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The Rudolf Steiner Archive

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On the Essence of the Active Word
GA 345

11 July 1923, Stuttgart

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Erster Vortrag

First Lecture

[ 1 ] Die herzlichen Worte, die soeben [von Herrn Dr. Rittelmeyer] gesprochen worden sind, gehen hervor aus derjenigen schönen Kraft, die ja zur Begründung dieser religiösen Gemeinschaftsbildung geführt hat, und das Wesentliche, was durch diese religiös wirkende Gemeinschaft fließen soll, hängt ja von dem ganzen Ernste und von der, ich möchte sagen Vertiefung dieses Ernstes ab, wie er ursprünglich in den Absichten derjenigen lag, die den Anstoß gegeben haben zu der Begründung dieser religiösen Gemeinschaftsbewegung. Es muß gesagt werden, daß auch im wesentlichen alles das, was im Verlaufe dieses Jahres innerhalb dieser religiösen Gemeinschaft selber geschehen ist, durchaus im Sinne einer Fortsetzung dieses Ernstes geschehen ist, und daß man wohl jetzt schon, bis zu einem gewissen Grade wenigstens, sagen kann: die ursprünglichen Absichten haben sich bewährt, durchaus bewährt.

[ 1 ] The heartfelt words just spoken [by Dr. Rittelmeyer] stem from that beautiful strength which, after all, led to the founding of this religious community, and the essence of what is to flow through this spiritually active community depends, of course, on the full seriousness and on the, I might say, deepening of that seriousness, as it originally lay in the intentions of those who gave the impetus to the founding of this religious community movement. It must be said that, in essence, everything that has taken place within this religious community itself over the course of this year has occurred entirely in the spirit of a continuation of this seriousness, and that one can already say, at least to a certain extent: the original intentions have proven themselves, thoroughly proven themselves.

[ 2 ] Es trat ja zum Beispiel auch dann diese Bewegung stark hervor, wenn der äußere Eindruck des Rituals — ich meine das im edelsten Sinne des Wortes — innerhalb unserer gesamten Geistesbewegung wirkte. Es ging ein starker Strom von innerer, wahrhaftig gemeinter und auch wahrhaftig wirkender Andacht aus von der Art, wie wir vor kurzem eines der ältesten Mitglieder unserer anthroposophischen Bewegung, Hermann Linde, zur Einäscherung führen konnten. Die Eindrücke, welche gerade bei dieser Gelegenheit von der Kultushandlung ausgegangen sind, zeigten durchaus, daß das, was beabsichtigt werden soll, wirklich auch auf einem guten Wege der Verwirklichung ist; und das kann ja auf den verschiedensten Gebieten bis jetzt gesagt werden.

[ 2 ] This movement, for example, also came to the fore strongly when the outward impression of the ritual—I mean this in the noblest sense of the word—had an effect within our entire spiritual movement. A powerful current of inner, sincerely felt, and truly effective devotion emanated from the way in which we were recently able to accompany one of the oldest members of our anthroposophical movement, Hermann Linde, to his cremation. The impressions that emanated from the ritual on this particular occasion clearly showed that what is intended is truly well on its way to being realized; and this can indeed be said so far in a wide variety of fields.

[ 3 ] Ich habe sogar die Empfindung, daß es mit dem objektiven Werdegang dieser religiösen Gemeinschaftsbestrebung schneller gegangen ist als mit dem, was die innere Befriedigung, die innere Harmonisierung in den Seelen der einzelnen Träger dieses religiösen Gedankens ist. Die Sache geht nun ihren guten Gang. Sie selbst werden sich auf der einen Seite von diesem guten Gang von der Sache hingerissen fühlen können, auf der anderen Seite werden Sie mit manchen inneren seelischen Schwierigkeiten zu kämpfen haben, und da wäre es von ganz besonderer Bedeutung, wenn gerade bei dieser Zusammenkunft solche seelischen inneren Schwierigkeiten zum Besprechen kommen könnten, wenn also gerade heute diese erste Zusammenkunft dazu benutzt werden könnte, daß Sie die Schwierigkeiten geltend machen, die Sie selbst haben, so daß wir dann in den nächsten Tagen versuchen können, in bezug auf diese inneren Schwierigkeiten eine gewisse Harmonisierung herbeizuführen.

[ 3 ] I even have the feeling that the objective development of this religious community effort has proceeded more rapidly than the inner satisfaction and inner harmony within the souls of the individual bearers of this religious idea. Things are now proceeding smoothly. On the one hand, you yourselves will be able to feel carried away by this positive momentum; on the other hand, you will have to grapple with certain inner spiritual difficulties, and so it would be of particular importance if, especially at this gathering, such inner spiritual difficulties could be discussed—if, in other words, this very first gathering today could be used for you to voice the difficulties you yourselves are experiencing, so that we can then try, in the coming days, to bring about a certain harmonization with regard to these inner difficulties.

[ 4 ] Es ist durchaus begreiflich, daß diese inneren Schwierigkeiten da sind, denn Sie müssen ja, gerade weil Sie Vertreter der wichtigsten spirituellen Bestrebung sind, stets vor Augen haben, daß die Realitäten im geistigen Leben stark wirken. Auch wenn man das nicht gewahr wird, Realitäten sind da. Das, was an der Oberfläche des Geschehens geschieht, wurzelt, gerade wenn es fü das Geistige geschieht, in tiefen Untergründen, die gut oder böse sein können. Es darf nie aus den Augen verloren werden, wenn man in der Gegenwart auf religiösem Gebiete wirken will, daß die religiös orientierten Geistes- oder Ungeistesströmungen gerade in der Gegenwart eine außerordentlich rege Tätigkeit entwickeln.

[ 4 ] It is entirely understandable that these inner difficulties exist, for precisely because you are representatives of the most important spiritual endeavor, you must always bear in mind that the realities of spiritual life have a powerful influence. Even if one is not aware of them, these realities are there. What happens on the surface of events—especially when it pertains to the spiritual realm—is rooted in deep underlying forces that can be either good or evil. If one wishes to be active in the religious sphere today, one must never lose sight of the fact that religiously oriented spiritual and non-spiritual currents are developing with extraordinary vigor, particularly in the present day.

