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How to Gain Knowledge of the Higher Worlds
GA 10

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Veränderungen im Traumleben des Geheimschülers

Changes in the Dream Life of the Occult Disciple

[ 1 ] Eine Ankündigung, daß der Geheimschüler die im vorigen Kapitel beschriebene Stufe der Entwickelung erreicht hat oder doch bald erreichen werde, ist die Veränderung, die mit seinem Traumleben vorgeht. Vorher waren die Träume verworren und willkürlich. Nun fangen sie an, einen regelmäßigen Charakter anzunehmen. Ihre Bilder werden sinnvoll zusammenhängend wie die Vorstellungen des Alltagslebens. Man kann in ihnen Gesetz, Ursache und Wirkung erkennen. Und auch der Inhalt der Träume ändert sich. Während man vorher nur Nachklänge des täglichen Lebens, umgeformte Eindrücke der Umgebung oder der eigenen Körperzustände wahrnimmt, treten jetzt Bilder aus einer Welt auf, mit der man vorher unbekannt war. Zunächst bleibt allerdings der allgemeine Charakter des Traumlebens bestehen, insofern sich der Traum vom wachen Vorstellen dadurch unterscheidet, daß er sinnbildlich dasjenige gibt, was er ausdrücken will. Einem aufmerksamen Beurteiler des Traumlebens kann ja diese Sinnbildlichkeit nicht entgehen. Man träumt zum Beispiel davon, daß man ein häßliches Tier gefangen und ein unangenehmes Gefühl in der Hand hat. Man wacht auf und merkt, daß man einen Zipfel der Bettdecke mit der Hand umschlossen hält. Die Wahrnehmung drückt sich also nicht ungeschminkt aus, sondern durch das gekennzeichnete Sinnbild. –Oder man träumt, daß man vor einem Verfolger flieht; man empfindet dabei Angst. Beim Aufwachen zeigt sich, daß man von Herzklopfen während des Schlafes befallen war. Der Magen, welcher mit schwerverdaulichen Speisen erfüllt ist, verursacht beängstigende Traumbilder. Auch Vorgänge in der Umgebung des schlafenden Menschen spiegeln sich im Traume als Sinnbilder. Das Schlagen einer Uhr kann das Bild eines Soldatentrupps hervorrufen, der bei Trommelschlag vorbeimarschiert. Ein umfallender Stuhl kann die Veranlassung zu einem ganzen Traumdrama sein, in dem der Schlag sich als Schuß widerspiegelt und so weiter. – Diese sinnbildliche Art des Ausdruckes hat nun auch der geregelte Traum des Menschen, dessen Ätherkörper sich zu entwickeln beginnt. Aber er hört auf, bloße Tatsachen der physischen Umgebung oder des eigenen sinnlichen Leibes widerzuspiegeln. So wie diejenigen Träume regelmäßig werden, welche diesen Dingen ihren Ursprung verdanken, so mischen sich auch solche Traumbilder ein, die Ausdruck von Dingen und Verhältnissen einer anderen Welt sind. Hier werden zuerst Erfahrungen gemacht, welche dem gewöhnlichen Tagesbewußtsein unzugänglich sind. – Nun darf man keineswegs glauben, daß irgendein wahrer Mystiker die Dinge, die er in solcher Art traumhaft erlebt, zur Grundlage irgendwelcher maßgebenden Mitteilungen einer höheren Welt schon macht. Nur als die ersten Anzeichen einer höheren Entwickelung hat man solche Traumerlebnisse zu betrachten. – Bald tritt auch als weitere Folge die Tatsache ein, daß die Bilder des träumenden Geheimschülers nicht mehr wie früher der Leitung des besonnenen Verstandes entzogen sind, sondern von diesem geregelt und ordnungsgemäß überschaut werden wie die Vorstellungen und Empfindungen des Wachbewußtseins. Es verschwindet eben immer mehr und mehr der Unterschied zwischen dem Traumbewußtsein und diesem Wachzustand. Der Träumende ist im vollen Sinne des Wortes während des Traumlebens wach; das heißt, er fühlt sich als Herr und Führer seiner bildhaften Vorstellungen.

