Understanding Human Beings
in Terms of Body, Soul, and Spirit.
Early Conditions on Earth
GA 347
2 August 1922, Dornach
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Understanding Human Beings in Terms of Body, Soul, and Spirit, tr. SOL
1. Über die Entstehung der Sprache und der Sprachen
1. On the Origin of Language and Languages
[ 1 ] Guten Morgen, meine Herren! Heute wollen wir die Zeit dazu benützen, um zu dem, was wir gehört haben, noch einiges hinzuzufügen. Dann wird uns ja gerade dadurch manches verständlich werden können von der ganzen Würde des Menschen.
[ 1 ] Good morning, gentlemen! Today we’d like to take this time to add a few more points to what we’ve heard. That will help us understand many aspects of the dignity of the human person.
[ 2 ] Sehen Sie, ich habe ungefähr gesagt, wie die Ernährung verläuft und wie die Atmung des Menschen verläuft. Wir haben auch geschen, daß die Ernährung mehr zusammenhängt mit dem Leben des Menschen, daß die Ernährung darinnen besteht, daß wir Nahrungsstoffe aufnehmen, die eigentlich in leblosem Zustand in unserem Darm sind, daß diese Nahrungsstoffe dann durch die Lymphgefäße lebendig gemacht werden, und daß sie im lebendigen Zustande dann ins Blut übergeführt werden. Dann tritt ja im Blut drinnen, wie wir wissen, diese lebendige Nahrung in Berührung mit dem Sauerstoff der Luft. Die Luft wird aufgenommen von dem Menschen. Das Blut wird verändert. Das ist derjenige Vorgang, der in der Brust vor sich geht. Und wir haben zugleich darin dasjenige, was uns unsere Empfindung gibt.
[ 2 ] You see, I’ve explained in general terms how nutrition works and how human respiration works. We have also seen that nutrition is more closely connected to human life; that nutrition consists of our taking in nutrients that are actually in an inanimate state in our intestines; that these nutrients are then brought to life by the lymphatic vessels; and that they are then transferred into the blood in a living state. Then, as we know, this living nourishment comes into contact with the oxygen in the air once it is in the blood. The air is inhaled by the human being. The blood is transformed. This is the process that takes place in the chest. And at the same time, this is what gives us our sense of feeling.
[ 3 ] Also, Leben wird eigentlich zwischen den Darmvorgängen und zwischen den Blutvorgängen bewirkt. Innerhalb der Blutvorgänge wiederum, zwischen den Blutvorgängen und der Luft, wird dasjenige, was unser Gemüt ist, bewirkt. Nun müssen wir uns auch noch um den Verstand bekümmern und müssen einmal versuchen zu begreifen, wie der Verstand beim Menschen zustande gekommen ist.
[ 3 ] So, life is actually brought about between the intestinal processes and the blood processes. Within the blood processes, in turn—between the blood processes and the air—that which constitutes our mind is brought about. Now we must also turn our attention to the intellect and try to understand how the intellect came into being in human beings.
[ 4 ] Sehen Sie, äußerlich das zu erkennen, ist eigentlich erst seit, man könnte sagen, zirka sechzig Jahren möglich. Man hätte ja im vorigen Jahre, 1921, eigentlich das Sechzig-Jahr-Jubiläum feiern können. Es ist ja nicht gefeiert worden, weil in der heutigen Zeit die Menschen wenig Interesse haben, gerade rein wissenschaftliche Jubiläumsfeiern zu veranstalten. Die Entdeckung, die 1861 gemacht worden ist, die als sechzigjährige Entdeckung hätte gefeiert werden können — also erst seit fünfzig, sechzig Jahren kann man so reden über die Sache, über die ich heute reden will —, ist eine wichtige wissenschaftliche Entdeckung. Ich erinnere mich an diese Entdeckung schon aus dem Grunde, weil sie just so alt ist, wie ich selber. Diese Entdeckung besteht in folgendem.
[ 4 ] You see, it’s only been possible to recognize this externally for, one might say, about sixty years. We could actually have celebrated the sixtieth anniversary last year, in 1921. It wasn’t celebrated, though, because people these days have little interest in organizing purely scientific anniversary celebrations. The discovery, which was made in 1861 and could have been celebrated as a sixty-year anniversary—that is, it’s only been fifty or sixty years since we’ve been able to talk about the subject I want to discuss today—is an important scientific discovery. I remember this discovery simply because it is exactly as old as I am. This discovery consists of the following:
[ 5 ] Ich habe Ihnen neulich gesagt, wie man beobachten kann am Menschen: Man braucht nicht zu experimentieren, sondern man braucht nur achtzugeben auf dasjenige, was die Natur selber experimentiert am Menschen, wenn der Mensch nach irgendeiner Richtung erkrankt. Wenn man dann nachzuschauen versteht, was geschehen ist im physischen Menschen, wenn der Mensch in irgendeiner Weise erkrankt ist, dann ist ein solches Experiment, ein solcher Versuch von der Natur selber für uns angestellt worden, und wir können aus diesem Versuch heraus eine Erkenntnis gewinnen.
[ 5 ] I told you the other day how one can observe this in human beings: There is no need to experiment; one need only pay attention to what nature itself experiments on human beings when a person falls ill in any way. If one then knows how to examine what has happened in the physical human being when a person has fallen ill in any way, then such an experiment, such a test, has been conducted for us by nature itself, and we can gain insight from this test.
[ 6 ] Dazumal nun, 1861, ist gefunden worden, und zwar von Broca, daß bei Leuten, welche Sprachstörungen haben, wenn man sie nach dem Tode seziert, dann in der linken dritten Stirnwindung etwas verletzt ist.
[ 6 ] Back then, in 1861, Broca discovered that in people with speech disorders, when their brains were dissected after death, there was some damage to the third frontal gyrus on the left side.
[ 7 ] Nicht wahr, wenn wir das Gehirn betrachten, wenn wir also gleichsam abheben die knöcherige Schädeldecke, die Knochenhülle, so bekommen wir das Gehirn zu sehen. Dieses Gehirn, das hat ja Windungen: Da ist eine Windung, da eine zweite, und da liegt eine dritte Windung (es wird gezeichnet). Man nennt diese Windung, weil sie hier an der Schläfe liegt, die Schläfenwindung. Nun, jedesmal, wenn der Mensch entweder einzelne Sprachstörungen hat, oder wenn er gar nicht mehr sprechen kann, dann ist in dieser linken Stirnwindung etwas kaputt.
[ 7 ] Isn’t it true that when we look at the brain—that is, when we lift, as it were, the bony skull, the bony shell—we get to see the brain? This brain has convolutions: there’s one convolution, then a second, and there’s a third (it is drawn). Because this fold is located here at the temple, it is called the temporal fold. Now, whenever a person has either specific speech disorders or is completely unable to speak, something is damaged in this left frontal fold.
[ 8 ] Das kann geschehen, wenn der Mensch einen sogenannten Gehirnschlag erleidet. Ein Gehirnschlag besteht ja darinnen, daß das Blut, das sonst nur in den Adern fließen soll, durch die Adern sich durchdrückt und dann ausfließt in die übrige Masse, die um die Adern herum ist, in der das Blut nicht drinnen sein soll. Also ein solcher Bluterguß bewirkt dann den Schlag, die Lähmung. Wenn also das Blut sich unrechtmäßig ergießt in den Menschen, in diese Schläfenwindung hinein, so bewirkt das zuletzt, wenn diese Schläfenwindung vollständig untergraben wird, daß der Mensch nicht mehr sprechen kann.
