Philosophy, History and Literature
GA 51
25 February 1905, Berlin
Translate the original German text into any language:
Versions Available:
Schiller and Our Times, tr. Collison
23. Schillers spätere Dramen
Schiller's Later Plays
[ 1 ] Wir haben gesehen, wie Schiller bei jedem seiner späteren Dramen immer von neuem versucht hat, das Problem des Dramatischen zu lösen. Es hat etwas Erhebendes, zu sehen, wie Schiller nach jedem neuen großen Erfolge — und es waren außerordentliche Erfolge, Anerkennungen der Besten seiner Zeit, wenn es auch an Anfeindungen nicht fehlte —, es hat etwas besonders Erhebendes, zu sehen, sagte ich, wie er versucht, mit jedem neuen Drama eine höhere Etappe zu erklimmen.
[ 1 ] We have seen how Schiller tried, in each one of his later plays, to solve the problem of the dramatic. There is something sublime in observing how, after every success—and the success was considerable (he was recognised by the best men of his time, even though there was not a complete absence of hostility)—he tried with each new play to climb to greater heights.
[ 2 ] Alle seine späteren Dramen, «Tell», die «Braut von Messina», die «Jungfrau von Orleans», «Demetrius», sie sind lauter Versuche, dem Problem des Dramatischen und Tragischen in einer neuen Form beizukommen. Niemals hätte er sich zufrieden gegeben in dem Glauben, die Psychologie ausgeschöpft zu haben. In der «Maria Stuart» haben wir ihn das Problem des Schicksals behandeln sehen, eine vollendete Situation schaffend, in der nur die Charaktere sich abrollen. Noch tiefer stieg er in der «Jungfrau von Orleans» hinunter in die Menschenseele. Er wußte einen tiefen Griff zu tun in die Menschheitspsychologie, das Problem in der Art begründend, wie Hebbel es dargestellt hat, als er sagte, daß das Tragische auf etwas sich beziehen muß, das in einer gewissen Weise irrationell ist. So haben wir in der «Jungfrau» das Hineinspielen von dunklen Seelenkräften: sie ist eine Art von Somnambule, steht unter dem Einflusse dessen, was man dämonisch nennen kann, wird dadurch weitergetragen. Hoch über dem Menschlichen soll sie stehen, nur dadurch, daß sie Jungfrau ist, hat sie das Recht, wie ein Würgeengel durch die Reihen der Feinde zu gehen, im Dienste des Vaterlandes. In der «Braut von Messina» versucht Schiller das Drama höher zu fassen dadurch, daß er einen Griff in das Urdrama tut. Auf jenes Urdrama griff er zurück, das noch dem Äschylos voranging, das nicht nur Kunst war, sondern ein integrierender Bestandteil der die Religion, die Wissenschaft und die Kunst umfassenden Wahrheit: auf jenes Dionysosdrama, das den leidenden, sterbenden, auferstehenden Gott auf die Bühne brachte, als Repräsentanten der ganzen Menschheit. Die Handlung trug da nicht den Charakter dessen, was man heute Dichtung nennt. Das Weltendrama sollte vorgeführt werden, die Wahrheit in schöner, künstlerischer Form. Erhebung, religiöse Erbauung sollte es dem Menschen bringen. So enthielt für den Zuschauer das Mysteriendrama zugleich, was später sich getrennt als Religion, Kunst und Philosophie entwickelte.
[ 2 ] All the later plays, Tell, the Bride of Messina, the Maid of Orleans, Demetrius, are simply efforts to attain to the problem of the dramatic and the tragic in a new form. He never rested satisfied in a belief that he had exhausted psychology. In Maria Stuart we have seen him treating the problem of destiny, creating a situation complete in itself in which only the characters have to unfold themselves. In the Maid of Orleans, he dug still deeper into the human soul. He plunged into the depths of human psychology and set out the problem, in the sense that Hebbel meant, when he said that tragedy must have some relation to the irrational. Thus, in the Maid of Orleans we have the effects of dark soul forces: the Maid is almost like a sleep-walker, under the influence of what we may call the demonic and is carried forward by it. She is to stand far above humanity, and only because she is a maid, has she the right to pass through the ranks of her enemies, for her country's sake, like a destroying angel. In the Bride of Messina, Schiller tries to get a still higher conception of the drama and to reach back to the primal drama—that drama, which came even before Aeschylus and was not merely art but also an integral constituent of a truth which included religion, science and art; that Dionysos-drama which put the suffering, dying and resurgent god on the stage as representative of all humanity. In such cases the action was not what we should nowadays call poetry. It was the world-drama that was set before man's eyes, the truth in beautiful and artistic form; it was meant to elevate man and fortify him religiously. Thus the Mystery drama contained, for the spectators, what developed later, in separate form, as religion, art and philosophy.
