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Anthroposophical Foundations
for a Renewed Christian-religious Work
GA 342

16 June 1921, Stuttgart

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Sechster Vortrag

Sixth Lecture

[ 1 ] Meine lieben Freunde! Ich will zu demjenigen, das wir besprochen haben, zunächst einiges hinzufügen. Es wird für spätere Auseinandersetzungen durchaus möglich sein, Konkretes vorzuführen sowohl in bezug auf das Lehrgut, wie auch in bezug auf das Kultische. Heute möchte ich noch einiges nach der Richtung vor Ihnen vorbringen, in der man erstens den Weg finden kann, den inneren Weg, der die Lehre zusammenhält mit dem Kultischen, und dann jenen Weg, der hinüberführt zu unserer heutigen ja ganz unkultgemäß denkenden Wissenschaft. Die Dinge, um die es sich handelt, braucht man nur richtig zu verstehen, aber gerade von diesem Verständnis ist das heutige Zeitbewußtsein sehr weit entfernt. Ich will Ihnen dafür ein Beispiel anführen, und Sie werden gerade aus diesem Beispiel sehen, daß heute ein abstraktes Nebeneinanderstellen vorhanden ist zwischen dem Materiellen — das der Mensch durch seine Sinne wahrnimmt und dann durch den Verstand in seinen einzelnen Erscheinungen und Wesenheiten kombiniert, um zu sogenannten Natur- und historischen Gesetzen zu kommen — und demjenigen, was das Geistige genannt wird.

[ 1 ] My dear friends! I would first like to add a few things to what we have discussed. It will certainly be possible in future discussions to present concrete examples regarding both the teachings and the ritual aspects. Today I would like to present a few more thoughts along the lines of how, first, one can find the path—the inner path—that unites the teaching with the ritual, and then the path that leads over to our modern science, which, admittedly, thinks in a manner entirely at odds with the ritual. The matters at hand simply need to be understood correctly, but today’s sense of the times is very far removed from precisely this understanding. I will give you an example of this, and from this example alone you will see that today there is an abstract juxtaposition between the material—which human beings perceive through their senses and then combine through their intellect in its individual manifestations and essences to arrive at so-called natural and historical laws—and that which is called the spiritual.

[ 2 ] Wir müssen ja immer daran festhalten, daß in der abendiändischen Entwickelung eine äußere Trübung eingetreten ist — sie war in anderer Beziehung im historischen Werdegang der Zivilisation notwendig —, eine Trübung in bezug auf das Verhältnis zwischen dem Leiblich-Physischen einerseits und dem Geistig-Seelischen andererseits dadurch, daß auf dem bekannten achten allgemeinen ökumenischen Konzil im Jahre 869 dogmatisch festgelegt worden ist, daß die bis dahin durchaus auch innerhalb des Christentums geltende Trichotomie, die besagt, der Mensch besteht aus Geist, Seele und Leib, ersetzt wurde durch die Dualität, der Mensch bestünde aus Leib und Seele. Das Dogma wurde dazumal so formuliert: Es hat der Christ zu glauben, daß der Mensch nur bestehe aus Leib und Seele und daß die Seele einige geistige Eigenschaften habe. — Also, es wurde damit an die Stelle der Trichotomie gesetzt ein Dualismus, und der Seele wurden einige geistige Eigenschaften beigelegt. Die heutige Philosophie, die vorgibt, eine vorurteilslose Wissenschaft zu sein und nur aus der Erfahrung zu schöpfen, sagt dasjenige, was als eine dogmatische Festlegung aus dem Jahre 869 herübergekommen ist, durchaus nach und redet auch nur von Leib und Seele, und sie weiß nicht, daß sie sich damit nur dem Konzilsbeschluß fügt. Bis in die weltliche Philosophie hinein ist die Wirkung des Konzils gedrungen. Das ist etwas, was man durchaus wissen muß, wenn man hinschauen will auf die Tatsache, daß die eigentliche Trinität im Menschen verhüllt worden ist im 9. Jahrhundert und daß seit jener Zeit überhaupt in der Weltauffassung Schwierigkeiten erwachsen sind.

[ 2 ] We must always bear in mind that a kind of external clouding has set in during Western development—which, in another respect, was necessary in the historical course of civilization—a clouding with regard to the relationship between the physical -physical on the one hand and the spiritual-soul on the other—in that the well-known Eighth Ecumenical Council in 869 dogmatically decreed that the trichotomy, which had been widely accepted even within Christianity up to that point—namely, that human beings consist of spirit, soul, and body—be replaced by the duality that human beings consist of body and soul. The dogma was formulated at that time as follows: A Christian must believe that human beings consist only of body and soul and that the soul possesses certain spiritual qualities. — Thus, dualism was substituted for the trichotomy, and certain spiritual qualities were ascribed to the soul. Contemporary philosophy, which purports to be an unbiased science drawing solely on experience, repeats exactly what has been handed down as a dogmatic declaration from the year 869 and speaks only of body and soul, unaware that in doing so it is merely conforming to the council’s decision. The influence of the Council has even penetrated secular philosophy. This is something one must certainly be aware of if one wishes to examine the fact that the true Trinity within the human being was veiled in the 9th century and that, ever since that time, difficulties have arisen in the worldview as a whole.

[ 3 ] Nun, dadurch namentlich ist ja der Zustand herbeigeführt worden, der das Leiblich-Physische allmählich so abgesondert hat vom Geistigen, der den Menschen auf das Leiblich-Physische hinschauen läßt, als ob es durchaus geistleer, geistlos wäre und der eigentlich spricht von dem Geistig-Seelischen wie von etwas ganz Abstraktem. Man versuche nur einmal, sich heute klarzumachen, was sich die Menschen vorstellen, wenn die drei Aspekte der Trinität, nämlich die Seelenkräfte, vor sie hingestellt werden: Denken, Fühlen, Wollen. Nehmen Sie die heutigen Lehrbücher der Psychologie in die Hand, und sehen Sie den Unsinn an, der da geschrieben wird, wenn Vorstellungen gegeben werden von Denken, Fühlen, Wollen. Und sehen Sie sich an, was in dieser Beziehung geleistet wurde durch den — wie man mit Recht gesagt hat — «Philosophen von seines Verlegers Gnaden», Wilhelm Wundt, der zwar von einer Willenspsychologie ausgegangen ist, aber über das Wesentliche des Willens nirgends eine Ahnung verraten hat.

[ 3 ] Well, it is precisely this that has brought about the condition which has gradually separated the physical-bodily from the spiritual—a condition that causes people to view the physical-bodily as if it were utterly devoid of spirit and lifeless, and that actually speaks of the spiritual-soul as if it were something entirely abstract. Just try for a moment to understand what people imagine today when the three aspects of the Trinity—namely, the soul forces—are presented to them: thinking, feeling, and willing. Pick up today’s psychology textbooks and look at the nonsense that is written there when concepts of thinking, feeling, and willing are presented. And look at what has been accomplished in this regard by Wilhelm Wundt—who has rightly been called the “philosopher by the grace of his publisher”—who, although he started from a psychology of the will, never revealed the slightest inkling of the essence of the will.

[ 4 ] Es ist durchaus so, daß derjenige, der das Seelische wirklich zu studieren vermag, in der Gliederung Denken, Fühlen, Wollen eine Gliederung sieht, wie sie ja vorhanden ist, wenn man den Menschen unterscheidet in bezug auf Jugend, reifes Alter und Greisenhaftigkeit. Die drei Bezeichnungen beziehen sich auf drei verschiedene Zustände des einen Geistigen.

[ 4 ] It is certainly true that anyone who is truly capable of studying the soul sees in the division into thinking, feeling, and willing a structure that indeed exists when one distinguishes between people in terms of youth, maturity, and old age. These three terms refer to three different states of the one spiritual essence.

[ 5 ] Dasjenige, was im Denken oder im Vorstellen vorhanden ist, ist so, wie es vorhanden ist, ein Erbgut unseres präexistenten Lebens, unseres Lebens vor der Empfängnis. Dasjenige, was wir seelisch denken können, ist als das Greisenhafte zu bezeichnen, als das Altgewordene, das zu seiner Entwickelung gebraucht hat die Zeit zwischen dem Tode und einer neuen Geburt, in der das jetzige Erdenleben begann. Das älteste unseres Geistes ist das Denken. Das Fühlen ist das mittlere, und das Wollen unterscheidet sich vom Denken dadurch, daß es erst im Kindesalter befindlicher Geist ist. Und wenn wir den Menschen geistig nehmen, wenn wir den Menschen seelisch beschreiben, dann müssen wir sagen, er bringt sich das Greisenhafte mit, das sich einfach involviert, er entwickelt sich allmählich zu dem mittleren, zu dem Fühlen, und er entwickelt den Willen, der dann erst so stark wird am Ende des Lebens, daß er zur Auflösung des Leibes führen kann. Denn der Wille ist es im wesentlichen, der zuletzt, wenn er ganz kraftvoll geworden ist, die Auflösung des Leibes herbeiführt. Der Wille ist auch dasjenige im Menschen, was fortwährend nach der Auflösung hindrängt, was abbaut, was geistig nichts anderes ist als eine Jugendform des Denkens, die sich, wenn wir physisch altern, anschickt, sich weiter zu entwickeln. Sie kann sich weiter entwickeln, wenn der Mensch hinausgeht aus dem physischen Dasein, zwischen dem Tod und einer neuen Geburt.

