The Crisis of the Present
and the Path to Healthy Thinking
GA 335
2 March 1920, Stuttgart
Translate the original German text into any language:
Versions Available:
The Crisis of the Present and the Path to Healthy Thinking, tr. SOL
1. Geist und Ungeist in ihren Lebenswirkungen
1. Spirit and Unspirit in Their Effects on Life
[ 1 ] Sehr verehrte Anwesende! Eine bedeutsame Erscheinung innerhalb des Gebietes der Besprechung gegenwärtiger öffentlicher Fragen ist das Buch des Engländers John Maynard Keynes über die wirtschaftlichen Folgen des Friedensschlusses. Man darf heute gerade dieses Buch bei Besprechung öffentlicher Angelegenheiten im weitesten Umfang erwähnen, weil es auf der einen Seite mit allen Vorurteilen, ich möchte sagen mit allen Vorempfindungen des Engländers geschrieben ist, weil es auf der anderen Seite aber abgefaßt ist mit einer außerordentlich bedeutsamen Sachkenntnis und Überschau über das öffentliche Leben der Gegenwart. Keynes war ja lange Zeit Delegierter beim englischen Schatzamt während des Krieges. Und Keynes war dann in der englischen Delegation beim Versailler Friedensschluß, bis er sein Amt niedergelegt hat, weil er von den Verhandlungen in Versailles im höchsten Maße enttäuscht worden ist im Juni 1919. Man muß sagen, wenn man genauer hinsieht gerade auf den Inhalt dieses Werkes, dann findet man manches, das schon recht bedeutsam ist für die Gewinnung eines Urteils über die öffentlichen Verhältnisse des gegenwärtigen Augenblicks. Ich will nur einiges Charakteristische gerade aus diesem Buche einleitungsweise meinen heutigen Betrachtungen vorausschicken.
[ 1 ] Ladies and gentlemen! A significant work in the field of discussion on current public issues is the book by the Englishman John Maynard Keynes on the economic consequences of the peace treaty. It is precisely this book that should be mentioned today to the fullest extent when discussing public affairs, because, on the one hand, it is written with all the prejudices—I would say, with all the preconceptions—of an Englishman, but, on the other hand, it is composed with an extraordinarily significant expertise and overview of contemporary public life. Keynes, after all, served for a long time as a delegate to the British Treasury during the war. He was then part of the British delegation at the Versailles Peace Conference until he resigned from his post in June 1919, having been deeply disappointed by the negotiations in Versailles. It must be said that if one looks more closely at the content of this work, one finds many things that are quite significant for forming a judgment about the current state of public affairs. I would like to preface my remarks today by highlighting a few characteristic points from this book.
[ 2 ] Keynes war, als er nach Paris ging, sozusagen auch noch mit einem vollen Sack von Vorurteilen dahin gekommen - vor allen Dingen von Vorurteilen über den möglichen Erfolg dieses Friedensschlusses gerade von dem Gesichtspunkte eines Engländers aus, aber auch von Vorurteilen über die an dem Laufe der gegenwärtigen öffentlichen Angelegenheiten beteiligten Persönlichkeiten. Ich darf sagen, daß für mich ganz besonders interessant war das Urteil, das ein Beisitzer der Versailler Verhandlungen gerade über den Mann gewonnen hat, den eigentlich bis vor kurzer Zeit die ganze Welt angebetet hat. Wenn ich immer wieder und wiederum gegen dieses Urteil der ganzen Welt mich aufgelehnt habe — wahrhaftig mich aufgelehnt habe nicht bloß innerhalb Deutschlands, sondern, wo ich die Möglichkeit dazu hatte, das während der Kriegszeit selbst und bis zum Ende der Schreckenstage auch in der Schweiz zu tun -, da konnte man mit solcher Auflehnung wirklich recht wenig Eindruck machen. Man mußte erfahren, daß es selbst innerhalb Deutschlands eine wenn auch kurze Zeit gegeben hat, in der eine größere Anzahl von Menschen eingestimmt hat in die Verhimmelung des Woodrow Wilson — denn den meine ich und den meint Keynes -, eine Verhimmelung, die über die ganze Welt hin Platz gegriffen hatte. Immer wieder und wiederum mußte darauf aufmerksam gemacht werden aus den Anschauungen heraus, die ich ja auch hier in Stuttgart nun schon seit langer Zeit zu vertreten habe, daß man es zu tun hat bei Woodrow Wilson mit einem Mann der Phrase, mit einem Mann, dessen Worte keinen wirklichen, substantiellen Inhalt haben.
[ 2 ] When Keynes went to Paris, he had, so to speak, arrived there with a bag full of prejudices—above all, prejudices about the possible success of this peace treaty, particularly from an Englishman’s point of view, but also prejudices about the figures involved in the course of current public affairs. I must say that I found it particularly interesting to hear the judgment that one of the participants in the Versailles negotiations had formed specifically about the man whom, until quite recently, the whole world had idolized. Although I repeatedly and consistently rebelled against this judgment held by the entire world—truly rebelled, not only within Germany but, wherever I had the opportunity, even during the war itself and right up until the end of those days of horror, in Switzerland as well—such rebellion really made very little of an impression. One had to realize that even within Germany there was a period—albeit a brief one—during which a large number of people joined in the deification of Woodrow Wilson—for it is him I mean, and it is him Keynes means—a deification that had taken hold throughout the entire world. Time and again, it had to be pointed out—based on the views I have been advocating here in Stuttgart for quite some time now—that Woodrow Wilson is a man of empty phrases, a man whose words lack any real, substantive content.
[ 3 ] Und nun schildert Keynes das Gebaren jenes Woodrow Wilson beim Friedenskongreß in Versailles. Er schildert, mit welcher Glorie dieser Mann aufgenommen worden ist und mit welchem Vorurteil ihm begegnet worden ist. Und er schildert, wie dieser Mann fern von jeder Einsicht in irgendeine Wirklichkeit den Versammlungen beigewohnt hat. Er schildert, wie dieser Mann nicht einmal imstande war wegen seines langsamen Denkens, den Gedanken der anderen zu folgen, wie die anderen schon bei weit anderen Sachen waren, wenn Wilson noch nachdachte über irgend etwas, was sich in einer früheren Zeit zugetragen hat oder ausgesprochen worden ist. Man muß sagen, mit einer außerordentlichen Plastik ist die völlige Unzulänglichkeit und Phrasenhaftigkeit dieser weltberühmten Persönlichkeit der Gegenwart hier von einem Menschen geschildert worden, der wahrhaftig nicht vom mitteleuropäischen Standpunkte aus diese Tatsache eingesehen hat. Auch andere Leute hat Keynes geschildert, die gerade durch ihre Anwesenheit beim Versailler Friedensschluß auf die Geschicke Europas einen bedeutsamen Einfluß gewonnen haben. Von Clemenceau sagt er, daß dieser Greis die Zeit seit 1871 eigentlich völlig verschlafen habe, daß es ihm nur darauf ankäme, denjenigen Zustand Europas wiederherzustellen, welcher vor 1871 geherrscht hat, und vor allen Dingen das aus den gegenwärtigen Weltverhältnissen heraus zu gewinnen, was die Franzosen für ihre eigene Nationalität seit 1871 für notwendig halten. Dann schildert er den Staatsmann seines eigenen Landes, Lloyd George: wie der Mann nur auf Augenblickserfolge bedacht ist, wie der Mann aber einen feinen Instinkt hat und gewissermaßen wittert die Anschauungen und Meinungen derjenigen Persönlichkeiten, die ihn umgeben, mit denen er zu tun hat.
[ 3 ] And now Keynes describes the behavior of that Woodrow Wilson at the Peace Conference in Versailles. He describes the glory with which this man was received and the prejudice with which he was met. And he describes how this man attended the meetings without the slightest grasp of reality. He describes how, because of his slow thinking, this man was not even able to follow the thoughts of others—how the others had already moved on to entirely different matters while Wilson was still pondering something that had happened or been said at an earlier time. It must be said that the utter inadequacy and verbosity of this world-famous contemporary figure have been portrayed here with extraordinary vividness by a person who truly did not view this fact from a Central European perspective. Keynes has also portrayed other figures who, precisely through their presence at the Treaty of Versailles, exerted a significant influence on the fate of Europe. Of Clemenceau, he says that this old man has, in fact, completely slept through the period since 1871, that his sole concern is to restore the state of Europe that prevailed before 1871, and above all to secure from the current world situation what the French have considered necessary for their own nation since 1871. He then describes the statesman of his own country, Lloyd George: how the man is concerned only with immediate successes, yet how he possesses a keen instinct and, in a sense, senses the views and opinions of the personalities who surround him and with whom he deals.
[ 4 ] Und dann schaut sich Keynes das an, was verhandelt wird. Und er bespricht in seinem Buche mit der Einsicht und Methode eines Rechners, eines strengen Rechners, welche wirtschaftlichen Folgen für Europa dasjenige haben kann, was durch diesen sogenannten «Friedensschluß» ausgeheckt worden ist. Und er kommt dazu jetzt nicht aus irgendwelchen politischen Ambitionen heraus, jetzt nicht aus irgendwelchen Empfindungen oder Empfindlichkeiten heraus, sondern aus Rechnungsresultaten heraus - zu sagen, daß dasjenige, was für Europa wirtschaftlich impulsiert wird durch diesen Friedensschluß, der ökonomische Niedergang Europas sein müßte. Nichts Geringeres erfährt man aus diesem Buche, durch exakte Rechnungsresultate wie gesagt, als daß die mafßßgebenden Persönlichkeiten Einrichtungen und Institutionen getroffen haben, die notwendigerweise zum Abbau der Wirtschaften von ganz Europa führen müssen.
[ 4 ] And then Keynes takes a look at what is being negotiated. And in his book, with the insight and method of a mathematician—a rigorous one—he discusses the economic consequences for Europe that might result from what has been concocted through this so-called “peace treaty.” And he arrives at this conclusion not out of any political ambitions, not out of any emotions or sensitivities, but based on the results of his calculations—to say that what this peace treaty sets in motion for Europe economically must be Europe’s economic decline. As I said, based on precise calculations, this book reveals nothing less than that the leading figures have established structures and institutions that are bound to lead to the decline of the economies of all of Europe.
[ 5 ] Man kann, ich möchte sagen im Untertone des Buches lesen, wie der Engländer vom englischen Standpunkte aus spricht; wie er eigentlich doch auf seine Seele wirken läßt das Gefühl: dieser Untergang von Europa muß ein so gründlicher sein, daß England mit zu Schaden kommen muß. Man kann also sagen: Wie so viele gegenwärtige Staatsmänner des Westens hat es auch dieser Fellow der Universität von Cambridge ein wenig mit der Angst zu tun, aber eine Situationsschilderung der gegenwärtigen Verhältnisse findet man gerade in diesem Buche. So etwas beleuchtet Ihnen blitzartig mehr als alle übrigen Redereien die gegenwärtige internationale Situation der Welt.
[ 5 ] One can—I would say, reading between the lines of the book—see how the Englishman speaks from an English perspective; how, deep down, he is actually moved by the feeling that this downfall of Europe must be so complete that England, too, is bound to suffer. One might therefore say: Like so many contemporary statesmen in the West, this fellow from the University of Cambridge is also somewhat gripped by fear, but it is precisely in this book that one finds a description of the current state of affairs. Such a description sheds light on the current international situation in the world more instantly than all other rhetoric combined.
[ 6 ] Am bedeutsamsten erscheint mir aber bei diesem Buche eines: Nachdem dieser Mann vom Gesichtspunkte eines exakten Rechners aus seine Betrachtungen angestellt hat und zu gleicher Zeit in diese Betrachtungen hineinmischt ganz plastische Schilderungen eines Menschenkenners über die Persönlichkeiten, die beteiligt waren an den Institutionen, die zu diesem Untergang führen sollen, sieht man nichts, was von diesem Buche aus irgendeinen Lichtblick werfen würde auf das, was man zu tun habe, damit die allgemeine Zerstörung nicht eintrete, damit statt des Abbaues ein Aufbau kommen könne. Und charakteristisch ist es, daß gerade dieser Rechner auf den letzten Seiten dieses seines Buches einen außerordentlich merkwürdigen Satz hat. Er sagt ungefähr, er könne sich nicht denken, daß aus den alten Anschauungen, wie sie sich gerade so eklatant entwickelt haben beim Versailler Friedensschluß, irgend etwas Günstiges für die Fortentwicklung des europäischen Zivilisationslebens entfalten könne. Und er könne einzig und allein hoffen, daß eine bessere Zeit komme durch das Zusammennehmen aller Kräfte der Bildung und der Phantasie — «by setting in motion those forces of instruction and imagination», wie er sagt. Das heißt aber nichts Geringeres, meine sehr verehrten Anwesenden, als daß dieser exakte Rechner auf nichts anderes mehr hofft als auf eine Umwandlung der geistigen Verfassung der europäischen Menschen.
[ 6 ] One thing, however, strikes me as the most significant about this book: Since this man has presented his observations from the perspective of a precise mathematician, while at the same time interweaving into these observations the vivid descriptions of a connoisseur of human nature regarding the personalities involved in the institutions that are supposed to lead to this downfall, one sees nothing in this book that would offer any glimmer of hope regarding what must be done to prevent general destruction from occurring, so that reconstruction might follow instead of decline. And it is characteristic that this very analyst includes an extraordinarily curious sentence in the final pages of his book. He says, roughly, that he cannot imagine that anything favorable for the further development of European civilization could emerge from the old views, as they have so strikingly manifested themselves in the Treaty of Versailles. And he can only hope that a better time will come through the pooling of all the forces of education and imagination—“by setting in motion those forces of instruction and imagination,” as he puts it. But this means nothing less, ladies and gentlemen, than that this precise mathematician hopes for nothing other than a transformation of the intellectual disposition of the European people.
