Donate books to help fund our work. Learn more→

The Rudolf Steiner Archive

a project of Steiner Online Library, a public charity

DONATE

Philosophy, History and Literature
GA 51

13 December 1904, Berlin

Translate the original German text into any language:

Geschichte Des Mittelalters bis zu den großen Erfindungen und Entdeckungen VII

Geschichte Des Mittelalters bis zu den großen Erfindungen und Entdeckungen VII

[ 1 ] Vor acht Tagen habe ich Ihnen den Gegensatz entwickelt zwischen dem West- und dem Ostreich, zwischen dem, was heute Frankreich, und dem, was heute Deutschland und Österreich ist, wie es sich im 8., 9. und 10. Jahrhundert herausgebildet hatte.

[ 1 ] Vor acht Tagen habe ich Ihnen den Gegensatz entwickelt zwischen dem West- und dem Ostreich, zwischen dem, was heute Frankreich, und dem, was heute Deutschland und Österreich ist, wie es sich im 8., 9. und 10. Jahrhundert herausgebildet hatte.

[ 2 ] Wir haben gesehen, daß sich die beiden Reiche dadurch unterschieden, daß im Westreiche die alte römische Kultur ihre Spuren hinterlassen hatte und die Kirche bald zu einer Herrschaft gelangte, indem sie selbst Großgrundbesitz erwarb. So kam es zum Kampf des Laienadels mit der aufstrebenden Kirche. Vor allem haben wir es zu tun mit einer anderen Art von Kirche. Sie war mit mächtigem Großgrundbesitz ausgestattet worden, vorzüglich durch Karl den Großen, so daß die Kirche zum Bundesgenossen der weltlichen Herrschaft wurde, weil sie in die feudalen Verhältnisse nach oben wie nach unten gebracht worden war.

[ 2 ] Wir haben gesehen, daß sich die beiden Reiche dadurch unterschieden, daß im Westreiche die alte römische Kultur ihre Spuren hinterlassen hatte und die Kirche bald zu einer Herrschaft gelangte, indem sie selbst Großgrundbesitz erwarb. So kam es zum Kampf des Laienadels mit der aufstrebenden Kirche. Vor allem haben wir es zu tun mit einer anderen Art von Kirche. Sie war mit mächtigem Großgrundbesitz ausgestattet worden, vorzüglich durch Karl den Großen, so daß die Kirche zum Bundesgenossen der weltlichen Herrschaft wurde, weil sie in die feudalen Verhältnisse nach oben wie nach unten gebracht worden war.

[ 3 ] Die Unterworfenen waren in ein Lehensverhältnis zu den Überwindern gekommen; die Adeligen entwickelten sich zu Lehensleuten der Könige, und so hatte sich das Königreich immer mehr ausgebildet. Fortwährend hatte das Westreich mit dem Gegensatz zwischen den Lehensleuten und der Kirche zu schaffen. Anders im Ostreich. Hier war das alte Unabhängigkeitsempfinden, das Freiheitsgefühl noch wach geblieben, so daß die Stammesherzöge sich durchaus nicht bequemen wollten, in ein Abhängigkeitsverhältnis zu treten. So ist das 9., 10. und 11. Jahrhundert damit ausgefüllt, daß die sogenannten Könige, die zwar gewählt, aber eigentlich nur ihrem Namen nach Könige waren, fortwährend damit zu tun hatten, die Stammesherzöge in ihre Abhängigkeit zu bringen.

[ 3 ] Die Unterworfenen waren in ein Lehensverhältnis zu den Überwindern gekommen; die Adeligen entwickelten sich zu Lehensleuten der Könige, und so hatte sich das Königreich immer mehr ausgebildet. Fortwährend hatte das Westreich mit dem Gegensatz zwischen den Lehensleuten und der Kirche zu schaffen. Anders im Ostreich. Hier war das alte Unabhängigkeitsempfinden, das Freiheitsgefühl noch wach geblieben, so daß die Stammesherzöge sich durchaus nicht bequemen wollten, in ein Abhängigkeitsverhältnis zu treten. So ist das 9., 10. und 11. Jahrhundert damit ausgefüllt, daß die sogenannten Könige, die zwar gewählt, aber eigentlich nur ihrem Namen nach Könige waren, fortwährend damit zu tun hatten, die Stammesherzöge in ihre Abhängigkeit zu bringen.

[ 4 ] Die Geschichte erzählt viel von solchen Kämpfen. Auf die Karolinger folgte nach dem Franken Konrad das sächsische Königshaus, und es wird viel von den Taten Heinrichs I., Ottos I., II. und II. und Heinrichs II. erzählt, sowie der darauffolgenden fränkischen Könige, Konrads II., Heinrichs IL, IV. und V. Diese Könige, die im Ostreich gewählt werden, hatten ja nicht irgendwie in die Verfassung, die Gesetzgebung der Stämme hineinzureden; auch keine Justizgewalt stand ihnen zur Verfügung. So ist es viel wichtiger, wenn man weiß, was eigentlich das Reich damals zu bedeuten hatte, als daß man sich von den einzelnen Kämpfen eine genaue Vorstellung bildet.

