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The Rudolf Steiner Archive

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Human History and the
World Views of Civilized Nations
GA 353

10 May 1924, Dornach

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12. Über den Sephirotbaum

12. About the Sephirot Tree

[ 1 ] Nun, meine Herren, es bleibt uns noch von den letzten Fragen übrig die nach dem jüdischen Sephirothbaum. In diesem Sephirothbaum haben die Juden des Altertums ihre höchste Weisheit eigentlich eingeschlossen. Und zwar könnte man sagen: Sie haben darin eingeschlossen die Weisheit von der Beziehung des Menschen, von dem Verhältnis des Menschen zu der Welt. Wir haben ja öfter betont: Der Mensch besteht nicht nur aus dem sichtbaren Teile, den man mit dem Auge sieht, sondern der Mensch besteht auch noch aus unsichtbaren, übersinnlichen Gliedern. Wir haben diese übersinnlichen Glieder genannt den Ätherleib, den Astralleib, das Ich oder die Ich-Organisation. Nun, von allen diesen Dingen hat man schon in alten Zeiten, wenn auch nicht so, wie wir es heute haben, aber man hat davon gewußt aus dem Instinkt heraus. Dieses alte Wissen ist eben ganz verlorengegangen. Und heute glaubt man, daß so etwas wie dieser jüdische Lebensbaum, der Sephirothbaum, eigentlich eine Phantasie ist. Das ist aber nicht so.

[ 1 ] Well, gentlemen, of the remaining questions, we still have those concerning the Jewish Tree of Sephiroth. In this Tree of Sephiroth, the Jews of antiquity actually encapsulated their highest wisdom. Indeed, one could say: They encapsulated in it the wisdom concerning the relationship of human beings—the relationship of human beings to the world. We have often emphasized that human beings do not consist solely of the visible parts that can be seen with the eye, but also of invisible, supersensible components. We have referred to these supersensible components as the etheric body, the astral body, the “I,” or the “I-organization.” Well, people were already aware of all these things in ancient times—albeit not in the same way we are today—but they knew of them instinctively. This ancient knowledge has simply been completely lost. And today people believe that something like this Jewish Tree of Life, the Tree of Sephiroth, is actually a figment of the imagination. But that is not the case.

[ 2 ] Nun wollen wir uns heute einmal klarmachen, was die alten Juden mit diesem Sephirothbaum eigentlich gemeint haben. Nicht wahr, sie dachten sich das so: Der Mensch steht da in der Welt, aber die Kräfte der Welt wirken von allen Seiten auf ihn ein. Wenn man den Menschen, wie er dasteht in der Welt (es wird gezeichnet), anschaut, so können wir ihn uns, schematisch gezeichnet, so vorstellen. Also so stellen wir uns den in der Welt stehenden stofflichen Menschen einmal vor. Diesen Menschen haben sich nun die alten Juden so vorgestellt, daß auf ihn von allen Seiten die Kräfte der Welt wirken. Hier zeichne ich einen Pfeil, der so bis ins Herz hineingeht: Also auf den Menschen wirkend die Kräfte der Welt; hier unten die Kraft der Erde.

[ 2 ] Today, let’s try to understand what the ancient Jews actually meant by this Tree of Sephiroth. Didn’t they think of it this way: Human beings stand here in the world, but the forces of the world act upon them from all sides. When we look at human beings as they stand in the world (it is drawn), we can create a mental image of them, schematically, like this. So this is how we imagine the physical human being standing in the world. The ancient Jews had a mental image of this human being, which was acted upon by the forces of the world from all sides. Here I’ll draw an arrow that goes right into the heart: so the forces of the world act upon the human being; down here is the force of the earth.

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[ 3 ] Nun haben die Juden gesagt: Zunächst wirken drei Kräfte auf den menschlichen Kopf - die habe ich in der Zeichnung mit diesen Pfeilen: 1, 2, 3 bezeichnet -, drei Kräfte auf die menschliche Mitte, auf die Brust, auf die Atmung und die Blutzirkulation hauptsächlich (Pfeile 4, 5, 6 der Zeichnung). Dann wirken drei Kräfte mehr auf die Gliedmaßen des Menschen (Pfeile 7, 8, 9), und eine zehnte Kraft, die wirkt von der Erde aus auf den Menschen (Pfeil 10, von unten). Also zehn Kräfte, stellten sich die alten Juden vor, wirken von außen auf den Menschen.

[ 3 ] Now the Jews have said: First, three forces act upon the human head—I have indicated these in the drawing with arrows 1, 2, and 3—and three forces act upon the human center, upon the chest, primarily affecting respiration and blood circulation (arrows 4, 5, and 6 in the drawing). Then there are three more forces acting on the human limbs (arrows 7, 8, 9), and a tenth force that acts on the human being from the earth (arrow 10, from below). Thus, the ancient Jews imagined that ten forces act on the human being from the outside.

[ 4 ] Betrachten wir zunächst die drei Kräfte, die sozusagen von den weitesten Partien, von den entferntesten Partien des Weltenalls kommen und auf den menschlichen Kopf wirken, den menschlichen Kopf eigentlich rund machen, wie ein Bild vom ganzen runden Weltenall machen. Diese drei Kräfte, also 1, 2, 3, sind die edelsten; die kommen sozusagen, wenn man mit einem späteren Ausdrucke sprechen will, mit einem griechischen Ausdruck zum Beispiel, von den höchsten Himmeln her. Die formen den menschlichen Kopf, indem sie ihn zu einem runden Abbilde des ganzen runden Weltenalls machen.

[ 4 ] Let us first consider the three forces that come, so to speak, from the farthest reaches, from the most distant parts of the universe, and act upon the human head—forces that actually make the human head round, like an image of the entire round universe. These three forces—that is, 1, 2, and 3—are the noblest; they come, so to speak—to use a later term, a Greek term for example—from the highest heavens. They shape the human head by making it a round image of the entire round universe.

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[ 5 ] Nun müssen wir aber gleich dabei einen Begriff entwickeln, welcher Sie stören könnte, wenn ich ihn einfach Ihnen sagen würde. Denn, sehen Sie, in diesen zehn Begriffen, die da die Juden an die Spitze ihrer Weisheit gestellt haben, da ist der erste da oben (1) ein solcher, der später furchtbar mißbraucht worden ist; denn später haben diejenigen Menschen, welchen es gelungen ist, die Macht an sich zu reißen, die Zeichen dieser Macht und auch die Worte für diese Macht in den äußeren Machtbereich heruntergezogen. Und so haben gewisse Menschen, welche sich die Macht der Völker angeeignet und auf ihre Nachkommen übertragen haben, sich angeeignet dasjenige, was man Krone nennt. Krone war früher, in alten Zeiten, ein Wort für das Höchste, was dem Menschen an Geistigkeit geschenkt werden kann. Und die Krone durfte nur derjenige tragen, der in dem Sinne, wie ich es Ihnen erklärt habe, durch die Einweihung gegangen ist, der also die höchste Weisheit errungen hat. Sie war ein Zeichen der höchsten Weisheit. Ich habe Ihnen ja auseinandergesetzt, wie die Orden ursprünglich alle etwas bedeutet haben, wie sie später angelegt worden sind aus Eitelkeit und nichts mehr bedeuten. Namentlich aber müssen wir so etwas gegenüber dem Ausdruck «Krone» in Betracht ziehen. Krone war für die Alten der Inbegriff von alldem, was sich an Übermenschlichkeit aus der geistigen Welt in die Menschen herniederzusenken hat. Kein Wunder, daß die Könige sich die Krone aufgesetzt haben. Die waren ja, wie Sie wissen, nicht immer weise und haben nicht immer die höchsten Himmelsgaben in sich vereinigt, aber sie haben sich das Zeichen aufgesetzt. Und man darf, wenn so etwas nach alten Sitten ausgesprochen worden ist, das nicht verwechseln mit dem, was daraus durch Mißbrauch geworden ist. Also das Höchste, die höchsten Weltengaben, die höchsten Geistesgaben, die sich auf den Menschen niedersenken können, die er vereinigen kann mit seinem Kopfe, wenn er viel weiß, das nannte man im alten Judentum Kether, die Krone. Nun, sehen Sie, das war also das Höchste. Das war dasjenige, was vom Weltenall herein geistig den Kopf formte.

