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A Spiritual Scientific View
of Nature and Man
GA 352

27 February 1924, Dornach

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A Spiritual Scientific View of Nature and Man, tr. SOL
  1. Natur und Mensch in geisteswissenschaftlicher Betrachtung

10. Über Einsteins Relativitätstheore — Wirklichkeitsfremdes Denken

10. On Einstein's Theory of Relativity — Thinking That is Out of Touch with Reality

[ 1 ] Guten Morgen, meine Herren! Hat sich jemand etwas ausgedacht für heute?

[ 1 ] Good morning, gentlemen! Has anyone come up with any ideas for today?

[ 2 ] Herr Burle stellt eine Frage nach der Relativitätstheorie, wie es heute damit stehe; man habe so viel darüber gelesen, besonders früher. Jetzt sei es vielleicht schon wieder vergessen; wenigstens höre man nicht mehr so viel darüber wie früher.

[ 2 ] Mr. Burle asks a question about the theory of relativity—what the current state of affairs is; people used to read so much about it, especially in the past. Now it may already have been forgotten; at least we don’t hear as much about it as we used to.

[ 3 ] Dr. Steiner: Nun, sehen Sie, die Sache mit der Realtivitätstheorie ist eine schwierige, und Sie werden heute wahrscheinlich dann sehr aufpassen müssen und zuletzt doch sagen, auch wenn Sie recht aufpassen, daß Sie sich darin nicht auskennen. Aber das ist bei vielen Leuten der Fall, die heute von der Relativitätstheorie reden. Die reden doch so von ihr, daß sie sie oftmals als die größte Errungenschaft unserer Zeit preisen, aber sie nicht verstehen. Ich will mich bemühen, sie so populär wie möglich auseinanderzusetzen. Wie gesagt, es wird heute schwer sein, aber wir werden das nächste Mal dann schon wieder zu interessanteren Sachen kommen.

[ 3 ] Dr. Steiner: Well, you see, the theory of relativity is a difficult subject, and you’ll probably have to pay very close attention today—and in the end, even if you do pay close attention, you’ll have to admit that you don’t really understand it. But that’s the case with many people who talk about the theory of relativity today. They talk about it in such a way that they often praise it as the greatest achievement of our time, but they don’t understand it. I’ll try to explain it as simply as possible. As I said, it will be difficult today, but next time we’ll move on to more interesting topics.

[ 4 ] Die Einsteinsche Theorie bezieht sich auf Bewegungen, die irgendein Körper ausführt. Sie wissen ja, daß Körper sich dadurch bewegen, daß sie ihren Ort im Raume verändern. Wenn wir also eine Bewegung aufzeichnen wollen, so sagen wir: Ein Körper ist an einem Ort a und bewegt sich an einen andern Ort b hin. Wenn Sie einen Eisenbahnzug vorbeifahren sehen und draußen irgendwo stehen, so werden Sie zunächst gar keinen Zweifel daran haben, daß der Eisenbahnzug an Ihnen vorbeisaust, sich bewegt, und Sie stillstehen. Aber Sie können ja leicht zum Zweifel darüber kommen, im Augenblick natürlich nur, wenn Sie nicht tiefer nachdenken, wenn Sie irgendwo in einem Eisenbahncoupe& sitzen und zunächst schlafen, dann aufwachen und zum Fenster hinausschauen: Da fährt ein Eisenbahnzug vorüber. Sie haben das deutliche Gefühl, ein Eisenbahnzug fährt vorbei. Das braucht deshalb noch nicht wahr zu sein, sondern bevor Sie eingeschlafen waren, stand Ihr Zug still, und während Sie geschlafen haben, ist Ihr Zug selber in Bewegung gekommen. Sie haben während des Schlafes nicht bemerkt, daß Ihr Zug in Bewegung gekommen ist, und der andere Zug fährt scheinbar vorbei. Wenn Sie genauer zusehen, so ist der Zug, der draußen steht, ganz in Ruhe, während Ihr Zug fährt. Sie glauben also, während Sie in Bewegung sind, Sie seien in Ruhe, und der andere Zug, der wirklich in Ruhe ist, der fahre. Sie wissen, es kann einem ja auch passieren, daß man zum Fenster hinausschaut und glaubt, daß man in dem Zug, in dem man gerade drinnen ist, ruhig drinnen ist, und der ganze Zug fährt in der entgegengesetzten Richtung. So schaut es für das Auge aus. Da sehen Sie schon, daß nicht immer dasjenige stimmt, was wir Menschen von der Bewegung aussagen. Sie wachen auf und Sie bilden sich das Urteil: Der Zug, der da draußen ist, der fährt. Gleich darauf müssen Sie sich korrigieren: Das ist ja gar nicht wahr, der steht still; ich fahre!

[ 4 ] Einstein's theory applies to movements performed by any object. As you know, objects move by changing their position in space. So when we want to describe a movement, we say: An object is at a location a and moves toward another location b. If you see a train passing by while you’re standing outside somewhere, at first you’ll have no doubt at all that the train is rushing past you, moving, and that you’re standing still. But you can easily begin to doubt this—at that moment, of course, only if you don’t think about it more deeply—if you’re sitting somewhere in a train compartment, fall asleep at first, then wake up and look out the window: There goes a train. You have the distinct feeling that a train is passing by. That doesn’t necessarily mean it’s true, however; before you fell asleep, your train was stationary, and while you were asleep, your train itself began to move. You didn’t notice while you were asleep that your train had started moving, and the other train appears to be passing by. If you look more closely, the train standing outside is completely at rest, while your train is moving. So you believe that while you are moving, you are at rest, and the other train—which is actually at rest—is the one moving. You know it can also happen that you look out the window and believe you are sitting still inside the train you’re currently in, while the entire train is moving in the opposite direction. That’s how it looks to the eye. So you can see that what we humans say about motion isn’t always correct. You wake up and form the judgment: “The train out there is moving.” Immediately afterward, you have to correct yourself: “That’s not true at all—it’s standing still; I’m the one moving!”

[ 5 ] Solch eine Korrektur des Urteils ist einmal in einer großen, oder sogar öfter in einer großen Weise in der Weltgeschichte vorgekommen. Wir brauchen nur sechs bis sieben Jahrhunderte zurückzugehen, da waren alle Leute der Ansicht, daß die Erde fest im Raum stillsteht, und daß sich der ganze Sternenhimmel vorbeibewegt. Diese Ansicht ist, wie Sie vielleicht gehört haben, im 16. Jahrhundert korrigiert worden. Es ist Kopernikus gekommen und hat gesagt: Das alles stimmt nicht; die Sonne, die Fixsterne stehen in Wirklichkeit still, und wir mit unserer Erde fliegen in rasender Geschwindigkeit durch den Weltenraum. Wir glauben auf der Erde in Ruhe zu sein — geradeso wie einer vorher glaubte, im Eisenbahnwagen in Ruhe zu sein und der andere Zug fahre und haben das jetzt korrigiert. Der Kopernikus hat die ganze Astronomie korrigiert, hat gesagt; Das ist nicht wahr, daß die Sterne sich bewegen; die stehen still. Die Erde aber mit den Menschen saust mit einer Riesengeschwindigkeit durch den Weltenraum.

[ 5 ] Such a correction of a prevailing view has occurred once—or even more often—in a major way in world history. We need only go back six or seven centuries, when everyone believed that the Earth stood firmly still in space and that the entire starry sky moved past it. This view, as you may have heard, was corrected in the 16th century. Copernicus came along and said: None of that is true; the Sun and the fixed stars are actually stationary, and we, along with our Earth, are flying through space at breakneck speed. We believe we are at rest on Earth—just as one person used to believe he was at rest in a railroad car while the train was moving—and we have now corrected that. Copernicus corrected the entire field of astronomy, saying, “It is not true that the stars move; they stand still. But the Earth, along with the people on it, is hurtling through space at tremendous speed.”

[ 6 ] Da haben Sie die Möglichkeit gleich gegeben, daß man ja aus dem Anblick nicht sofort sagen kann, was eigentlich in bezug auf die Bewegung richtig ist: ob man selber in Ruhe ist und ein sich vorbeibewegender Körper wirklich in Bewegung ist, oder ob man selber in Bewegung ist und ein Körper, von dem man glaubt, daß er vorbeisause, in Ruhe ist.

[ 6 ] This immediately raises the possibility that, based on what we see, we cannot immediately determine what is actually correct with regard to motion: whether we ourselves are at rest and a body moving past us is truly in motion, or whether we ourselves are in motion and a body that we believe is whizzing past us is at rest.

[ 7 ] Nicht wahr, wenn Sie das bedenken, dann werden Sie sich sagen: Ja, da kann ja bei allem eine Korrektur notwendig sein, was wir als Bewegung anerkennen. - Nehmen Sie nur einmal das eine, wie lange es gebraucht hat, bis die ganze Menschheit dazu gekommen ist, das Urteil zu korrigieren in bezug auf die Erde. Das hat ja Jahrtausende gedauert. Wenn Sie im Eisenbahnzug sitzen, so dauert es vielleicht nur ein paar Sekunden, bis Sie Ihr Urteil korrigieren. Es ist also verschieden, wie lange man braucht, um solch ein Urteil zu korrigieren.