[ 8 ] This can happen when a person suffers what is known as a stroke. A stroke occurs when blood—which is normally supposed to flow only through the veins—forces its way through the veins and then flows out into the surrounding tissue, where blood is not supposed to be. Such a hemorrhage then causes the stroke and the paralysis. So when blood flows abnormally into the person, into this temporal gyrus, it ultimately results—once this temporal gyrus is completely compromised—in the person being unable to speak.
[ 9 ] Sehen Sie, das ist ein sehr interessanter Zusammenhang. Wir können sagen: Der Mensch spricht dadurch, daß er in seinem physischen Körper eine gesunde linke Schläfenwindung hat. Und wir müssen jetzt verstehen, was das eigentlich heißt: ein Mensch hat eine gesunde linke Schläfenwindung. Aber um das zu verstehen, müssen wir noch etwas anderes betrachten.
[ 9 ] You see, this is a very interesting connection. We can say: A person speaks because they have a healthy left temporal gyrus in their physical body. And now we need to understand what that actually means: a person has a healthy left temporal gyrus. But to understand that, we need to consider something else.
[ 10 ] Wenn kleine Kinder sterben, und wir untersuchen diese selbe Stelle im Gehirn, also diese linke Schläfenwindung, dann ist diese Strippe Hirn ein ziemlich gleichmäßiger Brei; namentlich bevor das Kind sprechen gelernt hat, ist es ein ziemlich gleichmäßiger Brei. In demselben Maße, in dem das Kind anfängt sprechen zu lernen, bekommt diese linke Stirnwindung immer mehr und mehr kleine Windungen. Sie bildet sich immer mehr und mehr künstlich aus. So daß man sagen kann: Wenn beim ganz kleinen Kind etwa diese linke Stirnwindung so ausschauen würde (es wird gezeichnet), so wird sie beim Kind, das sprechen gelernt hat, und beim Erwachsenen, so ausschauen: sehr künstlich gebildet.
[ 10 ] When young children die, and we examine this same area of the brain—that is, the left temporal gyrus—we find that this strip of brain tissue is a fairly uniform pulp; particularly before the child has learned to speak, it is a fairly uniform pulp. As the child begins to learn to speak, this left frontal gyrus develops more and more small folds. It takes on an increasingly artificial form. So one can say: If, in a very young child, this left frontal gyrus looked something like this (it is drawn), then in a child who has learned to speak—and in an adult—it will look like this: very artificially formed.
[ 11 ] Da ist also etwas geschehen mit dem Gehirn; während das Kind gerade sprechen gelernt hat, ist etwas geschehen. Und kein Mensch sollte eigentlich über eine solche Sache anders denken, als man sonst im gewöhnlichen Leben denkt. Sehen Sie, wenn ich den Tisch von da hierher rücke, so wird kein Mensch sagen: Der Tisch hat sich hierher gerückt. — Ebensowenig sollte ich sagen: Das Gehirn hat sich Windungen gebildet —, sondern ich muß nachdenken, was da eigentlich geschehen ist, was die Ursache ist. Ich muß also nachdenken darüber, woher diese Ausbildung gerade just der linken Schläfenwindung kommt.
[ 11 ] So something has happened to the brain; while the child was just learning to speak, something happened. And no one should really think about such a thing any differently than one normally does in everyday life. You see, if I move the table from there to here, no one would say, “The table moved itself over here.” — Nor should I say, “The brain formed these convolutions”—but rather, I must consider what actually happened there, what the cause is. So I must consider where this formation of the left temporal convolution specifically comes from.
[ 12 ] Nun, sehen Sie, wenn das Kind sprechen lernt, so bewegt es ja seinen Körper. Es bewegt seinen Körper in den Sprachorganen. Vorher, wenn das Kind noch nicht sprechen kann, ein bloß zappeliges Wesen ist, schreit es höchstens und so weiter. Solange es bloß schreit, solange ist diese linke Stirnwindung noch ein solcher Brei, wie ich es zuerst gezeichnet habe. Je mehr es lernt, nicht mehr bloß zu schreien, sondern das Schreien übergehen zu lassen in Laute, desto mehr wird diese Stirnwindung ausgebildet. So daß man sagen kann: Wenn das Kind bloß schreit, dann hat es also da an der Stelle einen Gehirnbrei. Jetzt fängt es an, nicht mehr bloß zu schreien, sondern Laute zu sagen. Dann verwandelt sich allmählich dieser allgemeine Brei in einen schön ausgebildeten linken Gehirnteil.
[ 12 ] Well, you see, when a child learns to speak, it moves its body. It moves its body through the speech organs. Before that, when the child cannot yet speak—when it is merely a fidgety little creature—it does nothing more than cry and so on. As long as it merely cries, the left frontal gyrus is still a kind of mush, just as I first depicted it. The more it learns not just to cry, but to let the crying give way to sounds, the more this frontal gyrus develops. So one can say: When the child merely cries, it has a kind of brain mush in that area. Now it begins to do more than just cry; it starts to make sounds. Then this general mush gradually transforms into a beautifully developed left side of the brain.
[ 13 ] Nun, meine Herren, die Sache ist so: Sie wissen ja, wenn das Kind schreit, dann sind die Schreiereien, die es macht, meistens dasjenige, was man Selbstlaute nennt: A, E. Wenn das Kind also bloß schreit, so braucht es keine gegliederte linke Stirnwindung, sondern es bringt dasjenige, was es da schreit, immer aus sich selbst hervor, ohne daß es so etwas Künstliches da im Gehirn hätte. Wenn man ein wenig achtgibt, so wird man sehen, daß, was das Kind zuerst schreit, sehr ähnlich ist den A-Lauten. Dann später fängt das Kind an, U- und I-Laute dazuzufügen zu seinem Schreien. Und allmählich lernt das Kind, wie Sie ja wissen, auch Mitlaute. Das Kind schreit zuerst A; dann lernt es das M dazu: MA oder WA. Also das Kind bringt aus dem Schreien heraus allmählich die Worte zustande, indem es zu den Selbstlauten die Mitlaute hinzukriegt.
[ 13 ] Well, gentlemen, the situation is this: As you know, when a child cries, the sounds it makes are usually what are called vowels: A, E. So when the child is simply crying, it doesn’t need a structured left frontal lobe; rather, it always produces what it’s crying out from within itself, without having anything artificial like that in the brain. If you pay a little attention, you’ll see that what the child cries out at first is very similar to the A sounds. Later, the child begins to add “U” and “I” sounds to its cries. And gradually, as you know, the child also learns consonants. The child first cries “A”; then it learns to add “M”: “MA” or “WA.” So the child gradually forms words out of its crying by adding consonants to the vowels.
[ 14 ] Und diese Mitlaute, wodurch bilden die sich? Sie brauchen nur einmal achtzugeben, wie Sie ein M hervorbringen. Da müssen Sie die Lippen bewegen. Das müssen Sie als Kind durch Nachahmung lernen. Wenn Sie ein L hervorbringen, dann müssen Sie die Zunge bewegen. Und so müssen Sie irgend etwas bewegen. Sie müssen also von dem Zappeln, das das Kind bloß macht, übergehen zu regelmäßigen Bewegungen, zu Bewegungen, die die Sprachorgane durch Nachahmung ausführen. Und je mehr das Kind solche Mitlaute, L, M, N, R und so weiter zu den Selbstlauten, die bloß beim Schreien sind, hinzufügt, desto mehr wird diese linke Stirnwindung gegliedert, desto mehr wird diese linke Stirnwindung künstlich ausgebildet; so daß mit derselben Stärke, mit der das Kind die Mitlaute lernt, diese linke Stirnwindung sich ausbildet.
[ 14 ] And how are these consonants formed? Just pay attention to how you produce an “M.” You have to move your lips. As a child, you have to learn this through imitation. When you produce an “L,” you have to move your tongue. And so you have to move something. You must therefore progress from the mere fidgeting that a child does to regular movements—movements that the speech organs perform through imitation. And the more the child adds such consonants—L, M, N, R, and so on—to the vowels that are merely present in crying, the more this left frontal gyrus becomes structured, the more this left frontal gyrus is artificially developed; so that with the same intensity with which the child learns the consonants, this left frontal gyrus develops.
