The Philosophy of Spiritual Activity
GA 4
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The Philosophy of Spiritual Activity, tr. SOL
- The Philosophy of Freedom, tr. Hoernlé 1916
- The Philosophy of Spiritual Activity, tr. Poppelbaum 1949
- The Philosophy of Spiritual Activity, tr. Stebbing 1963
- The Philosophy of Freedom, tr. Wilson 1964
- The Philosophy of Spiritual Activity, tr. Lindeman 1986
- The Philosophy of Spiritual Activity, tr. SOL
- Die Philosophie der Freiheit, 16th ed.
V. Das Erkennen der Welt
5. Understanding the World
[ 1 ] Aus den vorhergehenden Betrachtungen folgt die Unmöglichkeit, durch Untersuchung unseres Beobachtungsinhalts den Beweis zu erbringen, daß unsere Wahrnehmungen Vorstellungen sind. Dieser Beweis soll nämlich dadurch erbracht werden, daß man zeigt: wenn der Wahrnehmungsprozeß in der Art erfolgt, wie man ihn gemäß den naiv-realistischen Annahmen über die psychologische und physiologische Konstitution unseres Individuums sich vorstellt, dann haben wir es nicht mit Dingen an sich, sondern bloß mit unseren Vorstellungen von den Dingen zu tun. Wenn nun der naive Realismus, konsequent verfolgt, zu Resultaten führt, die das gerade Gegenteil seiner Voraussetzungen darstellen, so müssen diese Voraussetzungen als ungeeignet zur Begründung einer Weltanschauung bezeichnet und fallen gelassen werden. Jedenfalls ist es unstatthaft, die Voraussetzungen zu verwerfen und die Folgerungen gelten zu lassen, wie es der kritische Idealist tut, der seiner Behauptung: die Welt ist meine Vorstellung, den obigen Beweisgang zugrunde legt. (Eduard von Hartmann gibt in seiner Schrift «Das Grundproblem der Erkenntnistheorie» eine ausführliche Darstellung dieses Beweisganges.)
[ 1 ] It follows from the preceding considerations that it is impossible to prove, by examining the content of our observations, that our perceptions are mental images. This proof is to be provided by showing that if the process of perception takes place in the manner imagined according to the naive-realist assumptions about the psychological and physiological constitution of our individual, then we are not dealing with things-in-themselves, but merely with our mental images of things. If, then, naive realism, when pursued consistently, leads to results that are the exact opposite of its premises, these premises must be deemed unsuitable for establishing a worldview and must be abandoned. In any case, it is impermissible to reject the premises while retaining the conclusions, as the critical idealist does, who bases his assertion—that the world is my mental image—on the line of reasoning outlined above. (Eduard von Hartmann provides a detailed exposition of this line of reasoning in his work “The Fundamental Problem of Epistemology.”)
[ 2 ] Ein anderes ist die Richtigkeit des kritischen Idealismus, ein anderes die Überzeugungskraft seiner Beweise. Wie es mit der ersteren steht, wird sich später im Zusammenhange unserer Ausführungen ergeben. Die Überzeugungskraft seines Beweises ist aber gleich Null. Wenn man ein Haus baut, und bei Herstellung des ersten Stockwerkes bricht das Erdgeschoß in sich zusammen, so stürzt das erste Stockwerk mit. Der naive Realismus und der kritische Idealismus verhalten sich wie dies Erdgeschoß zum ersten Stockwerk.
[ 2 ] One thing is the correctness of critical idealism; another is the persuasiveness of its proofs. The status of the former will become clear later in the course of our discussion. The persuasiveness of its proof, however, is zero. If one builds a house and, while constructing the first floor, the ground floor collapses, the first floor collapses with it. Naive realism and critical idealism relate to each other just as the ground floor relates to the first floor.
[ 3 ] Wer der Ansicht ist, daß die ganze wahrgenommene Welt nur eine vorgestellte ist, und zwar die Wirkung der mir unbekannten Dinge auf meine Seele, für den geht die eigentliche Erkenntnisfrage natürlich nicht auf die nur in der Seele vorhandenen Vorstellungen, sondern auf die jenseits unseres Bewußtseins liegenden, von uns unabhängigen Dinge. Er fragt: Wieviel können wir von den letzteren mittelbar erkennen, da sie unserer Beobachtung unmittelbar nicht zugänglich sind? Der auf diesem Standpunkt Stehende kümmert sich nicht um den inneren Zusammenhang seiner bewußten Wahrnehmungen, sondern um deren nicht mehr bewußte Ursachen, die ein von ihm unabhängiges Dasein haben, während, nach seiner Ansicht, die Wahrnehmungen verschwinden, sobald er seine Sinne von den Dingen abwendet. Unser Bewußtsein wirkt, von diesem Gesichtspunkte aus, wie ein Spiegel, dessen Bilder von bestimmten Dingen auch in dem Augenblicke verschwinden, in dem seine spiegelnde Fläche ihnen nicht zugewandt ist. Wer aber die Dinge selbst nicht sieht, sondern nur ihre Spiegelbilder, der muß aus dem Verhalten der letzteren über die Beschaffenheit der ersteren durch Schlüsse indirekt sich unterrichten. Auf diesem Standpunkte steht die neuere Naturwissenschaft, welche die Wahrnehmungen nur als letztes Mittel benutzt, um Aufschluß über die hinter denselben stehenden und allein wahrhaft seienden Vorgänge des Stoffes zu gewinnen. Wenn der Philosoph als kritischer Idealist überhaupt ein Sein gelten läßt, dann geht sein Erkenntnisstreben mit mittelbarer Benutzung der Vorstellungen allein auf dieses Sein. Sein Interesse überspringt die subjektive Welt der Vorstellungen und geht auf das Erzeugende dieser Vorstellungen los.
[ 3 ] For those who believe that the entire perceived world is merely an imagined one—namely, the effect of things unknown to me on my soul—the real question of knowledge naturally does not concern the mental images that exist only in the soul, but rather the things that lie beyond our consciousness and are independent of us. They ask: How much of the latter can we indirectly perceive, since they are not directly accessible to our observation? The person holding this view is not concerned with the internal coherence of his conscious perceptions, but with their no longer conscious causes, which have an existence independent of him, whereas, in his view, the perceptions disappear as soon as he turns his senses away from things. From this point of view, our consciousness acts like a mirror whose images of certain things disappear the moment its reflective surface is no longer turned toward them. But whoever does not see the things themselves, but only their mirror images, must draw indirect conclusions about the nature of the former from the behavior of the latter. This is the standpoint of modern natural science, which uses perceptions only as a last resort to gain insight into the processes of matter lying behind them and which alone are truly real. If the philosopher, as a critical idealist, acknowledges existence at all, then his quest for knowledge, through the indirect use of mental images, is directed solely toward this existence. His interest bypasses the subjective world of mental images and turns to the source of these images.
[ 4 ] Der kritische Idealist kann aber so weit gehen, daß er sagt: ich bin in meine Vorstellungswelt eingeschlossen und kann aus ihr nicht hinaus. Wenn ich ein Ding hinter meinen Vorstellungen denke, so ist dieser Gedanke doch auch weiter nichts als meine Vorstellung. Ein solcher Idealist wird dann das Ding an sich entweder ganz leugnen oder wenigstens davon erklären, daß es für uns Menschen gar keine Bedeutung habe, das ist, so gut wie nicht da sei, weil wir nichts von ihm wissen können.
[ 4 ] The critical idealist, however, may go so far as to say: I am confined within my world of mental images and cannot escape it. If I conceive of a thing beyond my mental images, this thought is, after all, nothing more than my own mental image. Such an idealist will then either deny the thing-in-itself entirely or at least declare that it has no significance whatsoever for us humans—that is, that it is as good as nonexistent, because we cannot know anything about it.
[ 5 ] Einem kritischen Idealisten dieser Art erscheint die ganze Welt als ein Traum, dem gegenüber jeder Erkenntnisdrang einfach sinnlos wäre. Für ihn kann es nur zwei Gattungen von Menschen geben: Befangene, die ihre eigenen Traumgespinste für wirkliche Dinge halten, und Weise, die die Nichtigkeit dieser Traumwelt durchschauen, und die nach und nach alle Lust verlieren müssen, sich weiter darum zu bekümmern. Für diesen Standpunkt kann auch die eigene Persönlichkeit zum bloßen Traumbilde werden. Gerade so wie unter den Bildern des Schlaftraums unser eigenes Traumbild erscheint, so tritt im wachen Bewußtsein die Vorstellung des eigenen Ich zu der Vorstellung der Außenwelt hinzu. Wir haben im Bewußtsein dann nicht unser wirkliches Ich, sondern nur unsere Ichvorstellung gegeben. Wer nun leugnet, daß es Dinge gibt, oder wenigstens, daß wir von ihnen etwas wissen können: der muß auch das Dasein beziehungsweise die Erkenntnis der eigenen Persönlichkeit leugnen. Der kritische Idealist kommt dann zu der Behauptung: «Alle Realität verwandelt sich in einen wunderbaren Traum, ohne ein Leben, von welchem geträumt wird, und ohne einen Geist, dem da träumt; in einen Traum, der in einem Traume von sich selbst zusammenhängt» (vergleiche Fichte, Die Bestimmung des Menschen).
