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Anthroposophy, Social Threefolding
and Public Speaking
Orientation Course
GA 339

15 October 1921, Dornach

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Fünfter Vortrag

Fifth Lecture

[ 1 ] Versucht habe ich zu charakterisieren, wie man etwa einen Dreigliederungsvortrag aus einem Gedanken heraus formen und dann auch einteilen kann. In dem, was ich sagte, war ja enthalten sowohl das Allgemeine, was man vorbringen kann über den gesamten sozialen Organismus, wie auch Hinweise darauf, was in den ersten zwei Gliedern vorkommen kann, nämlich bei der Besprechung des geistigen Lebens und bei der Besprechung des rechtlich-staatlichen Organismus. Sie werden daraus gesehen haben, wie man, inhaltlich sich vorbereitend für einen solchen Vortrag, vorgehen kann.

[ 1 ] I have attempted to describe how one might, for example, shape a three-part lecture from a single idea and then structure it accordingly. What I said included both general points that can be made about the social organism as a whole, as well as indications of what might be covered in the first two parts—namely, the discussion of spiritual life and the discussion of the legal-state organism. You will have seen from this how one can proceed when preparing the content for such a lecture.

[ 2 ] Nun, man kann sich aber auch, indem man sich in die Gedanken und Empfindungen hineinlebt, auf das Wie vorbereiten, und wir werden uns vielleicht am besten verstehen, wenn ich sage, daß die Vorbereitung auf das Wie so sein soll, daß wir uns bemühen, schon zu empfinden und dann auch zu sprechen dasjenige, was sich bezieht auf das geistige Leben, in einer mehr lyrischen Sprache — ohne daß wir selbstverständlich ins Singen oder dergleichen oder ins Rezitieren verfallen -, in einer lyrischen Sprache, in ruhiger Begeisterung, so daß man verrät durch die Art und Weise, wie man die Dinge vorbringt, daß alles, was man über das Geistesleben zu sagen hat, aus einem selbst heraus kommt. Man soll durchaus die Vorstellung hervorrufen, daß man begeistert ist für das, was man verlangt für den geistigen Teil des sozialen Organismus. Natürlich darf es nicht falsch-mystische, sentimentale Begeisterung, nicht gemachte Begeisterung sein. Das erreichen wir, wenn wir uns eben zuerst bloß in der Vorstellung, im inneren Erleben bis auf den Ton hin vorbereiten darauf, wie etwa so etwas gesagt werden könnte. Ich sage ausdrücklich: wie etwa so etwas gesagt werden könnte — aus dem Grunde, weil wir uns niemals wortwörtlich binden sollen, sondern was wir vorbereiten, ist gewissermaßen eine bloß in Gedanken sich abspielende Rede, und wir sind durchaus darauf gefaßt, das, was wir dann sagen, wiederum in anderer Formulierung zu sagen.

[ 2 ] Well, one can also prepare oneself for the “how” by immersing oneself in the thoughts and feelings, and we will perhaps understand each other best if I say that preparation for the “how” should consist of striving to already feel—and then also to speak—that which pertains to spiritual life in a more lyrical language — without, of course, resorting to singing or the like, or to recitation — in a lyrical language, with quiet enthusiasm, so that one reveals, through the very way one presents things, that everything one has to say about spiritual life comes from within oneself. One should certainly evoke the mental image that one is enthusiastic about what one advocates for the spiritual part of the social organism. Of course, it must not be a false, mystical, or sentimental enthusiasm, nor must it be feigned enthusiasm. We achieve this by first preparing ourselves—even if only in our imagination and inner experience, right down to the tone of voice—for how something like this might be said. I say explicitly: “how something like this might be said”—for the reason that we should never commit ourselves to the exact wording; rather, what we are preparing is, so to speak, a speech that takes place solely in thought, and we are fully prepared to express what we then say in a different formulation.

[ 3 ] Wenn wir aber reden über Rechtsverhältnisse, da sollten wir schon den Versuch machen, dramatisch zu sprechen. Das heißt: Wenn wir sprechen über die Gleichheit der Menschen, diese durch Beispiele erörternd, sollten wir versuchen, uns möglichst hineinzudenken in den anderen Menschen. Wir sollten etwa die Vorstellung vor unsere Seele rufen, wie derjenige, der eine Arbeit sucht, das Recht für diese Arbeit geltend macht im Sinne der «Kernpunkte der sozialen Frage». Und wir sollten dann gewissermaßen, indem wir auf der einen Seite bemerklich machen, daß wir aus dem anderen heraus reden, aus seiner rechtlichen Forderung, wir sollten dann bemerklich machen, wie wir durch eine leise Änderung der Stimmlage dazu übergehen, wie man aus allgemein menschlichen Gründen heraus solch eine Forderung erfüllen müsse. Also dramatisches Sprechen, sehr stark moduliertes dramatisches Sprechen, das die Empfindung bei den Zuhörern hervorruft, man könne sich in die Seele von anderen Menschen hineindenken, das wird dasjenige sein, was wir verwenden sollten beim Sprechen über Rechtsverhältnisse.

[ 3 ] But when we talk about legal relationships, we should certainly try to speak in a dramatic way. That is to say: When we speak about the equality of human beings, illustrating this with examples, we should try to put ourselves in the other person’s shoes as much as possible. For example, we should conjure up the mental image of someone seeking work and asserting their right to that work in the spirit of the “Key Points of the Social Question.” And then, in a sense, while making it clear on the one hand that we are speaking from the other person’s perspective—from their legal claim—we should then demonstrate how, through a subtle change in tone of voice, we shift to explaining why such a claim must be fulfilled on the basis of universal human principles. Thus, dramatic speech—very strongly modulated dramatic speech—that evokes in the listeners the feeling that one can empathize with the inner lives of other people—that is what we should employ when speaking about legal relationships.

[ 4 ] Und beim Sprechen über wirtschaftliche Verhältnisse, da handelt es sich ja hauptsächlich darum, daß wir durchaus aus den Erfahrungen heraus sprechen. Man sollte überhaupt, wenn man im Sinne der Dreigliederung des sozialen Organismus über wirtschaftliche Verhältnisse spricht, gar nicht den Glauben aufkommen lassen, daß es so etwas wie eine theoretische Nationalökonomie auch nur geben könnte. Man soll vielmehr das Hauptsächlichste darauf beschränken, Fälle aus dem wirtschaftlichen Leben selber zu beschreiben, seien es Fälle, die man nachbeschreibt, oder seien es Fälle, die man sich zusammenstellt, wie sie etwa sein sollten oder sein könnten. Aber bei den letzteren Fällen wie sie etwa sein sollten oder sein könnten — soll man niemals außer acht lassen, aus der wirtschaftlichen Erfahrung heraus zu sprechen. Man soll eigentlich, wenn man über das wirtschaftliche Leben spricht, episch sprechen. Gerade wenn man das vorbringt, was in den «Kernpunkten der sozialen Frage» steht, soll man so sprechen, wie wenn man eigentlich über das wirtschaftliche Leben gar keine Vormeinungen hätte, gar nicht meinte, das soll so sein oder das soll anders sein, son dem wie wenn man sich alles, alles von den Tatsachen sagen ließe.

[ 4 ] And when speaking about economic conditions, the main point is that we are speaking entirely from experience. In fact, when discussing economic conditions in the context of the threefold social order, one should not give the impression that there could even be such a thing as a theoretical national economy. Rather, one should limit oneself primarily to describing cases from economic life itself—whether these are cases that are recounted or cases that are constructed as they ought to be or could be. But in the latter cases—those that ought to be or could be—one must never lose sight of speaking from economic experience. In fact, when speaking about economic life, one should speak in an epic manner. Precisely when presenting what is set forth in the “Key Points of the Social Question,” one should speak as if one actually had no preconceived notions about economic life at all, as if one did not believe that things should be this way or that way, but rather as if one were letting the facts speak for themselves.

[ 5 ] Man kann ja eine gewisse Empfindung hervorrufen, daß es zum Beispiel richtig ist, Kapitalverwaltungen übergehen zu lassen von demjenigen, der nicht mehr selbst daran beteiligt ist, an jemanden, der wiederum beteiligt sein kann. Man kann aber über so etwas auch nur sprechen, wenn man es vor die Menschen hinstellt an der Hand von Beschreibungen dessen, was geschieht, wenn bloße Blutserbverhältnisse sind, und dessen, was geschehen kann, wenn ein solches Übergehen stattfindet, wie es in den «Kernpunkten der sozialen Frage» beschrieben ist. Man kann nur dadurch, daß man dieses recht lebendig, wie wenn man die Wirklichkeit abschriebe, vor die Menschen hinstellt, so sprechen, daß das Sprechen im wirtschaftlichen Leben wirklich drinnensteht. Und gerade dadurch wird man auch den Assoziationsgedanken begreiflich, plausibel machen. Man wird plausibel machen, daß der einzelne Mensch eigentlich gar nichts weiß über das Wirtschaftsleben, daß er im Grunde genommen ganz darauf angewiesen ist, wenn er zu einem Urteil über das kommen will, was im Wirtschaftsleben zu geschehen hat, sich mit anderen zu verständigen, so daß eigentlich immer nur aus Menschengruppen ein wirkliches wirtschaftliches Urteil hervorgehen kann und man also angewiesen ist auf die Assoziationen.

