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The Philosophy of Spiritual Activity
GA 4

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III. Das Denken im Dienste der Weltanschauung

3. Thinking in the Service of a Worldview

[ 1 ] Wenn ich beobachte, wie eine Billardkugel, die gestoßen wird, ihre Bewegung auf eine andere überträgt, so bleibe ich auf den Verlauf dieses beobachteten Vorganges ganz ohne Einfluß. Die Bewegungsrichtung und Schnelligkeit der zweiten Kugel ist durch die Richtung und Schnelligkeit der ersten bestimmt. Solange ich mich bloß als Beobachter verhalte, weiß ich über die Bewegung der zweiten Kugel erst dann etwas zu sagen, wenn dieselbe eingetreten ist. Anders ist die Sache, wenn ich über den Inhalt meiner Beobachtung nachzudenken beginne. Mein Nachdenken hat den Zweck, von dem Vorgange Begriffe zu bilden. Ich bringe den Begriff einer elastischen Kugel in Verbindung mit gewissen anderen Begriffen der Mechanik und ziehe die besonderen Umstände in Erwägung, die in dem vorkommenden Falle obwalten. Ich suche also zu dem Vorgange, der sich ohne mein Zutun abspielt, einen zweiten hinzuzufügen, der sich in der begrifflichen Sphäre vollzieht. Der letztere ist von mir abhängig. Das zeigt sich dadurch, daß ich mich mit der Beobachtung begnügen und auf alles Begriffesuchen verzichten kann, wenn ich kein Bedürfnis danach habe. Wenn dieses Bedürfnis aber vorhanden ist, dann beruhige ich mich erst, wenn ich die Begriffe: Kugel, Elastizität, Bewegung, Stoß, Geschwindigkeit usw. in eine gewisse Verbindung gebracht habe, zu welcher der beobachtete Vorgang in einem bestimmten Verhältnisse steht. So gewiß es nun ist, daß sich der Vorgang unabhängig von mir vollzieht, so gewiß ist es, daß sich der begriffliche Prozeß ohne mein Zutun nicht abspielen kann.

[ 1 ] When I observe how a billiard ball, upon being struck, transfers its motion to another, I have absolutely no influence on the course of this observed process. The direction and speed of the second ball are determined by the direction and speed of the first. As long as I remain merely an observer, I can say something about the motion of the second ball only after it has occurred. The situation is different when I begin to reflect on the content of my observation. The purpose of my reflection is to form concepts about the process. I relate the concept of an elastic ball to certain other concepts of mechanics and take into account the specific circumstances prevailing in the case at hand. I thus seek to add a second process to the one taking place without my intervention, one that unfolds in the conceptual sphere. The latter depends on me. This is evident in that I can content myself with observation and refrain from seeking concepts altogether if I have no need for them. But if this need does exist, then I am not satisfied until I have brought the concepts of sphere, elasticity, motion, impact, velocity, etc., into a certain relationship to which the observed process stands in a specific relation. Just as certain as it is that the event takes place independently of me, so certain is it that the conceptual process cannot take place without my intervention.

[ 2 ] Ob diese meine Tätigkeit wirklich der Ausfluß meines selbständigen Wesens ist, oder ob die modernen Physiologen recht haben, welche sagen, daß wir nicht denken können, wie wir wollen, sondern denken müssen, wie es die gerade in unserem Bewußtsein vorhandenen Gedanken und Gedankenverbindungen bestimmen (vergleiche Ziehen, Leitfaden der physiologischen Psychologie, Jena 1893, S. 171), wird Gegenstand einer späteren Auseinandersetzung sein. Vorläufig wollen wir bloß die Tatsache feststellen, daß wir uns fortwährend gezwungen fühlen, zu den ohne unser Zutun uns gegebenen Gegenständen und Vorgängen Begriffe und Begriffsverbindungen zu suchen, die zu jenen in einer gewissen Beziehung stehen. Ob dies Tun in Wahrheit unser Tun ist, oder ob wir es einer unabänderlichen Notwendigkeit gemäß vollziehen, lassen wir vorläufig dahingestellt. Daß es uns zunächst als das unsrige erscheint, ist ohne Frage. Wir wissen ganz genau, daß uns mit den Gegenständen nicht zugleich deren Begriffe mitgegeben werden. Daß ich selbst der Tätige bin, mag auf einem Schein beruhen; der unmittelbaren Beobachtung stellt sich die Sache jedenfalls so dar. Die Frage ist nun: was gewinnen wir dadurch, daß wir zu einem Vorgange ein begriffliches Gegenstück hinzufinden?

[ 2 ] Whether this activity of mine is truly the outflow of my independent being, or whether the modern physiologists are correct in saying that we cannot think as we wish, but must think as determined by the thoughts and thought connections currently present in our consciousness (cf. Ziehen, Leitfaden der physiologischen Psychologie, Jena 1893, p. 171), will be the subject of a later discussion. For now, let us simply note the fact that we constantly feel compelled to seek concepts and conceptual connections for the objects and processes presented to us without our intervention, which stand in a certain relationship to them. Whether this activity is in truth our own, or whether we perform it in accordance with an unalterable necessity, we shall leave open for the time being. That it initially appears to us as our own is beyond question. We know full well that the concepts of objects are not given to us at the same time as the objects themselves. That I myself am the agent may be based on an illusion; in any case, this is how the matter presents itself to immediate observation. The question now is: what do we gain by finding a conceptual counterpart to an event?

[ 3 ] Es ist ein tiefgreifender Unterschied zwischen der Art, wie sich für mich die Teile eines Vorganges zueinander verhalten vor und nach der Auffindung der entsprechenden Begriffe. Die bloße Beobachtung kann dieTeile eines gegebenen Vorganges in ihrem Verlaufe verfolgen; ihr Zusammenhang bleibt aber vor der Zuhilfenahme von Begriffen dunkel. Ich sehe die erste Billardkugel in einer gewissen Richtung und mit einer bestimmten Geschwindigkeit gegen die zweite sich bewegen; was nach erfolgtem Stoß geschieht, muß ich abwarten und kann es dann auch wieder nur mit den Augen verfolgen. Nehmen wir an, es verdecke mir im Augenblicke des Stoßes jemand das Feld, auf dem der Vorgang sich abspielt, so bin ich — als bloßer Beobachter — ohne Kenntnis, was nachher geschieht. Anders ist das, wenn ich für die Konstellation der Verhältnisse vor dem Verdecken die entsprechenden Begriffe gefunden habe. In diesem Falle kann ich angeben, was geschieht, auch wenn die Möglichkeit der Beobachtung aufhört. Ein bloß beobachteter Vorgang oder Gegenstand ergibt aus sich selbst nichts über seinen Zusammenhang mit anderen Vorgängen oder Gegenständen. Dieser Zusammenhang wird erst ersichtlich, wenn sich die Beobachtung mit dem Denken verbindet.

[ 3 ] There is a profound difference in the way I perceive the relationship between the parts of a process before and after I have discovered the corresponding concepts. Mere observation can track the parts of a given process as they unfold; however, their connection remains obscure until concepts are applied. I see the first billiard ball moving toward the second in a certain direction and at a certain speed; I must wait to see what happens after the shot is made, and even then I can only follow it with my eyes. Suppose, at the moment of the collision, someone blocks my view of the field where the event is taking place; then I—as a mere observer—have no knowledge of what happens afterward. The situation is different if I have found the appropriate concepts for the constellation of relationships before the view was blocked. In this case, I can describe what happens even when the possibility of observation ceases. A process or object that is merely observed reveals nothing of its own about its connection to other processes or objects. This connection only becomes apparent when observation is combined with thought.

[ 4 ] Beobachtung und Denken sind die beiden Ausgangspunkte für alles geistige Streben des Menschen, insoferne er sich eines solchen bewußt ist. Die Verrichtungen des gemeinen Menschenverstandes und die verwickeltesten wissenschaftlichen Forschungen ruhen auf diesen beiden Grundsäulen unseres Geistes. Die Philosophen sind von verschiedenen Urgegensätzen ausgegangen: Idee und Wirklichkeit, Subjekt und Objekt, Erscheinung und Ding an sich, Ich und Nicht-Ich, Idee und Wille, Begriff und Materie, Kraft und Stoff, Bewußtes und Unbewußtes. Es läßt sich aber leicht zeigen, daß allen diesen Gegensätzen der von Beobachtung und Denken, als der für den Menschen wichtigste, vorangehen muß.

