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Spiritual Teachings
Concerning the Soul
GA 52

1 February 1904, Berlin

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Spiritual Teachings Concerning the Soul, tr. SOL
  1. Spirituelle Seelenlehre und Weltbetrachtrung, 2nd ed.

11. Theosophie und Spiritismus

11. Theosophy and Spiritualism

[ 1 ] Die Fragen nach dem Wohin und Woher der menschlichen Seele, diese Fragen, die man zu den religiösen, theologischen oder theosophischen rechnet, hat es immer und zu allen Zeiten gegeben. Aber in den älteren Zeiten ging die Wissenschaft des alltäglichen Lebens Hand in Hand mit der Erforschung der geistigen Welt. Daß es Wissende gab, war damals nicht bloß der Fall in bezug auf die Tatsachen und Gesetze der äußeren Natur und die Wissenschaft des materiellen Lebens, sondern es bezog sich ebenso auf die Wissenschaft des geistigen Lebens. Auf diejenigen, welche Bescheid wußten mit den Naturerscheinungen und Naturgesetzen, durfte man sich auch verlassen, wenn man Aufschluß über die Gesetze des geistigen Lebens haben wollte. Es war damals keine Einseitigkeit bei den geistigen Führern vorhanden. Fast ein jeder hatte einen Überblick über das Gesamtgebiet des Wissens, und wohl keiner getraute sich, ein maßgebendes autoritatives Urteil in irgendeiner wissenschaftlichen Frage, sagen wir zum Beispiel auf dem Gebiete der Zoologie, abzugeben, wenn er nicht zu gleicher Zeit in den höheren Fragen des geistigen Lebens Bescheid wußte.

[ 1 ] Questions about the origin and destination of the human soul—questions that are considered religious, theological, or theosophical—have always existed, throughout all ages. But in earlier times, the science of everyday life went hand in hand with the exploration of the spiritual world. The fact that there were knowledgeable people was not limited back then to the facts and laws of external nature and the science of material life, but also applied to the science of spiritual life. One could rely on those who were knowledgeable about natural phenomena and natural laws when seeking insight into the laws of spiritual life. There was no one-sidedness among the spiritual leaders at that time. Almost everyone had an overview of the entire field of knowledge, and probably no one dared to pass a definitive, authoritative judgment on any scientific question—say, for example, in the field of zoology—unless they were equally knowledgeable about the higher questions of spiritual life.

[ 2 ] Seit dem 16. Jahrhundert ist das anders geworden. Da traten die religiösen Angelegenheiten und dasjenige, was die landläufige Wissenschaft bot, in Gegensatz zueinander. Und am schärfsten trat dieser Gegensatz zwischen Glauben und Wissen, zwischen Religion und Erkenntnis im 19. Jahrhundert auf. Das geistige Leben hat damals im Hinblick auf das, was ich auseinandergesetzt habe, eine völlig andere Physiognomie erhalten. Große Naturforscher verlegen den Anbruch des naturwissenschaftlichen Zeitalters etwa in die dreißiger Jahre des 19. Jahrhunderts. Man hat mit Recht auf dieses Zeitalter als auf eines der epochemachendsten der Menschheit hingewiesen. Man hat mit Stolz darauf hingewiesen, was die Naturwissenschaft in der Beherrschung der Naturgesetze und in der Kenntnis der Naturvorgänge im 19. Jahrhundert geleistet hat. Und man hat mit Recht gesagt, daß die ganzen vorhergehenden Jahrtausende zusammengenommen auf diesem Gebiete nicht soviel geleistet haben wie das 19. Jahrhundert.

[ 2 ] Things have been different since the 16th century. That is when religious matters and what conventional science had to offer came into conflict with one another. And this conflict between faith and knowledge, between religion and understanding, became most acute in the 19th century. Intellectual life at that time took on a completely different character in light of what I have discussed. Great natural scientists date the dawn of the scientific age to around the 1830s. This era has rightly been identified as one of the most epoch-making in human history. People have proudly pointed out what natural science achieved in the 19th century in mastering the laws of nature and in understanding natural processes. And it has rightly been said that all the preceding millennia combined did not achieve as much in this field as the 19th century did.

[ 3 ] Eine Begleiterscheinung aber dieses großen, gewaltigen Aufschwunges ist der Mangel an geistigem Leben. Der Einklang, die Harmonie, die in früheren Zeitaltern zwischen den beiden Seiten der Erkenntnis herrschte, ist verlorengegangen. Die Harmonie zwischen der Wissenschaft, welche sich auf äußere Tatsachen in der materiellen Welt beschränkt, und der Wissenschaft, welche sich mit den Tatsachen der Seele befaßt, ist heute nicht mehr vorhanden. Es ist etwas Eigentümliches, wie gerade die Wissenschaft des 19. Jahrhunderts völlig machtlos geworden ist gegenüber den großen Fragen des Daseins, gegenüber den Fragen des Seelen- und Geisteslebens. Es ist merkwürdig, wie gerade in unserer Zeit die große Masse durch die Führer in der Wissenschaft nicht mehr zu den höheren Geisteswissenschaften geführt werden kann. Kein Aufschluß ist von denjenigen zu erhalten, welche die Natur erforschen, wenn man sie fragt: Wie steht es mit den Problemen der Seele? Wie steht es mit der Bestimmung des Menschen? — Man hat unser Zeitalter, in dem die Sachen so stehen, das materialistische Zeitalter genannt. Unsere sonst so vollkommene Wissenschaft beschränkt sich auf die Naturforschung, soweit sie mit den äußeren Sinnen durchzuführen ist, soweit sie zu errechnen oder durch Kombination aus äußeren, sinnlichen Wahrnehmungen zu erkunden ist. Und es gehen nicht mehr Hand in Hand die Erkenntnisse der Natur und des Seelenlebens.

[ 3 ] However, a side effect of this great, tremendous upsurge is the lack of spiritual life. The harmony that prevailed in earlier ages between the two sides of knowledge has been lost. The harmony between science, which is limited to external facts in the material world, and science, which deals with the facts of the soul, no longer exists today. It is remarkable how precisely the science of the 19th century has become completely powerless in the face of the great questions of existence, in the face of the questions of soul and spiritual life. It is remarkable how, especially in our time, the great masses can no longer be led to the higher spiritual sciences by the leaders in science. No insight can be gained from those who study nature when one asks them: What of the problems of the soul? What of the destiny of humanity? — Our age, in which things stand thus, has been called the materialistic age. Our otherwise so perfect science limits itself to the study of nature, insofar as it can be carried out with the external senses, insofar as it can be calculated or explored through the combination of external, sensory perceptions. And the insights into nature and the life of the soul no longer go hand in hand.

[ 4 ] Betrachten wir einmal die Psychologie, die Wissenschaft der Seele, in unserer Zeit. Es ist, als ob ein großes Unvermögen in dieselbe gefahren wäre. Gehen Sie von Universität zu Universität, von Lehrkanzel zu Lehrkanzel: was Sie in bezug auf Seelen- und Geistesleben vernehmen, ist völlig ohnmächtig gegenüber den brennendsten Fragen unseres Daseins. Charakteristisch ist, daß die sogenannten Seelenforscher ein Schlagwort haben, das so bezeichnend ist, wie nur ein Schlagwort bezeichnend sein kann. Seit Friedrich Albert Lange, dem Geschichtsschreiber des Materialismus, ist das Schlagwort von der «Seelenlehre ohne Seele» tonangebend geworden. Dieses Schlagwort bezeichnet so recht den Standpunkt der Psychologie in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts, und drückt ungefähr aus, daß die menschliche Seele und ihre Eigenschaften nichts anderes sind als der äußere Ausdruck des mechanischen Betriebes der sinnlichen Naturkräfte in unserem Organismus. So wie die Uhr aus Rädern besteht und mit Hilfe der Räder die Zeiger vorwärtsbewegt, wie das Vorwärtsbewegen der Zeiger nichts anderes ist als das Ergebnis rein mechanischer Vorgänge, so soll auch unser Seelenleben mit seinen Wünschen, Begierden, Vorstellungen, Begriffen und Ideen nichts anderes sein als das Resultat physischer Vorgänge, vergleichbar dem Weiterbewegen der Zeiger an der Uhr; es soll den Grund in nichts anderem haben als in dem Räderwerke, das sich in unserem Gehirne bewegt und das uns von der Wissenschaft in so epochemachender Weise klargelegt worden ist. An der Gehirnphysiologie soll nichts bemängelt werden; alles bleibt voll bestehen und kann von niemandem mehr anerkannt werden als von mir selbst. Aber wenn wir auch sagen können, die Uhr ist ein mechanisches Triebwerk und das, was sie leistet, ist ein Ergebnis des mechanischen Räderwerkes, so dürfen wir doch nicht vergessen, daß bei der Herstellung der Uhr ein Uhrmacher tätig war. «Uhr ohne Uhrmacher» ist ein ebenso unmögliches Schlagwort wie «Seelenlehre ohne Seele». Und das ist nicht ein bloßes Schlagwort, sondern es ist etwas, was die ganze Art und Weise der Forschung, des Denkens und der Gesinnung des 19. Jahrhunderts kennzeichnet, welche die Seele unter Ausschaltung des Geistes beobachtet und sie bloß als Mechanismus erklärt. Erklärung und Gesinnung stimmen mit diesem Schlagwort überein. Es ist daher auch gar kein Wunder, wenn diejenigen, welche aus tiefstem Herzens- und Seelenbedürfnis heraus nach der Beantwortung der Fragen lechzen: Wo stammt der Mensch her? Wohin geht er? Welches ist die Bestimmung unserer Seele? — wenn diese sich angeödet fühlen von dem, was als wissenschaftliche Seelenlehre dargeboten wird von solchen, welche eine Seelenlehre besitzen sollten. In den Lehrbüchern über die Seele findet man etwas ganz anderes als eine Lehre über die Seele.

