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The Rudolf Steiner Archive

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Work Councils And Socialization
Discussion Evenings with Workers' Committees
GA 331

23 July 1919, Stuttgart

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Work Councils and Socialization, tr. SOL
  1. Betriebsräte und Sozialisierung

Betriebsräteversammlung zur Bildung der vorbereitenden Württembergischen Betriebsräteschaft

Works Council Meeting to Form the Preparatory Württemberg Works Council Association

Einleitende Worte von Rudolf Steiner

Introductory Remarks by Rudolf Steiner

[ 1 ] Meine sehr verehrten Anwesenden! Es wird gerade heute, wo uns die eben erwähnte Tagesordnung vorliegt, von einer gewissen Wichtigkeit sein, daß wir uns noch einmal über dasjenige vollständig klarwerden, was im Sinne der Dreigliederung des sozialen Organismus mit der Betriebsräteschaft eigentlich gemeint ist.

[ 1 ] Ladies and gentlemen! Especially today, as we consider the agenda just mentioned, it is of some importance that we once again gain a complete understanding of what is actually meant by “works councils” in the context of the threefold social order.

[ 2 ] Zunächst halten wir doch daran fest, daß, so wie wir jetzt darangehen wollen, die Betriebsräteschaft auf die Beine zu stellen, wir vor allen Dingen erstreben, mit dieser Betriebsräteschaft den eigentlichen Anfang einer wirklichen Sozialisierung in die Wege zu leiten. Wenn man heute von Sozialisierung sprechen hört, bekommt man doch immer das Gefühl, daß die Leute eigentlich nicht wissen, was sie mit der Sozialisierung wollen. Die meisten verstehen unter Sozialisierung ja nichts anderes als eine Verstaatlichung der bestehenden Betriebe, der bestehenden Produktionszweige und so weiter. Sie wissen ja, daß es sich bei der Dreigliederung des sozialen Organismus darum handelt, die drei Gebiete des menschlichen sozialen Lebens reinlich voneinander zu sondern, so daß man in der Zukunft haben wird die gesamte Verwaltung des geistigen Lebens, vorzugsweise des Erziehungs- und Unterrichtswesens, als ein Glied des dreigliedrigen sozialen Organismus. Da wird verwaltet werden nur aus denjenigen Organen heraus, die innerhalb dieses geistigen Lebens stehen, eben dieses geistige Leben selbst. Da werden also von seiten derjenigen Persönlichkeiten, die am geistigen Leben beteiligt sein werden, die Körperschaften organisiert, die das geistige Leben zu verwalten haben. Als zweites wird der eigentliche Staat dasein, die politische Körperschaft, die sich aufbauen soll auf völlig demokratischer Grundlage, so daß also im vollsten Umfange alles das, was demokratisch geregelt werden soll, in die Sphäre dieses zweiten Gliedes des sozialen Organismus hineingehört. Das dritte Glied würde das Wirtschaftsleben sein. In diesem Wirtschaftsleben soll bloß gewirtschaftet werden. Deshalb mußte ich öfter auseinandersetzen, daß innerhalb dieser Wirtschaftsverwaltung eigentliche Rechtsfragen gar nicht entschieden werden sollen. Diese eigentlichen Rechtsfragen sollen entschieden werden innerhalb des demokratischen Staatslebens. Also zum Beispiel soll innerhalb des demokratischen Staatslebens vor allen Dingen über das Arbeitsrecht entschieden werden; es soll entschieden werden über die Länge der Arbeitszeit und über sonstige Rechte, die der eine arbeitende Mensch gegenüber dem anderen arbeitenden Menschen hat. Alles das, was sich auf solche Rechte bezieht, das soll auf demokratischer Grundlage in einer Art Parlament, oder wie man es nennen will, das aus ganz allgemeinem Wahlrecht hervorgeht, geregelt werden.

[ 2 ] First of all, let us keep in mind that, as we now set out to establish the works council system, our primary goal is to use this system to initiate the actual beginning of genuine socialization. When one hears people speak of socialization today, one always gets the feeling that they don’t really know what they want to achieve with socialization. Most people understand socialization to mean nothing more than the nationalization of existing enterprises, existing branches of production, and so on. You know, of course, that the threefold social order is about clearly separating the three spheres of human social life from one another, so that in the future the entire administration of spiritual life—primarily the system of education and instruction—will be one member of the threefold social order. Administration will be carried out solely by those bodies that are part of this spiritual life—that is, by spiritual life itself. Thus, the bodies responsible for administering spiritual life will be organized by the individuals who are involved in that spiritual life. Secondly, there will be the state proper—the political body—which is to be built on a fully democratic foundation, so that everything that is to be regulated democratically belongs, to the fullest extent, within the sphere of this second member of the social organism. The third member would be economic life. In this economic life, the sole purpose is to conduct economic affairs. That is why I have often had to explain that actual legal issues are not to be decided within this economic administration at all. These actual legal issues are to be decided within democratic state life. For example, within democratic state life, decisions are to be made first and foremost regarding labor law; decisions are to be made regarding the length of the workday and regarding other rights that one working person has vis-à-vis another working person. Everything pertaining to such rights should be regulated on a democratic basis in a kind of parliament—or whatever one wishes to call it—that emerges from universal suffrage.

[ 3 ] Davon abgesondert ist dann das Wirtschaftsleben, das seine Verwaltung ganz aus sich selbst heraus haben soll, in dem also bloß gewirtschaftet werden soll. Und auf dem Boden dieses Wirtschaftslebens stehen wir, indem wir jetzt versuchen, ich möchte sagen wie in einer Art von Übergangserscheinung, die Betriebsräteschaft auf die Beine zu stellen.

[ 3 ] Separate from this is economic life, which is to be governed entirely by its own internal dynamics—that is, where the sole focus is on economic activity. And it is on the foundation of this economic life that we stand as we now attempt—I would say, as a sort of transitional phenomenon—to establish the works council system.

[ 4 ] Wie machen wir das? Wir haben damit ja schon begonnen, und von den Betriebsräten sind ja heute schon einige erschienen. Also wir machen das so, daß zunächst aus den einzelnen Betrieben heraus eine bestimmte Anzahl von Betriebsräten gewählt wird. Wer kann zum Betriebsrat gewählt werden? Zum Betriebsrat kann gewählt werden jeder Handarbeitende, jeder geistig Arbeitende und auch, da wir eben in einer Übergangszeit stehen, wenn er sich einreiht, der bisherige Unternehmer oder die Unternehmerschaft eines Betriebes. Festzuhalten ist hier aber, daß keiner ein Vorrecht hat, also daß sich auch ein Unternehmer, der zum Betriebsrat gewählt wird, in die anderen Betriebsräte einreiht. Diese Betriebsräteschaft ist also eine Körperschaft, in der jeder absolut gleichberechtigt ist und so viel gelten soll, wie er im Wirtschaftsleben auf seinem Gebiete versteht. Es gehen also aus den einzelnen Produktionszweigen diese Betriebsräte hervor. Aber wir haben etwas für die Neugestaltung des Wirtschaftslebens Fruchtbares erst dann, wenn wir viel mehr Betriebsräte haben, als wir jetzt haben. Heute haben wir ja erst eine kleine Anzahl von Betriebsräten, und diese werden hoffentlich nach der heutigen Versammlung so arbeiten, daß wirklich nach und nach eine Betriebsräteschaft zustande kommt. Also wie gesagt: Eine kleine Anzahl von Betriebsräten haben wir zunächst. Diese Betriebsräte sind hervorgegangen aus einzelnen Betrieben. Dasjenige, was wir wirklich brauchen, das ist, daß sich aus allen Betrieben eines in sich geschlossenen Wirtschaftsgebietes, also zunächst eines provisorisch geschlossenen Wirtschaftsgebietes, sagen wir Württemberg, Betriebsräte bilden. Man braucht nämlich für die Art von Betriebsräteschaft, wie wir sie uns denken müssen, Betriebsräte aus allen Betrieben, aus allen Branchen. Diese Betriebsräte bilden dann zusammen die Betriebsräteschaft über ein in sich geschlossenes Wirtschaftsgebiet. Und damit müßte man die Sozialisierung beginnen, daß man über ein geschlossenes Wirtschaftsgebiet hin eine solche Körperschaft begründet, welche sich zur Aufgabe macht, sich im Sinne eines Neuaufbaus des Wirtschaftslebens auf einen festen Boden zu stellen, das heißt: Es müßte sich diese Körperschaft als der leitende Wirtschaftskörper dieses betreffenden Gebietes fühlen. Sie müßte sich also so fühlen, daß von ihr die wirkliche Leitung der in diesem Wirtschaftsgebiet bestehenden Betriebe aller Gattungen auszugehen habe. Es müßte also diese Betriebsräteschaft als ihr Ideal ansehen, daß zukünftig nicht mehr einzelne Unternehmer für die einzelnen Wirtschaftsbetriebe verantwortlich sind, sondern daß alles das, was in den Betrieben getan wird, gewissermaßen im Auftrag dieser Körperschaft, dieser Urversammlung der Betriebsräteschaft, geschieht. Es ist damit, halten wir das streng fest, zum ersten Mal dasjenige geschaffen, wonach die Forderungen der sozialen Parteien immer, mehr oder weniger bewußt, hintendiert haben. Die Forderungen der Parteien werden ja zumeist negativ formuliert, zum Beispiel wenn man spricht von der Abschaffung des Kapitals und so weiter. Ja, aber mit dem Abschaffen ist wenig getan. Mit dem Abschaffen ist nur das getan, daß wir allmählich unser Wirtschaftsleben auflösen! Wie nun aber der dreigliedrige soziale Organismus wirken soll, das ist gerade das Gegenteil: Er soll nämlich aufbauen. Zum Aufbau braucht man aber eine aufbauende Körperschaft.