[ 4 ] Observation and thought are the two starting points for all human intellectual endeavor, insofar as one is conscious of such endeavor. The workings of common sense and the most intricate scientific research rest upon these two pillars of our mind. Philosophers have taken various fundamental opposites as their starting points: idea and reality, subject and object, phenomenon and thing-in-itself, self and non-self, idea and will, concept and matter, force and substance, the conscious and the unconscious. However, it can easily be shown that all these opposites must be preceded by observation and thought, as the most important for human beings.

[ 5 ] Was für ein Prinzip wir auch aufstellen mögen: wir müssen es irgendwo als von uns beobachtet nachweisen, oder in Form eines klaren Gedankens, der von jedem anderen nachgedacht werden kann, aussprechen. Jeder Philosoph, der anfängt über seine Urprinzipien zu sprechen, muß sich der begrifflichen Form, und damit des Denkens bedienen. Er gibt damit indirekt zu, daß er zu seiner Betätigung das Denken bereits voraussetzt. Ob das Denken oder irgend etwas anderes Hauptelement der Weltentwickelung ist, darüber werde hier noch nichts ausgemacht. Daß aber der Philosoph ohne das Denken kein Wissen darüber gewinnen kann, das ist von vornherein klar. Beim Zustandekommen der Welterscheinungen mag das Denken eine Nebenrolle spielen, beim Zustandekommen einer Ansicht darüber kommt ihm aber sicher eine Hauptrolle zu.

[ 5 ] Whatever principle we may establish, we must demonstrate it somewhere as having been observed by us, or express it in the form of a clear thought that can be conceived by anyone else. Every philosopher who begins to speak of his fundamental principles must make use of conceptual form, and thus of thought. In doing so, he indirectly admits that he already presupposes thought as a prerequisite for his activity. Whether thought or something else is the main element of the world’s development is not yet decided here. But it is clear from the outset that without thought, the philosopher cannot gain any knowledge of it. Thinking may play a secondary role in the coming into being of worldly phenomena, but it certainly plays a primary role in the formation of a view regarding them.

[ 6] Was nun die Beobachtung betrifft, so liegt es in unserer Organisation, daß wir derselben bedürfen. Unser Denken über ein Pferd und der Gegenstand Pferd sind zwei Dinge, die für uns getrennt auftreten. Und dieser Gegenstand ist uns nur durch Beobachtung zugänglich. So wenig wir durch das bloße Anstarren eines Pferdes uns einen Begriff von demselben machen können, ebensowenig sind wir imstande, durch bloßes Denken einen entsprechenden Gegenstand hervorzubringen.

[ 6 ] As for observation, it is inherent in our nature that we require it. Our thinking about a horse and the object “horse” are two things that appear to us as separate entities. And this object is accessible to us only through observation. Just as we cannot form a concept of a horse by merely staring at it, we are equally incapable of producing a corresponding object through mere thought.

[ 7 ] Zeitlich geht die Beobachtung sogar dem Denken voraus. Denn auch das Denken müssen wir erst durch Beobachtung kennenlernen. Es war wesentlich die Beschreibung einer Beobachtung, als wir am Eingange dieses Kapitels darstellten, wie sich das Denken an einem Vorgange entzündet und über das ohne sein Zutun Gegebene hinausgeht. Alles was in den Kreis unserer Erlebnisse eintritt, werden wir durch die Beobachtung erst gewahr. Der Inhalt von Empfindungen, Wahrnehmungen, Anschauungen, die Gefühle, Willensakte, Traum, und Phantasiegebilde, Vorstellungen, Begriffe und Ideen, sämtliche Illusionen und Halluzinationen werden uns durch die Beobachtung gegeben.

[ 7 ] In terms of time, observation even precedes thinking. For we must first come to know thinking through observation. It was essentially the description of an observation when, at the beginning of this chapter, we illustrated how thinking is sparked by a process and goes beyond what is given without its intervention. Everything that enters the sphere of our experiences is first made known to us through observation. The content of sensations, perceptions, intuitions, feelings, acts of will, dreams, and figments of the imagination, as well as concepts and ideas—all illusions and hallucinations—are given to us through observation.

[ 8 ] Nur unterscheidet sich das Denken als Beobachtungsobjekt doch wesentlich von allen andern Dingen. Die Beobachtung eines Tisches, eines Baumes tritt bei mir ein, sobald diese Gegenstände auf dem Horizonte meiner Erlebnisse auftauchen. Das Denken aber über diese Gegenstände beobachte ich nicht gleichzeitig. Den Tisch beobachte ich, das Denken über den Tisch führe ich aus, aber ich beobachte es nicht in demselben Augenblicke. Ich muß mich erst auf einen Standpunkt außerhalb meiner eigenen Tätigkeit versetzen, wenn ich neben dem Tische auch mein Denken über den Tisch beobachten will. Während das Beobachten der Gegenstände und Vorgänge und das Denken darüber ganz alltägliche, mein fortlaufendes Leben ausfüllende Zustände sind, ist die Beobachtung des Denkens eine Art Ausnahmezustand. Diese Tatsache muß in entsprechender Weise berücksichtigt werden, wenn es sich darum handelt, das Verhältnis des Denkens zu allen anderen Beobachtungsinhalten zu bestimmen. Man muß sich klar darüber sein, daß man bei der Beobachtung des Denkens auf dieses ein Verfahren anwendet, das für dieBetrachtung des ganzen übrigen Weltinhaltes den normalen Zustand bildet, das aber im Verfolge dieses normalen Zustandes für das Denken selbst nicht eintritt.

[ 8 ] However, thinking, as an object of observation, differs significantly from all other things. The observation of a table or a tree occurs in me as soon as these objects appear on the horizon of my experiences. But I do not observe my thinking about these objects at the same time. I observe the table; I engage in thinking about the table, but I do not observe that thinking at the very same moment. I must first place myself in a position outside my own activity if I wish to observe not only the table but also my thinking about it. While the observation of objects and events and the thinking about them are entirely everyday states that fill my ongoing life, the observation of thinking is a kind of exceptional state. This fact must be taken into account accordingly when it comes to determining the relationship of thinking to all other objects of observation. One must be clear that, in observing thought, one applies to it a procedure that constitutes the normal state for the consideration of the rest of the world’s content, but which, in the course of this normal state, does not occur for thought itself.

[ 9 ] Es könnte jemand den Einwand machen, daß das gleiche, was ich hier von dem Denken bemerkt habe, auch von dem Fühlen und den übrigen geistigen Tätigkeiten gelte. Wenn wir zum Beispiel das Gefühl der Lust haben, so entzünde sich das auch an einem Gegenstande, und ich beobachte zwar diesen Gegenstand, nicht aber das Gefühl der Lust. Dieser Einwand beruht aber auf einem Irrtum. Die Lust steht durchaus nicht in demselben Verhältnisse zu ihrem Gegenstande wie der Begriff, den das Denken bildet. Ich bin mir auf das bestimmteste bewußt, daß der Begriff einer Sache durch meine Tätigkeit gebildet wird, während die Lust in mir auf ähnliche Art durch einen Gegenstand erzeugt wird, wie zum Beispiel die Veränderung, die ein fallender Stein in einem Gegenstande bewirkt, auf den er auffällt. Für die Beobachtung ist die Lust in genau derselben Weise gegeben, wie der sie veranlassende Vorgang. Ein gleiches gilt nicht vom Begriffe. Ich kann fragen: warum erzeugt ein bestimmter Vorgang bei mir das Gefühl der Lust? Aber ich kann durchaus nicht fragen: warum erzeugt ein Vorgang bei mir eine bestimmte Summe von Begriffen? Das hätte einfach keinen Sinn. Bei dem Nachdenken über einen Vorgang handelt es sich gar nicht um eine Wirkung auf mich. Ich kann dadurch nichts über mich erfahren, daß ich für die beobachtete Veränderung, die ein gegen eine Fensterscheibe geworfener Stein in dieser bewirkt, die entsprechenden Begriffe kenne. Aber ich erfahre sehr wohl etwas über meine Persönlichkeit, wenn ich das Gefühl kenne, das ein bestimmter Vorgang in mir erweckt. Wenn ich einem beobachteten Gegenstand gegenüber sage: dies ist eine Rose, so sage ich über mich selbst nicht das geringste aus; wenn ich aber von demselben Dinge sage: es bereitet mir das Gefühl der Lust, so habe ich nicht nur die Rose, sondern auch mich selbst in meinem Verhältnis zur Rose charakterisiert.