[ 5 ] But now we must immediately introduce a concept that might bother you if I were to simply state it to you. For, you see, among these ten concepts that the Jews have placed at the pinnacle of their wisdom, the first one there (1) is one that was later terribly abused; for later, those people who succeeded in seizing power dragged the symbols of that power—and also the words denoting that power—down into the realm of external power. And so certain people, who appropriated the power of the peoples and passed it on to their descendants, appropriated for themselves what is called a “crown.” In ancient times, “crown” was a word for the highest spiritual gift that could be bestowed upon a human being. And only those who had undergone initiation in the sense I have explained to you—that is, those who had attained the highest wisdom—were permitted to wear the crown. It was a symbol of the highest wisdom. I have already explained to you how all the orders originally had a meaning, and how they were later established out of vanity and no longer mean anything. But we must consider this in particular in relation to the term “crown.” For the ancients, the crown was the epitome of all that is superhuman and descends from the spiritual world into human beings. No wonder the kings placed the crown upon their heads. As you know, they were not always wise and did not always embody the highest heavenly gifts, but they did wear this symbol. And when such a thing was expressed according to ancient customs, one must not confuse it with what it has become through misuse. So the highest—the highest gifts of the universe, the highest spiritual gifts—that can descend upon human beings, which they can unite with their minds when they possess great knowledge—this was called Kether, the Crown, in ancient Judaism. Well, you see, that was the highest. That was what spiritually shaped the mind from the universe at large.

[ 6 ] Und dann brauchte dieser Menschenkopf noch zwei andere Kräfte. Diese zwei anderen Kräfte kamen ihm von rechts und von links zu. Man dachte sich: Das Höchste kommt von oben herunter; von rechts und links kommen ihm die zwei anderen Kräfte, die beiden Weltenkräfte, die im ganzen Weltenall ausgebreitet sind. Nun, die eine, die wie durchs rechte Ohr hineingeht, nannte man Chokmah = Weisheit. Wir würden heute, wenn wir das Wort übersetzen wollten, sagen: Weisheit. Und auf der anderen Seite kam herein aus der Welt: Binah. Wir würden heute sagen: Intelligenz (2 und 3 der Zeichnung). Die alten Juden unterschieden zwischen Weisheit und Intelligenz. Heute betrachtet man einen jeden Menschen, der intelligent ist, auch so, als ob er weise wäre. Aber das ist ja nicht der Fall. Man kann intelligent sein und die größte Dummheit denken. Es werden die größten Dummheiten sehr intelligent ausgedacht. Namentlich wenn man in vieles von der heutigen Wissenschaft hineinsieht, muß man sagen, intelligent ist diese Wissenschaft eigentlich auf allen Gebieten, aber weise ist sie sicher nicht. Die alten Juden haben Chokmah und Binah, die alte Weisheit, von der alten Intelligenz schon früh voneinander unterschieden. Also den menschlichen Kopf, alles das eigentlich, was im Menschen zum Sinnessystem gehört, auch das, was an Nerven im Sinnessystem ausgebreitet liegt, all das bezeichnete man mit den drei Ausdrücken Kether, Chokmah, Binah - Krone, Weisheit, Intelligenz.

[ 6 ] And then this human head needed two other forces. These two other forces came to it from the right and from the left. It was thought that the Highest comes down from above; from the right and the left come the other two forces, the two world forces that are spread throughout the entire universe. Now, the one that enters as if through the right ear was called Chokmah = Wisdom. Today, if we were to translate the word, we would say: Wisdom. And on the other side, coming in from the world, was Binah. Today we would say: intelligence (2 and 3 in the drawing). The ancient Jews distinguished between wisdom and intelligence. Today, anyone who is intelligent is also regarded as if they were wise. But that is not the case. One can be intelligent and yet think the most foolish things. The greatest follies are conceived in a very intelligent way. Especially when one looks into much of today’s science, one must say that this science is actually intelligent in all fields, but it is certainly not wise. The ancient Jews distinguished Chokmah and Binah—ancient wisdom and ancient intelligence—from one another very early on. So the human mind—in fact, everything that belongs to the human sensory system, including the nerves that extend throughout it—all of this was designated by the three terms Kether, Chokmah, Binah: Crown, Wisdom, and Intelligence.

[ 7 ] So wird, nach der Ansicht der alten Juden, der menschliche Kopf aufgebaut aus dem Weltenall herein. Es ist also ein starkes Bewußtsein vorhanden gewesen - sonst hätte man eine solche Lehre nicht ausgebildet -, daß der Mensch ein Glied im ganzen Weltenall ist. Wir können zum Beispiel beim menschlichen Körper fragen: Was ist mit der Leber? Nun, die Leber bekommt von der Blutzirkulation ihre Adern; sie bekommt ihre Kräfte von der menschlichen Umgebung. So haben die alten Juden gesagt: Der Mensch bekommt von der Weltumgebung die Kräfte, die dann, zunächst im Mutterleib und später auch, seine Kopfbildung bewirken.

[ 7 ] According to the ancient Jews, the human head is thus formed from the universe itself. There must therefore have been a strong awareness—otherwise such a teaching would not have developed—that human beings are a part of the entire universe. We can ask, for example, regarding the human body: What about the liver? Well, the liver receives its veins from the blood circulation; it draws its strength from the human environment. Thus, the ancient Jews said: Human beings draw from the world around them the forces that then bring about the formation of the head, first in the womb and later as well.

[ 8 ] Nun, dann gibt es drei andere Kräfte (4, 5, 6 der Zeichnung); die wirken mehr auf den mittleren Menschen, auf den Menschen, in dem das Herz, in dem die Lunge ist. Sie wirken also auf den mittleren Menschen; sie kommen weniger von oben herunter, sie leben mehr in der Umgebung. Sie leben im Sonnenschein, der auf der Erde herumgeht, sie leben in Wind und Wetter. Da kommen diejenigen drei Kräfte in Betracht, die die alten Juden genannt haben: Chesed, Geburah, Tiphereth. Wenn wir das mit heutigen Ausdrücken sagen wollen, so könnten wir es ausdrücken als: Chesed = Freiheit; Geburah = Kraft; Tiphereth = Schönheit.

[ 8 ] Well, then there are three other forces (4, 5, 6 in the diagram); these act more upon the middle man, upon the human being in whom the heart and the lungs are located. They thus act upon the middle man; they come down less from above and are more present in the surrounding environment. They exist in the sunlight that travels across the earth; they exist in the wind and the weather. This brings us to the three forces mentioned by the ancient Jews: Chesed, Geburah, Tiphereth. If we want to express this in modern terms, we could say: Chesed = freedom; Geburah = power; Tiphereth = beauty.

[ 9 ] Gehen wir hier vor allen Dingen von der mittleren Kraft aus, von Geburah. Ich habe Ihnen gesagt, ich will den Pfeil so zeichnen, daß er ins Herz geht! Die Kraft, die der Mensch hat, diese Herzhaftigkeit, Seelenkraft und physische Kraft zugleich, die wird angedeutet durch das menschliche Herz. Daher stellten sich die Juden vor: Wenn der Atem hineinkommt in den Menschen, wenn der Atem in das Herz läuft, da kommen von außen nicht nur diese physischen Atemkräfte in ihn, sondern es kommt die geistige Kraft, Geburah, die mit dem Atem verbunden ist. Wir würden also sagen, wenn wir es noch genauer ausdrücken wollten: die Lebenskraft, die Kraft, durch die er auch etwas kann = Geburah. Aber an der einen Seitevon Geburah ist dasjenige, was man Chesed nannte, die menschliche Freiheit. Und auf der anderen Seite Tiphereth, die Schönheit. Der Mensch ist ja tatsächlich in seiner Gestalt das Schönste auf der Erde! Der alte Jude hat sich vorgestellt: Höre ich den Herzschlag, so vernehme ich die Lebenskraft, die in den Menschen hineinkommt. Strecke ich die rechte Hand aus, so vernehme ich, daß ich ein freier Mensch bin; da kommt, wenn die Muskeln sich strecken, die Kraft der Freiheit. Die linke Hand, die mehr sanft sich bewegt, die mehr sanft greifen kann, die bringt dasjenige, was der Mensch in Schönheit macht.

[ 9 ] Let us start here, above all, with the middle force, Geburah. I told you that I want to draw the arrow so that it pierces the heart! The strength that a human being possesses—this heartiness, which is both spiritual and physical strength—is symbolized by the human heart. That is why the Jews imagined: When the breath enters a person, when the breath flows into the heart, it is not only these physical forces of breath that enter from the outside, but also the spiritual force, Geburah, which is connected to the breath. So, to put it even more precisely, we would say: the life force, the power through which a person is able to do something—that is Geburah. But on one side of Geburah is what was called Chesed, human freedom. And on the other side is Tiphereth, beauty. After all, in his form, man is truly the most beautiful thing on earth! The ancient Jew had a mental image: When I hear the heartbeat, I perceive the life force entering the human being. When I extend my right hand, I sense that I am a free person; as the muscles stretch, the power of freedom arises. The left hand, which moves more gently and can grasp more gently, embodies what humans create in beauty.

