How to Gain Knowledge of the Higher Worlds
GA 10
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How to Gain Knowledge of the Higher Worlds, tr. SOL
Über einige Wirkungen der Einweihung
Some of the Effects of Initiation
[ 1 ] Es gehört zu den Grundsätzen wahrer Geheimwissenschaft, daß derjenige, welcher sich ihr widmet, dies mit vollem Bewußtsein tue. Er soll nichts vornehmen, nicht üben, wovon er nicht weiß, was es für eine Wirkung hat. Ein Geheimlehrer, der jemand einen Rat oder eine Anweisung gibt, wird immer zugleich sagen, was durch die Befolgung in Leib, Seele oder Geist desjenigen eintritt, der nach höherer Erkenntnis strebt.
[ 1 ] One of the fundamental principles of true esoteric science is that those who devote themselves to it must do so with full awareness. They should not undertake or practice anything unless they know what effect it will have. An esoteric teacher who gives someone advice or instructions will always explain what will happen in the body, soul, or spirit of the person striving for higher knowledge as a result of following those instructions.
[ 2 ] Hier sollen nun einige Wirkungen auf die Seele des Geheimschülers angegeben werden. Erst wer solche Dinge kennt, wie sie hier mitgeteilt werden, kann in vollem Bewußtsein die Übungen vornehmen, welche zur Erkenntnis übersinnlicher Welten führen. Und nur ein solcher ist ein echter Geheimschüler. Alles Tappen im dunkeln ist bei wirklicher Geheimschulung streng verpönt. Wer nicht mit offenen Augen seine Schulung vollziehen will, mag Medium werden; zum Hellseher im Sinne der Geheimwissenschaft kann er es nicht bringen.
[ 2 ] Here we shall now describe some of the effects on the soul of the initiate. Only those who are familiar with the things described here can perform the exercises that lead to the knowledge of supersensory worlds with full awareness. And only such a person is a true initiate. Groping in the dark is strictly frowned upon in true esoteric training. Those who do not wish to undergo their training with open eyes may become mediums; they cannot become clairvoyants in the sense of esoteric science.
[ 3 ] Bei dem, welcher in diesem Sinne die in den vorhergehenden Abschnitten (über Erwerbung übersinnlicher Erkenntnisse) beschriebenen Übungen macht, gehen zunächst gewisse Veränderungen im sogenannten Seelenorganismus vor sich. Dieser ist nur für den Hellseher wahrnehmbar. Man kann ihn mit einer mehr oder weniger geistig-seelisch leuchtenden Wolke vergleichen, in deren Mitte der physische Körper des Menschen sich befindet.1Eine Beschreibung findet man in des Verfassers «Theosophie» diesem Organismus werden die Triebe, Begierden, Leidenschaften, Vorstellungen und so weiter geistig sichtbar. Sinnliche Begierde zum Beispiel empfindet man darinnen wie dunkelrötliche Ausstrahlungen von bestimmter Form. Ein reiner, edler Gedanke findet seinen Ausdruck wie in einer rötlichvioletten Ausstrahlung. Der scharfe Begriff, den der logische Denker faßt, fühlt sich wie eine gelbliche Figur mit ganz bestimmten Umrissen. Der verworrene Gedanke des unklaren Kopfes tritt als Figur mit unbestimmten Umrissen auf. Die Gedanken der Menschen mit einseitigen, verbohrten Ansichten erscheinen in ihren Umrissen scharf, unbeweglich, diejenigen solcher Persönlichkeiten, welche zugänglich für die Ansichten anderer sind, sieht man in beweglichen, sich wandelnden Umrissen und so weiter, und so weiter.2Man muß bei allen folgenden Schilderungen darauf achten, daß zum Beispiel beim «Sehen» einer Farbe geistiges Sehen (Schauen) gemeint ist. Wenn die hellsichtige Erkenntnis davon spricht: «ich sehe rot» , so bedeutet dies: «ich habe im Seelisch-Geistigen ein Erlebnis, welches gleichkommt dem physischen Erlebnis beim Eindruck der roten Farbe.» Nur weil es der hellsichtigen Erkenntnis in einem solchen Falle ganz naturgemäß ist, zu sagen: «ich sehe rot», wird dieser Ausdruck angewandt. Wer dies nicht bedenkt, kann leicht eine Farbenvision mit einem wahrhaft hellsichtigen Erlebnis verwechseln.
[ 3 ] In those who, in this sense, perform the exercises described in the preceding sections (on the acquisition of supersensory knowledge), certain changes initially take place in what is known as the soul organism. This is perceptible only to the clairvoyant. It can be compared to a cloud that shines with a more or less spiritual and soulful radiance, at the center of which the human physical body is located.1A description can be found in the author’s *Theosophy* Within this organism, the instincts, desires, passions, ideas, and so on become spiritually visible. Sensual desire, for example, is perceived within it as dark reddish radiations of a specific form. A pure, noble thought finds its expression in a reddish-violet radiation. The sharp concept grasped by the logical thinker feels like a yellowish figure with very definite outlines. The confused thought of a muddled mind appears as a figure with indefinite outlines. The thoughts of people with one-sided, stubborn views appear with sharp, immovable outlines, while those of personalities who are open to the views of others are seen with fluid, changing outlines, and so on, and so on. 2In all the following descriptions, one must bear in mind that, for example, when “seeing” a color, what is meant is spiritual seeing (contemplation). When clairvoyant perception states, “I see red,” this means: “I have a spiritual-soul experience that corresponds to the physical experience of perceiving the color red.” This expression is used simply because it is entirely natural for clairvoyant perception to say, “I see red,” in such a case. Anyone who fails to consider this can easily confuse a color vision with a truly clairvoyant experience.
[ 4 ] Je weiter nun der Mensch in seiner Seelenentwickelung fortschreitet, desto regelmäßiger gegliedert wird sein Seelenorganismus. Beim Menschen mit einem unentwickelten Seelenleben ist er verworren, ungegliedert. Aber auch in einem solchen ungegliederten Seelenorganismus kann der Hellseher ein Gebilde wahrnehmen, das sich deutlich von der Umgebung abhebt. Es verläuft vom Innern des Kopfes bis zur Mitte des physischen Körpers. Es nimmt sich aus wie eine Art selbständiger Leib, welcher gewisse Organe hat. Diejenigen Organe, die hier zunächst besprochen werden sollen, werden in der Nähe folgender physischer Körperteile geistig wahrgenommen: das erste zwischen den Augen, das zweite in der Nähe des Kehlkopfes, das dritte in der Gegend des Herzens, das vierte liegt in der Nachbarschaft der sogenannten Magengrube, das fünfte und sechste haben ihren Sitz im Unterleibe. Diese Gebilde werden von den Geheimkundigen «Räder» (Chakrams) oder auch «Lotusblumen» genannt. Sie heißen so wegen der Ähnlichkeit mit Rädern oder Blumen; doch muß man sich natürlich klar darüber sein, daß ein solcher Ausdruck nicht viel zutreffender ist, als wenn man die beiden Lungenteile «Lungenflügel» nennt. Wie man sich hier klar ist, daß man es nicht mit «Flügeln» zu tun hat, so muß man auch dort nur an eine vergleichsweise Bezeichnung denken. Diese «Lotusblumen» sind nun beim unentwickelten Menschen von dunklen Farben und ruhig, unbewegt. Beim Hellseher aber sind sie in Bewegung und von leuchtenden Farbenschattierungen. Auch beim Medium ist etwas Ähnliches der Fall, doch in anderer Art. Darauf soll hier nicht näher eingegangen werden. – Wenn nun ein Geheimschüler mit seinen Übungen beginnt, so ist das erste, daß sich die Lotusblumen aufhellen; später beginnen sie sich zu drehen. Wenn dies letztere eintritt, so beginnt die Fähigkeit des Hellsehens. Denn diese «Blumen» sind die Sinnesorgane der Seele.3Auch in bezug auf diese Wahrnehmungen des «Drehens», ja der «Lotusblumen» selbst, gilt, was in der vorigen Anmerkung über das «Sehen der Farben» gesagt worden ist. Und ihre Drehung ist der Ausdruck dafür, daß im Übersinnlichen wahrgenommen wird. Niemand kann etwas Übersinnliches schauen, bevor sich seine astralen Sinne in dieser Art ausgebildet haben.
[ 4 ] The further a person progresses in the development of their soul, the more regularly structured their soul organism becomes. In a person with an undeveloped soul life, it is chaotic and unstructured. But even within such an unstructured soul organism, the clairvoyant can perceive a formation that stands out clearly from its surroundings. It extends from the interior of the head to the center of the physical body. It appears to be a kind of independent body that possesses certain organs. The organs to be discussed here first are spiritually perceived in the vicinity of the following parts of the physical body: the first between the eyes, the second near the larynx, the third in the region of the heart, the fourth in the vicinity of the so-called pit of the stomach, and the fifth and sixth are located in the lower abdomen. These structures are called “wheels” (chakras) or “lotus flowers” by those versed in esoteric knowledge. They are so named because of their resemblance to wheels or flowers; however, one must of course be aware that such a term is no more accurate than calling the two parts of the lungs “lung wings.” Just as it is clear here that we are not dealing with “wings,” so too must one regard the term there merely as a comparative description. In the undeveloped human being, these “lotus flowers” are dark in color and still, motionless. In the clairvoyant, however, they are in motion and display luminous shades of color. Something similar is also the case with the medium, though in a different way. This will not be discussed in detail here. — When a student of the secret teachings begins his exercises, the first thing that happens is that the lotus flowers lighten in color; later, they begin to rotate. When this latter occurs, the ability to see clearly begins. For these “flowers” are the sensory organs of the soul. 3What was said in the previous note regarding “seeing colors” also applies to these perceptions of “rotation,” and indeed to the “lotus flowers” themselves. And their rotation is an indication that perceptions are occurring in the supersensible realm. No one can perceive anything supersensory until their astral senses have developed in this way.
[ 5 ] Das geistige Sinnesorgan, welches sich in der Nähe des Kehlkopfes befindet, macht es möglich, hellseherisch die Gedankenart eines anderen Seelenwesens zu durchschauen, es gestattet auch einen tieferen Einblick in die wahren Gesetze der Naturerscheinungen. – Das Organ in der Nachbarschaft des Herzens eröffnet eine hellseherische Erkenntnis der Gesinnungsart anderer Seelen. Wer es ausgebildet hat, kann auch bestimmte tiefere Kräfte bei Tieren und Pflanzen erkennen. Durch den Sinn in der Nähe der sogenannten Magengrube erlangt man Kenntnis von den Fähigkeiten und Talenten der Seelen; man kann durchschauen, welche Rolle Tiere, Pflanzen, Steine, Metalle, atmosphärische Erscheinungen und so weiter im Haushalte der Natur spielen.
[ 5 ] The spiritual sense organ, located near the larynx, makes it possible to clairvoyantly perceive the mindset of another soul being; it also allows for a deeper insight into the true laws governing natural phenomena. – The organ near the heart opens the way to clairvoyant insight into the disposition of other souls. Those who have developed it can also perceive certain deeper forces in animals and plants. Through the sense near the so-called pit of the stomach, one gains knowledge of the abilities and talents of souls; one can discern the role that animals, plants, stones, metals, atmospheric phenomena, and so on play in the economy of nature.
[ 6 ] Das Organ in der Nähe des Kehlkopfes hat sechzehn «Blumenblätter» oder «Radspeichen», das in der Nähe des Herzens deren zwölf, das in der Nachbarschaft der Magengrube liegende deren zehn.
[ 6 ] The organ near the larynx has sixteen “petals” or “spokes”; the one near the heart has twelve; and the one located near the pit of the stomach has ten.
[ 7 ] Nun hängen gewisse seelische Verrichtungen mit der Ausbildung dieser Sinnesorgane zusammen. Und wer diese Verrichtungen in einer ganz bestimmten Weise ausübt, der trägt etwas bei zur Ausbildung der betreffenden geistigen Sinnesorgane. Von der «sechzehnblätterigen Lotusblume» sind acht Blätter auf einer früheren Entwickelungsstufe des Menschen in urferner Vergangenheit bereits ausgebildet gewesen. Zu dieser Ausbildung hat der Mensch selbst nichts beigetragen. Er hat sie als eine Naturgabe erhalten, als er noch in einem Zustande traumhaften, dumpfen Bewußtseins war. Auf der damaligen Stufe der Menschheitsentwickelung waren sie auch in Tätigkeit. Jedoch vertrug sich diese Art von Tätigkeit eben nur mit jenem dumpfen Bewußtseinszustande. Als dann das Bewußtsein sich aufhellte, verfinsterten sich die Blätter und stellten ihre Tätigkeit ein. Die anderen acht kann der Mensch selbst durch bewußte Übungen ausbilden. Dadurch wird die ganze Lotusblume leuchtend und beweglich. Von der Entwickelung eines jeden der sechzehn Blätter hängt die Erwerbung gewisser Fähigkeiten ab. Doch, wie bereits angedeutet, kann der Mensch nur acht davon bewußt entwickeln; die anderen acht erscheinen dann von selbst.
[ 7 ] Certain mental activities are connected with the development of these sensory organs. And whoever performs these activities in a very specific way contributes to the development of the corresponding spiritual sensory organs. Of the “sixteen-petaled lotus flower,” eight petals had already been formed at an earlier stage of human development in the distant past. To this development, human beings themselves contributed nothing. They received it as a gift of nature while they were still in a state of dreamlike, dull consciousness. At that stage of human development, they were also active. However, this kind of activity was compatible only with that dull state of consciousness. When consciousness then became clearer, the petals darkened and ceased their activity. Human beings can develop the other eight themselves through conscious exercises. As a result, the entire lotus flower becomes luminous and agile. The acquisition of certain abilities depends on the development of each of the sixteen petals. However, as already indicated, human beings can consciously develop only eight of them; the other eight then appear of their own accord.