[ 5 ] To a critical idealist of this sort, the entire world appears as a dream, in the face of which any quest for knowledge would simply be pointless. For him, there can be only two kinds of people: the deluded, who take their own dream-weavings for real things, and the wise, who see through the futility of this dream world and who, little by little, must lose all desire to concern themselves with it any further. From this standpoint, one’s own personality can also become a mere dream image. Just as our own dream image appears among the images of a sleep dream, so in waking consciousness the mental image of one’s own self is added to the mental image of the external world. We then have in our consciousness not our real self, but only our conception of the self. Whoever now denies that things exist, or at least that we can know anything about them, must also deny the existence or the knowledge of one’s own personality. The critical idealist then arrives at the assertion: “All reality is transformed into a wondrous dream, without a life that is being dreamed of, and without a mind that is dreaming; into a dream that is coherent within a dream of itself” (see Fichte, The Purpose of Man).
[ 6 ] Gleichgültig, ob derjenige, der das unmittelbare Leben als Traum zu erkennen glaubt, hinter diesem Traum nichts mehr vermutet, oder ob er seine Vorstellungen auf wirkliche Dinge bezieht: das Leben selbst muß für ihn alles wissenschaftliche Interesse verlieren. Während aber für denjenigen, der mit dem Traume das uns zugängliche All erschöpft glaubt, alle Wissenschaft ein Unding ist, wird für den andern, der sich befugt glaubt, von den Vorstellungen auf die Dinge zu schließen, die Wissenschaft in der Erforschung dieser «Dinge an sich» bestehen. Die erstere Weltansicht kann mit dem Namen absoluter Illusionismus bezeichnet werden, die zweite nennt ihr konsequentester Vertreter, Eduard von Hartmann, transzendentalen Realismus. 1Transzendental wird im Sinne dieser Weltanschauung eine Erkenntnis genannt, welche sich bewußt glaubt, daß über die Dinge an sich nicht direkt etwas ausgesagt werden könne, sondern welche indirekt Schlüsse von dem bekannten Subjektiven auf das Unbekannte, jenseits des Subjektiven Liegende (Transzendente) macht. Das Ding an sich ist nach dieser Ansicht jenseits des Gebietes der uns unmittelbar erkennbaren Welt, d.i. transzendent. — Unsere Welt kann aber auf das Transzendente transzendental bezogen werden. Realismus heißt Hartmanns Anschauung, weil sie über das Subjektive, Ideale hinaus, auf das Transzendente, Reale geht.
[ 6 ] Whether the person who believes he has recognized immediate life as a dream suspects nothing lies beyond this dream, or whether he relates his mental images to real things: life itself must lose all scientific interest for him. But while for the person who believes that the dream exhausts the universe accessible to us, all science is an absurdity, for the other, who believes himself authorized to infer things from mental images, science consists in the investigation of these “things-in-themselves.” The former worldview can be designated by the name of absolute illusionism, while the second is called transcendental realism> by its most consistent representative, Eduard von Hartmann. 1Transcendental is the term used in this worldview to describe a form of knowledge that consciously acknowledges that nothing can be stated directly about things-in-themselves, but which draws indirect conclusions from the known subjective realm to the unknown, that which lies beyond the subjective (the Transcendent). According to this view, the thing-in-itself lies beyond the realm of the world that is immediately knowable to us, i.e., it is transcendent. — Our world, however, can be related to the transcendent in a transcendental manner. Hartmann’s view is called realism because it goes beyond the subjective and ideal to the transcendent and real.
[ 7 ] Diese beiden Ansichten haben mit dem naiven Realismus das gemein, daß sie Fuß in der Welt zu fassen suchen durch eine Untersuchung der Wahrnehmungen. Sie können aber innerhalb dieses Gebietes nirgends einen festen Punkt finden.
[ 7 ] These two views have in common with naive realism that they seek to gain a foothold in the world through an examination of perceptions. However, they cannot find a firm point of reference anywhere within this realm.
[ 8 ] Eine Hauptfrage für den Bekenner des transzendentalen Realismus müßte sein: wie bringt das Ich aus sich selbst die Vorstellungswelt zustande? Für eine uns gegebene Welt von Vorstellungen, die verschwindet, sobald wir unsere Sinne der Außenwelt verschließen, kann ein ernstes Erkenntnisstreben sich insofern erwärmen, als sie das Mittel ist, die Welt des an sich seienden Ich mittelbar zu erforschen. Wenn die Dinge unserer Erfahrung Vorstellungen wären, dann gliche unser alltägliches Leben einem Traume und die Erkenntnis des wahren Tatbestandes dem Erwachen. Auch unsere Traumbilder interessieren uns so lange, als wir träumen, folglich die Traumnatur nicht durchschauen. In dem Augenblicke des Erwachens fragen wir nicht mehr nach dem inneren Zusammenhange unserer Traumbilder, sondern nach den physikalischen, physiologischen und psychologischen Vorgängen, die ihnen zum Grunde liegen. Ebensowenig kann sich der Philosoph, der die Welt für seine Vorstellung hält, für den inneren Zusammenhang der Einzelheiten in derselben interessieren. Falls er überhaupt ein seiendes Ich gelten läßt, dann wird er nicht fragen, wie hängt eine seiner Vorstellungen mit einer anderen zusammen, sondern was geht in der von ihm unabhängigen Seele vor, während sein Bewußtsein einen bestimmten Vorstellungsablauf enthält. Wenn ich träume, daß ich Wein trinke, der mir ein Brennen im Kehlkopf verursache und dann mit Hustenreiz aufwache (vergleiche Weygandt, Entstehung der Träume, 1893), so hört im Augenblicke des Erwachens die Traumhandlung auf, für mich ein Interesse zu haben. Mein Augenmerk ist nur noch auf die physiologischen und psychologischen Prozesse gerichtet, durch die der Hustenreiz sich symbolisch in dem Traumbilde zum Ausdruck bringt. In ähnlicher Weise muß der Philosoph, sobald er von dem Vorstellungscharakter der gegebenen Welt überzeugt ist, von dieser sofort auf die dahinter steckende wirkliche Seele überspringen. Schlimmer steht die Sache allerdings, wenn der Illusionismus das Ich an sich hinter den Vorstellungen ganz leugnet, oder es wenigstens für unerkennbar hält. Zu einer solchen Ansicht kann sehr leicht die Beobachtung führen, daß es dem Träumen gegenüber zwar den Zustand des Wachens gibt, in dem wir Gelegenheit haben, die Träume zu durchschauen und auf reale Verhältnisse zu beziehen, daß wir aber keinen zu dem wachen Bewußtseinsleben in einem ähnlichen Verhältnisse stehenden Zustand haben. Wer zu dieser Ansicht sich bekennt, dem geht die Einsicht ab, daß es etwas gibt, das sich in der Tat zum bloßen Wahrnehmen verhält wie das Erfahren im wachen Zustande zum Träumen. Dieses Etwas ist das Denken.
[ 8 ] A key question for the proponent of transcendental realism must be: How does the self bring about the world of ideas from within itself? For a world of mental images given to us—one that vanishes as soon as we close our senses to the external world—a serious quest for knowledge can be inspired insofar as it serves as the means to indirectly explore the world of the self that exists in itself. If the things of our experience were mere mental images, then our everyday life would resemble a dream, and the realization of the true state of affairs would be like waking up. Our dream images also interest us as long as we are dreaming, and consequently do not see through the nature of the dream. At the moment of awakening, we no longer inquire into the internal connections of our dream images, but into the physical, physiological, and psychological processes underlying them. Nor can the philosopher who regards the world as his own mental image be interested in the inner connection of the details within it. If he acknowledges an existing self at all, then he will not ask how one of his mental images relates to another, but rather what is taking place in the soul independent of him while his consciousness contains a specific sequence of mental images. When I dream that I am drinking wine that causes a burning sensation in my throat and then wake up with a coughing fit (see Weygandt, The Origin of Dreams, 1893), the dream’s plot ceases to be of interest to me the moment I wake up. My attention is now focused solely on the physiological and psychological processes through which the urge to cough is symbolically expressed in the dream image. In a similar way, the philosopher, as soon as he is convinced of the representational character of the given world, must immediately leap from it to the real soul lying behind it. The situation is worse, however, when illusionism completely denies the self behind the mental images, or at least considers it unknowable. Observation can very easily lead to such a view: while there is indeed a waking state in contrast to dreaming, in which we have the opportunity to see through dreams and relate them to real circumstances, we have no state that stands in a similar relationship to the life of waking consciousness. Those who subscribe to this view lack the insight that there is something which, in fact, relates to mere perception in the same way that experience in the waking state relates to dreaming. This something is thinking.
[ 9 ] Dem naiven Menschen kann der Mangel an Einsicht, auf den hier gedeutet wird, nicht angerechnet werden. Er gibt sich dem Leben hin und hält die Dinge so für wirklich, wie sie sich ihm in der Erfahrung darbieten. Der erste Schritt aber, der über diesen Standpunkt hinaus unternommen wird, kann nur in der Frage bestehen: wie verhält sich das Denken zur Wahrnehmung? Ganz einerlei, ob die Wahrnehmung in der mir gegebenen Gestalt vor und nach meinem Vorstellen weiterbesteht oder nicht: wenn ich irgend etwas über sie aussagen will, so kann es nur mit Hilfe des Denkens geschehen. Wenn ich sage: die Welt ist meine Vorstellung, so habe ich das Ergebnis eines Denkprozesses ausgesprochen, und wenn mein Denken auf die Welt nicht anwendbar ist, so ist dieses Ergebnis ein Irrtum. Zwischen die Wahrnehmung und jede Art von Aussage über dieselbe schiebt sich das Denken ein.
