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Spiritual Teachings
Concerning the Soul
GA 52

7 March 1904, Berlin

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Spiritual Teachings Concerning the Soul, tr. SOL
  1. Spirituelle Seelenlehre und Weltbetrachtrung, 2nd ed.

12. Theosophie und Somnambulismus

12. Theosophy and Somnambulism

[ 1 ] Das Thema des heutigen Vortrages soll eine Art Ergänzung dessen sein, worüber ich vor vier Wochen hier sprach, eine Ergänzung zu dem Thema: «Theosophie und Spiritismus.» Heute will ich einiges, was ich damals nur andeutend bemerken konnte, genauer ausführen. Namentlich will ich über die Erscheinungen des Somnambulismus sprechen, welche in geheimnisvolle Gebiete der menschlichen Natur hineinführen und in Gebiete, welche so verschiedenste Deutung von verschiedenen Seiten erfahren.

[ 1 ] The topic of today’s lecture is intended to be a sort of supplement to what I spoke about here four weeks ago, a supplement to the topic: “Theosophy and Spiritualism.” Today I would like to elaborate on some points that I could only touch upon briefly at that time. Specifically, I would like to speak about the phenomena of somnambulism, which lead into mysterious realms of human nature and into realms that are subject to the most diverse interpretations from various quarters.

[ 2 ] Sie alle wissen wohl, was das ist: Somnambulismus. Dieses Wort soll auf gewisse seelische Zustände hinweisen, welche im Menschen dann auftreten, wenn in seinen gewöhnlichen Bewußtseinszuständen eine gewisse Veränderung eingetreten ist, vor allen Dingen dann, wenn das gewöhnliche alltägliche Bewußtsein, jenes Bewußtsein, mit dem wir unsere alltäglichen Handlungen vollführen, mit dem wir uns in der Natur zurechtfinden, nicht in voller Tätigkeit ist, wenn es zurückgedrängt, gleichsam ausgeschaltet ist und der Mensch dennoch seelisch handelt, dennoch innerhalb von gewissen Seelenzuständen ist. Unter Somnambulismus oder auch Schlafhandeln, Schlafwachen, oder wie man diese Zustände nennt, verstehen wir alle seelische Tätigkeit ohne die volle Tätigkeit des gewöhnlichen Tagesbewußtseins, gleichsam aus den Tiefen der Seele, welche nicht beleuchtet werden von dem Ich-Bewußtsein des Tages. Von dieser dunklen Tiefe herauf handelt dann die menschliche Seele, und sie bringt Handlungen aus diesen Tiefen herauf, welche sich sehr wesentlich von dem unterscheiden, was der Mensch sonst im Laufe seines Lebens vollbringt. Wir wissen auch, daß nicht ohne weiteres jede Persönlichkeit geeignet ist, mit solcher Auslöschung und Ausschaltung des gewöhnlichen Tagesbewußtseins seelische Handlungen zu vollziehen. Wir wissen, daß nur diejenigen Personen, welche wir als Somnambule bezeichnen, welche in eine Art von Trance oder Traumzustand versetzt werden können, imstande sind, solche seelische Erscheinungen zu zeigen. Diese Personen selbst sind, während aus ihrer Natur solche Erscheinungen hervorgehen, in einer Art von bewußtlosem Zustande, und man hat nun in den verschiedenen Zeiten diese Zustände in der verschiedensten Weise gedeutet.

