Human History and the
World Views of Civilized Nations
GA 353
8 May 1924, Dornach
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Human History and the World Views of Civilized Nations, tr. SOL
11. Vom Wesen des Judentums
11. On the Nature of Judaism
[ 1 ] Nun, meine Herren, was haben Sie sich für heute als Fragen zurechtgelegt?
[ 1 ] Well, gentlemen, what questions have you prepared for today?
Fragesteller: Was verursachte beim Tode Christi, daß die Sonne drei Stunden verfinstert war?
Questioner: What caused the sun to be darkened for three hours at the time of Christ’s death?
[ 2 ] Dr. Steiner: Ja, meine Herren, das ist natürlich eine sehr bedeutungsvolle Frage: Was verursachte beim Tode Christi, daß die Sonne drei Stunden verfinstert war? - Sehen Sie, diese Frage hat mich auch, wie Sie sich denken können, sehr, sehr viel beschäftigt. Ich kann mir denken, daß es auch für den Fragesteller eine ganz wichtige Frage ist, weil sie ja doch zeigt, daß eigentlich solche Dinge für den heutigen Menschen zunächst nicht mehr glaublich sind. Deshalb hat ja auch das 19. Jahrhundert die Sache sehr einfach dadurch zur Lösung gebracht, daß es gesagt hat: Nun, es ist eben einfach nicht wahr, das ist ein bloßes Bild, und man braucht auf solche Dinge keinen großen Wert zu legen. - Ja, aber, meine Herren, so ist die Sache doch nicht! Gerade wenn man ganz sorgfältig alles dasjenige verfolgt, was man aus der Geisteswissenschaft wissen kann, so kommt man doch darauf, daß es sich beim Tode Christi um eine Sonnenfinsternis gehandelt hat, wenigstens um ein starkes Bedecktsein der Sonne, so daß während der Zeit, in der der Tod eingetreten ist, eine Verfinsterung der Gegend vorhanden war. Und man kommt nicht einfach dadurch über solche Dinge hinweg, daß man sie ableugnet, sondern man muß sie natürlich erklären.
[ 2 ] Dr. Steiner: Yes, gentlemen, that is, of course, a very significant question: What caused the sun to be eclipsed for three hours at the time of Christ’s death? — You see, as you can imagine, this question has also preoccupied me very, very much. I can imagine that it is also a very important question for the person asking it, because it does show that, for people today, such things are no longer credible at first glance. That is why the 19th century resolved the matter very simply by saying: Well, it’s just not true; it’s merely a metaphor, and one need not attach much importance to such things. - Yes, but, gentlemen, that’s not how it is! Precisely when one carefully traces everything that can be known from Spiritual Science, one comes to the conclusion that Christ’s death was accompanied by a solar eclipse—or at least by a significant obscuring of the sun—so that during the time of his death, the region was in darkness. And one cannot simply brush aside such things by denying them; rather, one must, of course, explain them.
[ 3 ] Nun möchte ich Sie da auf etwas aufmerksam machen, was ich schon öfter in Ihrer Gegenwart erwähnt habe: Sie finden überall in älteren Nachrichten, daß stark Rücksicht genommen wird auf die Tageszeit, Jahreszeit und so weiter. Das merken die Menschen heute gar nicht. Sie werden ja wissen, daß im Neuen Testament viel von den Heilungen Christi erzählt wird, von der Art und Weise, wie er Kranke geheilt hat. Und es wird da ein großer Wert darauf gelegt, daß er auch eine ganz bestimmte menschliche Praxis in der Krankenheilung entwickelte. Die Heilungen waren in der damaligen Zeit wesentlich leichter als heute, und das ist es gerade, was die Menschen heute nicht mehr berücksichtigen. Heute muß man ja die Menschheit, die sich schon einmal so entwickelt hat, namentlich in Europa, einfach vom Körper aus heilen. Aber das war nicht immer der Fall. Man konnte ganz gut noch zu der Zeit, als Christus auf der Erde war, und in älteren Zeiten erst recht, von der Seele aus heilen. Die Seele hat bei dem heutigen Menschen eben nicht mehr diesen starken Einfluß, weil der heutige Mensch seiner ganzen Erziehung nach ja abstrakte Gedanken hat. Sehen Sie, solche Gedanken, wie sie heute alle Menschen haben, die gab es eben in der damaligen Zeit noch nicht. Da wurde der Mensch innerlich von dem, was er dachte, ergriffen. Irgend etwas, was man «logisches Denken» nennt, das gab es in der damaligen Zeit nicht. Und so war der Mensch ganz anders in seinem Seelenleben. Heute können Sie zu dem Menschen das Allergewichtigste sprechen - es wirkt nicht auf seinen Körper, weil er die Seele abgezogen vom Körper hat. Man glaubt, die alten Menschen waren dadurch instinktiv hellsichtig, daß sie freier waren von ihrem Körper. Das ist aber gar nicht wahr; sie steckten mehr in ihrem Körper drinnen, sie fühlten mehr alles mit ihrem Körper und konnten daher auch einen Rieseneinfluß von der Seele aus auf den Körper ausüben. Wenn ein bestimmter Name ausgesprochen wurde, dann stand bei dem älteren Menschen gleich das Bild vor der Seele. Heute, nun, da spricht man irgendein Wort aus, und man hat nicht ein Bild. Die älteren Menschen hatten gleich ein vollständiges Bild, und dieses Bild durchrieselte sie entweder mit einer Gänsehaut oder mit einem Lachreiz oder irgend etwas: es ging gleich alles in den Körper über. Sehen Sie, diese Dinge wurden sehr stark benützt zum Heilen. Man konnte sie aber nur benützen, wenn man richtig die Kräfte benützte, die in der Umgebung des Menschen sind. Daher heißt es einmal, als vom Krankenheilen bei Christus die Rede ist: «Als die Sonne untergegangen war, versammelte er die Leidenden.» Also er hat sie nicht versammelt bei vollem, hellem Sonnenschein; da hätte seine Zusprache auf die Seele nichts genützt. Erst als die Menschen in der Dunkelheit, in der Dämmerung zu ihm kamen, da nützte das etwas.
[ 3 ] Now I’d like to draw your attention to something I’ve mentioned several times before in your presence: You’ll find throughout older news reports that great consideration is given to the time of day, the season, and so on. People today don’t even notice that. As you know, the New Testament contains many accounts of Christ’s healings—of the way he healed the sick. And great emphasis is placed there on the fact that he also developed a very specific human approach to healing the sick. Healing was much easier back then than it is today, and that is precisely what people today no longer take into account. Today, we simply have to heal humanity—which has already developed in this way, particularly in Europe—starting from the body. But that wasn’t always the case. Back when Christ was on Earth, and even more so in earlier times, it was still quite possible to heal starting from the soul. The soul simply no longer has such a strong influence on people today because, due to their entire upbringing, people today have abstract thoughts. You see, the kind of thoughts that all people have today simply did not exist back then. Back then, people were inwardly moved by what they thought. Something called “logical thinking”—that did not exist in those days. And so people’s inner lives were quite different. Today, you can say the most weighty things to a person—it has no effect on their body, because they have separated their soul from their body. It is believed that the people of old were instinctively clairvoyant because they were freer from their bodies. But that is not true at all; they were more deeply rooted in their bodies, they felt everything more keenly through their bodies, and were therefore able to exert an enormous influence from the soul upon the body. When a certain name was spoken, an image would immediately appear before the older person’s soul. Today, well, when you say any word, you don’t have an image. Older people had a complete image right away, and this image would send a shiver down their spine, or make them laugh, or something like that: it all immediately passed into the body. You see, these things were used very extensively for healing. But one could only use them if one properly harnessed the forces present in the human environment. That is why, when speaking of Christ’s healing of the sick, it is said: “When the sun had set, he gathered the suffering.” So he did not gather them in full, bright sunshine; his words would have had no effect on their souls then. Only when the people came to him in the darkness, at twilight, did it have any effect.
[ 4 ] Über solche Sachen geht der Mensch heute ganz hinweg. Aber es ist eben durchaus so, daß diese Dinge mit dem menschlichen Leben zusammenhängen. Ob heller Sonnenschein ist oder Dämmerung, ob Frühling, Herbst und so weiter, das hat einen riesigen Einfluß. Und so auch die anderen Erscheinungen der Natur. So daß wir sagen können: Wir beobachten das Leben Christi, wie es sich entwickelt hat von seiner Geburt bis zu der Johannes-Taufe, und dann durch die drei Jahre, bis er zum Tod gekommen ist: alles hat sich in einer gewissen Weise zugespitzt. Aber nicht bloß dasjenige, was der Hohe Rat dazumal beschlossen hat, nicht bloß dasjenige, was gemacht hat, sagen wir, die Revolution der Leute dort und so weiter, sondern auch die Erscheinungen am Himmel und in der ganzen Natur, die haben mitgewirkt.
[ 4 ] People today completely overlook such things. But the fact is that these things are indeed connected to human life. Whether it is bright sunshine or twilight, whether it is spring, autumn, and so on—all of this has a tremendous influence. And so do the other phenomena of nature. So that we can say: We observe the life of Christ as it unfolded from his birth to his baptism by John, and then through the three years until his death—everything came to a head in a certain way. But not merely what the Sanhedrin decided at that time, not merely what was brought about, let’s say, by the revolution of the people there and so on, but also the phenomena in the heavens and throughout nature—these all played a part.