[ 4 ] Let us consider psychology, the science of the soul, in our time. It is as if a profound impotence had taken hold of it. Go from university to university, from lectern to lectern: what you hear regarding the life of the soul and the spirit is utterly powerless in the face of the most burning questions of our existence. It is characteristic that the so-called soul researchers have a catchphrase that is as telling as a catchphrase can be. Since Friedrich Albert Lange, the chronicler of materialism, the catchphrase “the study of the soul without a soul” has set the tone. This catchphrase aptly describes the standpoint of psychology in the second half of the 19th century, and roughly expresses that the human soul and its qualities are nothing other than the outward expression of the mechanical workings of the sensory forces of nature within our organism. Just as a clock consists of gears and moves the hands forward with the help of these gears, and just as the forward movement of the hands is nothing other than the result of purely mechanical processes, so too is our mental life—with its desires, cravings, perceptions, concepts, and ideas—supposed to be nothing other than the result of physical processes, comparable to the movement of the hands on a clock; it is said to have its basis in nothing other than the gearwork that moves within our brain and that has been elucidated to us by science in such an epoch-making way. Nothing is to be faulted in brain physiology; everything remains fully intact and can be acknowledged by no one more than by myself. But even if we can say that the clock is a mechanical mechanism and that what it does is the result of the mechanical gearwork, we must not forget that a clockmaker was at work in the clock’s manufacture. “A clock without a clockmaker” is just as impossible a slogan as “the study of the soul without a soul.” And this is not merely a slogan, but rather something that characterizes the entire manner of research, thought, and attitude of the 19th century, which observes the soul while excluding the spirit and explains it merely as a mechanism. Explanation and attitude are in accord with this slogan. It is therefore no wonder at all that those who, out of the deepest need of heart and soul, yearn for answers to the questions: Where does the human being come from? Where is he going? What is the destiny of our soul?—feel bored by what is presented as scientific psychology by those who ought to possess a psychology of the soul. In the textbooks on the soul, one finds something quite different from a doctrine of the soul.

[ 5 ] Da ist es nicht zu verwundern, wenn diese Bedürftigen nach Erkenntnis des Geistes und der Seele genau seit jenem Zeitpunkt, seitdem die offizielle Wissenschaft so machtlos diesen Fragen gegenübersteht, ihr Bedürfnis in einer außerwissenschaftlichen Weise zu befriedigen suchen, und wenn sich diese Seelen- und Geisteswissenschaft abseits stellt von der modernen Wissenschaft des Materialismus, der die Wissenschaft taub und stumm macht; taub gegen die äußere Lehre, stumm, wenn sie selbst über die Seele sprechen soll. Unsere offizielle Wissenschaft ist selbst da, wo sie den guten Willen hat, ohnmächtig gegenüber den Seelenfragen. So kommt es, daß da, wo in der Wissenschaft der Streit entbrannt ist zwischen dem Materialismus und dem Spiritualismus, wie zum Beispiel zwischen Wagner und Vogt, er durchaus nicht zu Ungunsten des Materialismus geendet hat. Alles, was der materialistische Forscher dem Spiritualisten entgegnet hat, ist vollkommen haltbar, während das, was der Spiritualist vorgebracht hat, im Lichte der strengen Forschung ganz unhaltbar war. Wir sehen also, daß selbst dann, wenn die Gelehrsamkeit den guten Willen hatte, die Frage über die menschliche Seele im Sinne von Webers echter Geisteswissenschaft zu vertiefen, sie sich als ohnmächtig erwiesen hat. Die Worte «Seelenlehre ohne Seele» sind daher auch kein bloßes Schlagwort, denn der Wissenschaft ging der Begriff von dem, was Seele ist, tatsächlich verloren. Wenn Sie sich heute auf diesem Gebiete bei den berühmtesten Psychologen der Gegenwart Rat holen wollen, so werden Sie das gleiche finden wie bei dem PsychoJogen Wagner. Die Psychologen werden nichts zu sagen haben, weil sie keine Vorstellung mehr haben von dem, was Seele ist. Sie haben nicht nur das Wort aufgebracht «SeelenJehre ohne Seele», sondern sie haben selbst die Wesenheit der Seele aus dem Gesichtskreise völlig verloren.

[ 5 ] It is therefore not surprising that these people in need of knowledge about the spirit and the soul have, precisely since that time when official science has stood so powerless in the face of these questions, sought to satisfy their need in a non-scientific way, and that this science of the soul and spirit stands apart from modern materialistic science, which renders science deaf and mute; deaf to external teachings, mute when it comes to speaking of the soul itself. Our official science, even where it has good will, is powerless in the face of questions of the soul. Thus it is that where a dispute has flared up in science between materialism and spiritualism—as, for example, between Wagner and Vogt—it has by no means ended to the disadvantage of materialism. Everything the materialist researcher has countered to the spiritualist is entirely tenable, whereas what the spiritualist has put forward was completely untenable in the light of rigorous research. We see, then, that even when scholarship had the good will to delve deeper into the question of the human soul in the spirit of Weber’s genuine spiritual science, it proved powerless. The phrase “the study of the soul without a soul” is therefore not merely a catchphrase, for science has indeed lost the concept of what the soul is. If you seek advice today in this field from the most famous contemporary psychologists, you will find the same situation as with the psychoanalyst Wagner. Psychologists will have nothing to say, because they no longer have any conception of what the soul is. Not only have they coined the phrase “the study of the soul without a soul,” but they have themselves completely lost sight of the very essence of the soul.

[ 6 ] Diese Tatsache muß vollständig gewürdigt werden, wenn man die Entwickelung der spiritistischen Strömungen verstehen will. Seit der Entwickelung und Entstehung der materialistischen Epoche, welche von den einen enthusiastisch begrüßt, von den anderen aufs lebhafteste bekämpft wird, besteht eine Gegenströmung, welche man die spiritistische oder spiritualistische Bewegung nennt. Beide gehören zusammen, so wie Südpol und Nordpol beim Magneten naturnotwendig zusammengehören. Weil die wissenschaftlichen Forscher und Führer nichts mehr zu sagen wußten über die Seele, wendete man sich an andere Forscher, um über die Seele etwas zu hören. Und da die Frage nach der Seele so unaufhaltbar vorwärtsstürmend ist, sind alle Einwände, welche gegen den Spiritismus gemacht worden sind, völlig machtlos verhallt.

[ 6 ] This fact must be fully appreciated if one is to understand the development of spiritualist movements. Since the emergence and rise of the materialist era—which has been enthusiastically welcomed by some and vehemently opposed by others—there has been a counter-movement known as the spiritualist or spiritualist movement. The two belong together, just as the South Pole and North Pole of a magnet are naturally and inevitably connected. Because scientific researchers and leaders had nothing more to say about the soul, people turned to other researchers to learn more about it. And since the question of the soul is advancing so inexorably, all objections raised against spiritualism have fallen completely flat.

[ 7 ] Heute wollen wir prüfen, in welcher Weise wir uns vom theosophischen Standpunkte aus zu den enthusiastischen Begrüßern und zu den Einwänden der Gegner des Spiritismus zu verhalten haben. Die Einsicht, daß der Spiritismus eine notwendige Erscheinung ist, setze ich dabei voraus. Denn zuerst müssen wir, wenn wir eine solche Frage studieren, uns darüber klar sein, daß es sich nicht um eine zufällige, sondern um eine notwendige Erscheinung handelt; als notwendig erkennbar einfach durch die Art und Weise, wie sie verlaufen ist. Sehen wir zunächst ganz davon ab, daß sich in der Hauptsache Dilettanten mit dem Spiritismus und den spiritistischen Erscheinungen beschäftigt haben. Sehen wir auf etwas anderes, nämlich auf die Tatsache, daß es auch unter den Gelehrten Forscher besten Rufes und größter Bedeutung gegeben hat, welche der Frage des Spiritismus sympathisch gegenübergestanden haben. Und weil das so ist, gestatten Sie mir bitte für einen Moment, daß ich absehe von den spiritistischen Erscheinungen selbst, und daß ich die Entwickelung des Spiritismus zu einer Personenfrage mache, welche sich zunächst auf diejenigen bezieht, die sich mit dem Spiritismus befaßt haben, und von denen es zweifellos feststeht, daß sie in spiritistischen Fragen ein beachtenswertes Urteil besitzen; von denen es feststeht, daß sie auch auf dem Gebiete der materiellen Wissenschaft einen tiefgehenden Einfluß ausgeübt haben. Das sind Gelehrte, die ebensowenig wie viele andere Menschen mit den Begriffen einer «Seelenlehre ohne Seele», die ihnen ihre Fachkollegen geben, sich zufriedengeben konnten; das sind Gelehrte, die in unserer modernen Wissenschaft viel mehr geleistet haben als die eigentlichen materialistischen Forscher.,

[ 7 ] Today we wish to examine how, from a theosophical standpoint, we should respond to both the enthusiastic supporters and the objections of the opponents of Spiritism. I take for granted the insight that Spiritism is a necessary phenomenon. For when we study such a question, we must first be clear that it is not a random phenomenon, but a necessary one; recognizable as necessary simply by the way it has unfolded. Let us first set aside entirely the fact that, for the most part, it has been amateurs who have engaged with spiritualism and spiritualist phenomena. Let us look at something else, namely the fact that even among scholars, there have been researchers of the highest reputation and greatest significance who have viewed the question of spiritualism sympathetically. And because this is so, please allow me for a moment to set aside the spiritualist phenomena themselves, and to make the development of spiritualism a matter of individuals, one that relates first and foremost to those who have engaged with spiritualism, and of whom it is undoubtedly established that they possess a noteworthy judgment in spiritualist matters; of whom it is certain that they have also exerted a profound influence in the field of material science. These are scholars who, just like many other people, could not be satisfied with the concepts of a “doctrine of the soul without a soul” presented to them by their professional colleagues; these are scholars who have achieved far more in our modern science than the actual materialist researchers.,