[ 5 ] That which exists in thought or imagination is, just as it is, a legacy of our pre-existing life—our life before conception. That which we are capable of thinking on a spiritual level can be described as the “senile”—that which has grown old, which required the time between death and a new birth, during which the present earthly life began, for its development. The oldest aspect of our spirit is thinking. Feeling is the middle aspect, and the will differs from thinking in that it is a spirit still in childhood. And when we consider the human being spiritually, when we describe the human being in terms of the soul, then we must say that he brings with him the senile aspect, which simply becomes involved; he gradually develops toward the middle aspect, toward feeling; and he develops the will, which only becomes strong enough at the end of life to bring about the dissolution of the body. For it is essentially the will that, in the end, when it has become fully powerful, brings about the dissolution of the body. The will is also that aspect within the human being that continually pushes toward dissolution, that breaks things down, and that, spiritually speaking, is nothing other than a youthful form of thinking which, as we age physically, prepares to develop further. It can develop further when the human being steps out of physical existence, between death and a new birth.

[ 6 ] Auf diese Weise kommt man allmählich zu einem Ineinanderschauen des Seelischen und des Leiblichen. Ebenso kann man es mit dem Geistigen machen, so daß man zu einem Ineinanderschauen des Geistigen, Seelischen und Leiblichen kommt. Derjenige, der die Dinge studiert, weiß, daß im Momente des Aufwachens, wenn wir aus dem Schlafe heraus aufwachen, der Geist am meisten darin tätig ist, den Leib zu durchdringen; da manifestiert sich, offenbart sich am Äußerlichen am meisten der Geist, denn er durchdringt den Leib. Da zeigt der Mensch die stärkste geistige Tätigkeit in bezug auf das Physische, die stärkste Überwindung des Physischen beim Aufwachen. Er zeigt die stärkste Flucht vom physischen Einwirken beim Einschlafen. Und niemand begreift die Menschennatur, der nicht diese Tätigkeit des Geistigen ins Auge faßt.

[ 6 ] In this way, one gradually arrives at a mutual interpenetration of the soul and the body. One can do the same with the spiritual, so that one arrives at a mutual interpenetration of the spiritual, the soul, and the body. Anyone who studies these matters knows that at the moment of waking—when we emerge from sleep—the spirit is most active in permeating the body; it is then that the spirit manifests itself most outwardly, for it permeates the body. It is then that the human being exhibits the strongest spiritual activity in relation to the physical, the strongest overcoming of the physical upon waking. And it is then that the human being exhibits the strongest escape from physical influences upon falling asleep. And no one understands human nature who does not grasp this activity of the spiritual.

[ 7 ] Das, was angestrebt werden muß, ist, daß das Geistige, Seelische, Leibliche wieder einander durchdringend geschaut wird. Man soll ineinanderwirkend sehen Geistiges, Seelisches, Leibliches, und nicht Materie, ohne in ihr den Geist zu sehen, und den Geist ohne Materie. Man soll sehen das Schöpferische, das, was hervorbringend ist, was eben die Materie aus sich heraus gestaltet. Man soll eigentlich überall sehen die einheitliche Wirkung von Geist und Materie. Wenn wir auf unser präexistentes Leben sehen, auf unser Leben vor der Empfängnis, so wirkt unser Geistiges im Weltenall. Und Anthroposophie lehrt, die Erscheinungen, die draußen in der Natur sind, allmählich so zu deuten, daß sie zu gleicher Zeit Offenbarungen sind des menschlichen Daseins, wie es jenseits des irdischen, physischen Daseins ist.

[ 7 ] What we must strive for is to view the spiritual, the soul, and the physical as once again interpenetrating one another. We should see the spiritual, the soul, and the physical as interacting with one another, and not matter without seeing the spirit within it, nor the spirit without matter. One should perceive the creative force—that which brings forth, that which shapes matter from within itself. One should, in fact, perceive everywhere the unified interplay of spirit and matter. When we look at our pre-existing life—our life before conception—our spiritual nature is at work in the universe. And anthroposophy teaches us to gradually interpret the phenomena found in nature in such a way that they are at the same time revelations of human existence as it is beyond earthly, physical existence.

[ 8 ] Das alles sage ich Ihnen nur, um auf eine Erscheinung hinzuweisen, die Sie heute überall wahrnehmen können, wo man von kirchlich-dogmatischer Seite aus versucht, Anthroposophie, wie man sagt «wissenschaftlich» zu bekämpfen.

[ 8 ] I am telling you all this simply to point out a phenomenon that you can observe everywhere today, wherever the Church and its dogmatic circles are attempting to combat anthroposophy—as they say—“scientifically.”

[ 9 ] Denn sehen Sie, als das Mysterium von Golgatha sich abspielte, war in Vorderasien, in Griechenland, bis an den Norden Afrikas hinunter und bis nach Italien, überall in dem, was man damals Wissenschaft — Mathesis — nannte, ein Zusammenwirken von Materie und Geist vorhanden. Eine abgesonderte Materie kannte man nicht; überall sah man Geistiges wirken, das hat Augustinus noch kennengelernt und nicht mehr verstanden, und seinen großen Kampf verstehen wir nur dadurch, daß wir wissen lernen, daß Augustinus durch das dekadente Manichäertum hindurchgegangen ist. Diese Anschauung, von der Augustinus nichts mehr verstanden hat, dasjenige, was damals vorhanden war in Vorderasien, im Norden Afrikas, in Griechenland, Italien, Sizilien, ja auch weiter herüber, das ist das, was man dann später gewöhnlich als die Gnosis zu bezeichnen pflegte.

[ 9 ] For you see, as the Mystery of Golgotha was unfolding, throughout the Near East, Greece, all the way down to North Africa, and as far as Italy—in everything that was then called science (mathesis)—there was an interplay of matter and spirit. People were unfamiliar with the concept of matter in isolation; everywhere they saw the spiritual at work—this is something Augustine still encountered but no longer understood, and we can only comprehend his great struggle by realizing that Augustine had passed through the decadent Manichaeism. This worldview, which Augustine could no longer comprehend—the very one that existed at that time in the Near East, North Africa, Greece, Italy, Sicily, and indeed even further afield—is what came to be commonly referred to later as Gnosticism.

[ 10 ] Anthroposophie will durchaus keine Erneuerung dessen, was man als Gnosis bezeichnet, sein. Die Gnosis ist die letzte Phase der alten atavistischen Wissenschaft, während die Anthroposophie die erste Phase einer vollbewußten Wissenschaft darstellt. Es ist eine Verleumdung, wenn man beide zusammenwirft. Da ich das vorausgeschickt habe, darf ich doch sagen, daß jene Gnosis es zuerst war, welche versucht hat, das Mysterium von Golgatha zu verstehen. Und es war eine tiefe geistige Wissenschaft — wenn auch instinktiver, atavistischer Art —, welche dazumal versuchte, das Mysterium von Golgatha zu verstehen. Diese Gnosis, die dazumal ausgebreitet war, ist ja dann vollständig ausgerottet worden. Sie ist so vollständig ausgerottet worden, daß nur weniges in positiver Weise übrig geblieben ist, nur wenige Schriften, die noch dazu wenig besagen. Die allmählich ganz römisch gewordene Form des Christentums, die das Christentum durchsetzt hat mit den römischen Staatsbegriffen, hat dafür gesorgt, daß alles, was von der ersten Auffassung des durchgeistigten Christentums in der Gnosis vorhanden war, mit Stumpf und Stiel ausgerottet worden ist. Und wenn heute die Theologen von der Gnosis sprechen, kennen sie sie nur von den Gegnern. Harnack und andere gaben ihren Zweifeln Ausdruck gegenüber dem, was Hilgenfeld und andere Gegner der Gnosis bringen.

[ 10 ] Anthroposophy is by no means intended to be a revival of what is known as Gnosticism. Gnosticism is the final phase of the old, atavistic science, whereas anthroposophy represents the first phase of a fully conscious science. It is slander to lump the two together. Having said that, I may nevertheless point out that it was Gnosticism that first attempted to understand the Mystery of Golgotha. And it was a profound spiritual science—albeit of an instinctive, atavistic nature—that sought to understand the Mystery of Golgotha at that time. This Gnosis, which was widespread at that time, was subsequently completely eradicated. It was so thoroughly eradicated that very little remains in a positive sense—only a few writings, which, moreover, say very little. The form of Christianity that gradually became entirely Roman—which permeated Christianity with Roman concepts of the state—ensured that everything that had been present in Gnosticism from the original conception of spiritualized Christianity was eradicated root and branch. And when theologians speak of Gnosticism today, they know it only from its opponents. Harnack and others expressed their doubts regarding the arguments put forward by Hilgenfeld and other opponents of Gnosticism.

[ 11 ] Stellen Sie sich vor, es würde alles mit Stumpf und Stiel vernichtet, was an anthroposophischer Literatur vorhanden ist; dann kämen auf die Nachwelt nur die Schriften [des Generals] von Gleich und so weiter und die Schriften der [gegnerischen] Theologen. Wenn dann die Nachwelt aus den Zitaten dieser Leute die Sache nachkonstruieren würde, dann würde man von der Anthroposophie dasselbe haben, was heute die Theologen von der Gnosis haben. Das müssen Sie sich absolut klarmachen, welche Verlogenheiten von Theologen in die Welt hineingesetzt worden sind. Und ebenso gründlich verlogen ist, was da heute geschieht. Die Verlogenheit wird aus dem Grunde nicht gesehen, weil sich die Leute fortwährend sagen, die heiligen Leute könnten so etwas nicht machen, so etwas gäbe es einfach nicht. — Es ist aber da, obschon man glaubt, das könne gar nicht da sein. Man stellt sich gar nicht vor, daß solche Unmoralität vorhanden sein kann.