[ 10 ] Also diese drei Kräfte: Chesed = Freiheit, Geburah = Lebenskraft, Tiphereth = Schönheit, die entsprechen dem im Menschen, was mit dem Atem und mit der Blutzirkulation, all dem, was in Bewegung ist und sich immer wiederholt, zusammenhängt. Es gehört dazu schon auch die Bewegung des Schlafens, der Wechsel von Tag und Nacht. Das gehört auch zu der Bewegung; da gehört der Mensch auch mit dazu.

[ 10 ] So these three forces: Chesed = freedom, Geburah = life force, Tiphereth = beauty—they correspond to that within the human being which is connected to the breath and the circulation of blood, to everything that is in motion and constantly repeats itself. This certainly includes the movement of sleep and the alternation of day and night. That, too, is part of this movement; human beings are also included in it.

[ 11 ] Dann aber ist der Mensch außerdem ein Wesen, das seine Stellung im Raume ändern kann, das herumgehen kann, das nicht so wie die Pflanze immer an einem Ort bleiben muß. Das Tier kann ja auch schon herumgehen. Das hat der Mensch gemeinsam mit dem Tier. Das Tier hat nicht Chokmah, nicht Tiphereth, noch nicht Chesed, es hat aber schon Geburah = Lebenskraft. Und die drei, die ich da bezeichnet habe, die hat der Mensch gemeinschaftlich mit dem Tiere nur dadurch, daß er die anderen hat.

[ 11 ] But then, human beings are also beings who can change their position in space, who can walk around, who—unlike plants—do not have to remain in one place all the time. Animals can, of course, move around as well. This is something humans share with animals. Animals do not possess Chokmah, Tiphereth, or even Chesed, but they do possess Geburah—the life force. And the three qualities I have mentioned here are shared by humans and animals only insofar as humans possess the others.

[ 12 ] Dieses, daß man herumgehen kann, daß man nicht festgebannt ist an einen Ort, das nannten die Juden: Netsah, und das bedeutet, daß man den festen Stand der Erde überwindet, daß man sich bewegt (Pfeil 7 der Zeichnung). Netsah ist Überwindung. Nun, dasjenige, was mehr auf die Mitte des Menschen wirkt, da wo sein Schwerpunkt ist - es ist interessant, wissen Sie: das ist der Punkt, der etwa hier gelegen ist; er ist etwas höher im Wachen und senkt sich herunter im Schlafen, was auch bezeugt, daß beim Schlafen etwas draußen ist -, dasjenige, was in der Körpermitte wirkt, was beim Menschen auch die Fortpflanzung hervorbringt, was also mit der Sexualität zusammenhängt, das nannten die alten Juden Hod. Wir würden es heute bezeichnen mit dem Worte, das etwa ausdrücken würde Mitgefühl. Sie sehen, die Ausdrücke werden schon menschlicher. - Also mit dem Netsah ist die äußere Bewegung gemeint - wir gehen hinaus in den Raum -, mit Hod das innere Fühlen, die innere Bewegung, das innere Mitgefühl mit der Außenwelt, das ist alles Hod (Pfeil 8). Dann unter 9: Jesod; das ist nun dasjenige, auf dem der Mensch eigentlich steht, das Fundament. Der Mensch also fühlt sich da an die Erde gebunden; daß er auf der Erde stehen kann, ist das Fundament, ist Jesod. Daß er ein solches Fundament hat, rührt eben auch von den Kräften her, die von außen an ihn herankommen.

[ 12 ] This—the fact that one can move about, that one is not bound to a single place—is what the Jews called “Netsah,” and it means overcoming the earth’s fixed position, moving (arrow 7 in the drawing). Netsah is overcoming. Now, that which acts more on the center of the human being, where his center of gravity is—it’s interesting, you know: that is the point located roughly here; it is slightly higher when awake and sinks lower when asleep, which also attests to the fact that something is outside of us when we sleep—that which acts in the center of the body, which also brings about procreation in humans, and which is thus connected to sexuality; the ancient Jews called this Hod. Today we would describe it with a word that would roughly express “compassion.” You see, the terms are already becoming more human. — So Netsah refers to outward movement—we go out into space—while Hod refers to inner feeling, inner movement, and inner compassion toward the outside world; all of that is Hod (arrow 8). Then, under 9: Yesod; this is what a person actually stands upon—the foundation. Here, then, the human being feels bound to the earth; the fact that he can stand on the earth is the foundation, is Yesod. That he has such a foundation stems precisely from the forces that approach him from the outside.

[ 13 ] Und dann wirken die Kräfte der Erde selber auf ihn (Pfeil 10), nicht nur die umgebenden Kräfte, sondern die Kräfte der Erde selber wirken auf ihn. Das nannte man dann Malkuth. Wir würden es heute übersetzen: das Feld, auf dem der Mensch wirkt, die irdische Außenwelt; Malkuth - das Feld. Man kann schwer einen richtigen Ausdruck für dieses Malkuth prägen, man kann sagen: Reich, Feld; aber alle Dinge sind eigentlich mißbraucht worden, und die heutigen Namen bezeichnen eben nicht mehr dieses, was der alte Jude fühlte: daß da die Erde eigentlich auf ihn wirkt.

[ 13 ] And then the forces of the Earth itself act upon him (arrow 10)—not only the surrounding forces, but the forces of the Earth itself act upon him. This was then called Malkuth. Today we would translate it as: the field in which human beings act, the earthly external world; Malkuth—the field. It is difficult to coin a proper term for this Malkuth; one might say “realm” or “field,” but all these terms have actually been misused, and today’s names no longer convey what the ancient Jew felt: that the Earth itself actually acts upon him.

[ 14 ] Wir brauchen uns nur vorzustellen, wir hätten hier die Mitte des Menschen; da setzt ein Oberschenkelknochen ein, auf jeder Seite des Menschen - das geht hier bis zum Knie, da wären die Kniescheiben. Auf diesen Knochen wirken alle diese Kräfte auch; aber daß er eigentlich so durchbohrt wird, daß er eigentlich eine Röhre ist, das kommt dadurch, daß die Erdenkräfte eindringen. Also all das, wo die Erdenkräfte eindringen, das bezeichnete der alte Jude mit Malkuth, das Feld.

[ 14 ] We need only create a mental image of the center of the human being here; this is where the thighbone begins, on either side of the person—it extends down to the knee, where the kneecaps would be. All these forces also act upon these bones; but the fact that it is actually pierced through in this way—that it is essentially a tube—is due to the penetration of the earth’s forces. So everything where the earth’s forces penetrate—that is what the ancient Jew referred to as Malkuth, the field.

[ 15 ] Sie sehen also, man muß an den Menschen herankommen, wenn man von diesem Sephirothbaum sprechen will! Alle zehn zusammen, also: Kether, Chokmah, Binah, Chesed, Geburah, Tiphereth, Netsah, Hod, Jesod, Malkuth nannten die Juden die zehn Sephiroth. Diese zehn Kräfte sind dasjenige, wodurch der Mensch eigentlich mit der höheren, mit der geistigen Welt zusammenhängt. Nur die zehnte Kraft, Malkuth, ist eben in die Erde hineinversenkt. Also im Grunde genommen ist das hier der physische Mensch (auf die Zeichnung deutend), und diesen physischen Menschen umgibt der geistige Mensch, unten zunächst als die Erdenkräfte, dann aber als die Kräfte, die mehr schon nahen der Erde, aber doch noch aus der Umgebung hereinwirken: Netsah, Hod, Jesod. Das gehört also alles geistig zum Menschen dazu, wie diese Kräfte hereinwirken. Dann die Kräfte, die auf seine Blutzirkulation und Atmung wirken: Chesed, Geburah, Tiphereth. Und dann die edelsten Kräfte, die auf den Menschen wirken, die auf sein Kopfsystem wirken: Kether, Chokmah, Binah. So daß sich die Juden eigentlich so, wie ich es Ihnen hier farbig aufgezeichnet habe, den Menschen mit der Welt nach allen Seiten verbunden dachten. Der Mensch ist eben durchaus so, daß er auch ein Übersinnliches in sich enthält. Und dieses Übersinnliche, das haben sie sich so vorgestellt.