[ 8 ] Da dürfen wir wohl die Frage aufwerfen: Ist es nicht von ganz besonderer Bedeutung, wenn ein Forscher von unzweifelhaftem Ruf, wie der große englische Chemiker Crookes, sich ganz zum Spiritismus bekannt hat? Crookes, der größte Verdienste hat um die Erforschung der chemischen Grundgesetze, der chemischen Konstitution unserer Elemente, der nicht nur auf wissenschaftlichem Gebiete seinen Mann gestellt hat, sondern der auch auf praktischem Gebiete das Beste geleistet hat, der eine Stellung in der Wissenschaft einnimmt wie wenige — dieser Mann hat sich mit spiritistischen Experimenten befaßt. Man hat geglaubt, gegen ihn einwenden zu sollen, daß er nicht genau mit der Beobachtung vorgegangen sei. Dieser Einwand ist aber von untergeordneter Bedeutung, er verschiebt nur den Fragepunkt. Denn nicht darauf kommt es an, ob Crookes genau experimentiert hat, sondern darauf, ob Crookes, der große Chemiker, wußte, wieweit die Natur den sinnlichen Gesetzen folgt, wieweit diese reichen, und ob sie einer im Sinne der spiritistischen Experimente erhaltenen Seelenlehre hindernd in den Weg treten; ob höchstmögliche naturwissenschaftliche Leistungsfähigkeit einen Mann nicht hindert, wissenschaftliche Erkenntnisse auf dem Gebiete des Spiritismus zu erzielen. Das ist es, worauf es ankommt: Kann Crookes auf der einen Seite der exakte wissenschaftJiche Forscher für uns sein, wenn wir auf der anderen Seite glauben, seine Forschungen auf geistigem Gebiete bezweifeln zu sollen? Das ist fast so, als wenn wir uns einen zweifachen Crookes konstruierten, einen Vormittags- und einen Nachmittags-Crookes. Vormittags, wenn er sich mit seiner Chemie befaßt, ist er bei gesundem Intellekt; nachmittags, wenn er sich der Erforschung spiritistischer Experimente widmet, ist er verrückt. Daß das absurd ist, leuchtet sofort ein, wird aber von der Schulwissenschaft nicht zugegeben.

[ 8 ] We may well ask the question: Is it not of particular significance when a researcher of unquestionable reputation, such as the great English chemist Crookes, has fully embraced spiritualism? Crookes, who has rendered the greatest services to the study of the fundamental laws of chemistry and the chemical constitution of our elements, who has not only made his mark in the scientific realm but has also achieved the highest standards in practical applications, and who occupies a position in science that few others do—this man has engaged in spiritualist experiments. It was thought necessary to object to him that he had not proceeded with precision in his observations. But this objection is of secondary importance; it merely shifts the focus of the question. For what matters is not whether Crookes experimented precisely, but whether Crookes, the great chemist, knew to what extent nature follows the laws of the senses, how far these extend, and whether they stand in the way of a doctrine of the soul derived from spiritualist experiments; whether the highest possible scientific competence does not prevent a man from achieving scientific insights in the field of spiritualism. That is what matters: Can Crookes, on the one hand, be the exact scientific researcher for us, if, on the other hand, we believe we must doubt his research in the spiritual realm? It is almost as if we were constructing a dual Crookes, a morning Crookes and an afternoon Crookes. In the morning, when he is engaged in his chemistry, he is of sound mind; in the afternoon, when he devotes himself to the investigation of spiritualist experiments, he is mad. That this is absurd is immediately apparent, but it is not acknowledged by mainstream science.

[ 9 ] Ein anderer Naturforscher ist der englische Gelehrte Wallace, der Begründer der Deszendenztheorie. Darwin und er haben unabhängig voneinander den großen Gedanken dieser Lehre, den Darwinismus, gefunden. Wenn man seine Werke studiert, findet man, daß er die Frage, um die es sich handelt, noch großartiger angefaßt hat als Darwin selbst. Sein Verdienst auf diesem Gebiete wird nicht in Abrede gestellt. Da er aber später für die Realität spiritistischer Phänomene in Wort und Schrift eingetreten ist, so hat man auch ihn sozusagen in zwei Teile gespalten. Er kämpft auf der einen Seite für seine naturwissenschaftliche Auffassung, und auf der anderen Seite für seine Seelenlehre, die in demselben Sinne gehalten ist, in dem auch Crookes sich eine experimentelle Seelenlehre gebildet hat. Überall können Sie finden, daß er als ein armer Verirrter dargestellt wird, weil er sich mit dem Spiritismus befaßt und diesem das Wort geredet hat. Zwerghafte Intellekte lehnen sich einfach gegen die Denkweise und die Gesinnung dieser Großen auf.

[ 9 ] Another naturalist is the English scholar Wallace, the founder of the theory of descent. Darwin and he independently arrived at the central idea of this theory, Darwinism. If one studies his works, one finds that he approached the issue at hand even more brilliantly than Darwin himself. His contribution in this field is not disputed. However, since he later spoke out in favor of the reality of spiritualist phenomena in both word and writing, he too has been, so to speak, split into two parts. On the one hand, he fights for his scientific view, and on the other, for his doctrine of the soul, which is held in the same sense that Crookes also developed an experimental doctrine of the soul. Everywhere you will find him portrayed as a poor misguided soul because he has engaged with spiritualism and spoken in its favor. Petty minds simply rebel against the way of thinking and the convictions of these great figures.

[ 10 ] Daß auch ein Forscher auf spiritistischem Gebiete auf voller Höhe des Naturforschers stehen kann, so wie die beiden genannten Forscher, das gab mir Veranlassung, aus der Sache zunächst eine Personenfrage zu machen.

[ 10 ] The fact that even a researcher in the field of spiritualism can be on a par with a natural scientist—as is the case with the two researchers mentioned—prompted me to initially frame the issue as a matter of personal character.

[ 11 ] In der Tat, das hat das 19. Jahrhundert vor allen früheren voraus, daß diese außerordentlich wichtigen Fragen als wissenschaftliche Fragen behandelt werden. Es gilt diesen Forschern als durchaus nicht unmöglich, die naturwissenschaftliche Forschung auch auf dieses Gebiet auszudehnen. Deshalb mag es auch ganz richtig sein, sich auf sie als Autoritäten zu berufen; denn nicht auf die Frage kommt es an, ob genau oder ungenau beobachtet wurde, sondern lediglich darauf, was sie für möglich oder unmöglich hielten. Die Genauigkeit oder Ungenauigkeit eines Experimentes kann später festgestellt werden. Es kann später unter anderen Bedingungen richtiggestellt werden, was falsch gemacht wurde, Dies in bezug auf diese Seelenforschung, wobei es lediglich auf die Frage ankommt: Kann diese Art von Seelenlehre wissenschaftlich widerlegt werden?

[ 11 ] Indeed, what sets the 19th century apart from all previous ones is that these extraordinarily important questions are treated as scientific questions. These researchers do not consider it at all impossible to extend scientific research to this field as well. Therefore, it may well be entirely appropriate to refer to them as authorities; for what matters is not whether the observations were accurate or inaccurate, but solely what they considered possible or impossible. The accuracy or inaccuracy of an experiment can be determined later. What was done incorrectly can be corrected later under different conditions. This applies to this research into the soul, whereby the only question that matters is: Can this type of doctrine of the soul be scientifically refuted?

[ 12 ] Eine wissenschaftliche Seelenlehre haben wir nicht zu verzeichnen, und das Schwächste und Unbedeutendste, was von den Gelehrten im Laufe des 19. Jahrhunderts geschrieben worden ist, ist gegen den Spiritismus geschrieben. Es mag mancher Gegner meiner Auffassung hier sitzen, das eine muß er zugeben bei unbefangenem Urteil: selbst wenn die Schriften recht haben sollten, die gegen den Spiritismus gerichtet sind, trivial und unwissenschaftlich sind sie alle; man kann auch recht haben, wenn man törichtes Zeug behauptet.

[ 12 ] We have no scientific theory of the soul to speak of, and the weakest and most insignificant works written by scholars throughout the 19th century are directed against spiritualism. There may be some opponents of my view sitting here, but they must admit one thing if they judge impartially: even if the writings directed against spiritualism were correct, they are all trivial and unscientific; one can be right even when asserting foolish things.

[ 13 ] Nachdem wir auf diese Art sozusagen kulturhistorisch die spiritistische Bewegung als eine Notwendigkeit erkannt haben, lassen Sie uns ein wenig auf die Unterschiede sehen, welche zwischen der spiritistischen Bewegung und anderen Bestrebungen, die Seelentatsachen zu erforschen, bestehen.

[ 13 ] Now that we have, so to speak, recognized the spiritualist movement as a historical necessity from a cultural-historical perspective, let us take a brief look at the differences between the spiritualist movement and other endeavors to explore spiritual realities.

[ 14 ] Sie alle wissen ja, daß es seit dem Jahre 1875 eine theosophische Strömung, eine theosophische Bewegung gibt, die ebenso wie seit vierzig Jahren der Spiritismus, auf ihre Art bemüht ist, die Wahrheit zu erhärten, daß das materielle Dasein nicht das einzige ist, sondern daß es in der Welt ein höheres Dasein, daß es geistige Tatsachen und Wesenheiten gibt, die nicht mit den äußeren Sinnen zu erreichen und zu erforschen sind. Ebenso wie sich der Spiritismus nach seiner Methode mit der Frage nach dem Dasein einer geistigen, einer seelischen Welt befaßt hat, so befaßt sich auch die Theosophie mit diesen höheren Welten. Es ist eine einfache geschichtliche Tatsache, daß die Begründer der theosophischen Bewegung, bevor sie zu der Einsicht gekommen sind, in theosophischem Sinne zu wirken, selbst in der spiritistischen Bewegung standen. Helena Petrowna Blavatsky und Colonel Olcott, die großen Sendboten der Theosophischen Gesellschaft, gingen von der spiritistischen Bewegung aus, und man nannte sogar die theosophische Vereinigung, die sie zunächst bildeten, eine Gesellschaft unbefriedigter Spiritisten. Nicht nach etwas anderem als nach der Wahrheit im Geistigen suchten Blavatsky und Olcott, nachdem sie die Erkenntnis errungen hatten, daß die theosophische Bewegung richtig ist. Was sie änderten, war nur die Methode, die Art und Weise des Forschens, und warum sie diese änderten, davon wollen wir jetzt reden.