[ 2 ] You are all probably familiar with the term: somnambulism. This word refers to certain mental states that occur in humans when a certain change has taken place in their ordinary states of consciousness, especially when ordinary everyday consciousness—the consciousness with which we perform our daily actions and navigate our way through the world—is not fully active, when it is suppressed, as it were, switched off, and yet the person acts psychologically, remaining within certain psychological states. By somnambulism, or sleepwalking, or waking in a sleep-like state—whatever these states may be called—we mean all soul activity that takes place without the full activity of ordinary waking consciousness, as it were from the depths of the soul, which are not illuminated by the ego-consciousness of the day. From this dark depth, the human soul then acts, and it brings forth actions from these depths that differ very significantly from what a person otherwise accomplishes in the course of their life. We also know that not every individual is readily capable of performing psychological actions with such an extinction and suspension of ordinary daytime consciousness. We know that only those individuals whom we call somnambulists—who can be induced into a kind of trance or dream state—are capable of exhibiting such psychic phenomena. These individuals themselves, while such phenomena arise from their nature, are in a kind of unconscious state, and these states have been interpreted in the most diverse ways throughout the ages.

[ 3 ] Versetzen wir uns einmal in das alte Griechenland, sehen wir, welche Deutung im alten Griechenland zu derjenigen Zeit, von welcher uns gewöhnlich die griechische Geschichte erzählt, solche Handlungen somnambuler Persönlichkeiten erfahren haben. Da treffen wir die Priesterinnen, die sogenannten Orakelpriesterinnen, welche aus der Tiefe ihrer Seele heraus unter Auslöschung ihres gewöhnlichen Bewußtseinszustandes allerlei Dinge kundgeben wollten, die über gewöhnliches menschliches Wissen hinausgingen. Ereignisse der Zukunft sollten aus solchem tiefem Seelenwissen herausgeholt werden; ob wichtige StaatshandJungen, ob wichtige Gesetzgebungen berechtigt seien oder nicht, darüber sollten diese Orakelpriesterinnen entscheiden; kurz, man schrieb dasjenige, was sie kundtaten, einer göttlichen Inspiration zu. Man glaubte, daß die Seele dann, wenn das gewöhnliche Tagesbewußtsein ausgelöscht ist, unter göttlichem Einfluß stehe und die Kundgebungen der Gottheit selbst vermittle. Göttliche Verehrung genossen nicht nur diejenigen, welche in solchen somnambulen Zustand versetzt werden konnten, sondern göttliche Verehrung genoß vor allen Dingen die Offenbarung, die sie machen konnten.

[ 3 ] If we transport ourselves to ancient Greece, we can see what interpretations were given in ancient Greece—during the period that Greek history usually describes—to the actions of such somnambulistic individuals. There we encounter the priestesses, the so-called oracle priestesses, who, from the depths of their souls and by suspending their ordinary state of consciousness, sought to reveal all manner of things that went beyond ordinary human knowledge. Events of the future were to be drawn from such deep soul-knowledge; whether important state affairs or significant legislation were justified or not, these oracle priestesses were to decide; in short, what they proclaimed was attributed to divine inspiration. It was believed that when ordinary daily consciousness was extinguished, the soul stood under divine influence and conveyed the utterances of the deity itself. Divine veneration was accorded not only to those who could be placed in such a somnambulistic state, but above all to the revelations they were able to make.

[ 4 ] Gehen wir von dieser Zeit des alten Griechenland zu dem Ausgang des Mittelalters, so finden wir eine ganz andere Auffassung und Deutung solcher somnambuler Persönlichkeiten. Wir sehen, wie solche Persönlichkeiten aufgefaßt wurden als im Bunde stehend mit allerlei bösen, teuflischen, dämonischen Mächten. Wir sehen, daß das, was sie kundgaben, angesehen wurde als etwas Verwerfliches, als etwas, was nur schädliche, schlechte Einflüsse in das menschliche Leben hineinbringen kann. Wir sehen, wie diese Personen als Hexen verfolgt wurden, wie sie verfolgt wurden wegen ihrer Teufelsbündnisse. Manche von den furchtbaren Grausamkeiten des ausgehenden Mittelalters sind zurückzuführen auf diese Deutung des somnambulen Zustandes.

