From a Unitary State
to a Tripartite Social Organism
GA 334
18 March 1920, Zurich
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Vom Einheitsstaat zum dreigliedrigen sozialen Organismus
5. Die Geistigen Kräfte in der Erziehungskunst und im Volksleben
5. Spiritual Forces in the Art of Education and in Public Life
[ 1 ] Gestern erlaubte ich mir auszuführen, wie in den Niedergangserscheinungen unserer Zeit drei zerstörende Mächte wirken: die Weltherrschaft der Phrase, die Weltherrschaft der Konvention, die Weltherrschaft der Routine. Und ich versuchte gestern schon anzudeuten, wie treten müsse an die Stelle der Phrase wiederum die gedankenerfüllte Rede, der von geistiger Substanz durchdrungene Gedanke, der sich durch die Sprache ausleben kann im sozialen Leben der Menschen. Und ich versuchte damit im Zusammenhang anzudeuten, wie an die Stelle der Konvention treten müsse gerade durch die Wiederbelebung des Geisteslebens dasjenige, was auch aus der lebendigen Wechselwirkung der im demokratischen Sinne miteinander lebenden mündigen Menschen allein entstehen kann. Und anzudeuten versuchte ich, wie an die Stelle der bloßen Routine, der geistlosen Routine, treten müsse die durchgeistigte Lebenspraxis.
[ 1 ] Yesterday I took the liberty of explaining how three destructive forces are at work in the signs of decline in our time: the global dominance of empty phrases, the global dominance of convention, and the global dominance of routine. And yesterday I already attempted to suggest how empty rhetoric must be replaced by thought-filled speech—thought imbued with spiritual substance that can find expression through language in people’s social lives. And in this context, I attempted to suggest how, precisely through the revival of spiritual life, convention must be replaced by that which can arise solely from the living interaction of mature human beings living together in a democratic sense. And I attempted to suggest how mere routine—spiritless routine—must be replaced by a spiritualized way of life.
[ 2 ] Wenn man zunächst alle diese Dinge nur von außen her charakterisiert, so scheinen sie eigentlich auch Oberflächentatsachen unseres gegenwärtigen Lebens nur zu berühren. In Wahrheit aber drängen sie hin gerade zu demjenigen, was auf der einen Seite im Allerintimsten der Menschenwesenheit wurzelt, was auf der anderen Seite aber auch wiederum sich auslebt in den bedeutsamsten, eingreifendsten und für das Leben maßgebenden sozialen Tatsachen.
[ 2 ] If one initially characterizes all these things solely from the outside, they actually seem to touch only on the superficial aspects of our present-day life. In truth, however, they point directly to that which, on the one hand, is rooted in the very core of human existence and, on the other hand, also manifests itself in the most significant, far-reaching, and life-defining social realities.
[ 3 ] Nun habe ich schon gestern angedeutet, wie man an einem bestimmten Symptom aufsuchen müsse eine der Grundursachen unserer gegenwärtigen, von so vielen Zerstörungskräften durchsetzten Zivilisation. Ich habe darauf aufmerksam gemacht, daß seit drei bis vier Jahrhunderten es im wesentlichen die naturwissenschaftliche Erkenntnis ist, welche die Grundlage unserer Weltanschauung abgibt, derjenigen Weltanschauung, die Neues begründen
[ 3 ] Yesterday I already hinted at how a particular symptom can be traced back to one of the root causes of our present civilization, which is riddled with so many destructive forces. I pointed out that for the past three to four centuries, it has essentially been scientific knowledge that has provided the foundation for our worldview—the worldview that establishes new things
[ 4 ] will. Was sonst in unserem sozialen Leben vorhanden ist, es sind die traditionellen Impulse zur Weltanschauung. Was neu fruchtet, was die Menschen wirklich bewegt seit drei bis vier Jahrhunderten, das ist die Frage: In welcher Art kann aus den naturwissenschaftlichen Grundlagen des menschlichen Erkennens eine Weltanschauung fließen? Kein Wunder, daß unter dem Drang, auf diese Weise eine Weltanschauung zu begründen, gerade diejenigen Kräfte des menschlichen Seelenlebens sich ausgebildet haben, die geeignet sind, eine solche Weltanschauung ins Leben zu rufen. Eine ganz bestimmte Art des Denkens und eine ganz bestimmte Art des Wollens hat sich in diesen letzten Jahrhunderten herausgebildet und ist in unserer Gegenwart bis zu einem gewissen Höhepunkt des Wirkens gekommen. Die Naturforschung betont ja immer wieder und wiederum, daß es für sie, für ihre gewissenhafte Methode darauf ankomme, die Welt der Tatsachen zu erforschen, so daß nichts einfließe in dasjenige, was ausgemacht wird über die Tatsachen selbst, daß da nichts einfließe von dem, was aus dem Menschen, aus der menschlichen Persönlichkeit selbst kommt. Vergeblich haben solche Geister wie Goethe, die einsahen, zu welcher Einseitigkeit bloßes Naturerkennen, vom Menschen abgesondertes Naturerkennen führen müsse, aufmerksam darauf gemacht, wie wirkliches, zu einer umfassenden Weltanschauung brauchbares Erkennen nicht abgesondert werden dürfe vom Menschen, wie selbst die äußere physikalische Tatsache im Zusammenhange mit dem in der Welt stehenden Menschen betrachtet werden müsse. Allein auf der anderen Seite kann man doch sagen, daß diese vom Menschen abgesonderte Betrachtungsweise wiederum ihre großen Triumphe gefeiert hat dadurch, daß sie die Welt der Technik zu dem gebracht hat, was diese eben heute ist. Das alles aber konnte nur unter dem Einflusse einer gewissen Art des Denkens entstehen; jenes Denkens, das sich hingibt entweder dem, was die Natur durch sich selbst der Beobachtung darbietet, oder demjenigen, was wir im Experimente darstellen können. Die Sprache der Tatsachen selber zu verstehen, es ist das Ideal dieses Denkens.
[ 4 ] will. What else exists in our social life are the traditional impulses toward a worldview. What has been bearing new fruit, what has truly moved people for the past three to four centuries, is the question: In what way can a worldview flow from the scientific foundations of human cognition? It is no wonder that, driven by the urge to establish a worldview in this way, precisely those forces of the human soul have developed that are suited to bringing such a worldview into being. A very specific way of thinking and a very specific way of willing have emerged over the last few centuries and have reached a certain peak of activity in our present time. Natural science, after all, emphasizes time and again that for it—and for its conscientious method—it is essential to investigate the world of facts in such a way that nothing from what originates within the human being, from the human personality itself, influences the conclusions drawn about the facts themselves. In vain did minds such as Goethe’s—who recognized the one-sidedness to which mere knowledge of nature, knowledge of nature separated from humanity, must inevitably lead—draw attention to the fact that true knowledge, useful for a comprehensive worldview, must not be separated from humanity, and that even external physical facts must be considered in connection with humanity as it exists in the world. On the other hand, however, one can say that this approach—separated from humanity—has in turn celebrated its great triumphs by bringing the world of technology to what it is today. All of this, however, could only have come about under the influence of a certain kind of thinking—that kind of thinking which devotes itself either to what nature itself presents to observation or to what we can demonstrate through experimentation. To understand the language of the facts themselves—that is the ideal of this kind of thinking.
[ 5 ] In dieses Denken fließt wenig von dem hinein — derjenige, der gerade neben Geisteswissenschaft auch mit Naturwissenschaft in gewissenhafter Weise, in methodischer Weise zu tun gehabt hat, der weiß es, was menschlicher Wille ist, von dem, was uns impulsiert, indem wir äußerlich im Leben unsere Aufgabe vollziehen, indem wir mit anderen Menschen in Berührung und in Beziehung treten, indem wir mit anderen Worten ins soziale Wesen uns hineinstellen. Ja, die großen Triumphe der Naturwissenschaft und der Technik sind nur möglich geworden dadurch, daß gewissermaßen der Mensch denken gelernt hat in der Weise, daß dieses Denken so wenig wie möglich von seinem Wollen beeinflußt ist. Eine Art von Denkgewohnheit, kann man schon sagen, ist unter dem Einflusse dieser Tatsache im Laufe der letzten drei bis vier Jahrhunderte entstanden.
[ 5 ] Very little of this enters into this line of thought—anyone who has dealt conscientiously and methodically with the natural sciences as well as Spiritual Science knows what human will is, in terms of what impels us as we carry out our tasks in external life, as we come into contact and form relationships with other people, or, in other words, as we place ourselves within the social realm. Indeed, the great triumphs of natural science and technology have only become possible because, in a sense, human beings have learned to think in a way that is influenced as little as possible by their will. One might even say that a certain habit of thinking has emerged under the influence of this fact over the course of the last three to four centuries.
[ 6 ] Nun kann man mit einem solchen Denken Großartiges erkennen auf dem Gebiete der mineralischen Welt, der pflanzlichen Welt noch, weniger schon der tierischen Welt und — wie ich gestern schon angedeutet habe — gar nichts erkennen mit Bezug auf das wahre Wesen des Menschen. Und daß man neben diesem, ich möchte sagen, willensentblößten Denken kein anderes Denken ausgebildet hat, das hat seinen Grund in einer gewissen Weise in der Furcht vor alle dem, was in unser Denken hineinkommt, wenn der Mensch von sich aus, von seinem Willen, diesem Denken seine Struktur, seine Organisation gibt. Phantastik, Willkürlichkeit kann auf diesem Wege durch das menschliche Wollen in das Denken hineinkommen. Und immer wieder und wiederum wird darauf hingewiesen, wie phantastisch die Weltanschauungen gewisser Philosophen sich ausnehmen, die allerdings menschliches Wollen in ihr Denken hineingelegt haben, gegenüber den sicheren Ergebnissen, zu denen Naturforscher gekommen sind, die ganz allein sprechen ließen dasjenige, was die Natur ihnen selbst oder das Experiment sagte.
[ 6 ] Now, with such a way of thinking, one can recognize magnificent things in the mineral world and even in the plant world, but to a lesser extent in the animal world, and—as I already indicated yesterday—one cannot recognize anything at all regarding the true nature of the human being. And the fact that, alongside this—I would say—will-deprived way of thinking, no other form of thinking has been developed is, in a certain sense, due to a fear of everything that enters our thinking when a person, of their own accord, through their own will, gives this thinking its structure and organization. Fantasy and arbitrariness can thus enter into thinking through human will. And time and again, attention is drawn to how fanciful the worldviews of certain philosophers appear—philosophers who have, in fact, introduced human will into their thinking—when compared to the reliable findings reached by natural scientists, who allowed only what nature itself or the experiment told them to speak.
[ 7 ] Man hat eben nicht gewußt, daß es möglich ist, das Denken des Menschen mit dem Willen so zu durchdringen, daß bei diesem wohlgeschulten, willengetragenen Denken ebenso jede Willkür verschwindet, wie sie verschwindet gegenüber jenem Denken, das sich nur mit äußeren Tatsachen oder mit Experimenten befaßt. Um ein solches Denken, das vom Willen durchdrungen ist, aufzufinden, dazu gehören allerdings mit Energie, Sorgfalt und Geduld vollbrachte innerliche Seelenübungen. Dazu gehört, daß der Mensch, der ein Geistesforscher werden will, der wirklich eindringen will in die geistige Welt, aus der allein heraus Erkenntnis des Menschen erfließen kann, daß der Mensch sich immer wieder und wiederum durch lange Zeiten und mit innerlicher Seelenmethodik Gedanken vorhält, an denen er nichts anderes entwickelt, als innerliches Wollen, daß er an diesen Gedanken ein solches Wollen entwickelt, wie man es sonst nur in der äußeren Welt entwickelt. In der äußeren Welt liebt man, haßt man, man nimmt diese oder jene Tätigkeit auf, weist diese oder jene Tätigkeit ab. Man hat es in der äußeren Welt zu tun mit etwas, worüber man bloß Ansichten haben kann. Man hat es mit dem zu tun, was Krisen in sich enthält. Dasjenige, was man da in der äußeren Welt durch seinen Willen erkennt, oder wovon man bekämpft wird, das muß man hineintragen, wenn man Geistesforscher werden will, in die Welt seiner Gedanken, und man wird nach und nach bemerken, daß diese Gedanken wirklich willengetragene Mächte werden, von innerer Gesetzmäßigkeit durchtränkt. Sie müssen nur das, was ich jetzt eben in scheinbarer Abstraktheit gesagt habe, so hinnehmen, daß die Arbeit, die damit charakterisiert wird, die innere Seelenarbeit, eine solche ist, die lange Zeit in Anspruch nimmt, die wahrhaftig nicht weniger methodisch, wenn auch auf geistigem Felde, durchgeführt wird, als alles dasjenige, was wir mit den exaktesten Präzisionsinstrumenten für unsere chemischen oder physikalischen Experimente durchführen. Wie der Chemiker oder der Physiker exakt seine Experimente durchführt, so führt der Geistesforscher dasjenige durch, was Abwägen des einen Gedankens an dem anderen ist, Wirkung des einen Gedankens auf den anderen. Er kommt dadurch dazu, daß das abstrakte Denken, das gerade unter dem Einfluß des naturwissenschaftlichen Forschens im Laufe der drei bis vier letzten Jahrhunderte sich herausgebildet hat, zu einem innerlich lebendigen Denken aufsteigt, zu einem Denken, das mehr ein Bildanschauen geistiger Art ist als das gewöhnliche abstrakte Denken. Das ist die eine Seite, die ausgebildet werden muß zu wirklicher Menschenerkenntnis, weil es unmöglich ist, jenes abstrakte Denken zu gebrauchen für diese Menschenerkenntnis, die eine Geist-Erkenntnis sein muß, eine Geistanschauung, das in der Naturwissenschaft seine großen Triumphe feiert. Allein dieses Denken, das in der Naturwissenschaft voll am Platze ist, dieses Denken hat insbesondere im sozialen Leben im weitesten Sinne gewisse, ich möchte sagen, unmögliche Ergebnisse. Je abstrakter unser Denken wird, desto rechthaberischer im einzelnen Menschen wird es. Gewiß, man wird sehr kritisch, man wird gewissenhaft, man wird methodisch, wenn man das in den letzten drei bis vier Jahrhunderten großgezogene Denken anwendet. Aber man wird doch in bezug auf seine soziale Eingliederung in die ganze Menschheit oder in einen Teil der Menschheit rechthaberisch. Man forsche nur einmal nach und man wird sehen, wenn man sich an das Denken hält, das die Naturwissenschaft groß gemacht hat: Man gewöhnt sich daran, immer recht zu haben — und der andere hat auch recht! Und die Menschen, das würde das Extrem sein, könnten sich im Grunde genommen eigentlich gar nichts mehr mitteilen.