[ 3 ] Dieser Gedankengang, den Friedrich Nietzsche in seiner Schrift «Die Geburt der Tragödie aus dem Geiste der Musik» entwickelt, in der er das Urdrama als das höhere hinstellt, diese Grundidee lebte schon in Schiller. Schillers Idee, das Schöne dadurch in höhere Sphären zu heben, daß er das musikalische Element wieder einführte, wurde von Wagner in großem Stil wieder aufgenommen und fand in dem Musikdrama monumentalen Ausdruck. Wagner griff zum Mythos und wählte die Musik, um nicht in der täglichen, sondern in gehobener Sprache das Bedeutende auszudrücken. Die Richtung, welche die Kunst im Wagnerkreis genommen hat, wurde von Schiller intendiert. In seiner kurzen Einleitung zur «Braut von Messina» findet er dafür einen so plastischen wie prägnanten Ausdruck, Freiheit des Gemüts in dem lebendigen Spiel aller seiner Kräfte soll die rechte Kunst verschaffen. Daraus erkennen wir, was in Schiller lebte. Wir haben gesehen, wie Schillers Geist sich an Goethe hinaufrankte. Er selbst nannte Goethes Geist den intuitiven, seinen eigenen den symbolisierenden. Es ist dies ein bedeutsamer Ausspruch.
[ 3 ] This line of thought which Friedrich Nietzsche developed in his Birth of Tragedy from the Spirit of Music, in which he regarded the primal drama as the higher form, was already alive in Schiller. Schiller's idea of raising the beautiful to higher levels by re-introducing the musical element, was taken up again by Wagner and received monumental expression in his musical dramas: Wagner harked back to the myth and chose music, so as to express himself, not in everyday but in elevated language. The direction which art followed in the Wagner circle was indicated by Schiller. In his short introduction to the Bride of Messina he gives it plastic and pregnant expression. True art must give a freedom of the spirit in the living play of all its forces. That shows what there was in Schiller. We have seen how Schiller's spirit climbed upward by help of Goethe. He himself called Goethe's mind intuitive, his own symbolical; and this a significant saying.
[ 4 ] Schiller dachte im Grunde genommen die Menschen immer als Repräsentanten der Gattung, er dachte sie in einer Art Symphonie. Wir sehen bei ihm das Drama aus einer musikalischen Stimmung herauswachsen: daraus ergibt sich diese Symphonie von Menschencharakteren, von handelnden und leidenden Charakteren. Das bewirkte, daß er nötig hatte, die einzelnen Züge zu Symbolen großer Menschenerfahrung zu machen. Dadurch ist Schiller der Dichter des Idealismus geworden: er hat durch die Erfahrung die Ideale heruntergeholt, um sie im Charakter zu gestalten. Im Mittelpunkt stand ihm das Problem des menschlichen Ich, die Frage: wie wirkt der Mensch innerhalb seiner Umgebung?
[ 4 ] Schiller always thought of men fundamentally as representatives of a type; he thought of them in a sort of symphony. We can see the drama growing out of a sort of musical mood, and hence comes that symphony of human characters, acting and suffering. So it became necessary to make single traits into symbols of great human experience. Hence Schiller became the poet of idealism: he used experience to bring the ideals to earth and to clothe them in his characters. The problem of the human I, the question how man works in his environment, was, for him, the central point.
