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The Rudolf Steiner Archive

a project of Steiner Online Library, a public charity

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Anthroposophical Foundations
for a Renewed Christian-religious Work
GA 342

15 June 1921, Stuttgart

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Besprechung

Discussion

[ 1 ] Rudolf Steiner: Also, jetzt kommen Sie voller Pläne — ja, dann wollen wir also beginnen.

[ 1 ] Rudolf Steiner: So, now that you’ve come with all these plans—well, then let’s get started.

[ 2 ] Emil Bock: Wir haben uns heute nachmittag zusammengesetzt und in einer Kommission festzustellen versucht, was wir zur Klarheit selber beitragen können, was wir selber tun müssen. Und da lag dem Arbeiten zugrunde eine Stellung der Frage, inwieweit wir öffentlich arbeiten sollen. Jetzt, wo unter uns so weit Klarheit herrscht, schen wir, daß diese Sache nicht auf einen Leisten gebracht werden kann, sondern daß wir das einfach als eine Frage des Modus betrachten müssen und daß im einzelnen Fall der einzelne wissen muß, was er tun darf. Wir haben ja jetzt ein konkretes Ziel vor Augen, und das ist der uns in Aussicht gestellte Kurs. Wir haben uns vorgenommen, zu diesem Kurs mindestens hundert Leute zusammenzubringen. Nach dem Kurs müssen wir dann einen großen Schritt in die Öffentlichkeit hinein tun, und den werden wir tun. Wir haben sogar die ganze Frage des Beitritts zu unserer losen Organisation besprochen und einen Text aufgesetzt für diejenigen, die teilnehmen wollen. Wir haben also nicht einen Beitritt vorbereitet für die einzelnen Menschen, sondern ein Sichanschließen an die Bitte um einen Kurs. Dadurch würden wir am praktischsten Leute an uns ziehen. Dieser Wortlaut ist der folgende:

[ 2 ] Emil Bock: We met this afternoon and, as a committee, tried to determine what we ourselves can do to contribute to clarity, what we ourselves must do. And underlying our work was the question of to what extent we should operate publicly. Now that there is such clarity among us, we realize that this matter cannot be reduced to a single formula, but that we must simply view it as a question of approach, and that in each individual case, the person involved must know what they are permitted to do. We now have a concrete goal in mind, and that is the course that has been promised to us. We have set out to bring together at least a hundred people for this course. After the course, we’ll need to take a major step into the public sphere, and that’s exactly what we’ll do. We’ve even discussed the entire issue of joining our loose organization and drafted a text for those who wish to participate. So we haven’t prepared a formal membership process for individuals, but rather a way for them to join in response to the call for a course. This would be the most practical way for us to attract people. The text reads as follows:

[ 3 ] Unterzeichneter, der in sich den Trieb fühlt, an der Erweckung neuen rel: sen Lebens zur Überwindung der heutigen Niedergangskräfte mitzuarbeiten und dieses Ziel in einer neuen Synthese von Kultus und christlichem Lehrgut zu erreichen hofft, meldet sich hiermit an für einen religiösen Lehrkursus unter Leitung von Herrn Dr. Steiner und verpflichtet sich zur streng vertraulichen Behandlung der ihm hierfür gemachten Mitteilungen

[ 3 ] The undersigned, who feels within himself the urge to devote his life to the revival of a new religious life to overcome the forces of decline in our time, and who hopes to achieve this goal through a new synthesis of culture and Christian doctrine, hereby registers for a religious studies course under the direction of Dr. Steiner and undertakes to treat the information provided to him for this purpose with the strictest confidentiality

[ 4 ] Vertrauensmann (Name, Anschrift)

[ 4 ] Union Representative (Name, Address)

[ 5 ] Rudolf Steiner: In welcher Zeit wollen Sie dann den Kurs in Aussicht nehmen?

[ 5 ] Rudolf Steiner: When do you plan to offer the course?

[ 6 ] Emil Bock: Wir haben uns vorgenommen, möglichst bis in den September hinein. Ich bin beauftragt worden, um eine Angabe des ungefähren Termins zu bitten.

[ 6 ] Emil Bock: We plan to continue into September if possible. I have been asked to request an approximate date.

[ 7 ] Rudolf Steiner: Nicht wahr, bei meinen Schweizer Abkömmlichkeitsverhältnissen wäre es wünschenswert, wenn das sein könnte zu derselben Zeit, in der die anderen Veranstaltungen hier stattfinden, wenn dieses also zusammenfiele. Man zählt mir die Tage, die ich weg sein kann von der Schweiz. Das ist eine verzwickte Geschichte. Es wäre schon wünschenswert, wenn [der Kurs zeitlich mit anderen Veranstaltungen] zusammenfallen könnte. Es wird sich da um den September handeln. [Zu Ernst Uehli:] Wann sind die [Stuttgarter] Veranstaltungen in Aussicht genommen?

[ 7 ] Rudolf Steiner: Isn’t it true that, given my Swiss family ties, it would be desirable if this could take place at the same time as the other events here—in other words, if they could coincide? They’re counting the days I can be away from Switzerland. It’s a tricky situation. It would certainly be desirable if [the course could coincide with other events]. This will be sometime in September. [To Ernst Uehli:] When are the [Stuttgart] events scheduled?

[ 8 ] Ernst Uehli: Der Beginn ist in Aussicht genommen in den letzten Tagen des August, die Veranstaltungen gehen dann in den September hinein.

[ 8 ] Ernst Uehli: The event is scheduled to begin in the last few days of August, with activities continuing into September.

[ 9 ] Rudolf Steiner: Wieviel Zeit würde Ihr Unternehmen beanspruchen? Ernst Uehli: Zehn Tage.

[ 9 ] Rudolf Steiner: How much time would this take your company? Ernst Uehli: Ten days.

[ 10 ] Rudolf Steiner: Dieser Kurs müßte vierzehn Vorträge haben. Unter Umständen könnten an einem Tage zwei Vorträge stattfinden.

[ 10 ] Rudolf Steiner: This course would need to consist of fourteen lectures. Under certain circumstances, two lectures could take place in a single day.

[ 11 ] Ernst Uehli: Es ist für jeden Tag eine andere Veranstaltung vorgesehen.

[ 11 ] Ernst Uehli: A different event is planned for each day.

[ 12 ] Rudolf Steiner: Aber nicht von mir. Also ich kann mich natürlich durchaus diesem Kurs widmen mit Ausnahme der Zeit, wo es mir obliegt, Vorträge [innerhalb des Kongresses] zu halten. Wenn keine anderen Anforderungen gestellt werden, so kann dies durchaus gehen.

[ 12 ] Rudolf Steiner: But not on my part. So, of course, I can certainly devote myself to this course, except for the time when I am required to give lectures [at the congress]. If no other demands are made, this should work just fine.

[ 13 ] Ernst Uehli: Ja, ich hoffe nicht, daß solche Anforderungen gestellt werden; wie gesagt, Ende August wollen wir anfangen, wenn es den Herren möglich ist, herzukommen. Ob es unmittelbar nachher Veranstaltungen in Dornach gibt?

[ 13 ] Ernst Uehli: Yes, I hope such requirements won’t be imposed; as I said, we want to start at the end of August, if it’s possible for the gentlemen to come here. Will there be events in Dornach immediately afterward?

[ 14 ] Rudolf Steiner: Ich habe nachgesehen, der letzte Tag in Dornach ist der 27. August, und eine Eurythmieveranstaltung am 28. wird nicht möglich sein. Man muß natürlich auch zu Goethes Geburtstag proben, man kann nicht eine probenlose Eurythmieaufführung haben zu Goethes Geburtstag. Am 28. wird also nichts sein können, wenn Sie die Eurythmieveranstaltung haben wollen. Mit der Sache im allgemeinen kann man natürlich anfangen. Aber mir kommt vor, daß es für Sie ein bißchen mit der Zeit knapp ist. Wir haben jetzt den 15. Juni; es wäre also möglich, denn es sind ja noch zweieinhalb Monate bis zum 1. September. Früher als zum 1. September wäre es auch nicht nötig. Glauben Sie, daß Sie bis zum 1. September soweit sind?

[ 14 ] Rudolf Steiner: I checked—the last day in Dornach is August 27, and a eurythmy event on the 28th won’t be possible. Of course, we also have to rehearse for Goethe’s birthday; you can’t have a eurythmy performance on Goethe’s birthday without rehearsals. So nothing will be possible on the 28th if you want to hold the eurythmy event. Of course, you can start working on the project in general. But it seems to me that you’re running a bit short on time. It’s now June 15; so it would be possible, since there are still two and a half months until September 1. It wouldn’t be necessary any earlier than September 1, either. Do you think you’ll be ready by September 1?

[ 15 ] Emil Bock: Wir hoffen bis dahin hundert Leute zu haben.

[ 15 ] Emil Bock: We hope to have a hundred people by then.

[ 16 ] Rudolf Steiner: Es ist anzunehmen, daß Sie bei einer längeren Zeit als zweieinhalb Monate mehr Leute als in zweieinhalb Monaten zusammenbekommen.

[ 16 ] Rudolf Steiner: It’s safe to assume that if you have more than two and a half months, you’ll be able to gather more people than you could in two and a half months.

[ 17 ] Emil Bock: Es kommen auch die Leute an den Universitäten in Betracht, Rudolf Steiner: Sie meinen, das ist schwierig?

[ 17 ] Emil Bock: People at the universities should also be considered. Rudolf Steiner: Do you think that’s difficult?

[ 18 ] Emil Bock: Da sind uns gewisse Möglichkeiten gegeben, natürlich ist das nur eine andere Reihe von Möglichkeiten.

[ 18 ] Emil Bock: We have certain options available to us; of course, this is just another set of options.

[ 19 ] Rudolf Steiner: Ja, wenn Sie nicht in der Lage sind, die Sache bis zum 1. September zu schaffen, dann wird es problematisch, im Herbst anzufangen. Wenn Sie erst nach der Eröffnung der Universitäten die Leute bekommen, dann müssen wir wiederum warten, wahrscheinlich bis in die zweite Hälfte Oktober, November denke ich. Nicht?

[ 19 ] Rudolf Steiner: Yes, if you’re not able to get this done by September 1, then it will be difficult to start in the fall. If you don’t get the people until after the universities open, then we’ll have to wait again—probably until the second half of October or November, I think. Right?

[ 20 ] Emil Bock: Dann ist es schon besser zu warten, denn der Weg, außerhalb des Semesters die Leute zu gewinnen, ist auch zumeist nicht geeignet. Würden wir auch um einen Kurs bitten dürfen, wenn wir weniger sind?

[ 20 ] Emil Bock: Then it’s better to wait, because trying to recruit people outside of the semester usually isn’t the best approach either. Would we still be allowed to request a course even if there are fewer of us?

[ 21 ] Rudolf Steiner: Ja, gewiß, ich will so sagen: Es wäre natürlich das Allerschönste, wenn wir jenen Kurs in Dornach veranstalten könnten — wenn es irgendwie ginge —, und wenn es finanziell zu machen wäre. Das wäre ja am besten. Denn, nicht wahr, es ist dort natürlich leichter, Proben zu geben von kultischen Sachen und so weiter. Also in Dornach wäre es eher möglich, den Kurs besser zu gestalten. Nun, wir haben im Herbst vorigen Jahres den Hochschulkurs dadurch zustande gebracht, daß wir versuchten, die Mitglieder aus EntenteLändern zu engagieren für die Freihaltung [von Teilnehmern], so daß die Zuhörer aus Deutschland Gäste waren. Das müßte natürlich hier auch sein. Es würde sich dann nur noch darum handeln, daß eventuell auf irgendeine Weise gesucht wird, das Geld für die Fahrt zu bekommen, die aber für viele bis Basel gar nicht viel teurer sein würde als bis hierher. Also ich denke, von Berlin bis Basel würde die Fahrt nicht so viel mehr kosten, als von Berlin nach Stuttgart, und für den Aufenthalt in Dornach müßte dort [gesorgt werden]. Aber das ist eine Frage, die wir jetzt gar nicht zu entscheiden haben; die kann später entschieden werden. Ich meine nur, es wäre natürlich schon in manchem recht, wenn wir die Sache in Dornach haben könnten. Sie würden das prinzipiell nicht ausschließen? Die Schwierigkeit, meine lieben Freunde, liegt nur darin, daß man den Mitgliedern aus Entente-Ländern wohl den Vorschlag machen könnte zur Unterstützung eines allgemeinen Studienkurses, denn das ist eine internationale Sache, aber ob nun viele Leute aus den Entente-Ländern sich bereit erklären, gerade deutsche Theologen zu unterstützen, das ist die Frage. Und wir müssen ja natürlich sagen, wozu wir die Unterstützung brauchen. Das ist die Frage. Ich glaube es fast, daß sie solch eine Sache machen würden, aber ob sie ein Herz dafür haben, gerade deutsche Theologen zu unterstützen ...?