[ 9 ] The naive person cannot be blamed for the lack of insight referred to here. He surrenders himself to life and regards things as real just as they present themselves to him in experience. The first step, however, that is taken beyond this standpoint can consist only in the question: how does thought relate to perception? It matters not at all whether perception, in the form given to me, continues to exist before and after my mental image of it or not: if I wish to say anything about it, it can only be done with the aid of thought. When I say: the world is my mental image, I have expressed the result of a thought process, and if my thinking is not applicable to the world, then this result is an error. Thinking interposes itself between perception and any kind of statement about it.
[ 10 ] Den Grund, warum das Denken bei der Betrachtung der Dinge zumeist übersehen wird, haben wir bereits angegeben (vergleiche Seite 42f.). Er liegt in dem Umstande, daß wir nur auf den Gegenstand, über den wir denken, nicht aber zugleich auf das Denken unsere Aufmerksamkeit richten. Das naive Bewußtsein behandelt daher das Denken wie etwas, das mit den Dingen nichts zu tun hat, sondern ganz abseits von denselben steht und seine Betrachtungen über die Welt anstellt. Das Bild, das der Denker von den Erscheinungen der Welt entwirft, gilt nicht als etwas, was zu den Dingen gehört, sondern als ein nur im Kopfe des Menschen existierendes; die Welt ist auch fertig ohne dieses Bild. Die Welt ist fix und fertig in allen ihren Substanzen und Kräften; und von dieser fertigen Welt entwirft der Mensch ein Bild. Die so denken, muß man nur fragen: mit welchem Rechte erklärt ihr die Welt für fertig, ohne das Denken? Bringt nicht mit der gleichen Notwendigkeit die Welt das Denken im Kopfe des Menschen hervor, wie die Blüte an der Pflanze? Pflanzet ein Samenkorn in den Boden. Es treibt Wurzel und Stengel. Es entfaltet sich zuBlättern und Blüten. Stellet die Pflanze euch selbst gegenüber. Sie verbindet sich in eurer Seele mit einem bestimmten Begriffe. Warum gehört dieser Begriff weniger zur ganzen Pflanze als Blatt und Blüte? Ihr saget: die Blätter und Blüten sind ohne ein wahrnehmendes Subjekt da; der Begriff erscheint erst, wenn sich der Mensch der Pflanze gegenüberstellt. Ganz wohl. Aber auch Blüten und Blätter entstehen an der Pflanze nur, wenn Erde da ist, in die der Keim gelegt werden kann, wenn Licht und Luft da sind, in denen sich Blätter und Blüten entfalten können. Gerade so entsteht der Begriff der Pflanze, wenn ein denkendes Bewußtsein an die Pflanze herantritt.
[ 10 ] We have already explained why thinking is usually overlooked when we consider things (see p. 42ff.). It lies in the fact that we focus our attention only on the object we are thinking about, but not simultaneously on the act of thinking itself. Naive consciousness therefore treats thinking as something that has nothing to do with things, but stands entirely apart from them and makes its observations about the world. The image that the thinker constructs of the phenomena of the world is not regarded as something that belongs to things, but as something existing only in the human mind; the world is complete even without this image. The world is complete in all its substances and forces; and from this complete world, man constructs an image. One need only ask those who think this way: by what right do you declare the world to be complete without thought? Does not the world produce thought in the human mind with the same necessity as the flower on the plant? Plant a seed in the ground. It sprouts roots and a stem. It unfolds into leaves and flowers. Place the plant before you. It connects in your soul with a certain concept. Why does this concept belong any less to the whole plant than the leaves and flowers? You say: the leaves and flowers are there without a perceiving subject; the concept only appears when man stands before the plant. Quite so. But even flowers and leaves arise on the plant only when there is soil in which the seed can be planted, when there is light and air in which leaves and flowers can unfold. In exactly the same way, the concept of the plant arises when a thinking consciousness approaches the plant.
[ 11 ] Es ist ganz willkürlich, die Summe dessen, was wir von einem Dinge durch die bloße Wahrnehmung erfahren, für eine Totalität, für ein Ganzes zu halten, und dasjenige, was sich durch die denkende Betrachtung ergibt, als ein solches Hinzugekommenes, das mit der Sache selbst nichts zu tun habe. Wenn ich heute eine Rosenknospe erhalte, so ist das Bild, das sich meiner Wahrnehmung darbietet, nur zunächst ein abgeschlossenes. Wenn ich die Knospe in Wasser setze, so werde ich morgen ein ganz anderes Bild meines Objektes erhalten. Wenn ich mein Auge von der Rosenknospe nicht abwende, so sehe ich den heutigen Zustand in den morgigen durch unzählige Zwischenstufen kontinuierlich übergehen. Das Bild, das sich mir in einem bestimmten Augenblicke darbietet, ist nur ein zufälliger Ausschnitt aus dem in einem fortwährenden Werden begriffenen Gegenstande. Setze ich die Knospe nicht in Wasser, so bringt sie eine ganze Reihe von Zuständen nicht zur Entwickelung, die der Möglichkeit nach in ihr lagen. Ebenso kann ich morgen verhindert sein, die Blüte weiter zu beobachten und dadurch ein unvollständiges Bild haben.
[ 11 ] It is entirely arbitrary to regard the sum of what we learn about a thing through mere perception as a totality, as a whole, and to regard what results from thinking consideration as something added on that has nothing to do with the thing itself. If I receive a rosebud today, the image that presents itself to my perception is, at first, merely a closed one. If I place the bud in water, I will receive a completely different image of my object tomorrow. If I do not turn my eye away from the rosebud, I see today’s state continuously transition into tomorrow’s through countless intermediate stages. The image that presents itself to me at a given moment is merely a random snapshot of the object in a state of continuous becoming. If I do not place the bud in water, it will fail to develop a whole series of states that lay within it as possibilities. Likewise, I may be prevented tomorrow from continuing to observe the bloom and thus have an incomplete picture.
[ 12 ] Es ist eine ganz unsachliche, an Zufälligkeiten sich heftende Meinung, die von dem in einer gewissen Zeit sich darbietenden Bilde erklärte: das ist die Sache.
[ 12 ] It is a completely subjective opinion, based on mere chance, which, looking at the picture presented at a certain moment in time, declared: this is the matter.
[ 13 ] Ebensowenig ist es statthaft, die Summe der Wahrnehmungsmerkmale für die Sache zu erklären. Es wäre sehr wohl möglich, daß ein Geist zugleich und ungetrennt von der Wahrnehmung den Begriff mitempfangen könnte. Ein solcher Geist würde gar nicht auf den Einfall kommen, den Begriff als etwas nicht zur Sache Gehöriges zu betrachten. Er müßte ihm ein mit der Sache unzertrennlich verbundenes Dasein zuschreiben.
[ 13 ] Nor is it permissible to explain the object as the sum of its perceptual features. It is quite possible that a mind could apprehend the concept simultaneously and inseparably with perception. Such a mind would not even think of regarding the concept as something not belonging to the object. It would have to attribute to it an existence inseparably connected with the object.
[ 14 ] Ich will mich noch durch ein Beispiel deutlicher machen. Wenn ich einen Stein in horizontaler Richtung durch die Luft werfe, so sehe ich ihn nacheinander an verschiedenen Orten. Ich verbinde diese Orte zu einer Linie. In der Mathematik lerne ich verschiedeneLinienformen kennen, darunter auch die Parabel. Ich kenne die Parabel als eine Linie, die entsteht, wenn sich ein Punkt in einer gewissen gesetzmäßigen Art bewegt. Wenn ich die Bedingungen untersuche, unter denen sich der geworfene Stein bewegt, so finde ich, daß die Linie seiner Bewegung mit der identisch ist, die ich als Parabel kenne. Daß sich der Stein gerade in einerParabel bewegt, das ist eine Folge der gegebenen Bedingungen und folgt mit Notwendigkeit aus diesen. Die Form der Parabel gehört zur ganzen Erscheinung, wie alles andere, was an derselben in Betracht kommt. Dem oben beschriebenen Geist, der nicht den Umweg des Denkens nehmen müßte, wäre nicht nur eine Summe von Gesichtsempfindungen an verschiedenen Orten gegeben, sondern ungetrennt von der Erscheinung auch die parabolische Form derWurflinie, die wir erst durch Denken zu der Erscheinung hinzufügen.
[ 14 ] Let me clarify this with an example. When I throw a stone horizontally through the air, I see it in different places one after another. I connect these points to form a line. In mathematics, I learn about various types of lines, including the parabola. I know the parabola as a line that is formed when a point moves in a certain regular manner. When I examine the conditions under which the thrown stone moves, I find that the line of its motion is identical to the one I know as a parabola. The fact that the stone moves precisely in a parabola is a consequence of the given conditions and follows necessarily from them. The shape of the parabola belongs to the whole phenomenon, just like everything else that comes into play in it. The mind described above, which would not have to take the detour of thought, would be given not only a sum of visual sensations at different locations, but also, inseparable from the phenomenon, the parabolic shape of the trajectory, which we only add to the phenomenon through thought.
[ 15 ] Nicht an den Gegenständen liegt es, daß sie uns zunächst ohne die entsprechenden Begriffe gegeben werden, sondern an unserer geistigen Organisation. Unsere totale Wesenheit funktioniert in der Weise, daß ihr bei jedem Dinge der Wirklichkeit von zwei Seiten her die Elemente zufließen, die für die Sache in Betracht kommen: von seiten des Wahrnehmens und des Denkens.
[ 15 ] It is not the objects themselves that are presented to us initially without the corresponding concepts, but rather our mental organization. Our total being functions in such a way that, for every thing in reality, the elements relevant to the matter flow in from two sides: from the side of perception and from the side of thought.
