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The Rudolf Steiner Archive

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Human History and the
World Views of Civilized Nations
GA 353

12 April 1924, Dornach

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8. Über das Osterfest

8. About Easter

[ 1 ] Guten Morgen, meine Herren! Da ich nächste Woche ja nicht da sein kann, weil ich in Bern sein muß, so wollte ich Ihnen heute eigentlich noch etwas sagen, was mit dem zusammenhängt, was wir schon besprochen haben über das Osterfest. Oder haben Sie eine andere Frage, über etwas, was besonders jetzt wichtig ist?

[ 1 ] Good morning, gentlemen! Since I won’t be able to be here next week because I have to be in Bern, I actually wanted to tell you something today that relates to what we’ve already discussed about Easter. Or do you have another question about something that’s particularly important right now?

[ 2 ] Herr Burle: Ich hätte eigentlich auch etwas zu fragen, aber es hängt nicht mit dem Osterfest zusammen. Es ist unlängst ein Zeitungsartikel gekommen von Paris, wo geschrieben wird, daß es möglich ist, daß man mit der Haut lesen könne, sehen könne. - Kann Herr Doktor darüber etwas sagen? Es hat mich sehr verwundert, das zu hören.

[ 2 ] Mr. Burle: I actually have a question as well, but it has nothing to do with Easter. A newspaper article recently came out of Paris stating that it is possible to read and see using one’s skin. - Can the doctor say anything about this? I was very surprised to hear that.

[ 3 ] Dr. Steiner: Nun, wenn man solch eine Sache in dieser Form mitgeteilt bekommt, wie sie da in solchen Zeitungsartikeln auftritt, so muß man zuerst natürlich vorsichtig sein. Es müssen ja die Sachen nachgeprüft werden. Es handelt sich also darum, daß gewisse Persönlichkeiten - nun behauptet allerdings der Mann: alle Persönlichkeiten - dazu gebracht werden können, mit der Haut zu sehen, mit irgendeiner Hautstelle lesen zu können.

[ 3 ] Dr. Steiner: Well, when one is told about something like this in the way it appears in such newspaper articles, one must of course be cautious at first. The facts must, of course, be verified. The point is that certain individuals—though the man claims it applies to everyone—can be made to see with their skin, to be able to read using any part of their skin.

[ 4 ] Das ist aber eine Sache, die man längst weiß und die man eben mit gewissen Persönlichkeiten durchführen kann, so daß, wenn man Persönlichkeiten darauf trainiert, so richtig daraufhin ausbildet, man die Fähigkeit erzeugen kann, daß sie mit der Haut, irgendeiner beliebigen Hautstelle, lesen können. Nun möchte ich aber doch bei dieser Gelegenheit darauf aufmerksam machen, daß man sich über solche Dinge nicht allzu stark verwundern sollte. Denn Sie müssen nur bedenken: Die Menschen lernen doch nicht alles, was sie können; sie bilden es nicht aus. Und man kann manche Dinge sehr schnell ausbilden, wenn man es daraufhin anlegt. Man könnte natürlich alle Kinder daraufhin ausbilden, daß sie mit den Fingern lesen können, wenn man zunächst die einfachen Buchstaben nimmt und die Kinder das Papier abgreifen läßt. An der Stelle, wo der Buchstabe nicht steht, ist das Papier doch ganz anders als da, wo der Buchstabe steht. Nehmen Sie nur an, man mache Buchstaben, die etwas herausragen, ausgekratzt sind aus dem Papier - warum sollte man denn die nicht leicht lesen können! Denn wenn man aus Holz Buchstaben macht, so kann man ja auch durch Abgreifen mit zugemachten Augen lesen. Und diese Gabe braucht nur etwas verfeinert zu werden.

[ 4 ] But this is something that has been known for a long time and that can be done with certain individuals, so that if you train these individuals—if you really teach them how to do it—you can develop their ability to read using their skin, any part of their skin. But I would like to take this opportunity to point out that one shouldn’t be too surprised by such things. After all, just consider this: People don’t learn everything they’re capable of; they don’t train themselves in it. And some things can be taught very quickly if one sets out to do so. Of course, one could train all children to read with their fingers by starting with simple letters and letting the children feel the paper. Where there is no letter, the paper feels quite different from where there is a letter. Just suppose you made letters that protrude slightly, carved out of the paper—why shouldn’t they be easy to read! After all, if you make letters out of wood, you can read them by feeling them with your eyes closed. And this ability just needs to be refined a little.

[ 5 ] Sehen Sie, ich habe mich zum Beispiel als Junge auf etwas geübt, was die wenigsten Leute üben: nämlich einen Bleistift zwischen der großen Zehe und der nächsten Zehe zu halten und damit zu schreiben. Man kann das auch lernen. Man kann eben alle diese Dinge, die man sonst nicht lernt, lernen, und dadurch entstehen dann gewisse Fähigkeiten; die verfeinern sich, und dadurch entsteht dann etwas, worüber man glaubt, sich verwundern zu sollen. Es ist aber gar nicht zu verwundern. Es beruht auf der Ausbildung des Tastvermögens. Mit jedem Körperteil kann man tasten. So wie man einen Stich mit der Nadel wahrnehmen kann, so kann man auch die kleinen Einkratzungen wahrnehmen, die die Buchstaben bilden. Und auf diese Weise kann so etwas ausgebildet werden.

[ 5 ] You see, for example, when I was a boy, I practiced something that very few people practice: namely, holding a pencil between my big toe and the next toe and writing with it. You can learn to do that, too. You can learn all these things that you wouldn’t otherwise learn, and through that, certain abilities develop; they become more refined, and this results in something that people think they should marvel at. But it’s not at all surprising. It’s based on the development of the sense of touch. You can feel with any part of your body. Just as you can feel a prick from a needle, you can also feel the tiny indentations that form the letters. And in this way, such a skill can be developed.

[ 6 ] Aber um so etwas handelt es sich in diesem Falle doch nicht ganz, denn der Mann behauptet, daß er bei allen Personen die Fähigkeit hervorrufen kann, mit der Haut wirklich lesen zu lernen. Nun ist jene Beschreibung nicht ganz genau so, daß man alle Einzelheiten prüfen kann. Wenn einmal eine wissenschaftliche Begründung darüber erschienen ist, läßt sich eher sagen, ob es stimmt, wenn man Ihnen eine Seite von einem Buch auf den Bauch legt, ob Sie das lesen können. Man muß eben erst erkennen, ob es sich da um ein ganz feines Gefühlsvermögen, Tastvermögen handelt, das man ausbilden kann, oder ob der Mann schwindelt. Was dahintersteckt, das läßt sich aus der Beschreibung noch nicht entnehmen. Mich hat bei dieser Mitteilung die Sache gar nicht so sehr verwundert, weil ich mir denken kann, daß es möglich sein könnte; aber was mich verwundert hat, das ist die dumme Bemerkung, die die Journalisten daran geknüpft haben: wenn das wirklich wahr wäre, dann müßte es längst gefunden sein. - Kann einer sagen, wenn das Telephon zum Beispiel gefunden wird: Wenn das wirklich wahr wäre, dann müßte es längst gefunden sein, dann müßte es die Menschheit längst kennen? Das hat mich viel mehr verwundert, daß solch ein Ausspruch möglich ist, als die Sache selber. Die Sache selber ist gar nicht so wunderbar, denn man kann als Mensch sehr viel für seine Gefühls-, für seine Tastorgane lernen. Denn die Menschen bemerken nur nicht, was davon abhängt, daß sie die Augen auf etwas richten in der Beurteilung der Gegenstände. Zum Beispiel die Finger können sehr fein ausgebildet werden für die Wahrnehmung von allem möglichen. Also ein Urteil darüber, ob der Mann, der da behauptet, daß er jeden Körperteil dazu bringen kann, daß er sieht, das aus langjähriger Abrichtung dazu bringt oder nicht, muß aus wirklicher Wissenschaftlichkeit hervorgehen. Ich habe darüber deutsche, englische und französische Zeitungsnachrichten gelesen; es läßt sich daraus nicht entnehmen, ob der Mann wahnsinnig oder ein Schwindler oder ein wirklich wissenschaftlicher Mensch ist. Das ist die Sache. Nun möchte ich Ihnen also über das Osterfest noch etwas sagen. Das Osterfest ist gerade deshalb so geeignet, daß wir anknüpfen an dasjenige, was wir über das Mysterium von Golgatha gesprochen haben, weil ja, wie Sie wissen, das Osterfest ein sogenanntes bewegliches Fest ist. Es wird jedes Jahr an einem anderen Zeitpunkte gefeiert. Es schwankt. Warum schwankt es? Aus dem Grunde schwankt es, weil man es nicht nach irdischen Verhältnissen festsetzt, sondern man setzt es fest nach himmlischen Verhältnissen. Man setzt es dadurch fest, daß man sich frägt: Wann ist der Frühlingsanfang? Der Frühlingsanfang ist natürlich immer am 21. März. Also bevor der Frühling anfängt, setzt man nicht das Osterfest an. Dann wartet man aber - der Frühlingsanfang ist also immer am 21. März -, bis der Vollmond kommt. Wenn der Vollmond kommt, wartet man wieder bis zum nächsten Sonntag und setzt als Ostersonntag denjenigen Sonntag fest, der der erste Sonntag ist nach dem ersten Vollmond nach Frühlingsanfang. Nun kann der erste Vollmond auf den 22. März fallen; dann ist der nächste Sonntag für uns der Ostersonntag, weil er der erste Sonntag ist nach dem Frühlingsvollmond. Dann ist das Osterfest sehr, sehr früh. Es kann aber auch der Vollmond erst neunundzwanzig Tage nach dem 21. März fallen. Wenn zum Beispiel der Vollmond am 19. März ist, kommt erst der Frühlingsanfang, und dann nach achtundzwanzig Tagen der Vollmond. Dann ist erst der nächste Sonntag nach vier Wochen der Ostersonntag. Dann fällt also das Osterfest weit in den April hinein. So daß das Osterfest verschiebbar ist zwischen dem 21. März und dem Ende des April. Da schwankt es hin und her.

