How to Gain Knowledge of the Higher Worlds
GA 10
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How to Gain Knowledge of the Higher Worlds, tr. SOL
Die Erlangung der Kontinuität des Bewusstseins
Achieving Continuity of Consciousness
[ 1 ] Das Leben des Menschen verläuft im Wechsel von drei Zuständen. Diese sind: Wachsein, traumerfüllter Schlaf und traumloser tiefer Schlaf. Man kann verstehen, wie man zu den höheren Erkenntnissen der geistigen Welten gelangt, wenn man sich eine Vorstellung davon bildet, was für Veränderungen in bezug auf diese drei Zustände bei demjenigen Menschen vorgehen müssen, der solche Erkenntnis suchen will. Bevor der Mensch eine Schulung für diese Erkenntnis durchgemacht hat, wird sein Bewußtsein fortwährend unterbrochen von den Ruhepausen des Schlafes. In diesen Pausen weiß die Seele nichts von der Außenwelt und auch nichts von sich selbst. Nur für gewisse Zeiten tauchen aus dem allgemeinen Meere der Bewußtlosigkeit die Träume auf, welche anknüpfen an Vorgänge der Außenwelt oder an Zustände des eigenen Leibes. Zunächst sieht man in den Träumen nur eine besondere Äußerung des Schlaflebens, und man spricht daher wohl überhaupt nur von zwei Zuständen: Schlafen und Wachen. Für die Geheimwissenschaft aber hat der Traum eine selbständige Bedeutung neben den beiden anderen Zuständen. Es ist im vorigen Kapitel beschrieben worden, welche Veränderung in dem Traumleben des Menschen vorgeht, der den Aufstieg zu höherer Erkenntnis unternimmt. Seine Träume verlieren den bedeutungslosen, unregelmäßigen und zusammenhanglosen Charakter und werden immer mehr und mehr zu einer regelerfüllten, zusammenhängenden Welt. Bei weiterer Entwickelung gibt dann diese aus der Traumwelt geborene neue Welt der äußeren sinnlichen Wirklichkeit nicht nur an innerer Wahrheit nichts nach, sondern in ihr offenbaren sich Tatsachen, die im vollen Sinne des Wortes eine höhere Wirklichkeit darstellen. In der sinnlichen Welt sind nämlich überall Geheimnisse und Rätsel verborgen. Diese Welt zeigt wohl die Wirkungen gewisser höherer Tatsachen; allein der Mensch, der seine Wahrnehmung bloß auf seine Sinne beschränkt, kann nicht zu den Ursachen dringen. Dem Geheimschüler offenbaren sich in dem geschilderten, aus dem Traumleben herausgebildeten, aber keineswegs etwa bei ihm stehenbleibenden Zustande diese Ursachen teilweise. – Er darf ja allerdings diese Offenbarungen so lange nicht als wirkliche Erkenntnisse ansehen, als sich ihm noch nicht während des gewöhnlichen wachen Lebens dieselben Dinge zeigen. Aber auch dazu gelangt er. Er entwickelt sich dazu, den Zustand, den er erst aus dem Traumleben sich geschaffen hat, in das wache Bewußtsein herüberzunehmen. Dann ist für ihn die Sinnenwelt um etwas ganz Neues bereichert. Wie ein Mensch, der, blind geboren und operiert, nach seinem Sehendwerden die Dinge der Umgebung um all die Wahrnehmungen des Auges bereichert erkennt, so schaut der auf obige Art hellsehend gewordene Mensch die ganze ihn umgebende Welt mit neuen Eigenschaften, Dingen, Wesen und so weiter. Er braucht nunmehr nicht auf den Traum zu warten, um in einer anderen Welt zu leben, sondern er kann sich zu höherer Wahrnehmung immer, wenn es angemessen ist, in den geschilderten Zustand versetzen. Bei ihm hat dann dieser Zustand eine ähnliche Bedeutung, wie im gewöhnlichen Leben eine solche das Wahrnehmen der Dinge bei tätigen Sinnen gegenüber dem bei nicht tätigen Sinnen hat. Man kann eben in wahrem Sinne sagen: der Geheimschüler öffnet die Sinne seiner Seele, und er schaut die Dinge, welche den leiblichen Sinnen verborgen bleiben müssen.