[ 15 ] Nun, jetzt können wir also sagen: Woher lernt das Kind zunächst sprechen? — Das Kind lernt sprechen wirklich nur durch Nachahmung. Es lernt sprechen, die Lippen bewegen, indem es aus dem Gefühl heraus nachahmt, wie die anderen Leute die Lippen bewegen. Alles ist Nachahmung. Das heißt, das Kind bemerkt, sieht, nimmt wahr dasjenige, was in seiner Umgebung vor sich geht. Und durch dieses Wahrnehmen, also durch diese geistige Arbeit des Wahrnehmens wird das Gehirn ausgebildet. Geradeso wie der Bildhauer sein Holz oder seinen Marmor ausbildet oder seine Bronze, so wird dieses Gehirn bildhauerisch ausgebildet dadurch, daß das Kind sich bewegt. Die Organe, die es bewegt, die pflanzen ihre Bewegung bis ins Gehirn hinein fort. Wenn ich also L mit der Zunge sage, so ist die Zunge mit dem Gehirn durch einen Nerv verbunden, durch andere Organe verbunden. Dieses L, das geht bis in meine linke Stirnwindung herein und bringt da drinnen solche Figuren hervor. Das L bringt also eine solche Figur hervor, wo eins ans andere sich anschließt, wo sich diese linke Stirnwindung fast wie ein Gedärm ausbildet. Das M, das bringt solche kugeligen Windungen hervor. Also Sie sehen, es ist Arbeit an dieser linken Schläfenwindung. Da arbeitet dasjenige, was das Kind durch das Bemerken bewegt, durchlebt. Das ist nun sehr interessant, daß man also, seitdem man das weiß, daß ein Schlag, ein Gehirnschlag, die linke Stirnwindung ruiniert und dadurch die Sprache untergräbt, daß man dadurch wissen kann, daß eigentlich fortwährend beim Kinde an dieser linken Stirnwindung gearbeitet wird, indem es Konsonanten, Mitlaute lernt. Und das kommt davon, daß das Auge und allerlei andere Organe bemerken, daß in der Außenwelt etwas geschieht. Was geschieht denn da in der Außenwelt?
[ 15 ] Well, now we can ask: How does a child first learn to speak? — A child really learns to speak only through imitation. It learns to speak—to move its lips—by imitating, based on its feelings, the way other people move their lips. Everything is imitation. That is to say, the child notices, sees, and perceives what is happening in its surroundings. And through this perception—that is, through this mental work of perception—the brain is shaped. Just as a sculptor shapes his wood, marble, or bronze, so too is the brain sculpted through the child’s movements. The organs that the child moves transmit their movement all the way into the brain. So when I say “L” with my tongue, the tongue is connected to the brain via a nerve and via other organs. This “L” extends into the left frontal gyrus of my brain and produces certain patterns there. So the “L” produces a figure where one part connects to the next, where this left frontal gyrus forms almost like an intestine. The “M” produces such spherical gyri. So you see, there is activity in this left temporal gyrus. This is where the activity takes place that moves the child—that the child experiences through perception. It is very interesting that, now that we know a stroke—a cerebral stroke—ruins the left frontal gyrus and thereby impairs speech, we can understand that the child is actually constantly working on this left frontal gyrus as it learns consonants. And this stems from the fact that the eye and all sorts of other organs perceive that something is happening in the outside world. What, then, is happening in the outside world?
[ 16 ] Nun, sehen Sie, wenn wir sprechen, so atmen wir ja auch immer während des Sprechens. Wir atmen ja fortwährend. Und wenn wir atmen, dann geht dasjenige, was aus dem Atmen sich bildet, dieser Atemstoß, wie ich ihn genannt habe, der geht zuerst in den menschlichen Leib hinein, geht dann durch diesen Rückenmarkskanal herauf (es wird gezeichnet) und geht in das Gehirn hinein. Also während das Kind schreit, noch nicht die Mitlaute sagen kann, aber schreit und atmet, während der Zeit geht immer diese Atmung herauf, dieser Atmungsstoß; der geht herauf und der geht überall in das Gehirn hinein.
[ 16 ] Well, you see, when we speak, we’re always breathing while we speak. We breathe continuously. And when we breathe, what is formed by the breath—this “breath surge,” as I’ve called it—first enters the human body, then travels upward through the spinal canal (this is illustrated), and enters the brain. So while the child is crying—not yet able to pronounce consonants, but crying and breathing—during that time this breath, this “breath surge,” is constantly moving upward; it moves upward and enters every part of the brain.
[ 17 ] Fragen wir uns: Was geht da eigentlich ins Gehirn hinein? Nun, ins Gehirn geht Blut hinein. Das geht überall hin, so wie ich es Ihnen erklärt habe in den letzten Tagen. Also durch die Atmung wird eigentlich das Blut immerfort hineingestoßen in das Gehirn. Das aber, daß durch die Atmung das Blut hineingestoßen wird überall, ja, sehen Sie, das findet auch schon statt, nachdem das Kind gerade eben geboren wird — auch schon früher, aber da wird eben auf eine andere Weise gearbeitet. Also wenn das Kind geboren wird, fängt esan zu atmen. Da geht eigentlich immer schon dieser Luftstoß herauf, der das Blut in das Gehirn hineinstößt.
[ 17 ] Let’s ask ourselves: What actually enters the brain? Well, blood enters the brain. It goes everywhere, just as I’ve explained to you over the past few days. So, through breathing, blood is actually constantly being pushed into the brain. But the fact that breathing propels blood everywhere—yes, you see, this is already happening right after a child is born—and even earlier, though it works differently then. So when a child is born, it begins to breathe. There’s actually always this rush of air going up, which propels the blood into the brain.
[ 18 ] Und auf diese Weise können wir sagen: Solange bloß das Blut durch die Atmung ins Gehirn hineingestoßen wird, solange kann das Kind bloß schreien. Es fängt an zu reden, wenn nicht bloß das Blut da hineingestoßen wird, sondern wenn nun, sagen wir, vom Auge oder von irgendeinem anderen Organ, vom Ohr namentlich, das Kind etwas bemerkt, wenn es erwas wahrnimmt. Wenn also das Kind am anderen Menschen eine Bewegung bemerkt, macht es die Bewegung in sich nach; dann geht nicht nur der Blutstrom da herauf, sondern dann geht, sagen wir zum Beispiel, vom Ohr ein anderer Strom fortwährend da herein (es wird gezeichnet). Sehen Sie, das ist der andere Strom. Und dieser andere Strom ist der Nervenstrom.
[ 18 ] And in this way we can say: As long as blood is merely pumped into the brain through breathing, the child can do nothing but cry. It begins to speak not merely when blood is pumped into the brain, but when—let’s say—the child notices something through the eye or some other organ, specifically the ear, when it perceives something. So when the child notices a movement in another person, it imitates that movement; then not only does the blood flow go up there, but—let’s say, for example—another current flows continuously in from the ear (it is drawn). You see, that is the other current. And this other current is the nerve current.