[ 5 ] Gerade während wir uns hier besprechen, ist zum Beispiel eine Versammlung im Gange von Vertretern der römischen Kirche an einem bestimmten Ort in Europa, die wahrscheinlich eine außerordentlich große Wirkung haben wird; wenigstens ist eine außerordentlich große Wirkung von ihr beabsichtigt. Es ist ja heute so, daß, viel mehr als man da oder dort ahnt, die Herzen der Menschen sich religiös verödet fühlen. Die Herzen der Menschen fühlen sich namentlich deshalb religiös verödet, weil allzuwenig zu ihnen in der Sprache gesprochen wird, die unmittelbar wirklich aus dem Geiste heraus kommt. Und für ganz breite Schichten der Menschheit ist es einfach unmöglich, daß man sie über diese Verödung der Herzen hinausbringt, wenn man sie nicht tatsächlich mit einer Sprache erfaßt, die nicht irdisch ist, das heißt mit der Sprache, die in der Kultushandlung gegeben ist, die eine übersinnliche Sprache ist. Sie müssen nicht aus den Augen verlieren, wie ungeheuer wirksam gerade heute das ist, was von der römisch-katholischen Kirche in der Messe gegeben wird, was sie in einem heute ja veralteten, doch gerade auf die Seele stark wirkenden Kultus hat, und noch mehr durch die Art, wie da gesprochen werden kann.

[ 5 ] Even as we speak here, for example, a gathering of representatives of the Roman Catholic Church is taking place at a certain location in Europe, which will likely have an extraordinarily great impact; at the very least, it is intended to have an extraordinarily great impact. The fact is that today, far more than people here and there realize, people’s hearts feel spiritually desolate. People’s hearts feel spiritually desolate precisely because they are addressed all too rarely in a language that truly springs directly from the Spirit. And for very broad segments of humanity, it is simply impossible to lead them beyond this spiritual desolation of the heart unless one actually addresses them in a language that is not earthly—that is, in the language found in the liturgical rite, which is a supersensible language. You must not lose sight of how immensely effective—especially today—is what the Roman Catholic Church offers in the Mass, what it possesses in a liturgical practice that, while outdated by today’s standards, nevertheless has a powerful effect on the soul, and even more so through the very way in which the words are spoken.

[ 6 ] Man muß sich immer klar darüber sein, wieviele Kräfte in der Menschheit so liegen, daß sie gerade nach dieser Seite hin in die Irre geführt werden können. Bedenken Sie, wenn Sie heute fragen, welches das so ziemlich verbreitetste Gedichtwerk in Mitteleuropa ist, so müssen Sie ein Werk nennen, das in den Kreisen, die man heute gewöhnlich meint, wenn man vom Fortgang in der Geschichte spricht, oft gar nicht bekannt ist, nicht einmal dem Namen nach, «Dreizehnlinden» von Weber, das rasch viele Auflagen erlebt hat. Warum ist das so? Aus dem Grunde, weil das Werk von römisch-katholischem Geiste durchweht ist. ... [Lücke im Text des Stenographen.]

[ 6 ] One must always be aware of how many forces within humanity are such that they can be led astray precisely in this direction. Consider this: if you were to ask today which is the most widely read collection of poems in Central Europe, you would have to name a work that is often completely unknown—not even by name—in the circles people usually have in mind when speaking of historical progress: Weber’s Dreizehnlinden, which has quickly gone through many printings. Why is that? Because the work is imbued with a Roman Catholic spirit. ... [Gap in the stenographer’s text.]

[ 7 ] Diese Tatsachen sind die äußeren Symptome für eine starke geistige Strömung, die speziell römisch-katholische, die eben nach außen wirkt. Das ist sehr stark im Anzug. Nun vergessen Sie nicht, diese Kräfte gehen durch die menschliche Seele hindurch, gehen auch durch Ihre Seelen hindurch, und manches von dem, was Sie vielleicht nur einem subjektiven Bedürfnisse zuschreiben, rührt objektiv von den Geistesströmungen in der Gegenwart her. Und da wäre es von großer Bedeutung, wenn heute von Ihnen diese subjektiven Bedürfnisse formuliert würden, so daß wir sie in den nächsten Tagen in unsere Besprechung einfließen lassen können. Sie dürfen nicht vergessen, in einer solchen Bewegung, wie es die Ihrige ist, muß es sich darum handeln, daß Sie mit dem real-konkreten Geiste der Gegenwart wirken. Was wissen die Leute heute von dem realen Geiste der Gegenwart? Eine der wichtigsten Tatsachen für das innere Wirken des Geistigen in der Gegenwart kommt dadurch zustande, daß man in Amerika anfängt etwas einzusehen, was in der Anthroposophie schon angedeutet worden ist, was aber natürlich nicht gehört wird. Nun fängt man an, mit äußerlichen Mitteln einige Einsicht zu gewinnen.

[ 7 ] These facts are the outward symptoms of a powerful spiritual current—specifically the Roman Catholic one—that is manifesting itself externally. It is gaining momentum very rapidly. Now, do not forget that these forces pass through the human soul—they also pass through your souls—and much of what you might attribute solely to a subjective need actually stems objectively from the spiritual currents of the present. And so it would be of great importance if you were to articulate these subjective needs today, so that we can incorporate them into our discussion in the coming days. You must not forget that in a movement such as yours, the aim must be to work in harmony with the real, concrete spirit of the present. What do people today know about the real spirit of the present? One of the most important factors for the inner workings of the spiritual in the present arises from the fact that people in America are beginning to gain some insight into something that has already been hinted at in anthroposophy, but which, of course, is not being heard. Now people are beginning to gain some insight through external means.

[ 8 ] Vergleichen Sie die Welt von heute mit der von vor hundert Jahren. Sie werden sagen, wenn man die Welt von heute mit der von vor hundert Jahren vergleicht, so ist im Ganzen ein Unterschied zwischen heute und der Zeit vor hundert Jahren da; aber einer der gewaltigsten Unterschiede, der nicht aufgezählt wird, das ist der, daß wir heute unsere Atmosphäre durchzogen haben von lauter Telegraphendrähten, Telephondrähten und so weiter. Nun, in Europa scheint das Durchwachsensein mit Drähten noch ein Kinderspiel zu sein gegenüber Amerika. Deshalb ist dort eine Spur von Einsicht vorhanden, was das für den Menschen bedeutet. Man ahnt dort endlich, daß der Mensch nicht unbeeinflußt bleibt von dem, was in den Telegraphendrähten lebendig durch die Luft schwirrt, daß der Mensch ein richtiger Induktionsapparat wird. Bedenken Sie, daß ein entgegengesetzter Strom in Ihren Nerven und wiederum ein gleichgerichteter Strom in Ihrem Blutsystem wirkt. Das alles trägt die Menschheit heute in sich, aber davon spricht man kaum. Das sind im eminentesten Sinne ahrimanische Kräfte, die der Mensch heute durch die äußere Kultur aufnimmt, die er auch gar nicht ablehnen kann. Man macht sich ja Gedanken über das Mögliche und Unmöglichste, aber gerade über die stärksten Realitäten macht sich die heutige Menschheit am wenigsten Gedanken. Man sollte zum Beispiel auch einmal darüber sprechen, inwiefern der Unterschied zwischen Goethe und den heutigen Menschen darin besteht, daß Goethe noch nicht von Telegraphendrähten umwickelt war. Sehen Sie, was heute die Verödung der Menschenseele ist, das ist wesentlich mit alldem zusammenhängend.