[ 11 ] Imagine if all existing anthroposophical literature were completely destroyed; then posterity would be left with only the writings of [General] von Gleich and so on, and the writings of the [opposing] theologians. If future generations were then to reconstruct the whole matter from the quotations of these people, they would end up with the same understanding of anthroposophy that theologians have today of Gnosticism. You must make it absolutely clear to yourself just how many falsehoods theologians have spread throughout the world. And what is happening today is just as thoroughly false. The deceit goes unnoticed for the simple reason that people constantly tell themselves that holy people could not do such a thing—that such a thing simply does not exist. — But it is there, even though people believe it cannot possibly be there. They cannot even imagine that such immorality could exist.

[ 12 ] Nur dann werden Sie den nötigen Enthusiasmus aufbringen, wenn Sie die moralische Entrüstung aufbringen gegenüber dem, was in dieser Geschichtsforschung vorhanden ist. Dasjenige aber, was für die Weltentwickelung geschehen ist, das ist das, daß überhaupt das Verständnis für das Ineinanderweben, Ineinanderarbeiten von Geist und Materie vollständig verlorengegangen ist, und dadurch ist von vielem, das vorhanden war, eben nichts weiter geblieben als ein äußeres, ganz abstraktes Wortverständnis.

[ 12 ] You will only muster the necessary enthusiasm if you feel moral indignation at what currently exists in this field of historical research. What has happened, however, in terms of the world’s development, is that the very understanding of the interweaving and interplay of spirit and matter has been completely lost; and as a result, much of what once existed has been reduced to nothing more than an external, entirely abstract understanding of words.

[ 13 ] Heute, meine lieben Freunde, wird in den Gemeinden gelehrt die Form des Vaterunser, wie sie im Matthäus-Evangelium vorhanden ist. Man schließt: «... und erlöse uns von dem Übel; denn Dein ist das Reich, die Macht und die Herrlichkeit in Ewigkeit. Amen.» — Kein Mensch, der [in der heutigen Theologie] über das Vaterunser lehrt, versteht diesen Schlußsatz des Vaterunser. Durch die Behandlung der Gnosis, des durchgeistigten Christentums [durch die Theologen], ist Schutt geworfen über das Verständnis dieses letzten Satzes. Was heißt er?

[ 13 ] Today, my dear friends, the Lord’s Prayer is taught in the congregations in the form found in the Gospel of Matthew. It concludes: “... and deliver us from evil; for Yours is the kingdom, the power, and the glory forever. Amen.” — No one who teaches [in contemporary theology] about the Lord’s Prayer understands this concluding sentence of the Lord’s Prayer. Through [theologians’] treatment of Gnosticism and spiritualized Christianity, confusion has been sown regarding the understanding of this final sentence. What does it mean?

[ 14 ] Dieser Schluß war in denjenigen Mysterien, aus denen er entnommen war, verknüpft mit einem bestimmten Symbolum, mit einer Hinüberleitung des ganzen Sinnes in die symbolische Anschauung. Man sagte so: Wenn man für das «Reich» das Symbolum aufstellt, so ist es dieses (siehe Tafel 3). Die Begrenzung, das ist das Symbolum für das Reich. Dasjenige, was das Reich ist, umfaßt ein bestimmtes Gebiet. Aber es hat nur einen Sinn, vom «Reich» zu sprechen, wenn man dieses Gebiet in seiner Begrenzung darstellt, wenn man das darstellt, wohin das Reich, das Gebiet, reicht.

[ 14 ] In the mysteries from which this conclusion was derived, it was linked to a specific symbol, to a transposition of the entire meaning into symbolic perception. It was said as follows: When one establishes the symbol for the “Kingdom,” it is this (see Plate 3). The boundary—that is the symbol for the “kingdom.” What the kingdom is encompasses a specific territory. But it only makes sense to speak of the “kingdom” if one represents this territory within its boundaries, if one represents the extent to which the kingdom—the territory—reaches.

[ 15 ] Ein solches «Reich» hat aber nur eine Bedeutung, wenn es durchkraftet ist, wenn es nicht nur ein begrenztes Gebiet ist, sondern wenn dieses Gebiet von Kraft durchstrahlt ist. Kraft muß im Mittelpunkt sitzen und das Reich muß durchstrahlt sein von der Kraft. So daß Sie ein Sichausbreitendes haben im Gebiet des «Reiches». Die Kraft, die vom Mittelpunkt ausstrahlt, das ist die «Macht». Die ausstrahlende Kraft, die das Reich beherrscht, ist die «Macht». — Das alles würde sich aber im Inneren abspielen. Wenn nur dieses vorhanden wäre, so würde dieses «Reich» mit der «Macht» in sich abgeschlossen dastehen, und es würde nur für sich da sein. Es ist für anderes in der Welt, für andere Wesen erst da, wenn dasjenige, was da ausstrahlt, an die Oberfläche dringt und von da in die Umgebung hinüberstrahlt, so daß dasjenige, was in die Welt hinausstrahlt, ein an der Oberfläche befindlicher Glanz ist, eine «Herrlichkeit». Das Ausstrahlen von innen ist die «Macht», das Festsitzen der Macht an der Oberfläche und von da nach außen glänzend, das ist die «Herrlichkeit». Wenn Sie sich das Gebilde ansehen, das durchaus hinüberführt in Mathesis, in anschauliche Vorstellung desjenigen, was in den Ideen Reich, Macht, Herrlichkeit gedacht werden kann, so haben Sie dieses Hinüberleiten in die Mathesis, in die anschauliche Vorstellung. Dann sucht man dasjenige, was man geistig-seelisch in der Anschauung hatte, auch äußerlich in der realen Wirklichkeit. Man schaut an, was man mathesisch erfaßt hatte; das sucht man in der Außenwelt und findet es in der Sonne, denn das ist das Bild. Und statt, daß Sie schließen mit den Worten des evangelischen Vaterunsers: «... denn Dein ist das Reich, die Macht und die Herrlichkeit», können Sie auch schließen das Vaterunser: «... denn Dein ist die Sonne».

[ 15 ] Such a “realm,” however, has meaning only if it is imbued with power—if it is not merely a limited territory, but if that territory is permeated by power. Power must reside at the center, and the realm must be permeated by that power. So that you have something that spreads out within the territory of the “realm” . The power that radiates from the center—that is the “might.” The radiating power that governs the realm is the “might.” —But all of this would take place internally. If only this were present, this “realm” with its “might” would stand self-contained, and it would exist only for itself. It exists for others in the world, for other beings, only when that which radiates from within reaches the surface and shines out from there into the surroundings, so that what radiates out into the world is a radiance located on the surface—a “glory.” The radiance from within is the “power”; the power’s anchoring on the surface and its shining outward from there is the “glory.” When you look at the form that leads directly into Mathesis—into a vivid conception of what can be conceived in the realm of Ideas as kingdom, power, and glory—you have this transition into Mathesis, into vivid conception. Then one seeks what one had spiritually and psychologically in one’s contemplation, also externally in real reality. One looks at what one had grasped mathematically; one seeks it in the external world and finds it in the sun, for that is the image. And instead of concluding the Lord’s Prayer with the words: “... for Thine is the kingdom, the power, and the glory,” one could also conclude the Lord’s Prayer with: “... for Thine is the sun.”

[ 16 ] Jedes Wesen wurde im Sinne der Trinität angesehen; und derjenige, der noch etwas weiß von der wirklichen gnostischen Erkenntnis, der weiß, daß eben einfach am Schlusse des Vaterunsers gebetet worden ist so, daß man vorgebracht hat in Worten die Glieder der Sonnentrinität, und daß man das Bewußtsein hatte, man spricht damit eigentlich aus, indem man das Vaterunser geschlossen hat, die sieben Bitten vorgebracht hat und auf sich hingewiesen hat: «... erlöse uns von dem Übel»: denn Du, der Du in der Sonne wohnst, Du bist derjenige, welcher das vermag. Es ist überall ein Bewußtsein vorhanden gewesen, daß die Natur draußen nicht ungeistig ist, daß die Natur überall durchgeistigt ist, und das Mittel, diese Durchgeistigung wirklich sich zu vergegenwärtigen, man fand es, indem man überall das Trinitätswirken hatte.

[ 16 ] Every being was viewed in terms of the Trinity; and anyone who still knows something of true Gnostic knowledge knows that, precisely at the end of the Lord’s Prayer, the elements of the Solar Trinity were expressed in words, and that there was an awareness that, by concluding the Lord’s Prayer, presenting the seven petitions, and referring to oneself—“... deliver us from evil”: for You, who dwell in the sun, are the One who can do this. There has always been an awareness that the external world is not non-spiritual, that nature is permeated by the spirit everywhere, and the means to truly realize this spiritual permeation was found in the universal presence of the Trinity’s workings.

[ 17 ] Sehen Sie sich die objektiven Tatbestände an und lesen Sie alle die Vorwürfe, die vorgebracht werden — wenn sie auch unwahr sind —, wenn man beweisen will, daß Anthroposophie eine Erneuerung der Gnosis sei. Überall ist man bemüht, die Gnosis anzuschwärzen und dann zu sagen: Wer heute Gnostiker ist, der führt die Menschheit in den Nebel zurück. Welches Bestreben besteht bei der Theologie? Das Gemüt der Menschen abzulenken von demjenigen, was vorhanden war vor dem Konzil von Konstantinopel, was besonders stark vorhanden war, bevor der Kaiser Justinian im 6. Jahrhundert die letzten griechischen Philosophenschulen geschlossen hat, so daß die letzten Philosophen unter der Führung von Damaskios und Simplikios mit fünf anderen geflohen sind nach Asien hinüber und eine nächste Zufluchtsstätte gefunden haben in Gondhishapur, wo die Leute gewirkt haben, deren Wirken auch vollständig ausgelöscht worden ist.