[ 7 ] People simply did not know that it is possible to permeate human thought with the will in such a way that, in this well-trained, will-driven thinking, all arbitrariness disappears just as it disappears in thinking that deals only with external facts or experiments. To discover such thinking, which is permeated by the will, requires, however, inner spiritual exercises carried out with energy, care, and patience. This requires that the person who wishes to become a spiritual researcher—who truly wishes to penetrate the spiritual world, from which alone knowledge of the human being can flow—repeatedly and over long periods of time, using inner spiritual methods, hold thoughts in mind from which he develops nothing other than inner will; that he develops in these thoughts a will of the kind that is otherwise developed only in the external world. In the outer world, one loves, one hates; one takes up this or that activity, or rejects this or that activity. In the outer world, one is dealing with something about which one can merely hold opinions. One deals with what contains crises within itself. That which one recognizes in the outer world through one’s will—or by which one is opposed—must be carried into the world of one’s thoughts if one wishes to become a spiritual researcher; and one will gradually notice that these thoughts truly become will-driven forces, imbued with inner lawfulness. You need only accept what I have just said—in what may seem like abstract terms—in such a way that the work it describes—the inner work of the soul—is one that takes a long time and is carried out no less methodically, even if in the spiritual realm, than everything we perform with the most precise instruments for our chemical or physical experiments. Just as the chemist or physicist conducts his experiments with precision, so does the spiritual researcher carry out the process of weighing one thought against another, and examining the effect of one thought upon another. Through this process, the abstract thinking that has developed over the course of the last three to four centuries—precisely under the influence of scientific research—is elevated to an inwardly living form of thinking, a form of thinking that is more a spiritual contemplation of images than ordinary abstract thinking. This is the one aspect that must be developed into true knowledge of humanity, because it is impossible to use that abstract thinking for this knowledge of humanity—which must be a knowledge of the spirit, a spiritual insight—that celebrates its great triumphs in the natural sciences. Yet this very thinking, which is entirely appropriate in the natural sciences, leads—especially in social life in the broadest sense—to certain, I would say, impossible results. The more abstract our thinking becomes, the more dogmatic it becomes in the individual. Certainly, one becomes very critical, conscientious, and methodical when applying the mode of thinking that has been cultivated over the last three to four centuries. But one nevertheless becomes dogmatic with regard to one’s social integration into all of humanity or into a part of humanity. Just take a closer look, and you will see that if you adhere to the way of thinking that has made the natural sciences great: you get used to always being right—and the other person is right, too! And people—this would be the extreme—could, in essence, no longer communicate anything to one another at all.
[ 8 ] Leben wir nicht mitten in diesem Zustande? Findet nicht heute derjenige, der durch eine prüfungsreiche Lebenserfahrung gegangen ist und durch Jahrzehnte gerungen hat mit den Problemen, der genötigt ist, aus der heutigen Menschheitserziehung heraus diese Probleme in den gangbaren gebräuchlichen Formen der geisteswissenschaftlichen Begriffe darzustellen, findet er nicht überall die jüngsten Leute, die kommen und sagen mit ihrer anderthalb Jahrzehnte höchstens dauernden Erfahrung: Das ist mein Standpunkt, das denke ich, das setze ich entgegen den reichen Lebenserfahrungen. Und schließlich, abstrakt genommen, kann man diesen Lebensanfängern, die ebensogut logisch denken können wie die lebenserfahrenen Greise, man kann ihnen nicht einmal unrecht geben, denn dasjenige, was den Nerv ausmacht unseres gegenwärtigen wissenschaftlichen Erkennens, das ist im Grunde nicht gebunden an menschliche Entwickelungen, das ist etwas, was man erreicht, wohinein man sich findet, und was man schließlich, wenn man einen gewissen Grad von Erwachsenheit erreicht hat, eben erlangt. Und so kann man sagen: Dieses abstrakte Denken, dieser Intellektualismus, der es heute zu einem hohen Grade an Vollkommenheit gebracht hat, der gibt jedem etwas, was er eigentlich jedem anderen mitteilen möchte, aber was der andere schon von sich selber aus weiß. Man möchte sich mitteilen im sozialen Leben. Man kann sich nicht mitteilen, weil der andere nicht geneigt ist, die Mitteilung zu empfangen, sondern höchstens ihr seinen Standpunkt entgegenzustemmen.
[ 8 ] Are we not living in the midst of this situation? Doesn’t the person who has gone through a life full of trials and struggled for decades with these problems—and who is compelled, within the framework of today’s education of humanity, to present these problems in the common, accepted forms of concepts from Spiritual Science—find everywhere the youngest people who come and say, with their experience lasting at most a decade and a half: “That is my point of view; that is what I think; that is what I assert in opposition to the rich experiences of life.” And finally, taken abstractly, one cannot even blame these novices in life—who are just as capable of logical thinking as the elderly with their wealth of life experience— one cannot even say they are wrong, for what constitutes the essence of our current scientific understanding is, at its core, not tied to human development; it is something one arrives at, something one finds oneself in, and what one ultimately attains once one has reached a certain degree of maturity. And so one can say: This abstract thinking, this intellectualism, which has today reached a high degree of perfection, gives everyone something they would actually like to communicate to everyone else—but which the other person already knows on their own. One would like to express oneself in social life. One cannot express oneself because the other person is not inclined to receive the message, but at most to counter it with their own point of view.
[ 9 ] Was die Naturwissenschaft groß macht, das ist unanwendbar im sozialen Leben, denn der Mensch gibt dadurch etwas, möchte etwas geben, was kein anderer eigentlich empfangen will, weil er es schon zu haben glaubt. Wer nur richtig durchdenkt dasjenige, was die wirkliche Grundrichtung unseres ganzen heutigen Seelenlebens ist, der wird vieles von dem, was heute in unserem sozialen Leben an Zerstörungskräften vorhanden ist, was die Menschen auseinandertreibt, statt sie zusammenzuführen, er wird es zum Teil in dem sehen müssen, was ich jetzt als eine Eigentümlichkeit und soziale Konsequenz des abstrakten, gerade für die Naturwissenschaft tauglichen Denkens charakterisiert habe.
[ 9 ] What makes the natural sciences great is inapplicable to social life, for through them a person gives—or wishes to give—something that no one else actually wants to receive, because they believe they already have it. Anyone who truly thinks through what constitutes the fundamental orientation of our entire spiritual life today will have to see much of what exists today in our social life as destructive forces—forces that drive people apart instead of bringing them together—as stemming in part from what I have just characterized as a peculiarity and social consequence of abstract thinking, a mode of thought particularly suited to the natural sciences.
[ 10 ] Über dieses Denken hinaus wird Geisteswissenschaft führen, weil sie kultiviert dasjenige, was unbewußt bleibt in dem heute gebräuchlichen Denken, weil sie das Wollen - das ist es eben, was unbewußt bleibt — in dieses Denken hineindrängt, weil sie willentliches Denken entwickelt. Und aus dem willentlichen Denken heraus kann wirkliche Menschenkenntnis erfolgen. Aber das ist nur das eine Element.
[ 10 ] Spiritual Science will lead beyond this way of thinking because it cultivates that which remains unconscious in the thinking commonly used today; because it brings the will—which is precisely what remains unconscious—into this thinking; because it develops volitional thinking. And from this volitional thinking, true knowledge of human nature can arise. But that is only one element.
[ 11 ] Das andere ist, daß gerade unter dem Einfluß dieser Denkweise, wie sie in der naturwissenschaftlichen Weltanschauung hervorgetreten ist, der Mensch auch dazu gekommen ist, gegenüberzustellen dem willensentblößten Denken das gedankenentblößte Wollen. Aus dieser Zweiheit besteht im Grunde genommen der heutige Mensch, aus jenem Seelenelemente, das man nicht anders bezeichnen kann, als willensentblößtes Denken, und aus dem anderen Seelenelemente, das man bezeichnen muß als gedankenentblößtes Wollen. Geisteswissenschaftliche Erkenntnis, sie sucht ebenso, wie sie den Willen hineinzuschieben versucht in das Denken, den Menschen, der ein Geistesforscher werden will, dazu zu bringen, seinen eigenen Handlungen, seinen eigenen Willensergebnissen mit einer solchen Objektivität gegenüberzustehen, wie man sonst nur gegenübersteht äußeren Tatsachen. Der Mensch muß werden, wenn er sich auf den Weg des Geistesforschens begibt, ein treuer Beobachter dessen, was er selber tut, was er selber will. Gewissermaßen muß er sich ideell zunächst herausheben und muß wie in einem Höheren von sich selbst neben sich einhergehen. Und dieses Höhere neben sich selbst muß den Menschen so beobachten in allem, was er tut, wie man sonst nur beobachtet, wenn man äußere Naturtatsachen oder das Experiment beobachtet. Denn dann lernt man an etwas Gedanken entwickeln, was gerade in den letzten drei bis vier Jahrhunderten am allermeisten, besonders bei gewissen radikalen extremen Kreisen, nur beherrscht und impulsiert wird von den persönlichsten Emotionen. Man lernt erkennen dasjenige in Gedanken, worauf man sonst eigentlich gar nicht sieht, dessen Gedanken sonst völlig im Unbewußten bleiben.
[ 11 ] The other point is that, precisely under the influence of this way of thinking—as it has emerged in the scientific worldview—human beings have also come to contrast thinking devoid of will with willing devoid of thought. Modern human beings essentially consist of this duality: of that element of the soul that can be described only as thinking devoid of will, and of the other element of the soul that must be described as willing devoid of thought. Spiritual Science insight, just as it seeks to integrate the will into thinking, also seeks to lead the person who wishes to become a spiritual researcher to view their own actions and the results of their own will with the same objectivity with which one otherwise views external facts. When a person embarks on the path of spiritual research, they must become a faithful observer of what they themselves do and what they themselves will. In a sense, they must first detach themselves ideationally and walk alongside themselves as if from a higher perspective. And this higher self beside oneself must observe the person in everything he does in the same way one otherwise observes only external facts of nature or the results of an experiment. For then one learns to develop thoughts about something that, especially in certain radical, extreme circles, has been dominated and driven almost exclusively by the most personal emotions, particularly in the last three to four centuries. One learns to recognize in thought that which one would otherwise not even notice—thoughts that would otherwise remain entirely in the unconscious.
[ 12 ] Und deshalb, weil der Mensch in diese beiden Elemente zerfällt, sehen wir auch heute auseinandergerissen auf der einen Seite die abstrakt naturwissenschaftliche Erkenntnis, die nur auf das Außermenschliche geht, und die sozialen Impulse bloß als persönliche Instinkte wirksam. Wir sehen, wie die Naturwissenschaft auf gewisse Höhen gestiegen ist, wie man aus der Erziehung, die man aus diesem naturwissenschaftlichen Denken gewonnen hat, jetzt zum Beispiel im Osten — und es wird nicht beim Osten verbleiben, leider — Grundsätze daraus gewinnen will für das soziale Zusammenleben der Menschen, wie sich aber in diesem Osten zeigt, daß man mit naturwissenschaftlicher Sozialpolitik nichts anderes kann, als wüsteste menschliche Instinkte organisieren, organisieren so, daß die Organisation die Menschheit in den Untergang hineintreiben muß.
[ 12 ] And because human beings are divided into these two elements, we see even today, torn apart, on the one hand, abstract scientific knowledge that focuses solely on what lies outside the human being, and, on the other hand, social impulses operating merely as personal instincts. We see how the natural sciences have reached certain heights, how, based on the education derived from this scientific way of thinking, people—for example, in the East—are now—and unfortunately, this will not be limited to the East — seek to derive principles from it for human social coexistence; yet it is evident in the East that scientific social policy can do nothing other than organize the most savage human instincts—organize them in such a way that the resulting structure is bound to drive humanity to ruin.
[ 13 ] Diese Dinge hängen zusammen mit dem, was in den letzten Jahrhunderten groß geworden ist, und man muß sie in diesem Zusammenhange betrachten. Erst dann, wenn man den Willen kultiviert im Denken, wie ich es angedeutet habe, dann das Denken im Wollen kultiviert — die genaue Beschreibung können Sie in meinen Büchern «Wie erlangt man Erkenntnisse der höheren Welten?» und im zweiten Teile meiner «Geheimwissenschaft», und in ähnlichen Büchern finden -, erst dann, wenn man eine solche Geisteswissenschaft auf diese Art begründet, die in das wirkliche Wesen des Menschen eindringen kann, wird eine solche Wissenschaft nicht machtlos gegenüberstehen der ganzen menschlichen Persönlichkeit. Ja, unsere gegenwärtige Wissenschaft, sie steht der ganzen menschlichen Persönlichkeit machtlos gegenüber, denn dasjenige Denken, in das nicht der Wille hineinpulsiert, es ist eine Beschäftigung bloß des menschlichen Kopfes, es ist Intellektualismus, der keine mitteilende Kraft für das Leben hat. Geistige Erkenntnis, wie sie nach und nach zu einer Weltanschauung sich formt aus solchen Grundlagen heraus, wie ich sie jetzt nur andeuten konnte, Geisteswissenschaft ist etwas, was nicht nur die menschlichen Gedanken, den menschlichen Intellekt, sondern was die ganze menschliche Persönlichkeit ergreift. Weil sie aus dem Willen hervorgegangen ist, aus dem willengetragenen Denken, stellt sie dieses menschliche Denken hinein in die soziale Gemeinschaft, und weil sie den Gedanken hineinträgt in das Wollen, kann sie auch Gedanken im Menschen anregen, welche wahrhaftige Lebenspraxis hervorbringen, nicht bloß Routine, sondern Lebenspraxis, die eben nur beruhen kann auf Ideen, auf geistgetragenem Wollen.
