cycle. One thing leads to another. Your living conditions will keep getting worse. Before you know it, you’ll reach the point where you can no longer survive.
Herr Lorenz: Sämtliche Vertrauensleute respektive Ausschußmitglieder sollten es als erste Pflicht erachten, so schnell wie möglich ihr Wollen in die Tat umzusetzen, besonders indem sie in den Betrieben, in denen von der Sache noch nichts bekannt ist, für die Idee wirken. — Bei uns ist seit einem Monat ein Betriebsrat eingerichtet. Natürlich, solange die Betriebsräte nur in einzelnen Firmen eingeführt sind, ist es zwecklos. Wir müssen so schnell wie möglich die Betriebsräte hier sammeln, damit eine Urversammlung abgehalten werden kann.
Mr. Lorenz: All union representatives and committee members should consider it their first duty to put their intentions into action as quickly as possible, especially by promoting the idea in workplaces where it is not yet known. — We have had a works council in place for a month now. Of course, as long as works councils are only established in individual companies, it is futile. We must bring the works councils here together as quickly as possible so that a founding assembly can be held.
Herr Baumann: Von den Parteien, besonders von den Führern, wird immer wieder der Vorwurf erhoben: Dr. Steiner ist kein Marxist. Er steht nicht auf dem Boden des Marxismus. Also können wir uns nicht mit ihm abgeben. — Diese Bemerkung kommt mir so vor, als sei sie von Leuten gemacht, die auf dem Standpunkt stehen, daß sie die Knochen eines Heiligen verehren. Es muß einmal ausgesprochen werden, daß sehr viele Parteigenossen Knochenanbeter oder Fetischanbeter sind, weil sie sich nur an die alten Dinge halten wollen. Marx sagt in seinem Manifest: Proletarier aller Länder, vereinigt Euch! - Wenn Marx heute sprechen könnte, würde er mit glühenden Worten darauf hinweisen, nicht die Parteien in zersplitterter Art in den Vordergrund zu stellen, sondern sie zu benutzen als Sammelbecken, damit etwas durch sie geleistet wird. Er würde sagen: Wenn ihr euch nicht einmal in Deutschland einigen könnt, geschweige denn in der ganzen Welt, dann seid ihr nichts Besseres wert, als daß der Kapitalismus auf euch herunterspuckt, - Nicht in Knochenanbetung sollen wir uns hineinstellen, sondern in die lebendige Gedankenwirkung, in die Gedanken, die uns von Dr. Steiner gewiesen werden. Marx würde sagen: Wenn nach mir einer kommt, der etwas Neues bringt und er heißt nicht Marx, sondern Steiner, dann haltet euch an den lebendigen Geist und nicht an die alten Knochen.
Mr. Baumann: The parties—and especially their leaders—repeatedly level this accusation: Dr. Steiner is not a Marxist. He does not stand on the ground of Marxism. Therefore, we cannot associate with him. — This remark strikes me as coming from people who take the stance that they are venerating the bones of a saint. It must be said once and for all that a great many party comrades are bone-worshippers or fetish-worshippers because they want to cling only to the old ways. Marx says in his Manifesto: “Workers of all countries, unite!”—If Marx could speak today, he would point out in passionate terms that we should not put the parties in the foreground in a fragmented manner, but rather use them as a rallying point so that something can be accomplished through them. He would say: If you cannot even agree among yourselves in Germany, let alone throughout the world, then you are not worth anything more than for capitalism to spit on you—we should not engage in the worship of relics, but rather in the living power of thought, in the ideas shown to us by Dr. Steiner. Marx would say: If someone comes after me who brings something new—and his name is not Marx but Steiner—then hold fast to the living spirit and not to the old bones.
