Freedom of Thought and Social Forces
GA 333
22 July 1919, Ulm
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Gedankenfreiheit und Soziale Kräfte
2. Die Erkenntnis des Übersinnlichen Menschenwesens und die Aufgabe Unseres Zeitalters
2. Die Erkenntnis des Übersinnlichen Menschenwesens und die Aufgabe Unseres Zeitalters
[ 1 ] Wenn der Mensch die gegenwärtige Not, das gegenwärtige Elend anblickt, fragt er nach den Ursachen, und zumeist wird er diese Ursachen in äußeren Verhältnissen suchen. Er wird zunächst den Blick auf die schmerzensreichen Jahre, vier bis fünf Jahre, die vergangen sind, zurückwenden. Er wird vielleicht auch nach und nach aufmerksam, daß dasjenige, was in den letzten vier bis fünf Jahren so leidvoll durchlebt worden ist, in einer langen Zeit, durch Jahrzehnte, ja wohl durch Jahrhunderte der neueren Menschheitsentwicklung sich vorbereitet hat, wie etwa ein Gewitter sich vorbereitet durch die Schwüle des ganzen Tages, ohne daß sein Entstehen bemerkt wird, und das sich dann entlädt. Aber selbst diejenigen Menschen, welche in dieser Art weiter zurückschauen zu Ursachen und Veranlassungen unserer gegenwärtigen Not und unseres Elends in diesem Zeitalter, sie werden mehr oder weniger aufäußere Verhältnisse hinschauen. Sie werden auch an Äußeres denken, wenn es sich darum handelt, aus der Wirrnis und dem Chaos dieses unseres Zeitalters herauszukommen, an äußere Maßnahmen und Einrichtungen.
[ 1 ] Wenn der Mensch die gegenwärtige Not, das gegenwärtige Elend anblickt, fragt er nach den Ursachen, und zumeist wird er diese Ursachen in äußeren Verhältnissen suchen. Er wird zunächst den Blick auf die schmerzensreichen Jahre, vier bis fünf Jahre, die vergangen sind, zurückwenden. Er wird vielleicht auch nach und nach aufmerksam, daß dasjenige, was in den letzten vier bis fünf Jahren so leidvoll durchlebt worden ist, in einer langen Zeit, durch Jahrzehnte, ja wohl durch Jahrhunderte der neueren Menschheitsentwicklung sich vorbereitet hat, wie etwa ein Gewitter sich vorbereitet durch die Schwüle des ganzen Tages, ohne daß sein Entstehen bemerkt wird, und das sich dann entlädt. Aber selbst diejenigen Menschen, welche in dieser Art weiter zurückschauen zu Ursachen und Veranlassungen unserer gegenwärtigen Not und unseres Elends in diesem Zeitalter, sie werden mehr oder weniger aufäußere Verhältnisse hinschauen. Sie werden auch an Äußeres denken, wenn es sich darum handelt, aus der Wirrnis und dem Chaos dieses unseres Zeitalters herauszukommen, an äußere Maßnahmen und Einrichtungen.
[ 2 ] Gewiß, bis zu einem hohen Grade hat man mit dieser Anschauung recht. Inwiefern man damit Recht hat, habe ich ja selbst nach meiner Überzeugung in dem Vortrage auszusprechen versucht, den ich vor einigen Wochen hier in Ulm über soziale Fragen halten durfte. Aber es gibt noch eine andere Seite der Betrachtungsart über diese Dinge. Man braucht nur auf etwas aufmerksam zu werden, das in unserer Gegenwart in bezug auf das innere menschliche Leben, das menschliche Seelenleben eine bedeutungsvolle Zeiterscheinung ist. Wir streben im Sinne desjenigen, was ich gerade andeutete, mit Recht nach einer sozialeren Gestaltung der äußeren Lebensverhältnisse, als sie der Menschheit in den letzten drei bis vier Jahrhunderten beschieden war. Aber ist es denn nicht bemerklich, daß wir aus einer ganz merkwürdigen menschlichen Seelenverfassung heraus zu dieser sozialeren Gestaltung streben? Bemerken wir es denn nicht, daß im Grunde genommen die menschlichen Seelen in der Gegenwart überall durchsetzt sind mit antisozialen Trieben, mit antisozialen Instinkten, mit einer geringen Möglichkeit, sich gegenseitig zu verstehen? Und aus diesen antisozialen Seelenverfassungen heraus, und um so mehr, als sie vorhanden sind, müssen wir nach einer sozialeren Gestaltung des äußeren Lebens streben, als dasjenige war, welches in den drei bis vier letzten Jahrhunderten die antisozialen Triebe unseres heutigen Menschenlebens herangezogen hatte. Wenn man die Frage nach dieser Seite hin betrachtet, dann findet man, wie diese antisozialen Triebe der Gegenwart eigentlich damit zusammenhängen, daß wir den Weg zum innersten Wesenskern des Menschen selber verloren haben, den Weg zu jenem innersten Wesenskern, den eigentlich, wenn auch mehr oder weniger hell, oder bloß instinktiv, dunkel, jeder Mensch in sich ahnt: das übersinnliche Menschenwesen. So sonderbar es klingt, die Menschen wissen heute nicht genau, sie bringen es sich nicht zum Bewußtsein, wonach ihr tieferes, dunkles Seelenwesen dürstet. Es dürstet nach einer Erkenntnis des übersinnlichen Wesenskernes des Menschen. Und in den Schwierigkeiten, welche gerade unser Zeitalter findet, vorzudringen zu einer befriedigenden Erkenntnis über dieses innerste Menschenwesen - in diesen Schwierigkeiten liegt viel begründet von dem, was sich dann äußerlich ausdrückt in Wirrnis und Chaos, so wenig das die Menschen auch heute noch zugeben wollen. Viele Menschen finden allerdings, daß die Frage, von der ich hier spreche, ihre Beantwortung in einer ganz anderen Weise finden soll, als sie sie durch dasjenige finden wird, was ich heute abend zu Ihnen zu sprechen haben werde.
[ 2 ] Gewiß, bis zu einem hohen Grade hat man mit dieser Anschauung recht. Inwiefern man damit Recht hat, habe ich ja selbst nach meiner Überzeugung in dem Vortrage auszusprechen versucht, den ich vor einigen Wochen hier in Ulm über soziale Fragen halten durfte. Aber es gibt noch eine andere Seite der Betrachtungsart über diese Dinge. Man braucht nur auf etwas aufmerksam zu werden, das in unserer Gegenwart in bezug auf das innere menschliche Leben, das menschliche Seelenleben eine bedeutungsvolle Zeiterscheinung ist. Wir streben im Sinne desjenigen, was ich gerade andeutete, mit Recht nach einer sozialeren Gestaltung der äußeren Lebensverhältnisse, als sie der Menschheit in den letzten drei bis vier Jahrhunderten beschieden war. Aber ist es denn nicht bemerklich, daß wir aus einer ganz merkwürdigen menschlichen Seelenverfassung heraus zu dieser sozialeren Gestaltung streben? Bemerken wir es denn nicht, daß im Grunde genommen die menschlichen Seelen in der Gegenwart überall durchsetzt sind mit antisozialen Trieben, mit antisozialen Instinkten, mit einer geringen Möglichkeit, sich gegenseitig zu verstehen? Und aus diesen antisozialen Seelenverfassungen heraus, und um so mehr, als sie vorhanden sind, müssen wir nach einer sozialeren Gestaltung des äußeren Lebens streben, als dasjenige war, welches in den drei bis vier letzten Jahrhunderten die antisozialen Triebe unseres heutigen Menschenlebens herangezogen hatte. Wenn man die Frage nach dieser Seite hin betrachtet, dann findet man, wie diese antisozialen Triebe der Gegenwart eigentlich damit zusammenhängen, daß wir den Weg zum innersten Wesenskern des Menschen selber verloren haben, den Weg zu jenem innersten Wesenskern, den eigentlich, wenn auch mehr oder weniger hell, oder bloß instinktiv, dunkel, jeder Mensch in sich ahnt: das übersinnliche Menschenwesen. So sonderbar es klingt, die Menschen wissen heute nicht genau, sie bringen es sich nicht zum Bewußtsein, wonach ihr tieferes, dunkles Seelenwesen dürstet. Es dürstet nach einer Erkenntnis des übersinnlichen Wesenskernes des Menschen. Und in den Schwierigkeiten, welche gerade unser Zeitalter findet, vorzudringen zu einer befriedigenden Erkenntnis über dieses innerste Menschenwesen - in diesen Schwierigkeiten liegt viel begründet von dem, was sich dann äußerlich ausdrückt in Wirrnis und Chaos, so wenig das die Menschen auch heute noch zugeben wollen. Viele Menschen finden allerdings, daß die Frage, von der ich hier spreche, ihre Beantwortung in einer ganz anderen Weise finden soll, als sie sie durch dasjenige finden wird, was ich heute abend zu Ihnen zu sprechen haben werde.
[ 3 ] Da ich diese Frage vom Standpunkt der anthroposophischen Geisteswissenschaft aus zu erörtern habe, werde ich nicht in der Lage sein, sie in jener bequemen Art zu erledigen, die heute von vielen Menschen angestrebt wird, die heute in den weitesten Kreisen der Menschheit beliebt ist. Wenn heute den Menschen von den Mondbergen und von der Art und Weise gesprochen wird, wie man durch physikalische Instrumente, durch physikalische Maßnahmen sich über die Mondberge unterrichtet, da glaubt der Mensch daran, daß die Aneignung des Wissens von den Mondbergen kompliziert sein darf. Da überwindet sich der Mensch, und er gibt zu, daß man nicht auf ganz bequeme Weise zu der Erkenntnis, sagen wir, der Mondberge oder der Jupitermonde oder dergleichen vordringen könne. Wenn es sich aber um die übersinnliche Welt handelt, wenn es sich um das geistige Dasein des Menschen selber handelt, da verhalten sich die weitesten Kreise heute noch durchaus anders. Da findet man es zu schwierig, wenn in der Weise gesprochen wird, wie ich heute zu Ihnen werde sprechen müssen. Da sagen heute noch die weitesten Kreise: Besser als dieses scheinbar Wissenschaftliche ist das kindliche Bekenntnis oder der kindliche Bibelglaube, um zu den übersinnlichen Welten zu kommen. — Man pocht auf dasjenige, was man ja doch nur bequem findet, auf die kindliche Einfalt des Bekenntnisglaubens oder des Bibelglaubens, wenn es sich um das Höchste handelt, wonach der Mensch auf seinem Seelenwege streben kann, und man weist dasjenige ab, was den Menschen diesen Weg nicht in so bequemer Weise führt. Aber die Menschen sehen eben heute noch nicht gewisse innere Zusammenhänge, die bestehen zwischen diesem Streben nach bequemen Geisteswegen und zwischen unseren antisozialen Trieben und den Schwierigkeiten, aus diesen antisozialen Trieben herauszukommen. Würde man einsehen, welche Zusammenhänge bestehen zwischen dem, was von gewisser Seite immer wiederum den Menschen gesagt worden ist und woran sie geglaubt haben : Ihr könnt auf dem Wege kindlicher, einfältiger Glaubensbekenntnisse die Wege zum Übersinnlichen suchen -, würde man einsehen, welcher Zusammenhang zwischen diesem Behaupten und diesem Glauben besteht und zwischen dem, was sich heute an antisozialen Trieben äußert, dann würde man allerdings anders denken lernen über dasjenige, was die weitesten Kreise heute als einen «bequemen Weg in die übersinnlichen Welten » finden. ‚Aber nicht aus irgendeiner geistigen Schrulle heraus zeigt heute Geisteswissenschaft dem modernen Menschen andere Wege, sondern sie zeigt diese Wege, weil sie dies als eine Verpflichtung gegenüber dem empfindet, was Zeitbedürfnisse und was Zeitaufgaben der gegenwärtigen Menschheit sind. Würde sich diese gegenwärtige Menschheit ganz genau im Innersten selbst erkennen, dann würde sie sich sagen : Im Hinblick auf das übersinnliche Streben kann man nicht mehr befriedigt sein mit den alten Wegen. Dies lebt heute als Sehnsucht in vielen Seelen, und dieser Sehnsucht will anthroposophisch orientierte Geisteswissenschaft entgegenkommen.
[ 3 ] Da ich diese Frage vom Standpunkt der anthroposophischen Geisteswissenschaft aus zu erörtern habe, werde ich nicht in der Lage sein, sie in jener bequemen Art zu erledigen, die heute von vielen Menschen angestrebt wird, die heute in den weitesten Kreisen der Menschheit beliebt ist. Wenn heute den Menschen von den Mondbergen und von der Art und Weise gesprochen wird, wie man durch physikalische Instrumente, durch physikalische Maßnahmen sich über die Mondberge unterrichtet, da glaubt der Mensch daran, daß die Aneignung des Wissens von den Mondbergen kompliziert sein darf. Da überwindet sich der Mensch, und er gibt zu, daß man nicht auf ganz bequeme Weise zu der Erkenntnis, sagen wir, der Mondberge oder der Jupitermonde oder dergleichen vordringen könne. Wenn es sich aber um die übersinnliche Welt handelt, wenn es sich um das geistige Dasein des Menschen selber handelt, da verhalten sich die weitesten Kreise heute noch durchaus anders. Da findet man es zu schwierig, wenn in der Weise gesprochen wird, wie ich heute zu Ihnen werde sprechen müssen. Da sagen heute noch die weitesten Kreise: Besser als dieses scheinbar Wissenschaftliche ist das kindliche Bekenntnis oder der kindliche Bibelglaube, um zu den übersinnlichen Welten zu kommen. — Man pocht auf dasjenige, was man ja doch nur bequem findet, auf die kindliche Einfalt des Bekenntnisglaubens oder des Bibelglaubens, wenn es sich um das Höchste handelt, wonach der Mensch auf seinem Seelenwege streben kann, und man weist dasjenige ab, was den Menschen diesen Weg nicht in so bequemer Weise führt. Aber die Menschen sehen eben heute noch nicht gewisse innere Zusammenhänge, die bestehen zwischen diesem Streben nach bequemen Geisteswegen und zwischen unseren antisozialen Trieben und den Schwierigkeiten, aus diesen antisozialen Trieben herauszukommen. Würde man einsehen, welche Zusammenhänge bestehen zwischen dem, was von gewisser Seite immer wiederum den Menschen gesagt worden ist und woran sie geglaubt haben : Ihr könnt auf dem Wege kindlicher, einfältiger Glaubensbekenntnisse die Wege zum Übersinnlichen suchen -, würde man einsehen, welcher Zusammenhang zwischen diesem Behaupten und diesem Glauben besteht und zwischen dem, was sich heute an antisozialen Trieben äußert, dann würde man allerdings anders denken lernen über dasjenige, was die weitesten Kreise heute als einen «bequemen Weg in die übersinnlichen Welten » finden. ‚Aber nicht aus irgendeiner geistigen Schrulle heraus zeigt heute Geisteswissenschaft dem modernen Menschen andere Wege, sondern sie zeigt diese Wege, weil sie dies als eine Verpflichtung gegenüber dem empfindet, was Zeitbedürfnisse und was Zeitaufgaben der gegenwärtigen Menschheit sind. Würde sich diese gegenwärtige Menschheit ganz genau im Innersten selbst erkennen, dann würde sie sich sagen : Im Hinblick auf das übersinnliche Streben kann man nicht mehr befriedigt sein mit den alten Wegen. Dies lebt heute als Sehnsucht in vielen Seelen, und dieser Sehnsucht will anthroposophisch orientierte Geisteswissenschaft entgegenkommen.