[ 7 ] Isn't it true that when you think about it, you'll say to yourself: Yes, a correction may indeed be necessary in everything we recognize as a movement. - Just take this one example: how long it took for all of humanity to come to the point of correcting its judgment regarding the Earth. That took millennia, after all. When you’re sitting on a train, it might take only a few seconds for you to correct your judgment. So the time it takes to correct such a judgment varies.

[ 8 ] Das hat solche Leute wie Einstein dazu veranlaßt, zu sagen: Wir können ja gar nicht wissen, ob das, was von uns in Bewegung gesehen wird, wirklich in Bewegung ist, oder ob wir, die wir dastehen in Ruhe, nicht irgendwie auf eine geheimnisvolle Art in Bewegung sind und der andere in Ruhe. Also ziehen wir aus dieser Ungewißheit den letzten Schluß.

[ 8 ] This has led people like Einstein to say: We cannot possibly know whether what we see as moving is actually in motion, or whether we, who are standing still, are somehow mysteriously in motion while the other is at rest. So let’s draw the final conclusion from this uncertainty.

[ 9 ] Nun ja, meine Herren, dann könnte es ja so sein: Nehmen wir an, dahier wäre ein Auto (es wird gezeichnet). In dem Auto fährt man von Haus Hansi bis herauf zum Goetheanum. Aber wer weiß denn zu sagen, daß das Auto wirklich herauffährt? Wer kann das mit Gewißheit sagen? Es könnte ja das Auto auch ganz stillstehen, es könnten nur die Räder sich drehen, und das ganze Goetheanum, zu dem man hinkommt, könnte sich in umgekehrter Richtung herunterbewegen. Es müßte nur einmal so etwas herauskommen, wie es für die Erde bei Kopernikus herausgekommen ist! (Heiterkeit.)

[ 9 ] Well then, gentlemen, it could be like this: Let’s suppose there’s a car here (it is drawn). In that car, one drives from Hansi’s house up to the Goetheanum. But who can say for certain that the car is actually driving uphill? Who can say that with certainty? The car could just as easily be standing completely still; only the wheels might be turning, and the entire Goetheanum, which one is heading toward, could be moving downward in the opposite direction. It would only take something like this to happen—just as it did for the Earth with Copernicus! (Laughter.)

[ 10 ] Solche Dinge hat der Einstein genommen, er hat gesagt: Man ist eigentlich nie in Gewißheit darüber, ob sich der eine oder der andere Körper bewegt. Man weiß immer nur, daß sie in Beziehungen zueinander sich bewegen, daß sie ihre Entfernungen verändern; das ist das einzige, was man weiß. — Natürlich, das weiß man, wenn man zum Goetheanum fährt, weil man näherkommt dem Goetheanum; aber ob das zu einem oder man zu ihm kommt, das kann man nicht wissen. Nun, sehen Sie, dasjenige, wovon man sagen kann, es ist in wirklicher Ruhe oder in wirklicher Bewegung, das ist absolut. Also was ist eine absolute Ruhe oder eine absolute Bewegung? Das wäre eine Ruhe oder Bewegung, von der man sagen könnte: Im Weltenraum steht der Körper still oder es bewegt sich der Körper. Aber das ist natürlich immer eine fatale Sache; denn zur Zeit des Kopernikus hat man noch geglaubt, daß nun wiederum die Sonne stillsteht und die Erde sich herumbewegt. In bezug auf die Erde ist es richtig, aber in bezug auf die Sonne ist das nicht richtig, denn die Sonne bewegt sich sehr schnell, saust mit einer riesigen Geschwindigkeit gegen einen Sternenweltenraum, der im Sternbild des Herkules ist -— wir natürlich alle mit. Auf der einen Seite drehen wir uns um die Sonne herum, aber mit der Drehung um die Sonne sausen wir mit ihr durch den Weltenraum. Also von der Sonne ist auch nicht zu sagen, daß sie mit absoluter Ruhe im Weltenraum stehe. Und so sagten Einstein und diejenigen, die der Ansicht waren, daß das so ist: Man kann überhaupt von nichts sagen, ob es in absoluter Ruhe oder Bewegung ist, sondern kann nur sprechen davon, daß die Dinge in relativer Ruhe sind - relativ, das heißt bezüglich zueinander -, es erscheint einem in Ruhe oder Bewegung.

[ 10 ] Einstein took such things into account; he said: One is actually never certain whether one body or the other is moving. One only ever knows that they move in relation to one another, that they change their distances from one another; that is the only thing one knows. — Of course, you know that when you’re driving to the Goetheanum, because you’re getting closer to it; but whether the Goetheanum is coming toward you or you’re moving toward it, you can’t know that. Now, you see, whatever can be said to be in true rest or in true motion—that is absolute. So what is absolute stillness or absolute motion? It would be a stillness or motion of which one could say: In the cosmos, the body stands still, or the body is moving. But that is, of course, always a problematic matter; for in Copernicus’s time, people still believed that the Sun stood still and the Earth revolved around it. With regard to the Earth, this is correct, but with regard to the Sun, it is not correct, for the Sun is moving very quickly, hurtling at tremendous speed toward a region of interstellar space located in the constellation Hercules—and we, of course, are all along for the ride. On the one hand, we revolve around the Sun, but as we revolve around the Sun, we hurtle through space along with it. So it cannot be said of the Sun either that it stands at absolute rest in space. And so Einstein and those who held this view said: One cannot say of anything at all whether it is at absolute rest or in motion, but can only speak of things being at relative rest—relative, that is, with respect to one another—it appears to us to be at rest or in motion.

[ 11 ] Sehen Sie, meine Herren, einmal glaubte jemand während eines Kurses, der in Stuttgart abgehalten wurde, daß wir Anthroposophen nichts Ordentliches über die Relativitätstheorie wissen, und da hat er auf eine sehr einfache Weise, weil er ein fanatischer Anhänger der Relativitätstheorie war oder ist, den Leuten klarmachen wollen, wie die Relativitätstheorie, die Einsteinsche Relativitätstheorie wirklich gilt. Was machte er da? Er nahm eine Zündholzschachtel und sagte: Da habe ich ein Streichholz. Jetzt halte ich die Schachtel ganz ruhig und fahre mit dem Streichholz gegen sie zu. Es fängt Feuer. Jetzt aber mache ich ein zweites Experiment. Jetzt halte ich das Streichholz ganz ruhig und bewege die Schachtel zu mir. Es fängt wieder Feuer. Es geschieht dasselbe. Dasjenige, was geschehen ist, das ist, daß Feuer entstanden ist, Aber die Bewegung, die ich dabei ausgeführt habe, ist nicht absolut, die ist ganz relativ. Das eine Mal, wenn da die Schachtel ist, und da das Streichhölzchen, bewege ich das Streichholz so her, das andere Mal die Schachtel. Es kommt gar nicht darauf an, damit Feuer entsteht, ob die Schachtel oder das Streichholz sich bewegt, sondern nur, ob sie relativ zueinander, in Beziehung zueinander sich bewegen.

[ 11 ] You see, gentlemen, once, during a course held in Stuttgart, someone believed that we anthroposophists didn’t know anything proper about the theory of relativity, and so—because he was, or is, a fanatical adherent of the theory of relativity—he wanted to explain to people in a very simple way how the theory of relativity, Einstein’s theory of relativity, really works. What did he do? He took a matchbox and said: “Here I have a match. Now I’ll hold the box completely still and move the match toward it. It catches fire. But now I’ll do a second experiment. Now I’ll hold the match completely still and move the box toward me. It catches fire again.” The same thing happens. What happened is that a fire was ignited. But the motion I performed in the process is not absolute; it is entirely relative. In one instance, with the matchbox over there and the match over here, I move the match toward it; in the other instance, I move the matchbox. It doesn’t matter at all, for a fire to start, whether the box or the match moves; what matters is only whether they move relative to each other, in relation to each other.

[ 12 ] Das kann man aber auf die ganze Welt anwenden. Man kann für die ganze Welt sagen: Die Sache ist so, daß man nicht weiß, ob das eine oder das andere sich bewegt, oder ob das eine stärker oder schwächer, oder ob das andere stärker oder schwächer sich bewegt. Man weiß nur immer, wie sie sich im Verhältnis zueinander bewegen, ob sie näher oder ferner zueinander kommen; mehr weiß man nicht. Und ob der eine Körper schneller oder langsamer sich bewegt, weiß man nicht. Nehmen Sie an, Sie fahren in einem furchtbar schnell dahinsausenden Eilzug, und draußen fährt ein Personenzug vorüber, Sie schauen hinaus zum Fenster. Sie kriegen kein Urteil darüber, was da eigentlich vorliegt, denn in dem Augenblick, wo Sie mit dem Eilzug so hinfahren und der Personenzug so herfährt, haben Sie das Gefühl, Ihr Eilzug fahre viel langsamer als er früher gefahren ist. Probieren Sie es nur einmal. In dem Augenblick haben Sie das Gefühl, jetzt fährt auf einmal der Zug langsam. In der Wahrnehmung wird dem Schnellen so viel von seiner Schnelligkeit weggenommen, als wie der da ihm entgegenkommt. Also Sie kriegen ein ganz falsches Urteil über die Schnelligkeit der Bewegung in Ihrem eigenen Zug. Wenn dagegen daneben einer langsamer fährt, da haben Sie das Gefühl, Ihr Zug fahre schneller. Also Sie haben nie ein Urteil, wenn Sie zwei Bewegungen sehen, wie sie sich eigentlich zueinander verhalten, sondern Sie kriegen nur immer ein Urteil darüber, wie sich die zwei Körper in ihren Entfernungen voneinander verhalten.

