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Anthroposophy, Social Threefolding
and Public Speaking
Orientation Course
GA 339

13 October 1921, Dornach

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Dritter Vortrag

Third Lecture

[ 1 ] Es wird sich, zu den Aufgaben, die man sich auf einem bestimmten Gebiete als Redner stellen kann, darum handeln, den Stoff, den man zu behandeln hat, in der entsprechenden Weise zunächst selber zu durchdringen. Es gibt eine zweifache Durchdringung des Stoffes, insofern die Mitteilung über diesen Stoff durch das Reden in Betracht kommt. Das erste ist, sich den Stoff für eine entsprechende Rede anzueignen so, daß man ihn gliedern kann, daß man gewissermaßen in die Lage versetzt ist, der Rede eine Komposition zu geben. Ohne Komposition kann eine Rede eigentlich nicht verstanden werden. Es kann dem Zuhörer an einer nichtkomponierten Rede das eine oder das andere gefallen; aber in Wirklichkeit aufgenommen wird eine nichtkomponierte Rede nicht. Insofern die Vorbereitung in Betracht kommt, muß es sich daher darum handeln, daß man einsieht: Jede Rede muß unbedingt schlecht werden in bezug auf die Aufnahme durch die Zuhörer, welche nur so entstanden ist, daß man einfach eine Ausführung nach der anderen, einen Satz nach dem anderen sich vorgestellt hat und eines nach dem anderen in der Vorbereitung gewissermaßen durchgenommen hat. Ist man nicht in der Lage, wenigstens in irgendeinem Stadium der Vorbereitung die ganze Rede als ein Ganzes zu überschauen, dann kann man eigentlich nicht auf Verstandenwerden rechnen. Hervorgehenlassen die ganze Rede gewissermaßen aus einem umfassenden Gedanken, den man gliedert, und Entstehenlassen der Komposition dadurch, daß man von einem solchen einheitlichen, das Ganze der Rede umfassenden Gedanken ausgeht, das ist das erste.

[ 1 ] Among the tasks a speaker may set for himself in a particular field is, first and foremost, to thoroughly grasp the subject matter to be addressed in an appropriate manner. There are two aspects to this grasping of the subject matter, insofar as communicating it through speech is concerned. The first is to master the material for a given speech in such a way that one can structure it—that one is, so to speak, enabled to give the speech a coherent composition. Without a coherent composition, a speech cannot truly be understood. The listener may find one aspect or another of an unstructured speech appealing; but in reality, an unstructured speech is not truly received. Insofar as preparation is concerned, one must therefore realize this: Any speech is bound to be poorly received by the audience if it was prepared merely by creating mental images of one point after another, one sentence after another, and going through them one by one during preparation. If one is not able, at least at some stage of preparation, to survey the entire speech as a whole, then one cannot really expect to be understood. The first step is to, so to speak, let the entire speech emerge from a comprehensive idea that one structures, and to allow the composition to take shape by proceeding from such a unified idea that encompasses the whole of the speech.

[ 2 ] Das andere ist das Zu-Rate-Ziehen aller Erfahrungen, die man für das Gebiet der Rede aus dem unmittelbaren Leben heraus haben kann, also möglichst in die Erinnerung rufen alles dasjenige, was man in der betreffenden Sache unmittelbar erlebt hat, und versuchen, nachdem man eine Art Komposition der Rede vor sich hat, die Erfahrungen in diese Komposition da oder dort hineinfließen zu lassen.

[ 2 ] The other approach is to draw upon all the experiences one can draw from one’s immediate life for the subject of the speech—that is, to recall as much as possible everything one has directly experienced in the matter at hand—and, once one has a rough outline of the speech, to try to weave those experiences into the composition here and there.

[ 3 ] Das wird im allgemeinen die Skizze zum Vorbereiten sein. Man hat also dann in der Vorbereitung das Ganze der Rede vor sich wie in einem Tableau. Und so genau hat man dieses Tableau vor sich, daß man, wie es ja naturgemäß sein wird, die einzelnen Erfahrungen, an die man sich erinnert, in beliebiger Weise dahin oder dorthin unterbringen kann, wie wenn man auf dem Papier aufgeschrieben hätte: a, b, c, d, und man nun eine Erfahrung hätte; man weiß, sie gehört unter d, eine andere unter f, eine andere gehört unter a, so daß man also gewissermaßen von der Folge der Gedanken, wie sie nachher vorgebracht werden sollen, in bezug auf dieses Aufsammeln der Erfahrungen unabhängig ist. Ob man so etwas macht, indem man es zu Papier bringt, oder ob man es in freier Verarbeitung ohne Zuhilfenahme des Papiers macht, davon wird ja nur abhängen, daß derjenige, der auf das Papier angewiesen ist, eben schlechter reden wird, und derjenige, der auf das Papier nicht angewiesen ist, etwas besser reden wird. Aber man kann natürlich durchaus beides machen.

[ 3 ] This will generally serve as the outline for preparation. So during preparation, you have the entire speech laid out before you as if in a tableau. And this tableau is so clear in your mind that, as is only natural, you can place the individual experiences you recall wherever you like—just as if you had written them down on paper: a, b, c, d—and now you had an experience; you know it belongs under d, another under f, and yet another under a—so that, in a sense, you are independent of the sequence of thoughts as they are to be presented later, with regard to this gathering of experiences. Whether one does this by putting it down on paper or by processing it freely without the aid of paper will simply mean that the person who relies on paper will speak less well, and the person who does not rely on paper will speak somewhat better. But of course, one can certainly do both.

[ 4 ] Nun handelt es sich aber darum, daß man noch ein Drittes absolviert, und das ist, nachdem man auf der einen Seite das Ganze hat ich sage niemals: das Gerippe hat — und auf der anderen Seite die einzelnen Erfahrungen, hat man nötig, die Ideen, die sich ergeben, so weit auszuarbeiten, daß diese Dinge bis zur vollständigsten eigenen inneren Befriedigung vor der Seele stehen können.

[ 4 ] The point, however, is that one must accomplish a third step as well: once one has, on the one hand, the whole—I would never say “the framework”—and, on the other hand, the individual experiences, one must develop the ideas that arise to such an extent that these things can stand before the soul to one’s fullest inner satisfaction.

[ 5 ] Nehmen wir also als Beispiel an, wir wollten eine Rede halten über Dreigliederung. Hier werden wir uns sagen: Nach einer Einleitung, über die werden wir noch sprechen, und vor einem Schlusse, über den wir auch noch sprechen, ist eigentlich die Komposition einer solchen Rede durch die Sache selbst gegeben. Der einheitliche Gedanke ist durch die Sache selbst gegeben. Ich sage das bei diesem Beispiel. Wenn man ordentlich geistig lebt, so gilt das eigentlich für jeden einzelnen Fall, es silt für alles gleich. Aber nehmen wir dieses uns naheliegende Beispiel der Dreigliederung des sozialen Organismus, über die wir reden wollen. Da ist von vornherein das gegeben, daß uns die Behandlung unseres Themas drei Glieder ergibt. Wir werden zu behandeln haben das Wesen des geistigen Lebens, das Wesen des rechtlich-staatlichen Lebens und das Wesen des wirtschaftlichen Lebens.

[ 5 ] Let’s take, for example, a speech on the threefold social order. Here we will say to ourselves: After an introduction—which we will discuss later—and before a conclusion—which we will also discuss later—the structure of such a speech is actually determined by the subject matter itself. The unified idea is determined by the subject matter itself. I say this in relation to this example. If one lives a properly spiritual life, this actually applies to every single case; it is the same for everything. But let us take this obvious example of the threefold structure of the social organism, which we wish to discuss. It is given from the outset that the treatment of our topic yields three parts. We will have to address the nature of spiritual life, the nature of legal and political life, and the nature of economic life.

[ 6 ] Nun wird es sich allerdings darum handeln, daß wir durch eine entsprechende Einleitung — über die wir, wie gesagt, noch reden werden — eine Empfindung davon hervorrufen bei den Zuhörern, daß es überhaupt einen Sinn hat, über diese Dinge, über eine Wandlung in diesen Dingen, in der Gegenwart zu sprechen. Dann aber wird es sich darum handeln, nicht gleich etwa von Erklärungen auszugehen, was zu verstehen ist unter einem freien Geistesleben, unter einem auf Gleichheit begründeten rechtlich-staatlichen Leben, unter einem auf Assoziationen begründeten Wirtschaftsleben, sondern man wird hinführen müssen zu diesen Dingen. Und da wird man hinführen müssen dadurch, daß man anknüpft an dasjenige, was zunächst in allerhervorragendstem Maße über die drei Glieder des sozialen Organismus in der Gegenwart vorhanden ist, was also am intensivsten durch den Menschen der Gegenwart bemerkt werden kann. Nur dadurch wird man ja an Bekanntes anknüpfen.

[ 6 ] Now, however, the task will be to use an appropriate introduction—which, as I said, we will discuss later—to evoke in the audience a sense that it makes sense at all to speak about these things, about a transformation in these things, in the present. But then the task will be not to start right away with explanations of what is meant by a free spiritual life, by a legal and political life based on equality, or by an economic life based on associations; rather, we will have to lead the audience toward these concepts. And one will have to lead people there by building upon what is currently present to the highest degree in the three members of the social organism—that is, what can be perceived most intensely by people today. Only in this way will one be able to build upon what is already familiar.

[ 7 ] Nehmen wir an, wir hätten ein Publikum, und ein solches Publikum kann uns ja am angenehmsten und am sympathischsten sein, das zusammengemischt wäre aus bürgerlicher Bevölkerung, aus proletarischer Bevölkerung — diese wiederum mit allen möglichen Nuancen -, und wenn dann natürlich auch ein paar Adelige dabei sind, schweizerische Adelige sogar, so schadet das natürlich durchaus nichts. Nehmen wir also an, wir hätten so ein aus allen Gesellschaftsklassen durcheinandergewürfeltes Publikum. Ich betone das aus dem Grunde, weil man eigentlich als Redner dieses immer erfühlen soll, zu wem man zu sprechen hat, bevor man an das Sprechen herangeht. Man sollte sich schon lebendig in die Situation nach dieser Richtung hineinversetzen.