[ 19 ] Also in der linken Schläfenwindung, in der sogenannten Sprachwindung, begegnen sich, wie sonst überall im menschlichen Körper, Blutgefäße und Nervenstränge. Auf die Nervenstränge wirkt dasjenige, was man bemerkt, was man wahrnimmt. Die Bewegungen, die das Kind bei den Mitlauten ausführt, pflanzen sich also durch die Nerven in seine linke Sprachwindung hinein fort. Und da wird diese ganz gut ausgebildet, indem immer der Atmungsstoß mit dem Blut zusammenwirkt mit dem, was von dem Ohr oder auch von dem Auge namentlich kommt, und was da allmählich zwischen Blut und Nerven die ganze breiige Gehirnmasse wunderschön gliedert. Also können Sie sehen, daß unser Gehirn eigentlich erst ausgebildet wird — wenigstens in diesem Teil, und dann in anderen Teilen ist es nämlich geradeso —, ausgebildet wird dadurch, daß zusammenwirkt eine Tätigkeit, also das Wahrnehmen, mit einer anderen Tätigkeit, mit diesem Stoß, der das Blut hineintreibt in das Gehirn.
[ 19 ] Thus, in the left temporal gyrus—the so-called language gyrus—blood vessels and nerve tracts intersect, just as they do everywhere else in the human body. What one notices and perceives acts upon these nerve tracts. The movements the child makes when producing consonants are thus transmitted through the nerves into its left language gyrus. And there, this gyrus develops quite well, as the respiratory impulse always interacts with the blood and with what comes specifically from the ear or the eye, and what gradually, between the blood and the nerves, beautifully structures the entire pulpy brain matter. So you can see that our brain is actually only developed—at least in this part, and it is exactly the same in other parts—through the interaction of one activity, namely perception, with another activity, namely this surge that drives the blood into the brain.
[ 20 ] Nun aber müssen Sie sich auch noch über das Folgende klar werden. Das Kind lernt also auf diese Weise sprechen, das heißt, es bildet seine linke Stirnwindung aus. Aber, meine Herren, wenn man nun eben bei einem Leichnam sitzt und ihn seziert, und die rechte Stirnwindung, die da symmetrisch liegt, beobachte, so ist diese verhältnismäßig unausgebildet. Also da haben wir die linke Stirnwindung; die ist so wunderschön geworden, wie ich es Ihnen gesagt habe. Die rechte, die bleibt das ganze Leben hindurch meistens so, wie sie war bei dem Kinde — die bleibt also ungegliedert. Ich möchte sagen: Wenn wir bloß die rechte Stirnwindung hätten, so könnten wir bloß schreien, und nur dadurch, daß wir uns die linke Stirnwindung so künstlich zubereiten, können wir reden.
[ 20 ] But now you must also understand the following. The child learns to speak in this way; that is, it develops the left frontal gyrus. But, gentlemen, if you sit next to a corpse and dissect it, and observe the right frontal gyrus—which lies symmetrically there—you’ll see that it is relatively underdeveloped. So there we have the left frontal gyrus; it has developed so beautifully, just as I told you. The right one, on the other hand, usually remains throughout one’s entire life just as it was in childhood—that is, it remains undifferentiated. I would say: If we had only the right frontal gyrus, we would be able to do nothing but scream, and it is only by artificially developing the left frontal gyrus in this way that we are able to speak.
[ 21 ] Nur, sehen Sie, wenn einmal ein Mensch ein Linkshänder ist, wenn er also die Gewohnheit hat, nicht mit der rechten Hand seine Arbeiten zu verrichten, sondern mit der linken Hand, dann stellt sich das Kuriose heraus, daß, wenn ihn auf der linken Seite der Schlag trifft, er zum Beispiel nicht die Sprache verliert. Und wenn er dann seziert wird, so findet man, daß bei ihm, beim Linkshänder, die rechte Stirnwindung so gegliedert worden ist, wie sonst bei den gewöhnlichen, normalen Bürgern und Menschen die linke Stirnwindung gegliedert wird.
[ 21 ] But, you see, if a person is left-handed—that is, if he is in the habit of performing his tasks not with his right hand but with his left—then a curious thing happens: if he suffers a stroke on the left side, he does not, for example, lose the ability to speak. And when he is then dissected, it is found that in him—the left-hander—the right frontal gyrus is structured in the same way that the left frontal gyrus is structured in ordinary, normal people.
[ 22 ] Also haben die Arm- und Handbewegungen einen außerordentlich starken Anteil an dieser Ausbildung des Gehirns. Woher kommt das? Ja, sehen Sie, das kommt davon: Wenn einer sich gewöhnt, mit der rechten Hand viel zu tun, tut er nicht bloß das, was er tut, mit der rechten Hand, sondern er gewöhnt sich dann auch an, rechts ein bißchen stärker zu atmen, also mehr Atemkraft aufzuwenden. Er gewöhnt sich an, rechts deutlicher zu hören und so weiter. Das zeigt uns nur, daß der Mensch, wenn er sich gewöhnt, die rechte Hand zu gebrauchen, er im allgemeinen die Tendenz hat, rechts überhaupt mehr Tätigkeit auszuüben als links. Nun wird aber gerade just die linke Stirnwindung ausgebildet, wenn er ein Rechtshänder, und die rechte Stirnwindung, wenn er ein Linkshänder ist. Woher kommt denn das?
[ 22 ] So arm and hand movements play an extraordinarily significant role in this development of the brain. Where does this come from? Well, you see, it comes from this: When someone gets used to doing a lot with their right hand, they don’t just do what they do with their right hand—they also get used to breathing a little more strongly on the right side, that is, using more breathing power. They get used to hearing more clearly on the right side, and so on. This simply shows us that when a person gets used to using their right hand, they generally tend to engage in more activity on the right side than on the left. However, it is precisely the left frontal gyrus that develops when a person is right-handed, and the right frontal gyrus when they are left-handed. Why is that?
[ 23 ] Ja, meine Herren, sehen Sie: Hier (es wird gezeichnet) haben Sie bei einem Körper den rechten Arm, die rechte Hand, hier haben Sie den Kopf und hier haben Sie seine linkeSchläfenwindung. Jetzt untersuchen wir einmal, wie die Nerven gehen. Die Nerven gehen nämlich so; Sie haben hier drinnen überall Nerven. Wenn Sie diese Nerven nicht hätten, würden Sie hier zum Beispiel nicht warm oder kalt fühlen können. Das hängt alles mit den Nerven zusammen. Sie haben hier überall Nerven, die gehen herauf durch das Rückenmark, gehen in das Gehirn hinein. Aber das Kuriose ist, daß die Nerven, die in der rechten Hand sind, hierhin in das linke Gehirn gehen, und die Nerven, die hier in der anderen Hand sind, in das rechte Gehirn hineingehen. Da drinnen, da kreuzen sich nämlich die Nerven. Im Gehirn kreuzen sich die Nerven, so daß ich, wenn ich zum Beispiel, sagen wir, irgendeine Turnübung oder eine Eurythmieübung mache mit der rechten Hand oder dem rechten Arm, das dann dadurch spüre, daß der Nerv dieses Spüren vermittelt; aber ich spüre es mit der linken Gehirnhälfte, weil die Nerven sich kreuzen.
[ 23 ] Yes, gentlemen, look: Here (he draws) you have the right arm and right hand of a body; here you have the head; and here you have the left temporal lobe. Now let’s examine how the nerves run. The nerves run like this; you have nerves everywhere inside here. If you didn’t have these nerves, you wouldn’t be able to feel warmth or cold here, for example. It’s all connected to the nerves. You have nerves everywhere here; they run up through the spinal cord and enter the brain. But the curious thing is that the nerves in the right hand go here into the left side of the brain, and the nerves in the other hand go into the right side of the brain. Inside there, the nerves actually cross over. The nerves cross over in the brain, so that when I, for example, do some kind of gymnastics exercise or a eurythmy exercise with my right hand or right arm, I feel it because the nerve transmits that sensation; but I feel it with the left hemisphere of my brain because the nerves cross over.