[ 4 ] How do we go about this? We’ve already started, and some members of the works councils are here today. So here’s how we’ll do it: First, a certain number of works council members will be elected from each individual company. Who is eligible for election to the works council? Any manual worker, any white-collar worker, and—since we are currently in a transitional period—the former owner or the business owners of a company may also be elected, provided they join the ranks. It should be noted here, however, that no one has any special privilege; in other words, even an entrepreneur who is elected to the works council joins the ranks of the other works council members. This body of works councils is thus an organization in which everyone has absolutely equal rights and is to be valued according to their understanding of economic life in their respective fields. These works councils therefore emerge from the individual branches of production. But we will only have something fruitful for the reorganization of economic life once we have far more works councils than we have now. Today, we have only a small number of works councils, and hopefully, following today’s meeting, they will work in such a way that a network of works councils truly comes into being step by step. So, as I said: for now, we have only a small number of works councils. These works councils have emerged from individual enterprises. What we really need is for works councils to be formed from all the companies within a self-contained economic region—that is, initially a provisionally defined economic region, such as Württemberg. For the kind of works council system we must envision, we need works councils from all companies and all industries. These works councils would then together form the works council system across a self-contained economic region. And this is how we should begin the process of socialization: by establishing, across a self-contained economic region, a body whose mission is to put itself on a firm footing in the spirit of rebuilding economic life—that is to say, this body would have to see itself as the leading economic body of the region in question. It must therefore see itself as the source of the actual management of all types of enterprises operating within this economic region. This body of works councils must thus regard as its ideal a future in which individual entrepreneurs are no longer responsible for individual economic enterprises, but rather in which everything done within the enterprises takes place, so to speak, on behalf of this body—this original assembly of the body of works councils. Let us firmly note that this marks the first time that what the demands of the social parties have always, more or less consciously, been tending toward has been created. The parties’ demands are, after all, usually formulated in negative terms—for example, when they speak of the abolition of capital and so on. Yes, but abolition accomplishes very little. All it does is gradually dismantle our economic life! But the way the threefold social organism is supposed to function is precisely the opposite: it is meant to build up. And to build up, one needs a constructive body.

[ 5 ] Nun, ob zukünftig die Betriebsräte auf diese oder jene Art gewählt oder delegiert werden, das wiederum wird eine Frage sein, die innerhalb der Betriebsräteschaft selbst entschieden werden muß. Heute haben wir zunächst die Aufgabe, die Betriebsräteschaft auf die zunächst einzig mögliche Art, nämlich durch Wahlen in den einzelnen Betrieben, zu begründen. Es handelt sich ja darum, daß erst ein Schritt vollzogen sein muß, ehe man weitere tun kann. Wenn nun die Betriebsräte gewählt sind — kleinere Betriebe können sich ja zum Zwecke der Wahl zusammenschließen -, dann ist ihre erste Aufgabe, das zu schaffen, was man nennen könnte: eine vollständige Übersicht über die gesamte Wirtschaft, die in dem betreffenden in sich geschlossenen Wirtschaftsgebiet vorhanden ist. — Das bedeutet dann, daß hieraus die ersten Aufgaben für die Betriebsräte sich ergeben werden. Diese Betriebsräte — in dem einen Betrieb vielleicht fünf, in dem anderen drei und so weiter — bilden gewissermaßen die Atome der Betriebsräteschaft. Diese müßte eben durch die erste Aufgabe schon vorbereitet sein. Nehmen wir also an, der Betrieb A hat seine fünf Betriebsräte gewählt. Diese fünf Betriebsräte würden nun zunächst die Aufgabe haben, für ihren Betrieb eine Art Inventur des gesamten wirtschaftlichen Betriebes zu erstellen. Diese Bestandsaufnahme wäre dann in die Urversammlung der Betriebsräteschaft mitzubringen. Man müßte also wissen, wieviel Kapital in dem jeweiligen Betrieb steckt, wie es bisher gearbeitet hat und so weiter. Man müßte ferner wissen, welche geschäftlichen Verbindungen in bezug auf die Verwertung der Produkte, die Beschaffung der Rohstoffe und überhaupt nach außen hin bestehen. Zugleich hätte man dafür zu sorgen, daß in den einzelnen Betrieben eine möglichst gute Zusammenarbeit entsteht. Nach und nach würde man dann auch wissen, welche Unternehmer die Sache unterstützen und welche nicht, denn in den Betrieben, in denen der Unternehmer eine Zusammenarbeit ablehnt, würde ja verhindert werden, daß die Betriebsräte sich über den Betrieb informieren können, beziehungsweise diese Betriebsräte können eben nur soweit informiert in die Urversammlung kommen, wie es möglich ist. Anhand dessen, was die einzelnen Betriebsräte aus den jeweiligen Betrieben vorlegen können, wäre also in der Urversammlung zunächst eine Übersicht über das Wirtschaftsleben des betreffenden Wirtschaftsgebietes zu erstellen. Diese muß man ja zuerst haben. Dann kann man an die eigentlichen Aufgaben herangehen.

[ 5 ] Well, whether works councils are elected or appointed in one way or another in the future is, in turn, a question that must be decided within the works council movement itself. Today, our immediate task is to establish the works council movement in the only way currently possible, namely through elections in the individual companies. The point is that one step must be taken before any further steps can be taken. Once the works councils have been elected—smaller companies can, of course, join together for the purpose of the election—their first task will be to create what one might call a complete overview of the entire economy within the self-contained economic region in question. — This means, then, that the first tasks for the works councils will arise from this. These works councils—perhaps five in one company, three in another, and so on—constitute, so to speak, the building blocks of the works council system. This system must already be prepared through the first task. Let us assume, then, that Company A has elected its five works council members. These five works council members would now first have the task of compiling a sort of inventory of the entire economic operation for their company. This inventory would then be presented at the inaugural assembly of the works council movement. One would therefore need to know how much capital is invested in the respective company, how it has operated to date, and so on. They would also need to know what business connections exist with regard to the marketing of products, the procurement of raw materials, and external relations in general. At the same time, they would have to ensure that the best possible cooperation develops within the individual companies. Gradually, it would also become clear which business owners support the cause and which do not; for in those enterprises where the business owner refuses to cooperate, the works councils would be prevented from obtaining information about the enterprise—or, rather, these works councils could only attend the founding assembly with as much information as is possible to obtain. Based on what the individual works councils from the respective companies can present, an overview of the economic life of the relevant economic region would thus first need to be compiled at the general assembly. This is, after all, the first step. Only then can one tackle the actual tasks.