[ 5 ] In der «Braut von Messina» hat er in einer neuen Form die griechische Schicksalstragödie geben wollen. Es muß etwas in der Menschenseele sein, welches bewirkt, daß der Mensch nicht in verstandesmäßiger Art seine Entschlüsse ausführt — er würde sonst klüger handeln —, etwas Dunkles muß in ihm leben, was dem Dämon des Sokrates ähnlich ist. Das muß aus der geistigen Welt in ihn hineinwirken. Dieses mit dem Verstande nicht zu Erfassende läßt Schiller in die Tragödie hineinspielen. In der Art, wie er das tut, zeigt sich Schiller als ganz moderner Charakter. Von zwei Träumen geht bei ihm die Handlung aus: Der Fürst von Messina träumt von einer Flamme, die zwei Lorbeerbäume verzehrt, Dieser Traum wird ihm von einem arabischen Sterndeuter dahin ausgelegt, daß die Tochter, die ihm geboren ist, seinen Söhnen Unheil bringen würde, und er gibt Befehl, sie zu töten. Zugleich aber hat die Fürstin geträumt von einem Kinde, dem Adler und Löwe sich friedlich anschmiegen. Auch ihr wird der Traum gedeutet: ein christlicher Mönch verheißt ihr, daß die Tochter die beiden streitenden Brüder in Liebe zu sich vereinen werde. Da rettet sie das Kind.
[ 5 ] In the Bride of Messina, he wanted to produce the Greek tragedy of destiny in a new form. There must be something in the human soul which makes men take their decisions not reasonably—else they would act more intelligently—there must be something dark in them, something like the “daimon” of Socrates. That must be working from the spiritual world. It is this something which the reason cannot grasp, which Schiller allows to play into his tragedy; and the way in which he does it shows him as quite a modern. The action begins with two dreams: The Duke of Messina dreams of a flame which destroys two laurel bushes. The dream is interpreted by an Arabian astrologist as meaning that the daughter, born to him, will bring destruction on his sons; and he orders her death. But the Duchess has dreamed at the same time of a child by whose side an eagle and a lion lie nestled together; her dream also is interpreted; a Christian monk tells her that her daughter will unite the two disputing brothers in love for herself; and so she saves the child.
[ 6 ] So ist das Dunkle, Unbestimmte, in den Ausgangspunkt der Handlung hineingelegt. Sehr fein erscheint, daß der erste Traum von einem Araber, der zweite von einem Christen gedeutet wird; Schiller aber entscheidet sich für keinen. Hebt man alles, was mystisch, traumhaft ist, hinweg, so bleibt nur der Kampf der Brüder, und diese rationelle Handlung bleibt noch immer dramatisch. Das Geistvolle und ganz besonders Künstlerische ist, daß jedes Element etwas Ganzes ist; auch ohne das Mystische ist die Handlung eine ganze. Es ist von Schiller in dieser Richtung mit Feinheit und Kunst etwas in dieses Drama gelegt, das über das menschliche Bewußtsein hinausgeht. So war er zu noch höherer Beantwortung seiner Frage gekommen.
[ 6 ] In this way the dark and undetermined enters at the very beginning of the action. It is a fine point that the first dream should be interpreted by an Arabian, the second by a Christian; but Schiller does not take sides. If we take out all that is mystical and dreamlike, there remains only the quarrel of the brothers; and this rational action is still dramatic. The stroke of genius and of special art is that each element is a whole; even without the mystical the action is a unity. Thus Schiller has put into this with skill and art something which goes beyond human consciousness.—In this way he had reached a still higher answer to his question.
[ 7 ] An derselben Menschheitspsychologie arbeitet er im «Tell». Ich will das Drama nicht analysieren, nur zeigen, was Schiller dem 19. Jahrhundert war und was er uns noch sein wird. Nicht umsonst stellt Schiller den «Tell» heraus aus dem übrigen Gefüge des Dramas:
[ 7 ] He uses the same human psychology in Tell. I am not going to analyse the drama, only to show what Schiller was to the Nineteenth Century and what he will still be to us. It is not to no purpose that he sets Tell apart from the general structure of the drama:
Doch was ihr tut, laßt mich aus euerm Rat.
Ich mag nicht lange prüfen oder wählen!
Bedürft ihr meiner zu bestimmter Tat,
Dann ruft den Tell, es soll an mir nicht fehlen.
“Yet, what you do—leave me apart from your councils.
I cannot ponder long, or choose.
But if you need my too-determined deed, then summon
Tell and he will not fail you.”
[ 8 ] Nicht wie die anderen unter dem Eindruck der Freiheitsidee handelt er, sondern aus rein persönlichem Gefühl, dem gekränkten Vaterempfinden. Zwei Linien läßt Schiller zusammenlaufen, etwas, was Tell allein angeht, und das, was das schweizerische Volk empfindet.