[ 5 ] One can certainly evoke a certain feeling that, for example, it is right to transfer the management of capital from someone who is no longer personally involved to someone who, in turn, can be involved. But one can only speak of such a thing if one presents it to people by describing what happens when there are merely blood ties, and what can happen when such a transfer takes place, as described in “The Key Points of the Social Question.” It is only by presenting this to people in a very vivid way—as if transcribing reality—that one can speak in such a way that the discourse is truly rooted in economic life. And it is precisely through this that one will also make the idea of association understandable and plausible. One will make it plausible that the individual actually knows nothing at all about economic life, that he is, in essence, entirely dependent on communicating with others if he wishes to form a judgment about what must happen in economic life—so that a genuine economic judgment can actually only ever emerge from groups of people, and one is therefore dependent on associations.

[ 6 ] Man wird dann vielleicht auf Verständnis stoßen, wenn man darauf aufmerksam macht, daß ja vieles von dem, was heute besteht, eigentlich aus alten instinktiven Assoziationen hervorgegangen ist. Bedenken sie nur einmal, wie der heutige abstrakte Markt Dinge zusammenbringt, deren Zusammenkommen und wiederum Weiterverteiltwerden an den Konsumenten gar nicht überschaut werden kann. Aber wie ist man denn überhaupt zu diesem Marktverhältnis gekommen? Im Grunde genommen aus der instinktiven Assoziation heraus, indem eine Anzahl von Dörfern in solch einer Entfernung, daß man hin- und zurückgehen kann im Tage, um einen größeren Ort herum waren und da die Leute ihre Produkte austauschten. Das nannte man nicht eine Assoziation. Man sprach überhaupt kein Wort aus; aber in Wirklichkeit war es eine instinktive Assoziation. Diejenigen Leute, welche hier sich zum Markt vereinigten, waren assoziiert mit all denen, die in den Dörfern herum wohnten. Sie konnten rechnen auf einen bestimmten Absatz, der sich erfahrungsgemäß ergab. Daher konnten sie nach dem Konsum die Produktion regeln in ganz lebendigen Zusammenhängen. In solchen primitiven Wirtschaften waren durchaus assoziative Verhältnisse, die sich nur nicht als solche aussprachen, vorhanden.

[ 6 ] People might be more understanding if one points out that much of what exists today actually arose from old, instinctive associations. Just consider how today’s abstract market brings together things whose combination—and subsequent redistribution to consumers—cannot be fully grasped. But how did this market relationship come about in the first place? Essentially, it arose from an instinctive association, in which a number of villages were situated at such a distance—close enough to walk to and from in a single day—around a larger town, and people exchanged their products there. This was not called an “association.” Not a single word was spoken; but in reality, it was an instinctive association. The people who gathered here for the market were associated with all those who lived in the surrounding villages. They could count on a certain level of sales, which was based on experience. Therefore, they were able to regulate production according to consumption within very dynamic relationships. In such primitive economies, associative relationships certainly existed, even if they were not explicitly described as such.

[ 7 ] Das alles ist mit der Vergrößerung der wirtschaftlichen Territorien unüberschaubar geworden, und insbesondere dann sinnlos geworden gegenüber der Weltwirtschaft. Die Weltwirtschaft, zu der es ja erst gekommen ist im letzten Drittel des 19. Jahrhunderts, die hat ja alles ins Abstrakte, das heißt, im wirtschaftlichen Leben auf den bloßen Geld- oder Geldeswertumsatz reduziert, bis sich eben dieses Reduzieren ad absurdum geführt hat.

[ 7 ] All of this has become unmanageable with the expansion of economic territories, and has become particularly meaningless in the context of the global economy. The global economy—which, after all, only emerged in the last third of the 19th century—has reduced everything to the abstract, that is, in economic life, to the mere turnover of money or monetary value, until this very reduction has been taken to its logical extreme.

[ 8 ] Nicht wahr, als Japan mit China Krieg geführt und Japan den Krieg gewonnen hatte, da konnte man sehr einfach die Kriegsentschädigung zahlen, indem einfach der chinesische Minister dem japanischen Gesandten einen Check übergab, den der japanische Gesandte dann in Japan auf eine Bank geben konnte. Das ist ein tatsächlicher Vorgang. Da waren eben Werte darinnen in diesem Check, der Geld und Geldeswert eben ist. Es waren Werte darinnen. Wenn Sie sich vorstellen, daß das dazumal alles von dem einen Territorium in das andere hätte übergeführt werden sollen, es wäre unter den neuzeitlichen Verhältnissen eben schwer gegangen. Aber so konnte man durch die ganze Art und Weise, wie Japan und China in die ganze Weltwirtschaft hineingestellt waren, das machen. Aber das hat sich ja selbst ad absurdum geführt. In dem Handel zwischen Deutschland und Frankreich hat sich das nicht mehr als möglich erwiesen. Ich meine also, man kann aus den wirtschaftlichen Zusammenhängen heraus am besten die Dinge erörtern, und dann die Notwendigkeit des assoziativen Prinzips darlegen.

[ 8 ] Isn’t it true that when Japan was at war with China and Japan won the war, it was very easy to pay the war reparations simply by having the Chinese minister hand the Japanese envoy a check, which the Japanese envoy could then deposit at a bank in Japan? That actually happened. That check contained value—namely, money and monetary value. It contained value. If you have a mental image of how everything would have had to be transferred from one territory to another back then, it would have been very difficult under modern conditions. But because of the way Japan and China were integrated into the global economy, it was possible to do so. But that ultimately led to absurdity. In trade between Germany and France, this proved no longer feasible. So I believe the best way to discuss these matters is from the perspective of economic interdependencies, and then to explain the necessity of the associative principle.

[ 9 ] Dann wird man sich diesen Stoff gerade mit Bezug auf das Wirtschaftsleben auch in einer gewissen Weise wiederum zu gliedern haben, und wird dann überzugehen haben zu einigen Schlußsätzen, von denen ich schon gesagt habe, daß sie wiederum wortwörtlich verfaßt werden sollen oder wenigstens nahezu wörtlich.

[ 9 ] Then, particularly with regard to economic life, this material will have to be reorganized to some extent, and we will then have to move on to a few concluding sentences, which, as I have already mentioned, should be written word for word—or at least almost word for word.

[ 10 ] Wie wird sich denn also eigentlich die Vorbereitung für eine Rede ausnehmen? Nun, man suche möglichst in die Situation oder in dasjenige, worauf die Zuhörerschaft vorbereitet ist, hineinzukommen dadurch, daß man die ersten Sätze so gestaltet, wie man es eben für notwendig hält. Man wird größere Mühe haben bei ganz unvorbereiteten Zuhörern, kleinere Mühe, wenn man zu einem Kreis spricht, den man schon in der Sache drinnenstehend findet, wenigstens in den entsprechenden Empfindungen, von den Forderungen, die man erhebt. Dann wird man den übrigen Teil der Rede weder aufschreiben, noch wird man bloße Schlagworte hinschreiben. Die Erfahrung zeigt, daß die wörtliche Ausarbeitung ebensowenig zu einer guten Rede führt wie das bloße Aufschreiben von Schlagworten. Das Aufschreiben aus dem Grunde nicht, weil es einen bindet und dadurch leicht Verlegenheit bringt, wenn das Gedächtnis holpert, was gerade dann am leichtesten der Fall ist, wenn die Rede wortwörtlich aufgeschrieben ist. Schlagworte verleiten sehr leicht dazu, die ganze Vorbereitung zu abstrakt zu gestalten. Dagegen ist dasjenige, was man am besten aufschreibt und auch als Manuskript mitbringt, wenn man nötig hat, sich an so etwas zu halten, eine Reihe richtig formulierter Sätze als Schlagsätze, die nicht den Anspruch darauf machen, daß man sie auch so sagt als einen Bestandteil der Rede, sondern die dastehen: erstens, zweitens, drittens, viertens und so weiter, die gewissermaßen Extrakte geben, so daß aus einem Satz vielleicht zehn oder acht oder zwölf werden. Aber man schreibe sich solche Sätze auf. Man schreibe sich also nicht etwa auf «Geistesleben als selbständig», sondern «Das Geistesleben kann nur gedeihen, wenn es frei aus sich heraus selbständig wirkt». Also Schlagsätze. Sie werden dann, wenn Sie so etwas tun, selbst die Erfahrung machen, daß man durch solche Schlagsätze am allerbesten in verhältnismäßig kurzer Zeit in eine gewisse Möglichkeit des freien Sprechens, das eben nur die Leiter der Schlagsätze hat, hineinkommt.