[ 1 ] Human life alternates between three states. These are: wakefulness, dream-filled sleep, and dreamless deep sleep. One can understand how to attain higher insights into the spiritual worlds by forming a conception of the changes that must take place in relation to these three states in a person who seeks such insight. Before a person has undergone training for this insight, their consciousness is constantly interrupted by the rest periods of sleep. During these intervals, the soul is unaware of the external world and also of itself. Only at certain times do dreams emerge from the general sea of unconsciousness, linking to events in the external world or to states of one’s own body. At first glance, dreams appear to be merely a special manifestation of the life of sleep, and one therefore tends to speak of only two states: sleeping and waking. For esoteric science, however, the dream has an independent significance alongside the other two states. The previous chapter described the transformation that takes place in the dream life of a person who undertakes the ascent to higher knowledge. Their dreams lose their meaningless, irregular, and disjointed character and increasingly become a world governed by order and coherence. With further development, this new world of external sensory reality—born of the dream world—not only is in no way inferior to inner truth, but within it are revealed facts that, in the fullest sense of the word, constitute a higher reality. For secrets and mysteries are hidden everywhere in the sensory world. This world does indeed reveal the effects of certain higher facts; yet the person who limits his perception solely to his senses cannot penetrate to the causes. To the initiate, these causes are partially revealed in the state described—a state that has developed out of the dream life but by no means remains confined to it. – He must not, however, regard these revelations as true knowledge as long as the same things do not reveal themselves to him during ordinary waking life. But he will reach that point as well. He develops the ability to carry over into waking consciousness the state he has first created for himself from his dream life. Then the sensory world is enriched for him with something entirely new. Just as a person who was born blind and, after undergoing surgery, comes to see the things around him enriched by all the perceptions of the eye, so too does the person who has become clairvoyant in the manner described above perceive the entire world around him with new qualities, things, beings, and so on. He no longer needs to wait for a dream to live in another world, but can always, whenever appropriate, place himself in the state described above to attain higher perception. For him, this state then has a significance similar to that which, in ordinary life, the perception of things through active senses has in contrast to that through inactive senses. One can truly say: the occult student opens the senses of his soul, and he beholds things that must remain hidden from the physical senses.
[ 2 ] Dieser Zustand bildet nun nur einen Übergang zu noch höheren Stufen der Erkenntnis des Geheimschülers. Setzt dieser die ihm bei seiner Geheimschulung dienenden Übungen fort, so wird er nach angemessener Zeit finden, daß nicht nur mit seinem Traumleben die beschriebene durchgreifende Veränderung vorgeht, sondern daß sich die Verwandlung auch auf den vorher traumlosen tiefen Schlaf ausdehnt. Er merkt, daß die völlige Bewußtlosigkeit, in welcher er sich früher während dieses Schlafes befunden hat, unterbrochen wird von vereinzelten bewußten Erlebnissen. Aus der allgemeinen Finsternis des Schlafes tauchen Wahrnehmungen von einer Art auf, die er vorher nicht gekannt hat. Es ist natürlich nicht leicht, diese Wahrnehmungen zu beschreiben, denn unsere Sprache ist ja nur für die Sinneswelt geschaffen, und man kann daher nur annähernd Worte für das finden, was gar nicht dieser Sinneswelt angehört. Doch muß man die Worte zur Beschreibung der höheren Welten zunächst verwenden. Das kann nur dadurch geschehen, daß vieles in Gleichnissen gesagt wird. Aber da alles in der Welt mit anderem verwandt ist, so kann dies auch geschehen. Die Dinge und Wesen der höheren Welten sind mit denen der Sinneswelt wenigstens so weit verwandt, daß bei gutem Willen immerhin eine Vorstellung von diesen höheren Welten auch durch die für die Sinneswelt gebräuchlichen Worte erzielt werden kann. Man muß sich nur immer dessen bewußt bleiben, daß vieles bei solchen Beschreibungen übersinnlicher Welten Gleichnis und Sinnbild sein muß. – Die Geheimschulung selbst vollzieht sich daher nur zum Teil in den Worten der gewöhnlichen Sprache; im übrigen lernt der Schüler zu seinem Aufstieg noch eine sich wie selbstverständlich ergebende sinnbildliche Ausdrucksart. Man muß sie sich während der Geheimschulung selbst aneignen. Dies hindert aber nicht, daß man auch durch gewöhnliche Beschreibungen, wie sie hier gegeben werden, etwas über die Natur der höheren Welten erfährt.
