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Understanding Human Beings
in Terms of Body, Soul, and Spirit.
Early Conditions on Earth
GA 347

5 August 1922, Dornach

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Understanding Human Beings in Terms of Body, Soul, and Spirit, tr. SOL
  1. Die Erkenntnis des Menschenwesens nach Leib, Seele und Geist

2. Vom Lebensleib des Menschen — Gehirn und Denken

2. On the Human Body — The Brain and Thought

[ 1 ] Guten Morgen, meine Herren! Nun werde ich auch heute noch fortsetzen müssen mit dem, was wir besprochen haben, aus dem Grunde, weil ja die Sache nur dann ganz gut verstanden werden kann, wenn man immer weiter und weiter in sie eindringt.

[ 1 ] Good morning, gentlemen! Today I will have to continue with what we discussed yesterday, because this matter can only be fully understood by delving deeper and deeper into it.

[ 2 ] Sehen Sie, es kommt beim Menschen also darauf an, wie Sie gesehen haben, daß er sowohl aus dem Erdreiche seine Nahrung nimmt, dadurch ernährt er sich — daß er aus dem, was die Erde umgibt, aus dem Luftreiche also, seine Atmung besorgt, dadurch lebt er eigentlich erst, dadurch ist er erst imstande, auch ein fühlendes und empfindendes Wesen zu werden —,und daß er aus der ganzen Welt die Kräfte nimmt, wie wir gesehen haben, dadurch ist er ein denkendes Wesen und wird eigentlich erst dadurch ein vollständiger Mensch.

[ 2 ] You see, as you have observed, what matters for human beings is that they derive their nourishment from the earth, through which they sustain themselves—and that they obtain their breath from what surrounds the earth, that is, from the air, and it is only through this that he truly lives and is able to become a feeling and sensing being—and that, as we have seen, he draws forces from the entire world; it is through this that he is a thinking being and only through this does he truly become a complete human being.

[ 3 ] Also der Mensch muß sich ernähren können, der Mensch muß atmen können, dadurch ein fühlendes Wesen werden — und er muß die Kräfte aus dem Weltenall nehmen können, um dadurch ein denkendes Wesen zu werden. Er wird ebensowenig von selbst ein denkendes Wesen, wie er durch sich selber reden kann. Der Mensch kann nicht sich selber denken, ebensowenig wie er sich selber essen kann.

[ 3 ] So human beings must be able to nourish themselves; they must be able to breathe, thereby becoming sentient beings—and they must be able to draw strength from the universe in order to become thinking beings. Just as they cannot speak on their own, they cannot become thinking beings by themselves. A human being cannot think of himself, any more than he can eat himself.

[ 4 ] Nun wollen wir einmal näher betrachten, wie diese Dinge eigentlich vor sich gehen. Beginnen wir zunächst einmal damit, daß wir uns klarmachen, wie eigentlich dieser Vorgang geschieht, wenn wir die Nahrungsstoffe aufnehmen, sie gewissermaßen in einem ertöteten, toten Zustande haben innerhalb unseres Gedärmorganismus, und sie dann wiederum belebt werden durch dieLymphdrüsen und durch dieLymphe ins Blut übergeführt werden, das Blut durch die Atmung erneuert wird. Das Blut, respektive die Kraft des Blutes, der Atemstoß, steigt dann durch das Rückenmark in das Gehirn hinein und verbindet sich dort mit demjenigen, was die Gehirntätigkeit ist.

[ 4 ] Now let’s take a closer look at how these processes actually work. Let’s start by understanding how this process actually occurs when we ingest nutrients, which are, so to speak, in a dormant, dead state within our digestive system, and are then revitalized by the lymph glands and transported via the lymph into the blood, which is renewed through respiration. The blood—or rather, the life force of the blood, the breath—then rises through the spinal cord into the brain, where it connects with what constitutes brain activity.

[ 5 ] Sie brauchen nur zu betrachten, wie das Kind in einer anderen Weise sich ernährt als der erwachsene Mensch, dann werden Sie daraus schon für die ganze Erkenntnis des Menschen sehr viel entnehmen können. Das Kind muß, wie Sie wissen, in der allerersten Lebenszeit viel Milch trinken. Zunächst nährt es sich ja ausschließlich von Milch. Was heißt das eigentlich, daß sich das Kind ausschließlich von Milch ernährt? Das können wir uns vorstellen, wenn wir uns klarmachen, woraus die Milch eigentlich besteht.

[ 5 ] You need only observe how a child feeds itself differently from an adult, and you will be able to glean a great deal from this for your overall understanding of human beings. As you know, a child must drink a lot of milk in the very earliest stages of life. At first, the child feeds exclusively on milk. What does it actually mean for a child to feed exclusively on milk? We can understand this if we consider what milk is actually made of.

[ 6 ] Die Milch besteht — das bedenkt man gewöhnlich nicht — zu 87 Prozent aus Wasser. Also wenn wir als Kinder Milch trinken, so trinken wir eigentlich damit 87 Prozent Wasser, und nur die letzten 13 Prozent sind etwas anderes. Von diesen letzten 13 Prozent sind nur 4!/a Prozent Eiweiß; 4 Prozent sind Fett in der Milch, und dann sind noch einige restierende andere Stoffe, Salze und so weiter. Aber im wesentlichen ist das dasjenige, was das Kind aufnimmt mit der Milch. Es nimmt also in der Hauptsache eigentlich Wasser auf.

[ 6 ] Milk consists—and this is something people don’t usually consider—of 87 percent water. So when we drink milk as children, we’re actually drinking 87 percent water, and only the remaining 13 percent is something else. Of that remaining 13 percent, only 4!/a percent is protein; 4 percent is milk fat, and then there are a few other residual substances, salts, and so on. But essentially, that is what the child consumes with the milk. So, for the most part, the child is actually consuming water.

[ 7 ] Nun habe ich Ihnen ja gesagt, daß der Mensch überhaupt in der Hauptsache aus Flüssigkeit besteht. Das Kind muß diese Flüssigkeit immer vermehren. Es muß ja wachsen und hat daher sehr viel Wasser nötig, nimmt dieses Wasser mit der Milch auf.

[ 7 ] Now, as I’ve told you, the human body consists mainly of fluid. A child must constantly replenish this fluid. After all, it needs to grow and therefore requires a great deal of water, which it obtains from milk.

[ 8 ] Sie können nun sagen: Dann wäre es also ebenso, wenn wir dem Kinde nur diese 13 Prozent Nahrung beibrächten und ihm im übrigen Wasser zu trinken geben würden. — Ja, sehen Sie, darauf ist aber der menschliche Körper nicht eingerichtet. Dasjenige, was wir mit der Milch bekommen, sind ja nicht 13 gewöhnliche Prozente von Eiweiß und Fett und so weiter, sondern das alles, Eiweiß und Fett, das ist in der Milch aufgelöst, im Wasser aufgelöst, wenn es Milch ist. Es ist also schon so, daß, wenn das Kind die Milch trinkt, es die Stoffe, die es braucht, im aufgelösten Zustande bekommt. Und das ist etwas anderes, als wenn der Körper erst diejenigen Arbeiten verrichten müßte, die im Auflösen geschehen.

[ 8 ] You might say: “So it would be the same if we gave the child only this 13 percent of nutrients and gave it water to drink for the rest.” — Yes, but you see, the human body isn’t designed for that. What we get from milk isn’t just 13 percent of ordinary protein and fat and so on; rather, all of that—protein and fat—is dissolved in the milk, dissolved in the water, if it’s milk. So it’s true that when the child drinks the milk, it receives the nutrients it needs in a dissolved state. And that’s different from if the body first had to perform the processes involved in dissolving them.

[ 9 ] Wenn Sie sich erinnern, was ich bis jetzt schon über die Ernährung gesagt habe, dann werden Sie sagen: Die Nahrungsstoffe, die wir mit dem Munde aufnehmen, müssen wir ja auch erst auflösen. Wir haben eigentlich von der Natur nur die Erlaubnis, feste Nahrungsstoffe in den Mund zu bekommen; dann lösen wir sie auf durch unsere eigene Flüssigkeit. Der weitere Körper, Magen, Gedärme und so weiter können überhaupt erst das Aufgelöste brauchen. DasKind muß sich ja erst diese Fähigkeit erringen, aufzulösen; die muß es erst bekommen. Es kann also nicht vom Anfange an das schon selber besorgen. Es wird ihm also vorher aufgelöst. Das können Sie am besten daraus entnehmen, daß das Kind, wenn es zu sehr mit irgendeiner künstlichen Nahrung, die zusammengesetzt ist, genährt wird, dennoch verkümmert.