[ 5 ] Nun habe ich Ihnen gesagt, meine Herren: Einfluß auf den Menschen, insofern er zunächst im Mutterleibe ist, dann geboren wird, haben die Mondenkräfte. Später haben Einfluß auf den Menschen die Sonnenkräfte. Ich habe Ihnen davon gesprochen, daß auch andere Sternenkräfte Einfluß auf den Menschen haben. Einfluß auf den Menschen aber haben alle Erscheinungen, die draußen in der Natur sind.
[ 5 ] Now I have told you, gentlemen: The forces of the Moon influence human beings, first while they are in the womb and then after they are born. Later, the forces of the Sun influence human beings. I have spoken to you about how other celestial forces also influence human beings. But all phenomena found out in nature exert an influence on human beings.
[ 6 ] Sehen Sie, es ist manchmal ganz merkwürdig, wie sich die Menschen heute, weil sie aus ihrem abstrakten Denken gar nicht herauskommen, abplagen mit Naturerscheinungen. Es ist zum Beispiel heute bekannt, daß die Sonnenflecken - es sind ja Flecken in der Sonne - nach etwa elf bis zwölf Jahren immer wieder und wiederum in großer Zahl erscheinen. Aber trotzdem man weiß, daß in der Zeit, in der die Sonnenflecken erscheinen, immer etwas Unruhiges auf der Erde vorgeht, kann man sich doch nicht dazu bequemen, nun den außerirdischen Einfluß auf die Erde, der sich in den Sonnenflecken ausdrückt, wirklich zu berücksichtigen. Aber dieser Einfluß ist einmal da! Nicht wahr, wenn es regnet, so folgt auf der Erde durch das Bewußtsein des Menschen, daß gewisse Dinge unterlassen werden müssen. Sie können nicht gut, wenn es Schloßhunde regnet, Gärtnerarbeiten und dergleichen machen; die müssen unterlassen werden. Ja, da hat die Natur einen Einfluß auf das bewußte Leben des Menschen. Aber auf das unbewußte Leben des Menschen hat der ganze Umkreis der Welt mit der Sternenwelt einen großen Einfluß. Und so kommt das Sonnenlicht, das ja für den Menschen eine Bedeutung hat, ganz anders zu ihm, wenn es stellenweise verdunkelt ist, als wenn es durch und durch erhellt ist.
[ 6 ] You see, it is sometimes quite strange how people today, because they cannot break free from their abstract thinking, struggle with natural phenomena. For example, it is now known that sunspots—which are, after all, spots on the sun—appear again and again in large numbers every eleven to twelve years. But even though we know that whenever sunspots appear, something unsettling is always happening on Earth, we still cannot bring ourselves to truly take into account the extraterrestrial influence on Earth that is expressed through the sunspots. But this influence is definitely there! Isn’t it true that when it rains, human consciousness leads to certain activities being suspended on Earth? You can’t very well do gardening or similar work when it’s pouring rain; those activities must be put on hold. Yes, nature does have an influence on human conscious life. But the entire cosmos, including the world of the stars, exerts a great influence on human unconscious life. And so the sunlight—which, of course, has significance for human beings—reaches them quite differently when it is partially obscured than when it shines through completely.
[ 7 ] Man kann nicht sagen, daß durch solche Dinge die Freiheit beeinflußt wird; aber wo irgendwie tiefere, geistige Wirkungen in Betracht kommen, da muß der Mensch mit seiner Freiheit auf diese Wirkungen geradeso bauen, wie er darauf baut, daß er ja nicht sagen kann, wenn er im ersten Stock oben ist: Der Boden soll ein Loch kriegen, damit ich durch diesen Boden hinunter ins untere Geschoß kommen kann. Die Naturgesetze müssen eben berücksichtigt werden, auch die großen, die draußen in der Welt sind.
[ 7 ] One cannot say that such things affect freedom; but where deeper, spiritual effects come into play, a person must rely on these effects with his freedom just as he relies on the fact that he cannot say, when he is on the first floor: “There should be a hole in the floor so that I can go down through it to the lower floor.” The laws of nature must simply be taken into account—including the great ones that exist out there in the world.
[ 8 ] Und so kann man sagen: Es hat sich in der Natur alles zugespitzt in der Zeit gerade, in der sich in Palästina abgespiegelt hat in gewissen Herzen dasjenige, was geschehen ist, bis zur größten Traurigkeit. Aber damit ging einher die größte Traurigkeit in der Natur. Diese zwei Dinge stimmten eben durchaus zusammen; sie stimmten in der Wirklichkeit zusammen. Und dann kann man sagen: Geradeso wie im Körper das Blut fließt und des Menschen Gesundheit von diesem Blute abhängt, so fließt wiederum ins Blut hinein dasjenige, was im Sonnenlichte lebt. Es fließt ja ins Blut hinein.
[ 8 ] And so one can say: Everything in nature has come to a head precisely at the time when what has happened has been reflected in certain hearts in Palestine, leading to the greatest sorrow. But this was accompanied by the greatest sadness in nature. These two things were in perfect harmony; they were in harmony in reality. And so one can say: Just as blood flows through the body and a person’s health depends on this blood, so too does that which lives in the sunlight flow into the blood. It does indeed flow into the blood.
[ 9 ] Denken Sie sich, irgend jemand. stirbt. Nun, könnten Sie zwei Monate vorher sein Blut untersuchen, dann würde sich Ihnen zeigen, daß es schon auf dem Wege ist, leblos zu werden. Ebenso nun, wie das Blut vor dem Tode des Menschen auf dem Wege ist, leblos zu werden, so war dasjenige, was im Lichte lebt, vorher schon, zur Zeit von Christi Geburt schon, auf dem Weg, sich so zu entwickeln, daß eben eine Dämmerung war mit dem Tode. Also es standen eben einfach die Naturerscheinungen in einem innigen Zusammenhang mit Christi Leben. Und man möchte sagen: Geradeso wie der Christus bewußt die Dämmerung gewählt hat, um Kranke zu heilen, so hat sein Unbewußtes in der Seele die Sonnenfinsternis gewählt, um zu sterben. So muß man sich diese Dinge vorstellen; dann kommt man schon zu einer richtigen Erklärung. Und das ist wichtig, meine Herren! Man kann sich natürlich nicht in äußerlicher, grober Weise diese Sachen erklären, sondern man muß sie in intimer Weise erklären.
[ 9 ] Imagine that someone is about to die. Well, if you were to test their blood two months beforehand, you would see that it is already on its way to becoming lifeless. Just as the blood is on its way to becoming lifeless before a person’s death, so too was that which lives in the light already—even at the time of Christ’s birth—on its way to developing in such a way that his death coincided with twilight. Thus, natural phenomena were simply in an intimate connection with Christ’s life. And one might say: Just as Christ consciously chose twilight to heal the sick, so his unconscious in the soul chose the solar eclipse to die. This is the mental image one must have of these things; then one arrives at a correct explanation. And that is important, gentlemen! Of course, one cannot explain these things in an external, crude manner, but must explain them in an intimate way.
[ 10 ] Fragestellung: Hat das jüdische Volk seine Mission in der Menschheitsentwickelung erfüllt?
[ 10 ] Question: Has the Jewish people fulfilled its mission in the development of humanity?
[ 11 ] Dr. Steiner: Ja, sehen Sie, das ist eine Frage, die natürlich, wenn man sie bespricht, leider allzuschnell in die Agitation hineintreibt. Dasjenige aber, was man ganz objektiv in dieser Beziehung sagen muß, hat nichts zu tun mit irgendeiner Agitation.
[ 11 ] Dr. Steiner: Yes, you see, that is a question which, of course, when discussed, unfortunately all too quickly veers into agitation. But what must be said quite objectively in this regard has nothing to do with any kind of agitation.
[ 12 ] Wenn man das jüdische Volk ansieht, wie es sich in alten Zeiten entwickelt hat, so muß man sagen, es hat sich in einer Weise entwickelt, die außerordentlich stark die christliche Entwickelung vorbereitet hat. Die Juden haben, bevor das Christentum in die Welt getreten ist, eine sehr geistige Religion gehabt, aber eine Religion - ich habe sie Ihnen schon charakterisiert -, die eigentlich nur auf das geistige Naturgesetz Rücksicht genommen hat. Hat man den Juden gefragt: Woher kommt der Frühling?, so hat er gesagt: Weil Jehova es so will! - Warum ist das ein schlechter Mensch? Weil Jehova es so will! - Warum bricht in einem Lande eine Hungersnot aus? Weil Jehova es so will! - Alles wurde zurückgeführt auf diesen einen Gott. Und dadurch lebten ja die Juden mit ihren Nachbarvölkern in Feindschaft; sie wurden von ihnen nicht verstanden. Und sie verstanden auch diese Nachbarvölker nicht, weil die Nachbarvölker eigentlich nicht diesen einen Gott in derselben Weise anerkannt haben, sondern die geistigen Wesenheiten in allen Naturerscheinungen - viele geistige Wesenheiten - anerkannt haben.