[ 17 ] Look at the objective facts and read all the accusations that are made—even if they are untrue—when people seek to prove that anthroposophy is a revival of Gnosticism. Everywhere, efforts are being made to denigrate Gnosticism and then to claim: Anyone who is a Gnostic today is leading humanity back into the fog. What is the aim of theology? To divert people’s minds from what existed before the Council of Constantinople—what was particularly prevalent before Emperor Justinian closed the last Greek philosophical schools in the 6th century— so that the last philosophers, led by Damascius and Simplicius along with five others, fled to Asia and found their next refuge in Gondishapur, where people were active whose work has also been completely erased.

[ 18 ] Es ist das durchaus notwendig, daß heute überwunden wird jener Gegensatz, der besteht zwischen einer bloß abstrakten Wortwissenschaft, die durchaus heute als Wissenschaft gilt, und der Anschauung des Wirklichen als eines Durchgeistigten. Zu dieser Anschauung des Wirklichen als eines Durchgeistigten muß man eben wiederum kommen. Ohne diese Anschauung ist eine Religionsgrundlegung, eine Grundlegung des religiösen Wirkens absolut unmöglich.

[ 18 ] It is absolutely necessary today to overcome the contrast that exists between a merely abstract study of language—which is certainly regarded as a science today—and the view of reality as something permeated by the spirit. We must return to this view of reality as something permeated by the spirit. Without this view, a foundation for religion—a foundation for religious activity—is absolutely impossible.

[ 19 ] Und wenn Sie kultisch sprechen wollen, dann müssen Sie auch allmählich aufrücken zum Begreifen des Äußeren. Sie müssen in der Sonne sehen können dasjenige, was die Objektivierung ist desjenigen, was Macht, Reich und Herrlichkeit ist. Sie haben vielfach das, was so ausgedrückt ist, fast durch das ganze Evangelium hindurch, nur so aufzufassen, daß es in einer Sprache ausgedrückt ist, wo durchaus das Wort bewußt hinüberfließt in das Gestalten, in das vom Geist aus in die Welt hinaus Geschaffene. Nur dann verstehen Sie das Evangelium wirklich, wenn Sie mit diesem Bewußtsein sich durchdringen können.

[ 19 ] And if you wish to speak in religious terms, then you must also gradually progress toward understanding the outward reality. You must be able to see in the sun that which is the objectification of power, kingdom, and glory. In many cases, what is expressed in this way throughout almost the entire Gospel must be understood as being expressed in a language in which the word consciously flows over into form—into that which is created by the Spirit and sent out into the world. Only then will you truly understand the Gospel when you can imbue yourselves with this awareness.

[ 20 ] Nun, wenn wir dieses ins Auge fassen, dann werden wir sehen, wie weit die gegenwärtige Wissenschaft, trotzdem sie glaubt ganz realistisch zu sein, von der wahren Wirklichkeit entfernt ist. Denn, sehen Sie, es kam dann, nachdem man Schutt geworfen hatte über das Verständnis der Wirklichkeit — über solche Auffassungen wie diejenige, daß in den Schlußworten des Vaterunser die Sonne enthalten ist —, nachdem man es so weit gebracht hat, daß heute jeder als ein Unchrist hingestellt wird, der den Sonnenbegriff zusammenbringt mit dem Christus-Begriff, kam dann die Zeit, wo man überhaupt nicht mehr verstanden hat, wie sich dasjenige, was die menschliche Seele erlebt, zur Wirklichkeit verhält.

[ 20 ] Well, if we consider this, we will see how far modern science—despite its belief that it is entirely realistic—is removed from true reality. For, you see, it came about after people had cast aside the understanding of reality—including such notions as the idea that the sun is contained in the closing words of the Lord’s Prayer— after things had been taken so far that today anyone who connects the concept of the sun with the concept of Christ is portrayed as a non-Christian—that the time came when people no longer understood at all how what the human soul experiences relates to reality.

[ 21 ] Sehen Sie, in der Zeit, als im 9. nachchristlichen Jahrhundert noch gewisse Reste des früheren Wissens bewahrt hatte eine solche Gestalt wie die des Scotus Eriugena, in dieser Zeit, wo Eriugena noch gewußt hat einen Zusammenklang zu finden zwischen dem, was die Seele erlebt und dem, was außen in der physisch-sinnlichen Welt ist, — in dieser Zeit entstanden dann [nach und nach] die anderen [Anschauungsweisen], in denen sich der Mensch gedachte Tatsachenbegriffe gemacht hat und angefangen hat zu grübeln, ob seine Begriffe überhaupt etwas mit der Wirklichkeit zu tun haben. Dann kam die Zeit der Scholastiker, des Albertus Magnus, des Thomas von Aquin, die noch in ihrem letzten Anklang von altem Bewußtsein etwas fühlten davon, daß Begriffe und Ideen nur einen Sinn haben, wenn sie außen in der Welt als Wirklichkeit zu finden sind; bei denen lebte sich aus der Realismus der [frühen] Scholastik. Die anderen aber, die das Bewußtsein verloren hatten von dem Zusammenklang der Ideen mit der Wirklichkeit, die die Vorläufer der heutigen Theologie waren, die es als ketzerisch hinstellten, wenn man von dem Zusammenklang der Sonne mit Reich, Macht und Herrlichkeit sprach, bei denen entwikkelte sich der Nominalismus. Der große Streit zwischen Nominalismus und Realismus ist hervorgegangen aus dem Konzilsbeschluß vom Jahre 869, wodurch man Dunkel gebreitet hat über die Anschauungsweise, [daß der Mensch aus Leib, Seele und Geist besteht]. Und heute sind wir ja so weit, daß wir auf der einen Seite eine Polemik sich entspinnen sehen, wenn darauf hingewiesen wird, daß im Vaterunser bei «Dein ist das Reich, die Macht und die Herrlichkeit in Äonen, Amen» eigentlich innerlich geistig-seelisch der Christus gemeint ist und äußerlich dasjenige [gemeint ist], was ihm in der Umgebung entspricht: die Sonne. Gemeint ist, wenn man die Trinität — das Reich, die Macht und die Herrlichkeit — äußerlich zusammenfaßt: «... denn Dein ist die Sonne», wenn man das Innere, Geistig-Seelische anschauen will, und — den Vater ansprechend, den der Welt Subsistierenden —: «denn Dein ist der Sohn, Christus-Jesus, er ist bei Dir».

[ 21 ] You see, in the 9th century A.D., when certain remnants of earlier knowledge were still preserved by a figure such as Scotus Eriugena—at that time, when Eriugena was still able to find a harmony between what the soul experiences and what exists externally in the physical, sensory world— —it was during this time that the other [ways of thinking] gradually emerged, in which human beings formed conceptualizations of facts and began to ponder whether their concepts had anything to do with reality at all. Then came the age of the Scholastics—Albertus Magnus, Thomas Aquinas—who, in their final echoes of the old consciousness, still sensed that concepts and ideas only have meaning if they can be found as reality in the external world; in them, the realism of [early] Scholasticism found its full expression. The others, however—who had lost the awareness of the harmony between ideas and reality, who were the precursors of today’s theology, and who regarded it as heretical to speak of the harmony between the sun and kingdom, power, and glory—among them, nominalism developed. The great controversy between nominalism and realism arose from the council’s decision of the year 869, which cast a shadow over the view [that human beings consist of body, soul, and spirit]. And today we have reached the point where, on the one hand, we see a polemic unfolding when it is pointed out that in the Lord’s Prayer, in the phrase “Yours is the kingdom, the power, and the glory throughout the ages, Amen,” what is actually meant inwardly, in a spiritual-soulful sense, is Christ, while outwardly it refers to that which corresponds to him in his surroundings: the sun. What is meant is that, when one summarizes the Trinity—the Kingdom, the Power, and the Glory—externally: “... for Yours is the sun,” if one wishes to look at the inner, spiritual-soul aspect, and—addressing the Father, who subsists in the world—“for Yours is the Son, Christ Jesus; He is with You.”

[ 22 ] Die evangelische Kirche ist über diese Dinge heute bei der völligen Bewußtlosigkeit angelangt, sie weiß nichts von diesen Dingen und weiß nicht einmal, warum sie nichts weiß, weil sie sich nicht aufklärt über das Wesen solcher Dinge. Die katholische Kirche, die die Tradition bewahrt hat, weiß sehr viel davon, und insbesondere im Schoß des Jesuitismus weiß man von diesen Dingen sehr viel. Aber man hält ja folgende Religionspolitik ein: Man sagt, wenn die Leute wiederum daraufkommen, daß neben Leib und Seele auch der Geist waltet, dann sind sie nicht weit vom Weg nach dem Übersinnlichen hin. Wir müssen verhindern, daß die Menschen vom Geist etwas erkennen. —

[ 22 ] The Protestant Church has reached a state of complete ignorance regarding these matters today; it knows nothing about them and does not even know why it knows nothing, because it does not seek to understand the nature of such things. The Catholic Church, which has preserved the tradition, knows a great deal about these things, and within Jesuitism in particular, people know a great deal about them. But the following religious policy is adhered to: It is said that if people once again come to realize that, in addition to body and soul, the spirit also reigns, then they are not far from the path leading to the supernatural. We must prevent people from recognizing anything about the spirit. —