[ 2 ] This state is merely a transition to even higher levels of insight for the initiate. If the initiate continues the exercises that serve him in his secret training, he will find, after a reasonable amount of time, that not only does the profound change described above take place in his dream life, but that the transformation also extends to the deep, previously dreamless sleep. He notices that the complete unconsciousness in which he previously found himself during this sleep is interrupted by isolated conscious experiences. Out of the general darkness of sleep, perceptions of a kind he had not known before emerge. Of course, it is not easy to describe these perceptions, for our language is, after all, designed only for the sensory world, and one can therefore find only approximate words for what does not belong to this sensory world at all. Yet one must use words to describe the higher worlds for the time being. This can only be done by expressing much of it in parables. But since everything in the world is related to something else, this is indeed possible. The things and beings of the higher worlds are related to those of the sensory world at least to such an extent that, with good will, a conception of these higher worlds can be attained even through the words commonly used for the sensory world. One must simply remain constantly aware that much of what is said in such descriptions of supersensible worlds must be parables and symbols. — The secret training itself therefore takes place only in part through the words of ordinary language; for the rest, the student learns, as a natural consequence of his ascent, a symbolic mode of expression. One must acquire this mode of expression during the course of the secret training itself. This does not, however, prevent one from learning something about the nature of the higher worlds even through ordinary descriptions, such as those given here.
[ 3 ] Will man eine Vorstellung geben von den oben erwähnten Erlebnissen, die zunächst aus dem Meere der Bewußtlosigkeit während des tiefen Schlafes auftauchen, so kann man sie am besten mit einer Art von Hören vergleichen. Von wahrgenommenen Tönen und Worten kann man sprechen. Wie man die Erlebnisse des Traumschlafes zutreffend als eine Art des Schauens im Vergleiche mit den Wahrnehmungen der Sinne bezeichnen kann, so lassen sich die Tatsachen des tiefen Schlafes mit den Eindrücken des Ohres vergleichen. (Als Zwischenbemerkung soll nur gesagt werden, daß das Schauen auch für die geistigen Welten das Höhere ist. Farben sind auch in dieser Welt etwas Höheres als Töne und Worte. Aber das, was der Geheimschüler von dieser Welt bei seiner Schulung zuerst wahrnimmt, sind eben noch nicht die höheren Farben, sondern die niederen Töne. Nur weil der Mensch nach seiner allgemeinen Entwickelung für die Welt schon geeigneter ist, die sich im Traumschlaf offenbart, nimmt er da sogleich die Farben wahr. Für die höhere Welt, die sich im Tiefschlaf enthüllt, ist er noch weniger geeignet. Deshalb offenbart sich diese ihm zunächst in Tönen und Worten; später kann er auch hier zu Farben und Formen aufsteigen.)
[ 3 ] If one wishes to convey an idea of the experiences mentioned above—which first emerge from the sea of unconsciousness during deep sleep—they can best be compared to a kind of hearing. One can speak of perceived sounds and words. Just as the experiences of dream sleep can accurately be described as a kind of seeing in comparison to sensory perceptions, so too can the phenomena of deep sleep be compared to auditory impressions. (As a side note, it should simply be said that seeing is also the higher form of perception in the spiritual worlds. Colors are also, in this world, something higher than sounds and words. But what the initiate first perceives of this world during his training is not yet the higher colors, but rather the lower sounds. It is only because, in terms of his general development, a person is already better suited to the world that reveals itself in dream sleep that he immediately perceives colors there. He is even less suited to the higher world that reveals itself in deep sleep. Therefore, this world initially reveals itself to him in sounds and words; later, he can also ascend to colors and forms here.)