[ 10 ] So what does preparing for a speech actually look like? Well, one should try as much as possible to put oneself in the situation—or in the context for which the audience is prepared—by structuring the opening sentences in whatever way one deems necessary. It will require more effort with a completely unprepared audience, and less effort when speaking to a group that is already familiar with the subject matter—or at least shares the relevant sentiments regarding the demands you are making. In that case, you will neither write out the rest of the speech nor jot down mere catchphrases. Experience shows that writing out the speech word for word leads just as little to a good speech as merely jotting down catchphrases. The reason for not writing it out is not because it ties one down and thereby easily leads to embarrassment when one’s memory falters—which is most likely to happen precisely when the speech is written out word for word. Key phrases very easily lead one to make the entire preparation too abstract. On the other hand, what is best to write down—and to bring along as a manuscript if you need to stick to something like that—is a series of properly formulated sentences as key points, which do not claim to be spoken exactly as written as part of the speech, but rather stand there as: first, second, third, fourth, and so on—which, in a sense, provide distillations, so that one sentence might become ten, or eight, or twelve. But write down such sentences. So don’t write down, for example, “Spiritual life as independent,” but rather “Spiritual life can only flourish when it acts freely and independently from within itself.” In other words, pithy phrases. If you do this, you will find for yourself that such pithy phrases are the very best way to attain, in a relatively short time, a certain capacity for free speech—one that is guided solely by the structure of these pithy phrases.

[ 11 ] Für den Schluß ist es oftmals sehr gut, wenn man in einer gewissen Weise, wenigstens leise, zum Anfang wiederum zurückführt, wenn also der Schluß in einer gewissen Weise etwas hat, was als Motiv schon im Anfang enthalten war.

[ 11 ] For the conclusion, it is often very effective to return, in a certain way—at least subtly—to the beginning; that is, when the conclusion contains, in a certain way, something that was already present as a motif in the beginning.

[ 12 ] Und dann geben einem solche Schlagsätze leicht die Möglichkeit, nun wirklich sich so vorzubereiten, wie vorhin angedeutet wurde, indem man sich auf seinem Blättchen diese Schlagsätze aufgeschrieben hat. Also, sagen wir, man überlegt sich: Was du für das geistige Leben zu sagen hast, muß in dir eine Art lyrischen Charakter haben; was du für das Rechtsleben zu sagen hast, muß in dir eine Art dramatischen Charakter haben; das für das Wirtschaftsleben muß in dir einen erzählend-epischen Charakter, einen ruhig erzählend-epischen Charakter haben. - Dann wird in der Tat schon instinktiv ein wenig die Sucht hervorgehen und auch die Kunst hervorgehen, in der Formulierung der Schlagsätze so etwas auszubilden, wie ich es angedeutet habe. Es wird die Vorbereitung ganz gefühlsmäßig so erfolgen, daß in der Tat die Art, wie man redet, hineinwächst in das, was man inhaltlich zu sagen hat.

[ 12 ] And then such key phrases easily give one the opportunity to truly prepare oneself as was suggested earlier, by writing these key phrases down on one’s little piece of paper. So, let’s say you consider the following: What you have to say about spiritual life must have a kind of lyrical character within you; what you have to say about legal life must have a kind of dramatic character within you; and what you have to say about economic life must have a narrative-epic character—a calm, narrative-epic character—within you. - Then, in fact, a certain instinctive inclination will emerge—and the art will also emerge—to develop, in the formulation of these key phrases, something like what I have indicated. The preparation will take place quite intuitively, so that the way one speaks actually grows into what one has to say in terms of content.

[ 13 ] Dazu ist aber allerdings notwendig, daß man nun gewissermaßen das, was Sprachbeherrschung sein soll, bis, ich möchte sagen, zum Instinkt gebracht hat, daß man also tatsächlich die Sprachorgane so fühlt, wie man etwa den Hammer fühlen würde, wenn man irgend etwas mit dem Hammer machen wollte. Das kann man dann erreichen, wenn man ein wenig Sprachturnen übt.

[ 13 ] To do this, however, it is necessary to have, so to speak, brought what language mastery is supposed to be to the level of, I would say, instinct—that is, to actually feel the speech organs in the same way one would feel a hammer, for example, when one wants to do something with it. You can achieve this by doing a little “language gymnastics.”

[ 14 ] Nicht wahr, wenn man Turnen übt, so sind das auch nicht Bewegungen, welche dann im wirklichen Leben ausgeübt werden, aber es sind Bewegungen, die einen geschmeidig, geschickt machen. Und so soll man auch die Sprachorgane geschmeidig, biegsam machen. So aber, daß dieses Geschmeidig-, Biegsammachen mit dem inneren Seelenleben zusammenhängt, so daß man fühlen lernt den Laut im Sagen. Ich habe in dem seminaristischen Kursus, den ich den Waldorflehrern in Stuttgart vor jetzt mehr als zwei Jahren gehalten habe, eine Reihe von solchen Sprachübungen zusammengestellt, die ich Ihnen hier auch mitteilen möchte. Sie sind nun so, daß sie zumeist durch ihren Inhalt nicht davon abhalten, rein in das Sprachelement sich hineinzuleben, sondern daß sie lediglich darauf ausgehen, ein Sprachturnen zu üben. Wenn man diese Sätze versucht, immer wieder und wiederum sich laut zu sagen, aber so zu sagen, daß man immer probiert: Wie machst du es am besten mit der Zunge, wie am besten mit den Lippen, daß du gerade diese Lautfolge herausbringst? —, dann macht man sich unabhängig von dem Sprechen selber, und dann kann man um so mehr auf das seelische Vorbereiten für das Sprechen Wert legen.

[ 14 ] Isn't it true that when you practice gymnastics, those aren't movements you'll actually use in real life, but they are movements that make you supple and agile? And in the same way, you should make your speech organs supple and flexible. But this process of making them supple and flexible must be connected to one’s inner soul life, so that one learns to feel the sound as one speaks. In the seminar course I held for Waldorf teachers in Stuttgart more than two years ago, I compiled a series of such speech exercises, which I would also like to share with you here. They are designed so that, for the most part, their content does not distract one from immersing oneself purely in the element of speech, but rather focuses solely on practicing speech exercises. If you try to say these sentences aloud again and again, but in such a way that you are always asking yourself: How can you best use your tongue, how can you best use your lips, to produce precisely this sequence of sounds? — then you become independent of the act of speaking itself, and then you can place all the more emphasis on the spiritual preparation for speaking.

[ 15 ] Ich werde Ihnen also eine Reihe von solchen, für das Inhaltliche Sprachorgane geschmeidig zum Reden zu gestalten.

[ 15 ] So I will provide you with a series of such examples to help you make your speech flow smoothly.

[ 16 ] Daß er dir log, uns darf es nicht loben

[ 16 ] The fact that he lied to you is no reason for us to praise him

[ 17 ] ist das Einfachste. Ein schon etwas Komplizierteres:

[ 17 ] is the simplest. Here's a slightly more complicated one:

[ 18 ] Nimm nicht Nonnen in nimmermüde Mühlen

[ 18 ] Don't put nuns in tireless mills

[ 19 ] Und man soll immer mehr versuchen, angemessen der Lautfolge die Sprachorgane zu geschmeidigen, zu biegen, zu hohlen, zu erhabenen. Ein anderes Beispiel:

[ 19 ] And one should strive more and more to adapt the speech organs—to soften, bend, hollow out, and elevate them—in accordance with the sequence of sounds. Another example:

[ 20 ] Rate mir mehrere Rätsel nur richtig

[ 20 ] Solve several of my puzzles correctly

[ 21 ] Es genügt natürlich nicht, einmal oder zehnmal so etwas zu sagen, sondern immer wieder und wiederum. Denn wenn die Sprachorgane auch schon biegsam sind, sie können noch immer biegsamer werden.

[ 21 ] Of course, it is not enough to say something like this once or ten times; rather, it must be said again and again. For even though the speech organs are already flexible, they can still become even more flexible.

[ 22 ] Ein Beispiel, von dem ich glaube, daß es ganz besonders nützlich ist, ist das Folgende:

[ 22 ] Here is an example that I believe is particularly useful:

[ 23 ] Redlich ratsam
Rüstet rühmlich
Riesig rächend
Ruhig rollend
Reuige Rosse

[ 23 ] Truly wise
Gloriously armed
Vengefully mighty
Rolling calmly
Penitent steeds

[ 24 ] Dabei hat man auch zugleich die Gelegenheit, in den Zwischenpausen den Atem in Ordnung zu bringen, worauf man sehen muß, und was insbesondere durch solch eine Übung sehr gut gemacht werden kann.