[ 7 ] Von dieser Stätte aus wurde oftmals gesprochen über die Notwendigkeit dieser Umwandlung der geistigen Verfassung der europäischen Menschheit. Man kann heute nicht über wirtschaftliche Fragen sprechen, indem man in dieses Sprechen hinein einfach dasjenige fortsetzt, was man gewohnt ist aus den alten Verhältnissen heraus über das Wirtschaftsleben zu denken. Man kann heute nicht über die Umgestaltung der Staatsverhältnisse sprechen aus denjenigen Vorstellungen heraus, die man gewohnt ist zu haben nach den Denkgewohnheiten des 19. und des beginnenden 20. Jahrhunderts. Und man kann über all dieses nicht sprechen, ohne daß man darauf hinweist, wie es notwendig ist, daß einziehe in das ganze Innere der europäischen Menschheit eine neue Art, über die öffentlichen Angelegenheiten zu denken. Denn dasjenige, was als Schreckenskatastrophe eingetreten ist, es ist das Ergebnis nicht dieser oder jener fehlerhaften Einrichtung, es ist das Ergebnis der ganzen Geistesverfassung, zu der diese europäische Menschheit gekommen ist im Beginn des 20. Jahrhunderts. Dasjenige, was sich abgespielt hat auf dem Gebiete des Rechtslebens oder Staatslebens, was sich abgespielt hat auf dem Gebiete des Wirtschaftslebens - es ist nichts anderes als der Geist, besser müßte ich sagen, wie sich das ja wohl im Verlaufe des heutigen Abends noch herausstellen wird, der Ungeist, der seine Wirkungen geäußert hat in den Lebensbedingungen der europäischen Menschheit, der Ungeist, der hereingetragen wurde vom Geistesleben aus, vom sogenannten Geistesleben aus, in das Rechts- oder Staatsleben und in das Wirtschaftsleben.
[ 7 ] From this forum, the necessity of this transformation of the spiritual constitution of the European people has often been discussed. Today, one cannot speak about economic issues by simply continuing, within that discourse, to think about economic life in the same way one was accustomed to under the old conditions. Today, one cannot speak of the restructuring of state relations based on the mental images one is accustomed to holding according to the habits of thought of the 19th and early 20th centuries. And one cannot speak of all this without pointing out how necessary it is for a new way of thinking about public affairs to take root deep within the very core of European humanity. For what has occurred as a terrible catastrophe is not the result of this or that flawed institution; it is the result of the entire state of mind to which European humanity had arrived at the beginning of the 20th century. What has unfolded in the realm of legal life or political life, what has unfolded in the realm of economic life—it is nothing other than the spirit, or rather, as will surely become clear in the course of this evening, the “un-spirit” that has exerted its influence on the living conditions of European humanity, the unspirit that was carried over from spiritual life—from so-called spiritual life—into legal and political life and into economic life.
[ 8 ] Man muß nun diesen Geist an seinen bedeutsamsten Symptomen erfassen. Man muß ihn da erfassen, wo er sich innerhalb des Geisteslebens selbst geltend gemacht hat. Man muß, wenn man einen klaren Blick bekommen will über diese Verhältnisse, schon einmal Umschau halten in dem, was sich heraufentwickelt hat seit dem Beginn des sogenannten neueren Geisteslebens, seit den letzten drei bis vier Jahrhunderten. Und man muß eine Erkenntnis darüber gewinnen, wie sich dieses Geistesleben hineingeschlichen hat in das menschliche Empfindungs- und Gefühlsleben. Und man muß eine weitere Erkenntnis sich davon verschaffen, wie unsere wirtschaftlichen Verhältnisse allmählich der äußere Ausdruck dieses Geisteslebens geworden sind.
[ 8 ] One must now grasp this spirit through its most significant symptoms. One must grasp it where it has made its presence felt within spiritual life itself. If one wishes to gain a clear view of these circumstances, one must first take stock of what has developed since the beginning of what is called modern spiritual life—that is, over the last three to four centuries. And one must gain an understanding of how this spiritual life has crept into human sensory and emotional life. And one must gain a further understanding of how our economic conditions have gradually become the outward expression of this spiritual life.
[ 9 ] Aber was ist das bedeutsamste Kennzeichen dieses Geisteslebens? Immer wiederum muß man sagen, daß eigentlich ein rechtes Urteil über dieses Geistesleben, wie es sich entfaltet hat im Laufe der letzten drei bis vier Jahrhunderte, nur derjenige haben kann, der auch in der Lage ist, die Lichtseiten dieses Geisteslebens hinlänglich zu würdigen, der in der Lage ist zu durchschauen, was namentlich die Wissenschaft der letzten Jahrhunderte für die Entwicklung der Menschheit, der zivilisierten Menschheit geleistet hat. Da muß man immer wiederum hinweisen darauf, wie das Gewebe der Natur umfaßt worden ist von den Ideen dieser Wissenschaft. Da muß man darauf hinweisen, wie durch das Umfassen des Gebietes der Natur die Maximen, die Antriebe, die Impulse gefunden worden sind zu den großen Errungenschaften der modernen Technik, die es ja doch sind, welche das Wirtschaftsleben im Laufe der neuesten Entwicklungsgeschichte der Menschheit ganz umgestaltet haben.
[ 9 ] But what is the most significant characteristic of this spiritual life? Time and again, one must say that a true judgment of this spiritual life—as it has unfolded over the course of the last three to four centuries— can only be made by someone who is also capable of sufficiently appreciating the positive aspects of this spiritual life—someone who is able to see through what science, in particular, has accomplished over the past few centuries for the development of humanity, of civilized humanity. Here one must repeatedly point out how the fabric of nature has been permeated by the ideas of this science. One must point out how, through this comprehensive understanding of the realm of nature, the principles, the drives, and the impulses have been found that led to the great achievements of modern technology—achievements which, after all, have completely transformed economic life in the course of humanity’s most recent history of development.
[ 10 ] Wir stellen uns einmal vor, daß — was es heute kaum noch gibt irgend jemand sich die Mühe gäbe, Umschau zu halten in den gebräuchlichen Zweigen naturwissenschaftlicher Weltanschauung, wie sie groß geworden sind in den letzten Jahrhunderten. Wir stellen uns einmal vor, daß jemand Umschau halte in den bedeutsamen Errungenschaften des mechanischen, physikalischen, chemischen, biologischen und so weiter Wirkens. Wir stellen uns vor, daß ein solcher auch in der Lage wäre zu beurteilen, was die Denkungsart, die Vorstellungsweise, die sich herangeschult hat an den bewundernswürdigen Methoden dieser Physik, dieser Chemie, dieser Biologie, dieser Mechanik, für die Erkenntnis des Anthropologischen in der Menschheitsentwicklung geleistet hat. Wir stellen uns vor, wie man dazu gekommen ist, ausgehend von der naturwissenschaftlichen Erziehung, zu erforschen, wie sich die Menschen aus ursprünglich primitiven Zuständen zu höheren Kulturzuständen entwickelt haben, wie sich die sozialen Verhältnisse der Gegenwart allmählich entwickelt haben. Wir stellen uns vor, wie Menschen, die mit naturwissenschaftlicher Schulung ausgerüstet waren, sich bemüht haben, soziologische Ansichten zu gewinnen über die Lebensbedingungen der Menschen. Wenn wir uns einen solchen Menschen von dieser Universalität des [wissenschaftlichen] Erkenntniswesens, den es, wie gesagt, eigentlich nicht mehr so recht gibt, nun doch einmal vorstellen, so müssen wir uns fragen: Wie steht ein solcher Mensch heute vor den großen menschheitlichen Fragen des Daseins? Wie steht er vor allen Dingen vor der Grundfrage, die aus den Tiefen des menschlichen Seelenlebens immer wiederum den Seelen der hoffenden Menschen auftauchen muß, zu der Frage: Was ist denn dieser Mensch eigentlich innerhalb des Gebietes der irdisch-kosmischen, der seelisch-geistigen Weltenordnung?
[ 10 ] Let us imagine—though it is hardly the case today—that someone would take the trouble to survey the established branches of the scientific worldview, as they have developed over the past few centuries. Let us form a mental image for a moment of someone surveying the significant achievements of mechanical, physical, chemical, biological, and other such fields of endeavor. Let us imagine that such a person would also be in a position to assess what the mode of thinking, the way of conceiving things, which has been trained in the admirable methods of physics, chemistry, biology, and mechanics, has contributed to our understanding of the anthropological aspects of human development. We form a mental image of how, building on a scientific education, people came to investigate how humanity developed from originally primitive states to higher cultural states, and how contemporary social conditions have gradually evolved. We form a mental image of how people equipped with a scientific education strove to gain sociological insights into the living conditions of human beings. If we were to create a mental image of such a person—possessing this universality of [scientific] knowledge, which, as mentioned, no longer really exists—we must ask ourselves: How does such a person confront the great human questions of existence today? Above all, how does he face the fundamental question that, from the depths of human soul life, must continually resurface in the souls of hopeful people—the question: What, in fact, is this human being within the realm of the earthly-cosmic, the soul-spiritual world order?
[ 11 ] Das Merkwürdigste ist gerade die Art der Beantwortung dieser Frage durch die naturwissenschaftliche Weltanschauung. Diese naturwissenschaftliche Weltanschauung hat ein Großes geleistet, indem sie gleichsam wie ihren Abschluß die Entwicklungslehre hervorgebracht hat und zu zeigen verstand, wie man sich vorstellen könne, daß die Organismen vom Einfachsten bis zum Komplizierteren sich entwickeln und daß an die Spitze dieser Entwicklung, gewissermaßen wie die Zusammenfassung der Lebewesen auf der Erde, der Mensch selber dasteht. Dasjenige, was man erreichen kann auf diesem Gebiet, was ist es? Man konnte sich die Frage beantworten: Wie steht der Mensch im Verhältnis zur Tierheit? Wie steht der Mensch zu denjenigen Wesen, die er seiner eigenen Organisation untergeordnet im Weltenall ansehen muß? — Diese Fragen konnte man aus den äußeren, sinnlichen Tatsachen heraus in mustergültiger Weise beantworten. In dem Augenblick aber, wo die große menschheitliche Frage auftritt: Was bist du eigentlich als Mensch? -, da versagte diese Betrachtungsweise.
[ 11 ] The most remarkable thing is precisely the way in which the scientific worldview answers this question. This scientific worldview has achieved a great deal by, as it were, bringing forth the theory of evolution as its culmination and by demonstrating how one might form a mental image of organisms developing from the simplest to the most complex, with human beings themselves standing at the pinnacle of this development—as it were, the culmination of all living beings on Earth. What, then, can be achieved in this field? One could answer the question: What is humanity’s relationship to the animal kingdom? How does humanity relate to those beings in the universe that it must regard as subordinate to its own organization? — These questions could be answered in an exemplary manner based on external, sensory facts. But the moment the great human question arises—“What are you, actually, as a human being?”—this approach failed.
[ 12 ] Ich glaube, daß diejenigen der verehrten Zuhörer, die die ganze Reihe von Vorträgen, die ich jetzt schon seit Jahren hier halte, gehört haben, Hunderte von Belegen für dasjenige haben werden, was ich jetzt sage. Wenn man alles das zusammenfaßt, was auf diesem Gebiet gewonnen werden kann, und zuletzt die Frage aufwirft: Was ist eigentlich dieser Mensch, der du selbst bist im Zusammenhang des irdisch-kosmischen, im Zusammenhang des seelisch-geistigen Weltenwesens? —, da muß man sich sagen, gerade wenn man die Errungenschaften der modernen naturwissenschaftlichen Weltanschauung hinlänglich zu würdigen versteht: Soviel man auch nach dieser Richtung wissen kann, soviel man Erkenntnisse haben kann über die Natur - alle diese Erkenntnisse besagen nichts über den Menschen selbst. Und indem immer mehr und mehr im Gemüte der Menschen gewissermaßen wie eine geistige — ich könnte auch sagen ungeistige — Autorität diese naturwissenschaftliche Weltanschauung sich geltend gemacht hat, erstreckte sich das, was da an Gedanken über die Natur aufgefaßt worden ist, in das Empfindungsleben, in das Willensleben hinein.
[ 12 ] I believe that those among the esteemed audience who have heard the entire series of lectures I have been giving here for years now will have hundreds of examples to support what I am about to say. If one summarizes everything that can be gained in this field and finally poses the question: What, in fact, is this human being—yourself—in the context of the earthly-cosmic, in the context of the soul-spiritual essence of the world? —then one must admit, especially if one knows how to give due credit to the achievements of the modern scientific worldview: No matter how much one may know in this regard, no matter how much insight one may have into nature—all this knowledge says nothing about the human being itself. And as this scientific worldview has increasingly asserted itself in people’s minds, so to speak, as a spiritual—or, I might also say, non-spiritual—authority, the ideas conceived about nature have extended into the life of feeling and the life of the will.
[ 13 ] Der Mensch möchte ja wahrhaftig die Natur nicht bloß intellektualistisch erkennen. Der Mensch möchte empfinden, fühlen, was er ist. Der Mensch möchte hineingießen können in seinen Willen, in seine Willenshandlungen, in sein ganzes äußeres Leben und seine Wirkungen dasjenige, was aus seinem eigensten, tiefsten Wesen in das Weltwesen fließen kann. Er hat heute das Gefühl, daß er sich nicht bloß instinktiv verhalten kann in seinen Willensentschlüssen, in seinen Willenshandlungen, er muß irgend etwas aufnehmen, das ihm Ziele vorsetzt in bezug auf sein Handeln, in bezug auf sein Wollen. Diese Ziele, sie kommen nicht so, daß sie in einer befriedigenden Weise dieses Wollen durchdringen, wenn man über die Welt und den Menschen nichts anderes weiß, als was die Naturwissenschaft geben kann. Und so ist gerade durch die großen Errungenschaften der naturwissenschaftlichen Weltanschauung eine Verödung des menschlichen Gefühls, eine Ratlosigkeit des menschlichen Wollens eingetreten. Diejenigen Menschen, welche in einem gewissen Seelenegoismus das nicht mitmachen wollen, was die Errungenschaften der Naturwissenschaft geben, die stützen sich auf alte religiöse oder sonstige Traditionen. Sie machen sich gewissermaßen blind dafür, daß sich ja mit diesen Traditionen nicht mehr weiter leben läßt, nachdem diese Errungenschaften der Naturerkenntnis da sind. Sie machen das aus einem gewissen Seelenegoismus heraus, indem sie sich sagen: Ich erfülle mein Inneres mit dem, was das eine oder andere Bekenntnis gibt; ich kümmere mich nicht darum, ob dieses Bekenntnis heute dem Menschen, der mitgehen will mit den Forderungen seiner Zeit, noch etwas geben kann gegenüber den Aussagen naturwissenschaftlicher Denkweise.