[ 12 ] But this can be applied to the entire world. One can say of the entire world: The fact is that one does not know whether one or the other is moving, or whether one is moving faster or slower, or whether the other is moving faster or slower. All you ever know is how they move in relation to one another—whether they’re getting closer or farther apart; that’s all you know. And you don’t know whether one object is moving faster or slower. Suppose you’re riding in an express train whizzing by at a tremendous speed, and a local train is passing by outside; you look out the window. You can’t form a judgment about what’s actually happening, because at the very moment you’re traveling that way in the express train and the local train is coming toward you, you have the feeling that your express train is moving much more slowly than it used to. Just try it once. At that moment, you have the feeling that the train is suddenly moving slowly. In your perception, the fast train loses as much of its speed as the one coming toward it. So you form a completely false judgment about the speed of the movement in your own train. If, on the other hand, another train is moving more slowly alongside you, you have the feeling that your train is moving faster. So when you see two movements, you never form a judgment about how they actually relate to each other; rather, you always form a judgment only about how the two bodies relate to each other in terms of their distances from one another.

[ 13 ] Jetzt kann man bei dieser Sache stehenbleiben und kann sagen: Donnerwetter, der Einstein war ein gescheiter Kerl, der ist endlich darauf gekommen, daß im Weltenall überhaupt nicht von absoluten Bewegungen geredet werden kann, sondern nur geredet werden kann von relativen Bewegungen. — Gescheit ist das schon, und es ist ja, wie Sie einsehen können, für vieles auch richtig. Denn kein Mensch kann sagen, wenn er irgendwo, sagen wir einen Stern in Ruhe sieht, es sei ein Stern in Ruhe. Wenn Sie sich mit einer gewissen Geschwindigkeit bewegen, so bewegt sich der Stern scheinbar in der entgegengesetzten Richtung; aber er könnte sich ja auch herbewegen. Also Sie kommen gar nicht darauf, irgendwie aus dem Anblick sagen zu können, der Stern ist in Ruhe oder in Bewegung. Das ist notwendig, daß man das weiß; denn damit, daß man das endlich heute weiß, müßte man ja die ganze Ausdrucksweise ändern, die man in gewissen Wissenschaften hat. Ich will Ihnen das an einem Beispiel zeigen.

[ 13 ] Now one could stop here and say: Wow, Einstein was a smart guy—he finally figured out that in the universe, we can’t speak of absolute motion at all, but only of relative motion. — That’s certainly clever, and, as you can see, it’s true in many cases. For no one can say, when they see something—let’s say a star—at rest, that it is a star at rest. If you’re moving at a certain speed, the star appears to be moving in the opposite direction; but it could just as easily be moving toward you. So you simply cannot conclude, based on what you see, that the star is at rest or in motion. It is essential to know this; for now that we finally know this today, we would have to change the entire way of expressing ourselves that we use in certain sciences. I will show you this with an example.

[ 14 ] Wie bekommt man denn überhaupt Kenntnisse von den Sternen? Sehen Sie, Kenntnisse von den Sternen kann man ja nicht bekommen, wenn man die Ansicht hat, die einmal der Fürst gehabt hat, der auf die Sternwarte gegangen ist, und dort hat ihm der Astronom selbstverständlich, weil es der Fürst des Landes war, die Beobachtungen, die er an den Sternen machte, zeigen müssen. Nun, da ließ er auch den Fürsten durch das Fernrohr sehen, und man beobachtete einen Stern. Wenn man das Fernrohr irgendwohin richtet, dann sieht man zunächst nichts. Dann wartet man ein bißchen; dann kommt der Stern in das Fernrohr hinein, wie man sagt, dann geht er auf der andern Seite wieder heraus. Der Fürst hat sich das angeschaut. Dann hat er gesagt: Ja, jetzt verstehe ich ganz gut, daß Sie etwass wissen über die Sterne, daß Sie wissen, wo die Sterne stehen und wie sie sich bewegen, das kann ich jetzt ganz gut einsehen. Aber wie Sie, wenn Sie so weit entfernt sind, darauf kommen, was für einen Namen die Sterne haben, das kann ich noch immer nicht begreifen. — Mit solchen Ansichten kann man natürlich nicht Astronomie betreiben. Aber wie geschieht es denn, wenn man Sterne beobachtet? Da hat man das Fernrohr; da sitzt der Astronom, da — mit dem Kopf von oben — guckt er rein, und da ist hier ein Fadenkreuz; und wenn der Stern scheinbar so geht, sieht man noch nichts, und wenn er hier ist, sieht man den Stern. Wenn er gerade da sichtbar ist, wo die Fäden sich kreuzen, dann bestimmt man den Ort des Sternes.

[ 14 ] How does one even acquire knowledge of the stars? You see, one cannot gain knowledge of the stars if one holds the view that the prince once had when he went to the observatory, where the astronomer—naturally, since he was the prince of the realm—had to show him the observations he had made of the stars. Well, the astronomer also let the prince look through the telescope, and they observed a star. When you point the telescope in a certain direction, at first you see nothing. Then you wait a little while; then the star enters the field of view, as they say, and then it exits on the other side. The prince watched this. Then he said: “Yes, now I understand quite well that you know something about the stars, that you know where the stars are and how they move—I can see that quite clearly now. But how you, when you’re so far away, figure out what the stars are called—I still can’t grasp that.” — Of course, you can’t practice astronomy with views like that. But what actually happens when you observe stars? You have the telescope; the astronomer sits there—looking in from above—and there’s a crosshair here; and when the star seems to move this way, you don’t see anything yet, and when it’s here, you see the star. When it’s visible right where the lines cross, that’s how you determine the star’s position.

[ 15 ] Nun glaubte man immer, wenn man früher beobachtete, man könnte sagen: Entweder hat sich die Erde bewegt, man ist mit dem Fernrohr vorwärtsgegangen und ist mit dem Objektiv — so nennt man das Glas, das weit weg ist; das Glas, das nah ist, nennt man Okular - so weit gerückt, daß man den ruhenden Stern jetzt drinnen sieht. Früher hat man geglaubt, der Stern bewegt sich. Heute muß man sagen: Über die Ruhe oder Bewegung des Sternes weiß man nichts. Man kann nur sagen: Im Anblick fällt das Fadenkreuz meines Fernrohrs zusammen mit dem Anblick des Sternes; die zwei decken sich. Nichts weiter kann man sagen als dasjenige, was man unmittelbar vor sich hat. Über die ganze Welt wäre man dadurch ungewiß.

[ 15 ] In the past, when people observed the sky, they used to believe they could say: Either the Earth has moved, or you have moved the telescope forward and adjusted the objective lens—that’s the name for the lens that’s far away; the lens that’s close by is called the eyepiece—moved far enough away that you can now see the stationary star within it. In the past, people believed the star was moving. Today, one must say: We know nothing about whether the star is stationary or moving. One can only say: In my field of view, the crosshairs of my telescope coincide with the image of the star; the two overlap. One can say nothing more than what one sees directly before one’s eyes. This would leave one uncertain about the entire world.

[ 16 ] Das hat eine große Tragweite. Das ist wichtig für unsere Anschauung von der Bewegung nicht nur der Himmelskörper, sondern sogar der Körper auf unserer Erde. Und die Folgerungen, die dann Einstein und diejenigen, die ebenso denken wie er, daraus gezogen haben, sind sehr weitgehende. Sie haben zum Beispiel gesagt: Ja, wenn die Bewegung bloß relativ ist, wenn sie nicht absolut ist, dann kann man überhaupt über nichts etwas Wirkliches aussagen, auch nichts über die Gleichzeitigkeit oder verschiedene Zeiten. Wenn ich zum Beispiel in Dornach eine Uhr habe und in Zürich eine Uhr habe und die gleiche Zeigerstellung habe, so bin ich ja noch gar nicht sicher, daß nicht, weil sie voneinander entfernt sind, in Wirklichkeit da nur eine irrtümliche Beobachtung vorliegt; vielleicht gibt es gar keine Gleichzeitigkeit!

[ 16 ] This has far-reaching implications. It is important for our understanding of the motion not only of celestial bodies, but even of bodies on our Earth. And the conclusions that Einstein and those who think like him drew from this are very far-reaching. They said, for example: Yes, if motion is merely relative—if it is not absolute—then one cannot make any real statements about anything at all, not even about simultaneity or different times. For example, if I have a clock in Dornach and a clock in Zurich and they show the same time, I am still by no means certain that, because they are separated from one another, what we are actually observing is not merely an erroneous observation; perhaps there is no such thing as simultaneity at all!