[ 24 ] This also gives you the opportunity to regulate your breathing during the breaks—something you need to pay attention to, and which can be achieved very effectively through this kind of exercise.

[ 25 ] In einer ähnlichen Weise — es haben nicht alle Buchstaben, nicht alle Laute den gleichen Wert für dieses Turnen — kommen Sie vorwärts, wenn Sie zum Beispiel das Folgende haben:

[ 25 ] In a similar way—not all letters, not all sounds have the same value in this exercise—you make progress when, for example, you have the following:

[ 26 ] Protzig preist
Bäder brünstig
Polternd putzig
Bieder bastelnd
Puder patzend
Bergig brüstend

[ 26 ] Boastfully praising
Spas with fervor
Noisily charming
Diligently crafting
Powdered to perfection
Mountainously proud

[ 27 ] Wenn es Ihnen gelingt, nach und nach sich hineinzufinden in diese Lautfolge, so haben Sie viel davon.

[ 27 ] If you manage to gradually get the hang of this sequence of sounds, you'll benefit greatly from it.

[ 28 ] Hat man solche Übungen gemacht, dann kann man auch versuchen, diejenigen Übungen zu machen, die dann notwendig darauf hinauslaufen, schon Stimmung hineinzubringen in das Sprechen der Laute. Ich habe ein Beispiel, wie das Lauten in die Stimmung hinein sich ergießen kann, versucht, in dem Folgenden zu geben:

[ 28 ] Once you have practiced these exercises, you can also try the exercises that naturally lead to infusing emotion into the pronunciation of the sounds. I have attempted to provide an example below of how sounds can flow into the emotional tone:

[ 29 ] Erfüllung geht
Durch Hoffnung
Geht durch Sehnen
Durch Wollen

[ 29 ] Fulfillment comes
Through hope
Through longing
Through will

[ 30 ] und jetzt kommt es mehr ins Lauten hinein, wodurch gerade hier die Stimmung im Laut selber festgehalten wird:

[ 30 ] and now it becomes more about the sound itself, which is precisely what captures the mood within the sound itself:

[ 31 ] Wollen weht
Im Webenden
Weht im Bebenden
Webt bebend
Webend bindend
Im Finden
Findend windend
Kündend

[ 31 ] We want to blow
In the weaving
Blowing in the trembling
Weaving, trembling
Weaving, binding
In the finding
Finding, winding
Proclaiming

[ 32 ] Sie werden immer sehen, wenn Sie gerade diese Übungen machen, wie Sie in der Lage sind, ohne daß Sie der Atem stört, den Atem zu regulieren, wenn Sie sich einfach an das Lauten halten. Man hat in der neueren Zeit allerlei mehr oder weniger pfiffige Methoden für das Atmen und für alles mögliche, was die Begleittatsachen sind des Sprechens und Singens, ausgedacht. Allein das alles sind eigentlich Nichtsnutzigkeiten, denn Sprechen soll mit allem, was dazugehört, auch mit dem Atmen, durchaus im Sprechen selbst gelernt werden. Das heißt, man soll lernen so zu sprechen, daß in den Notwendigkeiten, die die Lautfolge, die Wortzusammenhänge ergeben, auch der Atem sich wie selbstverständlich mitreguliert. Man soll also nur im Sprechen auch das Atmen beim Sprechen lernen. Es sollen also die Sprechübungen so sein, daß man, wenn man sie richtig fühlt dem Lauten nach, nicht dem Inhalte, sondern dem Lauten nach, genötigt ist, durch dieses Richtigfühlen des Lautens auch den Atem richtig zu gestalten.

[ 32 ] You will always notice, when you do these particular exercises, how you are able to regulate your breathing—without it getting in the way—simply by focusing on the sounds. In recent times, all sorts of more or less clever methods have been devised for breathing and for all manner of things that accompany speaking and singing. But all of this is actually useless, because speaking—along with everything that goes with it, including breathing—should be learned entirely through the act of speaking itself. That is to say, one should learn to speak in such a way that, in response to the necessities dictated by the sequence of sounds and the context of the words, the breath regulates itself naturally. One should therefore learn to breathe while speaking only through the act of speaking itself. Speech exercises should thus be designed so that, when one perceives them correctly in terms of sound—not in terms of content, but in terms of sound—one is compelled, through this correct perception of sound, to regulate one’s breath correctly as well.

[ 33 ] Auf das Inhaltliche wiederum der Stimmung geht schon dasjenige, was nun der folgende Spruch ist. Er hat vier Zeilen. Diese vier Zeilen sind so angeordnet, daß sie gewissermaßen ein Aufstieg sind. Jede Zeile erregt eine Erwartung. Und die fünfte Zeile ist der Abschluß und bringt Erfüllung. Nun soll man sich bemühen, diese Sprechbewegung, die ich eben charakterisiert habe, wirklich auszuführen. Der Spruch heißt:

[ 33 ] As for the content, the following saying already captures the mood. It has four lines. These four lines are arranged in such a way that they form, so to speak, a crescendo. Each line creates a sense of anticipation. And the fifth line is the conclusion and brings fulfillment. Now you should strive to truly carry out this rhythmic pattern of speech that I have just described. The verse reads:

[ 34 ] In den unermeßlich weiten Räumen,
In den endenlosen Zeiten,
In der Menschenseele Tiefen,
In der Weltenoffenbarung:
Suche des großen Rätsels Lösung

[ 34 ] In the immeasurably vast expanses,
In the endless ages,
In the depths of the human soul,
In the revelation of the worlds:
Seek the solution to the great mystery

[ 35 ] Da haben Sie die fünfte Zeile als die Erfüllung jener stufenweisen Erwartung, die in den vier ersten Zeilen angeschlagen ist.

[ 35 ] There, you have the fifth line as the fulfillment of that gradual build-up of anticipation set in motion in the first four lines.

[ 36 ] Nun kann man auch versuchen, schon, ich möchte sagen, die Stimmung der Situation in das Lauten, in die Sprechart, in das Wie des Sprechens hineinzubringen. Und dazu habe ich folgende Übung geformt. Man stelle sich vor einen recht großen grünen Frosch, der vor einem sitzt mit offenem Mund. Also einen riesigen Frosch stelle man sich vor mit offenem Mund, dem man gegenübersteht. Und nun stelle man sich vor, was man für Affekte haben kann gegenüber diesem Frosch. In dem Affekt wird Humor drinnen sein, manches andere drinnen sein; das rufe man recht lebhaft in der Seele hervor. Dann spreche man diesen Frosch so an:

[ 36 ] Now one can also try—yes, I would say—to incorporate the mood of the situation into the tone of voice, into the manner of speaking, into the way one speaks. And for this purpose, I have devised the following exercise. Imagine a rather large green frog sitting in front of you with its mouth open. So imagine a huge frog with its mouth open, standing right in front of you. And now imagine what kinds of emotions you might feel toward this frog. Among those emotions will be humor and various other feelings; bring them to life quite vividly within your soul. Then address this frog as follows:

[ 37 ] Lalle Lieder lieblich
Lipplicher Laffe
Lappiger lumpiger
Laichiger Lurch

[ 37 ] Sweet little songs
Lipplicher Laffe
Shabby and ragged
Laichiger Lurch

[ 38 ] Stellen Sie sich einmal vor: einen Acker, darüber gehe ein Pferd. Auf den Inhalt kommt es nicht an. Sie müssen sich natürlich jetzt vorstellen, daß die Pferde pfeifen! Nun sprechen Sie die Tatsache, die Sie hier haben, folgendermaßen aus:

[ 38 ] Just imagine: a field with a horse walking across it. The content doesn't matter. Of course, you have to create a mental image of the horses neighing! Now describe the situation you have here as follows:

[ 39 ] Pfiffig pfeifen
Pfäffische Pferde
Pflegend Pflüge
Pferchend Pfirsiche

[ 39 ] Whistling cleverly
Prancing horses
Tending plows
Enclosing peaches

[ 40 ] und dann variieren Sie das, indem Sie so sprechen:

[ 40 ] and then vary it by speaking like this:

[ 41 ] Pfiffig pfeifen aus Näpfen
Pfäffische Pferde schlüpfend
flegend Pflüge hüpfend
Pferchend Pfirsiche knüpfend

[ 41 ] Whistling cleverly from bowls
Horses hatching like chicks
Hopping playfully on plows
Tying peaches in a pen

[ 42 ] Und dann - aber bitte, lernen Sie es auswendig, so daß Sie recht geläufig die eine und die andere Form hintereinander sagen können noch eine dritte Form. Lernen Sie alle drei auswendig, und versuchen Sie, sie so geläufig zu sprechen, daß Sie niemals die eine Form im Aussprechen der anderen beirrt. Darauf kommt es hier an. Als dritte Form nehmen Sie:

[ 42 ] And then—but please, learn this by heart so that you can say both forms fluently one after the other—there is also a third form. Memorize all three, and try to speak them so fluently that you never get confused between one form and another when speaking. That’s what matters here. For the third form, use:

[ 43 ] Kopfpfiffig pfeifen aus Näpfen
Napfpfäffische Pferde schlüpfend
Wipfend pflegend Pflüge hüpfend
Tipfend pferchend Pfirsiche knüpfend

[ 43 ] Whistling cleverly from bowls
Horses hatching from bowls
Bobbing, tending, plows hopping
Tapping, penning, peaches knotting

[ 44 ] Also das hintereinander, so daß man auswendig die drei Formen kann, so daß Sie niemals das eine in dem anderen stört.