[ 8 ] Compare the world of today with that of a hundred years ago. You might say that when you compare today’s world with that of a hundred years ago, there is, on the whole, a difference between today and that time; but one of the most striking differences—one that isn’t often mentioned—is that today we have crisscrossed our atmosphere with telegraph wires, telephone wires, and so on. Well, in Europe, this crisscrossing of wires still seems like child’s play compared to America. That is why there is a glimmer of insight there as to what this means for human beings. People there are finally beginning to suspect that human beings are not unaffected by what buzzes vividly through the air in the telegraph wires, that human beings are becoming veritable induction devices. Consider that a countercurrent is at work in your nerves and, in turn, a current flowing in the same direction is at work in your circulatory system. Humanity carries all of this within itself today, but it is hardly ever spoken of. These are, in the truest sense, Ahrimanic forces that people absorb today through external culture—forces they cannot even reject. People do ponder the possible and the most impossible, but it is precisely the strongest realities that modern humanity gives the least thought to. For example, one should also consider to what extent the difference between Goethe and people today lies in the fact that Goethe was not yet entangled in telegraph wires. You see, the desolation of the human soul today is essentially connected to all of this.

[ 9 ] Wenn Sie sich nun umsehen, wie die höchsten geistigen religiösen Bedürfnisse der Menschen befriedigt werden, so müssen Sie sich die Frage stellen: Sind in diese Befriedigungen schon die Impulse aufgenommen, die damit rechnen, daß der Mensch durch sein Seelisch-Geistiges diese Dinge in sich unschädlich machen kann? — Das sind sie nicht! Die Befriedigungen der religiösen Bedürfnisse gehen in Zeiten zurück, in denen es dies alles noch nicht gab, was ich Ihnen eben geschildert habe. Heute gibt es eine Befriedigung der religiösen Bedürfnisse, die nur für diejenigen Menschen gelten konnte, die nicht in einer solchen Kultur lebten, wie wir sie heute haben. Die Anthroposophie will hier so eingreifen, daß ein neuer Impuls entstehen kann, der in der Lage ist, die Menschen unabhängig zu machen von dem, wovon sie äußerlich nicht unabhängig werden können. Das muß hingenommen werden, was äußerlich da ist. Aber es muß auf der anderen Seite der Gegenpol dazu [geschaffen werden]. Das bedeutet, daß Sie ein starkes Bewußtsein aufnehmen müssen von der Bedeutung Ihrer Bewegung und mehr und mehr von rein geistigen Impulsen aus diese Bewegung machen müssen. An die wichtigsten Dinge muß gerade dabei gedacht werden, wenn es sich darum handelt, die Frage zu beantworten: Was sollen wir tun? — Die richtige Anwendung des Kultus und der Predigt ergeben schon den nötigen starken Impuls, wenn diese religiöse Bewegung auf Anthroposophie aufgebaut ist. Aber ein Bewußtsein davon muß in jedem einzelnen von Ihnen vorhanden sein, daß man heute in der Art in der Welt steht, daß man drinnensteht in diesen Einflüssen. Jeder von Ihnen sollte möglichst viel dazu beitragen, den Starkmut des Bewußtseins nach dieser Richtung hin zu erhöhen, zu kräftigen.

[ 9 ] If you now look around to see how people’s highest spiritual and religious needs are being met, you must ask yourself: Do these forms of fulfillment already incorporate the impulses that take into account the fact that human beings can render these things harmless within themselves through their soul-spiritual nature? — They do not! The ways in which religious needs are met date back to times when none of what I have just described to you existed. Today, there is a way of meeting religious needs that could only apply to people who did not live in a culture such as the one we have today. Anthroposophy seeks to intervene here in such a way that a new impulse can arise, one capable of making people independent of that from which they cannot become independent externally. What exists externally must be accepted. But on the other hand, the opposite pole to it must be created. This means that you must develop a strong awareness of the significance of your movement and, increasingly, shape this movement through purely spiritual impulses. It is precisely in this context that the most important things must be kept in mind when it comes to answering the question: What should we do? — The proper practice of worship and preaching already provides the necessary strong impulse when this religious movement is founded on anthroposophy. But each and every one of you must be aware that we stand in the world today in such a way that we are immersed in these influences. Each of you should contribute as much as possible to increasing and strengthening the courage of consciousness in this direction.

[ 10 ] Wir dürfen nicht vergessen, daß nach und nach in der Menschheit alles abstrakt und intellektuell geworden ist, und daß der Intellektualismus heute vollkommen in der Abendröte steht. Wir dürfen heute die Dinge nicht mehr nur verstehen wollen, sondern wir müssen unsere Herzen öffnen für die Realitäten aus der geistigen Welt. Das bloße Verstehen, wie dies oder jenes aufzufassen ist, ist sehr schön, es ist aber nicht dasjenige, was heute eine Bewegung tragen kann. Sehen Sie, eines muß besonders eingesehen werden: daß diejenigen Bewegungen, die heute regsam sind und mit starkem Willen ausgestattet sich dahin rüsten, mit Altem die Menschheit zu übersäen, ungeheuer stark sind und tief wurzeln namentlich im mitteleuropäischen und westlichen Volkstum; die römisch-katholische Kirche ist nur eine Phase davon. Gerade die Intellektuellen, weil sie heute bei der Verödung der Herzen angekommen sind, laufen heute in Scharen wieder zu den bestehenden Kirchen hin, namentlich zur katholischen.

[ 10 ] We must not forget that, little by little, everything in humanity has become abstract and intellectual, and that intellectualism today is in its twilight. Today, we must no longer seek merely to understand things; rather, we must open our hearts to the realities of the spiritual world. Merely understanding how this or that is to be interpreted is very fine, but it is not what can sustain a movement today. You see, one thing must be particularly understood: that those movements which are active today and, endowed with a strong will, are preparing to shower humanity with the old ways, are immensely powerful and deeply rooted, particularly in Central European and Western cultures; the Roman Catholic Church is merely one phase of this. It is precisely the intellectuals—because they have now reached a state of spiritual desolation—who are flocking back in droves to the established churches, particularly the Catholic Church.