[ 13 ] Human beings truly do not wish to perceive nature merely through intellectual means. Human beings wish to sense and feel what they are. Human beings wish to be able to pour into their will, into their acts of will, into their entire outer life and its effects, that which can flow from their very deepest, most intimate being into the being of the world. Today, people feel that they cannot act merely instinctively in their volitional decisions and actions; they must take in something that sets goals for them in regard to their actions and their will. These goals do not permeate this volition in a satisfying way if one knows nothing about the world and humanity other than what natural science can provide. And so, precisely through the great achievements of the natural-scientific worldview, a desolation of human feeling and a helplessness of human volition have set in. Those people who, out of a certain spiritual egoism, do not wish to accept what the achievements of natural science offer, rely on old religious or other traditions. They turn a blind eye, as it were, to the fact that it is no longer possible to live by these traditions now that these achievements of scientific knowledge exist. They do this out of a certain spiritual egoism, telling themselves: I fill my inner being with what one creed or another offers; I do not concern myself with whether this creed can still offer anything today to the person who wishes to keep pace with the demands of their time, in the face of the findings of scientific thought.
[ 14 ] Bei einem Symptom kann man das öffentliche Leben der Gegenwart erfassen, indem man gerade auf diese naturwissenschaftlichen Grundlagen des heutigen Denkens hinweist; mehr als ein Symptom soll es für diese Betrachtungen nicht sein, was ich so vorausschicke. Man darf nicht vergessen, dasjenige, was eine Generation denkt, das wird in den nächsten Generationen Gesinnung, Impuls des Fühlens und Wollens. Und man darf vielleicht doch heute mit einiger Berechtigung auf etwas sonderbare Leute hinweisen, die vor etwa einem halben Jahrhundert gesprochen haben. Da gab es einen, man kann schon sagen merkwürdigen Polterer, der manches so ausgesprochen hat damals in den siebziger Jahren des 19. Jahrhunderts, daß man ihn einen Polterer nennen kann. Ich meine Johannes Scherr. Indem ich ihn einen Polterer nenne, wird niemand auf die Vermutung kommen, daß ich den Mann überschätze. Allein das folgende muß doch gesagt werden: Ein Herz, einen Sinn für dasjenige, was sich in der Zivilisation Europas vorbereitete, hatte dieser Mann, und in seinen polternden Reden findet sich manche außerordentlich treffende Bemerkung, allerdings manche Bemerkung, welche die schlafenden Seelen unter den Menschen vielleicht erst heute richtig beurteilen könnten - wenn man überhaupt wiederum die Werke solcher alten Kerle in die Hand nähme; die läßt man in Bibliotheken verstauben. Johannes Scherr sah dazumal, wie jene Denkweise auf einen gewissen Höhepunkt hinaufkam, welche zwar Großartiges, Gewaltiges zu sagen vermag über Naturerkenntnisse, welche aber außerstande ist, dem Menschen zu sagen, was er eigentlich selber ist - eine Denkweise, welche außerstande ist, dem Menschen Empfindungen darüber zu geben, daß er selber in seinem innersten Wesen ein Geistig-Seelisches ist und daß er in die Impulse seines Wollens geistig-seelische Kräfte hineinzulegen habe. Johannes Scherr hat genug beobachtet, um sich zu fragen: Wie fließt eine Denkweise, die nur über die Materie zu reden vermag, nicht aber über den Menschen, wie fließt diese Denkweise in die Menschheit hinein, wenn man nicht bloß auf die Gegenwart - auf die damalige Gegenwart der sechziger, siebziger Jahre -, sondern wenn man auf die folgenden Generationen schaut? Er fragt sich, was geschieht, wenn dasjenige, was der, nun, man sagt wohl «stille Gelehrte» auf seinem Katheder in einem gewissen Zeitalter verkündet, umschlägt in Empfindungen und Gefühle der Menschen, wenn das so Verkündete umschlägt und ganz hineingeht in die Kontore, in die Fabriken, in die Banken und Börsen; er fragt sich, was geschieht, wenn das, was man als Vorstellungsart in der Naturerkenntnis geltend macht, beherrschende Vorstellungsart wird auch in bezug auf die Gestaltung der finanziellen und ökonomischen Welt.
[ 14 ] One can grasp the nature of contemporary public life through a single symptom by pointing precisely to these scientific foundations of modern thought; I should like to preface these reflections by saying that this is meant to be nothing more than a symptom. One must not forget that what one generation thinks becomes the mindset, the impulse of feeling and willing, in subsequent generations. And perhaps one can point out today, with some justification, certain rather peculiar individuals who spoke about half a century ago. There was one—one might even call him a peculiar loudmouth—who said certain things back in the 1870s in such a way that he can indeed be called a loudmouth. I am referring to Johannes Scherr. By calling him a loudmouth, no one will assume that I am overestimating the man. Yet the following must be said: This man had a heart and a sense for what was taking shape in European civilization, and in his boisterous speeches one finds many extraordinarily apt remarks—though admittedly, some remarks that the slumbering souls among humanity might only be able to properly assess today—if, that is, one were to pick up the works of such old fellows again at all; they are left to gather dust in libraries. Johannes Scherr saw at that time how that way of thinking had reached a certain peak—a way of thinking that, while capable of expressing magnificent and powerful insights into the natural world, is incapable of telling human beings what they actually are —a way of thinking that is incapable of giving human beings a sense that they themselves, in their innermost being, are spiritual-soul beings, and that they must infuse the impulses of their will with spiritual-soul forces. Johannes Scherr has observed enough to ask himself: How does a way of thinking that can speak only of matter, but not of human beings, how does this way of thinking permeate humanity—not merely in the present—that is, in the present of the 1960s and 1970s—but when one looks to the generations that followed? He wonders what happens when what the—well, one might call the “silent scholar”—proclaims from his lectern in a certain era transforms into people’s perceptions and feelings; when what is proclaimed in this way transforms and permeates the offices, the factories, the banks, and the stock exchanges; he wonders what happens when what is asserted as a mode of conception in the understanding of nature becomes the dominant mode of conception also with regard to the shaping of the financial and economic world.
[ 15 ] Solche Fragen werden gewöhnlich nicht gestellt. Denn man glaubt, daß dasjenige, was der Mensch auf ökonomischem Felde denkt, was auf der Börse spekuliert wird, was in den Banken verhandelt wird, unabhängig sei von dem, was der stille Gelehrte vom Katheder herunter verkündet. Aber im Leben steht alles in innigem Zusammenhang. Dieser innige Zusammenhang verbirgt sich nur dadurch, daß etwas theoretische Denkweise sein kann bei einer Generation, bei der nächstfolgenden wird es Antrieb des äußeren Handelns, Antrieb der öffentlichen Empfindungswelt. Unter dem Eindruck solcher Gedanken sagte damals Johannes Scherr einen außerordentlich schönen Satz. Er sagte: Wenn der materialistische Ungeist, der jetzt alle Kreise beherrscht, seinen Weg durch die zivilisierte Welt nimmt; wenn er geltend macht alles dasjenige, wozu er veranlagt ist, in der Finanzwirtschaft Europas, in der ökonomischen Verfassung Europas, dann kommt eine Zeit herbei, von der man wird sagen müssen: Unsinn, du hast gesiegt!
[ 15 ] Such questions are not usually asked. For it is believed that what people think in the economic sphere, what is speculated on the stock market, and what is negotiated in banks is independent of what the quiet scholar proclaims from the lectern. But in life, everything is intimately connected. This intimate connection is only concealed by the fact that what may be a theoretical way of thinking for one generation becomes, for the next, the driving force behind external action and public sentiment. Under the influence of such thoughts, Johannes Scherr once uttered an extraordinarily beautiful statement. He said: “When the materialistic spirit of darkness that now dominates all circles makes its way through the civilized world; when it asserts everything to which it is predisposed in Europe’s financial system and in Europe’s economic constitution, then a time will come when one will have to say: ‘Nonsense, you have triumphed!’”
[ 16 ] Solche Worte sind dazumal gesprochen worden. Was liegt hinter diesen Worten? Hinter diesen Worten liegen all die Lobeshymnen auf den wirtschaftlichen Aufschwung, auf die Art, wie wir es so herrlich weit gebracht haben, auf die glorreichen Errungenschaften des modernen Lebens, mit denen wir aus dem 19. Jahrhundert in das 20. Jahrhundert hineingegangen sind. Was hat man alles hören können von der Art dieser Loblieder. Aber unter der Oberfläche all dieser Loblieder keimte fort dasjenige, wovon Johannes Scherr sagte: Es wird sich äußern so, daß man sagen muß: Unsinn, du hast gesiegt. - Und der Unsinn hat gesiegt! Schauen wir zurück auf die letzten fünf bis sechs Jahre. Was, meine sehr verehrten Anwesenden, ist das Schicksal derjenigen, die aus dem Gegenwärtigen mit einem inneren Durchschauen der Verhältnisse das Zukünftige zu errechnen verstehen? Man hört dasjenige, was sie sagen, höchstens an wie eine Sensation, aber man nimmt es nicht ernst. Man läßt die Dinge gehen, wie sie gehen, indem man sich selbst seiner schlafenden Seele hingibt, und kommt dann zu derjenigen Gesinnung, die heute zwar sieht, daß es mit jeder Woche mehr in den Abgrund hinuntergeht, aber doch immer wiederum sagt: Morgen wird es schon besser werden. Das oder jenes wird geschehen. Morgen werden wir ja schon wiederum - ja, ich weiß nicht, zu was kommen.
[ 16 ] Such words were spoken back then. What lies behind these words? Behind these words lie all the paeans to the economic boom, to the way we have come so wonderfully far, to the glorious achievements of modern life with which we entered the 20th century from the 19th. What a variety of such paeans one could hear. But beneath the surface of all these paeans, what Johannes Scherr spoke of continued to take root: It will manifest itself in such a way that one must say: Nonsense, you have triumphed. —And the nonsense has triumphed! Let us look back on the last five or six years. What, my esteemed audience, is the fate of those who, with an inner insight into the circumstances of the present, are able to foresee the future? At best, what they say is treated as a sensation, but it is not taken seriously. People let things take their course, surrendering themselves to their slumbering souls, and then arrive at a mindset that, while recognizing today that with each passing week we are sinking deeper into the abyss, still insists: Tomorrow things will be better. This or that will happen. Tomorrow we’ll be back on track—yes, I don’t know, to what end.
[ 17 ] Wo liegt der Ursprung gerade dieser Denkweise? Worin liegt der Ursprung desjenigen, was dazumal der Polterer Johannes Scherr den Ungeist genannt hat? Der Ursprung liegt gerade darin, daß eine Weltanschauung heraufgezogen ist im Lauf der letzten drei bis vier Jahrhunderte, welche aus den Vorstellungen, die man aus ihr gewinnt, nichts über den Menschen selbst zu sagen vermag oder empfinden zu lassen vermag. Wozu ist man aber genötigt, wenn man heranerzogen wird an einer Weltanschauung, die über den Menschen selber nichts empfinden und fühlen läßt? Wozu ist man dann genötigt? Man ist genötigt, über den Menschen zu sprechen. Ja, über den Menschen sprechen muß man; man kann es nicht vermeiden, da ja jeder eigentlich im öffentlichen Leben drinnensteht, und da im öffentlichen Leben Menschen handelnd auftreten, die miteinander reden müssen über ihre Angelegenheiten, miteinander reden müssen über die ganze Welt hin. Man kann es nicht vermeiden, über den Menschen zu sprechen.
[ 17 ] Where does this particular way of thinking originate? What is the origin of what Johannes Scherr, the rabble-rouser, once called the “evil spirit”? The origin lies precisely in the fact that a worldview has emerged over the course of the last three to four centuries which, based on the mental images derived from it, is incapable of saying anything about human beings themselves or of allowing one to feel anything about them. But what is one compelled to do when one is raised with a worldview that allows one to feel nothing about human beings themselves? What, then, is one compelled to do? One is compelled to speak about human beings. Yes, one must speak about human beings; one cannot avoid it, since everyone is, in fact, involved in public life, and since in public life people act and must speak with one another about their affairs, must speak with one another across the entire world. One cannot avoid speaking about human beings.
[ 18 ] Und was ist die Folge, wenn man über den Menschen doch sprechen muß, wenn man sprechen muß über dasjenige, was rechtlichstaatlich, was geistig-kulturell, was wirtschaftlich an Institutionen unter den Menschen behandelt werden soll? Was ist nötig, wenn man doch sprechen soll über den Menschen und keine Unterlagen hat, weil gerade das, was heraufzieht als Weltanschauung, solche Unterlagen nicht gibt — was hat man da nötig? Bei dem, was heute auf dem Gebiet des Geisteslebens, des öffentlichen Geisteslebens die Welt beherrscht, hat man nötig — weil man nicht in der Lage ist, aus innerem Erleben des Geistes heraus in seine Worte geistige Substanz zu legen -, man hat nötig die Phrase!
[ 18 ] And what is the consequence if one must, after all, speak about human beings—if one must speak about those institutions among human beings that are to be addressed in terms of the rule of law, intellectual and cultural matters, and economic issues? What is necessary when one must speak about human beings but has no supporting documentation, because precisely what emerges as a worldview provides no such documentation—what is needed in that case? Given what dominates the world today in the realm of spiritual life—public spiritual life—one needs—because one is unable to imbue one’s words with spiritual substance drawn from an inner experience of the spirit—one needs the cliché!