[ 13 ] These things are connected to what has come to prominence in recent centuries, and one must view them in this context. Only when one cultivates the will through thinking, as I have indicated, and then cultivates thinking through the will—you can find the precise description in my books *How to Attain Knowledge of the Higher Worlds?* and in the second part of my *Secret Science*, as well as in similar books—only then, when one establishes such a Spiritual Science in this way, one that can penetrate into the true essence of the human being, will such a science not stand powerless in the face of the entire human personality. Yes, our present-day science stands powerless in the face of the entire human personality, for thinking into which the will does not pulse is merely an activity of the human head; it is intellectualism that has no life-giving power. Spiritual knowledge, as it gradually takes shape into a worldview based on the foundations I have only been able to hint at here—Spiritual Science—is something that encompasses not only human thoughts and the human intellect, but the entire human personality. Because it has emerged from the will—from thinking sustained by the will—it places this human thinking within the social community; and because it carries thought into the realm of the will, it can also inspire thoughts in human beings that give rise to genuine life practice—not merely routine, but life practice that can be based only on ideas, on will sustained by the spirit.
[ 14 ] Solche geisteswissenschaftliche Weltanschauung, wir brauchen sie heute vor allen Dingen auf dem Boden desjenigen Geisteslebens, das für die Öffentlichkeit das Allerwichtigste ist, wir brauchen sie auf dem Boden der Erziehungskunst. Und gerade in der Erziehungskunst kann man die innere Wahrheit desjenigen erforschen, was ich als Prinzipien einer Geisteswissenschaft eben charakterisiert habe. In der schon erwähnten «Waldorfschule», die unter der Ägide unseres Freundes, des Herrn Molt in Stuttgart errichtet worden ist, ist versucht worden, auf geisteswissenschaftlicher Grundlage Pädagogik als Erziehungskunst zu begründen. Diese Waldorfschule will nicht eine Weltanschauungsschule sein. Diejenigen Menschen sagen die Unwahrheit, welche sagen, sie will eine Schule sein, in die anstelle alter Weltanschauungen anthroposophisch orientierte Geisteswissenschaft schon in das Kind hineingetragen wird. Darum handelt es sich gerade bei dieser Schule nicht, sondern darum handelt es sich, daß das, was als Geisteswissenschaft hier gemeint ist, eben den Willen des Menschen erfassen kann, sein Handeln durchdringen kann und daß dasjenige, was in anderen Weltanschauungen nur Gedanke, Idee bleibt, bei der anthroposophisch orientierten geisteswissenschaftlichen Weltanschauung methodisch gefaßt werden kann. Daher handelt es sich bei der Waldorfschule in Stuttgart nicht darum, was man inhaltlich an die Kinder heranbringen will, sondern es handelt sich darum, daß unsere Geisteswissenschaft in ihr Methode wird, wird dasjenige, was die Grundlage abgibt zu der Verrichtung im Lehren, im Erziehen, zum Handeln, zum Wollen des Lehrers.
[ 14 ] We need this spiritual Science worldview today above all in the realm of spiritual life that is of the utmost importance to the public; we need it in the realm of the art of education. And it is precisely in the art of education that one can explore the inner truth of what I have just characterized as the principles of Spiritual Science. At the aforementioned “Waldorf School,” which was established in Stuttgart under the auspices of our friend, Mr. Molt, an attempt has been made to ground pedagogy as the art of education on a spiritual-scientific foundation. This Waldorf School does not aim to be an ideological school. Those who claim that it is intended to be a school where anthroposophically oriented Spiritual Science is instilled in children in place of old worldviews are speaking untruths. That is precisely not what this school is about; rather, it is about the fact that what is meant here by “Spiritual Science” can grasp the human will, can permeate human action, and that what in other worldviews remains merely a thought or an idea can be methodically grasped within the anthroposophically oriented spiritual-scientific worldview. Consequently, the focus of the Waldorf School in Stuttgart is not on what content one wishes to impart to the children, but rather on the fact that our Spiritual Science becomes a method within the school—it becomes the foundation for the teacher’s work in teaching, in educating, in acting, and in willing.
[ 15 ] Dazu gehört aber allerdings, daß diese Pädagogik, diese Erziehungskunst gebaut werde auf wirkliche Menschenkenntnis. Wirkliche Menschenkenntnis ergibt sich nur mit den Methoden, die ich heute andeutend charakterisiert habe. Da lernt man erkennen, wie aus dem inneren Seelisch-Geistigen heraus vor allen Dingen gewisse Epochen sich unterscheiden lassen in dem werdenden Menschen. Diese Epochen, sie sind dasjenige in der menschlichen Wesenheit, worüber man heute oftmals selbst in der Wissenschaft, die sich sehr exakt dünkt, oberflächlich hinweggeht. Man sieht ja in dem Kinde gewisse Vorgänge, wenn um das siebente Jahr herum der Zahnwechsel eintritt. Aber derjenige, der tiefer hineinschaut in die menschliche Natur, der sieht auch, wie in dieser Zeit des Zahnwechsels im Kinde eine vollständige Metamorphose des ganzen Seelenlebens vor sich geht. Während in der ersten Zeit, von der Geburt bis zum siebenten Jahre, alles, was das Kind treibt, wozu das Kind sich geneigt, befähigt fühlt, herausstammt aus dem Prinzip der Imitation, der Nachahmung, aus einem Sich-Hineinfühlen in alles dasjenige, was die Umgebung tut, beginnt mit dem Zahnwechsel ungefähr gegen das siebente Jahr beim Kinde die Epoche, wo es durch seine inneren Fähigkeiten auf Autorität hin angelegt ist. Wie durch das selbstverständliche elementarische Leben wird das Kind bis zum siebenten Jahr hin selbst in seinen Handbewegungen, in der Formung seiner Sprache dasjenige tun, was die Erwachsenen seiner Umgebung tun. Es wird sich ganz hineinverweben in dasjenige, was ausströmt selbst von den Imponderabilien der Gedanken- und Vorstellungsrichtungen der Umgebung. Vom siebenten Jahr an braucht das Kind in seiner Umgebung den, von dem es glauben kann: der weiß in gewissem Sinne das Richtige; es braucht die Autorität. Man mag heute noch so sehr gegen Autorität wettern, man sollte berücksichtigen, daß Autorität vom siebenten Jahr an ungefähr bis zu dem Jahre, wo die Geschlechtsreife eintritt, etwas ist, unter dessen Einfluß der Mensch stehen muß, wenn er sich gesund entwickeln will. Denn eine zweite Epoche in der menschlichen Kindheit ist diese vom Zahnwechsel bis zu der Geschlechtsreife, bis zum vierzehnten Jahre ungefähr. Ungefähr, sage ich; hier ist nicht irgendein Zahlenspiel in Frage kommend, sondern es sind die wichtigen Abschnitte, die Umänderungen der Lebensmetamorphosen sind es, die in Frage kommen. Mit diesem vierzehnten Jahre ungefähr wird der Mensch geschlechtsreif. Da tritt eine vollständige Umwandlung seines Seelenlebens ein, da tritt dasjenige ein, was ihn innerlich befähigt, selbständig zu urteilen, der Welt sich entgegenzustellen mit dem, was als Urteil in seinem Inneren entsteht, während er vom siebenten bis vierzehnten Jahr recht gedeiht, wenn er neben sich die Autorität haben kann, zu der er aufschaut.
[ 15 ] However, this does require that this pedagogy, this art of education, be based on a genuine understanding of human nature. A true understanding of human nature can only be achieved through the methods I have briefly outlined today. Through them, one learns to recognize how, above all, certain stages in the developing human being can be distinguished based on inner soul-spiritual processes. These stages are aspects of the human being that are often superficially overlooked today, even in science, which considers itself to be very precise. One does, of course, observe certain processes in the child when the change of teeth occurs around the age of seven. But those who look more deeply into human nature also see how, during this period of tooth change, a complete metamorphosis of the child’s entire soul life takes place. Whereas in the first period, from birth to the age of seven, everything the child does, everything the child is inclined toward or feels capable of, stems from the principle of imitation—from empathizing with everything the environment does—with the change of teeth around the age of seven, the child enters a phase in which it is, through its inner capacities, inclined toward authority. Just as in the natural, elementary phase of life, up until the age of seven the child will, even in its hand movements and in the development of its speech, do what the adults in its environment do. It will become completely interwoven with what emanates even from the intangible currents of thought and imagination in its environment. From the age of seven onward, the child needs someone in its environment whom it can trust to know, in a certain sense, what is right; it needs authority. No matter how much people may rail against authority today, one should bear in mind that from the age of seven until approximately the age of sexual maturity, authority is something under whose influence a person must stand if they are to develop healthily. For a second phase of human childhood extends from the change of teeth to sexual maturity, up to about the age of fourteen. “About,” I say; this is not a matter of arbitrary numbers, but rather of the significant stages—the transformations in the metamorphoses of life—that are at issue. Around the age of fourteen, a person reaches sexual maturity. At that point, a complete transformation of their soul life takes place; what enables them inwardly to judge independently and to face the world with the judgments that arise within them begins to emerge, whereas from the age of seven to fourteen they thrive when they have beside them the authority to which they look up.
[ 16 ] Nun sind es gerade die Jahre vom Zahnwechsel bis zu der Geschlechtsreife, in denen man das Kind zu betreuen hat in Unterricht und Erziehung während seiner sogenannten Volksschulzeit. Aber auch in dieser Zeit kann man noch gewisse Epochen, Unterepochen unterscheiden. Dasjenige, was als Nachahmungstrieb aus der innersten Wesenheit des Menschen heraus bis zum siebenten Jahre waltet, es erstreckt sich noch in seiner Abschwächung, aber deutlich sich offenbarend, über das siebente Jahre hinaus bis ins neunte Lebensjahr hinein. Und derjenige, der sich aneignet durch Geisteswissenschaft einen lebendigen Sinn, wie in jedem einzelnen Kinde zum Vorschein kommt dieses Zusammenspielen von Nachahmungsfähigkeit, von Autoritätsbedürfnis in allem Lernen und gegenüber aller Erziehung, der wird in jedem Kinde, selbst wenn er die größte Klasse vor sich hat, ein eigenes Erziehungsproblem sehen können. Denn ein solcher Mensch als Erzieher und Lehrer wird nicht hingegeben sein können irgendeiner Normpädagogik, nicht einer Pädagogik, die wiederum abstrakte Grundsätze etwa aufstellt aus dem Intellektualismus heraus: so muß man erziehen, oder so muß man erziehen — nein, derjenige, der durch Geisteswissenschaft zum Lehrer geworden ist, der sieht in dem werdenden Kinde etwas, was der Künstler in jedem einzelnen, das er schafft, sieht: immer wieder ein Neues und ein Neues. Da gibt es nicht abstrakte pädagogische Grundsätze, da gibt es ein lebendiges Sich-Hineinfinden in das Kind, ein Herausschaffen aus dem Kinde selbst, ein Rätsellösen desjenigen, was im Kinde verborgen ist, was durch die Leiblichkeit als ein Geistig-Seelisches heraus will. Denn das ist das Eigentümliche beim Geist-Erkennen, das vor allen Dingen in der Erziehungskunst zur Anwendung kommen muß, daß dieses Geist-Erkennen den Menschen zurückführt zur unmittelbaren Lebendigkeit. Das ist beim Intellektualismus, beim abstrakten Erkennen nicht der Fall. Wenn ich abstrakt irgend etwas aufgefaßt habe, nun, da habe ich es aufgefaßt, da trage ich es dann weiter ins Leben fort. Da erinnere ich mich höchstens an dasjenige, was ich schon gelernt habe. So ist es bei der Geist-Erkenntnis nicht. Derjenige, der nur einige Schritte in dieser Geist-Erkenntnis gemacht hat, der weiß, daß diese Geist-Erkenntnis nichts gibt, woran man sich bloß erinnern kann. Ebensowenig gibt Geist-Erkenntnis etwas, woran man sich bloß erinnern kann, wie dasjenige, was ich heute gegessen und getrunken habe, mir etwas geben kann, woran ich mich morgen und die folgenden Tage bloß erinnern kann; man ist nicht zufrieden als Mensch, wenn man sich nur erinnern soll an dasjenige, was man gegessen hat vor vier Wochen. Aber man ist zufrieden als Mensch, der eine abstrakte Erkenntnis aufgenommen hat, wenn man sich an das erinnert, was man vor vier Wochen gelernt hat oder sich angeeignet hat. Mit Geist-Erkenntnis ist es nicht so. Geist-Erkenntnis verwebt sich dem menschlichen Wesen, geht hinunter, wird verdaut und muß immer neu belebt werden, geht so hinein in die Erscheinungen des Lebens.
[ 16 ] It is precisely during the years from the change of teeth to sexual maturity that the child must be guided in instruction and upbringing during what is known as elementary school. But even within this period, one can still distinguish certain phases and subphases. The impulse to imitate, which arises from the innermost being of the human being and prevails until the age of seven, continues—albeit in a weakened form, yet still clearly evident—beyond the seventh year and into the ninth year of life. And the person who, through Spiritual Science, acquires a living understanding of how this interplay of the capacity for imitation and the need for authority manifests itself in every single child—in all learning and in relation to all education—will be able to see a unique educational challenge in every child, even when facing the largest class. For such a person, as an educator and teacher, will not be able to submit to any standard pedagogy—not to a pedagogy that, in turn, establishes abstract principles based on intellectualism: “this is how one must educate,” or “that is how one must educate”—no, the one who has become a teacher through Spiritual Science sees in the developing child something that the artist sees in every individual creation: something new, again and again. There are no abstract pedagogical principles here; rather, there is a living process of attuning oneself to the child, of drawing forth from the child itself, of unraveling the mystery of what is hidden within the child—that which, through physicality, seeks to emerge as a spiritual-soul aspect. For this is the distinctive feature of spiritual cognition—which must be applied above all in the art of education—that this spiritual cognition leads the human being back to immediate aliveness. This is not the case with intellectualism or abstract cognition. When I have grasped something abstractly—well, once I have grasped it, I carry it forward into life. At most, I recall what I have already learned. This is not the case with spiritual knowledge. Anyone who has taken even a few steps along the path of spiritual knowledge knows that this knowledge does not provide anything that one can merely recall. Just as spiritual knowledge does not provide anything that one can merely recall, so too what I have eaten and drunk today cannot give me anything that I can merely recall tomorrow or in the days that follow; as a human being, one is not satisfied if one is only supposed to recall what one ate four weeks ago. But as a human being who has absorbed an abstract insight, one is satisfied when one remembers what one learned or acquired four weeks ago. It is not like that with spiritual insight. Spiritual insight interweaves itself with the human being, sinks in, is assimilated, and must be continually revitalized; in this way, it enters into the manifestations of life.