[ 11 ] Sie sind nur erst eine kleine Bewegung und gering an der Zahl. Aber wenn Sie das Bewußtsein davon in sich tragen, daß Sie in der Wahrheit wirken, dann werden Sie sich eben sagen: Bei geistigen Bewegungen kommt es nicht auf die äußere Größe noch auf die Zahl an, sondern auf die innere Kraft. Diese wird wirken, wenn sie von starkem Bewußtsein dessen, was sie ist, getragen wird. Das ist es aber, was Sie haben müssen: Starkes Bewußtsein der Wahrheit, sich nicht entmutigen lassen, weil die Wahrheit heute am meisten gehaßt wird. Wenn Sie irgendeinen sektiererischen Irrtum verbreiten wollten, so würden Sie es leicht haben, man würde dann keine Ängstlichkeit Ihnen gegenüber haben. Aber gerade wenn Sie die Wahrheit verbreiten wollen, dann spüren die Menschen das, und da werden Sie die stärksten Widerstände finden.

[ 11 ] You are still only a small movement and few in number. But if you carry within yourselves the awareness that you are working in truth, then you will simply say to yourselves: With spiritual movements, it is not external size or numbers that matter, but inner strength. This inner strength will be effective if it is sustained by a strong awareness of what it is. But that is precisely what you must have: a strong awareness of the truth, and the resolve not to be discouraged, because the truth is hated more than anything else today. If you wanted to spread some sectarian error, you would have an easy time of it; people would not be afraid of you. But precisely when you want to spread the truth, people sense it, and that is where you will encounter the strongest resistance.

[ 12 ] Es handelt sich darum, daß man heute die zwei großen Gegensätze durchschaut. Ich möchte nicht bei jeder Gelegenheit den Jesuitismus erwähnen, auch nicht in dem gewöhnlichen Sinne, ich erwähne ihn hier nur als Repräsentant dessen, was die alte Geistigkeit über die Gegenwart verbreiten will, gegenüber dem, was moderne Kultur in die Gegenwart hereingebracht hat. Diese Strömung verspricht sich die Ausrottung der modernen Kultur. Sie dürfen nicht glauben, daß der Wille bei dieser Bewegung klein ist. Sie zweifelt nicht, daß es ihr gelingen wird, eine Menschheit ohne die modernen Kulturmittel zu haben, und das trägt diese Bewegung. Sie sieht in den modernen Kulturmitteln den Teufel und will ihn mit den Mitteln der alten Kultur überwinden. Doch Ahriman kann nicht ausgerottet werden, aber er kann geläutert, gereinigt, geedelt werden. Es muß mit der modernen Kultur gerechnet werden. Das wissen auch die Gegner; deshalb haben sie eine ganz ausgesprochene Angst gerade vor Ihrer Bewegung, weil sie die Wahrheit ist. Von dem Irrtum würde man sagen: der wird schon wieder aufhören —, aber gegenüber der Wahrheit greift der Gegner zu großen und kleinen Mitteln.

[ 12 ] The point is that today we must see through these two great opposites. I do not wish to mention Jesuitism at every opportunity, nor in the usual sense; I mention it here only as representative of what the old spirituality seeks to spread throughout the present, in contrast to what modern culture has brought into the present. This movement hopes to eradicate modern culture. You must not believe that this movement lacks resolve. It has no doubt that it will succeed in creating a humanity without the means of modern culture, and this is what drives the movement. It sees the devil in the means of modern culture and seeks to overcome him through the means of the old culture. Yet Ahriman cannot be eradicated; he can, however, be purified, cleansed, and ennobled. Modern culture must be reckoned with. Its opponents know this as well; that is why they have such a pronounced fear of your movement in particular—because it is the truth. One might say of an error, “It will pass,” but when faced with the truth, the opponent resorts to means both great and small.

[ 13 ] Nun sagten Sie, von Dornach ist manches ausgegangen, was mit Ihrer Bewegung zusammenhängt. Aber, in durchaus nicht irgendwie auch nur im geringsten schlimm gemeinten Sinne möchte ich es sagen: Auch das Schicksal des Goetheanums ist nicht ohne Zusammenhang damit, daß Ihre Bewegung von ihm ausging. An der Stelle, wo Ihre Handlung angeregt wurde, ist der zündende Funke gelegt worden. Man muß nicht glauben, daß [von den Gegnern] mit geringen Mitteln gearbeitet wird. Trotzdem müssen wir uns klar darüber sein, daß ein [Ihre Bewegung] fördernder Impuls eigentlich nicht im Äußeren liegen kann, und auch ein ihn tötendes Element kann nicht im Äußeren liegen. Einzig und allein darauf muß es ankommen, daß die Bewegung ihre Impulse im Innern der Seelen haben muß. Dann können die äußeren Dinge vielleicht einmal tragisch verlaufen, aber sie werden dann kein Hindernis dafür sein, daß die Impulse, die vertieft erst gefaßt worden sind, sich wirklich ausleben werden, wie sie es tun müssen. Es war ein guter Impuls, der den Anstoß gegeben hat zu dieser religiösen Bewegung; er wird sich ausleben und Frucht tragen, wenn er in dem gleichen guten Sinne weitergetragen wird. Und so werde ich an die einzelnen Impulse anknüpfen, wenn von Ihrer Mitte ausgehend vorgebracht wird, was Sie gern besprochen haben möchten.

[ 13 ] Now you said that many things related to your movement originated in Dornach. But—and I mean this in absolutely no way, not even in the slightest, as a criticism—I would like to say that the fate of the Goetheanum is also connected to the fact that your movement originated there. The spark that ignited your action was kindled at the very place where it was inspired. One need not believe that [your opponents] are operating with limited resources. Nevertheless, we must be clear that an impulse promoting [your movement] cannot actually lie in the external world, nor can an element that would destroy it lie in the external world. The sole and decisive factor must be that the movement’s impulses originate within the souls of its members. Then, even if external circumstances should take a tragic turn, they will not prevent the impulses—which have been deeply internalized—from truly unfolding as they must. It was a good impulse that gave rise to this religious movement; it will run its course and bear fruit if it is carried forward in the same positive spirit. And so I will build upon the individual impulses as they are presented from among your ranks—whatever you would like to discuss.