[ 44 ] So, one after the other, so that you can memorize the three forms, so that one never interferes with the other.

[ 45 ] Ein Ähnliches können Sie dann etwa mit den folgenden zwei Sprüchen machen:

[ 45 ] You can do something similar with the following two sayings, for example:

[ 46 ] Ketzer petzten jetzt kläglich
Letztlich leicht skeptisch

[ 46 ] Heretics are now whining pitifully
Ultimately, slightly skeptical

[ 47 ] und nun die andere Form:

[ 47 ] and now the other form:

[ 48 ] Ketzerkrächzer petzten jetzt kläglich
Letztlich plötzlich leicht skeptisch

[ 48 ] The heretics are now whining pitifully
Ultimately, suddenly a bit skeptical

[ 49 ] Wiederum auswendig lernen und hintereinander sprechen!

[ 49 ] Once again, memorize it and repeat it out loud!

[ 50 ] Man kann die Sprache geschmeidig kriegen, wenn man etwa das Folgende übt:

[ 50 ] You can make your speech more fluent by practicing the following, for example:

[ 51 ] Nur renn nimmer reuig
Gierig grinsend
Knoten knipsend
Pfänder knüpfend

[ 51 ] Just don't ever feel regret
Grinning greedily
Snapping knots
Tying up collateral

[ 52 ] Man muß sich gewöhnen, diese Lautfolge zu sagen: Nur renn.... Sie werden schon sehen, was Sie für Ihre Zunge, Ihre Sprachorgane haben, wenn Sie solche Übungen machen.

[ 52 ] You have to get used to saying this sequence of sounds: “Nur renn...” You'll see what a difference these exercises make for your tongue and your speech organs.

[ 53 ] Nun eine etwas länger dauernde, eine solche Übung, wodurch dieses Geschmeidigwerden im Sprechen hervorgerufen werden kann - ich glaube, es haben ja hinterher schon Schauspieler gefunden, daß sie auf diese Weise am besten ihre Sprache geschmeidig machen -:

[ 53 ] Now, a somewhat longer exercise of this kind, which can help bring about this fluidity in speech—I believe actors have since discovered that this is the best way to make their speech more fluid—:

[ 54 ] Zuwider zwingen zwar
Zweizweckige Zwacker zu wenig
Zwanzig Zwerge
Die sehnige Krebse
Sicher suchend schmausen
Daß schmatzende Schmachter
Schmiegsam schnellstens
Schnurrig schnalzen

[ 54 ] Though they force themselves against their will
Dual-purpose snappers are too few
Twenty dwarves
The sinewy crabs
Seek safety and feast
So that the munching lovers
Cuddle up as quickly as possible
And purr with delight

[ 55 ] Dann: Man braucht zuweilen Geistesgegenwart im unmittelbaren Sprechen. Man kann sie sich durch folgendes etwa ausbilden:

[ 55 ] Then: Sometimes you need quick thinking when speaking off the cuff. You can develop this skill, for example, by doing the following:

[ 56 ] Klipp plapp plick glick
Klingt Klapperrichtig
Knatternd trappend
Rossegetrippel

[ 56 ] Clip-clap-click-clack
Sounds just right
Clattering along
The clatter of hooves

[ 57 ] Dann: zum weiteren Geistesgegenwärtigsein im Sprechen die folgenden zwei Beispiele, die zusammengestellt werden können:

[ 57 ] Next: to further illustrate presence of mind in speech, consider the following two examples, which can be combined:

[ 58 ] Schlinge Schlange geschwinde
Gewundene Fundewecken weg

[ 58 ] Snake, slither swiftly
Winding your way away

[ 59 ] Da ist auch das «Wecken weg» drinnen. Dann aber dasselbe Motiv als Lautmotiv so:

[ 59 ] It also includes the phrase “Wecken weg.” But then the same motif appears as a sound motif like this:

[ 60 ] Gewundene Fundewecken
Geschwinde schlinge Schlange weg

[ 60 ] Twisted Fundewecken
Quickly slither away, snake

[ 61 ] Dann zu dem Kräftigmachen der Sprache, daß man die Sprache so hat, daß man auch einmal einem eins in der Diskussion herunterhauen kann — so etwas ist schon in der Sprache nötig! -, das folgende Beispiel:

[ 61 ] Now, regarding the need to strengthen language—so that one has the language to really knock someone down in a discussion—something like that is indeed necessary in language!—here is the following example:

[ 62 ] Marsch schmachtender
Klappriger Racker
Krackle plappernd linkisch
Flink von vorne fort

[ 62 ] March of the pining
Rattling rascal
Chattering awkwardly
Darting away

[ 63 ] Dann wären für jemanden, der etwas stottert, die folgenden zwei Beispiele noch anzuführen:

[ 63 ] Then, for someone who stutters, the following two examples could be cited:

[ 64 ] Nimm mir nimmer
Was sich wässerig
Mit Teilen mitteilt

[ 64 ] Never take from me
What, watery
Reveals itself in parts

[ 65 ] Es ist für jeden Stotterer gerade dieses Beispiel gut. Man kann es auch in der folgenden Weise dann sagen beim Stottern:

[ 65 ] This example is particularly helpful for anyone who stutters. You can also say it this way when you stutter:

[ 66 ] Nimmer nimm mir
Wässerige Wickel
Was sich schlecht mitteilt
Mit Teilen deiner Rede

[ 66 ] Never take from me
Watery wraps
What is hard to convey
With parts of your speech

[ 67 ] Es kommt natürlich darauf an, daß sich der Stotterer Mühe gibt. Man soll durchaus nicht glauben, daß man das, was ich Redeturnen nennen möchte, nur an für den Verstand sinnvollen Sätzen üben kann oder auch nur üben soll. Denn an den für den Verstand sinnvollen Sätzen überwiegt zunächst unbewußt-instinktiv zu stark die Aufnerksamkeit für den Sinn, als daß wir richtig rechneten mit dem Lauten, mit dem Sagen. Und es ist schon notwendig, daß wir, wenn wir reden wollen, auch darauf Rücksicht nehmen, daß wir das Reden in einem gewissen Sinne losbringen von uns selber, wirklich losbringen von uns selber. Geradeso wie man die Schrift losbringen kann von sich selber, so kann man ja auch das Reden losbringen von sich selber.

[ 67 ] Of course, it depends on the stutterer making an effort. One should by no means believe that what I would like to call “speech gymnastics” can—or even should—be practiced only on sentences that make sense to the intellect. For in sentences that make sense to the intellect, the focus on meaning—at first unconsciously and instinctively—is too strong for us to properly account for the sounds, for the act of speaking itself. And it is indeed necessary that, when we want to speak, we also take into account that we must, in a certain sense, detach speech from ourselves—truly detach it from ourselves. Just as one can detach writing from oneself, so too can one detach speech from oneself.