[ 9 ] One might object that what I have said here about thinking also applies to feeling and other mental activities. For example, when we experience the feeling of pleasure, it is also aroused by an object, and while I observe this object, I do not observe the feeling of pleasure itself. This objection, however, is based on a mistake. Pleasure is by no means in the same relationship to its object as the concept formed by thought. I am most certainly aware that the concept of a thing is formed through my activity, whereas pleasure is produced in me by an object in a similar way, such as the change that a falling stone causes in an object upon which it strikes. For observation, pleasure is given in exactly the same way as the process that causes it. The same does not apply to the concept. I can ask: why does a certain process produce the feeling of pleasure in me? But I cannot at all ask: why does a process produce a certain set of concepts in me? That would simply make no sense. When reflecting on a process, it is not at all a matter of an effect on me. I cannot learn anything about myself by knowing the corresponding concepts for the observed change that a stone thrown against a windowpane causes in it. But I do learn something about my personality when I know the feeling that a certain event arouses in me. When I say of an observed object: “This is a rose,” I am not saying the slightest thing about myself; but when I say of the same thing: “It gives me a feeling of pleasure,” I have characterized not only the rose but also myself in my relationship to the rose.

[ 10 ] Von einer Gleichstellung des Denkens mit dem Fühlen der Beobachtung gegenüber kann also nicht die Rede sein. Dasselbe ließe sich leicht auch für die andern Tätigkeiten des menschlichen Geistes ableiten. Sie gehören dem Denken gegenüber in eine Reihe mit anderen beobachteten Gegenständen und Vorgängen. Es gehört eben zu der eigentüm lichen Natur des Denkens, daß es eine Tätigkeit ist, die bloß auf den beobachteten Gegenstand gelenkt ist und nicht auf die denkende Persönlichkeit. Das spricht sich schon in der Art aus, wie wir unsere Gedanken über eine Sache zum Ausdruck bringen im Gegensatz zu unseren Gefühlen oder Willensakten. Wenn ich einen Gegenstand sehe und diesen als einen Tisch erkenne, werde ich im allgemeinen nicht sagen: ich denke über einen Tisch, sondern: dies ist ein Tisch. Wohl aber werde ich sagen: ich freue mich über den Tisch. Im ersteren Falle kommt es mir eben gar nicht darauf an, auszusprechen, daß ich zu dem Tisch in ein Verhältnis trete; in dem zweiten Falle handelt es sich aber gerade um dieses Verhältnis. Mit dem Ausspruch: ich denke über einen Tisch, trete ich bereits in den oben charakterisierten Ausnahmezustand ein, wo etwas zum Gegenstand der Beobachtung gemacht wird, was in unserer geistigen Tätigkeit immer mit-enthalten ist, aber nicht als beobachtetes Objekt.

[ 10 ] There can therefore be no question of equating thinking with the feeling of observation. The same could easily be inferred for the other activities of the human mind. In relation to thinking, they belong in the same category as other observed objects and processes. It is simply part of the peculiar nature of thought that it is an activity directed solely toward the observed object and not toward the thinking person. This is already evident in the way we express our thoughts about a thing, in contrast to our feelings or acts of will. When I see an object and recognize it as a table, I generally do not say: I am thinking about a table, but rather: this is a table. However, I will say: I am pleased with the table. In the former case, it is simply not important to me to express that I am entering into a relationship with the table; in the latter case, however, it is precisely this relationship that is at issue. With the statement “I am thinking about a table,” I have already entered the state of exception characterized above, in which something is made the object of observation that is always included in our mental activity but not as an observed object.

[ 11 ] Das ist die eigentümliche Natur des Denkens, daß der Denkende das Denken vergißt, während er es ausübt. Nicht das Denken beschäftigt ihn, sondern der Gegenstand des Denkens, den er beobachtet.

[ 11 ] It is the peculiar nature of thought that the thinker forgets the act of thinking while he is engaged in it. It is not the act of thinking that occupies him, but the object of thought that he is observing.

[ 12 ] Die erste Beobachtung, die wir über das Denken machen, ist also die, daß es das unbeobachtete Element unseres gewöhnlichen Geisteslebens ist.

[ 12 ] The first observation we make about thought, then, is that it is the unobserved element of our ordinary mental life.

[ 13 ] Der Grund, warum wir das Denken im alltäglichen Geistesleben nicht beobachten, ist kein anderer als der, daß es auf unserer eigenen Tätigkeit beruht. Was ich nicht selbst hervorbringe, tritt als ein Gegenständliches in mein Beobachtungsfeld ein. Ich sehe mich ihm als einem ohne mich zustande Gekommenen gegenüber; es tritt an mich heran; ich muß es als die Voraussetzung meines Denkprozesses hinnehmen. Während ich über den Gegenstand nachdenke, bin ich mit diesem beschäftigt, mein Blick ist ihm zugewandt. Diese Beschäftigung ist eben die denkende Betrachtung. Nicht auf meine Tätigkeit, sondern auf das Objekt dieser Tätigkeit ist meine Aufmerksamkeit gerichtet. Mit anderen Worten: während ich denke, sehe ich nicht auf mein Denken, das ich selbst hervorbringe, sondern auf das Objekt des Denkens, das ich nicht hervorbringe.

[ 13 ] The reason we do not observe thinking in our everyday mental life is simply that it is based on our own activity. What I do not produce myself enters my field of observation as an object. I face it as something that has come into being without me; it approaches me; I must accept it as the prerequisite for my thought process. While I reflect on the object, I am engaged with it; my gaze is directed toward it. This engagement is precisely the act of thinking. My attention is directed not toward my activity, but toward the object of that activity. In other words: while I think, I do not look at my thinking, which I produce myself, but at the object of thought, which I do not produce.

[ 14 ] Ich bin sogar in demselben Fall, wenn ich den Ausnahmezustand eintreten lasse, und über mein Denken selbst nachdenke. Ich kann mein gegenwärtigesDenken nie beobachten; sondern nur die Erfahrungen, die ich über meinen Denkprozeß gemacht habe, kann ich nachher zum Objekt des Denkens machen. Ich müßte mich in zwei Persönlichkeiten spalten: in eine, die denkt, und in die andere, welche sich bei diesem Denken selbst zusieht, wenn ich mein gegenwärtiges Denken beobachten wollte. Das kann ich nicht. Ich kann das nur in zwei getrennten Akten ausführen. Das Denken, das beobachtet werden soll, ist nie das dabei in Tätigkeit befindliche, sondern ein anderes. Ob ich zu diesem Zwecke meine Beobachtungen an meinem eigenen früheren Denken mache, oder ob ich den Gedankenprozeß einer anderen Person verfolge, oder endlich, ob ich, wie im obigen Falle mit der Bewegung der Billardkugeln, einen fingierten Gedankenprozeß voraussetze, darauf kommt es nicht an.

[ 14 ] I am in the same situation even when I allow this exceptional state to occur and reflect on my own thinking. I can never observe my present thinking; rather, I can only make the experiences I have had regarding my thought process the object of thought afterward. I would have to split myself into two personalities: one that thinks, and the other that observes itself in the act of thinking, if I wanted to observe my present thinking. I cannot do that. I can only carry this out in two separate acts. The thinking that is to be observed is never the thinking that is currently in progress, but rather another. Whether I make my observations for this purpose on my own past thinking, or whether I follow another person’s thought process, or finally, whether I, as in the above case with the movement of billiard balls, assume a fictitious thought process—it does not matter.