[ 1 ] A sign that the secret student has reached—or will soon reach—the stage of development described in the previous chapter is the change taking place in his dream life. Previously, his dreams were confused and random. Now they are beginning to take on a regular character. Their images become meaningfully coherent, like the ideas of everyday life. One can discern laws, cause, and effect in them. And the content of the dreams also changes. Whereas before one perceived only echoes of daily life—transformed impressions of the surroundings or one’s own physical states—images now emerge from a world previously unknown to the dreamer. At first, however, the general character of dream life persists, insofar as the dream differs from waking imagination in that it presents symbolically what it intends to express. This symbolic nature cannot escape the attention of a careful observer of dream life. For example, one dreams of having caught an ugly animal and feeling an unpleasant sensation in one’s hand. One wakes up and realizes that one is clutching a corner of the bedspread in one’s hand. Perception, then, does not express itself directly, but through the characteristic symbol. —Or one dreams of fleeing from a pursuer; one feels fear in the process. Upon waking, it becomes clear that one’s heart was racing during sleep. The stomach, filled with hard-to-digest food, causes frightening dream images. Events occurring in the sleeping person’s surroundings are also reflected in the dream as symbols. The striking of a clock can evoke the image of a troop of soldiers marching past to the beat of drums. A chair falling over can trigger an entire dream drama in which the thud is interpreted as a gunshot, and so on. – This symbolic mode of expression is also characteristic of the regular dreams of a person whose etheric body is beginning to develop. But these dreams cease to merely reflect facts from the physical environment or one’s own physical body. Just as those dreams become regular that originate from these things, so too do dream images emerge that are expressions of things and circumstances from another world. Here, experiences are first had that are inaccessible to ordinary waking consciousness. – Now, one must by no means believe that any true mystic already regards the things he experiences in this dreamlike manner as the basis for any authoritative communications from a higher world. Such dream experiences are to be regarded only as the first signs of a higher development. – Soon, as a further consequence, the images of the dreaming esoteric student are no longer, as before, beyond the control of the sober intellect, but are regulated and properly supervised by it, just like the ideas and sensations of waking consciousness. The distinction between dream consciousness and this waking state is gradually disappearing. The dreamer is awake in the full sense of the word during the dream life; that is, he feels himself to be the master and guide of his pictorial imaginings.