[ 14 ] As you all know, there has been a theosophical movement since 1875, a theosophical movement, which, just as spiritualism has done for the past forty years, strives in its own way to substantiate the truth that material existence is not the only one, but that there is a higher existence in the world, that there are spiritual facts and beings that cannot be reached or explored by the external senses. Just as Spiritism, according to its own method, has dealt with the question of the existence of a spiritual, a soul-world, so too does Theosophy deal with these higher worlds. It is a simple historical fact that the founders of the Theosophical Movement, before they came to the realization of working in a Theosophical sense, were themselves part of the Spiritist movement. Helena Petrovna Blavatsky and Colonel Olcott, the great messengers of the Theosophical Society, emerged from the spiritualist movement, and the theosophical association they initially formed was even called a society of dissatisfied spiritualists. Once they had come to the realization that the Theosophical Movement was correct, Blavatsky and Olcott sought nothing other than the truth in the spiritual realm. What they changed was only the method, the manner of inquiry, and why they changed it—that is what we shall now discuss.

[ 15 ] Es ist die Aufgabe aller Spiritisten und Spiritualisten und aller religiösen Bewegungen, den Beweis zu erbringen, daß es ein höheres Geistesleben gibt; daß im Menschen etwas Geistiges lebt, daß der Mensch eine geistige Natur in sich selbst ist, daß sein Leben zwischen Geburt und Tod nur ein Teil des gesamten menschlichen Lebens ist, und daß der Mensch außer seiner physischen Wesenheit noch etwas anderes ist. Den Beweis dafür zu erbringen, bemühen sich diese Geistesforscher. Das ist es, was sie gemeinsam haben. Das ist es, wonach sie gemeinschaftlich streben, und in diesem Ziele werden sie sich auch zusammenfinden, um einen notwendigen Gegensatz zu der materialistischen Strömung zu bilden. Die Wahrheit kann nicht auf getrennten Wegen, sondern nur in voller Einheit, in harmonischem Streben erreicht werden. Und zur Erreichung dieser Einheit dürfte nicht nur das gemeinsame Ziel, sondern auch die Kenntnis des gemeinsamen Ursprunges dieser zwei Bewegungen beitragen. Eine gemeinschaftliche Ursprungsstätte war es, von der sowohl die spiritualistische und spiritistische Bewegung als auch die Theosophie ihren Ausgang nahmen. Also nicht nur das Ziel, sondern auch der Ursprung ist derselbe. Das wissen diejenigen, welche etwas tiefer hineinschauen können in die inneren Triebkräfte der geistigen Bewegung. Was wir äußerlich sehen, was von der geistigen Bewegung sofort vor unseren äußeren Augen liegt, das spielt sich in der Welt der Wirkungen ab, nicht in der Welt der Ursachen. Von manchem, das sich vor Ihren Sinnen abspielt, weiß der Geistesforscher, daß es seine Ursachen in viel höheren geistigen Welten hat. Wir tappen fast wie Blinde herum, wenn wir in der sinnlichen Welt auf und ab spazieren, und haben keine Ahnung, was sich hinter den Kulissen abspielt, wo höhere Geistesmächte gleichsam an Drähten lenken, was sich vor unseren sinnlichen Augen vollzieht. So erkennt auch der Geistesforscher, daß die spiritualistische, spiritistische und theosophische Bewegung einen gemeinsamen Ursprung haben.

[ 15 ] It is the task of all spiritualists and of all religious movements to provide proof that there is a higher spiritual life; that something spiritual lives within human beings, that human beings are spiritual beings in themselves, that their life between birth and death is only a part of the total human life, and that human beings are something other than their physical being. These researchers of the spirit strive to provide proof of this. That is what they have in common. That is what they jointly strive for, and in this goal they will also come together to form a necessary counterweight to the materialistic current. The truth cannot be attained by separate paths, but only in full unity, in harmonious striving. And toward achieving this unity, not only the common goal but also the knowledge of the common origin of these two movements should contribute. It was a common point of origin from which both the spiritualist and spiritist movements as well as theosophy took their start. Thus, not only the goal but also the origin is the same. Those who can look a little deeper into the inner driving forces of the spiritual movement know this. What we see externally, what lies immediately before our physical eyes in the spiritual movement, takes place in the world of effects, not in the world of causes. The spiritual researcher knows that much of what unfolds before your senses has its causes in much higher spiritual worlds. We grope about almost like blind people as we walk up and down in the sensory world, and have no idea what is happening behind the scenes, where higher spiritual powers, as it were, pull the strings of what takes place before our sensory eyes. Thus the spiritual researcher also recognizes that the spiritualist, spiritist, and theosophical movements have a common origin.

[ 16 ] Wer mit offenem Geistesauge die Entwickelung der Menschheit verfolgt, der weiß, daß es innerhalb des Geisteslebens der Menschheit ebenso eine Entwickelung gibt wie inrerhalb der physischen Natur. So wie es innerhalb der physischen Natur Wesenheiten gibt, die im Dunklen tappen, und andere, die im Dunklen tappen und außerdem hören und so weiter, so gibt es auch im geistigen Leben alle Abstufungen zwischen der unentwickelten Seele eines Hottentotten und der Genie-Seele eines Goethe oder Newton. Wir sehen also, welch gewaltige Unterschiede bestehen, sowohl in der Abstufung der Sinnesentwickelung als auch in der Skala der Geistesentwickelung. Es gibt hochentwickelte Naturen in der Menschheit, und diejenigen, welche sie gefunden haben, wissen davon Zeugnis abzulegen. Diese großen Naturen sind die Führer in der geistigen Entwickelung. Sie sind nicht nur, wie Schopenhaner gesagt hat, eine ideale Brüderschaft, die sich durch Zeiten hindurch die Hände reichen, sondern eine wirkliche Gesellschaft, die miteinander und ineinander wirken. Der Theosoph weiß von ihrer Existenz und nennt sie die große Bruderschaft der sogenannten Adepten. Wer ehrlich an eine Entwickelung glaubt, der muß an diese Möglichkeit glauben; wer aber Erfahrung davon hat, der kann Zeugnis ablegen, daß es solche Wesen gibt.

[ 16 ] Anyone who observes the development of humanity with an open spiritual eye knows that there is just as much development within humanity’s spiritual life as there is within physical nature. Just as there are beings within physical nature who grope in the dark, and others who grope in the dark but can also hear and so on, so too are there all degrees of development in spiritual life between the undeveloped soul of a Hottentot and the genius soul of a Goethe or Newton. We see, then, what enormous differences exist, both in the gradations of sensory development and in the scale of spiritual development. There are highly developed beings among humanity, and those who have found them can bear witness to this. These great beings are the leaders in spiritual development. They are not merely, as Schopenhauer said, an ideal brotherhood reaching out to one another across the ages, but a real community that works together and within one another. The Theosophist knows of their existence and calls them the Great Brotherhood of the so-called Adepts. Anyone who sincerely believes in evolution must believe in this possibility; but those who have experienced it can testify that such beings exist.

[ 17 ] Als um die Mitte des 19. Jahrhunderts der materialistische Wendepunkt eintrat, als die höheren Wesen sahen, daß eine materialistische Hochflut heraufkommen muß, da waren sie es, die den Gegenpol hervorgerufen haben. Nicht einen Augenblick haben sie an dieser materialistischen Bewegung Kritik geübt. Sie wußten, daß die moderne Technik dadurch einen gewaltigen Aufschwung nehmen wird, und das war eine Notwendigkeit. Deshalb soll auch die materialistische Bewegung nicht bekämpft werden. Nur gegenüber der Ausbeutung der materialistischen Wissenschaft in bezug auf die Seelenfrage mußte ein Gegenpol geschaffen werden, eine geistige Strömung, eine geistige Welle gegenüber der materiellen in der Menschheit. Diese geistige Welle drückt sich zunächst in dem Auftreten spiritistischer und spiritualistischer Phänomene aus. Den Menschen sollte gezeigt werden, daß es noch etwas anderes gibt als das, was die Naturwissenschaft mit ihren Mitteln zu ergreifen vermag. Jene Brüder, welche die Zeichen der Zeit zu deuten wußten, welche immer die Führer der Menschheit gewesen sind, haben auch die spiritistische Flutwelle über die Menschheit hingesandt. Durch Jahrhunderte hindurch arbeiten sie. Ungekannt, verkannt, werden sie in einzelnen Individualitäten hervortreten in unermeßlicher Arbeit für die Menschheit. Solange die Menschheit in ihrer großen Masse sich an die wissenschaftlichen Führer wenden konnte, solange sie Auskunft erhalten konnte über die brennenden Seelenfragen, so lange konnten jene älteren Brüder allerdings die geistige Menschheit in verborgenen Mysterien leiten, Sie sandten dann ihre Kundschafter auf Wegen in die Welt hinaus, die nur der sogenannte Okkultist kennt. Mancher, der die Geschichte wahrhaft studiert, stößt auf solche geistigen Einflüsse, die er sich, wenn er nur materialistischer Forscher ist, nicht zu erklären weiß, die ihm aber klarwerden, wenn er sich an die richtigen Geistesforscher wendet.