[ 8 ] He acts, not like the others, under the impulse of the idea of freedom, but from purely personal feeling, offended paternal sense. Two lines run together, the one which concerns Tell alone, the other felt by the whole Swiss people.
[ 9 ] Schiller wollte zeigen, wie beim Menschen nicht alles so gradlinig sich abspielt. Wir können gleiches bei Hebbels «Judich» wiederfinden, wo die Not des Vaterlandes zusammenfällt mit dem gekränkten Weibempfinden; der Dichter braucht etwas, was unmittelbar herauswächst aus der menschlichen Brust. Nicht das bloß Moralische, nicht das bloß Sinnliche will Schiller, sondern das Moralische soll herabsteigen und zur persönlichen Leidenschaft werden. Der Mensch wird nur dadurch frei, daß er sein Persönliches in der Art zu verrichten vermag, daß es mit dem allgemeinen zusammentrifft. So arbeitete Schiller Stück für Stück an dem Ausbau seiner Psychologie, so sehen wir seinen Idealismus in einer fortwährenden Klärung. Das ist der Zauber, der in Schillers Dramen lebt. Er hat seine tiefgründigen, ästhetischen Schriften nicht umsonst verfaßt, in diese Probleme sich nicht umsonst versenkt.
[ 9 ] Schiller wanted to show how things do not run, in man, always along the one line. We can see the same thing in Hebbel's Judith where her country's needs fall together with her wounded woman's feelings; the poet requires something which grows immediately from out of the human heart. Schiller has no use for the merely moral or the merely material; the moral must descend and become a personal passion. Man only becomes free when he controls his personal feeling in such a way that it unites with the universal. He worked, step by step, on the completion of his psychology, and his idealism becomes more and more clarified. That is the magic which lives in Schiller's plays. His deep aesthetic studies were not in vain; not in vain his absorption in these problems.
[ 10 ] Alles, was im 19. Jahrhundert über Ästhetik geschrieben worden ist von Vischer, Hartmann, Fechner und so weiter, so bedeutend und treffend vieles ist, wir sehen bei allen das Schöne aus dem Menschen herausverlegt. Schiller aber hat immer studiert, was in der Seele des Menschen vorgeht, wie das Schöne auf die Menschenseele wirkt. Darum berührt uns, was er sagt, so traulich, so heimisch, darum können immer wieder Schillers Prosaschriften mit Entzücken gelesen werden. Es wäre eine würdige Schillerfeier, wenn diese Schriften weit verbreitet und gelesen würden, sie könnten weitgehend beitragen zur Vertiefung des menschlichen Geistes in künstlerischer und moralischer Beziehung. Eine pädagogische Ausbeute müßte aus Schillers ästhetischen Briefen gezogen werden; es würde in unser ganzes Unterrichtswesen dadurch ein neuer Zug kommen.
[ 10 ] Now all the writings in the Nineteenth Century of men like Vischer, Hartmann, Fechner, etc., important and true as they may be, always put the beautiful outside man. But Schiller always studied what went on within the human soul, how the beautiful acts upon it. For that reason, we are moved so deeply and intimately by what he says, and we can read his prose works with delight again and again. It would be a worthy way of celebrating the Schiller anniversary if these writings were published and read far and wide; they would contribute much to deepening the human spirit in an artistic and moral direction. We might also make a selection for purposes of education from his Aesthetic Letters; and a wholly new attitude would come into our pedagogic system. If we are to understand Schiller's plays, we must breathe the fine air of real education that lies in his aesthetic works.