[ 6 ] But that’s not quite what this case is about, because the man claims that he can awaken in anyone the ability to actually learn to read using their skin. Now, that description isn’t precise enough to allow for a thorough examination of all the details. Once a scientific explanation has been published on the subject, it will be easier to determine whether it’s true that if you place a page from a book on your stomach, you can read it. We first need to figure out whether this involves a very subtle sensory or tactile ability that can be developed, or whether the man is simply deceiving people. The description doesn’t yet reveal what lies behind it. I wasn’t all that surprised by this report, because I can imagine that it might be possible; but what did surprise me was the foolish remark the journalists added: if that were really true, it would have been discovered long ago. - Can anyone say, for example, when the telephone was invented: “If that were really true, then it would have been discovered long ago; then humanity would have known about it long ago”? It surprised me much more that such a statement is possible than the matter itself. The matter itself isn’t all that remarkable, because as human beings we can learn a great deal to enhance our sensory and tactile faculties. People simply fail to realize how much their judgment of objects depends on focusing their eyes on them. For example, the fingers can be trained very finely to perceive all sorts of things. So any judgment as to whether the man who claims he can make every part of his body “see”—whether he has achieved this through years of training or not—must be based on genuine scientific rigor. I have read German, English, and French newspaper reports on this; it is impossible to determine from them whether the man is insane, a charlatan, or a truly scientific person. That is the point. Now I would like to say a few more words to you about Easter. Easter is particularly well-suited for building on what we have discussed regarding the Mystery of Golgotha precisely because, as you know, Easter is what is known as a movable feast. It is celebrated at a different time each year. It varies. Why does it vary? It varies for the reason that it is not determined according to earthly conditions, but rather according to heavenly conditions. It is determined by asking: When is the beginning of spring? The beginning of spring is, of course, always on March 21. So Easter is not set before spring begins. But then—since the beginning of spring is always on March 21—we wait until the full moon occurs. When the full moon occurs, we wait again until the next Sunday and designate as Easter Sunday the first Sunday following the first full moon after the beginning of spring. Now, the first full moon might fall on March 22; in that case, the next Sunday is Easter Sunday for us, because it’s the first Sunday after the spring full moon. Then Easter comes very, very early. But the full moon might also fall as late as twenty-nine days after March 21. For example, if the full moon is on March 19, the start of spring comes first, followed by the full moon twenty-eight days later. In that case, Easter Sunday is not until the next Sunday four weeks later. Thus, Easter falls well into April. Consequently, Easter can fall anywhere between March 21 and the end of April. It fluctuates back and forth.

[ 7 ] Nun, meine Herren, warum hat man das Osterfest festgesetzt nach dem, wie es am Himmel ist? Ja, das hängt mit dem zusammen, was ich Ihnen schon gesagt habe, daß man eben früher wußte: Mond und Sonne haben auf all das, was auf der Erde ist, einen Einfluß.

[ 7 ] Well, gentlemen, why was Easter set according to the celestial calendar? Yes, that has to do with what I have already told you—namely, that people knew long ago that the moon and the sun have an influence on everything on Earth.

[ 8 ] Betrachten Sie eine Pflanze, die aus der Erde herauswächst. Wenn da die Erde ist (siehe Zeichnung), so nehmen Sie ja, wenn Sie die Pflanze haben wollen, einen ganz kleinen Samen und legen ihn hinein. Da ist die ganze Pflanze, das ganze Leben der Pflanze zusammengedrängt in diesem kleinen Samen. Was wird aus diesem Samen? Zuerst die Wurzel. Da dehnt sich das ganze Leben aus zu der Wurzel.

[ 8 ] Consider a plant growing out of the ground. If the ground is there (see drawing), then—if you want the plant—you take a very small seed and place it in the ground. The entire plant—the plant’s entire life—is condensed into this tiny seed. What comes from this seed? First, the root. There, the whole life expands into the root.

early Earthearly Earth

[ 9 ] Dann zieht sie sich aber neuerdings wiederum zusammen und es wächst zusammengezogen, und es wird ein Stengel. Dann dehnt es sich wieder aus und es werden die Blätter. Dann wird die Blüte daraus. Und dann zieht es sich wiederum zusammen in dem Samen, der da wartet bis zum nächsten Jahre. Was haben wir also bei der Pflanze? Wir haben bei der Pflanze Ausdehnen, Zusammenziehen, Ausdehnen, Zusammenziehen, Ausdehnen, Zusammenziehen.

[ 9 ] But then it contracts again, and as it grows while contracted, it becomes a stem. Then it expands again, and leaves form. Then a flower develops from it. And then it contracts once more into the seed, which waits there until the following year. So what do we see in the plant? In the plant, we see expansion, contraction, expansion, contraction, expansion, contraction.

[ 10 ] Nun, jedesmal, wenn sich die Pflanze ausdehnt, ist es die Sonne, die zum Beispiel das Blatt herauszieht; jedesmal, wenn sich die Pflanze zusammenzicht, wenn es entweder der Same ist oder der Stengel, da ist es aber der Mond, der dieses Zusammenziehen bewirkt. Also da zwischen den Blättern, da wirkt der Mond. So daß man sagen kann, wenn man eine solche Pflanze bekommt, wo die Blätter ausgebreitet sind, wo die Wurzel ausgebreitet ist - zuerst beim Samen: der Mond, dann: die Sonne, wieder Mond, wieder Sonne, wieder Mond, Sonne, und mit dem Mond schließt es ab. So daß wir in jeder Pflanze abwechselnd bemerken können: Sonnenwirken, Mondenwirken, Sonnenkräfte, Mondenkräfte. Wir schauen uns also um uns herum das Feld an mit den wachsenden Pflanzen und sehen da die Taten von Sonne und Mond. Ich habe Ihnen gesagt: Auch wenn der Mensch in die Welt kommt, dann ist das, wie er gestaltet ist in seinem physischen Leib, abhängig vom Mond; das, was er innerlich für Kräfte hat, um sich selber umzuwandeln, das ist abhängig von der Sonne. Das habe ich Ihnen bei der Schilderung des Mysteriums von Golgatha gesagt.

[ 10 ] Well, every time the plant expands—for example, when the leaf unfolds—it is the sun that causes this; every time the plant contracts—whether it is the seed or the stem—it is the moon that causes this contraction. So there, between the leaves, the moon is at work. So one can say that when you have a plant like this, where the leaves are spread out and the root is spread out—starting with the seed: the moon, then the sun, then the moon again, then the sun again, then the moon, then the sun, and it concludes with the moon. So in every plant we can observe, in alternation: the sun’s influence, the moon’s influence, the sun’s forces, the moon’s forces. So we look around us at the field with the growing plants and see there the workings of the sun and the moon. I have told you: Even when a human being comes into the world, the way he is formed in his physical body depends on the moon; the inner forces he possesses to transform himself depend on the sun. I told you this in my description of the Mystery of Golgotha.