[ 7 ] Let’s assume we have an audience—and such an audience can indeed be the most pleasant and likable—that is a mixed group of middle-class and working-class people—the latter, in turn, with all sorts of nuances—and if, of course, there are also a few aristocrats present, even Swiss aristocrats, that certainly does no harm at all. So let’s assume we have an audience like this, a jumble of people from all social classes. I emphasize this because, as a speaker, one should always try to sense who one is speaking to before beginning to speak. One should really put oneself in that situation with a vivid sense of it.

[ 8 ] Nun, was wird man sich selber zunächst sagen müssen über dasjenige, woran man bei dem heutigen Publikum anknüpfen kann in bezug auf den dreigliedrigen sozialen Organismus? Man wird sich sagen: An Begriffe des Bourgeoispublikums läßt sich zunächst außerordentlich schwer anknüpfen, weil sich die Bourgeoisie über soziale Verhältnisse in der neueren Zeit außerordentlich wenig Vorstellungen gemacht hat, weil sie gewissermaßen gedankenlos in bezug auf das soziale Leben dahinvegetiert hat. Es würde immer einen akademischen Eindruck machen, wenn man aus dem Gedankenkreis eines bürgerlichen Publikums heute reden wollte über diese Dinge. Andererseits aber wird man sich doch darüber klar sein können, daß über alle drei Gebiete des sozialen Organismus innerhalb der proletarischen Bevölkerung außerordentlich ausgeprägte Begriffe vorhanden sind, auch ausgeprägte Empfindungen, und auch ein ausgeprägtes soziales Wollen. Und es bedeutet das gerade die Signatur unserer heutigen Zeit, daß eben innerhalb der proletarischen Bevölkerung diese ausgebildeten Begriffe da sind.

[ 8 ] Well, what must one first tell oneself about what can be used as a starting point with today’s audience regarding the threefold social organism? One will say to oneself: It is extremely difficult to build upon the concepts of the bourgeois audience at first, because the bourgeoisie has formed very few mental images about social conditions in recent times, because it has, so to speak, vegetated thoughtlessly with regard to social life. It would always come across as academic if one were to speak about these things today from the perspective of a bourgeois audience. On the other hand, however, one can surely recognize that within the proletarian population there exist exceptionally well-developed concepts regarding all three areas of the social organism, as well as strong feelings and a pronounced social will. And it is precisely the hallmark of our present age that these well-developed concepts exist within the proletarian population.

[ 9 ] Diese Begriffe sind dann aber allerdings von uns mit großer Vorsicht zu behandeln, denn wir werden sehr leicht das Vorurteil hervorrufen, daß wir nach der proletarischen Richtung hin parteiisch sein wollen. Dieses Vorurteil sollen wir durch die ganze Art und Weise unseres Auftretens eigentlich bekämpfen. Wir werden ja allerdings sehen, daß wir uns, wenn wir von proletarischen Begriffen ausgehen, zunächst schweren Mißverständnissen aussetzen. Diese Mißverständnisse haben sich ja in der Tat fortwährend ergeben in der Zeit, als noch in Mitteleuropa gewirkt werden konnte, so vom April 1919 ab, für die Dreigliederung des sozialen Organismus. Eine bürgerliche Bevölkerung hört nur das, was sie durch Jahrzehnte aus dem agitatorischen Auftreten des Proletariats empfunden hat, heraus aus bestimmten Begriffen. Wie man die Sache selbst meint, das wird zunächst fast gar nicht aufgefaßt.

[ 9 ] However, we must treat these terms with great caution, for we could very easily give rise to the prejudice that we are biased toward the proletarian perspective. We should actually combat this prejudice through the very manner in which we present ourselves. We will, of course, see that if we start from proletarian concepts, we will initially expose ourselves to serious misunderstandings. These misunderstandings did, in fact, arise continuously during the period when it was still possible to work in Central Europe—beginning in April 1919—for the threefold social order. A bourgeois population hears in certain terms only what it has perceived over decades from the agitational behavior of the proletariat. How one actually intends the matter is, at first, hardly understood at all.

[ 10 ] Man muß sich klar sein darüber, daß das Wirken in der Welt überhaupt im Sinne, möchte ich sagen, der Weltenordnung erfaßt werden muß. Die Weltenordnung ist so — Sie brauchen nur bei den Fischen im Meer nachzusehen -, daß sehr, sehr viele Fischkeime abgelegt werden und nur wenige zu Fischen werden. Das muß so sein. Aber mit dieser Naturtendenz müssen Sie auch an die Aufgaben herangehen, welche von Ihnen als Redner zu lösen sind: Wenn sich auch nur ganz wenige, und diese wenig angeregt, zunächst finden bei der ersten Rede, dann ist eigentlich schon ein Maximum desjenigen erreicht, was erreicht werden kann. Es handelt sich ja bei Dingen, für die man so drinnensteht im Leben wie etwa für die Dreigliederung des sozialen Organismus, darum, daß dann dasjenige, was auf rednerischem Wege geleistet werden kann, eben niemals fallengelassen werden darf, sondern aufgefangen werden muß und auf irgendeine Weise fortgebildet werden muß, sei es durch weitere Reden, sei es in irgendeiner anderen Weise, Man kann sagen: Keine Rede ist eigentlich vergeblich, welche aus dieser Gesinnung heraus gehalten wird und an die sich eben dann das Nötige anschließt.

[ 10 ] One must be clear that one’s work in the world must be understood, I would say, in terms of the order of the world. The order of the world is such—you need only look at the fish in the sea—that a great, great many fish eggs are laid, yet only a few develop into fish. It must be this way. But you must also approach the tasks you are called upon to solve as a speaker with this natural tendency in mind: Even if only a very few—and those with little enthusiasm—are present at the very first speech, then you have actually already achieved the maximum of what can be achieved. After all, when it comes to matters one is so deeply committed to in life—such as the threefold structure of the social organism—what can be accomplished through public speaking must never be abandoned, but must be taken up and developed further in some way, whether through further speeches or in some other manner. One can say: No speech is truly in vain if it is delivered with this spirit and is followed by the necessary action.

[ 11 ] Aber man muß sich völlig klar darüber sein, daß man auch bei einer proletarischen Bevölkerung eigentlich, wenn man gerade aus dem heraus spricht, was sie heute denkt im Sinne ihrer Theorien, wie sie seit Jahrzehnten bestehen, daß man auch da durchaus mißverstanden wird. Man kann sich nicht etwa die Frage stellen: Wie macht man es nun, damit man nicht mißverstanden wird? — Man muß es nur richtig machen! Aber darum kann es sich gar nicht handeln, sich etwa die Frage vorzulegen: Wie macht man es denn, damit man nicht mißverstanden wird? — Sie ist nicht schwer zu lösen, die Frage: Wie macht man es, damit man nicht mißverstanden wird? — Man sagt den Leuten, was sie ohnedies schon gedacht haben! Man tradiert ihnen irgendwie Marxismus oder so etwas. Dann wird man natürlich verstanden.

[ 11 ] But one must be absolutely clear that even when speaking to a proletarian population—especially when speaking directly from the perspective of what they think today in terms of their theories, as they have existed for decades—one will still be completely misunderstood. One cannot simply ask oneself: How does one go about it so as not to be misunderstood? — One must simply do it right! But the point is not at all to ask oneself: “How does one go about it so as not to be misunderstood?”—It is not difficult to answer the question: “How does one go about it so as not to be misunderstood?”—You tell people what they have already been thinking anyway! You pass on Marxism or something like that to them in some way. Then, of course, you will be understood.

[ 12 ] Aber es liegt ja kein Interesse vor, in dieser Weise verstanden zu werden. Sonst wird man ja sehr bald die folgende Erfahrung machen — über diese Erfahrung muß man sich völlig klar sein —: Redet man heute zu einer Proletarierversammlung so, daß sie wenigstens die Terminologie verstehen kann — und das muß man anstreben —, dann wird man, insbesondere in der Diskussion, bemerken, daß diejenigen, die diskutieren, nichts verstanden haben. Die anderen lernt man meistens nicht kennen, weil sie sich nicht an den Diskussionen beteiligen. Die nichts verstanden haben, beteiligen sich gewöhnlich nach solchen Reden an den Diskussionen. Und bei denen wird man eben etwas bemerken, was in der folgenden Linie liegt. Unzählige Reden habe ich selber gehalten über die Dreigliederung des sozialen Organismus vor, wie man es in Deutschland nennt, «Mehrheits-Sozialdemokraten», unabhängigen «Sozialdemokraten», Kommunisten und so weiter. Nun, man wird da bemerken: Wenn sich nun jemand in der Diskussion hinstellt und glaubt, reden zu können, so ist es ja meistens so, daß er einem antwortet, als ob man eigentlich gar nicht geredet hätte, sondern als ob irgend jemand geredet hätte so, wie man ungefähr als sozialdemokratischer Agitator vor dreißig Jahren in Volksversammlungen geredet hätte. Man fühlt sich plötzlich ganz verwandelt. Man sagt sich ungefähr: Ja, sollte dir denn das Malheur passiert sein, daß du besessen warst in diesem Momente von dem alten Bebel? Denn so wird dir ja eigentlich entgegengetreten! Die Betreffenden hören selbst physisch nichts anderes, als was sie gewohnt sind, seit Jahrzehnten zu hören. Selbst physisch hören sie sonst nichts — nicht etwa bloß seelisch -, selbst physisch hören sie nur, was sie lange gewohnt sind. Und dann sagen sie: Ja, eigentlich hat uns der Vortragende gar nichts Neues gesagt! — Denn sie haben, weil man genötigt war, die Terminologie zu gebrauchen, sofort schon im Ohr — nicht erst in der Seele — den ganzen Zusammenhang der Terminologie übersetzt in das, was sie seit langem gewohnt gewesen sind. Und dann reden sie weiter fort im Sinne dessen, was sie seit langem gewohnt gewesen sind.