[ 11 ] Wer Schillers Dramen verstehen will, muß die feine Bildungsluft aus seinen ästhetischen Schriften hervorholen. Wie Schiller in immer tiefere Schächte des Menschenherzens hineingraben wollte, wird der sehen, der sich mit dem leider nicht vollendeten «Demetrius» beschäftigt. Ein Drama hätte der «Demetrius» werden können, wie es erschütternder und gewaltiger kaum hätte ein Shakespearesches sein können. Viele Versuche sind unternommen worden, den «Demetrius» zu vollenden, doch der Größe der Aufgabe war niemand gewachsen. Der durchaus tragische Konflikt, bei reichster Handlung, beispielsweise der polnische Reichstag, ist — und das ist das Bedeutende — ganz in das Ich verlegt. Wir können nicht sagen, daß unser Sinnen, Empfinden und Fühlen unser Ich ist. Wir sind, was wir sind, weil das Denken und Fühlen der Umwelt zu uns hereindringt. Dieser Demetrius ist so aufgewachsen, daß er selbst nicht weiß, was sein Ich ist. Es findet sich bei ihm, bei einer bedeutungsvollen Tat, für die er hingerichtet werden soll, ein Kleinod. Es scheint sich herauszustellen, daß ihm die Anwartschaft auf den Zarenthron gebührt. Alles trifft zusammen, er kann nicht anders glauben, als daß er der echte russische Thronerbe sei. So wird er hineingetrieben in eine bestimmte Konfiguration seines Ich. Fäden, die von außen gesponnen werden, treiben ihn weiter. Die Bewegung ist siegreich; Demetrius aber entwickelt sich zum Zarencharakter. Jetzt, wo das Ich zusammenstimmt mit der Welt um ihn her, erfährt er, daß er im Irrtum war: er ist nicht der echte Thronerbe. Er ist nicht mehr derjenige, als der er sich selbst gefunden hat. Er steht der Mutter gegenüber: sie verehrt ihn, aber die Stimme der Natur ist so stark in ihr, daß sie ihn als Sohn nicht anerkennen kann. Er jedoch ist selbst zu dem geworden, was er vorstellte. Er kann es nicht mehr von sich werfen, aber die Voraussetzungen dieses Ich fallen von ihm ab. Dies ist ein unendlich tragischer Konflikt, ihn können wir glauben. Alles ist auf die Spitze der Persönlichkeit gestellt, einer Persönlichkeit, die mit unendlicher Kunst gezeichnet ist, der wir glauben, daß sie «nicht über Sklaven herrschen wolle».
[ 11 ] If we want further insight into the way in which Schiller penetrated deeper and deeper into the human heart, we can get in by a study of the—unfortunately uncompleted—Demetrius. This might have become a play than which even Shakespeare could not have written anything more powerful and affecting. Many attempts have been made to complete the work but no one has proved equal to the task. The wholly tragic conflict—though there is plenty of action, such as that for instance in the Polish Parliament—is centred entirely in the ego; that is the significant thing. We cannot say that our senses, perceptions and feelings are our ego; we are what we are, because the thinking and feeling of the world around us, press upon us. This Demetrius has grown up without himself knowing what his ego is. During a significant action for which he is to be executed, a certain token is found on his person. It appears that the inheritance of the throne of the Czars is his. Everything points in this one direction, and he cannot but believe that he is the heir to the Russian throne. He is thus driven to a definite configuration of the ego; threads, spun without, drive him onward. The movement is victorious; Demetrius develops the character of a Czar. But then, when his ego is concordant with the world around him, he learns that he has been mistaken; he is not the true heir. He is no longer the person as which he had found himself. He stands in the presence of his mother, who honours him; but so strong is the voice of nature that she cannot recognise him as son—while he has become that which he had imagined to himself. He can no longer throw it from himself; yet the preconditions of this ego fall from him.
[ 12 ] Auch das Äußere war mit all der Kunst gefügt, zu der nur Schiller imstande war. So wird in Sapieha, dem Opponenten des Demetrius, vorahnend der Charakter des Demetrius angezeigt. Auch hier wird die Symmetrie angestrebt, die im Wallenstein erreicht ist. Das Drama wurde nicht vollendet; der Tod trat dazwischen. So erhält der Tod Schillers etwas Tragisches; alle die Hoffnungen, die auf Schiller gesetzt wurden, sie kamen in den Briefen und Äußerungen seiner Zeitgenossen zum Ausdruck. Tief erschüttert von dem Verlust dessen, von dem man noch so vieles erwartete, klingt es uns aus den Briefen der Besten entgegen, wie bei Wilhelm von Humboldt:
[ 12 ] Here is an infinitely tragic conflict. All is centred on a personality which is drawn with infinite art, and which we may believe “will not lord it over slaves.”The external also was added with all the skill of which only Schiller was capable. Thus Sapieha, Demetrius' opponent, indicates prophetically the character of Demetrius. Here also the symmetry is striven after which is achieved in the Wallenstein. The drama was never finished; death intervened. There is something tragic in Schiller's death; all the hopes that were centred on him found expression in the letters and words of his contemporaries. Deeply affected by the loss of one from whom so much more was hoped, men like W. v. Humboldt, for instance, allowed their feelings to find utterance:
[ 13 ] «Er wurde der Welt in der vollendetsten Reife seiner geistigen Kraft entrissen, und hätte noch Unendliches leisten können. Sein Ziel war so gesteckt, daß er nie an einen Endpunkt gelangen konnte, und die immer fortschreitende Tätigkeit seines Geistes hätte keinen Stillstand besorgen lassen; noch sehr lange hätte er die Freude, das Entzücken, ja, wie er es in einem Briefe bei Gelegenheit des Plans zu einer Idylle so unnachahmlich beschreibt, die Seligkeit des dichterischen Schaffens genießen können.»