[ 15 ] So you see, one must start with human beings if one wants to speak of this Tree of Sephiroth! All ten together—that is, Kether, Chokmah, Binah, Chesed, Geburah, Tiphereth, Netsah, Hod, Yesod, and Malkuth—were called the ten Sephiroth by the Jews. These ten forces are what actually connect the human being to the higher, spiritual world. Only the tenth force, Malkuth, is rooted in the earth. So, basically, this here is the physical human being (pointing to the drawing), and this physical human being is surrounded by the spiritual human being—at the bottom, first as the forces of the earth, but then as the forces that are closer to the earth yet still act upon us from the surrounding environment: Netzach, Hod, Yesod. All of this—the way these forces act upon us—is thus spiritually part of the human being. Then there are the forces that act upon his blood circulation and respiration: Chesed, Geburah, Tiphereth. And then the noblest forces that act upon the human being, those that act upon his head: Kether, Chokmah, Binah. Thus, the Jews actually conceived of the human being—as I have illustrated here in color—as connected to the world on all sides. Human beings are indeed such that they also contain a supersensible element within themselves. And this is the mental image they had of that supersensible element.

[ 16 ] Nun können wir aber die Frage aufwerfen: Was haben denn außerdem, daß sie sich dadurch den Menschen in seinem Verhältnis zur Welt erklärt haben, die Juden eigentlich mit den zehn Sephiroth erreichen wollen? Denn jeder Judenschüler mußte die zehn Sephiroth lernen, aber nicht bloß so, daß er sie aufzählen konnte; da würden Sie sich eine ganz falsche Vorstellung machen, wenn Sie glaubten, der Unterricht in den alten Judenanstalten wäre so gewesen, daß das das Markante war, was ich Ihnen an die Tafel gezeichnet habe. Wenn man nur auf die Frage antworten will: Was ist der Sephirothbaum? -, da hätte man schnell fertig werden können; flugs hätten Sie es gewußt. Mit dem sind die Menschen heute zufrieden, daß man frägt: Was ist der Sephirothbaum? Da steht dies und das drinnen, was ich Ihnen jetzt gesagt habe. - Aber das ist dann nicht in der Beziehung zum Menschen! Sondern es werden dann eben nur zehn Worte und allerlei phantastische Erklärungen dafür gegeben! Aber in bezug auf den Menschen ist es das Richtige, was ich Ihnen gesagt habe. Aber damit war es nicht etwa abgetan in den Schulen, sondern der jüdische Zögling, der Wissenschaft lernen sollte in dem damaligen Sinne, der mußte viel mehr darüber lernen.

[ 16 ] But now we may ask: Aside from explaining to humanity its relationship to the world, what else do the Jews actually hope to achieve with the ten Sephiroth? For every Jewish student had to learn the ten Sephiroth, but not merely so that he could list them; you would have a completely false mental image if you believed that instruction in the ancient Jewish schools had been such that what I have drawn on the board was the central focus. If one were simply to answer the question: “What is the Tree of Sephiroth?”—one could have finished quickly; you would have known it in a flash. People today are satisfied with that: they ask, “What is the Tree of Sephiroth?” It contains this and that, as I have just told you. - But that has nothing to do with human beings! Instead, people just give ten words and all sorts of fantastical explanations for it! But in relation to human beings, what I have told you is the correct understanding. Yet this was not simply brushed aside in the schools; rather, the Jewish student, who was supposed to study science in the sense of that time, had to learn much more about it.

[ 17 ] Denken Sie einmal, meine Herren, Sie hätten bloß gelernt, was das Alphabet ist und Sie wüßten, wenn Sie jemand frägt: Was ist A, B, C, D und so weiter? - also die Buchstaben A, B, C, D und so weiter. Sie hätten es bis dahin gebracht, daß Sie die zweiundzwanzig oder dreiundzwanzig Buchstaben hintereinander aufzählen können. Da würden Sie nicht viel anfangen können damit! Wenn irgendein Mensch nur die dreiundzwanzig Buchstaben aufzählen könnte, da könnte er nicht viel damit anfangen, nicht wahr? Geradeso aber würde ein alter Jude angesehen worden sein, der nur hätte sagen können: Kether, Chokmah, Binah, Chesed, Geburah, Tiphereth, Netsah, Hod, Jesod, Malkuth, also diese zehn Sephiroth hätte aufzählen können. Wer nur so geantwortet hätte, der hätte den Juden so geschienen wie einer, der sagen kann: A, B, C, D, E, F, G, H und so weiter. Man muß ja noch mehr lernen als das Alphabet, nicht wahr; man muß lernen, das Alphabet zum Lesen zu benutzen, muß lernen, wie man die Buchstaben zum Lesen benutzt. Nun, meine Herren, denken Sie sich einmal aus, wie wenig Buchstaben es gibt, und wieviel Sie in Ihrem Leben schon gelesen haben! Sie müssen das nur bedenken. Nehmen Sie sich irgendein Buch, nehmen Sie, ich will sagen, zum Beispiel Karl Marx’ «Kapital» und schauen Sie da nach, wenn Sie das Buch vor sich haben: nichts steht auf den Seiten als die zweiundzwanzig Buchstaben, gar nichts sonst! Es stehen nur die Buchstaben darin im Buch. Aber was dadrinnen steht, das ist viel, und das ist alles hervorgebracht dadurch, daß die zweiundzwanzig Buchstaben durcheinandergewürfelt sind: bald steht das A vor dem B, bald vor dem M, bald das M vor dem A, das L vor dem I und so weiter, und dadurch entsteht das ganze Komplizierte, das in dem Buche ist. Wenn einer nur das Alphabet kann, nimmt er das Buch in die Hand und sagt vielleicht: Mir ist alles klar, was in dem Buche steht: da steht A, B, C, nur verschieden eingereiht; ich weiß alles, was in dem Buche steht. - Aber alles, was da wirklich innerlich dem Sinne nach drinnensteht, das kann er nicht lesen, das weiß er nicht. Sie sehen, man muß lesen lernen mit dem, was die Buchstaben sind; man muß wirklich in seinem Kopf und in seinem Geist die Buchstaben so durcheinanderwürfeln können, daß Sinn daraus entsteht. Und so haben die alten Juden lernen müssen die zehn Sephiroth; die waren für sie Buchstaben. Sie werden sagen: Ja, das sind Worte. Früher aber wurden die Buchstaben auch mit Worten bezeichnet! Das ist nur von den Menschen, als die Buchstaben nach Europa gekommen sind, in Griechenland verloren worden.

[ 17 ] Just imagine, gentlemen, that you had merely learned what the alphabet is and knew, if someone asked you, “What are A, B, C, D, and so on?”—that is, the letters A, B, C, D, and so on. You would have gotten to the point where you could recite the twenty-two or twenty-three letters in a row. But you wouldn’t be able to do much with that! If someone could only recite the twenty-three letters, they wouldn’t be able to do much with that, would they? But that is exactly how an old Jew would have been viewed if he could only have said: Kether, Chokmah, Binah, Chesed, Geburah, Tiphereth, Netsah, Hod, Yesod, Malkuth—that is, if he could have listed these ten Sephiroth. Anyone who had answered only that way would have seemed to the Jews like someone who can say: A, B, C, D, E, F, G, H, and so on. After all, one has to learn more than just the alphabet, doesn’t one? One has to learn to use the alphabet for reading; one has to learn how to use the letters to read. Well, gentlemen, just think for a moment how few letters there are, and how much you have already read in your lives! You just have to consider that. Take any book—take, for example, Karl Marx’s *Capital*—and look at it when you have the book in front of you: there is nothing on the pages but the twenty-two letters, absolutely nothing else! There are only the letters in that book. But what’s written inside is a great deal, and it’s all brought about by the fact that the twenty-two letters are jumbled together: sometimes A comes before B, sometimes before M, sometimes M before A, L before I, and so on—and that’s how all the complexity in the book comes about. If someone knows only the alphabet, he picks up the book and might say: “Everything in this book is clear to me: there’s A, B, C, just arranged differently; I know everything that’s in this book.” - But everything that is truly contained within it in terms of meaning—that he cannot read; he does not know it. You see, one must learn to read by understanding what the letters are; one must truly be able to shuffle the letters around in one’s head and in one’s mind in such a way that meaning emerges from them. And that is how the ancient Jews had to learn the ten Sephiroth; for them, these were letters. You will say: Yes, those are words. But in the past, letters were also designated by words! That was only lost by people when the letters came to Europe, to Greece.

[ 18 ] Nicht wahr, als der Übergang von der griechischen zur römischen Kultur war, da geschah etwas sehr Bedeutsames. Die Griechen nannten ihr A nicht A, sondern Alpha, und Alpha heißt eigentlich: der geistige Mensch; und sie nannten ihr B nicht B, sondern Beta, das ist so etwas wie ein Haus. Und so hatte jeder Buchstabe einen Namen. Und der Grieche hätte sich gar nicht vorstellen können, daß der Buchstabe etwas anderes ist, als was man mit einem Namen bezeichnet. Dann erst, als der Übergang von der griechischen Kultur zu der römischen geschah, da sagte man nicht mehr Alpha, Beta, Gamma, Delta und so weiter, da bezeichnete man die Buchstaben nicht mehr mit ihren Namen, wo jeder Name darauf hinwies, was ein solcher Buchstabe bedeutet, sondern da sagte man: A, B, C, D und so weiter, da wurde das Ganze abstrakt. Gerade als das Griechentum untergegangen ist, in das Römertum eingegangen ist, entstand die große Kulturdiarrhöe in Europa. Da verlor man in einer riesigen Diarrhöe das Geistige auf diesem Weg vom Griechentum zum Römertum.