[ 12 ] But there is, of course, no interest in being understood in this way. Otherwise, one will very soon have the following experience—and one must be fully aware of this experience—: If one speaks today at a proletarian assembly in such a way that the audience can at least understand the terminology—and that is what one must strive for—then one will notice, especially during the discussion, that those who are participating in the discussion have understood nothing. One usually does not get to know the others, because they do not take part in the discussions. Those who have understood nothing usually participate in the discussions following such speeches. And with them, one will notice something along the following lines. I myself have given countless speeches on the threefold social order to what are called in Germany “majority Social Democrats,” independent “Social Democrats,” Communists, and so on. Well, you’ll notice this: When someone stands up in the discussion and thinks they can speak, it’s usually the case that they respond as if you hadn’t actually spoken at all, but as if someone else had spoken in the manner of a Social Democratic agitator at public meetings thirty years ago. You suddenly feel completely transformed. You find yourself thinking something like: “Well, did you happen to have the misfortune of being possessed by the old Bebel at that very moment? Because that’s exactly how you’re being confronted!” The people in question physically hear nothing other than what they’ve been accustomed to hearing for decades. Physically—not just emotionally—they hear nothing else; physically, they hear only what they’ve long been accustomed to. And then they say: “Well, actually, the speaker didn’t tell us anything new at all!”—Because, since they were compelled to use the terminology, they immediately had in their ears—not just in their souls—the entire context of the terminology translated into what they have long been accustomed to. And then they continue speaking in the spirit of what they have long been accustomed to.

[ 13 ] So ungefähr verliefen unzählige Diskussionen. Höchstens, daß manchmal eine neue Nuance dadurch in die Sache hineinkam, daß die Kommunisten nun von ihrem neu errungenen Standpunkte aus auftraten und nun etwa erklärten: Vor allen Dingen sei es notwendig, daß man die politische Macht habe! Es sei ja ganz natürlich - ich rede aus der Erfahrung heraus und gebe Beispiele, die durchaus vorgekommen sind —, daß man zuerst die politische Macht habe! Und wenn — so sagte zum Beispiel einmal einer -, wenn er die politische Macht hätte, sagen wir zum Beispiel — so meinte er - als Polizeiminister, so würde er ja auch nicht als Standesbeamten sich selber anstellen, denn er sei ein Schuhflicker, und er könne sehr gut einsehen, daß ein Schuhflicker von den Verpflichtungen eines Standesbeamten nichts wisse. Er würde durchaus nicht, wenn er Polizeiminister wäre, da er ein Schuhflicker sei, sich selber als Standesbeamten anstellen! - Er merkte nicht, daß er eigentlich implicite sagte: Zum Polizeiminister gerade angestellt zu werden, fühle er sich ganz gut berufen, aber zum Standesbeamten durchaus nicht! Das war für die Diskussion eine Art neuer Nuance. Die Nuancen waren ja ungefähr immer in diesem Stil gehalten.

[ 13 ] Countless discussions went something like this. At most, a new nuance would sometimes be introduced into the matter because the Communists were now speaking from their newly gained position and might say, for example: Above all, it is necessary to hold political power! It is, after all, quite natural—I speak from experience and give examples that have actually occurred—to hold political power first! And if—as one person once said, for example—if he had political power, let’s say, for instance—as he put it—as Minister of Police, he certainly wouldn’t appoint himself as a registrar, because he was a cobbler, and he could very well see that a cobbler knew nothing about the duties of a registrar. If he were Minister of Police—since he was a cobbler—he certainly would not appoint himself as a registrar!—He did not realize that he was actually saying, implicitly: He felt quite well-suited to be appointed Minister of Police, but not at all to be a registrar! This added a sort of new nuance to the discussion. The nuances were, after all, almost always along these lines.

[ 14 ] Nun, trotzdem aber müssen wir uns klar sein, daß, weil wir eben verstanden werden sollen, aus der Seele der Leute heraus geredet werden muß. Das Unterbewußte geht dennoch nämlich, wenn aus der Seele heraus geredet wird, in einem gewissen Sinne mit. Insbesondere, wenn im übrigen die Rede so angeordnet worden ist, wie ich es schon angedeutet habe und wie ich es im weiteren auseinandersetzen werde. Aber wir müssen dann über dasjenige, was in Betracht kommt, wirklich aus der Erfahrung, das heißt in diesem Falle, aus den Erfahrungen des proletarischen Empfindens heraus formulierbare Begriffe haben.

[ 14 ] Well, even so, we must be clear that, precisely because we are meant to be understood, we must speak from the depths of people’s souls. For when one speaks from the soul, the subconscious does, in a certain sense, go along with it. This is especially true when the speech has been structured as I have already indicated and as I will explain in more detail later. But we must then have concepts that can truly be formulated from experience—that is, in this case, from the experiences of proletarian sensibility—regarding the matters at hand.

[ 15 ] Nehmen wir einmal das geistige Glied des dreigliedrigen sozialen Organismus. In bezug auf dieses geistige Glied hat der Proletarier seit dem’ Heraufkommen des Marxismus sich sehr deutliche Begriffe herausgebildet, nämlich den Begriff der Ideologie. Er sagt: Geistesleben, das hat für sich gar keine Wirklichkeit. Religion, Rechtsbegriffe, Sittenbegriffe und so weiter, Kunst, Wissenschaft selber, das ist nichts für sich. Für sich existieren eigentlich nur wirtschaftliche Prozesse. Man kann verfolgen in der weltgeschichtlichen Entwickelung, wie das wahrhaft Wirkliche in der Art und Weise besteht, wie die eine Schichte der Bevölkerung zu der anderen steht im Wirtschaftsleben. Darnach, wie die eine Schichte der Bevölkerung zu der anderen steht im Wirtschaftsleben, darnach müssen sich ganz von selbst, wie eine Art Rauch, der daraus hervorsteigt, die Begriffe, die Empfindungen in Religion, Wissenschaft, Kunst, Sitte, Recht und so weiter bilden. Das sind keine Wirklichkeiten, Recht, Sitte, Religion, Kunst, sondern eine Ideologie. — Diesen Ausdruck «Ideologie», mit dem Gefühl, wie ich es eben jetzt charakterisiert habe, ihn konnte man hören seit Jahrzehnten in allen sozialdemokratischen oder sonstigen proletarischen Versammlungen. Und es war geradezu ein besonders ausgebildetes Erziehungsmittel, den Menschen zum Verständnis zu bringen: Die bürgerliche Bevölkerung spricht von der Wahrheit an sich, von dem Werte der Wissenschaft, von dem Werte der Religion, von dem Werte der Sittlichkeit, der Kunst -, aber das ist ja alles nichts in Wirklichkeit für sich, sondern das alles sind die Schaumbilder, die aufsteigen aus dem wirtschaftlichen Prozesse. Einer der Führer der proletarischen Welt, Franz Mehring, hat diese Sache ja bis zum besonderen Radikalismus getrieben in einem Buche «Die Lessing-Legende».

[ 15 ] Let us consider the spiritual component of the threefold social organism. With regard to this spiritual component, the proletarian has, since the advent of Marxism, developed very clear concepts—namely, the concept of ideology. He says: Spiritual life has no reality of its own. Religion, concepts of law, concepts of morality, and so on—art, science itself—these are nothing in and of themselves. In reality, only economic processes exist in and of themselves. One can trace in the development of world history how what is truly real consists in the way one stratum of the population relates to another in economic life. Depending on how one stratum of the population relates to another in economic life, the concepts and sentiments in religion, science, art, morality, law, and so on must form of their own accord, like a kind of smoke rising from it. These—law, morality, religion, art—are not realities, but an ideology. — This term “ideology,” with the connotation I have just described, has been heard for decades in all Social Democratic or other proletarian gatherings. And it was, in fact, a particularly sophisticated educational tool designed to help people understand: The bourgeois population speaks of truth in and of itself, of the value of science, of the value of religion, of the value of morality, of art—but in reality, none of this exists in and of itself; rather, all of these are mere illusions that arise from economic processes. One of the leaders of the proletarian world, Franz Mehring, took this idea to a particularly radical extreme in his book *The Lessing Legend*.

[ 16 ] Da war erschienen ein allerdings nicht sehr bedeutendes Buch eines Bourgeoisprofessors, des Erich Schmidt, über Lessing. Es ist deshalb nicht sehr bedeutend, weil darin nicht eigentlich Lessing behandelt wird, sondern eine Statue aus Papiermaché, welche fälschlich «Lessing» genannt wird, und an die Erich Schmidt die Bemerkungen und Erzählungen und Mitteilungen anknüpft, deren er eben durch seine besondere Begabung oder Unbegabung fähig war. Man hat es gar nicht mit einem Menschen zu tun in diesem Buche, sondern mit einer Statue aus Papiermaché, genannt «Lessing». Daß dieser Bourgeoisprofessor keine besonders klaren Vorstellungen hatte über den lebendigen Lessing, sondern nur über einen Papiermaché-Lessing, das ging mir schon hervor, als das Buch «Lessing» von Erich Schmidt noch gar nicht geschrieben war, als ich Erich Schmidt reden hörte in Wien in einer Rede in der Wiener Akademie der Wissenschaften, wo er so die ersten Anfänge der ersten Kapitel dieses Lessing-Buches zusammengefaßt vorgebracht hatte als eine Rede. Ich war dazumal eigentümlich berührt von dieser Rede, die so recht zeigte, wie man eben, wenn man sonst in eine gewisse soziale Position hineingestellt ist und reden darf, also selbst vor einer erlauchten Akademie der Wissenschaften, eigentlich inhaltlich gar nichts zu sagen braucht. Denn bei den wichtigsten Stellen, wo Erich Schmidt damals etwas vorbrachte, was charakteristisch sein sollte für die Persönlichkeit, die er besprach, da sagte er immer, indem er irgend etwas heraushob aus Lessings Arbeitsweise und aus Lessings Schreibweise: Das ist echt Lessingsch! — Und dieses Wort: Das ist echt Lessingsch! -, das hörte man, ich glaube, fünfzigmal während dieser Akademierede.