[ 8 ] Die Entwickelung geht in folgender Art vor sich. Der Mensch muß auf gewisse Seelenvorgänge Aufmerksamkeit und Sorgfalt verwenden, die er gewöhnlich sorglos und unaufmerksam ausführt. Es gibt acht solche Vorgänge. Der erste ist die Art und Weise, wie man sich Vorstellungen aneignet. Gewöhnlich überläßt sich in dieser Beziehung der Mensch ganz dem Zufall. Er hört dies und das, sieht das eine und das andere und bildet sich danach seine Begriffe. Solange er so verfährt, bleibt seine sechzehnblätterige Lotusblume ganz unwirksam. Erst wenn er seine Selbsterziehung nach dieser Richtung in die Hand nimmt, beginnt sie wirksam zu werden. Er muß zu diesem Zwecke auf seine Vorstellungen achten. Eine jede Vorstellung soll für ihn Bedeutung gewinnen. Er soll in ihr eine bestimmte Botschaft, eine Kunde über Dinge der Außenwelt sehen. Und er soll nicht befriedigt sein von Vorstellungen, die nicht eine solche Bedeutung haben. Er soll sein ganzes Begriffsleben so lenken, daß es ein treuer Spiegel der Außenwelt wird. Sein Streben soll dahin gehen, unrichtige Vorstellungen aus seiner Seele zu entfernen. – Der zweite Seelenvorgang betrifft in einer ähnlichen Richtung die Entschlüsse des Menschen. Er soll nur aus gegründeter, voller Überlegung selbst zu dem Unbedeutendsten sich entschließen. Alles gedankenlose Handeln, alles bedeutungslose Tun soll er von seiner Seele fernhalten. Zu allem soll er wohlerwogene Gründe haben. Und er soll unterlassen, wozu kein bedeutsamer Grund drängt. – Der dritte Vorgang bezieht sich auf das Reden. Nur was Sinn und Bedeutung hat, soll von den Lippen des Geheimschülers kommen. Alles Reden um des Redens willen bringt ihn von seinem Wege ab. Die gewöhnliche Art der Unterhaltung, wo wahllos und bunt alles durcheinander geredet wird, soll der Geheimschüler meiden. Dabei aber soll er sich nicht etwa ausschließen von dem Verkehr mit seinen Mitmenschen. Gerade im Verkehr soll sein Reden sich zur Bedeutsamkeit entwickeln. Er steht jedem Rede und Antwort, aber er tut es gedankenvoll, nach jeder Richtung überlegt. Niemals redet er unbegründet. Er versucht nicht zuviel und nicht zuwenig Worte zu machen. – Der vierte Seelenvorgang ist die Regelung des äußeren Handelns. Der Geheimschüler versucht sein Handeln so einzurichten, daß es zu den Handlungen seiner Mitmenschen und zu den Vorgängen seiner Umgebung stimmt. Er unterläßt Handlungen, welche für andere störend sind oder die im Widerspruche stehen mit dem, was um ihn herum vorgeht. Er sucht sein Tun so einzurichten, daß es sich harmonisch eingliedert in seine Umgebung; in seine Lebenslage und so weiter. Wo er durch etwas anderes veranlaßt wird zu handeln, da beobachtet er sorgfältig, wie er der Veranlassung am besten entsprechen könne. Wo er aus sich heraus handelt, da erwägt er die Wirkungen seiner Handlungsweise auf das deutlichste. – Das fünfte, was hier in Betracht kommt, liegt in der Einrichtung des ganzen Lebens. Der Geheimschüler versucht natur- und geistgemäß zu leben. Er überhastet nichts und ist nicht träge. Übergeschäftigkeit und Lässigkeit liegen ihm gleich ferne. Er sieht das Leben als ein Mittel der Arbeit an und richtet sich dementsprechend ein. Gesundheitspflege, Gewohnheiten und so weiter richtet er für sich so ein, daß ein harmonisches Leben die Folge ist. – Das sechste betrifft das menschliche Streben. Der Geheimschüler prüft seine Fähigkeiten, sein Können und verhält sich im Sinne solcher Selbsterkenntnis. Er versucht nichts zu tun, was außerhalb seiner Kräfte liegt; aber auch nichts zu unterlassen, was innerhalb derselben sich befindet. Anderseits stellt er sich Ziele, die mit den Idealen, mit den großen Pflichten eines Menschen zusammenhängen. Er fügt sich nicht bloß gedankenlos als ein Rad ein in das Menschentriebwerk, sondern er sucht seine Aufgaben zu begreifen, über das Alltägliche hinauszublicken. Er strebt danach, seine Obliegenheiten immer besser und vollkommener zu machen. – Das siebente in seinem Seelenleben betrifft das Streben, möglichst viel vom Leben zu lernen. Nichts geht an dem Geheimschüler vorbei, was ihm nicht Anlaß gibt, Erfahrung zu sammeln, die ihm nützlich ist für das Leben. Hat er etwas unrichtig und unvollkommen verrichtet, so wird das ein Anlaß, ähnliches später richtig oder vollkommen zu machen. Sieht er andere handeln, so beobachtet er sie zu einem ähnlichen Ziele. Er versucht, sich einen reichen Schatz von Erfahrungen zu sammeln und ihn stets sorgfältig zu Rate zu ziehen. Und er tut nichts, ohne auf Erlebnisse zurückzublicken, die ihm eine Hilfe sein können bei seinen Entschlüssen und Verrichtungen. – Das achte endlich ist: der Geheimschüler muß von Zeit zu Zeit Blicke in sein Inneres tun; er muß sich in sich selbst versenken, sorgsam mit sich zu Rate gehen, seine Lebensgrundsätze bilden und prüfen, seine Kenntnisse in Gedanken durchlaufen, seine Pflichten erwägen, über den Inhalt und Zweck des Lebens nachdenken und so weiter. Alle diese Dinge sind ja in den vorhergehenden Abschnitten schon besprochen worden. Hier werden sie nur aufgezählt im Hin6lick auf die Entwickelung der sechzehnblätterigen Lotusblume. Durch ihre Übung wird diese immer vollkommener und vollkommener. Denn von solchen Übungen hängt die Ausbildung der Hellsehergabe ab. Je mehr zum Beispiel dasjenige, was ein Mensch denkt und redet, mit den Vorgängen in der Außenwelt zusammenstimmt, desto schneller entwickelt sich diese Gabe. Wer Unwahres denkt oder redet, tötet etwas in dem Keime der sechzehnblätterigen Lotusblume. Wahrhaftigkeit, Aufrichtigkeit, Ehrlichkeit sind in dieser Beziehung aufbauende, Lügenhaftigkeit, Falschheit, Unredlichkeit sind zerstörende Kräfte. Und der Geheimschüler muß wissen, daß es hierbei nicht allein auf die «gute Absicht», sondern auf die wirkliche Tat ankommt. Denke und sage ich etwas, was mit der Wirklichkeit nicht übereinstimmt, so zerstöre ich etwas in meinem geistigen Sinnesorgan, auch wenn ich dabei eine noch so gute Absicht zu haben glaube. Es ist wie mit dem Kinde, das sich verbrennt, wenn es ins Feuer greift, auch wenn dies aus Unwissenheit geschieht. – Die Einrichtung der besprochenen Seelenvorgänge in der charakterisierten Richtung läßt die sechzehnblätterige Lotusblume in herrlichen Farben erstrahlen und gibt ihr eine gesetzmäßige Bewegung. – Doch ist dabei zu beachten, daß die gekennzeichnete Hellsehergabe nicht früher auftreten kann, als ein bestimmter Grad von Ausbildung der Seele erlangt ist. Solange es noch Mühe macht, das Leben in dieser Richtung zu führen, so lange zeigt sich diese Gabe nicht. Solange man auf die geschilderten Vorgänge noch besonders achten muß, ist man nicht reif. Erst wenn man es so weit gebracht hat, daß man in der angegebenen Art lebt, wie es der Mensch sonst gewohnheitsmäßig tut, dann zeigen sich die ersten Spuren des Hellsehens. Die Dinge dürfen dann nicht mehr mühevoll sein, sondern müssen selbstverständliche Lebensart geworden sein. Man darf nicht nötig haben, sich fortwährend zu beobachten, sich anzutreiben, daß man so lebe. Alles muß Gewohnheit geworden sein. – Es gibt gewisse Anweisungen, welche die sechzehnblätterige Lotusblume auf andere Art zur Entfaltung bringen. Alle solchen Anweisungen verwirft die wahre Geheimwissenschaft. Denn sie führen zur Zerstörung der leiblichen Gesundheit und zum moralischen Verderben. Sie sind leichter durchzuführen als das Geschilderte. Dieses ist langwierig und mühevoll. Aber es führt zu sicherem Ziele und kann nur moralisch kräftigen.
[ 8 ] The process unfolds as follows. A person must devote attention and care to certain mental processes that they usually carry out carelessly and without attention. There are eight such processes. The first is the way in which one acquires ideas. Usually, in this regard, a person leaves things entirely to chance. He hears this and that, sees one thing and another, and forms his concepts accordingly. As long as he proceeds in this way, his sixteen-petaled lotus flower remains completely ineffective. Only when he takes his self-education in this direction into his own hands does it begin to take effect. To this end, he must pay attention to his ideas. Every concept should take on meaning for them. They should see in it a specific message, a revelation about things in the external world. And they should not be satisfied with concepts that lack such meaning. They should direct their entire conceptual life so that it becomes a faithful mirror of the external world. Their striving should be directed toward removing incorrect concepts from their soul. – The second psychological process, in a similar vein, concerns a person’s decisions. He should make decisions—even regarding the most insignificant matters—only after well-founded, thorough consideration. He should keep all thoughtless actions and all meaningless deeds out of his soul. He should have well-considered reasons for everything. And he should refrain from anything for which no significant reason compels him. – The third process relates to speech. Only what has meaning and significance should come from the lips of the inner student. All talk for the sake of talking leads him astray. The inner student should avoid the ordinary kind of conversation, where everything is discussed haphazardly and in a jumble. Yet he should not, by any means, exclude himself from interaction with his fellow human beings. It is precisely in social interaction that his speech should develop into something meaningful. He answers everyone’s questions, but he does so thoughtfully, having considered every angle. He never speaks without good reason. He strives to use neither too many nor too few words. – The fourth spiritual process is the regulation of external action. The secret student strives to organize his actions so that they harmonize with the actions of his fellow human beings and the events in his surroundings. He refrains from actions that are disruptive to others or that conflict with what is happening around him. He seeks to organize his actions so that they blend harmoniously into his surroundings—into his life circumstances and so on. When prompted to act by some external factor, he carefully observes how he might best respond to that prompt. When acting of his own accord, he considers the effects of his actions with the utmost clarity. – The fifth point to consider here concerns the organization of one’s entire life. The secret student strives to live in accordance with nature and the spirit. He neither rushes into anything nor is he sluggish. Overactivity and carelessness are equally foreign to him. He regards life as a means for work and organizes himself accordingly. He organizes his health care, habits, and so on in such a way that a harmonious life results. – The sixth point concerns human endeavor. The initiate assesses his abilities and skills and acts in accordance with this self-knowledge. He tries not to do anything that lies beyond his capabilities; nor does he refrain from anything that lies within them. On the other hand, he sets goals for himself that are connected to ideals and to the great duties of a human being. He does not merely fit himself thoughtlessly into the machinery of human society like a cog, but seeks to understand his tasks and to look beyond the everyday. He strives to fulfill his duties ever better and more perfectly. – The seventh aspect of his inner life concerns the striving to learn as much as possible from life. Nothing passes the secret student by that does not provide him with an opportunity to gain experience useful for his life. If he has done something incorrectly or imperfectly, this becomes an opportunity to do something similar correctly or perfectly later on. When he sees others acting, he observes them with a similar goal in mind. He strives to amass a rich treasure trove of experiences and to consult it carefully at all times. And he does nothing without looking back on past experiences that can assist him in his decisions and actions. – Finally, the eighth point is this: the initiate must, from time to time, look within; he must immerse himself in his inner self, consult with himself carefully, form and examine his principles of life, review his knowledge in thought, weigh his duties, reflect on the content and purpose of life, and so on. All these things have, of course, already been discussed in the preceding sections. Here they are merely listed in connection with the unfolding of the sixteen-petaled lotus flower. Through their practice, this flower becomes ever more perfect. For the development of the gift of clairvoyance depends on such exercises. The more, for example, what a person thinks and says corresponds to the events in the external world, the more rapidly this gift develops. Whoever thinks or speaks untruths kills something in the bud of the sixteen-petaled lotus flower. Truthfulness, sincerity, and honesty are constructive forces in this regard; deceitfulness, falsity, and dishonesty are destructive forces. And the initiate must know that what matters here is not merely “good intention,” but the actual deed. If I think or say something that does not correspond to reality, I destroy something in my spiritual sense organ, even if I believe I have the best of intentions. It is like a child who burns himself when he reaches into the fire, even if this happens out of ignorance. – The organization of the soul processes discussed in the manner described causes the sixteen-petaled lotus flower to shine in magnificent colors and imparts a lawful movement to it. – However, it must be noted that the described clairvoyant gift cannot manifest until a certain degree of soul development has been attained. As long as it still requires effort to lead one’s life in this direction, this gift will not manifest. As long as one must still pay special attention to the processes described, one is not yet ready. Only when one has progressed to the point of living in the manner described—as a person would otherwise do out of habit—do the first signs of clairvoyance appear. These things must then no longer be a struggle but must have become a natural way of life. One must not need to constantly monitor oneself or force oneself to live in this way. Everything must have become a habit. – There are certain instructions that cause the sixteen-petaled lotus flower to unfold in a different way. True esoteric science rejects all such instructions. For they lead to the destruction of physical health and to moral ruin. They are easier to carry out than what has been described here. This path is lengthy and arduous. But it leads to a sure goal and can only strengthen one morally.
[ 9 ] Die verzerrte Ausbildung einer Lotusblume hat nicht nur Illusionen und phantastische Vorstellungen im Fall des Auftretens einer gewissen Hellsehergabe zur Folge, sondern auch Verirrungen und Haltlosigkeit im gewöhnlichen Leben. Man kann durch eine solche Ausbildung furchtsam, neidisch, eitel, hochfahrend, eigenwillig und so weiter werden, während man vorher alle diese Eigenschaften nicht hatte. – Es ist gesagt worden, daß acht von den Blättern der sechzehnblätterigen Lotusblume bereits in urferner Vergangenheit entwickelt waren und daß diese bei der Geheimschulung von selbst wieder auftreten. Es muß nun bei der Bestrebung des Geheimschülers alle Sorgfalt auf die acht anderen Blätter verwendet werden. Bei verkehrter Schulung treten leicht die früher entwickelten allein auf und die neu zu bildenden bleiben verkümmert. Dies wird insbesondere der Fall sein, wenn bei der Schulung zu wenig auf logisches, vernünftiges Denken gesehen wird. Es ist von der allergrößten Wichtigkeit, daß der Geheimschüler ein verständiger, auf klares Denken haltender Mensch ist. Und von weiterer Wichtigkeit ist, daß er sich der größten Klarheit befleißigt im Sprechen. Menschen, die anfangen etwas vom Übersinnlichen zu ahnen, werden gern über diese Dinge gesprächig. Dadurch halten sie ihre richtige Entwickelung auf. Je weniger man über diese Dinge redet, desto besser ist es. Erst wer bis zu einem gewissen Grade der Klarheit gekommen ist, sollte reden.
[ 9 ] The distorted development of a lotus flower not only leads to illusions and fantastical notions when a certain clairvoyant ability manifests, but also to aberrations and instability in everyday life. Such a development can make one fearful, envious, vain, arrogant, willful, and so on, even though one did not possess any of these traits before. – It has been said that eight of the petals of the sixteen-petaled lotus flower were already developed in the distant past and that these reappear of their own accord during esoteric training. In the esoteric student’s efforts, all care must now be directed toward the other eight petals. If the training is conducted incorrectly, the previously developed petals are likely to emerge on their own, while the new ones remain stunted. This will be particularly the case if the training places too little emphasis on logical, rational thinking. It is of the utmost importance that the initiate be a sensible person who maintains clear thinking. It is also of great importance that he strive for the utmost clarity in speech. People who begin to sense something of the supersensible tend to become talkative about these matters. In doing so, they hinder their proper development. The less one speaks about these things, the better. Only those who have attained a certain degree of clarity should speak.
[ 10 ] Im Beginne des Unterrichts sind Geheimschüler in der Regel erstaunt, wie wenig «neugierig» der schon geistig Geschulte ist gegenüber den Mitteilungen ihrer Erlebnisse. Am heilsamsten für sie wäre es eben, wenn sie sich über ihre Erlebnisse ganz ausschweigen und weiter nichts besprechen wollten, als wie gut oder wie schlecht es ihnen gelingt, ihre Übungen durchzuführen oder die Anweisungen zu befolgen. Denn der schon geistig Geschulte hat ganz andere Quellen zur Beurteilung der Fortschritte als ihre direkten Mitteilungen. Die acht in Frage kommenden Blätter der sechzehnblätterigen Lotusblume werden durch solche Mitteilungen immer etwas verhärtet, während sie weich und biegsam erhalten werden sollten. Es soll ein Beispiel angeführt werden, um das zu erläutern. Dies möge nicht vom übersinnlichen, sondern der Deutlichkeit halber vom gewöhnlichen Leben hergenommen werden. Angenommen, ich höre eine Nachricht und bilde mir darüber sogleich ein Urteil. In einer kurzen Zeit darauf bekomme ich über dieselbe Sache eine weitere Nachricht, die mit der ersteren nicht stimmt. Ich bin dadurch genötigt, das schon gebildete Urteil umzubilden. Die Folge davon ist ein ungünstiger Einfluß auf meine sechzehnblätterige Lotusblume. Ganz anders wäre die Sache, wenn ich zuerst mit meinem Urteil zurückhaltend gewesen wäre, wenn ich zu der ganzen Angelegenheit innerlich in Gedanken und äußerlich in Worten «geschwiegen» hätte, bis ich ganz sichere Anhaltspunkte für mein Urteil gehabt hätte. Behutsamkeit im Bilden und Aussprechen von Urteilen wird allmählich zum besonderen Kennzeichen des Geheimschülers. Dagegen wächst seine Empfänglichkeit für Eindrücke und Erfahrungen, die er schweigsam an sich vorüberziehen läßt, um möglichst viele Anhaltspunkte sich zu schaffen, wenn er zu urteilen hat. Es sind bläulich-rötliche und rosenrote Nuancen in den Lotusblumenblättern, die durch solche Behutsamkeit auftreten, während im anderen Falle dunkelrote und orangefarbige Nuancen auftreten. In einer ähnlichen Art wie die sechzehnblättrige 4Der Kundige wird in den Bedingungen für die Entwickelung der «sechzehnblätterigen Lotusblume» wiedererkennen die Anweisungen, welche der Buddha seinen Jüngern für den «Pfad» gegeben hat. Doch handelt es sich hier nicht darum, «Buddhismus» zu lehren, sondern Entwickelungsbedingungen zu schildern, die aus der Geisteswissenschaft selbst sich ergeben. Daß sie mit gewissen Lehren des Buddha übereinstimmen, kann nicht hindern, sie an sich für wahr zu finden. wird auch die zwölfblätterige Lotusblume, in der Nähe des Herzens, gestaltet. Auch von ihr war die Hälfte der Blätter in einem vergangenen Entwickelungszustande des Menschen bereits vorhanden und in Tätigkeit. Diese sechs Blätter brauchen daher bei der Geheimschulung nicht besonders ausgebildet zu werden; sie erscheinen von selbst und beginnen sich zu drehen, wenn an den anderen sechs gearbeitet wird. – Wieder muß, um diese Entwickelung zu fördern, der Mensch gewissen Seelentätigkeiten in bewußter Weise eine bestimmte Richtung geben.