[ 18 ] Isn't it true that during the transition from Greek to Roman culture, something very significant happened? The Greeks did not call their A “A,” but “Alpha,” and “Alpha” actually means “the spiritual human being”; and they did not call their B “B,” but “Beta,” which is something like a house. And so every letter had a name. And the Greeks could not have imagined that a letter was anything other than what was designated by a name. It was only then, when the transition from Greek to Roman culture took place, that people no longer said “Alpha, Beta, Gamma, Delta,” and so on; they no longer referred to the letters by their names—where each name indicated what such a letter meant—but instead said “A, B, C, D,” and so on; the whole thing became abstract. Just as Greek civilization came to an end and was absorbed into Roman civilization, a great cultural upheaval arose in Europe. In this vast upheaval, the spiritual was lost along the path from Greek to Roman civilization.

[ 19 ] Und sehen Sie, da war aber insbesondere das Judentum dann groß. Wenn die ihr Aleph aufschrieben, ihren ersten Buchstaben, so meinten sie damit den Menschen. Aleph ist das. Sie wußten: Überall, wo sie diesen Buchstaben für die sinnliche Welt hinstellten, da muß das, was sie durch diesen Buchstaben ausdrücken, auf den Menschen passen. Und so hatte auch jeder Buchstabe, der für die Ausdrücke der sinnlichen Welt war, einen Namen. Und die Namen jetzt: Kether, Chokmah, Binah, Chesed, Geburah, Tiphereth, Netsah, Hod, Jesod, Malkuth, das waren die Namen für die geistigen Buchstaben, für das, was man lernen mußte, um in der geistigen Welt zu lesen. Und so hatten die Juden ein Alphabet: Aleph, Beth, Gimel und so weiter - ein Alphabet, mit dem sie die äußere Welt, die physische Welt erfaßten. Aber sie hatten auch das andere Alphabet, wo sie nur zehn Buchstaben, zehn Sephiroth hatten, und mit dem erfaßten sie die geistige Welt.

[ 19 ] And you see, Judaism in particular was great in that regard. When they wrote down their “Aleph,” their first letter, they meant by it the human being. That is Aleph. They knew: wherever they used this letter to represent the sensory world, whatever they expressed through this letter had to apply to human beings. And so every letter used to represent the expressions of the physical world also had a name. And these names were: Kether, Chokmah, Binah, Chesed, Geburah, Tiphereth, Netsah, Hod, Yesod, Malkuth—these were the names for the spiritual letters, for what one had to learn in order to read in the spiritual world. And so the Jews had an alphabet: Aleph, Beth, Gimel, and so on—an alphabet with which they comprehended the outer world, the physical world. But they also had the other alphabet, in which they had only ten letters, ten Sephiroth, and with which they comprehended the spiritual world.

[ 20 ] Sehen Sie, meine Herren, wenn ich Ihnen die Namen so aufzähle, Kether, Chokmah, Binah, Chesed und so weiter, nun, das ist so wie A,B, C, D und so weiter. Aber solch ein alter Jude hätte dann, wie wir die Buchstaben durcheinanderwürfeln, zu sagen gewußt: Kether, Chesed, Binah. Und wenn er gesagt hätte: Kether, Chesed, Binah, wenn er so gewürfelt hätte, würde er gesagt haben: In der geistigen Welt bewirkt die höchste geistige Kraft durch die Freiheit die Intelligenz. - Und damit würde er die höheren Wesen bezeichnet haben, die nicht einen physischen Leib haben, bei denen die höchste Himmelskraft durch die Freiheit die Intelligenz bewirkt.

[ 20 ] You see, gentlemen, when I list these names for you—Kether, Chokmah, Binah, Chesed, and so on—well, it’s just like A, B, C, D, and so on. But an old Jew like that would have known, as we shuffle the letters, to say: Kether, Chesed, Binah. And if he had said: Kether, Chesed, Binah—if he had shuffled them that way—he would have said: In the spiritual world, the highest spiritual power brings about intelligence through freedom. - And with that, he would have referred to the higher beings who do not have a physical body, in whom the highest heavenly power brings about intelligence through freedom.

[ 21 ] Oder er würde gesagt haben: Chokmah, Geburah, Malkuth - das würde geheißen haben: Durch Weisheit bringen die Geister die Lebenskraft hervor, durch die sie auf die Erde wirken. - Er hat gewußt alle diese Dinge durcheinanderzuwürfeln wie wir die Buchstaben. So haben diese Schüler der alten Juden durch diese zehn Geistbuchstaben in ihrer Art die Geisteswissenschaft begriffen. Dieser Baum, der Sephirothbaum, war also für sie dasselbe, was für uns der Baum des Alphabets mit seinen dreiundzwanzig Buchstaben ist. Es ist mit diesen Dingen ganz merkwürdig gegangen, sehen Sie: In den ersten zwei Jahrhunderten nach der Entstehung des Christentums hat man von allen diesen Dingen gewußt. Aber als dann die Juden sich zerstreut haben in die Welt, ist diese Art zu wissen durch die zehn Sephiroth auch zerstreut worden. Einzelne Judenzöglinge, die man dann, wie Sie vielleicht wissen, Chachamim genannt hat, wenn sie die Schüler des Rabbiners geworden sind, diese Chachamim haben diese Dinge noch gelernt; aber auch da wurde eigentlich nicht mehr recht gewußt, wie man durch diese zehn Sephiroth liest. Es ist zum Beispiel noch im 12. Jahrhundert ein großer Streit entstanden über zwei Sätze; der erste Satz hieß: Hod, Chesed, Binah. Diesen Satz hat der Maimonides festgehalten. Sein Gegner dagegen behauptete: Chesed, Kether, Binah. Also über diese Sätze hat man sich schon gestritten. Man muß wissen: Diese Sätze sind aus dem Sephirothbaum heraus; der eine hat so, der andere so gelesen, die Dinge so und so zusammengesetzt. Aber man hatte gegen das Mittelalter diese Lesekunst eigentlich vergessen. Und das Interessante ist, daß später, in der Mitte des Mittelalters, ein Mann aufgetaucht ist, Raimundus Lullus - ein sehr interessanter Mensch, dieser Raimundus Lullus!

[ 21 ] Or he would have said: Chokmah, Geburah, Malkuth—which would have meant: Through wisdom, the spirits bring forth the life force through which they act upon the earth. - He knew how to mix all these things up just as we mix up letters. Thus, these disciples of the ancient Jews, through these ten spiritual letters, understood Spiritual Science in their own way. This tree, the Tree of Sephiroth, was therefore for them what the tree of the alphabet with its twenty-three letters is for us. Things have taken a very curious turn with these matters, you see: In the first two centuries after the emergence of Christianity, all these things were known. But when the Jews then dispersed throughout the world, this way of knowing through the ten Sephiroth was also scattered. Individual Jewish students—who, as you may know, were called Chachamim once they became the rabbi’s disciples—these Chachamim still learned these things; but even then, people no longer really knew how to interpret the ten Sephiroth. For example, as late as the 12th century, a major dispute arose over two sequences; the first sequence was: Hod, Chesed, Binah. Maimonides recorded this sequence. His opponent, on the other hand, claimed: Chesed, Kether, Binah. So people were already arguing over these sequences. It is important to know: These sequences are derived from the Tree of Sephiroth; one person interpreted it one way, another another way, arranging the elements in various combinations. But by the Middle Ages, this art of interpretation had essentially been forgotten. And what is interesting is that later, in the middle of the Middle Ages, a man appeared—Raimundus Lullus—a very interesting person, this Raimundus Lullus!