[ 21 ] Rudolf Steiner: Yes, certainly, let me put it this way: It would, of course, be absolutely wonderful if we could hold that course in Dornach—if it were somehow possible—and if it were financially feasible. That would indeed be best. Because, isn’t it true, it’s naturally easier there to give demonstrations of ritual matters and so on. So in Dornach, it would be easier to organize the course more effectively. Well, last fall we managed to put on the School of Spiritual Science course by trying to enlist members from Entente countries to ensure there were enough participants, so that the attendees from Germany were guests. Of course, that would have to be the case here as well. The only remaining issue would then be to find a way, if necessary, to raise the money for the trip—which, for many, wouldn’t be much more expensive to get to Basel than it is to get here. So I think the trip from Berlin to Basel wouldn’t cost much more than from Berlin to Stuttgart, and accommodations in Dornach would have to be arranged there. But that’s a question we don’t need to decide right now; it can be decided later. I just mean that it would, of course, be beneficial in many ways if we could hold the event in Dornach. You wouldn’t rule that out in principle? The difficulty, my dear friends, lies solely in the fact that one could certainly propose to members from Entente countries that they support a general study course, since that is an international matter; but whether many people from the Entente countries would be willing to support German theologians in particular—that is the question. And of course we must explain why we need the support. That is the question. I almost believe that they would do such a thing, but whether they have the heart to support German theologians specifically...?

[ 22 ] Denn, nicht wahr, das kann Sie vielleicht interessieren — ich habe es nicht so besonders betont bei meinen Auseinandersetzungen —, dasjenige, was ich Ihnen gesagt habe, würde nur gelten für deutsche Theologen. Spruchreif ist die Frage gar nirgends anders als in den Mittelstaaten. Selbst in der Schweiz wäre sie ganz aussichtslos, in Frankreich, in England erst recht, überall eigentlich in den EntenteLändern wäre sie ganz aussichtslos, man würde sofort zurückgewiesen werden; man würde es gar nicht verstehen, daß man so etwas machen kann.

[ 22 ] After all—and this might interest you, though I didn’t emphasize it particularly in my discussions—what I told you would apply only to German theologians. Nowhere else is this issue as pressing as in the Central Powers. Even in Switzerland it would be completely hopeless; in France, and certainly in England—in fact, everywhere in the Entente countries—it would be completely hopeless; one would be rejected immediately; people wouldn’t even understand that one could do such a thing.

[ 23 ] Ein Teilnehmer: Ich habe gedacht, daß vielleicht von Holland finanzielle Hilfe zu erwarten ist. Ich kenne auch holländische Theologen, die sich zu unserer Sache freundlich verhalten, junge Theologen. Würde Holland nicht in Betracht kommen?

[ 23 ] A participant: I thought that perhaps we could expect financial assistance from the Netherlands. I also know some Dutch theologians—young theologians—who are sympathetic to our cause. Wouldn’t the Netherlands be a possibility?

[ 24 ] Rudolf Steiner: Ja, wenn etwas in Betracht kommen kann, am meisten Holland. Daß ein paar dort sind unter den Theologen selber, das glaube ich schon, aber das werden nicht gerade diejenigen sein, die die Börse haben. Daß unter den holländischen Theologen auch einzelne sind, die in Betracht kommen, das will ich nicht bezweifeln; aber im großen und ganzen hat doch niemand ein Herz dafür, während ich glaube, daß hier die Sache auch finanziert werden kann. Für den Kurs in Dornach das Geld aufzubringen, das würde von hier aus unbezahlbar sein.

[ 24 ] Rudolf Steiner: Yes, if anything is to be considered, it would most likely be the Netherlands. I do believe there are a few among the theologians themselves, but they won’t exactly be the ones with the financial means. I don’t doubt that there are a few Dutch theologians who might be suitable candidates; but on the whole, no one is really interested in it, whereas I believe the project could be financed here. Raising the money for the course in Dornach would be prohibitively expensive from here.

[ 25 ] Ein Teilnehmer: Wie liegt die Sache in Schweden und Norwegen?

[ 25 ] A participant: What is the situation in Sweden and Norway?

[ 26 ] Rudolf Steiner: Ich glaube schwerlich, daß Sie da auf ein Herz stoßen werden. In Schweden und Norwegen ist so stark das Bewußtsein vorhanden, daß aus der Kirche selbst heraus eine Reform erwachsen kann. In Schweden hat man mir direkt in Aussicht gestellt, mit dem oder jenem zu verhandeln. Die Leute haben dort die Vorstellung, die Kirche tatsächlich neu reformieren zu können, und wo diese Vorstellung noch sehr eingewurzelt ist, da wirkt sie sehr stark. Hier in Deutschland ist sie nicht sehr eingewurzelt.

[ 26 ] Rudolf Steiner: I find it hard to believe that you will find a sympathetic ear there. In Sweden and Norway, there is a strong conviction that reform can arise from within the Church itself. In Sweden, I was directly offered the prospect of negotiating with this or that person. People there believe they can actually reform the church anew, and where this belief is still deeply rooted, it has a very powerful effect. Here in Germany, it is not very deeply rooted.

[ 27 ] Ein Teilnehmer: Wir treten ja zunächst nicht offiziell auf gegen die Kirche. Die Schweden könnten ruhig annehmen, es handelt sich um eine Bewegung, die mit der Kirche auf neutraler Basis steht.

[ 27 ] A participant: We’re not officially opposing the Church at this point. The Swedes could easily assume that this is a movement that maintains a neutral stance toward the Church.

[ 28 ] Rudolf Steiner: Man würde Sie aber fragen: Was wollen Sie eigentlich? Wollen Sie freie Gemeinden gründen oder aus der Kirche heraus wirken? — Sobald Sie sagen: freie Gemeinden gründen —, so wird das sehr bedenklich werden. Holland kommt dann noch am meisten in Frage. In Frankreich und England versteht man das nicht. In der Schweiz ist es ganz ausgeschlossen. Ich glaube aber, daß aus Deutschland so viel herauszuholen ist, als wir hier brauchen. Darüber läßt sich noch nicht verhandeln, wie man gerade diese Finanzierung macht; darüber können wir ja, sobald Sie in Amt und Würden sind, verhandeln. Das wollen wir schon versuchen. Aber im Ausland, wie gesagt, ich zweifle sehr daran.

[ 28 ] Rudolf Steiner: But people would ask you: What do you actually want? Do you want to found independent congregations or work from within the church? — As soon as you say “found independent congregations,” that will become very problematic. The Netherlands is then the most likely option. In France and England, people don’t understand that. In Switzerland, it’s completely out of the question. But I believe that we can get as much out of Germany as we need here. We can’t negotiate yet on exactly how to arrange this financing; we can discuss that once you’re in office. We’ll certainly give it a try. But abroad, as I said, I have serious doubts.

[ 29 ] Sie haben auch gar keine Vorstellung, wie schrecklich konservativ die Schweiz ist. So waren beim Osterkurs fast gar keine Schweizer Studenten anwesend. Und die Theologen sind einfach naiv. Ich glaube doch nicht, daß unter Ihnen das passieren kann, was mir neulich, gerade bevor ich abgereist bin, passiert ist. Da kamen zwei Basler Theologie-Studenten zu mir und fragten, ob ich ein Korreferat halten möchte gegen Heinzelmann. Ich kann mich doch nicht darauf einlassen, ein Korreferat zu halten. Nun, also, sie waren nicht irgendwie engagiert, es war ihnen gleichgültig. Sie meinten, ich sollte auch selbständige Vorträge halten. Dann haben sie angefangen über die Sache selbst zu reden — und das war wirklich sehr naiv. Der eine sagte: Ich habe neulich die Reden von Luther gelesen; wenn es so etwas wieder gäbe, dann wären wir fein heraus; es brauchte nur jemand so zu reden, wie Luther geredet hat. — Ja, es ist sehr viel Naivität unter den Schweizer Theologen. Haben Sie dort nicht Kollegen? Nicht? Die Schweiz ist stark konservativ, sie wird ein starkes Hindernis sein für den Fortschritt Europas.

[ 29 ] You have absolutely no idea how terribly conservative Switzerland is. For example, there were almost no Swiss students at the Easter course. And the theologians are simply naive. I certainly don’t think that what happened to me the other day—just before I left—could happen to any of you. Two theology students from Basel came up to me and asked if I’d like to give a co-presentation against Heinzelmann. I certainly can’t get involved in giving a co-presentation. Well, anyway, they weren’t particularly committed—they were indifferent. They thought I should give independent lectures as well. Then they started talking about the matter itself—and that was really very naive. One of them said: “I recently read Luther’s speeches; if there were something like that again, we’d be all set; we’d just need someone to speak the way Luther did.” — Yes, there’s a great deal of naivety among Swiss theologians. Don’t you have colleagues there? No? Switzerland is very conservative; it will be a major obstacle to Europe’s progress.

[ 30 ] Trotzdem — das ist ganz unabhängig davon, daß wir den Kurs überhaupt haben — wäre es mir eine sehr schöne Idee, in Dornach den Kurs zu haben. Wir könnten ihn auch verknüpfen mit den anderen Kursen, so daß Sie auch noch andere Vorlesungen hören könnten. Aber Sie müßten schon sehen, daß Sie es zustande bringen, noch einige Leute zu bekommen.

[ 30 ] Nevertheless—and this is completely separate from whether we’re offering the course at all—I think it would be a wonderful idea to hold the course in Dornach. We could also combine it with the other courses, so that you could attend other lectures as well. But you’d have to make sure you can manage to get a few more people to join.

[ 31 ] Emil Bock: Müssen wir nun warten, bis wir hundert zusammenbekommen haben?

[ 31 ] Emil Bock: Do we have to wait until we've collected a hundred?

[ 32 ] Rudolf Steiner: Ich habe auch nichts dagegen, wenn es weniger sind. Ich denke überhaupt in dieser Richtung nicht so, wie Sie meinen. Ich denke, daß alle, die man überhaupt kriegen kann, die man ausfindig machen kann in zwei Monaten — wenn nicht gerade Ferien sind, wenn Universitätszeit ist —, vielleicht gar nicht achtzig sind, sondern vielleicht nur sechzig sind.

[ 32 ] Rudolf Steiner: I don’t mind if there are fewer, either. I don’t think along those lines at all, as you seem to suggest. I think that all the people we can possibly get, all the ones we can track down in two months—provided it’s not vacation time, but rather the university term—might not even number eighty, but perhaps only sixty.

[ 33 ] Dann würden wir den Kurs eben mit sechzig machen. Wir würden dann den Kurs nachschreiben lassen, und diejenigen, die nachher kommen, müßten sich verpflichten, ihn dann zu lesen. Das müßten Sie in Ihre Verpflichtungsformel aufnehmen, daß diejenigen, die kommen, wenn der Kurs vorüber ist, den Kurs lesen. So kann man es schon auch machen. Ich glaube, Sie haben das auch mißverstanden; ich habe nicht behauptet, daß zu dem Kurs eine bestimmte große Anzahl von Leuten kommen muß.

[ 33 ] Then we’d just hold the course at sixty. We’d have the course transcribed, and those who join later would have to commit to reading it. You’d have to include that in your terms of agreement—that those who join after the course is over must read the course materials. That’s certainly one way to do it. I think you’ve misunderstood me; I didn’t claim that a specific large number of people must attend the course.

[ 34 ] Emil Bock: Das war von uns gedacht, daß wir dazu zweihundert Leute zusammenzubekommen haben.

[ 34 ] Emil Bock: We figured we'd have to get two hundred people together for that.

[ 35 ] Rudolf Steiner: Ich habe eigentlich gemeint, Sie müssen eine solche Anzahl zusammenhaben, wenn Sie etwas praktisch machen wollen.

[ 35 ] Rudolf Steiner: I actually meant that you need to have that many people if you want to do something practical.

[ 36 ] Emil Bock: Da müßten zweihundert aktionsbereite Leute sein.

[ 36 ] Emil Bock: There should be two hundred people ready to take action.

[ 37 ] Rudolf Steiner: Den Kurs kann ich unter Umständen halten für diejenigen, die überhaupt heranzukriegen sind in zweieinhalb Monaten.

[ 37 ] Rudolf Steiner: Under certain circumstances, I can teach the course to those who can actually be reached within two and a half months.

[ 38 ] Emil Bock: Würde dann der Kurs in Dornach mit dem Hochschulkurs zusammenfallen?

[ 38 ] Emil Bock: Would the course in Dornach then coincide with the university course?