Herr Conradt: Es ist viel gegen die Dreigliederung gesagt worden, besonders aber, daß die Idee nicht in die Wirklichkeit umgesetzt werden könnte. Seitdem die Frage der Betriebsräte ins Rollen gekommen ist und man sachliche Einwände nicht bringen kann, hat man zu bequemeren Kampfmitteln gegriffen, indem man in den Parteien Unwahrheiten in Umlauf gebracht hat. Eine dieser Unwahrheiten war, daß diejenigen, die sich für die Idee der Dreigliederung einsetzen, Geld dafür bekämen. Der das aussprach, sagte: Aus Reinlichkeitsgründen müsse die Partei solche Leute hinausschmeißen. — Was soll man denn aus Reinlichkeitsgründen mit denen tun in der Partei, die zu Mitteln der Verleumdung greifen müssen? Als dem betreffenden Redner Herr Gönnewein eine Abfuhr erteilte und sagte, es suche keiner den anderen hinter dem Ofen, wenn er nicht selber dahinter gesessen hätte, da griff der Redner zu einem Wort, das das richtige war in diesem Fall, er rief «Gemeinheit!». Nur fällt das Wort eben auf ihn zurück, da er mit solch einem Vorwurf an uns herangetreten ist. So steigern sich die Widerstände, die wir erfahren. Erst sind es unsachliche Einwände, dann Gemeinheiten. Was folgen wird, werden wir ja sehen. Wir müssen die Frage der Dreigliederung unbedingt mit denen diskutieren, die eine Diskussion bisher gescheut haben. Trotzdem der Führer der USP gesagt hat, man soll nicht in jeder Versammlung von der Dreigliederung sprechen, denke ich doch, daß wir in den Parteiversammlungen die Sache in Schwung bringen können. Das ist die richtige Art, uns zu rechtfertigen, nicht vor Konventikeln, sondern vor der Allgemeinheit.
Mr. Conradt: Much has been said against the threefold social order, but especially that the idea could not be put into practice. Ever since the issue of works councils gained momentum and it became impossible to raise substantive objections, people have resorted to more convenient means of attack by spreading falsehoods within the parties. One of these falsehoods was that those who advocate for the idea of the threefold social order receive money for doing so. The person who made this claim said: “For the sake of integrity, the party must expel such people.” — What, then, should be done for “reasons of cleanliness” with those in the party who feel compelled to resort to slander? When Mr. Gönnewein rebuked the speaker in question and said that no one should accuse others of hiding behind the stove unless they had been sitting there themselves, the speaker resorted to a word that was appropriate in this case: he cried out, “Meanness!” But that very word comes back to haunt him, since he approached us with such an accusation. This is how the resistance we face escalates. First, there are unfounded objections; then, meanness. We’ll see what follows. We absolutely must discuss the question of the threefold social order with those who have so far shied away from such a discussion. Even though the leader of the USP has said that one shouldn’t speak of the threefold social order at every meeting, I still think that we can get the ball rolling on this issue at party meetings. That is the right way to justify ourselves—not before small cliques, but before the general public.
[Es wird die folgende Resolution verlesen und einstimmig angenommen:]
[The following resolution is read aloud and adopted unanimously:]
Resolution
Resolution
Die am 14. Juni stattgefundene Versammlung vieler Arbeiterund Angestelltenausschüsse Groß-Stuttgarts erblickt trotz aller Anfeindungen seitens der Unternehmerverbände, Gewerkschaften und Parteiführer in der Dreigliederung des sozialen Organismus den richtig praktischen Weg zur Gesundung unseres gesamten Volkslebens.
The meeting of many workers’ and employees’ committees from the Greater Stuttgart area, which took place on June 14, sees the threefold social order as the truly practical path to the recovery of our entire national life, despite all the hostility from employers’ associations, labor unions, and party leaders.
Die Versammlung erkennt in den gesetzlich vorgesehenen Betriebsräten lediglich ein Schattengebilde derselben, welche niemals in der Lage sein werden, einen Einfluß auf die Sozialisierung zu gewinnen, und hat deshalb kein Interesse an der Wahl und Einrichtung solcher Schattenbetriebsräte.
The Assembly views the works councils provided for by law as nothing more than shadow versions of the real ones, which will never be in a position to exert any influence on socialization, and therefore has no interest in the election and establishment of such shadow works councils.