[ 4 ] Der Mensch fragt wohl heute, wie gesagt, mehr oder weniger deutlich oder auch mehr oder weniger unbewußt nach den Beziehungen zwischen Seele und Leib; wenn er nicht gar schon so weit gekommen ist, daß er alles Seelische ableugnet, weil ihm auf diese Frage immer wiederum Zweifel aufgestiegen sind, an denen er müde geworden ist. Aber was weiß im Grunde genommen der heutige Mensch von Seele und Leib? Den Leib beobachtet er so, daß er dabei seine Sinne, den äußeren physischen Verstand anwendet oder daß er für dasjenige, was er so durch die Sinne und den Verstand nicht unmittelbar kennen lernen kann, seine Zuflucht zu der Naturwissenschaft nimmt, die ihm durch ihre Untersuchungen sagen soll, welches die Gesetze sind, welches das innere Wesen dieses menschlichen physischen Leibes ist. Auf der anderen Seite nimmt der Mensch innerlich dasjenige wahr, was er sein Denken, sein Fühlen, sein Wollen nennt. Das wird für ihn eine innere Erfahrung. An dieses Denken, Fühlen und Wollen knüpft er auch wohl bestimmte innere Sehnsuchten, Wünsche und Hoffnungen, knüpft er den Glauben, daß dieses in Denken, Fühlen und Wollen lebende Innere nicht nur jene vorübergehende Bedeutung für die Welt habe, welche das Leben des physischen Leibes hat. Aber dann kommt für den Menschen die Frage, welche die großen Zweifel gebiert, die Frage: Welches ist das Verhältnis desjenigen, was ich innerlich seelisch als Denken, Fühlen und Wollen in mir selbst wahrnehme, zu demjenigen, was ich äußerlich an mir und an anderen sehe als den äußeren physischen Leib, dessen Gesetze und Wesenheit mir die Naturwissenschaft erklären will? Und wenn der Mensch selber sich nicht aufklären kann über dieses Verhältnis des Seelischen zum Leiblichen, dann fragt er wohl an bei denen, die aus gewissen wissenschaftlichen Untergründen heraus die Möglichkeit haben, über dieses Verhältnis tiefer nachzuforschen. Und siehe da, der heutige Mensch, der so sehr darauf aus ist, sich alles von der wissenschaftlichen Autorität erklären zu lassen, muß dann feststellen, daß er in dieser Frage wenig durch die von ihm so gesuchten Wissenschafter gefördert werden kann. Nimmt er irgend etwas zur Hand, worin sich die Forscher auf diesem Gebiet ausgesprochen haben, so wird er in der Regel finden, daß sie über diese Frage ebenso Ungewisses sagen, wie er in sich selber trägt. Alle möglichen Hypothesen, alle möglichen Vermutungen findet man. Aber etwas, was den Menschen so ergreift, daß er, wenn er nur ohne Vorurteil wirklich Stellung dazu nimmt, einen Eindruck der Wahrheit bekommen könnte, das wird heute wenig gefunden. Das zu finden, setzt sich die anthroposophisch orientierte Geisteswissenschaft zur Aufgabe.
[ 4 ] Der Mensch fragt wohl heute, wie gesagt, mehr oder weniger deutlich oder auch mehr oder weniger unbewußt nach den Beziehungen zwischen Seele und Leib; wenn er nicht gar schon so weit gekommen ist, daß er alles Seelische ableugnet, weil ihm auf diese Frage immer wiederum Zweifel aufgestiegen sind, an denen er müde geworden ist. Aber was weiß im Grunde genommen der heutige Mensch von Seele und Leib? Den Leib beobachtet er so, daß er dabei seine Sinne, den äußeren physischen Verstand anwendet oder daß er für dasjenige, was er so durch die Sinne und den Verstand nicht unmittelbar kennen lernen kann, seine Zuflucht zu der Naturwissenschaft nimmt, die ihm durch ihre Untersuchungen sagen soll, welches die Gesetze sind, welches das innere Wesen dieses menschlichen physischen Leibes ist. Auf der anderen Seite nimmt der Mensch innerlich dasjenige wahr, was er sein Denken, sein Fühlen, sein Wollen nennt. Das wird für ihn eine innere Erfahrung. An dieses Denken, Fühlen und Wollen knüpft er auch wohl bestimmte innere Sehnsuchten, Wünsche und Hoffnungen, knüpft er den Glauben, daß dieses in Denken, Fühlen und Wollen lebende Innere nicht nur jene vorübergehende Bedeutung für die Welt habe, welche das Leben des physischen Leibes hat. Aber dann kommt für den Menschen die Frage, welche die großen Zweifel gebiert, die Frage: Welches ist das Verhältnis desjenigen, was ich innerlich seelisch als Denken, Fühlen und Wollen in mir selbst wahrnehme, zu demjenigen, was ich äußerlich an mir und an anderen sehe als den äußeren physischen Leib, dessen Gesetze und Wesenheit mir die Naturwissenschaft erklären will? Und wenn der Mensch selber sich nicht aufklären kann über dieses Verhältnis des Seelischen zum Leiblichen, dann fragt er wohl an bei denen, die aus gewissen wissenschaftlichen Untergründen heraus die Möglichkeit haben, über dieses Verhältnis tiefer nachzuforschen. Und siehe da, der heutige Mensch, der so sehr darauf aus ist, sich alles von der wissenschaftlichen Autorität erklären zu lassen, muß dann feststellen, daß er in dieser Frage wenig durch die von ihm so gesuchten Wissenschafter gefördert werden kann. Nimmt er irgend etwas zur Hand, worin sich die Forscher auf diesem Gebiet ausgesprochen haben, so wird er in der Regel finden, daß sie über diese Frage ebenso Ungewisses sagen, wie er in sich selber trägt. Alle möglichen Hypothesen, alle möglichen Vermutungen findet man. Aber etwas, was den Menschen so ergreift, daß er, wenn er nur ohne Vorurteil wirklich Stellung dazu nimmt, einen Eindruck der Wahrheit bekommen könnte, das wird heute wenig gefunden. Das zu finden, setzt sich die anthroposophisch orientierte Geisteswissenschaft zur Aufgabe.
[ 5 ] Aber man kann nicht auf denselben Wegen, auf denen man zur äußeren Wissenschaft kommt, auch zu dem vorrücken, von dem ich Ihnen als einer Geisteswissenschaft, als einer wirklichen Geisteswissenschaft nunmehr zu sprechen habe. Stellen Sie sich einmal vor, jemand würde Ihnen von den Forschungswegen erzählen, die er im chemischen oder im physikalischen Laboratorium, in der Klinik zur Erforschung der äußeren Natur beschritten hat. Sie würden von einem solchen Forscher, der mit einem gewissen Recht glauben kann, auf seinem Gebiet zum Fachmann geworden zu sein, in der Regel hören, daß er mit einer gewissen Ruhe, mit einem gewissen inneren gleichmütigen Seelengestimmtsein seine Forschungswege gegangen ist. Es ist nicht viel Aufregendes auf den heutigen Forschungswegen zu finden.
[ 5 ] Aber man kann nicht auf denselben Wegen, auf denen man zur äußeren Wissenschaft kommt, auch zu dem vorrücken, von dem ich Ihnen als einer Geisteswissenschaft, als einer wirklichen Geisteswissenschaft nunmehr zu sprechen habe. Stellen Sie sich einmal vor, jemand würde Ihnen von den Forschungswegen erzählen, die er im chemischen oder im physikalischen Laboratorium, in der Klinik zur Erforschung der äußeren Natur beschritten hat. Sie würden von einem solchen Forscher, der mit einem gewissen Recht glauben kann, auf seinem Gebiet zum Fachmann geworden zu sein, in der Regel hören, daß er mit einer gewissen Ruhe, mit einem gewissen inneren gleichmütigen Seelengestimmtsein seine Forschungswege gegangen ist. Es ist nicht viel Aufregendes auf den heutigen Forschungswegen zu finden.
[ 6 ] Von solcher Ruhe, von solcher inneren gleichmütigen Seelenstimmung kann Ihnen nun derjenige nicht erzählen, der Ihnen etwas von seinem Wege mitteilen will, auf dem er zu den Erkenntnissen über die übersinnliche Menschenwesenheit gelangt ist. Soll er Ihnen von dem sprechen, was er durchgemacht hat, um zu diesen Erkenntnissen zu kommen, so wird er Ihnen sprechen müssen von inneren Überwindungen, von inneren Seelenkämpfen, von schweren Abmühungen, von einem wiederholten Stehen an Abgründen des Zweifels. Er wird Ihnen zu erzählen haben von dem, was er im reichlichen Maße hat überwinden müssen, was er hat durchmachen müssen, um zu dem zu kommen, was Aufschluß gibt über den eigentlichen übersinnlichen menschlichen Wesenskern. Denn man gelangt eigentlich erst dann auf den Weg zur Erkenntnis der übersinnlichen Menschenwesenheit, wenn man sich so einlebt in alles, was ich schon angedeutet habe: wenn Zweifel aufsteigen bei der Frage nach der Beziehung zwischen Leib und Seele, so daß man etwas empfindet, was eigentlich nur hervorgehen kann aus einer gewissen intellektuellen Bescheidenheit — während die meisten Menschen heute in solchen Dingen ganz und gar nicht eine intellektuelle Bescheidenheit, sondern im Gegenteil furchtbarsten intellektuellen Hochmut haben.
[ 6 ] Von solcher Ruhe, von solcher inneren gleichmütigen Seelenstimmung kann Ihnen nun derjenige nicht erzählen, der Ihnen etwas von seinem Wege mitteilen will, auf dem er zu den Erkenntnissen über die übersinnliche Menschenwesenheit gelangt ist. Soll er Ihnen von dem sprechen, was er durchgemacht hat, um zu diesen Erkenntnissen zu kommen, so wird er Ihnen sprechen müssen von inneren Überwindungen, von inneren Seelenkämpfen, von schweren Abmühungen, von einem wiederholten Stehen an Abgründen des Zweifels. Er wird Ihnen zu erzählen haben von dem, was er im reichlichen Maße hat überwinden müssen, was er hat durchmachen müssen, um zu dem zu kommen, was Aufschluß gibt über den eigentlichen übersinnlichen menschlichen Wesenskern. Denn man gelangt eigentlich erst dann auf den Weg zur Erkenntnis der übersinnlichen Menschenwesenheit, wenn man sich so einlebt in alles, was ich schon angedeutet habe: wenn Zweifel aufsteigen bei der Frage nach der Beziehung zwischen Leib und Seele, so daß man etwas empfindet, was eigentlich nur hervorgehen kann aus einer gewissen intellektuellen Bescheidenheit — während die meisten Menschen heute in solchen Dingen ganz und gar nicht eine intellektuelle Bescheidenheit, sondern im Gegenteil furchtbarsten intellektuellen Hochmut haben.
[ 7 ] Strengt man sich aber wirklich an mit dem gewöhnlichen Denken, mit all den gewöhnlichen Seelenkräften, die man sonst im Leben hat, um an diese Fragen nach dem Wesen von Seele und Leib heranzukommen, dann merkt man nach und nach, daß man eben bescheiden sein muß, daß man mit dem gewöhnlichen Menschendenken nicht an diese Fragen heran kann. Und man gelangt allmählich durch inneres Erleben, durch inneres Erfahren dahin, daß man sich sagt: Es geht dir mit diesem gewöhnlichen Menschendenken und Menschenempfinden gegenüber dem Übersinnlichen so, wie es dem fünfjährigen Kinde mit seinen Fähigkeiten geht, wenn es zum Beispiel, sagen wir, einen Band lyrischer Gedichte in der Hand hält. Dieses Kind kann mit dem Gedichtband nicht etwas anfangen, was der Wesenheit dieses lyrischen Gedichtbandes entspricht. Wir müssen erst seine Fähigkeiten weiterentwickeln, dann kann es dasjenige mit dem Gedichtband anfangen, was dem Wesen dieses Gedichtbandes entspricht. So muß man sich sagen gegenüber den Denkfähigkeiten, die man für das gewöhnliche Leben hat, gegenüber den Erkenntniskräften, die man für dieses gewöhnliche Leben hat: Du kannst mit ihnen nicht das eigentliche Wesen der Welt und deines eigenen Daseins erkennen; du stehst diesem Wesen der Welt und diesem Wesen deines eigenen Daseins zunächst so gegenüber, daß du damit sowenig anfangen kannst wie ein fünfjähriges Kind mit einem lyrischen Gedichtband.
[ 7 ] Strengt man sich aber wirklich an mit dem gewöhnlichen Denken, mit all den gewöhnlichen Seelenkräften, die man sonst im Leben hat, um an diese Fragen nach dem Wesen von Seele und Leib heranzukommen, dann merkt man nach und nach, daß man eben bescheiden sein muß, daß man mit dem gewöhnlichen Menschendenken nicht an diese Fragen heran kann. Und man gelangt allmählich durch inneres Erleben, durch inneres Erfahren dahin, daß man sich sagt: Es geht dir mit diesem gewöhnlichen Menschendenken und Menschenempfinden gegenüber dem Übersinnlichen so, wie es dem fünfjährigen Kinde mit seinen Fähigkeiten geht, wenn es zum Beispiel, sagen wir, einen Band lyrischer Gedichte in der Hand hält. Dieses Kind kann mit dem Gedichtband nicht etwas anfangen, was der Wesenheit dieses lyrischen Gedichtbandes entspricht. Wir müssen erst seine Fähigkeiten weiterentwickeln, dann kann es dasjenige mit dem Gedichtband anfangen, was dem Wesen dieses Gedichtbandes entspricht. So muß man sich sagen gegenüber den Denkfähigkeiten, die man für das gewöhnliche Leben hat, gegenüber den Erkenntniskräften, die man für dieses gewöhnliche Leben hat: Du kannst mit ihnen nicht das eigentliche Wesen der Welt und deines eigenen Daseins erkennen; du stehst diesem Wesen der Welt und diesem Wesen deines eigenen Daseins zunächst so gegenüber, daß du damit sowenig anfangen kannst wie ein fünfjähriges Kind mit einem lyrischen Gedichtband.
[ 8 ] Erst wenn man diese Stimmung in seiner Seele entwickelt hat, wenn man sich die intellektuelle Bescheidenheit erobert hat, so daß man sich sagt: Du darfst nicht stehenbleiben bei der Art, wie du jetzt denken kannst, wie du jetzt empfinden und wollen kannst -, erst dann steht man am Ausgangspunkt des Weges in die übersinnlichen Welten hinein. Denn wer über die übersinnlichen Welten etwas zu sagen hat, muß nicht nur über etwas anderes sprechen als die gewöhnliche äußere Sinneswelt, sondern er muß in anderer Art sprechen. Das heißt aber: Geistesforscher kann man nur werden, wenn man zunächst dasjenige, was man für das gewöhnliche, alltägliche Leben und für die gewöhnliche Wissenschaft an Denk- und Erkenntnisfähigkeiten hat, selbst in die Hand nimmt. Wie das Kind durch andere erzogen wird, wie dem Kinde durch andere seine Fähigkeiten entwickelt werden, so muß man seine inneren Seelenfähigkeiten, zunächst seine Denkfähigkeit, selber in die Hand nehmen und weiterentwickeln von dem Standpunkte aus, zu dem das Denken von selbst im Leben kommt.
[ 8 ] Erst wenn man diese Stimmung in seiner Seele entwickelt hat, wenn man sich die intellektuelle Bescheidenheit erobert hat, so daß man sich sagt: Du darfst nicht stehenbleiben bei der Art, wie du jetzt denken kannst, wie du jetzt empfinden und wollen kannst -, erst dann steht man am Ausgangspunkt des Weges in die übersinnlichen Welten hinein. Denn wer über die übersinnlichen Welten etwas zu sagen hat, muß nicht nur über etwas anderes sprechen als die gewöhnliche äußere Sinneswelt, sondern er muß in anderer Art sprechen. Das heißt aber: Geistesforscher kann man nur werden, wenn man zunächst dasjenige, was man für das gewöhnliche, alltägliche Leben und für die gewöhnliche Wissenschaft an Denk- und Erkenntnisfähigkeiten hat, selbst in die Hand nimmt. Wie das Kind durch andere erzogen wird, wie dem Kinde durch andere seine Fähigkeiten entwickelt werden, so muß man seine inneren Seelenfähigkeiten, zunächst seine Denkfähigkeit, selber in die Hand nehmen und weiterentwickeln von dem Standpunkte aus, zu dem das Denken von selbst im Leben kommt.
[ 9 ] In meinem Buche «Wie erlangt man Erkenntnisse der höheren Welten?» habe ich alle Einzelheiten beschrieben — jene systematisch zu gliedernden Einzelheiten, durch die der Mensch seine Denkfähigkeit selbst in die Hand nehmen kann, dutch die er dieses Denken weiterentwickeln kann gegenüber dem Standpunkt, auf dem es im gewöhnlichen Leben und in der gewöhnlichen Wissenschaft steht.
[ 9 ] In meinem Buche «Wie erlangt man Erkenntnisse der höheren Welten?» habe ich alle Einzelheiten beschrieben — jene systematisch zu gliedernden Einzelheiten, durch die der Mensch seine Denkfähigkeit selbst in die Hand nehmen kann, dutch die er dieses Denken weiterentwickeln kann gegenüber dem Standpunkt, auf dem es im gewöhnlichen Leben und in der gewöhnlichen Wissenschaft steht.