[ 24 ] Nun stellen Sie sich vor, daß ein Kind vorzugsweise mit der rechten Hand gern alles tut. Dann atmet es auch ein bißchen stärker auf der rechten Seite, hört ein bißchen stärker, sieht sogar ein bißchen schärfer auf der rechten Seite. Der Mensch strengt sich dann rechts mehr an und entwickelt dasjenige, was er an Bewegungen ausführt, ins linke Gehirn hinein.
[ 24 ] Now imagine that a child prefers to do everything with his right hand. Then he also breathes a little more deeply on the right side, hears a little more clearly, and even sees a little more sharply on the right side. The person then exerts more effort on the right side and processes the movements they perform into the left hemisphere of the brain.
[ 25 ] Sie brauchen sich nun nur vorzustellen, daß wir ja auch immer so ein bißchen die Eigenheit haben, daß wir Gebärden machen beim Sprechen: Ah! (entsprechende Gebärde); und wenn wir etwas abweisen: E! Wir machen Gebärden beim Sprechen. Diese Gebärden werden von unseren Nerven empfunden; und die Gebärden der rechten Hand, die wir beim Sprechen machen, die werden mit der linken Gehirnhälfte empfunden. Und ebenso haben wir, wenn wir Rechtshänder sind, die Tendenz, mit der rechten Kehlkopfhälfte stärker die Vokale und Konsonanten auszusprechen, stärker die Laute auszusprechen; dann wird das, was wir da tun, auch mit der linken Gehirnhälfte stärker empfunden. Und von dem rührt dann das her, daß das Gehirn, das ursprünglich ein Brei ist, mehr ausgebildet wird. Die linke Hälfte lassen wir mehr unbenützt; daher wird die rechte Gehirnhälfte weniger ausgebildet, bleibt breiartig. Aber wenn einer ein Linkshänder ist, geschieht es umgekehrt.
[ 25 ] Now you just need to imagine that we all tend to have this little habit of making gestures while speaking: Ah! (corresponding gesture); and when we reject something: E! We make gestures while speaking. These gestures are perceived by our nerves; and the gestures of the right hand that we make while speaking are perceived by the left hemisphere of the brain. And likewise, if we are right-handed, we tend to pronounce vowels and consonants more strongly with the right side of the larynx—to articulate the sounds more strongly; then what we’re doing there is also perceived more strongly by the left hemisphere of the brain. And this is why the brain, which is originally a pulpy mass, becomes more developed. We leave the left hemisphere largely unused; therefore, the right hemisphere of the brain becomes less developed and remains pulpy. But if someone is left-handed, the opposite happens.
[ 26 ] Daraus folgen allerlei wichtige Sachen für die Pädagogik. Denken Sie sich, bei linkshändigen Kindern — wenige linkshändige Kinder hat man ja schon auch in der Schule — muß man sich sagen: Während bei allen anderen sehr künstlich ausgebildet ist die linke Schläfenwindung im Gehirn, ist bei diesen Linkshändigen in voller Bildung begriffen, bildet sich aus die rechte Schläfenwindung. Und unterrichte ich die Kinder im Schreiben, da verwende ich die rechte Hand. Diejenigen Kinder, die rechtshändig sind, die werden nur dasjenige verstärken in ihrer linken Stirnwindung, was sie schon angefangen haben auszubilden beim Sprechenlernen. Diejenigen Kinder aber, die linkshändig sind, die werden, wenn ich sie nun zwinge mit der rechten Hand zu schreiben, dasjenige wieder ruinieren, was sie in der rechten Schläfenwindung sich eingebildet haben durch die Sprache. Die ruinieren sich das wieder, und ich habe daher die Aufgabe, da es mit dem Schreiben doch nicht so sein soll, daß man die Linkshänder links schreiben läßt, ich habe zunächst die Aufgabe, bei denjenigen Kindern, welche linkshändig sind, langsam und allmählich dasjenige, was sie mit der linken Hand tun, in die rechte Hand herüberzuleiten, damit sie zuerst lernen, mit der anderen Hand so etwas zu arbeiten, und sie dann erst viel langsamer als die anderen Kinder ins Schreiben hineinkommen. Das macht nichts, wenn die etwas später schreiben lernen.
[ 26 ] This leads to all sorts of important implications for education. Just think: with left-handed children—and there are, after all, a few left-handed children in school—one must realize that while the left temporal lobe in the brain is developed in a very artificial way in all other children, in these left-handed children the right temporal lobe is in the process of full development. And when I teach the children to write, I use the right hand. Right-handed children will only reinforce in their left frontal lobe what they have already begun to develop while learning to speak. But those children who are left-handed—if I now force them to write with their right hand—will ruin what they have developed in the right temporal gyrus through language. They will ruin that again, and I therefore have the task—since writing should not be such that left-handers are allowed to write with their left hand— my first task is to slowly and gradually transfer what these left-handed children do with their left hand over to their right hand, so that they first learn to work with their other hand in this way, and only then—much more slowly than the other children—begin to learn to write. It doesn’t matter if they learn to write a little later.
[ 27 ] Wenn ich einfach Kinder, die linkshändig sind, so schnell schreiben lernen lasse wie diejenigen, die rechtshändig sind, so mache ich diese Kinder dümmer, weil ich ihnen wiederum dasjenige ruiniere, was sie in der rechten Gehirnhälfte ausgebildet haben. Also ich muß beachten, daß ich die Kinder, die linkshändig sind, in einer anderen Weise im Schreiben unterrichte als diejenigen Kinder, die rechtshändig sind. Sie werden dadurch eben für das spätere Leben nicht dümmer, sondern gescheiter, wenn ich langsam hineinleite die Linkshändigkeit in die Rechtshändigkeit, und nicht durch Schreiben mit der rechten Hand einfach das ganze Gehirn konfus mache.
[ 27 ] If I simply teach left-handed children to write as quickly as right-handed children, I’m making them less intelligent, because I’m ruining what they’ve developed in the right hemisphere of their brain. So I have to make sure that I teach left-handed children to write differently than right-handed children. This won’t make them any less intelligent for later life—in fact, it will make them smarter—if I gradually guide their left-handedness into right-handedness, rather than simply confusing their entire brain by making them write with their right hand.
[ 28 ] Nun, sehen Sie, wenn man überhaupt durch Schreiben den ganzen Menschen behandeln will, dann erreicht man pädagogisch überhaupt das Gegenteil von dem, was man erreichen will. Es ist jetzt eine große Tendenz vorhanden, den Menschen immer mit beiden Händen alles zu lehren, ihn mit beiden Händen alles machen zu lassen. Da bringe ich in seinem Gehirn alles durcheinander. Und es zeigt nur, wie wenig die Leute wissen, wenn sie eine solche Tendenz haben, den Menschen links und rechts dasselbe machen zu lassen. Man könnte schon das anstreben; da muß man aber vorher etwas anderes machen. Und was müßte man machen? Ja, meine Herren, da müßte man vorher den ganzen Menschen umändern! Da müßte man langsam die eine Tätigkeit von der linken Seite auf die rechte Seite übergehen lassen und die Tätigkeit auf der rechten Seite langsam schwächer machen. Was würde dann geschehen? Ja, sehen Sie, was dann geschehen würde, das ist dieses, daß unter dieser Oberfläche der linken Schläfenwindung (es wird gezeichnet) die linke Schläfenwindung künstlicher ausgebildet sein würde, und außen, an der Außenseite, da bliebe es Brei. Und das würde dann auch an der rechten Schläfenwindung eintreten. Statt daß ich dann die zwei Tätigkeiten verteile auf die linke und rechte Seite, mache ich jede Schläfenwindung zu einer Hälfte, zu einer äußeren und zu einer inneren Hälfte, Und die innere Hälfte, die ist dann mehr zum Sprechen geeignet, die äußere ist mehr bloß, um die Selbstlaute und Mitlaute hineinzuschreien. Aber alles Sprechen ist ja eine Zusammensetzung von Schreien und Artikulieren. Das bleibt so das ganze Leben hindurch.