[ 13 ] “He was snatched from the world in the ripe maturity of his spiritual powers; there is infinitely much more he might have accomplished. For many years more he might have enjoyed the bliss of poetic creation.”
[ 14 ] Das ist der Ton, der den Tod Schillers erst zum Tragischen erhebt, denn im gewöhnlichen Verlauf der Dinge hat der Tod nicht jenes Irrationelle. Aus dieser Stimmung heraus fand Goethe für den toten Freund in dem «Epilog zu Schillers Glocke» die Worte:
[ 14 ] That is the tone which makes his death tragic—for in the ordinary course of things death does not bear this irrational quality. In such mood Goethe found for his dead friend the following words in his Epilogue to Schiller's Glocke:
Und hinter ihm in wesenlosem Scheine
Lag, was uns alle bändigt, das Gemeine.
Behind him lay in unessential feint
What holds us all in bondage, the common trivial.
[ 15 ] Diesen großen idealistischen Zug, den können wir fortströmen sehen im 19. Jahrhundert. Man wurde sich bewußt, daß Schillers Geist erhebend sei, um fortan in allen Kämpfen seinem Volke Trost und Vorbild zu sein.
[ 15 ] This mighty strain of idealism can be seen continuing through the Nineteenth Century. Men began to realise that Schiller's spirit was sublime enough to work as consolation and example to his people in all their struggles.
[ 16 ] Das Fortwirkende von Schillers Idealismus in der deutschen Geistessubstanz sprach K. Gutzkow in seiner Rede zur Schillerfeier in der Harmonie in Dresden am 10. November 1859 aus, in den treffenden Worten:
[ 16 ] This continued activity of Schiller's idealism in the spiritual quality of Germany was described effectively by C. Gutzkow in his speech during the Schiller celebrations at Dresden on 10th November 1859:
[ 17 ] «Das ist das Geheimnis unserer Liebe zu Schiller: Die Erhebung unserer Herzen! Der Mut zur Tat! Der treue Beistand, den die Nation in all ihren Lagen bei ihrem Liebling findet! Mut und Freudigkeit weckt, was uns an Schiller erinnert. So lieblich, so reich, so tief anheimelnd wie Goethe uns anmutet, was in seinen Schöpfungen an deutsche Art und Sitte erinnert, es ist wie Efeu, der sich trauernd träumerisch an das Vergangene schmiegt. Aber bei Schiller ist alles Zukunft, Fahnenwinken oder Lorbeer. Deshalb, deshalb feiern wir das hundertjährige Gedächtnis seines Namens so klingend und weithinschallend, wie das Schlagen an einen ehernen Schild. Hoch der Dichter der Tat, ein Hort des deutschen Vaterlandes.»
[ 17 ] “Here lies the secret of our love for Schiller. He lifts up our hearts; he gives us courage for action, a never-failing help which the nation finds in every circumstance of its life. Our memories of Schiller arouse in us courage and gladness. Deep, rich, intimate and delightful Goethe may charm us all in his creation which reminds us of home manners and custom, is like ivy which welds itself to the past, sadly and dreamily. But in Schiller everything lies in the future, the waving of flags or crowning with the laurel. For this reason, it is that we celebrate the hundredth anniversary of his name, ringing and echoing like a blow on a shield of bronze. All honour to the poet of action, the bulwark of the German fatherland.”