[ 6 ] Hier muß man zunächst berücksichtigen, daß sich die Struktur des dreigliedrigen sozialen Organismus deutlich unterscheidet von alledem, was innerhalb zum Beispiel der Parteien über die Fortführung des wirtschaftlichen, des politischen und des geistigen Lebens gedacht wird. Die anstehende Aufgabe muß also als eine im eminentesten Sinne wirtschaftliche angesehen werden, das heißt, es muß auf der Grundlage dessen, was man als provisorisches Material bekommen hat, zunächst dasjenige festgelegt werden, was zu einer wirklichen Stipulierung von Normalpreisen der verschiedenen produzierten Güter führt. Das ist die erste Aufgabe im Zuge der künftigen Sozialisierung, daß wir in Erfahrung bringen, wieviel, der Wirtschaftslage entsprechend, zum Beispiel ein Paar Stiefel, ein Rock und so weiter kosten dürfen. Nicht wahr, die Grundlage für die Preisregelung habe ich ja in meinen Vorträgen schon öfter genannt. Demnach geht es in Zukunft darum, daß jeder für das, was er selber produziert, so viel bekommt, daß er seine Bedürfnisse bis zu dem Zeitpunkt, an dem er wiederum eine gleiche Leistung hervorgebracht hat, befriedigen kann. Anders ausgedrückt: Es produziert jemand ein Paar Stiefel -— das Folgende gilt auch für nicht deutlich abgrenzbare Leistungen -, und diese Stiefel müßten einen Wert haben, der vergleichbar ist mit anderen Gütern, so daß das, was ich für die Stiefel bekomme, zur Befriedigung meiner Bedürfnisse dienen kann, bis ein neues Stiefelpaar fertiggestellt ist. Das ist dasjenige, was die einzelnen Preislagen stipuliert. Selbstverständlich muß auch alles das miteinbezogen werden, was für die Erziehung der Kinder, für Invalide, Witwen und Arbeitsunfähige notwendig aufgebracht werden muß. Aus alledem ergibt sich der richtige Preis. Diesen festzusetzen, das ist die erste Tat. Das ist aber eine sehr große Arbeit. Die Arbeit der Betriebsräte, wenn sie nicht katzbalgen will mit irgendwelchen Phrasen, wird beginnen müssen mit dieser Festsetzung der Preislagen dessen, was produziert wird, ansonsten wird man niemals zu einer wirklichen Sozialisierung kommen können. Es ist ein Selbstbetrug, wenn man glaubt, daß man durch die Festlegung von Löhnen aus anderen Untergründen heraus zu einer wirklichen Sozialisierung kommt. Das ist einfach ein Unsinn, denn Sie können die Löhne nach den Prinzipien, nach denen sie bisher ausgezahlt wurden, beliebig erhöhen. Sie können sogar das, was Sie an Lohnerhöhung bekommen, verdoppeln, und dies wird dadurch dann ausgeglichen, daß die Wohnungen und Lebensmittel wieder teurer werden, wenn Sie nicht einen naturgemäßen, einen aus der Wirtschaft selbst hervorgehenden Maßstab für die Preisbildung haben.

[ 6 ] Here one must first take into account that the structure of the threefold social organism differs significantly from everything that is conceived, for example, within political parties regarding the continuation of economic, political, and spiritual life. The task at hand must therefore be regarded as an economic one in the most eminent sense; that is to say, on the basis of what has been obtained as provisional material, we must first determine what will lead to a genuine establishment of standard prices for the various goods produced. This is the first task in the course of future socialization: to determine, in accordance with the economic situation, how much, for example, a pair of boots, a skirt, and so on may cost. After all, I have already mentioned the basis for price regulation quite often in my lectures. Accordingly, the goal in the future is for everyone to receive enough for what they produce themselves to satisfy their needs until the point at which they have once again produced an equivalent amount of output. To put it another way: Someone produces a pair of boots—and the following also applies to services that cannot be clearly defined—and these boots must have a value comparable to that of other goods, so that what I receive for the boots can serve to satisfy my needs until a new pair of boots is completed. This is what determines the individual price levels. Of course, everything that must be provided for the education of children, for the disabled, widows, and those unable to work must also be taken into account. The correct price results from all of this. Setting this price is the first step. But this is a very large undertaking. The work of the works councils—if they do not wish to squabble over empty phrases—will have to begin with this determination of price ranges for what is produced; otherwise, true socialization will never be achieved. It is self-deception to believe that true socialization can be achieved by setting wages based on other criteria. That is simply nonsense, because you can raise wages as much as you like according to the principles by which they have been paid up to now. You can even double the wage increase you receive, and this will then be offset by housing and food becoming more expensive again, unless you have a natural standard for price formation that arises from the economy itself.

[ 7 ] Ist dieser Maßstab für die Preisbildung gefunden - die Betriebsräteschaft wird einige Wochen damit zu tun haben -, dann wird man dazu übergehen müssen, die gerechten Preise zu finden. Hierdurch wird dann eine Grundlage geschaffen für das, was in der Zukunft weiterhin entstehen soll, und man wird wissen, womit man rechnen kann. Dann wird an die Stelle des bisherigen sogenannten Arbeitsvertrages ein Verteilungsvertrag zwischen dem geistigen und physischen Arbeiter treten können. Zu den geistigen Arbeitern werden, wenn sie sich einreihen, selbstverständlich auch die bisherigen Unternehmer mit ihren Erfahrungen gehören können. Im wesentlichen wird der Vertrag so geschlossen werden, daß ihm die gemeinsame Arbeit der Hand- und der geistigen Arbeiter zugrunde liegt; etwas anderes kommt nicht in Betracht. Sie arbeiten gemeinsam an irgendeinem Produkt, und dieses Produkt hat einen gewissen Preis. Unter Berücksichtigung der jeweiligen Gegebenheiten und Möglichkeiten muß nun dieser Preis vertragsmäßig zwischen geistigen Leitern und Arbeitern verteilt werden. Es wird also nicht mehr irgendwie die Arbeitskraft bezahlt, sondern, wenn man Güter produziert oder die Güterproduktion leitet, dann erhält man gemäß dem Verteilungsvertrag den entsprechenden Anteil. Ausführen kann man das nur, wenn alles das feststeht, was Arbeitsrecht ist.

[ 7 ] Once this standard for price-setting has been established—which will take the works council several weeks—we will then have to move on to determining fair prices. This will lay the foundation for what is to develop in the future, and we will know what to expect. Then, the previous so-called employment contract can be replaced by a distribution agreement between intellectual and manual workers. Of course, once they join the ranks, the former entrepreneurs—with their experience—will also be able to be counted among the intellectual workers. Essentially, the contract will be concluded in such a way that it is based on the joint work of manual and intellectual workers; nothing else will be considered. They work together on a particular product, and this product has a certain price. Taking into account the respective circumstances and possibilities, this price must now be distributed contractually between intellectual leaders and workers. Thus, labor will no longer be paid in any general sense; rather, when one produces goods or manages the production of goods, one receives the corresponding share in accordance with the distribution contract. This can only be implemented once all aspects of labor law have been firmly established.

[ 8 ] Nun kann man natürlich mit der Betriebsräteschaft nichts anderes als wirtschaftliche Institutionen im Sinne der Dreigliederung schaffen. In der Zukunft wird jedoch neben der wirtschaftlichen Organisation, die es vorzugsweise mit einer gerechten Festsetzung der Preise zu tun hat, das Rechtsparlament stehen, in dem jeder Mensch die Möglichkeit findet, sein Verhältnis zu den anderen Menschen festzusetzen. Natürlich ist deshalb dasjenige, was im Rechtsparlament geschieht, nicht ohne Wirkung auf das Wirtschaftsleben. Diejenigen, die nun im Wirtschaftsleben einen Betrieb zu leiten haben, die werden ihn in dem Sinne zu leiten haben, daß sie beobachten das, was im Rechtsparlament aus demokratischen Prinzipien heraus über den Wert der Arbeit und die Arbeitszeit festgelegt wird.

[ 8 ] Of course, through the works council system, one can create nothing other than economic institutions in the sense of the threefold social order. In the future, however, alongside the economic organization—which is primarily concerned with the just determination of prices—there will be the Legal Parliament, in which every person will have the opportunity to define their relationship to other people. Naturally, therefore, what takes place in the Legal Parliament is not without effect on economic life. Those who are now responsible for managing a business in economic life will have to manage it in such a way that they observe what is determined in the Legal Parliament—based on democratic principles—regarding the value of labor and working hours.