[ 12 ] When one looks at how the Jewish people developed in ancient times, one must say that they developed in a way that laid the groundwork for Christian development to an extraordinary degree. Before Christianity entered the world, the Jews had a very spiritual religion, but a religion—as I have already described to you—that actually took into account only the spiritual law of nature. If one asked a Jew, “Where does spring come from?” he would say, “Because Jehovah wills it!”—“Why is this person a bad person?” “Because Jehovah wills it!”—“Why does a famine break out in a country?” “Because Jehovah wills it!”—Everything was traced back to this one God. And as a result, the Jews lived in hostility with their neighboring peoples; they were not understood by them. Nor did they understand these neighboring peoples, because the neighboring peoples did not actually acknowledge this one God in the same way, but rather acknowledged the spiritual entities in all natural phenomena—many spiritual entities.
[ 13 ] Ja, sehen Sie, meine Herren, diese vielen geistigen Wesenheiten in den Naturerscheinungen sind eben einfach vorhanden, und diejenigen, die sie leugnen, leugnen etwas Wirkliches. Es ist geradeso, wenn man diese geistigen Wesenheiten in den Naturerscheinungen leugnet, als wenn ich jetzt sage: In diesem Saale sitzt kein einziger Mensch! - Das kann ich natürlich auch sagen, und wenn ich einen Blinden hereinbringe und sage: In diesem Saale sitzt kein Mensch! und Sie nicht anfangen darüber so laut zu lachen, daß er es hört, dann kann er es glauben. - Es gibt ja auch auf diesem Gebiet Täuschungen. Friedrich Nietzsche, der sehr schlecht gesehen hat - er war damals Professor in Basel -, hat immer sehr wenig Zuhörer gehabt; trotzdem die Vorlesungen sehr interessant waren, waren die jungen Zuhörer nicht besonders fleißig. Er war immer in Gedanken versunken, ging hinauf aufs Podium und hielt seine Vorträge. So geschah es auch wieder einmal - und es war kein einziger drinnen! Er hat es aber erst bemerkt, als er hinausging, weil er so schlecht sah. - Und einem Blinden wäre auch klarzumachen, daß hier kein einziger Mensch im Saal ist. So macht man den Menschen klar, daß nirgends geistige Wirkungen sind, weil man sie zunächst durch die Erziehung und alles, was heute geschieht, für die geistigen Wirkungen blind macht.
[ 13 ] Yes, you see, gentlemen, these many spiritual beings in natural phenomena simply exist, and those who deny them are denying something that is real. Denying these spiritual entities in natural phenomena is just like if I were to say right now: “There isn’t a single person sitting in this hall!”—Of course, I can say that, and if I bring in a blind person and say, “There isn’t a single person sitting in this hall!” and you don’t start laughing so loudly that he hears it, then he might believe it. - There are, after all, deceptions in this area as well. Friedrich Nietzsche, who had very poor eyesight—he was a professor in Basel at the time—always had very few listeners; even though his lectures were very interesting, the young listeners were not particularly diligent. He was always lost in thought, would go up to the podium, and deliver his lectures. This happened once again—and there wasn’t a single person inside! But he didn’t notice it until he walked out, because his eyesight was so poor. — And even a blind person could be made to understand that there isn’t a single person in the hall. This is how one makes it clear to people that there are no spiritual effects anywhere, because education and everything that happens today first blind them to these spiritual effects.
[ 14 ] Aber auf der anderen Seite ist es auch wieder für den Menschen wichtig, daß er einsieht, er hat zwar viel zu tun mit all diesen vielen Naturgeistern. Aber es gibt in ihm eine Macht, die all das, was diese Naturgeister im Menschen bewirken, besiegt. Und dadurch kommt der Mensch zu dem einen Menschengott. Und die Juden kamen eben zunächst in einer ganz starken Weise zu dem einen Menschengott und leugneten alle übrigen geistigen Wesenheiten in den Naturerscheinungen. Dadurch erwarben sie sich zunächst zur Anerkennung des einen Menschengottes, des Jahve oder Jehova, ein großes Verdienst. Jahve heißt ja einfach: Ich bin.
[ 14 ] But on the other hand, it is also important for human beings to realize that, although they have much to do with all these numerous nature spirits, there is a power within them that overcomes everything these nature spirits bring about in human beings. And through this, human beings come to the one God of humanity. And the Jews initially came to the one God of humanity in a very powerful way and denied all other spiritual beings in natural phenomena. Through this, they initially earned great merit for their recognition of the one God of humanity, Yahweh or Jehovah. After all, Yahweh simply means: “I am.”
[ 15 ] Nun, diese Sache ist für die Weltgeschichte sehr wichtig geworden, die eine Gottheit, mit der Leugnung aller übrigen geistigen Wesenheiten. Denken Sie sich: Es gibt zwei Völker, die führen miteinander Krieg; jedes erkennt den einen Gott an, und eines von diesen Völkern kann nur siegen. Das siegende Volk, das sagt: Unser Gott hat uns siegen lassen. - Hätte das andere Volk gesiegt, so hätte das auch gesagt: Unser Gott hat uns siegen lassen. Aber wenn es der eine Gott ist, der das eine Volk siegen läßt und das andere Volk besiegen läßt, so ist es ja der Gott selber, der sich besiegt! Also wenn die Türken ihren Gott haben und die Christen ihren Gott, und beide Völker den einen Gott haben, und das eine Volk bittet: Der eine Gott möge uns den Sieg bringen -, und das andere Volk betet: Der eine Gott möge uns den Sieg bringen -, so verlangen sie ja beide von demselben Gott, daß er sich selber besiegt! Man muß sich klar sein: Da handelt es sich nicht um ein einziges geistiges Wesen. Das tritt aber schon im alltäglichen Leben hervor: Der eine will, daß es regnet, betet um Regen, der andere will, daß die Sonne scheint, betet um Sonnenschein am selben Tag. Ja, das geht nicht! Würde man das bemerken, so würde schon mehr Klarheit in diesen Dingen herrschen. Aber man bemerkt es halt nicht. In großen Dingen gibt sich der Mensch einer Gedankenlosigkeit hin, lebt in der Gedankenlosigkeit, die er sich in kleinen Dingen gar nicht gestatten würde. Er würde wahrscheinlich nicht zugleich Salz und Zucker in den Kaffee tun, sondern er zuckert ihn bloß, macht bloß das eine. Aber im Großen darauf beruhen ja auch die großen Verwirrungen -, da sind die Menschen nicht so, daß sie sich nur einer Klarheit hingeben wollen. So haben also die Juden das, was man den Monotheismus nennt, also das Bekenntnis zu dem einen Gotte, aufgebracht.
[ 15 ] Well, this matter has become very important for world history: the belief in one deity, along with the denial of all other spiritual beings. Just imagine: there are two nations at war with each other; each acknowledges the one God, and only one of these nations can prevail. The victorious people say: “Our God has granted us victory.”—If the other people had won, they too would have said: “Our God has granted us victory.” But if it is the one God who grants victory to one people and brings defeat upon the other, then it is God Himself who defeats Himself! So if the Turks have their God and the Christians have their God, and both peoples have the one God, and one people prays, “May the one God grant us victory”—and the other people prays, “May the one God grant us victory”—then they are both demanding that the same God defeat himself! One must be clear about this: We are not dealing with a single spiritual being. But this is already evident in everyday life: One person wants it to rain and prays for rain, while another wants the sun to shine and prays for sunshine on the very same day. Yes, that’s impossible! If people realized this, there would already be more clarity in these matters. But they simply don’t realize it. In major matters, people give themselves over to thoughtlessness, living in a state of thoughtlessness that they would never allow themselves in minor matters. They probably wouldn’t put both salt and sugar in their coffee at the same time; instead, they’d just add sugar—they’d do only one thing. But in the big picture—and this is where the great confusions lie—people aren’t inclined to devote themselves to just one kind of clarity. Thus, the Jews have established what is called monotheism—that is, the belief in the one God.
[ 16 ] Nun habe ich Ihnen kürzlich einmal gesagt, daß das Christentum eigentlich die drei Gottheiten ins Auge gefaßt hat: Es hat den Vatergott, der in allen Naturerscheinungen lebt, den Sohnesgott, der in der menschlichen Freiheit lebt, und es hat den Geistgott, der dem Menschen zum Bewußtsein bringen soll, daß er ein von seinem Körper unabhängiges Geistiges hat. Damit also würden drei Dinge begriffen. Sonst muß man dem einen Gott zuschreiben, daß er den Menschen sterben läßt aus dem Körper, daß er ihn auch wieder auferweckt aus demselben Entschluß heraus. Währenddem, wenn man drei Personen hat, fällt das Sterben dem einen Gott, der Tod dem anderen, das Auferwecktwerden im Geiste wieder einem anderen zu. Also das Christentum war genötigt, die geistige Gottheit in drei Personen sich vorzustellen. In drei Personen - das ist nur heute so, daß man das nicht versteht, aber das heißt ursprünglich dreigestaltet, und man hat sich vorgestellt: Die Gottheit trat eben in drei Gestalten auf.