[ 17 ] When the materialistic turning point occurred in the mid-19th century, when the higher beings saw that a materialistic deluge was bound to come, it was they who brought about the counterforce. Not for a single moment did they criticize this materialistic movement. They knew that modern technology would thereby experience a tremendous upswing, and that was a necessity. Therefore, the materialistic movement should not be opposed. Only in response to the exploitation of materialistic science regarding the question of the soul was it necessary to create a counterforce—a spiritual current, a spiritual wave within humanity to counter the material one. This spiritual wave is initially expressed in the occurrence of spiritualist and spiritual phenomena. Humanity was to be shown that there is something else besides what natural science is able to grasp with its means. Those brothers who knew how to interpret the signs of the times, who have always been the leaders of humanity, also sent the spiritualist tidal wave over humanity. They have been working for centuries. Unknown and misunderstood, they will emerge in individual personalities, performing immeasurable work for humanity. As long as humanity, in its great mass, could turn to the scientific leaders, as long as it could obtain information about the burning questions of the soul, so long could those elder brothers indeed guide spiritual humanity through hidden mysteries. They then sent their scouts out into the world along paths known only to the so-called occultist. Many who truly study history encounter such spiritual influences that they cannot explain if they are merely materialistic researchers, but which become clear to them when they turn to the right spiritual researchers.

[ 18 ] Im 19. Jahrhundert ist es anders geworden. Gerade dadurch, daß die wissenschaftlichen Führer versagten, war es notwendig, daß augenfällige Beweise für das Dasein einer Geisteswelt geschaffen wurden. Nun aber stellte sich heraus, daß die drei Jahrzehnte der spiritistischen Bewegung von 1840 bis 1870 zunächst ganz andere Interessen hervorriefen als beabsichtigt waren. Wenden Sie nicht ein, daß die weisen Führer sich demnach auch irren können, da sie doch sonst dies hätten voraussehen müssen. Das ist eine Sache, die in anderer Weise erörtert werden muß. Es erwies sich zunächst, daß die Interessen, welche sich an die spiritistischen Phänomene knüpften, nicht die beabsichtigten waren. Es sollte in augenfälliger Weise darauf hingedeutet werden, daß es neben dem physischen noch ein rein geistiges Leben gibt. Was aber damals genährt wurde, das waren nur Interessen allzu menschlicher, persönlicher Natur. Der Verkehr mit Verstorbenen war es, den man vor allen Dingen suchte. Das war aber ganz und gar nicht dasjenige, was die Sendboten der Menschheit bringen sollten. Nicht menschliche Neugierde, wenn auch schöner und edler Art, zu befriedigen, war der Zweck dieser Phänomene. Es sollten vielmehr der Menschheit Erkenntnisse, Einsichten gegeben werden, welche sie, bei richtiger Anwendung auf sich selbst, einem höheren, geistigen Leben zuführten. Leider wurde zuviel Schaulust gesucht, und das Forschen in der geistigen Welt wurde in einer Weise betrieben, die nicht zur wirklichen Veredelung der Menschheit führen kann. Das ist der Grund, welcher dann zur Begründung der Theosophischen Gesellschaft geführt hat.

[ 18 ] Things changed in the 19th century. Precisely because the scientific leaders failed, it became necessary to produce compelling evidence for the existence of a spirit world. However, it turned out that the three decades of the spiritualist movement from 1840 to 1870 initially aroused interests quite different from those intended. Do not object that the wise leaders could therefore also be mistaken, since they otherwise should have foreseen this. That is a matter that must be discussed in a different way. It initially turned out that the interests associated with the spiritualist phenomena were not the intended ones. The aim was to point out in a striking way that, alongside the physical life, there is also a purely spiritual life. But what was fostered at that time were only interests of an all-too-human, personal nature. It was communication with the deceased that people sought above all else. But that was not at all what the messengers were meant to bring to humanity. The purpose of these phenomena was not to satisfy human curiosity, even of the most beautiful and noble kind. Rather, humanity was to be given knowledge and insights which, when correctly applied to themselves, would lead them to a higher, spiritual life. Unfortunately, too much sensationalism was sought, and exploration of the spiritual world was conducted in a manner that cannot lead to the true ennoblement of humanity. This is the reason that subsequently led to the founding of the Theosophical Society.

[ 19 ] Lassen Sie mich in Kürze andeuten, um was es sich hier handelt. Der Mensch ist nicht durch rein natürliche Kräfte geschaffen. Dasjenige, was die Menschennatur ausmacht, dasjenige, was sozusagen die Hülle des Seelen- und Geisteslebens bildet, das ist nicht durch physische Kraft geschaffen. Weisheit hat die Welt geschaffen. Weisheit hat auch jeden einzelnen geschaffen. Dies muß ich hier voraussetzen; es Ihnen zu beweisen, könnte die Aufgabe eines besonderen Vortrages sein. Ich skizziere deshalb heute nur.

[ 19 ] Let me briefly explain what this is all about. Human beings are not created by purely natural forces. That which constitutes human nature—that which, so to speak, forms the shell of the life of the soul and spirit—is not created by physical force. Wisdom created the world. Wisdom also created each individual. I must take this as a given here; proving it to you could be the subject of a separate lecture. I will therefore only outline it today.

[ 20 ] Sie wissen, daß durch reine Naturkräfte auch nicht eine Uhr zustande kommt, sondern daß menschlicher Scharfsinn notwendig ist, um die erforderlichen Kombinationen hervorzubringen. Diejenigen haben recht, welche sagen: Wenn wir den Organismus des lebendigen Körpers erforschen, finden wir keinen Gott, keine göttliche Schöpferkraft, sondern nur natürliche Kräfte. Sie finden die geistigen, schöpferischen Kräfte nicht. Schon ein geringes Nachdenken kann darüber Klarheit schaffen. Auch wenn Sie eine Uhr studieren, können Sie sie ganz mechanisch erklären, und doch sind Sie schließlich genötigt, die Frage nach der Weisheit, nach dem menschlichen Verstande, nach dem Uhrmacher zu stellen, welcher sie gebaut hat, und den Sie dann auch nicht in der Uhr finden können. Man sieht daraus: die Frage ist falsch gestellt. Der Vergleich des menschlichen Organismus mit einer Uhr gilt durchaus, aber er muß richtig angewendet werden. Und richtig ist er, wenn man sagt: Sowenig eine Uhr und ihr Werk ohne den geistigen Einfluß eines Uhrmachers entstehen kann, sowenig kann die menschliche Seele — die höchste Blüte, die höchste Entfaltung der Kräfte, welche den menschlichen Organismus aufgebaut haben, das Höchste, was der Geist aus dem äußeren Körper zustande gebracht hat — ohne den geistigen Einfluß ihres Schöpfers entstanden sein; diese menschliche Seele mit dem gegenwärtigen Bewußtsein, wie wir es kennen, das uns über die Umwelt belehrt, das rechnet, kombiniert, und uns aufklärt über unser sittliches Leben. Denken Sie, was notwendig war — ich muß bildlich reden —, um innerhalb dieser menschlichen organischen Entwickelung die Grundlage für diese Blüte des organischen Lebens, für den menschlichen Geist, zu schaffen.

[ 20 ] You know that even a watch cannot come into being through natural forces alone, but that human ingenuity is necessary to bring about the required combinations. Those are right who say: When we investigate the organism of the living body, we find no God, no divine creative power, but only natural forces. They do not find the spiritual, creative forces. Even a little reflection can clarify this. Even when you study a clock, you can explain it entirely mechanically, and yet you are ultimately compelled to ask the question about wisdom, about human intellect, about the clockmaker who built it—and whom you cannot find within the clock. From this we see: the question is posed incorrectly. The comparison of the human organism to a clock is certainly valid, but it must be applied correctly. And it is correct when one says: Just as a clock and its mechanism cannot come into being without the spiritual influence of a clockmaker, so too the human soul—the highest flowering, the highest unfolding of the forces that have built up the human organism, the highest thing the spirit has brought about from the outer body—cannot have come into being without the spiritual influence of its Creator; this human soul with the present consciousness as we know it, which instructs us about our surroundings, which calculates, combines, and enlightens us regarding our moral life. Consider what was necessary—I must speak figuratively—to create, within this human organic development, the foundation for this flowering of organic life, for the human spirit.

[ 21 ] Leicht ist es, sich vorzustellen, daß diese sogenannten Bauleute, diese gesetzmäßigen Erbauer des Organismus nur bis zu einer der unteren Stufen hätten bauen können, daß sie aber niemals vermocht hätten, diesen komplizierten menschlichen Organismus zu errichten, der für die menschliche Seele als brauchbares Werkzeug zu verwenden war. Ein Gipfelpunkt mußte in ihrem Vermögen erreicht werden. Steigen wir also hinab in jene Zeiten, die der Entwickelung der menschlichen Seele vorangegangen sind, in denen die Entwickelung noch nicht eine menschliche Höhe erreicht hatte. Wir finden dann, daß diese Wesenheiten weisheitsvoll aufgebaut sind, und es wird uns gleichzeitig klar, daß die Mächte, welche an dem Aufbau dieser Wesenheiten arbeiteten, von uns Menschen in der Regel ebensowenig gesehen werden können, wie der Uhrmacher der Uhr gesehen werden kann. Sowenig weiß der Mensch von den geistigen Mächten, Kräften und Wesenheiten, welche sorgsam das vorbereiteten, in dem seine Seele wohnt, wie das mechanische Triebwerk in der Uhr weiß von der Geistestätigkeit des Uhrmachers.

[ 21 ] It is easy to imagine that these so-called builders, these lawful architects of the organism, could have built only up to one of the lower stages, but that they would never have been able to construct this complex human organism, which was to serve as a useful tool for the human soul. A pinnacle had to be reached in their capabilities. Let us therefore descend into those times that preceded the development of the human soul, when development had not yet reached a human level. We then find that these beings are wisely constructed, and it simultaneously becomes clear to us that the powers that worked on the construction of these beings can generally be seen by us humans just as little as the watchmaker can be seen in the watch. Just as little does the human being know of the spiritual powers, forces, and beings that carefully prepared the vessel in which his soul dwells, as the mechanical movement in the watch knows of the watchmaker’s spiritual activity.