[ 10 ] Heute abend werde ich Ihnen wegen der Kürze der Zeit nur das Prinzipielle der Sache vortragen können. Ich werde Ihnen nur zeigen können, wie man dieses Denken weiterentwickelt, wie man es selbst in die Hand nimmt und immer weiter bringt. Dazu ist eine Vorbedingung folgendes: Wenn man sich über das äußere leibliche Wesen des Menschen aufklären will, so sagte ich vorhin, fragt man bei der Naturwissenschaft an. Nun soll diese Naturwissenschaft nicht herabgesetzt werden. Der Geistesforscher erkennt die großen Triumphe der Naturwissenschaft in der neueren Zeit voll an, so wie sie der Naturforscher nur irgend selber anerkennen kann. Er erkennt diese Naturwissenschaft als berechtigt an, er ist ein um so besserer Geistesforscher, je besser er den Wert und die Bedeutung der Naturwissenschaft zu würdigen versteht. Allein, gerade darum muß auch das andere gesagt werden: Fragt man bei dieser Naturwissenschaft an, so stellt sie einen zunächst an Erkenntnisgrenzen. Sie wissen wohl alle, daß gerade die besonnenen Naturforscher von solchen Erkenntnisgrenzen sprechen. Gewisse Begriffe, gewisse Vorstellungen werden vor den Menschen hingestellt, der nach dem Wesen der Dinge, nach Kraft, Stoff usw. fragt. Diese Begriffe ändern sich von Zeit zu Zeit, aber immer stehen gewisse Grenzen da, von denen der Naturforscher sagt: Über diese Grenzen kannst du nicht hinauskommen. Der Naturforscher tut recht in seinem Gebiet, wenn er bei diesen Grenzen stehenbleibt. Der Geistesforscher kann dies nicht tun. Aber, er darf auch nicht durch irgendwelche bloßen Spekulationen, durch bloßes Phantasieren über diese Grenzen hinauskommen wollen.
[ 10 ] Heute abend werde ich Ihnen wegen der Kürze der Zeit nur das Prinzipielle der Sache vortragen können. Ich werde Ihnen nur zeigen können, wie man dieses Denken weiterentwickelt, wie man es selbst in die Hand nimmt und immer weiter bringt. Dazu ist eine Vorbedingung folgendes: Wenn man sich über das äußere leibliche Wesen des Menschen aufklären will, so sagte ich vorhin, fragt man bei der Naturwissenschaft an. Nun soll diese Naturwissenschaft nicht herabgesetzt werden. Der Geistesforscher erkennt die großen Triumphe der Naturwissenschaft in der neueren Zeit voll an, so wie sie der Naturforscher nur irgend selber anerkennen kann. Er erkennt diese Naturwissenschaft als berechtigt an, er ist ein um so besserer Geistesforscher, je besser er den Wert und die Bedeutung der Naturwissenschaft zu würdigen versteht. Allein, gerade darum muß auch das andere gesagt werden: Fragt man bei dieser Naturwissenschaft an, so stellt sie einen zunächst an Erkenntnisgrenzen. Sie wissen wohl alle, daß gerade die besonnenen Naturforscher von solchen Erkenntnisgrenzen sprechen. Gewisse Begriffe, gewisse Vorstellungen werden vor den Menschen hingestellt, der nach dem Wesen der Dinge, nach Kraft, Stoff usw. fragt. Diese Begriffe ändern sich von Zeit zu Zeit, aber immer stehen gewisse Grenzen da, von denen der Naturforscher sagt: Über diese Grenzen kannst du nicht hinauskommen. Der Naturforscher tut recht in seinem Gebiet, wenn er bei diesen Grenzen stehenbleibt. Der Geistesforscher kann dies nicht tun. Aber, er darf auch nicht durch irgendwelche bloßen Spekulationen, durch bloßes Phantasieren über diese Grenzen hinauskommen wollen.
[ 11 ] Indem der Geistesforscher an dasjenige herantritt, was die Naturwissenschaft nicht erkennen kann und wo sie die Grenzpfähle für das Erkennen einrammt, da beginnen für ihn, für den Geistesforscher, die großen inneren Seelenkämpfe. Der Geistesforscher muß innerlich mit dem kämpfen, was der Naturforscher als feste Grenzbegriffe hinstellt. Und da wird dieses Kämpfen zu einem ersten großen Erlebnis. Er überwindet kämpfend im inneren Erleben diese Grenzen, und indem er sie überwindet, geht ihm mit den Erfahrungen eine Erkenntnis auf, die wichtig, grundlegend wichtig ist für alles, was hinführen soll zur Erkenntnis der übersinnlichen Menschennatur. Indem er sich diesem Kampfe mit den Grenzen der Naturerkenntnis hingibt, geht ihm auf, wie eigentümlich die menschliche Wesenheit dem Leben angepaßt ist. Denn der Geistesforscher muß sich aus seiner Erfahrung heraus fragen: Was hindert dich denn, in das Innere der Natur rein auf naturforscherische Art hineinzuschauen? - Da entdeckt er das höchst Merkwürdige, ich möchte sagen, das erschütternd Merkwürdige: Wenn die Natur durchsichtig wäre, so daß sie uns nicht Grenzen hinstellte, dann würden wir Menschen in unserem Leben zwischen Geburt und Tod eine Eigenschaft nicht besitzen, die wir für das soziale Dasein in diesem Leben unbedingt notwendig haben. Wenn der Mensch in das innere Wesen der Natur hineinschauen könnte, so müßte er die Seelenkraft der Liebe entbehren! Alles, was wir Liebe von Mensch zu Mensch nennen, was wir Liebe und brüderliche Gesinnung von Mensch zu Mensch nennen, was in der Seele aufglüht, wenn wir dem anderen Menschen sozial entgegentreten, das könnten wir nicht haben, wenn die Natur uns nicht Grenzen für unser Naturerkennen setzte.
[ 11 ] Indem der Geistesforscher an dasjenige herantritt, was die Naturwissenschaft nicht erkennen kann und wo sie die Grenzpfähle für das Erkennen einrammt, da beginnen für ihn, für den Geistesforscher, die großen inneren Seelenkämpfe. Der Geistesforscher muß innerlich mit dem kämpfen, was der Naturforscher als feste Grenzbegriffe hinstellt. Und da wird dieses Kämpfen zu einem ersten großen Erlebnis. Er überwindet kämpfend im inneren Erleben diese Grenzen, und indem er sie überwindet, geht ihm mit den Erfahrungen eine Erkenntnis auf, die wichtig, grundlegend wichtig ist für alles, was hinführen soll zur Erkenntnis der übersinnlichen Menschennatur. Indem er sich diesem Kampfe mit den Grenzen der Naturerkenntnis hingibt, geht ihm auf, wie eigentümlich die menschliche Wesenheit dem Leben angepaßt ist. Denn der Geistesforscher muß sich aus seiner Erfahrung heraus fragen: Was hindert dich denn, in das Innere der Natur rein auf naturforscherische Art hineinzuschauen? - Da entdeckt er das höchst Merkwürdige, ich möchte sagen, das erschütternd Merkwürdige: Wenn die Natur durchsichtig wäre, so daß sie uns nicht Grenzen hinstellte, dann würden wir Menschen in unserem Leben zwischen Geburt und Tod eine Eigenschaft nicht besitzen, die wir für das soziale Dasein in diesem Leben unbedingt notwendig haben. Wenn der Mensch in das innere Wesen der Natur hineinschauen könnte, so müßte er die Seelenkraft der Liebe entbehren! Alles, was wir Liebe von Mensch zu Mensch nennen, was wir Liebe und brüderliche Gesinnung von Mensch zu Mensch nennen, was in der Seele aufglüht, wenn wir dem anderen Menschen sozial entgegentreten, das könnten wir nicht haben, wenn die Natur uns nicht Grenzen für unser Naturerkennen setzte.
[ 12 ] Das ist eine Wahrheit, die man nicht logisch beweisen kann. Gerade so wenig wie man logisch beweisen kann, daß es einen Walfisch gibt, oder daß es einen Walfisch nicht gibt — man kann sich nur durch den Augenschein überzeugen -, so kann man nicht beweisen, daß man die Liebe entbehren müßte, wenn die Naturerkenntnis keine Grenzen hätte. Aber als eine Erfahrung ergibt es sich dem, der wirklich sich hinein ringt in die geistige Erkenntnis. Da sieht man, welche Geheimnisse unser menschliches Dasein birgt. Ein solches Geheimnis ist es, daß der Mensch die begrenzte Naturerkenntnis dadurch bezahlen muß, daß er Liebe entwickelt. Und umgekehrt: er muß seine Liebefähigkeit damit bezahlen, daß er zunächst keine unbegrenzte Naturerkenntnis hat.
[ 12 ] Das ist eine Wahrheit, die man nicht logisch beweisen kann. Gerade so wenig wie man logisch beweisen kann, daß es einen Walfisch gibt, oder daß es einen Walfisch nicht gibt — man kann sich nur durch den Augenschein überzeugen -, so kann man nicht beweisen, daß man die Liebe entbehren müßte, wenn die Naturerkenntnis keine Grenzen hätte. Aber als eine Erfahrung ergibt es sich dem, der wirklich sich hinein ringt in die geistige Erkenntnis. Da sieht man, welche Geheimnisse unser menschliches Dasein birgt. Ein solches Geheimnis ist es, daß der Mensch die begrenzte Naturerkenntnis dadurch bezahlen muß, daß er Liebe entwickelt. Und umgekehrt: er muß seine Liebefähigkeit damit bezahlen, daß er zunächst keine unbegrenzte Naturerkenntnis hat.
[ 13 ] Aber das zeigt uns auch, was derjenige zu überwinden hat, der nun wirklich hinein dringen will in die geistige Welt, welcher der Mensch selbst mit seinem innersten Wesenskern angehört. Das ist eines der Grundprinzipien für die Wege hinauf zum übersinnlichen Menschen und zur übersinnlichen Welt überhaupt, daß man die Liebefähigkeit, die Hingabe an alle Wesen der Welt noch größer macht, als sie im gewöhnlichen Leben zwischen Geburt und Tod ist, damit man nicht die Liebe verliert, wenn man nun versucht, sein Denken immer mehr so auszugestalten, daß es anders wird, als es im gewöhnlichen Leben ist. Eine Vorbereitung muß es sein für den geistigen Erkenntnisweg, sich noch viel, viel liebefähiger zu machen, als man es für das gewöhnliche soziale Leben zu sein hat. Man merkt nämlich allmählich, daß man in seiner ganzen, vollen Menschennatur die Welt eigentlich nur kennenlernt, solange man im physischen Leibe ist, durch die Liebe, durch keine andere Forschungsmethode.
[ 13 ] Aber das zeigt uns auch, was derjenige zu überwinden hat, der nun wirklich hinein dringen will in die geistige Welt, welcher der Mensch selbst mit seinem innersten Wesenskern angehört. Das ist eines der Grundprinzipien für die Wege hinauf zum übersinnlichen Menschen und zur übersinnlichen Welt überhaupt, daß man die Liebefähigkeit, die Hingabe an alle Wesen der Welt noch größer macht, als sie im gewöhnlichen Leben zwischen Geburt und Tod ist, damit man nicht die Liebe verliert, wenn man nun versucht, sein Denken immer mehr so auszugestalten, daß es anders wird, als es im gewöhnlichen Leben ist. Eine Vorbereitung muß es sein für den geistigen Erkenntnisweg, sich noch viel, viel liebefähiger zu machen, als man es für das gewöhnliche soziale Leben zu sein hat. Man merkt nämlich allmählich, daß man in seiner ganzen, vollen Menschennatur die Welt eigentlich nur kennenlernt, solange man im physischen Leibe ist, durch die Liebe, durch keine andere Forschungsmethode.
[ 14 ] Aber wenn man in die geistige Welt hinein dringen will, so muß man zu gleicher Zeit das Denken selber höher ausbilden, als es sich in der menschlichen Natur von selbst ausbildet. Das erreicht man dadurch, daß man gewisse innere Seelenverrichtungen, gewisse innere Seelentätigkeiten, die man im Leben sonst nur nebenbei anwendet, nun ganz systematisch anwendet, indem man sich dazu zwingt. Ich kann Ihnen heute nur in einem kleinen Ausschnitt sagen, was Sie in meinem Buche «Wie erlangt man Erkenntnisse der höheren Welten? » ausführlich geschildert finden, aber ich kann wenigstens andeuten, worauf diese Höherentwicklung des menschlichen Denkens beruht.
[ 14 ] Aber wenn man in die geistige Welt hinein dringen will, so muß man zu gleicher Zeit das Denken selber höher ausbilden, als es sich in der menschlichen Natur von selbst ausbildet. Das erreicht man dadurch, daß man gewisse innere Seelenverrichtungen, gewisse innere Seelentätigkeiten, die man im Leben sonst nur nebenbei anwendet, nun ganz systematisch anwendet, indem man sich dazu zwingt. Ich kann Ihnen heute nur in einem kleinen Ausschnitt sagen, was Sie in meinem Buche «Wie erlangt man Erkenntnisse der höheren Welten? » ausführlich geschildert finden, aber ich kann wenigstens andeuten, worauf diese Höherentwicklung des menschlichen Denkens beruht.
[ 15 ] Sie wissen, wenn uns etwas von außen irgendwie anregt, so werden wir darauf aufmerksam. Wir hören einen Ton, wir haben ein Interesse für dasjenige, was in der Richtung dieses Tones vorgeht. Interesse für etwas haben, Aufmerksamkeit auf etwas wenden, das sind also innere Seelenbetätigungen, welche beim Menschen in der Regel von der Außenwelt her angeregt werden. Worauf es beim Betreten des geistigen Erkenntnisweges ankommt, das ist, daß wir solche Kräfte, wie die Kräfte, die zur Aufmerksamkeit, zum Interesse-Haben führen, willkürlich in uns anwenden, indem wir uns zum Beispiel recht, recht lange, wie man sagt, in der Meditation einer Vorstellung hingeben, indem wir die Seele ganz hineinlegen in diese Vorstellung. Da verliert sich im gewöhnlichen, natürlichen Gang des Lebens die Aufmerksamkeit, das Interesse an dieser Vorstellung. Wenn man sich aber willkürlich mit der ganzen Seele in eine solche Vorstellung hineinlebt, darin stehenbleibt, so, daß man von innen die Aufmerksamkeit erhält, die zu erlöschen droht, daß man das Interesse von innen erhält, wenn es zu erlöschen droht, durch die Länge, mit der man sich der Vorstellung hingibt - und wenn man das immer weiter tut, dann erkraftet man das Denken; das Denken wird etwas ganz anderes, als es früher war. Dann kommt man in der Tat zu einem Denken, das voll innerer Tätigkeit ist, bei dem man sich aber auch anstrengen muß, wie man sich bei einer äußeren Handarbeit anstrengen muß. Man kommt zu einem Denken, das sich zum gewöhnlichen Denken verhält, wie sich das gewöhnliche Denken zum Denken des fünfjährigen Kindes verhält, etwa gegenüber den lyrischen Gedichten. Aber man kommt zu einem solchen Denken, von dem man sich sagt: hat man es erreicht, dann hatte man an dieses Erreichen-Müssen eine innere Kraftanstrengung zu wenden, die wirklich das Körperliche, das dabei auch mittätig ist, so mitgenommen hat, daß man es wie eine Ermüdung durch harte äußere Arbeit verspürt, der man sich jahrelang hingegeben hat. Lernt man erkennen, daß man sich im Seelischen etwas erarbeiten kann, das solche Anstrengung kostet wie meinetwillen das Holzhacken, dann kommt man dazu, in seiner Seele zu erfassen das lebendige Denken, während das gewöhnliche Denken mehr die äußeren Erscheinungen, die äußeren Erlebnisse nur begleitet. Denken Sie einmal, wie Sie eigentlich im gewöhnlichen Leben denken: Sie verrichten Ihre Arbeit im gewöhnlichen Leben, und das Denken läuft so träumerisch neben diesem äußeren Leben einher. Strengen Sie dieses Denken einmal an, indem Sie ein schwieriges Buch lesen, so merken Sie: Gerade wenn das Denken innerlich aktiv sein will, muß es ermüden wie eine andere Tätigkeit. Aber das, was da von innen her in Tätigkeit entwickelt wird, das muß mit dem Denken immer weiter und weiter getrieben werden. Wenn das immer weiter getrieben wird, dann merkt man, daß mit dem Denken eine große Veränderung vor sich geht. Dann lernt man etwas erkennen, von dem man früher keine Ahnung hatte: Man lernt erkennen, daß man in einem Denken lebt, von dem das gewöhnliche Denken nur wie ein Spiegelbild, wie ein Abbild ist: Man lernt ein Denken kennen, das innerlich lebt, ein Denken, welches ganz unabhängig ist von dem Werkzeug des Gehirns, von dem Werkzeug des Leibes. So grotesk, so paradox, vielleicht toll das der gegenwärtigen Menschheit noch erscheint: der Mensch kann auf diesem Wege, den Sie in dem Buche «Wie erlangt man Erkenntnisse der höheren Welten? » beschrieben finden, dazu kommen, ganz genau zu wissen: Indem du denkst, die Seelentätigkeit des Denkens entwickelst, lebst du außerhalb des Leibes mit deinem Denken, während das gewöhnliche Denken an das Instrument des Leibes, an das Nervensystem gebunden ist. Man lernt aber auch genau erkennen, wie wenig das innere Seelenwesen, das man so erfaßt in seinem Denken, an das Instrument des Gehirnes gebunden ist. Denn man entwickelt ja nicht erst dieses innere Seelenwesen, sondern man lernt es nur kennen. Ich spreche Ihnen nicht von etwas, was heute neu entwickelt wird, sondern von der Erkenntnis des übersinnlichen Menschen. Man lernt erkennen, welch großem Irrtum sich die gewöhnliche Naturwissenschaft und die äußere populäre Anschauung über das Denken hingeben, gerade in unserem materialistischen Zeitalter.