[ 17 ] Wenn irgend jemand ein großer Geistesforscher wäre in seinem vierzigsten Lebensjahre und er würde nicht fortpflegen immertort den lebendigen Umgang mit dem, was zu erkennen ist, er würde gegenüber dem seelisch-geistigen Inhalt so verhungern, wie jemand verhungern würde, der mit seinem vierzigsten Jahre zu essen aufhörte. Abstrakte Erkenntnis, wie sie die Naturwissenschaft groß gemacht hat, die kann zufrieden sein mit Erscheinungen. Die ist einmal abgeschlossen. Geist-Erkenntnis bringt den Menschen in lebendigen Zusammenhang mit seiner Umgebung, muß immerfort erneuert werden, wenn sie nicht absterben soll, wird im Leben ähnlich, wie auf einem niedrigeren Gebiete Essen und Trinken.
[ 17 ] If anyone were a great scholar of the spirit at the age of forty and did not continually nurture a living engagement with what is to be known, he would starve for spiritual and mental substance just as someone would starve if he stopped eating at the age of forty. Abstract knowledge, such as that which has made the natural sciences great, can be satisfied with phenomena. It is a one-time, closed process. Spiritual knowledge brings people into a living connection with their surroundings; it must be constantly renewed if it is not to wither away; in life, it becomes similar to eating and drinking in a lower realm.
[ 18 ] Indem man so etwas ausspricht, sollte die Welt erkennen, wie radikal verschieden diese Geist-Erkenntnis von derjenigen ist, von der man heute glaubt, daß sie die einzig mögliche ist. Aber stellen Sie sich vor, diese Geist-Erkenntnis durchdringend alles dasjenige, was der Erzieher und der Unterrichter tun will, so durchdringend seine Handlungen, seine Gedanken, wenn er das Schulzimmer betritt, wie das Eisen unser Blut belebt - stellen Sie sich vor eine Gesinnung, die aus einer Geist-Erkenntnis kommt und die weiß: du mußt jedes einzelne Individuum besonders anfassen, du kannst dir nichts merken, du mußt jedem Kinde als einem neuen Rätsel gegenüberstehen — das gibt erst eine wirkliche Pädagogik, eine lebensvolle Pädagogik. Man redet heute viel davon, man soll die Individualität erziehen. Man gibt auch allerlei schöne abstrakte Grundsätze darüber dadurch wird man nichts erreichen. Erreichen für unsere Leben fordernde Zeit wird man nur dadurch etwas, daß man eine Pädagogik als Kunst begründet. Diese Pädagogik als Kunst, die hineinschaut jederzeit aufs neue in den Menschen, sie vergißt die Erkenntniswissenschaft, wie der Künstler alle Ästhetik und alles wegwirft, wenn er positiv schaffen will. Was nützen uns alle Grundsätze über das Schöne, wenn wir den Ton formen wollen! Derjenige, der weiß, was künstlerisch Schaffen ist, der gibt mir recht darin. Was nützen uns alle pädagogischen Regeln, wenn wir dasjenige, was als Seelisch-Geistiges im Kinde ist, zu enträtseln beginnen und entwickeln sollen? Da handelt es sich darum, daß wir als Pädagogen zu Künstlern werden. Das können wir werden, wenn in unsere Zivilisation Geisteswissenschaft als ein lebendiger Bestandteil eindringt. Dann werden wir aber auch sehen, wie wir in der Zeit, wo zwischen dem siebenten und neunten Jahre der Nachahmungssinn mit dem Autoritätssinn sich die Waage hält, wie wir da gerade den Willen ausbilden müssen, wie wir da nicht auf den Intellekt des Kindes zu große Bedeutung legen dürfen. Da dürfen wir vor allen Dingen nicht unkünstlerisch an das Kind heranbringen, was durch menschliche Konvention festgelegt ist. Wir dürfen nicht dasjenige, was bloß zum Intellekt spricht, als Konvention an das Kind heranbringen. Das sind auch die Buchstabenformen, das ist auch Schreiben, Lesen. All das beruht, so wie wir es heute haben, denn wir sind nicht mehr in der Zeit der alten Bilderschrift, auf menschlicher Konvention. Wir müssen davon loskommen. Daher wird in der Waldorfschule versucht, Lesen und Schreiben — zunächst Schreiben — aus dem Künstlerischen hervorzurufen. Es wird versucht, zuerst solche Formen zu zeichnen, ja auch zu malen, aus denen sich dann aufbauen lassen die Buchstabenformen; also erst das Künstlerische, daraus dann das Intellektualistische. Damit aber dasjenige, was eigentlich die Kindesnatur begehrt in diesem Zeitalter, in der richtigen Weise aufsprossen kann, muß alles auf diesen künstlerischen Unterricht angelegt sein. Und jetzt, wo wir erst einige Monate in der Waldorfschule unseren Unterricht geben, jetzt sehen wir, wie wirklich aus dem Künstlerischen sich heraus arbeiten läßt, wie es möglich ist, vor allen Dingen im Musikalischen, im Gesanglichen, im Eurythmischen, in beseelter Tonkunst — denn das ist für das Kind noch die Eurythmie -, wie es möglich ist, in alledem dem Kinde etwas zu geben, das seine Natur fordert, das seine Natur will, das aber zu gleicher Zeit den künstlerischen Sinn biegsam macht, den künstlerischen Sinn geneigt macht, die ganze Welt in künstlerischer Weise entgegenzunehmen. Dann kann man, wenn das neunte Jahr herankommt, wo der Mensch sein Verhältnis setzen kann zwischen dem Ich und der Außenwelt, dann kann man experimentell zusteuern auf dasjenige, was Naturbeschreibung ist, dann kann man Wissenschaft hervorrufen aus dem Künstlerischen.
[ 18 ] By voicing such a thing, the world should recognize how radically different this spiritual insight is from the one that is believed today to be the only possible one. But imagine this spiritual insight permeating everything the educator and teacher intends to do—permeating their actions and thoughts as they enter the classroom, just as iron invigorates our blood—imagine a mindset that arises from spiritual insight and knows: you must approach each individual uniquely, you cannot rely on memorization; you must face each child as a new mystery—that alone gives rise to true pedagogy, a pedagogy full of life. People talk a lot about this today: one should educate individuality. All sorts of beautiful abstract principles are also put forward, but nothing will be achieved through them. In these demanding times, we will only achieve something by establishing pedagogy as an art. This pedagogy as an art, which looks anew into the human being at every moment, sets aside the sciences of knowledge, just as the artist casts aside all aesthetics and everything else when he wants to create something positive. What good are all the principles about beauty to us when we want to shape clay! Anyone who knows what artistic creation is will agree with me on this. What good are all the pedagogical rules to us when we are to begin unraveling and developing what is spiritual and soul-related in the child? The point is that we, as educators, must become artists. We can become this when Spiritual Science penetrates our civilization as a living component. Then, however, we will also see how—during the period between the ages of seven and nine, when the sense of imitation and the sense of authority are in balance—we must specifically cultivate the will and avoid placing too much emphasis on the child’s intellect. Above all, we must not present to the child, in an unartistic manner, what has been established by human convention. We must not present to the child as convention anything that speaks merely to the intellect. This includes the shapes of letters, as well as writing and reading. All of this, as we have it today—since we are no longer in the era of ancient pictographic writing—is based on human convention. We must move away from this. That is why Waldorf schools strive to develop reading and writing—writing first and foremost—out of the artistic. The aim is first to draw—and even paint—forms from which the letter forms can then be developed; that is, first the artistic, and from that, the intellectual. But in order for what the child’s nature actually craves in this age to blossom in the right way, everything must be geared toward this artistic instruction. And now, having taught at the Waldorf School for only a few months, we see how it is truly possible to work from the artistic—how it is possible, above all in music, in singing, in eurythmy, and in inspired music — for the child, this is still eurythmy — how it is possible, in all of this, to give the child something that its nature demands, that its nature desires, but which at the same time makes the artistic sense flexible, inclines the artistic sense to perceive the whole world in an artistic way. Then, as the ninth year approaches—when the human being can establish a relationship between the “I” and the external world—one can experimentally move toward what is known as the description of nature; then one can evoke science from the artistic.
[ 19 ] Allerdings muß da darauf Rücksicht genommen werden immer — so sonderbar, so trivial es klingt, es muß gesagt werden -, daß der Mensch Mensch ist. Nicht Rücksicht darauf, daß der Mensch Mensch ist, nimmt die Einrichtung, wie wir sie heute vielfach haben, des sogenannten Stundenplanes. Nichts Unpädagogischeres gibt es, als dem Kinde beizubringen Dreiviertelstunden das, nachher gleich Dreiviertelstunden etwas ganz Entgegengesetztes. Dreiviertelstunden Religion, Dreiviertelstunden Rechnen, Dreiviertelstunden Schreiben und so weiter. Wir suchen in der Waldorfschule alles hervorzuholen aus den Gesetzen, die im Seelisch-Geistigen des Kindes sich selber aussprechen. Da ist allerdings nötig, daß man irgend etwas, zum Beispiel Rechnen, durch drei, vier, fünf bis sechs Wochen einzig und allein treibt, ohne Stundenplan, und erst wenn man ein bestimmtes Pensum aufgearbeitet hat, geht man zu etwas anderem über. Das wird Konzentration des Unterrichtes. Es kann dann am Ende des Schuljahres durch Wiederholungen alles, was in Betracht kommt, zusammengefaßt werden. Aber der Stundenplan, der ist eigentlich der Feind jeder wirklichen Erziehungskunst.
[ 19 ] However, we must always bear in mind—as strange and trivial as it may sound, it must be said—that a human being is a human being. The so-called “timetable,” as we often see it today, takes no account of the fact that a human being is a human being. There is nothing less pedagogical than teaching a child one subject for three-quarters of an hour, followed immediately by three-quarters of an hour of something completely opposite: three-quarters of an hour of religion, three-quarters of an hour of arithmetic, three-quarters of an hour of writing, and so on. At the Waldorf School, we seek to draw out everything from the laws that express themselves within the child’s soul and spirit. This does, however, require that one focus solely on a single subject—for example, arithmetic—for three, four, five, or even six weeks, without a timetable, and only when a certain amount of material has been covered does one move on to something else. This fosters concentration in the classroom. At the end of the school year, everything relevant can then be summarized through review. But the timetable—that is actually the enemy of any true art of education.
[ 20 ] Und auf diese Weise gelangt man dazu, nicht nur in bezug auf die erzieherische und unterrichtende Führung des Kindes etwas zu erringen, sondern man gelangt dazu, aus der Entwickelung des Kindes selber die Notwendigkeiten des Lehrplanes abzulesen. Als ich für die Lehrer der Waldorfschule den pädagogischen Kursus abgehalten habe, der sie vorbereitet hat zu ihrer Aufgabe, da war ich vor allen Dingen darauf bedacht, einen Lehrplan auszuarbeiten, der eigentlich das bloße Ergebnis desjenigen ist, was das Kind verlangt . vom sechsten, siebenten bis zum achten, neunten Jahre, vom neunten Jahre bis zum zwölften Jahre, vom zwölften Jahre bis zur Geschlechtsreife. Ablesen aus dem, was elementar die Menschennatur entwickelt, dasjenige, was getan werden soll, man kann es, wenn man Sinn und Verständnis für das Menschenwesen durch Geisteswissenschaft hat, von Jahr zu Jahr, und man kann es, wenn man das Schulzimmer betritt, mit tiefem pädagogischen Sinn ablesen dem, was einem die Gesichter der Kinder sagen, die vor einem sitzen. So wird versucht - ich kann es Ihnen nur skizzieren, kann selbstverständlich nicht diese Dinge bis in alle Einzelheiten schildern -—, durch Geisteswissenschaft unmittelbares Leben hineinzubringen in eines der wichtigsten sozialen Gebiete, in die Erziehungskunst. |
[ 20 ] And in this way, one not only achieves something with regard to the educational and instructional guidance of the child, but one also comes to discern the necessities of the curriculum from the child’s own development. When I conducted the pedagogical course for the teachers at the Waldorf School to prepare them for their task, my primary concern was to develop a curriculum that is, in fact, simply the result of what the child requires—from the sixth and seventh through the eighth and ninth years, from the ninth through the twelfth year, and from the twelfth year until puberty. By discerning from the fundamental development of human nature what needs to be done—and this is possible if one has an understanding of the human being through Spiritual Science—one can, year by year, and upon entering the classroom, discern with deep pedagogical insight what the faces of the children sitting before one are telling us. In this way—I can only sketch this out for you; I cannot, of course, describe these things in every detail—an attempt is made, through Spiritual Science, to bring immediate life into one of the most important social spheres: the art of education. |
[ 21 ] Alle Abstraktionen, alles dasjenige, was die Technik groß macht, das ist nicht fruchtbar da, wo es sich darum handelt, die Menschen zusammenzubringen. Wirkliche Erziehungskunst, sie wird ihre Quellen suchen müssen in der Geisteswissenschaft. Sie wird es nur können, wenn im Sinne der Dreigliederung des sozialen Organismus das geistige Leben befreit ist vom staatlichen, befreit ist vom wirtschaftlichen Leben. Eigentlich nur dadurch, daß das Württembergische Schulgesetz noch ein Loch hat, in das man hineinschlüpfen konnte, war es möglich, die Waldorfschule in dieses Loch hineinzubringen als eine freie Schule, in der wirklich verfahren werden kann nach pädagogisch-künstlerischen Prinzipien. Um die Geisteswissenschaft anzunehmen, braucht man nicht Geistesforscher zu werden. So wie man die moderne Astronomie oder die moderne Chemie annehmen kann und man nicht Astronom oder Chemiker zu werden braucht, wie man dazu nur den gesunden Menschenverstand nötig hat, so hat man auch nur den gesunden Menschenverstand nötig, wenn man sich nur nicht von Vorurteilen beeinflussen läßt, um dasjenige aufzunehmen, was der geisteswissenschaftliche Forscher aus den Tiefen der Seele an die Oberfläche fördert. Aber wenn man sich durchdringt mit dem, was aus willengetragenen Gedanken, aus gedankengetragenem Wollen heraus erkannt wird, dann bekommt man auch die nötige Lebensbegeisterung, die der heutigen schlafenden Menschheit fehlt und die kommen muß, wenn es besser werden soll.