[ 16 ] A book—admittedly not a very significant one—by a bourgeois professor named Erich Schmidt had been published about Lessing. It is not very significant because it does not actually deal with Lessing, but rather with a papier-mâché statue falsely called “Lessing,” to which Erich Schmidt attaches the remarks, stories, and accounts that his particular talent—or lack thereof—enabled him to produce. One is not dealing with a human being at all in this book, but with a papier-mâché statue called “Lessing.” The fact that this bourgeois professor had no particularly clear mental images of the real Lessing, but only of a papier-mâché Lessing, was already apparent to me even before the book “Lessing” by Erich Schmidt had not even been written yet, when I heard Erich Schmidt speak in Vienna during a lecture at the Vienna Academy of Sciences, where he had presented the very beginnings of the first chapters of this book on Lessing in condensed form as a speech. I was strangely moved at the time by this speech, which so clearly showed how, when one is placed in a certain social position and is allowed to speak—even before an illustrious Academy of Sciences—one actually doesn’t need to say anything of substance. For at the most important points, where Erich Schmidt presented something that was meant to be characteristic of the personality he was discussing, he would always say—while highlighting some aspect of Lessing’s working methods and writing style—“That’s truly Lessingian!”—And that phrase—“That’s truly Lessingian!”—was heard, I believe, fifty times during that Academy speech.

[ 17 ] Nun, wenn man es zu tun hat mit dem Ernst Müller aus Neu-Babelsberg und man ihn zu charakterisieren hat, so wird man mit genau demselben Inhalt sagen können, wenn man erzählt seine besondere Art, wie er, sagen wir, seinen Misthaufen in Ordnung bringt: Das ist echt Müllersch! — Man wird etwas gesagt haben, das ein ganz gleich schweres Gewicht hat.

[ 17 ] Well, when you’re dealing with Ernst Müller from Neu-Babelsberg and you have to describe him, you’ll be able to say exactly the same thing when you talk about his unique way of, say, tidying up his manure pile: That’s so Müller! — You will have said something that carries just as much weight.

[ 18 ] Man hatte es also zu tun mit etwas außerordentlich Unbedeutendem. Aber ein richtiger sozialdemokratischer Schriftsteller, wie Franz Mehring war, der schrieb dies Unbedeutende des Erich Schmidtschen Lessing-Buches dem Umstande zu, daß eben Erich Schmidt ein Bourgeoisprofessor war, und er sagte: Das ist eben ein Bourgeoisprodukt. — Und jetzt stellte er sein proletarisches Produkt dagegen. «Die LessingLegende» nannte er dieses Buch. Da wird nun untersucht, in welchen wirtschaftlichen Verhältnissen Lessings Voreltern gelebt haben, was sie getrieben haben, wie dann Lessing selber in der Jugend ins Wirtschaftsleben hineingestellt worden ist, wie er Journalist werden mußte, wie er Geld pumpen mußte — das ist ja auch ein wirtschaftlicher Zusammenhang — und so weiter. Kurz, es wird gezeigt, wie Lessings «Laokoon»-Auffassung, wie Lessings «Hamburgische Dramaturgie», wie Lessings «Minna von Barnhelm» so sein mußten, wie sie eben sind, dadurch, daß Lessing aus diesen bestimmten wirtschaftlichen Verhältnissen herausgewachsen ist.

[ 18 ] So this was something extraordinarily insignificant. But a true social-democratic writer, such as Franz Mehring, attributed this insignificance of Erich Schmidt’s book on Lessing to the fact that Erich Schmidt was, after all, a bourgeois professor, and he said: “This is simply a bourgeois product.”—And now he set his proletarian product against it. He called this book *The Lessing Legend*. It examines the economic circumstances in which Lessing’s ancestors lived, what they did for a living, how Lessing himself was introduced to economic life in his youth, how he had to become a journalist, how he had to scrape together money—which is, after all, also an economic context—and so on. In short, it demonstrates how Lessing’s interpretation of *Laocoon*, his “Hamburg Dramaturgy,” and his *Minna von Barnhelm* had to be exactly as they are, precisely because Lessing emerged from these specific economic circumstances.

[ 19 ] Nach dem Muster dieses Buches «Die Lessing-Legende» des Parteigelehrten Mehring hat dann einmal ein Schüler meiner Arbeiterbildungsschule — ich habe ja jahrelang eine Arbeiterbildungsschule versorgt, auch in der Redelehre - in einer Proberede bewiesen, daß die Kantsche Philosophie eben einfach aus den wirtschaftlichen Verhältnissen hervorgegangen ist, aus denen Kant sich entwickelt hat. Und ähnliche Dinge begegneten einem da immer und können einem wohl auch noch heute begegnen, obwohl sie heute mehr oder weniger schon zur Phrase geworden sind. Aber es war durchaus so. Und das hat bedeutet, daß über das geistige Leben der moderne Proletarier überhaupt die Anschauung hatte: Alles, was im geistigen Leben vorhanden ist, ist Ideologie.

[ 19 ] Following the model of this book, *The Lessing Legend* by the party scholar Mehring, a student at my workers’ educational school—I ran a workers’ educational school for years, teaching public speaking as well—once demonstrated in a trial speech that Kant’s philosophy simply arose from the economic conditions in which Kant developed. And one would always encounter similar things back then, and one can probably still encounter them today, even though they have more or less become mere clichés by now. But that was certainly the case. And that meant that the modern proletarian held the view regarding intellectual life that everything that exists in intellectual life is ideology.

[ 20 ] In bezug auf das staatlich-rechtliche Leben, da läßt der Proletarier nur gelten, was sich wiederum innerhalb der wirtschaftlichen Verhältnisse als Beziehung von Mensch zu Mensch herausstellt. Das sind aber für ihn die Klassen. Die herrschende Klasse beherrscht die anderen Klassen. Und derjenige, der innerhalb der Klasse steht, entwickelt dann das Klassenbewußtsein. So daß eigentlich dasjenige, was der moderne Proletarier von dem staatlich-rechtlichen Leben begreift, die Klasse ist, und was ihm nahegeht, das Klassenbewußtsein ist.

[ 20 ] With regard to political and legal life, the proletarian accepts only what, in turn, manifests itself within economic relations as a relationship between people. For him, however, these are the classes. The ruling class dominates the other classes. And those who belong to a class then develop class consciousness. Thus, what the modern proletarian actually understands about political and legal life is the class, and what concerns him is class consciousness.

[ 21 ] Das dritte Glied des sozialen Organismus ist das wirtschaftliche. Auch da sind innerhalb des Proletariats streng umrissene Begriffe, und der Mittelpunktsbegriff, der immer wiederum gefunden wird, ebenso wie die Begriffe Ideologie und Klassenbewußtsein, das ist der Begriff des Mehrwertes. Der Proletarier begreift: Wenn gewirtschaftet wird, so kommt im wirtschaftlichen Produkt ein bestimmter Wert zum Vorschein; von diesem Werte bekommt er als Lohn einen bestimmten Teil, das andere geht fort für irgend etwas anderes. Das bezeichnet er als «Mehrwert» und beschäftigt sich nun mit diesem Mehrwert, von dem er das Gefühl hat, daß er ihm von dem Werte seiner Arbeitsprodukte genommen werde.

[ 21 ] The third component of the social organism is the economic one. Here, too, there are strictly defined concepts within the proletariat, and the central concept that recurs time and again—just as the concepts of ideology and class consciousness do—is that of surplus value. The proletarian understands: When economic activity takes place, a certain value emerges in the economic product; he receives a certain portion of this value as wages, while the rest goes toward something else. He refers to this as “surplus value” and now focuses on this surplus value, which he feels is being taken from him out of the value of the products of his labor.

[ 22 ] Man kann, indem man die Dinge so durchdenkt, sehen, wie in der Tat innerhalb derjenigen Bevölkerungsklasse, die sich als die aktive, als die eigentlich aggressive in der neueren Zeit heraufgebildet hat, deutlich umrissene Begriffe für die drei Gebiete des dreigliedrigen sozialen Organismus vorhanden sind. Das soziale Leben offenbart sich in dreifacher Weise - würde etwa ein richtiger proletarischer Theoretiker sagen -, es offenbart sich erstens durch seine Wirklichkeit, durch die wertproduzierende Wirtschaft. Diese wertproduzierende Wirtschaft liefert aus dem wirtschaftlichen Leben selbst den Mehrwert. Durch die Machtverhältnisse, die sich herausbilden, werden im wittschaftlichen Leben als in der einzigen Wirklichkeit die sozial tätigen Menschen in Klassen zerspalten, so daß sie, wenn sie über ihren Menschenwert nachdenken, zu dem Klassenbewußtsein, nicht zu dem Menschenbewußtsein kommen. Und dann entwickelt sich als dasjenige, was man für den Sonntag gern hat, was man braucht — aber auch so zwischendurch -, damit die Maschinen richtig ausgedacht werden, damit man auch ab und zu in freien Stunden, nicht wahr, Erfindungen machen kann und so weiter, dann entwickelt sich die Ideologie, die sich aber ergibt als ein Rauchprodukt aus der eigentlichen Wirklichkeit, aus dem wirtschaftlichen Leben.