[ 4 ] If we move from this period of ancient Greece to the end of the Middle Ages, we find a completely different view and interpretation of such somnambulistic figures. We see how such individuals were regarded as being in league with all manner of evil, diabolical, and demonic forces. We see that what they revealed was viewed as something reprehensible, as something that could only bring harmful, evil influences into human life. We see how these individuals were persecuted as witches, how they were persecuted because of their pacts with the devil. Some of the terrible cruelties of the late Middle Ages can be traced back to this interpretation of the somnambulistic state.

[ 5 ] In neuerer Zeit wiederum, als man im Anfang des 19. Jahrhunderts, im letzten Drittel des 18. Jahrhunderts begann, menschliche Seelenzustände zu studieren, da gab es einige, die da glaubten, daß man durch das Studium dieser Zustände geradezu höhere Aufschlüsse über die menschliche Seele gewinnen könne; daß dadurch, daß unser gewöhnliches Gehirnbewußtsein ausgeschaltet ist und die Sinne nicht empfänglich sind für die Außenwelt, der Mensch imstande sei, etwas zu erfahren über geistige Vorgänge und Wesenheiten, die man mit den gewöhnlichen Sinnen nicht wahrnehmen könne. Andere wiederum waren es, welche diese Zustände schlechterdings als bloß krankhaft ansahen und sie lediglich so auffaßten, daß man sie ausschalten müsse von alledem, was für den normalen Menschen als berechtigt angesehen werden kann. Namentlich war es anfangs die Wissenschaft, welche in ihrem materialistischen Glauben jede Interpretation, jede Erklärung dieser Erscheinungen ablehnte und in ihnen Krankheitserscheinungen sah, dem Wahnsinn in irgendeiner Weise verwandt, durchaus nicht etwas anderes als ganz abnorme Dinge. Dies sind einige von den Deutungen, welche man über die Erscheinungen gegeben hat.

[ 5 ] More recently, however, when people began to study human states of mind in the early 19th century and the last third of the 18th century, there were some who believed that by studying these states one could gain deeper insights into the human soul; that because our ordinary brain consciousness is suspended and the senses are not receptive to the external world, human beings are capable of experiencing something about spiritual processes and beings that cannot be perceived with the ordinary senses. Others, on the other hand, regarded these states as nothing more than pathological and viewed them solely as something that must be excluded from everything that can be considered legitimate for the normal person. In particular, it was initially science, in its materialistic belief, that rejected any interpretation or explanation of these phenomena and saw them as symptoms of illness, related in some way to madness, and nothing other than entirely abnormal occurrences. These are some of the interpretations that have been offered regarding these phenomena.

[ 6 ] Für uns muß die Frage zunächst die sein: Wie können solche Erscheinungen hervorgerufen werden? — Da wissen wir, daß manche Menschen ganz von selbst in einen solchen Zustand kommen, wo ihr gewöhnliches Tagesbewußtsein ausgelöscht ist, wo sie sich der Außenwelt gegenüber vollständig wie eine Art Schlafender benehmen, wo sie nichts von dem, was in ihrer Umgebung vor sich geht, auffassen mit ihren regelmäßigen Sinnen, wo sie nicht hören, wenn in ihrer Nähe eine Glocke tönt, wo sie nicht sehen, wenn in ihrer Nähe ein Licht brennt, wo sie aber in merkwürdiger Weise empfänglich sind für ganz bestimmte andere Einflüsse, sagen wir zum Beispiel für die Worte einer einzelnen bestimmten Person. Sie sehen und hören nichts um sich, sie sind nur empfänglich für dasjenige, was eine einzelne Person ihnen sagt oder für Eindrücke gewisser Art. Ja, sie sind oft noch mehr empfänglich für dasjenige, was eine ganz bestimmte Person in dem Raume, in welchem sie sich befinden, denkt, welche Gedanken diese Person hat. Das sind solche Erscheinungen, die bei gewissen Menschen ganz von selbst von Zeit zu Zeit auftreten. Wir sagen dann: solche Personen sind Somnambule; sie denken, handeln, fühlen, empfinden, nehmen wahr in einer Art von wachem Traum, in einer Art von Schlafzustand, der aber ein ganz besonderer Schlafzustand ist, keineswegs zu vergleichen mit dem gewöhnlichen Schlaf, dem der Mensch sich von Zeit zu Zeit hingibt, um über die Ermüdung des Tages hinwegzukommen.