[ 9 ] If you recall what I’ve said so far about nutrition, you’ll say: We first have to break down the food we take in through our mouths. Nature actually only allows us to put solid food into our mouths; we then break it down using our own bodily fluids. The rest of the body—the stomach, intestines, and so on—can only utilize what has been broken down. A child must first acquire this ability to break down food; it must first be given this capacity. So the child cannot manage this on its own from the very beginning. Therefore, the food is broken down for the child beforehand. You can best see this from the fact that if a child is fed too much of any kind of artificial, processed food, it will still become stunted.

[ 10 ] Nun könnten Sie sagen: Wenn ich also vielleicht doch in der Lage wäre, künstliche Milch zu erzeugen, wenn ich also die 13 Prozent, die da im Wasser drinnen sind an Eiweiß, Fett und so weiter, so zusammensetzen könnte mit dem Wasser, daß das also äußerlich so ähnlich der Milch wäre, wäre das eine Milch, die dann für das Kind ebensogut wäre wie die Milch, die es gewöhnlich bekommt? — Ja, sehen Sie, meine Herren, das ist eben nicht der Fall. Das Kind würde verkümmern, wenn es solche künstliche Milch bekommen würde. Und da die Menschen nur nach den Bedürfnissen produzieren können, so wird man auch auf das Produzieren solcher Milch verzichten müssen. Es würde ein dieMenschheit verderbendes Mittel sein.

[ 10 ] Now you might say: So if I were perhaps able to produce artificial milk—if I could combine the 13 percent of protein, fat, and so on that’s in the water with the water itself in such a way that it would look and feel similar to milk—would that be milk that would be just as good for the child as the milk it usually gets? — Yes, you see, gentlemen, that is precisely not the case. The child would wither away if it were given such artificial milk. And since people can only produce according to need, we will also have to refrain from producing such milk. It would be a substance that would corrupt humanity.

[ 11 ] Denn wer kann nur dasjenige besorgen als Auflösung, was da das Kind nötig hat? Sehen Sie, das kann wiederum nur das Leben selber. Notdürftig könnten es ja die Tiere, aber nicht einmal alle Tiere. Aber für die allererste Zeit, wo das Kind darauf angewiesen ist — weil es noch nicht selber richtig auflösen kann —, diese Nahrungsstoffe, Eiweiß und Fett, schon in richtiger Weise aufgelöst zu bekommen, kann das Kind eigentlich nur richtig genährt werden mit der Menschenmilch selber.

[ 11 ] For who can provide, as a solution, exactly what the child needs? You see, that, in turn, can only be done by life itself. Animals could do so to a limited extent, but not even all animals. However, during that very early period when the child is dependent on it—because it cannot yet properly break down these nutrients, protein, and fat on its own—the child can truly be properly nourished only with human milk itself.

[ 12 ] Und von anderer Milch ist ja Eselsmilch der Menschenmilch am ähnlichsten, und man kann daher, wenn irgendwie nicht die Möglichkeit vorhanden ist, das Kind durch Selbststillen oder Stillen überhaupt zu ernähren, das Kind am weitesten noch mit Eselsmilch bringen. Das ist zwar sehr komisch, aber tatsächlich ist die Eselsmilch der Menschenmilch am allerähnlichsten, so daß also, wenn nicht die richtige Menschenstillung besorgt werden kann, ja die Stillung zur Not auch dadurch besorgt werden könnte, daß man sich einen Eselsstall und eine Eselsstute hält und auf diese Weise das Kind mit Milch versorgt. Das ist aber natürlich nur etwas, was ich als Hypothese sage, damit Sie sehen, wie die Dinge in der Natur zusammenhängen.

[ 12 ] And of all other types of milk, donkey’s milk is the most similar to human milk; therefore, if it is not possible for any reason to feed the child through direct breastfeeding or any other form of breastfeeding, donkey’s milk is the best alternative available. This may sound very strange, but donkey’s milk is in fact the most similar to human milk, so that if proper breastfeeding cannot be provided, feeding could—in a pinch—be accomplished by keeping a donkey stable and a female donkey and supplying the child with milk in this way. Of course, this is merely a hypothesis I am presenting to help you see how things are interconnected in nature.

[ 13 ] Wenn Sie jetzt zum Beispiel die Milch vergleichen, sagen wir mit dem Hühnerei als Nahrungsmittel, so bekommen Sie das heraus, daß das Hühnerei ungefähr 14 Prozent an Eiweiß enthält, also weitaus viel mehr, eigentlich das Vierfache von dem, was die Milch enthält. Wenn man also anfängt, dem Kinde solche Nahrung zu geben, die mehr Eiweiß enthält, dann muß das Kind schon diese Kraft des Auflösens in sich bekommen haben. Es muß schon selber auflösen können.

[ 13 ] If, for example, you compare milk—let’s say—with a chicken egg as a food source, you’ll find that a chicken egg contains about 14 percent protein—that is, far more, actually four times as much as milk contains. So when you start giving a child food that contains more protein, the child must already have developed this ability to break things down within itself. It must already be able to break things down on its own.

[ 14 ] Sie sehen daraus, wie notwendig es ist, daß das Kind flüssige Nahrung bekommt. Aber was für eine flüssige Nahrung? Eine flüssige Nahrung, die schon durch das Leben gegangen ist, und, da das Kind ja angelegt wird unmittelbar an die Mutterbrust, womöglich noch lebt.

[ 14 ] You can see from this how essential it is for the child to receive liquid nourishment. But what kind of liquid nourishment? A liquid nourishment that has already passed through life, and—since the child is placed directly at the mother’s breast—may even still be alive.

[ 15 ] Beim Kinde ist das ganz deutlich zu bemerken, daß, wenn es nun die Milch trinkt und die Milch durch Mund und Speiseröhre bis in den Magen geht — da wird sie erst im menschlichen Körper abgetötet —, daß sie dann wiederum belebt werden kann in den Gedärmen. So daß wir da am Kinde unmittelbar sehen, daß das Leben erst abgetötet werden muß. Und weil das Leben noch wenig verändert ist, hat das Kind zum Wiederbeleben weniger Kraft notwendig, wenn es Milch trinkt, als wenn es etwas anderes genießt. Sie sehen also, wie nahe der Mensch dem Leben steht.

[ 15 ] In the case of a child, it is quite evident that when the child drinks milk and the milk passes through the mouth and esophagus into the stomach—where it is first killed off in the human body—it can then be revived in the intestines. So we can see directly in the child that life must first be killed off. And because life has not yet been significantly altered, the child needs less energy to revive it when drinking milk than when consuming something else. So you see how close human beings are to life.

[ 16 ] Aber daraus sehen Sie noch etwas anderes. Wenn man jetzt wirklich richtig denkt, worauf kommt man denn da eigentlich? Fangen Sie an, jetzt gerade an diesem Punkte ganz richtig zu denken. Sehen Sie, wenn wir uns sagen: Das Kind muß also belebte Nahrung aufnehmen, die es selber ertöten und wiederbeleben kann, und wir sagen dann: der Mensch besteht zum größten Teil aus Flüssigkeit —, dürfen wir da sagen, der Mensch besteht aus Wasser, aus dem Wasser, das wir draußen in der Natur, in der leblosen Natur finden? — Dann müßte ja dieses Wasser, das wir in der leblosen Natur finden, im Kinde gerade so arbeiten können, wie es im Erwachsenen arbeitet, der schon mehr Lebenskräfte sich gesammelt hat!

[ 16 ] But you can see something else from this as well. If you really think it through properly, what conclusion do you actually reach? Start thinking about this point very carefully right now. You see, when we say to ourselves: “The child must therefore consume living food that it can kill and revive itself,” and we then say: “The human being consists largely of fluid”—can we then say that the human being consists of water, of the water we find out there in nature, in inanimate nature? — Then this water that we find in inanimate nature would have to be able to work in the child exactly as it works in the adult, who has already accumulated more life forces!

[ 17 ] Daraus aber sehen Sie, daß das, was wir als unsere fast 90 Prozent Wasser in uns tragen, nicht gewöhnliches, lebloses Wasser ist, sondern daß das belebtes Wasser ist. Also es ist etwas anderes, was der Mensch als Wasser in sich trägt: Er trägt belebtes Wasser in sich. Und dieses belebte Wasser, das ist also Wasser, wie wir es haben draußen in derleblosen Natur, durchdrungen mit dem, was die ganze Welt durchsetzt als Leben, sich nur im leblosen Wasser ebensowenig geltend macht, wie sich das menschliche Denken im toten Leichnam geltend macht. Wenn Sie also sagen: Wasser — da hier habe ich Wasser im Bach und Wasser habe ich im menschlichen Körper, so können Sie sich das verständlich machen, geradeso wie wenn Sie sagen: Da habe ich einen Leichnam und da habe ich einen lebenden Menschen; das Wasser im Bach ist der Leichnam desjenigen Wassers, das im menschlichen Körper ist.