[ 22 ] If one thinks things through in this way, one can see how, indeed, within that class of the population that has emerged in recent times as the active, the truly aggressive one, there are clearly defined concepts for the three spheres of the threefold social organism. Social life reveals itself in three ways—as a true proletarian theorist might say—first, through its reality, through the value-producing economy. This value-producing economy derives surplus value from economic life itself. Through the power relations that emerge, socially active people are divided into classes within economic life—which is regarded as the sole reality—so that when they reflect on their human worth, they arrive at class consciousness rather than human consciousness. And then, as that which people like to have on Sundays, what they need—but also just for fun in between—so that machines are properly designed, so that people can also make inventions now and then in their free time, right, and so on—then ideology develops, but it emerges as a byproduct of actual reality, of economic life.

[ 23 ] Ich karikiere ganz gewiß nicht, sondern ich schildere, was in Millionen, nicht etwa in Tausenden, sondern in Millionen von Köpfen lebte in den Jahrzehnten, die dem Kriege vorausgegangen sind, und was sich auch durch den Krieg fortsetzte. Der Proletarier hat also schon einen Begriff von der Dreigliederung des sozialen Organismus in sich, und man kann da anknüpfen.

[ 23 ] I am certainly not exaggerating; rather, I am describing what lived in the minds of millions—not thousands, but millions—in the decades leading up to the war, and what continued even through the war. The proletarian, then, already has within himself a concept of the threefold social order, and this is where we can build upon it.

[ 24 ] Man kann noch in weiterem Sinne anknüpfen. Man kann anknüpfen daran, daß sich in der neueren Zeit im Grunde genommen das wirtschaftliche Leben, weil es ja seine eigene Notwendigkeit in sich trägt, besonders entwickelt hat, und daß die anderen Lebenselemente, das geistige Leben und das staatlich-rechtliche Leben, zurückgeblieben sind. Im wirtschaftlichen Leben konnten die Menschen nicht zurückbleiben. Sie mußten erst zum Weltverkehr, dann zur Weltwirtschaft im letzten Drittel des 19. Jahrhunderts übergehen. Da liegt eine innere Notwendigkeit. Das macht sich in gewissem Sinne von selbst, bis man es ruiniert, wie es durch den Krieg geschehen ist. Aber weil die anderen Dinge nicht nachgekommen sind, weil sich in den anderen Dingen ein abstrakter Intellektualismus entwickelt hat, wurde die Empfindung vom Wirtschaftsleben in hervorragendem Maße einflußreich, wirkte in erster Linie durch ihren Charakter suggestiv auf alle Bevölkerung. Und was da suggestiv wirkte, das hat sich nicht etwa nur in den Vorstellungen festgelegt, sondern das ist zu Einrichtungen geworden. Der Intellektualismus hat allmählich das soziale Leben ganz ergriffen.

[ 24 ] One can take this further in a broader sense. One can build on the fact that, in recent times, economic life—because it inherently carries its own necessity—has developed particularly rapidly, while the other aspects of life, namely intellectual life and political-legal life, have lagged behind. In economic life, people could not afford to lag behind. They had to transition first to global trade and then to the global economy in the last third of the 19th century. There is an inherent necessity here. In a certain sense, this happens of its own accord—until it is ruined, as happened during the war. But because the other spheres did not keep pace—because an abstract intellectualism developed within them—the perception of economic life became exceptionally influential, exerting a suggestive influence on the entire population primarily through its very nature. And what had this suggestive effect did not merely take root in people’s mental images, but became institutionalized. Intellectualism has gradually taken complete hold of social life.

[ 25 ] Dem Intellektualismus ist eigen die Abstraktion, das Abstrakte. Man hat im Leben, sagen wir, Butter; man hat im Leben, sagen wir, eine Raffaelsche Madonna; man hat im Leben, sagen wir, eine Zahnbürste; man hat im Leben, sagen wir, ein philosophisches Werk; man hat im Leben, sagen wir, einen Pudertigel für Frauen und so weiter. Im Leben gibt es ja viel, nicht wahr. Ich könnte ja diese Reihe lange fortsetzen. Aber Sie werden nicht bestreiten, daß diese Dinge sehr, sehr verschieden voneinander sind, und daß, wenn man sich Begriffe machen will von all diesen Dingen, diese Begriffe, diese Vorstellungen sehr, sehr verschieden voneinander werden. Aber im neueren sozialen Leben entwickelte sich doch etwas, was außerordentlich bedeutsam wurde für alle Lebensverhältnisse, und was gar nicht so sehr differenziert ist. Denn, sagen wir, Butter von einer gewissen Menge kostet zwei Franken; eine Raffaelsche Madonna kostet zwei Millionen Franken; eine Zahnbürste kostet vielleicht jetzt bloß zweieinhalb Franken; ein philosophisches Werk — es wird vielleicht am billigsten sein —, das kostet, sagen wir, im Einzelexemplar vielleicht, wenn es dünn ist, siebzig Rappen; ein Pudertigel, wenn er besonders gut ist, zehn Franken.

[ 25 ] Intellectualism is characterized by abstraction, by the abstract. In life, let’s say, you have butter; in life, let’s say, you have a Madonna by Raphael; in life, let’s say, you have a toothbrush; in life, let’s say, you have a philosophical work; in life, let’s say, you have a powder compact for women, and so on. There’s a lot in life, isn’t there? I could certainly go on with this list for a long time. But you won’t dispute that these things are very, very different from one another, and that, if one wants to form concepts of all these things, these concepts, these mental images, become very, very different from one another. But in more recent social life, something has developed that has become extraordinarily significant for all aspects of life, and which is not at all that differentiated. For, let’s say, a certain amount of butter costs two francs; a Raphael Madonna costs two million francs; a toothbrush costs perhaps only two and a half francs these days; a philosophical work—perhaps the cheapest one—costs, let’s say, for a single copy, if it’s thin, seventy rappen; a powder compact, if it’s particularly good, ten francs.

[ 26 ] Jetzt haben wir die ganze Sache auf gleich gebracht! Jetzt brauchen wir bloß das, was ja auch wiederum auf ein Feld gehört, die Zahlen, verschieden zu nehmen. Aber wir haben eine Abstraktion, den Geldpreis, über alles ausgebreitet.

[ 26 ] Now we’ve brought the whole thing to a common denominator! Now we just need to treat the numbers—which, after all, also belong in a field—differently. But we’ve spread an abstraction—the monetary prize—over everything.

[ 27 ] Das hat sich ganz besonders eingelebt in die Denkweise der Menschen, wenn sich die Menschen das auch nicht immer gestehen. Gewiß, derjenige, der ein Dichter ist, hält sich selbstverständlich für den Mittelpunkt der Welt, der beurteilt sich dann nicht so; ebensowenig derjenige, der ein Philosoph ist und so weiter. Oder erst gar der, der ein Maler ist! Aber die Welt beurteilt diese Sachen heute alle in diesem Stil in der sozialen Bewertung der Menschen. Und da kommt es schon zuletzt heraus, daß, sagen wir, ein Dichter für einen Verleger — von dem Zeitraume an, wo er angefangen hat, seinen Roman zu schreiben, bis zu der Zeit, wo er ihn beendet hat -, wenn der Verleger edel ist, dieser Dichter zehntausend Franken wert ist. Das ist also der Preis eines Dichters für eine gewisse Zeit, nicht wahr. Wir haben ihn auch auf die gleichwertige Abstraktion gebracht. [Es wird an die Tafel geschrieben. ]

[ 27 ] This has become deeply ingrained in people’s way of thinking, even if they don’t always admit it to themselves. Certainly, a poet naturally considers himself the center of the world; he doesn’t judge himself that way—nor does a philosopher, and so on. Or, for that matter, a painter! But today, the world judges all these things in this manner when it comes to the social evaluation of people. And so it ultimately turns out that, let’s say, a poet is worth—to a publisher—from the time he began writing his novel until the time he finished it—if the publisher is noble, this poet is worth ten thousand francs. So that is the price of a poet for a certain period of time, isn’t it? We have also reduced it to an equivalent abstraction. [Something is written on the blackboard.]

2.— Fr. Butter
2 000 000.— Fr. Raffaelsche Madonna
2.50 Fr. Zahnbürste
—.70 Fr. Philosophisches Werk
10.— Fr. Pudertigel
10 000.— Fr. Dichter
3.— Fr. Tägliche Arbeitskraft

2.— Fr. Butter
2,000,000.— Fr. Raphael’s Madonna
2.50 Fr. Toothbrush
—.70 Fr. Philosophical Work
10.— Fr. Powder Jar
10,000.— Fr. Poet
3.— Fr. Daily Labor

[ 28 ] Nun ich könnte auch da mancherlei Beispiele anführen; aber ich habe schon gesagt: Die Bourgeoisie dachte ja über diese Dinge nicht sehr tief nach. Der Dichter hält sich natürlich in seinem Oberstübchen — ich meine jetzt dasjenige, das in einer Etage weit oben gelegen ist — für etwas ganz Besonderes, aber im sozialen Leben, da war er halt eben zehntausend Franken wert. Aber er achtete es nicht, wenn er nicht gerade dem Proletariat angehörte. Er achtete das nicht. Aber der Proletarier achtete das. Der zog nämlich aus alledem die Konsequenz: Du hast nicht Butter, du hast nicht Puder, du hast kein philosophisches Werk, aber du hast deine Arbeitskraft; die bietest du dem Fabrikanten an, und die ist für den Fabrikanten, sagen wir, täglich drei Fran ken wert: Tägliche Arbeitskraft.