[ 9 ] Das, was geistige Arbeit ist, also wie die Verwaltung der Produktionsmittel im wesentlichen in der Zukunft dem geistigen Gliede des sozialen Organismus zugeteilt wird, das können Sie in meinem Buch «Die Kernpunkte der sozialen Frage» nachlesen. Allerdings zeigt es sich heute noch, daß diejenigen, die bisher den geistigen Anteil an der Arbeit innehatten, zurückgeblieben sind, das heißt nicht eingehen werden wollen auf diese Dinge; deshalb können wir auf diesem Felde heute noch nichts erreichen. Aber wir haben das, was die Betriebsräteschaft zu tun hat, unter der Voraussetzung zu schaffen, daß später nicht nur ein Rechtsparlament, sondern auch eine freie Verwaltung des geistigen Lebens dasein wird. Aus diesem Geistesleben werden auch die geistigen Leiter der Betriebe hervorgehen, die auch bei der Bestellung der Betriebsräte mitsprechen werden, so daß in der Betriebsräteschaft auch das Urteil der geistigen Leiter Berücksichtigung findet. Dies kommt heute noch nicht in Betracht, aber wir müssen nur schon daran denken, daß es später in Betracht kommen wird.

[ 9 ] You can read about what intellectual labor is—that is, how the administration of the means of production will essentially be assigned to the intellectual segment of the social organism in the future—in my book The Key Points of the Social Question. However, it is still evident today that those who have hitherto held the intellectual share of the work have fallen behind—that is, they are unwilling to engage with these matters; therefore, we cannot yet achieve anything in this field. But we must establish what the works council system is to do, on the premise that in the future there will be not only a legislative parliament but also a free administration of intellectual life. From this spiritual life will also emerge the spiritual leaders of the enterprises, who will also have a say in the appointment of the works council members, so that the judgment of the spiritual leaders is also taken into account in the works council system. This is not yet a consideration today, but we need only bear in mind that it will be a consideration later on.

[ 10 ] Es handelt sich also darum, daß auch diese zweite Aufgabe gelöst wird, daß also in einer Urversammlung, in der alle Betriebsräte zusammenkommen, eine Regelung über die Preisverhältnisse gefunden wird. Die erste Aufgabe haben ja die Betriebsräte innerhalb des jeweiligen Betriebes zu lösen, also sich zu informieren und eine Art Inventur des Betriebsgeschehens vorzunehmen. Es werden sich dann noch viele Dinge ergeben, die zu regeln sein werden, wie Rechtsfragen, Fragen der betrieblichen Disposition und dergleichen. Und es wird sich schon sehr bald herausstellen, daß die Betriebsräte und die sich dann bildende Betriebsräteschaft die soziale Kraft darstellen werden, aus der dann die Sozialisierung hervorgeht. Aber die Betriebsräte allein werden eine umfassende Sozialisierung nicht durchführen können. Man wird vor allen Dingen auch noch Verkehrsräte und Wirtschaftsräte haben müssen, die dann ebenso ihre Aufgabe bekommen werden. Es wird sich schon bei der konstituierenden Versammlung der Betriebsräteschaft zeigen, welche Schritte zu tun sind, um eine sachgemäße Verwaltung, eine sachgemäße Zirkulation der Güter, den Bezug von Rohstoffen und so weiter zu organisieren.

[ 10 ] The point, then, is that this second task must also be resolved—that is, that a resolution regarding price relations be reached at a general assembly in which all works councils come together. The works councils must, of course, resolve the first task within their respective companies, which means gathering information and conducting a sort of inventory of company operations. Many other issues will then arise that will need to be addressed, such as legal matters, questions of operational planning, and the like. And it will become clear very soon that the works councils and the emerging body of works council representatives will constitute the social force from which socialization will emerge. But the works councils alone will not be able to carry out comprehensive socialization. Above all, there will also need to be transportation councils and economic councils, which will likewise be assigned their tasks. It will become clear as early as the constituent assembly of the federation of works councils what steps must be taken to organize proper administration, the proper circulation of goods, the procurement of raw materials, and so on.

[ 11 ] Es werden sich also verschiedene Arten von Räten bilden müssen, vor allen Dingen aber die drei genannten Räte. Näheres kann dann die Versammlung der Betriebsräteschaft beschließen. Nun, wenn die Betriebsräteschaft ihre ersten Aufgaben erfüllt hat, dann kann sie beginnen, etwas auszuarbeiten, was zur Zeit noch ungerechtfertigterweise der Staat, der sich ja herausentwickelt hat aus dem alten Staat und den man heute «sozialistische Republik» nennt, ausarbeiten will: das Betriebsrätegesetz. Solch ein Betriebsrätegesetz, wie es vom Staat bisher im Entwurf vorliegt, würde der dreigliedrige soziale Organismus überhaupt nicht haben wollen, weil die wirtschaftlichen Einrichtungen nichts zu tun haben mit den Rechtseinrichtungen. Die Rechtseinrichtungen, die gehören in die Fortsetzung des ehemaligen Staates hinein. Das Wirtschaftsleben hat sich auf sich selbst zu stellen. Im heutigen «Abendblatt» wird gezeigt, wie scheinbar nach entgegengesetzter Richtung hin die gegenwärtige — nun, sagen wir — «sozialistische Republik» arbeitet. Da wird vorgeschlagen, daß das Ziel ein immer innigeres gegenseitiges Durchdringen von Staats- und Wirtschaftsleben sei. Das ist das Gegenteil von dem, was mit der Dreigliederung des sozialen Organismus angestrebt wird. Diese gegenseitige Durchdringung von Staats- und Wirtschaftsleben soll eben gerade aufgehoben werden! Das Wirtschaftsleben für sich und das staatliche Leben für sich, jedes soll sich selbst verwalten, das ist das Ziel. Und im staatlichen Leben soll nur das verwaltet werden, was auf demokratischer Grundlage verwaltet werden kann, worüber jeder mündige Mensch entscheiden kann. Jeder mündige Mensch kann aber nicht einfach entscheiden, was die beste Art ist, dieses oder jenes Produkt von dem einen zum anderen Ort zu bringen; dazu gehört Sachverständnis. Und Sachverständnis haben nur die Menschen aus den jeweiligen Wirtschaftszweigen selbst. Deshalb muß das gesamte Wirtschaftsleben auf Sachverständnis beruhen und zugleich eine gewisse föderative Struktur aufweisen.

[ 11 ] Various types of councils will therefore have to be formed, but above all the three councils mentioned. The assembly of works council members can then decide on the details. Now, once the works council body has fulfilled its initial tasks, it can begin to draft something that the state—which has evolved from the old state and is today called the “socialist republic”—currently seeks to draft, albeit unjustifiably: the Works Council Act. Such a Works Council Act, as currently proposed by the state, is something the threefold social organism would not want at all, because economic institutions have nothing to do with legal institutions. Legal institutions belong to the continuation of the former state. Economic life must stand on its own. Today’s Abendblatt illustrates how the current—let’s call it—“socialist republic” appears to be moving in the opposite direction. It is suggested there that the goal is an ever-deeper mutual interpenetration of state and economic life. This is the opposite of what the threefold social organism aims to achieve. This mutual interpenetration of state and economic life is precisely what is to be eliminated! Economic life on its own and state life on its own—each is to govern itself; that is the goal. And in state life, only that which can be administered on a democratic basis—that over which every responsible individual can decide—should be administered. However, not every responsible individual can simply decide what is the best way to transport this or that product from one place to another; this requires technical expertise. And only the people from the respective economic sectors themselves possess this technical expertise. Therefore, the entire economic life must be based on technical expertise and, at the same time, exhibit a certain federal structure.