[ 17 ] But from this you can see that what we carry within us—nearly 90 percent water—is not ordinary, lifeless water, but rather living water. So what humans carry within them as water is something else: they carry vitalized water within them. And this vitalized water is, in fact, water as we find it out there in lifeless nature—permeated by that which permeates the entire world as life, yet makes itself felt just as little in lifeless water as human thought does in a dead corpse. So when you say, “Water—here I have water in the stream, and I have water in the human body,” you can understand this just as you would if you said, “Here I have a corpse, and here I have a living human being”; the water in the stream is the corpse of the water that is in the human body.

[ 18 ] Deshalb sagen wir: Der Mensch hat nicht nur dieses Tote in sich, dieses Physische, sondern er hat auch einen Lebenskörper, einen Lebensleib in sich. Das ist dasjenige, was ein richtiges Denken wirklich gibt: Der Mensch hat diesen Lebensleib in sich. Und wie das nun weiterwirkt im Menschen, das können wir uns klarmachen, wenn wir den Menschen wirklich im Zusammenhang mit der Natur beobachten. Da aber müssen wir uns eigentlich das vor Augen stellen, daß wir zuerst hinausschauen in die Natur, und dann hineinschauen in den Menschen. Wenn wir in die Natur hinausschauen, dann finden wir ungefähr überall die Bestandstücke, die Teile, aus denen der Mensch besteht, nur daß der Mensch diese Teile von der Natur in seiner Art verarbeitet.

[ 18 ] That is why we say: Human beings do not only have this lifeless, physical aspect within them, but they also have a life body, a living body within them. This is what true thinking actually reveals: Human beings have this life body within them. And we can understand how this continues to work within the human being if we truly observe the human being in connection with nature. But in doing so, we must actually keep in mind that we first look out into nature, and then look inward at the human being. When we look out into nature, we find almost everywhere the elements—the parts—of which human beings are composed, except that human beings process these parts from nature in their own way.

[ 19 ] Gehen wir also, um das zu verstehen, zu den allerkleinsten Tieren. Sie werden dabei schon, während ich rede, bemerken, wie ich beim Menschen schon ähnlich von demjenigen, was in ihm ist, geredet habe, wie ich jetzt von den kleinsten und von den niedrigsten Lebewesen draußen in der Natur reden muß. Sehen Sie, da gibt es im Wasser, im Meerwasser ganz kleine tierische Wesen. Diese kleinen tierischen Wesen, die sind eigentlich nur kleine Schleimklümpchen, meistens so klein, daß man sie überhaupt nur durch ein starkes Vergrößerungsglas sehen kann. Ich zeichne sie jetzt natürlich vergrößert (siehe Zeichnung, links). Diese kleinen Schleimklümpchen, die schwimmen also im umgebenden Wasser, in der Flüssigkeit.

[ 19 ] So, to understand this, let’s turn to the tiniest of animals. As I speak, you will already notice how I have spoken in a similar way about what is within human beings, just as I must now speak of the smallest and lowest forms of life out in nature. You see, there are very small animal creatures in the water, in seawater. These small animal creatures are actually just tiny lumps of slime, usually so small that they can only be seen through a powerful magnifying glass. Of course, I’m drawing them enlarged here (see drawing, left). These little clumps of slime float in the surrounding water, in the liquid.

Figure 1
Figur 1
Figure 1
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[ 20 ] Wenn nun nichts weiter da wäre als so ein Schleimklümpchen und ringsherum das Wasser, so würde dieses Schleimklümpchen in Ruhe bleiben. Aber wenn, sagen wir, irgendein kleines Körnchen von irgendeinem Stoff heranschwimmt, zum Beispiel solch ein kleines (siehe Zeichnung, rechts) heranschwimmt, dann breitet dieses Tierchen, ohne daß irgend etwas anderes da ist, seinen Schleim so weit aus, daß jetzt dieses Körnchen in seinem Schleim drinnen ist. Und natürlich muß es diesen Schleim dadurch ausbreiten, daß es da sich wegzieht. Dadurch bewegt sich dieses Klümpchen. Dadurch also, daß dieses kleine Lebewesen, dieser kleine Lebensschleim mit seinem eigenen Schleim ein Körnchen umgibt, dadurch haben wir es zugleich bewegt. Aber das andere Körnchen da, das wird jetzt aufgelöst da drinnen. Es löst sich auf, und das Tierchen hat dieses Körnchen gefressen.

[ 20 ] If there were nothing else there but a little lump of slime surrounded by water, this lump of slime would remain at rest. But if, say, some small grain of some substance swims by—for example, one like this (see drawing, right)—then this little creature, with nothing else present, spreads its mucus far enough so that this grain is now enclosed within it. And of course, it must spread this mucus by pulling itself away. This causes the little clump to move. So, by this tiny creature—this little slime organism—enveloping a grain with its own slime, we have simultaneously set it in motion. But the other grain over there is now being dissolved inside. It dissolves, and the little creature has eaten that grain.

[ 21 ] Nun kann aber ein solches Tierchen auch mehrere solcher Körnchen fressen. Denken Sie, da wäre dieses Tierchen, da ein Körnchen, da auch ein Körnchen, da und da auch ein Körnchen (siehe Zeichnung), dann streckt das Tierchen hierher seine Fühler, daher, daher und daher aus, und wo es sie am meisten ausgestreckt hat, wo das Körnchen also am größten war, da zieht es sich dann nach und zieht die anderen mit. So daß also dieses Tierchen sich auf diese Weise bewegt, daß es sich zugleich ernährt.

[ 21 ] But such a little creature can eat several of these grains. Imagine this little creature is here, a grain there, another grain there, and a grain here and there (see drawing); then the creature extends its feelers this way, that way, and that way, and wherever it has extended them the most—where the grain was largest—it pulls itself toward it and drags the others along. So this little creature moves in such a way that it feeds itself at the same time.

Figure 2
Figur 2
Figure 2
Figure 2

[ 22 ] Nun, meine Herren, wenn ich Ihnen das beschreibe, wie so diese kleinen Schleimklümpchen da im Meere herumschwimmen und sich zugleich ernähren, dann erinnern Sie sich, wie ich Ihnen die sogenannten weißen Blutkörperchen beschrieben habe im Menschen. Die sind im Menschen drinnen zunächst ganz dasselbe. Im menschlichen Blut schwimmen auch solche kleinen Tiere herum und ernähren sich und bewegen sich auf diese Weise. Wir kommen dadurch zu einem Verständnis, was da eigentlich im Menschenblut herumschwimmt, indem wir uns anschauen, was da draußen im Meere an solchen kleinen Tierchen herumschwimmt. Das tragen wir also in uns.

[ 22 ] Well, gentlemen, when I describe to you how these little slimy lumps swim around in the sea and feed at the same time, you’ll recall how I described the so-called white blood cells in humans. In humans, they are essentially the same at first. In human blood, too, such tiny creatures swim around, feeding and moving in this way. By observing these tiny creatures swimming around out there in the sea, we gain an understanding of what is actually swimming around in human blood. So we carry that within us.

[ 23 ] Und jetzt, nachdem wir uns erinnert haben, wie wir eigentlich in gewissem Sinne solche Lebewesen, die draußen in der Natur ausgebreitet sind, in unserem Blute herumschwimmend haben, die also da drinnen allseitig leben, wollen wir uns einmal klarmachen, wie unser Nervensystem, namentlich unser Gehirn beschaffen ist. Unser Gehirn, das besteht auch aus kleinsten Teilen. Wenn ich Ihnen diese kleinsten Teile aufzeichne, so sind sie so, daß sie auch eine Art von klumpigem, dickem Schleim darstellen. Von diesem Schleim gehen solche Strahlen aus (siehe Zeichnung), die aus demselben Stoff wie der Schleim bestehen. Sehen Sie, da ist solch eine Zelle, wie man sie nennt, aus dem Gehirn. Die hat eine Nachbarzelle. Die streckt hier ihre Füßchen oder Ärmchen aus, und die berührt sich da mit den anderen. Da ist eine dritte solche Zelle; die streckt hier ihre Füßchen aus, berührt sich da. Sie können sehr lang werden. Manche gehen fast durch den halben Körper. Die grenzt wieder an eine Zelle an. Wenn wir unser Gehirn durch das Mikroskop anschauen, so wirkt es durchaus so, daß es aus solchen Pünktchen besteht, wo die Schleimmasse stärker angehäuft ist. Und dann gehen hier dicke Baumäste aus; die gehen immer wieder ineinander hinein. Wenn Sie sich vorstellen würden einen dichten Wald mit dicken Baumkronen, die weitausladende Äste hätten, die sich gegenseitig berühren würden, so hätten Sie eine Vorstellung, wie das Gehirn unter dem Mikroskop, unter dem Vergrößerungsglas ausschaut.