[ 16 ] Es hat mit der Natur der Dinge nichts zu tun, wie ich organisiert bin, sie zu erfassen. Der Schnitt zwischen Wahrnehmen und Denken ist erst in dem Augenblicke vorhanden, wo ich, der Betrachtende, den Dingen gegenübertrete.Welche Elemente dem Dinge angehören und welche nicht, kann aber durchaus nicht davon abhängen, auf welche Weise ich zur Kenntnis dieser Elemente gelange.
[ 16 ] The way I am organized to perceive things has nothing to do with the nature of those things. The distinction between perception and thought only exists at the moment when I, the observer, encounter things. However, which elements belong to a thing and which do not cannot possibly depend on the way in which I come to know these elements.
[ 17 ] Der Mensch ist ein eingeschränktes Wesen. Zunächst ist er ein Wesen unter anderen Wesen. Sein Dasein gehört dem Raum und der Zeit an. Dadurch kann ihm auch immer nur ein beschränkter Teil des gesamten Universums gegeben sein. Dieser beschränkte Teil schließt sich aber ringsherum sowohl zeitlich wie räumlich an anderes an. Wäre unser Dasein so mit den Dingen verknüpft, daß jedes Weltgeschehen zugleich unser Geschehen wäre, dann gäbe es den Unterschied zwischen uns und den Dingen nicht. Dann aber gäbe es für uns auch keine Einzeldinge. Da ginge alles Geschehen kontinuierlich ineinander über. Der Kosmos wäre eine Einheit und eine in sich beschlossene Ganzheit. Der Strom des Geschehens hätte nirgends eine Unterbrechung. Wegen unserer Beschränkung erscheint uns als Einzelheit, was in Wahrheit nicht Einzelheit ist. Nirgends ist zum Beispiel die Einzelqualität des Rot abgesondert für sich vorhanden. Sie ist allseitig von anderen Qualitäten umgeben, zu denen sie gehört, und ohne die sie nicht bestehen könnte. Für uns aber ist es eine Notwendigkeit, gewisse Ausschnitte aus der Welt herauszuheben, und sie für sich zu betrachten. Unser Auge kann nur einzelne Farben nacheinander aus einem vielgliedrigen Farbenganzen, unser Verstand nur einzelne Begriffe aus einem zusammenhängenden Begriffssysteme erfassen. Diese Absonderung ist ein subjektiver Akt, bedingt durch den Umstand, daß wir nicht identisch sind mit dem Weltprozeß, sondern ein Wesen unter anderen Wesen.
[ 17 ] Human beings are limited creatures. First and foremost, they are beings among other beings. Their existence is bound to space and time. Consequently, they can only ever be given a limited part of the entire universe. This limited part, however, is connected to other parts all around it, both temporally and spatially. If our existence were so linked to things that every world event were at the same time our event, then there would be no difference between us and things. But then there would be no individual things for us either. Everything that happens would flow continuously into one another. The cosmos would be a unity and a self-contained whole. The flow of events would have no interruption anywhere. Because of our limitations, what in truth is not a particular appears to us as a particular. Nowhere, for example, does the individual quality of red exist in isolation. It is surrounded on all sides by other qualities to which it belongs and without which it could not exist. For us, however, it is a necessity to single out certain aspects of the world and to consider them in isolation. Our eye can perceive only individual colors one after another from a complex whole of colors; our mind can grasp only individual concepts from a coherent system of concepts. This separation is a subjective act, conditioned by the fact that we are not identical with the world-process, but a being among other beings.
[ 18 ] Es kommt nun alles darauf an, die Stellung des Wesens, das wir selbst sind, zu den anderen Wesen zu bestimmen. Diese Bestimmung muß unterschieden werden von dem bloßen Bewußtwerden unseres Selbst. Das letztere beruht auf dem Wahrnehmen wie das Bewußtwerden jedes anderen Dinges. Die Selbstwahrnehmung zeigt mir eine Summe von Eigenschaften, die ich ebenso zu dem Ganzen meiner Persönlichkeit zusammenfasse, wie ich die Eigenschaften: gelb, metallglänzend, hart usw. zu der Einheit «Gold» zusammenfasse. Die Selbstwahrnehmung führt mich nicht aus dem Bereiche dessen hinaus, was zu mir gehört. Dieses Selbstwahrnehmen ist zu unterscheiden von dem denkenden Selbst-bestimmen. Wie ich eine einzelne Wahrnehmung der Außenwelt durch das Denken eingliedere in den Zusammenhang der Welt, so gliedere ich die an mir selbst gemachten Wahrnehmungen in den Weltprozeß durch das Denken ein. Mein Selbstwahrnehmen schließt mich innerhalb bestimmter Grenzen ein; mein Denken hat nichts zu tun mit diesen Grenzen. In diesem Sinne bin ich ein Doppelwesen. Ich bin eingeschlossen in das Gebiet, das ich als das meiner Persönlichkeit wahrnehme, aber ich bin Träger einer Tätigkeit, die von einer höheren Sphäre aus mein begrenztes Dasein bestimmt. Unser Denken ist nicht individuell wie unser Empfinden und Fühlen. Es ist universell. Es erhält ein individuelles Gepräge in jedem einzelnen Menschen nur dadurch, daß es auf sein individuelles Fühlen und Empfinden bezogen ist. Durch diese besonderen Färbungen des universellen Denkens unterscheiden sich die einzelnen Menschen voneinander. Ein Dreieck hat nur einen einzigen Begriff. Für den Inhalt dieses Begriffes ist es gleichgültig, ob ihn der menschliche Bewußtseinsträger A oder B faßt. Er wird aber von jedem der zwei Bewußtseinsträger in individueller Weise erfaßt werden.
[ 18 ] It now all comes down to determining the relationship of the being that we ourselves are to other beings. This determination must be distinguished from the mere becoming aware of our self. The latter is based on perception, just as the becoming aware of any other thing is. Self-perception reveals to me a sum of properties that I synthesize into the whole of my personality, just as I synthesize the properties “yellow,” “metallic luster,” “hard,” etc., into the unity “gold.” Self-perception does not lead me beyond the realm of what belongs to me. This self-perception must be distinguished from the thinking self-determination. Just as I integrate a single perception of the external world into the context of the world through thinking, so I integrate the perceptions I have of myself into the world process through thinking. My self-perception confines me within certain limits; my thinking has nothing to do with these limits. In this sense, I am a dual being. I am enclosed within the realm that I perceive as my personality, but I am the bearer of an activity that, from a higher sphere, determines my limited existence. Our thinking is not individual in the same way as our sensations and feelings. It is universal. It acquires an individual character in each individual human being only insofar as it relates to that person’s individual feelings and sensations. It is through these particular colorings of universal thought that individual human beings differ from one another. A triangle has only a single concept. For the content of this concept, it is irrelevant whether it is grasped by the human consciousness-bearer A or B. However, it will be grasped in an individual way by each of the two consciousness-bearers.
[ 19 ] Diesem Gedanken steht ein schwer zu überwindendes Vorurteil der Menschen gegenüber. Die Befangenheit kommt nicht bis zu der Einsicht, daß der Begriff des Dreieckes, den mein Kopf erfaßt, derselbe ist, wie der durch den Kopf meines Nebenmenschen ergriffene. Der naive Mensch hält sich für den Bildner seiner Begriffe. Er glaubt deshalb, jede Person habe ihre eigenen Begriffe. Es ist eine Grundforderung des philosophischen Denkens, dieses Vorurteil zu überwinden. Der eine einheitliche Begriff des Dreiecks wird nicht dadurch zu einer Vielheit, daß er von vielen gedacht wird. Denn das Denken der Vielen selbst ist eine Einheit.
[ 19 ] This idea is met with a prejudice that is difficult for people to overcome. This bias prevents them from realizing that the concept of a triangle that my mind grasps is the same as the one grasped by the mind of the person next to me. The naive person considers himself the creator of his own concepts. He therefore believes that every person has his own concepts. Overcoming this prejudice is a fundamental requirement of philosophical thinking. The single, unified concept of the triangle does not become a multiplicity simply because it is conceived by many. For the thinking of the many is itself a unity.
[ 20 ] In dem Denken haben wir das Element gegeben, das unsere besondere Individualität mit dem Kosmos zu einem Ganzen zusammenschließt. Indem wir empfinden und fühlen (auch wahrnehmen), sind wir einzelne, indem wir denken, sind wir das all-eine Wesen, das alles durchdringt. Dies ist der tiefere Grund unserer Doppelnatur: Wir sehen in uns eine schlechthin absolute Kraft zum Dasein kommen, eine Kraft, die universell ist, aber wir lernen sie nicht bei ihrem Ausströmen aus dem Zentrum der Welt kennen, sondern in einem Punkte der Peripherie. Wäre das erstere der Fall, dann wüßten wir in dem Augenblicke, in dem wir zum Bewußtsein kommen, das ganze Welträtsel. Da wir aber in einem Punkte der Peripherie stehen und unser eigenes Dasein in bestimmte Grenzen eingeschlossen finden, müssen wir das außerhalb unseres eigenen Wesens gelegene Gebiet mit Hilfe des aus dem allgemeinen Weltensein in uns hereinragenden Denkens kennen lernen.
[ 20 ] In thought, we have the element that unites our unique individuality with the cosmos into a single whole. When we sense and feel (and also perceive), we are individuals; when we think, we are the all-one being that permeates everything. This is the deeper reason for our dual nature: we see within ourselves an absolutely absolute force of existence emerging, a force that is universal, but we do not come to know it as it radiates from the center of the world, but rather at a point on the periphery. If the former were the case, then the moment we become conscious, we would know the entire mystery of the world. But since we stand at a point on the periphery and find our own existence enclosed within certain limits, we must come to know the realm lying outside our own being with the help of thought, which reaches into us from the general existence of the world.