[ 16 ] I told you recently that Christianity actually envisaged three divinities: It has the Father God, who lives in all natural phenomena; the Son God, who lives in human freedom; and the Spirit God, who is meant to make human beings aware that they possess a spiritual aspect independent of their bodies. Thus, three things would be understood. Otherwise, one would have to attribute to the one God the act of causing a person to die in the body, and also the act of raising them from the dead out of the same resolve. Whereas, if one has three persons, dying falls to one God, death to another, and being raised in the Spirit to yet another. Thus, Christianity was compelled to conceive of the spiritual deity as having a mental image of itself in three persons. In three persons—it is only today that people do not understand this, but originally it meant “three-form,” and people had a mental image of the Godhead appearing in three forms.
[ 17 ] Nun ist das Judentum genötigt gewesen, weil es nur diesen einen Gott sich vorstellte, überhaupt von diesem einen Gott sich gar kein Bild zu machen, sondern diesen einen Gott ganz nur mit dem Inneren der Seele, mit dem Verstande zu begreifen. Aber es ist auch leicht einzusehen, daß sich damit eigentlich der menschliche Egoismus im höchsten Grade verdichtete; denn der Mensch wird fremd alledem, was außer ihm ist, wenn er das Geistige nur in seiner eigenen Person sieht. Und das hat in der Tat einen gewissen Volksegoismus im Judentum hervorgebracht, das ist nicht zu leugnen; aber die Juden sind dadurch auch mehr geeignet, dasjenige, was nicht bildlich ist, in sich aufzunehmen, während sie weniger geeignet sind, das Bildhafte in sich aufzunehmen. Wenn ein Jude Bildhauer wird, dann kommt eigentlich nichts Besonderes dabei heraus, weil er dazu noch nicht veranlagt ist. Er hat nicht diese bildhafte Veranlagung; die geht ihm nicht ein. Wenn ein Jude Musiker wird, so wird er meistens ein ausgezeichneter Musiker, weil das nicht bildhaft ist; das stellt man nicht äußerlich dar. So können $ie unter den Juden große Musiker finden, aber Sie werden kaum in der Zeit, in der die Künste geblüht haben, unter ihnen große Bildhauer finden, nicht einmal Maler! Die Juden malen ganz anders als meinetwillen die christlichen oder auch nichtchristlichen, die orientalischen Maler. Sie malen so, daß eigentlich die Farbe auf einem Bild, das von einem Juden gemalt wird, gar keine große Bedeutung hat, sondern das, was es ausdrückt, was man eigentlich durch das Bild erzählen will. Das ist dasjenige, was das Judentum besonders charakterisiert: das Nichtbildhafte, das ganz und gar im menschlichen Ich Vorsichgehende in die Welt zu bringen. Aber so leicht es ausschaut, es ist nicht so leicht, dieses Bekenntnis zu dem einen Gotte festzuhalten, sondern die Menschen werden eigentlich sogleich Heiden, wenn man ihnen dieses Bekenntnis zu dem einen Gotte nicht scharf aufdrückt. Die Juden sind am allerwenigsten Heiden geworden. Im Christentum dagegen herrscht leicht ein Zug zum Heidentum. Sie können das, wenn Sie scharf zusehen, überall bemerken. Nehmen Sie zum Beispiel diese Verehrung, die das Christentum hat für Zeremonien. Nicht wahr, ich habe Ihnen gesagt: Die Monstranz stellt eigentlich die Sonne dar und darinnen den Mond. - Das weiß man gar nicht mehr. Aber der Mensch, der in dieser Beziehung nicht aufgeklärt ist, betet eigentlich die Monstranz an, also ein Äußerliches. Die Menschen neigen sehr leicht dazu, das Äußerliche anzubeten. Und so ist es eigentlich wirklich geschehen, daß im Verlaufe der Jahrhunderte sich das Christentum sehr heidnisch gebildet hat. Dagegen hat immer das Judentum eine Gegenwirkung entfaltet.
[ 17 ] Now, because Judaism conceived of only this one God, it was compelled not to form any mental image of this one God at all, but rather to comprehend this one God solely through the innermost depths of the soul, through the intellect. But it is also easy to see that this actually intensified human egoism to the highest degree; for a person becomes alienated from everything outside himself when he perceives the spiritual only within his own person. And this has indeed given rise to a certain national egoism in Judaism—that cannot be denied—but the Jews are thereby also better suited to absorb that which is not figurative, while they are less suited to absorb the figurative. When a Jew becomes a sculptor, nothing particularly remarkable comes of it, because he is not yet predisposed to it. He lacks this pictorial predisposition; it simply does not come naturally to him. When a Jew becomes a musician, he usually becomes an excellent musician, because music is not pictorial; it is not represented externally. Thus, you can find great musicians among the Jews, but you will hardly find great sculptors among them—not even painters—during the period when the arts flourished! Jews paint quite differently from—in my view—Christian or even non-Christian, such as Oriental, painters. They paint in such a way that, in a painting by a Jew, the color itself actually has no great significance; rather, what matters is what it expresses—what one actually intends to convey through the image. This is what particularly characterizes Judaism: bringing into the world that which is non-pictorial, that which takes place entirely within the human self. But as easy as it may seem, it is not so easy to uphold this confession of faith in the one God; rather, people actually become pagans immediately if this confession of faith in the one God is not strictly enforced upon them. The Jews, of all people, have become pagans the least. In Christianity, on the other hand, there is a tendency toward paganism. If you look closely, you can see this everywhere. Take, for example, the reverence Christianity has for ceremonies. Didn’t I tell you: The monstrance actually represents the sun, and within it, the moon?—People don’t even know that anymore. But the person who is not enlightened in this regard actually worships the monstrance—that is, something external. People are very easily inclined to worship the external. And so it has actually come to pass that, over the course of the centuries, Christianity has taken on a very pagan character. Judaism, on the other hand, has always exerted a counteracting influence.
[ 18 ] Nehmen Sie das nur einmal auf einem ganz bestimmten Gebiete an, wo es am leichtesten einleuchten kann: Die Christen des Abendlandes, also die Christen, die aus Griechenland, Rom und Mitteldeutschland kamen, die waren eigentlich ziemlich unfähig, die alte Medizin fortzupflanzen, weil sie in den Heilkräutern nicht mehr das Geistige sehen konnten. Es war ihnen unmöglich, in den Heilkräutern noch das Geistige zu sehen. Aber überall haben das Geistige, das heißt ihren einen Jehova gesehen diejenigen Juden, die aus dem Morgenland, von Persien und so weiter gekommen sind. Wenn Sie die Entwickelung der Medizin im Mittelalter betrachten, dann haben die Juden einen ungeheuer starken Anteil daran. Die Araber haben gerade an der Entwickelung der anderen Wissenschaften, die Juden an der Entwickelung der Medizin einen starken Anteil. Und was die Araber an Medizin gebracht haben, haben sie auch wiederum mit Hilfe der Juden ausgearbeitet. Aber dadurch wiederum ist die Medizin das geworden, was sie heute geworden ist. Die Medizin ist zwar geistig geblieben, aber sie ist, ich möchte sagen, monotheistisch geblieben. Und heute können Sie sehen, wenn Sie die Medizin beobachten: Mit Ausnahme von ein paar Mitteln, ganz wenigen, wird eigentlich allen übrigen Mitteln alles zugeschrieben! Man weiß nicht mehr, wie das eine Mittel wirkt, geradesowenig wie man im Judentum gewußt hat, wie die einzelnen Naturgeister sind. So ist auch da in der Medizin ein abstrakter Geist, ein abstrakter JehovaDienst eingezogen, der heute eigentlich noch immer in der Medizin drinnen ist.
[ 18 ] Let’s just consider this for a moment in a very specific area where it’s easiest to understand: The Christians of the West—that is, the Christians who came from Greece, Rome, and central Germany—were actually quite incapable of carrying on the ancient tradition of medicine because they could no longer perceive the spiritual aspect in medicinal herbs. It was impossible for them to still perceive the spiritual aspect in medicinal herbs. But the Jews who came from the East—from Persia and so on—saw the spiritual aspect everywhere, that is, they saw their own Jehovah. If you look at the development of medicine in the Middle Ages, you’ll see that the Jews played an immensely significant role in it. The Arabs contributed significantly to the development of other sciences, while the Jews contributed significantly to the development of medicine. And what the Arabs contributed to medicine, they in turn developed with the help of the Jews. But through this, medicine has become what it is today. Medicine has indeed remained spiritual, but it has, I would say, remained monotheistic. And today, if you observe medicine, you can see that—with the exception of a few remedies, very few indeed—everything is attributed to all the other remedies! People no longer know how a particular remedy works, just as in Judaism they did not know what the individual nature spirits were like. Thus, an abstract spirit, an abstract service to Jehovah, has also taken hold in medicine, and it is actually still present in medicine today.
[ 19 ] Es wäre zum Beispiel sehr natürlich, daß in den verschiedenen Ländern Europas nicht mehr Juden Ärzte wären, als sie prozentual zu der Bevölkerung sind. Ich will nicht sagen - bitte, mich nicht mißzuverstehen! -, daß man das durch ein Gesetz festsetzen sollte; das fällt mir durchaus nicht ein. Aber die natürliche Anschauung müßte das ergeben, daß entsprechend der Anzahl Juden auch jüdische Ärzte da wären. Aber das ist gar nicht der Fall. In den meisten Ländern sind eine viel größere Anzahl Juden Ärzte. Das stammt noch aus dem Mittelalter; sie fühlen sich noch zu der Medizin sehr hingezogen, weil es ihrem abstrakten Denken entspricht. Dieser abstrakten Jehova-Medizin ist eigentlich ihr ganzes Denken angepaßt; sie entspricht ihnen. Und erst hier in der Anthroposophie, wo man wieder zurückgeht auf die einzelnen Naturgeister, erkennt man auch wieder, was in den einzelnen Kräutern und Steinen an Naturkräften enthalten ist. Da bringt man das wieder auf einen sicheren Boden.