[ 6 ] For us, the question must first be: How can such phenomena be brought about? — We know that some people enter such a state entirely of their own accord, where their ordinary waking consciousness is extinguished, where they behave toward the outside world completely as if asleep, where they perceive nothing of what is happening in their surroundings with their ordinary senses, where they do not hear a bell ringing nearby, where they do not see a light burning nearby, but where they are, in a strange way, receptive to very specific other influences—let us say, for example, to the words of a single specific person. They see and hear nothing around them; they are only receptive to what a single person says to them or to impressions of a certain kind. Indeed, they are often even more receptive to what a very specific person in the room where they are located is thinking—to the thoughts that person has. These are phenomena that occur quite spontaneously from time to time in certain people. We then say: such people are somnambulists; they think, act, feel, sense, and perceive in a kind of waking dream, in a kind of sleep state, which is, however, a very special sleep state, in no way comparable to the ordinary sleep to which a person gives themselves from time to time in order to recover from the fatigue of the day.

[ 7 ] Wir wissen aber ferner, daß bei solchen Somnambulen nicht nur das Wahrnehmungsvermögen, die Empfindsamkeit für gewisse Zustände auftreten kann, sondern daß solche Somnambule auch zu ganz bestimmten Handlungen übergehen können, daß sie Handlungen ausführen, welche der Mensch bei seinem gewöhnlichen Tagesbewußtsein nimmermehr ausführen könnte. Wir erleben es, daß sie vollständig vernünftig erscheinende Handlungen ausführen, zu denen aber mehr gehört als das Orientierungsvermögen des gewöhnlichen Tagesbewußtseins. Wir sehen, daß sie auf Dächer klettern, über Abgründe springen, ohne irgendwie etwas zu ahnen von der Gefahr, in der sie sich befinden, über Abgründe, über die sie sonst niemals springen würden; wir sehen sie Handlungen ausführen, die sie gar nicht imstande wären auszuführen, wenn sie sich in ihrem gewöhnlichen Wachzustande befinden würden. Das sind zunächst nur Andeutungen über solche Zustände. Solche Zustände können ohne irgendwelche Gründe auftreten, aber sie können auch auftreten dadurch, daß eine Person auf die andere einen ganz bestimmten Einfluß ausübt; sie können dadurch auftreten, daß durch bestimmte Manipulationen einer Persönlichkeit in einer anderen das gewöhnliche Tagesbewußtsein ausgelöscht wird, daß die betreffende Persönlichkeit dann in einen künstlichen somnambulen Zustand versetzt wird. Dann zeigen solche künstliche Somnambule dieselben Erscheinungen, welche die natürlichen Somnambulen zeigen. Man nennt — Ausdrücke wollen wir nicht als besonders bindend betrachten — diejenige Person, die eine andere in den somnambulen Zustand versetzen kann, einen Magnetiseur, wenn der somnambule Zustand ein leichter ist, und die Persönlichkeit nennt man magnetisiert; man sagt, sie sei in einen magnetischen Schlafzustand versetzt.

[ 7 ] We also know, however, that in such somnambulists not only can the capacity for perception and sensitivity to certain states arise, but that such somnambulists can also proceed to perform very specific actions—actions that a person could never carry out in their ordinary waking consciousness. We observe that they perform actions that appear entirely rational, yet which require more than the sense of orientation of ordinary waking consciousness. We see them climbing onto rooftops, leaping over chasms without the slightest inkling of the danger they are in—chasms they would otherwise never leap over; we see them performing actions that they would be entirely incapable of performing if they were in their ordinary waking state. These are, for the time being, merely hints regarding such states. Such states can occur without any particular reason, but they can also occur when one person exerts a very specific influence on another; they can occur when, through certain manipulations of one personality by another, ordinary daytime consciousness is extinguished, so that the personality in question is then placed into an artificial somnambulistic state. Then such artificial somnambulists exhibit the same phenomena as natural somnambulists. We call—though we should not regard these terms as particularly binding—the person who can induce a somnambulistic state in another a magnetizer, if the somnambulistic state is a light one, and the individual is called magnetized; it is said that they have been placed into a magnetic sleep state.