[ 28 ] Well, I could cite all sorts of examples here as well; but as I’ve already said: the bourgeoisie didn’t really think very deeply about these things. The poet, of course, considers himself—in his little world up there—to be something quite special, but in social life, he was simply worth ten thousand francs. But he didn’t care about that, unless he actually belonged to the proletariat. He didn’t care about that. But the proletarian did care. For he drew the following conclusion from all this: You have no butter, you have no powder, you have no philosophical work, but you have your labor power; you offer that to the factory owner, and it is worth, say, three francs a day to the factory owner: daily labor power.

[ 29 ] Daß ich hierher geschrieben habe «Dichter», das müssen Sie mir verzeihen aus dem Grunde, weil man die Erfahrung machen konnte, daß der Dichter eben noch um ein Stückchen schlechter behandelt worden ist im Laufe der letzten Jahrzehnte als der Proletarier mit seiner täglichen Arbeitskraft. Denn der letztere konnte sich noch besser wehren als der Dichter, und die zehntausend Franken für den Dichter waren in der Regel nicht mehr wert als die drei Franken Arbeitslohn für die proletarische Arbeitskraft, mit Ausnahme von einzelnen natürlich, wie es ja selbstverständlich war, daß solche Dichter wie zum Beispiel — ich weiß nicht, ob sich viele noch an sie erinnern — die selige Marlitt, die ja ganz großartig verdient hat mit dem «Geheimnis der alten Mamsell», was ein Roman ist, über den die beste Kritik wohl die wäre, wie einmal einer gesagt hat: O Buch, wärest du doch das Geheimnis der alten Mamsell geblieben!

[ 29 ] You must forgive me for writing “poet” here, because experience has shown that, over the course of the last few decades, the poet has been treated just a little worse than the proletarian with his daily labor. For the latter was still better able to defend himself than the poet, and the ten thousand francs for the poet were generally no more valuable than the three francs in wages for proletarian labor—with the exception of a few, of course, just as it was only natural that poets such as, for example—I don’t know if many still remember them — the late Marlitt, who earned a great deal from *The Secret of the Old Maid*, a novel for which the best review would probably be, as someone once said: “O book, if only you had remained the secret of the old maid!”

[ 30 ] Nun, der Arbeiter dachte nach über das, was er dadurch geworden ist, daß er in die Abstraktion der Preise hineingestellt worden ist, respektive seine Arbeitskraft da hineingestellt worden ist. Und was ist denn etwas im Wirtschaftsleben dadurch, daß es einen Preis hat? Es ist eine Ware. Als Ware im wirtschaftlichen Leben muß alles gelten, wofür eben ein Preis bezahlt werden kann. Ich sagte, das Leben der Bourgeoisie verläuft mit einer gewissen Gleichgültigkeit gegenüber solchen Sachen. Aus dem Proletariat aber kamen diese Begriffe herauf, und dadurch entstand der Begriff: Wir selber sind mit unserer Arbeitskraft zu einer Ware geworden.

[ 30 ] Well, the worker reflected on what he had become as a result of being placed within the abstraction of prices—or, rather, as a result of his labor power being placed there. And what, in economic life, is something simply because it has a price? It is a commodity. In economic life, anything for which a price can be paid must be regarded as a commodity. I said that the bourgeoisie goes about its life with a certain indifference toward such matters. But these concepts emerged from the proletariat, and this gave rise to the idea: We ourselves, with our labor power, have become a commodity.

[ 31 ] Das ist etwas, was nun mit den drei anderen Begriffen zusammengewirkt hat. Und wer eigentlich das moderne Leben richtig versteht, der weiß, wenn er die vier Begriffe Ideologie, Klassenbewußtsein, Mehrwert, Arbeitskraft als Ware richtig versteht, so daß er sich mit diesen vier Begriffen erfahrungsgemäß hineinstellen kann in das Leben, daß er mit diesen vier Begriffen zunächst die Bewußtseinsrealität trifft, die gerade bei der aktiven Bevölkerung, bei derjenigen Bevölkerung, die bewußt eine Umwandelung der sozialen Verhältnisse will, vorhanden ist. Und so hat man denn die Aufgabe, darüber nachzudenken, wie man diese vier Begriffe zu behandeln hat.

[ 31 ] This is something that has now interacted with the other three concepts. And anyone who truly understands modern life knows that, if they correctly understand the four concepts of ideology, class consciousness, surplus value, and labor power as a commodity—so that, based on experience, they can engage with life through these four concepts—then they will first encounter, through these four concepts, the reality of consciousness that exists precisely among the active population, among those who consciously seek a transformation of social conditions. And so the task is to reflect on how these four concepts should be approached.

[ 32 ] Wenn man nun eine Zuhörerschaft hat gemischt aus Proletariern und bourgeoiser Bevölkerung, da wird man nötig haben, so zu sprechen, daß man zunächst bemerklich macht, wie der Proletarier notwendigerweise zu diesen Dingen kommen mußte, wie der Proletarier durch das moderne Leben nichts hat kennen lernen können als die Vorgänge des Wirtschaftslebens. So ist es ja geworden, sagen wir seit der Mitte des 15. Jahrhunderts. Da fängt es langsam an. Denn gehen wir zurück hinter diese Mitte des 15. Jahrhunderts, so sehen wir, wie im Wesen der Mensch noch zusammenhängt mit seinem Produkte. Wer einen Schlüssel macht, legt seine Seele in diesen Schlüssel hinein. Wer einen Schuh macht, legt seine Seele in den Schuh hinein. Und ich bin ganz gewiß, daß bei den Menschen, bei denen sich diese Dinge in gesunder Weise fortentwickelt haben, keine Verachtung irgendeiner solchen Sache vorhanden war. Ich bin völlig davon überzeugt — nicht nur subjektiv überzeugt, sondern solche Dinge kann man schon beweisen, wenn es darauf ankommt -: Jakob Böhme hat ganz gewiß ebensogerne seine Stiefel gemacht wie seine philosophischen Werke, seine mystischen Werke geschrieben, oder Hans Sachs zum Beispiel. Diese Dinge — daß das eine verachtet wird, was materiell ist, das andere überschätzt wird, was geistig ist —, die sind auch erst mit dem Intellektualismus und seinen Abstraktionen auf allen Gebieten heraufgekommen. Es ist eben dieses eingetreten, daß der Mensch durch das moderne wirtschaftliche Leben, in das die Technik sich hineinergossen hat, von seinem Produkte getrennt worden ist, so daß ihn keine wirkliche Liebe mehr mit dem Produzieren verbinden kann. Es werden die Leute, die noch für gewisse Berufszweige mit dem Produzieren Liebe entwickeln, immer seltener und seltener. Nur bei den sogenannten geistigen Berufszweigen ist diese Liebe noch vorhanden. Daher das Unnatürliche in der sozialen Verteilung und selbst Gliederung in der neueren Zeit. Man muß schon nach dem Osten hinübergehen — heute wird es vielleicht auch nicht mehr möglich sein, aber vor Jahrzehnten war es so —, um da noch Berufsfreude zu finden. Ich muß gestehen, ich war tief entzückt, geradezu ergriffen, als ich vor Jahrzehnten in Budapest einen Haarschneider, den ich in Anspruch nahm zum Haarschneiden, kennenlernte, und der immer herumtanzte um mich und, nachdem er wiederum etwas mit der Schere heruntergekriegt hatte, sagte, indem er den Spiegel nahm: Ein wunderbarer Schnitt, den ich da mache! Ein wunderbarer Schnitt, den ich da mache! - Bitte, suchen Sie sich heute in der eigentlichen Zivilisation noch solchen begeisterungsfähigen Haarschneider!

[ 32 ] If one now has an audience composed of both proletarians and the bourgeoisie, one will need to speak in such a way as to first make it clear how the proletarian was inevitably led to these circumstances, how modern life has left the proletarian with no choice but to become familiar with the workings of the economy. That is indeed how it has turned out, let’s say since the middle of the 15th century. That is when it slowly began. For if we go back beyond the middle of the 15th century, we see how, in essence, human beings were still connected to their products. Whoever makes a key puts his soul into that key. Whoever makes a shoe puts his soul into that shoe. And I am quite certain that among people in whom these things have developed in a healthy way, there was no contempt for any such thing. I am completely convinced of this—not merely subjectively convinced, but such things can indeed be proven when it comes down to it—: Jakob Böhme certainly took just as much pleasure in making his boots as in writing his philosophical and mystical works—or Hans Sachs, for example. These attitudes—that the material is despised while the spiritual is overvalued—only emerged with intellectualism and its abstractions in all fields. What has happened is precisely this: through modern economic life, into which technology has poured itself, human beings have become separated from their products, so that no real love can connect them to the act of producing anymore. People who still develop a love for producing within certain professions are becoming increasingly rare. Only in the so-called intellectual professions does this love still exist. Hence the unnatural nature of social distribution and even social structure in recent times. One must go all the way to the East—though today it may no longer be possible, it was certainly the case decades ago—to find professional joy there. I must confess, I was deeply delighted, downright moved, when decades ago in Budapest I met a barber whom I went to for a haircut, and who was always dancing around me and, after he’d trimmed a bit more with the scissors, said, picking up the mirror: “What a wonderful cut I’m giving you!” “What a wonderful cut I’m giving you!”—Go ahead, try to find a barber that enthusiastic in today’s so-called civilization!

[ 33 ] Was also eingetreten ist, ist die Trennung des Menschen von seinem Produkte. Es ist ihm gleichgültig geworden. Er wird an die Maschine hingestellt. Was interessiert ihn diese Maschine! Sie interessiert ja höchstens — nicht einmal mehr den Konstrukteur, sondern höchstens den Erfinder, und das Interesse, das der Erfinder daran hat, ist meistens kein wirklich soziales. Denn das soziale Interesse fängt erst dann an, wenn man den möglichen Wert für die Rendite herausfinden kann, nun ja, wenn man also die Geschichte auf den Preis reduziert hat.