[ 12 ] Professor Heck, der manches Törichte gesagt hat, hat vorzugsweise Angst, daß dann, wenn eine solche Art der Verwaltung entsteht, im Wirtschaftsparlament — ein solches wird es aber nicht geben, es wird nur einen wirtschaftlichen Zentralrat geben — der kleine Handwerker den Großindustriellen, der Landarbeiter den Naturwissenschaftler nicht verstehen wird. Ja, aber eine solche Situation entsteht gar nicht erst, weil die Assoziationen, die im Wirtschaftsleben entstehen, sich kettenförmig zusammenschließen und von Assoziation zu Assoziation sachgemäß verhandelt werden wird. Es bezeugt eben gerade ein solcher Einwand, daß man das Wirtschaftsleben nicht auf demokratische Art verwalten kann, sondern nur föderativ, assoziativ. Es kann nur etwas durch sachgemäße Verhandlungen zustande kommen.

[ 12 ] Professor Heck, who has said many foolish things, is primarily afraid that if this kind of administration were to come into being, in the Economic Parliament—though there will be no such thing; there will only be a Central Economic Council—the small craftsman would not understand the big industrialist, nor the farmworker the natural scientist. Yes, but such a situation will not arise in the first place, because the associations that form in economic life will link together in a chain, and matters will be properly negotiated from association to association. It is precisely such an objection that demonstrates that economic life cannot be administered democratically, but only federatively, through associations. Nothing can come about except through proper negotiations.

[ 13 ] Also, da sitzen, sagen wir, Vertreter der Schuhbranche, Vertreter der Metallindustrie oder der Textilindustrie, und die verstehen alle speziell etwas von ihrer Sache. Und die Versammlung ist nun dazu da, daß jeder sein sachgemäßes Urteil über das Festsetzen gerechter Preisverhältnisse abgibt. Es ist doch etwas ganz anderes, wenn man sich die verschiedenen Urteile anhört und jeder seine Forderungen geltend macht, als wenn man einfach auf demokratische Art abstimmt. Dies würde ja nichts anderes bewirken, als daß sich gewisse Wirtschaftszweige zusammenschließen und die anderen majorisieren. Dann würde die Minderheit nie zu ihrem Recht kommen können. Bei einer Konstitution, die aus dem Sachzusammenhang des wirtschaftlichen Lebens selbst heraus entsteht, ist eine solche Majorisierung ausgeschlossen. So würde also das, was jetzt ungerechtfertigterweise durch das vom Staat vorgelegte Betriebsrätegesetz zustande kommen soll, erst durch die Verhandlungen der Betriebsräteschaft zustande kommen. Das bitte ich als das Wichtigste festzuhalten, daß der dreigliedrige soziale Organismus jedes staatliche Gesetz in diesem Zusammenhang ablehnt.

[ 13 ] So, let’s say there are representatives from the shoe industry, the metal industry, or the textile industry sitting there, and they all have specialized knowledge of their respective fields. And the purpose of the assembly is for everyone to offer their expert opinion on establishing fair price ratios. It is quite a different matter to listen to the various opinions and have everyone assert their demands than it is to simply vote in a democratic manner. This would achieve nothing other than certain economic sectors joining forces and outvoting the others. Then the minority would never be able to have its say. In a constitution that arises from the practical context of economic life itself, such outvoting is ruled out. Thus, what is now unjustifiably intended to be brought about by the Works Council Act proposed by the state would instead come about only through negotiations among the works councils. I ask that you note this as the most important point: that the threefold social organism rejects any state law in this context.

[ 14 ] Sehen Sie, wie dann dieser dreigliedrige soziale Organismus im einzelnen zustande kommt, das ist jetzt nicht so wesentlich. Wir müssen auf diesem Gebiet deutlich unterscheiden zwischen Sophistik beziehungsweise Phraseologie und der Wirklichkeit. Nicht wahr, wenn man so sagt, wie ich immer gesagt habe, daß sich der ehemalige Staat nicht fortsetzen sollte, sondern nur sein mittleres Glied fortsetzen sollte, so daß sich also jene Regierung, die den bisherigen Staat übernimmt, als Liquidierungsregierung konstituiert und nur noch zuständig ist für die öffentliche Sicherheit, die Hygiene, das Rechtsleben und dergleichen, dann bleibt das Wirtschaftsleben, bleibt das Geistesleben abgegliedert. Aber wenn es sich herausstellen sollte, daß sich der bisherige Staat schon so viel in die Wirtschaft hineingemischt hat, daß die bisherigen Vertreter sich nicht denken können, daß sie das Wirtschaftsleben abgeben, kann es auch anders geschehen, nämlich daß sich der bisherige Staat sagt: Nun gut, ich führe meine Angelegenheiten fort als Wirtschaftsverwaltung, lasse aber alles, was demokratisch ist, heraus; es soll sich neben mir begründen der Rechts- und geistige Staat. - Dann wäre natürlich notwendig, daß alle scheinbare Demokratie aus dieser Wirtschaftsverwaltung herausgeworfen werde, das hieße auch, daß zum Beispiel in Deutschland die Nationalversammlung nicht mehr so wie bisher funktionieren könnte, denn das Demokratische hat mit dem Wirtschaftsleben nichts zu tun. Also, die Dinge können so oder so gemacht werden. Auf jeden Fall müssen in Zukunft die drei Glieder nebeneinander bestehen.

[ 14 ] See, how this threefold social organism comes about in detail—that is not so essential right now. In this area, we must make a clear distinction between sophistry or empty rhetoric and reality. Isn’t it true that if one says, as I have always said, that the former state should not continue, but only its middle member should continue—so that the government taking over the existing state is constituted as a liquidation government and is responsible only for public safety, public health, the legal system, and the like—then economic life and spiritual life remain separate? But if it turns out that the existing state has already interfered so much in the economy that its current representatives cannot conceive of relinquishing control over economic life, things may unfold differently—namely, the existing state might say: “Very well, I will continue to manage my affairs as an economic administration, but I will leave out everything that is democratic; the legal and spiritual state shall be established alongside me. - Then, of course, it would be necessary for all semblance of democracy to be expelled from this economic administration; this would also mean, for example, that in Germany the National Assembly could no longer function as it has until now, because democracy has nothing to do with economic life. So, things can be done one way or the other. In any case, the three components must coexist side by side in the future.

[ 15 ] Dann wiederum muß aus der konstituierenden Versammlung der Betriebsräteschaft Württembergs alles das hervorgehen, was an Regelungen im Hinblick auf die Aufgaben und Funktionen der Betriebsräte notwendig ist. Die Betriebsräte tragen dann das auf dieser Urversammlung Beschlossene in ihre jeweiligen Betriebe hinein. Diese in die Betriebe jetzt wiederum zurückgehenden Leute handeln innerhalb ihrer Betriebe im Auftrage der gesamten Betriebsräteschaft. Sie handeln nicht im Auftrage irgendeines einzelnen Unternehmers, sondern fühlen sich als Abgesandte der gesamten Betriebsräteschaft eines in sich geschlossenen Wirtschaftsgebietes. Nach diesen Gesichtspunkten verwalten sie den Betrieb.

[ 15 ] In turn, the constituent assembly of the Württemberg Works Council Association must establish all the regulations necessary regarding the duties and functions of the works councils. The works council members then carry the resolutions adopted at this inaugural assembly back to their respective workplaces. These individuals, now returning to their workplaces, act within their workplaces on behalf of the entire body of works councils. They do not act on behalf of any individual employer, but rather see themselves as representatives of the entire body of works councils within a self-contained economic region. They manage the workplace in accordance with these principles.

[ 16 ] Nun, es kann sich ja in der Übergangszeit herausstellen, daß es für sehr viele Betriebe am besten ist, wenn die alte Leitung, jetzt aber als ein Glied des Betriebsrates, zunächst bleibt, und zwar aus dem Grunde, damit nicht Sabotage getrieben wird oder die Fehler gemacht werden, die in Rußland gemacht wurden. Sollte die bisherige Leitung nicht geneigt sein, irgendwie darauf einzugehen, daß der wirkliche Leiter des Betriebes die Betriebsräteschaft ist, dann natürlich müßte die betreffende Leitung, also die bisherige Leitung, zurücktreten. Dann müßte der Betriebsrat die gesamte Leitung des Betriebes übernehmen. Er übernimmt sie ja in Wirklichkeit, aber er wird [ohne Einbeziehung der früheren Leitung] große Schwierigkeiten haben, da er ja sehr rasch sachgemäß handeln muß.