[ 15 ] Zwei Dinge vertragen sich nicht: tätiges Hervorbringen und beschauliches Gegenüberstellen. Das weiß schon das erste Buch Moses. An den ersten sechs Welttagen läßt es Gott die Welt hervorbringen, und erst als sie da ist, ist die Möglichkeit vorhanden, sie zu beschauen: «Und Gott sahe an alles, was er gemacht hatte; und siehe da, es war sehr gut.» So ist es auch mit unserem Denken. Es muß erst da sein, wenn wir es beobachten wollen.

[ 15 ] Two things are incompatible: active creation and contemplative observation. Even the first book of Moses knows this. In the first six days of creation, God brings the world into being, and only once it exists is it possible to contemplate it: “And God saw everything that He had made; and behold, it was very good.” So it is with our thinking. It must first exist if we are to observe it.

[ 16 ] Der Grund, der es uns unmöglich macht, das Denken in seinem jeweilig gegenwärtigen Verlauf zu beobachten, ist der gleiche wie der, der es uns unmittelbarer und intimer erkennen läßt als jeden andern Prozeß der Welt. Eben weil wir es selbst hervorbringen, kennen wir das Charakteristische seines Verlaufs, dieArt, wie sich das dabei in Betracht kommende Geschehen vollzieht. Was in den übrigen Beobachtungssphären nur auf mittelbare Weise gefunden werden kann: der sachlich-entsprechende Zusammenhang und das Verhältnis der einzelnen Gegenstände, das wissen wir beim Denken auf ganz unmittelbare Weise. Warum für meine Beobachtung der Donner auf den Blitz folgt, weiß ich nicht ohne weiteres; warum mein Denken den Begriff Donner mit dem des Blitzes verbindet, weiß ich unmittelbar aus den Inhalten der beiden Begriffe. Es kommt natürlich gar nicht darauf an, ob ich die richtigen Begriffe von Blitz und Donner habe. Der Zusammenhang derer, die ich habe, ist mir klar, und zwar durch sie selbst.

[ 16 ] The reason that makes it impossible for us to observe thought in its actual unfolding is the same reason that allows us to perceive it more directly and intimately than any other process in the world. Precisely because we produce it ourselves, we know the characteristic features of its course, the manner in which the events involved take place. What in other spheres of observation can only be discovered indirectly—the objective connection and the relationship between individual objects—we know in a completely immediate way when we think. Why, in my observation, thunder follows lightning, I do not know offhand; why my thinking connects the concept of thunder with that of lightning, I know immediately from the contents of the two concepts. Of course, it does not matter at all whether I have the correct concepts of lightning and thunder. The connection between the ones I have is clear to me, and indeed through them themselves.

[ 17 ] Diese durchsichtige Klarheit in bezug auf den Denkprozeß ist ganz unabhängig von unserer Kenntnis der physiologischen Grundlagen des Denkens. Ich spreche hier von dem Denken, insoferne es sich aus der Beobachtung unserer geistigen Tätigkeit ergibt. Wie ein materieller Vorgang meines Gehirns einen andern veranlaßt oder beeinflußt, während ich eine Gedankenoperation ausführe, kommt dabei gar nicht in Betracht. Was ich am Denken beobachte, ist nicht: welcher Vorgang in meinem Gehirne den Begriff des Blitz es mit dem des Donners verbindet, sondern, was mich veranlaßt, die beiden Begriffe in ein bestimmtes Verhältnis zu bringen. Meine Beobachtung ergibt, daß mir für meine Gedankenverbindungen nichts vorliegt, nach dem ich mich richte, als der Inhalt meiner Gedanken; nicht nach den materiellen Vorgängen in meinem Gehirn richte ich mich. Für ein weniger materialistisches Zeitalter als das unsrige wäre diese Bemerkung natürlich vollständig überflüssig. Gegenwärtig aber, wo es Leute gibt, die glauben: wenn wir wissen, was Materie ist, werden wir auch wissen, wie die Materie denkt, muß doch gesagt werden, daß man vom Denken reden kann, ohne sogleich mit der Gehirnphysiologie in Kollision zu treten. Es wird heute sehr vielen Menschen schwer, den Begriff des Denkens in seiner Reinheit zu fassen. Wer der Vorstellung, die ich hier vom Denken entwickelt habe, sogleich den Satz des Cabanis entgegensetzt: «Das Gehirn sondert Gedanken ab wie die Leber Galle, die Speicheldrüse Speichel usw.», der weiß einfach nicht, wovon ich rede. Er sucht das Denken durch einen bloßen Beobachtungsprozeß zu finden in derselben Art, wie wir bei anderen Gegenständen des Weltinhaltes verfahren. Er kann es aber auf diesem Wege nicht finden, weil es sich, wie ich nachgewiesen habe, gerade da der normalen Beobachtung entzieht. Wer den Materialismus nicht überwinden kann, dem fehlt die Fähigkeit, bei sich den geschilderten Ausnahmezustand herbeizuführen, der ihm zum Bewußtsein bringt, was bei aller andern Geistestätigkeit unbewußt bleibt. Wer den guten Willen nicht hat, sich in diesen Standpunkt zu versetzen, mit dem könnte man über das Denken so wenig wie mit dem Blinden über die Farbe sprechen. Er möge nur aber nicht glauben, daß wir physiologische Prozesse für Denken halten. Er erklärt das Denken nicht, weil er es überhaupt nicht sieht.

[ 17 ] This transparent clarity regarding the thought process is entirely independent of our knowledge of the physiological foundations of thought. I am speaking here of thought insofar as it arises from the observation of our mental activity. How one material process in my brain triggers or influences another while I am performing a mental operation is not at all relevant here. What I observe in thinking is not which process in my brain links the concept of lightning with that of thunder, but rather what causes me to relate the two concepts in a specific way. My observation shows that, for my mental associations, I have nothing to guide me except the content of my thoughts; I do not orient myself according to the material processes in my brain. In an age less materialistic than ours, this remark would of course be entirely superfluous. At present, however, when there are people who believe that if we know what matter is, we will also know how matter thinks, it must be said that one can speak of thinking without immediately coming into conflict with brain physiology. Today, many people find it difficult to grasp the concept of thinking in its purity. Anyone who immediately counters the mental image of thinking I have developed here with the statement by Cabanis: “The brain secretes thoughts just as the liver secretes bile, the salivary gland secretes saliva, etc.,” simply does not know what I am talking about. They seek to discover thinking through a mere process of observation, in the same way we proceed with other objects of the world’s content. But they cannot find it this way, because, as I have demonstrated, it eludes normal observation precisely in this regard. Whoever cannot overcome materialism lacks the ability to bring about within himself the exceptional state described, which brings to his consciousness what remains unconscious in all other mental activity. One cannot speak to someone who lacks the good will to adopt this perspective about thinking any more than one can speak to a blind person about color. Let him not, however, believe that we regard physiological processes as thinking. He does not explain thinking because he does not perceive it at all.

[ 18 ] Für jeden aber, der die Fähigkeit hat, das Denken zu beobachten — und bei gutem Willen hat sie jeder normal organisierte Mensch — , ist diese Beobachtung die allerwichtigste, die er machen kann. Denn er beobachtet etwas, dessen Hervorbringer er selbst ist; er sieht sich nicht einem zunächst fremden Gegenstande, sondern seiner eigenen Tätigkeit gegenüber. Er weiß, wie das zustande kommt, was er beobachtet. Er durchschaut die Verhältnisse und Beziehungen. Es ist ein fester Punkt gewonnen, von dem aus man mit begründeter Hoffnung nach der Erklärung der übrigen Welterscheinungen suchen kann.

[ 18 ] But for anyone who has the ability to observe thought—and with good will, every normally constituted person has it—this observation is the most important one they can make. For they observe something of which they themselves are the creators; they are not confronted with an object that is initially foreign to them, but with their own activity. They know how what they observe comes about. They see through the circumstances and relationships. A firm point has been gained from which one can search, with justified hope, for an explanation of the rest of the phenomena of the world.