[ 19 ] Rudolf Steiner: Es ist ja in der heutigen Diskussion nur Zustimmung zum Ausdruck gebracht worden. Daher werde ich mich in meinem Schlußwort recht kurz fassen können und nur einige Bemerkungen machen.
[ 19 ] Rudolf Steiner: As you can see, today’s discussion has consisted entirely of expressions of agreement. Therefore, I will be able to keep my closing remarks quite brief and make just a few comments.
[ 20 ] Sehen Sie, es ist gut, wenn man angesichts solcher Tatsachen, wie sie heute ja vielfach besprochen wurden und die hemmend wirken auf das, was man im Sinne der fortschreitenden Sozialisierung der Menschengemeinschaft machen will, wenn man angesichts solcher Tatsachen doch wirklich hinschaut auf die ganze Gesinnung, auf, ich möchte sagen, die ganze Seelenverfassung, aus der so etwas hervorgeht. Man sollte sich in einem so ernsten Augenblick, wie der jetzige ist, keine Illusionen machen oder irgend etwas vormachen lassen. Sie werden vor einigen Tagen einen sonderbaren Artikel gelesen haben. Ich glaube, er war im «Sozialdemokrat». Darin ist gesprochen worden von einem «Schieben und Ziehen hinter den Kulissen». Dem liegt zugrunde, daß gegründet worden ist eine sogenannte «Daimler-Werk-Zeitung». In dieser «Daimler-Werk-Zeitung» soll stehen, daß seitens der Betriebsdirektion keine Neigung, kein Vertrauen besteht, um mit der Arbeiterschaft mündliche Verhandlungen zu führen. Daher versucht man, eine Werkzeitung einzurichten. Wenn man da liest, was der eine oder andere schreibt, so würde vielleicht besser eine Verständigung möglich sein. Nun, ich habe das im «Sozialdemokrat» gelesen. Es erinnert mich daran, daß es ja auch wohl vorkommt, daß Leute, die zusammen in einer Familie leben, sich nicht recht verständigen können, und dann schreiben sie sich, obwohl sie in einer Wohnung leben, gegenseitig Briefe. Aber davon abgesehen, es wird dann hingewiesen darauf, daß da hinter den Kulissen sehr viel gearbeitet worden ist, wahrscheinlich zwischen mir — es wird deutlich darauf hingewiesen — und zwischen Herrn Muff, der seines Zeichens Major sein soll, und zwischen Herrn Direktor Dr. Riebensam.
[ 20 ] You see, when faced with facts such as those that have been discussed at length today—and which act as obstacles to what we wish to achieve in terms of the progressive socialization of human society—it is good to really look closely at the entire mindset, at, I would say, the entire state of mind from which such things arise. At such a serious moment as the present one, one should not harbor any illusions or allow oneself to be misled. A few days ago, you may have read a peculiar article. I believe it appeared in the Sozialdemokrat. It spoke of “backroom maneuvering.” The basis for this is the founding of a so-called “Daimler-Werk-Zeitung.” This “Daimler-Werk-Zeitung” is said to state that the plant management has no inclination or confidence to conduct verbal negotiations with the workforce. That is why they are attempting to establish a plant newspaper. If one reads what one person or another writes there, it might perhaps be easier to reach an understanding. Well, I read this in the Sozialdemokrat. It reminds me that it certainly happens that people living together in a family cannot quite understand one another, and then, even though they live under the same roof, they write letters to one another. But aside from that, it is pointed out that a great deal of work has been done behind the scenes, likely between me—this is clearly stated—and Mr. Muff, who is said to be a major, and between Director Dr. Riebensam.