[ 19 ] Sehen Sie, meine sehr verehrten Anwesenden, das will zunächst die hier gemeinte Geisteswissenschaft, daß die Menschen wiederum dazu kommen, in ihre Rede, in ihre Worte hineinzulegen dasjenige, was Worten einzig und allein die Berechtigung gibt: geistige Substanz. Geistige Substanz bekommen die Worte, die der Mensch redet, nicht aus der naturwissenschaftlichen Erkenntnis heraus; geistige Substanz ist nicht möglich zu gewinnen auf die bequeme Weise, die in Chemie, in Physik, in Botanik, in Biologie gepflogen wird. Geistige Substanz muß schon auf dem Wege gewonnen werden, den als einen weniger bequemen die Geisteswissenschaft, wie sie hier gemeint ist, schildert. Geistige Substanz muß dadurch gewonnen werden, daß man eine wirkliche Ansicht über das innerste Wesen des Menschen gewinnt. Das ist aber nur möglich, wenn man die hier schon einmal charakterisierte intellektuelle Bescheidenheit entwickelt. Das ist nur möglich, wenn man dazu kommt, sich zu sagen: Gerade die großen Errungenschaften der Naturwissenschaft zeigen mir, daß ich, wenn ich so bleibe, wie ich rein physisch in die Welt hineingeboren bin, den großen Angelegenheiten der Menschheit gegenüberstehe wie das fünfjährige Kind einem Band Goethescher Lyrik: es zerreißßt den Band, es weiß nicht, was es vor sich hat. Aber das Kind kann sich entwickeln, so daß es dann dasjenige, was ihm früher etwas ganz anderes war, seiner wirklichen Wesenheit nach nimmt. Das auf sich selbst als Erwachsenen anzuwenden, das mag der moderne Mensch nicht gern. Er mag sich nicht sagen: Ich muß meine innere Seelenentwicklung in die Hand nehmen; ich muß über dasjenige, was ich einfach durch die physische Geburt geworden bin, durch meine eigene innere Seelenarbeit hinauskommen; ich muß meine Seele zu einem Höheren entwickeln, als das ist, was mir ohne mein Zutun zukommt.
[ 19 ] You see, my esteemed audience, this is what the Spiritual Science referred to here seeks first and foremost: that people once again come to imbue their speech and their words with that which alone gives words their validity—spiritual substance. The words that human beings speak do not derive their spiritual substance from scientific knowledge; spiritual substance cannot be obtained in the convenient manner practiced in chemistry, physics, botany, or biology. Spiritual substance must be attained through the path that Spiritual Science—as understood here—describes as a less convenient one. Spiritual substance must be attained by gaining a true understanding of the innermost nature of the human being. But this is only possible if one develops the intellectual humility already characterized here. This is only possible when one comes to say to oneself: It is precisely the great achievements of natural science that show me that, if I remain as I was born into the world in a purely physical sense, I face the great affairs of humanity just as a five-year-old child faces a volume of Goethe’s poetry: the child tears the book apart, not knowing what it is dealing with. But the child can develop so that it then perceives, in its true essence, that which was previously something entirely different to it. Modern people do not like to apply this to themselves as adults. They do not like to tell themselves: I must take charge of my inner spiritual development; I must transcend what I have simply become through physical birth through my own inner spiritual work; I must develop my soul to a higher level than that which comes to me without my own effort.
[ 20 ] Und wenn dann der Geistesforscher unter die Menschen tritt und sagt: Um das Geistige, das ja auch im Menschen ist, wirklich zu erkennen, dazu ist notwendig, daß man innere, geistige Methoden anwendet, daß man das Denken durch innere Seelenübungen so umgestaltet, wie es geschildert ist in dem Buche «Wie erlangt man Erkenntnisse der höheren Welten?» oder im zweiten Teil der «Geheimwissenschaft» oder in den anderen Büchern, da kommen die Menschen und sagen: Ach, das spricht so ein Phantast. - Wenn er schildert, daß eine im gewöhnlichen, äußeren Leben sonst nicht vorkommende Willenszucht notwendig ist, um die Seele heraus 4 zuheben aus ihrem Stande, in den sie gekommen ist durch die bloß physische Geburt, und sie so zu entwickeln, wie man es aus eigener, innerer Handhabung des Seelischen nur erreichen kann, da kommen die Menschen und sagen: Ach, das spricht so ein Phantast; das spricht einer, der aus den Enttäuschungen, aus den zerstörten Hoffnungen der neueren Menschheit Kapital schlagen will, der den Menschen etwas vorgaukelt von der Möglichkeit einer übersinnlichen Erkenntnis!
[ 20 ] And when the spiritual researcher then steps among people and says: “In order to truly recognize the spiritual, which is also present within human beings, it is necessary to apply inner, spiritual methods—to transform one’s thinking through inner soul exercises, as described in the book *How to Attain Knowledge of the Higher Worlds* or in the second part of *The Secret Science* or in the other books”—then people come and say: Oh, that’s just some fantasist talking. — When he describes how a discipline of the will—which does not otherwise occur in ordinary, external life—is necessary to lift the soul out of the state into which it has entered through mere physical birth, and to develop it in a way that can only be achieved through one’s own inner mastery of the soul, people come and say: “Oh, that’s just some fantasist talking; that’s someone who wants to capitalize on the disappointments and shattered hopes of modern humanity, who is leading people to believe in the possibility of supersensible knowledge!”
[ 21 ] Nein, meine sehr verehrten Anwesenden, aus solchen Unterlagen heraus spricht heute der richtige Geistesforscher nicht. Er spricht wahrhaftig nicht aus Dilettantismus heraus gegenüber der Naturwissenschaft, sondern er spricht gerade aus einer richtigen Erkenntnis der naturwissenschaftlichen Errungenschaften. Und er weiß, daß geisteswissenschaftliche Methoden notwendig sind, weil die Naturwissenschaft zwar über vieles etwas sagt, nicht aber über das, was das eigentliche Wesen des Menschen ist; er weiß, daß man Aufklärung über dieses Wesen des Menschen nur haben kann durch Erkenntnisse, die durch langsame, mühsame innere Seelenarbeit erobert werden, und daß diese Menschenerkenntnis dadurch erarbeitet werden muß, daß man sich vom Sinnlichen wirklich zum Übersinnlichen erhebt. Mögen die Philister diese Erhebung zum Übersinnlichen als etwas Phantastisches anschauen - zur Menschenerkenntnis ist diese Erhebung ins Übersinnliche notwendig, denn die Sinneserkenntnis zeigt auf jedem Gebiete, daß sie niemals über das Wesen des Menschen eine Auskunft geben kann. Dasjenige aber, was da gewollt wird durch diese Geisteswissenschaft, das ist eine Erneuerung des Menschen vom tiefsten Innern heraus; das ist das Anstreben der Möglichkeit, Erkenntnisse über den Menschen zu gewinnen, die wirklich in die Empfindung übergehen, die wirklich auch Ziele, Ideale abgeben, die in den Willen hineinfließen können, bis in die Realität des Wirtschaftslebens hinein.
[ 21 ] No, my esteemed audience, a true researcher of the spiritual realm does not speak today on the basis of such materials. He certainly does not speak out of a dilettantish attitude toward the natural sciences, but rather from a true understanding of the achievements of the natural sciences. And he knows that Spiritual Science methods are necessary, because while natural science has something to say about many things, it does not speak to what constitutes the true essence of the human being; he knows that insight into this essence of the human being can only be gained through knowledge acquired by slow, painstaking inner spiritual work, and that this knowledge of the human being must be attained by truly rising from the sensory to the supersensory. The philistines may regard this ascent to the supersensible as something fanciful—yet this ascent to the supersensible is necessary for an understanding of the human being, for sensory knowledge demonstrates in every field that it can never provide any insight into the essence of the human being. What the Spiritual Science seeks, however, is a renewal of the human being from the deepest inner core; it is the striving toward the possibility of gaining insights into the human being that truly flow into feeling, that truly also provide goals and ideals which can flow into the will, right down into the reality of economic life.
[ 22 ] Was für Lebenswirkungen entstehen aber da, wenn man nicht diesen Geist, der der modernen Menschheit so unsympathisch ist, anstrebt, sondern wenn man anstrebt den Ungeist, der als Weltanschauung nur Auskunft zu geben vermag über das Nichtmenschliche, über das Außermenschliche — was für Lebenswirkungen ergeben sich daraus?
[ 22 ] But what effects on life arise when one does not strive for this spirit—which is so unappealing to modern humanity—but instead strives for the “un-spirit,” which, as a worldview, can only provide insight into the non-human, the extra-human—what effects on life result from this?
[ 23 ] Als erste dieser Lebenswirkungen erscheint über die ganze zivilisierte Welt hin, was diese zivilisierte Welt auf dem Gebiete des Geisteslebens schon beherrscht - man will es nur nicht merken, man verschließt davor nur die Augen -, als erste Lebenswirkung ergibt sich die Weltherrschaft der Phrase. Denn wenn man nicht eine geistige Anschauung hat, die in die Welt hineinfließt als lebendige Substanz, so bleiben die Worte leer. Dann werden Worte ausgesprochen, die überhaupt nur als Phrase einen Sinn haben, das heißt keinen Sinn haben. Und im Laufe der letzten Jahre, wo sich der Ungeist selber ad absurdum geführt hat durch die äußeren Weltereignisse, da konnten wir wahrlich über die ganze zivilisierte Welt hin den Siegeszug der Phrase wahrnehmen. Phrasen sind Worte, bei denen man gar nicht nötig hat, an die reale Grundlage zu denken - man braucht nur an charakteristische Erscheinungen zu erinnern wie zum Beispiel an die beiden bis in die Mitte des 19. Jahrhunderts im Parlament gebliebenen englischen Parteien, die «Whigs» und die «Tories». Man sagt diese Worte und hat natürlich keine Ahnung mehr davon, welchen Ursprung im Leben diese Worte einmal hatten. «Whigs», das war, als das Wort aufkam, ein Schimpfwort für schottische Revolutionäre gegenüber englischen Einrichtungen, und «Tories» war der Spottname für die irischen Papisten. Ebenso wie diese Worte in der englischen Parlamentssprache sich verhalten zu ihrem Ursprung im realen Leben, so verhalten sich heute die tonangebenden Aussagen der Menschen zu ihren realen Lebensursprüngen. Wie über dem Leben, über der Wirklichkeit schwebt dasjenige, was wir, man darf nicht sagen denken, sondern was wir als Worte aus uns herauspressen. Die Weltherrschaft der Phrase, sie wird den Menschen klar werden. Denjenigen, die sie sich nicht klarmachen wollen aus der Betrachtung der Verhältnisse heraus, denen wird sie klar werden dadurch, daß sie durch ein Wirtschaftsleben, welches ohne den beherrschenden Antrieb des Geistes sich entwickelt, daß sie durch ein solches Wirtschaftsleben verhungern. Das Verhungern wird den realen Beweis liefern, daß unser Wirtschaftsleben nicht vom Geiste, sondern vom Ungeist beherrscht wird, weil wir es dazu gebracht haben, den Geist nicht mehr in der Wirklichkeit zu suchen, sondern uns an den Ungeist zu halten, der sich auf dem Gebiete des sogenannten Geisteslebens dann nur als Phrase über das Menschliche äußern kann.
[ 23 ] The first of these effects on life to appear throughout the entire civilized world is what already dominates this civilized world in the realm of spiritual life—people simply do not want to notice it; they merely close their eyes to it—the first effect on life is the global dominance of empty rhetoric. For if one does not have a spiritual perspective that flows into the world as a living substance, words remain empty. Then words are spoken that make sense only as empty phrases—that is to say, they make no sense at all. And over the course of recent years, as the “unspirit” has reduced itself to absurdity through external world events, we have truly been able to observe the triumphant march of empty phrases throughout the entire civilized world. Phrases are words for which one need not even think of the real basis—one need only recall characteristic phenomena such as the two English parties that remained in Parliament until the mid-19th century, the “Whigs” and the “Tories.” One utters these words and, of course, no longer has any idea of the origin these words once had in life. “Whigs”—when the word first emerged—was a term of derision used by Scottish revolutionaries against English institutions, and “Tories” was the derogatory name for Irish Catholics. Just as these words in the language of the English Parliament relate to their origins in real life, so too do the prevailing statements people make today relate to their real-life origins. What we—one must not say “think,” but rather what we squeeze out of ourselves as words—hovers above life, above reality. The world domination of empty rhetoric—this will become clear to people. To those who refuse to recognize it by examining the circumstances, it will become clear through an economic life that develops without the guiding force of the spirit—they will starve to death as a result of such an economic life. Starvation will provide the real proof that our economic life is governed not by the spirit but by the anti-spirit, because we have brought it to the point where we no longer seek the spirit in reality but cling to the anti-spirit, which, in the realm of so-called spiritual life, can then express itself in relation to the human only as empty rhetoric.
[ 24 ] Dagegen gibt es nur ein Heilmittel, nur ein Heilmittel gibt es, um über die Weltherrschaft der Phrase hinauszukommen: zu emanzipieren das Geistesleben von demjenigen, unter dessen Druck es zur Phrase werden mußte. Ein Geistesleben, das nicht aus seinen eigenen Grundlagen heraus baut, ein Geistesleben, das sich die Anstalten für seine Pflege von dem Wirtschaftsleben herrichten oder vom Staatsleben zuzimmern läßt, ein Geistesleben, das folgen muß den Richtlinien des Staates oder den Kräften des Wirtschaftslebens, ein solches Geistesleben kann sich nicht frei entfalten. Nur ein solches Geistesleben kann sich frei entfalten und dadurch zum wirklichen Geiste kommen und dadurch über die Phrase hinauskommen, daß es sich seine eigenen Institutionen aus seinen eigenen Grundlagen heraus schafft. Es gibt nur ein Heilmittel gegen den sonst immer stärker werdenden Siegeszug der Weltenphrase, das ist: die Verselbständigung des Geisteslebens. Wie die Früchte des Feldes unter einem Heuschreckenschwarm zugrunde gehen, so verödet das Geistesleben, wenn dieses Geistesleben von anderen Faktoren abhängig ist als allein von sich selbst, und dasjenige, was vom Geistesleben geoffenbart wird unter den Menschen, wird zur Phrase. Die Weltherrschaft der Phrase wird erst aufhören, wenn das Geistesleben eingerichtet wird von denjenigen, die die Träger des Geisteslebens sind; sie wird erst aufhören, wenn von der niedersten bis zur höchsten Schule hinauf und auf allen anderen Gebieten des Geisteslebens diejenigen die Institutionen des Geisteslebens machen, die in diesem Geistesleben tätig sind, und wenn das, was Grundsatz für das Lehren, für die Verbreitung des Geisteslebens ist, auch maßgebend ist für die äußeren Institutionen. Nur ein auf sich selbst gestelltes Geistesleben wird in die Lage kommen, sich entgegenzustellen dem Siegeszug der Phrase, der so verheerend wirkt, der sich selbst ad absurdum geführt hat in den Schreckensereignissen der letzten fünf bis sechs Jahre.