[ 10 ] At the beginning of the lessons, secret students are usually surprised at how little “curiosity” those who are already spiritually trained show toward the accounts of their experiences. It would be most beneficial for them if they were to remain completely silent about their experiences and discuss nothing other than how well or poorly they are succeeding in performing their exercises or following the instructions. For those who are already spiritually trained have entirely different sources for assessing progress than the students’ direct reports. Such reports always harden the eight relevant petals of the sixteen-petaled lotus flower somewhat, whereas they should be kept soft and supple. Let me give an example to illustrate this. For the sake of clarity, this example will be taken not from the supernatural realm but from ordinary life. Suppose I hear a piece of news and immediately form a judgment about it. Shortly thereafter, I receive further news about the same matter that contradicts the first report. This compels me to revise the judgment I had already formed. The result is an adverse effect on my sixteen-petaled lotus flower. The situation would be quite different if I had been cautious with my judgment at first, if I had remained “silent”—internally in thought and externally in words—regarding the entire matter until I had completely reliable evidence for my judgment. Caution in forming and expressing judgments gradually becomes the distinctive hallmark of the initiate. In contrast, his receptivity to impressions and experiences grows—impressions he allows to pass him by in silence—so that he may gather as many points of reference as possible when he has to judge. It is bluish-reddish and rose-red nuances in the lotus petals that arise through such caution, whereas in the other case, dark red and orange-colored nuances appear. In a manner similar to the sixteen-petaled 4The knowledgeable reader will recognize in the conditions for the development of the “sixteen-petaled lotus flower” the instructions that the Buddha gave his disciples for the “Path.” However, the aim here is not to teach “Buddhism,” but to describe conditions of development that arise from spiritual science itself. The fact that they correspond to certain teachings of the Buddha cannot prevent us from finding them in and of themselves to be true. the twelve-petaled lotus flower, near the heart, is also formed. Half of its petals were already present and active in a past stage of human development. These six petals therefore do not need to be specifically developed during esoteric training; they appear of their own accord and begin to rotate when work is done on the other six. — Once again, to promote this development, the individual must consciously direct certain soul activities in a specific way.
[ 11 ] Man muß sich nun klarmachen, daß die Wahrnehmungen der einzelnen geistigen oder Seelensinne einen verschiedenen Charakter tragen. Die Lotusblume mit zwölf Blättern vermittelt eine andere Wahrnehmung als die sechzehnblätterige. Diese letztere nimmt Gestalten wahr. Die Gedankenart, die eine Seele hat, die Gesetze, nach denen eine Naturerscheinung sich vollzieht, treten für die sechzehnblätterige Lotusblume in Gestalten auf. Das sind aber nicht starre, ruhige Gestalten, sondern bewegte, mit Leben erfüllte Formen. Der Hellseher, bei dem sich dieser Sinn entwickelt hat, kann für jede Gedankenart, für jedes Naturgesetz eine Form nennen, in denen sie sich ausprägen. Ein Rachegedanke zum Beispiel kleidet sich in eine pfeilartige, zackige Figur, ein wohlwollender Gedanke hat oft die Gestalt einer sich öffnenden Blume und so weiter. Bestimmte, bedeutungsvolle Gedanken sind regelmäßig, symmetrisch gebildet, unklare Begriffe haben gekräuselte Umrisse. – Ganz andere Wahrnehmungen treten durch die zwölfblätterige Lotusblume zutage. Man kann die Art dieser Wahrnehmungen annähernd charakterisieren, wenn man sie als Seelenwärme und Seelenkälte bezeichnet. Ein mit diesem Sinn ausgestatteter Hellseher fühlt von den Figuren, die er durch die sechzehnblätterige Lotusblume wahrnimmt, solche Seelenwärme oder Seelenkälte ausströmen. Man stelle sich einmal vor, ein Hellseher hätte nur die sechzehnblätterige, nicht aber die zwölfblätterige Lotusblume entwickelt. Dann würde er bei einem wohlwollenden Gedanken nur die oben beschriebene Figur sehen. Ein anderer, der beide Sinne ausgebildet hat, bemerkt auch noch diejenige Ausströmung dieses Gedankens, die man eben nur mit Seelenwärme bezeichnen kann. – Nur nebenbei soll bemerkt werden, daß in der Geheimschulung nie der eine Sinn ohne den anderen ausgebildet wird, so daß das obige nur als eine Annahme zur Verdeutlichung anzusehen ist. – Dem Hellseher eröffnet sich durch die Ausbildung der zwölfblätterigen Lotusblume auch ein tiefes Verständnis für Naturvorgänge. Alles, was auf ein Wachsen, Entwickeln begründet ist, strömt Seelenwärme aus; alles, was in Vergehen, Zerstörung, Untergang begriffen ist, tritt mit dem Charakter der Seelenkälte auf.
[ 11 ] One must now realize that the perceptions of the individual spiritual or soul senses have different characteristics. The twelve-petaled lotus flower conveys a different perception than the sixteen-petaled one. The latter perceives forms. The type of thought a soul possesses, and the laws according to which a natural phenomenon unfolds, appear as forms to the sixteen-petaled lotus flower. These are not, however, rigid, static forms, but rather dynamic forms filled with life. The clairvoyant in whom this sense has developed can name a form in which every type of thought and every natural law manifests itself. A thought of vengeance, for example, takes the form of an arrow-like, jagged figure; a benevolent thought often takes the form of a blossoming flower, and so on. Specific, meaningful thoughts are regularly and symmetrically formed, while vague concepts have jagged outlines. – Entirely different perceptions come to light through the twelve-petaled lotus flower. One can roughly characterize the nature of these perceptions by describing them as warmth of the soul and coldness of the soul. A clairvoyant endowed with this sense feels such warmth or coldness of the soul radiating from the figures he perceives through the sixteen-petaled lotus flower. Imagine, for a moment, that a clairvoyant had developed only the sixteen-petaled lotus flower, but not the twelve-petaled one. Then, upon a benevolent thought, he would see only the figure described above. Another person, who has developed both senses, also perceives the emanation from that thought—which can only be described as soul warmth. – It should be noted in passing that in esoteric training, one sense is never developed without the other, so that the above should be regarded merely as a hypothetical example for clarification. – Through the development of the twelve-petaled lotus flower, the clairvoyant also gains a deep understanding of natural processes. Everything based on growth and development radiates warmth of the soul; everything in the process of decay, destruction, or decline manifests the character of coldness of the soul.
[ 12 ] Die Ausbildung dieses Sinnes wird auf folgende Art gefördert. Das erste, was in dieser Beziehung der Geheimschüler beobachtet, ist die Regelung seines Gedankenlaufes (die sogenannte Gedankenkontrolle). So wie die sechzehnblätterige Lotusblume durch wahre bedeutungsvolle Gedanken zur Entwickelung kommt, so die zwölfblätterige durch innere Beherrschung des Gedankenverlaufes. Irrlichtelierende Gedanken, die nicht in sinngemäßer, logischer Weise, sondern rein zufällig aneinandergefügt sind, verderben die Form dieser Lotusblume. Je mehr ein Gedanke aus dem anderen folgt, je mehr allem Unlogischen aus dem Wege gegangen wird, desto mehr erhält dieses Sinnesorgan die ihm entsprechende Form. Hört der Geheimschüler unlogische Gedanken, so läßt er sich sogleich das Richtige durch den Kopf gehen. Er soll nicht lieblos sich einer vielleicht unlogischen Umgebung entziehen, um seine Entwickelung zu fördern. Er soll auch nicht den Drang in sich fühlen, alles Unlogische in seiner Umgebung sofort zu korrigieren. Er wird vielmehr ganz still in seinem Innern die von außen auf ihn einstürmenden Gedanken in eine logische, sinngemäße Richtung bringen. Und er bestrebt sich, in seinen eigenen Gedanken überall diese Richtung einzuhalten. – Ein zweites ist, eine ebensolche Folgerichtigkeit in sein Handeln zu bringen (Kontrolle der Handlungen). Alle Unbeständigkeit, Disharmonie im Handeln gereichen der in Rede stehenden Lotusblume zum Verderben. Wenn der Geheimschüler etwas getan hat, so richtet er sein folgendes Handeln danach ein, daß es in logischer Art aus dem ersten folgt. Wer heute im anderen Sinn handelt als gestern, wird nie den charakterisierten Sinn entwickeln. – Das dritte ist die Erziehung zur Ausdauer. Der Geheimschüler läßt sich nicht durch diese oder jene Einflüsse von einem Ziel abbringen, das er sich gesteckt hat, solange er dieses Ziel als ein richtiges ansehen kann. Hindernisse sind für ihn eine Aufforderung, sie zu überwinden, aber keine Abhaltungsgründe. – Das vierte ist die Duldsamkeit (Toleranz) gegenüber Menschen, anderen Wesen und auch Tatsachen. Der Geheimschüler unterdrückt alle überflüssige Kritik gegenüber dem Unvollkommenen, Bösen und Schlechten und sucht vielmehr alles zu begreifen, was an ihn herantritt. Wie die Sonne ihr Licht nicht dem Schlechten und Bösen entzieht, so er nicht seine verständnisvolle Anteilnahme. Begegnet dem Geheimschüler irgendein Ungemach, so ergeht er sich nicht in abfälligen Urteilen, sondern er nimmt das Notwendige hin und sucht, soweit seine Kraft reicht, die Sache zum Guten zu wenden. Andere Meinungen betrachtet er nicht nur von seinem Standpunkte aus, sondern er sucht sich in die Lage des anderen zu versetzen. – Das fünfte ist die Unbefangenheit gegenüber den Erscheinungen des Lebens. Man spricht in dieser Beziehung auch von dem «Glauben» oder «Vertrauen». Der Geheimschüler tritt jedem Menschen, jedem Wesen mit diesem Vertrauen entgegen. Und er erfüllt sich bei seinen Handlungen mit solchem Vertrauen. Er sagt sich nie, wenn ihm etwas mitgeteilt wird: das glaube ich nicht, weil es meiner bisherigen Meinung widerspricht. Er ist vielmehr in jedem Augenblicke bereit, seine Meinung und Ansicht an einer neuen zu prüfen und zu berichtigen. Er bleibt immer empfänglich für alles, was an ihn herantritt. Und er vertraut auf die Wirksamkeit dessen, was er unternimmt. Zaghaftigkeit und Zweifelsucht verbannt er aus seinem Wesen. Hat er eine Absicht, so hat er auch den Glauben an die Kraft dieser Absicht. Hundert Mißerfolge können ihm diesen Glauben nicht nehmen. Es ist dies jener «Glaube, der Berge zu versetzen vermag». – Das sechste ist die Erwerbung eines gewissen Lebensgleichgewichtes (Gleichmutes). Der Geheimschüler strebt an, seine gleichmäßige Stimmung zu erhalten, ob ihn Leid, ob ihn Erfreuliches trifft. Das Schwanken zwischen «himmelhochjauchzend, zu Tode betrübt» gewöhnt er sich ab. Das Unglück, die Gefahr finden ihn ebenso gewappnet wie das Glück, die Förderung.
[ 12 ] The development of this sense is fostered in the following way. The first thing the initiate observes in this regard is the regulation of his thought process (so-called “thought control”). Just as the sixteen-petaled lotus blossoms through true, meaningful thoughts, so does the twelve-petaled lotus blossom through inner mastery of the thought process. Erratic, flickering thoughts—those that are strung together not in a meaningful, logical manner but purely by chance—mar the form of this lotus flower. The more one thought follows naturally from another, and the more all that is illogical is avoided, the more this sensory organ assumes its proper form. If the secret student hears illogical thoughts, he immediately allows the correct thought to pass through his mind. He should not coldly withdraw from a potentially illogical environment in order to further his development. Nor should he feel the urge to immediately correct everything illogical in his surroundings. Rather, he will quietly, within himself, steer the thoughts storming in from the outside toward a logical, meaningful direction. And he strives to maintain this direction in all his own thoughts. – A second point is to bring the same consistency to his actions (control of actions). Any inconsistency or disharmony in action leads to the ruin of the lotus flower in question. When the secret student has done something, he adjusts his subsequent actions so that they follow logically from the first. Whoever acts differently today than yesterday will never develop the character described. – The third is the cultivation of perseverance. The secret student does not allow himself to be deterred by this or that influence from a goal he has set for himself, as long as he can regard this goal as correct. Obstacles are, for him, a challenge to overcome, but not a reason to give up. – The fourth is tolerance toward people, other beings, and even facts. The secret student refrains from all unnecessary criticism of the imperfect, the evil, and the bad, and instead seeks to understand everything that comes his way. Just as the sun does not withhold its light from the bad and the evil, so he does not withhold his understanding sympathy. If the initiate encounters any adversity, he does not indulge in disparaging judgments, but accepts what is necessary and seeks, to the best of his ability, to turn the situation to the good. He considers other opinions not only from his own point of view, but seeks to put himself in the other person’s position. – The fifth is impartiality toward the phenomena of life. In this context, one also speaks of “faith” or “trust.” The secret student approaches every person, every being, with this trust. And he acts with such trust. When something is communicated to him, he never says to himself, “I don’t believe that because it contradicts my previous opinion.” Rather, he is ready at every moment to test and correct his opinion and viewpoint in light of a new one. He remains constantly receptive to everything that comes his way. And he trusts in the effectiveness of what he undertakes. He banishes timidity and doubt from his being. If he has an intention, he also has faith in the power of that intention. A hundred failures cannot take that faith away from him. This is the “faith that can move mountains.” – The sixth is the attainment of a certain balance in life (equanimity). The secret student strives to maintain a steady state of mind, whether he encounters suffering or joy. He breaks the habit of swinging between “ecstatic joy and deep sorrow.” Misfortune and danger find him just as well-prepared as good fortune and success.
[ 13 ] Die Leser von geisteswissenschaftlichen Schriften finden das Geschilderte als die sogenannten «sechs Eigenschaften» aufgezählt, welche der bei sich entwickeln muß, der die Einweihung anstrebt. Hier sollte ihr Zusammenhang mit dem seelischen Sinne dargelegt werden, welcher die zwölfblätterige Lotusblume genannt wird. – Die Geheimschulung vermag wieder besondere Anweisungen zu geben, welche diese Lotusblume zum Reifen bringen, aber auch hier hängt die Ausbildung der regelmäßigen Form dieses Sinnesorganes an der Entwickelung der aufgezählten Eigenschaften. Wird diese Entwickelung außer acht gelassen, dann gestaltet sich dieses Organ zu einem Zerrbilde. Und es können dadurch bei Ausbildung einer gewissen Hellsehergabe in dieser Richtung die genannten Eigenschaften sich statt zum Guten zum Schlechten wenden. Der Mensch kann besonders unduldsam, zaghaft, ablehnend gegen seine Umgebung werden. Er kann zum Beispiel eine Empfindung erhalten für Gesinnungen anderer Seelen und diese deswegen fliehen oder hassen. Es kann so weit kommen, daß er wegen der Seelenkälte, die ihn bei Ansichten überströmt, welche ihm widerstreben, gar nicht zuhören kann oder in abstoßender Art sich gebärdet.
[ 13 ] Readers of spiritual science writings will find the qualities described here listed as the so-called “six qualities” that must be developed by those who aspire to initiation. Here, their connection to the spiritual sense—which is called the twelve-petaled lotus flower—should be explained. – The secret training can provide specific instructions to bring this lotus flower to maturity, but here, too, the formation of the regular shape of this sense organ depends on the development of the listed qualities. If this development is neglected, this organ becomes a distorted image. And as a result, when a certain clairvoyant ability develops in this direction, the qualities mentioned may turn for the worse rather than for the better. The person may become particularly intolerant, timid, and hostile toward their surroundings. For example, they may develop a sensitivity to the attitudes of other souls and, as a result, flee from or hate them. It can go so far that, due to the emotional coldness that overwhelms them when confronted with views they find repugnant, they are unable to listen at all or behave in a repulsive manner.