[ 39 ] Rudolf Steiner: Es ist noch kein Hochschulkurs projektiert. Wir haben in Dornach eine Art Kurs, eine Reihe von Veranstaltungen vom 20. bis 27. August. Das sind vorzugsweise Engländer, die da kommen, aber wir wollen es nicht beschränken auf die Engländer natürlich. Und danach sollen wir hierher [nach Stuttgart] kommen. Das würde also in den ersten vierzehn Septembertagen sein. Das wäre dann eine Möglichkeit, hier den Kurs zu halten, in denselben Septembertagen.

[ 39 ] Rudolf Steiner: No college course has been planned yet. We have a kind of course in Dornach, a series of events from August 20 to 27. Most of the participants are English, but of course we don’t want to limit it to the English. And after that, we’re supposed to come here [to Stuttgart]. That would be during the first fourteen days of September. So that would be one possibility for holding the course here, during those same days in September.

[ 40 ] Emil Bock: Und die zweite Septemberhälfte käme nicht in Betracht?

[ 40 ] Emil Bock: And the second half of September is out of the question?

[ 41 ] Rudolf Steiner: Hier käme sie aus dem Grunde nicht in Betracht, weil ich wieder in die Schweiz zurück muß. Wenn es sich allerdings in Dornach arrangieren läßt, dann wäre die zweite Septemberhälfte sehr gut in Betracht zu ziehen. Das kann ich heute noch nicht sagen. Es ist außerordentlich schwer, die finanziellen Mittel herbeizuschaffen für das, was notwendig ist.

[ 41 ] Rudolf Steiner: That option is basically out of the question because I have to return to Switzerland. However, if arrangements can be made in Dornach, then the second half of September would be a very good option to consider. I can’t say for sure yet. It is extremely difficult to raise the funds needed for what is necessary.

[ 42 ] Emil Bock: Vielleicht sind [dann schon] die ersten Erfolge von Herrn Dr. Heisler zu verzeichnen.

[ 42 ] Emil Bock: Perhaps Dr. Heisler’s first successes can [already] be noted.

[ 43 ] Rudolf Steiner: Bedenken Sie, wenn Sie der Kurs hier kosten würde meinetwillen 10000 Mark, das ist sehr wenig, dann kostet er Sie in Dornach, wenn Sie es bezahlen müßten, 100000 Mark, nicht wahr? Wir können ihn natürlich drüben machen, wenn wir dort 10000 Schweizerfranken kriegen. Wir kriegen viel leichter drüben 10000 Schweizerfranken zusammen, als daß Sie hier 100000 Mark aufbringen können.

[ 43 ] Rudolf Steiner: Just think, if this course were to cost you—let’s say—10,000 marks here, that’s very little; but in Dornach, if you had to pay for it, it would cost you 100,000 marks, wouldn’t it? Of course, we can hold it over there if we can get 10,000 Swiss francs there. It’s much easier for us to raise 10,000 Swiss francs over there than it is for you to come up with 100,000 marks here.

[ 44 ] Emil Bock: Aber es würde sich nicht darum handeln, alles für uns zu bezahlen. Viele von uns könnten vielleicht die Sache selbst bezahlen. Wenn wir in Baracken wohnen könnten, wäre das vollkommen genug.

[ 44 ] Emil Bock: But it wouldn't be a matter of having everything paid for us. Many of us might be able to pay for it ourselves. If we could live in barracks, that would be more than enough.

[ 45 ] Rudolf Steiner: Unterkunft haben wir ja. Aber Sie müssen für jeden Teilnehmer pro Tag 4 Schweizerfranken rechnen. Das sind für 100 Leute 400 Schweizerfranken. Für 14 Tage sind das 5600 Schweizerfranken. Es werden also vielleicht 6000 Schweizerfranken nötig sein. 6000 Schweizerfranken, das wären für hier 60000 Mark. Es ist schon möglich, daß wir das dort kriegen.

[ 45 ] Rudolf Steiner: We do have accommodations, after all. But you’ll need to budget 4 Swiss francs per participant per day. That’s 400 Swiss francs for 100 people. For 14 days, that comes to 5,600 Swiss francs. So we might need about 6,000 Swiss francs. 6,000 Swiss francs—that would be 60,000 marks here. It’s certainly possible that we can get that amount there.

[ 46 ] Ein Teilnehmer: Was die Zeit anbelangt, so wäre Ende September viel günstiger; da sind viele auf dem Weg nach der Hochschule.

[ 46 ] A participant: As far as the timing is concerned, the end of September would be much better; that’s when many people are on their way back to college.

[ 47 ] Rudolf Steiner: Das ist eine Frage, die wir jetzt nicht entscheiden können. Ich finde, daß es sich drüben in Dornach leichter machen ließe. Es ließe sich auch hier machen, nur müßte es dann in der ersten Hälfte September sein, da ich wieder zurück in die Schweiz muß; und es müßte dann ein Zwischenraum von sechs Wochen sein, bis ich wieder kommen kann.

[ 47 ] Rudolf Steiner: That is a question we cannot decide right now. I think it would be easier to do it over in Dornach. It could also be done here, but it would have to be in the first half of September, since I have to return to Switzerland; and there would then have to be a six-week interval before I can come back.

[ 48 ] Emil Bock: Es ist sehr wertvoll, wenn wir wissen, für welchen Zeitpunkt wir uns einrichten sollen. Dann haben wir alle Möglichkeiten duchgesprochen, Leute heranzuholen, und wir haben nach den bisherigen Besprechungen den Plan gefaßt, Pastoren, die der Anthroposophie nahestehen, mit in Betracht zu ziehen, um Theologen heranzuholen. Wir würden das durch Rundschreiben an alle möglichen Stellen bewirken. Es sind alle Möglichkeiten auch an Universitäten durchgesprochen worden, in ähnliche Bewegungen hineinzugehen, die eine Sehnsucht haben, kultisch zu reformieren, in gewisse Jugendbewegungen. Es haben sich auch schon Leute bereit erklärt, bestimmte Dinge zu tun.

[ 48 ] Emil Bock: It is very helpful to know what timeframe we should be preparing for. Then we will have discussed all the possibilities for bringing people on board, and based on our discussions so far, we have decided to consider pastors who are close to anthroposophy as a way to bring in theologians. We would achieve this by sending out circulars to all possible organizations. We have also discussed all possibilities at universities for joining similar movements that have a desire to reform religious practices, as well as certain youth movements. Some people have already agreed to take on specific tasks.

[ 49 ] Dann haben wir versucht, die deutschen Universitäten unter uns zu verteilen und haben gesehen, daß einige Universitäten dann nicht von uns erreicht werden, und wir haben ins Auge gefaßt, da eine gewisse kleine Reiseorganisation so vorzubereiten, daß eine geringe Anzahl von uns in irgendeine solche Universitätsstadt fahren soll.

[ 49 ] Then we tried to divide the German universities among ourselves and realized that some of them would be out of our reach, so we considered organizing a small trip so that a small number of us could travel to one of those university towns.

[ 50 ] Dann wollen wir die Erfahrungen, die wir bei der Werbearbeit machen, austauschen; dazu soll der Rundbrief dienen.

[ 50 ] Let's share the experiences we've had with our promotional efforts; this newsletter is intended to serve that purpose.

[ 51 ] Dann haben wir vor, wenigstens hier vorzuschlagen, daß wir eine Broschüre zusammenstellen, die kurz orientieren soll, worum es sich handelt, gerade für diejenigen, die Mitarbeiter werden sollen. Und da ist es für praktisch gehalten worden, daß diese Broschüre drei Artikel enthalten soll: Erstens ein Orientieren über die allgemeine kulturelle Lage, etwa unter dem Titel «Intellektualismus und religiöses Leben»; der zweite Artikel über den Kultus und der dritt die Mitteilung des religiösen Lehrgutes, die Vermittlung des religiösen Lehrgutes. — Da haben wir wenigstens zunächst in unserem Kreis Mitarbeiter unter dreifacher Besetzung für jeden Artikel festgesetzt, so daß das Wertvollste aus den eingeschickten Beiträgen dann zusammengestellt werden kann.

[ 51 ] We therefore plan to propose, at least here, that we put together a brochure intended to provide a brief overview of what this is all about, especially for those who are to become staff members. And it has been deemed practical for this brochure to contain three articles: First, an overview of the general cultural situation, perhaps under the title “Intellectualism and Religious Life”; the second article on worship; and the third on the communication of religious doctrine—the transmission of religious doctrine. — So, at least for now, we have assigned three contributors to each article within our circle, so that the most valuable elements from the submitted contributions can then be compiled.

[ 52 ] Es sollen sich dann überall Studienkreise bilden, in denen das Studium der Nachschriften der hier angehörten Vorträge betrieben werden soll. Allerdings haben wir es für gut befunden, damit wir sicher gehen können, daß für solche Nachschriften Herrn Uehli eine Unterschrift zu leisten ist dafür, daß wir sie richtig und nur für uns verwenden, und daß man sich bei einer Erweiterung des Kreises an mich wenden soll, so daß ich gewissermaßen zunächst persönlich die Verantwortung übernehmen soll. Wenn die Unterschriften beisammen sind, könnten diese dann Herrn Uehli vorgelegt werden. Ebenfalls würde dieser Kreis dann sehr begünstigt werden, wenn wir von Herrn Dr. Steiner den Wortlaut der bisher schon ausgearbeiteten Rituale bekommen könnten, den wir auch von unserer Zentrale an die verschiedenen Teilnehmer verschicken würden.

[ 52 ] Study groups should then be formed everywhere to study the transcripts of the lectures heard here. However, we have decided—in order to ensure that Mr. Uehli can sign off on these transcripts, guaranteeing that we use them correctly and only for our own purposes—that if the study group expands, members should contact me so that I may, in a sense, initially assume personal responsibility. Once the signatures have been collected, they could then be presented to Mr. Uehli. This group would also benefit greatly if we could obtain from Dr. Steiner the text of the rituals that have already been worked out, which we would then send from our headquarters to the various participants.

[ 53 ] Dann ist uns als wertvoll erschienen etwas, was nicht direkt auf unsere Sache, sondern indirekt dahin zielt, daß man natürlich nebenbei, um die Gründung vorzubereiten und die Werbetätigkeit bis zu einem gewissen Grad zu unterstützen, Vorträge halten soll, die nicht werben, sondern Verständnis bringen sollen dafür, daß aus der Anthroposophie eine Religionserneuerung möglich ist, und da sind alle möglichen Vorschläge gekommen, zum Beispiel, daß vielleicht einer von uns mit der Haass-Berkow-Truppe reist und hinterher Vorträge im Anschluß an die Stücke halten könnte über das Verhältnis von Anthroposophie zur Religionserneuerung, daß wir da, wo wir sind, solche Vorträge halten könnten.

[ 53 ] Then something seemed valuable to us—something that does not directly address our cause but indirectly aims to ensure that, naturally as a side matter, in order to prepare for the founding and to support promotional activities to a certain extent, we should give lectures that are not meant to promote but rather to foster an understanding that a renewal of religion is possible through anthroposophy, and all sorts of suggestions have come up—for example, that perhaps one of us could travel with the Haass-Berkow troupe and afterward give lectures following the plays on the relationship between anthroposophy and religious renewal, or that we could give such lectures right where we are.

[ 54 ] Und dann habe ich noch eine Bitte, die auszusprechen vielleicht etwas viel zugemutet ist, in der Richtung, daß ein gewisses allgemeines Mißverständnis aus dem Weg geschafft werden könnte, daß man nämlich diesem Mißverständnis entgegenarbeitet: die Anthroposophie stehe in einem nicht so positiven Verhältnis zur Religionsübung, wie wir es jetzt hier gefunden haben. Wir haben immer wieder gefunden, daß man gerade in anthroposophischen Kreisen und auch sonst meint, die Anthroposophie stünde in einem ziemlich negativen Verhältnis zur Religionsübung, und da würde ein Bekanntwerden dessen, was in den Hauptlinien gesagt worden ist, für manche Leute sehr erstaunlich sein. Deshalb haben wir uns vorgenommen, Herrn Dr. Steiner zu bitten, wenn möglich in nächster Zeit einen öffentlichen Vortrag über Anthroposophie und Religionserneuerung zu halten, so daß, wenn es möglich ist, dieser Vortrag gleich gedruckt und der Öffentlichkeit zugänglich gemacht werden könnte. Dadurch würde die positive Stellung der Anthroposophie zur Religion in der Öffentlichkeit erkannt werden und würde unserer Arbeit in jeder Beziehung den Boden bereiten.