[ 68 ] Es gibt zweierlei Arten, zu schreiben bei einem Menschen. Die eine Art besteht darinnen, daß der Mensch egoistisch schreibt, daß er gewissermaßen die Buchstabenformen in seinen Gliedern hat und sie aus den Gliedern herausfließen läßt. Auf ein solches Schreiben hat man insbesondere eine Zeitlang — wahrscheinlich ist es auch jetzt noch der Fall - dann viel gesehen, wenn man für kaufmännisch Anzustellende oder ähnliche Leute Schreibunterricht gegeben hat. Ich habe zum Beispiel einmal beobachtet, wie ein solcher Schreibunterricht für kaufmännische Angestellte so erteilt worden ist, daß die Betreffenden jeden Buchstaben aus einer Art Kurve heraus entwickeln mußten. Sie mußten Schwingen lernen mit der Hand, dann das Schwingen zu Papier bringen, so daß alles in der Hand, in den Gliedern ist, und man eigentlich mit nichts anderem als mit der Hand dabei ist beim Schreiben. Eine andere Art, zu schreiben, ist die nichtegoistische, die selbstlose Art des Schreibens. Sie besteht darin, daß man eigentlich nicht mit der Hand, sondern mit dem Auge schreibt, also immer hinschaut und im Grunde genommen den Buchstaben zeichnet, so daß das im geringen Maße in Betracht kommt, was in der Gliederung der Hand liegt, daß man eigentlich ebenso verfährt wie beim Zeichnen, wo man also nicht eine Handschrift hat, deren Sklave man ist, sondern wo man nach und nach Mühe hat, selbst seinen Namen noch ebenso zu schreiben, wie man ihn sonst geschrieben hat. Den meisten Menschen ist es ja so furchtbar leicht, ihren Namen so zu schreiben, wie man ihn sonst geschrieben hat. Er kommt ihnen aus der Hand. Aber die Menschen, die etwas Künstlerisches in die Schrift hineinlegen, die schreiben mit dem Auge. Sie verfolgen die Strichführung mit dem Auge. Da sondert sich in der Tat die Schrift ab vom Menschen. Da kann dann der Mensch — obwohl es nicht wünschenswert ist in einer gewissen Beziehung, das zu praktizieren — Schriften nachahmen, in verschiedener Weise Schriften variieren. Ich sage nicht, daß man das besonders praktizieren soll, aber ich sage, daß es als ein Extrem herauskommt, wenn man die Schrift malt. Das ist das selbstlosere Schreiben. Das Schreiben heraus aus den Gliedern dagegen ist das selbstische, das egoistische.

[ 68 ] There are two ways for a person to write. One way is for a person to write selfishly—that is, to have the shapes of the letters, as it were, within their limbs and to let them flow out from those limbs. This style of writing was particularly common for a time—and is probably still the case today—especially when teaching writing to commercial clerks or similar professionals. For example, I once observed how such a writing class for commercial clerks was conducted in such a way that the participants had to form each letter from a kind of curve. They had to learn to make sweeping motions with their hand, then transfer those motions to paper, so that everything is in the hand and the limbs, and one is actually engaged in writing with nothing but the hand. Another way of writing is the non-egoistic, selfless way of writing. It consists in writing not with the hand, but with the eye, so you’re always looking at it and, in essence, drawing the letter, so that the hand’s natural movement plays only a minor role—you’re essentially proceeding just as you would when drawing, where you don’t have a handwriting style that enslaves you, but where, little by little, you find it difficult even to write your own name the way you used to. For most people, it is, after all, so incredibly easy to write their name the way they’ve always written it. It just flows from their hand. But people who infuse their handwriting with something artistic—they write with their eyes. They follow the stroke with their eyes. That is where handwriting truly becomes distinct from the person. Then the person can—although it is not desirable in a certain sense to practice this—imitate styles of writing and vary them in various ways. I’m not saying that one should specifically practice this, but I am saying that it emerges as an extreme when one paints one’s handwriting. That is the more selfless form of writing. Writing that comes from the limbs, on the other hand, is the self-centered, the egotistical.

[ 69 ] Auch die Sprache ist bei den meisten Menschen egoistisch. Sie kommt einfach aus den Sprachorganen heraus. Sie können sich aber allmählich angewöhnen, Ihre Sprache so zu empfinden, als wenn sie eigentlich um Sie herumhauchte, als wenn die Worte um Sie herumflögen. Sie können wirklich eine Art Empfindung von Ihren Worten haben. Da sondert sich das Sprechen vom Menschen ab. Es wird objektiv. Der Mensch hört sich ganz instinktiv selber sprechen. Es wird gleichsam im Sprechen sein Kopf größer, und man fühlt um sich herum das Weben der Laute und der Worte. Man lernt allmählich hinhören auf die Laute, auf die Worte. Und das kann man eben gerade durch solche Übungen erreichen. Dadurch aber wird dann in der Tat nicht bloß hineingebrüllt in einen Raum - ich meine mit Brüllen jetzt nicht bloß laut schreien; man kann auch lispelnd brüllen, wenn man nur für sich selber eigentlich redet, so wie es aus den Sprachorganen herauskommt —, sondern man lebt im Sprechen wirklich mit dem Raum. Man fühlt gewissermaßen im Raume die Resonanz. Das ist bei gewissen Sprachtheorien — Sprachlehr- oder Sprachlerntheorien, wenn Sie wollen - in der neueren Zeit zum stammelnden Unfug geworden, indem man die Leute mit Körperresonanzen sprechen läßt, Bauchresonanzen, Nasenresonanzen und so weiter. Alle diese inneren Resonanzen sind aber eine Untugend. Eine wirkliche Resonanz kann nur eine erlebte sein. Die fühlt man aber dann nicht etwa in dem Anstoßen des Lautes ans Innere der Nase, sondern die fühlt man erst vor der Nase, außen. So daß tatsächlich die Sprache etwas bekommt vom Vollen. Voll werden soll überhaupt die Sprache des Redners. Der Redner soll möglichst wenig verschlucken.

[ 69 ] For most people, speech is also selfish. It simply flows out of the speech organs. However, you can gradually get into the habit of perceiving your speech as if it were actually wafting around you, as if the words were flying around you. You can truly develop a sense of your words. That is when speech becomes separate from the person. It becomes objective. The person instinctively hears themselves speaking. As it were, their head grows larger as they speak, and they feel the weaving of sounds and words all around them. They gradually learn to listen to the sounds, to the words. And that is precisely what can be achieved through such exercises. As a result, however, one does not merely bellow into a room—and by “bellowing” I do not mean merely shouting loudly; one can also bellow in a lisping manner, even when speaking only to oneself, just as it comes out of the speech organs—but rather, one truly lives in the space while speaking. You feel, so to speak, the resonance within the space. In certain modern theories of speech—theories of speech teaching or language learning, if you will—this has devolved into stammering nonsense, in that people are made to speak using bodily resonances, abdominal resonances, nasal resonances, and so on. All these internal resonances, however, are a vice. True resonance can only be one that is experienced. But one does not feel this, for example, in the sound striking the inside of the nose; rather, one feels it first in front of the nose, on the outside. So that speech actually gains something from fullness. The speaker’s speech should become full in the first place. The speaker should swallow as little as possible.

[ 70 ] Glauben Sie nicht, daß dies für den Redner unbedeutend ist, sondern es ist höchst bedeutend für den Redner. Denn ob wir in der richtigen Weise etwas an die Menschen heranbringen, das hängt durchaus davon ab, wie wir in der Lage sind, uns zur Sprache selbst zu verhalten. Man braucht ja nicht gleich soweit zu gehen wie ein mir einst befreundeter Schauspieler, der niemals Freunderl sagte, sondern immer Freunderl, weil er sich in jede Silbe hineinlegen wollte. Das tat er bis zum Extrem. Aber man soll schon die instinktive Begabung entwickeln, nicht Silben, nicht Silbenformen, nicht Silbengestaltungen zu verschlucken. Das kann man, wenn man versucht, in rhythmische Sprache sich so hineinzufinden, daß man sie sich vorsagt mit einem Hineinlegen in die ganze Lautgestaltung:

[ 70 ] Do not think that this is insignificant for the speaker; on the contrary, it is of the utmost importance. For whether we are able to convey something to people in the right way depends entirely on how we are able to relate to language itself. Of course, one doesn’t have to go as far as an actor who was once a friend of mine, who never said “Freunderl” but always “Freunderl,” because he wanted to put his whole self into every syllable. He took that to the extreme. But one should certainly develop the instinctive ability not to swallow syllables, syllable forms, or syllable structures. You can do this by trying to immerse yourself in rhythmic language in such a way that you recite it to yourself, paying close attention to the entire sound structure:

[ 71 ] Und es wallet und siedet und brauset und zischt,
Wie wenn Wasser mit Feuer sich mengt...

[ 71 ] And it churns and boils and roars and hisses,
As if water were mingling with fire...

[ 72 ] Also: sich hineinlegen nicht nur in den Laut als solchen, sondern auch in die Lautgestaltung, in dieses Runden und Eckigen des Lautes.

[ 72 ] In other words: immersing oneself not only in the sound as such, but also in the sound’s form—in its roundness and angularity.

[ 73 ] Wenn jemand glaubt, er könne ein Redner werden, ohne auf dieses Wert zu legen, so lebt er in demselben Irrtum wie eine Menschenseele, die zwischen Tod und neuer Geburt an dem Punkte angekommen ist, auf die Erde herunterzusteigen und die sich nicht verleiblichen will, weil sie nicht eingehen will auf Gestaltungen des Magens, der Lunge, der Niere und so weiter. Es handelt sich durchaus darum, daß zum Reden alles herangezogen werden muß, was die Rede tatsächlich fertig gestaltet.