[ 2 ] Während des Träumens befindet sich der Mensch tatsächlich in einer Welt, welche von derjenigen seiner physischen Sinne verschieden ist. Nur vermag der Mensch mit unentwickelten geistigen Organen sich von dieser Welt keine anderen als die gekennzeichneten verworrenen Vorstellungen zu bilden. Sie ist für ihn nur so vorhanden, wie die sinnliche Welt für ein Wesen da wäre, das höchstens die allerersten Anlagen von Augen hat. Deshalb kann der Mensch auch nichts sehen in dieser Welt als die Nachbilder und Widerspiegelungen des gewöhnlichen Lebens. Diese kann er aber aus dem Grunde im Traume sehen, weil seine Seele ihre Tageswahmehmungen selbst als Bilder in den Stoff hineinmalt, aus dem jene andere Welt besteht. Man muß sich nämlich klar darüber sein, daß der Mensch neben seinem gewöhnlichen bewußten Tagesleben noch ein zweites, unbewußtes, in der angedeuteten anderen Welt führt. Alles, was er wahrnimmt und denkt, gräbt er in Abdrücken in diese Welt ein. Man kann diese Abdrucke eben nur sehen, wenn die Lotusblumen entwickelt sind. Nun sind bei jedem Menschen gewisse spärliche Anlagen der Lotusblumen immer vorhanden. Während des Tagesbewußtseins kann er damit nichts wahrnehmen, weil die Eindrücke auf ihn ganz schwach sind. Es ist dies aus einem ähnlichen Grunde, warum man während des Tages die Sterne nicht sieht. Sie kommen für die Wahrnehmungen gegenüber dem mächtig wirkenden Sonnenlicht nicht auf. So kommen die schwachen geistigen Eindrücke gegenüber den machtvollen Eindrücken der physischen Sinne nicht zur Geltung. Wenn nun im Schlaf die Tore der äußeren Sinne geschlossen sind, so leuchten diese Eindrücke verworren auf. Und der Träumende wird dann der in einer anderen Welt gemachten Erfahrungen gewahr. Aber, wie gesagt, zunächst sind diese Erfahrungen nichts weiter als dasjenige, was das an die physischen Sinne gebundene Vorstellen selbst in die geistige Welt eingegraben hat. – Erst die entwickelten Lotusblumen machen es möglich, daß Kundgebungen, welche nicht der physischen Welt angehören, dort verzeichnet werden. Und durch den entwickelten Ätherleib entsteht dann ein volles Wissen von diesen aus anderen Welten herrührenden Einzeichnungen. – Damit hat der Verkehr des Menschen in einer neuen Welt begonnen. Und der Mensch muß jetzt – durch die Anleitungen der Geheimschulung – ein Doppeltes zunächst erreichen. Zuerst muß es ihm möglich werden, ganz vollständig wie im Wachen die im Traume gemachten Beobachtungen zu gewahren. Hat er dies erreicht, so wird er dazu geführt, dieselben Beobachtungen auch während des gewöhnlichen Wachzustandes zu machen. Seine Aufmerksamkeit auf geistige Eindrücke wird da einfach so geregelt, daß diese Eindrücke gegenüber den physischen nicht mehr zu verschwinden brauchen, sondern daß er sie neben und mit diesen immerfort haben kann.

[ 2 ] While dreaming, a person is in fact in a world that is distinct from that of his physical senses. However, a person with undeveloped mental faculties is unable to form any other impressions of this world than the confused ones described above. For them, it exists only in the same way that the sensory world would exist for a being possessing, at most, the very earliest rudiments of eyes. That is why a person can see nothing in this world other than the afterimages and reflections of ordinary life. However, they are able to see these in a dream because their soul paints their daytime perceptions as images into the substance of which that other world is composed. One must be clear about the fact that, alongside his ordinary conscious daily life, a person leads a second, unconscious life in the other world alluded to here. Everything he perceives and thinks, he imprints into this world. One can see these imprints only when the lotus flowers have developed. Now, every human being always possesses certain rudimentary forms of these lotus flowers. During waking consciousness, he cannot perceive anything through them because the impressions are very faint. This is for a similar reason to why one does not see the stars during the day. They cannot compete with the powerful effect of sunlight. Thus, the weak spiritual impressions cannot hold their own against the powerful impressions of the physical senses. When, during sleep, the gates of the external senses are closed, these impressions shine forth in a confused manner. And the dreamer then becomes aware of experiences had in another world. But, as I said, at first these experiences are nothing more than what the imagination—bound to the physical senses—has itself engraved in the spiritual world. —Only the developed lotus flowers make it possible for manifestations that do not belong to the physical world to be recorded there. And through the developed etheric body, a full knowledge of these recordings originating from other worlds then arises. – Thus has humanity’s interaction with a new world begun. And humanity must now—through the guidance of the secret training—achieve two things initially. First, it must become possible for them to perceive the observations made in dreams just as completely as in the waking state. Once they have achieved this, they will be guided to make the same observations even during the ordinary waking state. Their attention to spiritual impressions is then simply regulated in such a way that these impressions no longer need to fade away in the face of physical ones, but rather that they can be alongside and remain with them at all times.