[ 28 ] Well, you see, if one tries to address the whole person through writing at all, then from an educational standpoint one actually achieves the exact opposite of what one intends. There is now a strong tendency to teach people everything with both hands, to let them do everything with both hands. That just confuses everything in their minds. And it only shows how little people know when they have such a tendency to make people do the same thing with both hands. One could certainly strive for that; but first, one must do something else. And what would one have to do? Well, gentlemen, one would first have to transform the whole person! One would have to slowly shift one activity from the left side to the right side and gradually weaken the activity on the right side. What would happen then? Well, you see, what would happen is this: beneath the surface of the left temporal gyrus (it is drawn), the left temporal gyrus would be more artificially developed, and on the outside, the outer surface, it would remain a mushy mass. And the same thing would then occur in the right temporal gyrus. Instead of distributing the two activities between the left and right sides, I divide each temporal gyrus into two halves—an outer and an inner half. And the inner half is then more suited to speech, while the outer half is more simply for shouting out the vowels and consonants. But all speech is, after all, a combination of shouting and articulation. It remains that way throughout one’s entire life.
[ 29 ] Sie sehen also, man darf nicht so ohne weiteres am Menschen herumpfuschen, sondern man muß, wenn man Pädagogik, auch nur Volksschulpädagogik treiben will, den ganzen Menschen kennen. Denn mit allem, was man tut, verändert man nämlich den Menschen. Und das ist das wirklich Sündhafte, daß heute bloß nach Äußerlichkeiten herumgepfuscht wird und nicht darauf gesehen wird, wie sich die Dinge stellen, wenn man wirklich in den Menschen eindringt.
[ 29 ] So you see, one must not simply tinker with people; rather, if one wants to practice pedagogy—even just elementary school pedagogy—one must understand the whole person. For everything one does actually changes the person. And that is what is truly sinful—that today people merely tinker with outward appearances and fail to consider how things really stand when one truly delves into the human being.
[ 30 ] Nun, bei den wenigsten Menschen sind beide Stirnwindungen brauchbar, sondern die rechte Stirnwindung ist mehr durchsetzt mit Blutströmungen, die linke hat weniger Blutströmungen und ist mehr durchsetzt mit Nerven. Und das ist überhaupt bei unserem ganzen Gehirn der Fall, daß das Gehirn rechts mehr zum Blut-Verströmen, also zum Blut-Auseinanderrinnen da ist, während die linke Hälfte mehr zum Bemerken, zum Wahrnehmen da ist.
[ 30 ] Well, in very few people are both frontal gyri functional; rather, the right frontal gyrus is more permeated by blood flow, while the left has less blood flow and is more permeated by nerves. And this is true of our entire brain: the right side is more for the outflow of blood—that is, for blood to flow out—while the left half is more for noticing and perceiving.
[ 31 ] Sobald wir dazu kommen, einmal das zu wissen, daß das Gehirn sich ausbildet unter den äußeren Einflüssen, dann werden wir erst einen Begriff bekommen, wie stark diese äußeren Einflüsse sind. Diese äußeren Einflüsse sind natürlich dann ungeheuer stark, wenn wir wissen, daß durch die äußeren Einflüsse alles dasjenige bewirkt wird, was da im Gehirn eigentlich vor sich geht. Also dadurch, daß man gelernt hat, was eigentlich im Gehirn geschieht, wenn der Mensch spricht, dadurch kann man sich nun eine Vorstellung davon bilden, wie es überhaupt mit diesem menschlichen Gehirn ist. Sehen Sie, wenn wir dieses Gehirn nun weiter untersuchen, dann stellt es sich so heraus, daß immer an der Außenwand, da wo das Gehirn seine Außenwand hat, daß da überhaupt mehr Blutgefäße sind als im Inneren. So daß wir also sagen können: Außen ist das Gehirn blutreicher, im Inneren ist es nervenreicher. Im Inneren haben wir es also nervenreich; da sind solche Nervenstränge darinnen.
[ 31 ] Once we come to realize that the brain develops under the influence of external factors, only then will we begin to grasp just how powerful these external influences are. These external influences are, of course, immensely powerful when we realize that they are responsible for everything that actually takes place in the brain. So, by learning what actually happens in the brain when a person speaks, we can now form an idea of what the human brain is really like. You see, when we examine the brain further, it turns out that there are actually more blood vessels on the outer surface—where the brain’s outer wall is located—than there are inside. So we can say: The outer surface of the brain is richer in blood, while the interior is richer in nerves. Inside, it is rich in nerves; there are such nerve tracts within it.
[ 32 ] Wie wird denn also jetzt, sagen wir, bei einem Kind, das in gewöhnlicher Weise sprechen lernt, das also ein Rechtshänder ist, wie wird denn bei einem solchen Kinde eigentlich das Gehirn ausgebildet? Nun, sehen Sie, wenn man ein ganz junges Gehirn nimmt vom Kind, da ist es ja so, daß es ringsherum seinen blutreichen, ich möchte sagen, Mantel hat (es wird gezeichnet). Das ist von vorne angeschaut. Das soll rechts sein vom Menschen aus —, also von Ihnen aus gesehen ist es links —, das soll links sein vom Menschen aus. Da bilden sich nun alle diese Nervenstränge. Weil das so ist, meine Herren, weil da drinnen Nervenstränge sind, sieht, wenn man sie herausnimmt, die innere Gehirnmasse weißlich aus, während die blutreichere, ringsherum liegende Gehirnmasse, wenn man sie herausnimmt, rötlich-grau ausschaut. Rötlich-grau schaut sie aus,
[ 32 ] So how, then, in the case of, say, a child who learns to speak in the usual way—that is, a right-handed child—how exactly does the brain develop in such a child? Well, you see, if you take a very young brain from a child, it is surrounded by a blood-rich—I would say—mantle (it is drawn). This is viewed from the front. This is supposed to be on the right from the person’s perspective—that is, from your perspective it is on the left—this is supposed to be on the left from the person’s perspective. All these nerve tracts form there. Because that is the case, gentlemen—because there are nerve tracts inside—you see, when you remove them, the inner brain matter looks whitish, while the more blood-rich brain matter surrounding it, when removed, looks reddish-gray. It looks reddish-gray,
[ 33 ] Wenn nun das Kind sich weiter so entwickelt, daß es sprechen lernt, daß also seine linke Schläfenwindung gegliedert wird, was geschieht da? Ja, schen Sie, da geschieht das, daß sich diese Nervenstränge mehr da hineinziehen; dahier weniger, dahier mehr das Blutsystem sich ausbildet (es wird gezeichnet). Also es rückt gewissermaßen der innere Teil des Gehirnes bei dem normal sich entwickelnden Kind mehr nach links; der andere schiebt sich nach. Das Gehirn schiebt sich so herüber nach der linken Seite, und es wird gegen die linke Seite immer weißlicher und weißlicher. Es schiebt sich so herüber. Auf solchen künstlichen Dingen beruht eben die ganze menschliche Entwickelung.
[ 33 ] Now, if the child continues to develop in such a way that it learns to speak—that is, as its left temporal gyrus becomes structured—what happens then? Well, you see, what happens is that these nerve tracts extend further into that area; the blood supply develops more here and less there (it is illustrated). So, in a sense, the inner part of the brain in a normally developing child shifts more to the left; the other part shifts along with it. The brain shifts over to the left side in this way, and it becomes whiter and whiter toward the left side. It shifts over in this way. The entire process of human development is based on such subtle mechanisms.