[ 17 ] Also Sie sehen, aus dieser Sache wurden die weitgehendsten Folgerungen gezogen. Und es frägt sich: Kommen wir denn überhaupt nicht heraus aus dieser Sache? Können wir denn heute gar nicht irgend etwas sagen über die Dinge selbst, wenn sie sich bewegen? Das ist die wichtige Frage. Daß man aus dem Anblick über die Bewegungen nichts sagen kann, das ist einmal ganz sicher. Und im weitesten Sinne gilt schon auch: Wenn ich mit dem Auto gegen das Goetheanum herauf fahre, so kann es ebensogut sein, daß mir das Goetheanum entgegenkommt.

[ 17 ] So you see, the most far-reaching conclusions have been drawn from this matter. And the question arises: Are we really unable to find a way out of this at all? Can we really say nothing at all today about the things themselves when they are in motion? That is the important question. It is certainly true that one cannot say anything based solely on the appearance of these movements. And in the broadest sense, the following is also true: If I drive up toward the Goetheanum in my car, it may just as well be that the Goetheanum is coming toward me.

[ 18 ] Ja, aber eines, meine Herren, tritt doch ein. Schon dieses Beispiel mit der Streichholzschachtel, das ich Ihnen angeführt habe, das stimmt doch nicht ganz. Denn sehen Sie, ich hätte mögen dem Herrn, der das so fein gemacht hat, zurufen: Nagle doch die Streichholzschachtel einmal an den Tisch und probiere dann, ob du hin- und herfahren kannst! Da mußt du schon mindestens eine große Kraft anwenden, wenn du mit dem ganzen Tisch hin- und herfahren mußt. — Also irgendwo liegt da doch ein Haken.

[ 18 ] Yes, but one thing, gentlemen, does come up. Even this example with the matchbox that I gave you isn’t quite right. You see, I would have liked to call out to the gentleman who made it so nicely: “Why don’t you nail the matchbox to the table and then try to move it back and forth!” You’d have to exert at least a great deal of force if you had to move the entire table back and forth. — So there’s a catch somewhere.

[ 19 ] Diesen Haken können Sie bemerken, wenn Sie nur aufmerksam auf die Sache eingehen. Nehmen Sie an, man fährt mit dem Auto von Dornach nach Basel, und nun könnte man sagen: Es ist nicht wahr, daß das Auto sich bewegt; sondern das Auto bleibt stehen, dreht nur die Räder, und Basel kommt ihm entgegen. — Schön. Aber dagegen spricht eines: Das Auto wird nach einigen Jahren ruiniert. Und daß das Auto ruiniert wird, das können Sie nur darauf zurückführen, daß nicht die Straße sich bewegt, sondern das Auto sich bewegt und ruiniert wird durch das, was innerlich in ihm geschieht. Also wenn Sie nicht bloß hinschauen auf die Bewegung, sondern im Körper selber nachschauen, was die Bewegung tut, da kommen Sie schon darauf, daß Sie den Einsteinschen Schluß nicht ganz festhalten können. Also können Sie bemerken, daß das Auto doch sich ruiniert, nicht bloß die Räder ablaufen,weil sie sich drehen. Nun könnte einer sagen: Ja, die würden sich natürlich auch drehen, wenn einem der Berg entgegenkäme oder Basel einem entgegenkäme, oder sonst würde sich die Sache abnutzen. Da kann man aber immer noch sagen: Vielleicht ist die Geschichte doch so. Bei leblosen Körpern läßt sich die Sache gar nicht so entscheiden, und für leblose Körper kann man nur sagen, die Sache ist ungewiß, wie stark sich der eine oder der andere bewegt. Aber der lebendige Organismus! Denken Sie einmal, Sie gehen selber zu Fuß nach Basel hinein, und ein anderer bleibt hier stehen in Dornach, bleibt die ganzen zwei Stunden stehen, während Sie nach Basel hineingehen. Jetzt, wenn nicht Sie sich hineinbewegt hätten, sondern Basel Ihnen entgegengekommen wäre, so hätten Sie ja fast gar nichts anderes gemacht als derjenige, der stehengeblieben ist. Aber Sie sind müde geworden; eine Veränderung hat sich in Ihnen vollzogen. An dieser Veränderung, die sich in Ihnen selber vollzieht, können Sie doch wahrnehmen, daß Sie sich bewegt haben. Und bei lebendigen Körpern kann man schon an der Veränderung, die in ihnen vorgeht, doch in einer gewissen Weise feststellen, ob sie nun wirklich in Bewegung sind oder nur in scheinbarer Bewegung, in Ruhe sind.

[ 19 ] You can notice this catch if you just look at the matter closely. Suppose you’re driving from Dornach to Basel, and now you might say: It’s not true that the car is moving; rather, the car stays still, just turning its wheels, and Basel is coming toward it. — Fine. But there’s one thing that speaks against that: The car will fall apart after a few years. And the fact that the car falls apart can only be attributed to the fact that it is not the road that moves, but the car that moves—and it falls apart because of what happens internally within it. So if you don’t just look at the motion, but look within the body itself to see what the motion does, you’ll realize that you can’t quite hold on to Einstein’s conclusion. So you can see that the car does indeed wear out—it’s not just the wheels that wear out because they’re turning. Now someone might say: Yes, of course they’d turn if the mountain were coming toward you or Basel were coming toward you; otherwise, the parts would wear out. But you can still say: Perhaps that’s how it is after all. With inanimate objects, the matter can’t be decided at all, and for inanimate objects, one can only say that it’s uncertain how much one or the other is moving. But consider a living organism! Imagine you’re walking into Basel yourself, while someone else remains standing here in Dornach—standing there for the entire two hours while you walk into Basel. Now, if you hadn’t moved toward Basel, but Basel had come toward you, you would have done almost nothing different from the person who stayed standing. But you have grown tired; a change has taken place within you. From this change taking place within yourself, you can perceive that you have moved. And with living bodies, one can, to a certain extent, determine from the change taking place within them whether they are truly in motion or merely in apparent motion—that is, at rest.

[ 20 ] Aber das ist es auch, was dazu führen muß zu erkennen, daß man überhaupt aus der äußeren Betrachtung der Welt nicht einmal von etwas, was so klar erscheint wie die Bewegung, sich eine Theorie bilden darf, sondern man muß sich die Theorie bilden von den inneren Veränderungen. Nun, da haben Sie eben wiederum das, daß man auch mit der Relativitätstheorie sich sagen muß: Derjenige, der nur die äußere Seite der Sache betrachtet, kommt überhaupt auf nichts. Man muß das Innere betrachten. Da wird man eben gerade durch diese Relativitätstheorie dazu geführt, wenigstens den Anfang zu machen mit der Geisteswissenschaft, mit der Anthroposophie, weil man durch die Anthroposophie ja überall darauf hingewiesen wird, das Innere zu betrachten.

[ 20 ] But that is also what must lead us to recognize that we cannot form a theory based on an external observation of the world—not even from something as clear as motion—but rather we must form our theory from the internal changes. Well, here again we have the fact that even with the theory of relativity, one must say to oneself: Anyone who considers only the external aspect of the matter will get nowhere at all. One must look at the inner reality. It is precisely this theory of relativity that leads one to at least make a start on Spiritual Science, on anthroposophy, because anthroposophy constantly directs one’s attention to the inner reality.

[ 21 ] Die Einsteinsche Theorie hat zu außerordentlich merkwürdigen Konsequenzen geführt. Besonders interessant wird zum Beispiel die Sache, wenn Einstein seine Beispiele aufführt. Da hat er ein Beispiel aufgeführt, das besteht darin, daß er nachweisen will, daß die Ortsveränderung überhaupt keine Bedeutung hat. Weil eben für den Anblick es gar nicht entschieden werden kann, ob ein Körper seinen Ort verändert oder nicht, könne also die Ortsveränderung auch keine Bedeutung haben. Deshalb sagt Einstein: Wenn ich eine Uhr, die eine bestimmte Zeigerstellung hat, hinausschleudere in den Weltenraum, daß sie mit der Geschwindigkeit des Lichtes hinausfliegt und dann umkehrt und wieder zurückkommt, so hat diese Bewegung für das Innere der Uhr keine Bedeutung gehabt. Die Uhr kommt unverändert zurück. - So macht Einstein seine Beispiele: Ob ein Körper sich bewegt oder nicht, wir können es ja nicht entscheiden. Die Uhr ist dieselbe, ob sie in Ruhe ist oder sich bewegt, es ist für sie gleich. - Ja, aber, meine Herren, man müßte Sie nur einmal einladen, eine Uhr anzuschauen, die mit Lichtgeschwindigkeit in den Weltenraum hinausfliegt und wieder zurückkommt! Die Uhr, ja, von der werden Sie überhaupt gar nichts mehr sehen. Die wird so pulverisiert sein, daß Sie sie nicht mehr sehen.