[ 15 ] Sie wissen, wenn uns etwas von außen irgendwie anregt, so werden wir darauf aufmerksam. Wir hören einen Ton, wir haben ein Interesse für dasjenige, was in der Richtung dieses Tones vorgeht. Interesse für etwas haben, Aufmerksamkeit auf etwas wenden, das sind also innere Seelenbetätigungen, welche beim Menschen in der Regel von der Außenwelt her angeregt werden. Worauf es beim Betreten des geistigen Erkenntnisweges ankommt, das ist, daß wir solche Kräfte, wie die Kräfte, die zur Aufmerksamkeit, zum Interesse-Haben führen, willkürlich in uns anwenden, indem wir uns zum Beispiel recht, recht lange, wie man sagt, in der Meditation einer Vorstellung hingeben, indem wir die Seele ganz hineinlegen in diese Vorstellung. Da verliert sich im gewöhnlichen, natürlichen Gang des Lebens die Aufmerksamkeit, das Interesse an dieser Vorstellung. Wenn man sich aber willkürlich mit der ganzen Seele in eine solche Vorstellung hineinlebt, darin stehenbleibt, so, daß man von innen die Aufmerksamkeit erhält, die zu erlöschen droht, daß man das Interesse von innen erhält, wenn es zu erlöschen droht, durch die Länge, mit der man sich der Vorstellung hingibt - und wenn man das immer weiter tut, dann erkraftet man das Denken; das Denken wird etwas ganz anderes, als es früher war. Dann kommt man in der Tat zu einem Denken, das voll innerer Tätigkeit ist, bei dem man sich aber auch anstrengen muß, wie man sich bei einer äußeren Handarbeit anstrengen muß. Man kommt zu einem Denken, das sich zum gewöhnlichen Denken verhält, wie sich das gewöhnliche Denken zum Denken des fünfjährigen Kindes verhält, etwa gegenüber den lyrischen Gedichten. Aber man kommt zu einem solchen Denken, von dem man sich sagt: hat man es erreicht, dann hatte man an dieses Erreichen-Müssen eine innere Kraftanstrengung zu wenden, die wirklich das Körperliche, das dabei auch mittätig ist, so mitgenommen hat, daß man es wie eine Ermüdung durch harte äußere Arbeit verspürt, der man sich jahrelang hingegeben hat. Lernt man erkennen, daß man sich im Seelischen etwas erarbeiten kann, das solche Anstrengung kostet wie meinetwillen das Holzhacken, dann kommt man dazu, in seiner Seele zu erfassen das lebendige Denken, während das gewöhnliche Denken mehr die äußeren Erscheinungen, die äußeren Erlebnisse nur begleitet. Denken Sie einmal, wie Sie eigentlich im gewöhnlichen Leben denken: Sie verrichten Ihre Arbeit im gewöhnlichen Leben, und das Denken läuft so träumerisch neben diesem äußeren Leben einher. Strengen Sie dieses Denken einmal an, indem Sie ein schwieriges Buch lesen, so merken Sie: Gerade wenn das Denken innerlich aktiv sein will, muß es ermüden wie eine andere Tätigkeit. Aber das, was da von innen her in Tätigkeit entwickelt wird, das muß mit dem Denken immer weiter und weiter getrieben werden. Wenn das immer weiter getrieben wird, dann merkt man, daß mit dem Denken eine große Veränderung vor sich geht. Dann lernt man etwas erkennen, von dem man früher keine Ahnung hatte: Man lernt erkennen, daß man in einem Denken lebt, von dem das gewöhnliche Denken nur wie ein Spiegelbild, wie ein Abbild ist: Man lernt ein Denken kennen, das innerlich lebt, ein Denken, welches ganz unabhängig ist von dem Werkzeug des Gehirns, von dem Werkzeug des Leibes. So grotesk, so paradox, vielleicht toll das der gegenwärtigen Menschheit noch erscheint: der Mensch kann auf diesem Wege, den Sie in dem Buche «Wie erlangt man Erkenntnisse der höheren Welten? » beschrieben finden, dazu kommen, ganz genau zu wissen: Indem du denkst, die Seelentätigkeit des Denkens entwickelst, lebst du außerhalb des Leibes mit deinem Denken, während das gewöhnliche Denken an das Instrument des Leibes, an das Nervensystem gebunden ist. Man lernt aber auch genau erkennen, wie wenig das innere Seelenwesen, das man so erfaßt in seinem Denken, an das Instrument des Gehirnes gebunden ist. Denn man entwickelt ja nicht erst dieses innere Seelenwesen, sondern man lernt es nur kennen. Ich spreche Ihnen nicht von etwas, was heute neu entwickelt wird, sondern von der Erkenntnis des übersinnlichen Menschen. Man lernt erkennen, welch großem Irrtum sich die gewöhnliche Naturwissenschaft und die äußere populäre Anschauung über das Denken hingeben, gerade in unserem materialistischen Zeitalter.
[ 16 ] Da sagt dieses naturwissenschaftliche Denken: Das Gehirn ist das Instrument des Denkens. Aber das ist ein solcher Irrtum, wie es ein Irrtum wäre, wenn Sie sehen würden: in einem aufgeweichten Feldweg sind Wagenspuren, sind Spuren von menschlichen Tritten; und wenn Sie darüber nachdenken würden - so nehmen wir jetzt an -, wie von unten her, von der Erde her Kräfte spielen, die die Wagenspuren oder die Spuren der menschlichen Tritte bewirkt haben. Das wäre selbstverständlich eine Torheit. Sie können aus dem Gefüge der Erde selbst heraus nicht sehen, wie die Furchen entstanden sind. Sie müssen sich klar sein, daß da ein Wagen gefahren ist, daß Menschen mit den Füßen darüber gegangen sind, daß sich das eingedrückt hat. So kommen Sie auf den Irrtum der Naturwissenschaft gegenüber dem menschlichen Seelenleben, wenn Sie das von dem Leibe unabhängige Denken wirklich kennenlernen. Da lernen Sie kennen, daß dasjenige, was als Nervenfurchen im Gehirn ist, nicht Kräfte im Gehirn drinnen selber hat, welche das Seelische hervorbringen; sondern Sie lernen erkennen, daß alle diese Furchen eingetrieben sind — wie die Furchen in der weichen Erde durch Wagen und Fußtritte eingetrieben sind -, daß eingegraben sind diese Furchen durch die vom Leibe unabhängige Seelentätigkeit. Und Sie begreifen jetzt auch den Irrtum, der in der Naturwissenschaft entstehen kann. Für all das, was da eingegraben wird, entstehen solche Spuren im Gehirn; Sie können alle verfolgen; aber das ist nicht aus dem Leibe heraus entstanden, es ist in den Leib hineingegraben.
[ 16 ] Da sagt dieses naturwissenschaftliche Denken: Das Gehirn ist das Instrument des Denkens. Aber das ist ein solcher Irrtum, wie es ein Irrtum wäre, wenn Sie sehen würden: in einem aufgeweichten Feldweg sind Wagenspuren, sind Spuren von menschlichen Tritten; und wenn Sie darüber nachdenken würden - so nehmen wir jetzt an -, wie von unten her, von der Erde her Kräfte spielen, die die Wagenspuren oder die Spuren der menschlichen Tritte bewirkt haben. Das wäre selbstverständlich eine Torheit. Sie können aus dem Gefüge der Erde selbst heraus nicht sehen, wie die Furchen entstanden sind. Sie müssen sich klar sein, daß da ein Wagen gefahren ist, daß Menschen mit den Füßen darüber gegangen sind, daß sich das eingedrückt hat. So kommen Sie auf den Irrtum der Naturwissenschaft gegenüber dem menschlichen Seelenleben, wenn Sie das von dem Leibe unabhängige Denken wirklich kennenlernen. Da lernen Sie kennen, daß dasjenige, was als Nervenfurchen im Gehirn ist, nicht Kräfte im Gehirn drinnen selber hat, welche das Seelische hervorbringen; sondern Sie lernen erkennen, daß alle diese Furchen eingetrieben sind — wie die Furchen in der weichen Erde durch Wagen und Fußtritte eingetrieben sind -, daß eingegraben sind diese Furchen durch die vom Leibe unabhängige Seelentätigkeit. Und Sie begreifen jetzt auch den Irrtum, der in der Naturwissenschaft entstehen kann. Für all das, was da eingegraben wird, entstehen solche Spuren im Gehirn; Sie können alle verfolgen; aber das ist nicht aus dem Leibe heraus entstanden, es ist in den Leib hineingegraben.
[ 17 ] Es ist aber nicht immer leicht zu erfassen, dieses tätige Wesen. Um auch nur einen kurzen Blick in dieses vom Leibe unabhängige menschliche Denken zu erhalten, braucht man nämlich das, was man Geistesgegenwart nennen könnte, denn es hält nicht lange an, ein solches Hineinblitzen des Geistigen in unsere gewöhnliche Anschauung. Man kann sich gut vorbereiten - Sie werden auch darüber in meinem Buche «Wie erlangt man Erkenntnisse der höheren Welten?» gesprochen finden -, indem man im gewöhnlichen Leben schon dasjenige entwickelt, was man Geistesgegenwart nennen kann, rasche Orientierung über Situationen und die Möglichkeit, rasch in einer Situation zu handeln. Wenn man nun diese Eigenschaft immer mehr und mehr ausbildet, so bereitet man sich vor, das zu sehen, was aus der geistigen, der übersinnlichen Welt heraus erscheinen kann, und was der Mensch sonst deshalb nicht sieht, weil er, während es auftritt, nicht dazukommt, so schnell die notwendige Geistesgegenwart aufzubringen; weil er nicht dazukommt, es anzuschauen, bevor es vorüber ist. Aber lernt man auf diese Weise wirklich in die geistige Welt hineinschauen, lernt man erkennen, was da an dem Menschen lebt und auf diese Weise durch das entwickelte Denken erfaßt werden kann, dann sieht man eben nicht bloß in das gewöhnliche menschliche Leben des Alltags hinein, sondern dann ergibt sich einem eine ganz andere Perspektive.
[ 17 ] Es ist aber nicht immer leicht zu erfassen, dieses tätige Wesen. Um auch nur einen kurzen Blick in dieses vom Leibe unabhängige menschliche Denken zu erhalten, braucht man nämlich das, was man Geistesgegenwart nennen könnte, denn es hält nicht lange an, ein solches Hineinblitzen des Geistigen in unsere gewöhnliche Anschauung. Man kann sich gut vorbereiten - Sie werden auch darüber in meinem Buche «Wie erlangt man Erkenntnisse der höheren Welten?» gesprochen finden -, indem man im gewöhnlichen Leben schon dasjenige entwickelt, was man Geistesgegenwart nennen kann, rasche Orientierung über Situationen und die Möglichkeit, rasch in einer Situation zu handeln. Wenn man nun diese Eigenschaft immer mehr und mehr ausbildet, so bereitet man sich vor, das zu sehen, was aus der geistigen, der übersinnlichen Welt heraus erscheinen kann, und was der Mensch sonst deshalb nicht sieht, weil er, während es auftritt, nicht dazukommt, so schnell die notwendige Geistesgegenwart aufzubringen; weil er nicht dazukommt, es anzuschauen, bevor es vorüber ist. Aber lernt man auf diese Weise wirklich in die geistige Welt hineinschauen, lernt man erkennen, was da an dem Menschen lebt und auf diese Weise durch das entwickelte Denken erfaßt werden kann, dann sieht man eben nicht bloß in das gewöhnliche menschliche Leben des Alltags hinein, sondern dann ergibt sich einem eine ganz andere Perspektive.
[ 18 ] Eines hat diese geistige Erkenntnis nicht: Sie ist nicht im gewöhnlichen Sinne erinnerbar. Derjenige, der Ihnen etwas aus der geistigen Welt erzählen will, muß immer wiederum die Bedingungen herstellen, sie anzuschauen. Er kann das nicht einfach so machen, daß er ein Gedächtnis für seine frühere Geistesschau entwickelt. Aber wenn jene geistige Erkenntnis auch, ich möchte sagen, wie ein flüchtiger Traum, der bald vergessen wird, rasch vorübergeht, so enthält sie in sich selber eine bedeutungsvolle Erinnerung. Und an diesem Punkte muß man etwas sagen, was die Menschen der Gegenwart ganz selbstverständlich höchst eigentümlich berühren muß. Aber es hat die Menschen doch ganz gewiß auch eigentümlich berührt, als ihnen davon gesprochen wurde, daß da oben nicht bloß leuchtende Punkte sind, sondern unzählige Welten im Raume verteilt sind! Sowenig das die Menschen vor Jahrhunderten sogleich glauben wollten, aber sich daran doch so gewöhnt haben, daß es heute für sie eine Selbstverständlichkeit ist, so wird zwar heute noch ungewohnt erscheinen, was der Geistesforscher als seine Erfahrung hinstellt durch sein entwickeltes Denken, es wird aber eine selbstverständliche Erkenntnis der nächsten Jahrhunderte sein müssen. Und eine Aufgabe unserer Zeit wird sein, daß die Menschen Verständnis entwickeln für solche Erweiterung des menschlichen Erkennens und der menschlichen Anschauung. In dem Augenblick, da der Mensch ein innerlich lebendiges Denken hat und weiß, daß er mit diesem Denken unabhängig vom Leibe ist, schaut er zurück — während er die gewöhnliche Erinnerung in diesem Augenblick nicht haben kann - auf das geistig-seelische Leben, das er in einer rein geistigen Welt durchlebt hat, bevor er durch die Geburt oder die Empfängnis sich mit dem physischen Menschenleibe vereinigt hat und dadurch aus einer geistigen Welt in die sinnliche Welt herabgestiegen ist. Es erweitert sich der Blick über das Leben hinaus, das man seit der Geburt durchlebt; es erweitert sich das Leben hinein in die Anschauung der geistigen Welt, aus der wir zu unserem physischen Dasein heruntergestiegen sind.
[ 18 ] Eines hat diese geistige Erkenntnis nicht: Sie ist nicht im gewöhnlichen Sinne erinnerbar. Derjenige, der Ihnen etwas aus der geistigen Welt erzählen will, muß immer wiederum die Bedingungen herstellen, sie anzuschauen. Er kann das nicht einfach so machen, daß er ein Gedächtnis für seine frühere Geistesschau entwickelt. Aber wenn jene geistige Erkenntnis auch, ich möchte sagen, wie ein flüchtiger Traum, der bald vergessen wird, rasch vorübergeht, so enthält sie in sich selber eine bedeutungsvolle Erinnerung. Und an diesem Punkte muß man etwas sagen, was die Menschen der Gegenwart ganz selbstverständlich höchst eigentümlich berühren muß. Aber es hat die Menschen doch ganz gewiß auch eigentümlich berührt, als ihnen davon gesprochen wurde, daß da oben nicht bloß leuchtende Punkte sind, sondern unzählige Welten im Raume verteilt sind! Sowenig das die Menschen vor Jahrhunderten sogleich glauben wollten, aber sich daran doch so gewöhnt haben, daß es heute für sie eine Selbstverständlichkeit ist, so wird zwar heute noch ungewohnt erscheinen, was der Geistesforscher als seine Erfahrung hinstellt durch sein entwickeltes Denken, es wird aber eine selbstverständliche Erkenntnis der nächsten Jahrhunderte sein müssen. Und eine Aufgabe unserer Zeit wird sein, daß die Menschen Verständnis entwickeln für solche Erweiterung des menschlichen Erkennens und der menschlichen Anschauung. In dem Augenblick, da der Mensch ein innerlich lebendiges Denken hat und weiß, daß er mit diesem Denken unabhängig vom Leibe ist, schaut er zurück — während er die gewöhnliche Erinnerung in diesem Augenblick nicht haben kann - auf das geistig-seelische Leben, das er in einer rein geistigen Welt durchlebt hat, bevor er durch die Geburt oder die Empfängnis sich mit dem physischen Menschenleibe vereinigt hat und dadurch aus einer geistigen Welt in die sinnliche Welt herabgestiegen ist. Es erweitert sich der Blick über das Leben hinaus, das man seit der Geburt durchlebt; es erweitert sich das Leben hinein in die Anschauung der geistigen Welt, aus der wir zu unserem physischen Dasein heruntergestiegen sind.