[ 4 ] Die Geschichte erzählt viel von solchen Kämpfen. Auf die Karolinger folgte nach dem Franken Konrad das sächsische Königshaus, und es wird viel von den Taten Heinrichs I., Ottos I., II. und II. und Heinrichs II. erzählt, sowie der darauffolgenden fränkischen Könige, Konrads II., Heinrichs IL, IV. und V. Diese Könige, die im Ostreich gewählt werden, hatten ja nicht irgendwie in die Verfassung, die Gesetzgebung der Stämme hineinzureden; auch keine Justizgewalt stand ihnen zur Verfügung. So ist es viel wichtiger, wenn man weiß, was eigentlich das Reich damals zu bedeuten hatte, als daß man sich von den einzelnen Kämpfen eine genaue Vorstellung bildet.

[ 5 ] Vorhanden waren größere Herzogtümer. Sie sind entstanden auf die geschilderte Art. Bei der ursprünglichen Wanderung in diese Gegenden waren einzelne, die großen Grundbesitz erworben hatten, immer mächtiger geworden, kleinere Besitzer wurden von ihnen abhängig, mußten ihren Besitz als Lehen übergeben und dann Abgaben zahlen.

[ 5 ] Vorhanden waren größere Herzogtümer. Sie sind entstanden auf die geschilderte Art. Bei der ursprünglichen Wanderung in diese Gegenden waren einzelne, die großen Grundbesitz erworben hatten, immer mächtiger geworden, kleinere Besitzer wurden von ihnen abhängig, mußten ihren Besitz als Lehen übergeben und dann Abgaben zahlen.

[ 6 ] So hatten die Stammesherzöge allmählich den kleinen Besitz eingezogen und dadurch, daß sie von dem großen Grundbesitz anderen etwas zum Lehen gegeben, sich das Recht zugesichert, daß sie ihnen eine bestimmte Anzahl von Kriegsleuten zur Verfügung stellten, eine bestimmte Summe zu zahlen hatten.

[ 6 ] So hatten die Stammesherzöge allmählich den kleinen Besitz eingezogen und dadurch, daß sie von dem großen Grundbesitz anderen etwas zum Lehen gegeben, sich das Recht zugesichert, daß sie ihnen eine bestimmte Anzahl von Kriegsleuten zur Verfügung stellten, eine bestimmte Summe zu zahlen hatten.

[ 7 ] So waren durch die Aufsaugung des kleineren Grundbesitzes durch den großen die Herzogtümer Sachsen, Franken, Schwaben, Bayern und so weiter entstanden. Allmählich ging auch die Gerichtsbarkeit von den Gaugerichten an die sogenannten Hofgerichte über, die die Herzöge ihren Lehensleuten und Bauern aufgedrängt hatten. Die Kirche mußte, ihren Vorschriften nach, ihre Gerichtsbarkeit durch Vögte ausüben lassen. Auch der König war nichts anderes als ein großer Grundbesitzer. Er hatte Vasallen, Heeresgefolge, das er in seine Botmäßigkeit gezwungen, ferner Domänengüter erworben und damit da und dort sich Herrschaftsverhältnisse begründet. Das Verhältnis des Herzogs zum König war auch nur das eines Vasallen, indem er bestimmte Abgaben an den Hof lieferte, bestimmte Erträgnisse der herumziehenden Hofhaltung zur Verfügung stellte. Gerichtsbarkeit war Herzogssache. Nur in den Grenzgebieten gegen die Magyaren, Wenden und Dänen zu wurde die Gerichtsbarkeit durch königliche Mark- und Pfalzgrafen ausgeübt. Große Staaten mit einheitlicher Verwaltung, einheitlichem Heere gab es nicht. Daher ewige Kriege der Könige gegen die unbotmäßigen Herzöge, welche nicht Abgaben leisten wollten. Da war es nötig geworden, daß allmählich die Kirche herangezogen wurde.

[ 7 ] So waren durch die Aufsaugung des kleineren Grundbesitzes durch den großen die Herzogtümer Sachsen, Franken, Schwaben, Bayern und so weiter entstanden. Allmählich ging auch die Gerichtsbarkeit von den Gaugerichten an die sogenannten Hofgerichte über, die die Herzöge ihren Lehensleuten und Bauern aufgedrängt hatten. Die Kirche mußte, ihren Vorschriften nach, ihre Gerichtsbarkeit durch Vögte ausüben lassen. Auch der König war nichts anderes als ein großer Grundbesitzer. Er hatte Vasallen, Heeresgefolge, das er in seine Botmäßigkeit gezwungen, ferner Domänengüter erworben und damit da und dort sich Herrschaftsverhältnisse begründet. Das Verhältnis des Herzogs zum König war auch nur das eines Vasallen, indem er bestimmte Abgaben an den Hof lieferte, bestimmte Erträgnisse der herumziehenden Hofhaltung zur Verfügung stellte. Gerichtsbarkeit war Herzogssache. Nur in den Grenzgebieten gegen die Magyaren, Wenden und Dänen zu wurde die Gerichtsbarkeit durch königliche Mark- und Pfalzgrafen ausgeübt. Große Staaten mit einheitlicher Verwaltung, einheitlichem Heere gab es nicht. Daher ewige Kriege der Könige gegen die unbotmäßigen Herzöge, welche nicht Abgaben leisten wollten. Da war es nötig geworden, daß allmählich die Kirche herangezogen wurde.