[ 14 ] Kommt zu allem Gesagten noch die Beobachtung gewisser Vorschriften hinzu, welche Geheimschüler von Geheimlehrern nur mündlich empfangen können, so tritt eine entsprechende Beschleunigung in der Entwickelung der Lotusblume ein. Döch führen die hier gegebenen Anweisungen durchaus in die wirkliche Geheimschulung ein. Nützlich aber ist auch für den, der nicht eine Geheimschulung durchmachen will oder kann, die Einrichtung des Lebens in der arigegebenen Richtung. Denn die Wirkung auf den Seelenorganistaus tritt auf alle Fälle ein, wenn auch langsam. Und für den Geheimschüler ist die Beobachtung dieser Grundsätze unerläßlich. – Würde er eine Geheimschulung versuchen, ohne sie einzuhalten, so könnte er nur mit mangelhaftem Gedankenauge in die höheren Welten eintreten; und statt die Wahrheit zu erkennen, würde er dann nur Täuschungen und Illusionen unterworfen sein. Er würde in einer gewissen Beziehung hellsehend werden; aber im Grunde nur größerer Blindheit unterliegen als vorher. Denn ehedem stand er wenigstens innerhalb der Sinnenwelt fest und hatte an ihr einen bestimmten Halt; jetzt aber sieht er hinter die Sinnenwelt und wird an dieser irre, bevor er sicher in einer höheren Welt steht. Er kann dann vielleicht überhaupt nicht mehr Wahrheit von Irrtum unterscheiden und verliert alle Richtung im Leben. –Gerade aus diesem Grunde ist Geduld so nötig in diesen Dingen. Man muß immer bedenken, daß die Geisteswissenschaft nicht weiter mit ihren Anweisungen gehen darf, als volle Willigkeit zu einer geregelten Entwickelung der «Lotusblumen» vorliegt. Es würden sich wahre Zerrbilder dieser Blumen entwickeln, wenn sie zur Reife gebracht würden, bevor sie in ruhiger Weise die ihnen zukommende Form erlangt haben. Denn die speziellen Anweisungen der Geisteswissenschaft bewirken das Reifwerden, die Form aber wird durch die geschilderte Lebensart ihnen gegeben.
[ 14 ] If, in addition to all that has been said, one observes certain precepts—which secret students can receive only orally from secret teachers—the development of the lotus flower is correspondingly accelerated. Yet the instructions given here do indeed serve as an introduction to the actual secret training. However, even for those who do not wish to or are unable to undergo secret training, organizing one’s life in the direction indicated here is beneficial. For the effect on the soul’s constitution occurs in any case, albeit slowly. And for the secret student, observing these principles is indispensable. – If he were to attempt esoteric training without adhering to these principles, he could enter the higher worlds only with an imperfect mental eye; and instead of recognizing the truth, he would then be subjected only to deceptions and illusions. He would become clairvoyant in a certain sense; but in essence, he would be subject to even greater blindness than before. For formerly he at least stood firmly within the sensory world and had a secure foothold in it; but now he sees beyond the sensory world and is led astray by it before he stands securely in a higher world. He may then be completely unable to distinguish truth from error and lose all sense of direction in life. –It is precisely for this reason that patience is so necessary in these matters. One must always bear in mind that spiritual science must not go any further with its instructions than there is full willingness for a regulated development of the “lotus flowers.” True distortions of these flowers would develop if they were brought to maturity before they had calmly attained the form that is rightfully theirs. For the specific instructions of spiritual science bring about the maturing, but the form is given to them through the way of life described.
[ 15 ] Von besonders feiner Art ist die Seelenpflege, die zur Entwickelung der zehnblätterigen Lotusblume notwendig ist. Denn hier handelt es sich darum, die Sinneseindrücke selbst in bewußter Weise beherrschen zu lernen Für den angehenden Hellseher ist das ganz besonders nötig. Nur dadurch vermag er einen Quell zahlloser Illusionen und geistiger Willkürlichkeiten zu vermeiden. Der Mensch macht sich gewöhnlich gar nicht klar, von welchen Dingen seine Einfälle, seine Erinnerungen beherrscht sind und wodurch sie hervorgerufen werden. Man nehme folgenden Fall an. Jemand fährt in der Eisenbahn. Er ist mit einem Gedanken beschäftigt. Plötzlich nimmt sein Gedanke eine ganz andere Wendung. Er erinnert sich an ein Erlebnis, das er vor Jahren gehabt hat, und verspinnt es mit seinen gegenwärtigen Gedanken. Er hat nun aber gar nicht bemerkt, daß sein Auge zum Fenster hinausgerichtet und der Blick auf eine Person gerichtet war, welche Ähnlichkeit hatte mit einer anderen, die in das erinnerte Erlebnis hineinverwickelt war. Was er gesehen hat, kommt ihm gar nicht zum Bewußtsein, sondern nur die Wirkung. So glaubt er, daß ihm die Sache «von selbst eingefallen» sei. Wieviel im Leben kommt nicht auf solche Art zustande. Wie spielen in unser Leben Dinge hinein, die wir erfahren und gelesen haben, ohne daß man sich den Zusammenhang ins Bewußtsein bringt. Jemand kann zum Beispiel eine bestimmte Farbe nicht leiden; er weiß aber gar nicht, daß dies deshalb der Fall ist, weil der Lehrer, der ihn vor vielen Jahren gequält hat, einen Rock in dieser Farbe gehabt hat. Unzählige Illusionen beruhen auf solchen Zusammenhängen. Viele Dinge prägen sich der Seele ein, ohne daß sie auch dem Bewußtsein einverleibt werden. Es kann folgender Fall vorkommen. Jemand liest in der Zeitung von dem Tode einer bekannten Persönlichkeit. Und nun behauptet er ganz fest, er habe diesen Todesfall schon «gestern» vorausgeahnt, obgleich er nichts gehört und gesehen habe, was ihn auf diesen Gedanken hätte bringen können. Und es ist wahr, wie «von selbst» ist ihm «gestern» der Gedanke aufgetaucht: die betreffende Person werde sterben. Er hat nur eines nicht beachtet. Er ist ein paar Stunden, bevor ihm «gestern» der Gedanke aufgestoßen ist, bei einem Bekannten zu Besuch gewesen. Auf dem Tisch lag ein Zeitungsblatt. Er hat darin nicht gelesen. Aber unbewußt fiel doch sein Auge auf die Nachricht von der schweren Erkrankung der in Rede stehenden Persönlichkeit. Des Eindruckes ist er sich nicht bewußt geworden. Aber die Wirkung war die «Ahnung». – Wenn man sich solche Dinge überlegt, so kann man ermessen, was für eine Quelle von Illusionen und Phantastereien in solchen Verhältnissen liegt. Und diese Quelle muß derjenige verstopfen, der seine zehnblätterige Lotusblume ausbilden will. Denn durch diese Lotusblume kann man tief verborgene Eigenschaften an Seelen wahrnehmen. Aber Wahrheit ist diesen Wahrnehmungen nur dann beizumessen, wenn man von den gekennzeichneten Täuschungen ganz frei geworden ist. Es ist zu diesem Zwecke notwendig, daß man sich zum Herrn über das macht, was von der Außenwelt auf einen einwirkt. Man muß es dahin bringen, daß Eindrücke, die man nicht empfangen will, man auch wirklich nicht empfängt. Solch eine Fähigkeit kann nur durch ein starkes Innenleben herangezogen werden. Man muß es in den Willen bekommen, daß man nur die Dinge auf sich wirken läßt, auf die man die Aufmerksamkeit wendet, und daß man sich Eindrücken wirklich entzieht, an die man sich nicht willkürlich wendet. Was man sieht, muß man sehen wollen, und worauf man keine Aufmerksamkeit wendet, muß tatsächlich für einen nicht da sein. Je lebhafter, energischer die innere Arbeit der Seele wird, desto mehr wird man das erreichen. – Der Geheimschüler muß alles gedankenlose Herumschauen und Herumhören vermeiden. Für ihn soll nur da sein, worauf er Ohr und Auge richtet. Er muß sich darin üben, daß er im größten Trubel nichts zu hören braucht, wenn er nicht hören will; er soll sein Auge unempfänglich machen für Dinge, auf die er nicht besonders hinschaut. Wie mit einem seelischen Panzer muß er umgeben sein für alle unbewußten Eindrücke. – Besonders auf das Gedankenleben selbst muß er nach dieser Richtung hin Sorgfalt verwenden. Er setzt sich einen Gedanken vor, und er versucht nur das weiterzudenken, was er ganz bewußt, in völliger Freiheit, an diesen Gedanken angliedern kann. Beliebige Einfälle weist er ab. Will er den Gedanken mit irgendeinem andern in Beziehung setzen, so besinnt er sich sorgfältig, wo dieser andere an ihn herangetreten ist. – Er geht noch weiter. Wenn er zum Beispiel eine bestimmte Antipathie gegen irgend etwas hat, so bekämpft er sie und sucht eine bewußte Beziehung zu dem betreffenden Dinge herzustellen. Auf diese Art mischen sich immer weniger unbewußte Elemente in sein Seelenleben hinein. Nur durch solche strenge Selbstzucht erlangt die zehnblätterige Lotusblume die Gestalt, die sie haben sollte. Das Seelenleben des Geheimschülers muß ein Leben in Aufmerksamkeit werden, und worauf man keine Aufmerksamkeit verwenden will oder soll, das muß man sich wirklich fernzuhalten wissen. – Tritt zu einer solchen Selbstzucht eine Meditation, welche den Anweisungen der Geisteswissenschaft entspricht, dann kommt die in der Gegend der Magengrube befindliche Lotusblume in der richtigen Weise zum Reifen, und das, was durch die vorher geschilderten geistigen Sinnesorgane nur Form und Wärme hatte, erhält geistig Licht und Farbe. Und dadurch enthüllen sich zum Beispiel Talente und Fähigkeiten von Seelen, Kräfte und verborgene Eigenschaften in der Natur. Die Farbenaura der belebten Wesen wird dadurch sichtbar; das, was um uns ist, kündigt dadurch seine seelenhaften Eigenschaften an. – Man wird zugeben, daß gerade in der Entwickelung auf diesem Gebiete die allergrößte Sorgfalt notwendig ist, denn das Spiel unbewußter Erinnerungen ist hier ein unermeßlich reges. Wäre das nicht der Fall, so würden viele Menschen gerade den hier in Frage kommenden Sinn haben, denn er tritt fast sogleich auf, wenn der Mensch wirklich die Eindrücke seiner Sinne ganz und gar so in seiner Gewalt hat, daß sie nur mehr seiner Aufmerksamkeit oder Unaufmerksamkeit unterworfen sind. Nur solange die Macht der äußeren Sinne diesen seelischen Sinn in Dämpfung und Dumpfheit erhält, bleibt er unwirksam.
[ 15 ] The spiritual cultivation necessary for the development of the ten-petaled lotus flower is of a particularly subtle nature. For here the aim is to learn to consciously master sensory impressions themselves. This is especially necessary for the aspiring clairvoyant. Only in this way can he avoid a source of countless illusions and mental arbitrariness. People usually do not realize at all what influences their thoughts and memories and what causes them. Consider the following scenario: Someone is riding on a train. He is absorbed in a thought. Suddenly, his train of thought takes a completely different turn. He recalls an experience he had years ago and weaves it into his current thoughts. But he hasn’t even noticed that his eye was fixed on the window and his gaze was directed at a person who bore a resemblance to someone else involved in the remembered experience. What he saw doesn’t even enter his consciousness—only the effect does. Thus, he believes that the idea “just came to him on its own.” How much in life comes about in this way! How often do things we have experienced or read about play a role in our lives without us bringing the connection to our conscious awareness. For example, someone may dislike a certain color; yet he has no idea that this is because the teacher who tormented him many years ago wore a jacket of that color. Countless illusions are based on such connections. Many things are imprinted on the soul without ever being incorporated into consciousness. The following scenario may occur. Someone reads in the newspaper about the death of a well-known figure. And now he insists quite firmly that he had already foreseen this death “yesterday,” even though he had heard or seen nothing that could have led him to this thought. And it is true—the thought that the person in question would die simply “popped into his head” “yesterday” as if by itself. He just failed to notice one thing. A few hours before the thought occurred to him “yesterday,” he had been visiting an acquaintance. A newspaper lay on the table. He did not read it. But unconsciously, his eye fell on the news of the serious illness of the person in question. He was not aware of this impression. But the effect was the “premonition.” – When one reflects on such things, one can appreciate what a source of illusions and fantasies lies in such circumstances. And whoever wishes to develop their ten-petaled lotus flower must block off this source. For through this lotus flower, one can perceive deeply hidden qualities of souls. But truth can be attributed to these perceptions only when one has become completely free from the deceptions described. To this end, it is necessary to become the master of what the external world imparts to you. One must ensure that impressions one does not wish to receive are, in fact, not received. Such an ability can be cultivated only through a strong inner life. One must resolve to allow only those things to affect oneself to which one directs one’s attention, and to truly withdraw from impressions to which one does not deliberately turn. What one sees, one must want to see, and whatever one does not pay attention to must in fact be absent from one’s consciousness. The more vivid and energetic the soul’s inner work becomes, the more one will achieve this. – The secret student must avoid all thoughtless looking around and listening. For him, only what he directs his ears and eyes toward should exist. He must train himself so that, even in the greatest commotion, he need not hear anything if he does not want to; he should make his eyes impervious to things he is not specifically looking at. He must surround himself with a kind of spiritual armor against all unconscious impressions. – He must exercise particular care in this regard, especially with regard to his own life of thought. He sets a thought before himself and tries to think through only what he can consciously, and in complete freedom, connect to that thought. He rejects arbitrary ideas. If he wishes to relate the thought to any other, he carefully reflects on where this other thought has entered his mind. – He goes even further. If, for example, he has a certain aversion to something, he combats it and seeks to establish a conscious relationship with the thing in question. In this way, fewer and fewer unconscious elements intrude into his inner life. Only through such strict self-discipline does the ten-petaled lotus flower take on the form it is meant to have. The inner life of the occult student must become a life of attention, and whatever one does not wish or ought to pay attention to, one must truly know how to keep at a distance. – When such self-discipline is accompanied by meditation in accordance with the instructions of spiritual science, the lotus flower located in the region of the solar plexus matures in the proper way, and that which, through the spiritual sense organs described earlier, had only form and warmth, acquires spiritual light and color. And through this, for example, the talents and abilities of souls, as well as the forces and hidden qualities of nature, are revealed. The color aura of living beings thereby becomes visible; what surrounds us thus reveals its soul-like qualities. – One must admit that the utmost care is necessary precisely in development in this area, for the interplay of unconscious memories is immeasurably active here. Were this not the case, many people would possess precisely the sense in question here, for it arises almost immediately when a person truly has complete mastery over the impressions of their senses, such that they are subject only to their attention or inattention. Only as long as the power of the external senses keeps this spiritual sense in a state of suppression and dullness does it remain ineffective.
[ 16 ] Schwieriger als die Ausbildung der beschriebenen Lotusblume ist diejenige der sechsblätterigen, welche sich in der Körpermitte befindet. Denn zu dieser Ausbildung muß die vollkommene Beherrschung des ganzen Menschen durch das Selbstbewußtsein angestrebt werden, so daß bei ihm Leib, Seele und Geist in einer vollkommenen Harmonie sind. Die Verrichtungen des Leibes, die Neigungen und Leidenschaften der Seele, die Gedanken und Ideen des Geistes müssen in einen vollkommenen Einklang miteinander gebracht werden. Der Leib muß so veredelt und geläutert werden, daß seine Organe zu nichts drängen, was nicht im Dienste der Seele und des Geistes geschieht. Die Seele soll durch den Leib nicht zu Begierden und Leidenschaften gedrängt werden, die einem reinen und edlen Denken widersprechen. Der Geist aber soll nicht wie ein Sklavenhalter mit seinen Pflichtgeboten und Gesetzen über die Seele herrschen müssen; sondern diese soll aus eigener freier Neigung den Pflichten und Geboten folgen. Nicht wie etwas, dem er sich widerwillig fügt, soll die Pflicht über dem Geheimschüler schweben, sondern wie etwas, das er vollführt, weil er es liebt. Eine freie Seele, die im Gleichgewichte zwischen Sinnlichkeit und Geistigkeit steht, muß der Geheimschüler entwickeln. Er muß es dahin bringen, daß er sich seiner Sinnlichkeit überlassen darf, weil diese so geläutert ist, daß sie die Macht verloren hat, ihn zu sich herabzuziehen. Er soll es nicht mehr nötig haben, seine Leidenschaften zu zügeln, weil diese von selbst dem Rechten folgen. Solange der Mensch es nötig hat, sich zu kasteien, kann er nicht Geheimschüler auf einer gewissen Stufe sein. Eine Tugend, zu der man sich erst zwingen muß, ist für die Geheimschülerschaft noch wertlos. Solange man eine Begierde noch hat, stört diese die Schülerschaft, auch wenn man sich bemüht, ihr nicht zu willfahren. Und es ist einerlei, ob diese Begierde mehr dem Leibe oder mehr der Seele angehört. Wenn jemand zum Beispiel ein bestimmtes Reizmittel vermeidet, um durch die Entziehung des Genusses sich zu läutern, so hilft ihm dies nur dann, wenn sein Leib durch diese Enthaltung keine Beschwerden erleidet. Ist letzteres der Fall, so zeigt es, daß der Leib das Reizmittel begehrt, und die Enthaltung ist wertlos. In diesem Falle kann es eben durchaus sein, daß der Mensch zunächst auf das angestrebte Ziel verzichten muß und warten, bis günstigere sinnliche Verhältnisse – vielleicht erst in einem anderen Leben – für ihn vorliegen. Ein vernünftiger Verzicht ist in einer gewissen Lage eine viel größere Errungenschaft als das Erstreben einer Sache, die unter gegebenen Verhältnissen eben nicht zu erreichen ist. Ja, es fördert solch ein vernünftiger Verzicht die Entwickelung mehr als das Entgegengesetzte.