[ 4 ] Wenn nun der Geheimschüler merkt, daß er solche Erlebnisse im tiefen Schlafe hat, dann ist es zunächst seine Aufgabe, sich dieselben so deutlich und klar wie möglich zu machen. Anfangs fällt das sehr schwer; denn die Wahrnehmung des in diesem Zustande Erlebten ist zunächst eine außerordentlich geringe. Man weiß nach dem Erwachen wohl, daß man etwas erlebt hat; was es aber gewesen ist, darüber bleibt man völlig im unklaren. Das Wichtigste während dieses Anfangszustandes ist, daß man ruhig und gelassen bleibt und nicht einen Augenblick in irgendwelche Unruhe und Ungeduld verfällt. Diese müßten unter allen Umständen nur schädlich wirken. Vor allem können sie die weitere Entwickelung nie beschleunigen, sondern müssen sie verzögern. Man muß sich ruhig sozusagen dem überlassen, was einem gegeben oder geschenkt wird; alles Gewaltsame muß unterbleiben. Kann man in einem Zeitpunkte Schlaferlebnisse nicht gewahr werden, so warte man geduldig, bis dieses möglich sein wird. Denn dieser Augenblick kommt gewiß einmal. Und war man vorher geduldig und gelassen, so bleibt dann die Wahrnehmungsfähigkeit ein sicherer Besitz, während sie bei einem gewaltsamen Vorgehen zwar einmal auftreten, aber sich dann wieder für längere Zeit vollständig verlieren kann.
[ 4 ] When the initiate realizes that he is having such experiences during deep sleep, his first task is to make them as clear and distinct as possible to himself. At first, this is very difficult, for the perception of what is experienced in this state is initially extremely limited. Upon waking, one knows full well that one has experienced something; but as to what it was, one remains completely in the dark. The most important thing during this initial stage is to remain calm and composed and not to succumb for a single moment to any restlessness or impatience. These would have only harmful effects under any circumstances. Above all, they can never accelerate further development; rather, they are bound to delay it. One must calmly surrender, so to speak, to what is given or bestowed upon one; any forced action must be avoided. If one is unable to become aware of sleep experiences at a given moment, one should wait patiently until this becomes possible. For that moment will certainly come. And if one has been patient and calm beforehand, the ability to perceive will remain a secure possession, whereas if one proceeds forcefully, it may occur once but can then be completely lost again for a long time.
[ 5 ] Ist die Wahrnehmungsfähigkeit einmal eingetreten und stehen einem die Schlaferlebnisse vollkommen klar und deutlich vor dem Bewußtsein, dann hat man auf folgendes die Aufmerksamkeit zu richten. Unter diesen Erlebnissen sind ganz genau zweierlei Arten zu unterscheiden. Die eine Art wird ganz fremd sein gegenüber all dem, was man vorher jemals kennengelernt hat. An diesen Erlebnissen mag man zunächst seine Freude haben; man mag sich an ihnen erbauen; aber man lasse sie im übrigen vorläufig auf sich beruhen. Sie sind die ersten Vorboten der höheren geistigen Welt, in welcher man sich erst später zurechtfinden wird. Die andere Art von Erlebnissen aber wird dem aufmerksamen Betrachter eine gewisse Verwandtschaft mit der gewöhnlichen Welt zeigen, in welcher er lebt. Worüber er während des Lebens nachdenkt, was er begreifen möchte an den Dingen seiner Umgebung, aber mit dem gewöhnlichen Verstande nicht begreifen kann, darüber geben ihm diese Schlaferlebnisse Aufschluß. Der Mensch denkt während des Alltagslebens über das nach, was ihn umgibt. Er macht sich Vorstellungen, um den Zusammenhang der Dinge zu begreifen. Er sucht das durch Begriffe zu verstehen, was seine Sinne wahrnehmen. Auf solche Vorstellungen und Begriffe beziehen sich die Schlaferlebnisse. Was früher dunkler, schattenhafter Begriff war, gewinnt etwas Klangvolles, Lebendiges, das man eben nur mit den Tönen und Worten der Sinneswelt vergleichen kann. Es wird dem Menschen immer mehr so, wie wenn ihm die Lösung der Rätsel, über die er nachdenken muß, aus einer höheren Welt in Tönen und Worten zugeraunt würde. Und er vermag dann dasjenige, was ihm aus einer anderen Welt zukommt, mit dem gewöhnlichen Leben zu verbinden. Was vorher nur sein Gedanke erreichen konnte, ist jetzt für ihn Erlebnis, so lebendig und inhaltsvoll wie nur irgendein Erlebnis der Sinneswelt sein kann. Die Dinge und Wesen dieser Sinneswelt sind eben durchaus nicht bloß das, als was sie der Sinneswahrnehmung erscheinen. Sie sind der Ausdruck und Ausfluß einer geistigen Welt. Diese vorher verborgene Geisteswelt tönt jetzt für den Geheimschüler aus seiner ganzen Umgebung heraus.