[ 19 ] Eine neue Bedeutung erhält dadurch auch unser ganzes soziales Menschenleben. Wir treten im sozialen Leben in Beziehung zu diesem oder jenem Menschen. Zu einem Menschen tritt eine schnelle Sympathie auf, mit dem anderen finden wir uns nicht so schnell sympathisch vereint. Die mannigfaltigsten Beziehungen entstehen zu den anderen Menschen hier in diesem Leben zwischen Geburt und Tod. Lernt man als Geistesforscher das Leben so erkennen, wie ich es eben angedeutet habe, dann findet man: dasjenige, was einen anzieht bei dem einen Menschen, was einen mehr oder weniger befremdet bei einer anderen Menschen, kurz: was an Beziehungen zu den anderen Menschen auftritt, es ist das Ergebnis dessen, was wir mit den anderen Seelen in einer anderen Welt durchlebt haben, bevor wir und bevor sie zu diesem physischen Dasein herabgestiegen sind. Alles, was wir in der physischen Welt erleben, es wird uns zum Abbild von Erlebnissen in der geistigen Welt. So wird aus menschlich-seelischer Anstrengung in unserem Zeitalter auferstehen können das Hineinschauen in die geistige Welt von dieser physischen Welt aus.
[ 19 ] Eine neue Bedeutung erhält dadurch auch unser ganzes soziales Menschenleben. Wir treten im sozialen Leben in Beziehung zu diesem oder jenem Menschen. Zu einem Menschen tritt eine schnelle Sympathie auf, mit dem anderen finden wir uns nicht so schnell sympathisch vereint. Die mannigfaltigsten Beziehungen entstehen zu den anderen Menschen hier in diesem Leben zwischen Geburt und Tod. Lernt man als Geistesforscher das Leben so erkennen, wie ich es eben angedeutet habe, dann findet man: dasjenige, was einen anzieht bei dem einen Menschen, was einen mehr oder weniger befremdet bei einer anderen Menschen, kurz: was an Beziehungen zu den anderen Menschen auftritt, es ist das Ergebnis dessen, was wir mit den anderen Seelen in einer anderen Welt durchlebt haben, bevor wir und bevor sie zu diesem physischen Dasein herabgestiegen sind. Alles, was wir in der physischen Welt erleben, es wird uns zum Abbild von Erlebnissen in der geistigen Welt. So wird aus menschlich-seelischer Anstrengung in unserem Zeitalter auferstehen können das Hineinschauen in die geistige Welt von dieser physischen Welt aus.
[ 20 ] Es mag heute noch viele Menschen geben, welche sich in eine solche Anschauung nicht hineinfinden können. Allein, über solche Menschen kann man so seine Gedanken haben. Als die erste Eisenbahn in Deutschland gebaut wurde, rief man ein Ärztekollegium und andere Gelehrte zusammen: sie sollten entscheiden, ob man Eisenbahnen bauen solle oder nicht. Da haben diese gelehrten Herren das Urteil abgegeben, man solle doch Eisenbahnen nicht bauen, denn das Fahren würde gesundheitsschädlich sein, und es würden nur Narren sein, die darin fahren wollten. Man müsse jedenfalls eine hohe Bretterwand aufrichten, damit diejenigen, an denen die Eisenbahn vorbeifahre, nicht Gehirnerschütterung kriegten. -— Heute gibt es Menschen, die, bildlich gesprochen, glauben, man bekomme Gehirnerschütterung, wenn der Geistesforscher von den Erkenntnissen der übersinnlichen Welt redet. Aber die Zeitentwicklung wird über diese Vorurteile hinwegschreiten, wie sie über andere Vorurteile hinweggeschritten ist.
[ 20 ] Es mag heute noch viele Menschen geben, welche sich in eine solche Anschauung nicht hineinfinden können. Allein, über solche Menschen kann man so seine Gedanken haben. Als die erste Eisenbahn in Deutschland gebaut wurde, rief man ein Ärztekollegium und andere Gelehrte zusammen: sie sollten entscheiden, ob man Eisenbahnen bauen solle oder nicht. Da haben diese gelehrten Herren das Urteil abgegeben, man solle doch Eisenbahnen nicht bauen, denn das Fahren würde gesundheitsschädlich sein, und es würden nur Narren sein, die darin fahren wollten. Man müsse jedenfalls eine hohe Bretterwand aufrichten, damit diejenigen, an denen die Eisenbahn vorbeifahre, nicht Gehirnerschütterung kriegten. -— Heute gibt es Menschen, die, bildlich gesprochen, glauben, man bekomme Gehirnerschütterung, wenn der Geistesforscher von den Erkenntnissen der übersinnlichen Welt redet. Aber die Zeitentwicklung wird über diese Vorurteile hinwegschreiten, wie sie über andere Vorurteile hinweggeschritten ist.
[ 21 ] Was ich Ihnen geschildert habe, das ist die eine Art, wie man aus der physischen Welt in die überphysische Welt hinüberkommt. Man muß kämpfen mit den Grenzen der Naturerkenntnis. Man muß aber noch an eine andere Grenze kommen, wenn man in die geistige Welt hineinkommen und Aufschluß über die übersinnliche Menschenwesenheit bekommen will. Man muß, wie man an die Grenzen der äußeren Naturerkenntnis kommt, an die Grenzen der Erkenntnis des eigenen Wesens kommen.
[ 21 ] Was ich Ihnen geschildert habe, das ist die eine Art, wie man aus der physischen Welt in die überphysische Welt hinüberkommt. Man muß kämpfen mit den Grenzen der Naturerkenntnis. Man muß aber noch an eine andere Grenze kommen, wenn man in die geistige Welt hineinkommen und Aufschluß über die übersinnliche Menschenwesenheit bekommen will. Man muß, wie man an die Grenzen der äußeren Naturerkenntnis kommt, an die Grenzen der Erkenntnis des eigenen Wesens kommen.
[ 22 ] Sehr viele Menschen, die daran verzweifeln, daß ihnen für ihr inneres Seelenleben Befriedigung durch ihre alten religiösen Überlieferungen werden kann, greifen zur sogenannten Mystik, indem sie glauben, wenn sie sich in ihre Seele innerlich immer tiefer und tiefer versenken, werde ihnen das innere Seelenleben, die menschliche Natur aufgehen. Viele Menschen glauben, daß mystisch herauf quellen kann, was ihre wahre Menschenwesenheit ist. Der Geistesforscher muß auch diese Grenze kennenlernen. Er muß Mystiker sein können, wie er Naturerkenntnis entwickeln soll. Aber er darf ebensowenig, wie er bei der Naturerkenntnis stehenbleiben kann, bei der Mystik stehenbleiben. Er muß lernen, wie man durch die bloße Mystik zu nichts anderem kommt als zu Illusionen über die übersinnliche Menschenwesenheit, nicht aber zu einer wirklichen Erkenntnis dieser übersinnlichen Menschenwesenheit. Wer ein wahrer Geistesforscher ist, ist wahrhaftig kein Illusionär. Er gibt sich keinen Täuschungen darüber hin, was er als Wirklichkeit anzuerkennen hat. Deshalb geht er auch nicht, wie der gewöhnliche Mystiker, darauf aus, allerlei Phantastisches aus dem eigenen Innern herauf zu zaubern. Nein, da weiß er eines wiederum: Indem er mit dem eigenen Innern kämpft, indem er da seine Überwindung durchlebt, weiß er, daß das, was die Mystiker finden, im Grunde genommen nichts anderes ist als dasjenige, was seit der Geburt einmal Eindruck auf ihre Seelen gemacht hat. Sie haben es vielleicht nur dunkel aufgenommen, es ist nicht ganz klar zu ihrer Wahrnehmung gekommen, es ist aber doch im Gedächtnis sitzengeblieben.
[ 22 ] Sehr viele Menschen, die daran verzweifeln, daß ihnen für ihr inneres Seelenleben Befriedigung durch ihre alten religiösen Überlieferungen werden kann, greifen zur sogenannten Mystik, indem sie glauben, wenn sie sich in ihre Seele innerlich immer tiefer und tiefer versenken, werde ihnen das innere Seelenleben, die menschliche Natur aufgehen. Viele Menschen glauben, daß mystisch herauf quellen kann, was ihre wahre Menschenwesenheit ist. Der Geistesforscher muß auch diese Grenze kennenlernen. Er muß Mystiker sein können, wie er Naturerkenntnis entwickeln soll. Aber er darf ebensowenig, wie er bei der Naturerkenntnis stehenbleiben kann, bei der Mystik stehenbleiben. Er muß lernen, wie man durch die bloße Mystik zu nichts anderem kommt als zu Illusionen über die übersinnliche Menschenwesenheit, nicht aber zu einer wirklichen Erkenntnis dieser übersinnlichen Menschenwesenheit. Wer ein wahrer Geistesforscher ist, ist wahrhaftig kein Illusionär. Er gibt sich keinen Täuschungen darüber hin, was er als Wirklichkeit anzuerkennen hat. Deshalb geht er auch nicht, wie der gewöhnliche Mystiker, darauf aus, allerlei Phantastisches aus dem eigenen Innern herauf zu zaubern. Nein, da weiß er eines wiederum: Indem er mit dem eigenen Innern kämpft, indem er da seine Überwindung durchlebt, weiß er, daß das, was die Mystiker finden, im Grunde genommen nichts anderes ist als dasjenige, was seit der Geburt einmal Eindruck auf ihre Seelen gemacht hat. Sie haben es vielleicht nur dunkel aufgenommen, es ist nicht ganz klar zu ihrer Wahrnehmung gekommen, es ist aber doch im Gedächtnis sitzengeblieben.
[ 23 ] Schon die naturwissenschaftliche Forschung hat hier ganz schöne Beobachtungen gemacht. Ich will Ihnen eine kurz mitteilen, die in der naturwissenschaftlichen Literatur verzeichnet ist, die man aber verhundertfachen, vertausendfachen könnte. Ein Naturforscher geht einmal am Schaufenster einer Buchhandlung vorbei. Dabei fällt sein Blick auf ein Buch. Und während er den Buchtitel anschaut, muß er lachen. Denken Sie sich nur, ein Naturforscher muß lachen, wenn er einen ernsten Buchtitel sieht! Er kann sich nicht erklären, warum er lachen muß. Nun macht er die Augen zu, weil er glaubt, er komme eher darauf, wenn er nicht durch den äußeren Eindruck abgelenkt wird. Indem er die Augen zumacht, hört er in der Ferne, was er vorher, solange er abgelenkt worden war, nicht gehört hatte, eine Drehorgel. Und indem er weiterforscht, ergibt sich ihm, daß die Drehorgel eine Melodie spielt, nach der er früher einmal getanzt hat. Damals hat das keinen starken Eindruck auf ihn gemacht, die Tänzerin hat ihn mehr interessiert, oder auch die Tanzschritte. Der Eindruck der Melodie selbst war damals schwach, aber doch stark genug, um im späteren Leben wieder aufzutreten, als der Forscher die gleiche Melodie von der Drehorgel her hört!
[ 23 ] Schon die naturwissenschaftliche Forschung hat hier ganz schöne Beobachtungen gemacht. Ich will Ihnen eine kurz mitteilen, die in der naturwissenschaftlichen Literatur verzeichnet ist, die man aber verhundertfachen, vertausendfachen könnte. Ein Naturforscher geht einmal am Schaufenster einer Buchhandlung vorbei. Dabei fällt sein Blick auf ein Buch. Und während er den Buchtitel anschaut, muß er lachen. Denken Sie sich nur, ein Naturforscher muß lachen, wenn er einen ernsten Buchtitel sieht! Er kann sich nicht erklären, warum er lachen muß. Nun macht er die Augen zu, weil er glaubt, er komme eher darauf, wenn er nicht durch den äußeren Eindruck abgelenkt wird. Indem er die Augen zumacht, hört er in der Ferne, was er vorher, solange er abgelenkt worden war, nicht gehört hatte, eine Drehorgel. Und indem er weiterforscht, ergibt sich ihm, daß die Drehorgel eine Melodie spielt, nach der er früher einmal getanzt hat. Damals hat das keinen starken Eindruck auf ihn gemacht, die Tänzerin hat ihn mehr interessiert, oder auch die Tanzschritte. Der Eindruck der Melodie selbst war damals schwach, aber doch stark genug, um im späteren Leben wieder aufzutreten, als der Forscher die gleiche Melodie von der Drehorgel her hört!
[ 24 ] Solche Dinge und ihre Wesenheit kennt der Geistesforscher sehr genau, denn er gibt sich keinen Illusionen hin. Er weiß: Wenn mancher Mystiker davon spricht, daß er in seinem Innern den göttlichen Menschen erlebe, daß er etwas erlebe, was ihn mit seinem Ewigen zusammenbringt, dann sind es «die Töne der Drehorgel»: Er hat einmal etwas aufgenommen, das hat sich umgestaltet — denn solche Dinge gestalten sich um -, das steigt als Reminiszenz herauf. Sie finden auf dem Wege der gewöhnlichen Mystik nichts anderes, als was Sie einmal aufgenommen haben, und Sie können sich da den furchtbarsten Illusionen hingeben, indem Sie bloßer Mystiker sein wollen.
[ 24 ] Solche Dinge und ihre Wesenheit kennt der Geistesforscher sehr genau, denn er gibt sich keinen Illusionen hin. Er weiß: Wenn mancher Mystiker davon spricht, daß er in seinem Innern den göttlichen Menschen erlebe, daß er etwas erlebe, was ihn mit seinem Ewigen zusammenbringt, dann sind es «die Töne der Drehorgel»: Er hat einmal etwas aufgenommen, das hat sich umgestaltet — denn solche Dinge gestalten sich um -, das steigt als Reminiszenz herauf. Sie finden auf dem Wege der gewöhnlichen Mystik nichts anderes, als was Sie einmal aufgenommen haben, und Sie können sich da den furchtbarsten Illusionen hingeben, indem Sie bloßer Mystiker sein wollen.
[ 25 ] Gerade über diese Grenze muß der Geistesforscher hinwegkommen. Man lernt wiederum durch Erfahrung kennen, was sich nicht «logisch» beweisen läßt, was sich aber für den Geistesforscher als eine erlebte Erkenntnis, eine erlebte Erfahrung ergibt: man lernt erkennen, daß man durch innerliches Hineinschauen in sich sich nicht erkennen lernen darf. Denn es würde einem wiederum eine menschliche Seelenkraft fehlen, die man für das gewöhnliche Leben haben muß, wenn man innerlich sich durchschauen könnte. Könnte man sich innerlich durchschauen, so würde man im gewöhnlichen Leben nicht haben können die Kraft der Erinnerung, die Kraft des Gedächtnisses. Und daß diese Kraft der Erinnerung, die Kraft des Gedächtnisses gesund ist, davon hängt ab, daß wir überhaupt in unserem Seelenleben gesund sind. Ist unser Gedächtnis, unsere Erinnerung gestört, ist das Ich gestört, so tritt eine furchtbare Seelenkrankheit auf. So daß wir sagen müssen: Wie der Mensch, damit er die Liebe hat, Grenzen im Naturerkennen haben muß, so muß er, damit er Gedächtnis hat, in die Unmöglichkeit versetzt sein, durch bloße innere Anschauung zur höheren menschlichen Wesenheit zu kommen.
[ 25 ] Gerade über diese Grenze muß der Geistesforscher hinwegkommen. Man lernt wiederum durch Erfahrung kennen, was sich nicht «logisch» beweisen läßt, was sich aber für den Geistesforscher als eine erlebte Erkenntnis, eine erlebte Erfahrung ergibt: man lernt erkennen, daß man durch innerliches Hineinschauen in sich sich nicht erkennen lernen darf. Denn es würde einem wiederum eine menschliche Seelenkraft fehlen, die man für das gewöhnliche Leben haben muß, wenn man innerlich sich durchschauen könnte. Könnte man sich innerlich durchschauen, so würde man im gewöhnlichen Leben nicht haben können die Kraft der Erinnerung, die Kraft des Gedächtnisses. Und daß diese Kraft der Erinnerung, die Kraft des Gedächtnisses gesund ist, davon hängt ab, daß wir überhaupt in unserem Seelenleben gesund sind. Ist unser Gedächtnis, unsere Erinnerung gestört, ist das Ich gestört, so tritt eine furchtbare Seelenkrankheit auf. So daß wir sagen müssen: Wie der Mensch, damit er die Liebe hat, Grenzen im Naturerkennen haben muß, so muß er, damit er Gedächtnis hat, in die Unmöglichkeit versetzt sein, durch bloße innere Anschauung zur höheren menschlichen Wesenheit zu kommen.