[ 19 ] It would be quite natural, for example, for the number of Jewish doctors in the various countries of Europe not to exceed their percentage of the population. I do not mean to say—please do not misunderstand me!—that this should be stipulated by law; that would never occur to me. But a natural perspective would suggest that the number of Jewish doctors should correspond to the number of Jews. Yet that is not the case at all. In most countries, a much larger proportion of Jews are doctors. This dates back to the Middle Ages; they are still very drawn to medicine because it corresponds to their abstract way of thinking. Their entire way of thinking is actually adapted to this abstract “Jehovah medicine”; it suits them. And only here in anthroposophy, where we return to the individual nature spirits, do we once again recognize the natural forces contained in individual herbs and stones. There, we bring things back to solid ground.
[ 20 ] Die Juden haben also den einen Jehova verehrt und dadurch die Menschen davon abgehalten, sich zu verlieren in die Vielgeisterei. Nun ist es natürlich so, daß die Juden sich dadurch auch immer von den anderen Menschen unterschieden haben, und dadurch vielfach wie immer derjenige, der sich unterscheidet, Abneigung und Antipathie hervorruft - die Abneigung und Antipathie hervorgerufen haben. Aber heute handelt es sich darum, sich zu sagen, daß eine solche Weise, die Kultur nicht auseinandertreiben zu lassen, sondern zusammenzuhalten, wie es jahrhundertelang bewirkt worden ist durch die Juden, in der Zukunft nicht mehr notwendig sein wird, sondern in der Zukunft muß das ersetzt werden durch eine starke geistige Erkenntnis. Dann wird auch das Verhältnis zwischen der einigen Gottheit und den vielen Geistern sich vor der Erkenntnis, vor dem Bewußtsein des Menschen darstellen. Dann braucht nicht im Unbewußten ein einziges Volk zu wirken. Daher habe ich es von Anfang an bedenklich gefunden, daß die Juden, als sie nicht mehr recht aus und ein gewußt haben, die zionistische Bewegung begründet haben. Einen Judenstaat aufrichten, das heißt, in der allerwüstesten Weise Reaktion treiben, in der allerwüstesten Weise zur Reaktion zurückkehren, und damit sündigt man gegen alles dasjenige, was auf diesem Gebiet heute notwendig ist.
[ 20 ] The Jews, then, worshiped the one God, Jehovah, and thereby prevented people from getting lost in polytheism. Now, of course, this also meant that the Jews have always distinguished themselves from other peoples, and as is often the case—just as anyone who stands out tends to provoke aversion and antipathy—they have provoked such aversion and antipathy. But today the point is to recognize that such a way of preventing culture from being torn apart—but rather holding it together, as the Jews have done for centuries—will no longer be necessary in the future; rather, in the future, it must be replaced by a strong spiritual insight. Then, too, the relationship between the one God and the many spirits will reveal itself to human understanding and consciousness. Then there will be no need for a single people to act in the unconscious. That is why I have found it troubling from the very beginning that the Jews, when they no longer knew which way to turn, founded the Zionist movement. To establish a Jewish state means to engage in reaction in the most brutal way, to return to reaction in the most brutal way—and in doing so, one sins against everything that is necessary in this realm today.
[ 21 ] Sehen Sie, ein sehr angesehener Zionist, mit dem ich befreundet war, der legte mir einmal seine Ideale auseinander, nach Palästina zu gehen und dort ein Judenreich zu gründen. Er tat selber sehr stark mit an der Begründung dieses jüdischen Reiches, tut heute noch mit und hat sogar in Palästina eine sehr angesehene Stellung. Dem sagte ich: Solch eine Sache ist heute gar nicht zeitgemäß; denn heute ist dasjenige zeitgemäß, dem jeder Mensch, ohne Unterschied von Rasse und Volk und Klasse und so weiter sich anschließen kann. Nur das kann man eigentlich heute propagieren, dem sich jeder Mensch ohne Unterschied anschließen kann. Aber jemand kann doch nicht von mir verlangen, daß ich mich der zionistischen Bewegung anschließe. Da sondert ihr ja wiederum einen Teil aus von der ganzen Menschheit! - Aus diesem einfachen, naheliegenden Grunde kann eigentlich eine solche Bewegung heute nicht gehen. Sie ist im Grunde genommen die wüsteste Reaktion. Natürlich erwidern einem dann solche Menschen etwas Merkwürdiges; sie sagen: Ja, in der Zeit hat es sich doch herausgestellt, daß die Menschen so etwas wie Allgemeinmenschliches gar nicht wollen, sondern fordern, daß sich alles aus dem Volkstümlichen heraus entwickeln soll.
[ 21 ] You see, a very respected Zionist, who was a friend of mine, once explained to me his ideals of going to Palestine and founding a Jewish empire there. He himself was very actively involved in the founding of this Jewish kingdom, is still involved today, and even holds a very prominent position in Palestine. I told him: Such a cause is completely out of step with the times today; for what is in keeping with the times today is something that every person—regardless of race, nationality, class, and so on—can join. That is really the only thing one can advocate today—something to which every human being, without distinction, can subscribe. But surely no one can demand of me that I join the Zionist movement. For then you are once again singling out a portion of all humanity!—For this simple, obvious reason, such a movement cannot really succeed today. It is, in essence, the most barbaric form of reaction. Of course, such people then respond with something strange; they say: Yes, over time it has turned out that people do not want anything like a universal humanity at all, but demand that everything should develop out of what is specific to the people.
[ 22 ] Dieses Gespräch, das ich Ihnen jetzt erzählt habe, hat stattgefunden vor dem großen Kriege 1914 bis 1918. Ja, sehen Sie, meine Herren, daß die Menschen die großen allgemeinmenschlichen Prinzipe nicht mehr wollen, sondern sich absondern, Volkskräfte entwickeln wollen, das hat eben gerade zu dem großen Krieg geführt! Und so ist das größte Unglück dieses 20. Jahrhunderts gekommen von dem, was die Juden auch wollen. Und so kann man sagen: Da alles dasjenige, was die Juden getan haben, jetzt in bewußter Weise von allen Menschen zum Beispiel getan werden könnte, so könnten die Juden eigentlich nichts Besseres vollbringen, als aufgehen in der übrigen Menschheit, sich vermischen mit der übrigen Menschheit, so daß das Judentum als Volk einfach aufhören würde. Das ist dasjenige, was ein Ideal wäre. Dem widerstreben heute noch viele jüdische Gewohnheiten - und vor allen Dingen der Haß der anderen Menschen. Und das ist gerade dasjenige, was überwunden werden müßte. Die Dinge werden nicht überwunden, wenn alles beim alten bleibt. Und wenn sich die Juden zum Beispiel beleidigt fühlen, wenn man sagt: Ihr seid keine Bildhauer, ihr könnt da nichts leisten - so kann man sich sagen: Es müssen doch nicht alle Leute Bildhauer sein! Sie können doch durch ihre persönlichen Fähigkeiten anderswo etwas leisten! - So sind die Juden eben nicht zur Bildhauerei geeignet; sie haben ja auch in die Zehn Gebote das eine aufgenommen: «Du sollst dir von deinem Gotte kein Bild machen», weil sie eben überhaupt in der bildlichen Anschaulichkeit nichts Übersinnliches darstellen wollen. Dadurch aber wird man gerade auf das Persönliche zurückgewiesen.
[ 22 ] This conversation I have just recounted to you took place before the Great War of 1914–1918. Yes, you see, gentlemen, the fact that people no longer want the great universal human principles, but instead want to isolate themselves and develop national forces—that is precisely what led to the Great War! And so the greatest calamity of the 20th century arose from what the Jews themselves also desire. And so one can say: Since everything the Jews have done could now be done consciously by all people as an example, the Jews could actually accomplish nothing better than to merge with the rest of humanity, to mix with the rest of humanity, so that Judaism as a people would simply cease to exist. That is what would be the ideal. Many Jewish customs still stand in the way of this today—and above all, the hatred of other people. And that is precisely what must be overcome. Things will not be overcome if everything remains the same. And if, for example, Jews feel offended when someone says, “You are not sculptors; you can’t achieve anything in that field”—well, one might say: Not everyone has to be a sculptor! They can certainly achieve something elsewhere through their personal abilities! — So Jews are simply not suited to sculpture; after all, they included that one commandment in the Ten Commandments: “You shall not make for yourself an image of your God,” because they simply do not want to depict anything supernatural in pictorial form. But this very fact leads one back to the personal.