[ 16 ] Well, it may turn out during the transition period that it is best for a great many companies if the old management—now serving as members of the works council—remains in place for the time being, specifically to prevent sabotage or the repetition of the mistakes made in Russia. If the current management is not willing to acknowledge in any way that the works council is the actual leader of the enterprise, then, of course, the management in question—that is, the current management—would have to step down. In that case, the works council would have to take over the entire management of the enterprise. In reality, it is already taking over, but it will face great difficulties [without the involvement of the former management], since it must act appropriately very quickly.

[ 17 ] Es könnte sich aber auch ergeben, und dies wäre ein weiterer Schritt zur Sozialisierung, daß nicht mehr jeder einzelne Betrieb seine individuelle Leitung hat, sondern daß die Leitung im Auftrage des Wirtschaftskörpers des gesamten Wirtschaftsgebietes arbeitet. Aber es muß hierbei vor allen Dingen darauf geachtet werden - und das müßte schon bei der Ausarbeitung der Konstitution ins Auge gefafßßt werden -, daß in nichts die Initiative untergraben wird. Die Betriebsräteschaft soll aber nicht so strukturiert werden, wie man sich das heute noch denkt, denn bei manchen der Vorschläge, würde man sie verwirklichen, käme schon etwas Ungeheuerliches heraus. Denken Sie einmal, daß es sogar Vorschläge gibt wie: In der Zukunft muß in jedem Betrieb eine technische Kontrolle, eine ökonomische Kontrolle und eine politische Kontrolle dasein. — Es sind insgesamt wohl sogar fünf bis sechs solcher Kontrollen vorgesehen. Hier geht man wohl davon aus, daß eigentlich jeder ein unehrlicher, ein schlechter Kerl ist und deshalb kontrolliert werden muß. Wenn dieses System der fünf- bis sechsfachen Kontrolle durchgeführt wird, werden Sie in Zukunft überhaupt nichts mehr produzieren, denn dieses Kontrollsystem ist im eminentesten Sinne auf Mißtrauen aufgebaut. Wenn Sie aber darauf bauen wollen im künftigen Wirtschaftsleben, dann kommen Sie nicht vorwärts. Sie kommen nur vorwärts, wenn Sie auf das Vertrauen bauen, und darauf wird man bauen können, wenn mit dem Egoismus des einzelnen der rationelle Betrieb zusammenfällt, also daß jeder in Zukunft weiß, daß ihm seine Arbeit am besten bekommt, wenn der beste Leiter da ist. Und durch dieses System wird eben der beste Leiter delegiert werden können.

[ 17 ] It could also happen, however—and this would be a further step toward socialization—that individual enterprises would no longer have their own management, but that management would operate on behalf of the economic body representing the entire economic region. But above all, care must be taken here—and this should already be taken into account when drafting the constitution—to ensure that initiative is not undermined in any way. The works council system, however, should not be structured as is still envisioned today, for if some of the proposals were implemented, the result would be something truly monstrous. Just consider that there are even proposals such as: In the future, every business must have technical oversight, economic oversight, and political oversight. — In fact, a total of five or six such controls are apparently planned. The assumption here seems to be that everyone is essentially a dishonest, bad person and must therefore be monitored. If this system of five- or six-fold control is implemented, you will produce absolutely nothing in the future, because this control system is built on mistrust in the truest sense of the word. But if you want to rely on that in future economic life, you won’t make any progress. You’ll only make progress if you rely on trust, and you’ll be able to rely on that when the individual’s self-interest aligns with rational management—that is, when everyone in the future knows that their work benefits them most when the best leader is in charge. And through this system, the best leader will be able to be appointed.

[ 18 ] Das gewöhnliche Wählen wird sich nach und nach in eine Art Delegation verwandeln. Man wird ein Interesse daran haben, daß derjenige, der den größten Sachverstand hat, auch die Leitung innehat. Durch dieses System wird sich schon herausstellen, wer der beste Leiter ist, und das wird auch der wissen, der selber nicht leiten kann. Dieses System eröffnet andere Möglichkeiten als ein bloßes demokratisches Wählertum oder ein Rätesystem, wie es sich die Menschen heute denken. Denn beides würde nur zum Spitzeltum, zur Streberei führen, und in beiden würde es dem Arbeiter nicht besser gehen als heute.

[ 18 ] Ordinary voting will gradually evolve into a form of delegation. People will have an interest in ensuring that the person with the greatest expertise also holds the leadership position. This system will naturally reveal who the best leader is, and even those who cannot lead themselves will recognize this. This system opens up possibilities beyond mere democratic voting or a council system, as people imagine them today. For both would only lead to snitching and careerism, and under either system, workers would be no better off than they are today.

[ 19 ] Das, um was es sich handelt, das ist, auf sachgemäßer, nicht auf bisheriger staatlicher Grundlage, das Wirtschaftsleben einzurichten. Wenn die Betriebsräte in ihre Betriebe zurückkommen mit den Mandaten, mit den entsprechenden Aufgabenstellungen, dann kann in den einzelnen Fabriken begonnen werden, auf sozialer Grundlage zu arbeiten. Das würde also das erste sein, was wir praktisch unternehmen wollen. Folgendes muß praktisch durchgeführt werden: die Wahl von Betriebsräten über einzelne Branchen hin. Dann die Informierung über den wirtschaftlichen Stand aller Branchen. Daran anschließend müßten die Betriebsräte aus dem gesamten Wirtschaftsgebiet zusammengerufen werden. Ferner das Ausarbeiten einer Konstitution auf der Grundlage der sachlichen Gegebenheiten. Diese Konstitution der Betriebsräteschaft wäre der Anfang zu einer wirklichen Sozialisierung. Bevor dies nicht eintritt, gibt es keine Sozialisierung, denn der Staat kann nicht durch Gesetze sozialisieren. Es kann nur aus dem Wirtschaftsleben selbst heraus sozialisiert werden. Heute denkt man, man könne diesen oder jenen Wirtschaftszweig sozialisieren, so zum Beispiel den des Apothekenwesens. Das ist natürlich schlicht Unsinn, das ist nichts anderes als Staatskapitalisierung. Es ist einmal eine nette Sache passiert. Ein sehr gescheiter Herr hielt in Berlin bald nach der Begründung der sozialistischen Republik einen Vortrag über Sozialisierung. Zunächst machte er darauf aufmerksam, wie unmöglich es wäre, aus den unmittelbar gegebenen Verhältnissen heraus zu einer Sozialisierung zu kommen, also zu einer Sozialisierung, wie sie als Ideal der sozialistischen Partei vorschwebte. Deshalb, so sagte er, können wir nicht heute, auch nicht morgen oder übermorgen zu einem wirklichen Sozialismus kommen, sondern wir müssen einen Übergang schaffen. Und den Übergang, den er schaffen will, charakterisierte er so: Wir müssen, sagte er, zwischen unserer heutigen kapitalistischen Wirtschaftsordnung und der künftigen Wirtschaftsordnung einen Sozial-Kapitalismus schaffen. -— Nun, das ist nichts weiter als ein Beweis dafür, daß man nicht weiß, wie man die Sozialisierung beginnen soll. Man kann aber nicht beginnen, bevor man nicht zuerst eine gewisse soziale Struktur, eine Sozietät, schafft. Wie wollen Sie denn sozialisieren, wenn nicht schon eine solche Sozietät, eine soziale Gesellschaft da ist? Mit der Inaugurierung einer solchen sozialen Gesellschaft soll eben der Anfang gemacht werden, indem man die Betriebsräte zu einer solchen Sozietät zusammenfaßt. Sie können nicht Fabriken, Betriebszweige sozialisieren, sondern nur das Ganze. Also Sie müssen das Ganze stellen auf das, was aus der Gesellschaft an Menschen herauszuziehen ist, und mit diesen Menschen müssen Sie dann sozialisieren.