Von den Teilnehmern werden folgende Fragen vorgebracht:

1. Wie verhält sich unser Kultus zu dem Kultischen, was in der Zukunft kommen wird? Wie wirken wir in der rechten Weise mit der anthroposophischen Bewegung zusammen? Wie können wir das Rechte tun zur moralischen Unterstützung der Gesamtbewegung?

2. Ich bitte um Aufklärung über die Weltvorgänge, in denen besonders das Ruhrgebiet steht.

3. Es gelingt mir nicht, ein objektives Gleichmaß in die Kulthandlung zu bringen. Es ist verschieden, wie ich sie ausübe. Ich habe manchmal starke Zweifel, ob ich eine Kulthandlung vollzogen habe. Man kann die Menschenweihehandhung lesen so, daß man eigentlich körperlich mit dem Nervensystem beteiligt ist, aber es ist dann nichts Aufbauendes.

The participants raised the following questions:

1. How does our ritual relate to the ritualistic developments that will come in the future? How do we cooperate in the right way with the anthroposophical movement? How can we do what is right to provide moral support for the movement as a whole?

2. I would like clarification regarding the world events in which the Ruhr region is particularly involved.

3. I am unable to bring an objective balance to the ritual act. The way I perform it varies. I sometimes have strong doubts as to whether I have actually performed a ritual act. One can interpret the human consecration ritual in such a way that one is physically involved through the nervous system, but then there is nothing uplifting about it.

[ 14 ] Rudolf Steiner: Es wäre schon notwendig, daß gerade zu dieser letzten wichtigen Frage Sie oder jemand anderes sich genauer aussprechen würde. Sie haben zum Beispiel den Satz ausgesprochen, es sei Ihnen nicht immer klar, ob Sie eine Kulthandlung wirklich vollzogen haben. Das ist eine berechtigte Frage. Aber man muß auf diese Dinge schon genauer eingehen. Es wird nicht gut sein, wenn Sie das Nervensystem in diese Sache hineinbringen. Denn natürlich muß die Kulthandlung auf einem solchen Niveau liegen, daß alles, was von ihr ausgeht, nicht auf dem Niveau des Nervensystems ist, von dem sich ja schon viel zu viel geltend macht. Das Nervensystem muß natürlich stärker beeinflußt werden, aber nicht in solcher Weise. ... [Vom Stenographen gekennzeichnete Lücke.] Sie müssen in Ihrem subjektiven Erleben dem objektiven Erleben nachkommen, das durch den Kultus fließt.

[ 14 ] Rudolf Steiner: It would indeed be necessary for you—or someone else—to speak more specifically about this last important question. For example, you said that it is not always clear to you whether you have truly performed a ritual act. That is a valid question. But one must go into these matters in greater detail. It would not be good to involve the nervous system in this matter. For, of course, the ritual must be conducted at such a level that everything emanating from it is not on the level of the nervous system, which already asserts itself far too much. The nervous system must, of course, be influenced more strongly, but not in this way. ... [Gap marked by the stenographer.] In your subjective experience, you must align with the objective experience that flows through the ritual.

[ 15 ] Es darf keine Unklarheit darüber herrschen, daß von einem Verhältnis des Kultus zu etwas anderem nicht gesprochen werden sollte. Der Kultus, der sich ergibt, wenn man die geistige Welt fragt, ist der Kultus, der bei Ihnen lebt. Es ist nicht so, daß das irgendeine äußerliche besondere Form ist, sondern es ist der Kultus, der schon seine Zukunft finden wird, aber durch das Leben. Das richtige Darinnenstehen im Kultus hängt innig mit dem Priesterbewußtsein zusammen. Das Priesterbewußtsein kann nur dadurch entstehen, daß innerlich äußerste Ehrlichkeit vorhanden ist. Deshalb wäre es gut, wenn das, was subjektiv in den Seelen lebt, was die einzelnen Persönlichkeiten erleben, indem sie den Kultus ausüben, bei dieser Gelegenheit herauskäme. Dann erst, wenn Sie Ihre subjektiven Bedürfnisse zum Ausdruck bringen, werden wir fruchtreich sprechen können. ... [Vom Stenographen gekennzeichnete Lücke.]

[ 15 ] There must be no ambiguity about the fact that one should not speak of a relationship between worship and anything else. The worship that arises when one consults the spiritual world is the worship that lives within you. It is not some external, specific form, but rather a form of worship that will find its future through life itself. The proper way of being immersed in this worship is intimately connected with priestly consciousness. Priestly consciousness can arise only through the presence of the utmost inner honesty. Therefore, it would be good if what lives subjectively in your souls—what each individual experiences while practicing the ritual—were to come to light on this occasion. Only then, when you express your subjective needs, will we be able to have a fruitful discussion. ... [Gap marked by the stenographer.]

[ 16 ] Worauf es ankommt, ist, daß der Kultus die Sprache der übergeordneten Welten sein soll. Die Menschensprache ist von vorneherein eine irdische Sprache, weil sie zu ihrem Ausdrucksmittel die geformte Luft hat. Es ist natürlich töricht, vorauszusetzen, daß abgeschiedene Geister in irgendeiner Menschensprache reden könnten. Die Medien in Deutschland lassen die Geister deutsch reden, in England englisch, in Frankreich französisch, als ob die Menschen nach dem Tode Deutsche, Engländer oder Franzosen wären. Der Geist redet nicht mehr in Menschensprache und kann auch nicht die Luft erfüllen. Was die Sprache durchströmen kann als Geist, liegt ganz in der Art, wie gesprochen wird. In dem Augenblick, wo man das Gefühl hat, man spricht mit Ehrerbietung, kann man durch die Sprache etwas Geistiges mitteilen. Was aber heißt das: Ehrerbietung? Ehrerbietung ist etwas, was unsere Philosophen ganz verlernt haben. Sie reden, als ob sie die Dinge, die sie besprechen, greifen und berühren würden. Wer über geistige Dinge sprechen will, muß sich bewußt sein, daß das Denken wie ein ätherisches Tasten ist und daß man die Gedanken ehrerbietig formen muß, so wie man ja auch in der physischen Welt das, was mit Ehrfurcht berührt werden soll, nur an der Oberfläche berühren würde. Dieses innere Gefühl der Ehrerbietung beim Reden ist natürlich der Anfang. Dadurch bekommt das Reden nicht nur Inhalt, sondern Physiognomie, es wird bewußt; dann erfüllt man sich nach und nach mit dem Sprachgenius. Dadurch fängt man an, das Reden selber als ein lebendiges Geistiges zu haben. Das muß beim Kult im höchsten Maße vorhanden sein. Dann steht man richtig drinnen in der Handlung, so daß man weiß: Du sprichst nicht dein Subjektives aus, sondern du bist ein Werkzeug der geistigen Welt.