[ 3 ] Hat der Geheimschüler diese Fähigkeit erlangt, dann tritt eben vor seinen geistigen Augen etwas von dem Gemälde auf, das im vorigen Kapitel beschrieben worden ist. Er kann nunmehr wahrnehmen, was in der geistigen Welt vorhanden ist als die Ursache für die physische. Und er kann vor allem sein höheres Selbst innerhalb dieser Welt erkennen. – Seine nächste Aufgabe ist nun, in dieses höhere Selbst gewissermaßen hineinzuwachsen, das heißt, es wirklich als seine wahre Wesenheit anzusehen und auch sich dementsprechend zu verhalten. Immer mehr erhält er nun die Vorstellung und das lebendige Gefühl davon, daß sein physischer Leib und was er vorher sein «Ich» genannt hat, nur mehr ein Werkzeug des höheren Ich ist. Er bekommt eine Empfindung gegenüber dem niederen Selbst, wie es der auf die Sinnenwelt beschränkte Mensch gegenüber einem Werkzeug oder Fahrzeug hat, deren er sich bedient. So wie dieser den Wagen, in dem er fährt, nicht zu seinem «Ich» rechnet, auch wenn er sagt: «Ich fahre» wie «Ich gehe», so hat der entwickelte Mensch, wenn er sagt: «Ich gehe zur Tür hinein», eigentlich die Vorstellung: «Ich trage meinen Leib zur Tür hinein.» Nur muß das für ihn ein so selbstverständlicher Begriff sein, daß er nicht einen Augenblick den festen Boden der physischen Welt verliert, daß niemals ein Gefühl von Entfremdung deshalb gegenüber der Sinnenwelt auftritt. Soll der Geheimschüler nicht zum Schwärmer oder Phantasten werden, so muß er durch das höhere Bewußtsein sein Leben in der physischen Welt nicht verarmen, sondern bereichern, so wie es derjenige bereichert, der sich statt seiner Beine eines Eisenbahnzuges bedient, um einen Weg zu machen.

[ 3 ] Once the initiate has attained this ability, something of the vision described in the previous chapter appears before his inner eye. He can now perceive what exists in the spiritual world as the cause of the physical world. And above all, he can recognize his higher self within this world. – His next task is now, in a sense, to grow into this higher Self—that is, to truly regard it as his true essence and to behave accordingly. He increasingly gains the understanding and the vivid sense that his physical body and what he previously called his “I” are now merely instruments of the higher Self. He develops a feeling toward the lower self similar to that which a person limited to the sensory world has toward a tool or vehicle he uses. Just as such a person does not count the car in which he rides as part of his “I,” even when he says, “I’m driving,” just as he says, “I’m walking,” so too does the developed person, when he says, “I’m walking through the door,” actually have the idea: “I am carrying my body through the door.” But this must be such a self-evident concept for him that he does not lose touch with the solid ground of the physical world for even a moment, so that a feeling of alienation from the sensory world never arises as a result. If the student of the esoteric teachings is not to become a dreamer or a fantasist, then through higher consciousness he must not impoverish his life in the physical world, but rather enrich it—just as one enriches it who, instead of using his legs, makes use of a train to travel a certain distance.

[ 4 ] Hat es der Geheimschüler zu einem solchen Leben in seinem höheren Ich gebracht, dann – oder vielmehr schon während der Aneignung des höheren Bewußtseins – wird ihm klar, wie er die geistige Wahrnehmungskraft in dem in der Herzgegend erzeugten Organ zum Dasein erwecken und durch die in den vorigen Kapiteln charakterisierten Strömungen leiten kann. Diese Wahrnehmungskraft ist ein Element von höherer Stofflichkeit, das von dem genannten Organ ausgeht und in leuchtender Schönheit durch die sich bewegenden Lotusblumen und auch durch die anderen Kanäle des ausgebildeten Ätherleibes strömt. Es strahlt von da nach außen in die umgebende geistige Welt und macht sie geistig sichtbar, wie das von außen auf die Gegenstände fallende Sonnenlicht diese physisch sichtbar macht.