[ 22 ] Geistige Kräfte haben also an dem Aufbau unseres Organismus gearbeitet und wirken noch immer in uns. Diejenigen Kräfte, welche unseren Organismus so gestaltet haben, daß er atmen, Blut durch die Adern senden, verdauen kann, daß er Stoffe und Kräfte im Gehirn konzentriert und das Gehirn zum Werkzeug der Seele tauglich machte, bis die menschliche Seele entstehen konnte — diese Seelenkräfte sind noch heute am Werk. Aber sowenig wie die Schwerkraft, wie der Magnetismus gesehen werden kann, sowenig wir die Kräfte sehen, welche sich als unsere Begierden, Leidenschaften, Wünsche und Triebe offenbaren, ebensowenig können wir die schöpferischen Kräfte erkennen, welche beim Aufbau des Organismus wirksam waren. Denken Sie sich, der Mensch wäre noch nicht auf der Höhe, wo ihn das, was ich vorhin als klares Bewußtsein beschrieb, erfüllt. Denken Sie sich ihn in jene Zeit zurückversetzt, wo diese Bewußtseinskräfte noch nicht Besitz von seinem Organismus genommen hatten. Bevor sich da unser hochentwickeltes Gehirn im Laufe der Weltentwickelung gestalten konnte, haben sich andere Formen des Gehirns entwickelt, welche heute noch immer in uns sind, überdeckt und reguliert von dem hochentwickelten vollkommenen Gehirn des Menschen unserer Zeit. Auf eine dem Menschen unbewußte Weise haben die geistigen Werkmeister der Welt die Wunsch- und Triebnatur des Menschen aufgebaut; jene Natur, die der Mensch mit dem Tiere gemeinschaftlich hat, um als deren Blüte das Werkzeug der Seele hervorzubringen. Noch heute sind diese geistigen Wesenheiten, die uns aufgebaut haben, tätig; sie sind neben uns, in uns, so wahr und wirklich, wie diese Lampe hier in der physischen Welt wirklich ist. Wir bewegen uns in unserer physischen Welt und wissen von den Dingen der Welt dadurch, daß wir ein klares Bewußtsein erlangt haben. Um uns herum leben viele Wesen, welche zurückgeblieben sind auf früheren Stufen des Daseins. Geradeso wie die Menschen sich weiterentwickelt haben, so sind gewisse Wesen zurückgeblieben und bilden eine geistige Welt für sich. Aber auch für sie steht die Entwickelung nicht still. Genauso wie unser Bewußtsein sich heraufentwickelt hat zu unserer Höhe und Klarheit, so schreitet auch ihre Entwickelung weiter. Unserem Bewußtsein kann man die Weiterentwickelung zu immer größeren Höhen nicht absprechen. Dann aber, wenn der Mensch sich weiterentwickelt haben wird, nicht nur bis zu diesem klaren Bewußtsein, sondern zu einer noch höheren Anschauung, dann werden wir wieder die geistigen Welten, die uns stets umgeben, erkennen.

[ 22 ] Spiritual forces have thus worked to shape our organism and are still at work within us. Those forces that shaped our organism so that it can breathe, send blood through the veins, digest, concentrate substances and forces in the brain, and make the brain a suitable instrument for the soul until the human soul could come into being—these soul forces are still at work today. But just as gravity and magnetism cannot be seen, just as we cannot see the forces that manifest as our desires, passions, wishes, and instincts, so too can we not perceive the creative forces that were at work in the formation of the organism. Imagine that human beings had not yet reached the stage where they are filled with what I described earlier as clear consciousness. Imagine him transported back to that time when these forces of consciousness had not yet taken possession of his organism. Before our highly developed brain could take shape in the course of world evolution, other forms of the brain developed, which are still within us today, overlaid and regulated by the highly developed, perfect brain of the human being of our time. In a way unconscious to human beings, the spiritual architects of the world have built up the human nature of desire and instinct—that nature which humans share with animals—in order to bring forth, as its flowering, the instrument of the soul. Even today, these spiritual beings who have built us up are active; they are beside us, within us, as true and real as this lamp here in the physical world is real. We move through our physical world and know of the things of the world because we have attained clear consciousness. Around us live many beings who have remained at earlier stages of existence. Just as human beings have evolved, so certain beings have remained behind and form a spiritual world of their own. But for them, too, evolution does not stand still. Just as our consciousness has evolved to our present level of clarity, so their evolution continues to advance. One cannot deny that our consciousness continues to develop to ever greater heights. But when humanity has developed further—not only to this clear consciousness but to an even higher perspective—then we will once again perceive the spiritual worlds that constantly surround us.

[ 23 ] Auf zweifache Weise ist es möglich, Kenntnis von der uns umgebenden geistigen Welt zu erhalten. Die erste Art ist die, daß wir erforschen, wie es sich mit dem Menschen verhält, wenn sein klares Bewußtsein ausgeschaltet ist. Dieses klare Bewußtsein ist wie ein Licht, das die geistigen Einflüsse, die um uns herum sind, überstrahlt. Wir sehen sie nicht, weil sie von unserem Bewußtsein überstrahlt werden. Schalten wir unser Bewußtsein aber aus, dann haben wir uns den geistigen Wesenheiten, die unsere Erbauer waren, bevor wir das klare Bewußtsein hatten, genähert. Wir erlangen dann die Erkenntnis, daß die Entwickelung nicht eine gerade aufsteigende, sondern daß sie auch im Kreise herauf- und heruntersteigend ist. Indem wir unser klares Bewußtsein ausschalten, bewegen wir uns gewissermaßen zurück zu Vorstadien unserer Entwickelung, wo wir noch geistiger waren, während wir heute mit unserem Bewußtsein über jener Sphäre stehen. Wir kommen tatsächlich aus einer geistigen Welt her, und diese geistige Welt hat sozusagen dasjenige vorgearbeitet, was die Wohnung, das Haus der Seele in der physischen Welt sein kann. Wir nähern uns dem göttlichen Wesen in gewisser Beziehung, wenn wir die Stufe, die wir erreicht haben, ein wenig zurückschrauben. Das ist der eine Weg; das ist der Weg, den der Spiritismus gegangen ist.

[ 23 ] There are two ways to gain insight into the spiritual world that surrounds us. The first is to explore what happens to a person when their clear consciousness is suspended. This clear consciousness is like a light that outshines the spiritual influences around us. We do not see them because they are outshone by our consciousness. But when we switch off our consciousness, we have drawn closer to the spiritual beings who were our builders before we had clear consciousness. We then come to realize that development is not a straight upward ascent, but that it also moves in a circular pattern, ascending and descending. By switching off our clear consciousness, we move, so to speak, back to earlier stages of our development, where we were still more spiritual, whereas today we stand above that sphere with our consciousness. We do indeed come from a spiritual world, and this spiritual world has, so to speak, prepared the ground for what the dwelling, the home of the soul, can be in the physical world. We approach the divine being in a certain sense when we scale back the level we have reached a little. That is one path; that is the path that Spiritism has taken.

[ 24 ] Der andere Weg ist der, den die moderne Geisteswissenschaft, die Theosophie geht. Die Theosophie sucht nicht durch Ausschaltung des Bewußtseins, sondern durch Höherentwickelung des Bewußtseins die Geisteswelt zu erforschen. Des Theosophen Ideal ist, Aufschluß zu erlangen über die uns umgebende Geisteswelt bei vollkommener Kontinuität, bei Aufrechterhaltung des klaren Bewußtseins. Das ist der Unterschied zwischen dem theosophischen Schüler und dem spiritistischen Medium. Das Medium bringt Kunde von der Geisteswelt, aber es ist dabei bloß ein Werkzeug. Es gibt sich als Organ, als Mittel her, durch welches die geistige Welt spricht. Der theosophische Forscher sucht sein klares, helles Bewußtsein bis in die Höhen hinaufzuheben, wo er diese geistige Welt wieder wahrnimmt. Der theosophische Forscher betrachtet es als eine Beeinträchtigung der menschlichen Selbständigkeit, als eine Hinderung des selbständigen Menschenbestimmungsrechtes, wenn er diejenige Stufe, die er einmal im Naturlauf erreicht hat, die Stufe des klaren Bewußtseins, aufgeben und sich in den Zustand zurückversetzen soll, den er in früheren Entwickelungsphasen bereits durchgemacht hat.

[ 24 ] The other path is the one taken by modern spiritual science, theosophy. Theosophy seeks to explore the spiritual world not by shutting down consciousness, but by developing it to a higher level. The theosophist’s ideal is to gain insight into the spiritual world surrounding us while maintaining complete continuity and clear consciousness. This is the difference between the theosophical student and the spiritualist medium. The medium brings news from the spiritual world, but in doing so is merely an instrument. They offer themselves as an organ, as a medium through which the spiritual world speaks. The theosophical researcher seeks to raise their clear, lucid consciousness up to the heights where they once again perceive this spiritual world. The theosophical researcher regards it as an impairment of human autonomy, as an obstruction of the independent right of human self-determination, if he is to abandon the stage he has once reached in the course of nature—the stage of clear consciousness—and return to the state he has already passed through in earlier phases of development.