[ 24 ] There is only one remedy for this, only one way to overcome the world domination of empty phrases: to emancipate intellectual life from the very force under whose pressure it was compelled to become mere rhetoric. An intellectual life that does not build upon its own foundations, an intellectual life that allows the institutions for its cultivation to be established by economic life or cobbled together by political life, an intellectual life that must follow the directives of the state or the forces of economic life—such an intellectual life cannot unfold freely. Only such an intellectual life can develop freely and thereby attain true spirit and transcend mere rhetoric by creating its own institutions based on its own foundations. There is only one remedy against the otherwise ever-increasing triumph of worldly rhetoric, and that is: the independence of intellectual life. Just as the fruits of the field perish under a swarm of locusts, so spiritual life becomes desolate when it depends on factors other than itself alone, and what is revealed by spiritual life among human beings becomes mere rhetoric. The global dominance of empty rhetoric will only cease when spiritual life is organized by those who are its bearers; it will cease only when, from the lowest to the highest school and in all other areas of spiritual life, those who are active in that spiritual life shape its institutions, and when the principles governing the teaching and dissemination of spiritual life also determine the external institutions. Only a spiritual life that stands on its own will be able to oppose the triumphant march of empty rhetoric, which has had such a devastating effect and has reduced itself to absurdity in the horrific events of the last five to six years.
[ 25 ] Meine sehr verehrten Anwesenden, es kann einem, gerade wenn man ehrlich und aufrichtig die Entwicklung des Geisteslebens, des sogenannten Geisteslebens, in den letzten Jahren, den letzten Jahrzehnten betrachtet, an merkwürdigen Beispielen aufgehen, wie dieses Geistesleben allmählich ohnmächtig geworden ist gegenüber den Lebenswirklichkeiten. Es ist höchst merkwürdig, was einem entgegentritt, wenn man betrachtet eine Persönlichkeit, die man selbst aufs höchste verehrt, eine Persönlichkeit, die charakteristisch ist für höchste Leistungen des Geisteslebens am Ende des 19. Jahrhunderts. Als eine solche Persönlichkeit sehe ich Herman Grimm an, den großen Kunsthistoriker. Wiederum will ich von der Erscheinung Herman Grimms nur als von einem Symptom für das neuere Geistesleben sprechen. Großes, wahrhaft Großes hat dieser Herman Grimm, dieser Kunsthistoriker geschaffen. Und wenn ich Umschau halte unter seinen reichen Essays, die da vorliegen von ihm, so muß ich sagen: Etwas, was so von innerer reicher Geistesart vom Ende des 19. Jahrhunderts gesättigt ist wie zum Beispiel seine beiden Essays, der über Iphigenie und der über Tasso - das sind wirklich geistige Offenbarungen, die im höchsten Maße zeigen, was ein auf der Höhe des Geisteslebens der modernen Zeit stehender Mensch zu leisten vermag. Und sie sind charakteristisch, diese geistigen Leistungen, für die Art des Geistesschaffens derjenigen, die eigentlich die Besten waren. Über Iphigenie und über den Tasso von Goethe hat Herman Grimm Abhandlungen geschrieben, die Gesichtspunkte des Geisteslebens zeigen, die einfach bewundernswürdig tief eindringen in das menschliche Wesen überhaupt. Aber er hat etwas geschrieben, was schon im Geiste da ist. Er braucht zur Vorlage etwas wie die Iphigenie, wie den Tasso, die schon da waren. Ich habe Umschau gehalten, was ein solches Symptom denn eigentlich bedeutet, und ich konnte nicht anders als finden: Das Schönste, das Größte, was unsere Geistesheroen am Ende des 19. Jahrhunderts geleistet haben, sind gerade diejenigen Dinge, in denen sie geistvoll geschrieben haben über das, was um die Wende des 18. und 19. Jahrhunderts geistig produziert worden ist. Sehr charakteristisch, sehr bedeutsam. Diese Beobachtung könnte aber jeder machen, der wach ist, und nicht mit schlafender Seele das neuere Geistesleben betrachtet.
[ 25 ] Ladies and gentlemen, when one honestly and sincerely considers the development of intellectual life—so-called intellectual life—in recent years and decades, one may come to realize, through striking examples, how this intellectual life has gradually become powerless in the face of the realities of life. It is most remarkable what one encounters when one considers a figure whom one personally holds in the highest esteem—a figure who is emblematic of the greatest achievements of intellectual life at the end of the 19th century. I regard Herman Grimm, the great art historian, as such a figure. Once again, I wish to speak of Herman Grimm’s figure merely as a symptom of more recent intellectual life. This Herman Grimm, this art historian, has created something great—truly great. And when I survey his rich collection of essays that are available here, I must say: Something so imbued with the rich inner spirit of the late 19th century—such as his two essays, the one on Iphigenia and the one on Tasso—these are truly intellectual revelations that demonstrate to the highest degree what a person standing at the pinnacle of modern intellectual life is capable of achieving. And these intellectual achievements are characteristic of the kind of intellectual creativity exhibited by those who were, in fact, the very best. Herman Grimm wrote treatises on Goethe’s *Iphigenia* and *Tasso* that reveal aspects of intellectual life which penetrate the human nature in general with simply admirable depth. But he wrote something that already existed in the spirit. He needed as a model something like *Iphigenia* or *Tasso*, which were already there. I have looked around to see what such a symptom actually means, and I could not help but conclude: The most beautiful, the greatest achievements of our intellectual heroes at the end of the 19th century are precisely those works in which they wrote with great insight about what was produced intellectually at the turn of the 18th and 19th centuries. Very characteristic, very significant. But anyone who is awake—and does not view recent intellectual life with a dormant soul—could make this observation.
[ 26 ] Nun gibt es von demselben Herman Grimm auch ein Buch über Goethe. Das handelt nicht über Iphigenie, nicht über den Tasso, nicht über geistige Erzeugnisse des Menschen, sondern über Goethe selbst, über den lebendigen Menschen Goethe. Ich lese Kapitel für Kapitel - ich habe es schon wiederholt öffentlich ausgesprochen, was ich über dieses Goethebuch zu sagen habe -, ich lese Kapitel für Kapitel; ich versuche mir gegenständlich zu machen, wie dieser geistvolle Mann, der so großartig über Iphigenie, über Tasso geschrieben hat, nun über Goethe, den lebendigen Menschen selber spricht. Ich finde Kapitel für Kapitel nicht die Schilderung eines lebendigen Menschen, ich finde Schattenbilder, die so über die Wand hinhuschen, Schattenbilder ohne Dicke, Schattenbilder von Goethe, dem lebendigen Menschen. Dasjenige, was geistig hervorgebracht wurde, das konnte Herman Grimm schildern. Im Augenblick, wo er stand vor der Schilderung des lebendigen Menschen, entsteht nicht eine Schilderung dieses lebendigen Menschen, sondern es entstehen Schattenbilder, die keine Dicke haben, die Fläche haben, die nur hinhuschen, an die man nicht anstoßen kann, durch die man überall durchgreift, wenn man ihnen zu Leibe rückt. Das ist so recht charakteristisch für die Lebenswirkungen der geistigen Verfassung von diesem Ende des 19. Jahrhunderts. Diese geistige Verfassung war in dem Augenblick, wo sie sich über Geistiges hermacht, stark genug, über geistige Produktion der Menschen zu urteilen und das hinzustellen, auch mit zahlreichen Seitenblicken über das menschliche Leben überhaupt, aber sie versagt in dem Augenblick, wo eingedrungen werden soll in den Geist der uns vorliegenden Wirklichkeit.
[ 26 ] Now there is also a book by the same Herman Grimm about Goethe. It is not about *Iphigenia*, nor about Tasso, nor about the intellectual creations of man, but about Goethe himself, about Goethe the living person. I read chapter by chapter—I have already stated publicly on several occasions what I have to say about this book on Goethe—I read chapter by chapter; I try to grasp how this brilliant man, who wrote so magnificently about *Iphigenia* and Tasso, now speaks about Goethe, the living person himself. Chapter after chapter, I find not a portrayal of a living person, but rather silhouettes flitting across the wall—silhouettes without depth, silhouettes of Goethe, the living person. What was produced intellectually, Herman Grimm was able to describe. The moment he set out to portray the living person, what emerged was not a portrayal of that living person, but rather silhouettes that have no depth, that are flat, that merely flit by—silhouettes one cannot bump into, through which one can reach right through when one tries to grasp them. This is so characteristic of the effects on life of the intellectual disposition of this late 19th century. This intellectual disposition, at the moment when it sets out to address intellectual matters, was strong enough to judge people’s intellectual output and to present it—along with numerous side glances at human life in general—but it fails at the moment when one is to penetrate the spirit of the reality before us.
[ 27 ] Das ist dasjenige, was nun wiederum die Geisteswissenschaft, wie sie hier gemeint ist, anstrebt: Hinlenkung der menschlichen Seelenverfassung zum wirklichen Geiste, so daß wir in die Lage kommen, den Geist in der Wirklichkeit zu finden. Sie strebt an, daß wir nicht nur Schattenbilder von der Wirklichkeit malen, sondern den Geist in der Wirklichkeit ergreifen können. Dann werden wir auch nicht jene Abstraktionen, jene Intellektualismen gewinnen, die heute die Naturerkenntnis auftischt, sondern wir werden gewinnen eine wirkliche Einsicht auch in das innere Weben und Wesen der Natur. Und wir werden von da ausgehend eine Gesinnung gewinnen, die des Menschen eigenem Wesen, des Menschen eigener Würde, des Menschen eigener Bedeutung im irdisch-kosmischen, im seelisch-geistigen Zusammenhang entspricht, die diesem Wesen, dieser Würde des Menschen wirklich entspricht. Aber nur dadurch, daß wir so vordringen durch den Geist in die Wirklichkeit, können wir die Phrase besiegen, können wir in das lebendige Wort wiederum das hineinlegen, was kraftend ist in den Handlungen, in den Begegnungen der Menschen, was kraftend sein kann auch im Wirtschaftsleben. Wer heute glaubt, daß er im Wirtschaftsleben auskommt mit einer bloßen Verbesserung alter Institutionen, wer nicht übergehen will zu einer solchen vollständigen Erneuerung der Denkweise, der gibt sich wesenlosen Illusionen hin. Denn wir stehen heute nicht vor kleinen, wir stehen heute vor den denkbar größten Menschheitsfragen.
[ 27 ] This is precisely what Spiritual Science, as understood here, strives for: to direct the human soul toward the true Spirit, so that we may be enabled to find the Spirit in reality. It strives to ensure that we do not merely paint shadows of reality, but can grasp the spirit in reality. Then we will not end up with those abstractions, those intellectualisms, that current scientific understanding serves up, but we will gain a true insight into the inner workings and essence of nature. And starting from there, we will develop an attitude that corresponds to the human being’s own essence, to the human being’s own dignity, to the human being’s own significance within the earthly-cosmic and the soul-spiritual context—an attitude that truly corresponds to this essence and this dignity of the human being. But only by penetrating reality in this way through the spirit can we overcome empty rhetoric; only then can we once again imbue the living word with that which is a source of power in human actions and encounters—and which can also be a source of power in economic life. Anyone who believes today that they can get by in economic life with a mere improvement of old institutions, anyone who is unwilling to move toward such a complete renewal of thinking, is indulging in hollow illusions. For we are not facing minor issues today; we are facing the greatest questions conceivable for humanity.
[ 28 ] Und gerade dann, wenn es sich darum handelt, äußerlich wirklich sozial zu begründen das Verhältnis von Mensch zu Mensch, dann ist es notwendig, daß der Mensch dem Menschen so gegenübertritt, daß er in seinem Nebenmenschen den Geist sehen kann. Es ist notwendig, daß er in seinem Nebenmenschen dasjenige sehen kann, was ein spezieller Fall einer geistig-seelischen Wesenheit ist, daß er gegenüber seinem Nebenmenschen sich durchdringen kann mit all den Gefühlen und Empfindungen, die nur impulsiert, nur innerlich durchkraftet werden können von einer geistigen Weltanschauung. Weil wir kein selbständiges Geistesleben hatten, entwickelten wir den Materialismus im Großen, entwickelten wir auf dem Gebiete des Geisteslebens die Weltherrschaft der Phrase, was noch vielen Menschen verborgen ist, die da seelisch schlafen.
[ 28 ] And precisely when it comes to establishing the relationship between human beings on a truly social basis in the external world, it is necessary for one person to approach another in such a way that he can see the spirit in his fellow human being. It is necessary that they be able to see in their fellow human beings that which is a specific instance of a spiritual-soul entity, that they be able to imbue themselves, in relation to their fellow human beings, with all the feelings and sensations that can only be inspired and internally sustained by a spiritual worldview. Because we lacked an independent spiritual life, we developed materialism on a grand scale; in the realm of spiritual life, we fostered the global dominance of empty rhetoric—a fact that remains hidden from many people who are spiritually asleep.