[ 21 ] Einstein’s theory has led to extraordinarily strange consequences. For example, things get particularly interesting when Einstein presents his examples. He gave one example in which he sought to demonstrate that a change in position has absolutely no significance. Since, to the naked eye, it is impossible to determine whether a body has changed its position or not, a change in position cannot have any significance. That is why Einstein says: If I hurl a clock—which has a specific hand position—out into outer space so that it flies out at the speed of light and then turns around and comes back, this motion has had no significance for the interior of the clock. The clock returns unchanged. —This is how Einstein constructs his examples: Whether a body is moving or not, we cannot determine it. The clock is the same whether it is at rest or in motion; it makes no difference to it. — Yes, but, gentlemen, one would only have to invite you to look at a clock that flies out into outer space at the speed of light and comes back again! The clock—yes, you won’t see a thing of it at all. It will have been pulverized to such an extent that you won’t be able to see it anymore.

[ 22 ] Was heißt das aber? Das heißt, man kann überhaupt nicht so denken. Man kommt zu Gedanken, die gedankenlos sind. Und so finden Sie auf der einen Seite, daß Einstein ein furchtbar gescheiter Mensch ist, und daß er Schlußfolgerungen zieht, Urteile macht, die den Leuten furchtbar berückend sind. Nicht wahr, die gewöhnlichen Menschen, die nicht sehr gute Mathematiker sind, die verstehen ja nicht viel von der Einsteinschen Theorie; und dann fangen sie an, in irgendeinem populären Buch über die Einsteinsche Theorie zu lesen, lesen die erste Seite, da gähnen sie nachher; lesen die zweite Seite noch zur Hälfte, dann hören sie auf. Und dann sagen sie: Das muß aber was furchtbar Gescheites sein. Denn wenn es nicht etwas furchtbar Gescheites wäre, dann müßte ich es doch verstehen. Außerdem sagen das viele Leute, daß es etwas furchtbar Gescheites sei. - Daher kommt das Urteil über die Relativitätstheorie. Aber es gibt auch solche Leute, die das verstehen. Und unter solchen Leuten, die das verstehen, findet Einstein gerade seine Anhängerschaft, und die Anhängerschaft wird jeden Tag größer. Es ist nicht so, wie Herr Burle meint, daß es wieder vergessen ist. Vor ein paar Jahren, wenn Sie mit Universitätsprofessoren sprachen, wollten die noch nichts wissen von der Einsteinschen Theorie. Heute ist alles voll gerade in der Gelehrsamkeit von der Einsteinschen Relativitätstheorie.

[ 22 ] But what does that mean? It means you can’t think that way at all. You end up with thoughts that are thoughtless. And so, on the one hand, you find that Einstein is a terribly clever man, and that he draws conclusions and makes judgments that are terribly captivating to people. Isn’t that right? Ordinary people, who aren’t very good at math, don’t really understand much about Einstein’s theory; and then they start reading about it in some popular book—they read the first page, and by the end they’re yawning; they get halfway through the second page, and then they stop. And then they say: “That must be something terribly clever.” Because if it weren’t something incredibly clever, then I’d have to understand it. Besides, a lot of people say it’s something incredibly clever. —That’s where the judgment about the theory of relativity comes from. But there are also people who do understand it. And it is among those who understand it that Einstein finds his following, and that following is growing every day. It’s not as Mr. Burle thinks—that it’s been forgotten again. A few years ago, if you spoke with university professors, they didn’t want to hear anything about Einstein’s theory. Today, the academic world is completely focused on Einstein’s theory of relativity.

[ 23 ] Aber die Leute kommen eben auch zu ganz merkwürdigen Anschauungen dabei. Ich hatte zum Beispiel einmal eine Debatte mit Universitätsprofessoren über die Einsteinsche Theorie. Ja, sehen Sie, solange man bleibt auf dem Gebiet, das ich Ihnen ja auch auseinandergesetzt habe, so lange ist die Einsteinsche Relativitätstheorie richtig; man kann nichts machen: es ist so mit dem Eisenbahnzug, mit dem Sonnensystem, mit den Bewegungen der ganzen Welt. Soweit ist sie ganz richtig. Aber nun dehnen sie die Herren auf alles aus und sagen zum Beispiel: Relativ ist auch die Größe eines Menschen; der hat keine absolute Größe, sondern nur relative. Das erscheint mir nur so, daß er so hoch ist. Er ist so hoch im Verhältnis — nun ja, wenn wir hier sind —, im Verhältnis zu den Stühlen oder im Verhältnis zu den Bäumen, aber von einer absoluten Größe kann man nicht reden. — Sehen Sie, das gilt, solange man Mathematiker bleibt, solange man es bloß mit der Geometrie zu tun hat. In dem Augenblicke, wo man aufhört, es mit der Geometrie zu tun zu haben, wenn man ins Leben kommt, da hört das Vergnügen auf, da geht das aus einem anderen Ton! Sehen Sie, wenn einer kein Gefühl hat, dann kann er aus Holz einen Kopf schnitzen, der hundertmal so groß ist wie Ihr Kopf. Dann hat er ihn. Ja, derjenige, der ein Gefühl dafür hat, wird das nämlich nie tun, weil er weiß, die Größe eines Menschenkopfes ist nicht relativ, sondern die ist im ganzen Weltenraum bedingt. Er kann etwas größer sein oder etwas kleiner sein, aber wenn einer ein Zwerg ist, so ist das eben eine Krankheit; wenn einer ein Riese wird, ist das auch eine Krankheit. Das ist nicht bloß relativ, sondern das Absolute ist da schon sichtbar. Innerhalb gewisser Größen schwankt natürlich die menschliche Größe. Aber im Weltenall ist der Mensch ganz bestimmt für eine gewisse Größe. Da kann man also auch nicht wiederum von Relativität sprechen. Da kann man nur davon sprechen, daß der Mensch sich seine eigene Größe gibt durch sein Verhältnis zum Weltenall. Es war ein einziger von dem Professorenkollegium, mit dem ich die Debatte hatte, der das zugab. Die andern waren durch die Relativitätstheorie in ihrem Kopf schon so verrenkt, daß sie sagten, auch die menschliche Größe ist nur relativ, weil wir sie so anschauen.

[ 23 ] But people also end up forming some very strange views in the process. For example, I once had a debate with university professors about Einstein’s theory. Yes, you see, as long as one stays within the realm that I have already explained to you, Einstein’s theory of relativity is correct; there’s nothing to be done about it: it applies to the train, to the solar system, to the movements of the entire world. To that extent, it’s entirely correct. But now these gentlemen extend it to everything and say, for example: A person’s height is also relative; they have no absolute height, only a relative one. It only seems to me that they are that tall. They are that tall in relation—well, if we’re here—in relation to the chairs or in relation to the trees, but one cannot speak of an absolute height. — You see, that’s true as long as you remain a mathematician, as long as you’re dealing solely with geometry. The moment you stop dealing with geometry, when you enter real life, that’s when the fun stops—it takes on a whole different tone! You see, if someone has no sense of proportion, they can carve a head out of wood that’s a hundred times as big as your head. Then they’ve got it. Yes, because someone who has a sense of proportion would never do that, since they know that the size of a human head isn’t relative—it’s determined by the entire universe. It may be slightly larger or slightly smaller, but if someone is a dwarf, that is simply a disease; if someone becomes a giant, that is also a disease. This is not merely relative—the absolute is already evident here. Within certain limits, human size naturally varies. But within the universe, human beings are quite definitely destined for a certain size. So one cannot speak of relativity in this context either. One can only say that human beings determine their own size through their relationship to the universe. There was only one member of the faculty with whom I had this debate who admitted this. The others were already so twisted in their thinking by the theory of relativity that they said even human size is only relative because that is how we view it.

[ 24 ] Nicht wahr, Sie wissen ja, wenn Sie da ein Bild haben, so kann es groß sein; wenn Sie weitergehen, wird es immer kleiner und kleiner nach der Perspektive. Die Größe dieses Bildes, die Sie sehen, ist relativ. So glauben die Relativitätstheoretiker, daß die menschliche Größe auch nur so ist, wie sie ist, weil sie überall auf einem Hintergrund gesehen wird. Aber das ist ein Unsinn. Die menschliche Größe hat schon in sich etwas Absolutes, und der Mensch kann nicht viel größer und nicht viel kleiner sein, als ihm eben vorbestimmt ist.

[ 24 ] Isn't that right? You know, if you have a picture there, it can be large; as you walk away, it gets smaller and smaller due to perspective. The size of this picture that you see is relative. Thus, proponents of the theory of relativity believe that human size is only what it is because it is viewed against a background everywhere. But that is nonsense. Human size has something absolute about it, and a person cannot be much larger or much smaller than what is predestined for them.