[ 16 ] More difficult than the development of the lotus flower described above is that of the six-petaled one, which is located in the center of the body. For this development, one must strive for the complete mastery of the entire human being through self-awareness, so that body, soul, and spirit are in perfect harmony. The functions of the body, the inclinations and passions of the soul, and the thoughts and ideas of the spirit must be brought into perfect harmony with one another. The body must be refined and purified to such an extent that its organs do not urge the person toward anything that is not in the service of the soul and the spirit. The soul must not be driven by the body toward desires and passions that contradict pure and noble thinking. The spirit, however, should not have to rule over the soul like a slave master with its commandments and laws; rather, the soul should follow these duties and commandments of its own free will. Duty should not hang over the initiate like something to which he reluctantly submits, but rather like something he performs because he loves it. The initiate must develop a free soul that is in balance between sensuality and spirituality. He must reach the point where he can allow himself to surrender to his sensuality, because it is so purified that it has lost the power to drag him down. He should no longer need to restrain his passions, because they will of their own accord follow what is right. As long as a person feels the need to mortify himself, he cannot be a student of the mysteries at a certain level. A virtue that one must first force oneself to practice is still worthless for the student of the mysteries. As long as one still has a desire, it interferes with the path of the student, even if one strives not to indulge it. And it makes no difference whether this desire pertains more to the body or more to the soul. If, for example, someone avoids a certain stimulant in order to purify themselves through the deprivation of pleasure, this helps them only if their body does not suffer any discomfort as a result of this abstinence. If the latter is the case, it shows that the body craves the stimulant, and the abstinence is worthless. In this case, it may well be that the person must initially give up the desired goal and wait until more favorable sensual circumstances—perhaps only in another life—are available to him. In a given situation, reasonable self-restraint is a far greater achievement than striving for something that is simply unattainable under the circumstances. Indeed, such reasonable self-restraint promotes development more than the opposite.
[ 17 ] Wer die sechsblätterige Lotusblume entwickelt hat, der gelangt zum Verkehr mit Wesen, die den höheren Welten angehören, jedoch nur dann, wenn deren Dasein sich in der Seelenwelt zeigt. Die Geheimschulung empfiehlt aber nicht eine Entwickelung dieser Lotusblume, bevor der Schüler nicht auf dem Wege weit vorgeschritten ist, durch den er seinen Geist in eine noch höhere Welt erheben kann. Dieser Eintritt in die eigentliche Geisteswelt muß nämlich immer die Ausbildung der Lotusblumen begleiten. Sonst gerät der Schüler in Verwirrung und Unsicherheit. Er würde zwar sehen lernen, aber es fehlte ihm die Fähigkeit, das Gesehene in der richtigen Weise zu beurteilen. – Nun liegt schon in dem, was zur Ausbildung der sechsblätterigen Lotusblume verlangt wird, eine gewisse Bürgschaft gegen Verwirrung und Haltlosigkeit. Denn nicht leicht wird jemand in diese Verwirrung zu bringen sein, der das vollkommene Gleichgewicht zwischen Sinnlichkeit (Leib), Leidenschaft (Seele) und Idee (Geist) erlangt hat. Dennoch ist noch mehr notwendig als diese Bürgschaft, wenn durch Entwickelung der sechsblätterigen Lotusblume dem Menschen Wesen mit Leben und Selbständigkeit wahrnehmbar werden, welche einer Welt angehören, die von derjenigen seiner physischen Sinne so durchaus verschieden ist. Um Sicherheit in diesen Welten zu haben, genügt ihm nicht das Ausbilden der Lotusblumen, sondern er muß da noch höhere Organe zu seiner Verfügung haben. Es soll nun über die Entwickelung dieser noch höheren Organe gesprochen werden; dann kann auch von den anderen Lotusblumen und der anderweitigen Organisation des Seelenleibes 5Es ist selbstverständlich, daß, dem Wortsinne nach, der Ausdruck «Seelenleib» (wie mancher ähnliche der Geisteswissenschaft) einen Widerspruch enthält. Doch wird dieser Ausdruck gebraucht, weil das hellseherische Erkennen etwas wahrnimmt, was so im Geistigen erlebt wird, wie im Physischen der Leib wahrgenommen wird. die Rede sein.
[ 17 ] Whoever has developed the six-petaled lotus flower will come into contact with beings who belong to the higher worlds, but only when their existence manifests in the world of the soul. However, the Esoteric Training does not recommend developing this lotus flower until the student has made significant progress along the path by which he can raise his spirit into an even higher world. For this entry into the actual spiritual world must always be accompanied by the cultivation of the lotus flowers. Otherwise, the student will fall into confusion and uncertainty. Although he would see and learn, he would lack the ability to judge what he has seen in the proper way. – Yet what is required for the development of the six-petaled lotus flower already provides a certain safeguard against confusion and instability. For it is not easy to lead someone into such confusion who has attained perfect balance between sensuality (body), passion (soul), and idea (spirit). Nevertheless, more is needed than this safeguard when, through the development of the six-petaled lotus flower, human beings become able to perceive beings endowed with life and independence that belong to a world so utterly different from that of their physical senses. To find security in these worlds, it is not enough for them to develop the lotus flowers; they must also have even higher organs at their disposal. We shall now discuss the development of these even higher organs; then we can also speak of the other lotus flowers and the further organization of the soul body 5It goes without saying that, in the literal sense, the term “soul body” (like many similar terms in spiritual science) contains a contradiction. Yet this term is used because clairvoyant perception perceives something that is experienced in the spiritual realm in the same way that the body is perceived in the physical realm. We will now discuss this.
[ 18 ] Die Ausbildung des Seelenleibes, wie sie eben geschildert worden ist, macht dem Menschen möglich, übersinnliche Erscheinungen wahrzunehmen. Wer sich aber in dieser Welt wirklich zurechtfinden will, der darf nicht auf dieser Stufe der Entwickelung stehenbleiben. Die bloße Beweglichkeit der Lotusblumen genügt nicht. Der Mensch muß in der Lage sein, die Bewegung seiner geistigen Organe selbständig, mit vollem Bewußtsein zu regeln und zu beherrschen. Er würde sonst ein Spielball äußerlicher Kräfte und Mächte werden. Soll er das nicht werden, so muß er sich die Fähigkeit erwerben, das sogenannte «innere Wort» zu vernehmen. Um dazu zu kommen, muß nicht nur der Seelenleib, sondern auch der Ätherleib entwickelt werden. Es ist dies jener feine Leib, der sich für den Hellseher als eine Art Doppelgänger des physischen Körpers zeigt. Er ist gewissermaßen eine Zwischenstufe zwischen diesem Körper und dem Seelenleib.6Man vergleiche zu dieser Darstellung die Schilderung in des Verfassers «Theosophie». Ist man mit hellseherischen Fähigkeiten begabt, so kann man sich mit vollem Bewußtsein den physischen Körper eines Menschen, der vor einem steht, absuggerieren. Es ist das auf einer höheren Stufe nichts anderes als eine Übung der Aufmerksamkeit auf einer niedrigeren. So wie der Mensch seine Aufmerksamkeit von etwas, das vor ihm ist, ablenken kann, so daß es für ihn nicht da ist, so vermag der Hellseher einen physischen Körper für seine Wahrnehmung ganz auszulöschen, so daß er für ihn physisch ganz durchsichtig wird. Vollführt er das mit einem Menschen, der vor ihm steht, dann bleibt vor seinem seelischen Auge noch der sogenannte Ätherleib vorhanden, außer dem Seelenleibe, der größer als beide ist und der auch beide durchdringt. Der Atherleib hat annähernd die Größe und Form des physischen Leibes, so daß er ungefähr auch denselben Raum ausfüllt, den auch der physische Körper einnimmt. Er ist ein äußerst zart und fein organisiertes Gebilde.7Den Physiker bitte ich, sich an dem Ausdruck «Ätherleib» nicht zu stoßen. Mit dem Worte «Ather» soll nur die Feinheit des in Betracht kommenden Gebildes angedeutet werden. Mit dem «Athen» der physikalischen Hypothesen braucht das hier Angeführte zunächst gar nicht zusammengebracht zu werden. Seine Grundfarbe ist eine andere als die im Regenbogen enthaltenen sieben Farben. Wer ihn beobachten kann, lernt eine Farbe kennen, die für die sinnliche Beobachtung eigentlich gar nicht vorhanden ist. Sie läßt sich am ehesten mit der Farbe der jungen Pfirsichblüte vergleichen. Will man den Ätherleib ganz allein für sich betrachten, so muß man auch die Erscheinung des Seelenleibes für die Beobachtung auslöschen durch eine ähnlich geartete Übung der Aufmerksamkeit wie die oben gekennzeichnete. Tut man dies nicht, dann verändert sich der Anblick des Ätherleibes durch den ihn ganz durchdringenden Seelenleib.
[ 18 ] The development of the soul-body, as just described, enables human beings to perceive supersensory phenomena. But anyone who truly wishes to find their way in this world must not remain at this stage of development. The mere movement of the lotus flowers is not enough. A person must be able to regulate and control the movement of their spiritual organs independently and with full consciousness. Otherwise, they would become a plaything of external forces and powers. If they are not to become so, they must acquire the ability to hear the so-called “inner word.” To achieve this, not only must the soul body be developed, but also the etheric body. This is the subtle body that appears to the clairvoyant as a kind of double of the physical body. It is, so to speak, an intermediate stage between this body and the soul body. 6Compare this description with the account in the author’s *Theosophy*. If one is gifted with clairvoyant abilities, one can, with full consciousness, mentally remove the physical body of a person standing before one. At a higher level, this is nothing other than an exercise in attention at a lower level. Just as a person can divert their attention from something in front of them so that it is no longer there for them, so too can the clairvoyant completely erase a physical body from their perception, so that it becomes physically transparent to them. If he performs this with a person standing before him, then what remains before his inner eye is the so-called etheric body, in addition to the soul body, which is larger than both and which also permeates both. The etheric body has approximately the size and shape of the physical body, so that it also fills roughly the same space that the physical body occupies. It is an extremely delicate and finely organized structure.7I ask the physicist not to take offense at the term “etheric body.” The word “ether” is intended only to indicate the delicacy of the structure in question. For the time being, there is no need to associate what is described here with the “ether” of physical hypotheses. Its fundamental color is different from the seven colors found in the rainbow. Those who can observe it come to know a color that is not actually perceptible to the senses. It can best be compared to the color of young peach blossoms. If one wishes to observe the etheric body entirely on its own, one must also eliminate the appearance of the soul body from observation through an exercise of attention similar in nature to that described above. If one does not do this, then the appearance of the etheric body is altered by the soul body, which permeates it entirely.
[ 19 ] Nun sind beim Menschen die Teilchen des Ätherleibes in einer fortwährenden Bewegung. Zahllose Strömungen durchziehen ihn nach allen Seiten. Durch diese Strömungen wird das Leben unterhalten und geregelt. Jeder Körper, der lebt, hat einen solchen Ätherleib. Die Pflanzen und die Tiere haben ihn auch. Ja, selbst bei den Mineralien sind Spuren für den aufmerksamen Beobachter wahrnehmbar. – Die genannten Strömungen und Bewegungen sind zunächst von dem Willen und Bewußtsein des Menschen ganz unabhängig, wie die Tätigkeit des Herzens oder Magens im physischen Körper von der Willkür nicht abhängig ist. – Und solange der Mensch seine Ausbildung im Sinne der Erwerbung übersinnlicher Fähigkeiten nicht in die Hand nimmt, bleibt diese Unabhängigkeit auch bestehen. Denn gerade darin besteht die höhere Entwickelung auf einer gewissen Stufe, daß zu den vom Bewußtsein unabhängigen Strömungen und Bewegungen des Ätherleibes solche hinzutreten, welche der Mensch in bewußter Weise selbst bewirkt.
[ 19 ] In human beings, the particles of the etheric body are in constant motion. Countless currents flow through it in all directions. These currents sustain and regulate life. Every body that lives has such an etheric body. Plants and animals have it as well. Indeed, even in minerals, traces are perceptible to the attentive observer. – The currents and movements mentioned are, at first, entirely independent of human will and consciousness, just as the activity of the heart or stomach in the physical body is not subject to the will. – And as long as a person does not take charge of their own training in the sense of acquiring supersensory abilities, this independence will continue to exist. For higher development at a certain level consists precisely in the fact that the currents and movements of the etheric body that are independent of consciousness are joined by those that the person consciously brings about themselves.
[ 20 ] Wenn die Geheimsehulung so weit gekommen ist, daß die in den vorhergehenden Abschnitten gekennzeichneten Lotusblumen sich zu bewegen beginnen, dann hat der Schüler auch bereits manches von dem vollzogen, was zur Hervorrufung ganz bestimmter Strömungen und Bewegungen in seinem Ätherkörper führt. Der Zweck dieser Entwickelung ist, daß sich in der Gegend des physischen Herzens eine Art Mittelpunkt bildet, von dem Strömungen und Bewegungen in den mannigfaltigsten geistigen Farben und Formen ausgehen. Dieser Mittelpunkt ist in Wirklichkeit kein bloßer Punkt, sondern ein ganz kompliziertes Gebilde, ein wunderbares Organ. Es leuchtet und schillert geistig in den allerverschiedensten Farben und zeigt Formen von großer Regelmäßigkeit, die sich mit Schnelligkeit verändern können. Und weitere Formen und Farbenströmungen laufen von diesem Organ nach den Teilen des übrigen Körpers und auch noch über diesen hinaus, indem sie den ganzen Seelenleib durchziehen und durchleuchten. Die wichtigsten dieser Strömungen aber gehen zu den Lotusblumen. Sie durchziehen die einzelnen Blätter derselben und regeln ihre Drehung; dann strömen sie an den Spitzen der Blätter nach außen, um sich im äußeren Raum zu verlieren. Je entwickelter ein Mensch ist, desto größer wird der Umkreis, in dem sich diese Strömungen verbreiten.
[ 20 ] When the secret meditation has progressed to the point where the lotus flowers described in the preceding sections begin to move, the student has already accomplished much of what leads to the evocation of very specific currents and movements in his etheric body. The purpose of this development is for a kind of focal point to form in the region of the physical heart, from which currents and movements emanate in the most diverse spiritual colors and forms. This focal point is in reality not merely a point, but a highly complex structure, a marvelous organ. It glows and shimmers spiritually in the most diverse colors and displays forms of great regularity that can change rapidly. And further forms and streams of color flow from this organ to the parts of the rest of the body and even beyond it, permeating and illuminating the entire soul body. The most important of these currents, however, flow toward the lotus flowers. They permeate the individual petals of the lotus and regulate their rotation; then they flow outward from the tips of the petals, dissipating into outer space. The more developed a person is, the greater the radius within which these currents spread.
[ 21 ] In einer besonders nahen Beziehung steht die zwölfblätterige Lotusblume zu dem geschilderten Mittelpunkte. In sie laufen unmittelbar die Strömungen ein. Und durch sie hindurch gehen auf der einen Seite Strömungen zu der sechzehnblätterigen und der zweiblätterigen, auf der anderen (unteren) Seite zu den acht-, sechs- und vierblätterigen Lotusblumen. In dieser Anordnung liegt der Grund, warum auf die Ausbildung der zwölfblätterigen Lotusblume bei der Geheimschulung eine ganz besondere Sorgfalt verwendet werden muß. Würde hier etwas verfehlt, so müßte die ganze Ausbildung des Apparates eine unordentliche sein. – Man kann aus dem Gesagten ermessen, von wie zarter und intimer Art die Geheimschulung ist und wie genau man vorgehen muß, wenn alles in gehöriger Weise sich entwickeln soll. Ohne weiteres ist hieraus auch ersichtlich, daß nur derjenige über Anweisung zur Ausbildung übersinnlicher Fähigkeiten reden kann, der alles, was er an einem anderen ausbilden soll, selbst an sich erfahren hat und der vollkommen in der Lage ist zu erkennen, ob seine Anweisungen auch zu dem ganz richtigen Erfolge führen.