[ 21 ] Dadurch, daß das Denken in uns übergreift über unser Sondersein und auf das allgemeine Weltensein sich bezieht, entsteht in uns der Trieb der Erkenntnis. Wesen ohne Denken haben diesen Trieb nicht. Wenn sich ihnen andere Dinge gegenüberstellen, so sind dadurch keine Fragen gegeben. Diese anderen Dinge bleiben solchen Wesen äußerlich. Bei denkenden Wesen stößt dem Außendinge gegenüber der Begriff auf. Er ist dasjenige, was wir von dem Dinge nicht von außen, sondern von innen empfangen. Den Ausgleich, die Vereinigung der beiden Elemente, des inneren und des äußeren, soll die Erkenntnis liefern.
[ 21 ] Because our thinking transcends our particular existence and relates to the universal existence of the world, the drive for knowledge arises within us. Beings without thought do not possess this drive. When other things are presented to them, this does not give rise to questions. These other things remain external to such beings. In thinking beings, the concept encounters the external thing. It is that which we receive from the thing not from the outside, but from within. The balance, the union of the two elements—the inner and the outer—is to be provided by knowledge.
[ 22 ] Die Wahrnehmung ist also nichts Fertiges, Abgeschlossenes, sondern die eine Seite der totalen Wirklichkeit. Die andere Seite ist der Begriff. Der Erkenntnisakt ist die Syn these von Wahrnehmung und Begriff. Wahrnehmung und Begriff eines Dinges machen aber erst das ganze Ding aus.
[ 22 ] Perception, then, is not something finished or complete, but rather one aspect of total reality. The other aspect is the concept. The act of cognition is the synthesis of perception and concept. It is the perception and concept of a thing, however, that together constitute the whole thing.
[ 23 ] Die vorangehenden Ausführungen liefern den Beweis, daß es ein Unding ist, etwas anderes Gemeinsames in den Einzelwesen der Welt zu suchen, als den ideellen Inhalt, den uns das Denken darbietet. Alle Versuche müssen scheitern, die nach einer anderen Welteinheit streben als nach diesem in sich zusammenhängenden ideellen Inhalt, welchen wir uns durch denkende Betrachtung unserer Wahrnehmungen erwerben. Nicht ein menschlich-persönlicher Gott, nicht Kraft oder Stoff, noch der ideenlose Wille (Schopenhauers) können uns als eine universelle Welteinheit gelten. Diese Wesenheiten gehören sämtlich nur einem beschränkten Gebiet unserer Beobachtung an. Menschlich begrenzte Persönlichkeit nehmen wir nur an uns, Kraft und Stoff an den Außendingen wahr. Was den Willen betrifft, so kann er nur als die Tätigkeitsäußerung unserer beschränkten Persönlichkeit gelten. Schopenhauer will es vermeiden, das «abstrakte» Denken zum Träger der Welteinheit zu machen und sucht statt dessen etwas, das sich ihm unmittelbar als ein Reales darbietet. Dieser Philosoph glaubt, daß wir der Welt nimmermehr beikommen, wenn wir sie als Außenwelt ansehen. «In der Tat würde die nachgeforschte Bedeutung der mir lediglich als meine Vorstellung gegenüberstehenden Welt, oder der Übergang von ihr, als bloßer Vorstellung des erkennenden Subjekts, zu dem, was sie noch außerdem sein mag, nimmermehr zu finden sein, wenn der Forscher selbst nichts weiter als das rein erkennende Subjekt (geflügelter Engelskopf ohne Leib) wäre. Nun aber wurzelt er selbst in jener Welt, findet sich nämlich in ihr als Individuum, das heißt sein Erkennen, welches der bedingende Träger der ganzen Welt als Vorstellung ist, ist dennoch durchaus vermittelt durch einen Leib, dessen Affektionen, wie gezeigt, dem Verstande der Ausgangspunkt der Anschauung jener Welt sind. Dieser Leib ist dem rein erkennenden Subjekt als solchem eine Vorstellung wie jede andere, ein Objekt unter Objekten: die Bewegungen, die Aktionen desselben sind ihm insoweit nicht anders als wie die Veränderungen aller anderen anschaulichen Objekte bekannt, und wären ihm ebenso fremd und unverständlich, wenn die Bedeutung derselben ihm nicht etwa auf eine ganz andere Art enträtselt wäre.... Dem Subjekt des Erkennens, welches durch seine Identität mit dem Leibe als Individuum auftritt, ist dieser Leib auf zwei ganz verschiedene Weisen gegeben: einmal als Vorstellung in verständiger Anschauung, als Objekt unter Objekten, und dem Gesetzen dieser unterworfen; sodann aber auch zugleich auf eine ganz andere Weise, nämlich als jenes jedem unmittelbar Bekannte, welches das Wort Wille bezeichnet. Jeder wahre Akt seines Willens ist sofort und unausbleiblich auch eine Bewegung seines Leibes: er kann den Akt nicht wirklich wollen, ohne zugleich wahrzunehmen, daß er als Bewegung des Leibes erscheint. Der Willensakt und die Aktion des Leibes sind nicht zwei objektiv erkannte verschiedene Zustände, die das Band der Kausalität verknüpft, stehen nicht im Verhältnis der Ursache und Wirkung; sondern sie sind eines und dasselbe, nur auf zwei gänzlich verschiedene Weisen gegeben: einmal ganz unmittelbar und einmal in der Anschauung für den Verstand.» Durch diese Auseinandersetzungen glaubt sich Schopenhauer berechtigt, in dem Leibe des Menschen die «Objektität» des Willens zu finden. Er ist der Meinung, in den Aktionen des Leibes unmittelbar eine Realität, das Ding an sich in concreto zu fühlen. Gegen diese Ausführungen muß eingewendetwerden, daß uns die Aktionen unseres Leibes nur durch Selbstwahrnehmungen zum Bewußtsein kommen und als solche nichts voraus haben vor anderen Wahrnehmungen. Wenn wir ihre Wesenheit erkennen wollen, so können wir dies nur durch denkende Betrachtung, das heißt durch Eingliederung derselben in das ideelle System unserer Begriffe und Ideen.
[ 23 ] The preceding remarks demonstrate that it is absurd to seek anything in common among the individual entities of the world other than the ideal content that thought presents to us. All attempts must fail that strive for a unity of the world other than this internally coherent ideal content, which we acquire through the thoughtful consideration of our perceptions. Neither a human-personal God, nor force or matter, nor (Schopenhauer’s) will devoid of ideas can serve as a universal unity of the world for us. These entities all belong solely to a limited sphere of our observation. We perceive humanly limited personality only in ourselves, and force and matter only in external things. As for the will, it can be regarded only as the expression of activity of our limited personality. Schopenhauer wishes to avoid making “abstract” thought the bearer of world unity and instead seeks something that presents itself to him immediately as a reality. This philosopher believes that we will never grasp the world if we regard it as an external world. “In fact, the sought-after meaning of the world that stands before me merely as my mental image, or the transition from it—as a mere mental image of the knowing subject—to whatever else it may be, would never be found if the seeker himself were nothing more than the purely knowing subject (a winged angel’s head without a body). But now he himself is rooted in that world; he finds himself in it as an individual, that is, his cognition, which is the conditioning bearer of the entire world as a mental image, is nevertheless entirely mediated through a body, whose affections, as has been shown, are the starting point for the understanding’s intuition of that world. This body is to the purely cognizing subject as such a mental image like any other, an object among objects: its movements and actions are known to him in this respect no differently than the changes of all other sensible objects, and would be just as foreign and incomprehensible to him if their meaning were not unraveled to him in a completely different way.... To the subject of cognition, which appears as an individual through its identity with the body, this body is given in two entirely different ways: first, as a mental image in intellectual intuition, as an object among objects, and subject to the laws thereof; but then also, at the same time, in an entirely different way, namely as that which is immediately known to everyone and which the word will designates. Every true act of his will is immediately and inevitably also a movement of his body: he cannot truly will the act without at the same time perceiving that it appears as a movement of the body. The act of will and the action of the body are not two objectively recognized distinct states linked by the bond of causality; they do not stand in a relationship of cause and effect; rather, they are one and the same, merely given in two entirely different ways: once quite immediately and once in the intuition of the intellect.” Through these arguments, Schopenhauer believes himself justified in finding the “objectivity” of the will in the human body. He is of the opinion that in the actions of the body he immediately feels a reality, the thing-in-itself in concreto. Against these arguments, it must be objected that the actions of our body come to our consciousness only through self-perception and, as such, have no advantage over other perceptions. If we wish to recognize their essence , we can do so only through rational contemplation, that is, by integrating them into the ideal system of our concepts and ideas.