[ 23 ] Daher sehen Sie, daß gerade im Jesuitismus, wo eine hervorragende wissenschaftliche Befähigung herangezogen wird, eine wissenschaftliche Politik eingehalten wird und zwar in der folgenden Weise. Man sagt sich, heute fordert die Welt Wissenschaft, sie fordert sie in dem Sinn, in dem man sie seit der Galilei-Kopernikus-Zeit Wissenschaft nennt. Die katholische Kirche hat sich gewehrt gegen diese Wissenschaft bis zum Jahre 1829; erst da ist den Katholiken ex cathedra erlaubt worden, an die Umdrehung der Erde um die Sonne zu glauben. Aber seither wird die andere Politik verfolgt, die Politik, die Galilei-Kopernikanische Naturwissenschaft bis in den äußersten Materialismus hineinzutragen. Daher werden Sie überall in der von Jesuiten inspirierten Literatur finden, Wissenschaft solle sich nur mit dem sinnlich Wahrnehmbaren beschäftigen. Wissenschaft soll stehenbleiben bei dem, was räumlich-zeitlich ist, und Wissenschaft kann nicht aufrücken zu demjenigen, was über Räumlich-Zeitliches hinausgeht. — Dadurch will man die Menschheit halten dabei, nur eine solche Wissenschaft zu haben, die über das Räumlich-Zeitliche sich ergeht, und das andere in das Gebiet des Glaubens verweisen und mit dem Glauben dasjenige umfassen, was von dem unfehlbaren Papste zu glauben vorgeschrieben wird, beziehungsweise von dem ihn beratenden Kollegium. Eine strenge Trennung zwischen demjenigen, was Gegenstand der Wissenschaft sein soll und demjenigen, was geglaubt werden soll, wird in der extremsten Weise gerade vom Jesuitismus getrieben. Die Jesuiten glänzen auf dem Gebiet, wo es eine materialistische Wissenschaft gibt, ja, niemand hat es so weit getrieben in der Erfassung des Materialismus als die jesuitische Wissenschaft, die die Zöglinge erzieht zu ganz besonders klugen Forschern auf materialistisch-wissenschaftlichem Gebiet, damit sie leuchten und glänzen auf diesem Gebiet, um nur um so mehr Eindruck zu machen, wenn sie sagen: Wissenschaft hat sich nie über das zu ergehen, was Christus übergeben hat dem römischen Stuhl als dessen Recht, Vertreter des geistigen Lehrgutes zu sein, oder, wie man es dogmatisch ausdrückt: Der Christ hat in dem Vorsteher der Kirche zu sehen den Inhaber des göttlichen Lehramtes. — Nun, damit soll immer mehr und mehr die Wissenschaft in dem äußerlich Materiellen befestigt und ein Durchgeistigen der Wissenschaft verhindert werden.

[ 23 ] Therefore, you can see that it is precisely in Jesuitism—where outstanding scientific ability is drawn upon—that a scientific policy is followed, and specifically in the following manner. One tells oneself: Today, the world demands science; it demands it in the sense in which it has been called “science” since the time of Galileo and Copernicus. The Catholic Church resisted this science until the year 1829; only then were Catholics permitted, ex cathedra, to believe in the Earth’s revolution around the Sun. But since then, a different policy has been pursued—the policy of extending Galilean-Copernican natural science all the way to the extreme of materialism. That is why you will find throughout Jesuit-inspired literature the assertion that science should concern itself only with what is perceptible to the senses. Science is to remain confined to what is spatial and temporal, and science cannot ascend to that which transcends the spatial-temporal realm. — The aim is to keep humanity confined to a science that deals only with the spatiotemporal realm, relegating everything else to the realm of faith—and through faith, to embrace only that which the infallible Pope, or rather the college advising him, prescribes as matters of belief. A strict separation between what is to be the subject of science and what is to be believed is pursued in the most extreme manner precisely by Jesuitism. The Jesuits excel in the realm of materialistic science; indeed, no one has taken the embrace of materialism as far as Jesuit scholarship, which trains its students to be particularly astute researchers in the field of materialistic science, so that they may shine and excel in this field, thereby making an even greater impression when they declare: Science must never concern itself with what Christ entrusted to the Roman See as its right to be the representative of the spiritual doctrine, or, as it is expressed dogmatically: The Christian must regard the head of the Church as the holder of the divine magisterium. — Well, this is intended to anchor science ever more firmly in the outwardly material realm and to prevent a spiritualization of science.

[ 24 ] Sehen Sie, meine lieben Freunde, es hat einen Strauß gegeben, einen Renan, einen Büchner, einen Bölsche; es hat einen Haeckel gegeben, der in seinem Herzen gar nicht Materialist war und nur durch die Fülle seiner Schriften einem so erscheinen kann. Es hat viele Materialisten gegeben, aber sie waren Waisenknaben gegen dasjenige, was an Heranbringung des Materialismus geleistet worden ist auf die Art, wie ich es Ihnen eben auseinandergesetzt habe. Die eigentlichen Schöpfer des Materialismus auf wissenschaftlichem Gebiet, das sind die Theologen der letzten vier Jahrhunderte gewesen. Und es war in der Kirche immer sehr schwierig, sich gegen diesen hereinbrechenden wissenschaftlichen Materialismus zu wehren.

[ 24 ] You see, my dear friends, there was a Strauss, a Renan, a Büchner, a Bölsche; there was a Haeckel, who was not at all a materialist at heart and may only appear to be one because of the sheer volume of his writings. There have been many materialists, but they were mere amateurs compared to what has been accomplished in advancing materialism in the manner I have just explained to you. The true architects of materialism in the scientific realm have been the theologians of the last four centuries. And it has always been very difficult within the Church to defend itself against this encroaching scientific materialism.

[ 25 ] Denken Sie nur einmal, wie wenig verstanden wurde eine solche Gestalt wie Oetinger, der noch den Satz geprägt hat: Alle materiellen Erscheinungen sind des Geistes Enderscheinungen —, worin er ausdrücken wollte, daß dasjenige, was äußerlich in der Schöpfung vorhanden ist, ursprünglich vom Geiste stammt, daß der Geist, indem er schafft, an das Ende kommt, zu seiner äußersten Ausprägung kommt und dadurch die materiellen Erscheinungen schafft. Diese schöne Darstellung, Sie finden sie nur durchmischt mit nebuloser Mystik, aber es ragen noch solche erratischen Blöcke einer durchgeistigten Weltanschauung herein, und Sie müssen, wenn Sie solche Leute wie Oetinger lesen, sich darüber klarwerden, daß Sie nicht das Ganze annehmen dürfen, aber Sie müssen sich von vielem anregen lassen, was Sie darin finden. Sie müssen die Begriffe sehen, die wie ein Blitzesleuchten aus einer durchgeistigten Weltanschauung auftreten.

[ 25 ] Just think for a moment how little a figure like Oetinger was understood—he was the one who coined the phrase: “All material phenomena are the final manifestations of the spirit”—by which he meant to express that what exists externally in creation originates originally from the spirit, that the spirit, in the act of creating, reaches its end, attains its ultimate expression, and thereby creates material phenomena. You will find this beautiful conception interwoven with nebulous mysticism, but such erratic fragments of a spiritually imbued worldview still emerge, and when you read people like Oetinger, you must realize that you cannot accept the whole of it, yet you must allow yourself to be inspired by much of what you find within it. You must recognize the concepts that emerge like flashes of lightning from a spiritually-infused worldview.

[ 26 ] Das ist schon dasjenige, was ich Ihnen noch sagen wollte, um Ihnen das Verhältnis der Entwickelung der Theologie und der Wissenschaft ein wenig zu charakterisieren. Geradeso wie die Universitäten aus Theologen-Gründungen hervorgegangen sind, so ist dasjenige, was heute unsere Wissenschaft ist, auch wenn sie weltlich auftritt, noch immer das Ergebnis des Entwickelungsganges der Theologie. Und es muß eben durchaus festgehalten werden, daß Leute wie Strauß, Büchner und so weiter Waisenknaben sind in der Begründung des Materialismus gegenüber dem, was geleistet worden ist von Theologen.

[ 26 ] That is precisely what I wanted to tell you next, in order to characterize a little the relationship between the development of theology and that of science. Just as universities emerged from institutions founded by theologians, so too is what we call science today—even if it appears secular—still the result of the developmental trajectory of theology. And it must be firmly noted that people like Strauss, Büchner, and so on are mere upstarts in the justification of materialism compared to what has been achieved by theologians.

[ 27 ] Auf der anderen Seite hat ein anderes Element in die wissenschaftliche Bewegung der neueren Zeit hereingearbeitet, und das ist dasjenige, was herübergekommen ist vom Orient. Sehen Sie, in den südlichen Gegenden Europas hat man sich ja [von der früheren Strömung des geistigen Lebens abgewendet] seit der Mitte des 4. nachchristlichen Jahrhunderts bis zu der Zeit, wo Justinian den letzten Akt vollzog, in dem er [die Athener Philosophenschule auflöste und] die sieben hauptsächlichsten Athener Philosophen vertrieben hat, die wirklich eine Art von internationaler Gesellschaft waren. Da war ein Damaskios, da war ein Simplikios, da waren Philosophen aus allen Gegenden, und es war in diesen Sieben wirklich eine Art internationale Gesellschaft vorhanden, und die hat mitgenommen die letzten Reste der aristotelischen Erkenntnis, die ja selbst gegenüber der Gnosis schon in einer Art von Dekadenz war. Diese aristotelische Erkenntnis ist eingepflanzt worden der geistigen Welle, die sich dann über Arabien herüber verpflanzt hat nach Spanien, und wir sehen, wie im 11., 12., 13. Jahrhundert sich eine geistige Welle von dort [nach dem Westen] herüberwälzt. Da kommt herüber dasjenige, was ja dann einen starken Einfluß genommen hat auf solche Geister wie Roger Bacon, und — was noch deutlich wahrnehmbar ist — in der Philosophie des Spinoza, die auf Goethe einen so großen Einfluß genommen hat.