[ 5 ] Once the ability to perceive has taken hold and the dream experiences stand before one’s consciousness with complete clarity, one must then direct one’s attention to the following. Among these experiences, a very clear distinction must be made between two types. One type will be entirely foreign to everything one has ever experienced before. At first, one may take pleasure in these experiences; one may be uplifted by them; but for the time being, one should leave them alone. They are the first harbingers of the higher spiritual world, in which one will only later find one’s bearings. The other type of experience, however, will reveal to the attentive observer a certain kinship with the ordinary world in which one lives. These sleep experiences shed light on what one ponders during life—what one wishes to comprehend about the things in one’s surroundings but cannot grasp with ordinary reason. In everyday life, a person reflects on what surrounds them. They form mental images to understand the connections between things. They seek to understand through concepts what their senses perceive. These sleep experiences relate to such mental images and concepts. What was once a vague, shadowy concept takes on a resonant, living quality that can only be compared to the sounds and words of the sensory world. It increasingly feels to the individual as if the solution to the riddles he must ponder were being whispered to him from a higher world in sounds and words. And he is then able to connect what comes to him from another world with his ordinary life. What previously could only be reached by his thoughts is now an experience for him, as vivid and rich in content as any experience of the sensory world can be. The things and beings of this sensory world are by no means merely what they appear to be to sensory perception. They are the expression and outflow of a spiritual world. This previously hidden spiritual world now resounds to the secret student from his entire surroundings.
[ 6 ] Es ist leicht einzusehen, daß ein Segen in dieser höheren Wahrnehmungsfähigkeit für den Menschen nur dann liegen kann, wenn in den seelischen Sinnen, die sich ihm eröffnet haben, alles in Ordnung ist, wie ja der Mensch auch seine gewöhnlichen Sinneswerkzeuge zur wahren Beobachtung der Welt nur gebrauchen kann, wenn sie gesetzmäßig eingerichtet sind. Nun bildet sich der Mensch selbst diese höheren Sinne durch die Übungen, die ihm die Geheimschulung anweist. – Zu diesen Übungen gehört die Konzentration, das ist das Richten der Aufmerksamkeit auf ganz bestimmte mit den Weltgeheimnissen zusammenhängende Vorstellungen und Begriffe. Und es gehört ferner dazu das Meditieren, das ist das Leben in solchen Ideen, das vollkommene Versenken in dieselben in vorgeschriebener Art. Durch Konzentrieren und Meditieren arbeitet der Mensch an seiner Seele. Er entwickelt dadurch in ihr die seelischen Wahrnehmungsorgane. Während er den Aufgaben der Konzentration und Meditation obliegt, wächst innerhalb seines Leibes seine Seele, wie der Kindeskeim im Leibe der Mutter wächst. Und wenn dann während des Schlafes die geschilderten einzelnen Erlebnisse eintreten, dann rückt der Moment der Geburt heran für die freigewordene Seele, die dadurch buchstäblich ein anderes Wesen geworden ist, das der Mensch in sich zur Keimung und Reifung bringt. – Die Anstrengungen für das Konzentrieren und das Meditieren müssen deshalb sorgfältige sein, und sie müssen genau eingehalten werden, weil sie ja die Gesetze für die Keimung und das Reifwerden des gekennzeichneten höheren Menschen-Seelenwesens sind. Und dieses muß bei seiner Geburt ein in sich harmonischer, richtig gegliederter Organismus sein. Wird aber in den Vorschriften etwas verfehlt, so kommt nicht ein solches gesetzmäßiges Lebewesen, sondern eine Fehlgeburt auf geistigem Gebiet zustande, die nicht lebensfähig ist.