[ 19 ] Das Gefühl, einen solchen festen Punkt zu haben, veranlaßte den Begründer der neueren Philosophie, Renatus Cartesius, das ganze menschliche Wissen auf den Satz zu gründen: Ich denke, also bin ich. Alle andern Dinge, alles andere Geschehen ist ohne mich da; ich weiß nicht, ob als Wahrheit, ob als Gaukelspiel und Traum. Nur eines weiß ich ganz unbedingt sicher, denn ich bringe es selbst zu seinem sichern Dasein: mein Denken. Mag es noch einen andern Ursprung seines Daseins haben, mag es von Gott oder anderswoher kommen; daß es in dem Sinne da ist, in dem ich es selbst hervorbringe, dessen bin ich gewiß. Einen andern Sinn seinem Satze unterzulegen hatte Cartesius zunächst keine Berechtigung. Nur daß ich mich innerhalb des Weltinhaltes in meinem Denken als in meiner ureigensten Tätigkeit erfasse, konnte er behaupten. Was das daran-gehängte: also bin ich heißen soll, darüber ist viel gestritten worden. Einen Sinn kann es aber nur unter einer einzigen Bedingung haben. Die einfachste Aussage, die ich von einem Dinge machen kann, ist die, daß es ist, daß es existiert. Wie dann dieses Dasein näher zu bestimmen ist, das ist bei keinem Dinge, das in den Horizont meiner Erlebnisse eintritt, sogleich im Augenblicke zu sagen. Es wird jeder Gegenstand erst in seinem Verhältnisse zu andern zu untersuchen sein, um bestimmen zu können, in welchem Sinne von ihm als einem existierenden gesprochen werden kann. Ein erlebter Vorgang kann eine Summe von Wahrnehmungen, aber auch ein Traum, eine Halluzination und so weiter sein. Kurz, ich kann nicht sagen, in welchem Sinne er existiert. Das werde ich dem Vorgange selbst nicht entnehmen können, sondern ich werde es erfahren, wenn ich ihn im Verhältnisse zu andern Dingen betrachte. Da kann ich aber wieder nicht mehr wissen, als wie er im Verhältnisse zu diesen Dingen steht. Mein Suchen kommt erst auf einen festen Grund, wenn ich ein Objekt finde, bei dem ich den Sinn seines Daseins aus ihm selbst schöpfen kann. Das bin ich aber selbst als Denkender, denn ich gebe meinem Dasein den bestimmten, in sich beruhenden Inhalt der denkenden Tätigkeit. Nun kann ich von da ausgehen und fragen: Existieren die andern Dinge in dem gleichen oder in einem andern Sinne?

[ 19 ] The feeling of having such a firm point of reference led the founder of modern philosophy, Renatus Cartesius, to base all human knowledge on the proposition: I think, therefore I am. All other things, all other events exist without me; I do not know whether as truth, or as an illusion and a dream. Only one thing do I know with absolute certainty, for I bring it into being myself: my thinking. Whether it may have another origin, whether it may come from God or elsewhere; that it exists in the sense in which I myself bring it forth, of that I am certain. Cartesian had no justification at first to ascribe any other meaning to his proposition. He could only assert that within the content of the world, I apprehend myself in my thinking as in my most intrinsic activity. As for what the appended phrase “i” (I think, therefore I am) is supposed to mean, there has been much debate. But it can have meaning only under a single condition. The simplest statement I can make about a thing is that it is, that it exists. How this existence is to be defined more precisely, however, cannot be said immediately in the very moment for any thing that enters the horizon of my experiences. Every object must first be examined in relation to others in order to determine in what sense it can be spoken of as existing. An experienced event can be a sum of perceptions, but also a dream, a hallucination, and so on. In short, I cannot say in what sense it exists. I will not be able to deduce this from the event itself, but I will learn it when I consider it in relation to other things. Yet again, however, I cannot know more than how it stands in relation to these things. My search only finds firm ground when I find an object from which I can derive the meaning of its existence from the object itself. But that is myself as a thinker, for I give my existence the specific, self-contained content of thinking activity. Now I can proceed from there and ask: Do other things exist in the same sense or in a different sense?

[ 20] Wenn man das Denken zum Objekt der Beobachtung macht, fügt man zu dem übrigen beobachteten Weltinhalte etwas dazu, was sonst der Aufmerksamkeit entgeht; man ändert aber nicht die Art, wie sich der Mensch auch den andern Dingen gegenüber verhält. Man vermehrt die Zahl der Beobachtungsobjekte, aber nicht die Methode des Beobachtens. Während wir die andern Dinge beobachten, mischt sich in das Weltgeschehen — zu dem ich jetzt das Beobachten mitzähle — ein Prozeß, der übersehen wird. Es ist etwas von allem andern Geschehen verschiedenes vorhanden, das nicht mitberücksichtigt wird. Wenn ich aber mein Denken betrachte, so ist kein solches unberücksichtigtes Element vorhanden. Denn was jetzt im Hintergrunde schwebt, ist selbst wieder nur das Denken. Der beobachtete Gegenstand ist qualitativ derselbe wie die Tätigkeit, die sich auf ihn richtet. Und das ist wieder eine charakteristische Eigentümlichkeit des Denkens. Wenn wir es zum Betrachtungsobjekt machen, sehen wir uns nicht gezwungen, dies mit Hilfe eines Oualitativ-Verschiedenen zu tun, sondern wir können in demselben Element verbleiben.

[ 20 ] When one makes thought the object of observation, one adds to the rest of the observed content of the world something that would otherwise escape attention; but one does not change the way in which human beings relate to other things. One increases the number of objects of observation, but not the method of observation. While we observe other things, a process—which I now include in the events of the world—intervenes in the world’s happenings that is overlooked. There is something present that differs from all other events and is not taken into account. But when I consider my own thinking, no such unaccounted-for element is present. For what now hovers in the background is itself, once again, merely thought. The observed object is qualitatively the same as the activity directed toward it. And this, in turn, is a characteristic peculiarity of thought. When we make it the object of our consideration, we are not compelled to do so with the aid of something qualitatively different, but we can remain within the same element.

[ 21 ] Wenn ich einen ohne mein Zutun gegebenen Gegenstand in mein Denken einspinne, so gehe ich über meine Beobachtung hinaus, und es wird sich darum handeln: was gibt mir ein Recht dazu? Warum lasse ich den Gegenstand nicht einfach auf mich einwirken? Auf welche Weise ist es möglich, daß mein Denken einen Bezug zu dem Gegenstande hat? Das sind Fragen, die sich jeder stellen muß, der über seine eigenen Gedankenprozesse nachdenkt. Sie fallen weg, wenn man über das Denken selbst nachdenkt. Wir fügen zu dem Denken nichts ihm Fremdes hinzu, haben uns also auch über ein solches Hinzufügen nicht zu rechtfertigen.

[ 21 ] When I incorporate an object presented to me without my intervention into my thinking, I go beyond my observation, and the question arises: what gives me the right to do so? Why don’t I simply let the object affect me? In what way is it possible for my thinking to have a relation to the object? These are questions that everyone must ask themselves when reflecting on their own thought processes. They fall away when one reflects on thinking itself. We add nothing foreign to thinking, and thus have no need to justify such an addition.

[ 22 ] Schelling sagt: Die Natur erkennen, heißt die Natur schaffen. — Wer diese Worte des kühnen Naturphilosophen wörtlich nimmt, wird wohl zeitlebens auf alles Naturerkennen verzichten müssen. Denn die Natur ist einmal da, und um sie ein zweites Mal zu schaffen, muß man die Prinzipien erkennen, nach denen sie entstanden ist. Für die Natur, die man erst schaffen wollte, müßte man der bereits bestehenden die Bedingungen ihres Daseins abgucken. Dieses Abgucken, das dem Schaffen vorausgehen müßte, wäre aber das Erkennen der Natur, und zwar auch dann, wenn nach erfolgtem Abgucken das Schaffen ganz unterbliebe. Nur eine noch nicht vorhandene Natur könnte man schaffen, ohne sie vorher zu erkennen.

[ 22 ] Schelling says: To know nature is to create nature. — Anyone who takes these words of the bold natural philosopher literally will likely have to forgo all understanding of nature for the rest of their life. For nature exists once, and to create it a second time, one must recognize the principles according to which it came into being. For the nature one first wanted to create, one would have to copy the conditions of existence from the one that already exists. This observation, which would have to precede creation, would, however, constitute the recognition of nature—even if, after the observation has been made, the act of creation were to be entirely omitted. Only a nature that does not yet exist could be created without first recognizing it.