[ 21 ] The twelve-petaled lotus flower has a particularly close relationship to the center described above. The currents flow directly into it. And through it, currents flow on one side to the sixteen-petaled and two-petaled lotus flowers, and on the other (lower) side to the eight-, six-, and four-petaled lotus flowers. This arrangement explains why the development of the twelve-petaled lotus flower must be given very special attention in the secret training. If a mistake were made here, the entire development of the apparatus would be disordered. — From what has been said, one can gauge how delicate and intimate the secret training is and how precisely one must proceed if everything is to develop properly. It is also immediately apparent from this that only those who have personally experienced everything they are to teach in another person—and who are fully capable of recognizing whether their instructions will lead to the very correct results—can speak about the training of supersensory abilities.
[ 22 ] Wenn der Geheimschüler das ausführt, was ihm durch die Anweisungen vorgeschrieben wird, dann bringt er seinem Ätherleib solche Strömungen und Bewegungen bei, welche in Harmonie stehen mit den Gesetzen und der Entwickelung der Welt, zu welcher der Mensch gehört. Daher sind die Anweisungen stets ein Abbild der großen Gesetze der Weltentwickelung. Sie bestehen in den erwähnten und ähnlichen Meditations- und Konzentrationsübungen, welche, gehörig angewendet, die geschilderten Wirkungen haben. Der Geistesschüler muß in gewissen Zeiten seine Seele ganz mit dem Inhalte der Übungen durchdringen, sich innerlich gleichsam ganz damit ausfüllen. Mit Einfachem beginnt es, was vor allem geeignet ist, das verständige und vernünftige Denken des Kopfes zu vertiefen, zu verinnerlichen. Dieses Denken wird dadurch frei und unabhängig gemacht von allen sinnlichen Eindrücken und Erfahrungen. Es wird gewissermaßen in einen Punkt zusammengefaßt, welchen der Mensch ganz in seiner Gewalt hat. Dadurch wird ein vorläufiger Mittelpunkt geschaffen für die Strömungen des Ätherleibes. Dieser Mittelpunkt ist zunächst noch nicht in der Herzgegend, sondern im Kopfe. Dem Hellseher zeigt er sich dort als Ausgangspunkt von Bewegungen. – Nur eine solche Geheimsehulung hat den vollen Erfolg, welche zuerst diesen Mittelpunkt schafft. Würde gleich vom Anfang an der Mittelpunkt in die Herzgegend verlegt, so könnte der angehende Hellseher zwar gewisse Einblicke in die höheren Welten tun; er könnte aber keine richtige Einsicht in den Zusammenhang dieser höheren Welten mit unserer sinnlichen gewinnen. Und dies ist für den Menschen auf der gegenwärtigen Stufe der Weltentwickelung eine unbedingte Notwendigkeit. Der Hellseher darf nicht zum Schwärmer werden; er muß den festen Boden unter den Füßen behalten.
[ 22 ] When the initiate carries out what is prescribed in the instructions, he teaches his etheric body currents and movements that are in harmony with the laws and the evolution of the world to which human beings belong. Therefore, the instructions are always a reflection of the great laws of world evolution. They consist of the aforementioned and similar meditation and concentration exercises, which, when properly applied, produce the effects described. At certain times, the spiritual student must completely permeate his soul with the content of the exercises, filling himself inwardly, as it were, entirely with them. It begins with simple things, which are particularly suited to deepening and internalizing the intellectual and rational thinking of the head. Through this, such thinking is made free and independent of all sensory impressions and experiences. It is, so to speak, condensed into a single point over which the individual has complete control. This creates a provisional focal point for the currents of the etheric body. Initially, this focal point is not yet in the region of the heart, but in the head. To the clairvoyant, it appears there as the point of origin of movements. – Only such a training in clairvoyance is fully successful if it first creates this center. If the center were shifted to the region of the heart right from the start, the aspiring clairvoyant might indeed gain certain insights into the higher worlds; but he would not be able to gain a true understanding of the connection between these higher worlds and our sensory world. And this is, for human beings at the present stage of world development, an absolute necessity. The clairvoyant must not become a dreamer; he must keep his feet firmly on the ground.
[ 23 ] Der Mittelpunkt im Kopfe wird dann, wenn er gehörig befestigt ist, weiter nach unten verlegt, und zwar in die Gegend des Kehlkopfes. Das wird im weiteren Anwenden der Konzentrationsübungen bewirkt. Dann strahlen die charakterisierten Bewegungen des Ätherleibes von dieser Gegend aus. Sie erleuchten den Seelenraum in der Umgebung des Menschen.
[ 23 ] Once the center in the head is properly established, it is shifted further downward, specifically to the area of the larynx. This is achieved through continued practice of the concentration exercises. The characteristic movements of the etheric body then radiate from this area, illuminating the soul space surrounding the person.
[ 24 ] Ein weiteres Üben befähigt den Geheimschüler, die Lage seines Ätherleibes selbst zu bestimmen. Vorher ist diese Lage von den Kräften abhängig, die von außen kommen und vom physischen Körper ausgehen. Durch die weitere Entwickelung wird der Mensch imstande, den Ätherleib nach allen Seiten zu drehen. Diese Fähigkeit wird durch Strömungen bewirkt, welche ungefähr längs der beiden Hände verlaufen und die ihren Mittelpunkt in der zweiblätterigen Lotusblume in der Augengegend haben. Alles dies kommt dadurch zustande, daß sich die Strahlungen, die vom Kehlkopf ausgehen, zu runden Formen gestalten, von denen eine Anzahl zu der zweiblätterigen Lotusblusne hingehen, um von da aus als wellige Strömungen den Weg längs der Hände zu nehmen. – Eine weitere Folge besteht darin, daß sich diese Ströme in der feinsten Art verästeln und verzweigen und zu einer Art Geflecht werden, das wie ein Netzwerk (Netzhaut) zur Grenze des ganzen Ätherleibes sich umbildet. Während dieser vorher nach außen keinen Abschluß hatte, so daß die Lebensströme aus dem allgemeinen Lebensmeer unmittelbar aus- und einströmten, müssen jetzt die Einwirkungen von außen dieses Häutehen durchlaufen. Dadurch wird der Mensch für diese äußeren Strömungen empfindlich. Sie werden ihm wahrnehmbar. – Nunmehr ist auch der Zeitpunkt gekommen, um dem ganzen Strom- und Bewegungssystem den Mittelpunkt in der Herzgegend zu geben. Das geschieht wieder düreh die Fortsetzung der Konzentrations- und Meditationsübung. Und damit ist auch die Stufe erreicht, auf welcher der Mensch mit dem «inneren Wort» begabt wird. Alle Dinge erhalten nunmehr für den Menschen eine neue Bedeutung. Sie werden gewissermaßen in ihrem innersten Wesen geistig hörbar; sie sprechen von ihrem eigentlichen Wesen zu dem Menschen. Die gekennzeichneten Strömungen setzen ihn mit dem Innern der Welt in Verbindung, zu welcher er gehört. Er beginnt das Leben seiner Umgebung mitzuerleben und kann es in der Bewegung seiner Lotusblumen nachklingen lassen.
[ 24 ] Further practice enables the initiate to determine the position of his etheric body on his own. Previously, this position depended on forces coming from outside and emanating from the physical body. Through further development, the human being becomes capable of rotating the etheric body in all directions. This ability is brought about by currents that run roughly along the two hands and have their center in the two-petaled lotus flower in the region of the eyes. All of this comes about because the radiations emanating from the larynx take on rounded forms, a number of which proceed toward the two-petaled lotus flower, from where they travel as undulating currents along the hands. – A further consequence is that these currents branch out and divide in the most subtle way, forming a kind of network that transforms into a reticular structure (retina) at the boundary of the entire etheric body. Whereas previously this body had no outward boundary—so that the life currents flowed directly in and out from the general sea of life—the external influences must now pass through this membrane. As a result, the human being becomes sensitive to these external currents. They become perceptible to him. – Now the time has also come to establish the center of the entire system of currents and movements in the region of the heart. This occurs once again through the continuation of concentration and meditation exercises. And with this, the stage is reached at which the human being is endowed with the “inner word.” All things now take on a new meaning for the individual. In a sense, their innermost essence becomes spiritually audible; they speak to the individual of their true nature. The currents described above connect the individual with the inner world to which he or she belongs. The individual begins to experience the life of his or her surroundings and can allow it to resonate in the movement of his or her lotus flowers.
[ 25 ] Damit betritt der Mensch die geistige Welt. Ist er so weit, so gewinnt er ein neues Verständnis für dasjenige, was die großen Lehrer der Menschheit gesprochen haben. Buddhas Reden und die Evangelien zum Beispiel wirken jetzt in einer neuen Art auf ihn ein. Sie durchströmen ihn mit einer Seligkeit, die er vorher nicht geahnt hat. Denn der Ton ihrer Worte folgt den Bewegungen und Rhythmen, die er nun selbst in sich ausgebildet hat. Er kann es jetzt unmittelbar wissen, daß ein solcher Mensch wie Buddha oder die Evangeliensehreiber nicht ihre Offenbarungen, sondern diejenigen aussprechen, welche ihnen zugeflossen sind vom innersten Wesen der Dinge. – Es soll hier auf eine Tatsache aufmerksam gemacht werden, die wohl nur aus dem Vorhergehenden verständlich wird. Den Menschen unserer gegenwärtigen Bildungsstufe sind die vielen Wiederholungen in Buddhas Reden nicht recht begreiflich. Dem Geheimschüler werden sie zu etwas, worauf er gern mit seinem inneren Sinne ruht. Denn sie entsprechen gewissen Bewegungen rhythmischer Art im Ätherleib. Die Hingabe an sie in vollkommener innerer Ruhe bewirkt auch ein Zusammenklingen mit solchen Bewegungen. Und weil diese Bewegungen ein Abbild sind bestimmter Weltrhythmen, die auch in gewissen Punkten Wiederholung und regelmäßige Rückkehr zu früheren darstellen, so lebt sich im Hinhören auf die Weise Buddhas der Mensch in den Zusammenhang mit den Weltgeheimnissen hinein.
[ 25 ] In this way, a person enters the spiritual world. Once he has reached this stage, he gains a new understanding of what the great teachers of humanity have spoken. Buddha’s teachings and the Gospels, for example, now have a new effect on him. They fill him with a bliss he had not previously imagined. For the tone of their words follows the movements and rhythms that the individual has now developed within himself. He can now know immediately that a person such as the Buddha or the Gospel writers does not utter their own revelations, but rather those that have flowed to them from the innermost essence of things. – Attention should be drawn here to a fact that can probably only be understood in light of what has preceded. To people at our present stage of development, the many repetitions in Buddha’s discourses are not entirely comprehensible. To the initiate, however, they become something upon which he gladly rests his inner sense. For they correspond to certain rhythmic movements in the etheric body. Surrendering to them in perfect inner stillness also brings about a resonance with such movements. And because these movements are a reflection of certain world rhythms—which, in certain respects, also represent repetition and a regular return to earlier states—by listening to the Buddha’s teachings, a person immerses themselves in the connection with the mysteries of the world.
[ 26 ] In der Geisteswissenschaft wird von vier Eigenschaften gesprochen, welche sich der Mensch auf dem sogenannten Prüfungspfade erwerben muß, um zu höherer Erkenntnis aufzusteigen. Es ist die erste davon die Fähigkeit, in den Gedanken das Wahre von der Erscheinung zu scheiden, die Wahrheit von der bloßen Meinung. Die zweite Eigenschaft ist die richtige Schätzung des Wahren und Wirklichen gegenüber der Erscheinung. Die dritte Fähigkeit besteht in der – schon im vorigen Kapitel erwähnten – Ausübung der sechs Eigenschaften: Gedankenkontrolle, Kontrolle der Handlungen, Beharrlichkeit, Duldsamkeit, Glaube und Gleichmut. Die vierte ist die Liebe zur inneren Freiheit.
[ 26 ] In spiritual science, there is mention of four qualities that a person must acquire on the so-called path of testing in order to ascend to higher knowledge. The first of these is the ability to distinguish in thought the true from the apparent, the truth from mere opinion. The second quality is the correct assessment of what is true and real in contrast to appearance. The third ability consists in the practice—already mentioned in the previous chapter—of the six qualities: control of thought, control of action, perseverance, tolerance, faith, and equanimity. The fourth is the love of inner freedom.
[ 27 ] Ein bloßes verstandesmäßiges Begreifen dessen, was in diesen Eigenschaften liegt, nützt gar nichts. Sie müssen der Seele so einverleibt werden, daß sie innere Gewohnheiten begründen. Man nehme zum Beispiel die erste Eigenschaft: Die Unterscheidung des Wahren von der Erscheinung. Der Mensch muß sich so schulen, daß er bei jeglichem Dinge, das ihm gegenübertritt, ganz wie selbstverständlich unterscheidet zwischen dem, was unwesentlich ist, und dem, was Bedeutung hat. Man kann sich so nur schulen, wenn man in aller Ruhe und Geduld bei seinen Beobachtungen der Außenwelt immer wieder die dahin gehenden Versuche macht. Zuletzt haftet in natürlicher Weise der Blick ebenso an dem Wahren, wie er vorher an dem Unwesentlichen sich befriedigt hat. «Alles Vergängliche ist nur ein Gleichnis»: diese Wahrheit wird zu einer selbstverständlichen Überzeugung der Seele. Und so wird es mit den anderen der genannten vier Eigenschaften zu halten sein.
[ 27 ] A mere intellectual understanding of what these qualities entail is of no use whatsoever. They must be so internalized by the soul that they give rise to inner habits. Take, for example, the first quality: the distinction between the true and the apparent. One must train oneself so that, with regard to every thing that presents itself, one distinguishes quite naturally between what is insignificant and what is significant. One can train oneself in this way only by repeatedly making such attempts with calm and patience while observing the external world. Eventually, the gaze will naturally fix on the true just as it previously found satisfaction in the insignificant. “All that is transitory is but a parable”: this truth becomes a self-evident conviction of the soul. And so it will be with the other three of the four characteristics mentioned.
[ 28 ] Nun verwandelt sich tatsächlich der feine Ätherleib des Menschen unter dem Einfluß dieser vier Seelengewohnheiten. Durch die erste «Unterscheidung des Wahren von der Erscheinung» wird der gekennzeichnete Mittelpunkt im Kopfe erzeugt und der im Kehlkopf vorbereitet. Zur wirklichen Ausbildung sind dann allerdings die Konzentrationsübungen notwendig, von denen oben gesprochen worden ist. Sie bilden aus, und die vier Gewohnheiten bringen zur Reife. – Ist der Mittelpunkt in der Gegend des Kehlkopfes vorbereitet, dann wird jene angedeutete freie Beherrschung des Ätherleibes und sein Überziehen und Begrenzen mit dem Netzhautgeflecht bewirkt durch die richtige Schätzung des Wahren gegenüber der unwesentlichen Erscheinung. Bringt es der Mensch zu solcher Schätzung, dann werden ihm allmählich die geistigen Tatsachen wahrnehmbar. Er soll aber nicht glauben, daß er bloß Handlungen zu vollziehen hat, welche vor einer verstandesmäßigen Schätzung als bedeutungsvoll erscheinen. Die geringste Handlung, jeder kleine Handgriff hat etwas Bedeutungsvolles im großen Haushalte des Weltganzen, und es kommt nur darauf an, ein Bewußtsein von dieser Bedeutung zu haben. Nicht auf Unterschätzung, sondern auf richitige Einschätzung der alltäglichen Verrichtungen des Lebens kommt es an. – Von den sechs Tugenden, aus denen sich die dritte Eigenschaft zusammensetzt, ist bereits gesprochen worden. Sie hängen zusammen mit der Ausbildung der zwölf blätterigen Lotusblume in der Herzgegend. Dahin muß ja, wie gezeigt worden ist, in der Tat der Lebensstrom des Ätherleibes geleitet werden. Die vierte Eigenschaft: das Verlangen nach Befreiung, dient dann dazu, das Ätherorgan in der Nähe des Herzens zur Reifung zu bringen. Wird diese Eigenschaft zur Seelengewohnheit, dann befreit sich der Mensch von allem, was nur mit den Fähigkeiten seiner persönlichen Natur zusammenhängt. Er hört auf, die Dinge von seinem Sonderstandpunkte aus zu betrachten. Die Grenzen seines engen Selbst, die ihn an diesen Standpunkt fesseln, verschwinden. Die Geheimnisse der geistigen Welt erhalten Zugang zu seinem Inneren. Dies ist die Befreiung. Denn jene Fesseln zwingen den Menschen, die Dinge und Wesen so anzusehen, wie es seiner persönlichen Art entspricht. Von dieser persönlichen Art, die Dinge zu betrachten, muß der Geheimschüler unabhängig, frei werden.