[ 25 ] Nun, dieses alles denken die Leute aus, weil sie überhaupt sich gar keine Ansicht darüber verschaffen, was beteiligt ist an einem Vorgang oder an einem Ding, das auf der Erde in unserer Umgebung geschieht. Aus alldem, was ich Ihnen schon gesagt habe, werden Sie das Folgende entnehmen können: Da ist die Erde; auf der Erde ist irgendein Mensch. Nun wissen Sie aber, der Mensch ist nicht bloß abhängig von den Kräften der Erde, sondern er ist abhängig von den Kräften, die aus dem Weltenall hereinwirken. Unser Kopf zum Beispiel spiegelt das ganze Weltenall ab. Das haben wir ja besprochen. Wenn das nun gleichgültig wäre, wie groß der Mensch ist, was müßte denn da sein? Nehmen Sie an, Herrn Burles Kopf, Herrn Erbsmehls Kopf, Herrn Müllers Kopf wird aus dem Weltenall herein gebildet. Ja, meine Herren, wenn hier die Köpfe drei-, viermal voneinander verschieden sind, so müßte für jeden ein extra Weltenall da sein. Da aber nur ein Weltenall da ist, das nicht wegen des einzelnen Menschen ins Große und Kleine wächst, sondern immer da ist, gleichbleibt, so können die Köpfe der Menschen auch nur annähernd einander gleich sein. Nur deshalb, weil die Leute das nicht wissen, daß wir ja in einer gemeinsamen Welt leben, die auch geistig wirkt, können die Leute glauben, es sei gleichgültig, wie groß der Kopf des Menschen ist, es sei bloß relativ. Es ist nicht relativ, sondern es ist abhängig von der absoluten Größe, die das Weltenall hat.

[ 25 ] Well, people come up with all this because they don’t even form an opinion about what is involved in a process or in a thing that happens on Earth in our surroundings. From everything I have already told you, you will be able to deduce the following: There is the Earth; on the Earth there is a human being. But you know that human beings are not merely dependent on the forces of the Earth; they are also dependent on the forces that act upon them from the universe. Our head, for example, reflects the entire universe. We’ve already discussed that. If it didn’t matter how tall a person is, what would have to be there? Suppose Mr. Burle’s head, Mr. Erbsmehl’s head, and Mr. Müller’s head were formed from the universe. Yes, gentlemen, if these heads differ from one another by a factor of three or four, there would have to be a separate universe for each one. But since there is only one universe—one that does not expand or contract in size because of individual human beings, but is always there and remains the same—the heads of human beings can only be approximately alike. It is only because people do not know that we live in a shared world, one that also operates spiritually, that they can believe it does not matter how large a person’s head is—that it is merely relative. It is not relative, but rather depends on the absolute size of the universe.

[ 26 ] Wir kommen also wieder darauf, uns sagen zu müssen: Gerade wenn man richtig denkt in bezug auf die Relativitätstheorie, kommt man in die Geisteswissenschaft hinein, nicht in die materialistische Wissenschaft.

[ 26 ] So we find ourselves once again having to say: It is precisely when one thinks correctly with regard to the theory of relativity that one enters the realm of Spiritual Science, not that of materialistic science.

[ 27 ] Und wenn man dann den Menschen noch genauer betrachtet, dann sieht man, wie überall den Leuten, die so denken wie Einstein, die Gedanken ausgehen, wenn sie ans Lebendige oder ans Geistige kommen. Sehen Sie, als ich noch ein Junge war, da konnte ich teilnehmen an den lebhaften Debatten, die stattgefunden haben über die Schwerkraft. Schwerkraft - wenn ein Körper zur Erde fällt, sagt man, er ist schwer. Er fällt hinunter, weil er ein Gewicht hat, weil er schwer ist. Aber diese Schwerkraft wirkt überall im Weltenall. Die Körper ziehen sich an. Wenn da die Erde ist und da der Mond (siehe Zeichnung), so zieht die Erde den Mond an, und der Mond fliegt nicht so fort, sondern er bewegt sich im Kreis um die Erde herum, weil die Erde, wenn er gerade fortfliegen will, ihn immer wiederum an sich zieht. Nun hat man dazumal, als ich ein Junge war, viel gestritten darüber, worauf denn diese Schwerkraft eigentlich beruht.

[ 27 ] And if you take a closer look at people, you’ll see that everywhere, people who think like Einstein run out of ideas when they come to the living or the spiritual. You see, when I was still a boy, I was able to take part in the lively debates that took place about gravity. Gravity—when a body falls toward the Earth, we say it is heavy. It falls because it has weight, because it is heavy. But this gravitational force acts everywhere in the universe. Bodies attract one another. If there is the Earth and there is the Moon (see drawing), then the Earth attracts the Moon, and the Moon does not simply fly away, but moves in a circle around the Earth, because whenever it tries to fly away, the Earth always pulls it back toward itself. Back then, when I was a boy, there was a lot of debate about what this gravity is actually based on.

Wandtafel 1
Wandtafel 1
Chalkboard 1
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[ 28 ] Der englische Physiker Newton, von dem ich Ihnen auch schon einmal erzählt habe, hat ja einfach gesagt: Die Körper ziehen einander an, der eine Körper den andern, — Eine recht materialistische Anschauung ist das nicht, denn wenn man sich vorstellt, daß der Mensch nur etwas angreifen soll und es herbeiziehen, da ist schon allerlei außer der Materie dazu notwendig. Wenn nun gar die Erde den Mond anziehen soll, so kann man das nicht gut mit einer materialistischen Anschauung vereinigen. Aber gerade in meiner Jugend blühte der Materialismus. Man könnte auch sagen, er trocknete die Menschen aus, er welkte, aber man könnte auch sagen, er blühte. Da haben die Leute gesagt: Das ist nicht wahr, die Erde kann den Mond nicht anziehen, denn sie hat ja keine Hände, um ihn anzuziehen. Das gibt es nicht. Da haben sie gesagt: Überall ist der Weltenäther (siehe Zeichnung). Was ich also jetzt rot herzeichne, ist der Weltenäther; der besteht auch aus lauter kleinen Körnern, winzigen kleinen Körnern. Und diese winzig kleinen Körner, die stoßen hier, stoßen hier, stoßen aber da stärker als sie in der Mitte stoßen. Wenn nun da zwei Körper sind, Erde und Mond, und von außen wird stärker gestoßen als von innen, da ist es, als ob sie sich anziehen würden. Man hat also die Anziehungskraft, die Schwerkraft, durch Stoßen von außen erklärt.

[ 28 ] The English physicist Newton, whom I have mentioned to you before, simply said: “Bodies attract one another, one body the other”—that is not really a materialistic view, for in a mental image one imagines that a person is supposed to simply grasp something and pull it toward them, all sorts of things besides matter are necessary for that. If, then, the Earth is supposed to attract the Moon, this cannot be easily reconciled with a materialistic view. But materialism was flourishing precisely during my youth. One could also say it dried people up, it withered them, but one could also say it flourished. People said: That’s not true; the Earth can’t attract the Moon, because it doesn’t have any hands to pull it toward itself. That’s impossible. So they said: The world ether is everywhere (see drawing). So what I’m now drawing in red is the world ether; it, too, consists entirely of tiny little grains, minuscule little grains. And these minuscule little grains collide here, collide here, but they collide more strongly there than they do in the middle. Now, if there are two bodies—the Earth and the Moon—and the external force is stronger than the internal one, it is as if they were attracting each other. Thus, the force of attraction—gravity—has been explained by external impacts.

[ 29 ] Ich kann Ihnen gar nicht sagen, was mir das einmal für Erkenntnisschmerzen gemacht hat. Von meinem zwölften bis achtzehnten Jahr habe ich wirklich daran gekaut, ob nun die Erde den Mond anzieht, oder ob der Mond zur Erde gestoßen wird. Denn, nicht wahr, die Gründe, die da vorgebracht werden, sind meistens nicht gerade dumm, sondern gescheit. Aber darinnen steckt auch schon eine gewisse Relativitätstheorie. Man frägt sich: Ist da irgend etwas Absolutes drinnen, oder ist da auch alles relativ? Ist es vielleicht wirklich gleichgültig, zu sagen, die Erde zieht den Mond an, oder, der Mond wird zur Erde gestoßen? Vielleicht kann man darüber überhaupt nichts entscheiden. — Nun, sehen Sie, darüber haben die Leute viel nachgedacht. Und dasjenige, was ich eigentlich sagen will, ist: Sie sind dazumal aber doch wenigstens darauf gekommen, daß es außer dem sichtbaren Stoff noch einen Äther gibt. Den Äther brauchten sie, denn was soll denn stoßen, wenn nicht die Körner vom Äther stoßen! Als Einstein zunächst seine Relativitätstheorie begründet hat, da haben alle Leute noch geglaubt, der Äther müsse da sein. Und Einstein hat dann alles das, was er als relative Bewegung geschildert hat, in den Raum hineingedacht, der vom Äther ausgefüllt ist. Nun kam er darauf: Donnerwetter! Wenn die Bewegung bloß relativ ist, ist es gar nicht notwendig, daß der Äther da ist. Da braucht nichts zu stoßen, nichts zu ziehen. Über all das kann man nichts entscheiden. Also kann auch der Raum leer sein.

[ 29 ] I can’t even begin to tell you how much mental anguish this once caused me. From the age of twelve to eighteen, I really wrestled with the question of whether the Earth attracts the Moon, or whether the Moon is pushed toward the Earth. Because, you see, the arguments put forward aren’t usually stupid—they’re actually quite clever. But there’s already a certain theory of relativity hidden within them. One wonders: Is there anything absolute in this, or is everything relative? Is it perhaps really irrelevant to say that the Earth attracts the Moon, or that the Moon is propelled toward the Earth? Perhaps one cannot decide anything at all on this matter. — Well, you see, people have thought a great deal about this. And what I actually want to say is: Back then, they at least came to the conclusion that, in addition to visible matter, there is also an ether. They needed the ether, because what else could be pushing if not the particles of the ether! When Einstein first established his theory of relativity, everyone still believed that the ether had to exist. And Einstein then conceived of everything he described as relative motion as taking place within a space filled with the ether. Then it occurred to him: Good heavens! If motion is merely relative, it isn’t at all necessary for the ether to exist. Nothing needs to push, nothing needs to pull. We can’t make any judgments about any of that. So space can also be empty.