[ 4 ] Once the initiate has attained such a life within his higher Self—or rather, already during the process of acquiring higher consciousness—it becomes clear to him how he can awaken the power of spiritual perception in the organ formed in the region of the heart and channel it through the currents described in the previous chapters. This power of perception is an element of higher substance that emanates from the aforementioned organ and flows in radiant beauty through the moving lotus flowers and also through the other channels of the developed etheric body. From there it radiates outward into the surrounding spiritual world and makes it spiritually visible, just as sunlight falling from outside onto objects makes them physically visible.

[ 5 ] Wie diese Wahrnehmungskraft im Herzorgane erzeugt wird, das kann nur allmählich im Ausbilden selbst verstanden werden.

[ 5 ] How this power of perception is generated in the heart can only be understood gradually through the process of development itself.

[ 6 ] Deutlich als Gegenstände und Wesen wahrnehmbar wird die geistige Welt eigentlich erst für einen Menschen, der in solcher Art das charakterisierte Wahmehmungsorgan durch seinen Ätherleib und nach der Außenwelt senden kann, um damit die Gegenstände zu beleuchten. – Man sieht daraus, daß ein vollkommenes Bewußtsein von einem Gegenstande der geistigen Welt nur unter der Bedingung entstehen kann, daß der Mensch selbst das Geisteslicht auf ihn wirft. In Wahrheit wohnt nun das «Ich», welches dieses Wahmehmungsorgan erzeugt, gar nicht im physischen Menschenkörper, sondern, wie gezeigt worden ist, außerhalb desselben. Das Herzorgan ist nur der Ort, wo der Mensch von außen her dieses geistige Lichtorgan entfacht. Würde er es nicht hier, sondern an einem anderen Orte entzünden, so hätten die durch dasselbe zustande gebrachten geistigen Wahrnehmungen keinen Zusammenhang mit der physischen Welt. Aber der Mensch soll ja alles höhere Geistige eben auf die physische Welt beziehen und durch sich in die letztere hereinwirken lassen. Das Herzorgan ist gerade dasjenige, durch welches das höhere Ich das sinnliche Selbst zu seinem Werkzeug macht und von dem aus dies letztere gehandhabt wird.

[ 6 ] The spiritual world actually becomes clearly perceptible as objects and beings only to a person who can project the characterized organ of perception through their etheric body toward the external world in such a way as to illuminate the objects. – It follows from this that a complete awareness of an object in the spiritual world can arise only on the condition that the human being himself casts the light of the spirit upon it. In truth, the “I” that generates this organ of perception does not reside in the physical human body at all, but, as has been shown, outside of it. The heart is merely the place where the human being kindles this spiritual organ of light from outside. If he were to kindle it not here but in some other place, the spiritual perceptions brought about by it would have no connection with the physical world. But the human being is meant to relate all higher spiritual matters precisely to the physical world and to allow them to work into the latter through himself. The heart is precisely the organ through which the higher Self makes the sensory self its instrument and from which the latter is directed.