[ 23 ] And now that we have recalled how, in a certain sense, we actually have such living beings—which are widespread out in nature—swimming around in our blood, and which thus live all around us inside our bodies, let us take a moment to understand the nature of our nervous system, specifically our brain. Our brain, too, consists of the tiniest parts. If I were to draw these tiniest parts for you, they would look like a kind of lumpy, thick mucus. Rays extend from this mucus (see drawing), which are made of the same substance as the mucus itself. Look, here is one such cell—as they’re called—from the brain. It has a neighboring cell. This one extends its little feet or arms here, and they touch the others there. There’s a third such cell; it extends its little feet here and touches them there. They can grow very long. Some extend almost halfway across the body. That one, in turn, is adjacent to another cell. When we look at our brain through a microscope, it certainly appears to consist of such little dots where the mucus mass is more densely concentrated. And then thick branches extend from here; they constantly intertwine with one another. If you were to imagine a dense forest with thick tree canopies that have wide-spreading branches touching one another, you would have an idea of what the brain looks like under a microscope or a magnifying glass.

Figure 3
Figur 3
Figure 3
Figure 3

[ 24 ] Aber, meine Herren, Sie können jetzt sagen: Nun hat er uns also beschrieben diese weißen Blutkörperchen, die im Blute leben. Und das, was als das Gehirn beschrieben ist, das ist doch ganz ähnlich; da siedeln sich lauter solche Körperchen an, wie sie im Blut sind. — Wenn ich nämlich das machen würde, daß ich einem Menschen, ohne daß ich ihn dabei töten würde, alle weißen Blutkörperchen wegnehmen könnte und die nun so hübsch, nachdem ich ihm zuerst das Gehirn herausgenommen habe, in die Schädeldecke hineintun könnte, dann hätte ich ihm aus seinen weißen Blutkörperchen ein Gehirn gemacht.

[ 24 ] But, gentlemen, you might now say: So he has described to us these white blood cells that live in the blood. And what is described as the brain is quite similar; it is populated by all sorts of such little cells, just like those found in the blood. — For if I were to remove all the white blood cells from a person—without killing him in the process—and then, after first removing his brain, were to place them neatly into the top of his skull, I would have made a brain out of his white blood cells.

[ 25 ] Aber das Merkwürdige ist, daß, bevor wir ihm aus den weißen Blutkörperchen ein Gehirn machen würden, diese weißen Blutkörperchen halb sterben müßten. Das ist der Unterschied zwischen den weißen Blutkörperchen und den Gehirnzellen. Die weißen Blutkörperchen sind voller Leben. Die bewegen sich immer umeinander im menschlichen Blut. Ich habe Ihnen gesagt, sie wallen wie das Blut durch die Adern durch. Da gehen sie heraus. Da werden sie dann, wie ich es ausgeführt habe, zu Feinschmeckern und gehen bis an die Körperoberfläche. Überall kriechen sie herum im Körper.

[ 25 ] But the strange thing is that, before we could turn his white blood cells into a brain, those white blood cells would have to die off partially. That is the difference between white blood cells and brain cells. White blood cells are full of life. They’re always moving around each other in human blood. I’ve told you, they surge through the veins just like the blood. Then they exit there. Then, as I’ve explained, they become connoisseurs and make their way to the body’s surface. They crawl all over the body.

[ 26 ] Wenn Sie aber das Gehirn anschauen, da bleiben diese Zellen, diese Körperchen an ihrem Ort. Die sind in Ruhe. Die strecken nur ihre Äste aus und berühren immer das nächste. Also dasjenige, was da im Körper ist an weißen Blutkörperchen und in voller Bewegung ist, das kommt im Gehirn zur Ruhe und ist in der Tat halb abgestorben.

[ 26 ] But when you look at the brain, these cells—these little bodies—stay in place. They are at rest. They simply extend their branches and always touch the next one. So what is present in the body in the form of white blood cells and is in full motion comes to rest in the brain and is, in fact, half-dead.

[ 27 ] Denn denken Sie sich dieses herumkriechende Tierchen im Meer, das frißt einmal zuviel. Wenn es zuviel frißt, dann geschieht die Geschichte so: Dann streckt es seinen Arm aus, seinen Ast, nimmt da auf und da, und hat zuviel gefressen. Das kann es nicht vertragen; jetzt teilt es sich in zwei, geht auseinander, und wir haben statt eins zwei. Es hat sich vermehrt. Diese Fähigkeit, sich zu vermehren, haben auch unsere weißen Blutkörperchen. Es sterben immer welche ab und andere entstehen durch Vermehrung.

[ 27 ] Just imagine this little creature crawling around in the sea—it eats one bite too many. When it eats too much, this is what happens: It stretches out its arm, its “branch,” takes a bite here and there, and has eaten too much. It can’t handle that; now it splits in two, goes its separate ways, and instead of one, we have two. It has multiplied. Our white blood cells also have this ability to multiply. Some are always dying off, and others are created through multiplication.

[ 28 ] Auf diese Weise können sich die Gehirnzellen, die ich Ihnen da aufgezeichnet habe, nicht vermehren — unsere weißen Blutkörperchen in uns sind volles, selbständiges Leben —, die Gehirnzellen, die so ineinandergehen, können sich so nicht vermehren; aus einer Gehirnzelle werden niemals zwei Gehirnzellen. Wenn der Mensch ein größeres Gehirn kriegt, wenn das Gehirn wächst, müssen immer Zellen aus dem übrigen Körper in das Gehirn hineinwandern. Die Zellen müssen hineinwachsen. Nicht, daß im Gehirn das jemals vor sich gehen würde, daß die Gehirnzellen sich vermehren würden; die sammeln sich nur an. Und während unseres Wachstums müssen immer aus dem übrigen Körper neue Zellen hinein, damit wir, wenn wir erwachsen sind, ein genügend großes Gehirn haben.

[ 28 ] In this way, the brain cells I’ve shown you here cannot multiply—our white blood cells are fully independent living organisms—the brain cells that merge in this way cannot multiply; one brain cell will never become two brain cells. When a person develops a larger brain—when the brain grows—cells must always migrate from the rest of the body into the brain. The cells must grow into it. It’s not that brain cells ever multiply within the brain; they merely accumulate. And as we grow, new cells must constantly flow in from the rest of the body so that, when we reach adulthood, we have a brain that is large enough.

[ 29 ] Auch daraus, daß diese Gehirnzellen sich nicht vermehren können, sehen Sie, daß sie halb tot sind. Sie sind immer im Sterben, diese Gehirnzellen, immer, immer im Sterben. Wenn wir das wirklich richtig betrachten, so haben wir im Menschen einen wunderbaren Gegensatz: In seinem Blut trägt er Zellen voller Lebendigkeit in den weißen Blutkörperchen, die immerfort leben wollen, und in seinem Gehirn trägt er Zellen, die eigentlich immerfort sterben wollen, die immer auf dem Weg des Sterbens sind. Das ist auch wahr: der Mensch ist durch sein Gehirn immer auf dem Wege des Sterbens, das Gehirn ist eigentlich immer in Gefahr, zu sterben.

[ 29 ] You can also see from the fact that these brain cells cannot reproduce that they are half-dead. These brain cells are always dying—always, always dying. If we really look at this closely, we see a wonderful contrast within the human being: In his blood, he carries cells full of vitality in the white blood cells, which constantly strive to live, and in his brain, he carries cells that actually constantly strive to die, that are always on the path to death. This is also true: through his brain, a human being is always on the path to death; the brain is actually always in danger of dying.

[ 30 ] Nun, meine Herren, Sie werden schon gehört haben, oder vielleicht selber erlebt haben — es ist einem das immer unangenehm, wenn man es selber erlebt —, daß Menschen auch ohnmächtig werden können. Wenn Menschen ohnmächtig werden, so kommen sie in einen solchen Zustand, wie wenn sie fallen würden. Sie verlieren das Bewußtsein.