[ 11 ] Ja, sehen Sie, das hat man früher gewußt; das hat man nur vergessen. Man hat sich gesagt: Wann ist die größte Kraft im Frühling vorhanden, damit die Pflanzen richtig gedeihen können und am zuträglichsten gedeihen können für den Menschen? Wenn Sonne und Mond richtig zusammenwirken. Das ist der Fall, wenn zum ersten Mal der Vollmond mit seiner vollen Strahlung auf die Erde scheint und die Sonnenstrahlen unterstützt. Da kommen also Sonne und Mond zusammen, wenn die Sonne, die ihre höchste Kraft im Frühling hat, und der Mond, der ja immer nach vier Wochen seine höchste Kraft hat, richtig zusammenwirken; deshalb Ostern am Sonntag, der der Sonne gewidmet war, nach dem Frühlingsvollmond. Also, man hat in der Festsetzung des Osterfestes gewußt, daß es sich um etwas handelt, was sich festsetzen soll als Frühlingsanfang nach der Wintersonnenwende.

[ 11 ] Yes, you see, people used to know this; they’ve just forgotten it. They asked themselves: When is the greatest power present in spring so that plants can thrive properly and in the way most beneficial to humans? When the sun and moon work together in harmony. This is the case when the full moon shines upon the Earth for the first time with its full radiance and supports the sun’s rays. Thus, the sun and moon come together when the sun—which has its greatest power in spring—and the moon—which always reaches its greatest power after four weeks—work together in harmony; that is why Easter falls on the Sunday dedicated to the sun, following the spring full moon. Thus, in establishing the date of Easter, it was understood that this was something intended to mark the beginning of spring following the winter solstice.

[ 12 ] Nun ist aber das Osterfest nicht etwa erst in den christlichen Zeiten entstanden, sondern es ist eigentlich aus einem alten heidnischen Fest hervorgegangen, aus dem Feste, das ich Ihnen auch schon angedeutet habe, jetzt genauer beschreiben will: aus dem sogenannten Adonisfest. Worin bestand denn das Adonisfest? Sehen Sie, meine Herren, das Adonisfest ist eingesetzt worden aus denjenigen Kunst- und Unterrichts- und Religionsstätten, die ich Ihnen als die Mysterien geschildert habe. Und Adonis war eine Art von Bild, das man sich gemacht hat für dasjenige im Menschen, was geistig-seelisch ist. Also man hat sich unter Adonis das vorgestellt, was im Menschen geistig-seelisch ist. Und man dachte sich: Ja, aber auch das, was geistig-seelisch ist im Menschen, stimmt überein mit der ganzen Welt. - Und berücksichtigen muß man nur, daß das Adonisfest, das unserem heutigen Osterfest gleicht, bei den alten Heiden, die die ganzen geistigen Verhältnisse noch berücksichtigt haben, so entstanden ist, daß sie es im Herbst gefeiert haben! Also das alte Osterfest ist im Herbste gefeiert worden. Und es ist auf folgende Art gefeiert worden.

[ 12 ] But the Easter festival did not originate in Christian times; rather, it actually evolved from an ancient pagan festival—the one I have already alluded to and now wish to describe in more detail: the so-called Adonis Festival. What, then, was the Adonis Festival? You see, gentlemen, the Adonis Festival originated in those centers of art, education, and religion that I have described to you as the Mysteries. And Adonis was a kind of image that people created to represent that which is spiritual and soulful in human beings. So, under the figure of Adonis, people created a mental image of what is spiritual and soulful in human beings. And they thought: Yes, but what is spiritual and soulful in human beings also corresponds to the entire world. - And one must simply take into account that the Adonis festival, which resembles our modern Easter, originated among the ancient pagans—who still took the entire spiritual context into account—in such a way that they celebrated it in the fall! So the ancient Easter was celebrated in the fall. And it was celebrated in the following manner.

[ 13 ] Es ist dadurch gefeiert worden, daß man das Bild dieses ewigen, unsterblichen Teiles des Menschen, des geistig-seelischen Teiles, genommen hat, in einen Teich oder in Meereswasser, wenn es an der Küste war, getaucht hat, es drei Tage dadrinnen gelassen hat, und das Hinuntersenken des Bildes, das haben die Leute begleitet mit Trauergesängen, mit Klagegesängen. Es war dieses Hinuntersenken des Bildes verbunden mit einer solchen Feierlichkeit, wie sie sonst sein kann, wenn man aus einem regen Familien- oder Freundschaftskreis jemanden sterben sieht - ein richtiges Totenfest. Und das ist immer an einem solchen Tag gefeiert worden, den wir heute als einen Freitag bezeichnen. Der Name Karfreitag ist eigentlich erst aufgekommen, als die Sache auf Mitteleuropa, auf die germanischen Gegenden, auf die deutschen Gegenden überging. Und «kar» kommt von kara, und kara heißt eigentlich die Klage. Also ist es der Klagefreitag.

[ 13 ] It was celebrated by taking the image of this eternal, immortal part of the human being—the spiritual and soul aspect—and submerging it in a pond or in seawater, if it was on the coast, leaving it there for three days; and as the image was lowered into the water, the people accompanied the act with dirges and lamentations. This lowering of the image was associated with a solemnity of the kind one might otherwise experience when witnessing the death of someone from a close circle of family or friends—a true funeral rite. And this was always observed on a day that we now call Friday. The name “Good Friday” actually didn’t come into use until the tradition spread to Central Europe, to the Germanic regions, and to the German regions. And “kar” comes from “kara,” which actually means “lament.” So it is “Lamentation Friday.”

[ 14 ] Wie diese Sache ursprünglich war, das wissen die Menschen heute so wenig, daß die Engländer diesen Freitag Good Friday, den Guten Freitag nennen, während er in alten Zeiten der Totenfreitag, der Trauerfreitag, der Klagefreitag genannt worden ist. Es war ein richtiges Totenfest, das für den Adonis gefeiert wurde. Und wo gar kein Wasser vorhanden war, haben sie irgendein künstliches Gewässer gemacht, wo sie ihr Bild hineintauchen konnten - es war eine Statue und nach drei Tagen wieder herausgeholt haben, nämlich nach dem Sonntag herausgehoben haben. Sie sehen, meine Herren, das war ein richtiges Totenfest.

[ 14 ] People today know so little about how this matter originally was that the English call this Friday “Good Friday,” whereas in ancient times it was called “Dead Friday,” “Mourning Friday,” or “Lamentation Friday.” It was a true festival of the dead, celebrated in honor of Adonis. And where there was no water at all, they would create some kind of artificial body of water where they could submerge his image—it was a statue—and retrieve it again after three days, specifically on Sunday. You see, gentlemen, that was a true festival of the dead.

[ 15 ] Beim Herausheben wurden dann Freudengesänge angestimmt, richtige Freudengesänge. So daß da innerhalb der drei Tage durch jede Menschenseele gezogen ist dasjenige, was erregt hat die höchste Trauer, und nach drei Tagen die größte Freude. Jubelgesänge wurden angestimmt. Und der Inhalt dieser Jubelgesänge war immer der, daß man sagte: Der Gott ist uns wieder erstanden!

[ 15 ] As he was lifted out, songs of joy were sung—true songs of joy. So that within those three days, every human soul experienced both the deepest sorrow and, after three days, the greatest joy. Songs of jubilation were sung. And the message of these songs of jubilation was always this: “God has risen again for us!”

[ 16 ] Ja, meine Herren, was bedeutete denn dieses Fest? - ich muß immer betonen: es wurde zunächst im Herbste gefeiert -, was bedeutete dieses Fest?

[ 16 ] Yes, gentlemen, what did this festival mean?—I must always emphasize: it was first celebrated in the fall—what did this festival mean?

[ 17 ] Nun, ich habe Ihnen bei anderen Gelegenheiten auch das Folgende erzählt: Wenn der Mensch stirbt, dann legt er seinen physischen Leib ab. Wenn der Mensch stirbt, dann trauern die Hinterbliebenen und Freunde, und es wird, je nachdem die Menschen gestimmt sind, eine solche Totenfeierlichkeit, wie sie diese Leute bei der Adonisversenkung gemacht haben, auf natürliche Weise entstehen. Nur fehlt etwas anderes. Ich habe Ihnen ja erzählt: Drei Tage lang nach seinem Tode bleibt der Mensch so, daß er zurücksieht auf sein Erdenleben. Er hat seinen physischen Leib abgelegt, aber er hat noch seinen Ätherleib. Der wird immer größer und größer und verdunstet endlich in der Welt. Dann ist der Mensch nur noch in seinem astralischen Leib und in seinem Ich.

[ 17 ] Well, I have also told you the following on other occasions: When a person dies, they shed their physical body. When a person dies, their loved ones and friends mourn, and depending on the people’s dispositions, a funeral ceremony like the one these people held for the burial of Adonis will naturally arise. But something else is missing. As I have told you: For three days after death, a person remains in a state where they look back on their earthly life. They have shed their physical body, but they still have their etheric body. This body grows larger and larger and eventually dissipates into the world. Then the person remains only in their astral body and in their I.