[ 21 ] Aber sehen Sie, von dieser Daimler-Werk-Zeitung habe ich das erste Mal gehört durch den Artikel des «Sozialdemokrat». Von Herrn Muff, mit dem ich konferiert haben soll, wußte ich bis dahin nichts. Ich kenne ihn gar nicht. Herr Dr. Riebensam war an verschiedenen öffentlichen Versammlungen, und ich habe zuweilen im Anschluß an diese Versammlungen ganz öffentlich mit ihm gesprochen. Darüber hinaus aber habe ich niemals eine Zusammenkunft mit ihm gehabt. Wir sind uns lediglich in einigen Versammlungen, die ja nicht gerade der Ort waren, um besondere Verschwörungen gegen die Stuttgarter Arbeiterschaft oder gegen die Daimlerarbeiter im besonderen zu pflegen, begegnet. Es standen ja überall Arbeiter der Daimlerwerke herum, denn es waren zumeist Versammlungen der Daimler-Arbeiterschaft selber. Sie sehen, diese Dinge gehen aus merkwürdigen Gesinnungsuntergründen hervor, und man muß schon sehr aufmerksam sein, damit man die Sache in der richtigen Weise sieht.
[ 21 ] But you see, I first heard about this Daimler-Werk-Zeitung through the article in the Sozialdemokrat. Until then, I knew nothing about Mr. Muff, with whom I am said to have conferred. I do not know him at all. Dr. Riebensam attended various public meetings, and I occasionally spoke with him quite openly following these gatherings. Beyond that, however, I have never had a private meeting with him. We merely encountered each other at a few gatherings—which were hardly the kind of places where one would engage in any particular conspiracies against the Stuttgart workforce or against the Daimler workers in particular. After all, workers from the Daimler plants were standing around everywhere, since these were mostly gatherings of the Daimler workers themselves. As you can see, these matters stem from peculiar ideological motivations, and one must be very attentive in order to view the situation correctly.
[ 22 ] Dann möchte ich noch darauf hinweisen, wie merkwürdig von dieser oder jener Stelle gedacht wird. Ich war einmal auf einer Zusammenkunft, wo über Sozialisierung geredet wurde, und zwar so, daß letztlich nichts dabei herauskommen konnte. Auf die Sache selber kann ich jetzt nicht eingehen. Nun, da war auch ein Gewerkschaftsführer, der sagte: Wir können uns mit dieser Sache von der Dreigliederung nicht .einverstanden erklären. - Ich dachte, der Mann würde mir nun auseinandersetzen, was er für Gründe gegen die Dreigliederung hat. Da hatte ich mich aber verrechnet. Er wußte davon gar nichts. Wohl aber sagte er: Ja, wissen Sie, Sie haben da ein Flugblatt herausgegeben, da steht der Herr und der Herr darunter, und wenn Sie in solcher Gesellschaft sind, wollen wir mit Ihnen nichts zu tun haben. — Sehen Sie, da ist die Verurteilung, die vielleicht jetzt große Dimensionen angenommen hat. Die geht doch von ganz merkwürdigen Gesinnungsuntergründen aus. Ich meine, es wäre schon ganz gut, gerade um die Impulse aufzubringen, um die zunächst wichtigen Dinge zu tun, wenn man solchen Dingen, die ja eigentlich aus recht trüben Untergründen heraufspielen — ich könnte auch sagen: heraufgespült werden -, wenn man solchen Dingen ganz illusionsfrei ins Auge schauen würde. Denn wir stehen heute in einer so ernsten Zeit und haben es nötig, die Dinge, die wir tun, in so ernster Weise in Angriff zu nehmen, daß wir uns schon entschließen müssen zu der Ansicht, daß nur der vorwärtskommt, der mit reinlichen Mitteln und aus einer reinlichen Gesinnung heraus arbeitet.
[ 22 ] I would also like to point out how strangely certain people think about this or that issue. I was once at a meeting where people were talking about socialization—in such a way that, ultimately, nothing could come of it. I can’t go into the matter itself right now. Well, there was also a union leader there who said: “We cannot agree with this idea of the threefold social order.”—I thought the man was about to explain to me his reasons for opposing the threefold social order. But I had miscalculated. He knew nothing about it at all. Instead, he said: “Yes, you know, you published a leaflet there—it lists Mr. So-and-so and Mr. So-and-so as signatories—and if you’re in such company, we want nothing to do with you.”—You see, there lies the condemnation, which may now have taken on great proportions. It stems from some very peculiar underlying attitudes. I think it would be quite good—precisely to generate the momentum needed to tackle the most important matters first—if we were to look such things in the eye without any illusions, things that actually surface—or, I might say, are washed up—from rather murky depths. For we are living in such serious times today, and we need to tackle the things we do with such seriousness that we must resolve to hold the view that only those who work with honest means and from a sincere mindset will make progress.