[ 22 ] Sehen Sie, meine Herren, einen solchen Menschen kennenzulernen, ist eigentlich außerordentlich interessant. Denken wir uns, es wäre unter Ihnen ein recht Neugieriger, der würde sich sagen: Jetzt habe ich von Raimund Lullus gehört; ich will jetzt einmal nachlesen über ihn! - Nehmen Sie zuerst das Lexikon, aber dann irgendwelche Bücher, wo etwas von Raimund Lullus drinnensteht: Ja, wenn Sie das lesen, was da von Raimund Lullus steht in den Büchern heute, dann können Sie sich den Bauch halten vor Lachen, denn das wäre der lächerlichste Mensch gewesen, den man sich nur denken kann! Da sagen nämlich die Leute: Dieser Raimundus Lullus, der hat zehn Wörter auf Zettel geschrieben, und dann hat er so etwas genommen, wie man es hat beim Hasardspiel, eine Art Roulette, wo man dreht, wo man die Geschichte durcheinanderwürfelt, da hätte er diese zehn Zettel immer durcheinandergewürfelt, und was herausgekommen wäre, das habe er aufgeschrieben, und das wäre seine Weltweisheit gewesen. Nun, wenn man so etwas liest, daß also einfach auf zehn Zettel Worte geschrieben und durcheinandergeworfen wurden, und der Mann dadurch etwas Besonderes finden wollte, so muß man sich den Bauch vor Lachen halten, denn das ist doch ein lächerlicher Mensch, der so etwas täte.

[ 22 ] You see, gentlemen, getting to know a person like that is actually extremely interesting. Let’s imagine there were a very curious person among you who would say to himself: “Now I’ve heard of Raimund Lullus; I’m going to read up on him now!”—First, you’d consult an encyclopedia, and then some books that mention Raimund Lullus: Well, if you read what’s written about Raimund Lullus in today’s books, you’ll be holding your sides with laughter, because he would have been the most ridiculous person one could possibly imagine! You see, people say: This Raimundus Lullus wrote ten words on slips of paper, and then he used something like what you have in games of chance—a kind of roulette where you spin the wheel and shuffle the order—and he would shuffle these ten slips of paper around, and whatever came up, he would write down, and that was supposed to be his wisdom of the world. Well, when you read something like that—that words were simply written on ten slips of paper and shuffled, and the man wanted to discover something special through that—you have to hold your sides with laughter, because that’s a ridiculous person who would do such a thing.

[ 23 ] Aber so war es nämlich bei Raimundus Lullus nicht. Er hat eigentlich das Folgende gesagt: Ihr könnt noch so weit mit all dem, was euch euer Erdenalphabet gibt, herumforschen, die Wahrheit, die könnt ihr trotzdem nicht finden. - Und nun hat er gesagt: Die Wahrheit zu finden, dazu taugt euer gewöhnlicher Kopf nicht. Dieser gewöhnliche Kopf, der ist so wie eine Roulette, wo man dreht, und wo nichts darinnen liegt, wo also nichts herausgesucht werden kann, um zu gewinnen. - Der Lullus hat seinen Mitmenschen gesagt: Ihr seid eigentlich alle Hohlköpfe geworden, euer Kopf ist nichts mehr, da ist nichts mehr drinnen. Und ihr müßt solche Begriffe, wie diese zehn Sephiroth, einmal in eure Köpfe hineintun; da müßt ihr lernen, eure Köpfe von einem der Sephiroth zum anderen zu drehen, bis ihr lernt, die Buchstaben zu gebrauchen. - Das hat ihnen der Raimundus Lullus wieder gesagt. Das steht auch in seinen Schriften. Er hat nur ein Bild dafür gebraucht, und das Bild, das haben die Philosophen ernst genommen und geglaubt, er meine wirklich eine Art Roulette, wo man so herumdreht, daß man die Zettel mischt, während diese Roulette, die er gemeint hat, eben das übersinnliche Erkennen im Kopfe sein soll!

[ 23 ] But that was not the case with Raimundus Lullus. What he actually said was this: No matter how much you explore everything that your earthly alphabet provides, you still cannot find the truth. - And then he said: Your ordinary mind is not capable of finding the truth. This ordinary mind is like a roulette wheel—you spin it, but there’s nothing inside, so there’s nothing you can pick out to win. - Lullus told his fellow human beings: “You have all essentially become empty-headed; your minds are nothing anymore—there is nothing left inside them. And you must first put concepts such as these ten Sephiroth into your minds; then you must learn to turn your minds from one Sephiroth to another until you learn to use the letters.” - Raimundus Lullus told them this again. It is also written in his works. He used only one image to illustrate this, and the philosophers took that image seriously and believed he really meant a kind of roulette wheel where you spin it around to mix the slips of paper, whereas this “roulette” he was referring to is actually supposed to be the supersensible cognition within the mind!

[ 24 ] Dieser Lebensbaum, dieser Sephirothbaum, der ist also das geistige Alphabet. Die Menschen, die mehr im Abendlande waren, in Griechenland, die hatten schon auch in den alten Zeiten ein geistiges Alphabet gehabt. Und in der Zeit, in der Alexander der Große gelebt hat und Aristoteles, wurden dort auf griechische Art auch zehn Begriffe gegeben. Die finden Sie heute noch überall in allen Logiken der Schulen aufgezeichnet: Sein, Eigenschaft, Beziehung und so weiter auch zehn solche Namen, nur eben, daß sie anders sind, weil sie für das Abendland geeignet sind. Aber im Abendlande hat man diese zehn griechischen Buchstaben des geistigen Alphabets ebensowenig verstanden, wie man verstanden hat diese vorher angeführten.

[ 24 ] This Tree of Life, this Tree of Sephiroth, is thus the spiritual alphabet. The people who lived more in the West—in Greece—had already had a spiritual alphabet in ancient times. And during the time when Alexander the Great and Aristotle lived, ten concepts were also defined there in the Greek manner. You can still find them recorded everywhere today in all the school systems of logic: Being, Property, Relation, and so on—ten such terms—only they are different because they are suited to the West. But in the West, these ten Greek letters of the spiritual alphabet were understood just as little as the ones mentioned earlier.

[ 25 ] Aber sehen Sie, es ist schon eigentlich eine interessante Geschichte, die da stattfindet in der Menschheit. Drüben in Asien, da haben diejenigen, die noch etwas gewußt haben, lesen gelernt in der geistigen Welt durch diesen Sephirothbaum. Und in den ersten Jahrhunderten des Christentums haben die Menschen, die noch etwas gewußt haben von der geistigen Welt, nach dem aristotelischen Lebensbaum - drüben in Griechenland, in Rom und so weiter - lesen gelernt. Aber nach und nach haben alle - die vom Sephirothbaum und die vom Aristotelesbaum - vergessen, wozu diese Dinge eigentlich sind, konnten nurmehr die zehn Begriffe aufzählen. Und jetzt müssen wir einfach diese Dinge so gebrauchen, daß wir lesen lernen in der geistigen Welt, sonst wird man nach und nach vom Menschen gar nichts mehr wissen. Sehen Sie, ein sehr interessanter Satz ist der folgende. Wenn so ein jüdischer Weiser geschrieben hat oder gesagt hat: Geburah, Netsah, Hod -, so würde man heute so übersetzen müssen, daß man im Deutschen sagt die Worte: Die Lebenskraft brütet in den Nieren die Träume aus. - Aber wenn man heute sagt: Die Lebenskraft brütet in den Nieren die Träume aus -, so meint man physische Kräfte, physische Wirkungen. Aber der alte Jude hat, wenn er gesagt hat: Geburah, Netsah, Hod -, damit gemeint: Das, was der geistige Mensch im Menschen ist, das bewirkt dasjenige, was in den Träumen erscheint. Überall war es eine geistige Behauptung, die man durch das, was durch das Zusammenwürfeln der Buchstaben entstand, ausdrückte.

[ 25 ] But you see, it’s actually quite an interesting story that’s unfolding among humankind. Over in Asia, those who still knew something learned to read the spiritual world through the Tree of Sephiroth. And in the early centuries of Christianity, people who still knew something about the spiritual world learned to read according to the Aristotelian Tree of Life—over in Greece, in Rome, and so on. But little by little, everyone—those who followed the Tree of Sephiroth and those who followed the Aristotelian Tree—forgot what these things were actually for; they could only list the ten concepts. And now we simply have to use these things in such a way that we learn to read in the spiritual world; otherwise, little by little, people will come to know nothing at all about them. You see, the following is a very interesting statement. When a Jewish sage wrote or said: “Geburah, Netzah, Hod”—today one would have to translate that by saying in German: “The life force incubates dreams in the kidneys.”—But when one says today: “The life force incubates dreams in the kidneys”—one means physical forces, physical effects. But when the ancient Jew said, “Geburah, Netzah, Hod,” he meant: That which is the spiritual being within the human being is what brings about what appears in dreams. Everywhere it was a spiritual assertion expressed through the arrangement of letters.

[ 26 ] Es ist schon so, daß es nur durch die Geisteswissenschaft heute möglich ist, überhaupt einen Aufschluß über diese Dinge zu bekommen. Denn kein Mensch sagt Ihnen heute, daß diese zehn Sephiroth solche Buchstaben waren für die geistige Welt. Das können Sie sonst nirgends hören, das weiß eigentlich heute kein Mensch! So daß man sagen kann, die Sache liegt da so, daß die heutige Wissenschaft die meisten Sachen, die man schon einmal gewußt hat in der Menschheit, nicht mehr weiß, und sie müssen erst wiederum errungen werden.