[ 18 ] Die Leute, die das Adonisfest eingerichtet haben, haben sich nun gesagt: Die Menschen sollen wissen, daß der Mensch nicht nur stirbt, wenn sein physischer Leib stirbt, sondern daß er nach drei Tagen in der geistigen Welt wieder aufersteht. - Und damit dem Menschen das jedes Jahr zum Bewußtsein kommt, deshalb ist das Adonisfest eingerichtet worden. Beim Adonisfest im Herbste sagte man: Seht ihr, die Natur stirbt ab. Die Bäume verlieren ihre Blätter, die Erde bedeckt sich mit Schnee, Kälte, schneidende Winde kommen, die Erde verliert ihre Fruchtbarkeit; sie sieht gerade so aus, als wenn der physische Mensch stirbt. - Aber wenn man auf die Erde schaut, dann muß man bis zum Frühling warten, wenn sie wieder auferstehen soll. Wenn man auf den Menschen schaut: der steht in der Seele, im Geiste nach drei Tagen wieder auf. Das muß zum Bewußtsein kommen. Deshalb Totenfest, und gleich darauf Auferstehungsfest - aber im Herbste, wo man dem Menschen klarmachen kann: Der Mensch ist der Gegensatz der Natur. Die Natur muß sich fügen, bleibt den ganzen Winter tot, weil sie nur Natur ist; der Mensch lebt fort nach dem Tode in der geistigen Welt, tritt in Gegensatz zur Natur. Wenn die Natur abblättert, schneeig wird, wenn die Natur die kalten Winde hat, dann muß man den Menschen aufmerksam machen: Du bist anders als die Natur; wenn du dahinstirbst, stehst du in drei Tagen wiederum auf.

[ 18 ] The people who established the Adonis Festival told themselves: People should know that a human being does not die only when his physical body dies, but that he rises again in the spiritual world after three days. - And so that people might become aware of this every year, the Adonis Festival was established. During the Adonis Festival in the fall, people would say: “Look, nature is dying. The trees are losing their leaves, the earth is covered with snow, cold and biting winds are coming, the earth is losing its fertility; it looks just as if the physical human being were dying.” - But when one looks at the earth, one must wait until spring for it to rise again. When one looks at the human being: in the soul, in the spirit, he rises again after three days. This must be brought to consciousness. That is why there is a Festival of the Dead, followed immediately by a Festival of Resurrection—but in the fall, when one can make it clear to people: The human being is the opposite of nature. Nature must submit; it remains dead throughout the winter because it is merely nature; the human being lives on after death in the spiritual world, standing in contrast to nature. When nature sheds its leaves, becomes snow-covered, when nature is swept by cold winds, then one must make the human being aware: You are different from nature; when you die, you will rise again in three days.

[ 19 ] Das war ein schönes Fest durch die ganzen alten Zeiten. Da kamen an den Orten, wo die Mysterienkultstätten waren, die Menschen zusammen, blieben diese ganzen Osterfeiertage, und dann machten sie das Klagelied mit und bekamen am dritten Tage das Bewußtsein: Jede Seele, jedes Ich und jeder astralische Leib stehen in der geistigen Welt wiederum auf drei Tage nach dem Tode. - Es war für die Leute das Mithineinziehen in die geistige Welt, daß man sich abwendete am Osterfeste von der physischen Welt. Sehen Sie, das konnte ja auch der Zeit nach so geschehen; denn in den älteren Zeiten war es nicht so wie jetzt. Jetzt ist es so, daß die Leute gerade im Frühling das Osterfest haben, wo sie auch etwas anderes zu tun haben, wenn sie Landleute sind. Das alte Osterfest, das Adonisfest wurde gefeiert, wenn die letzten Früchte eingeerntet waren, wenn die Weinlese vorüber war, wenn die Menschen zur Winterruhe kamen; dann wollten sie aufwachen im Geiste. Da feierten sie das Adonisfest. Und dieses Adonisfest - man hat den Adonis an verschiedenen Orten verschieden genannt -, aber dieses Adonisfest, das ist überall gefeiert worden, wo alte Religionen waren. Denn alle alten Religionen haben zu den Menschen in dieser Weise von der Unsterblichkeit der Seele geredet.

[ 19 ] That was a beautiful festival throughout those ancient times. People would gather at the sites of the mystery cults, stay there for the entire Easter holiday, and then join in the lament; on the third day, they came to realize: Every soul, every “I,” and every astral body rises again in the spiritual world three days after death. —For people, turning away from the physical world during the Easter festival was a way of drawing into the spiritual world. You see, this could indeed have happened that way historically; for in earlier times, things were not as they are now. Nowadays, people celebrate Easter in the spring, when they also have other work to do if they are farmers. The ancient Easter festival—the Adonis Festival—was celebrated after the last fruits had been harvested, after the grape harvest was over, and when people were settling into their winter rest; then they sought to awaken spiritually. That is when they celebrated the Festival of Adonis. And this Festival of Adonis—Adonis was known by different names in different places—but this Festival of Adonis was celebrated everywhere where ancient religions existed. For all ancient religions spoke to people in this way about the immortality of the soul.

[ 20 ] Nun, in den ersten christlichen Jahrhunderten wurde auch nicht ein Österfest so gefeiert wie jetzt, sondern erst allmählich, im 3., 4. Jahrhundert kam es auf. Aber da gerade haben die Menschen nichts mehr verstanden von der geistigen Welt, gar nichts mehr verstanden, sondern sie haben nur noch in die Natur schauen wollen. Sie haben sich nur noch um die Natur bekümmert. Und da haben sie gesagt: Ja, wie können wir im Herbst die Auferstehung feiern? Da aufersteht ja nichts! - Daß der Mensch aufersteht, haben sie nicht mehr gewußt, und deshalb haben sie sich gesagt: Im Herbst aufersteht ja nichts, der Schnee bedeckt alles; im Frühling aufersteht alles: da macht man das Osterfest im Frühling. - Das ist schon etwas, was aus dem Materialismus hervorgegangen ist, wenn auch noch aus einem Materialismus, der auf den Himmel hinaufschaute und das Osterfest nach Sonne und Mond fixierte. Im 3., 4. nachchristlichen Jahrhunderte war schon der Materialismus da, aber wenigstens noch ein Materialismus, der in die Welt hinausschaute, nicht der Regenwurm-Materialismus, wo der Mensch nur auf die Erde schaut - Regenwurm-Materialismus aus dem Grunde, weil die Regenwürmer ja immer unter der Erde sind und höchstens beim Regen einmal herauskommen. Und so ist es beim heutigen Menschen; die heutigen Menschen schauen auf nichts mehr als auf das, was in der Erde ist. In der ersten Zeit, wo man das Osterfest feierte, war wenigstens der Materialismus noch so, daß man geglaubt hat: Die Millionen Sterne, die haben einen Einfluß auf den Menschen. - Das ist auch vergessen worden vom 15. Jahrhundert an. Und so ist das Osterfest auf den Frühling gekommen. Und es konnte auf den Frühling kommen aus dem Grunde, weil ein gewisses Bestreben vorhanden war bei den Christen, die alten Wahrheiten ganz aus der Welt zu schaffen. Das habe ich Ihnen schon dargestellt, als ich geredet habe über das Mysterium von Golgatha: daß man eigentlich die alten Wahrheiten aus der Welt zu schaffen bestrebt war. Und so sind denn im 8., 9. nachchristlichen Jahrhunderte die Menschen ganz unwissend geworden darüber, daß das Erscheinen des Christus überhaupt etwas mit der Sonne zu tun hat.

[ 20 ] Well, in the early centuries of Christianity, Easter wasn’t celebrated the way it is today; it only gradually came into being during the 3rd and 4th centuries. But at that time, people no longer understood anything about the spiritual world—they understood nothing at all—and instead wanted to look only to nature. They were concerned only with nature. And so they said: “Well, how can we celebrate the Resurrection in the fall? Nothing rises then!”—They no longer knew that human beings rise again, and so they said to themselves: “Nothing rises in the fall; the snow covers everything. In the spring, everything rises again; that is why we celebrate Easter in the spring.” - This is indeed something that arose from materialism, albeit from a materialism that looked up to the heavens and fixed the date of Easter according to the sun and moon. Materialism was already present in the 3rd and 4th centuries A.D., but at least it was still a materialism that looked out into the world—not “earthworm materialism,” where people look only at the earth—earthworm materialism because earthworms are always underground and come out at most only when it rains. And so it is with people today; people today look at nothing more than what is in the earth. In the early days, when Easter was celebrated, materialism was at least still such that people believed: The millions of stars have an influence on human beings. - That, too, was forgotten beginning in the 15th century. And so Easter came to be associated with spring. And it was able to become associated with spring because there was a certain striving among Christians to completely eradicate the old truths from the world. I have already explained this to you when I spoke about the Mystery of Golgotha: that people were actually striving to eradicate the old truths from the world. And so, in the 8th and 9th centuries A.D., people became completely unaware that the appearance of Christ had anything to do with the sun at all.