[ 23 ] Was bei der Natur unmöglich ist: das Schaffen vor dem Erkennen; beim Denken vollbringen wir es. Wollten wir mit dem Denken warten, bis wir es erkannt haben, dann kämen wir nie dazu. Wir müssen resolut darauf losdenken, um hinterher mittels der Beobachtung des Selbstgetanen zu seiner Erkenntnis zu kommen. Der Beobachtung des Denkens schaffen wir selbst erst ein Objekt. Für das Vorhandensein aller anderen Objekte ist ohne unser Zutun gesorgt worden.

[ 23 ] What is impossible in nature—creating before recognizing—we accomplish through thought. If we were to wait to think until we had recognized it, we would never get around to it. We must resolutely set our minds to it, so that we may subsequently arrive at its understanding through observation of what we have done. It is only through the observation of thought that we ourselves create an object. The existence of all other objects has been provided for without our intervention.

[ 24 ] Leicht könnte jemand meinem Satze: wir müssen denken, bevor wir das Denken betrachten können, den andern als gleichberechtigt entgegenstellen: wir können auch mit dem Verdauen nicht warten, bis wir den Vorgang des Verdauens beobachtet haben. Das wäre ein Einwand ähnlich dem, den Pascal dem Cartesius machte, indem er behauptete, man könne auch sagen: ich gehe spazieren, also bin ich. Ganz gewiß muß ich auch resolut verdauen, bevor ich den physiologischen Prozeß der Verdauung studiert habe. Aber mit der Betrachtung des Denkens ließe sich das nur vergleichen, wenn ich die Verdauung hinterher nicht denkend betrachten, sondern essen und verdauen wollte. Das ist doch eben auch nicht ohne Grund, daß das Verdauen zwar nicht Gegenstand des Verdauens, das Denken aber sehr wohl Gegenstand des Denkens werden kann.

[ 24 ] One could easily counter my statement—“we must think before we can consider thinking”—with another equally valid one: “we cannot wait to digest until we have observed the process of digestion.” That would be an objection similar to the one Pascal raised against Descartes, claiming that one could also say: I go for a walk, therefore I am. Certainly, I must also digest resolutely before I have studied the physiological process of digestion. But this could only be compared to the contemplation of thought if, instead of contemplating digestion thoughtfully afterward, I were to eat and digest. It is, after all, not without reason that while digestion is not the object of digestion, thought can very well become the object of thought.

[ 25 ] Es ist also zweifellos: in dem Denken halten wir das Weltgeschehen an einem Zipfel, wo wir dabei sein müssen, wenn etwas zustandekommen soll. Und das ist doch gerade das, worauf es ankommt. Das ist gerade der Grund, warum mir die Dinge so rätselhaft gegenüberstehen: daß ich an ihrem Zustandekommen so unbeteiligt bin. Ich finde sie einfach vor; beim Denken aber weiß ich, wie es gemacht wird. Daher gibt es keinen ursprünglicheren Ausgangspunkt für das Betrachten alles Weltgeschehens als das Denken.

[ 25 ] There is no doubt about it: in thought, we hold onto world events by a thread, and we must be present if anything is to come to pass. And that is precisely what matters. That is precisely why things seem so mysterious to me: because I am so uninvolved in their coming to pass. I simply find them as they are; but in thought, I know how they are made. Therefore, there is no more fundamental starting point for observing all world events than thought.

[ 26 ] Ich möchte nun einen weitverbreiteten Irrtum noch erwähnen, der in bezug auf das Denken herrscht. Er besteht darin, daß man sagt: das Denken, so wie es an sich selbst ist, ist uns nirgends gegeben. Das Denken, das die Beobachtungen unserer Erfahrungen verbindet und mit einem Netz von Begriffen durchspinnt, sei durchaus nicht dasselbe, wie dasjenige, das wir hinterher wieder von den Gegenständen der Beobachtung herausschälen und zum Gegenstande unserer Betrachtung machen. Was wir erst unbewußt in die Dinge hineinweben, sei ein ganz anderes, als was wir dann mit Bewußtsein wieder herauslösen.

[ 26 ] I would now like to mention a widespread misconception that prevails with regard to thought. It consists in saying: thought, as it is in itself, is not given to us anywhere. The thinking that connects the observations of our experiences and interweaves them with a network of concepts is by no means the same as that which we subsequently extract again from the objects of observation and make the object of our consideration. What we first unconsciously weave into things is something entirely different from what we then consciously extract again.

[ 27 ] Wer so schließt, der begreift nicht, daß es ihm auf diese Art gar nicht möglich ist, dem Denken zu entschlüpfen. Ich kann aus dem Denken gar nicht herauskommen, wenn ich das Denken betrachten will. Wenn man das vorbewußte Denken von dem nachher bewußten Denken unterscheidet, so sollte man doch nicht vergessen, daß diese Unterscheidung eine ganz äußerliche ist, die mit der Sache selbst gar nichts zu tun hat. Ich mache eine Sache dadurch überhaupt nicht zu einer andern, daß ich sie denkend betrachte. Ich kann mir denken, daß ein Wesen mit ganz anders gearteten Sinnesorganen und mit einer anders funktionierenden Intelligenz von einem Pferde eine ganz andere Vorstellung habe als ich, aber ich kann mir nicht denken, daß mein eigenes Denken dadurch ein anderes wird, daß ich es beobachte. Ich beobachte selbst, was ich selbst vollbringe. Wie mein Denken sich für eine andere Intelligenz ausnimmt als die meine, davon ist jetzt nicht die Rede; sondern davon, wie es sich für mich ausnimmt. Jedenfalls aber kann das Bild meines Denkens in einer andern Intelligenz nicht ein wahreres sein als mein eigenes. Nur wenn ich nicht selbst das denkende Wesen wäre, sondern dasDenken mir als Tätigkeit eines mir fremdartigen Wesens gegenüberträte, könnte ich davon sprechen, daß mein Bild des Denkens zwar auf eine bestimmte Weise auftrete; wie das Denken des Wesens aber an sich selber sei, das könne ich nicht wissen.

[ 27 ] Anyone who draws this conclusion fails to realize that, in this way, it is simply impossible for them to escape thought. I cannot escape thought at all if I wish to observe thought. If one distinguishes preconscious thought from subsequent conscious thought, one should not forget that this distinction is entirely external and has nothing to do with the matter itself. I do not at all turn one thing into another by observing it through thought. I can imagine that a being with sensory organs of a completely different nature and with an intelligence that functions differently might have a completely different mental image of a horse than I do, but I cannot imagine that my own thinking becomes something else simply because I observe it. I observe for myself what I myself accomplish. How my thinking appears to an intelligence other than my own is not the issue here; rather, it is how it appears to me. In any case, however, the image of my thinking in another intelligence cannot be any truer than my own. Only if I were not the thinking being myself, but rather if thinking were presented to me as the activity of a being alien to me, could I speak of my image of thinking appearing in a certain way; but as for what the thinking of that being is in itself, I could not know.

[ 28 ] Mein eigenes Denken von einem anderen Standpunkte aus anzusehen, liegt aber vorläufig für mich nicht die geringste Veranlassung vor. Ich betrachte ja die ganze übrige Welt mit Hilfe des Denkens. Wie sollte ich bei meinem Denken hiervon eine Ausnahme machen?

[ 28 ] However, I currently have not the slightest reason to view my own thinking from a different perspective. After all, I observe the rest of the world through the lens of thought. Why should I make an exception for my own thinking?

[ 29 ] Damit betrachte ich für genügend gerechtfertigt, wenn ich in meiner Weltbetrachtung von dem Denken ausgehe. Als Archimedes den Hebel erfunden hatte, da glaubte er mit seiner Hilfe den ganzen Kosmos aus den Angeln heben zu können, wenn er nur einen Punkt fände, wo er sein Instrument aufstützen könnte. Er brauchte etwas, was durch sich selbst, nicht durch anderes getragen wird. Im Denken haben wir ein Prinzip, das durch sich selbst besteht. Von hier aus sei es versucht, die Welt zu begreifen. Das Denken können wir durch es selbst erfassen. Die Frage ist nur, ob wir durch dasselbe auch noch etwas anderes ergreifen können.