[ 19 ] What is at stake here is organizing economic life on a sound basis, not on the basis of the existing state structure. When the works councils return to their workplaces with their mandates and the corresponding tasks, then work can begin in the individual factories to operate on a social basis. That, then, would be the first practical step we intend to take. The following must be carried out in practice: the election of works councils across individual industries. Then, providing information on the economic status of all industries. Following that, the works councils from across the entire economic sector would have to be convened. Furthermore, drafting a constitution based on the objective realities. This constitution of the works council system would be the beginning of true socialization. Until this happens, there is no socialization, for the state cannot socialize through laws. Socialization can only arise from economic life itself. Today, people think they can socialize this or that sector of the economy—for example, the pharmacy sector. That is, of course, sheer nonsense; it is nothing other than state capitalization. A rather interesting incident once occurred. A very intelligent gentleman gave a lecture in Berlin on socialization shortly after the founding of the socialist republic. He began by pointing out how impossible it would be to achieve socialization—that is, socialization as envisioned as the ideal of the socialist party—based on the immediate circumstances at hand. Therefore, he said, we cannot achieve true socialism today, nor tomorrow, nor the day after tomorrow; rather, we must create a transitional phase. And he characterized the transition he wished to create as follows: We must, he said, establish a form of social capitalism between our current capitalist economic order and the future economic order. — Well, that is nothing more than proof that one does not know how to begin the process of socialization. But one cannot begin until one has first created a certain social structure, a social partnership. How do you intend to socialize if such a social partnership, a social society, does not already exist? The inauguration of such a social society is precisely where the process should begin, by uniting the works councils into such a society. You cannot socialize individual factories or branches of industry, but only the whole. So you must base the whole on what can be drawn from society in terms of people, and it is with these people that you must then carry out socialization.

[ 20 ] Also diejenigen, die als Betriebsräte gewählt sind, werden sich sagen können, daß sie eine große, eine bedeutsame Aufgabe haben, und sie sind es, die die Grundlagen zu liefern haben für das, was künftige Sozialisierung ist. Und ich glaube, daß Sie heute schon so weit sind, daß Sie begreifen werden, daß auf eine solche Art, wie sie hier dargestellt wurde, eine richtige Grundlage für die Sozialisierung gegeben ist; auf eine andere Art ist sie nicht zu schaffen. Es ist schon so, daß die Leute über die Sozialisierung die verschiedensten und zugleich auch die merkwürdigsten Ansichten haben. Als ich gestern jemandem eine bestimmte Auffassung über Sozialismus vorlas, da kam diesem ein besonderer Gedanke. Es handelte sich um einen Artikel von Dr. Georg Wilhelm Schiele, der mit folgenden Worten überschrieben war: «Vom wahren, gereinigten» — dann kam noch ein Beiwort, das will ich jetzt nicht lesen — «Sozialismus». In dem Artikel hieß es dann:

[ 20 ] So those who are elected as works council members will be able to tell themselves that they have a great and significant task, and it is they who must lay the groundwork for what future socialization will be. And I believe that you have already reached the point where you will understand that, in the manner described here, a proper foundation for socialization is provided; it cannot be created in any other way. It is true that people have the most diverse—and at the same time the most peculiar—views on socialization. When I read a certain view on socialism to someone yesterday, a particular thought occurred to that person. It was an article by Dr. Georg Wilhelm Schiele, which was titled with the following words: “On True, Purified”—followed by an additional word, which I do not wish to read now—“Socialism.” The article then stated:

«Was ist sozial? Der Staat ist sozial: Er ist das Soziale. Was ist Kommunismus? Die Gemeinde ist der Kommunismus! Und mehr noch, die Familie. Sie ist derjenige Kommunismus, welchen die menschliche Gesellschaft immer nötig hat. Was mehr ist, das ist vom Übel. Wir hatten einen Staat, welcher sehr viel wirklichen Sozialismus in sich hatte, den preußischen Staat; und nach seinem Vorbild gebaut auch die andern deutschen Staaten und das Reich. Dieser Staat war das Sozialste, was es seit langer Zeit gegeben hat und was es so bald nicht wieder geben wird.

“What is social? The state is social: it is the social itself. What is communism? The community is communism! And even more so, the family. It is the kind of communism that human society always needs. Anything beyond that is evil. We had a state that embodied a great deal of genuine socialism—the Prussian state—and the other German states and the Empire were also modeled after it. This state was the most social entity that has existed in a long time and one that will not exist again anytime soon.

Was war denn an diesem Staat sozial? Sehet hin. Das AllerpreuRischste an ihm war auch das Allersozialste, nämlich das Heereswesen, die allgemeine Wehrpflicht.»

What, then, was “social” about this state? Look closely. The most Prussian aspect of it was also the most “social”—namely, the military system, universal conscription.»

[ 21 ] Nun denken Sie sich, was das Ideal dieses Dr. G.W. Schiele ist!

[ 21 ] Now just imagine what this Dr. G.W. Schiele's ideal is!

«Mancher Vater, der seinen Sohn heranwachsen sieht, fragt sich schon jetzt mit Sorgen: Wie gebe ich meinem Sohn für Leib und Geist, wenn er reif wird, die letzte Erziehung zur Männlichkeit, die Manneszucht, die aus jedem Stoffel eine junge Lanze aus Stahl und einen schmucken Kerl machte? Wo wird jetzt die wahrhafte Kunst des Befehlens und Gehorchens gelehrt, die jedem jungen Deutschen den Geist der Einordnung und Unterordnung unter ein Ganzes gab und ihn zugleich zum Führer und Vorgesetzten erzog, Befehlsempfänger und Befehlshaber je nach der Aufgabe. Wie ersetzen wir diese Volkserziehung, welche das deutsche Volk davor behütete, zu vertrotteln und zu versimpeln?»

“Many a father, watching his son grow up, is already asking himself with concern: How can I give my son—in body and spirit—when he comes of age, that final education in manhood, that discipline of manhood, which turned every weakling into a young lance of steel and a fine young man? Where is the true art of commanding and obeying taught today—the art that instilled in every young German the spirit of integration and subordination to a greater whole, while at the same time training him to be both a leader and a superior, a follower and a commander, depending on the task? How do we replace this national education, which protected the German people from becoming dull-witted and simplistic?”

[ 22 ] Dann sagt der Herr weiter:

[ 22 ] Then the Lord goes on to say:

«Vorläufig gibt es überhaupt keinen Staat mit ehrlichen Steuerzahlern und ehrlichen Beamten mehr. Wir werden bald sehen, daß es weder Staat noch Steuern gibt. Wenn es aber keinen Staat mehr gibt, so gibt es auch keinen Sozialismus mehr.»

“For the time being, there is no longer any state with honest taxpayers and honest civil servants. We will soon see that there is neither a state nor taxes. But if there is no longer a state, then there is no longer socialism either.”

[ 23 ] In diesem Ton geht es weiter. Dann sagt er:

[ 23 ] The conversation continues in this vein. Then he says:

«Es wird die Stunde kommen, wo wir alle seufzen, weinen und schreien werden nach dem sozialen Staat, den wir hatten, nach dem preußischen Staat, und dann werden wir versuchen, nach jenem Vorbild, das uns die Väter gegeben haben, ein neues Gemeinwesen aufzubauen.»

“The time will come when we will all sigh, weep, and cry out for the social state we once had, for the Prussian state, and then we will try to build a new community based on the model our forefathers gave us.”

[ 24 ] Als ich das gestern unserem Freunde Herrn Molt vorlas, meinte er, ich lese ihm aus einem Witzblatt vor. Aber es ist kein Witzblatt. Es ist die jüngste Ausgabe der «Eisernen Blätter», erschienen im Verlag der Eisernen Blätter in Berlin. Es ist etwas vollkommen Ernstgemeintes; die ganze Nummer ist herausgegeben von D. Traub.

[ 24 ] When I read this aloud to our friend Mr. Molt yesterday, he said it sounded like I was reading from a satirical magazine. But it is not a satirical magazine. It is the latest issue of Eiserne Blätter, published by the Eiserne Blätter publishing house in Berlin. It is something entirely serious; the entire issue is edited by D. Traub.