[ 28 ] Indeed, the human being’s subtle etheric body is transformed under the influence of these four soul habits. Through the first “distinguishing the true from the apparent,” the designated center in the head is created and the one in the larynx is prepared. For true development, however, the concentration exercises mentioned above are necessary. They train the etheric body, and the four habits bring it to maturity. – Once the focal point in the region of the larynx has been prepared, the free mastery of the etheric body—and its envelopment and delimitation by the reticular plexus—is achieved through the correct assessment of the true in contrast to the insignificant appearance. If a person attains such an assessment, spiritual realities gradually become perceptible to them. However, they should not believe that they need only perform actions that appear significant before an intellectual assessment. The slightest action, every small gesture, has significance within the grand order of the universe as a whole, and what matters is simply having a consciousness of this significance. What matters is not underestimation, but correct assessment of the everyday tasks of life. – The six virtues that make up the third quality have already been discussed. They are connected with the formation of the twelve-petaled lotus flower in the region of the heart. For, as has been shown, this is indeed where the life current of the etheric body must be directed. The fourth quality—the desire for liberation—serves to bring the etheric organ near the heart to maturity. When this quality becomes a habit of the soul, the human being frees himself from everything that is merely connected with the faculties of his personal nature. He ceases to view things from his own particular standpoint. The boundaries of his narrow self, which bind him to this standpoint, disappear. The mysteries of the spiritual world gain access to his inner being. This is liberation. For those bonds compel the human being to view things and beings in a way that corresponds to his personal nature. The secret student must become independent of this personal way of viewing things, free.
[ 29 ] Man sieht hieraus, daß die Vorschriften, welche von der Geisteswissenschaft ausgehen, tief in die innerste Menschennatur hinein bestimmend wirken. Und die Vorschriften über die vier genannten Eigenschaften sind solche Vorschriften. Sie finden sich in der einen oder der anderen Form in allen mit der Geisteswelt rechnenden Weltanschauungen. Nicht aus einem dunklen Gefühl heraus haben die Begründer solcher Weltanschauungen solche Vorschriften den Menschen gegeben. Sie haben das vielmehr aus dem Grunde getan, weil sie große Eingeweihte waren. Aus der Erkenntnis heraus haben sie ihre sittlichen Vorschriften geformt. Sie wußten, wie diese auf die feinere Natur des Menschen wirken, und wollten, daß die Bekenner diese feinere Natur allmählich zur Ausbildung bringen. Im Sinne solcher Weltanschauungen leben, heißt an seiner eigenen geistigen Vervollkommnung arbeiten. Und nur wenn der Mensch das tut, dient er dem Weltganzen. Sich vervollkommnen ist keineswegs Selbstsucht. Denn der unvollkommene Mensch ist auch ein unvollkommener Diener der Menschheit und der Welt. Man dient dem Ganzen um so besser, je vollkommener man selbst ist. Hier gilt es: «Wenn die Rose selbst sich schmückt, schmückt sie auch den Garten.»
[ 29 ] It can be seen from this that the principles derived from spiritual science have a profound and defining influence on the innermost nature of the human being. And the principles concerning the four qualities mentioned are precisely such principles. They are found in one form or another in all worldviews that take the spiritual world into account. The founders of such worldviews did not give these precepts to humanity out of some vague intuition. Rather, they did so because they were great initiates. They formulated their moral precepts out of true knowledge. They knew how these precepts affect the finer nature of the human being, and they wanted adherents to gradually develop this finer nature. To live in accordance with such worldviews means to work on one’s own spiritual perfection. And only when a person does this does he serve the whole of the world. Self-perfection is by no means selfishness. For the imperfect person is also an imperfect servant of humanity and the world. The more perfect one is oneself, the better one serves the whole. As the saying goes: “When the rose adorns itself, it also adorns the garden.”
[ 30 ] Die Begründer der bedeutungsvollen Weltanschauungen sind dadurch die großen Eingeweihten. Das, was von ihnen kommt, fließt in die Menschenseelen hinein. Und dadurch kommt mit der Menschheit die ganze Welt vorwärts. Ganz bewußt haben die Eingeweihten an diesem Entwickelungsprozeß der Menschheit gearbeitet. Nur dann versteht man den Inhalt ihrer Anweisungen, wenn man beachtet, daß diese aus der Erkenntnis der tiefinnersten Menschennatur heraus geschöpft sind. Große Erkenner waren die Eingeweihten, und aus ihrer Erkenntnis heraus haben sie die Ideale der Menschheit geprägt. Der Mensch aber kommt diesen Führern nahe, wenn er sich in seiner eigenen Entwickelung zu ihren Höhen erhebt.
[ 30 ] The founders of meaningful worldviews are thus the great Initiates. What comes from them flows into human souls. And through this, the entire world progresses along with humanity. The Initiates have worked quite consciously on this process of human development. One can understand the content of their instructions only when one realizes that they are drawn from an understanding of the deepest essence of human nature. The Initiates were great seers, and from their insight they shaped the ideals of humanity. But human beings come close to these guides when they rise to their heights in their own development.
[ 31 ] Wenn bei einem Menschen die Ausbildung des Ätherleibes in der Art begonnen hat, wie das im Vorangegangenen beschrieben ist, dann erschließt sich ihm ein völlig neues Leben. Und er muß durch die Geheimsehulung zur richtigen Zeit die Aufklärungen erhalten, welche ihn befähigen, sich in diesem neuen Leben zurechtzufinden. Er sieht zum Beispiel durch die sechzehnblätterige Lotusblume geistig Gestalten einer höheren Welt. Nun muß er sich klarmachen, wie verschieden diese Gestalten sind, je nachdem sie von diesen oder jenen Gegenständen oder Wesen verursacht sind. Das erste, worauf er die Aufmerksamkeit wenden kann, ist, daß er auf eine gewisse Art dieser Gestalten durch seine eigenen Gedanken und Empfindungen einen starken Einfluß ausüben kann, auf andere gar nicht oder doch nur in geringem Maße. Eine Art der Figuren ändert sich sofort, wenn der Betrachter bei ihrem Auftreten den Gedanken hat: «das ist schön», und dann im Laufe der Anschauung diesen Gedanken ändert in diesen: «das ist nützlich». – Besonders haben die Gestalten, welche von Mineralien oder künstlich gemachten Gegenständen herrühren, die Eigentümlichkeit, daß sie sich durch jeden Gedanken oder jedes Gefühl, das ihnen der Beschauer entgegenbringt, ändern. In geringerem Maße ist das schon der Fall bei den Gestalten, welche Pflanzen zukommen; und noch weniger findet es statt bei denen, welche Tieren entsprechen. Auch diese Gestalten sind beweglich und voll Leben. Aber diese Beweglichkeit rührt nur zum Teil von dem Einfluß der menschlichen Gedanken und Empfindungen her, zum anderen Teile wird sie durch Ursachen bewirkt, auf welche der Mensch keinen Einfluß hat. Nun tritt aber innerhalb dieser ganzen Gestaltenwelt eine Sorte von Formen auf, welche der Einwirkung von seiten des Menschen selbst zunächst fast ganz entzogen sind. Der Geheimschüler kann sich davon überzeugen, daß diese Gestalten weder von Mineralien noch von künstlichen Gegenständen, auch nicht von Pflanzen oder Tieren herrühren. Er muß nun, um völlig ins klare zu kommen, die Gestalten betracbten, von denen er wissen kann, daß sie durch die Gefühle, Triebe, Leidenschaften und so weiter von anderen Menschen verursacht werden. Aber auch diesen Gestalten gegenüber kann er finden, daß seine eigenen Gedanken und Empfindungen noch einigen, wenn auch verhältnismäßig geringen Einfluß haben. Es bleibt innerhalb der Gestaltenwelt immer ein Rest, auf den dieser Einfluß verschwindend gering ist. – Ja, dieser Rest bildet im Anfange der Laulbahn des Geheimschülers sogar einen sehr großen Teil dessen, was er überhaupt sieht. Über die Natur dieses Teiles kann er sich nun nur aufklären, wenn er sich selbst beobachtet. Da findet er, welche Gestalten durch ihn selbst bewirkt worden sind. Das, was er selbst tut, will, wünscht und so weiter, kommt in diesen Gestalten zum Ausdruck. Ein Trieb, der in ihm wohnt, eine Begierde, die er hat, eine Absicht, die er hegt, und so weiter: alles das zeigt sich in solchen Gestalten. Ja, sein ganzer Charakter prägt sich in einer solchen Gestaltenwelt aus. Der Mensch kann somit durch seine bewußten Gedanken und Gefühle einen Einfluß auf alle Gestalten ausüben, welche nicht von ihm selbst ausgehen; auf diejenigen Figuren aber, die er durch sein eigenes Wesen in der höheren Welt bewirkt, hat er keinen Einfluß mehr, sobald sie durch ihn geschaffen worden sind. Es geht nun aus dem Gesagten auch hervor, daß in der höheren Anschauung das menschliche Innere, die eigene Trieb-, Begierden- und Vorstellungswelt sich genauso in äußeren Figuren zeigt wie andere Gegenstände und Wesenheiten. Die Innenwelt wird für die höhere Erkenntnis zu einem Teile der Außenwelt. Wie wenn man in der physischen Welt von allen Seiten mit Spiegeln umgeben wäre und so seine leibliche Gestalt beschauen könnte, so tritt in einer höheren Welt die seelische Wesenheit des Menschen diesem als Spiegelbild entgegen.
[ 31 ] When the development of a person’s etheric body has begun in the manner described above, a completely new life opens up to them. And at the right time, through the initiation into the mysteries, they must receive the insights that enable them to find their way in this new life. For example, through the sixteen-petaled lotus flower, they see spiritual forms from a higher world. Now they must realize how different these forms are, depending on whether they are caused by certain objects or beings. The first thing to which he can turn his attention is that, in a certain way, he can exert a strong influence on some of these figures through his own thoughts and feelings, while on others he has no influence at all or only to a small degree. One type of figure changes immediately when the observer, upon seeing it, thinks, “That is beautiful,” and then, in the course of contemplation, changes this thought to: “That is useful.”—In particular, the forms that originate from minerals or man-made objects have the peculiarity of changing in response to every thought or feeling the observer directs toward them. To a lesser extent, this is already the case with the forms associated with plants; and even less so with those corresponding to animals. These forms, too, are mobile and full of life. But this mobility stems only in part from the influence of human thoughts and feelings; in part, it is caused by factors over which human beings have no control. Now, however, a certain type of form appears within this entire world of forms that is, at first, almost entirely beyond the influence of human beings themselves. The initiate can convince himself that these forms do not originate from minerals, artificial objects, plants, or animals. To gain complete clarity, he must now observe the forms that he knows are caused by the feelings, drives, passions, and so on, of other human beings. But even with regard to these forms, he may find that his own thoughts and feelings still exert some—albeit relatively minor—influence. There always remains, within the world of forms, a remnant upon which this influence is vanishingly small. —Indeed, at the beginning of the secret student’s spiritual path, this remnant even constitutes a very large part of what he sees at all. He can only gain insight into the nature of this part, however, by observing himself. There he discovers which forms have been brought about by himself. What he himself does, wills, desires, and so on, finds expression in these forms. An impulse that dwells within him, a desire he harbors, an intention he nurtures, and so on: all of this manifests itself in such forms. Indeed, his entire character is imprinted in such a world of forms. Human beings can thus, through their conscious thoughts and feelings, exert an influence on all forms that do not originate from themselves; but he no longer has any influence over those forms that he brings about through his own being in the higher world once they have been created by him. It also follows from what has been said that, in higher perception, the human inner world—one’s own world of impulses, desires, and ideas—manifests itself in external forms just as much as other objects and entities. For higher knowledge, the inner world becomes a part of the outer world. Just as if one were surrounded on all sides by mirrors in the physical world and could thus behold one’s physical form, so in a higher world the human soul’s essence appears to the individual as a mirror image.
[ 32 ] Auf dieser Entwickelungsstufe ist für den Geheimschüler der Zeitpunkt eingetreten, in dem er die Illusion, welche aus der persönlichen Begrenztheit stammt, überwindet. Er kann jetzt das, was innerhalb seiner Persönlichkeit ist, beobachten als Außenwelt, wie er früher als Außenwelt betrachtete, was auf seine Sinne einwirkte. So lernt er allmählich durch die Erfahrung sich so behandeln, wie er früher die Wesen um sich her behandelte.
[ 32 ] At this stage of development, the moment has come for the initiate to overcome the illusion that stems from personal limitations. He can now observe what lies within his personality as the external world, just as he previously regarded as the external world whatever affected his senses. In this way, through experience, he gradually learns to treat himself as he once treated the beings around him.
[ 33 ] Würde des Menschen Blick in diese Geisteswelten geöffnet, ehe er in genügender Art auf deren Wesen vorbereitet worden ist, so stünde er zunächst vor dem charakterisierten Gemälde seiner eigenen Seele wie vor einem Rätsel. Die Gestalten seiner eigenen Triebe und Leidenschaften treten ihm da entgegen in Formen, welche er als tierische oder – seltener – auch als menschliche empfindet. Zwar sind die Tiergestalten dieser Welt niemals ganz gleich denen der physischen Welt, aber sie haben doch eine entfernte Ähnlichkeit. Von ungeübten Beobachtern werden sie wohl auch für gleich gehalten. – Man muß sich nun, wenn man diese Welt betritt, eine ganz neue Art des Urteilens aneignen. Denn abgesehen davon, daß die Dinge, die eigentlich dem menschlichen Innern angehören, als Außenwelt erscheinen, treten sie auch noch als das Spiegelbild dessen auf, was sie wirklich sind. Wenn man zum Beispiel eine Zahl da erblickt, so muß man sie umgekehrt als Spiegelbild lesen. 265 zum Beispiel bedeutet in Wahrheit hier 562. Eine Kugel sieht man so, wie wenn man in ihrem Mittelpunkt wäre. Man hat sich dann diese Innenansicht erst in der richtigen Art zu übersetzen. Aber auch seelische Eigenschaften erscheinen als Spiegelbild. Ein Wunsch, der sich auf etwas Äußeres bezieht, tritt als eine Gestalt auf, die zu dem Wünschenden selbst sich hinbewegt. Leidenschaften, welche in der niederen Natur des Menschen ihren Sitz haben, können die Form von Tieren oder ähnliche Gestaltungen annehmen, die sich auf den Menschen losstürzen. In Wirklichkeit streben ja diese Leidenschaften nach außen; sie suchen den Gegenstand ihrer Befriedigung in der Außenwelt. Aber dieses Suchen nach außen stellt sich im Spiegelbild als Angriff auf den Träger der Leidenschaft dar.
[ 33 ] If a person’s gaze were opened to these spiritual realms before he had been sufficiently prepared for their nature, he would at first stand before the vivid picture of his own soul as if before a riddle. The forms of their own drives and passions appear to them there in shapes that they perceive as animal or—more rarely—even as human. Although the animal forms of this world are never quite the same as those of the physical world, they do bear a distant resemblance. Untrained observers would likely consider them identical. – One must now, upon entering this world, acquire an entirely new way of judging. For apart from the fact that the things that actually belong to the human inner world appear as the external world, they also appear as the mirror image of what they truly are. If, for example, one sees a number there, one must read it in reverse as a mirror image. For example, 265 actually means 562 here. One sees a sphere as if one were at its center. One must then first translate this internal view in the correct manner. But psychological qualities, too, appear as mirror images. A desire that relates to something external appears as a figure moving toward the desiring person. Passions rooted in the lower nature of human beings can take the form of animals or similar figures that pounce upon the person. In reality, these passions strive outward; they seek the object of their satisfaction in the external world. But this outward search appears in the reflection as an attack on the bearer of the passion.
[ 34 ] Wenn der Geheimschüler, bevor er zu höherem Schauen aufsteigt, durch ruhige, sachliche Selbstbeobachtung seine eigenen Eigenschaften selber kennengelernt hat, dann wird er auch in dem Augenblicke, da ihm sein Inneres im äußeren Spiegelbilde entgegentritt, Mut und Kraft finden, um sich in der richtigen Art zu verhalten. Menschen, welche sich durch solche Selbstprüfung nicht genügend mit dem eigenen Inneren bekannt gemacht haben, werden sich in ihrem Spiegelbilde nicht erkennen und dieses dann für fremde Wirklichkeit halten. Auch werden sie durch den Anblick ängstlich und reden sich, weil sie die Sache nicht ertragen können, ein, das Ganze sei nur phantastisches Erzeugnis, das zu nichts führen könne. In beiden Fällen stünde der Mensch durch sein unreifes Ankommen auf einer gewissen Entwickelungsstufe der eigenen höheren Ausbildung verhängnisvoll im Wege.