[ 8 ] Nun ist für uns die Frage diese: Was bedeuten solche Erscheinungen für das geistige Leben, welche Rolle nehmen sie in dem ganzen Zusammenhang des geistigen Lebens ein, was können wir durch solche Erscheinungen erfahren, und was erklären sie uns selbst über die Wesenheit und die Natur der menschlichen Seele und des menschlichen Geistes? Wir müssen uns fragen: Sind solche Erscheinungen wirklich so etwas ganz Abnormes, das gar keine Ähnlichkeit mit den anderen Erscheinungen des gewöhnlichen Lebens hat? Dann allerdings könnte ja vielleicht die Auffassung Platz greifen, welche in solchen Erscheinungen einfach Abnormitäten sieht; dann könnte die Auffassung unserer Ärzte Platz greifen, und wir würden einen besonderen Aufschluß durch sie nicht erhalten können.

[ 8 ] The question for us now is this: What do such phenomena mean for spiritual life? What role do they play in the overall context of spiritual life? What can we learn from such phenomena, and what do they reveal to us about the essence and nature of the human soul and the human spirit? We must ask ourselves: Are such phenomena truly something so entirely abnormal that they bear no resemblance whatsoever to the other phenomena of ordinary life? If so, then perhaps the view that sees such phenomena simply as abnormalities might gain ground; then the view of our doctors might gain ground, and we would be unable to gain any special insight from them.

[ 9 ] Aber wir können sozusagen einen allmählichen Übergang finden von unserem gewöhnlichen Leben zu diesen abnormen Erscheinungen, und wir finden ihn am leichtesten, wenn wir versuchen, dasjenige, was jeder von uns fortwährend erlebt, einmal näher zu betrachten. Das sind die Erscheinungen des gewöhnlichen Traumes, die jeder Mensch fast allnächtlich erlebt, denn es gibt nur sehr wenige Menschen, die gar nicht träumen. Diese Erscheinungen werden uns sozusagen in ganz elementarer Art zeigen, wie wir diese höheren Erscheinungen, die ich einleitend angedeutet habe, aufzufassen haben.

[ 9 ] But we can, so to speak, find a gradual transition from our ordinary life to these abnormal phenomena, and we find it most easily when we try to take a closer look at what each of us experiences constantly. These are the phenomena of ordinary dreaming, which every person experiences almost every night, for there are very few people who do not dream at all. These phenomena will show us, so to speak, in a very elementary way, how we are to understand these higher phenomena that I alluded to in my introduction.

[ 10 ] Der Traum wird oftmals als etwas, was nur phantastisch durch das Traumbewußtsein huscht, ausgelegt, als eine Art leere Einbildung und man ist daher kaum geneigt, die merkwürdigen Erscheinungen der Traumwelt wirklich zu studieren. Aber immer waren feinere Geister doch auch geneigt, diese hinhuschenden Bilder des Traumbewußtseins einem näheren Studium zu unterwerfen, und dann zeigt sich vor allen Dingen eins: Zwar ist es für die größte Zahl der Träume, welche die Menschen haben, richtig, daß im Traum eine ungeheure Regellosigkeit und Willkür herrscht, daß wir es im Traum zu tun haben zumeist nur mit Fetzen des Tagesbewußtseins, der Erinnerungen und Bilder, welche während des Tages an unserem Bewußtsein vorübergegangen sind, und vielleicht von anderen Dingen, welche von unserem körperlichen Befinden während des Schlafes herrühren, oder auch von gewissen Krankheitserscheinungen und dergleichen. Das ist die niedrigste Art der Träume, diese einer völligen Willkür unterworfenen hinhuschenden Bilder, die in Regellosigkeit durch das Traumbewußtsein hindurchziehen.