[ 8 ] Es war vereinbar mit der Frömmigkeit, daß ihr Lasten für den König auferlegt wurden. Otto I. war es besonders, der bei aller Frömmigkeit, bei aller kirchlichen Gläubigkeit die Kirche nötigte, Abgaben zu leisten. Die Bistümer wurden gezwungen, sich in derselben Weise wie die anderen Lehensleute zu verhalten. Der kirchliche Besitz wurde in zwei Glieder geteilt, von denen ein Teil von Hörigen bebaut wurde für den Bischof, zu dem sie‘in völlige Abhängigkeit geraten waren. Ein anderes Gebiet blieb in loserem Verhältnis; dort mußten die Bauern im Namen des Bischofs für den Kaiser das Feld bestellen.

[ 8 ] Es war vereinbar mit der Frömmigkeit, daß ihr Lasten für den König auferlegt wurden. Otto I. war es besonders, der bei aller Frömmigkeit, bei aller kirchlichen Gläubigkeit die Kirche nötigte, Abgaben zu leisten. Die Bistümer wurden gezwungen, sich in derselben Weise wie die anderen Lehensleute zu verhalten. Der kirchliche Besitz wurde in zwei Glieder geteilt, von denen ein Teil von Hörigen bebaut wurde für den Bischof, zu dem sie‘in völlige Abhängigkeit geraten waren. Ein anderes Gebiet blieb in loserem Verhältnis; dort mußten die Bauern im Namen des Bischofs für den Kaiser das Feld bestellen.

[ 9 ] Immer mehr sahen sich die Kaiser durch neue Feinde genötigt, die Kirche zu einem engeren Verhältnis heranzuziehen. Mächtige Feinde bedrohten Mitteleuropa. Die Normannen hatten, nachdem sie immer wieder die Völker beunruhigten, nachdem sie von Arnulf von Kärnten in der Schlacht bei Löwen besiegt worden waren und sich die Bretagne erworben hatten, aufgehört mit ihren Einfällen. Dagegen brachen jetzt von Osten finnisch-ugrische Völkerschaften herein, die Magyaren, deren Einfälle einen unbeschreiblichen Schrecken verursachten. Alle Berichte erzählen von der entsetzlichen Brutalität ihrer Eroberungszüge. Das Verdienst, sie zurückgeschlagen zu haben, wird gewöhnlich Heinrich I. und Otto I. zugeschrieben. Es ist dies bis zu einem gewissen Grad richtig. Die Einfälle der Magyaren waren nicht etwas, was einer späteren Kriegsführung und Kriegserklärung ähnlich sehen konnte.

[ 9 ] Immer mehr sahen sich die Kaiser durch neue Feinde genötigt, die Kirche zu einem engeren Verhältnis heranzuziehen. Mächtige Feinde bedrohten Mitteleuropa. Die Normannen hatten, nachdem sie immer wieder die Völker beunruhigten, nachdem sie von Arnulf von Kärnten in der Schlacht bei Löwen besiegt worden waren und sich die Bretagne erworben hatten, aufgehört mit ihren Einfällen. Dagegen brachen jetzt von Osten finnisch-ugrische Völkerschaften herein, die Magyaren, deren Einfälle einen unbeschreiblichen Schrecken verursachten. Alle Berichte erzählen von der entsetzlichen Brutalität ihrer Eroberungszüge. Das Verdienst, sie zurückgeschlagen zu haben, wird gewöhnlich Heinrich I. und Otto I. zugeschrieben. Es ist dies bis zu einem gewissen Grad richtig. Die Einfälle der Magyaren waren nicht etwas, was einer späteren Kriegsführung und Kriegserklärung ähnlich sehen konnte.

[ 10 ] Als die Magyaren hereinbrachen, waren die Herzöge gerade besonders unbotmäßig, und Heinrich I. mußte sich deshalb erst einen Waffenstillstand erbitten, um sich ein wenigstens einigermaßen einheitliches Heer zu schaffen. Dieser Zusammenschluß wurde nur auf dem Gebiete des Heereswesens durch die dringende Not bewirkt.

[ 10 ] Als die Magyaren hereinbrachen, waren die Herzöge gerade besonders unbotmäßig, und Heinrich I. mußte sich deshalb erst einen Waffenstillstand erbitten, um sich ein wenigstens einigermaßen einheitliches Heer zu schaffen. Dieser Zusammenschluß wurde nur auf dem Gebiete des Heereswesens durch die dringende Not bewirkt.