[ 27 ] On the other hand, another element has found its way into the scientific movement of recent times, and that is what has come over from the East. You see, in the southern regions of Europe, people had indeed [turned away from the earlier current of intellectual life] from the middle of the 4th century A.D. until the time when Justinian carried out his final act, in which he [dissolved the Athenian school of philosophy and] expelled the seven leading Athenian philosophers, who truly constituted a kind of international society. There was Damascius, there was Simplicius, there were philosophers from all regions, and among these seven there truly existed a kind of international society, which carried with it the last remnants of Aristotelian knowledge—which, even in contrast to Gnosticism, was already in a state of decline. This Aristotelian knowledge was implanted in the intellectual current that then spread from Arabia to Spain, and we see how, in the 11th, 12th, and 13th centuries, an intellectual current surged from there [toward the West]. What came over was that which then exerted a strong influence on minds such as Roger Bacon’s, and—as is still clearly discernible—on Spinoza’s philosophy, which had such a great influence on Goethe.

[ 28 ] Und durch den Zusammenfluß dessen, was als Gefühlschristentum, Gemütschristentum, als wahres Christentum fortgelebt hat gegenüber dem theologischen Christentum, aus dem Zusammenfluß des Gemütschristentums mit der Kraft, die aus den Völkern der Völkerwanderung gekommen ist, pflanzt sich die eine Welle des Christentums fort; sie liefert nicht die äußere Weltwissenschaft wie die andere Welle, die dadurch entstanden ist, daß aristotelische Erkenntnis gebracht worden ist durch die Araber nach Spanien und von dort einen so großen Einfluß genommen hat auf Spinoza. Darin war dasjenige enthalten, was auf Jahrhunderte hinaus die neuere Naturwissenschaft beeinflußt hat. Die neuere Naturwissenschaft ist von Anfang an ausgegangen von einer Art von Protest ... [Lücke in der Nachschrift], der immer berufen ist, den Gott zu verlieren. Sie kann ihn nur verlieren, nie halten, und es ist entstanden die neue gottesleere Wissenschaft, die aber in bezug auf die Natur eine wahre Wissenschaft ist, nur eben über gewisse Grenzen als solche nicht hinauskann, die aber zu gleicher Zeit die Erziehung des Menschen zur Freiheit wesentlich gefördert hat. Heute sind wir an dem Punkt angekommen, wo aus dieser Wissenschaft heraus selbst die Durchgeistigung wiederum gesucht werden muß, wo die Wissenschaft hinaufgeführt werden muß aus einer bloß anthropologischen [Wissenschaft], aus einer solchen Erkenntnis, die nichts weiß vom Menschen als das Leibliche, die bloß letzte Worthülsen hat über das Seelische und vom Geist gar nichts mehr weiß, daß von einer solchen anthropologischen Wissenschaft der Weg hinauf gemacht werden muß zu einer anthroposophischen Wissenschaft, durch die erkannt wird das Materielle in seiner Durchdringung mit dem Geistigen namentlich beim Menschen.

[ 28 ] And through the convergence of what has lived on as “emotional Christianity,” “spiritual Christianity,” and “true Christianity”—in contrast to “theological Christianity”—and through the convergence of spiritual Christianity with the force that arose from the peoples of the Migration Period, this one wave of Christianity continues to spread; it does not provide the external science of the world like the other wave, which arose when Aristotelian knowledge was brought by the Arabs to Spain and from there exerted such a great influence on Spinoza. That wave contained what would influence modern natural science for centuries to come. Modern natural science has, from the very beginning, proceeded from a kind of protest ... [gap in the postscript], which is always destined to lose God. It can only lose Him, never hold on to Him, and thus a new, God-less science has emerged—one that is, however, a true science with regard to nature, though it cannot transcend certain limits as such; yet at the same time, it has significantly advanced the education of humanity toward freedom. Today we have reached the point where, from within this science itself, spiritualization must once again be sought; where science must be elevated from a merely anthropological [science], from a form of knowledge that knows nothing of the human being except the physical, that has only empty phrases regarding the soul, and knows nothing at all of the spirit—that from such an anthropological science, the path must be paved upward toward an anthroposophical science, through which the material is recognized in its interpenetration with the spiritual, particularly in the human being.

[ 29 ] Und auf diese Weise kann der Moment herbeigeführt werden, in dem sich begegnen Wissenschaft und religiöses Leben, aber auf keinem anderen Weg als dadurch, daß wiederum gefunden wird der Geist in allem Materiellen, daß überwunden wird die Anschauung, als ob es irgendwo ein Materielles gäbe, ohne daß es auch zum Geist führt. Wenn Sie sich selber durchdringen mit diesem Bewußtsein, wenn dieses Bewußtsein so Kraft in Ihnen gewinnt, daß Sie, wenn Sie predigen, aus diesem Bewußtsein heraus sprechen, dann werden Sie die Möglichkeit gerade auf Ihrem Gebiete des Wirkens finden, den Zugang zu den Menschenherzen, nicht zu dem Menschenverstande bloß, zu suchen. Sie werden allmählich — selbst wenn es anfangs nicht so aussehen würde — den Weg finden müssen zu den Herzen der Menschen, indem Sie sprechen aus der Kraft heraus, die Ihnen kommt, wenn Sie das Bewußtsein erheben bis zum Durchschauen des Durchgeistigtseins aller Materie. Denn ohne daß Sie zu diesem Bewußtsein kommen vom Durchgeistigtsein aller Materie, kommen Sie nicht zu einer wirklichen lebendigen Gottesauffassung.

[ 29 ] And in this way, the moment can be brought about in which science and religious life meet—but in no other way than by rediscovering the spirit in all that is material, by overcoming the notion that there is anything material anywhere that does not also lead to the spirit. If you imbue yourselves with this awareness, if this awareness gains such strength within you that, when you preach, you speak from this awareness, then you will find the opportunity, precisely in your field of work, to seek access to people’s hearts—not merely to their intellects. You will gradually—even if it does not seem that way at first—have to find the way to people’s hearts by speaking from the power that comes to you when you raise your consciousness to the point of perceiving the spiritual nature of all matter. For unless you attain this awareness of the spiritual nature of all matter, you will not arrive at a true, living understanding of God.

[ 30 ] Wenn Sie aber sprechen wollen in dem Sinn, wie Sie es sich vorgenommen haben, dann muß das, was Sie sprechen, ein äußerer Ausdruck sein von dem, was gemeint ist im Beginne des JohannesEvangeliums: «Im Urbeginne war das Wort ...», denn es wird hingewiesen, indem auf das Wort, auf den Logos gedeutet wird, daß dieser Logos vorhanden war, bevor die Materie entstanden war, und daß die Materie aus dem Logos hervorgegangen ist. Sie müssen verbinden diese Erkenntnis mit der anderen, daß es Ihnen möglich ist, indem Sie sprechen, aus Ihren Worten heraus erklingen zu lassen dasjenige, was Sie selbst in Ihrem Gemüt, in Ihrer Seele erleben, wenn Sie durch geistige Erkenntnis das Göttliche erfühlen im Inneren und sich in gotterfühlender Meditation vorbereiten für Ihr Predigeramt. In diesem Hinleben zum Sprechen, nicht nur in dem abstrakten Vorbereiten in bezug auf den Inhalt des Lehrgutes, in diesem meditativen Einarbeiten zu jeder einzelnen Predigt muß sich Ihnen die Kraft ergeben, durch die Sie eine Gemeindebildung erzielen können.

[ 30 ] But if you wish to speak in the sense you have intended, then what you say must be an outward expression of what is meant at the beginning of the Gospel of John: “In the beginning was the Word…,” for by referring to the Word, to the Logos, it is indicated that this Logos existed before matter came into being, and that matter emerged from the Logos. You must combine this insight with the other, namely that it is possible for you, as you speak, to let resound through your words that which you yourself experience in your mind and in your soul when, through spiritual insight, you sense the Divine within and prepare yourself for your ministry through God-conscious meditation. It is in this living toward speaking—not merely in abstract preparation regarding the content of the teaching—but in this meditative immersion in each individual sermon that the power must arise within you through which you can achieve the formation of a congregation.

[ 31 ] Das ist dasjenige, was ich Ihnen heute noch ans Herz legen wollte, und was ich Sie bitte so aufzunehmen, daß es mehr gefühlt sein will als gedacht, und ich hoffe, daß es uns dann in der Zeit, wo wir uns wieder zusammenfinden werden, gestattet sein wird, diese Betrachtungen fortzusetzen.

[ 31 ] That is what I wanted to share with you today, and I ask you to take it to heart—not so much as something to be thought about, but rather as something to be felt—and I hope that when we meet again, we will be able to continue these reflections.

[ 32 ] Nun war ja wohl vielleicht noch gestern der Wunsch aufgetreten, das eine oder das andere an die Debatte anzuknüpfen.

[ 32 ] Well, perhaps as recently as yesterday there was still a desire to tie one thing or another into the debate.

[ 33 ] Emil Bock: Ich habe gestern abend gedacht, daß wir heute den Text des Werbeblattes vorlegen können. Ich weiß aber nicht, ob er in dieser Form bestehen bleiben kann.

[ 33 ] Emil Bock: I was thinking last night that we could present the text of the advertising brochure today. But I don't know if it can remain in this form.

[ 34 ] Rudolf Steiner: Wir bleiben ja jedenfalls im Zusammenhang, und wenn Sie auch heute abreisen, so werden Sie es mir ja mitteilen, wenn ich selber einen Rat geben soll, damit ich ihn dann geben kann. Sie haben aber eine Idee, was in diesem Werbeblatt im wesentlichen enthalten sein wird?

[ 34 ] Rudolf Steiner: We’ll stay in touch in any case, and even if you’re leaving today, you’ll let me know if you need my advice so that I can give it to you. But do you have any idea what the main content of this promotional brochure will be?