[ 34 ] Nun, gehen wir von der Sprache weiter aus. Sehen Sie, es gibt Sprachen, welche, sagen wir, sehr viele Mitlaute haben, und es gibt Sprachen, welche sehr viele Selbstlaute haben: A, E, I und so weiter. Es gibt andere Sprachen, welche alles so herausquetschen: S, W, daß man fast die Selbstlaute gar nicht bemerkt. Nun, was liegt da eigentlich vor?
[ 34 ] Well, let’s continue with the topic of language. You see, there are languages that, let’s say, have a great many consonants, and there are languages that have a great many vowels: A, E, I, and so on. There are other languages that pronounce everything so strongly—S, W—that you hardly notice the vowels at all. So, what’s actually going on here?
[ 35 ] Wenn irgend jemand in einer Gegend lebt — denn das hängt von den Gegenden ab, die Sprachen sind ja nach den Gegenden der Erde verschieden —, in der sich mehr die Mitlaute ausbilden, was bedeutet das? Das bedeutet, daß er mehr in der Außenwelt lebt, denn die Mitlaute, die müssen am Äußeren ausgebildet werden. Wenn also jemand mehr in der Außenwelt lebt, so schiebt sich sein weißer Gehirnteil mehr nach links herüber. Wenn jemand mehr in seinem eigenen Inneren lebt, in einer solchen Gegend sich entwickelt, wo der Mensch mehr in seinem eigenen Inneren lebt, da schiebt sich weniger diese weiße Gehirnmasse herüber. Der Mensch wird mehr dazu veranlaßt, wohllautende Selbstlaute aus seinem Inneren hervorzubringen. Aber das ist nach Gegenden der Erde verschieden.
[ 35 ] If someone lives in a region—since this depends on the region, as languages do vary according to the different regions of the Earth—where consonants are more pronounced, what does that mean? It means that they live more in the external world, because consonants must be formed in relation to the external world. So if someone lives more in the external world, the white matter of their brain shifts more toward the left. If someone lives more within their own inner world—developing in a region where people live more within their own inner world—then this white matter shifts less toward the left. The person is more inclined to produce melodious vowels from within. But this varies depending on the region of the world.
[ 36 ] Nehmen wir also folgendes, meine Herren. Denken Sie sich, da ist die Erde (es wird gezeichnet) und an den verschiedenen Punkten der Erde stehen Menschen. Ich will es ganz schematisch zeichnen, da ein Mensch und da ein Mensch. Da stehen also verschiedene Menschen auf der Erde. So stehen wir ja immer auf der Erde, wenn das auch natürlich viel zu unverhältnismäßig gezeichnet ist, aber so stehen wir auf der Erde. Und der Mensch hier, sagen wir, bekommt eine selbstlautende Sprache, der andere bekommt eine mitlautende Sprache.
[ 36 ] So let’s take the following example, gentlemen. Imagine there is the Earth (it is drawn), and people are standing at various points on the Earth. I’ll draw it very schematically: a person here and a person there. So there are various people standing on Earth. That’s how we always stand on Earth—even though this is, of course, drawn far too disproportionately—but that’s how we stand on Earth. And the person here, let’s say, is given a language with vowels as the main sound, while the other is given a language with consonants as the main sound.
[ 37 ] Was muß da geschehen sein in der betreffenden Gegend? Nun kann ja sehr viel geschehen sein, sehr vielerlei, aber ich will Ihnen eines herausheben, was geschehen sein kann. Denken Sie sich einmal, hier befinden sich hohe Gebirge (es wird gezeichnet), und hier ist die Ebene. Also hier hohe Gebirge, dort die Ebene. Nun, in der Tat, wenn irgendwo flache Ebenen sind, dann merkt man, daß dort die Sprache vokalreicher wird. Wenn irgendwo hochaufgetürmte Gebirge sind, dann hat die Sprache die Tendenz, konsonantenreicher, mitlautreicher zu werden.
[ 37 ] What must have happened in that region? Well, a great many things could have happened—all sorts of things—but I want to highlight one possibility. Just imagine: here are high mountains (a drawing is made), and here is the plain. So, high mountains here, the plain there. Well, in fact, wherever there are flat plains, you notice that the language there becomes richer in vowels. Wherever there are towering mountains, the language tends to become richer in consonants.
[ 38 ] Aber sehen Sie, so einfach liegt die Geschichte wiederum nicht, sondern wir müssen uns fragen: Ja, wodurch entsteht das Gebirge und wodurch entsteht die Ebene? Das ist so (es wird gezeichnet): Hier ist überall das Erdreich; hier scheint die Sonne. Unsere ganze Erde war ja einmal Brei. Die Gebirge, die müssen ja erst aus dem Breiigen herausgezogen worden sein. Also die Erde ist Brei im Grunde, das Gebirge wird hier herausgezogen.
[ 38 ] But you see, the story isn’t quite that simple; rather, we must ask ourselves: Yes, how are the mountains formed, and how are the plains formed? It’s like this (a drawing is made): Here, there is soil everywhere; here, the sun shines. Our entire Earth was once a kind of paste. The mountains must first have been pulled out of that paste-like mass. So the Earth is basically a paste, and the mountains are pulled out of it.
[ 39 ] Meine Herren, was zieht denn da das Gebirge heraus? Das Gebirge ziehen die Kräfte aus dem Weltenall heraus, die da von draußen wirken! So daß wir sagen können: Da wirken gewisse Kräfte herein aus dem Weltenall, welche das Gebirge herausziehen. Diese Kräfte sind stark, deshalb entsteht ein Gebirge. Hier sind schwächere Kräfte aus dem Weltenall hereinkommend, da entsteht deshalb kein Gebirge. Da wurde der Erdboden in uralten Zeiten weniger herausgezogen. Und diejenigen Menschen, die nun auf einem solchen Erdboden geboren werden, wo weniger diese Kräfte wirken, die reden in Selbstlauten, und diejenigen Menschen, die auf einem solchen Erdboden geboren werden, wo mehr diese Kräfte wirken, die reden in Mitlauten. Also das hängt mit den ganzen Kräften des Weltenalls zusammen.
[ 39 ] Gentlemen, what is it that forms the mountains? The mountains are formed by forces from the universe that act upon us from outside! So we can say: Certain forces from the universe act upon us, causing the mountains to form. These forces are strong, which is why mountains are formed. Here, weaker forces are coming in from the universe, so no mountains form. In ancient times, the earth’s surface was pulled out less in these areas. And those people who are now born on such soil, where these forces are less active, speak using vowels, while those born on soil where these forces are more active speak using consonants. So this is connected to all the forces of the universe.
[ 40 ] Und wie können wir denn irgend so etwas angeben? Nun, meine Herren, was wir da angeben, das müssen wir so einrichten, wie wir die Uhr anschauen. Wir müssen an die Arbeit gehen oder müssen fortgehen. Aber wir werden keinen Augenblick sagen: Jetzt ist es zuviel! Dieser verdammte große Zeiger, der ist ein gräßlicher Kerl, der peitscht mich jetzt zur Arbeit! — Das fällt uns gar nicht ein. Der Zeiger gibt uns an, wann wir zur Arbeit gehen sollen, aber wir werden ihm gar nicht die geringste Schuld oder Ursache beilegen. Nicht wahr, das tun wir doch nicht. Also der ist höchst unschuldig an der Sache.
[ 40 ] And how can we possibly say something like that? Well, gentlemen, whatever we say, we have to adjust it to how we look at the clock. We have to get to work or we have to leave. But we’ll never say for a moment: “Now it’s too much!” That damned big hand—it’s a dreadful thing, whipping me into work right now! — That wouldn’t even occur to us. The hand tells us when we should go to work, but we wouldn’t attribute the slightest blame or cause to it. Wouldn’t we agree? We certainly wouldn’t do that. So it’s completely innocent in this matter.