[ 26 ] It is indeed true that only through Spiritual Science is it possible today to gain any insight into these matters at all. For no one today will tell you that these ten Sephiroth were such letters for the spiritual world. You cannot hear this anywhere else; in fact, no one knows this today! So one can say that the situation is this: modern science no longer knows most of the things that humanity once knew, and these must first be regained.

[ 27 ] Nehmen Sie nur diesen Buchstaben, den ich Ihnen hier aufgemalt habe: Aleph 8. Was bedeutet denn dieser Aleph für die Sinneswelt? Nun, da steht der Mensch. $o steht er, seine Kraft aussendend. Das ist dieser Strich (Zeichnung). Er hebt die rechte Hand hinauf: das ist dieser Strich; er streckt die andere Hand herunter: das ist dieser Strich. So daß dieser erste Buchstabe Aleph ausdrückt den Menschen. Und jeder Buchstabe drückte - auch noch im Griechischen irgend etwas aus, so wie der erste Buchstabe «den Menschen» ausdrückt.

[ 27 ] Just take this letter that I have drawn for you here: Aleph 8. What does this Aleph mean for the sensory world? Well, there stands the human being. $o stands he, radiating his power. That is this line (drawing). He raises his right hand: that is this line; he extends his other hand downward: that is this line. So this first letter, Aleph, expresses human beings. And every letter—even in Greek—expressed something, just as the first letter expresses “human beings.”

[ 28 ] Sehen Sie, meine Herren, die Leute haben heute gar kein Gefühl mehr dafür, wie die Dinge zusammenhängen. Den ersten Buchstaben für den Menschen nannte der Hebräer Aleph, die Griechen Alpha, und sie meinten damit das, was sich im Menschen geistig bewegt, was hinter dem physischen Menschen geistig ist. Nun haben Sie aber auch noch ein altes deutsches Wort. Zunächst wird es dann gebraucht, wenn der Mensch besondere Träume hat. Wenn ihn ein geistiger Mensch drückt, dann nennt man dies den Alpdruck, den Alp. Da sagt man, da komme über den Menschen etwas, was ihn besessen macht. Aber dann ist aus Alp Elp entstanden, und dann EIf, der EIf, die Elfe - diese geistigen Wesen, die Elfen; der Mensch ist nur ein verdichteter Elf. Dieses Wort Elf, das auf Alp zurückführt, das kann Sie noch erinnern an Alpha im Griechischen. Sie brauchen nur das a wegzulassen, dann haben Sie: Alph - ph ist dasselbe wie unser f -, ein Geistiges. Dadurch, daß das f dazugesetzt worden ist, sagt man: der Aleph im Menschen, der Alp im Menschen. Wenn Sie im Jüdischen, wie es üblich ist, überall die Selbstlaute weglassen, so bekommen Sie direkt Alph = EIf für den ersten Buchstaben. Die Menschen sprechen aus: Elf für diese geistige Wesenheit. Man redet von Elfen. Natürlich sagt man heute: Das sind Wesenheiten, welche die Alten erfunden haben aus ihrer Phantasie heraus. Wir glauben nicht mehr daran. - Aber die Alten haben gesagt: Ihr braucht ja nur auf den Menschen selber hinzuschauen, dann habt ihr den Alph, nur daß da der Alph im Körper drinnensteckt und nicht ein feines ätherisches Wesen ist, sondern ein dichtes körperliches Wesen ist im Menschen. - Aber die Menschen haben ja längst verlernt, überhaupt noch den Menschen aufzufassen.

[ 28 ] You see, gentlemen, people today have completely lost their sense of how things are connected. The Hebrews called the first letter representing the human being “Aleph,” the Greeks called it “Alpha,” and by this they meant that which moves spiritually within the human being—that which is spiritual behind the physical human being. But there is also an old German word. It is first used when a person has unusual dreams. When a spiritual being presses down on them, this is called an “Alpdruck,” the “Alp.” People say that something comes over the person that makes them possessed. But then “Alp” evolved into “Elp,” and then “EIf,” the “EIf,” the “Elfe”—these spiritual beings, the elves; human beings are merely condensed elves. This word “Elf,” which traces back to “Alp,” may remind you of “Alpha” in Greek. You need only omit the “a,” and you have: “Alph”—“ph” is the same as our “f”—a spiritual entity. Because the “f” was added, one says: the “Aleph” in human beings, the “Alp” in human beings. If, as is customary in Jewish tradition, you omit the vowels everywhere, you get directly “Alph” = “EIf” for the first letter. People pronounce it “Elf” for this spiritual being. We speak of elves. Of course, today people say: These are beings that the ancients invented out of their imagination. We no longer believe in them. — But the ancients said: You need only look at the human being itself, and there you have the Alph—only that the Alph is contained within the body and is not a subtle, ethereal being, but rather a dense, physical being within the human being. — But people have long since forgotten how to perceive the human being at all.

[ 29 ] Da erlebt man ja das Allerdrolligste, meine Herren. Denken Sie sich einmal, daß in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts folgendes aufgekommen ist - ich will gar nichts dagegen sagen, solche Dinge können geschehen -: Da wurde ein Tisch genommen, um den setzten sich die Leute herum, sagen wir acht Leute; sie legen die Hände, die sich dann mit den äußersten Enden berühren, auf die Tischplatte, und da fängt der Tisch zu tanzen an! Dann zählen sie die Tanzschritte des Tisches ab, formen daraus, auch aus Buchstaben, Worte. Das sind spiritistische Sitzungen. Was glauben die Menschen? Sie glauben: Na, wenn wir nachdenken, dann kommt nichts von wirklicher Erkenntnis heraus; die wirkliche Erkenntnis, die muß uns irgendwo zufallen. - Nun, in Wahrheit ist es ja so, daß die Menschen, die das sagen, von sich es allerdings sagen könnten, denn es sind meist solche, die gedankenlos sind, und die nicht nachdenken wollen, die gern möchten, daß ihnen die Wahrheit von irgendwoher zufällt ohne ihre eigene Arbeit. Daher setzen sich acht um den Tisch herum, dann lassen sie den Tisch aufschlagen, das erstemal A, das zweitemal B, dann C und so weiter, und daraus formen sie dann Worte - und das sind dann spiritistische Offenbarungen. Nicht wahr, da ist ihnen die Weisheit zugefallen; sie haben sie nicht selber errungen!

[ 29 ] That’s when you come across the most ridiculous things, gentlemen. Just imagine that in the second half of the 19th century, the following practice emerged—I’m not saying anything against it; things like that can happen—: They took a table, and people—let’s say eight of them—sat around it; they placed their hands on the tabletop so that their fingertips touched, and then the table began to dance! Then they counted the table’s dance steps and formed words—including letters—from them. These are spiritualist séances. What do people believe? They believe: Well, if we think for ourselves, no real insight will come of it; real insight must just come to us from somewhere. — Now, the truth is that the people who say this could certainly be speaking about themselves, for they are mostly those who are thoughtless and who do not want to think—who would like the truth to just fall into their laps from somewhere without any effort on their part. So eight of them sit around a table, then they have the table “tap”—first “A,” then “B,” then “C,” and so on—and from these they form words—and these are then spiritualist revelations. Isn’t that right? Wisdom has simply fallen into their laps; they haven’t attained it themselves!

[ 30 ] Aber sehen Sie, was sollte man denn zu solchen Menschen eigentlich sagen? Solche Menschen, die wollen die geistige Welt erkennen; das ist ja ihre ehrliche Absicht, die geistige Welt zu erkennen. Die Geister, die kann man nicht anschauen; man sieht und hört sie nicht, weil sie keinen Körper haben. Da denken sich die Leute: Da können sie ja den Tisch als Körper benützen, und da können sie sich auf diese Weise so ein bißchen verständlich machen. - Nebenbei bemerkt: Es kommen meistens sehr allgemeine Dinge heraus, die man so und so deuten kann! - Aber jedenfalls muß man zu diesen Menschen sagen: Da sitzt ihr, acht Menschen, um den Tisch herum; ihr wollt, daß ein Geist kommt, der sich hörbar macht: Ja, seid ihr denn nicht selber auch Geister? Ihr seid ja selber auch Geister, die ihr da herumsitzet! Schaut einmal auf euch selber hin und sucht in euch selber den Geist. Da werdet ihr noch einen viel größeren Geist finden können. Von euch werdet ihr nicht voraussetzen, daß ihr nur dann geschaut werdet, wenn ihr durch einen Tisch schlaget, sondern wenn ihr menschengemäß eure Glieder, eure Stimmen, vor allen Dingen eure Denkkräfte benützt! - Daher ist es ist in der Tat so und man braucht es nicht zu bezweifeln, wenn sich acht Menschen um den Tisch herumsetzen, daß der Tisch anfängt zu tanzen, weil ja die unterbewußten Kräfte auf den Tisch wirken -, die Sache ist schon so, aber heraus kommt doch nicht irgend etwas, was nicht in viel höherem Sinn herauskäme, wenn der Mensch sein eigenes Alpha oder Aleph in sich selber anstrengt.