[ 11 ] Heinrich I. wird gewöhnlich als der Städtegründer gefeiert; es ist dies eine schiefe Darstellung. Damals begann die allgemeine Städtegründung über ganz Europa, und Heinrich I. folgte nur dem Zuge der Zeit, wenn er diese Bewegung unterstützte.

[ 11 ] Heinrich I. wird gewöhnlich als der Städtegründer gefeiert; es ist dies eine schiefe Darstellung. Damals begann die allgemeine Städtegründung über ganz Europa, und Heinrich I. folgte nur dem Zuge der Zeit, wenn er diese Bewegung unterstützte.

[ 12 ] Wir haben gesehen, wie die Gerichtsbarkeit allmählich auf die Grundherren, die Herzöge und Könige überging. Immer unwürdigere Verhältnisse traten ein. Eine Menge Leute, welche früher freie Bauern waren, mußten alles, was sie hatten hingeben, um in die Botmäßigkeit der Großgrundbesitzer zu treten. Sie wurden dort, außer zum Ackerbau, als Boten, Handwerker und im Kriegsdienst verwendet.

[ 12 ] Wir haben gesehen, wie die Gerichtsbarkeit allmählich auf die Grundherren, die Herzöge und Könige überging. Immer unwürdigere Verhältnisse traten ein. Eine Menge Leute, welche früher freie Bauern waren, mußten alles, was sie hatten hingeben, um in die Botmäßigkeit der Großgrundbesitzer zu treten. Sie wurden dort, außer zum Ackerbau, als Boten, Handwerker und im Kriegsdienst verwendet.

[ 13 ] Namentlich durch die gesteigerte Ertragsfähigkeit des Bodens, die durch die Verwendung dieser vielen Arbeitskräfte immer größer wurde, entstand eine Art von Handel. Zugleich bildete sich ein besonderer Handwerkerstand heran. Das gab es vorher gar nicht; wie schon erwähnt, wurden die notwendigen Arbeiten im Hause von Sklaven und Frauen besorgt. Höchstens das Schmiede- und das Goldschmiedehandwerk war vorhanden. Aber jetzt durch diese Art des Übertragens bildete sich ein neuer Stand von Handwerkern und Handelsleuten heran. An den Orten, wo geeignete Märkte waren, entstanden Ansiedelungen, feste Plätze wurden gegründet überall in ganz Europa. Hierzu kam die Unzufriedenheit der unwürdig behandelten Menschen, so daß der Andrang nur größer wurde. Dieser Zug der Zeit zwang den König, sich auf die Städte zu stützen.

[ 13 ] Namentlich durch die gesteigerte Ertragsfähigkeit des Bodens, die durch die Verwendung dieser vielen Arbeitskräfte immer größer wurde, entstand eine Art von Handel. Zugleich bildete sich ein besonderer Handwerkerstand heran. Das gab es vorher gar nicht; wie schon erwähnt, wurden die notwendigen Arbeiten im Hause von Sklaven und Frauen besorgt. Höchstens das Schmiede- und das Goldschmiedehandwerk war vorhanden. Aber jetzt durch diese Art des Übertragens bildete sich ein neuer Stand von Handwerkern und Handelsleuten heran. An den Orten, wo geeignete Märkte waren, entstanden Ansiedelungen, feste Plätze wurden gegründet überall in ganz Europa. Hierzu kam die Unzufriedenheit der unwürdig behandelten Menschen, so daß der Andrang nur größer wurde. Dieser Zug der Zeit zwang den König, sich auf die Städte zu stützen.

[ 14 ] Man brauchte ein Reiterheer gegen das Reitervolk der Magyaren. Dieses Reiterheer bildete den Grund für den Ritterstand, der damals entstand. Man muß alles dies zusammenfassen, um ein wirkliches Bild zu gewinnen, wie damals alles verlief. Dies ist wichtiger als die ausführliche Würdigung jener Kämpfe.

[ 14 ] Man brauchte ein Reiterheer gegen das Reitervolk der Magyaren. Dieses Reiterheer bildete den Grund für den Ritterstand, der damals entstand. Man muß alles dies zusammenfassen, um ein wirkliches Bild zu gewinnen, wie damals alles verlief. Dies ist wichtiger als die ausführliche Würdigung jener Kämpfe.