[ 6 ] It is easy to see that this heightened capacity for perception can only be a blessing for human beings if everything is in order within the soul’s senses that have opened up to them—just as human beings can only use their ordinary sensory faculties to truly observe the world if they are properly attuned. Now, human beings develop these higher senses themselves through the exercises prescribed by the esoteric training. — Among these exercises is concentration, which is the directing of attention toward very specific ideas and concepts related to the mysteries of the world. It also includes meditation, which is living within such ideas, the complete immersion in them in a prescribed manner. Through concentration and meditation, a person works on their soul. In this way, they develop the soul’s organs of perception within it. While they are engaged in the tasks of concentration and meditation, their soul grows within their body, just as a child’s embryo grows within the mother’s womb. And when, during sleep, the individual experiences described above occur, then the moment of birth approaches for the liberated soul, which has thereby literally become a different being—one that the human being brings to germination and maturation within themselves. – The efforts involved in concentration and meditation must therefore be meticulous, and they must be strictly observed, for they are, after all, the laws governing the germination and maturation of the higher human soul-being described above. And this being must, at its birth, be a harmonious, properly structured organism. But if any of the guidelines are neglected, the result will not be such a lawful living being, but rather a spiritual miscarriage that is not viable.
[ 7 ] Daß die Geburt dieses höheren Seelenwesens zunächst im tiefen Schlafe erfolgt, wird begreiflich erscheinen, wenn man bedenkt, daß der zarte, noch wenig widerstandsfähige Organismus bei einem etwaigen Erscheinen während des sinnlichen Alltagslebens durch die starken, harten Vorgänge dieses Lebens ja gar nicht zur Geltung kommen könnte. Seine Tätigkeit käme nicht in Betracht gegenüber der Tätigkeit des Leibes. Im Schlafe, wenn der Körper ruht, soweit seine Tätigkeit von der sinnlichen Wahrnehmung abhängt, kann die im Anfang so zarte, unscheinbare Tätigkeit der höheren Seele zum Vorschein kommen. –Wieder aber muß beachtet werden, daß der Geheimschüler die Schlaferlebnisse so lange nicht als vollgültige Erkenntnisse ansehen darf, solange er nicht imstande ist, die erwachte höhere Seele auch in das Tagesbewußtsein hertiberzunehmen. Ist er das imstande, so vermag er auch zwischen und innerhalb der Tageserlebnisse die geistige Welt nach ihrem Charakter wahrzunehmen, das heißt, er kann die Geheimnisse seiner Umgebung seelisch als Töne und Worte erfassen.
[ 7 ] The fact that the birth of this higher spiritual being initially takes place during deep sleep will seem understandable when one considers that, were it to appear during ordinary sensory daily life, its delicate, still fragile organism would be completely overwhelmed by the intense, harsh processes of that life. Its activity would be negligible compared to that of the body. In sleep, when the body rests—insofar as its activity depends on sensory perception—the activity of the higher soul, so delicate and inconspicuous at first, can come to the fore. –However, it must again be noted that the initiate must not regard the experiences of sleep as fully valid insights as long as he is not able to carry the awakened higher soul over into waking consciousness. If he is capable of doing so, he will also be able to perceive the spiritual world according to its character both between and within his daytime experiences; that is, he can grasp the mysteries of his surroundings spiritually as sounds and words.
[ 8 ] Nun muß man sich auf dieser Stufe der Entwickelung klarwerden, daß man es ja zunächst mit einzelnen mehr oder weniger unzusammenhängenden geistigen Erlebnissen zu tun hat. Man muß sich daher hüten, sich aus ihnen irgendein abgeschlossenes oder auch nur zusammenhängendes Erkenntnisgebäude aufbauen zu wollen. Da müßten sich allerlei phantastische Vorstellungen und Ideen in die Seelenwelt einmischen; und man könnte sich so sehr leicht eine Welt zusammenbauen, die mit der wirklichen geistigen gar nichts zu tun hat. Strengste Selbstkontrolle muß ja von dem Geheimschüler fortwährend geübt werden. Das richtigste ist, über die einzelnen wirklichen Erlebnisse, die man hat, immer mehr und mehr zur Klarheit zu kommen und abzuwarten, bis sich neue ergeben in völlig ungezwungener Art, die sich wie von selbst mit den schon vorhandenen verbinden. – Es tritt da nämlich bei dem Geheimschüler durch die Kraft der geistigen Welt, in die er nun einmal gekommen ist, und bei Anwendung der entsprechenden Übungen eine immer mehr um sich greifende Erweiterung des Bewußtseins im tiefen Schlafe ein. Immer mehr Erlebnisse treten hervor aus der Bewußtlosigkeit