[ 24 ] Am tiefsten eingewurzelt in das naive Menschheitsbewußtsein ist die Meinung: das Denken sei abstrakt, ohne allen konkreten Inhalt. Es könne höchstens ein «ideelles» Gegenbild der Welteinheit liefern, nicht etwa diese selbst. Wer so urteilt, hat sich niemals klar gemacht, was die Wahrnehmung ohne den Begriff ist. Sehen wir uns nur diese Welt der Wahrnehmung an: als ein bloßes Nebeneinander im Raum und Nacheinander in der Zeit, ein Aggregat zusammenhangloser Einzelheiten erscheint sie. Keines der Dinge, die da auftreten und abgehen auf derWahrnehmungsbühne, hat mit dem andern unmittelbar etwas zu tun, was sich wahrnehmen läßt. Die Welt ist da eine Mannigfaltigkeit von gleichwertigen Gegenständen. Keiner spielt eine größere Rolle als der andere im Getriebe der Welt. Soll uns klar werden, daß diese oder jene Tatsache größere Bedeutung hat als die andere, so müssen wir unser Denken befragen. Ohne das funktionierende Denken erscheint uns das rudimentäre Organ des Tieres, das ohne Bedeutung für dessen Leben ist, gleichwertig mit dem wichtigsten Körpergliede. Die einzelnen Tatsachen treten in ihrer Bedeutung in sich und für die übrigen Teile der Welt erst hervor, wenn das Denken seine Fäden zieht von Wesen zu Wesen. Diese Tätigkeit des Denkens ist eine inhaltvolle. Denn nur durch einen ganz bestimmten konkreten Inhalt kann ich wissen, warum die Schnecke auf einer niedrigeren Organisationsstufe steht als der Löwe. Der bloße Anblick, die Wahrnehmung gibt mir keinen Inhalt, der mich über die Vollkommenheit der Organisation belehren könnte.
[ 24 ] Deeply rooted in the naive consciousness of humanity is the belief that thinking is abstract, devoid of any concrete content. At best, it can provide an “ideal” reflection of the unity of the world, not the unity itself. Anyone who judges in this way has never grasped what perception is without the concept. Let us simply look at this world of perception: it appears as a mere juxtaposition in space and succession in time, an aggregate of disconnected details. None of the things that appear and disappear on the stage of perception has anything directly to do with the other that can be perceived. The world is thus a multitude of objects of equal value. None plays a greater role than the other in the workings of the world. If we are to realize that this or that fact has greater significance than the other, we must consult our thinking. Without functioning thought, the rudimentary organ of an animal, which is of no significance to its life, appears to us to be of equal value to the most important limb of the body. The individual facts emerge in their significance within themselves and for the rest of the world only when thought draws its threads from being to being. This activity of thought is a meaningful. For only through a very specific concrete content can I know why the snail stands at a lower level of organization than the lion. Mere sight, mere perception, gives me no content that could instruct me about the perfection of the organization.
[ 25 ] Diesen Inhalt bringt das Denken der Wahrnehmung aus der Begriffs, und Ideenwelt des Menschen entgegen. Im Gegensatz zum Wahrnehmungsinhalte, der uns von außen gegeben ist, erscheint der Gedankeninhalt im Innern. Die Form, in der er zunächst auftritt, wollen wir als Intuition bezeichnen. Sie ist für das Denken, was die Beobachtung für die Wahrnehmung ist. Intuition und Beobachtung sind die Quellen unserer Erkenntnis. Wir stehen einem beobachteten Dinge der Welt so lange fremd gegenüber, so lange wir in unserem Innern nicht die entsprechende Intuition haben, die uns das in der Wahrnehmung fehlende Stück der Wirklichkeit ergänzt. Wer nicht die Fähigkeit hat, die den Dingen entsprechenden Intuitionen zu finden, dem bleibt die volle Wirklichkeit verschlossen. Wie der Farbenblinde nur Helligkeitsunterschiede ohne Farbenqualitäten sieht, so kann der Intuitionslose nur unzusammenhängende Wahrnehmungsfragmente beobachten.
[ 25 ] Thought brings this content to perception from the world of human concepts and ideas. In contrast to the content of perception, which is given to us from the outside, the content of thought appears within us. Let us call the form in which it first appears intuition. It is to thinking what observation is to perception. Intuition and observation are the sources of our knowledge. We remain alien to an observed object in the world as long as we do not possess within ourselves the corresponding intuition that supplements the missing piece of reality in our perception. Those who lack the ability to find the intuitions corresponding to things remain shut out from full reality. Just as the color-blind person sees only differences in brightness without color qualities, so too can the person lacking intuition observe only disjointed fragments of perception.
[ 26 ] Ein Ding erklären, verständlich machen heißt nichts anderes, als es in den Zusammenhang hinein versetzen, aus dem es durch die oben geschilderte Einrichtung unserer Organisation herausgerissen ist. Ein von dem Weltganzen abgetrenntes Ding gibt es nicht. Alle Sonderung hat bloß subjektive Geltung für unsere Organisation. Für uns legt sich das Weltganze auseinander in: oben und unten, vor und nach, Ursache und Wirkung, Gegenstand und Vorstellung, Stoff und Kraft, Objekt und Subjekt usw. Was uns in der Beobachtung an Einzelheiten gegenübertritt, das verbindet sich durch die zusammenhängende, einheitliche Welt unserer Intuitionen Glied für Glied; und wir fügen durch das Denken alles wieder in eins zusammen, was wir durch das Wahrnehmen getrennt haben.
[ 26 ] To explain a thing, to make it understandable, means nothing other than to place it back into the context from which it has been torn away by the structure of our organization described above. There is no such thing as a thing separated from the whole of the world. All separation has merely subjective validity for our organization. For us, the whole world breaks down into: above and below, before and after, cause and effect, object and mental image, matter and force, object and subject, etc. What we encounter in observation as details is linked together, link by link, through the coherent, unified world of our intuitions; and through thinking, we reassemble into one everything that we have separated through perception.
[ 27 ] Die Rätselhaftigkeit eines Gegenstandes liegt in seinem Sonderdasein. Diese ist aber von uns hervorgerufen und kann, innerhalb der Begriffswelt, auch wieder aufgehoben werden.
[ 27 ] The enigmatic nature of an object lies in its unique existence. However, this is something we ourselves have created and can, within the realm of concepts, also be undone.
[ 28 ] Außer durch Denken und Wahrnehmen ist uns direkt nichts gegeben. Es entsteht nun die Frage: wie steht es gemäß unseren Ausführungen mit der Bedeutung der Wahrnehmung? Wir haben zwar erkannt, daß der Beweis, den der kritische Idealismus für die subjektive Natur der Wahrnehmungen vorbringt, in sich zerfällt; aber mit der Einsicht in die Unrichtigkeit des Beweises ist noch nicht ausgemacht, daß die Sache selbst auf einem Irrtume beruht. Der kritische Idealismus geht in seiner Beweisführung nicht von der absoluten Natur des Denkens aus, sondern stützt sich darauf, daß der naive Realismus, konsequent verfolgt, sich selbst aufhebe. Wie stellt sich die Sache, wenn die Absolutheit des Denkens erkannt ist?
[ 28 ] Apart from thought and perception, nothing is given to us directly. The question now arises: what, according to our discussion, is the significance of perception? We have indeed recognized that the proof put forward by critical idealism for the subjective nature of perceptions collapses in on itself; but the realization that the proof is incorrect does not yet establish that the matter itself is based on an error. Critical idealism does not base its argument on the absolute nature of thought, but rather relies on the fact that naive realism, if pursued consistently, negates itself. How does the matter stand once the absoluteness of thought is recognized?
[ 29 ] Nehmen wir an, es trete eine bestimmte Wahrnehmung, zum Beispiel Rot, in meinem Bewußtsein auf. Die Wahrnehmung erweist sich bei fortgehender Betrachtung in Zusammenhang stehend mit anderen Wahrnehmungen, zum Beispiel einer bestimmten Figur, mit gewissen Temperatur-und Tastwahrnehmungen. Diesen Zusammenhang bezeichne ich als einen Gegenstand der Sinnenwelt. Ich kann mich nun fragen: was findet sich außer dem angeführten noch in jenem Raumausschnitte, in dem mir obige Wahrnehmungen erscheinen. Ich werde mechanische, chemische und andere Vorgänge innerhalb des Raumteiles finden. Nun gehe ich weiter und untersuche die Vorgänge, die ich auf dem Wege von dem Gegenstande zu meinem Sinnesorgane finde. Ich kann Bewegungsvorgänge in einem elastischen Mittel finden, die ihrer Wesenheit nach nicht das geringste mit den ursprünglichen Wahrnehmungen gemein haben. Das gleiche Resultat erhalte ich, wenn ich die weitere Vermittelung vom Sinnesorgane zum Gehirn untersuche. Auf jedem dieser Gebiete mache ich neue Wahrnehmungen; aber was als bindendes Mittel sich durch alle diese räumlich und zeitlich auseinanderliegenden Wahrnehmungen hindurchwebt, das ist das Denken. Die den Schall vermittelnden Schwingungen der Luft sind mir gerade so als Wahrnehmungen gegeben wie der Schall selbst. Nur das Denken gliedert alle diese Wahrnehmungen aneinander und zeigt sie in ihren gegenseitigen Beziehungen. Wir können nicht davon sprechen, daß es außer dem unmittelbar Wahrgenommenen noch anderes gibt, als dasjenige, was durch die ideellen (durch das Denken aufzudeckenden) Zusammenhänge der Wahrnehmungen erkannt wird. Die über das bloß Wahrgenommene hinausgehende Beziehung der Wahrnehmungsobjekte zum Wahrnehmungssubjekte ist also eine bloß ideelle, das heißt nur durch Begriffe ausdrückbare. Nur in dem Falle, wenn ich wahrnehmen könnte, wie das Wahrnehmungsobjekt das Wahrnehmungssubjekt affiziert, oder umgekehrt, wenn ich den Aufbau des Wahrnehmungsgebildes durch das Subjekt beobachten könnte, wäre es möglich, so zu sprechen, wie es die moderne Physiologie und der auf sie gebaute kritische Idealismus tun. Diese Ansicht verwechselt einen ideellen Bezug (des Objekts auf das Subjekt) mit einem Prozeß, von dem nur gesprochen werden könnte, wenn er wahrzunehmen wäre. Der Satz «Keine Farbe ohne farbenempfindendes Auge» kann daher nicht die Bedeutung haben, daß das Auge die Farbe hervorbringt, sondern nur die, daß ein durch das Denken erkennbarer ideeller Zusammenhang besteht zwischen der Wahrnehmung Farbe und der Wahrnehmung Auge. Die empirische Wissenschaft wird festzustellen haben, wie sich die Eigenschaften des Auges und die der Farben zueinander verhalten; durch welche Einrichtungen das Sehorgan die Wahrnehmung der Farben vermittelt usw. Ich kann verfolgen, wie eine Wahrnehmung auf die andere folgt, wie sie räumlich mit andern in Beziehung steht; und dies dann in einen begrifflichen Ausdruck bringen; aber ich kann nicht wahrnehmen, wie eine Wahrnehmung aus dem Unwahrnehmbaren hervorgeht. Alle Bemühungen, zwischen den Wahrnehmungen andere alsGedankenbezüge zu suchen, müssen notwendig scheitern.