[ 15 ] In den Schlachten auf dem Ried 933 und auf dem Lechfelde 955 wurden die Magyaren besiegt und erlitten eine so furchtbare Niederlage, daß ihnen tatsächlich die Lust zu weiteren Einfällen vergangen war. Sie gründeten sich in der Donaugegend im heutigen Ungarn ein Reich. Seitdem waren die Kaiser gezwungen, sich auf die Kirche zu stützen, das Christentum wurde politisch ausgenutzt. Die Magyaren wurden zum Christentum bekehrt, besonders von dem Bistum Passau aus. Will man verstehen, was damals in den Seelen entstand, muß man nicht mit späteren Begriffen rechnen. Es lebte ein intensiver Glaube, ein bis zur Schwärmerei gesteigertes religiöses Empfinden in dem Herzen des Volkes. Es hörte in allen Dingen auf die Geistlichen, von denen es sich in allen AngeJegenheiten leiten ließ. Die Herzöge und Könige unterstützten diese Art von Unterwürfigkeit. Von Karl dem Großen an hat man mit dieser Herrschaft über die Seele gerechnet. — So wurde der Klerus bester und stärkster Ratgeber und nistete sich in die Seelen und Herzen des Volkes ein.

[ 15 ] In den Schlachten auf dem Ried 933 und auf dem Lechfelde 955 wurden die Magyaren besiegt und erlitten eine so furchtbare Niederlage, daß ihnen tatsächlich die Lust zu weiteren Einfällen vergangen war. Sie gründeten sich in der Donaugegend im heutigen Ungarn ein Reich. Seitdem waren die Kaiser gezwungen, sich auf die Kirche zu stützen, das Christentum wurde politisch ausgenutzt. Die Magyaren wurden zum Christentum bekehrt, besonders von dem Bistum Passau aus. Will man verstehen, was damals in den Seelen entstand, muß man nicht mit späteren Begriffen rechnen. Es lebte ein intensiver Glaube, ein bis zur Schwärmerei gesteigertes religiöses Empfinden in dem Herzen des Volkes. Es hörte in allen Dingen auf die Geistlichen, von denen es sich in allen AngeJegenheiten leiten ließ. Die Herzöge und Könige unterstützten diese Art von Unterwürfigkeit. Von Karl dem Großen an hat man mit dieser Herrschaft über die Seele gerechnet. — So wurde der Klerus bester und stärkster Ratgeber und nistete sich in die Seelen und Herzen des Volkes ein.

[ 16 ] Dazu kam, daß in der damaligen Zeit durch die Araber ein starker Einfluß stattfand, nicht nur, wie früher geschildert wurde, durch wissenschaftliche, sondern auch durch gewisse literarische Einflüsse, durch die ein neuer Seelenzug in das Mittelalter hineinkam. Ein großer Kreis von Sagen, Märchen Legenden, Gefühlen und Bildern wurde in die Volksseele verpflanzt, und dieser seelische Einfluß vom Orient nach Europa war ein so intensiver, daß wir sehen, wie die ursprüngliche rauhe Seele des Germanen mildere Gesittung annahm, und daß ihre Frömmigkeit durchtränkt wurde von einem Element von großer Bedeutung: das war der Marienkultus und der sich daraus entwickelnde Frauendienst. Wer das nicht würdigt, weiß gar nichts von der Geschichte des Mittelalters. Er verschließt die Augen vor Tatsachen wie der, daß große Volksmassen manchmal ergriffen wurden von epidemischer Furcht. Von einer solchen Furcht wurde das Volk ergriffen um das Jahr 1000 — während der Regierung Kaiser Ottos III. —, welches den Weltuntergang bringen sollte. Dieses große Ereignis, für das man sich durch Bußübungen und Wallfahrten vorbereiten wollte, erregte ganz Deutschland. Kaiser Otto III. selbst unternahm eine Wallfahrt zu dem Grabe des heiligen Adalbert von Preußen. All das ergab sich aus der damaligen Volksseele. Wer das nicht versteht, versteht auch nicht die Entstehung der späteren Kreuzzüge. Man hat auch hier materielle Beweggründe gesucht; aber der redet an der Sache vorbei, der sie nicht von dieser Seite betrachtet.

[ 16 ] Dazu kam, daß in der damaligen Zeit durch die Araber ein starker Einfluß stattfand, nicht nur, wie früher geschildert wurde, durch wissenschaftliche, sondern auch durch gewisse literarische Einflüsse, durch die ein neuer Seelenzug in das Mittelalter hineinkam. Ein großer Kreis von Sagen, Märchen Legenden, Gefühlen und Bildern wurde in die Volksseele verpflanzt, und dieser seelische Einfluß vom Orient nach Europa war ein so intensiver, daß wir sehen, wie die ursprüngliche rauhe Seele des Germanen mildere Gesittung annahm, und daß ihre Frömmigkeit durchtränkt wurde von einem Element von großer Bedeutung: das war der Marienkultus und der sich daraus entwickelnde Frauendienst. Wer das nicht würdigt, weiß gar nichts von der Geschichte des Mittelalters. Er verschließt die Augen vor Tatsachen wie der, daß große Volksmassen manchmal ergriffen wurden von epidemischer Furcht. Von einer solchen Furcht wurde das Volk ergriffen um das Jahr 1000 — während der Regierung Kaiser Ottos III. —, welches den Weltuntergang bringen sollte. Dieses große Ereignis, für das man sich durch Bußübungen und Wallfahrten vorbereiten wollte, erregte ganz Deutschland. Kaiser Otto III. selbst unternahm eine Wallfahrt zu dem Grabe des heiligen Adalbert von Preußen. All das ergab sich aus der damaligen Volksseele. Wer das nicht versteht, versteht auch nicht die Entstehung der späteren Kreuzzüge. Man hat auch hier materielle Beweggründe gesucht; aber der redet an der Sache vorbei, der sie nicht von dieser Seite betrachtet.