und immer kleinere Strecken des Schlaflebens werden bewußtlos sein. So schließen sich dann die einzelnen Schlaferfahrungen eben immer mehr von selbst zusammen, ohne daß dieser wahre Zusammenschluß durch allerlei Kombinationen und Schlußfolgerungen gestört würde, die doch nur von dem an die Sinneswelt gewöhnten Verstande herrühren würden. Je weniger aber von den Denkgewohnheiten dieser sinnlichen Welt in unberechtigter Weise hineingemischt wird in die höheren Erlebnisse, desto besser ist es. Verhält man sich so, dann nähert man sich immer mehr und mehr derjenigen Stufe auf dem Wege zu höherer Erkenntnis, auf welcher Zustände, die vorher nur unbewußt im Schlafleben vorhanden waren, in vollständig bewußte umgewandelt werden. Man lebt dann, wenn der Körper ruht, ebenso in einer Wirklichkeit, wie dies beim Wachen der Fall ist. Es wird überflüssig sein, zu bemerken, daß während des Schlafes selbst zunächst man es mit einer anderen Wirklichkeit zu tun hat, als die sinnliche Umgebung ist, in welcher sich der Körper befindet. Man lernt ja und muß – um fest auf dem Boden der Sinneswelt stehenzubleiben und nicht Phantast zu werden – lernen, die höheren Schlaferlebnisse an die sinnliche Umgebung anzuknüpfen. Aber zunächst ist eben die im Schlaf erlebte Welt eine vollkommen neue Offenbarung. — Man nennt in der Geheimwissenschaft die wichtige Stufe, die in der Bewußtheit des Schlaflebens besteht, die Kontinuität (Ununterbrochenheit) des Bewußtseins.1Was hier angedeutet wird, ist für eine gewisse Stufe der Entwickelung eine Art «Ideal», das am Ende eines langen Weges liegt. Was der Geheimschüler zunächst kennenlernt, sind die zwei Zustände: Bewußtsein bei einer seelischen Verfassung, in welcher ihm vorher nur regellose Träume, und in einer solchen, in der nur bewußtloser, traumloser Schlaf möglich war.
[ 8 ] At this stage of development, one must realize that one is initially dealing with individual, more or less disjointed spiritual experiences. One must therefore be careful not to attempt to construct from them any kind of complete or even coherent system of knowledge. All sorts of fantastical notions and ideas would then intrude into the inner world; and one could very easily construct a world that has absolutely nothing to do with the real spiritual world. The secret student must, of course, continually exercise the strictest self-control. The most correct approach is to gain ever greater clarity regarding the individual real experiences one has and to wait until new ones arise in a completely unforced manner, connecting of their own accord with those already present. – For through the power of the spiritual world into which the initiate has now entered—and through the practice of the appropriate exercises—an ever-expanding broadening of consciousness occurs during deep sleep. More and more experiences emerge from unconsciousness, and ever smaller portions of the sleep state will remain unconscious. In this way, the individual sleep experiences gradually come together of their own accord, without this true synthesis being disrupted by all manner of combinations and conclusions that would stem solely from a mind accustomed to the sensory world. However, the less the thought patterns of this sensory world are unjustifiably intermixed with the higher experiences, the better. If one behaves in this way, one approaches more and more closely that stage on the path to higher knowledge where states that were previously present only unconsciously in sleep life are transformed into fully conscious ones. One then lives, while the body rests, in a reality just as much as is the case when awake. It goes without saying that during sleep itself, one is initially dealing with a reality other than the sensory environment in which the body finds itself. Indeed, one learns—and must learn, in order to remain firmly grounded in the sensory world and not become a fantasist—to link the higher sleep experiences to the sensory environment. But at first, the world experienced in sleep is a completely new revelation. — In esoteric science, the important stage consisting of awareness of the life of sleep is called the continuity (uninterruptedness) of consciousness.1What is implied here is, for a certain stage of development, a kind of “ideal” that lies at the end of a long path. What the student of the occult first encounters are two states: consciousness in a mental state in which, previously, only chaotic dreams were possible, and in a state in which only unconscious, dreamless sleep was possible.
[ 9 ] Bei einem Menschen, der diese Stufe erreicht hat, hört das Erleben und Erfahren in solchen Zeiten nicht auf, in denen der physische Leib ruht und der Seele keine Eindrücke durch die Sinneswerkzeuge zugeführt werden.
[ 9 ] For a person who has reached this stage, the experience and perception do not cease during those times when the physical body is at rest and no impressions are conveyed to the soul through the sense organs.