[ 7 ] Nun ist die Empfindung, welche der entwickelte Mensch gegenüber den Dingen der geistigen Welt hat, eine andere als die, welche dem Sinnenmenschen gegenüber der physischen Welt eigen ist. Der letztere fühlt sich an einem gewissen Orte der Sinnenwelt, und die wahrgenommenen Gegenstände sind für ihn «außerhalb». Der geistig entwickelte Mensch dagegen fühlt sich mit dem geistigen Gegenstande seiner Wahrnehmung wie vereinigt, wie «im Innern» desselben. Er wandelt in der Tat im Geistesraume von Ort zu Ort. Man nennt ihn deshalb in der Sprache der Geheimwissenschaft auch den «Wanderer». Er ist zunächst nirgends zu Hause. – Bliebe er bei dieser bloßen Wanderschaft, dann könnte er keinen Gegenstand im geistigen Raume wirklich bestimmen. Wie man einen Gegenstand oder Ort im physischen Raume dadurch bestimmt, daß man von einem gewissen Punkte ausgeht, so muß das auch in der erreichten anderen Welt der Fall sein. Man muß sich auch da irgendwo einen Ort suchen, den man zunächst ganz genau erforscht und geistig für sich in Besitz nimmt. In diesem Orte muß man sich eine geistige Heimat gründen und dann alles andere zu dieser Heimat in ein Verhältnis setzen. Auch der in der physischen Welt lebende Mensch sieht ja alles so, wie es die Vorstellungen seiner physischen Heimat mit sich bringen. Ein Berliner beschreibt unwillkürlich London anders als ein Pariser. Nur ist es mit der geistigen Heimat doch anders als mit der physischen. In die letztere ist man ohne sein Zutun hineingeboren, in ihr hat man während der Jugendzeit eine Reihe von Vorstellungen instinktiv aufgenommen, von denen fortan alles unwillkürlich beleuchtet wird. Die geistige Heimat hat man sich aber mit vollem Bewußtsein selbst gebildet. Man urteilt von ihr ausgehend deshalb auch in voller lichter Freiheit. Dieses Bilden einer geistigen Heimat nennt man in der Sprache der Geheimwissenschaft «eine Hütte bauen».

[ 7 ] Now, the perception that the spiritually developed person has of the things of the spiritual world is different from that which is characteristic of the sensory person with regard to the physical world. The latter feels himself to be in a certain place within the sensory world, and the perceived objects are “outside” him. The spiritually developed human being, on the other hand, feels as if united with the spiritual object of his perception, as if “within” it. He does, in fact, wander from place to place in spiritual space. That is why, in the language of esoteric science, he is also called the “Wanderer.” At first, he is at home nowhere. – If he were to remain merely a wanderer, he would be unable to truly define any object in spiritual space. Just as one defines an object or location in physical space by taking a certain point as a starting point, so too must this be the case in the other world that has been attained. There, too, one must find a place, which one first explores in great detail and mentally takes possession of. In this place, one must establish a spiritual home and then relate everything else to this home. After all, even a person living in the physical world sees everything through the lens of the concepts associated with their physical home. A Berliner instinctively describes London differently than a Parisian. Yet a spiritual home is different from a physical one. One is born into the latter without any effort on one’s part; during one’s youth, one has instinctively absorbed a series of ideas within it, through which everything is henceforth viewed unconsciously. One’s spiritual homeland, however, is something one has formed for oneself with full consciousness. Therefore, one also judges from this perspective with complete, enlightened freedom. In the language of esoteric science, this formation of a spiritual homeland is called “building a hut.”

[ 8 ] Das geistige Schauen auf dieser Stufe erstreckt sich zunächst auf die geistigen Gegenbilder der physischen Welt, soweit diese Gegenbilder in der sogenannten astralen Welt liegen. In dieser Welt befindet sich alles dasjenige, was seinem Wesen nach gleich den menschlichen Trieben, Gefühlen, Begierden und Leidenschaften ist. Denn zu allen den Menschen umgebenden Sinnesdingen gehören auch Kräfte, die mit diesen menschlichen verwandt sind. Ein Kristall zum Beispiel wird in seine Form gegossen durch Kräfte, die sich der höheren Anschauung gegenüber ausnehmen wie ein Trieb, der im Menschen wirkt. Durch ähnliche Kräfte wird der Saft durch die Gefäße der Pflanze geleitet, werden die Blüten zur Entfaltung, die Samenkapseln zum Aufspringen gebracht. Alle diese Kräfte gewinnen Form und Farbe für die entwickelten geistigen Wahmehmungsorgane, wie die Gegenstände der physischen Welt Form und Farbe für das physische Auge haben. Der Geheimschüler sieht auf der geschilderten Stufe seiner Entwickelung nicht nur den Kristall, die Pflanze, sondern auch die gekennzeichneten geistigen Kräfte. Und er sieht die tierischen und menschlichen Triebe nicht nur durch die physischen Lebensäußerungen ihrer Träger, sondern auch unmittelbar als Gegenstände, wie er in der physischen Welt Tische und Stühle sieht. Die ganze Instinkt-, Trieb-, Wunsch-, Leidenschaftswelt eines Tieres oder Menschen wird zu der astralen Wolke, in welche das Wesen eingehüllt wird, zur Aura.