[ 54 ] And then I have one more request—which may be a bit much to ask—aimed at clearing up a certain general misunderstanding, namely, that we work to counter this misconception: that anthroposophy has a less positive relationship to religious practice than we have found here today. We have repeatedly found that, particularly in anthroposophical circles and elsewhere, people believe that anthroposophy has a rather negative relationship to religious practice, and so learning what has been said in broad terms would come as a great surprise to many people. For this reason, we have decided to ask Dr. Steiner to give a public lecture on anthroposophy and religious renewal in the near future, if possible, so that, if feasible, this lecture could be printed immediately and made available to the public. This would help the public recognize anthroposophy’s positive stance toward religion and would lay the groundwork for our work in every respect.

[ 55 ] Rudolf Steiner: Halten Sie es für besonders gut, wenn ich diesen Vortrag halte? Sehen Sie, es ist ja da natürlich nur zu bedenken, wie die Sache am allerbesten wirkt. Also, wenn ein solcher Vortrag gehalten würde und gut gehalten würde von jemandem, der nun auch wirklich drinnensteht in der religiösen Tätigkeit, so wäre das ohne Zweifel viel besser, als wenn ich ihn halte. Ich habe persönlich nichts dagegen, diesen Vortrag zu halten; ich würde dasjenige sagen, was ich zu sagen habe, aber es wäre ein großer Unterschied, würde ich sagen, wenn heute Rittelmeyer einen solchen Vortrag halten würde. Ich würde sehr gern mit ihm darüber sprechen, und ich glaube, er würde sehr für die Sache dienlich sein.

[ 55 ] Rudolf Steiner: Do you think it would be particularly good if I gave this lecture? You see, of course, the only thing to consider is how the matter would have the very best effect. So, if such a lecture were given—and given well—by someone who is truly immersed in religious activity, that would undoubtedly be much better than if I were to give it. Personally, I have no objection to giving this lecture; I would say what I have to say, but it would make a big difference, I would say, if Rittelmeyer were to give such a lecture today. I would very much like to speak with him about it, and I believe he would be of great service to the cause.

[ 56 ] Ernst Uehli: Das trifft zusammen mit einem Gedanken bezüglich des Kongresses. Ich hatte die Absicht, wenn möglich in das Programm einen Vortrag von Herrn Dr. Rittelmeyer einzufügen; er ist aber nicht gesund.

[ 56 ] Ernst Uehli: That ties in with a thought I had regarding the conference. I had intended, if possible, to include a presentation by Dr. Rittelmeyer in the program; however, he is not well.

[ 57 ] Rudolf Steiner: Dr. Rittelmeyer ist nicht gesund, und es ist kaum leicht ein Zweiter zu finden — augenblicklich wenigstens finde ich nicht einen Zweiten. Es würde tatsächlich sehr gut sein, wenn ein Kirchenmann den Vortrag halten würde.

[ 57 ] Rudolf Steiner: Dr. Rittelmeyer is not well, and it is hardly easy to find a replacement—at least for the moment, I cannot find a replacement. It would indeed be very good if a clergyman were to give the lecture.

[ 58 ] Emil Bock: Wir haben das auch besprochen und gefunden, daß das nur die bisherigen Meinungen um eine vermehren würde. Es ist tatsächlich von nahestehenden Theologen bisher keine einheitliche Meinung vorhanden, und es ist — soweit mir bekannt — immer eine Antithese Heisler/Geyer da.

[ 58 ] Emil Bock: We discussed this as well and concluded that it would only add to the existing range of opinions. In fact, there is no consensus among theologians close to the subject, and—as far as I know—there is always a Heisler/Geyer dichotomy.

[ 59 ] Rudolf Steiner: Ich kenne sie gar nicht.

[ 59 ] Rudolf Steiner: I don't know her at all.

[ 60 ] Emil Bock: Pastor Geyer sagt: Die Anthroposophie ist überhaupt keine Religion, sie ist nur Wissenschaft und kann insofern wie jedes Weltbild die Religion befruchten, während auf der anderen Seite wenigstens eine Schrift von Herrn Dr. Heisler so verstanden worden ist, die Anthroposophie soll die Religionsübung ablösen; und in den Diskussionen, die man kennt, war immer die Antithese da. Wenn jetzt Rittelmeyer als Dritter dazukommt, glaubt man es erst recht nicht. Wir hatten die Meinung, es müsse kein Vortrag, sondern ein kleines Büchlein sein. Die Bitte um den Vortrag sollte nur unsere anmaßende Bitte [um ein Büchlein] etwas abschwächen.

[ 60 ] Emil Bock: Pastor Geyer says: Anthroposophy is not a religion at all; it is merely a science and, in that sense, can enrich religion just like any worldview. On the other hand, at least one of Dr. Heisler’s writings has been interpreted to mean that anthroposophy is intended to replace religious practice; and in the discussions we are familiar with, the antithesis has always been present. Now that Rittelmeyer has joined as a third party, it is even harder to believe. We were of the opinion that it should not be a lecture, but rather a small booklet. The request for the lecture was intended only to tone down our presumptuous request [for a booklet] somewhat.

[ 61 ] Rudolf Steiner: Sehen Sie, es muß durchaus festgehalten werden: Das ist im allgemeinen Kulturgang notwendig, daß der Ursprung und die Quelle der Anthroposophie in naturwissenschaftlichen Erwägungen liegt. Das ist das erste, das muß festgehalten werden. So daß man also nicht vertreten könnte, daß Anthroposophie etwa direkt an die Stelle der Religion treten kann oder daß Anthroposophie als solche nur eine Religionserneuerung ist. Das, was von mir Ihnen gegenüber betont worden ist, ist, daß man Anthroposophie braucht zur Religionserneuerung und daß eine besondere religiöse Strömung gesucht werden muß, die Anthroposophie brauchen kann. Das muß scharf hervorgehoben werden.

[ 61 ] Rudolf Steiner: You see, it must be clearly stated: It is necessary in the general course of cultural development that the origin and source of anthroposophy lie in scientific considerations. That is the first point that must be emphasized. Thus, one cannot argue that anthroposophy can, for example, directly take the place of religion, or that anthroposophy as such is merely a renewal of religion. What I have emphasized to you is that anthroposophy is needed for the renewal of religion and that a specific religious movement must be sought that can make use of anthroposophy. This must be strongly emphasized.

[ 62 ] Hermann Heisler: Die Antithese kam dadurch zustande, daß Geyer sagte, wenn ich alles das annehme, was Dr. Steiner sagt, hätte das für mein religiöses Leben gar keine Bedeutung. — Und daraufhin sagte ich: Das ist falsch, denn Anthroposophie ist gewiß keine Religion, aber sie wird notwendig Religion, wenn sie richtig erfaßt wird, und bildet die Religion. — Wenn die Theologie richtig ist, so strebt sie nach Religion; es ist ganz gleichgültig, was ich für eine Theologie habe; und ebenso ist es mit der Anthroposophie.

[ 62 ] Hermann Heisler: The antithesis arose when Geyer said that if I accepted everything Dr. Steiner says, it would have no significance whatsoever for my religious life. — And then I said: That is wrong, for anthroposophy is certainly not a religion, but it necessarily becomes a religion when it is properly understood, and it constitutes religion. — If theology is correct, it strives toward religion; it makes no difference whatsoever what kind of theology I have; and the same is true of anthroposophy.

[ 63 ] Rudolf Steiner: Sehen Sie, bei Geyer ist zu berücksichtigen, daß er vor allen Dingen mit seiner Kirchenbehörde nicht in Widerspruch kommen will. Geyer ist durchaus nicht auf dem Standpunkt, daß er für sich nicht auch wesentlich religiöse Impulse von der Anthroposophie erwartet. Im Gegenteil, er hat sehr viele religiöse Impulse von der Anthroposophie bekommen und zweifellos auch für die Predigt Impulse bekommen. Aber das, was er da sagt, muß er heute sagen, weil man eben, wenn man nicht diesen Trennungsstrich zieht, hinausgeworfen wird [aus der Kirche]. Man will nicht eigentlich einen Inhalt aufkommen lassen für das religiöse Wirken und deshalb sagt er, er kümmert sich nur um Gott und nicht um die Welt. Aber das ist, verzeihen Sie, in Wirklichkeit nur töricht — es ist gar nichts weiter. Gott hat sich um die Welt sehr gekümmert, er hat sie eben erschaffen. Ich weiß nicht, wie man es machen soll — verzeihen Sie den Vergleich —, sich um den Drechsler zu kümmern, ohne sich um die Drechslerei zu kümmern. Es ist einfach töricht, aber Torheiten muß man begehen, wenn man nicht herausgeworfen werden will aus der Kirche.

[ 63 ] Rudolf Steiner: You see, when it comes to Geyer, one must take into account that, above all, he does not want to come into conflict with his church authorities. Geyer is by no means of the opinion that he does not also expect significant religious inspiration from anthroposophy for himself. On the contrary, he has received a great deal of religious inspiration from anthroposophy and has undoubtedly also drawn inspiration for his sermons. But he has to say what he says today because, if one does not draw this line of separation, one is simply expelled [from the church]. They don’t really want to allow any substance to emerge for religious work, and that is why he says he is concerned only with God and not with the world. But that is, forgive me, in reality nothing but foolishness—it is nothing more than that. God cared deeply about the world; after all, He created it. I don’t know how one is supposed to—forgive the comparison—care about the woodturner without caring about woodturning. It’s simply foolish, but one must commit such follies if one doesn’t want to be thrown out of the church.

[ 64 ] Ein Teilnehmer: Pastor Geyer hat einen Vortrag gehalten und es war eine ganz deutliche Polemik gegen Pfarrer Heisler bemerkbar, und wenn nun wieder ein Pfarrer mit so etwas herausrückt, so wird das weiter nur den Eindruck machen: Das ist halt wieder eine neue Meinung. — Und es käme eben darauf an, daß wirklich etwas gesagt würde, was dann dasteht.

[ 64 ] A participant: Pastor Geyer gave a talk, and there was a very clear polemic against Pastor Heisler; and if another pastor comes forward with something like that now, it will only reinforce the impression that this is just another new opinion. — And what really matters is that something is actually said that then stands there.

[ 65 ] Rudolf Steiner: Nehmen Sie nur den Tenor von dem, wie diese Dinge gesagt werden. Wenn eine echte Schwierigkeit vorliegt, dann will ich es schon selber machen. Aber nehmen Sie den Tenor. Der Tenor ist der folgende: Man sagt, Anthroposophie trete auf mit dem Anspruch, religionsbegründend zu sein. — Das kann sie nicht sein, weil niemals solch ein Inhalt religionsbegründend sein kann, wie die Anthroposophie ihn gibt. Gogarten zum Beispiel sagt ja, Anthroposophie wolle religionsbegründend sein. In den Kreisen würde man sich nicht wundern, wenn ich selber auseinandersetzen würde, daß Anthroposophie Religionserneuerung bringen kann. Es ist dadurch nichts abgeschwächt, sondern nur neuerlich die ganze Diskussion eingeleitet. Wenn aber Rittelmeyer diesen Vortrag liefert, ganz objektiv — der also im Grunde genommen aus der Kirche herausgedrängt ist — daß er noch drinnen ist, ist eine Folge seiner Beliebtheit bei seiner großen Gemeinde —, wenn Rittelmeyer die ganze Sache machen würde und es von seinem Standpunkt als Vertreter des evangelischen Kirchentums tun würde — als solcher fühlt er sich ja —, so finde ich doch, daß es vielleicht wirken könnte.

[ 65 ] Rudolf Steiner: Just take the gist of how these things are said. If there is a real difficulty, then I’ll do it myself. But take the gist. The gist is as follows: It is said that anthroposophy claims to be the foundation of a new religion. — It cannot be that, because no content such as that provided by anthroposophy can ever serve as the foundation of a religion. Gogarten, for example, does say that anthroposophy aims to be the foundation of a new religion. In these circles, no one would be surprised if I myself were to argue that anthroposophy can bring about a renewal of religion. This does not diminish anything; it merely reopens the entire discussion. But if Rittelmeyer were to deliver this lecture—entirely objectively, even though he has essentially been pushed out of the church (the fact that he is still inside is a result of his popularity among his large congregation)—if Rittelmeyer were to take on the whole matter and do so from his standpoint as a representative of the Protestant church—which is how he sees himself—then I do think it might have an impact.

[ 66 ] Man könnte sogar noch etwas Gewagteres versuchen. Nicht wahr, ich glaube schon, daß Rittelmeyer mitarbeiten würde, wenn es sich um eine Broschüre handelt; schreiben kann er ja. Man könnte ja auch denken, daß man beides vereinigt, daß ich die eine Hälfte liefere und jemand von der anderen Seite die andere Hälfte. Vielleicht wäre das nicht einmal so schrecklich. Nun ist die Frage, ob nicht jemand anderer als Rittelmeyer schreiben könnte. In dem «Lebenswerk» hat sonst niemand [von theologischer Seite] geschrieben?