[ 33 ] What has happened, then, is the separation of man from his product. He has become indifferent to it. He is placed next to the machine. What does he care about this machine! At most, it interests—not even the designer anymore, but at most the inventor—and the interest the inventor has in it is usually not truly social. For social interest only begins when one can determine the potential value in terms of return on investment—well, when one has reduced the matter to a question of price.

[ 34 ] Dasjenige aber, was vorzugsweise der moderne Proletarier kennengelernt hat, das ist das Wirtschaftsleben. In das ist er hineingestellt. Soll er an das geistige Leben herangehen, so hängt ihm das nirgends mit seinem unmittelbaren seelischen Leben zusammen. Es bewegt nicht die Seele. Er nimmt es als etwas Fremdes auf, als Ideologie. Es liegt im modernen geschichtlichen Prozeß, daß sich diese Ideologie entwickelt hat.

[ 34 ] But what the modern proletarian has come to know above all else is economic life. He is immersed in it. If he is to approach intellectual life, it has no connection whatsoever to his immediate inner life. It does not stir the soul. He perceives it as something foreign, as ideology. It is inherent in the modern historical process that this ideology has developed.

[ 35 ] Gelingt es Ihnen aber erst, eine Empfindung in dem Proletarier hervorzurufen, daß das so ist, dann haben Sie den Anfang dessen erreicht, was Sie erreichen sollen. Denn der Proletarier hört Sie heute zunächst mit dem Gefühl an: Es liegt ja in einer absoluten Naturnotwendigkeit, daß alle Kunst, alle Wissenschaft, alle Religion, alles Ideologie ist. Weit, weit entfernt liegt es ihm, daran zu denken, daß er mit dieser Anschauung ja eben gerade nur das Produkt der neuzeitlichen Entwickelung geworden ist. Es ist sehr schwer, ihm das begreiflich zu machen. Merkt er es, dann kehrt er mit seiner ganzen Denkweise um, dann wird es ihm schrecklich, daß alles nur eine Ideologie sein soll, dann wird er sich des ganz Illusionären dieser Anschauung bewußt. Er ist sozusagen derjenige, der am besten dazu vorbereitet ist, über die Tatsache, daß alles zur Ideologie geworden ist, Ekel zu empfinden; aber Sie müssen bis zur Empfindung kommen. Die Gedanken, die Sie darüber entwickeln oder bei sich selber entwickelt haben, die interessieren den Zuhörer nicht. Sie bringen ihn in der Weise, wie ich es geschildert habe, zum Fühlen der Sache. Denn es handelt sich darum, daß man die Sache für die Proletarier auf diese Weise, indem man einzelnen seiner Sätze diese Färbung gibt, zurechtrückt.

[ 35 ] But once you succeed in arousing in the proletarian the feeling that this is indeed the case, then you have made the first step toward what you are meant to achieve. For today the proletarian listens to you initially with the feeling: It is, after all, an absolute natural necessity that all art, all science, all religion—everything—is ideology. It is far, far from his mind to consider that, with this view, he has in fact become merely the product of modern development. It is very difficult to make him understand this. Once he realizes this, his entire way of thinking is turned on its head; he is horrified by the idea that everything is supposed to be merely ideology, and he becomes aware of the utterly illusory nature of this view. He is, so to speak, the one best prepared to feel revulsion at the fact that everything has become ideology; but you must reach the point where he actually feels it. The thoughts you develop on this subject—or have developed for yourself—are of no interest to the listener. You lead him to feel the matter in the way I have described. For the point is to set the record straight for the proletariat in this way, by imbuing individual sentences with this particular tone.

[ 36 ] Für die Bourgeoisie muß man die Sache wieder anders zurechtrücken, denn, was für die Proletarier sehr gut ist, das ist für die Bourgeoisie auf diesem Gebiete sehr schlecht. Und es handelt sich nicht darum, daß man bloß richtig redet, sondern bei der heutigen Mannigfaltigkeit des Lebens handelt es sich darum, daß man gut redet, in dem gestrigen Sinne, und daß man auch, soweit es geht, für den Bourgeois redet. Diesem Bourgeois muß man nun klarmachen, daß er ja dadurch, daß er gegenüber dem, was heraufgezogen ist, gleichgültig war, die Sache hat kommen machen. Durch seine Betätigung oder vielmehr Nichtbetätigung ist die Sache so geworden, daß sie für den Proletarier Ideologie geworden ist. Dem Bourgeois muß man dann begreiflich machen: Religion war einmal etwas, was den ganzen Menschen mit innerer Glut erfüllte, aus dem alles hervorgegangen ist, was der Mensch im Grunde genommen in der äußeren Welt auszuführen hat. Sitte war dasjenige, was den Menschen für das soziale Leben heilig war. Kunst war etwas, wodurch sich der Mensch hinweghalf über die Härten und Schweren des physischen Lebens und so weiter. Aber wie ist im Verlaufe der letzten Jahrhunderte der Wert dieser geistigen Güter hinuntergesunken! So wie der Bourgeois sie hält, so kann sie der Arbeiter nicht mehr anders denn als Ideologie empfinden.

[ 36 ] For the bourgeoisie, the matter must be framed differently, because what is very good for the proletariat is very bad for the bourgeoisie in this regard. And it is not merely a matter of speaking correctly, but—given today’s diversity of life—it is a matter of speaking well, in the old sense, and also, as far as possible, speaking on behalf of the bourgeois. One must now make it clear to this bourgeois that it is precisely because he was indifferent to what has arisen that he has brought about this situation. Through his actions—or rather, his inaction—the situation has developed to the point where it has become an ideology for the proletariat. One must then make the bourgeois understand: Religion was once something that filled the whole person with inner fervor, from which sprang everything that human beings, in essence, have to accomplish in the external world. Morality was what was sacred to human beings in social life. Art was something through which people found a way to overcome the hardships and burdens of physical life, and so on. But how the value of these spiritual goods has declined over the course of the last few centuries! Given the bourgeois’s view of them, the worker can no longer perceive them as anything other than ideology.

[ 37 ] Nehmen wir einmal den Fall an, der Arbeiter käme aus irgendeinem Grunde ins Kontor des Unternehmers. Er hat so seine Ansichten über den ganzen Gang des Unternehmens. Nehmen wir an, der Buchhalter, zu dem er gerufen worden ist, oder der Unternehmer selbst ist eben hinausgegangen. Da liegt ein großes Buch, in das vieles eingetragen ist. Über die Art und Weise, wie diese Zahlen dadrinnen sprechen, hat der Arbeiter so seine Ansichten. Die hat er sich ja eben entwickelt. Nun, weil der Buchhalter oder der Unternehmer gerade draußen ist und er um eine halbe Minute zu früh gekommen ist, da blättert er um und schlägt die erste Seite auf. Da steht: «Mit Gott!» Da wird er aufmerksam, daß nun wahrhaftig dieses religiöse Element, daß da auf der ersten Seite «Mit Gott!» steht, nun wirklich die reine Ideologie ist, denn daß nun wirklich nicht viel «mit Gott» ist, was auf den folgenden Seiten des Buches steht, davon ist der Arbeiter ganz überzeugt. Das liegt ganz in dem Stile, wie er sich die Weltverhältnisse überhaupt denkt: So viel ist von dem wahr, was die Leute Religion, Sitte und so weiter nennen, wie in diesem Buche von dem wahr ist, was auf der ersten Seite steht: «Mit Gott». Ich weiß nicht, ob in der Schweiz in diesen Büchern auch auf der ersten Seite steht «Mit Gott!»; aber es ist sehr verbreitet, daß man sein Kassabuch, Journal und so weiter «Mit Gott» hat.

[ 37 ] Let’s suppose, for the sake of argument, that the worker comes into the employer’s office for some reason. He has his own views on the entire operation of the business. Let’s suppose that the bookkeeper, whom he was summoned to see, or the employer himself, has just stepped out. There is a large ledger lying there, in which many things are recorded. The worker has his own views on the way these numbers speak to him. He has, after all, just formed these views. Now, since the accountant or the business owner is currently out and he has arrived half a minute early, he flips through the pages and opens the first page. It says: “With God!” He then realizes that this religious element—the fact that “With God!” is written on the first page—is, in truth, pure ideology, for the worker is fully convinced that there really isn’t much “with God” in what’s written on the following pages of the book. This is entirely in keeping with the way he conceives of world affairs in general: There is as much truth to what people call religion, morals, and so on as there is to what is written on the first page of this book: “With God.” I don’t know whether these books in Switzerland also have “With God!” on the first page; but it is very common for people to have their checkbooks, journals, and so on inscribed “With God.”

[ 38 ] Es handelt sich also darum, daß man dem Bourgeois klarmacht: Er ist der Veranlasser, daß beim Proletariat die Auffassung entstanden ist von der Ideologie.

[ 38 ] The point, then, is to make it clear to the bourgeoisie: It is the bourgeoisie that is responsible for the emergence of the concept of ideology among the proletariat.

[ 39 ] Dann hat jeder seinen Teil. Dann ist man so weit, daß man nun auseinandersetzen kann, wie das geistige Leben wiederum Realität gewinnen muß, weil es ja zur Ideologie wirklich geworden ist. Wenn man vom Geiste nur Ideen hat, nicht den Zusammenhang mit dem wirklichen geistigen Sein und Wesen, dann ist es eben eine Ideologie. So bekommt man von da aus die Brücke zu dem Gebiet, auf dem man eine Vorstellung hervorrufen kann von der Realität des geistigen Lebens. Und dann wird es einem möglich, darauf hinzuweisen, wie das geistige Leben eben eine in sich geschlossene Realität, nicht ein Produkt des wirtschaftlichen Lebens, nicht eine bloße Ideologie ist, sondern ein in sich selbst gegründetes Reales ist. Ein Empfinden muß man dafür hervorrufen, daß das geistige Leben ein in sich begründetes Reales ist. Ein in sich begründetes Reales ist etwas anderes als ein in sich bloß abstrakt Begründetes, denn das abstrakt Begründete muß von woanders aus begründet sein.