[ 30 ] Und so gibt es im Laufe der Zeit eigentlich zwei Einsteinsche Theorien. Die sind natürlich in einer Person vereinigt. Der frühere Einstein hat alles so beschrieben in seinen Büchern, als wenn der ganze Raum der Welt mit Äther ausgefüllt wäre. Dann hat ihn seine Relativitätstheorie dazu geführt, zu sagen: Der Raum ist leer. Nur kommt es bei der Relativitätstheorie nicht darauf an, über den Äther irgend etwas zu sagen, denn man weiß ja nicht einmal, ob es so ist. Da werden die Beispiele manchmal ganz grotesk, die er gibt, So zum Beispiel sagt Einstein: Wenn da die Erde ist, und da ist irgendein Baum, den krabble ich hinauf; hier rutsche ich aus, falle herunter — das ist eine Erscheinung, die Sie wahrscheinlich auch schon erlebt haben; ich habe es wenigstens als Junge sehr häufig erlebt, wenn ich auf einen Baum heraufgeklettert bin, daß ich ausrutschte und herunterfiel —, da sagt man: Nun ja, die Erde zieht mich an. Ich habe ein Gewicht. Das kommt von der Schwerkraft, sonst würde ich ja in der Luft geblieben sein, sonst würde ich zappeln, wenn mich die Erde nicht anziehen würde. — Aber Einstein meint, das kann man alles nicht sagen, denn man denke sich folgendes: Da ist wiederum die Erde, und jetzt bin ich da auf einem Turm oben, da stehe ich; aber ich stehe nicht so, daß um mich überall herum freie Welt ist, sondern ich stehe in einem Kasten drin, und der Kasten ist oben aufgehängt. Wenn ich in dem Kasten von dem Turm herunterfalle, so bleibt da immer mein Verhältnis zu den Wänden das gleiche. Ich bemerke nichts von einer Bewegung, die Wände gehen mit. Ja, Donnerwetter, jetzt kann ich gar nicht sagen, ob von da oben das Seil, an dem mein Kasten hängt, in dem ich drin bin, heruntergelassen wird und ich unten im Kasten ankomme, weil von oben mich jemand herunterläßt, oder ob ich ankommen kann, ob der Kasten ausrutscht, weil die Erde mich anzieht. Das kann ich nicht entscheiden. Ich weiß nicht, ob ich heruntergelassen werde, oder ob die Erde mich anzieht.

[ 30 ] And so, over time, there have actually been two Einsteinian theories. These are, of course, united in one person. The earlier Einstein described everything in his books as if the entire space of the world were filled with ether. Then his theory of relativity led him to say: Space is empty. But in the theory of relativity, it doesn’t matter whether we say anything about the ether, because we don’t even know if it exists. The examples he gives sometimes become quite grotesque. For example, Einstein says: If there’s the Earth, and there’s some tree, I climb up it; here I slip, fall down—that’s a phenomenon you’ve probably experienced yourself; at least as a boy I experienced it very often when I climbed a tree, slipping and falling down—and then one says: Well, the Earth is pulling me down. I have weight. That comes from gravity; otherwise, I would have remained in the air, otherwise I would be fluttering about if the Earth weren’t pulling me down. — But Einstein argues that you can’t say any of that, because consider the following: There’s the Earth again, and now I’m up here on top of a tower, standing there; but I’m not standing in such a way that there’s open space all around me—instead, I’m standing inside a box, and the box is suspended from above. If I fall out of the box from the tower, my relationship to the walls always remains the same. I don’t notice any movement; the walls move with me. Well, goodness gracious, now I can’t tell at all whether, from up there, the rope from which my box—the one I’m in—is suspended is being lowered, and I’m arriving at the bottom in the box because someone is lowering me from above, or whether I might arrive because the box is slipping due to the Earth’s gravitational pull. I can’t tell. I don’t know if I’m being lowered or if the Earth is pulling me down.

[ 31 ] Aber mit diesem Beispiel, das da der Einstein wählt, ist es ja geradeso wie mit dem andern Vergleich, der in allen Schulen immer vorkommt. Da wird den Kindern schon erklärt, wie ein Planetensystem entsteht, daß da zuerst ein Nebel ist, aus diesem Nebel heraus gliedern sich die Planeten ab. In der Mitte bleibt die Sonne übrig. Da sagt man: Das kann man ja leicht beweisen, daß das so ist. Man nimmt ein kleines Öltröpfchen, das auf dem Wasser schwimmt, in der Mitte ein Kartenblatt, durch das eine Stecknadel gesteckt wird, gibt das ins Wasser, fängt an zu drehen. Dann spalten sich kleine Tröpfelchen ab von dem großen, und ein kleinwinziges Planetensystem ist da. So muß es draußen auch sein. Einmal war da ein Nebel; die Planeten haben sich abgespalten, in der Mitte ist die Sonne geblieben. Wer könnte irgend etwas widersprechen, wenn man das am Fetttröpfchen heute noch sieht! - Ja, aber eine Kleinigkeit ist vergessen worden, meine Herren: daß ich dastehen muß und drehen, wenn ich vor den Kindern der Herr Lehrer bin und das zeige! Wenn ich nicht drehe: nichts bildet sich von einem kleinen FettPlanetensystem! Also — müßte der Herr Lehrer den Kindern sagen — muß ein großer Herr Lehrer, ein riesiger Herr Lehrer da draußen sein, der die ganze Geschichte einmal gedreht hat. Dann ist das Beispiel erst vollständig. Und so müßte Einstein, wenn er ganz richtig der Wirklichkeit gemäß denken würde — wenn er überhaupt dazu kommt, solch einen Gedanken aufzustellen —, ja annehmen, daß da oben jemand das Seil dirigiert. Das ist da gleich notwendig. Sonst können Sie nicht sagen: Das ist ja gleich, wie ich herunterkomme, ob mich einer herunterläßt, oder ob ich purzle; es muß ja einer oben sein. Also müßte Einstein, wenn er das Beispiel ausführt, sofort daran denken: Wer ist denn da, der das Seil hält? Das tut er nicht, weil ihm das der Materialismus der heutigen Zeit verbietet. Deshalb denkt er Beispiele aus, die keine Wirklichkeit haben, die man gar nicht ausdenken kann, die unmöglich sind zu denken.

[ 31 ] But this example that Einstein chooses is exactly the same as that other comparison that always comes up in schools. There, children are taught how a planetary system forms: first there is a nebula, and from this nebula the planets separate. The sun remains in the center. People say: It’s easy to prove that this is how it happens. You take a small drop of oil floating on water, a sheet of paper with a pin stuck through the center, put it in the water, and start spinning it. Then tiny droplets break off from the large one, and a minuscule planetary system is formed. That’s how it must be out there, too. Once there was a nebula; the planets broke off, and the sun remained in the center. Who could possibly disagree when you can still see this happening with the oil droplet today! — Yes, but one small detail has been forgotten, gentlemen: that I have to stand there and spin it when I’m the teacher in front of the children and demonstrating this! If I don’t spin it: nothing forms from a tiny fat planetary system! So—the teacher would have to tell the children—there must be a big teacher, a gigantic teacher out there, who spun the whole thing once. Only then is the example complete. And so Einstein, if he were to think entirely in accordance with reality—if he even gets around to formulating such a thought—would indeed have to assume that there’s someone up there guiding the rope. That’s absolutely necessary. Otherwise, you can’t say: It’s the same whether I come down because someone lets me down or because I tumble; there has to be someone up there. So if Einstein were to carry out this example, he would immediately have to ask himself: Who is it, then, who is holding the rope? He does not do this because the materialism of our time forbids it. That is why he devises examples that have no basis in reality, that one cannot even conceive of, that are impossible to conceive.

[ 32 ] Und etwas anderes ist damit verbunden. Denken Sie sich einmal, meine Herren, hier ist ein Berg. Da ist Freiburg im Breisgau. Auf dem Berg stelle ich eine Kanone auf, so daß Sie den Schuß meinetwillen noch in Offenburg hören. Sie hören aber den Schuß später. Wenn einer feststellt auf der Uhr, wann er in Freiburg den Schuß gehört hat und wann einer ihn in Offenburg gehört hat, dann kriegt er einen Unterschied in der Uhrenstellung. Der Schall hat eine Zeitlang gebraucht, um von Freiburg nach Offenburg zu kommen.

[ 32 ] And there’s something else connected with this. Just imagine, gentlemen, there’s a mountain here. There’s Freiburg im Breisgau. I set up a cannon on the mountain so that, for my sake, you can still hear the shot in Offenburg. But you’ll hear the shot later. If someone notes on their watch when they heard the shot in Freiburg and when someone else heard it in Offenburg, they’ll find a difference in the time on their watches. The sound took a while to travel from Freiburg to Offenburg.