[ 29 ] I therefore consider it sufficiently justified to base my view of the world on thought. When Archimedes invented the lever, he believed that with its help he could lift the entire cosmos out of its hinges, if only he could find a point where he could rest his instrument. He needed something that is sustained by itself, not by something else. In thought, we have a principle that exists by itself. Let us attempt to comprehend the world from this vantage point. We can grasp thought through thought itself. The only question is whether we can also grasp something else through it.

[ 30 ] Ich habe bisher von dem Denken gesprochen, ohne auf seinen Träger, das menschliche Bewußtsein, Rücksicht zu nehmen. Die meisten Philosophen der Gegenwart werden mir einwenden: bevor es ein Denken gibt, muß es ein Bewußtsein geben. Deshalb sei vom Bewußtsein und nicht vom Denken auszugehen. Es gebe kein Denken ohne Bewußtsein. Ich muß dem gegenüber erwidern: Wenn ich darüber Aufklärung haben will, welches Verhältnis zwischen Denken und Bewußtsein besteht, so muß ich darüber nachdenken. Ich setze das Denken damit voraus. Nun kann man darauf allerdings antworten: Wenn der Philosoph das Bewußtsein begreifen will, dann bedient er sich des Denkens; er setzt es insoferne voraus; im gewöhnlichen Verlaufe des Lebens aber entsteht das Denken innerhalb des Bewußtseins und setzt also dieses voraus. Wenn diese Antwort dem Weltschöpfer gegeben würde, der das Denken schaffen will, so wäre sie ohne Zweifel berechtigt. Man kann natürlich das Denken nicht entstehen lassen, ohne vorher das Bewußtsein zustande zu bringen. Dem Philosophen aber handelt es sich nicht um die Weltschöpfung, sondern um das Begreifen derselben. Er hat daher auch nicht die Ausgangspunkte für das Schaffen, sondern für das Begreifen der Welt zu suchen. Ich finde es ganz sonderbar, wenn man dem Philosophen vorwirft, daß er sich vor allen andern Dingen um die Richtigkeit seiner Prinzipien, nicht aber sogleich um die Gegenstände bekümmert, die er begreifen will. Der Weltschöpfer mußte vor allem wissen, wie er einen Träger für das Denken findet, der Philosoph aber muß nach einer sichern Grundlage suchen, von der aus er das Vorhandene begreifen kann. Was frommt es uns, wenn wir vom Bewußtsein ausgehen und es der denkenden Betrachtung unterwerfen, wenn wir vorher über die Möglichkeit, durch denkende Betrachtung Aufschluß über die Dinge zu bekommen, nichts wissen?

[ 30 ] So far, I have spoken of thought without taking into account its medium, human consciousness. Most contemporary philosophers will object: before there can be thought, there must be consciousness. Therefore, one must start with consciousness and not with thought. There is no thinking without consciousness. To this I must reply: If I wish to understand the relationship between thinking and consciousness, I must reflect on it. In doing so, I presuppose thinking. Now, one might reply: If the philosopher wishes to grasp consciousness, then he makes use of thought; in that sense, he presupposes it; but in the ordinary course of life, thought arises within consciousness and thus presupposes it. If this reply were given to the creator of the world who wishes to create thought, it would undoubtedly be justified. Of course, one cannot bring about thinking without first bringing about consciousness. But the philosopher is not concerned with the creation of the world, but with its comprehension. He must therefore seek the starting points not for the creation, but for the comprehension of the world. I find it quite strange when the philosopher is reproached for being concerned, above all else, with the correctness of his principles, rather than immediately with the objects he wishes to comprehend. The creator of the world had to know, above all, how to find a vehicle for thought, but the philosopher must seek a secure foundation from which he can comprehend what exists. What good does it do us to start from consciousness and subject it to i, if we know nothing beforehand about the possibility of gaining insight into things through thinking contemplation?

[ 31 ] Wir müssen erst das Denken ganz neutral, ohne Beziehung auf ein denkendes Subjekt oder ein gedachtes Objekt betrachten. Denn in Subjekt und Objekt haben wir bereits Begriffe, die durch das Denken gebildet sind. Es ist nicht zu leugnen: Ehe anderes begriffen werden kann, muß es das Denken werden. Wer es leugnet, der übersieht, daß er als Mensch nicht einAnfangsglied der Schöpfung, sondern deren Endglied ist. Man kann deswegen behufs Erklärung der Welt durch Begriffe nicht von den zeitlich ersten Elementen des Daseins ausgehen, sondern von dem, was uns als das Nächste, als das Intimste gegeben ist. Wir können uns nicht mit einem Sprunge an den Anfang der Welt versetzen, um da unsere Betrachtung anzufangen, sondern wir müssen von dem gegenwärtigen Augenblick ausgehen und sehen, ob wir von dem Späteren zu dem Früheren aufsteigen können. Solange die Geologie von erdichteten Revolutionen gesprochen hat, um den gegenwärtigen Zustand der Erde zu erklären, solange tappte sie in der Finsternis. Erst als sie ihren Anfang damit machte, zu untersuchen, welche Vorgänge gegenwärtig noch auf der Erde sich abspielen und von diesen zurückschloß auf das Vergangene, hatte sie einen sicheren Boden gewonnen. Solange diePhilosophie alle möglichen Prinzipien annehmen wird, wie Atom, Bewegung, Materie, Wille, Unbewußtes, wird sie in der Luft schweben. Erst wenn der Philosoph das absolut Letzte als sein Erstes ansehen wird, kann er zum Ziele kommen. Dieses absolut Letzte, zu dem es die Weltentwickelung gebracht hat, ist aber das Denken.

[ 31 ] We must first consider thought in a completely neutral way, without reference to a thinking subject or a thought object. For in subject and object we already have concepts that are formed by thought. It cannot be denied: Before anything else can be conceived, thought itself must be conceived. Anyone who denies this overlooks the fact that, as a human being, he is not the first link in the chain of creation, but its final link. For this reason, in order to explain the world through concepts, one cannot start from the earliest temporal elements of existence, but rather from what is given to us as the nearest, the most intimate. We cannot transport ourselves in a single leap to the beginning of the world to begin our contemplation there, but we must start from the present moment and see whether we can ascend from the later to the earlier. As long as geology spoke of fictitious revolutions to explain the present state of the Earth, it groped in the dark. Only when it began to investigate which processes are currently still taking place on Earth and deduced the past from these did it gain firm ground. As long as philosophy accepts all manner of principles—such as the atom, motion, matter, will, the unconscious—it will remain suspended in the air. Only when the philosopher regards the absolute last as his first can he reach his goal. This absolute last, to which the development of the world has led, is, however, Thinking.

[ 32 ] Es gibt Leute, die sagen: ob unser Denken an sich richtig sei oder nicht, können wir aber doch nicht mit Sicherheit feststellen. Insoferne bleibt also der Ausgangspunkt jedenfalls ein zweifelhafter. Das ist gerade so vernünftig gesprochen, wie wenn man Zweifel hegt, ob ein Baum an sich richtig sei oder nicht. Das Denken ist eine Tatsache; und über die Richtigkeit oder Falschheit einer solchen zu sprechen, ist sinnlos. Ich kann höchstens darüber Zweifel haben, ob das Denken richtig verwendet wird, wie ich zweifeln kann, ob ein gewisser Baum ein entsprechendes Holz zu einem zweckmäßigen Gerät gibt. Zu zeigen, inwieferne die Anwendung des Denkens auf die Welt eine richtige oder falsche ist, wird gerade Aufgabe dieser Schrift sein. Ich kann es verstehen, wenn jemand Zweifel hegt, daß durch das Denken über die Welt etwas ausgemacht werden kann; das aber ist mir unbegreiflich, wie jemand die Richtigkeit des Denkens an sich anzweifeln kann.

[ 32 ] There are people who say: whether our thinking is correct in itself or not, we cannot determine with certainty. In this respect, therefore, the starting point remains, in any case, a doubtful one. This is just as reasonable as doubting whether a tree is correct in itself or not. Thinking is a fact; and to speak of the correctness or incorrectness of such a fact is meaningless. At most, I can have doubts about whether thinking is being used correctly, just as I can doubt whether a certain tree provides wood suitable for a practical tool. To show to what extent the application of thinking to the world is correct or incorrect will be precisely the task of this work. I can understand if someone harbors doubts that anything can be determined by thinking about the world; but it is incomprehensible to me how anyone can doubt the correctness of thinking in itself.