[ 21 ] All abstractions, everything that makes technology great—these are not fruitful when it comes to bringing people together. True art of education will have to seek its sources in Spiritual Science. It will only be able to do so if, in the spirit of the threefold social order, spiritual life is liberated from the state and from economic life. In fact, it was only because the Württemberg School Law still had a loophole that it was possible to establish the Waldorf School within that loophole as a free school where one can truly operate according to pedagogical and artistic principles. To embrace Spiritual Science, one does not need to become a spiritual scientist. Just as one can accept modern astronomy or modern chemistry without needing to become an astronomer or a chemist—just as one needs only common sense—so, too, one needs only common sense, provided one does not allow oneself to be influenced by prejudices, in order to take in what the researcher of the Spiritual Science brings to the surface from the depths of the soul. But when one immerses oneself in what is recognized through will-driven thought and thought-driven will, one also gains the necessary zest for life that is lacking in today’s slumbering humanity—and which must come if things are to improve.
[ 22 ] Bevor nicht von einer genügend großen Anzahl von Menschen energisch verlangt wird dasjenige, was notwendig ist zu einem Neuaufbau, wird es nicht aus irgendwelcher Ecke von selbst heraus kommen. Die heutige Menschheitsentwickelung ist dazu veranlagt, aus dem Wollen, aus dem bewußten Wollen heraus die großen Lebensziele zu fordern. Jene Politik haben wir lange genug getrieben, die immer diplomatisch hinschaut auf dasjenige, was dort [Lücke] und nach der man sagt: es wird sich schon wieder geben. Heute sehen die Menschen, wie es täglich schlechter wird; jeden Tag von neuem glauben sie, es bleibe bei dem, was gerade eingetreten ist. Man hat nicht den geringsten Sinn dafür, daß erkannt werden muß im Niedergange die Kraft des Aufganges. Und so wird man, wie in der Erziehungskunst, auch im Volksleben suchen müssen selbst diejenigen Kräfte, die zum Neuaufbau führen können. Es können auch da nur jene Kräfte sein, welche da kommen aus dem Geiste, aus der Erkenntnis des Geistes, aus dem Anschauen des Geistes. Wie stehen sich doch jene zwei Seelenelemente in unserem sozialen Leben, in unserem Volksleben heute gegenüber, auf die ich hingedeutet habe! Das abstrakte Denken, das eigentlich jeder Mensch hat — es ist ja ganz gleichgültig, ob man herausgewachsen ist aus der Schusterwerkstätte, der Sohn des Schusters ist oder [Lücke], wenn man es bis zu einer Stufe des Denkens gebracht hat. Dieses Denken, es ist unabhängig vom Persönlichen, von diesem Denken aus hat man seinen Standpunkt. Aber diese Standpunkte sind ja alle eigentlich nicht notwendig, denn jeder Mensch hat eigentlich das Recht für seinen eigenen Standpunkt, und er könnte eigentlich mit diesem Standpunkt als ein Einsamer durch die Welt ziehen. Man braucht gar nicht miteinander zu leben, wenn jeder «seinen Standpunkt» hat, wenn keiner dem anderen etwas zu sagen hat.
[ 22 ] Unless a sufficiently large number of people vigorously demand what is necessary for a new beginning, it will not come about on its own from any quarter. The current state of human development is such that it requires us to demand the great goals of life out of our own will—out of our conscious will. We have pursued that kind of politics long enough—the kind that always takes a diplomatic view of what is happening there [gap] and says, “It will work itself out.” Today, people see how things are getting worse every day; each day anew, they believe that the situation will remain as it is now. They have not the slightest sense that the power of renewal must be recognized within decline. And so, just as in the art of education, we must also seek out in the life of the people those very forces that can lead to a new beginning. There, too, these can only be the forces that arise from the spirit, from the knowledge of the spirit, from the contemplation of the spirit. How starkly do those two elements of the soul—to which I have alluded—stand in contrast to one another in our social life, in our national life today! Abstract thinking, which every human being actually possesses—it really makes no difference whether one has grown up in a cobbler’s workshop, is the son of a cobbler, or [gap]—if one has reached a certain level of thought. This kind of thinking is independent of the personal; it is from this thinking that one derives one’s point of view. But these points of view are actually all unnecessary, for every person actually has the right to their own point of view, and they could actually go through the world as a solitary individual with this point of view. There is no need to live together at all if everyone has “their own point of view,” if no one has anything to say to the other.
[ 23 ] Das aber ist das Eigentümliche bei der Geist-Erkenntnis, daß sie von diesen «Standpunkten», von diesem Stehen auf Standpunkten ganz loskommt, daß sie eigentlich wird etwas, was Menschen empfänglich macht für das Leben, für eine wahre Schule. Derjenige, der sich mit Geisteswissenschaft in dem Sinne, wie sie hier als anthroposophisch orientierte gemeint ist, wie sie durch den Dornacher Bau repräsentiert wird, bekannt macht, für den wird jeder einzelne Mensch, dem er im Leben begegnet, ein interessantes Problem. Das Kind selbst, das ist ja wichtig gerade für die Erziehungskunst; das Kind wird ein interessantes Problem. Und so wie man im physischen Leben Hunger fühlt gegenüber der äußeren Natur, wie man sich verbinden muß mit der äußeren Natur, so fühlt man als Geisteswissenschafter das Bedürfnis, sich immer und immer mit dem auseinanderzusetzen, was andere Menschen meinen, was andere Menschen denken, empfinden und wollen. Geisteswissenschaft bringt uns im weitesten Umfange mit den Menschen zusammen.
[ 23 ] But this is what is unique about spiritual knowledge: that it breaks completely free from these “standpoints,” from this fixation on standpoints; that it actually becomes something that makes people receptive to life, to a true school. For anyone who familiarizes themselves with Spiritual Science—in the sense intended here as anthroposophically oriented, as represented by the Dornach Building—every single person they encounter in life becomes an interesting problem. The child itself—which is, after all, particularly important for the art of education—becomes an interesting problem. And just as in physical life one feels a hunger for the external natural world—just as one must connect with the external natural world—so, as a student of Spiritual Science, one feels the need to engage again and again with what other people mean, what they think, feel, and want. Spiritual Science brings us together with people to the greatest possible extent.
[ 24 ] Heute kann der Geisteswissenschafter vor allen Dingen sagen: wenn er andere Weltanschauungen liest, oh, er läßt sie anders auf sich wirken als andere Menschen. Er fragt weniger nach dem, was Irrtum oder Wahrheit ist, denn das ist ja zumeist nur der eigene Standpunkt, der darüber entscheidet, und über diesen Standpunkt habe ich mich ja gerade ausgesprochen. Aber wie groß auch der vermeintliche Irrtum sein mag, der von dem oder jenem hervorgebracht wird denkend oder handelnd, dasjenige, was der Mensch uns darlebt, es ist die Ergänzung unseres eigenen Wesens, wenn wir uns von Geisteswissenschaft durchdringen. So wie der Naturforscher das Bedürfnis hat, sich mit dem Experiment auseinanderzusetzen, so hat der Geistesforscher das Bedürfnis, sich mit allem Menschlichen auseinanderzusetzen. Begründet er eine Weltanschauung, so wird sie zu einem sozialen Impuls, weil sie die Menschen nicht auseinanderbringt, weil sie die Menschen zusammenführt; weil sie wiederum individuelles Leben hineinbringt in dasjenige, was sonst nur abstrakter Standpunkt ist, den jeder jedem gegenüber haben kann. Der Geistesforscher, er tritt dem kleinen Kinde gegenüber, das vielleicht nur lallen kann, vielleicht nicht einmal lallen kann, das aus elementaren Blicken heraus ihm Geheimnisse durch das noch ganz kindliche Auge enthüllen kann. Er empfängt Offenbarungen von allem Menschlichen. Dadurch wird dasjenige, was Geisteswissenschaft zu sagen hat, wenn man es nur einmal aufnehmen wird in das menschliche Leben, zum Impuls für soziales Zusammensein der Menschen. So wie die naturwissenschaftliche Erkenntnis herausgeholt hat aus der menschlichen Sprache den Gedankeninhalt, so wie sie die Phrase geschaffen hat, so wird Geisteswissenschaft in unsere Sprache hineingeheimnissen lebendige geistige Substantialität, und unsere Sprache wird dadurch, daß Geisteswissenschaft den Menschen zum Menschen führt, zu dem wichtigsten sozialen Besserungsmittel für die kommende Zeit werden.
[ 24 ] Today, the Spiritual Science scholar can say, above all else: when he reads about other worldviews, oh, he lets them affect him differently than other people do. He is less concerned with what is error or truth, for that is usually determined only by one’s own point of view—and I have just spoken about this very point of view. But no matter how great the supposed error may be—whether produced by this or that person through thought or action—what a person presents to us serves as a complement to our own being when we allow ourselves to be permeated by Spiritual Science. Just as the natural scientist feels the need to engage with experimentation, so does the spiritual scientist feel the need to engage with all that is human. When he establishes a worldview, it becomes a social impulse, because it does not drive people apart, but brings them together; because it, in turn, infuses individual life into what is otherwise merely an abstract standpoint that anyone might hold toward anyone else. The spiritual scientist stands before the small child, who may be able to do nothing more than babble—or perhaps not even that—yet who, through elementary glances, can reveal mysteries to him through eyes that are still entirely childlike. He receives revelations of all that is human. Thus, what Spiritual Science has to say—if only it were to be incorporated into human life—becomes an impulse for social togetherness among people. Just as scientific knowledge has extracted the content of thought from human language—just as it has created the phrase—so Spiritual Science becomes a living spiritual substance woven into the mysteries of our language; and because Spiritual Science leads human beings to their true humanity, our language will thereby become the most important means of social betterment for the time to come.
[ 25 ] Und gerade dadurch, daß die Erkenntnis auf der einen Seite so abstrakt geworden ist, ist der Wille abhängig geworden von den bloßen Emotionen, von den bloßen persönlichen Instinkten, wie ich heute auch ausgeführt habe. Dadurch, daß Geisteswissenschaft herausschafft ihre Inhalte aus dem gedankengetragenen Willen, dadurch ist das, was sie dem Menschen geben kann, die Grundlage für weitergehende Interessen, als sie das bloß persönliche Fühlen, . der bloß persönliche Egoismus geben kann. Was ist denn zum Schluß in den letzten drei bis vier Jahrhunderten im sozialen Leben das Ausschlaggebende geworden? Das Ausschlaggebende ist der Egoismus geworden. Wenn man sich nicht erheben kann durch die Erkenntnis, [Lücke] zu dem Menschlichen, wenn das Menschliche uns nicht durchdringen kann, dann können wir im sozialen Leben nur den Egoismus geltend machen. In dem Augenblicke aber, wo wir das Geistesleben in seiner Selbständigkeit haben, und dadurch jene Selbständigkeit begründen können in der Erziehungskunst, die ich heute skizziert habe, und in dem Augenblick, wo wir unser Wollen von Ideen durchdringen, können wir in unserem Wirtschaftsleben den Weg finden von Mensch zu Mensch, können aus den Berufsständen, können aus dem Zusammenfügen von Konsumenten und Produzenten Assoziationen bilden, können bilden eine Wirtschaftsstruktur im sozialen Organismus, die aufgebaut ist gerade auf demjenigen, was ein Mensch vom anderen lernen kann, was ein Mensch vom anderen erfahren kann. Lebensroutine wird sich verwandeln dadurch in Lebenspraxis. Je innerlicher man betrachtet das Menschenleben, je mehr man auf das Menschenleben selbst hinsieht, desto mehr drängt sich aus jeder Ecke die Notwendigkeit der Dreigliederung des sozialen Organismus heraus. Und wie auf der einen Seite das Wirtschaftsleben befruchtet wird durch ein von Ideen durchdrungenem Wollen, auf der anderen Seite das Geistesleben [Lücke], so wird dasjenige, was zwischen Mensch zu Mensch sich abspielt - in der heutigen Zeit spielt es sich eigentlich nur als Konvention ab, und zwar so sehr, daß man Konvention auch will in Form des Völkerbundes zwischen den Völkern -, zum lebendigen Elemente im staatlichen Rechtsleben, das als ein selbständiges Glied im dreigliedrigen sozialen Organismus den anderen selbständigen Gliedern, dem selbständigen Geistesleben, dem selbständigen Wirtschaftsleben gegenüberstehen soll. Aber Sie sehen zugleich gerade an dem Beispiel der Erziehungskunst, wie in das Volksleben, in das soziale Leben hereingreift die Geisteswissenschaft, wie diese Geisteswissenschaft es sein muß, auf deren Grundlagen aufgebaut werden muß die Struktur des dreigliedrigen sozialen Organismus. Oh, zu was allem ist man gekommen in der neuesten Zeit unter dem Einflusse der zwei geschilderten Seelenelemente! Da haben wir auf der einen Seite das, ich möchte sagen, über alle menschliche Individualität hinausgreifende abstrakte Denken, das gleich ist bei allen Menschen, die es zu der Fähigkeit dieses logisch abstrakten intellektualistischen Denkens gebracht haben. Weil das gleich ist, deshalb ist auch notwendig, daß dasjenige, was der Mensch doch nicht als abstrakter Mensch erlangen kann, was er erwerben will in der sozialen Gemeinschaft, daß sich das auf das Untermenschliche, auf die bloßen Instinkte, auf die egoistischen Instinkte aufbaut. Und so sehen wir, wie in der Zeit des Darwinismus, wo man bemerkt hat im Tierreiche den allerdings auch da nur eingeschränkt geltenden Kampf ums Dasein, wie es gekommen ist, daß Naturforscher Sozialpolitiker, Sozialwissenschafter werden wollten, und nun auch im Menschenleben den Kampf ums Dasein statuieren wollten als das Selbstverständliche. Ja, es ist sogar wahr, daß der Kampf ums Dasein im Menschenleben wüten würde, wenn nur die Instinkte des Egoismus im sozialen Leben tätig sein könnten. Und [diesen Kampf ums Dasein wollen] auch Lenin und Trotzki statuieren; sie werden nur den Egoismus organisieren. Das weiß jeder, der das Menschenleben heute durchschauen kann. Alles übrige wird eine Maske sein. Wir sehen schon heute die innere Unwahrheit des Leninismus, der den Leuten goldene Berge verspricht, kurze Arbeitszeit, und jetzt bereits dabei angekommen ist, zwölfstündige Arbeitszeit zu statuieren, weil sich das als eine Notwendigkeit herausstellt innerhalb des Mechanismus, den man da einführen will.