[ 10 ] Dreams are often interpreted as something that merely flits fantastically through the dream consciousness, as a kind of empty fantasy, and people are therefore hardly inclined to truly study the strange phenomena of the dream world. But more refined minds have always been inclined to subject these fleeting images of the dream consciousness to closer study, and then one thing becomes clear above all else: It is true, for the vast majority of the dreams people have, that an immense disorder and arbitrariness reign in the dream; that in the dream we are dealing mostly only with fragments of waking consciousness—memories and images that have passed through our consciousness during the day—and perhaps with other things arising from our physical condition during sleep, or even from certain symptoms of illness and the like. This is the lowest form of dreams, these fleeting images subject to complete arbitrariness, which pass through the dream consciousness in disorder.

[ 11 ] Aber es kann dem aufmerksamen Betrachter nicht entgehen, daß schon das gewöhnlichste persönliche Bewußtsein, wenn es sich im Schlafzustande befindet, neben diesen ganz regellosen und willkürlichen Träumen auch andere Träume hat, Träume, welche eine ganz bestimmte Regelmäßigkeit zeigen. Ich will nur auf einzelne Beispiele aufmerksam machen, die tief hineinleuchten in diese Regelmäßigkeit, die wir schon innerhalb des gewöhnlichen Traumbewußtseins antreffen. Sie haben während des Schlafes eine Uhr neben sich liegen. Sie nehmen das Ticktack der Uhr während des Schlafes nicht wahr; sie träumen davon, daß ein Regiment Soldaten draußen an Ihrem Fenster vorbeizieht und hören ganz genau das Rossegetrappel. Sie wachen auf und werden gewahr, daß Sie in diesem Moment das Ticktack der Uhr gehört haben; denn das setzt sich fort in Ihrem Bewußtsein. Sie haben es aber nicht als Ticktack gehört, wie es Ihr gewöhnliches Ohr hört, sondern es hat sich umgesetzt, verwandelt, versinnbildlicht in das Getrappel der Rosse eines vorüberziehenden Reiterregiments. — Oder ein Traum, der wirklich stattgefunden hat: Eine Bäuerin träumt, daß sie mit einer anderen am Sonntagmorgen in die Stadt ginge. Sie gehen in die Kirche und sehen, wie der Geistliche auf die Kanzel steigt, wie er anfängt zu predigen. Sie hören längere Zeit zu. Da stellt sich bald etwas ganz Merkwürdiges heraus: der Geistliche verwandelt sich, er bekommt Flügel, er verwandelt sich in einen Hahn, er kräht! — Das ist ein wirklicher Traum, der vorgekommen ist. Die Bäuerin, die das geträumt hat, wacht auf, und sie hört draußen den Hahn wirklich krähen. — Sie sehen wiederum, was geschehen ist: das Ohr hat den krähenden Hahn gehört, aber es hat zunächst nicht den wirklichen Hahnenschrei vernommen, sondern das Traumbewußtsein hat ein Sinnbild gemacht, aus dem, was es gehört hat; es hat den Hahnenschrei symbolisch verwandelt in diese ganze Geschichte, die ich Ihnen erzählt habe. Solche Geschichten spinnt das Traumbewußtsein in ganz dramatischer Weise aus. Sie sehen, die Sinneseindrücke werden nicht unmittelbar vom Traumbewußtsein wahrgenommen, sondern sie werden in Symbole, in Sinnbilder umgesetzt, und das besonders Charakteristische ist, daß dieses Traumbewußtsein wirklich dramatisiert., Um ein anderes Beispiel zu erwähnen — ein Traum, der wirklich stattgefunden hat; ich will heute nur richtige Beispiele, die erlebt worden sind erwähnen: Ein Student träumt, er sei an der Tür des Hörsaals. Er wird, wie man das im studentischen Leben nennt, von einem anderen angerempelt. Es entspinnt sich ein Wortwechsel, der schließlich zu einem Duell führt. Alles erlebt der Student im Traume, was an Vorbereitungen zu dem Duell getroffen wird — eine lange Geschichte! Das Duell findet wirklich statt am verabredeten Orte, alle sind da, die Sekundanten sind da, der erste Schuß fällt, der träumende Student erwacht. Er hat neben sich einen Stuhl, der am Bette gestanden, umgeworfen; das Fallen des Stuhles hat er gehört, aber nicht so, wie es ist, sondern dieses Ereignis hat sich mit Blitzesschnelle in eine ganz dramatische Handlung umsymbolisiert. Das ist, das schlafende Traumbewußtsein, ein symbolisierendes Traumbewußtsein, das in seiner eigentümlichen symbolischen Tätigkeit durch unzählige Beispiele beleuchtet werden könnte.