[ 29 ] Let us assume that a certain perception, for example the color red, arises in my consciousness. Upon further examination, this perception proves to be connected to other perceptions, for example a certain shape, as well as certain sensations of temperature and touch. I refer to this connection as an object of the sensory world. I can now ask myself: what else, besides what has been mentioned, is found in that section of space in which the above perceptions appear to me? I will find mechanical, chemical, and other processes within that part of space. Now I proceed further and examine the processes I encounter on the path from the object to my sensory organs. I may find processes of motion in an elastic medium that, in their very nature, have not the slightest thing in common with the original perceptions. I arrive at the same result when I examine the further mediation from the sensory organs to the brain. In each of these areas I make new perceptions; but what weaves itself as a binding medium through all these spatially and temporally separated perceptions is thought. The vibrations of the air that convey sound are given to me as perceptions just as much as the sound itself. Only thought links all these perceptions together and reveals them in their mutual relationships. We cannot speak of there being anything other than what is immediately perceived, apart from that which is recognized through the ideal (to be uncovered by thought) connections of perceptions. The relationship of the objects of perception to the subject of perception, which goes beyond what is merely perceived, is thus a purely ideal one, that is, one expressible only through concepts. Only if I could perceive how the object of perception affects the subject of perception, or conversely, if I could observe the construction of the perceptual image by the subject, would it be possible to speak as modern physiology and the critical idealism built upon it do. This view confuses an ideal relationship (of the object to the subject) with a process of which one could speak only if it were perceptible. The statement “No color without a color-perceiving eye” cannot therefore mean that the eye produces color, but only that there is an ideal connection, recognizable through thought, between the perception of color and the perception of the eye. Empirical science will have to determine how the properties of the eye and those of colors relate to one another; through which mechanisms the organ of sight mediates the perception of colors, etc. I can observe how one perception follows another, how it relates spatially to others; and then express this in conceptual terms; but I cannot perceive how a perception arises from the imperceptible. All efforts to seek connections between perceptions other than conceptual ones are bound to fail.
[ 30 ] Was ist also die Wahrnehmung? Diese Frage ist, im allgemeinen gestellt, absurd. Die Wahrnehmung tritt immer als eine ganz bestimmte, als konkreter Inhalt auf. Dieser Inhalt ist unmittelbar gegeben, und erschöpft sich in dem Gegebenen. Man kann in bezug auf dieses Gegebene nur fragen, was es außerhalb der Wahrnehmung, das ist: für das Denken ist. Die Frage nach dem «Was» einer Wahrnehmung kann also nur auf die begriffliche Intuition gehen, die ihr entspricht. Unter diesem Gesichtspunkte kann die Frage nach der Subjektivität der Wahrnehmung im Sinne des kritischen Idealismus gar nicht aufgeworfen werden. Als subjektiv darf nur bezeichnet werden, was als zum Subjekte gehörig wahrgenommen wird. Das Band zu bilden zwischen Subjektivem und Objektivem kommt keinem im naiven Sinn realen Prozeß, das heißt einem wahrnehmbaren Geschehen zu, sondern allein dem Denken. Es ist also für uns objektiv, was sich für die Wahrnehmung als außerhalb des Wahrnehmungssubjektes gelegen darstellt. Mein Wahrnehmungssubjekt bleibt für michwahrnehmbar,wenn der Tisch, der soeben vor mir steht, aus dem Kreise meiner Beobachtung verschwunden sein wird. Die Beobachtung des Tisches hat eine, ebenfalls bleibende, Veränderung in mir hervorgerufen. Ich behalte die Fähigkeit zurück, ein Bild des Tisches später wieder zu erzeugen. Diese Fähigkeit der Hervorbringung eines Bildes bleibt mit mir verbunden. Die Psychologie bezeichnet dieses Bild als Erinnerungsvorstellung. Es ist aber dasjenige, was allein mit Recht Vorstellung des Tisches genannt werden kann. Es entspricht dies nämlich der wahrnehmbaren Veränderung meines eigenen Zustandes durch die Anwesenheit des Tisches in meinem Gesichtsfelde. Und zwar bedeutet sie nicht die Veränderung irgendeines hinter dem Wahrnehmungssubjekte stehenden «Ich an sich», sondern die Veränderung des wahrnehmbaren Subjektes selbst. Die Vorstellung ist also eine subjektive Wahrnehmung im Gegensatz zur objektiven Wahrnehmung bei Anwesenheit des Gegenstandes im Wahrnehmungshorizonte. Das Zusammenwerfen jener subjektiven mit dieser objektiven Wahrnehmung führt zu dem Mißverständnisse des Idealismus: die Welt ist meine Vorstellung.
[ 30 ] So what is perception? When asked in general terms, this question is absurd. Perception always appears as a very specific, concrete content. This content is immediately given and is exhausted in what is given. With regard to this given, one can only ask what it is outside of perception, that is, for thought. The question of the “what” of a perception can therefore only refer to the conceptual intuition that corresponds to it. From this perspective, the question of the subjectivity of perception in the sense of critical idealism cannot be raised at all. Only that which is perceived as belonging to the subject may be designated as subjective. The task of establishing the link between the subjective and the objective does not fall to any process that is real in the naive sense—that is, to a perceptible event—but solely to thought. What appears to perception as situated outside the perceiving subject is therefore objective for us. My perceiving subject remains perceptible to me even when the table that is currently standing before me has disappeared from the circle of my observation. The observation of the table has brought about a change in me that is likewise lasting. I retain the ability to reproduce an image of the table later on. This ability to produce an image remains connected to me. Psychology refers to this image as a “mental image.” However, it is the only thing that can rightly be called the mental image of the table. For this corresponds to the perceptible change in my own state brought about by the presence of the table in my field of vision. And indeed, it does not signify a change in some “I in itself” standing behind the perceiving subject, but rather a change in the perceivable subject itself. The mental image is thus a subjective perception, in contrast to the objective perception in the presence of the object within the horizon of perception. The conflation of that subjective perception with this objective perception leads to the misunderstanding of idealism: the world is my mental image.
[ 31 ] Es wird sich nun zunächst darum handeln, den Begriff der Vorstellung näher zu bestimmen. Was wir bisher über sie vorgebracht haben, ist nicht der Begriff derselben, sondern weist nur den Weg, wo sie im Wahrnehmungsfelde zu finden ist. Der genaue Begriff der Vorstellung wird es uns dann auch möglich machen, einen befriedigenden Aufschluß über das Verhältnis von Vorstellung und Gegenstand zu gewinnen. Dies wird uns dann auch über die Grenze führen, wo das Verhältnis zwischen menschlichem Subjekt und der Welt angehörigem Objekt von dem rein begrifflichen Felde des Erkennens hinabgeführt wird in das konkrete individuelle Leben. Wissen wir erst, was wir von der Welt zu halten haben, dann wird es ein leichtes sein, auch uns danach einzurichten. Wir können erst mit voller Kraft tätig sein, wenn wir das der Welt angehörige Objekt kennen, dem wir unsere Tätigkeit widmen.
[ 31 ] Our first task will now be to define the concept of mental image more precisely. What we have said about it so far is not the concept itself, but merely points the way to where it can be found in the field of perception. The precise concept of mental image will then also enable us to gain satisfactory insight into the relationship between mental image and object. This will then also lead us beyond the boundary where the relationship between the human subject and the object belonging to the world is brought down from the purely conceptual field of cognition into concrete individual life. Once we know what to make of the world, it will be easy to adapt ourselves accordingly. We can only act with full force once we know the object belonging to the world to which we dedicate our activity.
Zusatz zur Neuausgabe (1918)
Addendum to the New Edition (1918)
[ 32 ] Die Anschauung, die hier gekennzeichnet ist, kann als eine solche angesehen werden, zu welcher der Mensch wie naturgemäß zunächst getrieben wird, wenn er beginnt, über sein Verhältnis zur Welt nachzudenken. Er sieht sich da in eine Gedankengestaltung verstrickt, die sich ihm auflöst, indem er sie bildet. Diese Gedankengestaltung ist eine solche, mit deren bloßer theoretischer Widerlegung nicht alles für sie Notwendige getan ist. Man muß sie durchleben, um aus der Einsicht in die Verirrung, in die sie führt, den Ausweg zu finden. Sie muß in einer Auseinandersetzung über das Verhältnis des Menschen zur Welt erscheinen nicht darum, weil man andere widerlegen will, von denen man glaubt, daß sie über dieses Verhältnis eine unrichtige Ansicht haben, sondern weil man kennen muß, in welche Verwirrung sich jedes erste Nachdenken über ein solches Verhältnis bringen kann. Man muß die Einsicht gewinnen, wie man sich selbst in bezug auf dieses erste Nachdenken widerlegt. Von einem solchen Gesichts punkte aus sind die obigen Ausführungen gemeint.