[ 66 ] We could even try something a little more daring. Don’t you think? I do believe Rittelmeyer would be willing to contribute if it were a brochure; after all, he can write. One could also consider combining the two—I’d provide one half, and someone from the other side would provide the other half. Maybe that wouldn’t be so bad after all. Now the question is whether someone other than Rittelmeyer could write it. Didn’t anyone else [from the theological side] contribute to the Lebenswerk?

[ 67 ] Ernst Uehli: Außer Geyer niemand.

[ 67 ] Ernst Uehli: No one but Geyer.

[ 68 ] Rudolf Steiner: Geyer hat geschrieben, und wir haben nicht eigentlich einen protestantischen Theologen außer Rittelmeyer und Geyer.

[ 68 ] Rudolf Steiner: Geyer wrote, and we don't really have any Protestant theologians other than Rittelmeyer and Geyer.

[ 69 ] Ein Teilnehmer: Es sind noch einige da, aber die stehen nicht mehr in dem Maße in der Öffentlichkeit; Schairer zum Beispiel.

[ 69 ] A participant: There are still a few left, but they’re no longer in the public eye to the same extent; Schairer, for example.

[ 70 ] Rudolf Steiner: Ja, ja, der hat eine großartige Geschichte gemacht. Schairer hat einen Vortrag gehalten voller Wärme für die Anthroposophie, und hat darauf am selben Abend, an dem er mit seinem Vortrag nicht ganz fertig geworden ist, einen Rüffel gekriegt. Am nächsten Tag war dann die Fortsetzung und die war gegen die Anthroposophie. Das ist ja das Glanzbeispiel.

[ 70 ] Rudolf Steiner: Yes, yes, he made quite a splash. Schairer gave a lecture full of warmth for anthroposophy, and that very same evening—even though he hadn’t quite finished his lecture—he got a dressing-down. The next day, the lecture continued, and this time it was directed against anthroposophy. That’s a prime example.

[ 71 ] Hermann Heisler: Ich habe die Liste nicht da, es wäre noch einer zu berücksichtigen, Pastor Klein, und dann der alte Pastor drüben in der Pfalz ...

[ 71 ] Hermann Heisler: I don't have the list with me, but there's one more person to consider, Pastor Klein, and then the old pastor over in the Palatinate ...

[ 72 ] Rudolf Steiner: Sauter meinen Sie, so ein alter Herr, der kann das nicht machen.

[ 72 ] Rudolf Steiner: “You mean Sauter—an old man like that—he can't do that.”

[ 73 ] Hermann Heisler: Jundt in Mannheim ...

[ 73 ] Hermann Heisler: Jundt in Mannheim ...

[ 74 ] Rudolf Steiner: Machen könnten Sie es. Haben Sie nicht den Mut, um damit hervorzutreten? Mißverstehen Sie mich nicht, ich habe nichts dagegen, daß ich eine solche Broschüre schreibe, aber ich glaube, daß sie nicht so stark wirken würde, wie wenn sie von einem Menschen hervorgeht, der die Religionserneuerung will, die Religionserneuerung vom religiösen Standpunkt. «Nun ja, der will die Anthroposophie, und alle Gebiete des Lebens will er halt erneuern» —, das wird man bei mir sagen. Denn solche Vorträge über Religionserneuerung gibt es sehr viele, sie sind nur nicht gedruckt. Ich habe in Berlin solche gehalten: «Bibel und Weisheit», die enthalten das. Ich brauche ja nur das zu erneuern, was ich vielfach gesprochen habe über diese Dinge. Ich weiß nicht, Sie scheinen zu meinen, daß die Leute glauben, Anthroposophie will nicht Religion sein. Das glaubt aber weder der Bruhn noch Gogarten nach Laun. Alle diejenigen, die von protestantischer Seite geschrieben haben, gehen nicht von der Voraussetzung aus, Anthroposophie will die Religion nicht erneuern. Sie bekämpfen sie ja gerade deshalb, weil sie der Meinung sind, sie will es tun.

[ 74 ] Rudolf Steiner: You could do it. Don’t you have the courage to step forward with it? Don’t misunderstand me—I have nothing against writing such a pamphlet myself, but I believe it would not have as strong an impact as if it came from someone who wants religious renewal—religious renewal from a religious standpoint. “Well, he wants anthroposophy, and he just wants to renew all areas of life”—that’s what people will say about me. For there are many such lectures on religious renewal; they just haven’t been printed. I’ve given such lectures in Berlin: “The Bible and Wisdom,” which cover this topic. I really only need to revise what I’ve spoken about many times regarding these matters. I don’t know—you seem to think that people believe anthroposophy does not want to be a religion. But neither Bruhn nor Gogarten, following Laun, believes that. All those who have written from the Protestant side do not start from the premise that anthroposophy does not want to renew religion. They oppose it precisely because they believe it does.

[ 75 ] Ein Teilnehmer: Die Broschüre könnte ja Rittelmeyer machen. Rudolf Steiner: Schreiben würde er ja können.

[ 75 ] A participant: Rittelmeyer could write the brochure. Rudolf Steiner: He certainly could write it.

[ 76 ] Emil Bock: Wir dachten auch an die Vorurteile, die unter den anthroposophischen Mitgliedern vorhanden sind gerade gegenüber religiösen Fragen.

[ 76 ] Emil Bock: We also considered the prejudices that exist among anthroposophical members, particularly with regard to religious issues.

[ 77 ] Rudolf Steiner: Unter den Mitgliedern?

[ 77 ] Rudolf Steiner: Among the Members?

[ 78 ] Emil Bock: Es sind gewisse Vorurteile vorhanden. Rudolf Steiner: Woran konstatieren Sie diese Vorurteile?

[ 78 ] Emil Bock: There are certain prejudices. Rudolf Steiner: How do you identify these prejudices?

[ 79 ] Emil Bock: Man findet allgemein nie recht die Einstellung zu denen, die Theologen sind.

[ 79 ] Emil Bock: People generally never quite know how to feel about those who are theologians.

[ 80 ] Rudolf Steiner: Das rührt lediglich davon her, daß die Sorte von Theologen, die Sie darstellen, bis jetzt nicht hervortritt. Sie werden ja nicht verlangen, daß die Anthroposophen viel andere Urteile haben über das Gros der Theologen, als Sie selber haben. Die Anthroposophen stellen sich so, wie Sie sich gestellt haben, das ist ganz begründet. Wir werden immer mehr genötigt sein, um Anthroposophie zu schützen, noch mehr als das [bisher] der Fall war, die Lüge auf jedem Gebiet aufzusuchen und die Torheit auf jedem Gebiet aufzusuchen und unnachsichtlich zu sein dagegen.

[ 80 ] Rudolf Steiner: That stems simply from the fact that the kind of theologians you represent have not yet come to the fore. Surely you do not expect the anthroposophists to hold views about the majority of theologians that differ greatly from your own. The anthroposophists take the same stance as you have; that is entirely justified. In order to protect anthroposophy—even more so than has been the case [so far]—we will be increasingly compelled to seek out falsehood in every field, to seek out folly in every field, and to be uncompromising in our opposition to them.

[ 81 ] Und ich kann Ihnen die Versicherung geben, sowohl in bezug auf die Torheit leisten sich die protestantischen Theologen soviel wie in bezug auf die Lüge. Für die Torheit ist ein Beispiel der Professor Traub, der sagt, ich behaupte in meiner «Geheimwissenschaft», die geistigen Wesen bewegten sich wie Tische und Stühle. Das hat er geschrieben. Als er zu einem autoritativen Urteil aufgefordert wurde, da schrieb der Professor Traub, ich behauptete, die geistigen Wesenheiten bewegten sich im Devachan wie Tische und Stühle in der physischen Welt. Da er nicht zugeben wird, daß er das in einem Zustand geschrieben hat, in dem sich für ihn Tische und Stühle bewegen, kann ich nicht anders annehmen, als daß das eine Torheit ist. Diese Torheiten finden Sie auf Schritt und Tritt. Lesen Sie Gogarten und so weiter auf das hin, was logische Torheiten sind!

[ 81 ] And I can assure you that Protestant theologians are just as guilty of folly as they are of lying. An example of this folly is Professor Traub, who says, “I claim in my Occult Science that spiritual beings move like tables and chairs.” He wrote that. When asked to provide an authoritative explanation, Professor Traub wrote, “I claimed that spiritual beings move in Devachan just as tables and chairs move in the physical world.” Since he will not admit that he wrote this in a state in which, for him, tables and chairs move, I can only conclude that this is folly. You will find such follies at every turn. Read Gogarten and others to learn about what constitutes logical folly!

[ 82 ] Und dann lügen sie, diese Leute; so furchtbar sind sie in bezug auf Unwahrhaftigkeit, das ist ganz ungeheuer. Es ist wirklich wahr. Lesen Sie, in welcher ganz verschmitzten Manier eine evangelische Kirchenzeitung — [«Stuttgarter Evangelisches Sonntagsblatt»] heißt sie —, die diese Geschichte von dem Bernhard von Clairvaux erfunden hat, die Erwiderung Rittelmeyers aufgenommen hat und ausnützt. Das muß man schon ausstudieren, zu welcher Verlogenheit sie da kommen. Sie sind imstande, folgendes zu tun; ich glaube ich führe richtig an: Dr. Rittelmeyer hat in seiner Erwiderung gegen die Behauptung [im Sonntagsblatt], daß ich ihn zum Dank dafür, daß er das Buch «Vom Lebenswerk Rudolf Steiners» geschrieben hat, zum [wiedergekommenen] Bernhard von Clairvaux ernannt hätte, sein Erstaunen darüber ausgedrückt, daß jemand [im Sonntagsblatt] so etwas [Unwahres] behauptet. Jetzt steht [in dem Blatt] drinnen, daß Rittelmeyer erstaunt wäre, daß ich ihn zum Bernhard von Clairvaux ernannt hätte. Nicht wahr, die drehen das so, daß er erstaunt gewesen wäre, daß ich das getan habe. So raffiniert verlogen sind die Leute. Es ist so raffiniert das alles, was die Leute treiben, und man kann nicht verlangen, daß man diese Dinge goutiert, weil die moderne Theologie so unklar ist, daß sie als unwahr empfunden wird. Es handelt sich nicht darum, daß man irgendwie gegen die Religion als solche ablehnend sich verhält. Es sind unter uns manche Leute, die manches tun, aber jedenfalls ist das nicht irgendwie maßgeblich. Uns ist nur unmöglich gemacht worden durch verschiedenen Ereignisse, das Kultusartige weiter zu pflegen. Vor dem Kriege ist es ja bis zu einem gewissen Grade gepflegt worden. In der Broschüre von Seiling, die auch ganz verlogen ist, da finden Sie es sogar angeführt. Wir haben da schon die Sachen gemacht, wir können da sogar von einer Erfahrung reden, es ist schon so.

[ 82 ] And then they lie, these people; they’re so terrible when it comes to dishonesty—it’s absolutely outrageous. It’s really true. Read the utterly sly manner in which a Protestant church newspaper—it’s called the [“Stuttgarter Evangelisches Sonntagsblatt”]—which made up this story about Bernard of Clairvaux, has taken up and exploited Rittelmeyer’s response. You really have to study it closely to see just how far their dishonesty goes. They are capable of doing the following—I believe I’m quoting correctly: In his rebuttal to the claim [in the Sonntagsblatt] that I had appointed him, as a token of gratitude for writing the book Vom Lebenswerk Rudolf Steiners, to the position of [reinstated] Bernhard von Clairvaux, he expressed his astonishment that someone [in the Sonntagsblatt] would claim such a [falsehood]. Now it says [in the paper] that Rittelmeyer was astonished that I had named him Bernhard von Clairvaux. Isn’t it true that they twist it so that it seems he was astonished that I had done that? That’s how cunningly deceitful people are. Everything people do is so cunning, and one cannot expect people to appreciate these things, because modern theology is so unclear that it is perceived as untrue. It is not a matter of being somehow hostile toward religion as such. There are some people among us who do certain things, but in any case, that is not in any way decisive. It’s just that various events have made it impossible for us to continue practicing religious rituals. Before the war, it was practiced to a certain extent. In Seiling’s pamphlet—which is also completely dishonest—you’ll even find it mentioned. We were already doing those things back then; we can even speak of an experience—that’s just how it is.