[ 21 ] Sehen Sie, da ist es ganz interessant zu beobachten, wie es im 4. Jahrhundert hintereinander zwei Kaiser gegeben hat. Da war der Kaiser Konstantin, ein außerordentlich eitler Mensch. Der hat Konstantinopel gegründet. Einen Schatz, der einstmals von Troja nach Rom getragen worden war und dort versenkt worden ist, den hat er von Rom aus nach Konstantinopel tragen lassen, dort vergraben und darüber eine Säule aufgerichtet, auf dieser Säule eine Statue des alten heidnischen Gottes Apollo aufgestellt, aber sich vom Morgenland das Holz kommen lassen - man sagt, vom Kreuze Christi - und davon einen Strahlenkranz bilden lassen. Aber dort, wo das Holz den Strahlenkranz bilden sollte, mußten die Leute den Konstantin sehen! So daß also von da an der Konstantin verehrt worden ist, stehend auf der Bildsäule, die auf dem größten römischen Kleinodienschatz errichtet war. Der hat das äußerlich eingerichtet, daß die Leute nichts mehr gewußt haben von den Weltengeheimnissen, daß man nichts mehr davon gewußt hat, daß der Christus zusammengehörig ist mit der Sonne.

[ 21 ] You see, it’s quite interesting to note how there were two emperors in succession in the 4th century. There was Emperor Constantine, an extraordinarily vain man. He founded Constantinople. He had a treasure—which had once been carried from Troy to Rome and buried there—transported from Rome to Constantinople, buried it there, and erected a column over it; on this column he placed a statue of the ancient pagan god Apollo, but had wood brought from the East—it is said, from the cross of Christ—and had a halo made from it. But where the wood was supposed to form the halo, the people saw Constantine! And so, from that time on, Constantine was worshiped, standing atop the statue that had been erected upon Rome’s greatest treasure. He arranged things outwardly in such a way that the people knew nothing more of the mysteries of the world, that no one knew anymore that Christ is one with the sun.

[ 22 ] Da kam der andere dazwischen, der Julianus, der seine Erziehung in den Mysterien gehabt hat, die zu seiner Zeit noch vorhanden waren, aber ein schweres Leben hatten. Während sie später ausgerottet worden sind von dem Kaiser Justinian, hatten sie schon vorher jahrhundertelang ein sehr schweres Leben. Man wollte sie nicht mehr; das Christentum war ihnen spinnefeind. Nun, jener Julianus ist aber noch erzogen worden in den Mysterien und hat noch gewußt: Es gibt nicht nur eine Sonne, sondern es gibt drei Sonnen. - Als die Leute gehört haben, daß der Julianus gesagt habe, es gibt drei Sonnen, da sind sie schon wild geworden. Denn das war ein Geheimnis der alten Mysterien.

[ 22 ] Then the other one intervened—Julianus, who had been initiated into the Mysteries, which still existed in his time but were struggling to survive. Although they were later eradicated by Emperor Justinian, they had already been struggling for centuries prior to that. People no longer wanted them; Christianity was their sworn enemy. Well, that Julianus, however, had still been educated in the Mysteries and still knew: There is not just one sun, but there are three suns. — When people heard that Julianus had said there are three suns, they went wild. For that was a secret of the ancient Mysteries.

[ 23 ] Sehen Sie, die Sonne ist zuerst der physische Körper, den Sie sehen, jener weißlich-gelbe physische Körper. Das ist zunächst der physische Körper. Aber diese Sonne hat eine Seele: das ist die zweite Sonne. Und dann ist noch die dritte Sonne da: die geistige Sonne. Wie der Mensch Leib, Seele und Geist hat, so hat auch die Sonne Leib, Seele und Geist. Julianus hat von drei Sonnen geredet und wollte, daß man das Christentum so kennenlernt, daß man weiß: der Christus ist aus der Sonne gekommen und in den Menschen Jesus erst hineingegangen.

[ 23 ] You see, the sun is, first of all, the physical body that you see—that whitish-yellow physical body. That is, first and foremost, the physical body. But this sun has a soul: that is the second sun. And then there is the third sun: the spiritual sun. Just as a human being has body, soul, and spirit, so too does the sun have body, soul, and spirit. Julianus spoke of three suns and wanted people to come to know Christianity in such a way that they would understand: Christ came from the sun and first entered into the human being Jesus.

[ 24 ] Das wünschte die Kirche nicht, daß das die Menschen wissen! Die Kirche wollte nicht die Wissenschaft von dem Christus Jesus, sondern nur dasjenige, was sie befiehlt. Und so ist es denn geschehen, daß, als der Kaiser Julian einen Zug nach Asien unternommen hat, er meuchlings ermordet worden ist, um ihn aus der Welt zu schaffen. Das hat dann dazu geführt, daß man immer diesen Julian «Julianus Apostata» nennt, den Abtrünnigen, den Ketzer: Julianus der Ketzer! Aber er wollte eben die Verbindung des Christentums mit den alten Erkenntnissen für die Menschen bestehen lassen. Er dachte sich, das Christentum kommt besser fort, wenn es Weisheitsinhalt hat, als wenn es nur die Befehle der Priester in sich hat, wenn die Menschen nur glauben sollen, was die Priester sagen. - Und so ist es denn gekommen, daß in der Zeit, als das Osterfest auf den Frühling verlegt worden ist, die Menschen zwar noch gewußt haben: das Osterfest hängt mit einer Auferstehung zusammen. Wenn sie auch nichts mehr gewußt haben von der Auferstehung des Menschen, so haben sie doch die Auferstehung der Natur gefeiert. Aber dann ist das auch vergessen worden, dort, wo das Osterfest noch gefeiert worden ist, wo man aber nicht mehr gewußt hat, was es bedeutet. Und heute ist es soweit, daß die Leute sich fragen: Warum muß das Osterfest nach Sonne, Mond und Sternen festgesetzt werden? Es soll doch einfach der erste Sonntag im April sein, dann kommen wir auch mit der Buchhaltung besser zurecht! - Nach kommerziellen Verhältnissen soll es heute festgesetzt werden! Eigentlich sind diejenigen Menschen, die dieses Osterfest nach kommerziellen Verhältnissen festsetzen wollen, ehrlicher als die andern; die andern setzen das Osterfest nach dem Himmel fest, aber wissen nichts mehr davon. Diejenigen sind die ehrlicheren, die von ihrem Standpunkte aus sagen: Das brauchen wir nicht, diese Festsetzung. Aber das ist eben das Traurige, daß wir nur deshalb ehrlich werden können, weil niemand mehr weiß, wie der Zusammenhang wirklich ist. Wir haben heute die Aufgabe, wiederum hinzuweisen darauf, daß das Geistige überall das Maßgebende ist.

[ 24 ] The Church did not want people to know that! The Church did not want knowledge of Jesus Christ, but only what it commanded. And so it came to pass that when Emperor Julian undertook a campaign to Asia, he was treacherously murdered in order to remove him from the world. This led to Julian always being called “Julianus Apostata”—the apostate, the heretic: Julian the Heretic! But he simply wanted to preserve the connection between Christianity and the ancient wisdom for the people. He reasoned that Christianity would fare better if it contained wisdom rather than merely the commands of the priests, if people were not merely expected to believe what the priests said. —And so it came to pass that, at the time when Easter was moved to spring, people still knew that Easter was connected to a resurrection. Even though they no longer knew anything about the resurrection of a human being, they still celebrated the resurrection of nature. But then even that was forgotten—in places where Easter was still celebrated, but where people no longer knew what it meant. And today it has come to the point where people ask themselves: Why does Easter have to be set according to the sun, moon, and stars? It should simply be the first Sunday in April—then we’d have an easier time with our accounting! —Today, it’s supposed to be set according to commercial considerations! Actually, those who want to set the date of Easter according to commercial considerations are more honest than the others; the others set the date of Easter according to the heavens, but no longer know anything about it. Those who, from their own standpoint, say, “We don’t need this kind of dating,” are the more honest ones. But that is precisely what is so sad: we can only be honest because no one knows anymore what the true connection really is. Our task today is to point out once again that the spiritual is the determining factor in everything.