[ 25 ] And precisely because knowledge has become so abstract on the one hand, the will has become dependent on mere emotions, on mere personal instincts, as I have also explained today. Because Spiritual Science derives its content from the will carried by thought, what it can give to human beings is the foundation for interests that go further than what mere personal feeling—mere personal egoism—can provide. What, then, has ultimately become the decisive factor in social life over the last three to four centuries? Egoism has become the decisive factor. If we cannot rise through the recognition of [gap] to what is human, if what is human cannot permeate us, then we can only assert egoism in social life. But the moment we have spiritual life in its independence, and can thereby establish that independence in the art of education that I have outlined today, and at the moment when we allow our will to be permeated by ideas, we can find the path from person to person in our economic life; we can form associations out of the various professions, out of the coming together of consumers and producers; we can create an economic structure within the social organism that is built precisely upon what one person can learn from another, what one person can experience from another. In this way, the routine of life will be transformed into the practice of life. The more deeply one contemplates human life, the more one looks at human life itself, the more the necessity of the threefold structure of the social organism emerges from every corner. And just as, on the one hand, economic life is enriched by a will imbued with ideas, and, on the other hand, spiritual life [gap], so too does that which takes place between human beings—in our time, it actually takes place only as convention, and to such an extent that one even seeks convention in the form of the League of Nations among nations—becomes a living element in the legal life of the state, which, as an independent member of the threefold social organism, is to stand opposite the other independent members: the independent spiritual life and the independent economic life. But at the same time, you can see precisely from the example of the art of education how Spiritual Science intervenes in the life of the people, in social life, and what Spiritual Science must be like—for it is upon its foundations that the structure of the threefold social organism must be built. Oh, what a state of affairs has arisen in recent times under the influence of the two soul elements described! On the one hand, we have—I would say—abstract thinking that transcends all human individuality, which is the same in all people who have attained the capacity for this logical, abstract, intellectualistic thinking. Because this is the same for everyone, it is therefore necessary that what a human being—as an abstract human being—cannot attain on their own, what they seek to acquire within the social community, must be built upon what is subhuman, upon mere instincts, upon egoistic instincts. And so we see how, in the era of Darwinism—when people observed the struggle for existence in the animal kingdom (though it applies there only to a limited extent as well)—it came to be that naturalists wanted to become social politicians and social scientists, and now also wanted to establish the struggle for existence in human life as a matter of course. Yes, it is even true that the struggle for existence would rage in human life if only the instincts of selfishness were allowed to operate in social life. And Lenin and Trotsky, too, [want to] establish this struggle for existence; they will merely organize selfishness. Anyone who can see through human life today knows this. Everything else will be a mask. We can already see today the inherent falsehood of Leninism, which promises people mountains of gold and short working hours, yet has already reached the point of establishing a twelve-hour workday because this turns out to be a necessity within the mechanism they intend to introduce.
[ 26 ] Aber niemals wird im Menschenleben das, was in ihm als abstraktes Denken vorhanden ist, was bei allen Menschen gleich ist, Ja sagen können zu diesem Kampf ums Dasein, das wird immer unzufrieden sein mit diesem Kampf ums Dasein, das wird immer nach Harmonie, nach Überwindung des Kampfes ums Dasein hinstreben. Wenn wir aber nicht dazu gelangen, hineinzugießen wirkliche Geistigkeit in den abstrakten Intellektualismus, so wird die Welt der Abstraktion zu schwach sein, um aus dem sozialen Leben den Egoismus herauszubringen. Und auf der anderen Seite wird der Egoismus brutal bleiben, wenn in ihn nicht hineingegossen wird dasjenige, was nur Geist-Erkenntnis, Geistesschau über den Menschen bringen kann. Dasjenige, was im Menschen heute dualistisch auftritt, auf der einen Seite der abstrakte Intellektualismus, auf der anderen Seite das bloße Walten der Instinkte, es kann nur seinen Ausgleich finden dadurch, daß beides durchdrungen werden kann vom Geiste. Werden die Gedanken vergeistigt, dann werden sie an den individuellen Menschen herangebracht und machen diesen individuellen Menschen zu dem, der nicht nur recht haben will, der nicht nur dasjenige geben kann, was die anderen nicht wollen, sondern der sich mit den anderen Menschen fortwährend auseinandersetzen muß, fortwährend mit den anderen Menschen gewissermaßen anstelle der Phrasensprache die Gedankensprache führen muß. Die wird aber nur geführt aus einem Geistesleben heraus, das nicht bloß auf die Erinnerung gebaut ist, sondern das wie Hunger und Durst auf die tägliche Erneuerung, auf die Metamorphose des Lebens gebaut ist, das immerfort sich erneuern muß, wenn es auch bis zum Höchsten schon gediehen wäre. Das kann nur geschehen, wenn die Instinkte durchdrungen werden von denjenigen Gedanken, die auf die Art entstehen, wie ich das heute geschildert habe. Dann wird der Mensch innerhalb seiner wirtschaftlichen Assoziationen dasjenige wollen können, was über den einzelnen Menschen hinausgeht. Dann wird das Wirtschaftsleben durchgeistigt sein können. Es ist schon so, wo man die Welt auch anfaßt heute, wo man hineinschaut ins wirklichkeitsgemäße Leben, da ergibt sich die Notwendigkeit zu dem, was man als Dreigliederung des sozialen Organismus fordern kann. Das ist nicht eine Utopie. Als Utopie bezeichnen die Dreigliederung nur diejenigen Menschen, die keinen Wirklichkeitssinn haben, die selber Utopisten sind, und die daher alles dasjenige, was ihnen in ihre Utopien nicht hineinpaßt, zur Utopie erklären.
[ 26 ] But never in human life will that which exists within a person as abstract thought—which is the same in all people—be able to say “yes” to this struggle for existence; it will always be dissatisfied with this struggle for existence; it will always strive for harmony and for the overcoming of the struggle for existence. But if we do not succeed in infusing true spirituality into abstract intellectualism, the world of abstraction will be too weak to eliminate egoism from social life. And on the other hand, egoism will remain brutal unless it is infused with that which only spiritual knowledge and spiritual insight can bring to humanity. That which appears dualistically in human beings today—on the one hand, abstract intellectualism; on the other, the mere reign of instincts—can find its balance only when both are permeated by the Spirit. When thoughts are spiritualized, they are brought to the individual human being and transform that individual into someone who does not merely seek to be right, who does not merely offer what others do not want, but who must continually engage with other people, continually converse with them—so to speak—in the language of thought rather than in empty phrases. But this can only be achieved through a spiritual life that is not merely based on memory, but—like hunger and thirst—on the daily renewal, on the metamorphosis of life, which must constantly renew itself, even if it has already flourished to the highest degree. This can only happen when the instincts are permeated by those thoughts that arise in the manner I have described today. Then, within their economic associations, people will be able to will what transcends the individual. Then economic life will be able to be spiritualized. It is indeed the case that wherever one looks at the world today, wherever one looks into life as it really is, the necessity arises for what can be called the threefold social order. This is not a utopia. Only those people who lack a sense of reality—who are themselves utopians—describe the threefold social order as a utopia, and who therefore declare everything that does not fit into their utopias to be a utopia.
[ 27 ] Dasjenige, was der Welt entgegengehalten wird als der Impuls der Dreigliederung des sozialen Organismus, es ist aus dem vollen Leben herausgegriffen. Es zeigt aber auch, daß dieses volle Leben heute fordert eine Durchdringung mit dem, was lebendig in Geistesschau ergriffen werden kann. Diese Geistesschau ist dem Menschen notwendig. Und ehe man nicht erkannt, daß der Mensch nicht ein bloßes Naturwesen ist, ehedem wird man nicht zu einer Lösung der heute so drängenden sozialen Probleme kommen können. Vor Jahren, als der theoretische Materialismus in seiner Blüte stand, da haben sich die Leute ereifert, die schon durchschauen konnten, daß dieser theoretische Materialismus auch zum praktischen Materialismus führen müsse, sie haben sich ereifert gegen diesen Materialismus. Aber man kann doch nicht umhin zu sagen, daß schließlich die Menschen, die theoretische Materialisten geworden sind, wie Haeckel und ähnliche, nicht auch gescheite Menschen gewesen sind. Man steht da der eigentümlichen Erscheinung gegenüber, daß wahrhaft helle Köpfe Materialisten geworden sind. Warum? Sie sind Materialisten geworden, weil das Denken, das sich im Laufe der letzten drei bis vier Jahrhunderte als das abstrakte Denken entwickelt hat - gerade für den Geistesforscher wird das klar —, materialistisch erklärt werden muß. Dasjenige Denken, das die Naturwissenschaft groß macht, das ist an das Werkzeug des Gehirns, an das Werkzeug des menschlichen Leibes gebunden. Das Denken hört mit dem Tode auf. Allein wenn wir den Willen hineingießen in unsere Gedankenoperationen, wenn wir uns nicht nur leiten lassen von Naturbeobachtung und Experiment, wenn wir das Denken durchgießen mit demjenigen, was aus dem Willen aufsteigt, dann ergibt sich etwas, was leibfrei werden kann, was wirklich seelisch-geistig Ist. Der Materialismus hatte recht für dasjenige Denken, das gerade in den letzten drei bis vier Jahrhunderten groß geworden und auf seinen Höhepunkt gekommen ist in die Gegenwart herein. Das muß man materialistisch erklären. Daher sind die gescheitesten Menschen in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts Materialisten geworden, weil ihnen schließlich nur vorlag das große Rätsel: Wie ist es mit dem gewöhnlichen Denken, das gerade in der Naturwissenschaft zu solcher Höhe kommt? Das muß materialistisch erklärt werden. Der Materialismus auf seine Art ist in vollem Recht, und keiner kann im Sinne anthroposophisch orientierter Geisteswissenschaft Spiritualist sein, der nicht weiß, daß der Materialismus auf seinem eingeschränkten Gebiete sein Recht hat. Wer nun die Frage stellt: Entweder Materialismus oder Spiritualismus? — der ist auf dem Holzwege. Denn der Materialismus hat sein Gebiet, und man muß sich klar darüber sein, daß der Mensch, will er das Seelisch-Geistige retten, auch über das Denken hinauskommen muß, auf das er heute so stolz ist. Und ebenso wird niemals eine wirkliche soziale wünschenswerte Ordnung eintreten können, wenn der Mensch nur aus den gewöhnlichen egoistischen Emotionen heraus diese sozialen Ordnungen begründen will, denn die können nur den Kampf ums Dasein begründen, nicht einen Leninschen sozialen Traum. Eine wirkliche soziale Ordnung kann der Mensch nur begründen, wenn er das Geistig-Seelische, wie es heute geschildert ist, und wie es angeregt in ihm wird durch jene Weltanschauung, die aus der Geistesschau kommt, in dieses soziale Leben hineingießt. Dann wird der Mensch erkennen und durch das Leben bewahrheiten können, was Goethe vorschwebte, als er seinen Blick richtete auf das Wesen des Menschen und sich fragte: Wie steht eigentlich der Mensch zur Natur? — Goethe sagte sich: Wenn wir alles das überblicken, von den wunderbaren Sternen oben bis zu all dem, was sich in den verschiedenen Reichen darbietet als Natur um uns herum, müssen wir den Menschen anschauen, gegenüberstehend dieser Natur, wie er diese Natur in sich aufnimmt, wie er sie umformt, wie er sie als etwas Neues in sich schaffend erstehen läßt, eine höhere Natur durch den Menschen im Menschen schaffend, eine höhere Natur, die geist-seelisch, seelisch-geistig ist. Das drückt Goethe so schön aus, indem er sagt:
[ 27 ] What is presented to the world as the impetus for the threefold structure of the social organism is drawn from life in its fullness. But it also shows that this fullness of life today demands an interpenetration with that which can be grasped vividly through spiritual insight. This spiritual insight is necessary for human beings. And until it is recognized that human beings are not merely natural beings, it will not be possible to find a solution to the social problems that are so pressing today. Years ago, when theoretical materialism was at its height, those who could already see through it—that this theoretical materialism must also lead to practical materialism—raised a clamor against this materialism. But one cannot help but say that, after all, the people who became theoretical materialists—such as Haeckel and others like him—were also intelligent individuals. We are faced with the peculiar phenomenon that truly brilliant minds have become materialists. Why? They became materialists because the kind of thinking that has developed over the course of the last three to four centuries as abstract thinking—and this becomes clear especially to the researcher of the spirit—must be explained in materialistic terms. The very thinking that makes the natural sciences great is bound to the instrument of the brain, to the instrument of the human body. Thinking ceases with death. But when we infuse our thought processes with the will, when we do not allow ourselves to be guided solely by observation of nature and experimentation, when we permeate our thinking with that which arises from the will, then something emerges that can become free of the body—something that is truly soul-spiritual. Materialism was right regarding the kind of thinking that has grown so much in the last three to four centuries and has reached its peak in the present day. This must be explained materialistically. That is why the most intelligent people in the second half of the 19th century became materialists, because ultimately they were faced with only one great mystery: What is the nature of ordinary thinking, which has reached such heights, particularly in the natural sciences? This must be explained materialistically. Materialism, in its own way, is entirely justified, and no one can be a spiritualist in the sense of anthroposophically oriented Spiritual Science who does not recognize that materialism has its place within its limited sphere. Anyone who now asks the question: “Either materialism or spiritualism?”—is on the wrong track. For materialism has its own domain, and one must be clear that if human beings wish to preserve the soul-spiritual realm, they must also transcend the kind of thinking of which they are so proud today. Likewise, a truly desirable social order will never be able to emerge if human beings seek to establish such social orders solely on the basis of ordinary, egoistic emotions, for these can only give rise to the struggle for existence, not to a Leninist social utopia. Humanity can establish a true social order only if it infuses social life with the spiritual and soul aspects—as described today and as they are awakened within us by that worldview that arises from spiritual insight. Then human beings will recognize—and be able to verify through life—what Goethe had in mind when he turned his gaze to the essence of the human being and asked himself: What is the human being’s relationship to nature, after all? — Goethe said to himself: When we survey all of this—from the wondrous stars above to everything that presents itself as nature around us in the various kingdoms— we must look at the human being, standing opposite this nature, to see how he takes this nature into himself, how he transforms it, how he brings it forth within himself as something new—creating a higher nature through the human being within the human being, a higher nature that is spiritual-psychic and psychic-spiritual. Goethe expresses this so beautifully when he says:
[ 28 ] «Indem der Mensch auf den Gipfel der Natur gestellt ist, so sieht er sich wieder als eine ganze Natur an, die in sich abermals einen Gipfel hervorzubringen hat. Dazu steigert er sich, indem er sich mit allen Vollkommenheiten und Tugenden durchdringt, Wahl, Ordnung, Harmonie und’ Bedeutung aufruft, und sich endlich bis zur Produktion des Kunstwerkes erhebt, das neben seinen übrigen Taten und Werken einen glänzenden Platz einnimmt.» Und wie die Ergänzung zu diesem Gedanken ist der andere, der in dem Buche über Winckelmann steht, in dem auch der eben genannte zu finden ist, wenn Goethe sagt: «Wenn die gesunde Natur des Menschen als ein Ganzes wirkt, wenn er sich in der Welt als in einem großen, schönen, würdigen und werten Ganzen fühlt, wenn das harmonische Behagen ihm ein reines freies Entzücken gewährt; dann würde das Weltall, wenn es sich selbst empfinden könnte, als an sein Ziel gelangt aufjauchzen und den Gipfel des eigenen Werdens und Wesens bewundern. Denn wozu dient all der Aufwand von Sonnen und Planeten und Monden, von Sternen und Milchstraßen, von Kometen und Nebelflecken, von gewordenen und werdenden Welten, wenn sich nicht zuletzt ein glücklicher Mensch unbewußt seines Daseins erfreut?»