[ 11 ] But the attentive observer cannot fail to notice that even the most ordinary personal consciousness, when in a state of sleep, experiences not only these completely irregular and arbitrary dreams but also other dreams—dreams that exhibit a very specific regularity. I wish only to draw attention to a few examples that shed deep light on this regularity, which we already encounter within ordinary dream consciousness. You have a clock lying next to you while you sleep. You do not perceive the ticking of the clock while you sleep; you dream that a regiment of soldiers is marching past your window and hear the hoofbeats very clearly. You wake up and realize that you heard the ticking of the clock at that very moment; for it continues in your consciousness. But you did not hear it as a ticking, as your ordinary ear hears it, but it has been transformed, metamorphosed, symbolized into the clatter of the horses of a passing cavalry regiment. — Or a dream that actually took place: A peasant woman dreams that she is going into town with another woman on a Sunday morning. They go to church and see the clergyman ascend the pulpit, how he begins to preach. They listen for quite some time. Then something quite strange soon becomes apparent: the clergyman transforms, he grows wings, he turns into a rooster, he crows! — This is a real dream that actually happened. The peasant woman who dreamed it wakes up, and she hears the rooster crowing outside for real. — You see again what has happened: the ear heard the crowing rooster, but at first it did not hear the actual crowing; rather, the dream consciousness created a symbol out of what it heard; it symbolically transformed the crowing into this entire story that I have told you. The dream consciousness spins such stories out in a very dramatic way. You see, sensory impressions are not perceived directly by the dream consciousness, but are transformed into symbols and allegories, and what is particularly characteristic is that this dream consciousness truly dramatizes them. To mention another example—a dream that actually took place; I want to mention only real examples today that have actually been experienced: A student dreams that he is at the door of the lecture hall. He is, as they say in student life, bumped into by another person. An exchange of words ensues, which ultimately leads to a duel. The student experiences everything in the dream—all the preparations for the duel—a long story! The duel actually takes place at the agreed-upon location; everyone is there, the seconds are there, the first shot is fired, and the dreaming student awakens. He has knocked over a chair that had been standing next to his bed; he heard the chair fall, but not as it actually happened—instead, this event was instantly transformed into a highly dramatic scene. This is the sleeping dream consciousness, a symbolizing dream consciousness, which could be illuminated by countless examples in its peculiar symbolic activity.