[ 73 ] If anyone believes they can become a speaker without attaching importance to this, they are laboring under the same delusion as a human soul that, between death and rebirth, has reached the point of descending to Earth but refuses to incarnate because it does not wish to accept the physical forms of the stomach, the lungs, the kidneys, and so on. The point is, in fact, that everything that actually shapes speech must be drawn upon in order to speak.

[ 74 ] Man soll also auf den Organismus der Sprache und ihren Genius immerhin Wert legen. Man soll nicht vergessen, daß dieses Wertlegen auf den Organismus der Sprache, auf den Genius der Sprache bildschöpferisch ist. Wer sich nicht innerlich hörend mit der Sprache beschäftigt, dem kommen nicht Bilder, dem kommen nicht Gedanken, der bleibt ungelenk im Denken, und er wird ein Abstraktling im Sprechen, wenn nicht gar ein Pedant. Gerade an dem Erleben des Lautlichen, des Bildhaften in der Sprachformung selbst liegt etwas, was herauslockt aus unserer Seele auch die Gedanken, die wir brauchen, um sie vor die Zuhörer hinzutragen. Es liegt eben in dem Erleben des Wortes etwas Schöpferisches mit Bezug auf den inneren Menschen. Das sollte niemals außer acht gelassen werden. Das ist außerordentlich wichtig. Es sollte uns überhaupt durchaus die Empfindung beherrschen, wie das Wort, die Wortfolge, die Wortgestaltung, die Satzgestaltung, wie diese zusammenhängen mit unserer ganzen Organisation. Geradeso wie man aus der Physiognomie den Menschen gewissermaßen erraten kann, so kann man natürlich erst recht — ich meine jetzt nicht aus dem, was er uns sagt, sondern aus dem Wie der Sprache — den ganzen Menschen erfühlen aus dem Wie der Sprache.

[ 74 ] One should therefore attach importance to the organism of language and its genius. One should not forget that this emphasis on the organism of language, on the genius of language, is creative in its imagery. Those who do not engage with language by listening inwardly will not conjure up images or thoughts; they will remain clumsy in their thinking and become abstract in their speech, if not downright pedantic. It is precisely in the experience of the phonetic and the imagery inherent in the formation of language itself that lies something which draws out of our soul even the thoughts we need to convey to our listeners. There is indeed something creative in the experience of the word as it relates to the inner human being. This should never be overlooked. It is extraordinarily important. We should be thoroughly guided by the sense of how the word, the sequence of words, the structure of words, and the structure of sentences are all interconnected with our entire being. Just as one can, in a sense, discern a person’s character from their physiognomy, so too—and I am not referring here to what they say to us, but to the manner of their speech—can one sense the whole person from the manner of their speech.

[ 75 ] Aber dieses Wie der Sprache kommt aus dem ganzen Menschen heraus. Und es handelt sich durchaus auch darum, daß wir, in leichter Weise natürlich, nicht indem wir uns so behandeln wie einen Patienten, sondern in leichter Weise, auch den physischen Leib ins Auge fassen. Es ist zum Beispiel für jemanden, der durch Erziehung oder vielleicht sogar durch Vererbung dazu veranlagt ist, pedantisch zu sprechen, gut, wenn er versucht, durch anregenden Tee, den er ab und zu zu sich nimmt, sich die Pedanterie abzugewöhnen. Diese Dinge müssen, wie gesagt, vorsichtig gemacht werden. Für den einen ist dieser Tee, für den anderen ein anderer Tee gut. Der gewöhnliche Tee, der ist ja, wie ich öfter erwähnt habe, eine sehr gute Diplomatenkost: weil die Diplomaten geistreich sein müssen, das heißt, unzusammenhängend eins hinter dem anderen plappern müssen, und das darf nur ja nicht pedantisch sein, sondern das muß die Leichtigkeit des Übergangs von einem Satz zum anderen aufweisen. Daher ist schon der 'Tee das Diplomatengetränk. Der Kaffee aber, der macht logisch. Daher schreiben Journalisten ihre Artikel, weil sie gewöhnlich von Natur aus nicht sehr logisch sind, sehr häufig in Kaffeehäusern. Jetzt, seit der Schreibmaschinenzeit, sind ja die Dinge etwas anders; aber früher konnte man in ganzen Trupps Journalisten in Kaffeehäusern antreffen, an der Schreibfeder knuspernd und Kaffee trinkend, damit ein Gedanke nun wirklich auch an den anderen sich anreihen konnte. Also, wenn man findet, daß man zuviel von dem Teeartigen hat, dann ist der Kaffee etwas, das ausgleichend wirken kann. Aber wie gesagt, das alles ist eben nicht ganz arzneimäßig gemeint, aber doch in der Richtung liegend. Und wenn zum Beispiel jemand veranlagt ist, irgendwelche störenden Laute in die Rede hineinzumischen — sagen wir, wenn jemand «he» sagt nach jeder dritten Silbe oder dergleichen, dann rate ich ihm, etwas schwachen Sennesblättertee zweimal in der Woche abends zu trinken, und er wird sehen, was das für eine günstige Wirkung ausübt.

[ 75 ] But this “how” of language comes from the whole person. And it is certainly also a matter of our taking the physical body into account—in a lighthearted way, of course, not by treating ourselves as if we were patients, but in a lighthearted way. For example, it is good for someone who, due to upbringing or perhaps even heredity, is prone to speaking pedantically to try to break the habit by drinking stimulating tea from time to time. As I said, these things must be done with care. One kind of tea is good for one person, another kind for another. Ordinary tea, as I have often mentioned, is very good fare for diplomats: because diplomats must be witty—that is, they must chatter incoherently, one thing after another—and this must by no means be pedantic, but must exhibit the ease of transition from one sentence to the next. That is why tea is the diplomat’s drink. Coffee, however, fosters logic. That’s why journalists—who are usually not very logical by nature—very often write their articles in coffeehouses. Now, since the advent of the typewriter, things have changed somewhat; but in the past, you could encounter whole groups of journalists in coffeehouses, scratching away with their quills and sipping coffee, so that one thought could truly flow into the next. So, if you feel you’ve had too much of that tea-like stuff, then coffee is something that can have a balancing effect. But as I said, none of this is meant to be strictly medicinal, though it does lean in that direction. And if, for example, someone has a tendency to interject disruptive sounds into their speech—say, if someone says “he” after every third syllable or something similar—then I advise them to drink a weak senna leaf tea twice a week in the evening, and they’ll see what a beneficial effect it has.

[ 76 ] Es ist schon so: Da die Dinge, die in der Rede, in der Sprache zum Ausdruck kommen, aus dem ganzen Menschen kommen müssen, darf da durchaus nicht die Diät vernachlässigt werden. Es ist das nicht bloß im groben der Fall. Natürlich hört man es der Rede an, wenn sie von einem Menschen kommt, der endlose Mengen Bier durch seine Kehle hat strömen lassen, oder dergleichen. Das ist im groben der Fall. Wer ein Ohr hat für das Sprechen, der weiß ganz gut, ob irgendein Sprecher ein Teetrinker oder ein Kaffeetrinker ist, ob er an Obstipationen oder am Gegenteil leidet. In der Sprache drückt sich alles mit einer absoluten Sicherheit aus, und auf all das muß durchaus Rücksicht genommen werden. Man wird allmählich instinktiv sich auf diese Dinge einlassen, wenn man so, wie ich es sagte, die Sprache in der Umgebung fühlt.

[ 76 ] It’s certainly true: Since the things expressed in speech and language must come from the whole person, one must by no means neglect one’s diet. This is not merely generally the case. Of course, you can tell from the speech when it comes from someone who has let endless amounts of beer flow down his throat, or something similar. That is generally the case. Anyone with an ear for speech knows quite well whether a speaker is a tea drinker or a coffee drinker, whether he suffers from constipation or the opposite. In language, everything is expressed with absolute certainty, and all of this must certainly be taken into account. One gradually begins to intuitively attune oneself to these things when, as I said, one senses the language in one’s surroundings.