[ 30 ] Well, gentlemen, you have probably heard—or perhaps even experienced it yourselves (it’s always unpleasant when you experience it yourself)—that people can also faint. When people faint, they enter a state similar to that of falling. They lose consciousness.

[ 31 ] Was ist denn da eigentlich im Menschen geschehen, wenn er auf diese Weise das Bewußtsein verliert? Sie werden auch wissen, daß zum Beispiel Menschen, die recht bleich sind, wie zum Beispiel solche Mädchen, die bleichsüchtig sind, am leichtesten ohnmächtig werden. Warum? Ja, sehen Sie, sie werden aus dem Grunde ohnmächtig, weil sieim Verhältnis zu den roten Blutkörperchen zuviel weiße haben. Der Mensch muß ein ganz genaues Verhältnis, wie ich es Ihnen auch angegeben habe, zwischen weißen Blutkörperchen und roten Blutkörperchen haben, damit er in der richtigen Weise bewußt sein kann. Also, was bedeutet denn das, daß wir bewußtlos werden? Zum Beispiel in der Ohnmacht, aber auch im Schlafe werden wir bewußtlos. Das bedeutet, daß die Tätigkeit der weißen Blutkörperchen eine viel zu regsame ist, viel zu stark ist. Wenn die weißen Blutkörperchen zu stark tätig sind, wenn also der Mensch zuviel Leben in sich hat, dann verliert er das Bewußtsein. Also ist es sehr gut, daß der Mensch in seinem Kopfe Zellen hat, die fortwährend sterben wollen; denn wenn die auch noch leben würden, diese weißen Blutkörperchen im Gehirn, dann würden wir überhaupt kein Bewußtsein haben können, dann wären wir immer schlafende Wesen. Immer würden wir schlafen.

[ 31 ] What actually happens inside a person when they lose consciousness in this way? You probably also know that, for example, people who are quite pale—such as girls who are anemic—are the most likely to faint. Why? Well, you see, they faint because they have too many white blood cells in relation to their red blood cells. A person must have a very precise ratio—as I have already explained to you—between white blood cells and red blood cells in order to be fully conscious. So, what does it mean when we lose consciousness? For example, when we faint, but also when we sleep, we lose consciousness. This means that the activity of the white blood cells is far too vigorous, far too strong. When the white blood cells are too active—that is, when a person has too much life within them—they lose consciousness. So it is very good that a person has cells in their brain that are constantly dying; for if those white blood cells in the brain were still alive, we would not be able to have any consciousness at all—we would always be sleeping beings. We would always be asleep.

[ 32 ] Und so können Sie fragen: Warum schlafen denn die Pflanzen immerfort? — Die Pflanzen schlafen immerfort einfach aus dem Grunde, weil sie nicht solche lebendige Wesen haben, weil sie also eigentlich überhaupt kein Blut haben, weil sie dieses Leben, das in unserem Inneren da als selbständiges Leben ist, nicht haben.

[ 32 ] And so you might ask: Why do plants sleep all the time? — Plants sleep all the time simply because they do not possess such living beings, because they actually have no blood at all, because they lack this life that exists within us as an independent life.

[ 33 ] Wenn wir unser Gehirn mit etwas in der Natur draußen vergleichen wollen, so müssen wir unser Gehirn wiederum nur mit den Pflanzen vergleichen. Das Gehirn, das untergräbt im Grunde genommen fortwährend unser eigenes Leben, und dadurch schafft es gerade Bewußtsein. Also kriegen wir einen ganz widersprechenden Begriff für das Gehirn. Es ist ja widersprechend: Die Pflanze kriegt kein Bewußtsein, der Mensch kriegt Bewußtsein. Das ist etwas, was wir noch erst durch lange Überlegungen erklären müssen, und wir wollen uns jetzt auf den Weg begeben, das erklären zu können.

[ 33 ] If we want to compare our brain to something in the natural world, we must, in turn, compare it only to plants. The brain, in essence, is constantly undermining our own life, and in doing so, it is precisely what creates consciousness. So we end up with a completely contradictory concept of the brain. It is indeed contradictory: plants do not possess consciousness, whereas humans do. This is something we must first explain through lengthy reflection, and we now want to set out on the path to being able to explain it.

[ 34 ] Wir werden ja jede Nacht bewußtlos, wenn wir schlafen. Da muß also in unserem Körper etwas vor sich gehen, was wir jetzt verstehen lernen müssen. Was geht denn dann da in unserem Körper vor sich? Ja, sehen Sie, meine Herren, wenn alles in unserem Körper geradeso wäre beim Schlafen wie beim Wachen, so würden wir eben nicht schlafen. Beim Schlafen, da fangen unsere Gehirnzellen ein bißchen mehr zu leben an, als sie beim Wachen leben. Sie werden also ähnlicher denjenigen Zellen, welche eigenes Leben in uns haben. So daß Sie sich vorstellen können: Wenn wir wachen, da sind diese Gehirnzellen ganz ruhig; wenn wir aber schlafen, da können diese Gehirnzellen zwar nicht sehr stark von ihrem Orte weg, weil sie schon lokalisiert sind, weil sie von außen festgehalten werden; sie können nicht gut sich herumbewegen, nicht gut herumschwimmen, weil sie gleich an etwas anderes anstoßen würden, aber sie bekommen gewissermaßen den Willen, sich zu bewegen. Das Gehirn wird innerlich unruhig. Dadurch kommen wir in den bewußtlosen Zustand, daß das Gehirn innerlich unruhig wird.

[ 34 ] We lose consciousness every night when we sleep. So something must be happening inside our bodies that we now need to learn to understand. What, then, is going on inside our bodies? Well, you see, gentlemen, if everything in our bodies were exactly the same while we sleep as when we’re awake, we simply wouldn’t be sleeping. When we sleep, our brain cells begin to be a little more active than they are when we’re awake. They thus become more like those cells that have a life of their own within us. So you can imagine: When we’re awake, these brain cells are completely still; but when we sleep, although these brain cells can’t move very far from their place—because they’re already localized, because they’re held in place from the outside—they can’t move around very well, can’t swim around very well, because they’d immediately bump into something else—yet they acquire, so to speak, the will to move. The brain becomes internally restless. This is what brings us into the unconscious state—the brain becoming internally restless.

[ 35 ] Jetzt müssen wir sagen: Woher kommt denn eigentlich im Menschen dieses Denken? Das heißt, woher kommt es denn, daß wir die Kräfte aus dem ganzen weiten Weltenall in uns aufnehmen können? Mit unseren Ernährungsorganen können wir nur die Erdenkräfte aufnehmen mit den Stoffen. Mit unseren Atmungsorganen können wir nur die Luft aufnehmen, nämlich mit dem Sauerstoff. Daß wir die ganzen Kräfte aus der weiten Welt aufnehmen können mit unserem Kopf, dazu ist notwendig, daß es da drinnen recht ruhig wird, daß also das Gehirn sich vollständig beruhigt. Wenn wir aber schlafen, fängt das Gehirn an, regsam zu werden; dann nehmen wir weniger diese Kräfte auf, die da draußen im weiten Weltenall sind, und da werden wir bewußtlos.

[ 35 ] Now we must ask: Where does this thinking actually come from within human beings? In other words, how is it that we are able to absorb the forces from the entire vast universe into ourselves? With our digestive organs, we can only absorb the forces of the earth along with the substances. With our respiratory organs, we can only take in air—namely, oxygen. In order for us to be able to absorb all the forces from the vast world with our head, it is necessary for it to become quite still inside—that is, for the brain to calm down completely. But when we sleep, the brain begins to become active; then we absorb fewer of these forces that exist out there in the vast universe, and we lose consciousness.

[ 36 ] Aber jetzt ist ja die Geschichte so: Denken Sie einmal,an zwei Orten wird eine Arbeit verrichtet; hier, sagen wir, wird eine Arbeit verrichtet von fünf Arbeitern, und da von zwei Arbeitern. Die werden dann zusammengegeben, diese Arbeiten, und jede Partie macht weiter einen Teil der Arbeit. Nehmen wir aber an, es wird einmal notwendig, daß man da ein bißchen die Arbeit einstellt, weil zuviel Teile von der einen Sorte und dort zuwenig von der anderen fabriziert worden sind. Was werden wir dann tun? Da werden wir von den fünf Arbeitern einen bitten, daß er hinübergeht zu den zwei Arbeitern. Nun haben wir dort drei Arbeiter und von den fünfen werden es hier vier. Wir verlegen die Arbeit von der einen Seite nach der anderen, wenn wir nichts vermehren wollen. Der Mensch hat nur eine ganz bestimmte Menge von Kräften. Die muß er verteilen. Wenn also im Schlaf in der Nacht das Gehirn regsamer wird, mehr arbeitet, so muß das nämlich aus dem anderen Körper herausgeholt werden; diese Arbeit muß da herausgeholt werden. Nun, wo wird denn die hergenommen? Ja, sehen Sie, die wird eben dann von einem Teil der weißen Blutkörperchen hergenommen. Ein Teil der weißen Blutkörperchen fängt an, in der Nacht weniger zu leben als am Tage. Das Gehirn lebt mehr. Ein Teil der weißen Blutkörperchen lebt weniger. Das ist der Ausgleich.