[ 17 ] Die Verweltlichung der Bischöfe und Äbte konnte nicht ohne Reaktion, ohne Rückwirkung bleiben, und so verstehen wir, daß von Cluny eine mächtige Bewegung nach Reform ausgeht. Der Einfluß der Cluniazenser war ein ungeheuer großer; daß es möglich war, den Gottesfrieden durchzusetzen, ist ein Beweis dafür. In einer Zeit, wo nirgends ein einheitliches Reich vorhanden war, kann man ermessen, was es bedeutet, daß es den Bestrebungen der Mönche von Cluny gelang, das Faustrecht für einige Tage der Woche — von Freitag zum Montag — einzuschränken, so daß während dieser Zeit Fehden nicht ausgefochten wurden. Man muß nur bedenken, daß es damals eigentlich ein Recht nicht gab, sondern vollständiges Faustrecht herrschte. Der schroffe Kampf zwischen den deutschen Kaisern und den Päpsten wurde nicht bloß geführt aus selbstsüchtigen Interessen, sondern auch von Seite der Kirche aus Fanatismus. Der Papst fühlte sich als Stellvertreter Christi, als Herr auch der weltlichen Gebiete; als ob das Reich Christi auch die weltliche Herrschaft sein nenne.

[ 17 ] Die Verweltlichung der Bischöfe und Äbte konnte nicht ohne Reaktion, ohne Rückwirkung bleiben, und so verstehen wir, daß von Cluny eine mächtige Bewegung nach Reform ausgeht. Der Einfluß der Cluniazenser war ein ungeheuer großer; daß es möglich war, den Gottesfrieden durchzusetzen, ist ein Beweis dafür. In einer Zeit, wo nirgends ein einheitliches Reich vorhanden war, kann man ermessen, was es bedeutet, daß es den Bestrebungen der Mönche von Cluny gelang, das Faustrecht für einige Tage der Woche — von Freitag zum Montag — einzuschränken, so daß während dieser Zeit Fehden nicht ausgefochten wurden. Man muß nur bedenken, daß es damals eigentlich ein Recht nicht gab, sondern vollständiges Faustrecht herrschte. Der schroffe Kampf zwischen den deutschen Kaisern und den Päpsten wurde nicht bloß geführt aus selbstsüchtigen Interessen, sondern auch von Seite der Kirche aus Fanatismus. Der Papst fühlte sich als Stellvertreter Christi, als Herr auch der weltlichen Gebiete; als ob das Reich Christi auch die weltliche Herrschaft sein nenne.

[ 18 ] Papst Gregor VIL, der den deutschen Kaiser Heinrich IV. zum Canossagang nötigte, war erst Mönch von Cluny, und ist von dort aus zu seinem Fanatismus gelangt. Es wurde Tendenz des Papsttums zu erklären: so wie es zwei Regierende gibt im Sonnensystem, die Sonne und den Mond, so auch im menschlichen Leben; der Papst sei die Sonne, der König der Mond, der erst von der Kirche sein Licht empfängt. Diese Gesinnung fand Eingang und ist auch von dem großen Dichter Dante als gerecht anerkannt, der bei der Verteilung der Gewalt die Übergewalt der geistlichen über die weltliche Macht als recht und billig bezeichnet. Nun war dieser Kampf zwischen Kaiser und Papst deshalb ein so mächtiger geworden, weil inzwischen ein gewisser Einigungsprozeß sich vollzogen hatte. Die verschiedenen Herzogtümer wurden durch äußere Gewalt zusammengeschmiedet. Die Herzöge betrachteten sich jetzt verpflichtet, Heeresfolge und gewisse Abgaben dem Kaiser zu leisten. Alle diese Länder: Italien, Burgund, Lothringen, Franken, Sachsen, Österreich und auch Ungarn und Polen standen zeitweilig zur deutschen Krone im Lehensverhältnis.

[ 18 ] Papst Gregor VIL, der den deutschen Kaiser Heinrich IV. zum Canossagang nötigte, war erst Mönch von Cluny, und ist von dort aus zu seinem Fanatismus gelangt. Es wurde Tendenz des Papsttums zu erklären: so wie es zwei Regierende gibt im Sonnensystem, die Sonne und den Mond, so auch im menschlichen Leben; der Papst sei die Sonne, der König der Mond, der erst von der Kirche sein Licht empfängt. Diese Gesinnung fand Eingang und ist auch von dem großen Dichter Dante als gerecht anerkannt, der bei der Verteilung der Gewalt die Übergewalt der geistlichen über die weltliche Macht als recht und billig bezeichnet. Nun war dieser Kampf zwischen Kaiser und Papst deshalb ein so mächtiger geworden, weil inzwischen ein gewisser Einigungsprozeß sich vollzogen hatte. Die verschiedenen Herzogtümer wurden durch äußere Gewalt zusammengeschmiedet. Die Herzöge betrachteten sich jetzt verpflichtet, Heeresfolge und gewisse Abgaben dem Kaiser zu leisten. Alle diese Länder: Italien, Burgund, Lothringen, Franken, Sachsen, Österreich und auch Ungarn und Polen standen zeitweilig zur deutschen Krone im Lehensverhältnis.