[ 29 ] Und wenn auf dem Gebiete des Gefühls- und Empfindungslebens eindringt der Ungeist - nicht der Geist, der lebendig befruchtet alles dasjenige, was aus dem Menschen kommt -, wenn in die Gefühle und Empfindungen eintaucht der Ungeist, was entsteht dann? Dann entsteht kein lebendiges Verhältnis von Mensch zu Mensch, das die Grundlage abgeben kann für die soziale Struktur des gesellschaftlichen Organismus; dann entsteht in den Verhältnissen, in den Gefühls-, den Gemütsverhältnissen zwischen Mensch und Mensch durch den Ungeist die Konvention. Ich möchte sagen, wir Deutsche dürfen glücklich sein, daß wir, indem wir die gegenwärtige Herrschaft des Geisteslebens zu schildern haben, «Phrase» sagen müssen, denn wir haben im Deutschen kein richtiges Wort dafür. Und auch jetzt sind wir wieder in Verlegenheit, ein deutsches Wort zu brauchen für das, was sich in neuerer Zeit herausgebildet hat aus dem vom Ungeist beherrschten Gefühlsleben; wir müssen sagen «Konvention». Die Konvention ist dasjenige, was bloß äußerlich festgelegt ist; dasjenige, auf das wir bloß äußerlich hinschauen können, was nicht ergriffen wird von dem innersten Wesen des Fühlens und Empfindens. Aber in diejenigen Menschen, in die nicht hineinfließt vom Denken, vom Bewußtsein aus dasjenige, was die Phrase durchgeistigen kann, in die kann sich auch nicht hineindrängen dasjenige, was als Geist durchzieht Empfindung und Gefühle, und es kann sich kein sozialer Verkehr, kein soziales Verhältnis entwickeln, welches menschenwürdig und menschenwert wäre. Unter dem Einfluß der Konvention, unter dem Einfluß der Äußerlichkeiten hat sich auf einem zweiten Gebiet das entwickelt, was im modernen Leben Staatsleben, politisches Leben geworden ist. Wie das geistige Leben heute beherrscht ist von der Weltherrschaft der Phrase, so ist das Staatsleben ganz und gar beherrscht von der Konvention.
[ 29 ] And when the “unspirit”—not the Spirit that vividly enlivens everything that comes from the human being—invades the realm of emotional and sensory life; when the “unspirit” penetrates into feelings and sensations, what then arises? Then no living relationship between human beings arises that can serve as the foundation for the social structure of the social organism; then, through the unspirit, convention arises in the relationships—in the emotional and psychological relationships—between human beings. I would like to say that we Germans can count ourselves fortunate that, when describing the current dominance of spiritual life, we must use the term “phrase,” for we have no proper German word for it. And even now we are again at a loss to find a German word for what has emerged in recent times from an emotional life dominated by the unspirit; we must say “convention.” Convention is that which is merely externally determined; that which we can only observe from the outside, which is not grasped by the innermost essence of feeling and sensation. But in those people into whom nothing flows from thinking or from consciousness—nothing that can imbue the phrase with spirit—into them, too, cannot penetrate that which, as spirit, permeates sensation and feelings; and no social interaction, no social relationship can develop that would be dignified and worthy of human beings. Under the influence of convention, under the influence of outward appearances, what has become political life in modern society has developed in a second sphere. Just as spiritual life today is dominated by the worldwide dominance of empty rhetoric, so political life is entirely dominated by convention.
[ 30 ] Einzig und allein wenn wahre Demokratie unter den Menschen sich offenbart, jene Demokratie, welche wirklich auf dem lebendigen Verhältnis von Mensch zu Mensch aufgebaut ist, dann wird an die Stelle der Konvention dasjenige treten, was sich vom lebendigen Menschen zum lebendigen Menschen entwickelt. Dies beruht darauf, daß der mündige Mensch dem mündigen Menschen gegenübersteht, wenn also in Betracht kommen jene menschlichen Verhältnisse, die unabhängig sind von der stärkeren Kapazität, der Fähigkeit des Geistes und die unabhängig sind, weil sie rechtliche Verhältnisse sind, von der Stärke der wirtschaftlichen Kraft. Wenn abgelöst wird vom Wirtschaftsleben auf der einen Seite, vom Geistesleben auf der anderen Seite das Rechts- oder Staatsgebiet, und auf diesem Rechts- oder Staatsgebiet sich nur dasjenige geltend macht, was aus der Gleichheit aller mündig gewordenen Menschen kommt, dann wird wirklich an die Stelle der Weltherrschaft der Konvention das treten, was sich vom lebendigen Menschen zum lebendigen Menschen entwickelt. Es ist dasjenige, wonach heute eine phrasengewohnte Welt schreit und wovon sie nichts versteht: das Recht, das nur geboren werden kann aus dem lebendigen Gefühl, der lebendigen Empfindung im Verkehr des einen Menschen zum andern, das Recht, das nimmermehr geboren werden kann aus irgendeiner Konvention heraus. Wir aber leben auf diesem Gebiet unter der Weltherrschaft der Konvention. Konvention ist alles, was als Empfindung, als Gemüt sich geltend macht in den öffentlichen Verhältnissen durch den Ungeist, so wie sich die Phrase geltend macht in den öffentlichen Verhältnissen, wenn auf dem Gebiete des Geisteslebens nicht der Geist, sondern der Ungeist die Lebenswirklichkeiten bedingt.
[ 30 ] Only when true democracy manifests itself among people—that democracy which is truly built upon the living relationship between human beings—will convention be replaced by that which develops from one living human being to another. This is based on the fact that a mature human being faces another mature human being; that is, when we consider those human relationships that are independent of greater intellectual capacity and—because they are legal relationships—independent of economic power. When the realm of law or the state is separated from economic life on the one hand and from intellectual life on the other, and when only that which arises from the equality of all mature human beings prevails within this realm of law or the state, then what develops from one living human being to another will truly take the place of the world domination of convention. It is that which a world accustomed to empty phrases cries out for today and of which it understands nothing: the law that can only be born of the living feeling, the living sensation in the interaction of one human being with another—the law that can never be born out of any convention. We, however, live in this realm under the global domination of convention. Convention is everything that asserts itself as feeling, as sentiment, in public life through the unspirit, just as empty rhetoric asserts itself in public life when, in the realm of spiritual life, it is not the Spirit but the unspirit that determines the realities of life.
[ 31 ] Und sehen wir uns um auf dem dritten Gebiet des öffentlichen Lebens, auf dem Gebiet des Wirtschaftslebens. Da ein wirklich das Menschliche erfassendes, menschliche Empfindungen und Gefühle erzeugendes Geistesleben in diesem Zeitalter des Materialismus nicht da war, konnten auch die wirtschaftlichen Angelegenheiten nicht von Zielen durchtränkt sein, die vom Geiste befeuert gewesen wären. Es konnte sich auf dem Gebiete des Wirtschaftslebens nicht eine wahre Lebenspraxis herausentwickeln, denn eine wirkliche Lebenspraxis kann nur gedeihen, wenn die Menschen, die die Träger dieser Lebenspraxis sind, in jeden Handgriff, in jede Verrichtung dasjenige hineintragen, was sie gewinnen aus dem Zusammenhang ihrer Seele mit dem geistig-seelischen Wesen der Welt. An der Stelle der Lebenspraxis entwickelt sich etwas anderes, wenn statt dieses Geistes der Ungeist herrschend wird. Wenn der Ungeist herrschend wird, dann verfällt der Mensch auf dem Boden des äußeren, wirtschaftlichen Lebens in die Routine, indem er die wirtschaftlichen Maßnahmen nicht durchtränkt mit dem, was ihm der Geist eingibt; er verfällt anstelle der Lebenspraxis in die Routine - ich bemerke: wiederum nicht ein deutsches Wort. Der Mensch verfällt in die Routine. Und das ist das Charakteristische auf dem wirtschaftlichen Gebiet, daß wir immer mehr und mehr von dem Gebiet des lebenswirklichen Wesens, des zielbewußten, nur aus dem Geiste heraus zu gebärenden Wesens zu dem Gebiet der Routine gekommen sind. Wie wir auf dem Gebiete des Geisteslebens zur Phrase gekommen sind, wie wir auf dem Gebiete des Staats- und Rechtslebens zur Konvention gekommen sind, so sind wir auf dem Gebiet des Wirtschaftslebens zur Routine gekommen.
[ 31 ] And let us look at the third sphere of public life: the sphere of economic life. Since there was no spiritual life in this age of materialism that truly encompassed what it means to be human and gave rise to human sensibilities and feelings, economic affairs could not be imbued with goals inspired by the spirit. A true way of life could not develop in the realm of economic life, for a true way of life can only flourish when the people who are the bearers of this way of life infuse every action, every task, with what they gain from the connection of their soul with the spiritual-soul nature of the world. Something else develops in place of this way of life when, instead of this spirit, the unspirit becomes dominant. When the unspirit becomes dominant, then human beings, in the realm of external, economic life, fall into routine by failing to imbue their economic actions with what the spirit inspires in them; instead of living life actively, they fall into routine—I note: again, not a German word. Human beings fall into routine. And this is what is characteristic of the economic sphere: that we have moved more and more from the realm of authentic, purposeful existence—an existence that can only be brought forth from the spirit—into the realm of routine. Just as we have come to rely on clichés in the realm of spiritual life, and on conventions in the realm of political and legal life, so too have we come to rely on routine in the realm of economic life.
[ 32 ] Wie steht der heutige wirtschaftende Mensch in seiner Routine drinnen! Wie ist er stolz auf diese Routine! Wie fragt er nur danach: Wie macht man das? Und wie bestrebt er sich, denjenigen, den er hineinstellen will in den Betrieb des Wirtschaftens, so zu erziehen, daß die Dinge mechanisch verlaufen! Wie sieht man gerade ein Großes darin, im wirtschaftlichen Leben ja nicht Menschen zu haben, denen etwas einfällt, sondern Menschen zu haben, welche imstande sind, die allmählich zur Routine gewordene Lebenspraxis möglichst mechanisch fortzusetzen.
[ 32 ] How deeply entrenched is today’s businessperson in his routine! How proud he is of this routine! How he asks only: “How do you do that?” And how he strives to train those he wishes to bring into the business world in such a way that things run mechanically! How is it that people see such great value in ensuring that economic life does not include people who come up with new ideas, but rather people who are capable of continuing, as mechanically as possible, the practices of life that have gradually become routine?
[ 33 ] Daher ist es auch gekommen, daß der Mensch - weil er in der Routine drinnensteckt und aus dieser Routine selber keine Befriedigung schöpfen kann -, daß er dasjenige, was er im äußeren praktischen Leben hat, so schnell wie möglich loszuwerden sucht, und dann den Sensationen nachgeht, demjenigen nachgeht, was möglichst verschieden ist von dem, in dem er berufsmäßig drinnensteckt. Liegt Geist in dem äußeren wirtschaftlichen Leben? Sind Menschen willkommen im wirtschaftlichen Leben, auf die man deshalb etwas hält, weil ihnen etwas einfällt? - Sie sind unbequemer für das wirtschaftliche Leben als die Routiniers. Aber wenn sie willkommen sind, diese Menschen, denen etwas einfällt, dann werden die wirtschaftlichen Berufe blühen, sie werden nicht einen egoistischen Charakter annehmen, sondern sie werden einen altruistischen, einen humanistischen Charakter annehmen. Warum ist das so? Nun, wenn der Mensch bloß der Routine folgt, dann gibt es für ihn keine anderen Antriebe als den Egoismus, als die Befriedigung seiner Instinkte. Wenn man in das äußere Leben das hineinlegt, was man unter dem Einfluß einer geistigen Erziehung der Menschheit hat, dann hat dieses, was man so hineinlegt, weil es aus dem Geiste stammt, eine ganz besondere Eigentümlichkeit. Es hat die Eigentümlichkeit, daß es nicht für jeden einzelnen Menschen gilt, sondern daß es im Grunde genommen gleichgültig ist, ob der eine denkt oder der andere denkt; es hat die Eigentümlichkeit, daß es als Sache wirkt, daß es etwas zur Folge hat, was allen Menschen irgend etwas bringen kann in den Lebenswirklichkeiten.
[ 33 ] This is why people—because they are stuck in a routine and cannot derive any satisfaction from that routine themselves—seek to rid themselves as quickly as possible of what they have in their external, practical lives, and then pursue sensations, pursuing whatever is as different as possible from what they are professionally involved in. Is there spirit in external economic life? Are people welcome in economic life who are held in high regard simply because they come up with ideas?—They are more of a nuisance to economic life than those who stick to routine. But if these people—who come up with ideas—are welcome, then economic professions will flourish; they will not take on a selfish character, but rather an altruistic, humanistic one. Why is that so? Well, if a person merely follows routine, then there are no other motivations for them than selfishness, than the satisfaction of their instincts. If one brings into external life what one possesses under the influence of a spiritual education of humanity, then what one brings in—because it originates from the spirit—has a very special quality. It has the characteristic that it does not apply to every single individual, but that—fundamentally speaking—it is irrelevant whether one person thinks or another; it has the characteristic that it acts as a thing in itself, that it brings about a result which can benefit all people in some way within the realities of life.
[ 34 ] Das alles, meine sehr verehrten Anwesenden, ist nun wahrlich nicht gesagt, um geringschätzig, so von oben herunter sich zu ergehen über den Ungeist der modernen Welt, das ist gesagt zu einem ganz anderen Ziel. Das ist gesagt, damit der Sinn entstehe, hinzuschauen auf diejenigen Grundlagen, die in der menschlichen Natur unauslöschlich sind und die doch immer vom Ungeist zum Geist hinführen. Das ist gesagt, um die gegenwärtige Schläfrigkeit der Seelen zum Aufwachen zu bringen, damit jene Tiefen des Menschheitslebens in der Menschheitswirklichkeit aufgesucht werden, aus denen allein wir dem Abbau abhelfen und zu einem Aufbau kommen können.
[ 34 ] All of this, my esteemed audience, is certainly not said to disparage or look down upon the “unspirit” of the modern world; it is said for an entirely different purpose. It is said so that we may come to see the need to look to those foundations that are indelible in human nature and that nevertheless always lead from the unspirit to the Spirit. This is said to awaken the present slumber of the souls, so that those depths of human life within human reality may be sought out—from which alone we can remedy the decline and achieve a renewal.
[ 35 ] Der praktische Keynes, von dem ich ausgegangen bin, sagt: Das, was man nicht weiß, worüber man keine Auskunft geben kann, das hängt davon ab, wie alle die verborgenen Kräfte sich zusammenfassen — «instruction» und «imagination» nennt er diese Kräfte -, um zu kommen zu einer neuen Anschauung über die Welt. - Geisteswissenschaft will im umfassendsten Sinne das geben; Geisteswissenschaft will dasjenige bringen, wonach gerade die einsichtigen Menschen der Gegenwart schreien müssen, das sie jedoch in dem Augenblick, wo es vor ihre Seelen tritt, für eine Phantasterei halten. Lieber ist es den Menschen heute zu sagen: Da ist wieder einmal einer, der über den Astralleib redet, der über Geist und Unsterblichkeit redet -, als daß sie sich wirklich vertiefen, versenken in dasjenige, was auf dem Gebiete der Geisteswissenschaft aus derselben exakten Methode heraus gesagt werden kann, wie die naturwissenschaftlichen Erkenntnisse selbst gewonnen werden.