[ 32 ] The view described here can be regarded as one to which human beings are naturally drawn at first when they begin to reflect on their relationship to the world. He finds himself entangled in a conceptual construct that dissolves as he forms it. This conceptual construct is one for which a mere theoretical refutation does not suffice. One must live through it in order to find a way out from the insight into the error to which it leads. It must appear in a discussion of the relationship of man to the world—not because one wishes to refute others whom one believes to hold an incorrect view of this relationship, but because one must know into what confusion any initial reflection on such a relationship can lead. One must gain the insight into how one refutes oneself with regard to this initial reflection. The above remarks are intended from such a perspective.
[ 33 ] Wer sich eine Anschauung über das Verhältnis des Menschen zur Welt erarbeiten will, wird sich bewußt, daß er mindestens einen Teil dieses Verhältnisses dadurch herstellt, daß er sich über die Weltdinge und Weltvorgänge Vorstellungen macht. Dadurch wird sein Blick von dem, was draußen in der Welt ist, abgezogen und auf seine Innenwelt, auf sein Vorstellungsleben gelenkt. Er beginnt sich zu sagen: ich kann zu keinem Ding und zu keinem Vorgang eine Beziehung haben, wenn nicht in mir eine Vorstellung auftritt. Von dem Bemerken dieses Tatbestandes ist dann nur ein Schritt zu der Meinung: ich erlebe aber doch nur meine Vorstellungen; von einer Welt draußen weiß ich nur, insofern sie Vorstellung in mir ist. Mit dieser Meinung ist der naive Wirklichkeitsstandpunkt verlassen, den der Mensch vor allem Nachsinnen über sein Verhältnis zur Welt einnimmt. Von diesem Standpunkt aus glaubt er, er habe es mit den wirklichen Dingen zu tun. Von diesem Standpunkt drängt die Selbstbesinnung ab. Sie läßt den Menschen gar nicht hinblicken auf eine Wirklichkeit, wie sie das naive Bewußtsein vor sich zu haben meint. Sie läßt ihn bloß auf seine Vorstellungen blicken; diese schieben sich ein zwischen die eigene Wesenheit und eine etwa wirkliche Welt, wie sie der naive Standpunkt glaubt behaupten zu dürfen. Der Mensch kann nicht mehr durch die eingeschobene Vorstellungswelt auf eine solche Wirklichkeit schauen. Er muß annehmen: er sei blind für diese Wirklichkeit. So entsteht der Gedanke von einem für die Erkenntnis unerreichbaren «Ding an sich». — Solange man bei der Betrachtung des Verhältnisses stehenbleibt, in das der Mensch durch sein Vorstellungsleben mit der Welt zu treten scheint, wird man dieser Gedankengestaltung nicht entgehen können. Auf dem naiven Wirklichkeitsstandpunkt kann man nicht bleiben, wenn man sich dem Drang nach Erkenntnis nicht künstlich verschließen will. Daß dieser Drang nach Erkenntnis des Verhältnisses von Mensch und Welt vorhanden ist, zeigt, daß dieser naive Standpunkt verlassen werden muß. Gäbe der naive Standpunkt etwas, was man als Wahrheit anerkennen kann, so könnte man diesen Drang nicht empfinden. — Aber man kommt nun nicht zu etwas anderem, das man als Wahrheit ansehen könnte, wenn man bloß den naiven Standpunkt verläßt, aber — ohne es zu bemerken — die Gedankenart beibehält, die er aufnötigt. Man verfällt in einen solchen Fehler, wenn man sich sagt: ich erlebe nur meine Vorstellungen, und während ich glaube, ich habe es mit Wirklichkeiten zu tun, sind mir nur meine Vorstellungen von Wirklichkeiten bewußt; ich muß deshalb annehmen, daß außerhalb des Umkreises meines Bewußtseins erst wahre Wirklichkeiten, «Dinge an sich» liegen, von denen ich unmittelbar gar nichts weiß, die irgendwie an mich herankommen und mich so beeinflussen, daß in mir meine Vorstellungswelt auflebt. Wer so denkt, der setzt in Gedanken zu der ihm vorliegenden Welt nur eine andere hinzu; aber er müßte bezüglich dieser Welt eigentlich mit seiner Gedankenarbeit wieder von vorne beginnen. Denn das unbekannte «Ding an sich» wird dabei gar nicht anders gedacht in seinem Verhältnisse zur Eigenwesenheit des Menschen als das bekannte des naiven Wirklichkeitsstandpunktes. — Man entgeht der Verwirrung, in die man durch die kritische Besonnenheit in bezug auf diesen Standpunkt gerät, nur, wenn man bemerkt, daß es innerhalb dessen, was man innen in sich und außen in der Welt wahrnehmend erleben kann, etwas gibt, das dem Verhängnis gar nicht verfallen kann, daß sich zwischen Vorgang und betrachtenden Menschen die Vorstellung einschiebt. Und dieses ist das Denken. Dem Denken gegenüber kann der Mensch auf dem naiven Wirklichkeitsstandpunkt verbleiben. Tut er es nicht, so geschieht das nur deshalb, weil er bemerkt hat, daß er für anderes diesen Standpunkt verlassen muß, aber nicht gewahr wird, daß die so gewonnene Einsicht nicht anwendbar auf das Denken ist. Wird er dies gewahr, dann eröffnet er sich den Zugang zu der anderen Einsicht, daß im Denken und durch das Denken dasjenige erkannt werden muß, wofür sich der Mensch blind zu machen scheint, indem er zwischen der Welt und sich das Vorstellungsleben einschieben muß. — Von durch den Verfasser dieses Buches sehr geschätzter Seite ist diesem der Vorwurf gemacht worden, daß er mit seiner Ausführung über das Denken bei einem naiven Realismus des Denkens stehenbleibe, wie ein solcher vorliege, wenn man die wirkliche Welt und die vorgestellte Welt für eines hält. Doch der Verfasser dieser Ausführungen glaubt eben in ihnen erwiesen zu haben, daß die Geltung dieses «naiven Realismus» für das Denken sich aus einer unbefangenen Beobachtung desselben notwendig ergibt; und daß der für anderes nicht geltende naive Realismus durch die Erkenntnis der wahren Wesenheit des Denkens überwunden wird.
[ 33 ] Anyone who wishes to form a view of the relationship between human beings and the world will realize that they establish at least part of this relationship by forming mental images of the things and events of the world. In doing so, their gaze is drawn away from what exists outside in the world and directed toward their inner world, toward their life of mental images. They begin to tell themselves: I cannot have a relationship with any thing or any event unless a mental image arises within me. From recognizing this fact, it is then only a short step to the conclusion: but I experience only my mental images; I know of a world outside only insofar as it is a mental image within me. With this view, the naive standpoint of reality—which man adopts before any reflection on his relationship to the world—is abandoned. From this standpoint, he believes he is dealing with real things. Self-reflection drives him away from this standpoint. It does not allow humans to look at a reality as naive consciousness believes it has before it. It allows them to look only at their own mental images; these interpose themselves between one’s own being and a supposedly real world, as the naive standpoint believes it may claim. Humans can no longer look through the interposed world of mental images toward such a reality. They must assume: they are blind to this reality. Thus arises the idea of a “thing-in-itself” that is unattainable to knowledge. — As long as one remains at the stage of observing the relationship into which human beings seem to enter with the world through their life of imagination, one will not be able to escape this conceptual framework. One cannot remain at the naive standpoint of reality if one does not wish to artificially shut oneself off from the urge for knowledge. The fact that this urge to understand the relationship between human beings and the world exists shows that this naive standpoint must be abandoned. If the naive standpoint offered something that could be recognized as truth, one would not feel this urge. — But one does not arrive at anything else that could be regarded as truth merely by abandoning the naive standpoint while—without realizing it—retaining the mode of thought that it imposes. One falls into such an error when one says to oneself: I experience only my mental images, and while I believe I am dealing with realities, I am conscious only of my mental images of realities; I must therefore assume that outside the sphere of my consciousness lie true realities, “things-in-themselves,” of which I know nothing directly, which somehow approach me and influence me in such a way that my world of ideas comes to life within me. Whoever thinks this way merely adds another world to the one before him in thought; but he would actually have to start all over again with his mental work regarding this world. For the unknown “thing-in-itself” is thereby conceived in no other way in its relation to the human self than the known “thing-in-itself” of the naive view of reality. — One escapes the confusion into which one falls through critical reflection regarding this standpoint only when one notices that there is within what one can experience perceptually within oneself and in the world, something that cannot fall prey to the fate of the mental image interposing itself between the event and the observing human being. And this is thinking. In the face of thinking, a person can remain at the naive standpoint of reality. If they do not, it is only because they have realized that they must abandon this standpoint for other matters, but fail to perceive that the insight thus gained is not applicable to thinking. If they do become aware of this, they open themselves up to the other insight: that in thought and through thought, one must recognize that to which human beings seem to blind themselves by interposing the life of the imagination between the world and themselves. — From a source highly esteemed by the author of this book, the author has been reproached for the fact that, in his exposition on thought, he remains at the level of a naive realism of thought, such as exists when one regards the real world and the imagined world as one and the same. Yet the author of these remarks believes he has demonstrated in them that the validity of this “naive realism” for thought necessarily follows from an unbiased observation of thought itself; and that this naive realism, which does not apply to other things, is overcome by the recognition of the true nature of thought.