[ 83 ] In anthroposophischen Kreisen sind seit meiner Wirksamkeit vielleicht höchstens acht bis zehn Leute aus der Kirche ausgetreten. Das sind sehr wenige. Wir haben heute 8000 Mitglieder — nicht Anhänger —, da sind acht oder zehn Leute natürlich sehr wenig; auf diese Zahl beschränken sich diejenigen, die ausgetreten sind aus der Kirche. Sie sind ausgetreten aus verschiedenen Gründen. Neulich hat wiederum jemand geschrieben, ob ich ihm raten könnte, aus der Kirche auszutreten. Ich rate niemandem auszutreten aus der Kirche, auch Katholiken nicht. Ich rate es den Katholiken deshalb nicht auszutreten, weil sie nach der jetzigen Kirchenverfassung kein Recht haben auszutreten. Ganz im Ernst genommen. Der Katholik hat kein Recht, aus der Kirche auszutreten, weil durch das Infallibilitätsdogma eine solche Entscheidung ex cathedra gefällt worden ist, daß der Katholik aus der Kirche nicht austreten kann; er ist einfach noch drin, wenn er auch selber erklärt, daß er austritt. Seit der Festlegung des Infallibilitätsdogmas sind solche Dinge möglich. Es scheint ja eine sonderbare Theorie, aber sie ist absolut richtig im Sinn des Katholizismus. Als Katholik kann man nicht aus der Kirche austreten.

[ 83 ] In anthroposophical circles, perhaps at most eight to ten people have left the church since I began my work. That is very few. We have 8,000 members today—not followers—so eight or ten people is, of course, very few; the number of those who have left the Church is limited to this figure. They have left for various reasons. Recently, someone wrote to me again asking if I could advise him to leave the Church. I do not advise anyone to leave the Church, not even Catholics. I do not advise Catholics to leave the Church because, under the current Church constitution, they have no right to do so. I mean this quite seriously. A Catholic has no right to leave the Church because, through the dogma of infallibility, a decision has been made ex cathedra stating that a Catholic cannot leave the Church; he simply remains a member, even if he himself declares that he is leaving. Since the establishment of the dogma of infallibility, such things have been possible. It may seem like a strange theory, but it is absolutely correct in the context of Catholicism. As a Catholic, one cannot leave the Church.

[ 84 ] Hermann Heisler: Wird der Katholik nicht von selber ausgeschlossen, wenn er das Gebot der österlichen Beichte nicht befolgt?

[ 84 ] Hermann Heisler: Isn't a Catholic automatically excluded if he fails to observe the commandment of Easter confession?

[ 85 ] Rudolf Steiner: Das steht nirgends, das ist auch [von der katholischen Kirche] nie geltend gemacht worden.

[ 85 ] Rudolf Steiner: That isn't stated anywhere, nor has it ever been claimed [by the Catholic Church].

[ 86 ] Hermann Heisler: Es ist mir von Katholiken gesagt worden. Katholiken sagen, daß das gelehrt werde im Unterricht.

[ 86 ] Hermann Heisler: I have been told this by Catholics. Catholics say that this is taught in school.

[ 87 ] Rudolf Steiner: Ja, daß es gelehrt wird, das ist schon möglich. Aber wissen Sie, es werden viele Dinge gelehrt und gesagt. Ich erinnere nur an das Gespräch zwischen einem Weltpriester und einem Priester vom Jesuitenorden. Der Jesuit sagte: «Es darf unter keinen Umständen ein katholischer Priester Zeitungen lesen, denn die sind heute gottlos.» Da sagte der Weltpriester, der in seiner Auffassung freier ist: «Ja, wie sollen wir denn predigen? Wir müssen doch von der Welt etwas wissen, wenn wir predigen, und das können wir nur, wenn wir Zeitungen lesen; und Sie predigen doch auch über alle Angelegenheiten.» — «Ich lese keine Zeitung.» — «Ja, aber Sie wissen doch, was in der Welt vorgeht.» — «Ich lese keine Zeitung.» — «Ja, wie machen Sie das dann?» — «Ich lasse sie mir vorlesen.» — Der Jesuit beobachtet ganz strikt das Gebot. — Aber sehen Sie, Herr Doktor [Heisler], ich weiß nicht wie man exkommuniziert werden soll. Nehmen Sie an, ein Katholik hat sich jahrelang nicht um die Kirche gekümmert. Wenn ich morgen beichten gehen wollte — glauben Sie, daß ich zurückgewiesen würde? Ich weiß nicht, worin es sich äußern sollte, daß man ausgeschlossen ist.

[ 87 ] Rudolf Steiner: Yes, it is certainly possible for it to be taught. But you know, many things are taught and said. I’ll just recall the conversation between a secular priest and a Jesuit priest. The Jesuit said, “Under no circumstances should a Catholic priest read newspapers, for they are godless today.” Then the secular priest, who is more open-minded in his views, replied, “Well, how are we supposed to preach? We have to know something about the world when we preach, and we can only do that if we read newspapers; and you preach about all kinds of matters, don’t you?” — “I don’t read newspapers.” — “Yes, but you do know what’s going on in the world, don’t you?” — “I don’t read newspapers.” — “Well, how do you manage that, then?” — “I have them read to me.” — The Jesuit strictly observes the rule. — “But you see, Dr. [Heisler], I don’t know how one is supposed to be excommunicated. Suppose a Catholic hasn’t cared about the Church for years. If I wanted to go to confession tomorrow—do you think I’d be turned away? I don’t know how being excommunicated would manifest itself.”

[ 88 ] Also, nicht wahr, das Kurioseste ist ja bei dem Philosophen Brentano passiert. Der ist nicht nur ausgetreten — er war Priester, geweihter Priester —, er ist nicht nur ausgetreten, sondern zum Protestantismus übergetreten und hat geheiratet; aber die katholische Kirche hat erklärt, er kann nicht zu einer Professur an die Universität berufen werden, weil er noch Priester ist. Er wurde zwar nicht als Katholik angesehen, er war sogar exkommuniziert und ist zum Protestantismus übergetreten, aber er wurde nicht zugelassen zur Wiener Professur, die er früher schon gehabt hatte. Brentano war Professor für Philosophie an der Wiener Universität, im Jahre 1873 war er berufen worden. Dann wollte er heiraten; das konnte er nicht, weil das österreichische Gesetz die Priesterehe gesetzlich verboten hat und ein österreichischer Staatsbürger, der Priester ist, also nicht heiraten darf. Brentano wurde sächsischer Staatsbürger, Protestant und heiratete eine Jüdin. Also mußte er seine Professur aufgeben. Man versprach ihm, man würde ihn später wieder berufen. Das hat man nicht getan, weil die Kirche protestiert hat. Sie hat erklärt: Er ist Protestant, aber die Folge der [katholischen] Priesterweihe wird ihm nicht weggenommen, und ein Priester, der sich so verhält, darf in Österreich nicht Professor werden. — Dann hat der Minister Conrad sich ein Herz gefaßt, ging zum Kaiser Franz Joseph und wollte es auf diese Weise durchsetzen. Der Kaiser schaute sich die Geschichte an und sagte: «Ja, das ist des Teufels, ist die Jüdin wenigstens sauber?» — Sauber, nicht wahr, das heißt hübsch. Das war sie nun nicht und Conrad konnte der Wahrheit gemäß nicht sagen, daß sie «sauber» wäre. «Dann wird nichts daraus», sagte der Kaiser. —

[ 88 ] Well, you know, the strangest thing happened with the philosopher Brentano. Not only did he leave the Church—he was a priest, an ordained priest—but he not only left the Church, he converted to Protestantism and got married; but the Catholic Church declared that he could not be appointed to a professorship at the university because he was still a priest. Although he was not considered a Catholic—he had even been excommunicated and had converted to Protestantism—he was not permitted to take up the professorship in Vienna that he had previously held. Brentano was a professor of philosophy at the University of Vienna; he had been appointed in 1873. Then he wanted to get married; he could not do so because Austrian law prohibited the marriage of priests, and an Austrian citizen who is a priest is therefore not allowed to marry. Brentano became a Saxon citizen, converted to Protestantism, and married a Jewish woman. Consequently, he had to give up his professorship. He was promised that he would be reappointed later. That did not happen because the Church protested. It declared: He is a Protestant, but the effects of his [Catholic] ordination are not revoked, and a priest who behaves in this way may not become a professor in Austria. — Then Minister Conrad took the plunge, went to Emperor Franz Joseph, and sought to push the matter through in this way. The Emperor looked into the matter and said, “Yes, that’s the devil’s work—is the Jewish woman at least ‘clean’?”—“Clean,” right? That means pretty. She wasn’t, and Conrad couldn’t truthfully say that she was “clean.” “Then nothing will come of it,” said the Emperor.—

[ 89 ] Also, nicht wahr, wenn Sie glauben, daß ich eine solche Broschüre schreiben soll — es hindert ja nichts, daß ich es mache, aber es wäre vielleicht gut, wenn von anderer Seite auch noch geschrieben würde.

[ 89 ] Well, don't you think that if you believe I should write such a brochure—there's nothing stopping me from doing so, but it might be good if someone else wrote one as well.

[ 90 ] Emil Bock: Rittelmeyer hat jetzt genau über die Anthroposophie und Religionserneuerung geschrieben, aber ich weiß nicht, ob das maßgebend ist, da Rittelmeyer nicht weiß, was wir hier gehört haben.

[ 90 ] Emil Bock: Rittelmeyer has now written specifically about anthroposophy and religious renewal, but I don’t know if that’s relevant, since Rittelmeyer doesn’t know what we’ve heard here.

[ 91 ] Rudolf Steiner: Aber sagen Sie mir, glauben Sie denn nicht, daß es gar nicht notwendig ist, daß das ein renommierter Religionsübender ist? Glauben Sie denn nicht, daß zum Beispiel aus Ihrem Kreise selbst, aus dem Kreise jüngerer Leute auch so etwas geschrieben werden könnte? Etwas, was rein durch seine innere Güte und Gediegenheit wirkt? Daß gerade einer, der auf Religionserneuerung ausgeht, das selbst macht, und nicht jemand so etwas macht, der bekannt dafür ist, daß er vom anthroposophischen Standpunkt aus schreibt? Selbst wenn es jemand macht, der gar nicht Priester werden will, würde es gehen. Ich weiß nicht, warum das nicht auch ein jüngerer Herr machen könnte. Es muß nur gut gemacht werden. Überlegen Sie sich die Frage. Nun, ich werde mich nie weigern, es zu tun; ich würde es schon tun.

[ 91 ] Rudolf Steiner: But tell me, don’t you think it’s not at all necessary for the author to be a renowned religious practitioner? Don’t you think that, for example, something like this could be written by someone from your own circle—from among the younger people? Something that makes an impact purely through its inner goodness and substance? That it should be someone who is striving for religious renewal who does this himself, rather than someone known for writing from an anthroposophical standpoint? Even if it were done by someone who has no intention of becoming a priest, it would work. I don’t know why a younger gentleman couldn’t do that as well. It just has to be done well. Please give this some thought. Well, I will never refuse to do it; I would certainly do it.

[ 92 ] Emil Bock: Ich habe meinen Bericht beendet damit, daß dann eine Zentralstelle in Berlin gemacht wird und von Berlin aus auch wenigstens vorläufig das Wertvolle geschehen könnte, zunächst daß, wenn es geht, wir dauernd im Kontakt mit Herrn Dr. Steiner bleiben dürfen.

[ 92 ] Emil Bock: I concluded my report by suggesting that a central office be established in Berlin and that, at least for the time being, the important work could be carried out from there—first and foremost, that, if possible, we be allowed to remain in constant contact with Dr. Steiner.

[ 93 ] Rudolf Steiner: Das wird sehr gut gehen.

[ 93 ] Rudolf Steiner: That will work out very well.

[ 94 ] Emil Bock: Dann haben wir etwas, das greift in den Bereich des Herrn Dr. Heisler. Wir haben uns bemüht um Abfassung des Werbeflugblattes für die Geldmittel, sind aber noch nicht zu einem ganz klaren Abschluß gekommen. Nun würde ich Herrn Dr. Heisler bitten, den Bericht über die Geldpläne vorzutragen.

[ 94 ] Emil Bock: Then we have something that falls within Dr. Heisler’s area of responsibility. We have been working on drafting the fundraising flyer, but have not yet reached a definitive conclusion. I would now like to ask Dr. Heisler to present the report on the fundraising plans.

[ 95 ] Hermann Heisler: Wir waren uns klar darüber, daß man zunächst wohl ganz planmäßig anfangen muß, und zwar so, daß man an einem Platz anfängt, wo man Bekannte hat, daß man dort hinfährt. Die Bekannten werden zu gewinnen sein aus den Kreisen der Anthroposophen. Es ist nicht gut, daß man sich offiziell an die Zweige wendet, sondern daß man sich aus den Anthroposophen einige Leute heraussucht, die geeignet erscheinen und daß diese Leute einem Adressen an die Hand geben und man dann diese Adressen aufsucht, um Gelder herauszubekommen, Wir sind überzeugt, daß unsere Mitglieder in der größten Anzahl zeichnen würden, doch besser wäre es, sich zuerst an andere zu wenden. Die Mitglieder sind uns sicher, die brauchen wir jetzt nicht zu bearbeiten. Der Betreffende soll nun die Leute, die er gesammelt hat, zusammenschließen zu einem Ausschuß von Vertrauensleuten, die dann die Weisungen bekommen und weiterarbeiten.