[ 25 ] Es mögen die Wahrheiten, die wir in einem Zustande des herabgeschraubten Bewußtseins erhalten, ganz unantastbar sein, es mag die Richtigkeit der Ergebnisse spiritistischer Versuche von keinem Menschen bezweifelt werden, die Frage, ob die Methode der Forschung richtig oder zulässig ist, wird dadurch aber nicht berührt. Und darauf kommt es ganz besonders an, ob es den Gesetzen der Entwickelung und den Absichten der kosmischen Mächte entspricht, wenn Schritte wieder zurück gemacht werden, welche die Natur bereits vorwärts gemacht hat. Nicht umsonst werden Schritte in der Natur gemacht, und der Mensch soll sich daher auch nicht in Entwickelungsphasen zurückversetzen, welche die Natur mit ihm schon überwunden hat. Nicht aus Neugierde wollen wir die Wahrheit erforschen, nicht auf unrichtigen, hinterlistigen Wegen, sondern lediglich auf dem Wege, den uns die hohen kosmischen Mächte angewiesen haben, auf dem Wege, der durch unser klares Bewußtsein hindurchführt. Es ist daher das Streben der theosophischen Bewegung, nicht auf diejenigen zu hören, welche aus dem Unbewußtsein oder Unterbewußtsein die Wahrheit offenbaren, sondern auf diejenigen, welche aus vollem, hellem Tagesbewußtsein die Wahrheit künden. Und derjenige, welcher in der theosophischen Bewegung steht und direkte Erkenntnisse der Wahrheit besitzt, der hat die Wahrheit auf keine andere Weise erforscht als unter Beibehaltung des vollen, hellen Tagesbewußtseins. Nicht einen Moment darf er sein Bewußtsein ausschalten. Höherentwickelung des Bewußtseins, volles, klares Schauen, wie dies die Adepten haben, muß sein Streben sein. Wenn wir dieses Ziel dann erreicht haben, erfüllen wir unsere menschliche Bestimmung.

[ 25 ] The truths we receive in a state of lowered consciousness may be entirely beyond reproach, and the accuracy of the results of spiritualistic experiments may be beyond doubt to anyone; yet this does not address the question of whether the method of research is correct or permissible. And what matters most is whether it corresponds to the laws of evolution and the intentions of the cosmic powers when steps are taken backward that nature has already taken forward. Steps are not taken in nature in vain, and humanity should therefore not regress to stages of development that nature has already overcome with it. We do not seek the truth out of curiosity, nor through false or deceitful means, but solely along the path indicated to us by the higher cosmic powers—the path that leads through our clear consciousness. It is therefore the aim of the Theosophical Movement not to listen to those who reveal the truth from the unconscious or subconscious, but to those who proclaim the truth from full, clear waking consciousness. And the one who stands within the Theosophical Movement and possesses direct knowledge of the truth has sought the truth in no other way than by maintaining full, clear daylight consciousness. Not for a single moment may he switch off his consciousness. The higher development of consciousness, full and clear vision, as possessed by the Adepts, must be his aspiration. When we have attained this goal, we fulfill our human destiny.

[ 26 ] Warum sollen wir dem in Trance befindlichen Medium mehr glauben als demjenigen, der aus seinem klaren Tagesbewußtsein heraus spricht? Vertrauen ist hier und dort erforderlich. Es ist allerdings bequemer, mit Ausschaltung des Bewußtseins die Wahrheit zu erforschen, aber menschenwürdiger ist die Forschungsmethode mit Aufrechterhaltung des klaren Geistesbewußtseins. Daher haben die Theosophen den letzteren Weg als den natürlichen bevorzugt, so daß also alles Arbeiten aus dem Unbewußten oder Unterbewußten heraus als nicht im Sinne der theosophischen Bewegung bezeichnet werden muß. Die theosophische Bewegung sucht, wie gesagt, die geistige Welt von dem vollen, klaren Bewußtsein heraus zu erreichen, und sie ist sich darüber klar, daß der Mensch ein geistiges Wesen ist, das, je nachdem er auf einer mehr oder weniger hohen Entwickelungsstufe steht, mehr oder weniger unabhängig von dem Körper ist. Daher wendet sich die Theosophie vor allen Dingen an den verkörperten Menschen, an solche Menschen, die, im Körper lebend, geistige Schauenskräfte erreichen und zeitweilig, bei vollem, klarem Bewußtsein, unabhängig von ihrem physischen Organismus werden können. Der vom Körper unabhängige Mensch hat die Möglichkeit, in der geistigen Welt Erfahrungen zu sammeln, nicht dadurch, daß er zurückkehrt in die Zeiten, in denen das helle Tagesbewußtsein noch nicht entwickelt war, sondern dadurch, daß er aufsteigt in Zeiten und Entwickelungsperioden, in denen das Bewußtsein höher sein wird als das Durchschnittsbewußtsein der Menschen der Gegenwart.

[ 26 ] Why should we believe a medium in a trance more than someone speaking from a clear state of waking consciousness? Trust is required in both cases. It is certainly more convenient to explore the truth by suspending consciousness, but the research method that maintains clear mental consciousness is more humane. Therefore, the Theosophists have preferred the latter path as the natural one, so that all work carried out from the unconscious or subconscious must be regarded as not in keeping with the spirit of the Theosophical Movement. The Theosophical Movement seeks, as mentioned, to reach the spiritual world from a state of full, clear consciousness, and it is clear to it that man is a spiritual being who, depending on whether he stands at a higher or lower stage of development, is more or less independent of the body. Therefore, Theosophy addresses above all the embodied human being—those who, while living in the body, attain spiritual powers of vision and can temporarily, with full, clear consciousness, become independent of their physical organism. The human being independent of the body has the opportunity to gain experience in the spiritual world, not by returning to times when clear daytime consciousness was not yet developed, but by ascending to times and periods of development in which consciousness will be higher than the average consciousness of people today.

[ 27 ] Das Medium ist ein Erinnerungszeichen an verflossene Zeiten der Entwickelung. In früheren Zeiten waren alle Menschen Medien; alle haben ein astrales Wahrnehmungsvermögen gehabt, alle haben einst die geistige Welt wahrnehmen können. Aus diesem astralen Bewußtsein hat sich aber allmählich unser Bewußtsein, unser helles, klares Tagesbewußtsein herausgebildet. Bei dem Aufstieg in die geistigen Welten, den alle Menschen werden ausführen müssen, werden sie, wenn ich so sagen darf, jene astrale Welt nochmals durchlaufen, nochmals astral wahrnehmend, nochmals hellsehend werden. Das ist aber nur ein Durchgangsstadium, wie alle Entwickelungszustände als Durchgangsstadien betrachtet werden können. Unsere irdische Laufbahn ist eine Lektion, die wir durcharbeiten müssen, die wir zu lernen haben. Wir sollen deshalb auch nicht weltfremd werden, dem Irdischen nicht feindlich gegenüberstehen, sondern ganz im Irdischen leben und sollen da dieselben Kräfte, dieselben Wesenheiten in der irdischen Welt erkennen, welche wir in der übersinnlichen Welt wahrnehmen, weil diese in unsere irdische Welt hereinwirken, indem sie die menschlichen Seelen durchweben, und so Einfluß auf die Lebensgestaltung im Irdischen gewinnen.

[ 27 ] The medium is a reminder of bygone eras of development. In earlier times, all people were mediums; all possessed astral perception, and all were once able to perceive the spiritual world. From this astral consciousness, however, our consciousness—our bright, clear waking consciousness—gradually emerged. During the ascent into the spiritual worlds, which all human beings will have to undertake, they will, if I may say so, pass through that astral world once more, once again becoming astral perceivers, once again becoming clairvoyant. But this is only a transitional stage, just as all stages of development can be regarded as transitional stages. Our earthly journey is a lesson we must work through, a lesson we must learn. We should therefore not become unworldly, nor should we be hostile toward the earthly realm, but rather live fully within the earthly realm and recognize there the same forces, the same beings in the earthly world that we perceive in the supersensible world, because these forces work into our earthly world by interweaving themselves with human souls, and thus gain influence over the shaping of life on Earth.

[ 28 ] Das wollte auch die Bienenallegorie der Mysterienpriester des alten Griechenland ausdrücken. Die Bienenallegorie ist somit nicht ohne Bedeutung für uns, denn die menschliche Seele ist es, die mit den Bienen verglichen wurde. So wie die Bienen aus dem Stock hinausgeschickt werden zu den Blumen, um Honig zu sammeln, so ist die menschliche Seele aus höheren Regionen ausgesandt, um in der irdischen Welt Erfahrungen zu sammeln. Den Bienen ist das Blumenreich zugewiesen, den Menschen die irdische Welt. Es würde also durchaus nicht deren Bestimmungen entsprechen, wenn Biene und Mensch andere Forschungsgebiete aufsuchen würden, sich in Regionen betätigten, die den zu sammelnden Stoff überhaupt nicht oder in ungeeignetem Maße enthalten. Deshalb hat die theosophische Bewegung diese Allegorie zum Sinnbild ihres Werkes gemacht, das, kurz ausgedrückt, in dem Streben der Höherentwickelung der Erkenntnis und der Ausgestaltung des klaren Bewußtseins zu einem umfassenden besteht, so daß es auch an dem Leben in geistigen Welten teilnehmen kann. Also eine Höherentwickelung der Menschen strebt die Theosophische Gesellschaft an. Gelingt diese, dann werden diejenigen Interessen in der menschlichen Natur rege, welche den Menschen weiterführen. Nicht Neugierde sollte uns antreiben, etwas von der geistigen Welt kennenzulernen. Und das, was wir lernen, soll uns die Kraft, die Macht geben, das Ziel zu erreichen, welches uns von den kosmischen Mächten gesteckt ist.

[ 28 ] This is also what the bee allegory of the mystery priests of ancient Greece sought to express. The bee allegory is therefore not without significance for us, for it is the human soul that was compared to the bees. Just as the bees are sent out of the hive to the flowers to gather honey, so the human soul is sent out from higher regions to gather experiences in the earthly world. The realm of flowers is assigned to the bees; the earthly world to human beings. It would therefore be entirely contrary to their destinies if bees and humans were to seek out other fields of exploration, engaging in regions that contain the material to be gathered either not at all or in an unsuitable measure. That is why the Theosophical Movement has made this allegory the symbol of its work, which, in short, consists in the pursuit of the higher development of knowledge and the cultivation of clear consciousness into a comprehensive one, so that it may also participate in life in the spiritual worlds. Thus, the Theosophical Society strives for the higher development of humanity. If this succeeds, then those interests within human nature that lead humanity forward will be activated. It should not be curiosity that drives us to learn about the spiritual world. And what we learn should give us the strength and power to achieve the goal set for us by the cosmic powers.