[ 25 ] So hat man einmal in alten Zeiten gewartet auf den ersten Vollmond nach dem Herbstanfang. Und an dem Sonntag nach dem ersten Vollmond nach Herbstanfang, da hat man festgelegt das Adonisfest, auch nach dem Monde, nur hat man gewußt: Es ist das Gegenteil, wenn uns der Himmel den Schnee schickt - es fiel das Adonisfest immer zwischen Ende September und Ende Oktober -, dann ist es die beste Zeit, sich an die Auferstehung des Menschen zu erinnern. - Da brauchten die Menschen nicht die Auferstehung in der Natur. Aber wenigstens in der ersten Zeit des Osterfestes haben sie noch gewußt, daß das Osterfest ein Toten- und ein Auferstehungsfest ist. Das ist auch verlorengegangen.

[ 25 ] In ancient times, people used to wait for the first full moon after the beginning of autumn. And on the Sunday following the first full moon after the beginning of autumn, the Adonis Festival was set—also based on the moon—but people knew this: If the heavens send us snow—the Adonis Festival always fell between late September and late October—then that is the best time to remember the resurrection of humankind. - People didn’t need the resurrection in nature back then. But at least in the early days of Easter, they still knew that Easter was a festival of the dead and of resurrection. That, too, has been lost.

[ 26 ] Und so muß man sagen: Eigentlich ist es schon notwendig, daß man sich bei solchen Festen wiederum erinnert, was sie einmal waren, denn wir müssen ja wiederum zum Geist kommen. Wenn wir zum Geist kommen wollen, so sollen wir nicht gedankenlos Weihnachten und das Osterfest feiern, sondern wir sollen uns schon klar sein darüber, daß das einen Sinn haben muß.

[ 26 ] And so one must say: It is actually necessary that, on such holidays, we recall what they once were, for we must return to the spirit. If we want to return to the spirit, we should not celebrate Christmas and Easter thoughtlessly, but rather we should be clear that these holidays must have a meaning.

[ 27 ] Nun können wir nicht gleich die Welt auf den Kopf stellen; die Menschen würden sich auch gar nicht begeistern dafür, das Osterfest auf den Herbst zu verlegen. Aber wir können doch einen Sinn damit verbinden, daß sich der Mensch erinnert daran: Der Mensch legt seinen physischen Leib ab, wenn er durch den Tod geht, schaut zurück auf sein Erdenleben. Er legt dann den Ätherleib ab, ist dann rein geistig-seelisch in der geistigen Welt, aufersteht in der geistigen Welt. Damit aber vertieft sich auch wiederum die Auffassung des Mysteriums von Golgatha. Denn das Mysterium von Golgatha zeigt eigentlich in der äußeren Wirklichkeit, was immer im Bilde mit dem Adonisfest gezeigt worden ist. Die Alten haben ein Bild gehabt. Die Christen haben das geschichtliche Ereignis. Aber das geschichtliche Ereignis fließt ebenso ab wie die alte Bildlichkeit. Bei dem Adonisfest hat man das Bild des Adonis versenkt, nach drei Tagen wieder auferstehen lassen. Es war ein richtiges Osterfest. Dann ist aber das wirklich geschehen, was man immer im Bilde gemacht hat: Der Christus war in dem Jesus; er ist gestorben. Er ist wieder auferstanden, in der Art, wie ich es Ihnen erzählt habe. Und daran sollte man sich jetzt nur noch erinnern, jedes Jahr das Erinnerungsfest an dieses Ostern haben.

[ 27 ] Now, we cannot turn the world upside down overnight; people would not be enthusiastic about moving Easter to the fall anyway. But we can certainly attach meaning to it so that people remember: When a person passes through death, they shed their physical body and look back on their earthly life. They then shed their etheric body, enter the spiritual world in a purely spiritual and soul-like state, and are resurrected in the spiritual world. This, in turn, deepens our understanding of the Mystery of Golgotha. For the Mystery of Golgotha actually reveals in external reality what has always been symbolized by the Adonis Festival. The ancients had a symbol. Christians have the historical event. But the historical event fades just as the ancient symbolism does. During the Adonis Festival, the figure of Adonis was submerged and then raised again after three days. It was a true Easter celebration. But then what had always been depicted in the symbol actually happened: Christ was in Jesus; he died. He rose again, just as I have told you. And that is all we should remember now—celebrating this Easter as a commemoration every year.

[ 28 ] Das wäre zunächst ganz gut gewesen; denn warum haben denn die Leute früher immer ein Bild bei dem Adonisfest gehabt? Weil sie eine sinnliche Anschauung brauchten. Gerade als man in den alten Zeiten noch geistig die Welt anschaute, wollte man in der Sinnlichkeit ein Bild haben. Als aber der Christus durch das Mysterium von Golgatha gegangen war, da sollte man kein Bild mehr haben, sondern sich nur im Geiste noch erinnern an das, was dort geschehen war. Es sollte mehr geistig gefeiert werden, das Osterfest. Nicht ein heidnisches Bild sollte man sich machen, sondern nur in der Seele sich erinnern. Dadurch, dachte man - und es bestanden ja noch Mysterien zur Zeit des Christus Jesus -, wird das Osterfest gerade vergeistigt. Denn schließlich, was war es denn mit dem alten Adonisfeste? Ja, sehen Sie, Sie in Europa können ja schließlich gar nicht ganz klar sehen, was solche Feste den alten Heiden waren. Denn wenn man bei Ihnen ein solches Fest wie das Adonisfest feiern würde, so würden Sie sagen: Das ist ja nur ein Bild, überhaupt ein Bild für diejenigen, die eingeweiht waren in den Mysterien; aber für die weitesten Kreise des Volkes wurde alljährlich die Statue, der Gott, hervorgeholt und untergetaucht. - Es ist daraus hervorgegangen, was man Fetischismus nennt. Solch eine Statue war ein Fetisch, eine Statue, in der ein Gott ist; die ganze Anbetung eines solchen Gegenstandes nannte man Fetischismus. Davon mußte man natürlich abkommen. Aber in einer gewissen Beziehung ist das im Christentum geblieben; denn das, was ich Ihnen als die Monstranz aufgezeichnet habe, worauf das sogenannte Sanktissimum, die Hostie, sitzt, das wird im Katholizismus als der wirkliche Christus verehrt. Man sagt: Auch physisch verwandelt sich das Brot und der Wein in den Leib und das Blut Christi. - Es ist eben noch ein Überbleibsel, nicht vom aufgeklärten Heidentum, das überall dahinter das Geistige sah, sondern von dem heruntergekommenen Heidentum, wo man den Fetischismus hatte, wo man die Bildsäule für den Gott nahm.

[ 28 ] That would have been quite good at first; for why did people in the past always have an image during the Festival of Adonis? Because they needed a sensory representation. Precisely when people in ancient times still viewed the world spiritually, they wanted to have an image in the realm of the senses. But once Christ had gone through the Mystery of Golgotha, people were no longer to have an image, but were to remember only in spirit what had happened there. Easter was to be celebrated more spiritually. One was not to form a pagan image, but only to remember in the soul. People thought that this—and mysteries did indeed still exist at the time of Christ Jesus—would spiritualize the Easter festival. After all, what was the old Adonis festival all about? Yes, you see, you in Europe cannot really grasp what such festivals meant to the ancient pagans. For if a festival like the Adonis festival were celebrated among you, you would say: “That is merely a symbol—a symbol, in fact, for those who were initiated into the mysteries; but for the broadest circles of the people, the statue—the god—was brought out every year and then submerged.” —This gave rise to what is called fetishism. Such a statue was a fetish, a statue in which a god dwells; the entire worship of such an object was called fetishism. Naturally, one had to move away from that. But in a certain sense, this has remained in Christianity; for what I have described to you as the monstrance, upon which the so-called Most Holy, the Host, rests, is venerated in Catholicism as the real Christ. It is said: Even physically, the bread and wine are transformed into the body and blood of Christ. — It is simply a remnant, not of enlightened paganism, which saw the spiritual behind everything, but of degenerate paganism, where fetishism existed, where the statue was taken to be the god.