[ 35 ] The practical Keynes, from whom I began, says: What one does not know, about which one cannot provide information, depends on how all the hidden forces come together—he calls these forces “instruction” and “imagination”—to arrive at a new view of the world. - Spiritual Science aims to provide this in the broadest sense; Spiritual Science aims to offer precisely what the discerning people of the present day must be crying out for, yet which they regard as mere fantasy the moment it appears before their souls. People today would rather say, “Here’s yet another person talking about the astral body, about the spirit and immortality”—than actually delve deeply into and immerse themselves in what can be said in the field of Spiritual Science using the same precise method by which scientific knowledge itself is gained.
[ 36 ] Merkt man aber, auf welchen Gründen die hier gemeinte Geisteswissenschaft ruht, dann, meine sehr verehrten Anwesenden, dann wird man auch gewahr werden, daß diese Geisteswissenschaft ein bestimmtes Merkmal hat: Sie wirkt nicht nur durch das, was man durch sie weiß, sondern sie ändert die Art und Weise, wie der Mensch denkt. Sie bringt den Menschen zu einer anderen Auffassung über sich selbst. Sie bringt den Menschen zu einem anderen Gefühl über sich und dadurch auch zu einem anderen Gefühl gegenüber dem Nebenmenschen. Geisteswissenschaft bringt den Menschen dazu, daß er vom Geiste aus die wirtschaftlichen Angelegenheiten wieder befruchten kann. Sie führt dazu, daß gefordert werden muß: Dieses Wirtschaftsleben muß als ein drittes Gebiet des sozialen Organismus selbständig da sein, es muß so da sein, daß die wirtschaftlichen Angelegenheiten nur aus wirtschaftlicher Sachlichkeit und wirtschaftlicher Fachkenntnis heraus von den in dieses Wirtschaftsleben hineingewachsenen Persönlichkeiten geordnet werden. Alle Institutionen des Wirtschaftslebens müssen darauf beruhen, daß die Fakten im Wirtschaftsleben durch Fachkenntnis und Sachkenntnis, nicht aber durch Parlamentsbeschlüsse, durch Mehrheitsbeschlüsse zustandekommen. Mehrheitsbeschlüsse haben nur einen Sinn, wenn es sich handelt um dasjenige, was sich abspielt zwischen Menschen, die gleich sind als mündige Menschen.
[ 36 ] But if one considers the foundations upon which the Spiritual Science referred to here rests, then, ladies and gentlemen, one will also come to realize that this Spiritual Science has a distinctive characteristic: It does not merely take effect through what one learns from it, but it changes the very way in which a person thinks. It leads people to a different understanding of themselves. It leads people to a different feeling about themselves and, through this, also to a different feeling toward their fellow human beings. Spiritual Science enables people to once again infuse economic affairs with spiritual insight. It leads to the necessity of demanding that economic life must exist as an independent third sphere of the social organism; it must be structured in such a way that economic affairs are organized solely on the basis of economic objectivity and economic expertise by individuals who have grown into this economic life. All institutions of economic life must be based on the principle that economic realities are shaped by professional expertise and practical knowledge, not by parliamentary resolutions or majority decisions. Majority decisions make sense only when they concern matters that take place between people who are equal as responsible individuals.
[ 37 ] Auf dem Gebiet des Wirtschaftslebens entscheidet Sachkenntnis und Fachkenntnis und Erfahrung. Auf dem Gebiete des Geisteslebens aber entscheiden Anlagen und Fähigkeiten. Beide Gebiete fordern ihre Selbständigkeit. Und in der Mitte drinnen fordert als drittes Glied des sozialen Organismus seine Selbständigkeit alles dasjenige, was sich abspielt in den öffentlichen Verhältnissen aus dem Gemüt, aus Empfindungen und Gefühlen heraus, das aber lebendig angefacht sein muß von dem Geiste, nicht vom Ungeiste. Alles kommt darauf an, daß an die Stelle des Ungeistes der Geist trete. Der Geist wird im Geistesleben selbst die Herrschaft der Phrase besiegen. Der Geist wird durchdringen das Empfindungs- und Gemütsleben so, daß wir ein wirkliches Staats- und Rechtsleben gewinnen. Der Geist wird das Wirtschaftsleben so befruchten, daß dieses selbständige Wirtschaftsleben wirklich anders gedeihen kann als unter dem Einfluß des Ungeistes, unter dem Einfluß der vertrackten, abstrakten marxistischen oder anderen Theorien. Will man diese Theorien zur Wirklichkeit machen, dann entsteht das, was im Osten Europas entstanden ist als die äußerste, radikalste Phase der Zerstörung — der Zerstörung, nicht des Aufbaues.
[ 37 ] In the realm of economic life, expertise, specialized knowledge, and experience are decisive. In the realm of spiritual life, however, innate dispositions and abilities are decisive. Both realms demand their own independence. And in the middle, as the third member of the social organism, everything that takes place in public life—arising from the soul, from sensations and feelings—demands its own independence; yet this must be vividly kindled by the spirit, not by the unspirit. Everything depends on the spirit taking the place of the anti-spirit. The spirit will itself overcome the dominance of empty rhetoric in spiritual life. The spirit will permeate the life of feeling and emotion in such a way that we gain a genuine political and legal life. The Spirit will so enrich economic life that this independent economic life can truly flourish in a way different from how it does under the influence of the unspirit—under the influence of convoluted, abstract Marxist or other theories. If one seeks to turn these theories into reality, then what has arisen in Eastern Europe will emerge—as the most extreme, most radical phase of destruction—destruction, not construction.
[ 38 ] Dreierlei hat die Menschheit ins Auge zu fassen, nicht um Kritik zu üben, sondern um diesem Dreifachen gegenüber in den Tiefen des Menschenwesens und der Menschheit selber dasjenige aufzusuchen, was wirklich zu einem Aufbau führen kann. Das Dreifache ist: die Phrase, die Konvention, die Routine. Zu treten hat an die Stelle der Phrase die Pflege des wirklichen Geisteslebens. Zu treten hat an die Stelle der Konvention die lebendige Empfindung, die nur entsteht, wenn wir, befeuert von geistigen Vorstellungen, als Mensch dem Menschen im Rechts- und Staatsleben gegenübertreten; sonst kommen wir, weil das Geistesleben doch das Befruchtende von allem ist, auch auf dem Gebiet des Rechtslebens zur bloßen Phrase. Sonst kommen wir dahin, zu sprechen wie derjenige Mensch, der angebetet worden ist von der ganzen Welt und der merkwürdige Dinge sagte zum Beispiel über das Recht. Ich meine diesen Woodrow Wilson, den ich mir doch etwas genauer angeschaut habe, so daß ich über ihn nicht spreche wie der Blinde von der Farbe. Da findet sich zum Beispiel in seinem dicken Buche über den Staat, das eigentlich ein Kompendium modernen Phrasentums ist, folgende phrasige Definition: Das Recht ist der Wille des Staates gegenüber dem bürgerlichen Gebaren derjenigen, die unter seiner Autorität stehen.
[ 38 ] Humanity must consider three things—not to offer criticism, but to seek out, in the depths of the human being and of humanity itself, that which can truly lead to reconstruction. These three things are: empty phrases, convention, and routine. The cultivation of a genuine spiritual life must take the place of empty phrases. Convention must be replaced by a living sense of feeling, which arises only when, inspired by mental images, we approach one another as human beings in legal and political life; otherwise, because spiritual life is, after all, the fertilizing force behind everything, we will resort to mere empty phrases even in the realm of legal life. Otherwise, we end up speaking like that man who was adored by the whole world and who said remarkable things, for example, about the law. I am referring to Woodrow Wilson, whom I have examined somewhat more closely, so that I do not speak of him like a blind man speaking of colors. For example, in his thick book on the state—which is actually a compendium of modern empty rhetoric—the following rhetorical definition can be found: “Law is the will of the state as it relates to the civic conduct of those subject to its authority.”
[ 39 ] Nun, meine sehr verehrten Anwesenden, derjenige, der an Wirklichkeit gewohnt ist und weiß, wie der lebendige Wille aus der lebendigen Persönlichkeit heraussprießt - ich möchte wissen, was sich der denken soll, wenn ihm dann dieser Historiker des Staates vorredet: Das Recht ist der Wille des Staates. - In der Zeit, in der dem Men schen der Staat nichts anderes ist als eine äußere Einrichtung des
[ 39 ] Well, my esteemed audience, anyone who is accustomed to reality and knows how the living will springs forth from the living personality—I would like to know what such a person is supposed to think when this historian of the state tells him: “The law is the will of the state.” - In an age when, for human beings, the state is nothing more than an external institution of the
[ 40 ] AI wirtschaftlichen Lebens, redet man, ohne daß man es wirklich weiß, von dem Willen des Staates - in ernsthaft gemeinten Büchern, die allerdings für den wirklich ernsthaften, der Wesenheit zugeneigten Geist Kompendien des modernen Phrasenlebens sind.
[ 40 ] When discussing the economic life of AI, people speak—without really knowing it—of the will of the state—in books written in all seriousness, which, however, for the truly serious mind inclined toward the essence of things, are compendia of modern empty rhetoric.
[ 41 ] Nun, wenn wir das moderne Wirtschaftsleben anschauen geredet wird darüber viel. Aber dieses Wirtschaftsleben selber ist doch im Grunde genommen gar nicht beherrscht von dem, was geredet wird. Auch da geht die Phrase wie ein Hauch oben drüber, und darunter vollzieht sich das wirkliche Wirtschaftsleben. So sehr geht die Phrase darüber, daß die marxistisch-sozialistische Lehre das Phrasenhafte dieser Phrasen empfindet und es «Ideologie» nennt. Sie spürt gewissermaßen, daß der Ungeist herrscht im Wirtschaftsleben, aber sie kommt nicht darauf, an die Stelle des Ungeistes den Geist zu setzen, sondern sie setzt sich als Ideal vor, an die Stelle des Ungeistes, der bisher geherrscht hat, einen anderen Ungeist zu setzen, der in der Zukunft herrschen soll.
[ 41 ] Well, when we look at modern economic life, there’s a lot of talk about it. But this economic life itself is, when it comes down to it, not at all dominated by what is being said. Here, too, the rhetoric floats over it like a breath of air, while real economic life unfolds beneath it. The rhetoric is so pervasive that Marxist-Socialist doctrine perceives the empty nature of these phrases and calls it “ideology.” It senses, as it were, that a “false spirit” reigns in economic life, but it does not occur to it to replace this false spirit with the true spirit; rather, it sets itself the ideal of replacing the false spirit that has reigned until now with another false spirit that is to reign in the future.
[ 42 ] Wahrhaftig, derjenige, der heute hinschauen will auf das, was zum Aufbau führen kann, der muß genau kennen, wie unter der Dreiherrschaft von Phrase, Konvention und Routine der Abbau herbeigeführt worden ist, ja, herbeigeführt worden ist die Schrekkenszeit der letzten fünf bis sechs Jahre. Über das, was man finden muß, wenn man gesund durchschaut diese Dreiherrschaft, werde ich versuchen, übermorgen zu sprechen. Aber es mußte dieser Vortrag heute den anderen vorausgehen aus dem Grunde, weil nur derjenige einsehen kann, was dem kommenden Tag notwendig ist, der genau hinzusehen vermag auf das, was die Zerstörung herbeigeführt hat. Es genügt heute wahrhaftig nicht, bloß darauf hinzuweisen, daß irgendwie die Kräfte sich umwandeln müssen zu einer neuen «Belehrung», zu einer neuen «Imagination». Es ist heute schon notwendig, daß man auf diese lebendigen Quellen des Geistes hinweist.
[ 42 ] Truly, anyone who today wishes to look at what can lead to reconstruction must know exactly how, under the triarchy of rhetoric, convention, and routine, the process of decay was brought about—indeed, how the era of terror of the last five to six years was brought about. I will try to speak the day after tomorrow about what one must discover in order to gain a clear understanding of this triumvirate. But this lecture today had to precede the others for the reason that only those who are able to look closely at what brought about the destruction can understand what is necessary for the days to come. It is truly not enough today merely to point out that the forces must somehow be transformed into a new “instruction,” into a new “imagination.” It is already necessary today to point to these living sources of the spirit.
[ 43 ] Nun, da ich gewissermaßen meine Zeit längst abgesprochen habe, darf ich vielleicht noch durch ein paar Minuten ein kleines Anhängsel machen zu dem, was ich heute gesagt habe. Es ist etwas, das gewissermaßen an einem naheliegenden Beispiel zeigt, wie heute dasjenige unter den Menschen aufgenommen wird, was sich bestrebt, diese Zeit zu durchschauen und zu gleicher Zeit nach den Bedingungen Ausblick hält, welche dazu führen können, aus der Zerstörung zu einer Art von Aufbau zu kommen. Aber wollte ich ausführlich über das reden, worauf ich jetzt mit ein paar Worten kommen will, müßte ich einen langen Vortrag halten, denn es ist sehr, sehr viel.
[ 43 ] Now that I have, so to speak, long since used up my allotted time, perhaps I may take a few more minutes to add a brief postscript to what I have said today. It is something that, using a readily understandable example, illustrates how people today receive those who strive to understand the nature of our times and, at the same time, look ahead to the conditions that could lead us from destruction to a form of reconstruction. But if I were to speak at length about what I now wish to touch upon briefly, I would have to give a long lecture, for there is very, very much to say.