[ 36 ] But here’s the situation: Imagine that work is being done in two places; here, let’s say, five workers are doing the work, and there, two workers. These tasks are then combined, and each group continues to do a portion of the work. But let’s suppose it becomes necessary to temporarily halt work there a bit, because too many parts of one type have been produced here and too few of the other type there. What will we do then? We’ll ask one of the five workers to go over to join the two workers. Now we have three workers there, and of the five, there are four here. We shift the work from one side to the other when we don’t want to increase the workload. A person has only a very specific amount of energy. They must distribute it. So when the brain becomes more active during sleep at night—working harder—that energy must be drawn from the rest of the body; that work must be taken from there. Well, where does it come from? Yes, you see, it is taken from a portion of the white blood cells. A portion of the white blood cells begins to function less at night than during the day. The brain functions more. A portion of the white blood cells functions less. That is the balance.

[ 37 ] Nun aber habe ich Ihnen gesagt: Dadurch, daß das Gehirn das Leben etwas einstellt, ruhig wird, fängt der Mensch an zu denken. Wenn also diese weißen Blutkörperchen ruhig werden, beruhigt werden in der Nacht, dann müßte der Mensch anfangen, überall da zu denken, wo die weißen Blutkörperchen ruhig werden. Da müßte er anfangen, jetzt mit seinem Körper zu denken.

[ 37 ] But now I have told you: It is precisely because the brain temporarily suspends its activity and becomes calm that a person begins to think. So if these white blood cells become calm—if they settle down at night—then a person should begin to think wherever the white blood cells become calm. That is where they should begin to think with their body.

[ 38 ] Fragen wir uns nun: Denkt denn der Mensch vielleicht mit seinem Körper in der Nacht? — Das ist eine kitzlige Frage, nicht wahr, ob der Mensch vielleicht in der Nacht mit seinem Körper denkt! Nun, er weiß nichts davon. Er kann zunächst nur sagen, er weiß nichts davon. Aber daß ich von etwas nichts weiß, das ist ja noch kein Beweis, daß das nicht da ist, sonst müßte alles das nicht da sein, was die Menschen noch nicht gesehen haben. Daß ich also von etwas noch nichts weiß, das ist kein Beweis, daß es nicht da ist. Der menschliche Körper könnte in der Tat in der Nacht denken, und man weiß einfach nichts davon und glaubt daher, daß er nicht denkt.

[ 38 ] Let us now ask ourselves: Does a person perhaps think with his body at night? — That’s a tricky question, isn’t it, whether a person might think with his body at night! Well, he knows nothing about it. For the time being, he can only say that he knows nothing about it. But the fact that I know nothing about something is not proof that it does not exist; otherwise, everything that people have not yet seen would have to be nonexistent. So the fact that I do not yet know anything about something is no proof that it does not exist. The human body could in fact be thinking at night, and we simply know nothing about it and therefore believe that it is not thinking.

[ 39 ] Nun müssen wir untersuchen, ob denn der Mensch vielleicht doch Anzeichen dafür hat, daß er, während er beim Tage mit dem Kopf denkt, in der Nacht mit der Leber und mit dem Magen und mit den anderen Organen anfängt zu denken, sogar vielleicht mit den Gedärmen denkt.

[ 39 ] Now we must examine whether human beings might, after all, show signs that, while they think with their heads during the day, at night they begin to think with their livers, stomachs, and other organs—perhaps even with their intestines.

[ 40 ] Wir haben dafür gewisse Anzeichen. Jeder Mensch hat Anzeichen, daß das der Fall ist. Denn stellen Sie sich einmal vor, woher das kommt, daß etwas da ist und wir doch nichts wissen davon. Denken Sie sich, ich stehe da, rede zu Ihnen, und ich wende meine Aufmerksamkeit Ihnen zu, das heißt, ich sehe dann nicht dasjenige, was hinter mir ist.

[ 40 ] We have certain signs of this. Every person has signs that this is the case. Just imagine, for a moment, how it is that something is there and yet we know nothing about it. Just imagine: I’m standing here, talking to you, and I’m focusing my attention on you—which means I don’t see what’s behind me.

[ 41 ] Da kann Kurioses passieren. Ich kann zum Beispiel gewöhnt sein, mich manchmal hier auf den Stuhl zu setzen zwischen dem Reden. Jetzt wende ich meine Aufmerksamkeit auf Sie, und während der Zeit nimmt mir jemand den Stuhl weg. Ich habe das ganze nicht gesehen, aber geschehen ist es doch, und ich merke die Folgen, wenn ich mich jetzt niedersetzen will!

[ 41 ] Strange things can happen. For example, I might be in the habit of sometimes sitting down on this chair here between speaking. Now I turn my attention to you, and during that time, someone takes the chair away from me. I didn’t see any of it happen, but it did happen, and I notice the consequences when I try to sit down now!

[ 42 ] Sehen Sie, die Sache ist so, daß man nicht bloß urteilen muß nach dem, was man so gewöhnlich weiß, sondern man muß urteilen nach dem, was man vielleicht auch auf ganz indirekte Weise wissen kann. Hätte ich mich gerade geschwind umgeschaut, so würde ich mich wahrscheinlich nicht auf den Boden niedergelassen haben. Wenn ich mich umgeschaut hätte, hätte ich das verhindert.

[ 42 ] You see, the thing is that one must not merely judge based on what one usually knows, but one must judge based on what one might also know in a very indirect way. If I had just quickly looked around, I probably wouldn’t have sat down on the floor. If I had looked around, I would have prevented that.

[ 43 ] Nun betrachten wir einmal das menschliche Denken im Körper. Sehen Sie, die Naturforscher, die haben das gern, wenn sie reden können von Grenzen der menschlichen Erkenntnis. Was meinen sie eigentlich da? Die Naturforscher meinen bei demjenigen, was sie reden von Grenzen der Erkenntnis, daß das nicht da ist, was sie noch nicht gesehen haben — nicht durch das Mikroskop oder durch das Fernrohr oder überhaupt. Aber mit der Erkenntnis setzen sich die Leute eben fortwährend auf den Boden nieder, weil das gar kein Beweis ist, daß etwas nicht da ist, wenn man es nicht gesehen hat. Das ist schon einmal so.

[ 43 ] Now let’s consider human thought within the body. You see, natural scientists love to talk about the limits of human knowledge. What do they actually mean by that? When natural scientists speak of the limits of knowledge, they mean that what they haven’t yet seen—whether through a microscope, a telescope, or any other means—doesn’t exist. But people constantly dismiss such claims, because the fact that you haven’t seen something is no proof at all that it doesn’t exist. That much is certain.

[ 44 ] Nun, dasjenige, was also mir bewußt werden soll, das muß von mir nicht nur erdacht werden, sondern ich muß noch extra das Erdachte beobachten. Das Denken könnte mir ein Vorgang sein, der immer geschieht, manchmal im Kopf, manchmal im ganzen Körper. Aber wenn ich wache, da habe ich meine Augen auf. Die Augen sehen nicht nur nach außen, sondern die Augen nehmen auch nach innen wahr. Ebenso wenn ich etwas schmecke, so schmecke ich nicht nur das, was außen ist, sondern ich nehme auch in meinem Inneren wahr, ob ich zum Beispiel, sagen wir, durch meinen ganzen Körper krank bin, und dasjenige, was irgendein anderer noch als sympathisch schmeckt, das wird mir ekelhaft. Also das Innere bestimmt immer. Das innere Wahrnehmen muß auch da sein.

[ 44 ] Well, whatever is to become conscious to me must not only be conceived by me, but I must also specifically observe what I have conceived. Thinking could be a process that always takes place, sometimes in my head, sometimes throughout my whole body. But when I’m awake, my eyes are open. My eyes don’t just look outward; they also perceive inward. Likewise, when I taste something, I do not merely taste what is external; I also perceive internally—for example, whether I am, let’s say, sick throughout my entire body—and what someone else might find pleasant to taste becomes repulsive to me. So the inner state always determines the experience. This inner perception must also be present.