[ 95 ] Hermann Heisler: We were well aware that, at first, we would probably have to proceed quite systematically—namely, by starting in a place where we had acquaintances and going there. These acquaintances would be found among the anthroposophists. It is not advisable to approach the local branches officially; rather, we should select a few people from among the anthroposophists who seem suitable, and have these people provide us with addresses, which we can then visit to raise funds. We are convinced that the vast majority of our members would contribute, but it would be better to turn to others first. We can count on our members; we don’t need to persuade them at this point. The person in charge should now bring together the people he has gathered to form a committee of trusted individuals, who will then receive instructions and carry out the work.

[ 96 ] Rudolf Steiner: Ich würde schon raten, die Sache ja nicht durch die Zweige offiziell zu machen, sondern persönlich zu machen und viel darauf zu sehen, daß die Mitglieder sich herbeilassen, dann weitere Adressen in Nichtmitglieder-Kreisen zu geben. Das würde ich schon sehr raten. Sie werden dabei auch die Erfahrung machen, daß gerade für diese Seite der Sache Sie sehr viele Leute finden werden, die sich nicht offiziell als Mitglieder anschließen wollen, aber sehr viel übrig haben, nach dieser Richtung etwas zu tun. Es ist leider für ein ganz fruchtbares Sammeln ein klein wenig zu spät. Das wird natürlich nicht hindern, trotzdem sehr viel zu erreichen. Es ist ganz merkwürdig, wie stark vor zwei Jahren, vor zweieinhalb Jahren gerade in Deutschland überall das Streben war, das Geld, das dazumal die Leute zur Verfügung hatten, für solche Dinge zu geben. Es hatte sich eine große Anzahl reicher Leute dazumal gesagt: Wir wollen unbedingt uns nicht das Geld vom Staat abnehmen lassen. Die KeyserlingSache lebt nur von solchen Geldern und solche Leute gab es damals sehr viele.

[ 96 ] Rudolf Steiner: I would certainly advise against making this a formal matter through the branches, but rather handling it personally and taking great care to ensure that members are willing to provide further addresses to people outside the membership. I would strongly advise this. In doing so, you will also find that, particularly with regard to this aspect of the matter, you will encounter many people who do not wish to officially join as members but are very willing to do something in this direction. Unfortunately, it is just a little too late for a truly fruitful fundraising effort. Of course, that will not prevent us from achieving a great deal nonetheless. It’s quite remarkable how strong the desire was everywhere in Germany two years ago—or rather, two and a half years ago—to donate the money people had available at the time to such causes. A large number of wealthy people had told themselves back then: “We absolutely do not want the state to take our money away from us.” The Keyserling cause survives solely on such funds, and there were a great many such people back then.

[ 97 ] Hermann Heisler: Ist der Gesichtspunkt nicht auch jetzt noch maßgebend?

[ 97 ] Hermann Heisler: Isn't that perspective still relevant today?

[ 98 ] Rudolf Steiner: Es ist nicht mehr so gut wie vor zwei Jahren, aber es ist immer noch zu bekommen.

[ 98 ] Rudolf Steiner: It's not as good as it was two years ago, but it's still available.

[ 99 ] Hermann Heisler: Die Kaufleute haben sehr viel Geld in der Schublade. Es ist doch für die Geschäftsleute die reinste Kunst jetzt, das Geld wegzubringen, und das Geld geben sie vielleicht ganz leicht her.

[ 99 ] Hermann Heisler: Merchants have a great deal of money stashed away. For businesspeople, it’s practically an art form these days to get rid of that money, and they might just hand it over quite easily.

[ 100 ] Rudolf Steiner: Die Steuergeschichte war dazumal noch nicht so, jetzt kommt die dumme Steuergeschichte dazu. Ich zweifle nicht, daß etwas für diese Sache zu kriegen sein wird. Es ist etwas anderes, für den «Kommenden Tag» Gelder zu kriegen. Aber für eine solche Sache kriegt man eher Gelder.

[ 100 ] Rudolf Steiner: The tax situation wasn’t like that back then; now this silly tax issue has been added to the mix. I have no doubt that we’ll be able to get some funding for this cause. It’s one thing to get funding for the “Kommender Tag.” But for a cause like this, it’s easier to get funding.

[ 101 ] Hermann Heisler: Ich habe dann auch Österreich ins Auge gefaßt. Ich habe den Plan, zunächst in Baden zu beginnen. Ich würde zuerst nach Freiburg gehen — ich habe dort eine bestimmte Sache im Auge — und möchte dann den Rhein herunter bis Köln. Ich glaube, daß das einen guten Monat brauchen würde. Wenn die Sache fruchtbar werden soll, muß es rasch gehen. Und da hatte ich den weiteren Plan, daß einige von unseren Freunden helfen könnten. Die Sache drängt und ich kann unmöglich alles allein machen. Wenn der Kurs schon Anfang September sein soll, habe ich ja kaum einen Monat Zeit, denn der August wird sehr schlecht sein; diese Zeit ist sehr unpraktisch, September, Oktober ist wieder besser, vom August verspreche ich mir wenig. Darum dachte ich, wenn die Zeit drängt, Herrn Meyer zu bitten, Hannover zu übernehmen, dann würden die Herren in Berlin für sich arbeiten. Habe ich Zeit genug, was ich bezweifle, so werde ich kurz die süddeutschen Städte besuchen, andernfalls müßte das später geschehen. Und es würde sich dann ergeben, daß man im August eine Pause machen würde. Dann würde für mich eine Reise in Betracht kommen nach Sachsen, vielleicht auch an den Bodensee, nach Konstanz. Weitere Pläne zu machen, hat keinen Sinn, weil sich das weitere nur aus der praktischen Erfahrung ergeben muß. Möchten Herr Doktor vielleicht dazu etwas sagen?

[ 101 ] Hermann Heisler: I then also considered Austria. My plan is to start in Baden first. I would go to Freiburg first—I have a specific matter in mind there—and then travel down the Rhine to Cologne. I think that would take a good month. If this is to be successful, it has to happen quickly. And so I had a further plan that some of our friends could help. The matter is urgent, and I can’t possibly do everything on my own. If the course is to take place as early as the beginning of September, I’ll barely have a month, since August will be very difficult; that time is very impractical—September and October are better, but I don’t expect much from August. That’s why I thought that, since time is of the essence, if I asked Mr. Meyer to take over Hanover, then the gentlemen in Berlin would work on their own. If I have enough time—which I doubt—I’ll make a brief visit to the cities in southern Germany; otherwise, that would have to happen later. And it would then turn out that we would take a break in August. Then I might consider a trip to Saxony, perhaps also to Lake Constance, to Konstanz. There’s no point in making further plans, because what happens next must simply emerge from practical experience. Would Dr. [Name] perhaps like to say something about this?

[ 102 ] Rudolf Steiner: Ich werde mir, solange ich hier bin, die Sache noch überlegen, wir können noch darüber reden.

[ 102 ] Rudolf Steiner: I’ll think it over while I’m still here; we can talk about it some more.

[ 103 ] Hermann Heisler: Ich habe so gedacht, daß man nicht offiziell an die Zweige geht, aber bei Zweigmitgliedern anklopft.

[ 103 ] Hermann Heisler: My thinking was that we shouldn't approach the local chapters officially, but rather reach out to their members.

[ 104 ] Rudolf Steiner: Gewiß, aber nur bei den Persönlichkeiten, nicht offiziell; da kriegen Sie auch nicht viel, wenn Sie sich an die Zweige wenden. Da wird gesammelt und dann geben die Leute eine Mark jeder. Bei Sammlungen ist es so. Wenn man sich aber an einzelne Leute wendet, dann kann man schon mehr erreichen.

[ 104 ] Rudolf Steiner: Certainly, but only through individuals, not officially; you won’t get much if you turn to the local branches. They hold a collection, and then people each contribute one mark. That’s how it works with collections. But if you approach individual people, you can achieve more.

[ 105 ] Hermann Heisler: Ich möchte immer an die Vorstände herangehen und bitten, daß sie geeignete Leute zusammenrufen. Nun, dann war die Frage, was man mit dem Geld zunächst tut. Ich war der Meinung, daß man ein Postscheckkonto auf meinen Namen eröffnen sollte, wir würden dann das Geld beim «Kommenden Tag» anlegen, wo wir sehr hohe Zinsen zu bekommen hoffen. Dann herrscht eine gewisse Unklarheit über den Liebesdienst, den der «Kommende Tag» uns erweisen will. Es kämen außer meinem Gehalt noch Reisespesen in Betracht für die Herren, die helfen, also für Herrn Meyer und so weiter, dann Porto und dergleichen und für Drucksachen und alles, was an Auslagen eben ist. Dann kommt auch der Theologenkurs in Frage. Wir hoffen, daß der «Kommende Tag» die ersten drei Monate uns unterstützt.

[ 105 ] Hermann Heisler: I would always like to approach the board members and ask them to bring together suitable people. Well, then the question was what to do with the money first. I was of the opinion that we should open a postal check account in my name; we would then invest the money with “Kommender Tag,” where we hope to earn very high interest. Then there is some uncertainty regarding the favor that “Kommender Tag” intends to do for us. In addition to my salary, travel expenses would need to be considered for the gentlemen who are helping—that is, for Mr. Meyer and so on—as well as postage and the like, and for printed materials and all other necessary expenses. The theology course is also a consideration. We hope that “Kommender Tag” will support us for the first three months.

[ 106 ] Rudolf Steiner: Ich habe nur zunächst für Ihre Stellung den «Kommenden Tag» engagiert, das weitere müßten Sie dann aus Ihren Einnahmen decken. Ich habe gedacht, daß der «Kommende Tag» die Brücke schaffen wird, aber daß er unter Umständen das, was Reisespesen sind, später wiederum zurückkriegt. Sie müssen mit dem «Kommenden Tag» sich noch viel gründlicher ins Einvernehmen setzen. Ich mußte schon zufrieden sein, daß ich das herausbekam.

[ 106 ] Rudolf Steiner: I have only initially committed “Kommender Tag” to your position; you would then have to cover the rest from your own income. I thought that Der Kommende Tag would serve as a bridge, but that under certain circumstances it might later be reimbursed for travel expenses. You need to come to a much more thorough agreement with Der Kommende Tag. I had to be satisfied just to have gotten that much done.

[ 107 ] Hermann Heisler: Ich hoffe doch ...

[ 107 ] Hermann Heisler: I certainly hope so ...

[ 108 ] Rudolf Steiner: Wer A sagt, sagt manchmal auch B, wenn es richtig angefangen wird.

[ 108 ] Rudolf Steiner: If you say A, you sometimes say B too, if you start off on the right foot.

[ 109 ] Hermann Heisler: Dann dachten wir, das wäre nur die erste Arbeit, überall Leute zu haben, an die man sich wenden kann. Dann ein Rundschreiben aufnehmen und die selbstverständliche Weiterarbeit. Wenn diese ganze Arbeit getan ist, wäre dann der Kurs. Nach dem Kurs ist die Hauptsache die ideelle Arbeit.

[ 109 ] Hermann Heisler: Then we thought that would just be the first step—having people everywhere we could turn to. Then we’d put out a newsletter and continue the work as a matter of course. Once all that work is done, then we’d hold the course. After the course, the main thing is the ideological work.

[ 110 ] Rudolf Steiner: Die geistige Tätigkeit müßte doch, wenn sie eben nicht zum Schaden ausschlagen soll, gleich damit beginnen, daß man ins Amt tritt oder eben Gemeinden gründet. Man dürfte nicht die Sache theoretisch vertreten, es muß praktisch angefaßt werden.

[ 110 ] Rudolf Steiner: If spiritual activity is not to have harmful consequences, it must begin right away—by taking office or founding communities. One should not merely advocate for the cause in theory; it must be tackled in practice.

[ 111 ] Hermann Heisler: Es wäre vielleicht auch gut, wenn man in Vorträgen das religiöse Element einfließen ließe.

[ 111 ] Hermann Heisler: It might also be a good idea to incorporate religious elements into lectures.

[ 112 ] Rudolf Steiner: Ja, ich bin der Meinung, daß es glücken wird dann, wenn es so gemacht wird, daß alle jungen Theologen, die sich jetzt zu diesem losen Verband zusammentun, direkt darauf losarbeiten, ins Amt, in die praktische Religionswirksamkeit zu kommen. Die Idee propagieren, agitatorisch für die Idee zu wirken — ich weiß nicht, ob das eigentlich wirklich Nutzen bringt. Ich glaube eher, daß das die Stoßkraft abschwächt.