Zusatz zur Neuausgabe (1918)

Addendum to the New Edition (1918)

[ 33 ] In den vorangehenden Ausführungen wird auf den bedeutungsvollen Unterschied zwischen dem Denken und allen andern Seelentätigkeiten hingewiesen als auf eine Tatsache, die sich einer wirklich unbefangenen Beobachtung ergibt. Wer diese unbefangene Beobachtung nicht anstrebt, der wird gegen diese Ausführungen versucht sein, Einwendungen zu machen wie diese: wenn ich über eine Rose denke, so ist damit doch auch nur ein Verhältnis meines «Ich» zur Rose ausgedrückt, wie wenn ich die Schönheit der Rose fühle. Es bestehe geradeso ein Verhältnis zwischen «Ich» und Gegenstand beim Denken, wie zum Beispiel beim Fühlen oder Wahrnehmen. Wer diesen Einwand macht, der zieht nicht in Erwägung, daß nur in der Betätigung des Denkens das «Ich» bis in alle Verzweigungen der Tätigkeit sich mit dem Tätigen als ein Wesen weiß. Bei keiner andern Seelentätigkeit ist dies restlos der Fall. Wenn zum Beispiel eine Lust gefühlt wird, kann eine feinere Beobachtung sehr wohl unterscheiden, inwieferne das «Ich» sich mit einem Tätigen eins weiß und inwiefern in ihm ein Passives vorhanden ist, so daß die Lust für das «Ich» bloß auftritt. Und so ist es auch bei den andern Seelenbetätigungen. Man sollte nur nicht verwechseln: «Gedankenbilder haben» und Gedanken durch das Denken verarbeiten. Gedankenbilder können traumhaft, wie vage Eingebungen in der Seele auftreten. Ein Denken ist dieses nicht. — Allerdings könnte nun jemand sagen: wenn das Denken so gemeint ist, steckt das Wollen in dem Denken drinnen, und man habe es dann nicht bloß mit dem Denken, sondern auch mit dem Wollen des Denkens zu tun. Doch würde dies nur berechtigen zu sagen: das wirkliche Denken muß immer gewollt sein. Nur hat dies mit der Kennzeichnung des Denkens, wie sie in diesen Ausführungen gemacht ist, nichts zu schaffen. Mag es das Wesen des Denkens immerhin notwendig machen, daß dieses gewollt wird: es kommt darauf an, daß nichts gewollt wird, was, indem es sich vollzieht, vor dem «Ich» nicht restlos als seine eigene, von ihm überschaubare Tätigkeit erscheint. Man muß sogar sagen, wegen der hier geltend gemachten Wesenheit des Denkens erscheint dieses dem Beobachter als durch und durch gewollt. Wer alles, was für die Beurteilung des Denkens in Betracht kommt, wirklich zu durchschauen sich bemüht, der wird nicht umhin können, zu bemerken, daß dieser Seelenbetätigung die Eigenheit zukommt, von der hier gesprochen ist.

[ 33 ] The preceding remarks point to the significant difference between thinking and all other mental activities as a fact that becomes apparent upon truly unbiased observation. Anyone who does not strive for this unbiased observation will be tempted to raise objections to these remarks, such as the following: when I think about a rose, this merely expresses a relationship between my “I” and the rose, just as when I feel the beauty of the rose. There is just as much of a relationship between the “I” and the object in thinking as there is, for example, in feeling or perceiving. Whoever raises this objection fails to consider that only in the act of thinking does the “I” know itself, in all the ramifications of the activity, as one being with the act. This is not entirely the case with any other mental activity. When, for example, a pleasure is felt, closer observation can very well distinguish to what extent the “I” identifies itself with an active agent and to what extent there is a passive element within it, so that the pleasure merely occurs for the “I.” And so it is with the other mental activities as well. One should simply not confuse “having mental images” with processing thoughts through thinking. Mental images can arise in the soul in a dreamlike manner, like vague inspirations. This is not thinking. — Of course, one might now say: if thinking is meant in this way, then volition is contained within thinking, and one is then dealing not merely with thinking, but also with the volition of thinking. Yet this would only justify saying: true thinking must always be willed. Only this has nothing to do with the characterization of thought as presented in these remarks. Even if the nature of thought were to necessitate that this be willed: what matters is that nothing is willed which, as it takes place, does not appear to the “I” entirely as its own activity, one that it can grasp. One must even say that because of the nature of thought asserted here, it appears to the observer as thoroughly intended. Anyone who truly endeavors to grasp everything that comes into consideration for the assessment of thought will be unable to avoid noticing that this mental activity possesses the characteristic of which we are speaking here.

[ 34] Von einer Persönlichkeit, welche der Verfasser dieses Buches als Denker sehr hochschätzt, ist ihm eingewendet worden, daß so, wie es hier geschieht, nicht über das Denken gesprochen werden könne, weil es nur ein Schein sei, was man als tätiges Denken zu beobachten glaube. In Wirklichkeit beobachte man nur die Ergebnisse einer nicht bewußten Tätigkeit, die dem Denken zugrunde liegt. Nur weil diese nicht bewußte Tätigkeit eben nicht beobachtet werde, entstehe die Täuschung, es bestehe das beobachtete Denken durch sich selbst, wie wenn man bei rasch aufeinanderfolgender Beleuchtung durch elektrische Funken eine Bewegung zu sehen glaubt. Auch dieser Einwand beruht nur auf einer ungenauen Anschauung der Sachlage. Wer ihn macht, berücksichtigt nicht, daß es das «Ich» selbst ist, das im Denken drinnen stehend seine Tätigkeit beobachtet. Es müßte das «Ich» außer dem Denken stehen, wenn es so getäuscht werden könnte, wie bei rasch aufeinanderfolgender Beleuchtung durch elektrische Funken. Man könnte vielmehr sagen: wer einen solchen Vergleich macht, der täuscht sich gewaltsam etwa wie jemand, der von einem in Bewegung begriffenen Licht durchaus sagen wollte: es wird an jedem Orte, an dem es erscheint, von unbekannter Hand neu angezündet. — Nein, wer in dem Denken etwas anderes sehen will als das im « Ich» selbst als überschaubare Tätigkeit Hervorgebrachte, der muß sich erst für den einfachen, der Beobachtung vorliegenden Tatbestand blind machen, um dann eine hypothetische Tätigkeit dem Denken zugrunde legen zu können. Wer sich nicht so blind macht, der muß erkennen, daß alles, was er in dieser Art zu dem Denken «hinzudenkt», aus dem Wesen des Denkens herausführt. Die unbefangene Beobachtung ergibt, daß nichts zum Wesen des Denkens gerechnet werden kann, was nicht im Denken selbst gefunden wird. Man kann nicht zu etwas kommen, was das Denken bewirkt, wenn man den Bereich des Denkens verläßt.

[ 34 ] A figure whom the author of this book holds in very high regard as a thinker has objected to him that one cannot speak of thinking in the way it is done here, because what one believes one observes as active thinking is merely an illusion. In reality, one observes only the results of an unconscious activity that underlies thinking. It is precisely because this unconscious activity is not observed that the illusion arises that the observed thinking exists of its own accord, just as one believes one sees a movement when electric sparks flash in rapid succession. This objection, too, is based solely on an inaccurate view of the situation. Whoever makes it fails to consider that it is the “I” itself that, standing within thought, observes its activity. The “I” would have to stand outside of thinking if it could be deceived in this way, as in the case of rapid successive flashes of light from electric sparks. One could rather say: whoever makes such a comparison is gravely mistaken, much like someone who, observing a light in motion, would insist that it is relit by an unknown hand at every place where it appears. — No, anyone who wishes to see in thought something other than what is produced in the “I” itself as a comprehensible activity must first blind themselves to the simple facts of observation in order to then be able to base thought on a hypothetical activity. Whoever does not blind themselves in this way must recognize that everything they “add” to thought in this manner leads away from the essence of thought. Unbiased observation shows that nothing can be counted as part of the essence of thought that is not found in thought itself. One cannot arrive at anything that thinking brings about if one leaves the realm of thinking.