[ 45 ] Denken Sie sich nun, wir wachen so ganz normal auf. Da beruhigen sich langsam unsere Gehirnzellen. Die kommen ganz langsam in Ruhe, und die Sache geht so, daß ich nach und nach meine Sinne gebrauchen lerne, also meine Sinne wieder gebrauche. Es geht das Aufwachen ganz angemessen dem Lebenskreislauf nach vor sich. Das kann der eine Fall sein.

[ 45 ] Now imagine this: we wake up just as we normally do. Our brain cells slowly settle down. They gradually come to rest, and the process unfolds in such a way that I gradually learn to use my senses—that is, I begin to use my senses again. The process of waking up proceeds quite naturally in accordance with the cycle of life. That could be one scenario.

[ 46 ] Der andere Fall kann aber auch sein, daß ich durch irgendeinen Umstand zu schnell meine Gehirnzellen beruhige. Viel zu schnell beruhige ich sie. Da geschieht jetzt etwas anderes, wenn ich sie zu schnell beruhige. Sagen wir, wenn einer die Bewegung von den Arbeitern leitet, von der ich gesagt habe, wenn hier fünf sind, nimmt er den fünften weg und stellt ihn dort hinüber, wenn einer das leitet, so wird das unter Umständen sehr glatt vor sich gehen. Nehmen Sie aber an, der eine muß den einen wegnehmen, der andere muß ihn wieder hintun, da kann sich die ganze Geschichte schlimm gestalten, namentlich, wenn die zwei sich streiten, ob es richtig oder nicht richtig ist. Wenn nun in meinem Gehirn die Gehirnzellen zu schnell sich beruhigen, dann werden diejenigen weißen Blutkörperchen, die während des Schlafens jetzt in Ruhe gekommen sind, nicht so schnell wieder in Bewegung kommen können. Und es wird das entstehen, daß, während ich im Gehirn schon beruhigt bin, während ich im Gehirn also schon meine ganze Bewegung beruhigt habe, die im Schlafe da war, da unten im Blut die weißen Blutkörperchen noch nicht werden aufstehen wollen. Die werden da noch etwas in Ruhe beharren wollen. Die wollen nicht aufstehen.

[ 46 ] The other possibility, however, is that, due to some circumstance, I calm my brain cells too quickly. I calm them down far too quickly. Something else happens when I calm them down too quickly. Let’s say, for example, that someone is directing the workers’ movements—as I mentioned, if there are five here, he takes the fifth one away and places him over there—if someone is directing that, it might go very smoothly under certain circumstances. But suppose one person has to take one worker away, and the other has to put him back—then the whole situation can turn out badly, especially if the two argue over whether it’s right or wrong. Now, if the brain cells in my brain calm down too quickly, then those white blood cells that have come to rest during sleep won’t be able to get moving again so quickly. And what will happen is that, while I am already calm in my brain—that is, while I have already calmed all the activity in my brain that was present during sleep—the white blood cells down there in the blood will not yet want to get moving. They will want to remain at rest for a while longer. They do not want to get moving.

[ 47 ] Das wäre ja etwas ganz Wunderbares, wenn wir so ohne weiteres diese noch faulen Blutkörperchen wahrnehmen könnten — ich sage das natürlich nur figürlich —, die noch im Bette liegen bleiben wollen. Da würden sie sich nur erst anschauen, wie sich sonst die ruhigen Gehirnzellen anschauen, und wir würden die wunderbarsten Gedanken wahrnehmen. Gerade in dem Momente, wo wir zu schnell aufwachen, würden wir die wunderbarsten Gedanken wahrnehmen. Das kann man einfach verstehen, meine Herren, wenn man die ganze Geschichte von dem Zusammenhang des Menschen mit der Natur versteht. Würde man, wenn nichts anderes hinderlich wäre, schnell aufwachen, so würde man in seinem Körper die wunderbarsten Gedanken wahrnehmen können. Das kann man aber nicht. Warum kann man das nicht? Ja, wissen Sie, da zwischen diesen faul gebliebenen, noch schlafenden weißen Blutkörperchen, und zwischen dem, womit wir sie wahrnehmen, was wir nur mit dem Kopf können, da geht die ganze Atmung vor sich. Da sind die roten Blutkörperchen drinnen. Die Atmung geht vor sich, und wir müssen durch den ganzen Atmungsprozeß diesen Gedankenvorgang, der da in uns vor sich geht, ansehen.

[ 47 ] It would be truly wonderful if we could simply perceive these “lazy” blood cells—I’m speaking figuratively, of course—that still want to stay in bed. They would just look at each other the way the otherwise calm brain cells look at one another, and we would perceive the most wonderful thoughts. Precisely at the moment when we wake up too quickly, we would perceive the most wonderful thoughts. This is easy to understand, gentlemen, if one understands the whole story of humanity’s connection to nature. If, with nothing else standing in the way, one were to wake up quickly, one would be able to perceive the most wonderful thoughts within one’s body. But that is not possible. Why can’t we do that? Well, you see, right there—between those sluggish, still-sleeping white blood cells, and between what we use to perceive them—which is all we can do with our heads—that’s where the entire breathing process takes place. The red blood cells are in there. Breathing takes place, and we must observe this thought process—which is going on within us—through the entire breathing process.

[ 48 ] Denken Sie sich einmal, ich wache auf; dadurch beruhigt sich mein Gehirn. Da unten (es wird gezeichnet), da sind irgendwo die weißen Blutkörperchen im Blut drinnen. Die würde ich auch noch als ruhige wahrnehmen, und ich würde da drinnen die schönsten Gedanken sehen. Ja, jetzt ist aber zwischendrinnen da der ganze Atmungsprozeß. Das ist geradeso wie wenn ich etwas anschauen will, und ich schaue es durch ein trübes Glas an; da sehe ich es undeutlich, da verschwimmt mir alles. Dieser Atmungsprozeß ist wie ein trübes Glas. Da verschwimmt mir das ganze Denken, das da im Körper drunten ist. Und was entsteht daraus? Die Träume. Die Träume entstehen daraus: Undeutliche Gedanken, die ich wahrnehme, wenn in meinem Körper die Gehirntätigkeit sich zu schnell beruhigt.

[ 48 ] Just imagine: I wake up; this calms my brain. Down there (it’s being drawn), somewhere in the blood are the white blood cells. I would perceive them as calm as well, and I would see the most beautiful thoughts in there. Yes, but now there’s the whole breathing process in between. It’s just like when I want to look at something, and I look at it through a cloudy glass; I see it indistinctly, everything blurs for me. This breathing process is like a cloudy glass. It blurs all my thinking that’s down there in the body. And what results from that? Dreams. Dreams arise from this: indistinct thoughts that I perceive when brain activity in my body calms down too quickly.

[ 49 ] Und wiederum beim Einschlafen, wenn ich eine Unregelmäßigkeit habe, wenn also das Gehirn beim Einschlafen zu langsam in die Regsamkeit hineinkommt, dann geschieht die Geschichte so, daß ich dadurch, daß das Gehirn zu langsam in die Regsamkeit hineinkommt, also noch die Fähigkeit hat, etwas wahrzunehmen — daß ich dadurch wiederum das Denken, das da unten schon beginnt während des Schlafens, im Einschlafen beobachten kann. Und so geschieht es, daß also der Mensch dasjenige, was eigentlich die ganze Nacht von ihm unbeobachtet bleibt, im Aufwachen und im Einschlafen als Träume wahrnimmt.

[ 49 ] And again, when falling asleep, if I experience an irregularity—that is, if the brain enters a state of activity too slowly as I fall asleep—then what happens is that, because the brain enters this state of activity too slowly and thus still retains the ability to perceive something, I am able to observe the thinking that is already beginning down there during sleep as I fall asleep. And so it happens that what actually remains unobserved by a person throughout the night is perceived as dreams upon waking and while falling asleep.

[ 50 ] Denn Träume nehmen wir eigentlich erst im Moment des Aufwachens wahr. Daß wir Träume erst im Moment des Aufwachens wahrnehmen, das können Sie sich sehr leicht dadurch vergegenwärtigen, daß Sie einmal einen Traum ordentlich anschauen. Nehmen Sie an, ich schlafe und neben meinem Bett steht ein Stuhl. Nun kann ich folgendes träumen: Ich bin ein Student und begegne irgendwo einem anderen Studenten, dem ich irgendein grobes Wort sage. Der andere Student, der muß darauf reagieren — man nennt das «Komment» —, der muß dann reagieren auf dieses grobe Wort, und es kommt ja bis dahin dann, daß er mich fordert. Es kann manchmal eine ganze Geringfügigkeit sein, so müssen Studenten fordern.