[ 41 ] Ebenso, meine Herren, können wir hier zur Sonne hinschauen und können sagen: Wenn wir hier stehen, so ist in einem gewissen Moment die Sonne, sagen wir, zum Beispiel vor dem Sternbilde des Widders. Da haben wir die Richtung, wo die starken Kräfte herwirken. Nicht der Widder ist es, aber der gibt uns die Richtung an, wo die starken Kräfte herwirken. Zu derselben Zeit steht hier ein Mensch. Für den kommt erst das so in Betracht: Wenn die Sonne hier herübergerückt ist (es wird gezeichnet), da steht sie hier, meinetwillen in der Jungfrau, im Sternbilde der Jungfrau. Aus der Richtung sind die schwachen Kräfte. Statt daß ich den ganzen Vorgang jetzt erzähle, kann ich also sagen: Wenn jemand in einer Gegend geboren ist, wo zu einer bestimmten Zeit, sagen wir, bei seiner Geburt, die Sonne im Sternbilde des Widders steht, dann lernt er mehr konsonantisch reden; wenn er geboren wird zu einer Zeit, wo die Sonne im Sternbilde der Jungfrau steht, dann lernt er mehr vokalisch, selbstlautend reden.
[ 41 ] Similarly, gentlemen, we can look toward the sun here and say: When we stand here, at a certain moment the sun is, let’s say, for example, in front of the constellation of Aries. That gives us the direction from which the powerful forces are acting. It is not Aries itself, but it indicates the direction from which the strong forces are acting. At the same time, a person is standing here. For that person, the first thing to consider is this: When the Sun has moved over here (it is drawn), it stands here—for my sake, in Virgo, in the constellation of Virgo. The weak forces come from that direction. Instead of describing the entire process now, I can therefore say: If someone is born in a region where, at a certain time—let’s say at the time of their birth—the Sun is in the constellation of Aries, then they learn to speak in a more consonantal manner; if they are born at a time when the Sun is in the constellation of Virgo, then they learn to speak in a more vocalic, vowel-oriented manner.
[ 42 ] Also Sie sehen, ich kann den ganzen Tierkreis so im Sinne einer Uhr, an der ich ablesen kann, was auf der Erde geschieht, benützen. Nur muß ich mir immer klar sein, daß nicht die Sternbilder da dies tun, sondern daß die Sternbilder zum Ablesen da sind. Daraus sehen Sie, daß der Tierkreis uns schon sehr viel sagen kann. Er kann uns soweit etwas sagen, daß wir daraus verstehen können, wie die Sprachen auf der Erde verschieden sind.
[ 42 ] So you see, I can use the entire zodiac like a clock from which I can read what is happening on Earth. I just have to always keep in mind that it is not the constellations that do this, but rather that the constellations are there to be read. From this you can see that the zodiac can already tell us a great deal. It can tell us enough for us to understand how languages on Earth differ.
[ 43 ] Wir können also durchaus sagen: Schauen wir auf die Erde. Denken wir uns, da ist die Erde, und da stellen wir uns einen Stuhl hin — es kann ja nicht sein, aber hypothetisch können wir es annehmen —, einen Stuhl ins Weltenall hinaus, schauen uns da an eine Art Sprachenkarte, die verschiedenen Sprachen auf Erden. Dann kriegen wir ein Bild. Und jetzt kehren wir den Stuhl um, jetzt gucken wir da in das Weltenall hinaus. Da kriegen wir ein Bild von den Sternen, und die entsprechen einander. Wenn einer so die südliche Hälfte der Erde anschauen würde und die Sprachen dort anschaute, und dann den Stuhl umkehrt und den südlichen Sternenhimmel anschaut, so ist der ganz anders, als wenn einer bezüglich der nördlichen Hälfte das macht. So daß einer den Sternenhimmel aufzeichnen könnte, und wer das studiert hat, diesen Zusammenhang, der kann angeben aus einem bestimmten Sternbilde, was unter diesem Sternbilde für eine Sprache üblich ist.
[ 43 ] So we can certainly say: Let’s look at the Earth. Let’s imagine the Earth is there, and let’s place a chair there—it’s not actually possible, but hypothetically we can assume it—a chair out into the cosmos, and look at a kind of language map showing the various languages on Earth. Then we get a picture. And now let’s turn the chair around; now let’s look out into the cosmos from there. There we get a picture of the stars, and they correspond to one another. If someone were to look at the southern half of the Earth and examine the languages there, and then turn the chair around and look at the southern starry sky, it would be quite different from if someone were to do the same with regard to the northern half. So that one could map out the starry sky, and anyone who has studied this connection could identify, based on a specific constellation, what language is commonly spoken under that constellation.
[ 44 ] So sehen Sie also, daß gerade dann, wenn wir anfangen das geistige Leben des Menschen zu beobachten, also da, wo sich durch die Sprache sein Verstand ausbildet, wir hinaufsehen müssen in den Sternenhimmel, wenn wir etwas verstehen wollen. Auf Erden kriegen wir keinen Zusammenhang. Sie können noch so sehr nachdenken, warum die Sprachen verschieden sind, und Sie kriegen keine Erklärung.
[ 44 ] So you see that precisely when we begin to observe the spiritual life of human beings—that is, where their intellect develops through language—we must look up at the starry sky if we want to understand anything. Here on Earth, we cannot find any connection. No matter how much you ponder why languages are different, you will not find an explanation.
[ 45 ] Sehen Sie, wenn Sie wissen wollen, was in Ihrem Bauch vor sich geht, müssen Sie den Erdboden fragen — das, was da drunten ist. Wenn in einer Gegend hauptsächlich Kohl gebaut wird, so werden Sie sich sagen können: In dieser Gegend müssen fortwährend die getöteten Kohlfrüchte wiederum belebt werden. — Also wenn Sie wissen wollen, wie in einer Gegend ernährt wird, müssen Sie den Erdboden fragen. Wenn Sie wissen wollen, wie in einer Gegend geatmet wird, da müssen Sie das fragen, was rundherum geschieht im Luftkreis. Und wenn Sie wissen wollen, was da drinnen in diesem Kasten, in dem Gehirnkasten vor sich geht, müssen Sie fragen, wie da draußen die Sterne stehen. Und so müssen Sie den Menschen eingliedern können in das ganze Weltenall. Und da werden Sie sehen, daß es allerdings ein Aberglaube ist, wenn aus Überbleibseln von dem, was einmal Menschen gewußt haben, bloß gesagt wird: Wenn die Sonne im Widder steht, wird das und das bewirkt. — Das ist gar nichts. Aber wenn man den ganzen Zusammenhang kennt, dann hört die Sache auf, ein gewöhnlicher Aberglaube zu sein, dann wird sie Wissenschaft.
[ 45 ] You see, if you want to know what’s going on in your stomach, you have to ask the soil—what lies down there. If cabbage is the main crop grown in a region, you can say to yourself: In this region, the cabbage plants that have died must constantly be brought back to life. — So if you want to know how people in a region are nourished, you must ask the soil. If you want to know how people in a region breathe, you must ask what is happening all around in the atmosphere. And if you want to know what’s going on inside that box—the skull—you must ask how the stars are aligned out there. And so you must be able to integrate human beings into the entire universe. And then you will see that it is indeed a superstition when, based on remnants of what people once knew, one simply says: “When the sun is in Aries, this and that happens.” — That’s nothing at all. But when you understand the whole context, then the matter ceases to be mere superstition; then it becomes science.
[ 46 ] Und das ist dasjenige, was uns allmählich vom Verständnis der bloßen Umarbeitung der Stoffe bringt zu dem, was geschieht und was in Zusammenhang steht mit dem ganzen Weltenall draußen.
[ 46 ] And that is what gradually leads us from an understanding of the mere transformation of matter to an understanding of what is happening and what is connected to the entire universe out there.