[ 23 ] Meine werten Anwesenden, mit nicht reinlichen Mitteln und einer nicht reinlichen Gesinnung ist leider in den letzten Jahrzehnten überall in der Welt recht recht viel gearbeitet worden, und die Welt hat es durch diese Art, mit unreinlicher Gesinnung und unreinlichen Mitteln zu arbeiten, zuletzt zu dem großen Morden gebracht. Wollen wir aus dem, in das wir hineingeraten sind, wirklich herauskommen, dann brauchen wir eine moralische Kraft und Mut. Das ist es, was ich ganz unverhohlen aussprechen möchte, insbesondere, weil es mich ganz besonders freuen würde, wenn man jenen Menschen, die so oft mit unreinlichen Mitteln gearbeitet und dies, vermöge ihrer gesellschaftlichen Stellung, verschleiert haben, einmal entgegenhalten würde, daß diejenigen, die sie bis jetzt unterdrückt haben und in denen das Bewußtsein ihrer Menschlichkeit jetzt erwacht ist, nur mit reinen Mitteln arbeiten und ihnen zeigen wollen, wie sie es hätten machen sollen. Es würde mich sehr freuen, wenn man gerade von dem deutschen Proletariat einmal wird sagen können, daß es auch in bezug auf die Wahl der Mittel ein Vorbild für die Welt sein kann. Ich glaube, daß in der nächsten Zeit von solchen Dingen sehr sehr viel abhängen wird. Wenn man die internationalen Verhältnisse betrachtet -— man braucht nur ein wenig über die Grenzen zu schauen -, so zeigt es sich sofort, daß man in der Welt darauf wartet, daß nun endlich einmal in einem anderen Ton in diesem Deutschland gesprochen wird, als gesprochen wurde bis zum Jahre 1914 und nach 1914. Aber nicht nur diejenigen in Deutschland, die noch denken können, sondern auch jene in der Welt, also außerhalb Deutschlands, die glauben nicht an das, was an Positivem von Deutschland kommt, solange die Fortsetzer des alten Wesens obenauf sind. Auf diese Dinge kommt sehr viel an. Und deshalb darf auch der Mut nicht fehlen, damit, trotz der jetzigen Regierung und trotz aller Parteiführerschaft, diejenigen aufstehen, deren Namen bis jetzt nicht genannt sind. Daß sie also aufstehen, sich aus der breiten Masse der Menschheit herausheben und sagen: Wir sind da! — Schaffen Sie daher die Betriebsräteschaft in vernünftiger Weise, denn ich glaube daran, daß die Betriebsräteschaft zum ersten Mal der Boden sein kann dafür, daß neue Menschen an die Oberfläche kommen, die aus ganz anderen Untergründen heraus urteilen als diejenigen, die jetzt das eigentümliche Schauspiel der Regiererei der Welt zeigen.