[ 16 ] What matters is that the ritual should be the language of the higher worlds. Human language is, by its very nature, an earthly language, because it uses shaped air as its means of expression. It is, of course, foolish to assume that departed spirits could speak in any human language. Mediums in Germany have the spirits speak German, in England English, and in France French, as if people were Germans, Englishmen, or Frenchmen after death. The spirit no longer speaks in human language and cannot fill the air either. What can flow through language as spirit depends entirely on the manner in which one speaks. The moment one feels that one is speaking with reverence, one can communicate something spiritual through language. But what does that mean: reverence? Reverence is something our philosophers have completely forgotten. They speak as if they were grasping and touching the things they are discussing. Anyone who wishes to speak about spiritual matters must be aware that thinking is like an ethereal touch and that one must shape one’s thoughts with reverence, just as in the physical world one would touch only the surface of that which is to be handled with reverence. This inner feeling of reverence while speaking is, of course, the beginning. Through this, speech acquires not only content but also character; it becomes conscious; then, little by little, one is filled with the genius of speech. Through this, one begins to experience speech itself as a living spiritual reality. This must be present to the highest degree during the ritual. Then one stands truly within the act, so that one knows: You are not expressing your own subjective views, but you are an instrument of the spiritual world.

[ 17 ] Darauf beruht das starke Verständnis, das dem Kultus entgegengebracht werden kann. Dazu trägt das Wie des Sprechens sehr wesentlich bei. Das Wie aber kommt mit dem Bewußtsein, daß man Werkzeug ist für die geistige Welt. Jede einzelne Kulthandlung ist die Fortsetzung desjenigen, was aus dem Worte fließt. In der Kulthandlung setzt sich das fort, indem das Wort Gebärde wird. Dann ringt sich das Bewußtsein durch: Du selbst magst denken wie du willst über die Sache, [darauf kommt es nicht an,] aber es kommt darauf an, daß du sagst, was die Götter wollen. Dann kommt man durch das Bewußtsein dazu, den Impuls der Weihehandlung in alles einzelne hineinwirken zu lassen, was man den ganzen Tag hindurch tut.

[ 17 ] This is the basis for the deep understanding that can be shown toward the ritual. The manner of speaking contributes significantly to this. But that manner comes with the awareness that one is an instrument of the spiritual world. Every single ritual act is the continuation of what flows from the word. In the ritual act, this continues as the word becomes gesture. Then the realization dawns: You yourself may think what you will about the matter, [that is not what matters,] but what matters is that you say what the gods want. Then, through this awareness, one comes to allow the impulse of the consecration rite to work its way into every single thing one does throughout the day.

[ 18 ] Welches ist dieser Impuls? Der Impuls, der von der Menschenweihehandlung ausgeht, liegt im wesentlichen darin, daß auf der einen Seite da ist die Opferung. In der Opferung bringen wir das Irdische dar der geistigen Welt; wir legen es nieder an den Stufen der geistigen Welt. Bei der Kommunion empfangen wir es wieder, aber jetzt aus der geistigen Welt heraus. Aus dem Irdischen haben wir es hingegeben. Was ist dazwischen vorgegangen? Die Transsubstantiation; es ist vorgegangen eine Wechselwirkung mit der geistigen Welt. Das gibt ein Bewußtsein, das eigentlich jedesmal in der Menschenweihehandlung empfinden läßt das Darinnenstehen in der geistigen Welt. Erhöht wird das dadurch, daß das Evangelium vorausgeht. Wenn das Evangeliumlesen die entsprechende Vorbereitung ist, und wenn dann empfunden wird dieses Durchstoßen zur geistigen Welt zwischen Opferung und Kommunion, dann trägt man die richtige Empfindung weg von der Menschenweihehandlung.

[ 18 ] What is this impulse? The impulse that emanates from the rite of human consecration essentially lies in the fact that, on the one hand, there is the sacrifice. In the sacrifice, we offer the earthly to the spiritual world; we lay it down at the threshold of the spiritual world. At Communion, we receive it again, but now from the spiritual world. We have given it up from the earthly realm. What has taken place in between? Transubstantiation; an interaction with the spiritual world has taken place. This creates an awareness that actually allows us to feel, every time during the consecration of the Eucharist, that we are standing within the spiritual world. This is heightened by the fact that the Gospel precedes it. When the reading of the Gospel serves as the appropriate preparation, and when this penetration into the spiritual world—between the offering and Communion—is then felt, one carries the right feeling away from the sacrament of the Eucharist.

[ 19 ] Da liegt natürlich der Anlaß dazu, sich wenigstens implicite jeden Tag mit der Weihehandlung zu befassen. Dem katholischen Priester ist vorgeschrieben, jeden Tag die Messe zu lesen; dadurch empfängt er eine starke Kraft. Dies muß nicht unbedingt immer ausgeführt werden, aber sich jeden Tag mit der Messe implicite beschäftigen, das ist notwendig. Durch dieses Gefühl kommt man in Zusammenhang mit der geistigen Welt. Das ist von ungeheurer Wichtigkeit.

[ 19 ] This, of course, provides the reason to engage, at least implicitly, with the act of consecration every day. The Catholic priest is required to celebrate Mass every day; through this, he receives great strength. This does not necessarily have to be performed every single day, but engaging with the Mass implicitly every day is essential. Through this feeling, one enters into connection with the spiritual world. This is of immense importance.