[ 23 ] Nicht wahr, Sie können sich das sehr einfach vorstellen: Wenn ich ein Bild mache, auch nur ein geschildertes, wie es oftmals in der Geisteswissenschaft geschieht, so kann sich der andere dieses Bild merken, sich erbauen, daran erkennen - was er eben will. Wenn ich aber kein Bild mache, dann muß ich immer bei der Wirkung selber persönlich dabei sein; dann sondert sich das nicht ab von mir. Daher nimmt es einen persönlichen Charakter an. Das hat auch das Judentum; alles, was bei den Juden ist, nimmt auch einen persönlichen Charakter an. Die Menschen müssen dazu kommen, in dem anderen Menschen das Geistige zu sehen. Heute beherrscht noch alle Dinge der Juden das Rassenmäßige. Sie heiraten vor allen Dingen untereinander. Sie sehen also noch das Rassenmäßige, nicht das Geistige. Und das ist es, was notwendig wäre zu sagen auf die Frage: Hat das jüdische Volk seine Mission in der menschlichen Erkenntnisentwickelung erfüllt? - Es hat sie erfüllt; denn es mußte früher ein einzelnes Volk da sein, das einen gewissen Monotheismus bewirkte. Heute muß es aber die geistige Erkenntnis selber sein. Daher ist diese Mission erfüllt. Und daher ist diese jüdische Mission als solche, als jüdische, nicht mehr notwendig in der Entwickelung, sondern das einzig Richtige ist, wenn die Juden durch Vermischung mit den anderen Völkern in den anderen Völkern aufgehen.
[ 23 ] Isn’t it true that you can create a mental image very easily: When I create an image—even just a verbal one, as often happens in Spiritual Science—then the other person can commit that image to memory, be inspired by it, recognize themselves in it—whatever they want. But if I do not create an image, then I must always be personally present in the effect itself; then it does not separate itself from me. Therefore, it takes on a personal character. Judaism has this as well; everything among the Jews also takes on a personal character. People must come to see the spiritual in other people. Today, racial considerations still dominate all aspects of Jewish life. Above all, they marry among themselves. Thus, they still see the racial aspect, not the spiritual. And this is what needs to be said in response to the question: Has the Jewish people fulfilled its mission in the development of human knowledge?—It has fulfilled it; for in the past, there had to be a single people that brought about a certain form of monotheism. Today, however, spiritual knowledge itself must take the lead. Therefore, this mission is fulfilled. And therefore, this Jewish mission as such—as a Jewish mission—is no longer necessary for human development; rather, the only correct course is for the Jews to assimilate into other peoples through intermarriage.
Fragestellung: Wie konnte über dieses Volk das Schicksal kommen, daß sie ins Exil mußten?
Question: How did this people come to face the fate of being forced into exile?
[ 24 ] Dr. Steiner: Ja, sehen Sie, meine Herren, da muß man die ganze Art, den ganzen Charakter dieses Exils einmal ins Auge fassen. Das Judenvolk, das zur Zeit Christi gelebt hat, unter dem der Christus gestorben ist, lebte ja mittendrin unter einem ganz anderen Volk, unter den Römern. Und nun denken Sie sich, die Römer hätten eben einfach Palästina erobert, hätten die Menschen, die sie haben töten wollen, getötet, die anderen ausgewiesen, und die Juden hätten schon dazumal die Absicht oder den Trieb dazu gehabt, mit den anderen Völkern sich zu vermischen - was wäre geschehen? Nun, die Römer hätten Palästina erobert, ein Teil der Juden würde getötet worden sein; andere wären, wie man heute sagt - was ja alle Länder tun -, ausgewiesen worden und hätten draußen irgendwo leben können.
[ 24 ] Dr. Steiner: Yes, you see, gentlemen, one must take a close look at the entire nature, the entire character of this exile. The Jewish people who lived at the time of Christ—under whose rule Christ died—lived right in the midst of a completely different people, the Romans. Now imagine if the Romans had simply conquered Palestine, killed the people they intended to kill, expelled the others, and the Jews had already had the intention or the impulse back then to intermix with other peoples—what would have happened? Well, the Romans would have conquered Palestine; some of the Jews would have been killed; others would have been expelled—as we say today, which is what all countries do—and would have been able to live somewhere else.
[ 25 ] Nun haben die Juden nicht die Absicht und nicht den Drang gehabt, sich mit den anderen zu vermischen, sondern überall, wo nur ein paar Juden waren, haben sie ausschließlich miteinander gelebt. Nun sind sie nach allen Seiten zerstreut worden; dadurch allein, daß sie nur miteinander gelebt, ineinander geheiratet haben, ist es ja bemerkt worden, daß sie als Juden selber Fremde sind. Sonst hätte man gar nicht bemerkt, daß sie irgendwie im Exil sind. Es war also durch diesen Trieb der Juden, daß man bemerkte: die sind im Exil. Das liegt im ganzen Charakter des Judentums. Und die Nachwelt, die staunt nun darüber, daß die Juden vertrieben worden sind, in der Fremde leben mußten. Ja, aber das ist doch fast überall geschehen! Nur haben sich die anderen Menschen mit den übrigen vermischt und man hat es nicht bemerkt. So liegt es im Charakter des Judentums, daß es zäh überall zusammengehalten hat. In dieser Beziehung muß man schon sagen: Durch das Zusammenhalten der Menschen werden Dinge, die sonst nicht bemerkt werden, eben bemerkt.
[ 25 ] Now, the Jews had neither the intention nor the urge to mix with others; rather, wherever there were even just a few Jews, they lived exclusively among themselves. Now they have been scattered in all directions; simply because they lived only among themselves and intermarried, it has been noticed that they, as Jews, are themselves strangers. Otherwise, no one would have noticed at all that they were in exile in any way. It was thus because of this tendency of the Jews that people noticed: they are in exile. This is inherent in the very character of Judaism. And later generations are now astonished that the Jews were driven out and had to live in foreign lands. Yes, but that has happened almost everywhere! It’s just that other peoples have intermingled with the rest of the population, and no one noticed. It is inherent in the character of Judaism that it has tenaciously held together everywhere. In this regard, one must say: Because these people stick together, things that would otherwise go unnoticed are, in fact, noticed.
[ 26 ] Gewiß, es ist bejammernswert, herzbedrückend, wenn man liest, wie die Juden das Mittelalter hindurch in den Ghettos gelebt haben, also in den Vierteln der Städte, wo sie sich aufhalten durften. Sie durften nicht in die anderen Viertel der Städte kommen; die Tore der Ghettos wurden sogar geschlossen und so weiter. Aber sehen Sie: davon spricht man, weil die Juden im Ghetto zusammengehalten haben, weil man das bemerkt hat! Und anderen Menschen ist es ebenso schlecht gegangen, nicht gerade in dieser Weise, aber in anderer Weise. Die Juden, nicht wahr, die blieben in ihren Ghettos und hielten dort zusammen, und man wußte: die dürfen nicht heraus. Aber andere Menschen, die vom frühen Morgen bis zum späten Abend alle Tage arbeiten mußten, die konnten auch nicht heraus, wenn auch keine Tore da waren; denen ist es gerade so schlecht gegangen! So daß man sagen muß: Solche Dinge beruhen vielfach einzig und allein auf dem Schein, beruhen nur auf dem Schein, wie in der Weltgeschichte eben vieles auf dem äußeren Schein beruht.
[ 26 ] Certainly, it is lamentable and heartbreaking to read about how Jews lived in ghettos throughout the Middle Ages—that is, in the sections of cities where they were permitted to reside. They were not allowed to enter other parts of the cities; the gates of the ghettos were even closed, and so on. But look: people talk about this because the Jews stuck together in the ghetto, because that’s what was noticed! And other people fared just as badly—not exactly in this way, but in other ways. The Jews, you see, stayed in their ghettos and stuck together there, and everyone knew: they weren’t allowed to leave. But other people, who had to work every day from early morning until late at night, couldn’t get out either, even though there were no gates; they suffered just as much! So one has to say: Such things are often based solely on appearances, based only on appearances, just as so much in world history is based on outward appearances.
[ 27 ] Heute ist die Zeit, wo man in alle diese Dinge mit der Wirklichkeit hineinleuchten muß. Und da kommt man schon darauf: Wo ein Schicksal sich erfüllt, da ist es eigentlich so, daß es wirklich, wie wir es mit einem orientalischen Ausdruck nennen, ein Karma, ein inneres Schicksal ist. Dieses Exilgeschick, das hat sich bei den Juden durch den eigenen Charakter so gemacht; sie sind zäh, und sie haben sich erhalten in der Fremde. Das macht es, daß man es in der späteren Zeit so stark bemerkte und heute noch davon redet.
[ 27 ] Today is the time when we must shed light on all these things in the light of reality. And that leads us to this conclusion: Where a destiny is fulfilled, it is actually the case that it is truly, as we say using an Eastern expression, a karma, an inner destiny. This fate of exile came about for the Jews because of their own character; they are tenacious, and they have persevered in foreign lands. That is why it was so strongly noticed in later times and is still talked about today.
[ 28 ] Das hat es natürlich auf der anderen Seite hervorgebracht, daß man sie unterscheidet von den anderen und ihnen so alle möglichen Dinge zuschreibt, von denen man nicht die Ursachen weiß. Nicht wahr, wenn irgendwo in einer abergläubischen Gegend ein Mensch ermordet wird und man nicht darauf kommt, wer der Täter ist, und dort ein unbeliebter Jude lebt, so sagt man: Die Juden brauchen zur Osterzeit Menschenblut, sie haben den Menschen getötet. - Ja, das sind natürlich solche Dinge, die gesagt werden, weil man den Juden von den anderen unterscheidet. Aber die Juden haben ja selber furchtbar viel dazu beigetragen, daß man sie von den anderen unterscheidet.