[ 8 ] At this stage, spiritual vision initially extends to the spiritual counterparts of the physical world, insofar as these counterparts are located in what is known as the astral world. This world contains everything that, in its essence, is akin to human drives, feelings, desires, and passions. For all the sensory objects surrounding human beings also possess forces that are related to these human ones. A crystal, for example, is molded into its form by forces that, to higher perception, appear like an instinct at work within a human being. Through similar forces, sap is channeled through the vessels of a plant, causing the blossoms to unfurl and the seed pods to burst open. All these forces take on form and color for the developed spiritual organs of perception, just as objects in the physical world have form and color for the physical eye. At the stage of development described, the initiate sees not only the crystal and the plant, but also the spiritual forces at work within them. And he perceives animal and human instincts not only through the physical manifestations of life in their bearers, but also directly as objects, just as he perceives tables and chairs in the physical world. The entire world of instincts, drives, desires, and passions of an animal or a human being becomes the astral cloud in which the being is enveloped—the aura.

[ 9 ] Weiter nimmt der Hellseher auf dieser Stufe seiner Entwickelung auch Dinge wahr, die sich der sinnlichen Auffassung fast oder vollständig entziehen. Er kann zum Beispiel den astralen Unterschied merken zwischen einem Raume, der zum großen Teile mit niedrig gesinnten Menschen erfüllt ist, und einem solchen, in dem hochgesinnte Personen anwesend sind. In einem Krankenhause ist nicht nur die physische, sondern auch die geistige Atmosphäre eine andere als in einem Tanzsaale. Eine Handelsstadt hat eine andere astrale Luft als ein Universitätsort. Zunächst wird das Wahmehmungsvermögen des hellsehend gewordenen Menschen für solche Dinge nur schwach entwickelt sein. Es wird sich zu den zuerst genannten Gegenständen so verhalten wie das Traumbewußtsein des Sinnenmenschen zu seinem Wachbewußtsein. Aber allmählich wird er auch auf dieser Stufe voll erwachen.

[ 9 ] Furthermore, at this stage of his development, the clairvoyant also perceives things that are almost or completely beyond the reach of the senses. For example, he can sense the astral difference between a room that is largely filled with people of low character and one in which people of high character are present. In a hospital, not only the physical atmosphere but also the spiritual atmosphere is different from that in a dance hall. A commercial city has a different astral atmosphere than a university town. At first, the perceptual capacity of a person who has become clairvoyant will be only weakly developed for such things. It will relate to the aforementioned objects in the same way that the dream consciousness of a sensory human relates to his waking consciousness. But gradually, even at this stage, he will fully awaken.