[ 33 ] Nun, sehen Sie, diese Geschichte ist auch ausgenützt worden für die sogenannte Relativitätstheorie. Denn man sagt: Man nehme nun an, ich stehe nicht in Offenburg und höre mir an, wann der Schall kommt, sondern ich stehe zunächst in Freiburg. Da höre ich den Schall gleichzeitig, wie er entsteht. Jetzt fahre ich mit einem Eisenbahnzug in der Richtung von Freiburg nach Offenburg. Dadurch, daß ich voranfahre, ein Stückchen weit weg von Freiburg, höre ich den Schall schon etwas später als er entsteht. Noch weiter gegen Offenburg zu, wieder etwas später; noch weiter zu, wieder etwas später.

[ 33 ] Well, you see, this story has also been used to illustrate the so-called theory of relativity. For people say: Let’s assume that I’m not standing in Offenburg listening to when the sound arrives, but that I’m standing in Freiburg to begin with. There, I hear the sound at the very moment it is produced. Now I’m riding on a train heading from Freiburg toward Offenburg. Because I’m moving forward, a little way away from Freiburg, I hear the sound slightly later than when it is produced. A little farther toward Offenburg, again a little later; a little farther still, again a little later.

[ 34 ] Das dauert aber nur so lange, als Sie langsamer fahren als der Schall geht. Wenn Sie grad so schnell fahren wie der Schall geht von Freiburg nach Offenburg, was geschieht denn dann? Wenn Sie grad so schnell fahren, mit derselben Geschwindigkeit, wie der Schall geht: Sie kommen in Offenburg an, und da läuft er Ihnen davon, da hören Sie ihn noch immer nicht. Wenn Sie grad so schnell fahren, dann hören Sie ihn niemals, denn dann läuft er Ihnen davon, wenn Sie ihn hören sollen. Sie sollen ihn hören, aber da ist er schon nicht mehr. Nun sagen die Leute: Donnerwetter, das ist richtig, man hört den Schall nicht mehr, wenn man grad so schnell sich bewegt wie der Schall selber! Und wenn man sich noch schneller bewegt als der Schall, was geschieht denn dann? Wenn es langsamer geht, hört man ihn später; geht es geradeso schnell, hört man ihn gar nicht. Wenn man sich schneller bewegt, hört man ihn früher als er erschallt! Da sagen die Leute, das ist ganz natürlich, das ist ganz richtig gedacht. Wenn Sie also in Offenburg um zwei Sekunden später den Schall hören, wenn Sie sich langsamer bewegen als der Schall, so hören Sie den Schall gar nicht, wenn Sie sich mit derselben Geschwindigkeit wie der Schall bewegen. Wenn Sie sich aber schneller bewegen als der Schall, dann hören Sie ihn zwei Sekunden früher, als er in Freiburg losgelassen wird! Ich möchte Sie nur einladen, einmal zuzuhören, wirklich zuzuhören dem Schall, ehe er in Freiburg losgelassen wird! Sie können sich ja überzeugen, ob Sie ihn eher hören, selbst wenn Sie noch so schnell dahinsausen.

[ 34 ] But that only lasts as long as you’re driving slower than the speed of sound. If you’re driving exactly as fast as the speed of sound from Freiburg to Offenburg, what happens then? If you’re traveling at exactly the same speed as sound—at the speed of sound—you’ll arrive in Offenburg, and there it will have already passed you by; you still won’t hear it. If you’re traveling at exactly the same speed, you’ll never hear it, because it will have already passed you by by the time you’re supposed to hear it. You’re supposed to hear it, but by then it’s already gone. Now people say: Good grief, that’s right—you can’t hear the sound anymore if you’re moving just as fast as the sound itself! And if you move even faster than the sound, what happens then? If you move more slowly, you hear it later; if you move just as fast, you don’t hear it at all. If you move faster, you hear it before it even reaches you! People say that’s perfectly natural—that’s exactly how it works. So if you hear the sound in Offenburg two seconds later—when you’re moving slower than the sound—you won’t hear it at all if you’re moving at the same speed as the sound. But if you’re moving faster than the sound, then you’ll hear it two seconds earlier than when it’s released in Freiburg! I’d just like to invite you to listen—to really listen to the sound—before it’s released in Freiburg! You can see for yourself whether you hear it sooner, no matter how fast you’re zooming along.

[ 35 ] Der andere Einwand ist der, daß ich Sie dann fragen möchte, wie Sie dann ausschauen, wenn Sie sich so schnell bewegen oder noch schneller als der Schall!

[ 35 ] The other objection is that I would then like to ask you what you look like when you move that fast—or even faster than the speed of sound!

[ 36 ] Was folgt daraus? Es folgt daraus, daß man alles denken kann, wenn man sich nicht an die Wirklichkeit hält. Man kommt zuletzt mit dieser Relativitätstheorie darauf, daß man den Schall früher hört, als der Schuß losgelassen wird! (Heiterkeit.) Denken kann man sich das ganz gut, aber geschehen kann das nicht. Und das, sehen Sie, ist der Unterschied! Die Leute, die heute Wissenschaft treiben, wollen hauptsächlich logisch denken; und Einstein denkt wunderbar logisch. Aber das Logische ist noch nicht wirklich. Man muß zweierlei Eigenschaften in seinem Denken haben: Erstens müssen die Sachen logisch schon sein, aber zweitens müssen sie wirklichkeitsgemäß sein. Man muß in der Wirklichkeit drinnen leben können. Dann denkt man sich auch nicht diesen Kasten aus, der da auf und ab gezogen wird an einem Seil. Dann denkt man sich nicht die Uhr, die mit der Lichtgeschwindigkeit hinausfliegt in den Weltenraum und wieder zurück. Dann denkt man sich auch nicht den Kerl da, der sich schneller bewegt als der Schall und daher den Schall früher hört, als der Schuß stattfindet. Vieles von dem, meine Herren, was Sie heute in Büchern lesen als solche Erwägungen, ist sehr schön ausgedacht, aber man hat nichts davon in der Wirklichkeit.

[ 36 ] What follows from this? It follows that one can imagine anything, as long as one does not stick to reality. Ultimately, this theory of relativity leads one to conclude that one hears the sound before the shot is fired! (Laughter.) One can easily imagine that, but it cannot actually happen. And that, you see, is the difference! People who do science today want mainly to think logically; and Einstein thinks wonderfully logically. But what is logical is not yet real. One must possess two qualities in one’s thinking: First, things must already be logical, but second, they must correspond to reality. One must be able to live within reality. Then one doesn’t imagine this box being pulled up and down on a rope. Then one doesn’t imagine the clock flying out into outer space at the speed of light and back again. Nor would one imagine that guy over there who moves faster than the speed of sound and therefore hears the sound before the shot is fired. Much of what you read in books today, gentlemen, in the form of such speculations, is very beautifully conceived, but none of it has any basis in reality.

[ 37 ] Und so kann man sagen: Gescheit ist diese Einsteinsche Relativitätstheorie, und sie gilt auch für eine gewisse Partie der Welt, aber man kann mit ihr nichts anfangen, wenn man in die Wirklichkeit hineinsieht. Denn aus der Relauivitätstheorie kommt man niemals darauf, warum ein Mensch sich so fur&htbar ermüdet, wenn er nach Basel geht, da er doch gar nicht sagen kann, ob er nach Basel hineingeht oder ob Basel ihm entgegenkommt. Es wäre ja die Ermüdung gar nicht erklärlich, wenn Basel ihm entgegenkommt, und warum ich da mit meinen Füßen hantiere, wenn ich gehe; ich könnte ja still stehen bleiben, könnte warten, bis mir Basel entgegenkommt! Sie sehen, alle diese Dinge zeigen nichts anderes, als daß es noch nicht genügend ist, richtig und gescheit zu denken, sondern daß dazu noch etwas anderes gehört: Man muß im Leben drinnenstehen und muß die Sachen nach dem Leben entscheiden.

[ 37 ] And so one can say: Einstein’s theory of relativity is clever, and it also applies to a certain part of the world, but it’s of no use when you look at reality. For the theory of relativity can never explain why a person gets so terribly tired when walking to Basel, since he cannot even say whether he is walking into Basel or whether Basel is coming toward him. After all, the fatigue would be completely inexplicable if Basel were coming toward him, and why would I have to move my feet at all when I walk; I could just stand still, I could wait until Basel comes toward me! You see, all these things show nothing other than that it is not yet enough to think correctly and sensibly, but that something else is needed as well: One must be immersed in life and must judge things according to life.

[ 38 ] Das ist das, was ich Ihnen über die Relativitätstheorie sagen kann. Sie hat großes Aufsehen gemacht, aber die Leute verstehen sie, wie gesagt, wenig, sonst würden sie schon über die Dinge nachdenken.

[ 38 ] That is what I can tell you about the theory of relativity. It has caused quite a stir, but as I said, people don’t really understand it; otherwise, they would already be thinking about these things.

[ 39 ] Also dann am nächsten Samstag wieder.

[ 39 ] See you again next Saturday, then.

Wandtafel 2
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Chalkboard 2
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