[ 26 ] Aber man kann nun wiederum dafür sorgen, daß diese Erinnerungsfähigkeit fester in der menschlichen Natur sitzt als im gewöhnlichen Leben, was ebenfalls durch solche Übungen geschehen kann, wie ich sie in dem genannten Buch beschrieben habe. Wenn man an jedem Abend die Übung macht, daß man seine Tageserlebnisse durchgeht, diese sich ganz klar bildlich vorstellt, so daß man sein Tagesleben immer übungsgemäß überschaut, dann setzt sich alles Gedächtnismäßige fester in der Seele, als es sonst der Fall ist. Und dann kann man es versuchen, trivial ausgedrückt, jene Übung zu machen, die darin besteht, daß man die Zucht seiner Gewohnheiten, die Zucht seines eigenen Ich bewußt in die Hand nimmt. Bedenken Sie nur, wie wir uns von acht zu acht Tagen, von Monat zu Monat, von Jahr zu Jahr, von Jahrzehnt zu Jahrzehnt ändern! Schauen Sie sich selber an, wie Sie in Ihrer Seelenverfassung heute sind, und vergleichen Sie es damit, wie Sie vor zehn, vor zwanzig Jahren waren. Sie werden sehen, daß der Mensch eine Entwicklung durchmacht. Aber der Mensch entwickelt sich unbewußt, das Leben entwickelt ihn.
[ 26 ] Aber man kann nun wiederum dafür sorgen, daß diese Erinnerungsfähigkeit fester in der menschlichen Natur sitzt als im gewöhnlichen Leben, was ebenfalls durch solche Übungen geschehen kann, wie ich sie in dem genannten Buch beschrieben habe. Wenn man an jedem Abend die Übung macht, daß man seine Tageserlebnisse durchgeht, diese sich ganz klar bildlich vorstellt, so daß man sein Tagesleben immer übungsgemäß überschaut, dann setzt sich alles Gedächtnismäßige fester in der Seele, als es sonst der Fall ist. Und dann kann man es versuchen, trivial ausgedrückt, jene Übung zu machen, die darin besteht, daß man die Zucht seiner Gewohnheiten, die Zucht seines eigenen Ich bewußt in die Hand nimmt. Bedenken Sie nur, wie wir uns von acht zu acht Tagen, von Monat zu Monat, von Jahr zu Jahr, von Jahrzehnt zu Jahrzehnt ändern! Schauen Sie sich selber an, wie Sie in Ihrer Seelenverfassung heute sind, und vergleichen Sie es damit, wie Sie vor zehn, vor zwanzig Jahren waren. Sie werden sehen, daß der Mensch eine Entwicklung durchmacht. Aber der Mensch entwickelt sich unbewußt, das Leben entwickelt ihn.
[ 27 ] Wie man zu einem bewußten Hinaufheben des Denkens übergehen kann, wie ich es geschildert habe, so kann man zu einer bewußten Selbstzucht übergehen, indem man immer merkt: Du machst das oder jenes schlecht, du mußt vom Leben lernen. So kann man seine Willensentwicklung in die Hand nehmen, wie man die Gedankenentwicklung in die Hand genommen hat. Nimmt man so die Willensentwicklung in die Hand, dann entwickelt sich wiederum etwas, was einem sozusagen durchleuchtet den sonst dunklen Willen, in dem man sich im gewöhnlichen Leben befindet: Man empfindet alles dasjenige, was man als Willen empfindet, von Gedanken durchsetzt. Man ist gewissermaßen der Zuschauer seines eigenen Wollens und Tuns. Kommt man dazu, so greifbar, geistig-seelisch greifbar der Zuschauer seines eigenen Wollens und Tuns zu sein, dann trifft das, was man da als eine höhere Willensfähigkeit erhält, mit dem zusammen, was sich früher als Gedankentätigkeit entwickelt hat. Und jetzt tritt eine andere Fähigkeit ein: jetzt erblickt man im eigenen menschlichen Wesen etwas, was einem so unabhängig von aller leiblichen Tätigkeit erscheint, daß man weiß: Was du so in dir trägst, das trägst du hinaus durch den Tod in die geistige Welt. Durch die Willenskultur lernt man das geistige Leben, das der Mensch durchlebtnachdemTode, kennen, wie man durch die Gedankenkultur das geistige Leben kennenlernt, das der Mensch vor der Geburt oder Empfängnis erlebt hat. Sie sehen, Geistesforschung kann nicht in gewöhnlicher Weise von der übersinnlichen Menschenwesenheit reden, sondern sie muß erzählen, wie man die Erfahrung macht, daß man das vor und nach dem Tode liegende Leben des Menschen anschauen kann.
[ 27 ] Wie man zu einem bewußten Hinaufheben des Denkens übergehen kann, wie ich es geschildert habe, so kann man zu einer bewußten Selbstzucht übergehen, indem man immer merkt: Du machst das oder jenes schlecht, du mußt vom Leben lernen. So kann man seine Willensentwicklung in die Hand nehmen, wie man die Gedankenentwicklung in die Hand genommen hat. Nimmt man so die Willensentwicklung in die Hand, dann entwickelt sich wiederum etwas, was einem sozusagen durchleuchtet den sonst dunklen Willen, in dem man sich im gewöhnlichen Leben befindet: Man empfindet alles dasjenige, was man als Willen empfindet, von Gedanken durchsetzt. Man ist gewissermaßen der Zuschauer seines eigenen Wollens und Tuns. Kommt man dazu, so greifbar, geistig-seelisch greifbar der Zuschauer seines eigenen Wollens und Tuns zu sein, dann trifft das, was man da als eine höhere Willensfähigkeit erhält, mit dem zusammen, was sich früher als Gedankentätigkeit entwickelt hat. Und jetzt tritt eine andere Fähigkeit ein: jetzt erblickt man im eigenen menschlichen Wesen etwas, was einem so unabhängig von aller leiblichen Tätigkeit erscheint, daß man weiß: Was du so in dir trägst, das trägst du hinaus durch den Tod in die geistige Welt. Durch die Willenskultur lernt man das geistige Leben, das der Mensch durchlebtnachdemTode, kennen, wie man durch die Gedankenkultur das geistige Leben kennenlernt, das der Mensch vor der Geburt oder Empfängnis erlebt hat. Sie sehen, Geistesforschung kann nicht in gewöhnlicher Weise von der übersinnlichen Menschenwesenheit reden, sondern sie muß erzählen, wie man die Erfahrung macht, daß man das vor und nach dem Tode liegende Leben des Menschen anschauen kann.
[ 28 ] Indem man so in die Welt, in die eigene menschliche Wesenheit eindringt, tritt einem wiederum das soziale Leben in einer neuen Gestalt entgegen. Man beobachtet, wie man mit anderen Menschen zusammen das oder jenes erlebt, wie man mit anderen Menschen in Beziehungen tritt, wie man mit anderen Menschen befreundet oder durch andere Verhältnisse in der Welt verbunden oder wieder getrennt wird. Man lernt erkennen, daß alles, was sich so in der physisch-sinnlichen Welt abspielt, nur der Anfang von etwas ist, was sich weiterentwickelt, indem wir durch die Pforte des Todes schreiten. Die Beziehungen der Seele, die sich hier zwischen Mensch und Mensch anknüpfen, finden ihre Fortsetzung, wenn der Mensch durch die Pforte des Todes schreitet. Das Leben, das sich an den Tod angliedert, wird eine ganz konkrete Wirklichkeit, indem wir uns denjenigen Menschen, denen wir uns verbunden wissen hier durch unsere Beziehungen im sinnlichen Leben, auch verbunden wissen über den Tod hinaus.
[ 28 ] Indem man so in die Welt, in die eigene menschliche Wesenheit eindringt, tritt einem wiederum das soziale Leben in einer neuen Gestalt entgegen. Man beobachtet, wie man mit anderen Menschen zusammen das oder jenes erlebt, wie man mit anderen Menschen in Beziehungen tritt, wie man mit anderen Menschen befreundet oder durch andere Verhältnisse in der Welt verbunden oder wieder getrennt wird. Man lernt erkennen, daß alles, was sich so in der physisch-sinnlichen Welt abspielt, nur der Anfang von etwas ist, was sich weiterentwickelt, indem wir durch die Pforte des Todes schreiten. Die Beziehungen der Seele, die sich hier zwischen Mensch und Mensch anknüpfen, finden ihre Fortsetzung, wenn der Mensch durch die Pforte des Todes schreitet. Das Leben, das sich an den Tod angliedert, wird eine ganz konkrete Wirklichkeit, indem wir uns denjenigen Menschen, denen wir uns verbunden wissen hier durch unsere Beziehungen im sinnlichen Leben, auch verbunden wissen über den Tod hinaus.
[ 29 ] Das sind Dinge, die heute den Menschen noch sonderbar erscheinen, die aber von den Aufgaben unserer Zeitkultur bewältigt werden müssen. Werden sie das, dann wird noch etwas ganz anderes vor den Menschen hintreten. Dann wird der Mensch dasjenige in einem ganz anderen Licht erkennen, was er heute seine eigene Menschheitsentwicklung nennt, was er heute die Geschichte nennt. Entwickelt man solche Fähigkeiten wie diejenigen, von denen ich gesprochen habe, dann schaut man auch in das Geschichtliche bei der Menschheit anders hinein, als es die Fable convenue angibt, die man heute Geschichte nennt und die in der Zukunft etwas ganz anderes werden muß. Ich will Ihnen am Ende meiner Auseinandersetzungen ein Beispiel geben, um Ihnen zu zeigen, wie der Mensch der Zukunft in die geschichtliche Entwicklung der Menschheit selber hinein dringen muß.
[ 29 ] Das sind Dinge, die heute den Menschen noch sonderbar erscheinen, die aber von den Aufgaben unserer Zeitkultur bewältigt werden müssen. Werden sie das, dann wird noch etwas ganz anderes vor den Menschen hintreten. Dann wird der Mensch dasjenige in einem ganz anderen Licht erkennen, was er heute seine eigene Menschheitsentwicklung nennt, was er heute die Geschichte nennt. Entwickelt man solche Fähigkeiten wie diejenigen, von denen ich gesprochen habe, dann schaut man auch in das Geschichtliche bei der Menschheit anders hinein, als es die Fable convenue angibt, die man heute Geschichte nennt und die in der Zukunft etwas ganz anderes werden muß. Ich will Ihnen am Ende meiner Auseinandersetzungen ein Beispiel geben, um Ihnen zu zeigen, wie der Mensch der Zukunft in die geschichtliche Entwicklung der Menschheit selber hinein dringen muß.
[ 30 ] Man merkt es gewöhnlich nicht, aber es ist an einem gewissen historischen Punkte der neueren Zeit eine große Wende für die Menschheitsentwicklung eingetreten. Das war in der Mitte des 15. Jahrhunderts. Man sagt so gewöhnlich, die Natur mache keine Sprünge. Es ist das ein Ausspruch, an den allgemein geglaubt wird, obwohl er falsch ist. Die Natur macht fortwährend Sprünge. Betrachten Sie die Entwicklung einer Pflanze, wie sich aus einem Blatt die Blume mit Staubgefäßen und Stempel, und zuletzt die Frucht entwickelt! So macht auch das geschichtliche Leben Sprünge. Und ein solcher Sprung, den man nur nicht bemerkt, weil man die Geschichte so äußerlich betrachtet, ist in der Mitte des 15. Jahrhunderts eingetreten. Das erweiterte menschliche Schauen, das überwindet, so wie es die Erlebnisse zwischen Geburt und Tod überwindet, auch dasjenige, was sich nur in der äußeren Geschichte, in den äußeren Tatsachen darstellt, und es sieht hinein in den Geist des geschichtlichen Wirkens. Und so zeigt sich dieser Anschauung, daß wir seit der Mitte des 15. Jahrhunderts in dem Zeitalter leben, das noch lange andauern wird, das ein anderes Zeitalter ablöste, das im 8. Jahrhundert vor Christus begonnen und das bis in die Mitte des i5. Jahrhunderts gedauert hat. In dieses Zeitalter, vom 8. Jahrhundert vor Christus bis zum 15. Jahrhundert unserer Zeitrechnung, fällt alles dasjenige hinein, was die ausgezeichnete griechische Kultur mit ihrer Schönheit war, was als die römische Kultur da war, und die Nachwirkung des Griechentums und des Römertums. Und seit der Mitte des 15. Jahrhunderts haben wir, wie ich es gleich nachher charakterisieren werde, unsere neuzeitliche Kultur mit der neuzeitlichen Menschheit.
[ 30 ] Man merkt es gewöhnlich nicht, aber es ist an einem gewissen historischen Punkte der neueren Zeit eine große Wende für die Menschheitsentwicklung eingetreten. Das war in der Mitte des 15. Jahrhunderts. Man sagt so gewöhnlich, die Natur mache keine Sprünge. Es ist das ein Ausspruch, an den allgemein geglaubt wird, obwohl er falsch ist. Die Natur macht fortwährend Sprünge. Betrachten Sie die Entwicklung einer Pflanze, wie sich aus einem Blatt die Blume mit Staubgefäßen und Stempel, und zuletzt die Frucht entwickelt! So macht auch das geschichtliche Leben Sprünge. Und ein solcher Sprung, den man nur nicht bemerkt, weil man die Geschichte so äußerlich betrachtet, ist in der Mitte des 15. Jahrhunderts eingetreten. Das erweiterte menschliche Schauen, das überwindet, so wie es die Erlebnisse zwischen Geburt und Tod überwindet, auch dasjenige, was sich nur in der äußeren Geschichte, in den äußeren Tatsachen darstellt, und es sieht hinein in den Geist des geschichtlichen Wirkens. Und so zeigt sich dieser Anschauung, daß wir seit der Mitte des 15. Jahrhunderts in dem Zeitalter leben, das noch lange andauern wird, das ein anderes Zeitalter ablöste, das im 8. Jahrhundert vor Christus begonnen und das bis in die Mitte des i5. Jahrhunderts gedauert hat. In dieses Zeitalter, vom 8. Jahrhundert vor Christus bis zum 15. Jahrhundert unserer Zeitrechnung, fällt alles dasjenige hinein, was die ausgezeichnete griechische Kultur mit ihrer Schönheit war, was als die römische Kultur da war, und die Nachwirkung des Griechentums und des Römertums. Und seit der Mitte des 15. Jahrhunderts haben wir, wie ich es gleich nachher charakterisieren werde, unsere neuzeitliche Kultur mit der neuzeitlichen Menschheit.
[ 31 ] Wodurch unterscheiden sich diese beiden Kulturen? Sie unterscheiden sich durch etwas, was der Mensch in der gegenwärtigen Zeit noch nicht sehen und anerkennen will. Vor dem 15. Jahrhundert, bis zurück zu dem 8. Jahrhundert vor Christi Geburt, war der Mensch in einer ganz anderen Art entwicklungsfähig als heute. Ich kann Ihnen das auf folgende Weise klarmachen. Denken Sie einmal, wie der Mensch in den Jahren ist, bevor er seinen Zahnwechsel gegen das siebente Jahr durchmacht, und wie das Epoche macht in seinem Leben! Sie können darüber das Nähere nachlesen in der kleinen Schrift über «Die Erziehung des Kindes vom Gesichtspunkte der Geisteswissenschaft». Sie werden sehen, was das für den genaueren Beobachter der menschlichen Natur eigentlich in Wirklichkeit bedeutet, was das Kind mit dem Zahnwechsel durchmacht. Da ist ein Parallelismus vorhanden zwischen der äußeren Leibesentwicklung und der inneren Seelenentwicklung. Dann ist wiederum ein nächster Entwicklungspunkt in der Zeit der Geschlechtsreife, im vierzehnten, fünfzehnten Jahr. Dann wird der Parallelismus zwischen Leib und Geist weniger deutlich, aber er dauert für die gegenwärtige Menschheit doch ungefähr bis zum siebenundzwanzigsten Jahr. Im siebenundzwanzigsten Jahr hört man auf, diesen Zusammenhang zwischen der geistig-seelischen Entwicklung und der leiblichen Entwicklung stark zu empfinden. Dieses Merkwürdige, daß der Mensch im siebenundzwanzigsten Lebensjahr seine leiblich-körperhafte Entwicklung abschließt, ist erst seit der Mitte des 15. Jahrhunderts hervorgetreten. Das war anders in dem vorhergehenden Zeitraum. Was hier durch Geistesforschung erkannt werden kann, ist eine unendlich bedeutungsvolle menschliche Entwicklungswahrheit. In der Griechenzeit, in der Römerzeit stand der Mensch so in seiner Entwicklung darin, daß er bis zum dreiunddreißigsten, zum fünfunddreißigsten Jahr hin einen Parallelismus seiner körperlichen und seiner geistig-seelischen Entwicklung hatte. Der Grieche entwickelte derartige Eigenschaften, wenn auch nicht in solcher Stärke, wie es der Zahnwechsel und die Geschlechtsreife sind, bis in seine Dreißigerjahre hinein. Das machte jene merkwürdige Harmonie des Seelischen und des Leiblichen in den Griechen aus. Das ist der Fortgang, den die Menschheitsgeschichte zeigt, daß wir immer weniger der Jugendjahre haben, immer weniger das haben, was uns in den früheren Jahren emanzipierte von dem Körperlich-Leiblichen. Das bedingt aber auch eine ganz andere Stellung des Seelisch-Geistigen zum Weltenwesen beim Menschen. In dem langen Zeitraum vom 8. vorchristlichen bis zum 15. nachchristlichen Jahrhundert entwickelte der Mensch mehr einen instinktiven Verstand, ein instinktives Gemütsleben. Alles, was in diesem Zeitraum lebt, ist durchsetzt von diesem instinktiven Verstandes- und Gemütsleben. Aber seit der Mitte des 15. Jahrhunderts entwickelte der Mensch ein bewußteres Verstandesleben und ein bewußteres Gemütsleben und damit die Forderung, sich auf die freie Persönlichkeit zu stellen. Diese Forderung der menschlichen Natur, sich auf die freie Persönlichkeit zu stellen, entwickelt sich erst in der Geschichte seit der Mitte des 15. Jahrhunderts.