[ 19 ] So ist man in der Tat im 11. Jahrhundert zu einer gewissen Einheitlichkeit gekommen. Dabei wird die Kirche immer mächtiger. Bei dem Tode Heinrichs III. werden nicht weltliche Fürsten zur Vormundschaft des jungen Königs, Heinrich IV. berufen, sondern die Erzbischöfe Hanno von Köln und später Adalbert von Bremen.

[ 19 ] So ist man in der Tat im 11. Jahrhundert zu einer gewissen Einheitlichkeit gekommen. Dabei wird die Kirche immer mächtiger. Bei dem Tode Heinrichs III. werden nicht weltliche Fürsten zur Vormundschaft des jungen Königs, Heinrich IV. berufen, sondern die Erzbischöfe Hanno von Köln und später Adalbert von Bremen.

[ 20 ] Die Durchsetzung der Volksseele mit religiösen Empfindungen hatte zu einem blinden Autoritätsglauben geführt. Jetzt war die Zeit für Rom gekommen. Eine kluge Politik wurde von Rom aus eingeleitet. Der Klerus mußte herausgerissen werden aus allen weltlichen Interessen, um nur das eine vor Augen zu haben: die Predigt und Beherrschung des Volkes. Dazu mußte er vollständig unabhängig gemacht werden. So wurde im 11. Jahrhundert das Zölibat über den Klerus verhängt, die Priesterheirat untersagt, da jeder, der durch selbstgewählte Blutsbande mit der Welt zusammenhänge, in Abhängigkeit gerate und nicht so rückhaltlos dienen könne.

[ 20 ] Die Durchsetzung der Volksseele mit religiösen Empfindungen hatte zu einem blinden Autoritätsglauben geführt. Jetzt war die Zeit für Rom gekommen. Eine kluge Politik wurde von Rom aus eingeleitet. Der Klerus mußte herausgerissen werden aus allen weltlichen Interessen, um nur das eine vor Augen zu haben: die Predigt und Beherrschung des Volkes. Dazu mußte er vollständig unabhängig gemacht werden. So wurde im 11. Jahrhundert das Zölibat über den Klerus verhängt, die Priesterheirat untersagt, da jeder, der durch selbstgewählte Blutsbande mit der Welt zusammenhänge, in Abhängigkeit gerate und nicht so rückhaltlos dienen könne.

[ 21 ] Das gab dem Klerus und Papsttum die Tendenz zu unbeugsamer Willensentfaltung: nur das eine vor Augen, die Herrschaft der Kirche. So kam es, daß die Kirche die Forderung stellen konnte, bei Besetzung der Bistümer nur die Kirche mitsprechen zu lassen. Früher hatten die weltlichen Fürsten jedes Bistum besetzt, das frei wurde. Jetzt sollten nur geistliche Interessen ausschlaggebend sein, und die Herrschaft wurde dadurch erhöht, daß die Besetzung der Ämter nur von der Kirche ausging. Dadurch kam der Investiturstreit, der Heinrich IV., der sich das nicht gefallen lassen wollte, zum Gange nach Canossa führte.

[ 21 ] Das gab dem Klerus und Papsttum die Tendenz zu unbeugsamer Willensentfaltung: nur das eine vor Augen, die Herrschaft der Kirche. So kam es, daß die Kirche die Forderung stellen konnte, bei Besetzung der Bistümer nur die Kirche mitsprechen zu lassen. Früher hatten die weltlichen Fürsten jedes Bistum besetzt, das frei wurde. Jetzt sollten nur geistliche Interessen ausschlaggebend sein, und die Herrschaft wurde dadurch erhöht, daß die Besetzung der Ämter nur von der Kirche ausging. Dadurch kam der Investiturstreit, der Heinrich IV., der sich das nicht gefallen lassen wollte, zum Gange nach Canossa führte.

[ 22 ] Das alles faßt sich zusammen in dem Streit zwischen weltlicher und geistlicher Macht. Haben wir noch bei Chlodwig gesehen, daß der Gott der Christen der seine wird, weil er die Heere zum Siege führte, so sehen wir, wie die Kirche jetzt selbst zur Herrschaft gelangt. Das muß man verstehen, wenn man die neuen Verhältnisse begreifen will, welche die Kreuzzüge verursachten.