[ 28 ] “Since man is placed at the pinnacle of nature, he sees himself once again as nature in its entirety, which must in turn produce another pinnacle within itself. To this end, he elevates himself by imbuing himself with all perfections and virtues, invoking choice, order, harmony, and meaning, and finally rising to the creation of a work of art that occupies a prominent place alongside his other deeds and works.” And as a complement to this thought is the other one found in the book on Winckelmann—in which the one just mentioned is also to be found—when Goethe says: “When the healthy nature of man functions as a whole, when he feels himself in the world as part of a great, beautiful, dignified, and valuable whole, when harmonious contentment grants him pure, free delight; then the universe, if it could perceive itself, would exult as having reached its goal and admire the pinnacle of its own becoming and being. For what is the purpose of all the effort of suns and planets and moons, of stars and the Milky Way, of comets and nebulae, of worlds that have come into being and those yet to come, if not ultimately for a happy human being to rejoice, unaware of his own existence?”
[ 29 ] Aus solcher Gesinnung heraus, die den Menschen durch die Natur, über die Natur zu sich selbst, zum Seelisch-Geistigen führt, aus solcher Gesinnung heraus kann nur dasjenige entstehen, was unser soziales Leben aufbauen soll. Aber es wird nur entstehen, wenn der Mensch durch seinen Willen seine Blicke hinlenkt auf dasjenige, was ihm die Erforschung des Geisteslebens selber geben kann.
[ 29 ] It is out of such a mindset—one that leads human beings through nature, beyond nature, and toward their own inner being, toward the soul and spirit—that the very foundation of our social life can arise. But it will arise only if human beings, through their own will, direct their gaze toward what the exploration of spiritual life itself can offer them.
[ 30 ] Daher muß gesagt werden: Nicht in äußeren Institutionen und in ihrer Umgestaltung sollen wir dasjenige sehen, was uns weiterführen kann. Wie wir auch äußere Institutionen umgestalten mögen, es wird doch zu keinem Neuaufbau führen. Zu einem solchen kann nur führen, wenn der Mensch dasjenige, was in ihm gegenwärtig zur Zerstörung neigt, in seinem eigenen Inneren selber aufsucht. Denn alles Äußere, was im Leben des Menschen entsteht, wird von dem Menschen selbst, von dem innersten Wesen des Menschen gemacht. Nur durch Umlernen, nur durch Umdenken können wir vorwärtskommen. Daher kann es nicht früher besser werden, als bis eine genügend große Anzahl von Menschen den Mut aufbringt zum Umdenken, zum Umlernen. Und schließlich wird dasjenige, was einstmals wiederum als aufbauende Kräfte über die Menschheit kommen kann, hervorgehen müssen aus dem Mute zur Erhebung zum wirklichen Geiste, damit dieser, wie ich schon gestern am Schlusse sagte, nach und nach, aber wirksam den Ungeist beseitigen könne.
[ 30 ] Therefore, it must be said: We should not look to external institutions and their restructuring to find what can lead us forward. No matter how we might restructure external institutions, it will not lead to a new beginning. A true renewal can only come about when human beings seek within themselves that which currently tends toward destruction. For everything external that arises in human life is created by human beings themselves, by their innermost being. Only through re-learning, only through a change in thinking, can we move forward. Therefore, things cannot get better until a sufficiently large number of people muster the courage to rethink and relearn. And ultimately, that which may one day once again come upon humanity as constructive forces must emerge from the courage to rise to the true spirit, so that this spirit, as I said at the end yesterday, may gradually but effectively eliminate the unspirit.
[ 31 ] [Es folgt eine Aussprache.]
[ 31 ] [A discussion follows.]
[ 32 ] Schlußwort
[ 32 ] Concluding Remarks
[ 33 ] Meine sehr verehrten Anwesenden! Ich habe eigentlich keinen besonderen Anhaltspunkt aus den Ausführungen des Herrn B. heraus, um irgend etwas Erhebliches in diesem Schlußwort zu sagen, denn er hat das Beispiel erbracht, wie man aus dem abstrakten Denken der Gegenwart heraus dasjenige beurteilt, was eben aus dem geistbefruchteten Denken heraus gern gesagt sein möchte. Und daher möchte ich für diejenigen der verehrten Zuhörer, welche etwa auch, aber vielleicht doch berechtigt, mißverstanden haben könnten dasjenige, was ich über den Lehrplan gesagt habe, einige Worte hier anbringen.
[ 33 ] Ladies and gentlemen! I actually have no specific basis in Mr. B.’s remarks to say anything of substance in this closing statement, for he has provided an example of how one judges, from the abstract thinking of the present, that which one would like to express through spiritually inspired thinking. And so, for those in the distinguished audience who may have misunderstood—perhaps justifiably—what I said about the curriculum, I would like to add a few words here.
[ 34 ] Was ich über den Lehrplan gesagt habe, das ist das, daß er auf Konzentration hinarbeiten sollte. Ich habe nicht gesagt, daß keine Abwechslung da sein sollte. Abgesehen davon, daß man ja streiten könnte, ob diese Abwechslung nach drei bis fünf Wochen geschaffen werden soll für das Rechnen, oder ob das besser ist oder das, das ist eine rein didaktische Frage, die sich nicht agitatorisch behandeln läßt, sondern nur sachlich. Aber abgesehen davon: man hat auf Konzentration im Unterricht zu arbeiten, daß man also ein gewisses Pensum so aufzuarbeiten hat, daß einen der Stundenplan dabei nicht geniert, daß man wirklich drei bis sechs Wochen, so lange es notwendig ist, ein Pensum durcharbeitet, ohne durch etwas anderes unterbrochen zu sein. Selbstverständlich wird dabei der Wesenheit des Kindes voll Rechnung getragen. Damit Sie mich nicht mißverstehen, möchte ich Ihnen ausführen, wie es etwa in irgendeiner Klasse der Waldorfschule zugeht. Nehmen wir die fünfte Volksschulklasse. Ich könnte ebensogut die erste anführen. Da beginnt der Unterricht einige Minuten nach acht Uhr morgens. Da wird zunächst in den ersten zwei Stunden eben auf diese Konzentration in dem hingewirkt, was sonst in den gewöhnlichen Schulgegenständen durch den Stundenplan dekonzentriert, ohne alle Konzentration verteilt wird auf kurze Zeit. So daß also in diesen zwei ersten Stunden bis etwa ein paar Minuten nach zehn Uhr in konzentrierter Weise auf das hingearbeitet wird, was man sonst als Inhalt der Schulgegenstände anschaut. So daß also in dieser Zeit, sagen wir, durch eine genügend große Anzahl von Wochen, Rechnen getrieben wird, dann wieder Sprachlehre durch eine Anzahl von Wochen und so weiter. Dann kommt anschließend dasjenige, was eine Konzentratiion dadurch möglich macht, daß man es in einer gewissen Weise treibt; schon bei den kleinsten Kindern wird bei uns fremdsprachlicher Unterricht getrieben, französischer und englischer Unterricht, so daß schon die ersten Klassen fremdsprachlichen Unterricht bekommen. Und es übt einen großen Eindruck aus, wenn man die kleinen Sputze kommen sieht in ihre Stunden und sieht, wie sie tatsächlich mit einer großen Freude Fortschritte in den wenigen Wochen schon gemacht haben im fremdsprachlichen Unterricht. Da wird mit ihnen tatsächlich auf das Gebrauchen der Sprache hin gearbeitet. Also fünf bis sechs Wochen ist es bei der ersten Klasse schon so der Fall; da wird dann bis elf Uhr Französisch, bis zwölf Uhr Englisch getrieben. Dann gehen die Kinder nach Hause. Und an einigen Nachmittagen — die Kinder haben genug frei, das gehört auch zur Abwechslung, daß sie nun wieder hinauskommen -, an einigen Nachmittagen, wenn sie nun wieder kommen, haben sie Gesang, Musik und Eurythmie, beseeltes Turnen, beseelte Bewegungskunst. In dieser beseelten Bewegungskunst haben die Kinder nicht bloß physiologisches Turnen, das auch getrieben wird, sondern durchgeistigte Bewegung. Sie haben gleichsam eine stumme Sprache in der Eurythmie gegeben. In das finden sich die Kinder außerordentlich gut hinein. Und wenn öfter einmal an solchen Tagen, wo die Kinder zu besonderen Festlichkeiten zusammengerufen werden, dann Eurythmieaufführungen sind, dann drängen sich die Kinder dazu, dann sieht man, wie das alles lebt. So daß also davon gar keine Rede sein kann, daß keine Abwechslung sei oder keine Rücksicht auf dasjenige, was der Natur des Kindes entspricht, genommen werde. Wenn nun aber gesagt wird: Wenn es den Kindern zu langweilig wird, muß etwas anderes kommen - ja, meine sehr verehrten Anwesenden, das ist gerade die Aufgabe, daß es niemals den Kindern zu langweilig wird! Die Kinder werden höchstens einmal ungezogen, weil sie irgend etwas sticht, aber aus Langweiligkeit — dafür muß Sorge getragen werden — wollen sie niemals, daß der Unterricht irgendwie aufhöre. Und ich konnte mich schon in dieser kurzen Zeit, da ich ja zweimal durch längere Zeit die Schule besucht habe und den Unterricht eigentlich immer in meiner Hand habe, ich konnte mich überzeugen, wie auf diese Weise tatsächlich Leben in den ganzen Unterricht hineingebracht wird.
[ 34 ] What I said about the curriculum is that it should be designed to foster concentration. I didn’t say there shouldn’t be any variety. Aside from the fact that one could argue whether this variety should be introduced after three to five weeks for arithmetic, or whether one approach is better than the other—that is a purely didactic question that cannot be addressed in a polemical manner, but only objectively. But setting that aside: one must work toward concentration in class, meaning that a certain amount of material must be covered in such a way that the schedule does not hinder this process, so that one can truly work through a unit for three to six weeks—as long as necessary—without being interrupted by anything else. Of course, the child’s individual nature is fully taken into account in this process. Lest you misunderstand me, I would like to explain how things work, for example, in a typical class at a Waldorf school. Let’s take the fifth grade of elementary school. I could just as easily mention the first grade. Classes begin a few minutes after eight in the morning. During the first two periods, the focus is precisely on fostering this concentration—something that, in ordinary school subjects, is otherwise dispersed by the schedule, with all concentration spread out over a short period of time. Thus, during these first two hours—until about a few minutes past ten—the focus is concentrated on what is otherwise regarded as the content of the school subjects. So during this time—let’s say over a sufficiently long number of weeks—arithmetic is taught, followed by language instruction for a number of weeks, and so on. Then comes what makes concentration possible precisely because it is taught in a certain way; even with the youngest children, we offer foreign language instruction—French and English—so that even the first-grade classes receive foreign language instruction. And it makes a great impression when you see the little ones coming to their classes and see how, with great joy, they have already made progress in foreign language instruction in just a few weeks. The work with them is actually geared toward using the language. So this is already the case for the first grade for five to six weeks; French is taught until 11:00 a.m., and English until 12:00 p.m. Then the children go home. And on some afternoons—the children have enough free time; this is also part of the variety, so that they can get out again—on some afternoons, when they come back, they have singing, music, and eurythmy: animated gymnastics, animated movement art. In this animated movement art, the children do not merely engage in physiological gymnastics, which is also practiced, but in movement imbued with spirit. They are, as it were, given a silent language through eurythmy. The children take to this exceptionally well. And on those days—which happen quite often—when the children are gathered for special celebrations and there are eurythmy performances, the children flock to them, and you can see how alive it all is. So there can be no question of there being a lack of variety or of failing to take into account what corresponds to the nature of the child. But when it is said: “If the children get too bored, something else must be introduced”—well, my dear friends, that is precisely the task: to ensure that the children never get too bored! At most, the children might misbehave once in a while because something irritates them, but out of boredom—and this is what must be ensured—they never want the lesson to end in any way. And even in this short time—since I have attended the school twice for extended periods and am essentially always in charge of the lessons—I have been able to see for myself how this approach truly breathes life into the entire lesson.