[ 39 ] Then everyone has their part. Then one is ready to examine how spiritual life must once again become a reality, since it has, after all, become an ideology. If one has only ideas about the spirit, without a connection to its true spiritual existence and essence, then it is simply an ideology. This provides the bridge to the realm where one can evoke a mental image of the reality of spiritual life. And then it becomes possible to point out how spiritual life is, in fact, a self-contained reality—not a product of economic life, not a mere ideology—but a reality grounded in itself. One must evoke a sense that spiritual life is a reality grounded in itself. A reality grounded in itself is something other than one grounded merely in the abstract, for that which is grounded in the abstract must be grounded from somewhere else.

[ 40 ] Der Proletarier sagt: Die Ideologie ist von dem wirtschaftlichen Leben aus begründet. — Insofern aber der Mensch sich in seinem geistigen Leben nur abstrakten Ideen hingibt, ist das eben auch durchaus etwas Rauchartiges, etwas Illusionäres. Erst wenn man durch dieses Rauchartige, durch dieses Illusionäre, durch die Idee zu der Realität des Geisteslebens durchdringt, wie es durch Anthroposophie geschieht, erst dann kann wiederum das geistige Leben als ein reales empfunden werden. Wenn das geistige Leben nur eine Ideologie ist, so strömen eben diese Ideen herauf aus dem wirtschaftlichen Leben. Da muß man sie organisieren, da muß man ihnen eine künstliche Wirksamkeit und Organisation verschaffen. Das hat ja auch der Staat getan. In dem Zeitalter, wo das geistige Leben in Ideologie verdunstete, hat der Staat es in die Hand genommen, um der Sache wenigstens die Realität, die man nicht in der geistigen Welt selber erlebt hat, zu geben.

[ 40 ] The proletarian says: Ideology is rooted in economic life. — But insofar as human beings devote themselves solely to abstract ideas in their spiritual life, this is indeed something akin to smoke, something illusory. Only when one penetrates through this hazy, illusory quality—through the idea—to the reality of spiritual life, as happens through anthroposophy, only then can spiritual life once again be experienced as real. If spiritual life is merely an ideology, then these very ideas well up from economic life. There, one must organize them; one must give them an artificial effectiveness and structure. That is, after all, what the state has done. In the age when spiritual life evaporated into ideology, the state took it into its own hands in order to at least give the matter a reality that had not been experienced in the spiritual world itself.

[ 41 ] So muß man versuchen, begreiflich zu machen, wie dasjenige, was der Staat unberechtigterweise dem geistigen Leben gegeben hat, da es Ideologie geworden ist, Realität hat. Es muß ja doch eine Realität haben. Wenn man eben keine eigenen Beine hat und doch gehen will, muß man sich künstliche machen lassen. Es muß ja etwas, um zu existieren, Realität haben. Aber das geistige Leben soll seine eigene Realität haben. Das muß man empfinden, daß das geistige Leben seine eigene Realität haben muß.

[ 41 ] So one must try to make it clear how that which the state has unjustifiably imposed on intellectual life—since it has become ideology—has a reality of its own. After all, it must have some reality. If one has no legs of one’s own and yet wants to walk, one must have artificial ones made. After all, in order to exist, something must have a reality of its own. But intellectual life should have its own reality. One must feel that intellectual life must have its own reality.

[ 42 ] Zunächst werden Sie allerdings paradox wirken, sowohl bei der bürgerlichen wie bei der proletarischen Bevölkerung. Und Sie müssen ein Bewußtsein davon hervorrufen, daß Sie paradox wirken. Das können Sie dadurch, daß Sie eben gerade bei den Leuten, die Ihnen zuhören, eine Vorstellung davon hervorrufen, daß Sie schon ebenso denken, wie der Proletarier, indem Sie aus seiner Sprache heraus reden, wie der Bürgerliche, indem Sie aus seiner Sprache heraus reden. Dann aber, nachdem Sie solches entwickelt haben, was mit Hilfe jener Erinnerung, die man an Erfahrungen im Leben haben kann, möglich ist, nachdem Sie so etwas in der Vorbereitung durchgemacht haben, kommen Sie dazu, zu den Menschen so zu sprechen, daß nach und nach ein Verständnis für die Dinge hervorgerufen werden kann, für die es eben hervorgerufen werden muß.

[ 42 ] At first, however, you will come across as paradoxical, both to the middle class and to the working class. And you must make them aware that you come across as paradoxical. You can do this by giving the very people who are listening to you a mental image of you thinking just like the proletarian—by speaking in their language—and just like the middle class—by speaking in their language. But then, after you have developed this ability—which is possible with the help of the memories one can draw upon from life experiences—and after you have gone through this process in your preparation, you will be able to speak to people in such a way that, little by little, an understanding of the things for which it must be fostered can be evoked.

[ 43 ] Reden kann man nicht durch eine äußerliche Anleitung lernen. Reden muß man gewissermaßen dadurch lernen, daß man das hinter dem Reden liegende Denken und das vor dem Reden liegende Erfahren zu dem Reden in ein richtiges Verhältnis zu bringen versteht.

[ 43 ] One cannot learn to speak through external instruction. One must, so to speak, learn to speak by understanding how to bring the thinking that underlies speech and the experience that precedes it into the proper relationship with speech.

[ 44 ] Nun habe ich eben heute versucht, Ihnen zu zeigen, wie der Stoff zunächst behandelt werden muß. Ich habe an Bekanntes angeknüpft, um Ihnen zu zeigen, wie der Stoff nicht aus irgendeiner Theorie heraus geschöpft werden darf, wie er aus dem Leben heraus gefaßt werden muß, wie er zubereitet werden muß, um ihn dann rednerisch zu behandeln. Was ich heute gesprochen habe, das sollte eigentlich jeder in seiner Art nun selber machen als Vorbereitung für das Reden. Dadurch, daß man solche Vorbereitung macht, wird die Rede eindringlich. Dadurch, daß man denkerische Vorbereitungen macht — Vorbereitungen zur Gliederung der Rede, wie ich im Anfange der heutigen Ausführungen gesagt habe: von einem Gedanken, der dann gestaltet wird zur Komposition —, dadurch wird die Rede übersichtlich, so daß der Zuhörer sie auch als Einheit bekommen kann. Durch das, was der Redner mitbringt an Denken, soll er nicht in seine eigenen Gedanken hineinwirken. Denn wenn er seine eigenen Gedanken gibt, sind sie, wie ich schon gesagt habe, so, daß sie keinen einzelnen Menschen interessieren. Erst dadurch, daß man sein eigenes Denken verwendet, um die Rede zu gliedern, dadurch wird sie übersichtlich, und durch das Übersichtliche verständlich.

[ 44 ] Well, today I tried to show you how the material must be approached at first. I built on familiar concepts to show you that the material must not be drawn from some abstract theory, but must be taken from life itself; it must be prepared so that it can then be presented rhetorically. What I have spoken about today is something everyone should now do in their own way as preparation for speaking. It is through such preparation that a speech becomes compelling. By making intellectual preparations—preparations for structuring the speech, as I said at the beginning of today’s remarks: starting with a thought that is then shaped into a composition—the speech becomes clear and coherent, so that the listener can perceive it as a unified whole. The speaker should not use his own thoughts to influence the audience. For if he presents his own thoughts, as I have already said, they are of no interest to any individual. It is only by using one’s own thinking to structure the speech that it becomes clear, and through this clarity, understandable.

[ 45 ] Durch die Erfahrungen, die der Redner überall zusammensuchen soll — die schlechtesten Erfahrungen sind noch immer besser als gar keine! — wird die Rede eindringlich. Wenn Sie zum Beispiel irgend jemandem erzählen, was Ihnen passiert ist, meinetwillen als Sie durch ein Dorf gingen, wo Ihnen beinahe einer eine Ohrfeige gegeben hat, so ist es noch immer besser, wenn Sie aus einer solchen Erfahrung heraus das Leben beurteilen, als wenn Sie bloß theoretisieren. Heraus aus der Erfahrung die Dinge holen, durch die die Rede Blut bekommt, denn durch das Denken hat sie nur Nerven. Blut bekommt sie durch die Erfahrung, und durch dieses Blut, das aus der Erfahrung kommt, wird die Rede eindringlich. Zum Verstande der Zuhörer reden Sie durch die Komposition, zum Herzen der Zuhörer reden Sie durch Ihre Erfahrung. Das ist es, was man wie eine goldene Regel betrachten soll. Nun, wir können Schritt für Schritt vorwärtsgehen. Ich wollte zunächst heute mehr im groben zeigen, wie man den Stoff allmählich umwandeln kann zu dem, was er dann in der Rede zu sein hat. Dann morgen um drei Uhr wieder Fortsetzung.

[ 45 ] The experiences that the speaker should gather from everywhere—even the worst experiences are still better than none at all!—make the speech compelling. For example, if you tell someone what happened to you—say, while you were walking through a village where someone almost slapped you—it is still better to judge life based on such an experience than to merely theorize. Draw from experience the elements that give the speech its lifeblood, for through thought alone it has only nerves. It gains its lifeblood through experience, and through this lifeblood, which comes from experience, the speech becomes compelling. You speak to the listeners’ minds through composition; you speak to their hearts through your experience. That is what one should regard as a golden rule. Well, we can proceed step by step. Today I wanted first to show, in broad strokes, how one can gradually transform the material into what it must then become in the speech. Then tomorrow at three o’clock, we’ll continue.