[ 29 ] Die spiritualistisch-spiritistische Bewegung wird bei ihren Anhängern das Bewußtsein hervorrufen, daß es eine geistige Welt gibt. In diesem Bestreben sind sich Theosophie und Spiritismus einig. Aber, wie bereits erläutert, die Methode, dieses Ziel zu erreichen, ist eine andere. Die Gründe, warum die Theosophische Gesellschaft die Forschungsmethode des Spiritismus nicht gutheißt, sind mit ein paar Worten anzugeben: Es ist eine große Gefahr in dem gegenwärtigen Stadium unserer kosmischen Entwickelung, das menschliche Bewußtsein auszuschalten. Nach dem ganzen Verlauf der kosmischen Entwickelung muß der Mensch in diesem Bewußtsein auf der Erde wirken. Schaltet er es aus, so ist er willenlos, bewußtlos den geistigen Mächten ausgeliefert. Ein Beispiel soll das klarmachen. Es ist ein großer Unterschied, ob Sie in eine Verbrecherhöhle hineingehen mit klarem Bewußtsein und hellem Verstande und sich darin auskennen, oder ob Sie ohne diese klare Erkenntnis ‚hineingehen. So ist es nicht nur in dem extremen Fall mit der Verbrecherhöhle, so ist es überall in der Welt. Wir müssen die Dinge, welche an uns herantreten, mit klarem Bewußtsein und Verstand erfassen. Nicht zu willenlosen Werkzeugen dürfen wir uns machen, auch nicht der geistigen Mächte, denn diese könnten dann mit uns alles mögliche treiben. Das ist es gerade, was in so hohem Maße dazu beigetragen hat, die Kultur, die Entwickelung von Medien zu hemmen. Die Einsicht, daß der Mensch nur unter Aufrechterhaltung seines vollen, freien Selbstbestimmungsrechtes mit den geistigen Wesenheiten in Beziehung treten sollte, gewinnt bei den führenden Spiritualisten immer mehr Platz, und es dürfte nur noch eine Frage der Zeit sein, daß die andere, von den Theosophen gepflegte Methode der Geistesforschung auch von den Spiritisten adoptiert werden wird, Hellsehen ist beides, das was der Theosoph und was der Spiritist anstrebt. Werkzeuge sind auch beide, der theosophische Schüler und das spiritistische Medium; aber willenlos ist nur das spiritistische Medium. Derjenige, welcher die Gefahren kennt, kann darüber sprechen, welchen gewaltigen Mächten man in jener Welt entgegenzutreten hat; Mächten, welche zerstörend, herunterdrückend auf uns einwirken; Mächten, welche auf der einen Seite nutzbringenden, auf der anderen Seite schädigenden Einfluß haben. Was nutzbringend war, als der Mensch noch in seinem Unterbewußtsein lebte, das ist ihm heute schädlich. Überlassen wir uns willenlos den Mächten, die unseren Aufbau früher betrieben, dann sind wir ihr Werkzeug im Guten wie im Bösen. Darum sollen wir niemals unser Bewußtsein trüben lassen. Und das hat es uns bei unseren Forschungen ermöglicht, große Wahrheiten zu erkennen, während der spiritistische Forscher mehr oder weniger im trüben fischen muß, Es hat uns zur Erkenntnis gebracht, was zum Ziele führt; es hat uns erkennen lassen, was dabei hinderlich ist.

[ 29 ] The spiritualist movement will awaken in its followers the awareness that a spiritual world exists. In this endeavor, Theosophy and Spiritualism are in agreement. However, as already explained, the method of achieving this goal is different. The reasons why the Theosophical Society does not approve of the research methods of Spiritism can be summarized in a few words: At the present stage of our cosmic evolution, there is a great danger in shutting down human consciousness. Throughout the entire course of cosmic evolution, human beings must act on Earth with this consciousness. If they shut it down, they are left will-less and unconscious, at the mercy of spiritual forces. An example will clarify this. There is a great difference between entering a den of criminals with clear consciousness and a clear mind and knowing your way around, and entering it without this clear understanding. This is not only true in the extreme case of the den of criminals; it is true everywhere in the world. We must grasp the things that approach us with clear consciousness and understanding. We must not make ourselves into will-less tools, not even of the spiritual powers, for they could then do all manner of things with us. This is precisely what has contributed so greatly to hindering the culture and the development of mediums. The realization that humans should only enter into contact with spiritual beings while maintaining their full, free right to self-determination is gaining ever more ground among leading spiritualists, and it is likely only a matter of time before the other method of spiritual research, cultivated by theosophists, is also adopted by spiritualists, Clairvoyance is both what the Theosophist and what the spiritualist strives for. Both the Theosophical student and the spiritualist medium are tools; but only the spiritualist medium is without will. He who knows the dangers can speak of the mighty powers one must face in that world; powers that act upon us destructively and oppressively; powers that have a beneficial influence on the one hand and a harmful one on the other. What was beneficial when man still lived in his subconscious is harmful to him today. If we surrender ourselves without will to the powers that once guided our development, then we become their tools for good as well as for evil. That is why we must never allow our consciousness to be clouded. And this has enabled us, in our research, to recognize great truths, while the spiritualist researcher must more or less fish in murky waters. It has led us to the knowledge of what leads to the goal; it has allowed us to recognize what stands in the way.

[ 30 ] Vor allen Dingen müssen wir uns in der geistigen Welt zurechtfinden lernen. Wir müssen diejenigen Kenntnisse besitzen, welche dies ermöglichen, welche die Vorbedingung zu Erkenntnissen in der geistigen Welt sind. Wer ein tüchtiger Mechaniker werden will, muß Mathematik studieren. Wer in der geistigen Welt zu Hause sein und sich nicht taumelnd und willenlos in derselben bewegen will, der muß die theosophischen Grundwahrheiten durchdrungen haben. Was die Theosophen im Jahre 1875 erkannt haben, das wird nach und nach immer mehr Spiritisten auf ihre Seite bringen. Nicht bekämpfen brauchen sich die beiden Strömungen, wenn im Grunde auch die Forschungsmethode radikal verschieden ist, wie ich gezeigt habe; sie sollen sich ausgleichen. Was die Anhänger der einen zu bieten haben, das mögen sie bringen; was die Anhänger der anderen zu bringen haben, das mögen sie auf dem Altare der Menschheit niederlegen zum Wohl des Ganzen. Auf diese Weise wird die Menschheit durch beide Bewegungen wirklich gefördert werden, während Kampf zwischen den beiden Richtungen nur dazu führen könnte, das große Ziel aus dem Auge zu verlieren. Nicht Kampf, sondern Eintracht zwischen den beiden Bewegungen ist vonnöten, die vor allen Dingen zu dem gemeinsamen Ziele führen sollen: die Menschheit aus dem materialistischen Strome der Gegenwart herauszuheben.

[ 30 ] Above all, we must learn to find our way in the spiritual world. We must possess the knowledge that makes this possible, which is the prerequisite for insights into the spiritual world. Anyone who wants to become a skilled mechanic must study mathematics. Anyone who wants to be at home in the spiritual world and not move about in it in a dazed and aimless manner must have thoroughly grasped the fundamental truths of theosophy. What the theosophists recognized in 1875 will gradually win over more and more spiritualists to their side. The two movements need not fight each other, even though, as I have shown, their methods of inquiry are fundamentally and radically different; they should complement one another. Let the followers of one movement offer what they have to offer; let the followers of the other lay down what they have to offer on the altar of humanity for the good of the whole. In this way, humanity will truly be advanced by both movements, whereas a struggle between the two directions could only lead to losing sight of the great goal. Not struggle, but harmony between the two movements is necessary, which above all should lead to the common goal: to lift humanity out of the materialistic current of the present.

[ 31 ] Dazu bedarf es der Vermittelung der Erkenntnis der geistigen Welt. Der Erkenntnis der Ewigkeit und der wahren Natur der Seele, sowie der dadurch gebotenen Möglichkeit, wieder aufzublicken zu den großen geistigen Mächten der Natur, die uns führend die Pfade gewiesen. Und wie wenige haben so viel Selbsterkenntnis, daß sie das Woher und Wohin des Menschen, die Heimat der Seele verstehen, daß sie das finden können, was dem Leben Sinn und Bedeutung gibt! Um das alles zu erhalten, muß der Mensch zu der Überzeugung gekommen sein, die Johann Gottlieb Fichte ausgesprochen hat, als er von jener geistigen Welt sprach, die uns das Auge für das Ewige eröffnet und uns dann sagen läßt: «Nicht erst, nachdem ich aus dem Zusammenhange der irdischen Welt gerissen sein werde, werde ich den Eintritt in die überirdische erhalten; ich bin und lebe schon 1etzt in ihr, weit wahrer, als in der irdischen; schon jetzt 1st sie mein einziger fester Standpunkt, und das ewige Leben, das ich schon längst in Besitz genommen, ist der einzige Grund, warum ich das irdische noch fortführen mag. Das, was sie Himmel nennen, liegt nicht jenseits des Grabes; es ist schon hier um unsere Natur verbreitet, und sein Licht geht in jedem reinen Herzen auf.»

[ 31 ] This requires imparting an understanding of the spiritual world—an understanding of eternity and the true nature of the soul, as well as the opportunity this affords to look once more to the great spiritual forces of nature that have guided us along our paths. And how few possess such self-knowledge that they understand the origin and destination of humanity, the home of the soul, so that they may find what gives life its meaning and significance! To attain all this, one must have come to the conviction expressed by Johann Gottlieb Fichte when he spoke of that spiritual world which opens our eyes to the eternal and then leads us to say: “It is not only after I have been torn from the context of the earthly world that I will gain entry into the supernatural; I am already here and living in it, far more truly than in the earthly one; even now it is my only firm standpoint, and the eternal life that I have long since taken possession of is the sole reason why I may still wish to continue in the earthly one. What they call heaven does not lie beyond the grave; it is already spread out here around our nature, and its light dawns in every pure heart.”