[ 50 ] For we actually only become aware of dreams at the moment we wake up. You can very easily bring this fact to mind by taking a close look at a dream. Suppose I am asleep and there is a chair next to my bed. Now I might dream the following: I am a student and run into another student somewhere, to whom I say something rude. The other student has to react to that—this is called a “comment”—he has to react to this rude remark, and it eventually comes to the point where he challenges me. Sometimes it can be a complete trifle; that’s just how students challenge each other.

[ 51 ] Nun, da wird alles jetzt so geträumt: da werden die Sekundanten ausgewählt, da geht man in den Wald hinaus im Traum, und draußen ist man angekommen; man beginnt zu schießen. Der erste schießt. Ich höre noch im Traum den Schuß, wache aber auf und habe bloß mit meinem Arm neben dem Bett den Stuhl umgeschmissen. Das war der Schuß!

[ 51 ] Well, everything happens in a dream now: the seconds are chosen, you go out into the forest in your dream, and suddenly you’re there; you start shooting. The first one shoots. I can still hear the shot in my dream, but I wake up and realize I’ve just knocked over the chair with my arm next to the bed. That was the shot!

[ 52 ] Ja, meine Herren, wenn ich den Stuhl nicht umgeschmissen hätte, dann hätte ich den ganzen Traum überhaupt nicht geträumt, dann wäre der Traum nicht dagewesen! Daß also der Traum just ein solches Bild geworden ist, das ist ja erst im Momente des Aufwachens geschehen, denn der umgeschmissene Stuhl hat mich ja erst aufgeweckt. Also in diesem einzigen Moment des Aufwachens ist das Bild entstanden, ist undeutlich geworden, was da in mir vorgeht. Daraus können Sie sehen, daß dasjenige, was bildlich ist im Traume, sich erst bildet im einzigen Moment, in dem ich aufwache, geradeso wie im Einschlafen in dem einzigen Moment sich bilden muß dasjenige, was bildhaft ist im Traume.

[ 52 ] Yes, gentlemen, if I hadn’t knocked over the chair, then I wouldn’t have had the whole dream at all—the dream wouldn’t have existed! So the fact that the dream took on precisely this form only happened at the moment of waking up, because it was the overturned chair that woke me up in the first place. So in that single moment of waking up, the image arose, and what was going on inside me became unclear. From this you can see that what is pictorial in a dream only takes shape in the single moment when I wake up, just as, when falling asleep, what is pictorial in a dream must take shape in that single moment.

[ 53 ] Aber wenn sich solche Bilder bilden, und ich mit solchen Bildern wiederum etwas wahrnehmen kann, so müssen eben Gedanken dazu da sein. Wozu kommen wir denn da? Wir kommen dazu, Schlafen und Wachen etwas zu verstehen. Fragen wir uns also: Wie ist denn das nun beim Schlafen? Beim Schlafen ist unser Gehirn mehr in Tätigkeit als beim Wachen, beim Wachen beruhigt sich unser Gehirn. Ja, meine Herren, wenn wir sagen könnten, daß unser Gehirn beim Wachen tätiger wird, dann, sehen Sie, könnten wir Materialisten sein, denn dann würde die physische Tätigkeit des Gehirnes das Denken bedeuten. Aber wenn wir vernünftige Menschen sind, können wir gar nicht sagen, daß das Gehirn beim Wachen regsamer ist als beim Schlafen. Es muß sich gerade beim Wachen beruhigen.

[ 53 ] But if such images form, and I can in turn perceive something through them, then there must necessarily be thoughts associated with them. What does this lead us to? It leads us to understand something about sleeping and waking. So let’s ask ourselves: What happens when we sleep? When we sleep, our brain is more active than when we’re awake; when we’re awake, our brain calms down. Yes, gentlemen, if we could say that our brain becomes more active when we’re awake, then, you see, we could be materialists, because then the physical activity of the brain would mean thinking. But if we are reasonable people, we cannot say at all that the brain is more active when we’re awake than when we’re asleep. It must, in fact, calm down precisely when we’re awake.

[ 54 ] Also die körperliche Tätigkeit kann uns ja gar nicht das Denken geben. Wenn uns die körperliche Tätigkeit das Denken geben würde, so müßte dieses Denken in einer stärkeren körperlichen Tätigkeit bestehen als das Nichtdenken. Aber das Nichtdenken besteht in einer stärkeren körperlichen Tätigkeit. Also können Sie sagen: Ich habe eine Lunge; die Lunge würde faul sein, wenn nicht der äußere Sauerstoff über sie kommen und sie in Tätigkeit versetzen würde. So aber wird mein Gehirn faul bei Tag; da muß also auch etwas Äußeres kommen für das Gehirn, das es in Tätigkeit versetzt. Und so müssen wir anerkennen, daß in der Welt — geradeso wie der Sauerstoff die Lunge in Bewegung versetzt oder in Tätigkeit versetzt — bei Tag das Gehirn durch irgend etwas, was nicht im Körper selber ist, nicht zum Körper selber gehört, zum Denken gebracht wird.

[ 54 ] So physical activity cannot, after all, give us thought. If physical activity were to give us thought, then this thought would have to consist of a greater degree of physical activity than non-thinking. But non-thinking consists of a greater physical activity. So you could say: I have a lung; the lung would be idle if external oxygen did not flow through it and set it in motion. But as it is, my brain becomes idle during the day; so something external must also come to the brain to set it in motion. And so we must acknowledge that in the world—just as oxygen sets the lungs in motion or sets them to work—during the day the brain is brought to think by something that is not within the body itself, that does not belong to the body itself.

[ 55 ] Wir müssen uns also sagen: Treiben wir richtige Naturwissenschaft, dann werden wir dazu geführt, ein Unkörperliches, ein Seelenhaftes anzunehmen. Wir sehen es ja, daß es da ist. Wir sehen es gewissermaßen beim Aufwachen hereinfliegen, denn aus dem Körper kann nicht dasjenige kommen, was da Denken ist. Würde es aus dem Körper kommen, so müßte man gerade in der Nacht besser denken. Wir müßten uns hinlegen und einschlafen, dann würde in unserem Gehirn das Denken aufgehen. Aber das tun wir nicht. Also wir sehen gewissermaßen hereinfliegen dasjenige, was unsere seelische und geistige Wesenheit ist.

[ 55 ] So we must tell ourselves: If we practice true natural science, it will lead us to accept something incorporeal, something spiritual. We can see, after all, that it is there. We see it, as it were, flying in when we wake up, for what constitutes thinking cannot come from the body. If it came from the body, we would have to think better at night. We would have to lie down and fall asleep, and then thinking would arise in our brains. But we do not do that. So, in a sense, we see what constitutes our soul and spiritual being flying in.

[ 56 ] So daß man sagen kann: Die Naturwissenschaft hat ja große Fortschritte in der neueren Zeit gemacht, aber sie hat nur dasjenige kennengelernt, was eigentlich nicht zum Leben und nicht zum Denken geeignet ist, während sie das Leben selber nicht begriffen hat, und das Denken noch viel weniger begriffen hat. Und so wird man, wenn man richtig Naturwissenschaft treibt, nicht durch einen Aberglauben, sondern gerade durch diese richtige Naturwissenschaft dazu gebracht, zu sagen: Geradeso wie es zum Atmen einen Sauerstoff geben muß, muß es zum Denken ein Geistiges geben.

[ 56 ] So one can say: Natural science has indeed made great strides in recent times, but it has come to know only that which is not actually suited to life or to thinking, while it has not understood life itself, and has understood thinking even less. And so, when one practices natural science correctly, one is led—not by superstition, but precisely by this correct natural science—to say: Just as there must be oxygen for breathing, there must be something spiritual for thinking.

[ 57 ] Davon das nächste Mal, denn das läßt sich nicht so einfach entscheiden. Es werden noch in vielen von Ihnen allerlei Gegenkräfte sein gegen das, was ich gesagt habe. Aber es muß durchaus gesagt werden, daß derjenige, der eben nicht so redet, sich die ganze Geschichte in dem Menschen einfach nicht klarmacht. Also darum handelt es sich, nicht irgendeinen Aberglauben zu verbreiten, sondern eine vollständige Klarheit erst zu schaffen. Das ist es, um was es sich handelt.

[ 57 ] We’ll talk about that next time, because it’s not something that can be decided so easily. Many of you will still have all sorts of objections to what I have said. But it must be said that anyone who does not speak this way simply does not understand the whole story of the human being. So this is what it’s about: not spreading some kind of superstition, but first creating complete clarity. That is what this is all about.

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