[ 29 ] Sehen Sie, meine Herren, ich sage: Sie haben davon gar keine Vorstellung; denn solche Dinge muß man heute wirklich erleben, um richtig denken zu können, wie stark die Leute im Glauben an einen solchen Bildsäulengott werden. Ich hatte zum Beispiel einen sehr gescheiten Professor kennengelernt - es gibt ja da auch gescheite Leute noch; gescheit sind sie eigentlich alle, nur kommen sie nicht zum Geistigen durch die heutige Wissenschaft. Der Mann war Russe, machte eine Reise durch Sibirien vom Osten herüber, von Japan herüber. Als er in die Mitte von Sibirien gekommen war, wurde es ihm etwas unbehaglich. Er fühlte sich einsam und verlassen. Was tat er da? Etwas, was Sie ganz gewiß nicht tun würden und kein Bewohner des Westens; aber er war eben ein halber Asiate, trotzdem er gelehrt war. Da machte er sich aus Holz ein Götterbild. Und dieses Götterbild nahm er auf seiner weiteren Reise mit, und das betete er wirklich an. Er machte sich einen Holzgott. Als ich den Mann kennenlernte, war er furchtbar nervös. Das hatte er bekommen von seinem Holzgott. Sie können sich das gar nicht vorstellen, was das bedeutet, einen solchen Holzgott anzubeten!

[ 29 ] Look, gentlemen, I’m telling you: you have absolutely no mental image; because these days you really have to experience such things for yourself to truly grasp how strongly people come to believe in such a statue-god. For example, I once met a very intelligent professor—there are still intelligent people there, after all; in fact, they’re all intelligent, but modern science prevents them from reaching the spiritual realm. The man was Russian and was traveling through Siberia from the east, coming from Japan. When he reached the heart of Siberia, he began to feel somewhat uneasy. He felt lonely and abandoned. What did he do then? Something you certainly wouldn’t do, nor would any Westerner; but he was, after all, half-Asian, even though he was educated. So he carved a wooden idol for himself. And he took this idol with him on the rest of his journey, and he truly worshipped it. He made himself a wooden god. When I first met the man, he was terribly nervous. He had picked that up from his wooden god. You can’t even imagine what it means to worship such a wooden god!

[ 30 ] Und so waren denn wirklich die Mysterien, die zur Zeit der Entstehung des Christentums da waren, darauf bedacht, daß die Leute mehr zum Geistigen kommen. Also es sollte bloß in der Erinnerung, durch Gebete, dieses aufleben, was früher vor dem Auge, den Menschen gegenüber sich abspielte im Adonisfest.

[ 30 ] And so the mysteries that existed at the time of Christianity’s origins were truly intended to help people connect more deeply with the spiritual realm. Thus, what had previously unfolded before people’s eyes during the Festival of Adonis was to be revived solely in memory, through prayer.

[ 31 ] Und statt daß die Sache geistig geworden wäre, ist sie leider erst recht materialistisch geworden; sie ist äußerlich geworden, formell geworden. Allmählich, im 3., 4. Jahrhundert ist das aufgekommen, daß, wenn der Karfreitag kam, die Priester gebetet haben; die Menschen wurden in allerlei Stimmungen versetzt. Und um drei Uhr nachmittags, dem Zeitpunkt, wo der Christus gestorben sein soll, da hörten dann die Glocken auf zu läuten. Alles war still. Und dann wurde doch wiederäußerlich, geradeso wie das alte Adonisfest gefeiert worden ist, nun der Crucifixus, der Christus am Kreuze, versenkt zunächst, später nur eben mit etwas bedeckt; und das Osterfest wurde dann nach drei Tagen das Auferstehungsfest. Es ist aber dasselbe, was das alte Adonisfest war, so wie es damals war. Es ist schon in der Art, wie man das feiert, nach und nach entstanden das Antreten der Herrschaft über die Seelen von Rom aus. Denn in manchen Gegenden, zum Beispiel dort, wo ich aufgewachsen bin - ich weiß nicht, ob sich es hier auch so vollzieht -, da ist es so: Wenn der Karfreitag da ist und der Christus also aufgebahrt ist, dann ziehen die Buben mit ihren Rätschen, mit den Instrumenten, die anstelle der Glocken sind, herum und rätschen und sprechen dabei die Worte:

[ 31 ] And instead of the matter becoming spiritual, it has, unfortunately, become all the more materialistic; it has become external, it has become formal. Gradually, in the 3rd and 4th centuries, the custom arose that when Good Friday came, the priests would pray; the people were put into all sorts of moods. And at three o’clock in the afternoon, the time when Christ is said to have died, the bells would stop ringing. Everything was silent. And then, just as the ancient Adonis festival had been celebrated, the Crucifixus—Christ on the cross—was first lowered and later merely covered with a cloth; and three days later, Easter became the Feast of the Resurrection. But it is the very same as the ancient Adonis festival was back then. It is precisely in the way it is celebrated that the establishment of dominion over souls gradually emerged from Rome. For in some regions—for example, where I grew up (though I don’t know if it’s the same here)—it goes like this: When Good Friday arrives and Christ is laid out, the boys go around with their rattles—the instruments that stand in for the bells—rattling them and reciting the words:

[ 32 ] Wir rätschen, wir rätschen am Dom. Die Glocken ziehen nach Rom.

[ 32 ] We ring the bells, we ring the bells at the cathedral. The bells are calling us to Rome.

[ 33 ] Also, daß alles auf Rom hintendiert wird, das tritt gerade am stärksten bei jedem Osterfest für jeden einzelnen auf.

[ 33 ] So, the fact that everything points back to Rome is most evident to each individual during every Easter celebration.

[ 34 ] Und das ist gerade die Aufgabe des gegenwärtigen Menschen, aus dem Materialismus wiederum herauszukommen zu einem geistigen Erkenntnisleben, die Dinge geistig aufzufassen lernen, also auch so etwas wie das Osterfest geistig aufzufassen. Und sehen Sie: Warum wird das Osterfest gefeiert? Jedes Jahr beim Osterfest kann man sich erinnern, daß der Mensch, wenn er durch den Tod geht und die Totenklage, die Chara eintritt, die Totenklage zum Gedächtnis dafür sein soll, daß der Mensch von der physischen Welt weggeht. Aber er schaut nur noch drei Tage auf die physische Welt zurück; dann legt er als zweiten Leichnam seinen Ätherleib ab. Dann steht er als Ich und astralischer Leib in der geistigen Welt auf. Daran muß man sich auch erinnern. Nun wäre es trostlos, brutal, wenn man jedesmal, wenn ein Mensch stirbt, nach drei Tagen gleich Lustgesänge anstimmte. Aber man kann sich dennoch erinnern an solche Lustgesänge, wenn man im allgemeinen an die Unsterblichkeit der menschlichen Seele denkt, wie sie nach drei Tagen aufersteht in der geistigen Welt.

[ 34 ] And that is precisely the task of people today: to emerge once again from materialism and return to a life of spiritual understanding, to learn to perceive things spiritually—and thus also to perceive something like the Easter celebration in a spiritual way. And consider this: Why is Easter celebrated? Every year at Easter, we can remember that when a person passes through death and enters the mourning period—the Chara—this mourning is meant to serve as a reminder that the person is departing from the physical world. But they look back on the physical world for only three more days; then they shed their etheric body as a second corpse. Then they rise in the spiritual world as the “I” and the astral body. We must remember this as well. Now, it would be bleak and brutal if, every time a person dies, people were to break into songs of joy after just three days. But one can still recall such songs of joy when thinking in general about the immortality of the human soul, as it rises in the spiritual world after three days.

[ 35 ] Und daraus sind auch viele merkwürdige Dinge entstanden. Sehen Sie, es hängt dadurch das Osterfest mit jedem einzelnen Menschentod zusammen. Für jeden einzelnen Menschentod sollte eigentlich das da sein, daß man sich sagt: Wir trauern; aber es kommt das Osterfest. Da werden wir uns erinnern daran, daß jede Seele wieder aufersteht in der geistigen Welt, nachdem sie gestorben ist. Nun, Sie werden wissen, dasjenige Fest, das an den Tod aller Menschen erinnert, das wird heute noch im Herbst gefeiert: der sogenannte Allerseelentag. Dem hat man noch, als man nichts mehr davon wußte, daß das Osterfest dazugehört, den Allerheiligentag vorausgeschoben, eingesetzt. Aber die zwei Dinge gehören zusammen, und eigentlich muß man den Allerseelentag als den Totentag feiern, und das Osterfest als den Auferstehungstag. Diese Dinge gehören zusammen, Sie sind mehr als ein halbes Jahr auseinandergerissen! So kann man oftmals aus der heutigen Einteilung des Jahres nicht mehr verstehen, was eigentlich hinter diesen Sachen dahinterliegt.

[ 35 ] And this has also given rise to many strange things. You see, as a result, Easter is connected to every single human death. For every single human death, we should actually say to ourselves: We mourn; but Easter is coming. Then we will remember that every soul rises again in the spiritual world after it has died. Now, as you know, the festival that commemorates the death of all people is still celebrated today in the fall: the so-called All Souls’ Day. Even when people no longer knew that Easter was connected to it, they moved All Saints’ Day forward to precede it. But the two belong together, and in fact, All Souls’ Day should be celebrated as the Day of the Dead, and Easter as the Day of Resurrection. These things belong together—yet they are separated by more than half a year! Thus, given today’s division of the year, it is often no longer possible to understand what actually lies behind these traditions.