[ 30 ] But look, what is one actually supposed to say to such people? Such people want to come to know the spiritual world; that is, after all, their sincere intention—to come to know the spiritual world. You can’t see spirits; you can’t see or hear them because they have no physical body. So people think: Well, they can use the table as a body, and that way they can make themselves understood to some extent. - By the way: Most of the time, very general things come up that can be interpreted this way or that! - But in any case, one must say to these people: There you sit, eight people, around the table; you want a spirit to come and make itself heard: Well, aren’t you yourselves spirits, too? You yourselves are spirits, sitting there! Take a look at yourselves and seek the spirit within yourselves. There you will be able to find a much greater spirit. You shouldn’t assume that you’ll only be seen when you bang on a table, but rather when you use your limbs, your voices, and above all your powers of thought in a human way! - Therefore, it is indeed true—and there is no need to doubt it—that when eight people sit around a table, the table begins to dance because the subconscious forces are acting upon it—that much is true; but what emerges is not something that would not emerge in a much higher sense if a person were to summon their own Alpha or Aleph within themselves.

[ 31 ] Aber die Menschen haben bei dem Übergang von dem Griechentum ins Römertum Aleph verlernt. Der erste Buchstabe bedeutet A ja, nur glauben, der erste Buchstabe bedeutet bloß A, das heißt ja Maulaffen feilhalten! Allein, da kommt ja nichts dabei heraus. Einer Ehefrau ist es einmal zu dumm geworden, daß ihr Mann immerfort Vorträge gehalten hat aus der Wissenschaft heraus. Er hatte viel gelernt und hat immer Vorträge gehalten. Das war ihr furchtbar zuwider. Und da sagte sie eines Tages zu ihm: Du willst immer Vorträge halten! - wenn du schon etwas halten willst, so halt das Maul! - Ja, eigentlich ist dasjenige, was Inhalt ist, ganz verlorengegangen. Die Griechen haben nicht ein A, ein Alpha, so gedacht, ohne an den Menschen zu denken. Sie wurden gleich an den Menschen erinnert. Und sie haben nicht ein Beta gehabt, ohne sich an ein Haus zu erinnern, worin der Mensch wohnt. Das Alpha ist immer der Mensch. Sie stellten sich etwas dem Menschen Ähnliches vor. Und bei Beta, da stellten sie sich etwas, was um den Menschen herum ist, vor. Da wurde dann das jüdische Beth und das griechische Beta das Umhüllende um das Alpha, das noch drinnen ist als geistiges Wesen. So würde auch der Körper das Beth, Beta sein, und das Alpha der Geist darinnen. Und nun reden wir heute vom «Alphabet» - das heißt aber für die Griechen: «der Mensch in seinem Haus», oder auch: «der Mensch in seinem Körper», in seiner Umhüllung.

[ 31 ] But during the transition from Greek to Roman culture, people forgot what Aleph meant. The first letter means “A”—yes, just believe it—the first letter means nothing more than “A,” which is just a way to keep the fools entertained! But nothing comes of it. A wife once got fed up with her husband constantly giving lectures based on academic knowledge. He had learned a great deal and was always giving lectures. She found this terribly distasteful. And so one day she said to him: “You’re always giving lectures!—if you really want to give something, then shut your mouth!”—Yes, actually, the substance of it has been completely lost. The Greeks never thought of an A, an Alpha, without thinking of the human being. It immediately reminded them of the human being. And they never had a Beta without thinking of a house in which a human being lives. Alpha is always the human being. They created a mental image of something similar to a human being. And with beta, they created a mental image of something that surrounds the human being. Thus, the Jewish beth and the Greek beta became the envelope surrounding the alpha, which remains inside as a spiritual being. In the same way, the body would be the beth, beta, and the alpha would be the spirit within it. And today we speak of the “alphabet”—but for the Greeks, this means “the human being in his house,” or also “the human being in his body,” in his outer shell.

[ 32 ] Nun, meine Herren, es ist eigentlich furchtbar lustig. Nehmen Sie heute ein Lexikon in die Hand, dann lesen Sie nach in dem Alphabet die ganze Weisheit, die die Menschheit hat. Wenn einer - Sie werden es nicht tun - beim A anfängt und beim Z aufhören würde, dann würde er die ganze Weisheit in sich haben. Ja, aber nach was ist denn diese Weisheit im Menschen anzuordnen? Nach dem Alphabet, nach dem, was man vom Menschen wissen kann. Es ist sehr interessant: Die Menschen haben es dazu gebracht, alle Weisheit zu verbreiten, weil sie nicht mehr wußten, daß das eigentlich hindeutet auf das, was aus dem Alphabet kommt. - Übersetzt man Alphabet, so kommt heraus, wenn man es etwas anders ausdrückt: Menschenweisheit, Menschenwissen - wiederum mit einem griechischen Wort ausgedrückt: Anthroposophie, Menschenweisheit. Und so sagt es denn jedes Lexikon. Eigentlich müßte in jedem Lexikon Anthroposophie drinnenstehen, denn es ist nur nach dem Alphabet, nach der Menschenweisheit, «der Mensch in seinem Körper» angeordnet. Es ist also furchtbar lustig: Eigentlich stellt jedes Lexikon ein Totengerippe dar, wo in der alphabetisch angeordneten Wissenschaft die alte Weisheit verschwunden ist. Es ist alles Fleisch und Blut weg, alle Muskeln und alle Nerven sind heruntergefallen. Jetzt gehen Sie zum Lexikon; da ist nur noch das tote Gerippe von der alten Wissenschaft drinnen. - Jetzt muß wieder eine neue Wissenschaft entstehen, die nicht bloß das Totengerippe hat, wie das Lexikon, sondern wirklich alles wieder hat vom Menschen, Fleisch und Blut und so weiter: das ist die Anthroposophie! Daher möchte man am liebsten - trotzdem man sie heute braucht - alle diese Lexika zum Teufel schmeißen, weil sie das tote Gerippe sind von einer alten Wissenschaft. Neue Wissenschaft muß begründet werden!

[ 32 ] Well, gentlemen, it’s actually terribly funny. If you pick up an encyclopedia today, you can look up all the wisdom humanity possesses in alphabetical order. If someone—though you wouldn’t do this—were to start at A and stop at Z, they would possess all that wisdom within themselves. Yes, but how should this wisdom be organized within a person? According to the alphabet—according to what one can know about human beings. It’s very interesting: People have managed to spread all this wisdom because they no longer realized that it actually points to what comes from the alphabet. —If you translate “alphabet,” what emerges—to put it somewhat differently—is: human wisdom, human knowledge—expressed, in turn, with a Greek word: anthroposophy, human wisdom. And that is what every dictionary says. Actually, every dictionary should include the term “anthroposophy,” because it is arranged solely according to the alphabet, according to human wisdom—“the human being in his body.” So it’s terribly amusing: Actually, every dictionary represents a dead skeleton, where, in the alphabetically arranged science, the old wisdom has vanished. All the flesh and blood are gone; all the muscles and nerves have fallen away. Now go to the dictionary; there’s nothing left inside but the dead skeleton of the old science. - Now a new science must emerge—one that does not merely have a dead skeleton, like the dictionary, but truly possesses everything of the human being again—flesh and blood and so on: that is anthroposophy! That is why one would most like—even though we need them today—to throw all these dictionaries to the devil, because they are the dead skeleton of an old science. A new science must be established!

[ 33 ] Sehen Sie, meine Herren, das ist dasjenige, was man gerade auch am Sephirothbaum lernen kann, wenn man ihn in der richtigen Weise begreift. Es ist sehr nützlich, daß Herr Dollinger diese Frage gestellt hat, denn sie hat uns wieder ein bißchen tiefer hineingeführt in die Anthroposophie.

[ 33 ] You see, gentlemen, this is precisely what one can learn from the Tree of Sephiroth when one understands it correctly. It is very helpful that Mr. Dollinger asked this question, for it has led us a little deeper into anthroposophy.

[ 34 ] Das nächstemal dann am Mittwoch um neun Uhr.

[ 34 ] Next time, then, on Wednesday at nine o'clock.