[ 28 ] This, of course, has led to the situation where people distinguish them from others and thus attribute all sorts of things to them—things whose causes are unknown. Isn’t it true that if a person is murdered somewhere in a superstitious region and no one can figure out who the perpetrator is, and an unpopular Jew lives there, people say: “The Jews need human blood at Passover; they killed the man.”—Yes, these are, of course, the kinds of things that are said because people distinguish Jews from others. But the Jews themselves have contributed tremendously to the fact that they are distinguished from others.
[ 29 ] Heute ist es sehr notwendig, daß man diesen Dingen gegenüber streng nicht dieses Rassenmäßige, nicht dieses Volksmäßige, sondern das Allgemeinmenschliche hervorhebt.
[ 29 ] Today, it is absolutely essential that, when dealing with these issues, we emphasize not racial or national aspects, but rather what is common to all humanity.
Frage: Was für eine Weltbedeutung hatten die siebzig Seelen der israelitischen Urfamilie, die die Menschheit zusammensetzen?
Question: What was the global significance of the seventy souls of the original Israelite family, who make up humanity?
[ 30 ] Dr. Steiner: Nun, meine Herren, da ist die Sache so: Auf der Erde sind von altersher mannigfaltige Völker. Diese mannigfaltigen Völker verlieren von der jetzigen Zeit an ihre Bedeutung. Das habe ich ja gerade gesagt: es sollte das Allgemeinmenschliche geltend werden. Wenn wir aber nun zurückgehen in der Entwickelung der Menschheit, so finden wir die Erdenbevölkerung geteilt in die verschiedensten Völker. So wie in den Naturerscheinungen Geistiges lebt, so lebt auch in den Völkern Geistiges. In jedem Volke ist einfach ein leitender Volksgeist da. Deshalb habe ich in meiner «Theosophie» gesagt: Das ist nicht bloß ein abstraktes Wort, der Volksgeist! Nicht wahr, was ist heute für den materialistischen Menschen das französische Volk? Nun, das sind so und so viel, zweiundvierzig Millionen Menschen, die auf einem Haufen in Westeuropa zusammen sind. Und dann erst, wenn man das ganz Abstrakte nimmt, dann studiert man die Eigentümlichkeiten dieses Volkes. Aber so ist es nicht! Sondern geradeso wie ein Keim vorhanden ist für die Pflanze, so ist für das Geistige eines Volkes etwas Keimhaftes vorhanden, das sich dann entwickelt. Es lebt ein wirklicher Geist im ganzen Volke.
[ 30 ] Dr. Steiner: Well, gentlemen, the situation is this: Since time immemorial, there have been diverse peoples on Earth. From this point forward, these diverse peoples will lose their significance. I have just said as much: what should come to the fore is the universal human. But if we now look back at the development of humanity, we find the Earth’s population divided into the most diverse peoples. Just as the spiritual lives within natural phenomena, so too does the spiritual live within the peoples. In every people there is simply a guiding national spirit. That is why I said in my *Theosophy*: The national spirit is not merely an abstract term! Isn’t that right? What does the French people mean today to the materialistic person? Well, it means so-and-so many—forty-two million people—who are gathered together in a cluster in Western Europe. And only then, when one takes this entirely abstract concept, does one study the peculiarities of this people. But that is not how it is! Rather, just as there is a seed for a plant, so too is there something seed-like for the spiritual essence of a people, which then develops. A real spirit lives within the entire people.
[ 31 ] Nun, wenn Sie gerade das nehmen, meine Herren, was ich jetzt gesagt habe, daß die Juden schon eine Zeitlang in der menschlichen Geschichtsentwickelung die Mission gehabt haben, die eine Gottheit zu verbreiten, dann werden Sie begreifen, daß dieses Judenvolk auch volksmäßig dazu vorbereitet sein mußte. Daher ist es schon so gekommen, daß sich die verschiedenen Volksgeister, die sich einzeln sonst um die Völker bekümmert haben, ursprünglich, als das Judenvolk in der Welt entstanden ist, um das ganze Judenvolk bekümmerten. Nicht wahr, wenn wir die Babylonier nehmen (es wird gezeichnet), dann kommen wir zu den Assyriern, den Ägyptern, den Griechen, den Römern; dann sagen wir uns also: Indischer Volksgeist, babylonischer Volksgeist, assyrischer Volksgeist, ägyptischer Volksgeist, griechischer Volksgeist, römischer Volksgeist und so weiter. Die sind also voneinander verschieden, diese Volksgeister, und jeder einzelne Volksgeist hat sich nur um dieses Volk bekümmert. Wenn wir aber das jüdische Volk nehmen, dann haben wir das so, daß auf dem Fleck Erde in Syrien, wo sich das Judenvolk entwickelt, alle diese Volksgeister ihren Einfluß ausüben auf das Volk, so daß eigentlich der Wille all dieser Volksgeister in dem einen Judenvolk schon lebte.
[ 31 ] Well, if you take into account, gentlemen, what I have just said—that the Jewish people have, for some time now in the course of human history, had the mission of spreading a deity—then you will understand that this Jewish people must also have been prepared for this as a nation. That is why it has come to pass that the various national spirits, which otherwise concern themselves individually with different peoples, originally—when the Jewish people first emerged in the world—concerned themselves with the entire Jewish people. Isn’t it true that if we take the Babylonians (it is illustrated), then we come to the Assyrians, the Egyptians, the Greeks, the Romans; so we say to ourselves: the Indian national spirit, the Babylonian national spirit, the Assyrian national spirit, the Egyptian national spirit, the Greek national spirit, the Roman national spirit, and so on. These national spirits are thus distinct from one another, and each individual national spirit has concerned itself solely with that particular people. But when we consider the Jewish people, we find that in the region of Syria where the Jewish people developed, all these national spirits exerted their influence on the people, so that the will of all these national spirits was already alive within the single Jewish people.


[ 32 ] Ich möchte Ihnen das mit einem Bilde klarmachen. Denken Sie sich einmal, Sie gehen jeder in Ihre Häuslichkeit, verrichten dort diejenige Sache, die Sie in Ihrer Häuslichkeit zu verrichten haben. Jetzt wird also jeder von Ihnen, der Herr Dollinger, der Herr Erbsmehl, der Herr Burle und so weiter in einem besonderen Kreis drinnen sein. Das war bei diesen Volksgeistern der Fall. Nun aber, sagen wir, Sie wollen die Interessen der Arbeiterschaft vertreten: Da bleiben Sie nicht in Ihrem Haus, da halten Sie eine Versammlung ab, da kommen Sie zusammen, besprechen das miteinander und dasjenige, was dann von Ihnen ausgeht, geht von Ihrer Gemeinschaft aus. So kann man sagen: Dasjenige, was diese Volksgeister bewirkten bei den anderen Völkern, das machte jeder für sich in den Volkshäusern; was sie bewirkten durch das Judentum, das taten sie, indem sie eine geistige Versammlung abhielten - es wirkte auf den einen Juden mehr, auf den anderen weniger. Das drückt die Bibel aus, indem sie sagt: In das israelitische Volk fahren in siebzig Seelen die Volksgeister; die haben alle Einfluß. - Aber dieser Einfluß, der sehr stark war, hat die Juden schon in einer gewissen Weise zu einem kosmopolitischen Volk gemacht, daß sie so zäh geblieben sind. Sie konnten überall zusammenkommen und dort das Judentum bewahren, weil sie auf diese Weise alles in sich hatten.
[ 32 ] I’d like to illustrate this with an analogy. Imagine that each of you goes home and does whatever you need to do there. Now, each of you—Mr. Dollinger, Mr. Erbsmehl, Mr. Burle, and so on—will be part of a specific circle. That was the case with these national spirits. But now, let’s say you want to represent the interests of the working class: You don’t stay in your own home; instead, you hold a meeting, you come together, discuss matters with one another, and whatever then emanates from you originates from your community. So one can say: What these national spirits brought about among the other peoples, each did for himself in the community centers; what they brought about through Judaism, they did by holding a spiritual gathering—it had a greater effect on one Jew than on another. The Bible expresses this by saying: Seventy national spirits enter the Israelite people; they all exert an influence. — But this influence, which was very strong, has in a certain sense already made the Jews a cosmopolitan people, in that they have remained so resilient. They were able to come together anywhere and preserve Judaism there, because in this way they had everything within themselves.