[ 77 ] Allerdings, die verschiedenen Sprachen neigen in verschiedener Art, in verschiedenem Grade dazu, so in der Umgebung gehört zu werden. Eine Sprache wie die lateinische, die eignet sich besonders dazu, gehört zu werden. Das Italienische auch. Ich meine jetzt, vom Sprecher selbst als objektiv gehört zu werden. Wenig eignet sich zum Beispiel die englische Sprache dazu, weil diese als Sprache sehr ähnlich ist dem Schreiben, das aus den Gliedern heraus fließt. Je abstrakter die Sprachen werden, desto weniger eignen sie sich dazu, innerlich gehört zu werden, objektiv zu werden. Wie tönt noch in älteren Zeiten das deutsche Nibelungenlied:

[ 77 ] However, different languages tend, in different ways and to varying degrees, to be heard in this way in their environment. A language like Latin is particularly well-suited to being heard. So does Italian. I mean here being heard objectively by the speaker himself. The English language, for example, is not very well suited to this, because as a spoken language it is very similar to writing that flows from the limbs. The more abstract languages become, the less suited they are to being heard internally, to becoming objective. How does the German *Nibelungenlied* still sound in older times:

Uns ist in alten maeren wunders vil geseit
von heleden lobebaeren, von grôzer arebeit;
von freude unt hôchgezîten, von weinen unde klagen,
von küener recken strîten müget ir nu wunder hoeren sagen.
Ez wuohs in Buregonden ein vil edel magedîn,
daz in allen landen niht schoeners mohte sîn,
Kriemhilt geheizen; diu wart ein schoene wîp,
Dar umbe muosen dëgene vil verliesen dën lìp.
In ancient tales much has been told
of heroic deeds, of great toil;
of joy and great feasts, of weeping and lamentation,
of brave knights in battle you may now hear wondrous tales.
There lived in Burgundy a most noble maiden,
who in all the lands could not be more beautiful,
named Kriemhilt; she became a beautiful woman,
For this reason, many had to lose their lives.

[ 78 ] Das hört sich, indem man spricht! An solchen Dingen muß man lernen, die Sprache zu empfinden. Natürlich, es werden die Sprachen im Laufe ihrer Entwickelung abstrakt. Man muß dann mehr von innen heraus das Konkrete hineinbringen, das Sinnenfällige hineinbringen. Abstrakt nebeneinandergestellt, was ist für ein Unterschied:

[ 78 ] You can hear that just by speaking! It is through such things that one must learn to feel the language. Of course, languages become more abstract as they evolve. One must then bring in the concrete, the tangible, from within. When placed side by side in an abstract way, what is the difference:

Uns ist in alten maeren wunders vil geseit
In old tales we have heard many wonders

[ 79 ] und

[ 79 ] and

Uns wird in alten Märchen Wunderbares viel erzählt
In old fairy tales We hear many wonderful stories

[ 80 ] und so weiter!

[ 80 ] and so on!

[ 81 ] Es kann aber natürlich, wenn man sich an das Hören gewöhnt, dieses auch in die neuere Sprache hineingebracht werden, und da kann viel in der Sprache darauf hingewirkt werden, daß die Sprache wirklich etwas wird, was einen eigenen Genius hat. Aber es gehören eben solche Übungen dazu, um aufeinander einschnappen zu machen das Hören im Geiste und das Sprechen aus dem Geiste. Und da will ich denn noch einmal die eine Formel anführen:

[ 81 ] Of course, once one becomes accustomed to listening, this can also be incorporated into the modern language, and much can be done within the language itself to ensure that it truly becomes something with a spirit of its own. But such exercises are precisely what is needed to bring listening in the spirit and speaking from the spirit into harmony with one another. And here I would like to cite that one formula once again:

[ 82 ] Erfüllung geht
Durch Hoffnung
Geht durch Sehnen
Durch Wollen
Wollen weht
Im Webenden
Weht im Bebenden
Webt bebend
Webend bindend
Im Finden
Findend windend
Kündend.

[ 82 ] Fulfillment flows
Through hope
Flows through longing
Through will
Will blows
In the weaving
Blows in the trembling
Weaves, trembling
Weaving, binding
In finding
Finding, winding
Proclaiming.

[ 83 ] Nur eben dadurch, daß man den einen Laut in verschiedene Zusammenhänge hineinstellt, kommt man zum Empfinden des Lautes, zur Metamorphose des Lautes und zum Anschauen des Wortes, zum Schauen des Wortes.

[ 83 ] It is precisely by placing a single sound in different contexts that one arrives at a sense of the sound, at the metamorphosis of the sound, and at the contemplation of the word, at the perception of the word.

[ 84 ] Wenn sich dann so etwas, wie ich es heute dargestellt habe im Dispositionenmachen durch Schlagsätze, als unsere innerlich seelische Vorbereitung mit dem vereinigt, was wir in dieser Weise aus der Sprache heraus gewinnen, dann geht es eben zu dem Reden hin.

[ 84 ] When something like what I have described today—the process of formulating a plan through key phrases as our inner, spiritual preparation—unites with what we gain in this way from language, then we move toward speaking.

[ 85 ] Eines braucht man noch zu dem Reden außer all den Dingen, die ich schon erwähnt habe: Verantwortlichkeit! Das heißt, man soll fühlen, daß man kein Recht hat, alle seine Sprachungezogenheiten auskramen zu dürfen vor einem Publikum. Man soll fühlen lernen, daß man zum öffentlichen Auftreten Spracherziehung, ein Herausgehen aus sich selbst und ein Plastizieren in bezug auf die Sprache eben schon nötig hat. Verantwortlichkeit gegenüber der Sprache! Es ist ja bequem, dabei stehenzubleiben, zu sprechen, wie man eben spricht, und zu verschlucken, wieviel man gewohnt ist, zu verschlucken, zu quetschen und biegen und brechen und drücken und dehnen die Worte, wie es einem bequem ist. Aber man darf eben bei diesem Quetschen und Drücken und Dehnen und Ecken und Ähnlichem nicht stehenbleiben, sondern muß ’versuchen, auch in diesem Formalen seinem Reden zu Hilfe zu kommen. Man wird eben einfach, wenn man in dieser Weise seinem Reden zu Hilfe kommt, auch dazu geführt, mit einem gewissen Respekt vor dem Publikum zu sprechen, mit einer gewissen Scheu an das Sprechen heranzugehen, mit Respekt vor dem Publikum zu sprechen. Und das ist durchaus nötig. Das kann man, wenn man das Seelische auf der einen Seite ausarbeitet, und das mehr Physische, das ich heute im zweiten Teil der Auseinandersetzung gegeben habe, auf der anderen Seite. Auch wenn man nur Gelegenheitsreden zu halten hat, so kommen durchaus derlei Dinge stark in Betracht.

[ 85 ] There is one more thing needed when it comes to speaking, in addition to all the things I have already mentioned: responsibility! That is to say, one should feel that one has no right to air all one’s linguistic indiscretions in front of an audience. One must learn to feel that public speaking requires linguistic discipline—a stepping outside of oneself and a shaping of one’s language. Responsibility toward language! It is, of course, convenient to simply carry on speaking as one normally does, swallowing as much as one is accustomed to, squeezing, bending, breaking, pressing, and stretching words as one sees fit. But one must not stop at this squeezing, pressing, stretching, and the like; rather, one must “try to assist one’s speech even in these formal aspects.” When one aids one’s speech in this way, one is simply led to speak with a certain respect for the audience, to approach speaking with a certain sense of reverence, and to speak with respect for the audience. And that is absolutely necessary. This is possible if one works out the psychological aspect on the one hand, and the more physical aspect—which I discussed today in the second part of this discussion—on the other. Even when one has to give only occasional speeches, such things are certainly of great importance.

[ 86 ] Sagen wir zum Beispiel, man hat den Bau, das Goetheanum, zu erörtern. Dann sollte man im Grunde genommen, weil man natürlich nicht zu jeder Erörterung eine Extravorbereitung machen kann, sich wenigstens zweimal in der Woche zu der entsprechenden Rede entsprechend vorbereiten, wie ich es auseinandergesetzt habe. Man sollte eigentlich nur aus dem Stegreif reden, wenn man gewissermaßen das Vorbereiten als eine ständige Übung übt.

[ 86 ] Let’s say, for example, that one is to discuss the building, the Goetheanum. Then, since one obviously cannot make special preparations for every discussion, one should, in essence, prepare for the relevant speech at least twice a week, as I have explained. One should really only speak off the cuff if, so to speak, one practices preparation as a constant exercise.

[ 87 ] Dann wird man auch finden, wie sich, ich möchte sagen, das Formale mit dem Inhaltlichen verbindet. Und gerade über diesen Punkt werden wir dann morgen nochmals zu sprechen haben: über die Verbindung der formalen Praxis mit der seelischen Praxis.

[ 87 ] Then one will also discover how, I would say, the formal aspect is connected to the substantive aspect. And it is precisely this point that we will have to discuss again tomorrow: the connection between formal practice and spiritual practice.

[ 88 ] Der Kurs ist ja leider kurz; man kann kaum über die Einleitung hinauskommen. Aber ich würde es unverantwortlich finden, gerade dasjenige nicht gesagt zu haben, was ich im Verlaufe dieser Vorträge gesagt habe.

[ 88 ] Unfortunately, the course is short; one can hardly get past the introduction. But I would consider it irresponsible not to have said precisely what I have said in the course of these lectures.