[ 25 ] So sieht es aus mit den Anschauungen über die Sozialisierung bei einer großen Anzahl von Leuten. Aber wenn einmal dasein wird dasjenige, was nicht bloße Theorie ist, sondern was als Betriebsräteschaft sich über ein großes, in sich geschlossenes Wirtschaftsgebiet wie Württemberg erstreckt, und wenn einmal, sagen wir, 800 Leute da sind, nicht nur ein paar wie heute, und wenn die sich zusammenschließen, so wird das eine Offenbarung der gesamten Arbeiterschaft Württembergs und damit eines großen Teiles der Bevölkerung sein. Das ist dann keine Theorie, das wird eine Macht sein. Aber darauf kommt es an, daß diese Macht zunächst wirklich geschaffen wird, und deshalb möchte man von seiten des «Bundes für Dreigliederung des sozialen Organismus» so gerne sehen, daß nun mit der Wahl von Betriebsräten fortgeschritten wird, nachdem ja jetzt schon ein kleiner Grundstock für die zukünftige Betriebsräteschaft da ist. Wenn dieser kleine Grundstock sich zur Aufgabe machen würde, dafür zu sorgen, daß überall Betriebsräte gewählt werden, damit wir — und dies ist so ungeheuer wichtig — die Sache nicht sauer werden lassen, dann werden wir weiterkommen.

[ 25 ] This is the state of affairs regarding views on socialization among a large number of people. But once what is not merely a theory comes into being—something that, as a workers’ council system, extends across a large, self-contained economic region such as Württemberg—and once, let’s say, there are 800 people involved, not just a few as there are today, and once they unite, this will be a manifestation of the entire working class of Württemberg and thus of a large part of the population. That will no longer be a theory; it will be a force. But what matters is that this force is actually created first, and that is why the “Federation for the Threefold Social Order” would so much like to see progress made in the election of works councils, now that a small foundation for the future works council system is already in place. If this small foundation were to make it its mission to ensure that works councils are elected everywhere, so that we—and this is so incredibly important—do not let the matter fall by the wayside, then we will make progress.

[ 26 ] Sehen Sie, es kommt schon etwas darauf an, daß eine solche Sache heute mit der nötigen Schnelligkeit gemacht wird, sonst wird sie sauer. Es ist auch im öffentlichen Leben durchaus so wie bei gewissen Speisen, die sauer werden, wenn sie nicht zur rechten Zeit genossen werden. So sollten auch die öffentlichen Angelegenheiten nicht erst der Gleichgültigkeit, der Interessenlosigkeit ausgeliefert werden. Sie müssen nun einmal mit einer gewissen Schnelligkeit ausgeführt werden. Außerdem warten die Amerikaner und Engländer durchaus nicht auf unser langsames Vorgehen. Wenn wir nicht bis zu einem gewissen Zeitpunkt, der nicht mehr fern liegen kann, dazu kommen, von diesem wirtschaftlichen, geistigen und politischen Leben zu sagen: So wollen wir die Dinge einrichten, und wir schaffen aus den im Wirtschaftsleben Tätigen die Leitung der Betriebe -, dann werden die Anglo-Amerikaner Gelder in die Betriebe hineinstecken und sich mit den noch vorhandenen Kapitalisten vereinigen, und die wirtschaften dann nach dem Prinzip des anglo-amerikanischen Kapitalismus in den Betrieben Mitteleuropas. Dann haben Sie lange das Nachsehen. Dann können Sie schuften für einen neuen Kapitalismus, der viel schrecklicher sein wird als der bisherige. Dann können Sie nichts mehr sozialisieren, dann müssen Sie warten, bis Sie so stark sind, daß Sie durch etwas ähnlich Blutiges, wie es die letzten fünf bis sechs Jahre waren, die Möglichkeit gewinnen, an solche Dinge zu denken. Die Durchkapitalisierung vom Westen ist durchaus schon auf dem Marsche. In Berlin haben die Leute die Parole ausgegeben: Die Sozialisierung ist auf dem Marsche! - Sie ist nicht auf dem Marsche. Sie wird erst auf dem Marsche sein, wenn die Betriebsräteschaft geschaffen ist. Aber die Durchkapitalisierung ist durchaus auf dem Marsche, also die Durchsetzung aller Betriebe Mitteleuropas mit amerikanischem und englischem Kapital. Deshalb verträgt das, was wir heute riskieren können, keine lange Interessenlosigkeit, sondern wichtig ist, daß wir rasch zugreifen. Und gelingt es uns nun doch, das Interesse, das hier schon der Dreigliederung des sozialen Organismus gegenüber entstanden ist und das durchkreuzt worden ist, wachzuhalten, und bringen wir es dahin, daß über ganz Württemberg hin eine solche Betriebsräteschaft als Grundlage zur Sozialisierung auftreten kann, dann werden wir den Kollegen im übrigen Deutschland ein Beispiel gegeben haben. Mit dem, was die Betriebsräteschaft hier tut, wird ein Vorbild geschaffen sein, und die anderen werden, wenn sie es sehen, nachfolgen.

[ 26 ] You see, it really does matter that such a matter be handled with the necessary speed today; otherwise, it will go sour. Public life is just like certain foods that go sour if they aren’t enjoyed at the right time. Likewise, public affairs should not be left at the mercy of indifference or a lack of interest. They simply must be carried out with a certain degree of speed. Moreover, the Americans and the British are by no means waiting for our slow pace. If, by a certain point in time—which cannot be far off—we do not come to say of this economic, intellectual, and political life: ‘This is how we want to organize things, and we will appoint those active in economic life to manage the enterprises’—then the Anglo-Americans will pour money into the enterprises and join forces with the remaining capitalists, and they will then manage the enterprises of Central Europe according to the principles of Anglo-American capitalism. Then you will be left behind for a long time. Then you can toil for a new capitalism that will be far more terrible than the one we’ve known so far. Then you will no longer be able to socialize anything; then you’ll have to wait until you’re strong enough that, through something as bloody as the last five to six years, you gain the opportunity to even think about such things. The over-capitalization from the West is already well on its way. In Berlin, people have issued the slogan: “Socialization is on the march!”—It is not on the march. It will only be on the march once the works council system has been established. But thorough capitalization is certainly on the march—that is, the takeover of all enterprises in Central Europe by American and British capital. That is why what we can risk today cannot tolerate prolonged indifference; rather, it is crucial that we act swiftly. And if we do succeed in keeping alive the interest that has already arisen here regarding the threefold social order—and which has been thwarted—and if we manage to ensure that such a system of works councils can emerge throughout Württemberg as the foundation for socialization, then we will have set an example for our colleagues in the rest of Germany. What the works councils are doing here will set an example, and when others see it, they will follow suit.

[ 27 ] Sehen Sie zu, daß Sie innerhalb von vierzehn Tagen die Betriebsräte auf die Beine stellen, bringen Sie dann eine Urversammlung zustande, die in wenigen Wochen eine Konstitution ausarbeitet, die noch vor Verabschiedung des Gesetzes fertig sein muß, dann wird es nicht mehr so lange dauern, bis die anderen nachfolgen. Aber es wäre für hier wirklich etwas Großes, wenn man mit diesem Vorbild voranschreiten würde. Das war es, was ich Ihnen heute noch einmal ins Gedächtnis rufen wollte.

[ 27 ] Make sure you get the works councils up and running within fourteen days; then organize a founding assembly that will draft a constitution within a few weeks—one that must be completed before the law is passed—and then it won’t be long before the others follow suit. But it would truly be a great achievement for us here if we were to move forward using this as a model. That is what I wanted to remind you of once again today.

Die Gründung der vorbereitenden württembergischen Betriebsräteschaft wurde einstimmig beschlossen. Zum 1. Vorsitzenden des Aktionskomitees wurde Herr Huth, zum 2. Vorsitzenden Herr Roser und zum Schriftführer Herr Dorfner gewählt. Der Arbeitsausschuß des «Bundes für Dreigliederung des sozialen Organismus» gehört dem Aktionskomitee vollzählig an. Die Geschäftsstelle ist diejenige des «Bundes für Dreigliederung des sozialen Organismus,» Stuttgart, Champignystraße 17, Geschäftsführer: Herr Kühn.

The establishment of the preparatory Württemberg Works Council was unanimously approved. Mr. Huth was elected first chair of the Action Committee, Mr. Roser second chair, and Mr. Dorfner secretary. The entire Working Committee of the “Federation for the Threefold Social Order” is part of the Action Committee. The office is that of the “Federation for the Threefold Social Order,” Stuttgart, Champignystraße 17; Managing Director: Mr. Kühn.