[ 22 ] Das alles faßt sich zusammen in dem Streit zwischen weltlicher und geistlicher Macht. Haben wir noch bei Chlodwig gesehen, daß der Gott der Christen der seine wird, weil er die Heere zum Siege führte, so sehen wir, wie die Kirche jetzt selbst zur Herrschaft gelangt. Das muß man verstehen, wenn man die neuen Verhältnisse begreifen will, welche die Kreuzzüge verursachten.

[ 23 ] Wir haben an den Franken gesehen, was aus den Stämmen hervorgegangen ist, die durch die Völkerwanderung aus ihren Wohnsitzen verdrängt wurden. Wir sahen, wie das Christentum in allen Lebensverhältnissen ausschlaggebend geworden ist, wie bei den Ansiedlungen Klöster und Bistümer zum Mittelpunkt wurden, wie die Mönche nicht nur auf geistigem Gebiet die Leiter des Volkes waren, sondern es im Anbau der verschiedenen Früchte unterrichteten, die Bauleute der Kirchen waren und so weiter.

[ 23 ] Wir haben an den Franken gesehen, was aus den Stämmen hervorgegangen ist, die durch die Völkerwanderung aus ihren Wohnsitzen verdrängt wurden. Wir sahen, wie das Christentum in allen Lebensverhältnissen ausschlaggebend geworden ist, wie bei den Ansiedlungen Klöster und Bistümer zum Mittelpunkt wurden, wie die Mönche nicht nur auf geistigem Gebiet die Leiter des Volkes waren, sondern es im Anbau der verschiedenen Früchte unterrichteten, die Bauleute der Kirchen waren und so weiter.

[ 24 ] Die Städte bildeten sich gern um die bestehenden Bistümer herum. So sehen wir überall den mächtigen Einfluß der Kirche.

[ 24 ] Die Städte bildeten sich gern um die bestehenden Bistümer herum. So sehen wir überall den mächtigen Einfluß der Kirche.

[ 25 ] Hereinbrechen sehen wir den Einfluß der Mauren durch Wissenschaft und Literatur. Einen anderen Einfluß werden wir kennenlernen, wichtiger als vieles andere, durch die Kreuzzüge; er kam gleichfalls vom Orient. Durch diese Einflüsse wurden die großen Erfindungen und Entdeckungen angeregt. Denn dort im Orient und in China waren viele Dinge bekannt, von denen der Westen nichts wußte: Papierbereitung, Seidenweberei, der Gebrauch des Schießpulvers und so weiter. So wurde zu den großen Erfindungen durch diese Züge der erste Anstoß gegeben.

[ 25 ] Hereinbrechen sehen wir den Einfluß der Mauren durch Wissenschaft und Literatur. Einen anderen Einfluß werden wir kennenlernen, wichtiger als vieles andere, durch die Kreuzzüge; er kam gleichfalls vom Orient. Durch diese Einflüsse wurden die großen Erfindungen und Entdeckungen angeregt. Denn dort im Orient und in China waren viele Dinge bekannt, von denen der Westen nichts wußte: Papierbereitung, Seidenweberei, der Gebrauch des Schießpulvers und so weiter. So wurde zu den großen Erfindungen durch diese Züge der erste Anstoß gegeben.

[ 26 ] Wir sahen so von zwei Seiten aus mächtige Impulse auf die mittelalterliche Menschheit ihren Einfluß ausüben. Halten Sie das zusammen mit der Städtegründung und Sie werden empfinden, daß ein Jahrhundert heranbricht, das die Entwickelung machtvoll vorbereitet. Wenn Sie das in der rechten Weise verfolgen wollen, dann ist es nicht genug, es nur verstandesgemäß in sich aufzunehmen. Niemand versteht die Ereignisse wirklich, der nur mit dem Verstande sie ergreifen will und nicht mit dem Gefühl, der sich nicht in die Feinheiten der Volksseele hineinleben kann, und begreift, was sich dort im Innern abspielt und vorbereitet. Und wer das nicht hat, für den gilt das Wort des Faust:

[ 26 ] Wir sahen so von zwei Seiten aus mächtige Impulse auf die mittelalterliche Menschheit ihren Einfluß ausüben. Halten Sie das zusammen mit der Städtegründung und Sie werden empfinden, daß ein Jahrhundert heranbricht, das die Entwickelung machtvoll vorbereitet. Wenn Sie das in der rechten Weise verfolgen wollen, dann ist es nicht genug, es nur verstandesgemäß in sich aufzunehmen. Niemand versteht die Ereignisse wirklich, der nur mit dem Verstande sie ergreifen will und nicht mit dem Gefühl, der sich nicht in die Feinheiten der Volksseele hineinleben kann, und begreift, was sich dort im Innern abspielt und vorbereitet. Und wer das nicht hat, für den gilt das Wort des Faust:

Was ihr den Geist der Zeiten heißt,
Das ist im Grund der Herren eigner Geist,
In dem die Zeiten sich bespiegeln.

Was ihr den Geist der Zeiten heißt,
Das ist im Grund der Herren eigner Geist,
In dem die Zeiten sich bespiegeln.