[ 31 ] Wodurch unterscheiden sich diese beiden Kulturen? Sie unterscheiden sich durch etwas, was der Mensch in der gegenwärtigen Zeit noch nicht sehen und anerkennen will. Vor dem 15. Jahrhundert, bis zurück zu dem 8. Jahrhundert vor Christi Geburt, war der Mensch in einer ganz anderen Art entwicklungsfähig als heute. Ich kann Ihnen das auf folgende Weise klarmachen. Denken Sie einmal, wie der Mensch in den Jahren ist, bevor er seinen Zahnwechsel gegen das siebente Jahr durchmacht, und wie das Epoche macht in seinem Leben! Sie können darüber das Nähere nachlesen in der kleinen Schrift über «Die Erziehung des Kindes vom Gesichtspunkte der Geisteswissenschaft». Sie werden sehen, was das für den genaueren Beobachter der menschlichen Natur eigentlich in Wirklichkeit bedeutet, was das Kind mit dem Zahnwechsel durchmacht. Da ist ein Parallelismus vorhanden zwischen der äußeren Leibesentwicklung und der inneren Seelenentwicklung. Dann ist wiederum ein nächster Entwicklungspunkt in der Zeit der Geschlechtsreife, im vierzehnten, fünfzehnten Jahr. Dann wird der Parallelismus zwischen Leib und Geist weniger deutlich, aber er dauert für die gegenwärtige Menschheit doch ungefähr bis zum siebenundzwanzigsten Jahr. Im siebenundzwanzigsten Jahr hört man auf, diesen Zusammenhang zwischen der geistig-seelischen Entwicklung und der leiblichen Entwicklung stark zu empfinden. Dieses Merkwürdige, daß der Mensch im siebenundzwanzigsten Lebensjahr seine leiblich-körperhafte Entwicklung abschließt, ist erst seit der Mitte des 15. Jahrhunderts hervorgetreten. Das war anders in dem vorhergehenden Zeitraum. Was hier durch Geistesforschung erkannt werden kann, ist eine unendlich bedeutungsvolle menschliche Entwicklungswahrheit. In der Griechenzeit, in der Römerzeit stand der Mensch so in seiner Entwicklung darin, daß er bis zum dreiunddreißigsten, zum fünfunddreißigsten Jahr hin einen Parallelismus seiner körperlichen und seiner geistig-seelischen Entwicklung hatte. Der Grieche entwickelte derartige Eigenschaften, wenn auch nicht in solcher Stärke, wie es der Zahnwechsel und die Geschlechtsreife sind, bis in seine Dreißigerjahre hinein. Das machte jene merkwürdige Harmonie des Seelischen und des Leiblichen in den Griechen aus. Das ist der Fortgang, den die Menschheitsgeschichte zeigt, daß wir immer weniger der Jugendjahre haben, immer weniger das haben, was uns in den früheren Jahren emanzipierte von dem Körperlich-Leiblichen. Das bedingt aber auch eine ganz andere Stellung des Seelisch-Geistigen zum Weltenwesen beim Menschen. In dem langen Zeitraum vom 8. vorchristlichen bis zum 15. nachchristlichen Jahrhundert entwickelte der Mensch mehr einen instinktiven Verstand, ein instinktives Gemütsleben. Alles, was in diesem Zeitraum lebt, ist durchsetzt von diesem instinktiven Verstandes- und Gemütsleben. Aber seit der Mitte des 15. Jahrhunderts entwickelte der Mensch ein bewußteres Verstandesleben und ein bewußteres Gemütsleben und damit die Forderung, sich auf die freie Persönlichkeit zu stellen. Diese Forderung der menschlichen Natur, sich auf die freie Persönlichkeit zu stellen, entwickelt sich erst in der Geschichte seit der Mitte des 15. Jahrhunderts.
[ 32 ] Damit aber ist auch erklärlich, wie die großen Ereignisse in die Menschheitsentwicklung anders hineinfallen, je nachdem sie in der einen oder anderen Epoche auftreten. In diejenige Epoche, die der unseren vorangegangen ist, in welcher der Mensch bis in die Dreißigerjahre hinein körperlich entwicklungsfähig geblieben ist, in das erste Drittel dieser Epoche hinein fiel das größte Ereignis der Erdenentwicklung, dasjenige Ereignis, das der Erdenentwicklung eigentlich erst den richtigen Sinn gibt, das Ereignis des Mysteriums von Golgatha, die Begründung des Christentums. Im ersten Drittel des griechisch-lateinischen Zeitalters spielt sich dasjenige ab, was wie das Mittelpunktsereignis der ganzen menschheitlichen Erdenentwicklung ist. So wie es sich dazumal in die Menschheit hineingestellt hat, konnte es nur naiv von der Menschheit begriffen werden in dem Zeitalter, in dem instinktive Verstandeskräfte und instinktive Gemütskräfte da waren. Aus diesen instinktiven Kräften heraus haben sich in jenem Zeitraum die Menschen in der rechten Weise zu dem großen Ereignis stellen können, weil sie sich noch nicht bewußt, sondern naiv verhalten haben. Sie haben sich gesagt: Da geschieht nicht bloß etwas, was durch Menschen getan wird, da ist ein Übermenschliches in die irdische Entwicklung hereingebrochen. Der Christus, das übermenschliche Wesen, hat sich verbunden mit dem Leibe des Jesus von Nazareth. Was auf Golgatha geschehen ist, ist seinen physischen Tatsachen nach nur der äußere Ausdruck für etwas Übersinnliches, das sich in der Erdenentwicklung abgespielt hat.
[ 32 ] Damit aber ist auch erklärlich, wie die großen Ereignisse in die Menschheitsentwicklung anders hineinfallen, je nachdem sie in der einen oder anderen Epoche auftreten. In diejenige Epoche, die der unseren vorangegangen ist, in welcher der Mensch bis in die Dreißigerjahre hinein körperlich entwicklungsfähig geblieben ist, in das erste Drittel dieser Epoche hinein fiel das größte Ereignis der Erdenentwicklung, dasjenige Ereignis, das der Erdenentwicklung eigentlich erst den richtigen Sinn gibt, das Ereignis des Mysteriums von Golgatha, die Begründung des Christentums. Im ersten Drittel des griechisch-lateinischen Zeitalters spielt sich dasjenige ab, was wie das Mittelpunktsereignis der ganzen menschheitlichen Erdenentwicklung ist. So wie es sich dazumal in die Menschheit hineingestellt hat, konnte es nur naiv von der Menschheit begriffen werden in dem Zeitalter, in dem instinktive Verstandeskräfte und instinktive Gemütskräfte da waren. Aus diesen instinktiven Kräften heraus haben sich in jenem Zeitraum die Menschen in der rechten Weise zu dem großen Ereignis stellen können, weil sie sich noch nicht bewußt, sondern naiv verhalten haben. Sie haben sich gesagt: Da geschieht nicht bloß etwas, was durch Menschen getan wird, da ist ein Übermenschliches in die irdische Entwicklung hereingebrochen. Der Christus, das übermenschliche Wesen, hat sich verbunden mit dem Leibe des Jesus von Nazareth. Was auf Golgatha geschehen ist, ist seinen physischen Tatsachen nach nur der äußere Ausdruck für etwas Übersinnliches, das sich in der Erdenentwicklung abgespielt hat.
[ 33 ] In jenem Zeitalter also konnte man das instinktiv begreifen. Das ist anders geworden seit der Mitte des 15. Jahrhunderts. Seit der Mitte des 15. Jahrhunderts hat sich der instinktive Verstand, die instinktive Gemütskraft verwandelt in bewußten Verstand, in bewußte Gemütskräfte. Das gab die Möglichkeit, die Naturwissenschaft bis zu der hohen Stufe, zu der sie gekommen ist, auszubilden, aber auch die äußere industrielle Entwicklung, auch den Materialismus des Zeitalters, der als eine Beigabe da sein mußte, um die freie Persönlichkeit auf die Spitze zu stellen. Aber aus diesem Materialismus muß wieder herausgekommen werden, indem in einer neuen Art, wie ich es heute geschildert habe, der Weg in die geistige Welt hinein gesucht wird. Materialistisch ist das Zeitalter geworden in der Epoche, in der sich die Bewußtseinsseele des Menschen aus der früheren instinktiven Seele entwickelt hat. Da ist zu dem äußeren Materialismus auch der Materialismus der Theologie aufgetreten. Bedenken Sie, wie in weiten Kreisen selbst die Theologie, die Religionsanschauung vom Materialismus erfaßt worden ist, wie der Mensch des Bewußtseinszeitalters unfähig wurde, in dem Ereignis von Golgatha ein Übersinnliches zu erkennen, wie er immer mehr und mehr dazu kam, es in die Sinnlichkeit herabzuziehen; wie er endlich stolz darauf wurde, wie selbst zahlreiche Theologen stolz darauf wurden, nicht mehr in dem Christus die übersinnliche Wesenheit zu sehen, die in den Leib eines Menschen auf die Erde herabgestiegen ist, sondern nur zu sehen den «schlichten Mann aus Nazareth», der zwar etwas größer ist als andere Menschen, aber doch bloß ein Mensch ist. Daß in dem Mysterium von Golgatha, in dem Tod und der Auferstehung Christi, die größte Tatsache der Welt- und Menschheitsentwicklung vor uns steht, das ging dem materialistischen Zeitalter bis jetzt nicht auf. Die Religion selber wurde vermaterialisiert. Der schlichte Bekenntnisglaube wird nicht imstande sein, diese Vermaterialisierung der Religion aufzuhalten. Aufgehalten werden kann sie nur durch die bewußte Geist-Erkenntnis, von der ich heute gesprochen habe. Sie wird sich wiederum erheben zu der Erkenntnis, daß in dem Jesus von Nazareth ein überirdisches, ein übersinnliches Wesen lebte, das sich seit jener Zeit mit der Menschheitsentwicklung vereinigt hat. Das Mysterium von Golgatha wird durch die anthroposophisch orientierte Geisteswissenschaft wiederum in den Gesichtskreis der menschlichen Anschauungen hineingestellt werden; jetzt aber so hineingestellt werden, daß es der Engherzigkeit der einzelnen Konfessionen enthoben wird.
[ 33 ] In jenem Zeitalter also konnte man das instinktiv begreifen. Das ist anders geworden seit der Mitte des 15. Jahrhunderts. Seit der Mitte des 15. Jahrhunderts hat sich der instinktive Verstand, die instinktive Gemütskraft verwandelt in bewußten Verstand, in bewußte Gemütskräfte. Das gab die Möglichkeit, die Naturwissenschaft bis zu der hohen Stufe, zu der sie gekommen ist, auszubilden, aber auch die äußere industrielle Entwicklung, auch den Materialismus des Zeitalters, der als eine Beigabe da sein mußte, um die freie Persönlichkeit auf die Spitze zu stellen. Aber aus diesem Materialismus muß wieder herausgekommen werden, indem in einer neuen Art, wie ich es heute geschildert habe, der Weg in die geistige Welt hinein gesucht wird. Materialistisch ist das Zeitalter geworden in der Epoche, in der sich die Bewußtseinsseele des Menschen aus der früheren instinktiven Seele entwickelt hat. Da ist zu dem äußeren Materialismus auch der Materialismus der Theologie aufgetreten. Bedenken Sie, wie in weiten Kreisen selbst die Theologie, die Religionsanschauung vom Materialismus erfaßt worden ist, wie der Mensch des Bewußtseinszeitalters unfähig wurde, in dem Ereignis von Golgatha ein Übersinnliches zu erkennen, wie er immer mehr und mehr dazu kam, es in die Sinnlichkeit herabzuziehen; wie er endlich stolz darauf wurde, wie selbst zahlreiche Theologen stolz darauf wurden, nicht mehr in dem Christus die übersinnliche Wesenheit zu sehen, die in den Leib eines Menschen auf die Erde herabgestiegen ist, sondern nur zu sehen den «schlichten Mann aus Nazareth», der zwar etwas größer ist als andere Menschen, aber doch bloß ein Mensch ist. Daß in dem Mysterium von Golgatha, in dem Tod und der Auferstehung Christi, die größte Tatsache der Welt- und Menschheitsentwicklung vor uns steht, das ging dem materialistischen Zeitalter bis jetzt nicht auf. Die Religion selber wurde vermaterialisiert. Der schlichte Bekenntnisglaube wird nicht imstande sein, diese Vermaterialisierung der Religion aufzuhalten. Aufgehalten werden kann sie nur durch die bewußte Geist-Erkenntnis, von der ich heute gesprochen habe. Sie wird sich wiederum erheben zu der Erkenntnis, daß in dem Jesus von Nazareth ein überirdisches, ein übersinnliches Wesen lebte, das sich seit jener Zeit mit der Menschheitsentwicklung vereinigt hat. Das Mysterium von Golgatha wird durch die anthroposophisch orientierte Geisteswissenschaft wiederum in den Gesichtskreis der menschlichen Anschauungen hineingestellt werden; jetzt aber so hineingestellt werden, daß es der Engherzigkeit der einzelnen Konfessionen enthoben wird.
[ 34 ] Was sich als geistige Anschauung des übersinnlichen Menschen entwickeln wird, so wie ich es heute dargestellt habe, das wird möglich machen, daß es in jedem Menschen über die ganze Erde hin ohne Rassen- und Volksunterschiede lebt. Von da aus wird aber auch der Weg zum Mysterium von Golgatha gefunden werden, und alle Menschen über die ganze Erde hin werden dieses Christus-Ereignis verstehen, begreifen lernen. Man schwärmt in unserer Zeit - man tut das so leicht — vom sogenannten Völkerbund; man schwärmt von diesem Völkerbund in der utopistischen Weise, wie er in dem so abstrakt denkenden Kopfe des Woodrow Wilson entstanden ist. In dieser Weise wird er nicht entstehen können. Er braucht Wirklichkeitsgrundlagen, und diese müssen vom Innersten der Seele des Menschen ausgehen. Das ist die Aufgabe der heutigen Zeit. Nur in dieser Fähigkeit der Seele, die auf den Weg zur Erkenntnis des übersinnlichen Menschen führt und die die Menschen der ganzen Erde eint, nur durch eine solche Erkenntnis, die das Christus-Ereignis anschauen kann als ein übersinnliches Ereignis, nur in einem solchen Impuls, der über die Völker hin wirkt, der durch die Völker über alle Grenzen hinüberwirkt, liegt die reale Kraft für einen künftigen wahren Völkerbund über die Erde hin. So muß das Christentum seine neuen Wurzeln in die menschliche Kultur einschlagen.
[ 34 ] Was sich als geistige Anschauung des übersinnlichen Menschen entwickeln wird, so wie ich es heute dargestellt habe, das wird möglich machen, daß es in jedem Menschen über die ganze Erde hin ohne Rassen- und Volksunterschiede lebt. Von da aus wird aber auch der Weg zum Mysterium von Golgatha gefunden werden, und alle Menschen über die ganze Erde hin werden dieses Christus-Ereignis verstehen, begreifen lernen. Man schwärmt in unserer Zeit - man tut das so leicht — vom sogenannten Völkerbund; man schwärmt von diesem Völkerbund in der utopistischen Weise, wie er in dem so abstrakt denkenden Kopfe des Woodrow Wilson entstanden ist. In dieser Weise wird er nicht entstehen können. Er braucht Wirklichkeitsgrundlagen, und diese müssen vom Innersten der Seele des Menschen ausgehen. Das ist die Aufgabe der heutigen Zeit. Nur in dieser Fähigkeit der Seele, die auf den Weg zur Erkenntnis des übersinnlichen Menschen führt und die die Menschen der ganzen Erde eint, nur durch eine solche Erkenntnis, die das Christus-Ereignis anschauen kann als ein übersinnliches Ereignis, nur in einem solchen Impuls, der über die Völker hin wirkt, der durch die Völker über alle Grenzen hinüberwirkt, liegt die reale Kraft für einen künftigen wahren Völkerbund über die Erde hin. So muß das Christentum seine neuen Wurzeln in die menschliche Kultur einschlagen.