[ 35 ] Emil Bock: Wir wollen, soweit wir es überlegt haben, einfach den Gedankengang so einschlagen, daß wir ausgehen von der Not des religiösen Lebens gegenüber dem Intellektualismus, daß wir dann hinweisen auf die Notwendigkeit einer neuen Weltanschauung, in der die Religion möglich ist, auf die Notwendigkeit, gerade durch Weltanschauungserneuerung zu einer religiösen Erneuerung zu kommen. Wir wollen dann darauf hinweisen, wie das gedacht ist, durch die Belebung des Bildhaften und so weiter, und wir könnten dann ein Wort darüber sagen, daß es sich um eine besondere Erneuerung des Christentums handelt. Wir wollen aber auch sagen, daß wir eine Arbeit vorhaben gerade in bezug auf die kirchliche Arbeit, und dann soll ein Übergang gefunden werden zu dem Appell an die Gebefreudigkeit. Wir können das nur, wenn dem freien Geistesleben die Möglichkeit geboten wird. Das Geistesleben muß durch eine Tat, das heißt durch eine Spende befreit werden. Dadurch soll an einem Punkt das Geistesleben befreit werden, zunächst im Religiösen. Das war der Gedankengang, der, soviel ich geschen habe, vorläufig im Einklang gefunden wurde. Wir waren aber uns noch nicht klar, ob wir damit das Richtige getroffen haben.

[ 35 ] Emil Bock: As far as we have considered it, we simply want to follow this line of thought: starting from the plight of religious life in the face of intellectualism, we will then point to the necessity of a new worldview in which religion is possible—the necessity of achieving religious renewal precisely through a renewal of the worldview. We will then explain how this is conceived—through the revitalization of the imagery and so on—and we could then say a few words about the fact that this involves a particular renewal of Christianity. But we also want to say that we have a project in mind specifically with regard to the work of the Church, and then a transition should be made to the appeal to generosity. We can do this only if the free spiritual life is given the opportunity to flourish. The spiritual life must be liberated through an act—that is, through a donation. Through this, the spiritual life is to be liberated at a certain point, initially in the religious sphere. That was the line of thought that, as far as I could tell, had provisionally found consensus. However, we were not yet sure whether we had hit upon the right approach.

[ 36 ] Rudolf Steiner: Es ist eine Summe von Gedanken, die jedenfalls die richtigen sind. Ich will nur, damit Sie den richtigen Tenor finden, auch auf folgendes hinweisen: Alles dasjenige, was heute in solchen Dingen von Anthroposophie kommt, steht durchaus auf dem Boden der Wirklichkeit und ist immer darauf aus, den Boden der Wirklichkeit nicht zu verlassen. Die Dreigliederungsbewegung hat im Frühling 1919 begonnen, in der Zeit, als besonders über Mitteleuropa eine erwartungsvolle Stimmung bei großen Teilen der Bevölkerung ausgegossen war. Diese erwartungsvolle Stimmung war allerdings in verschiedener Weise ausgegossen, aber es war eine solche Stimmung da, ich möchte es einfach so ausdrücken, daß eine größere Anzahl von Menschen glaubte, wir sind in das Chaos hineingeworfen und wir müssen durch vernünftige Harmonisierung der sozialen Kräfte weiterkommen. Diese Stimmung war vielfach verbreitet, als ich im April 1919 mit der Tätigkeit für die Dreigliederung begann.

[ 36 ] Rudolf Steiner: It is a collection of thoughts that are, in any case, correct. I would just like to point out the following so that you can grasp the correct tone: Everything that comes from anthroposophy today in such matters is firmly grounded in reality and always strives not to stray from that grounding. The Threefold Social Order movement began in the spring of 1919, at a time when a mood of anticipation had spread among large segments of the population, particularly across Central Europe. This atmosphere of anticipation manifested itself in various ways, but such a mood certainly existed; I would simply put it this way: a large number of people believed that we had been thrown into chaos and that we must move forward through the sensible harmonization of social forces. This mood was widespread when I began my work on the threefold social order in April 1919.

[ 37 ] Nun, ich habe dazumal, aus der Form heraus, die ich meinen Vorträgen über die Dreigliederung gegeben habe, sehr häufig geschlossen damit, daß dasjenige, was da gemeint ist, sehr bald in Wirklichkeit umgesetzt werden soll, denn es könnte sehr bald zu spät sein, und diese Formel «Es könnte sehr bald zu spät sein» können Sie in den damals nachgeschriebenen Vorträgen sehr häufig finden. Es war dazumal die Zeit, wo man in der Form, wie ich es formuliert habe, hätte etwas ausrichten können, wenn die Gegner nicht zu stark angewachsen wären, eine zu starke Macht geworden wären. Nun liegt ja die Sache so: Es ist seit jener Zeit in Mitteleuropa eine furchtbare reaktionäre Welle heraufgezogen, viel stärker als man denkt, und man muß das durchaus ernst nehmen. Damit ist die Dreigliederung nicht als Prinzip getroffen — das ist dauernd —, aber so wie man dazumal sie verwirklichen wollte, so kann sie nicht mehr verwirklicht werden. Was aus dem Realen der Zeit gedacht ist, ist für die Zeit gedacht, und man würde zum Abstrakten kommen, wenn man so etwas nicht einsehen wollte. Wir stehen heute auf dem Punkt, wo gesagt werden muß, es müssen neue Formen gesucht werden, um aus dem Chaos herauszukommen. Man hat nicht mehr in denselben Formulierungen vor die Welt hinzutreten, wenn man die Dreigliederung selbst vertritt. Insbesondere haben wir heute notwendig als unbedingt Wichtiges, was wiederum zu irgendeinem Licht führen kann, wir haben heute nötig — so unbehaglich es sein mag — ein Hineinleuchten in die ganze Welt der Unwahrhaftigkeit, welche unser geistiges Leben durchzieht. Wir müssen einmal hineinleuchten in diese Unwahrhaftigkeit des geistigen Lebens. Das ist das eine, das Negative. Und das Positive ist: Wir müssen nun, so schnell als das geht, zur Verwirklichung des einen Teiles der Dreigliederung kommen, zur Befreiung des geistigen Gebietes. Wir müssen weniger abstrakte Dreigliederung treiben, denn Sie können heute nicht in der Form, wie wir 1919 begonnen haben, wiederum die Dreigliederung in die Wege leiten — heute ist das Gegnertum zu stark. Nur in der Erkenntnis dessen, was Zeitmacht ist, liegt dasjenige, was uns noch schützen kann vor der Null, spenglerisch gesprochen, nämlich vor dem Heraufkommen des Unterganges. Sie müssen trachten, daß das Konstituieren des freien Geisteslebens gefordert ist.

[ 37 ] Well, back then, based on the structure I gave to my lectures on the threefold social order, I very often concluded by saying that what was being discussed there should be put into practice very soon, because it could very soon be too late—and you can find this phrase, “It could very soon be too late,” very frequently in the transcribed lectures from that time. That was a time when, in the way I phrased it, something could have been achieved—if the opponents hadn’t grown too strong, hadn’t become too powerful. Now the situation is this: since that time, a terrible reactionary wave has swept through Central Europe—much stronger than one might think—and this must be taken very seriously. This does not mean that the threefold social order has been undermined as a principle—that is enduring—but the way one sought to realize it back then can no longer be achieved. What is conceived from the reality of the times is intended for those times, and one would descend into abstraction if one refused to recognize this. We have now reached the point where it must be said that new forms must be sought in order to emerge from the chaos. One can no longer present oneself to the world using the same formulations if one advocates the threefold social order itself. In particular, what we need today as an absolute necessity—and which in turn can lead to some kind of light—is, however uncomfortable it may be, to shine a light into the entire world of insincerity that pervades our spiritual life. We must finally shine a light into this insincerity of spiritual life. That is the one aspect, the negative one. And the positive aspect is this: We must now, as quickly as possible, move toward the realization of one part of the threefold order—the liberation of the spiritual realm. We must engage in less abstract threefolding, for today you cannot once again set the threefold order in motion in the way we began in 1919—today the opposition is too strong. Only in the recognition of what constitutes the power of the times lies that which can still protect us from the “zero”—to use Spengler’s term—namely, from the onset of decline. You must strive to ensure that the establishment of a free spiritual life is demanded.

[ 38 ] Die Wirtschaftswissenschaftler sind in einer solchen Weise versumpft und verdorben in ihren Anschauungen, daß gar keine Rede davon sein kann, die Dreigliederung zu verstehen; dazu sind die niemals zu bewegen. Wie wenig die Dreigliederung verstanden worden ist auf diesem Gebiet, das tritt einem schrecklich entgegen. Ich will Ihnen ein Beispiel sagen: Hier an diesem Ort, als eine Dreigliederungssitzung im Anfang gehalten wurde, da stand ein sehr bekannter Vorsitzender einer bekannten Partei vor mir — wir hatten ein großes Komitee zusammengebracht und er war damals darunter —, der sagte zu mir: «Die Sache mit der Dreigliederung, es wäre recht schön, wenn man es haben könnte, aber vorläufig versteht es ja kein Mensch, und verstehen tut man es nur, wenn Sie zu den Leuten reden» — ich sage das nicht aus Unbescheidenheit, sondern nur, um etwas an diesem Beispiel zu zeigen —, «und auf zwei Augen darf das nicht gebaut werden. Wir wissen ja, daß in 15 bis 20 Jahren die letzten Reste von dem, was wir da haben, doch in den Niedergang kommen. Heute könnten wir das noch aufhalten, wenn wir die Dreigliederung durchführen würden. Die kennt aber weiter niemand, und so wenden wir diese 15 bis 20 Jahre noch lieber die alten Gedanken an, als Ihre Dreigliederung.» —