[ 33 ] Es ist auch merkwürdig, was das Judentum alles in sich hat! Wenn Sie zum Beispiel in solche Gesellschaften hineingehen, in solche freimaurerische Odd Fellows-Gesellschaften, die nicht neues geisteswissenschaftliches Wissen haben, sondern die altes Wissen haben auf eine Weise, die sie selber nicht mehr verstehen, da werden Sie bis auf die Worte überall von allen möglichen Völkern etwas finden, ägyptische Sachen, Zeremonien, Worte, assyrische, babylonische Worte und Zeichen, Zeremonien und so weiter; aber am allermeisten finden Sie das Jüdische drinnen, die sogenannte Kabbala und so weiter. Das Jüdische ist wirklich in dieser Richtung kosmopolitisch, paßt sich allem an, aber behält auch sein Ursprüngliches, weil es eben sein Ursprüngliches schon in sich hat. Daher ist es auch mit der hebräischen Sprache so, weil in der hebräischen Sprache überall ursprünglich viel drinnen liegt, sowohl Geistiges wie Physisches, daß immer mit einem hebräischen Worte sehr viel gesagt ist. Und die Juden haben ja die Eigentümlichkeit, nur die Mitlaute zu schreiben; die Selbstlaute wurden dann später durch Zeichen ergänzt. Diese Selbstlaute schrieb man eigentlich gar nicht auf das Papier. Jeder konnte sie für sich sagen, so daß der eine sagte: Jehova, der andere Jeheva, ein dritter Jehave, ein vierter Johave. Die Vokale waren verschieden, je nachdem empfunden wurde. Und daher nannte man so etwas, was die Priester festgesetzt hatten auf eine Weise, wie den Jehova-Namen, den «unaussprechlichen Namen», weil man nicht mehr die Vokale gebrauchen durfte, wie man sie wollte.
[ 33 ] It is also remarkable what Judaism encompasses! For example, if you enter such societies—Masonic or Odd Fellows societies—which do not possess new knowledge from the Spiritual Science but rather possess ancient knowledge in a form they themselves no longer understand, you will find, apart from the words, elements from all manner of peoples: Egyptian elements, ceremonies, words; Assyrian and Babylonian words and symbols, ceremonies, and so on; but most of all you will find Jewish elements within them—the so-called Kabbalah and so on. Jewish culture is truly cosmopolitan in this sense—it adapts to everything, yet also retains its original essence, precisely because it already possesses that essence within itself. This is also true of the Hebrew language, because the Hebrew language originally contains so much—both spiritual and physical—that a single Hebrew word always conveys a great deal. And the Jews, of course, have the peculiarity of writing only the consonants; the vowels were then later supplemented by symbols. These vowels were not actually written down on paper at all. Everyone could pronounce them for themselves, so that one person would say “Jehovah,” another “Jeheva,” a third “Jehave,” and a fourth “Johave.” The vowels varied depending on how they were perceived. And that is why what the priests had established—the name “Jehovah”—was called the “unpronounceable name,” because one was no longer allowed to use the vowels as one pleased.
[ 34 ] Das Judentum hatte also schon etwas durch seine Zähigkeit, was hinwies auf die Art, wie die verschiedenen Volksseelen an dieser einzigen Nation teilgenommen hatten. Wenn Sie die Juden dann auf den verschiedensten Gebieten sehen, dann müssen Sie schon ein scharfes Auge haben, das Jüdische - diejenigen Juden, die sich vermischt haben, mitgewirkt haben unter den anderen - noch zu erkennen. Sie wissen ja, daß der bedeutendste Staatsmann des 19. Jahrhunderts ein Jude war. Also diese Juden, die in den anderen aufgegangen sind, die unterscheidet man schon wirklich gar nicht mehr. Derjenige, der ein Kenner ist, weiß in einem Satze, den ein Jude spricht: da ist jüdische Stilisierung drinnen - wenn es nicht nachgemacht ist; natürlich machen die heutigen Menschen sehr viel nach. Aber die Juden machen wenig nach. Man kann es bemerken, wie der Jude überall von dem ausgeht, was man innerlich in Gedanken fixieren kann. Das ist eine Eigentümlichkeit. Und das hängt zusammen mit dieser Versammlung der Volksseelen, die da eigentlich alle mitgewirkt haben; so daß der Jude auch heute noch glaubt, wenn er irgend etwas sagt, das müsse unbedingt gültig sein. Nicht wahr, er geht aus von dem, was beschlossen wird von dem einzelnen. Es ist sehr interessant! Nehmen Sie an, es sind eine Anzahl von Leuten zusammen, drei, vier, fünf Leute; die anderen sind nicht Juden, einer ist Jude. Nun handelt es sich darum, daß das, sagen wir, die Vertreter sind von irgendeiner Gemeinschaft. Ich erzähle Ihnen nicht Dinge, die ich erfinde, sondern die ich erlebt habe. In dieser Gemeinschaft herrschen verschiedene Meinungen. Nehmen Sie nun an, diese fünf Menschen, unter denen der eine ein Jude ist, die sprechen. Der eine wird sagen: Ja, es ist sehr schwer, diese Menschen alle unter einen Hut zu bringen; da muß man denjenigen, die die Minorität sind, so zureden, der Majorität so zureden, damit ein Kompromiß zustandekommt. - Kompromisse werden ja auf die Weise gemacht, daß die Leute so untereinander reden. Der zweite Nichtjude wird sagen: Ja, aber ich habe da gelebt unter den Leuten, die da in der Minorität sind; ich weiß, wie schwierig es ist, die Leute zu überzeugen! - Der dritte, der Vertreter der Minorität ist, sagt: Wir haben schon gar keine Lust mehr, daran teilzunehmen, das geht alles nicht! - Der vierte sagt: Man muß eben doch sehen, daß man von dieser oder jener Seite ausgeht. - So die vier Nichtjuden. Jetzt fängt der Jude an: Das ist alles nichts! Begriff des Kompromisses: Der Kompromiß besteht darin, daß die Leute mit verschiedenen Meinungen sich ausgleichen und daß sie klein beigeben. - Er bringt abstrakt: Begriff des Kompromisses -, geht nicht aus von dem oder jenem, er fängt an: Begriff des Kompromisses - läßt den Artikel aus, darin auch seine ursprüngliche Zähigkeit beweisend. Wenn einer sagt: Welches ist der Begriff des Kompromisses? und so weiter - dann hat er schon in sich eine Anschauung; dann will er das anschauen. Aber so fängt der Jude nicht an, sondern er sagt: Begriff des Kompromisses! - Damit wird die Jehova-Anschauung hingestellt: Jehova sagt! - Man denkt nicht nach: Wie ist das im einzelnen?, sondern das, was festgestellt ist im Begriff, das wird einfach aufgestellt. Daher denkt der Jude immer, er könne alles aus dem Begriff heraus entwickeln. Solange die Juden zusammen unter sich sind, wird natürlich das so sein; wenn sie aber aufgegangen sein werden unter den anderen Menschen, werden sie nicht sagen: Begriff des Kompromisses -, sondern sie werden eben auch so sein müssen wie die anderen Menschen. Das ist eben dies, was damit zusammenhängt, daß die Volksseelen auf sie wirken.
[ 34 ] Judaism, then, already had something in its tenacity that pointed to the way in which the various Folk-souls had participated in this single nation. When you see Jews in a wide variety of fields, you really need a keen eye to still recognize what is Jewish—those Jews who have assimilated and contributed alongside others. As you know, the most significant statesman of the 19th century was a Jew. So these Jews who have become absorbed into the others—you really can’t distinguish them anymore. The connoisseur knows, from a single sentence spoken by a Jew, that there is a Jewish style to it—provided it isn’t an imitation; of course, people today imitate a great deal. But Jews imitate very little. You can notice how the Jew proceeds everywhere from what one can inwardly fix in one’s thoughts. That is a peculiarity. And it’s connected to this gathering of Folk-souls, all of whom actually played a part in it; so that even today the Jew still believes that when he says anything, it must necessarily be valid. Isn’t that right? He proceeds from what is decided by the individual. It’s very interesting! Suppose there’s a group of people together—three, four, or five people; the others aren’t Jewish, and one is Jewish. Now, let’s say these are representatives of some community. I’m not telling you things I’ve made up, but things I’ve actually experienced. Within this community, there are differing opinions. Now suppose these five people—one of whom is Jewish—are talking. One will say: “Yes, it’s very hard to bring all these people together; you have to persuade the minority and the majority so that a compromise can be reached.”—Compromises are, after all, reached when people talk to one another like this. The second non-Jew will say: “Yes, but I’ve lived among the people who are in the minority there; I know how difficult it is to convince people!”—The third, who represents the minority, says: “We certainly don’t feel like participating in this anymore—none of this is working!”—The fourth says: “You just have to decide whether to start from this side or that side.” —So say the four non-Jews. Now the Jew begins: “That’s all nonsense! The concept of compromise: Compromise consists of people with different opinions finding common ground and giving in a little.” - He presents it abstractly: “The concept of compromise”—he doesn’t start from this or that; he begins with: “The concept of compromise”—omitting the article, thereby also demonstrating his inherent stubbornness. If someone says, “What is the concept of compromise?” and so on—then they already have a view within themselves; then they want to examine it. But the Jew does not begin this way; instead, he says: “The concept of compromise!”—thus establishing the Jehovah perspective: “Jehovah says!”—One does not reflect on “How does this work in detail?” but simply posits what is established in the concept. That is why the Jew always thinks he can develop everything from the concept itself. As long as the Jews remain among themselves, this will naturally be the case; but when they have assimilated among other people, they will not say, “The concept of compromise”—rather, they will simply have to be like other people. This is precisely what is connected to the fact that the Folk-souls are influencing them.
Herr Dollinger: Was für eine Bedeutung hat der Sephirotbaum für das jüdische Volk?
Mr. Dollinger: What significance does the Tree of Sephiroth hold for the Jewish people?
[ 35 ] Dr. Steiner: Damit wollen wir das nächste Mal am Samstag beginnen.
[ 35 ] Dr. Steiner: Let's start with that next Saturday.