[ 35 ] Das zeigt Ihnen die andere Seite zu dem, was ich im vorigen Vortrag hier sagen durfte. Das zeigt Ihnen diejenige Seite, die dem menschlichen inneren Seelenleben entspricht, die in dem Menschen wiederum soziale Triebe entfachen wird, wenn sie ihn erfüllen wird. Zu der Entgegennahme dieser Geisteswissenschaft braucht man keinen Autoritätsglauben, wie zu der Entgegennahme des anderen Wissenschaftlichen, was herausgetragen wird, sagen wir, von der Sternwarte über Astronomie, von der Medizin über die Beschaffenheit der physischen Menschennatur. Das muß auf Autorität hin angenommen werden, wenn man nicht selber Astronom oder Physiologe und so weiter werden will. Was Ihnen aber der Geistesforscher sagt, das brauchen Sie nicht auf Autorität hin zu glauben. Sie brauchen auch nicht selbst ein Geistesforscher zu sein, wie Sie nicht Maler zu sein brauchen, um die Schönheit eines Bildes zu finden. Sie können die Geisteswissenschaft durch Ihren gesunden Menschenverstand aufnehmen, ohne selbst Geistesforscher zu sein, wenn in an nur die Vorurteile, die aus dem heutigen Materialismus heraus sich entwickelt haben, hinwegräumt. Weil alles Geisteswissenschaftliche in den Untergründen der menschlichen Seele veranlagt ist, kann man es ohne Autoritätsglauben einsehen. Und dieses Einsehen, dieses Vertrauen-Haben zu den Offenbarungen der Geisteswissenschaft, das ist etwas, was sich in die Aufgaben unseres Zeitalters hineinleben muß. Dann wird dieses Zeitalter eine Erneuerung erfahren. Dann wird diesem Zeitalter das Ferment gegeben werden zu dem, was als äußere Einrichtung eines Neuaufbaus eine entsprechende Rolle wird spielen müssen.
[ 35 ] Das zeigt Ihnen die andere Seite zu dem, was ich im vorigen Vortrag hier sagen durfte. Das zeigt Ihnen diejenige Seite, die dem menschlichen inneren Seelenleben entspricht, die in dem Menschen wiederum soziale Triebe entfachen wird, wenn sie ihn erfüllen wird. Zu der Entgegennahme dieser Geisteswissenschaft braucht man keinen Autoritätsglauben, wie zu der Entgegennahme des anderen Wissenschaftlichen, was herausgetragen wird, sagen wir, von der Sternwarte über Astronomie, von der Medizin über die Beschaffenheit der physischen Menschennatur. Das muß auf Autorität hin angenommen werden, wenn man nicht selber Astronom oder Physiologe und so weiter werden will. Was Ihnen aber der Geistesforscher sagt, das brauchen Sie nicht auf Autorität hin zu glauben. Sie brauchen auch nicht selbst ein Geistesforscher zu sein, wie Sie nicht Maler zu sein brauchen, um die Schönheit eines Bildes zu finden. Sie können die Geisteswissenschaft durch Ihren gesunden Menschenverstand aufnehmen, ohne selbst Geistesforscher zu sein, wenn in an nur die Vorurteile, die aus dem heutigen Materialismus heraus sich entwickelt haben, hinwegräumt. Weil alles Geisteswissenschaftliche in den Untergründen der menschlichen Seele veranlagt ist, kann man es ohne Autoritätsglauben einsehen. Und dieses Einsehen, dieses Vertrauen-Haben zu den Offenbarungen der Geisteswissenschaft, das ist etwas, was sich in die Aufgaben unseres Zeitalters hineinleben muß. Dann wird dieses Zeitalter eine Erneuerung erfahren. Dann wird diesem Zeitalter das Ferment gegeben werden zu dem, was als äußere Einrichtung eines Neuaufbaus eine entsprechende Rolle wird spielen müssen.
[ 36 ] Denn was sehen wir, indem wir so recht das Wesen der gegenwärtigen Zeit zu verstehen suchen? Ich möchte sagen: Zwei Wege sehen wir, der eine links, der andere rechts. Der eine gibt uns die Möglichkeit, stehenzubleiben bei denjenigen Anschauungen, die die bloße Naturwissenschaft gebracht hat, und von dieser Anschauung, die die Naturwissenschaft gebracht hat, nun auch überzugehen zu den sozialen Anschauungen; also von dem Glauben auszugehen, man könne mit demselben Ideenvermögen, mit dem man die Natur begreift, auch das soziale Leben begreifen. Das haben Karl Marx und Friedrich Engels getan, das tun Lenin und Trotzkij. Deshalb kommen sie zu ihren Wegen. Das sehen die Menschen heute noch nicht ein, daß die Naturwissenschaft auf der einen Seite steht, und daß ihre letzten Konsequenzen in dem sozialen Chaos, im sozialen Niedergang zum Ausdruck kommen. Der furchtbare Glaube, der im Osten Europas jetzt alle wirkliche menschliche Kultur vernichten will, dieser furchtbare Glaube des Lenin und Trotzkij, er geht hervor aus dem anderen Glauben, daß man die Wege der naturwissenschaftlichen Erkenntnis auch im sozialen Leben gehen müsse. Was ist denn geschehen unter dem Einfluß dieses neueren materialistisch-naturwissenschaftlichen Glaubens? Es ist das geschehen, daß unser ganzes Geistesleben mechanisiert worden ist. Dadurch aber, daß unser Geistesleben sich nicht mehr erhebt zu Gedanken über den übersinnlichen Menschen, daß es sich mechanisiert an der äußeren mechanistischen Naturanschauung, dadurch werden zu gleicher Zeit die Seelen vegetarisiert, pflanzenähnlich, schläfrig gemacht. So sehen wir, daß wir neben dem mechanisierten Geist eine vegetarisierte Seele im modernen Kulturleben haben. Aber wenn die Seele nicht durchwärmt ist vom Geiste, wenn der Geist nicht durchleuchtet ist von dem übersinnlichen Erkennen, dann entwickeln sich im Leibe die tierischen Eigenschaften, die heute in den antisozialen Trieben leben und die im Osten von Europa zum Henker der Kultur werden wollen. Dann entwickelt sich unter dem Vorgehen, sozialisieren zu wollen, das Allerantisozialste; dann wird das leibliche Leben neben dem mechanisierten Geiste, der vegetatisierten Seele, animalisiert. Die wildesten Instinkte und Triebe treten als historische Forderungen auf. Das ist der Weg, der links geht.
[ 36 ] Denn was sehen wir, indem wir so recht das Wesen der gegenwärtigen Zeit zu verstehen suchen? Ich möchte sagen: Zwei Wege sehen wir, der eine links, der andere rechts. Der eine gibt uns die Möglichkeit, stehenzubleiben bei denjenigen Anschauungen, die die bloße Naturwissenschaft gebracht hat, und von dieser Anschauung, die die Naturwissenschaft gebracht hat, nun auch überzugehen zu den sozialen Anschauungen; also von dem Glauben auszugehen, man könne mit demselben Ideenvermögen, mit dem man die Natur begreift, auch das soziale Leben begreifen. Das haben Karl Marx und Friedrich Engels getan, das tun Lenin und Trotzkij. Deshalb kommen sie zu ihren Wegen. Das sehen die Menschen heute noch nicht ein, daß die Naturwissenschaft auf der einen Seite steht, und daß ihre letzten Konsequenzen in dem sozialen Chaos, im sozialen Niedergang zum Ausdruck kommen. Der furchtbare Glaube, der im Osten Europas jetzt alle wirkliche menschliche Kultur vernichten will, dieser furchtbare Glaube des Lenin und Trotzkij, er geht hervor aus dem anderen Glauben, daß man die Wege der naturwissenschaftlichen Erkenntnis auch im sozialen Leben gehen müsse. Was ist denn geschehen unter dem Einfluß dieses neueren materialistisch-naturwissenschaftlichen Glaubens? Es ist das geschehen, daß unser ganzes Geistesleben mechanisiert worden ist. Dadurch aber, daß unser Geistesleben sich nicht mehr erhebt zu Gedanken über den übersinnlichen Menschen, daß es sich mechanisiert an der äußeren mechanistischen Naturanschauung, dadurch werden zu gleicher Zeit die Seelen vegetarisiert, pflanzenähnlich, schläfrig gemacht. So sehen wir, daß wir neben dem mechanisierten Geist eine vegetarisierte Seele im modernen Kulturleben haben. Aber wenn die Seele nicht durchwärmt ist vom Geiste, wenn der Geist nicht durchleuchtet ist von dem übersinnlichen Erkennen, dann entwickeln sich im Leibe die tierischen Eigenschaften, die heute in den antisozialen Trieben leben und die im Osten von Europa zum Henker der Kultur werden wollen. Dann entwickelt sich unter dem Vorgehen, sozialisieren zu wollen, das Allerantisozialste; dann wird das leibliche Leben neben dem mechanisierten Geiste, der vegetatisierten Seele, animalisiert. Die wildesten Instinkte und Triebe treten als historische Forderungen auf. Das ist der Weg, der links geht.
[ 37 ] Der andere Weg, der rechts geht, ist der, der sich in der heute mitgeteilten Weise hineinfindet in die Anschauung des übersinnlichen Menschen, der übersinnlichen Welt, der auch die Entwicklung des Menschen im übersinnlichen Lichte schaut, der hinaufdringt zum wirklich freien Geiste.
[ 37 ] Der andere Weg, der rechts geht, ist der, der sich in der heute mitgeteilten Weise hineinfindet in die Anschauung des übersinnlichen Menschen, der übersinnlichen Welt, der auch die Entwicklung des Menschen im übersinnlichen Lichte schaut, der hinaufdringt zum wirklich freien Geiste.
[ 38 ] Aus den Ideen, aus denen ich die Freiheit des menschlichen Fortschritts schildern wollte in meinem Buche «Die Philosophie der Freiheit», wollte ich den Grund legen zu demjenigen, das der Mensch erleben kann als Bewußtsein seiner wirklichen inneren Freiheit durch das Ergreifen des geistigen Lebens. Nur der Geist, der den Menschen durchdringt, kann wahrhaftig frei werden. Derjenige Geist, der nur die Natur durchdringt und alles soziale Leben nach dem Muster der neueren Naturwissenschaft formen wollte, wird mechanistisch unfrei. Und die Seele, die nur von diesem Geiste durchdrungen ist, schläft wie die Pflanze. Diejenige Seele, die durchwärmt wird von dem wahren pulsierenden Wollen der Geist-Erkenntnis der übersinnlichen Menschennatur, diese Seele tritt vor den anderen Menschen im sozialen Leben hin, sie lernt im anderen Menschen den übersinnlichen Menschen schätzen. Sie lernt das Göttliche im Urbild in jedem Menschen schauen. Sie lernt soziales Fühlen jedem Menschen gegenüber. Sie lernt, wie mit Bezug auf diese innerste Seele alle Menschen hier auf der Erde gleich sind. Und in dieser vom Geiste durchwärmten Seele kann sich, auf dem anderen Wege rechts, Gleichheit entwickeln. Und werden die Leiber durchtränkt und durchgeistigt von dem übersinnlichen Bewußtsein, werden sie durchwärmt, werden sie veredelt von dem, was die Seele aufnimmt, indem sie erweckt wird durch den Geist, nicht vegetarisiert bleibt, dann werden die Leiber auch nicht animalisiert; dann werden die Leiber so, daß sie das entwickeln, was man im weitesten Umfang echte Liebe nennen kann. Dann, dann weiß der Mensch, daß er in seinen Erdenleib als übersinnliches Wesen einzieht, daß er in diesen Leib einzieht, um die Liebe in diesem Leibe zu entwickeln, um zu dem Geiste hin die Liebe zu entwickeln. Dann weiß er, daß im Erdenleibe Brüderlichkeit sein muß, sonst kann in der unbrüderlichen Menschheit der Einzelne nicht ein ganzer, ein voller Mensch sein.
[ 38 ] Aus den Ideen, aus denen ich die Freiheit des menschlichen Fortschritts schildern wollte in meinem Buche «Die Philosophie der Freiheit», wollte ich den Grund legen zu demjenigen, das der Mensch erleben kann als Bewußtsein seiner wirklichen inneren Freiheit durch das Ergreifen des geistigen Lebens. Nur der Geist, der den Menschen durchdringt, kann wahrhaftig frei werden. Derjenige Geist, der nur die Natur durchdringt und alles soziale Leben nach dem Muster der neueren Naturwissenschaft formen wollte, wird mechanistisch unfrei. Und die Seele, die nur von diesem Geiste durchdrungen ist, schläft wie die Pflanze. Diejenige Seele, die durchwärmt wird von dem wahren pulsierenden Wollen der Geist-Erkenntnis der übersinnlichen Menschennatur, diese Seele tritt vor den anderen Menschen im sozialen Leben hin, sie lernt im anderen Menschen den übersinnlichen Menschen schätzen. Sie lernt das Göttliche im Urbild in jedem Menschen schauen. Sie lernt soziales Fühlen jedem Menschen gegenüber. Sie lernt, wie mit Bezug auf diese innerste Seele alle Menschen hier auf der Erde gleich sind. Und in dieser vom Geiste durchwärmten Seele kann sich, auf dem anderen Wege rechts, Gleichheit entwickeln. Und werden die Leiber durchtränkt und durchgeistigt von dem übersinnlichen Bewußtsein, werden sie durchwärmt, werden sie veredelt von dem, was die Seele aufnimmt, indem sie erweckt wird durch den Geist, nicht vegetarisiert bleibt, dann werden die Leiber auch nicht animalisiert; dann werden die Leiber so, daß sie das entwickeln, was man im weitesten Umfang echte Liebe nennen kann. Dann, dann weiß der Mensch, daß er in seinen Erdenleib als übersinnliches Wesen einzieht, daß er in diesen Leib einzieht, um die Liebe in diesem Leibe zu entwickeln, um zu dem Geiste hin die Liebe zu entwickeln. Dann weiß er, daß im Erdenleibe Brüderlichkeit sein muß, sonst kann in der unbrüderlichen Menschheit der Einzelne nicht ein ganzer, ein voller Mensch sein.
[ 39 ] So führt uns die Fortsetzung des alten Weges zur Mechanisierung des Geistes, zur Vegetarisierung der Seele, zur Animalisierung des Leibes. So führt uns der Weg, der durch Geisteswissenschaft gezeigt werden soll, zu den wahren sozialen Tugenden, aber zu den sozialen Tugenden, die vom Geiste durchleuchtet, von der Seele durchwärmt sind; die von dem veredelten Menschenleibe ausgeführt werden.
[ 39 ] So führt uns die Fortsetzung des alten Weges zur Mechanisierung des Geistes, zur Vegetarisierung der Seele, zur Animalisierung des Leibes. So führt uns der Weg, der durch Geisteswissenschaft gezeigt werden soll, zu den wahren sozialen Tugenden, aber zu den sozialen Tugenden, die vom Geiste durchleuchtet, von der Seele durchwärmt sind; die von dem veredelten Menschenleibe ausgeführt werden.
[ 40 ] So führt uns die geistige Erkenntnis des übersinnlichen Menschen dazu, auf der Erde in einem schönen Neubau der Zukunft zu begründen: Freiheit im Geistesleben. Der durchgeistigte Mensch wird ein freier Mensch sein. Gleichheit im geistdurchwärmten Seelenleben: Die Seele, die den Geist in sich aufnimmt, wird die andere Seele, die ihr im sozialen Leben entgegentritt, als ihr gleich, wahrhaftig wie in einem großen Geheimnis erfassen und behandeln. Und der veredelte Leib, der durch den Geist und die Seele veredelte Leib, er wird zum Aus über wahrster, echtester Menschenliebe, der wahren Brüderlichkeit. So wird die soziale Menschenordnung in Freiheit, Gleichheit und Brüderlichkeit durch die richtige Erfassung von Leib, Seele und Geist erfolgen können.
[ 40 ] So führt uns die geistige Erkenntnis des übersinnlichen Menschen dazu, auf der Erde in einem schönen Neubau der Zukunft zu begründen: Freiheit im Geistesleben. Der durchgeistigte Mensch wird ein freier Mensch sein. Gleichheit im geistdurchwärmten Seelenleben: Die Seele, die den Geist in sich aufnimmt, wird die andere Seele, die ihr im sozialen Leben entgegentritt, als ihr gleich, wahrhaftig wie in einem großen Geheimnis erfassen und behandeln. Und der veredelte Leib, der durch den Geist und die Seele veredelte Leib, er wird zum Aus über wahrster, echtester Menschenliebe, der wahren Brüderlichkeit. So wird die soziale Menschenordnung in Freiheit, Gleichheit und Brüderlichkeit durch die richtige Erfassung von Leib, Seele und Geist erfolgen können.