[ 35 ] Meine sehr verehrten Anwesenden, wenn man nicht durch Schwätzen, sondern durch die Tat dasjenige begründen will, was gleiches Recht für alle ist, so muß man sich wirklich nicht in geschwätziger Weise über den Unterschied zwischen Unternehmer und Arbeitern aufregen, der da heute trotz allen Geschwätzes doch noch vorhanden ist; er ist einfach als eine Tatsache da, und wenn man heute redet, so kann man nun wahrhaftig diesen Unterschied vorläufig nicht hinwegwischen. Es handelt sich darum bei der Waldorfschule, daß in der Tat das Proletarierkind sitzt neben dem Unternehmerkind. Die Kinder werden in vollständiger Einheit erzogen, und da wird durch die Tat gleiches Recht für alle begründet! Während mit allem Geschwätz und allem agitatorischen Herumreden: es müssen nicht «Unternehmer» und «Arbeiter» da sein, man noch nichts erreichen wird, sondern sie müssen gleiches Recht haben. Kurz, mit Schwätzen läßt sich die Frage nicht lösen, einzig und allein dadurch, daß man Ziele schafft, und vor allen Dingen die wirkliche Lösung der sozialen Frage ins Auge faßt. Dadurch, daß man immer dann, wenn es sich um die Tat handelt, hineinschwätzt mit agitatorischen Phrasen, dadurch kann doch nicht ein einziger Schritt zur Besserung jemals gemacht werden! Das ist es, worauf es heute ankommt, zu unterscheiden zwischen Tat und Schwätzen. Wenn man diesen Unterschied nicht machen wird zwischen den Schwätzern und denjenigen, die etwas tun wollen, wird man nicht auf einen grünen Zweig kommen, sondern es werden die Schwätzer alle soziale Ordnung geradezu totreden. Mit schönem Geschwätz ist in unserer heutigen Zeit nichts zu erreichen, wenn dieses Geschwätz noch so sehr von Gleichberechtigung ausgeht. Gleichberechtigtheit muß begründet werden, von Gleichberechtigtheit bloß zu schwätzen, damit ist gar nichts erreicht.
[ 35 ] Ladies and gentlemen, if one wishes to establish the principle of equal rights for all not through idle talk but through action, then one really need not get worked up in a chatty sort of way about the difference between entrepreneurs and workers, which, despite all the talk, still exists today; it simply exists as a fact, and when we speak today, we truly cannot, for the time being, wipe this difference away. The point of the Waldorf School is that, in fact, the child of a working-class family sits next to the child of an entrepreneur. The children are educated in complete unity, and through this very act, equal rights for all are established! Whereas with all the idle talk and all the agitational rhetoric—that there must not be “entrepreneurs” and “workers,” but rather that they must have equal rights—nothing will be achieved. In short, the issue cannot be resolved with idle chatter; it can be resolved solely by setting goals and, above all, by aiming for a real solution to the social question. By constantly interjecting with agitational phrases whenever action is required—that way, not a single step toward improvement can ever be taken! That is what matters today: distinguishing between action and empty talk. If we fail to make this distinction between the talkers and those who want to take action, we will get nowhere; instead, the talkers will talk the entire social order to death. In this day and age, nothing can be achieved with fine-sounding rhetoric, no matter how much that rhetoric is based on equality. Equality must be substantiated; merely talking about equality accomplishes absolutely nothing.
[ 36 ] Eine andere Frage, meine sehr verehrten Anwesenden: Muß heute dem wirtschaftlich Bedrückten nicht die materielle Vorbedingung geschaffen sein, damit ihm die Möglichkeit geboten wird, Geistiges aufzunehmen? Ich habe gerade in der letzten oder in der vorletzten Nummer der Zeitschrift für «Dreigliederung des sozialen Organismus», die in Stuttgart erscheint, einen Artikel geschrieben: «Ideen und Brot» -, um entgegenzutreten dem landläufigen Vorurteil, daß, wenn von seiten der Gesättigten und auch heute noch Sich-sättigen-Könnenden immer wieder und wieder darauf hingewiesen wird: Es braucht ja nichts anderes getan zu werden, um die soziale Frage zu lösen, als daß die Leute arbeiten. Das ist leicht gesagt! Es handelt sich darum, daß die Leute ein Ziel sehen, einen Sinn in ihrer Arbeit! Aber auf der anderen Seite ist auch nichts damit getan, wenn immer gesagt wird von der anderen Seite: Erst muß den Leuten Brot geschaffen werden, dann werden sie geistig hochkommen, oder dann kann man dafür sorgen, daß sie geistig hochkommen. Geistige Arbeit ist es ja, welche dazu führt, daß das Brot erarbeitet werde. Man muß organisieren, man muß in einer gewissen Weise dasjenige, was gearbeitet wird, in irgendeine Struktur bringen, in eine soziale, sonst kann das Brot nicht entstehen. Wenn jetzt über Mitteleuropa eine furchtbare Hungersnotwelle sich ausbreitet, so ist ja diese Hungersnotwelle -— wenn es auch vorher selbstverständlich nicht gut war, darüber wollen wir uns jetzt nicht unter halten - nicht gekommen dadurch, daß plötzlich das Brot sich entzogen hat dem Menschen, sondern daß die Menschen in eine soziale Ordnung hineingekommen sind durch die Kriegskatastrophe, innerhalb welcher kein Brot erarbeitet wird, innerhalb welcher keine Ideen wirken, die das Brot erarbeiten lassen. Die Ideen, die bis 1914 von den Leuten angebetet worden sind, die die Führenden waren, die sind ad absurdum geführt durch die letzten fünf bis sechs Jahre, die sind abgetan. Wir brauchen neue Ideen! Und wenn man sich nicht entschließt, sich zu sagen: Wir brauchen neue Ideen -, durch diese neuen Ideen wird die soziale Ordnung organisiert, dadurch wird das nötige Brot geschaffen; wenn man sich nicht entschließt dazu, dann kommen wir doch in keiner heilsamen Weise zur Weiterentwickelung in die Zukunft hinein. Es ist sehr merkwürdig, wie sich, ich möchte sagen, im einzelnen Falle zeigt, daß die Menschen sich nicht eingestehen wollen, wie eigentlich die Wahrheit liegt und läuft. Einer der Radikalsten war gewiß bis zum Jahr 1914 der Fürst Krapotkin. Als er wieder nach Rußland gegangen war, da hörte man bald danach: Ja, wenn wir nur von dem Westen Brot bekommen, dann wird es schon besser gehen! — Und daneben hörte man, daß er eine «Ethik» schreibt. Sehen Sie, das ist dasjenige, was uns zugrunde gerichtet hat, daß die Leute auf der einen Seite das materielle Leben haben, auf der anderen Seite ein abstraktes Geistesleben, und daß von dem abstrakten Geistesleben nichts hereinspielt in das wirklich materielle Leben. Der Geist zeigt sich nicht dadurch, daß man ihn anbetet, der Geist zeigt sich dadurch, daß er fähig wird, auch die Materie zu beherrschen und zu organisieren. Das ist gerade das Schlimme, daß unsere Bekenntnisse es dahin gebracht haben, dem Menschen einen schönen Inhalt bloß geben zu wollen, wenn er aufgehört hat zu arbeiten, oder höchstens eine Direktive auf der ersten weißen Seite des Hauptbuches, wo steht: «Mit Gott» — wenn auch das, was da in Soll und Haben verarbeitet wird, durchaus nicht immer rechtfertigt, daß da steht: «Mit Gott»! Aber darinnen zeigen sich die Niedergangserscheinungen unserer Zeit, daß wir die Macht verloren haben, über das, wozu wir uns geistig bekennen, den Übergang zu finden zum materiellen Leben, daß geradezu die Gesinnung herrschend wird, die da sagt: Ach ja nicht verknüpfen das materielle Leben mit dem Geist! Der Geist ist etwas ganz Erhabenes, den muß man frei halten vom materiellen Leben! — Nein, nicht dazu ist der Geist da, daß man ihn freihält vom materiellen Leben, daß man ihn, wenn man aus der Fabrik herausgeht, ihn als Sonntag-Nachmittag-Sensation nur haben kann, wenn auch noch so edler Art, sondern dazu ist der Geist da, daß man ihn durch das Tor der Fabrik hineinträgt, daß die Maschinen nach dem Geiste gehen, daß die Arbeiter nach dem Geiste organisiert sind. Dazu ist der Geist da, daß er das materielle Leben durchdringe! Und daran sind wir zugrunde gegangen, daß das nicht der Fall ist, daß wir ein abstraktes Geistesleben neben einem geistlosen, von bloßen Routiniers beherrschten materiellen Leben haben. Eher wird es nicht besser, bis der Geist so mächtig wird, daß er die Materie beherrschen kann. Nicht der der Materie fremde, weltenfremde Geist ist es, zu dem Geisteswissenschaft führen will, sondern der Geist, der die Menschen beherrschen kann, den man nicht nur findet, wenn man froh ist, daß man aus der Fabrik hinausgehen kann, sondern den man froh und freudig in die Fabrik hineinträgt, damit jeder einzelne Handgriff im Lichte dieses Geisteslebens geschehe.
[ 36 ] Another question, ladies and gentlemen: Shouldn’t the material conditions be created today for those who are economically disadvantaged, so that they may be given the opportunity to absorb spiritual knowledge? I recently wrote an article titled “Ideas and Bread” in the latest or second-to-last issue of the journal *Dreigliederung des sozialen Organismus* (Threefold Social Order), published in Stuttgart—to counter the common prejudice that, as those who are well-fed and those who can still afford to feed themselves today repeatedly point out: “All that needs to be done to solve the social question is for people to work.” That’s easy to say! The point is that people must see a goal, a meaning in their work! But on the other hand, it accomplishes nothing when the other side keeps saying: “First, bread must be provided for the people; then they will rise spiritually, or then we can ensure that they rise spiritually.” It is, after all, intellectual work that leads to the production of bread. One must organize; one must, in a certain way, bring what is produced into some kind of structure—a social one—otherwise bread cannot be produced. If a terrible wave of famine is now spreading across Central Europe, then this wave of famine —even though things were certainly not good before, a point we won’t dwell on now—did not arise because bread suddenly withdrew from people, but because people were thrust into a social order by the catastrophe of war, within which no bread is earned, within which no ideas are at work that enable bread to be earned. The ideas that were revered by the people—and by the leaders—until 1914 have been reduced to absurdity over the last five to six years; they have been discarded. We need new ideas! And if we do not resolve to say to ourselves: “We need new ideas”—for it is through these new ideas that the social order will be organized, and through them that the necessary bread will be produced—if we do not resolve to do this, then we will not move forward into the future in a healthy way. It is very strange how, I would say, individual cases reveal that people do not want to admit to themselves how the truth actually lies and unfolds. One of the most radical figures up until 1914 was certainly Prince Krapotkin. When he had returned to Russia, one soon heard afterward: “Yes, if only we could get bread from the West, then things will surely get better!” — And at the same time, one heard that he was writing an “ethics.” You see, that is precisely what has ruined us: that people have, on the one hand, material life, and on the other, an abstract spiritual life—and that nothing from this abstract spiritual life finds its way into actual material life. The spirit does not reveal itself through worship; the spirit reveals itself by becoming capable of mastering and organizing matter as well. That is precisely the problem: our creeds have come to the point of merely wanting to provide people with a beautiful message once they have stopped working—or, at most, a directive on the first blank page of the ledger, where it says, “With God”—even though what is recorded there in debits and credits by no means always justifies the inscription, “With God”! But this reveals the signs of decline in our time: that we have lost the power to find a bridge between what we profess spiritually and material life; that the very attitude is becoming dominant which says: “Oh, no, don’t link material life with the spirit! The spirit is something utterly sublime; one must keep it free from material life!” — No, that is not what the spirit is for—to keep it separate from material life, so that when one leaves the factory, one can only experience it as a Sunday-afternoon sensation, however noble it may be. Rather, the spirit is there to be carried through the factory gates, so that the machines operate according to the spirit, and the workers are organized according to the spirit. That is what the spirit is for—to permeate material life! And that is what has ruined us: that this is not the case, that we have an abstract spiritual life alongside a spiritless material life dominated by mere routine workers. Things will not get better until the spirit becomes so powerful that it can master matter. It is not the spirit—alien to matter and to the world—that Spiritual Science seeks to lead us to, but rather the spirit that can master human beings—a spirit that one does not merely find when one is glad to leave the factory, but one that one carries joyfully and gladly into the factory, so that every single action may take place in the light of this spiritual life.
[ 37 ] Diejenigen, die in dem Sinne, wie es hier gemeint ist, den Geist wollen, die wollen wahrhaftig nicht einen unpraktischen Geist, die wollen den Geist, der in der Welt wirklich nicht nur etwas zu schwatzen hat, nicht nur etwas zu sagen hat, was einen in freien Stunden erfreuen kann, sondern einen Geist, der dadurch, daß er die Materie beherrscht, das Leben durchorganisiert, mit dem Leben sich innig verbinden kann. Von diesem Geiste beziehungsweise von seiner Annahme wird es abhängen, ob wir, wenn wir ihn verleugnen, immer tiefer und tiefer in das Unglück hineinsegeln wollen oder nicht. Zwischen diesem «Entweder-Oder» muß man heute entscheiden. Je mehr Menschen entscheiden werden dahin, daß sie sich zu diesem tätigen Geist aufraffen, desto besser wird es für die Zukunft der Menschheit sein.
[ 37 ] Those who desire the spirit in the sense intended here do not, in truth, want an impractical spirit; they want a spirit that in the world truly has more to offer than mere idle chatter, more than just words that can bring joy in one’s spare time—but rather a spirit that, by mastering matter, organizes life thoroughly and can become intimately connected with life itself. It will depend on this spirit—or rather, on our acceptance of it—whether we, if we deny it, will sail deeper and deeper into misfortune or not. Today, we must decide between these two alternatives. The more people who decide to rise to the challenge of this active spirit, the better it will be for the future of humanity.
[ 38 ] Das ist dasjenige, was ich zu meinen heutigen Worten noch hinzufügen wollte.
[ 38 ] That is what I wanted to add to what I said today.