[ 38 ] Economists are so mired and corrupted in their views that there can be no question of them understanding the threefold order; they can never be persuaded to do so. It is shockingly apparent just how little the threefold order has been understood in this field. Let me give you an example: Here in this very place, when a meeting on the threefold order was first held, a very well-known chairman of a well-known party stood before me—we had assembled a large committee, and he was among them at the time—and he said to me: “This business of the threefold social order—it would be quite nice if we could have it, but for the time being no one understands it, and people will only understand it if you speak to them”—I’m not saying this out of immodesty, but only to illustrate a point with this example—“and we can’t rely on just two eyes. We know, after all, that in 15 to 20 years, the last remnants of what we have here will eventually fall into decline. Today we could still halt that if we were to implement the threefold order. But no one else knows about it, and so for these next 15 to 20 years we’d rather stick with the old ideas than your threefold order.” —

[ 39 ] Dies ist ein Beispiel für das Verständnis, das die Politik der Sache entgegengebracht hat. Es ist nur zu hoffen, daß man zunächst noch die letzten Reste der geistigen Impulse sammeln kann, um diese Befreiung des Geisteslebens auf religiösem Gebiet, auf dem Gebiet der Kunst und auf dem wissenschaftlichen Gebiet zu versuchen. Das sind ja die drei Unterformen; jedes der drei Glieder hat ja wieder drei Untergebiete. Das geistige Gebiet hat als Untergebiete Religion, Wissenschaft und Kunst. Wenn es gelingt, auf diesen Gebieten die Befreiung des Geisteslebens zu erreichen, dann werden sich von selber, vielleicht eher als wir glauben, aus dem Vorbild des freien und befreiten Geisteslebens die Leute finden, die auch ein Verständnis haben für die Gleichheit im Staatsleben und für die Brüderlichkeit im Wirtschaftsleben. Das nächste ist also, mit aller Kraft hinzuarbeiten auf die Verselbständigung des einen Gliedes. Vorläufig ist für Sie das eine wichtig: für die Befreiung des religiösen Gebietes zu arbeiten; das ist dasjenige, was Sie ja tun müssen. Man darf das Wort Dreigliederung nicht gebrauchen in der abstrakten, sondern muß es gebrauchen in der konkreten Form, indem man den größten Wert legt auf die Verselbständigung des einen Gebietes, das namentlich durch die Verlogenheit unter die Räder gebracht worden ist. Es wäre eine Illusion, wenn man nicht sehen würde, wie rasend wir in den Niedergang hineingehen. Wenn Sie auf die Tatsachen hinblicken, können Sie sich eigentlich nicht vorstellen, daß sehr lange so weiter gewirtschaftet werden kann. Die Zinsen für die Schulden des Deutschen Reiches sind 85 Milliarden im letzten Jahre 1920/21 — die Zinsen, nicht die Schulden. Es wird darauf hingewiesen, daß die Steuerleistung der Bewohner Mitteleuropas auf das Dreifache angehoben werden muß. Wie will man da zurechtkommen? Heute gibt es Leute, die zahlen 60% Steuern von dem, was ihr Einkommen ist; die werden dann, wenn sie das Dreifache zahlen müssen, 180% zu zahlen haben, und ich bitte Sie zu überlegen, wie man 180% Steuern bezahlen soll und wie die Wirklichkeitslogik aussieht bei den Leuten, die über öffentliche Angelegenheiten reden. Wir sind am Hineinrutschen in das furchtbarste Chaos. Heute ist es dazu noch so, daß man sagen muß, die Dinge werden noch immer verfälscht dargestellt.

[ 39 ] This is an example of the understanding that politics has shown toward this cause. One can only hope that, for the time being, the last remnants of spiritual impulse can still be gathered in order to attempt this liberation of spiritual life in the religious sphere, in the realm of art, and in the scientific realm. These are, after all, the three subcategories; and each of these three branches, in turn, has three subfields. The spiritual realm has religion, science, and art as its subfields. If we succeed in achieving the liberation of spiritual life in these areas, then—perhaps sooner than we think—people will naturally emerge, inspired by the example of a free and liberated spiritual life, who will also have an understanding of equality in political life and of brotherhood in economic life. The next step, then, is to work with all our strength toward the autonomy of one of these members. For the time being, one thing is important for you: to work for the liberation of the religious sphere; that is precisely what you must do. One must not use the term “threefold social order” in an abstract sense, but must use it in a concrete way, placing the greatest emphasis on the autonomy of the one sphere that has been run into the ground, specifically through hypocrisy. It would be an illusion not to see how rapidly we are heading toward decline. If you look at the facts, you really cannot imagine that things can continue this way for very long. Interest on the German Empire’s debts amounted to 85 billion in the last fiscal year, 1920–21—the interest, not the debts. It is pointed out that the tax burden on the inhabitants of Central Europe must be tripled. How is anyone supposed to cope with that? Today there are people who pay 60% in taxes on their income; if they have to pay three times that amount, they’ll have to pay 180%, and I ask you to consider how anyone is supposed to pay 180% in taxes and what the logic of reality looks like for the people who talk about public affairs. We are sliding into the most terrible chaos. What’s more, it must be said that things are still being misrepresented.

[ 40 ] Ich habe vor einiger Zeit in einem Kreise von Industriellen einen Vortrag gehalten und habe hingewiesen auf die wahre Tatsache, daß die Städte vor dem Verkrachen stehen mit ihren Haushalten; sie haben sich noch gehalten, weil von Seiten der Sparkassen eine Korrektur gekommen ist, aber mit einer solchen Korrektur kann man nur so weit kommen, bis die Kassen leer sind. Man kann einen Rock noch behalten, wenn man nicht die nötigen Mittel hat, einen neuen zu kaufen; dann trägt man eben die alten Kleider weiter — so wie man eben heute die alten Wirtschaftspraktiken weiterträgt —, einmal werden sie eben vom Leibe fallen. Das ist nur eine Täuschung, wenn sich die Leute behaglich fühlen und von Aufstieg reden. Wir sind durchaus in einem Niedergang.

[ 40 ] Some time ago, I gave a lecture to a group of industrialists and pointed out the plain fact that cities are on the verge of bankruptcy with their budgets; they have managed to hold on so far because the savings banks have stepped in to provide relief, but such relief can only last until the coffers are empty. You can still keep a coat if you don’t have the money to buy a new one; you just keep wearing the old clothes—just as we continue to carry on with the old economic practices today—but eventually they’ll simply fall off. It’s just an illusion when people feel comfortable and talk about progress. We are definitely in decline.

[ 41 ] Wenn es möglich ist, das Geistesleben zu retten, dann ist auch die Zivilisation gerettet. Aber es ist notwendig, heute sich wiederum des Wandels der Zeit bewußt zu sein. Mißverstehen Sie mich nicht, ich rede nicht davon, daß die Dreigliederung abgesetzt werden muß, aber so wie man es dazumal betrieben hat, wie es möglich gewesen wäre durch ein Konstituieren der drei nebeneinander bestehenden Glieder, so ist es heute nicht mehr möglich. Heute muß man retten, was noch zu retten ist, und das ist dasjenige, was in den Menschenseelen vorhanden ist. Zur Befreiung des Geisteslebens zu kommen, das ist dasjenige, was man heute natürlich versuchen muß.

[ 41 ] If it is possible to save spiritual life, then civilization is also saved. But today it is necessary to be aware once again of the changing times. Don’t misunderstand me; I’m not saying that the threefold social order must be abolished, but the way it was implemented back then—as it would have been possible by establishing the three coexisting elements side by side—is no longer possible today. Today we must save what can still be saved, and that is what exists within human souls. To achieve the liberation of spiritual life—that is what we must naturally strive for today.

[ 42 ] Dann sind wir wohl jetzt am Ende.

[ 42 ] Well, I guess that's the end of it.

[ 43 ] Emil Bock: Da wir jetzt am Ende sind, darf ich wohl im Namen der Kursteilnehmer Herrn Dr. Steiner unseren aufrichtigen, herzlichen Dank aussprechen. Wir können das ja in Worten nicht zum Ausdruck bringen, aber wir glauben den Anfang versucht zu haben, es durch Arbeit zu beweisen, daß wir tatsächlich dankbar sind und daß der Dank in Taten nur geleistet werden kann. Und ich glaube, durchaus aus den Herzen der Teilnehmer sprechen zu können, wenn ich hier gewissermaßen in einer kleinen Aufraffung unserer Kräfte ein gewisses Versprechen dafür ablege, daß wir das tun werden, was eben in unseren Kräften steht.

[ 43 ] Emil Bock: Now that we have reached the end, I would like to express our sincere and heartfelt thanks to Dr. Steiner on behalf of the course participants. We cannot, of course, put this into words, but we believe we have taken the first step toward proving through our work that we are truly grateful and that gratitude can only be expressed through action. And I believe I speak from the hearts of the participants when I make a certain promise here—as it were, by mustering our strength—that we will do whatever is within our power.

[ 44 ] Rudolf Steiner: Ich brauche nichts anderes mehr zu sagen, als daß es mir eine tiefe innere Befriedigung gewährt, daß Sie sich zu dieser Arbeit eingefunden haben. Möge besonders aus dieser Arbeit etwas erwachsen, das innerhalb des anthroposophischen Lebens von Wert ist. Es wird etwas sehr Bedeutsames sein, wenn gerade der Teil des Geisteslebens, der Ihr Teil ist, durch dieses anthroposophische Leben angeregt wird. Ich hoffe, daß wir uns innerlich verstehen und in der Arbeit weiter zusammenhalten und uns zusammenfinden. — Auf Wiedersehen!

[ 44 ] Rudolf Steiner: I need say nothing more than that it gives me deep inner satisfaction that you have come together for this work. May something of particular value to anthroposophical life emerge from this work. It will be something very significant if the very part of spiritual life that is yours is inspired by this anthroposophical life. I hope that we understand one another inwardly and continue to stand together and find common ground in our work. — Goodbye!