[ 20 ] Es fällt ja noch etwas anderes jeweils zwischen zwei Tage hinein für den Priester: er schläft zwischen zwei Tagen. Nun, was bedeutet das Schlafen? Die heutige Wissenschaft hat ja die Eigentümlichkeit, die wichtigsten Dinge des Lebens [so zu sehen, daß sie] äußerlich stimmen, aber innerlich nicht. Was sie über den Schlaf sagt, ist Illusion. Im Schlafe ist das Geistig-Seelische des Menschen, sind das Ich und der Astralleib vom physischen und Ätherleib getrennt. Zwischen Einschlafen und Aufwachen arbeiten physischer und Ätherleib auf der Stufe des Pflanzlichen. Was von dem Menschen über dem Pflanzlichen ist, ist im Schlafe ja heraus; also der Mensch sinkt als physische Wesenheit auf die Pflanzenstufe herab. Das bedeutet, daß sich da Prozesse abspielen, die von niedererer Art sind als die normalen Prozesse im vollbewußten menschlichen Leben. Da «kocht» es, da wirken Wärme und Kälte, da wirken untergeordnete Naturkräfte, die beim Wachen nicht in der gleichen Weise wirken. Wir haben nur dann das richtige Gefühl beim Aufwachen — das muß natürlich ins Geistige hinaufgenommen werden, sonst kann es gefährlich werden —, wenn wir uns sagen: Unser Ich und unser Astralleib waren in der göttlichen Welt, unseren Körper haben wir den niederen Welten überlassen gehabt; wir nehmen den Körper von den Welten zurück, die unterhalb der eigentlichen Menschenwelt liegen. Das dürfen wir nie vergessen; von einem ahrimanischen Niveau nehmen wir unseren Körper zurück, er ist voll von ahrimanischen Bildungen, die wir im Wachen wieder ausrotten müssen. Die ersten Stunden des Wachens müssen so verlaufen, daß wir imstande sind, das auszurotten, was sich namentlich an Salzen über Nacht in unserem Körper abgelagert hat. Wenn wir das nicht tun können, so werden wir im Physischen voller Rheumatismus, Gicht und so weiter, auf seelischem Gebiete voller Lüsternheitsgedanken. Das kommt von dem, was der Mensch auf diesem Niveau während des Schlafes durchgemacht hat.

[ 20 ] There is, in fact, something else that occurs for the priest between two days: he sleeps between two days. Now, what does this sleeping mean? Modern science has a tendency to view the most important things in life [in such a way that they] appear correct on the outside but are not on the inside. What it says about sleep is an illusion. During sleep, the human being’s spiritual-soul aspect—the “I” and the astral body—is separated from the physical and etheric bodies. Between falling asleep and waking up, the physical and etheric bodies function at the plant level. That part of the human being which transcends the plant realm is, after all, absent during sleep; thus, the human being, as a physical entity, descends to the plant level. This means that processes are taking place there that are of a lower order than the normal processes in fully conscious human life. There is a kind of “simmering” there; heat and cold are at work, as are subordinate natural forces that do not act in the same way during wakefulness. We have the right feeling upon waking—which, of course, must be taken up into the spiritual realm, otherwise it can become dangerous—only when we say to ourselves: Our “I” and our astral body were in the divine world; we had left our physical body to the lower worlds; we take the body back from the worlds that lie below the actual human world. We must never forget this; we are taking our body back from an Ahrimanic level—it is full of Ahrimanic formations that we must eradicate again while awake. The first hours of waking must be spent in such a way that we are able to eradicate what has accumulated in our body overnight, particularly in the form of salts. If we cannot do this, we will become, physically, full of rheumatism, gout, and so on, and, in the soul realm, full of lustful thoughts. This stems from what the human being has experienced on this level during sleep.

[ 21 ] Weil der Mensch jeden Tag [während des Schlafes] herunterrückt unter das menschliche Niveau, muß der Priester über dieses Niveau zu einem höheren Niveau hinaufrücken. Das geschieht, wenn der Priester die Kulthandlung ausübt. Man braucht nicht, wie in der katholischen Kirche, täglich die Messe auszuüben, aber man muß leben in der Menschenweihehandlung. Das wirkt ebenso stark wie die täglich gelesene Messe. Dann wird es objektiv stark. Das sind die Dinge, die wir in der Realität betrachten müssen. Es ist eine wesentliche Sache, daß die Menschen jede Nacht schlafen. Die Menschenweihehandlung ist so wichtig wie das Schlafen. Wenn Sie sich jeden Tag mit der Weihehandlung beschäftigen, so heben Sie sich dadurch heraus aus dem unteren Niveau des Schlaflebens. Der evangelische Sinn weiß von diesen Dingen nichts; er will nicht den Priester herausheben, läßt ihn drinnenstehen im nächtlichen Schlafleben. Aber dieses Heraufheben des Menschen aus dem nächtlichen Schlafleben, dieses bewußte Entgegenarbeiten dem Heruntergehen des Menschen in das untermenschliche Bewußtsein, das macht gerade den Priesterberuf aus.

[ 21 ] Because human beings slip below the human level every day [while sleeping], the priest must rise above this level to a higher one. This happens when the priest performs the ritual. It is not necessary, as in the Catholic Church, to celebrate Mass daily, but one must live in the act of human consecration. This has just as powerful an effect as the daily celebration of Mass. Then it becomes objectively powerful. These are the things we must consider in reality. It is an essential fact that people sleep every night. The rite of human consecration is as important as sleep. If you engage with the rite of consecration every day, you thereby elevate yourself above the lower level of the life of sleep. The Protestant worldview knows nothing of these things; it does not wish to elevate the priest, but leaves him immersed in the nightly life of sleep. Yet this lifting of the human being out of the nightly life of sleep—this conscious counteraction to humanity’s descent into subhuman consciousness—is precisely what defines the priestly vocation.

[ 22 ] Wo ist das Niveau, in dem wir sind als Menschen? Das menschliche Niveau liegt zwischen dem Pflanzlichen und Tierischen, wie auch zwischen Luft und Wasser. Im Schlafe sinken wir ins Pflanzliche hinunter, am Tage steigen wir ins Tierische herauf. Der Mensch ist zunächst mineralisch, pflanzlich, tierisch, aber noch nicht eigentlich Mensch. Das Menschliche wird erst in der Zukunft ausgebildet. Wenn wir die Messe durchmeditieren, gehen wir nicht ins Tierische, sondern wir gehen ins Göttliche hinauf, das sonst nur unbewußt in uns wirken kann. Würden wir nur das in uns herumtragen, was heutiges Tagesbewußtsein ist — ja, sehen Sie, dann würden wir nicht so ausschauen, wie wir jetzt ausschauen: wir würden unsere Leiber nur bis zum Diaphragma, bis zum Zwerchfell ausgebildet haben, die Männer würden Stierköpfe haben, und Sie — die Frauen — würden einen Löwenkopf haben. Durch das, was wir in unserem heutigen Tagesbewußtsein haben, sind wir noch nicht imstande, einen physischen Menschenkopf zu haben — den bildet uns die Gottheit. Daher wird ja auch beim Embryo der Kopf in hohem Grade ausgebildet. Während des gewöhnlichen Wachens können wir nicht ganz unsere Menschenform umfassen, aber Sie lernen die Menschenform, wie sie eine göttliche ist, wirklich erfühlen auf der Erde. — Sie bekommen erst das Recht, sich mit menschlicher Physiognomie hineingestellt zu fühlen in die Welten, wenn Sie in der Messe sich herauserheben aus der Tierheit. Dann entstieren, dann entlöwen Sie sich. Das gibt eine menschlich-göttliche Physiognomie.