[ 34 ] If, before ascending to higher vision, the initiate has come to know his own characteristics through calm, objective self-observation, then even at the very moment when his inner self confronts him in the outer mirror image, he will find the courage and strength to behave in the proper manner. People who, through such self-examination, have not become sufficiently acquainted with their own inner selves will not recognize themselves in their mirror image and will then mistake it for an external reality. They will also become frightened at the sight and, because they cannot bear it, convince themselves that the whole thing is merely a figment of the imagination that can lead to nothing. In both cases, the person, by arriving prematurely at a certain stage of development, would fatally stand in the way of their own higher education.
[ 35 ] Es ist durchaus notwendig, daß der Geheimschüler durch den geistigen Anblick seiner eigenen Seele hindurchgehe, um zu Höherem vorzudringen. Denn im eigenen Selbst hat er ja doch dasjenige Geistig-Seelische, das er am besten beurteilen kann. Hat er sich von seiner Persönlichkeit in der physischen Welt zunächst eine tüchtige Erkenntnis erworben und tritt ihm zuerst das Bild dieser Persönlichkeit in der höheren Welt entgegen, dann kann er beides vergleichen. Er kann das Höhere auf ein ihm Bekanntes beziehen und vermag so von einem festen Boden auszugehen. Wenn ihm dagegen noch so viele andere geistige Wesenheiten entgegenträten, so vermöchte er sich doch über ihre Eigenart und Wesenheit zunächst keinen Aufschluß zu geben. Er würde bald den Boden unter den Füßen schwinden fühlen. Es kann daher gar nicht oft genug betont werden, daß der sichere Zugang zur höheren Welt derjenige ist, der über die gediegene Erkenntnis und Beurteilung der eigenen Wesenheit führt.
[ 35 ] It is absolutely necessary for the initiate to pass through the spiritual vision of his own soul in order to advance to higher realms. For it is within his own self that he possesses the spiritual-soul element that he is best able to assess. If he has first acquired a thorough understanding of his personality in the physical world, and if first the image of this personality in the higher world appears before him, then he can compare the two. He can relate the higher reality to something familiar to him and is thus able to proceed from a firm foundation. If, on the other hand, he were to encounter any number of other spiritual beings, he would initially be unable to gain any insight into their nature and essence. He would soon feel the ground slipping from under his feet. It therefore cannot be emphasized often enough that the sure path to the higher world is the one that leads through a solid understanding and assessment of one’s own being.
[ 36 ] Geistige Bilder sind es also, welchen der Mensch zunächst auf seiner Bahn zur höheren Welt begegnet. Denn die Wirklichkeit, welche diesen Bildern entspricht, ist ja in ihm selbst. Reif muß demnach der Geheimschüler sein, um auf dieser ersten Stufe nicht derbe Realitäten zu verlangen, sondern die Bilder als das Richtige zu betrachten. Aber innerhalb dieser Bilderwelt lernt er bald etwas Neues kennen. Sein niederes Selbst ist nur als Spiegelgemälde vor ihm vorhanden; aber mitten in diesem Spiegelgemälde erscheint die wahre Wirklichkeit des höheren Selbst. Aus dem Bilde der niederen Persönlichkeit heraus wird die Gestalt des geistigen Ich sichtbar. Und erst von dem letzteren aus spinnen sich die Fäden zu anderen höheren geistigen Wirklichkeiten.
[ 36 ] It is thus spiritual images that a person first encounters on his path to the higher world. For the reality that corresponds to these images is, after all, within him. The secret student must therefore be mature enough not to demand crude realities at this first stage, but to regard the images as the truth. But within this world of images, he soon comes to know something new. His lower self exists before him only as a mirror image; but in the midst of this mirror image, the true reality of the higher self appears. From the image of the lower personality, the form of the spiritual “I” becomes visible. And it is only from the latter that the threads spin out toward other higher spiritual realities.
[ 37 ] Und nun ist die Zeit gekommen, um die zweiblätterige Lotusblume in der Augengegend zu gebrauchen. Fängt sie an sich zu bewegen, so findet der Mensch die Möglichkeit, sein höheres Ich mit übergeordneten geistigen Wesenheiten in Verbindung zu setzen. Die Ströme, welche von dieser Lotusblume ausgehen, bewegen sich so zu höheren Wirklichkeiten hin, daß die entsprechenden Bewegungen dem Menschen völlig bewußt sind. Wie das Licht dem Auge die physischen Gegenstände sichtbar macht, so diese Strömungen die geistigen Wesen höherer Welten.
[ 37 ] And now the time has come to use the two-petaled lotus flower in the area around the eyes. When it begins to move, a person finds the ability to connect his higher self with higher spiritual beings. The currents emanating from this lotus flower move toward higher realities in such a way that the person is fully aware of these movements. Just as light makes physical objects visible to the eye, so do these currents make the spiritual beings of higher worlds visible.
[ 38 ] Durch Versenkung in der Geisteswissenschaft entstammendc Vorstellungen, welche Grundwahrheiten enthalten, lernt der Schüler die Strömungen der Augenlotusblume in Bewegung setzen und dirigieren.
[ 38 ] By immersing themselves in the spiritual sciences and deriving ideas that contain fundamental truths, students learn to set in motion and direct the currents of the eye lotus.
[ 39 ] Was gesunde Urteilskraft, klare, logische Schulung ist, das erweist sich ganz besonders auf dieser Stufe der Entwickelung. Man muß nur bedenken, daß da das höhere Selbst, das bisher keimhaft, unbewußt im Menschen geschlummert hat, zu bewußtem Dasein geboren wird. Nicht etwa bloß im bildlichen, sondern in ganz wirklichem Sinne hat man es mit einer Geburt in der geistigen Welt zu tun. Und das geborene Wesen, das höhere Selbst, muß mit allen notwendigen Organen und Anlagen zur Welt kommen, wenn es lebensfähig sein soll. Wie die Natur vorsorgen muß, daß ein Kind mit wohlgebildeten Ohren und Augen zur Welt komme, so müssen die Gesetze der Eigenentwickelung eines Menschen Sorge tragen, daß sein höheres Selbst mit den notwendigen Fähigkeiten ins Dasein trete. Und diese Gesetze, welche die Ausbildung der höheren Organe des Geistes selbst besQrgen, sind keine anderen als die gesunden Vernunft- und Moralgesetze der physischen Welt. Wie im Mutterschoße das Kind reift, so im physischen Selbst der geistige Mensch. Die Gesundheit des Kindes hängt von normaler Wirksamkeit der Naturgesetze im Mutterschoße ab. Die Gesundheit des geistigen Menschen ist in gleicher Art von den Gesetzen des gewöhnlichen Verstandes und der im physischen Leben wirksamen Vernunft bedingt. Niemand kann ein gesundes höheres Selbst gebären, der nicht in der physischen Welt gesund lebt und denkt. Natur- und vernunftgemäßes Leben sind die Grundlage aller wahren Geistesentwickelung. – Wie das Kind im Schoße der Mutter schon nach den Naturkräften lebt, die es nach seiner Geburt mit seinen Sinnesorganen wahrnimmt, so lebt das höhere Selbst des Menschen nach den Gesetzen der geistigen Welt schon während des physischen Daseins. Und wie das Kind aus einem dunklen Lebensgefühl heraus sich die entsprechenden Kräfte aneignet, so kann es der Mensch mit den Kräften der geistigen Welt, bevor sein höheres Selbst geboren wird. Ja, er muß dies tun, wenn dies letztere als vollentwickeltes Wesen zur Welt kommen soll. Es wäre nicht richtig, wenn jemand sagte: ich kann die Lehren der Geisteswissenschaft nicht annehmen, bevor ich nicht selbst sehe. Denn ohne die Vertiefung in die Geistesforschung kann er überhaupt nicht zu wahrer höherer Erkenntnis kommen. Er wäre dann in derselben Lage wie ein Kind im Mutterschoße, das verweigerte, die Kräfte zu gebrauchen, die ihm durch die Mutter zukommen, und warten wollte, bis es sich dieselben selbst verschaffen kann. So wie der Kindeskeim im Lebensgefühl die Richtigkeit des Dargereichten erfährt, so der noch nicht sehende Mensch die Wahrheit der Lehren der Geisteswissenschaft. Es gibt eine Einsicht, die auf Wahrheitsgefühl und klare, gesunde, allseitig urteilende Vernunft gebaut ist, in diese Lehren, auch wenn man die geistigen Dinge noch nicht schaut. Man muß die mystischen Erkenntnisse zuerst lernen und sich eben gerade durch dieses Lernen zum Schauen vorbereiten. Ein Mensch, der zum Schauen käme, bevor er in dieser Art gelernt hat, gliche einem Kinde, das wohl mit Augen und Ohren, aber ohne Gehirn geboren wäre. Es breitete sich die ganze Farben- und Tonwelt vor ihm aus; aber es könnte nichts damit anfangen.
[ 39 ] What constitutes sound judgment and clear, logical training becomes particularly evident at this stage of development. One need only consider that the Higher Self—which until now has lain dormant within the human being in a latent, unconscious state—is being born into conscious existence. This is not merely a figurative concept, but in a very real sense, we are dealing with a birth in the spiritual world. And the newly born being—the higher self—must come into the world equipped with all the necessary organs and faculties if it is to be viable. Just as nature must ensure that a child is born with well-formed ears and eyes, so too must the laws governing a person’s self-development ensure that their higher self enters existence with the necessary abilities. And these laws, which themselves provide for the development of the higher organs of the spirit, are none other than the sound laws of reason and morality of the physical world. Just as a child matures in the womb, so does the spiritual human being mature within the physical self. The child’s health depends on the normal functioning of the laws of nature in the womb. The health of the spiritual human being is similarly conditioned by the laws of common sense and the reason that operates in physical life. No one who does not live and think healthily in the physical world can give birth to a healthy higher self. A life in harmony with nature and reason is the foundation of all true spiritual development. – Just as the child in the mother’s womb already lives in accordance with the forces of nature, which it perceives with its sense organs after birth, so does the higher self of human beings live according to the laws of the spiritual world even during physical existence. And just as the child acquires the corresponding powers from a dark sense of life, so can human beings do the same with the powers of the spiritual world before their higher self is born. Indeed, he must do this if the latter is to come into the world as a fully developed being. It would be wrong for anyone to say: “I cannot accept the teachings of spiritual science until I see for myself.” For without delving deeply into spiritual research, he cannot attain true higher knowledge at all. He would then be in the same situation as a child in the womb who refuses to use the forces provided by the mother and wants to wait until he can procure them for himself. Just as the embryo experiences the truth of what is offered to it through its sense of life, so does the person who cannot yet see experience the truth of the teachings of spiritual science. There is an insight into these teachings—based on a sense of truth and clear, sound, and well-rounded reasoning—even when one does not yet perceive spiritual realities. One must first learn the mystical insights and prepare oneself for perception precisely through this learning. A person who were to attain vision before having learned in this way would be like a child born with eyes and ears but without a brain. The entire world of colors and sounds would spread out before him, but he would not be able to make sense of it.
[ 40 ] Was also dem Menschen vorher durch sein Wahrheitsgefühl, durch Verstand und Vernunft einleuchtend war, das wird auf der geschilderten Stufe der Geheimschülerschaft eigenes Erlebnis. Er hat jetzt ein unmittelbares Wissen von seinem höheren Selbst. Und er lernt erkennen, daß dieses höhere Selbst mit geistigen Wesenheiten höherer Art zusammenhängt und mit ihnen eine Einheit bildet. Er sieht also, wie das niedere Selbst aus einer höheren Welt herstammt. Und es zeigt sich ihm, daß seine höhere Natur die niedere überdauert. Er kann nunmehr selbst sein Vergängliches von seinem Bleibenden unterscheiden. Das heißt nichts anderes, als er lernt die Lehre von der Einkörperung (Inkarnation) des höheren Selbst in ein niederes aus eigener Anschauung verstehen. Es wird ihm jetzt klar, daß er in einem höheren geistigen Zusammenhange darinnen steht, daß seine Eigenschaften, seine Schicksale durch diesen Zusammenhang verursacht sind. Er lernt das Gesetz seines Lebens, Karma, erkennen. Er sieht ein, daß sein niederes Selbst, wie es gegenwärtig sein Dasein ausmacht, nur eine der Gestalten ist, die sein höheres Wesen annehmen kann. Und er erblickt die Möglichkeit vor sich, von seinem höheren Selbst aus an sich zu arbeiten, auf daß er vollkommener und immer vollkommener werde. Er kann nunmehr auch die großen Unterschiede der Menschen hinsichtlich ihrer Vollkommenheitsgrade einsehen. Er wird gewahr, daß es über ihm stehende Menschen gibt, welche die noch vor ihm liegenden Stufen schon erreicht haben. Er sieht ein, daß die Lehren und Taten solcher Menschen von den Eingebungen aus einer höheren Welt herrühren. Dies verdankt er seinem ersten eigenen Blick in diese höhere Welt. Was man «große Eingeweihte der Menschheit» nennt, wird jetzt beginnen, für ihn Tatsache zu werden.
[ 40 ] What was previously evident to the individual through his sense of truth, through his intellect and reason, becomes his own experience at the described stage of initiatory training. He now has direct knowledge of his higher self. And he learns to recognize that this higher self is connected to spiritual beings of a higher order and forms a unity with them. He thus sees how the lower self originates from a higher world. And it becomes clear to him that his higher nature outlives the lower. He can now distinguish for himself between what is transitory and what is enduring. This means nothing other than that he learns to understand, from his own perspective, the doctrine of the incarnation of the higher self into a lower one. It now becomes clear to him that he is part of a higher spiritual context, and that his characteristics and destinies are caused by this context. He learns to recognize the law of his life, karma. He realizes that his lower self, as it currently constitutes his existence, is only one of the forms that his higher being can assume. And he sees before him the possibility of working on himself from the perspective of his higher self, so that he may become more and more perfect. He can now also discern the great differences among people with regard to their degrees of perfection. He becomes aware that there are people above him who have already reached the stages that still lie ahead of him. He realizes that the teachings and deeds of such people stem from inspirations from a higher world. He owes this to his first glimpse into this higher world. What are called the “great initiates of humanity” will now begin to become a reality for him.
[ 41 ] Das sind die Gaben, die der Geheimschüler dieser Stufe seiner Entwickelung verdankt: Einsicht in das höhere Selbst, in die Lehre von der Einkörperung oder Inkarnation dieses höheren Selbst in ein niederes, in das Gesetz, wonach das Leben in der physischen Welt geregelt wird nach geistigen Zusammenhängen – Karmagesetz –, und endlich in das Dasein großer Eingeweihter.
[ 41 ] These are the gifts to which the initiate owes this stage of his development: insight into the higher Self, into the doctrine of the embodiment or incarnation of this higher Self into a lower one, into the law by which life in the physical world is governed by spiritual connections—the law of karma—and, finally, into the existence of great initiates.
[ 42 ] Man sagt deshalb auch von einem Schüler, der diese Stufe erreicht hat, daß ihm der Zweifel völlig geschwunden sei. Konnte er sich vorher einen auf Vernunftgründe und gesundes Denken gebauten Glauben aneignen, so tritt jetzt an die Stelle dieses Glaubens das volle Wissen und die durch nichts zu erschütternde Einsicht.
[ 42 ] That is why it is also said of a student who has reached this stage that his doubt has completely vanished. Whereas he was previously able to acquire a faith based on rational grounds and sound thinking, this faith is now replaced by full knowledge and an insight that nothing can shake.
[ 43 ] Die Religionen haben in ihren Zeremonien, Sakramenten und Riten äußerlich sichtbare Abbilder höherer geistiger Vorgänge und Wesen gegeben. Nur wer die Tiefen der großen Religionen noch nicht durchschaut hat, kann diese verkennen. Wer aber in die geistige Wirklichkeit selbst hineinschaut, der wird auch die große Bedeutung jener äußerlich sichtbaren Handlungen verstehen. Und für ihn wird dann der religiöse Dienst selbst ein Abbild seines Verkehrs mit der geistig übergeordneten Welt.
[ 43 ] Through their ceremonies, sacraments, and rites, religions have provided outwardly visible representations of higher spiritual processes and beings. Only those who have not yet penetrated the depths of the great religions can fail to recognize this. But whoever looks into spiritual reality itself will also understand the great significance of those outwardly visible acts. And for that person, religious worship itself will then become a reflection of his communion with the spiritually superior world.
[ 44 ] Man sieht, in welcher Art der Geheimschüler durch Erreichung dieser Stufe wirklich ein neuer Mensch geworden ist. Er kann nun allmählich dazu heranreifen, durch die Strömungen seines Ätherkörpers das eigentliche höhere Lebenselement zu dirigieren und damit eine hohe Freiheit von seinem physischen Körper zu erlangen.
[ 44 ] One can see how, by reaching this stage, the initiate has truly become a new human being. He can now gradually mature to the point where he can direct the actual higher life element through the currents of his etheric body and thereby attain a high degree of freedom from his physical body.