[ 36 ] Aber sehen Sie, es ist einmal so, daß alles auf der Erde sich nicht nach der Erde selber, sondern nach dem Himmel richtet. Man verwundert sich ja, wenn es zu Ostern noch schneit; da sollte es eigentlich nicht mehr schneien, sondern da sollten die Pflanzen schon heraussprießen, weil man weiß: das Osterfest soll eben ein Erinnerungsfest an die Auferstehung, an die Unsterblichkeit der Menschenseele sein.

[ 36 ] But you see, the fact is that everything on Earth is oriented not toward the Earth itself, but toward Heaven. People are surprised when it still snows at Easter; it really shouldn’t be snowing anymore, but rather the plants should already be sprouting, because we know that Easter is meant to be a celebration commemorating the Resurrection, the immortality of the human soul.

[ 37 ] Wenn man so die Sache anschaut, dann kommt wiederum Gefühls- und Gemütsinhalt in das ganze Osterfest hinein. Und dann können die Menschen, die das Osterfest feiern, sich bei dem Osterfest an etwas erinnern, was mit dem Menschen selber zusammenhängt. Dann ist das Osterfest ein Kraftfest, und dann weiß man, warum man sich an es erinnert. Heute weiß man, daß der Mensch mit dem Jahre zusammenhängt, nur dadurch, daß er sich im Winter den Winterrock, im Sommer den Sommerrock anziehen muß, daß er im Sommer schwitzt, im Winter friert. Also nur das Materielle weiß man. Daß aber wirklich, wenn der Frühling herankommt, geistige Kräfte wirksam sind, die alles herausholen aus der Erde, und daß im Herbst wiederum geistige Kräfte alles vernichten, das weiß man nicht. Wird das einmal verstanden werden, so wird man in der ganzen Natur Leben finden, die ganze Natur belebt finden. Heute reden die Leute über die Natur ja meist Unsinn. Wenn sie eine Pflanze sehen, dann reißen sie sie aus der Erde aus und treiben Botanik, weil sie gar nichts wissen über die Sache. Wenn ich ein Haar ausreiße und es beschreibe, so ist das ein Unsinn, denn das Haar kann nur auf dem Menschen oder auf einem Tiere wachsen, kann nicht für sich entstehen; Sie können nicht irgendwo an einen leblosen Stein etwas hinbringen, wo ein Haar wachsen soll. Da muß ein Lebendiges zugrunde liegen. Nun, die Pflanzen sind also die Haare der Erde, weil die Erde lebt. Und so wie der Mensch die Luft braucht zum Leben, so braucht die Erde den Sternenschein mit seiner Geistigkeit; den atmet sie ein, damit sie leben kann. Und so wie der Mensch auf der Erde herumgeht mit seiner Bewegung, so geht die Erde im Weltenraum herum. Sie lebt im ganzen Weltenraum. Die Erde ist ein lebendiges Wesen.

[ 37 ] When you look at it this way, emotional and spiritual content comes into the entire Easter celebration. And then the people who celebrate Easter can use the occasion to remember something that is connected to humanity itself. Then Easter becomes a celebration of strength, and then one knows why one commemorates it. Today we know that human beings are connected to the cycle of the year simply because we have to wear winter coats in winter and summer dresses in summer, and because we sweat in summer and freeze in winter. So we only know the material aspects. But we do not know that, when spring approaches, spiritual forces are at work that draw everything forth from the earth, and that in the fall, spiritual forces in turn destroy everything. Once this is understood, we will find life throughout all of nature; we will find all of nature to be animated. Today, people mostly talk nonsense about nature. When they see a plant, they pull it out of the ground and engage in botany, because they know absolutely nothing about the subject. If I pluck out a hair and describe it, that is nonsense, for a hair can only grow on a human being or an animal; it cannot arise on its own. You cannot place something on a lifeless stone somewhere and expect a hair to grow there. There must be something living underlying it. Well, plants are therefore the hair of the Earth, because the Earth is alive. And just as human beings need air to live, so does the Earth need starlight with its spirituality; it breathes this in so that it can live. And just as human beings move about on Earth, so does the Earth move through outer space. It lives throughout the entire universe. The Earth is a living being.

[ 38 ] So können wir sagen, wenigstens das kann noch beim Osterfest erreicht werden, daß man sich erinnert: Die Erde selbst ist ein lebendiges Wesen. Wenn sie die Pflanzen hervortreibt, wird sie jung, wie das Kind jung ist, wenn es die frischen Haare bekommt. Der Greis verliert die Haare, wie die Erde im Herbst die Pflanzen verliert. - Das ist ein Leben, das nur in anderer Weise eingerichtet ist rhythmisch, Jugendleben im Frühling, Greisenleben im Herbste, wiederum Jugendleben, wiederum Greisenleben. Beim Menschen dauert das nur länger. Und so lebt eigentlich alles im Weltenraum. Und wenn Sie an Ostern denken, so denken Sie, daß uns das Osterfest - heute wenigstens - das sein kann, wo wir aus dem Anblick der neu erwachenden Natur uns sagen: Nicht wahr ist es, daß alles tot ist. Es müssen nur die Wesen durch den Tod durchgehen. Das Ursprüngliche ist das Leben. Überall siegt das Leben doch über den Tod. Und das Osterfest soll uns an diesen Sieg des Lebens über den Tod erinnern und uns dadurch Kraft geben. - Wenn so die Menschen wiederum in dieser Weise Kraft gewinnen, dann werden sie auch schon zur Verbesserung der äußeren Verhältnisse mit Vernunft vorgehen können, nicht so, wie es heute vielfach geschieht. Aber zuerst brauchen wir dieses Geistige in der Geisteswissenschaft, damit wir wiederum in Einklang kommen mit der geistigen Welt, die wiederum lebt und nicht tot ist.

[ 38 ] So we can say—at least this much can still be achieved during the Easter celebration—that we remember: the Earth itself is a living being. When it brings forth plants, it becomes young, just as a child is young when it grows fresh hair. The old man loses his hair, just as the earth loses its plants in the fall. — This is a life that is simply organized rhythmically in a different way: the life of youth in spring, the life of old age in the fall, then youth again, then old age again. In humans, this process simply takes longer. And so, in fact, everything in the universe lives in this way. And when you think of Easter, consider that the Easter celebration—at least today—can be the occasion when, upon seeing nature reawakening, we say to ourselves: Isn’t it true that not everything is dead? Beings must simply pass through death. Life is the original reality. Everywhere, after all, life triumphs over death. And the Easter celebration is meant to remind us of this victory of life over death and thereby give us strength. — If people gain strength in this way once again, then they will also be able to proceed with reason toward improving external conditions, not as is often the case today. But first we need this spiritual dimension in Spiritual Science so that we may once again come into harmony with the spiritual world, which is alive and not dead.

[ 39 ] In diesem Sinne, meine Herren, möchte ich Ihnen auch ein recht schönes Osterfest wünschen, das wirklich in Ihren Seelen so schön ist, so schön wie die Frühlingsblumen, die aus der Erde herauswachsen! Nach Ostern werden wir uns dann wieder über wissenschaftliche Fragen unterhalten.

[ 39 ] With that in mind, gentlemen, I would also like to wish you a truly beautiful Easter—one that is as beautiful in your hearts as the spring flowers sprouting from the earth! After Easter, we’ll resume our discussions on scientific topics.

[ 40 ] Man soll also im Osterfeste empfinden: Der Mensch kann wieder mit frischem Mut und mit Freude an die Arbeit herangehen. Wenn auch oft nicht so Gelegenheit ist heute, sich auf die Arbeit zu freuen, so doch vielleicht hier! Hier ist vielleicht doch die Gelegenheit, wo man sich auch auf die Arbeit freuen kann! Aber jedenfalls, meine Herren, wollte ich Sie noch sehen, um Ihnen das zu sagen, und um Ihnen aus dem Geiste, den man aus der Geisteswissenschaft gewinnen kann, ein recht schönes Osterfest zu wünschen! Auf Wiedersehen nach Ostern!

[ 40 ] So during the Easter celebration, we should feel that people can once again approach their work with renewed courage and joy. Even if there aren’t often many opportunities these days to look forward to work, perhaps this is one! Perhaps this is the very occasion when one can look forward to work after all! But in any case, gentlemen, I wanted to see you one last time to tell you this, and to wish you a truly wonderful Easter in the spirit that can be drawn from Spiritual Science! See you after Easter!