[ 10 ] Die höchste Errungenschaft des Hellsehers, der den charakterisierten Grad des Schauens erreicht hat, ist diejenige, auf welcher sich ihm die astralen Gegenwirkungen der tierischen und menschlichen Triebe und Leidenschaften zeigen. Eine liebevolle Handlung hat eine andere astrale Begleiterscheinung als eine solche, die vom Hasse ausgeht. Die sinnlose Begierde stellt außer sich selbst noch ein häßliches astrales Gegenbild dar, die auf Hohes gerichtete Empfindung dagegen ein schönes. Diese Gegenbilder sind während des physischen Menschenlebens nur schwach zu sehen. Denn ihre Stärke wird durch das Leben in der physischen Welt beeinträchtigt. Ein Wunsch nach einem Gegenstande erzeugt zum Beispiel ein solches Spiegelbild außer dem, als welches dieser Wunsch selbst in der astralen Welt erscheint. Wird aber der Wunsch durch das Erlangen des physischen Gegenstandes befriedigt oder ist wenigstens die Möglichkeit zu solcher Befriedigung vorhanden, so wird das Gegenbild nur ein sehr schwacher Schein sein. Zu seiner vollen Geltung gelangt es erst nach dem Tode des Menschen, wenn die Seele noch immer, ihrer Natur nach, solchen Wunsch hegen muß, ihn aber nicht mehr befriedigen kann, weil der Gegenstand und auch das physische Organ dazu fehlen. Der sinnlich veranlagte Mensch wird auch nach seinem Tode zum Beispiel die Gier nach Gaumengenuß haben. Ihm fehlt jetzt aber die Möglichkeit der Befriedigung, da er doch keinen Gaumen mehr hat. Das hat zur Folge, daß der Wunsch ein besonders heftiges Gegenbild erzeugt, von dem die Seele dann gequält wird. Man nennt diese Erfahrungen durch die Gegenbilder der niederen Seelennatur nach dem Tode die Erlebnisse im Seelenreich, besonders in dem Orte der Begierden. Sie schwinden erst, wenn die Seele sich geläutert hat von allen nach der physischen Welt hinzielenden Begierden. Dann steigt diese Seele erst in das höhere Gebiet (Geisteswelt) auf. – Wenn auch diese Gegenbilder beim noch physisch lebenden Menschen schwach sind: sie sind doch vorhanden und begleiten ihn als seine Begierden-Anlage, wie den Kometen sein Schweif begleitet. Und der Hellseher kann sie sehen, wenn er die entsprechende Entwickelungsstufe erreicht hat.

[ 10 ] The highest achievement of the clairvoyant who has attained the described level of vision is the stage at which the astral repercussions of animal and human drives and passions are revealed to him. An act of love has a different astral manifestation than one motivated by hatred. Senseless desire produces, in addition to itself, an ugly astral image, whereas a feeling directed toward the higher produces a beautiful one. These astral images can only be faintly perceived during a person’s physical life, for their intensity is diminished by life in the physical world. For example, a desire for an object creates such a mirror image in addition to the form in which the desire itself appears in the astral world. But if the desire is satisfied by the acquisition of the physical object—or if at least the possibility of such satisfaction exists—then the mirror image will be only a very faint glimmer. It only comes into its full effect after a person’s death, when the soul, by its very nature, must still harbor such a desire but can no longer satisfy it, because both the object and the physical organ required for it are lacking. A person of a sensual disposition, for example, will continue to have a craving for culinary delights even after death. But he now lacks the means of satisfaction, since he no longer has a palate. As a result, the desire produces a particularly intense counter-image, which then torments the soul. These experiences caused by the counter-images of the lower nature of the soul after death are called the experiences in the realm of the soul, particularly in the realm of desires. They only fade when the soul has purified itself of all desires directed toward the physical world. Only then does this soul ascend into the higher realm (the spiritual world). – Even though these counter-images are faint in a person who is still physically alive, they are nevertheless present and accompany him as his predisposition to desire, just as a comet’s tail accompanies it. And the clairvoyant can see them once he has reached the corresponding stage of development.

[ 11 ] In solchen Erfahrungen und in allen denen, welche damit verwandt sind, lebt der Geheimschüler in dem Stadium, das beschrieben worden ist. Bis zu noch höheren geistigen Erlebnissen kann er es auf dieser Entwickelungsstufe noch nicht bringen. Er muß von da an noch höher aufwärts steigen.

[ 11 ] In such experiences—and in all those related to them—the initiate lives at the stage that has been described. At this stage of development, he is not yet able to attain even higher spiritual experiences. From there, he must ascend even higher.