[ 44 ] Als ich das letzte Mal hier von Stuttgart fortfuhr, hörte ich gerade noch im Abreisen, daß allerlei Verleumdungen über meine eigene Person und über diejenigen, die verbunden sind in ihrem sachlichen Wirken mit mir, im Umlauf sind. Es zeigte sich sehr bald, daß diese Verleumdungen mit außerordentlichem Raffinement ausgeführt sind, indem sich die Denunzianten einen richtigen Zeitpunkt gewählt haben. Ich konnte dann erfahren, daß diese Denunziation, diese Verleumdung gebaut ist sogar auf Briefe, die gefälscht sind, die so aufgefaßt werden können, als ob sie von mir selber geschrieben wären; mit diesen Briefen will man Dinge beweisen, die von mir oder von den Leuten des Bundes für Dreigliederung des sozialen Organismus ausgehen. Ja, man hatte nicht einmal ein Schamgefühl gegenüber der Verleumdung, die darin lag zu sagen, daß es zu meinen Mafßßnahmen gehöre, dazu beizutragen, Deutsche auszuliefern an die Entente, und sich dabei auf von mir selbst geschriebene Briefe berief.
[ 44 ] The last time I left Stuttgart, just as I was departing, I heard that all sorts of slanderous rumors were circulating about me personally and about those who are associated with me in our work. It soon became apparent that these slanders were carried out with extraordinary cunning, as the accusers had chosen the right moment. I then learned that this denunciation, this slander, is even based on letters that are forged—letters that can be interpreted as if they had been written by me myself; these letters are being used to prove things that are attributed to me or to the members of the Society for the Threefold Social Order. Indeed, they did not even have a shred of shame regarding the slander contained in the claim that it was part of my measures to contribute to the extradition of Germans to the Entente, while citing letters written by me.
[ 45 ] Sehr verehrte Anwesende, mir ist das persönlich nur ein Beispiel, wie heute Leute behandelt werden, die sich ehrlich bestreben, nach Wahrheit zu forschen und die nicht davor zurückschrecken, das zu sagen, was heute zum Abbau und nicht zum Aufbau führt. Aber es ist ja selbstverständlich, daß solchen Schmutzfinken, die dergleichen in die Welt setzen, eigentlich auf irgendeine Weise das Handwerk gelegt werden müßte. Man kommt ihnen aber nicht bei. Es gibt keine rechtlichen Mittel; Widerlegungen haben keinen Wert aus dem Grunde, weil die Leute selber ja wissen, daß das erlogen ist, was sie verbreiten. Sie verbreiten es ja nicht aus dem Grunde, um die Wahrheit zu sagen, sondern um denjenigen, der ihnen unbequem ist, aus dem Wege zu räumen. Es handelt sich solchen Leuten nicht darum, etwas zu sagen, was sie glauben, sondern darum, etwas aufzubringen, was dem Betreffenden möglichst in den Augen derer, die kein Urteil haben, schaden kann. Ich habe solches zu erleben seit vielen Jahren, wenn auch nicht mit diesem Raffinement, wie es in der letzten Zeit aufgetreten ist. Ich habe keine Freude daran, mich mit derlei schmutzigen Leuten einzulassen und ihre schmutzige Wäsche anzufassen.
[ 45 ] Ladies and gentlemen, to me personally, this is just one example of how people are treated today who sincerely strive to seek the truth and who do not shy away from saying what leads to destruction rather than construction. But it goes without saying that such scoundrels, who spread such things, really ought to be stopped in some way. Yet one cannot get the better of them. There are no legal means; refutations are worthless because these people themselves know full well that what they are spreading is a lie. After all, they do not spread it to tell the truth, but to get rid of anyone who is inconvenient to them. Such people are not concerned with saying what they believe, but with coming up with something that can harm the person in question as much as possible in the eyes of those who lack judgment. I have been experiencing this for many years, though not with the same sophistication as has been evident recently. I take no pleasure in getting involved with such dirty people and dealing with their dirty laundry.
[ 46 ] Ich liebe es auch nicht, wenn von einer gewissen klerikalen Seite - eine solche ist schon durchaus auch unter den Leuten, denen es nicht auf die Wahrheit ankommt - verbreitet worden ist vor Jahren, ich sei ein aus der katholischen Kirche entsprungener Priester. Solche Menschen haben dann, wenn ihnen so knüppeldicke Unwahrheiten nachgewiesen werden, kein anderes Wort als das, was der betreffende Herr in einer angesehenen klerikalen Zeitschrift geschrieben hatte: Die Behauptung, daß Dr. Steiner einmal Priester gewesen ist, läßt sich nach neueren Erkundigungen nicht mehr halten. - Damit glauben die Menschen dasjenige, wodurch sie zahlreiche Seelen angesteckt haben, wiederum gutzumachen. Man macht es damit nicht gut. Es handelt sich darum, daß gegenüber derlei Gebaren schon einmal die Gesinnung Platz greifen muß, die vor vielen Jahren einmal der österreichische Parlamentarier Graf Walterskirchen der Regierung entgegengehalten hat: Wer einmal gelogen hat, dem glaubt man nicht, und wenn er hundertmal die Wahrheit sagt. - Nun, das ist ein Beispiel. Diejenigen, welche derlei in die Welt setzen, sind eben nichts anderes als Vertreter objektiver Unwahrheiten, und meiner Vermutung nach - weil ich glaube, daß sie das auch wissen — Lügner. Es muß das einmal öffentlich gesagt werden: An der ganzen Verleumdung ist nichts anderes dran, als daß sie von vorne bis hinten eine völlig erlogene Sache ist.
[ 46 ] I also don’t like it when a certain clerical faction—and such a faction certainly exists even among people who don’t care about the truth—spread the rumor years ago that I was a priest who had left the Catholic Church. When such blatant falsehoods are proven to them, these people have no other response than what the gentleman in question wrote in a respected clerical journal: “According to recent inquiries, the claim that Dr. Steiner was once a priest can no longer be sustained.”—With this, they believe they can make amends for the very thing through which they have infected numerous souls. This does not make up for it. The point is that, in the face of such behavior, the attitude must take hold that the Austrian parliamentarian Count Walterskirchen once held up to the government many years ago: “Once a liar, always a liar—no one believes him, even if he tells the truth a hundred times.” - Well, that is one example. Those who put such things out into the world are nothing more than purveyors of objective falsehoods, and in my opinion—because I believe they know this as well—liars. It must be said publicly once and for all: There is nothing to this entire smear campaign other than the fact that it is a complete fabrication from start to finish.
[ 47 ] Das zweite, womit heute immer wieder und wiederum hausieren gegangen wird, ist die Aufwärmung einer Jesuitenlüge, die schon vor vielen Jahren aufgetreten ist. Ich werde hier gewiß nichts zum Pro und Contra des Antisemitismus sagen. Ich äußere mich hier nicht über diese Weltanschauung. Aber immer wieder und wiederum wird von gewissen Leuten, weil sie wissen, daß sie dabei auf ihre Rechnung kommen, die Lüge verbreitet, ich sei Jude; irgendwie wird immer wiederum von irgendeiner Ecke darauf hingewiesen. Ich habe damals, als von jesuitischer Seite zuerst dieses System praktiziert worden ist, meinen Taufschein fotografieren lassen, und ich habe noch heute ganz kleine Fotografien meines Taufscheines, die ich jedem, der sie sehen will, vorweisen kann. Aber ich glaube nicht, daß man mit solch einem Dokument gegen die Seiten etwas machen kann, die eigentlich dabei in Betracht kommen. Unter denjenigen, die dieses komische Märchen von meinem Judentum aufgebracht haben, befindet sich auch der «Semi-Kürschner». Darin wird meine ganze Biographie so frisiert, daß daraus hervorgehen soll, daß ich irgendwie von jüdischer Abstammung sei. Das, was ich in meiner Abstammung verfolgen kann, ist allein dieses, daß alle meine Vorfahren mütterlicher- und väterlicherseits aus dem niederösterreichischen Bauernstand hervorgegangen sind. Mein Vater hat einem wahrhaftig nicht-jüdischen Institut gedient, nämlich dem Kloster und Stift Geras in Niederösterreich, was ein Prämonstratenser-Stift ist. Die Prämonstratenser-Stiftleute haben ihn gerne gehabt und haben ihm sogar ein Stipendium gegeben zur Ausbildung für die ersten Klassen des Gymnasiums. Dann wurde er später österreichischer Eisenbahnbeamter, aber kein Staatsbeamter, sondern Privatbeamter. Aber ebensogut, wie nachgewiesen werden kann, daß diese Vorfahren väterlicherseits so wenig jüdisch waren, daß sie Diener eines gut katholischen Klosters waren, ebensogut kann das bei allen Vorfahren mütterlicherseits, soweit sie mir zugänglich sind, erwiesen werden. Aber ich glaube nicht einmal, daß man mit solch einer Sache gegenüber diesen Seiten, die mit diesen erlogenen Dingen wirtschaften, etwas ausmachen kann. Denn unter denjenigen Persönlichkeiten, die in dem «Semi-Kürschner» aufgeführt sind als Juden, ist ja auch eine Persönlichkeit, die ja in der neueren Zeit sogar eine kleine Annäherung an den Jesuitismus vollzogen hat, Hermann Bahr. Seine Biographie ist auch so frisiert, daß man glauben könnte, er sei irgendwie jüdischer Abstammung. Nun konnte er aber damit aufwarten, daß zwölf seiner Vorfahren richtige oberösterreichische Bauern, nicht jüdische oder dergleichen waren. Als das ganz dokumentarisch nachgewiesen werden konnte, da wendete die Redaktion des «Semi-Kürschner», die durchaus in der Reihe drinnensteht, von der solche Dinge kommen, ein: Nun ja, gut, wir wollen glauben, daß die zwölf Ahnen durchaus allem Judentum fernestehen. Dann glauben wir aber an die Reinkarnation und glauben, daß Hermann Bahr in früheren irdischen Verkörperungen Jude war.
[ 47 ] The second thing that is being peddled over and over again today is the rehash of a Jesuit lie that surfaced many years ago. I certainly will not comment here on the pros and cons of anti-Semitism. I will not comment here on this worldview. But time and again, certain people—knowing that it serves their interests—spread the lie that I am Jewish; somehow, this is constantly being pointed out from one corner or another. Back when this tactic was first employed by the Jesuits, I had my baptismal certificate photographed, and to this day I still have very small photographs of it that I can show to anyone who wishes to see them. But I do not believe that such a document can do anything against the parties who are actually involved in this. Among those who have concocted this ridiculous fairy tale about my Jewishness is “Semi-Kürschner.” In it, my entire biography is so distorted as to suggest that I am somehow of Jewish descent. The only thing I can trace in my ancestry is that all my ancestors, on both my mother’s and father’s sides, came from the peasantry of Lower Austria. My father served a truly non-Jewish institution, namely the Geras Monastery and Abbey in Lower Austria, which is a Premonstratensian abbey. The Premonstratensian monks were fond of him and even gave him a scholarship to attend the first few grades of high school. He later became an Austrian railroad official—not a government employee, but a private-sector employee. But just as it can be proven that these paternal ancestors were so far from being Jewish that they were servants of a devoutly Catholic monastery, so too can this be proven for all my maternal ancestors, as far as I am able to ascertain. But I do not even believe that one can make much of a case with such evidence against those who peddle these fabricated claims. For among the figures listed as Jews in the *Semi-Kürschner* is also a figure who, in more recent times, has even made a slight move toward Jesuitism: Hermann Bahr. His biography is also embellished in such a way that one might believe he is somehow of Jewish descent. However, he was able to demonstrate that twelve of his ancestors were genuine Upper Austrian farmers, not Jews or anything of the sort. When this could be proven with documentary evidence, the editorial staff of the *Semi-Kürschner*—which certainly belongs to the category from which such things originate—objected: Well, all right, let’s assume that these twelve ancestors were indeed completely unrelated to Judaism. But then we’ll also believe in reincarnation and assume that Hermann Bahr was Jewish in his previous earthly incarnations.
[ 48 ] Sie sehen, mit Gedanken, mit Widerlegungen ist dieser Seite nicht beizukommen. Es müssen schon ganz andere Wege gefunden werden. Ich glaube aber nicht, daß ein anderer, wirklich zum Ziele führender Weg gefunden werden kann, als daß nach und nach die Zahl der vernünftig und anständig denkenden Menschen immer größer und größer werde gegenüber denen, die, um ihre Mitmenschen zu verleumden, in Schmutz waten wollen. Ich glaube nicht, daß sich Unanständigkeit durch irgend etwas anderes besiegen läßt als durch die anständig denkenden Menschen. Weder mit Gerichtsverhandlungen noch mit Widerlegungen kommt man zurecht, sondern nur dadurch, daß sich möglichst viele Menschen finden, die Sinn für Anstand haben.
[ 48 ] As you can see, this side of the argument cannot be countered with reasoning or refutations. We must find entirely different approaches. However, I do not believe that any other path can be found that truly leads to the goal, other than gradually increasing the number of reasonable and decent-minded people in contrast to those who are willing to wallow in filth in order to slander their fellow human beings. I do not believe that indecency can be defeated by anything other than decent-minded people. Neither court proceedings nor rebuttals will suffice; the only way is for as many people as possible who have a sense of decency to come together.
[ 49 ] Und es muß schon einmal öffentlich gesagt werden: Auch solche Dinge, wie ich sie jetzt vorführen mußte, gehören zu dem, was in unserer Zeit kommt von dem Eindringen des Ungeistes in die Lebenswirklichkeiten anstelle des Geistes. Aber alles, was heute so furchtbar zerstörend unter der Menschheit wirkt, es zielt nach dem einen hin, das zusammengefaßt werden muß in die Worte: Gar sehr hat die Menschheit notwendig, insbesondere aber hat es der deutsche Geist notwendig, an die Stelle des Ungeistes, an die Stelle des materialistischen Ungeistes, den Geist zu setzen, denn der Ungeist, er muß besiegt werden, wenn wir wieder Aufbau haben wollen, wenn wir wieder Menschheitsfortschritt haben wollen. Und den Ungeist wird allein der Geist, der wahre Geist besiegen.
[ 49 ] And it must be said publicly at least once: Even things such as those I have just had to demonstrate are part of what is happening in our time as a result of the intrusion of the “un-spirit” into the realities of life in place of the Spirit. But everything that is having such a terribly destructive effect on humanity today is aimed at one thing, which must be summed up in the words: Humanity—and the German spirit in particular—has a vital need to replace the unspirit, the materialistic unspirit, with the Spirit, for the unspirit must be defeated if we are to rebuild, if we are to achieve human progress once more. And the unspirit will be defeated only by the Spirit, the true Spirit.