[ 22 ] What is the level at which we exist as human beings? The human level lies between the plant and animal realms, just as it lies between air and water. In sleep we descend into the plant realm; during the day we ascend into the animal realm. Human beings are initially mineral, plant, and animal, but not yet truly human. The human aspect will only be developed in the future. When we meditate through the Mass, we do not descend into the animal realm, but rather we ascend into the divine, which otherwise can only work within us unconsciously. If we were to carry within us only what constitutes our present-day consciousness—yes, you see, then we would not look the way we do now: our bodies would be developed only up to the diaphragm; men would have bull’s heads, and you—the women—would have a lion’s head. Because of what we possess in our present-day consciousness, we are not yet capable of having a physical human head—that is formed for us by the Divine. That is why, in fact, the head is highly developed in the embryo. During ordinary waking life, we cannot fully grasp our human form, but you are learning to truly feel the human form—as it is a divine one—here on Earth. — You only gain the right to feel at home in the worlds with a human physiognomy when, during the Mass, you rise above the animal realm. Then you shed your animal nature; then you shed your lion-like nature. This results in a human-divine physiognomy.

[ 23 ] Das macht die katholische Kirche so stark, daß sie sich an das heranmacht, wo das Göttliche im Menschen spricht. Wenn man anfängt, der praktisch Ausübende des Kultus zu werden, dann muß man die Sache unendlich viel ernster fassen können als im gewöhnlichen Sinne; bis zum äußersten Ernst muß man sie fassen und sich sagen: Wir tragen gar nicht den Menschenkopf, wenn wir als gewöhnliche Menschen herumgehen, denn da [in den Menschenkopf] wirken die Götter hinein.

[ 23 ] This is what makes the Catholic Church so strong—that it draws near to the place where the divine speaks within human beings. When one begins to practice the ritual in a practical sense, one must be able to take the matter infinitely more seriously than in the ordinary sense; one must take it with the utmost seriousness and say to oneself: We do not even wear the human head when we go about as ordinary human beings, for the gods are at work within it [the human head].

[ 24 ] Daher ist «Menschenweihehandlung» kein schlechter Ausdruck, sondern ein guter, ein sehr guter. So wie Ihr Haupt hineingestellt ist in die Welt, ist es nicht durch Sie geworden, sondern von Gott geschaffen. Weihen heißt, das, was fest ist, flüssig machen, das, was der Mensch hat, eintauchen in das Geistige. So daß wir sagen können: Ich erwerbe mir das Recht, im Göttlichen zu leben, durch die Menschenweihehandlung und die Meditation und lasse die Mitglieder der Gemeinde zunächst nur teilnehmen an Menschenweihehandlung und Meditation. Das widerspricht nicht dem Sozialen und auch nicht dem evangelischen Bewußtsein, sondern es ist erst ein rechtes Hineinstellen in die Wirklichkeit. Erst dadurch widerspricht man diesen, daß man sich abwendet von den Dingen der gewöhnlichen Welt; aber dadurch, daß man sich ihnen bewußt gegenüberstellt, überwindet man sie. Das ist immer mehr anzustreben, daß man sich hindurchringt, die Dinge zu verstehen, denn der Ansatz zum Priesterbewußtsein kann nicht von heute auf morgen gegeben werden, dazu muß man sich erst durchringen.

[ 24 ] Therefore, “human consecration rite” is not a bad term, but a good one—a very good one. Just as your head is placed in the world, it did not come into being through you, but was created by God. Consecration means making what is solid fluid, immersing what a person possesses in the spiritual. So that we can say: I earn the right to live in the divine through the Rite of Human Consecration and meditation, and I allow the members of the congregation, for the time being, to participate only in the Rite of Human Consecration and meditation. This does not contradict social values nor evangelical consciousness; rather, it is a proper way of placing oneself within reality. It is only by turning away from the things of the ordinary world that one contradicts them; but by consciously confronting them, one overcomes them. One must strive ever more to force oneself to understand these things, for the foundation for priestly consciousness cannot be laid overnight; one must first work through it.

Es wird nach einer Sprachübung gefragt.

A language exercise is requested.

[ 25 ] Rudolf Steiner: Die katholische Kirche sieht auf die Sprache sehr, sie läßt Übungen machen. Der Jesuit muß sogar rezitieren und skandieren lernen, er muß lernen, wie man einen Vordersatz und einen Nachsatz gestalten muß, wie man im ersten Satz vorbereiten muß, wenn man im zweiten überzeugen will, und das endet dabei, daß man das, was man im gewöhnlichen Sinne Eloquenz nennt, nicht vernachlässigen darf. Das geht darauf hinaus, daß die Sprache etwas Objektives wird. Die Sprache bei den meisten Menschen ist nur ein Ausleben der rein physischen Organe, des Kehlkopfes und der Schleimhäute. Die Sprache, die den Kultus ausüben soll, muß frei sein von diesem Individuellen, sie muß hinaufkommen bis zu der Macht, die Luft vibrieren zu lassen, ohne daß der Schleim sich da hineinmischt. Das ist etwas, was man in der heutigen Zeit nicht so ohne weiteres kann, sondern das man üben muß. Die Berliner Universität hatte einmal einen Professor für Eloquenz, Curtius war es; aber so wenig lag das im Zeitbewußtsein, daß er nie diesen Lehrauftrag erfüllte, sondern griechische Kunstgeschichte vorgetragen hat.

[ 24 ] Rudolf Steiner: The Catholic Church places great emphasis on language; it requires students to do exercises. A Jesuit must even learn to recite and chant; he must learn how to structure a leading clause and a following clause, how to lay the groundwork in the first sentence if he wants to be persuasive in the second, and this ultimately means that what is commonly called eloquence must not be neglected. This amounts to language becoming something objective. For most people, speech is merely the expression of purely physical organs—the larynx and the mucous membranes. Speech intended for religious worship must be free from this individuality; it must rise to the level of being able to make the air vibrate without the mucus interfering. This is something that cannot be achieved easily in our time, but rather must be practiced. The University of Berlin once had a professor of eloquence — Curtius, to be precise—but the subject was so far removed from the consciousness of the time that he never fulfilled this teaching assignment, instead lecturing on Greek art history.