[ 23 ] My dear friends here today, unfortunately, over the past few decades, a great deal has been accomplished all over the world through unscrupulous means and with an unscrupulous mindset, and this way of working—with an unscrupulous mindset and unscrupulous means—has ultimately led the world to mass murder. If we truly want to extricate ourselves from the situation we have found ourselves in, then we need moral strength and courage. That is what I would like to state quite openly, especially because it would give me particular pleasure if I could point out to those people who have so often acted with dishonest means—and who, by virtue of their social position, have concealed this fact—were once confronted with the fact that those who have oppressed them until now, and in whom an awareness of their humanity has now awakened, work only with pure means and wish to show them how they should have acted. It would give me great pleasure if it could one day be said of the German proletariat in particular that it can serve as a model for the world even with regard to the choice of means. I believe that a great deal will depend on such matters in the near future. If one considers the international situation—one need only look a little beyond the borders—it immediately becomes clear that the world is waiting for Germany to finally speak in a different tone than it did up until 1914 and after 1914. But it is not only those in Germany who are still capable of thinking, but also those in the world—that is, outside Germany—who do not believe in anything positive coming from Germany as long as the upholders of the old order remain in power. A great deal depends on these things. And that is why we must not lack the courage—so that, despite the current government and despite all party leadership, those whose names have not yet been mentioned may stand up. So that they may stand up, rise above the broad masses of humanity, and say: We are here! — Therefore, establish the works council system in a sensible manner, for I believe that, for the first time, the works council system can provide the foundation for new people to emerge—people who judge matters from entirely different perspectives than those who are currently staging the peculiar spectacle of world governance.
[ 24 ] Es ist eine nationale und eine internationale Angelegenheit, um die es sich handelt. Betrachten Sie solch eine Frage wie die der Betriebsräte von einem möglichst hohen Standpunkt aus. Versuchen Sie, damit zum ersten Mal etwas zu schaffen, was vor einem hohen Standpunkt bestehen kann, dann werden Sie - wenn es auch scheinbar nur ein Anfang ist, es wird aber ein Anfang zu etwas Großem sein —, dann werden Sie etwas Großes geschaffen haben. Man darf nicht kleinmütig sein und sagen: Wir haben nicht die Menschen, die Proletarier sind in ihrer Bildung noch nicht so weit, wir müssen warten. -— Wir können nicht mehr warten, wir müssen handeln, und wir müssen schon den Mut haben, die Betriebsräteschaft auf die Beine zu stellen, damit sie da ist. Dann werden aus ihrer Mitte heraus die Menschen an die Spitze kommen, die bisher noch nicht in Erscheinung treten konnten. Das ist ja gerade das Wichtige, daß wir Menschen an die betreffenden Stellen bringen, an die sie hingehören. Denn jene, die bisher in Erscheinung getreten sind, die haben recht deutlich gezeigt, daß sie ausgespielt haben. Wir brauchen einen neuen Geist, ein neues System menschlichen Wirkens. Hierüber müssen wir uns ganz klar sein. Das müssen wir uns ganz gründlich in die Seele schreiben. Nehmen wir die Sache mutig in die Hand, dann werden wir vorwärtskommen. Deshalb möchte ich immer wieder und wiederum sagen: Lassen wir es darauf ankommen, stellen wir die Betriiebsräte auf die Beine! Ich zweifle nicht daran, daß sich dann in dieser Betriebsräteschaft diejenigen finden werden, die etwas Vernünftiges über den Fortgang der Menschheitsentwicklung zu sagen haben. Denn, wollte man daran zweifeln, dann müßte man an der Menschheit überhaupt verzweifeln, und das will ich nicht.
[ 24 ] This is a matter of both national and international significance. Consider an issue such as that of works councils from the highest possible perspective. Try, for the first time, to create something that can stand up to scrutiny from a high vantage point; then—even if it seems to be only a beginning, it will be a beginning of something great—you will have created something great. We must not be timid and say: We don’t have the people; the proletariat isn’t yet educated enough; we have to wait. — We can’t wait any longer; we must act, and we must have the courage to establish the works council so that it exists. Then, from within its ranks, people will rise to the top who have not yet been able to make themselves known. That is precisely what is important: that we place people in the positions where they belong. For those who have come to the fore so far have made it quite clear that they have run their course. We need a new spirit, a new system of human action. We must be absolutely clear about this. We must engrave this deeply in our hearts. If we take the matter courageously into our own hands, then we will make progress. That is why I would like to say again and again: Let’s take a chance on this—let’s get the works councils up and running! I have no doubt that within these works councils we will find those who have something sensible to say about the future course of human development. For if one were to doubt this, one would have to despair of humanity altogether—and I do not want that.