[ 112 ] Rudolf Steiner: Yes, I believe it will succeed if it is done in such a way that all the young theologians who are now joining together in this loose association set to work directly toward entering the ministry and engaging in practical religious work. Promoting the idea, campaigning for it—I don’t know if that actually does any good. I tend to believe that it weakens the driving force.

[ 113 ] Emil Bock: Wir waren darüber noch nicht klar, ob wir gleich einen Kultus hinsetzen sollen oder es vorbereiten sollen dadurch, daß wir arbeiten.

[ 113 ] Emil Bock: We hadn't yet decided whether we should establish a cult right away or prepare for it by working on it.

[ 114 ] Rudolf Steiner: Sehen Sie, im Augenblick, wo Sie denken können, Gemeinden zu gründen, Ihre richtige Seelsorgetätigkeit anzutreten, in dem Moment müssen Sie anfangen, die wirkliche Seelsorge mit dem Kultus zu tragen.

[ 114 ] Rudolf Steiner: You see, the moment you begin to think about founding communities and taking up your true pastoral work, that is the moment you must begin to support true pastoral care through worship.

[ 115 ] Ein Teilnehmer: Vielleicht sind einige schon so alt, daß sie sich vorbereiten könnten. Sehr viele jedenfalls noch nicht; die sollen dann hinter denen kommen.

[ 115 ] A participant: Perhaps some are already old enough to start preparing. In any case, many are not yet; they should follow behind the others.

[ 116 ] Rudolf Steiner: Ja, auch; aber Sie sind doch zumeist jüngere Theologen. Besonders hier sind doch solche, die auch nicht mehr lange haben, ins Amt zu kommen. Ich weiß nicht, ob man es darauf anlegen sollte, daß man wartet bis zur Studienvollendung. Freie Gemeinden können Sie ja ganz gut gründen, wenn Sie erst drei Semester hinter sich haben; wenn Sie nur versuchen, wirklich einzudringen in die Dinge. Durch den Kurs werden Sie ja tiefer hineindringen. Sie müssen ja unter allen Umständen doch den Glauben haben, daß Sie es jetzt schon, wenn Sie Seelsorge pflegen, besser machen als die anderen, wenn sie acht Semester haben. Sonst würden Sie zu wenig Stoßkraft haben, wenn Sie das nicht glauben. Darauf darf man sich nicht einlassen.

[ 116 ] Rudolf Steiner: Yes, that’s true; but most of you are younger theologians, after all. Especially here, there are those who won’t be taking up their posts for much longer. I don’t know if one should aim to wait until one has completed one’s studies. You can certainly found independent congregations quite well even after just three semesters—if you only try to really delve into the subject matter. Through the course, you’ll gain a deeper understanding. You must, under all circumstances, have the conviction that even now, as you provide pastoral care, you’re doing a better job than others who have completed eight semesters. Otherwise, you wouldn’t have enough drive if you didn’t believe that. You mustn’t let yourself be swayed by that.

[ 117 ] Ein Teilnehmer: Es handelt sich um die Gefahr, daß der akademische Abschluß nicht erreicht wird.

[ 117 ] A participant: The risk is that the student will not earn a degree.

[ 118 ] Rudolf Steiner: Da haben es doch auch auf anderen Gebieten viele so gemacht, daß sie irgendwo inskribiert gewesen sind und nachher ein Doktorat zum Beispiel nachgeholt haben als akademischen Abschluß. Das würde da doch möglich sein.

[ 118 ] Rudolf Steiner: After all, many people in other fields have done the same thing—they were enrolled somewhere and later obtained a doctorate, for example, as an academic degree. That would certainly be possible here.

[ 119 ] Ein Teilnehmer: Man würde uns vielleicht nicht zulassen.

[ 119 ] A participant: They might not let us participate.

[ 120 ] Rudolf Steiner: Das ist die Frage. Natürlich ist es schon notwendig, daß dieser akademische Abschluß erreicht wird, weil sich sonst das Vorurteil bilden würde, daß die gescheiterten Existenzen so etwas machen; das dürfte nicht sein. Wenn Sie sich auch eine Zeitlang so bilden und dann Ihren Abschluß nach ein paar Jahren machen, so kann das trotzdem gemacht werden. Es haben solche Leute es immer wieder so gemacht, daß sie inskribiert geblieben sind und dann, nicht wahr, ihr Rigorosum gemacht haben.

[ 120 ] Rudolf Steiner: That is the question. Of course, it is necessary to earn this academic degree, because otherwise the prejudice would arise that only those who have failed in life do such a thing; that must not be allowed to happen. Even if you study this way for a while and then earn your degree after a few years, that can still be done. People have done this time and again—they remained enrolled and then, as you know, took their oral examination.

[ 121 ] Ein Teilnehmer: Wenn es genügt, Seelsorger zu sein, dann hat es die Bedeutung nicht.

[ 121 ] A participant: If it’s enough just to be a pastor, then it doesn’t have any meaning.

[ 122 ] Rudolf Steiner: Ja, glauben Sie, daß es schwierig ist, ein Doktorat zu machen?

[ 122 ] Rudolf Steiner: Yes, do you think it’s difficult to earn a doctorate?

[ 123 ] Ein Teilnehmer: Es sind dazu sechs Semester notwendig.

[ 123 ] A participant: It takes six semesters to complete the program.

[ 124 ] Rudolf Steiner: Auf irgendeine Weise ist es immer gegangen. Zum Beispiel vor etwa zwanzig Jahren kam Herr Posadzy zu mir und sagte: Ich will den Philosophie-Doktor machen, könnten Sie mir nicht meine Dissertation durchsehen? Ich möchte über Herder schreiben. — Und er hat eine gute Dissertation gemacht. Er hat nur den großen Fehler gemacht, mein «Christentum als mystische Tatsache» zum zitieren. Und da wurde ihm gesagt: Nein, wenn Sie Steiner zitieren, nehmen wir die Dissertation nicht an. — Ausstreichen wollte er es nicht, und so kam er wieder zu mir und ich sagte zu ihm, er solle zu Gideon Spicker gehen, und dort hat er den Doktor cum laude gemacht. Irgendwo kann man es schon machen. Bei Gideon Spicker in Münster können Sie es natürlich nicht machen, der lebt ja nicht mehr. Früher konnte man es auch bei dem machen, der Nachfolger von Spicker war, der eigentlich ein Schwadroneur war, aber er ist nicht der schlechteste; Braun heißt er.

[ 124 ] Rudolf Steiner: Somehow, it has always worked out. For example, about twenty years ago, Mr. Posadzy came to me and said: “I want to earn my doctorate in philosophy; could you please review my dissertation? I’d like to write about Herder.” — And he wrote a good dissertation. He just made the big mistake of citing my Christianity as a Mystical Fact. And then he was told: “No, if you cite Steiner, we won’t accept the dissertation.” — He didn’t want to take it out, so he came back to me, and I told him to go to Gideon Spicker, and there he earned his doctorate cum laude. Somewhere, you can always make it work. Of course, you can’t do it with Gideon Spicker in Münster—he’s no longer alive. In the past, you could also do it with Spicker’s successor, who was actually a windbag, but he’s not the worst; his name is Braun.

[ 125 ] Ernst Uehli: Der über Schelling geschrieben hat?

[ 125 ] Ernst Uehli: Who Wrote About Schelling?

[ 126 ] Rudolf Steiner: Ja. Da ist ja auch ein Kollege von Ihnen, der will in Basel sein Doktorat machen, der Altemüller, der gehört doch auch zu Ihnen.

[ 126 ] Rudolf Steiner: Yes. There’s also a colleague of yours who wants to do his doctorate in Basel—Altemüller—he’s part of your group, isn’t he?

[ 127 ] Hermann Heisler: Lauer, Doldinger ...

[ 127 ] Hermann Heisler: Lauer, Doldinger ...

[ 128 ] Rudolf Steiner: Das sind Theologen. Ich bin überzeugt davon, daß unter den anderen Studierenden solche sind (zu Gottfried Husemann), die den umgekehrten Weg machen. Sie sind zur Chemie gegangen? Wenn jetzt eine Bewegung da ist, wird es Philosophen geben, die zur Religionsübung übergehen. Diese Frau Plincke, ist die nicht auch interessiert? Es sind zweifellos viele, die zur Theologie herüberkommen werden.

[ 128 ] Rudolf Steiner: Those are theologians. I am convinced that among the other students there are some (to Gottfried Husemann) who are taking the opposite path. Did they go into chemistry? If there is a movement now, there will be philosophers who turn to religious practice. This Ms. Plincke—isn’t she interested as well? There are undoubtedly many who will come over to theology.

[ 129 ] Ein Teilnehmer: Ich möchte doch einmal fragen nach den Vorträgen «Bibel und Weisheit», wie man die bekommen könnte.

[ 129 ] A participant: I’d like to ask about the “Bible and Wisdom” lectures—how can I get them?

[ 130 ] Rudolf Steiner: Ich will sehen, wenn ich nach Berlin komme. Es waren noch Nachschriften vorhanden. Frau Dr. Steiner wird das ja wissen. Ich will sehen, ob solche noch da sind.

[ 130 ] Rudolf Steiner: I’ll check when I get to Berlin. There were still some transcriptions available. Dr. Steiner will know, of course. I’ll see if any of those are still there.

[ 131 ] Ein Teilnehmer: Vielleicht gibt es sonst noch Literatur?

[ 131 ] A participant: Is there any other literature on this topic?

[ 132 ] Rudolf Steiner: Ich will die Vorträge nachschauen lassen. Ich habe über die Beziehung zur Religion schon vielfach gesprochen. Es ist ja so sehr schwierig, gerade gegenüber dieser so zahlreich auftretenden Literatur von Theologen, mit den Leuten fertig zu werden. Wenn man irgend etwas widerlegt, so drehen sie es wieder etwas anders, man wird nie fertig mit den Leuten. Es ist viel leichter, etwas zu schreiben, als mit den Leuten darüber zu reden. Diese Leute können eigentlich in ihrem Sinn nicht wahrhaftig sein. Das führt dazu, daß sie auch in anderen Dingen die Unwahrheit sagen. Sie finden es ganz angemessen, die Unwahrheit zu sagen. Es ist zum Beispiel der Traub in diesem Artikel, wo er sich das andere geleistet hat, das ich erwähnt habe, so dreist, auch hinzuschreiben, er könne sich nicht mehr erinnern an den Kultur-Aufruf, er habe ihn auch nicht genau gelesen, aber er könne nur sagen, daß er selten so etwas Schwulstiges kennengelernt habe. — Das steht in diesem Aufsatz, den er als Autorität schreiben sollte; da stehen lauter solche Dinge drinnen. Da steht diese schöne Sache drin: Die Anthroposophie nennt sich eine Geheimwissenschaft; was geheim ist, ist aber keine Wissenschaft. Und das nennt er einen in sich geschlossenen Widerspruch. — Vor allem ist die «Geheimwissenschaft» nicht geheim, und wenn auch, so hindert das nicht, daß sie trotzdem eine Wissenschaft ist, denn «geheim» und «Wissenschaft», das sind doch zwei Dinge, die schlechterdings nichts miteinander zu tun haben. Aber von solchen Dingen wimmelt diese Literatur, es ist eine schreckliche Literatur. Ein Mitglied von uns hat sich die Mühe genommen, die objektiven Unwahrheiten in der Broschüre von Frohnmeyer zusammenzustellen; ich glaube es sind 183. — Dann morgen um 8 Uhr.

[ 132 ] Rudolf Steiner: I’ll have someone look up the lectures. I’ve spoken many times already about the relationship to religion. It’s so very difficult to deal with people, especially in light of the vast amount of literature produced by theologians. If you refute something, they just rephrase it slightly; you’re never done with these people. It’s much easier to write something than to talk to people about it. These people cannot truly be sincere in their own sense. This leads them to speak untruths in other matters as well. They find it perfectly acceptable to tell untruths. Take, for example, Traub in this article, where—in addition to the other thing I mentioned—he was so brazen as to write that he could no longer remember the “Call for Culture,” that he hadn’t read it closely either, but that he could only say he had rarely encountered anything so bombastic. — That’s what’s written in this essay, which he was supposed to write as an authority; it’s full of things like that. It contains this lovely statement: Anthroposophy calls itself a secret science; but what is secret is not a science. And he calls that an inherent contradiction. — Above all, the “secret science” isn’t secret, and even if it were, that wouldn’t prevent it from still being a science, because “secret” and “science” are two things that have absolutely nothing to do with each other. But this literature is teeming with such things; it’s terrible literature. One of our members has taken the trouble to compile the objective falsehoods in Frohnmeyer’s pamphlet; I believe there are 183 of them. — Then tomorrow at 8 a.m.