[ 12 ] Nun fragen wir uns: Wie verhält sich dieses gewöhnliche alltägliche Bewußtsein zu dem, was da in der Menschenseele vorgeht, während sie träumt? Unser gewöhnliches alltägliches Bewußtsein hat keinen unmittelbaren Anteil an diesen Traumhandlungen; denn wenn das Bewußtsein auftritt im Traum, dann tritt da eine Art anderes Ich auf, eine Art Traum-Ich; denn der Träumende kann sozusagen sich selbst sehen, er kann sich selbst gegenübertreten im Traume. Halten wir das zunächst einmal fest, daß eine Art Spaltung eintreten kann zwischen dem Traum-Ich und dem wirklichen Ich, daß tatsächlich die träumende Persönlichkeit unter den verschiedenen Wahrnehmungen, die sie im Traume hat, sich selbst ganz objektiv betrachten kann. Die Situationen, unter denen dieser Traum vorkommt, die sind, durch das Traumbewußtsein bestimmt, ganz hineinversetzt in die symbolisch-dramatische Handlung, die sich abspielt.

[ 12 ] Now let us ask ourselves: How does this ordinary, everyday consciousness relate to what is going on in the human soul while it is dreaming? Our ordinary, everyday consciousness has no direct part in these dream activities; for when consciousness appears in a dream, a kind of other self appears, a kind of dream self; for the dreamer can, so to speak, see himself; he can face himself in the dream. Let us first note that a kind of split can occur between the dream-self and the real self, that the dreaming personality can indeed view itself quite objectively amidst the various perceptions it has in the dream. The situations in which this dream occurs are determined by the dream consciousness and are fully immersed in the symbolic-dramatic action that is unfolding.

[ 13 ] Eine höhere Stufe, möchte ich sagen, dieses Traumbewußtseins tritt dann ein, wenn wir Zustände unseres eigenen körperlichen Innenlebens symbolisch im Traume erleben. Wiederum erwähne ich ganz bestimmte Beispiele. Jemand träumt, daß er sich in einem dumpfen Kellerloch befindet. Spinnweben sind an der Decke und unheimliche Tiere kriechen herum. Er erwacht mit Kopfschmerz. Der Kopfschmerz hat sich symbolisch in diesem Kellerloch zum Ausdruck gebracht. Oder ein anderes Beispiel: Jemand befindet sich im Traum in einem überheizten Zimmer; er sieht einen rotglühenden Ofen, wacht auf und hat ein heftiges Herzklopfen. Alle diese Träume, die ich Ihnen erzähle, sind wirklich belegt. Ganz bestimmte Organe unseres Inneren, bestimmte Gefühle für unser Inneres symbolisieren sich während des Träumens zu bestimmten Ereignissen. Ja, man kann sagen: Für ein und dieselbe Person — wer auf diesem Felde zu beobachten versteht, weiß das — nimmt ein ganz bestimmtes Organ eine stereotyp immer gleichbleibende Erscheinung an. Wer an Herzklopfen leidet, wird bei Herzklopfen immer denselben Traum haben, nämlich den Traum, den er einmal dabei gehabt hat; sagen wir, er wird einen überheizten Ofen sehen und dergleichen mehr. Also nicht nur Ereignisse und Tatsachen der Außenwelt, sondern auch unser eigener physischer Körper drückt sich sinnbildlich im Traume aus.

[ 13 ] I would say that a higher level of this dream consciousness occurs when we symbolically experience states of our own physical inner life in a dream. Once again, I will mention some very specific examples. Someone dreams that they are in a dim, musty basement. There are cobwebs on the ceiling and eerie creatures crawling around. He wakes up with a headache. The headache has expressed itself symbolically in this dungeon. Or another example: Someone finds himself in a dream in an overheated room; he sees a red-hot stove, wakes up, and has a violent pounding in his heart. All these dreams I am telling you about are actually documented. Very specific organs within us, specific feelings about our inner selves, symbolize themselves during dreaming as specific events. Yes, one can say: For one and the same person—anyone who knows how to observe in this field knows this—a very specific organ takes on a stereotypical, always consistent manifestation. Anyone who suffers from palpitations will always have the same dream when they experience them, namely the dream they once had while doing so; let’s say they will see an overheated stove and the like. So it is not only events and facts of the external world, but also our own physical body that expresses itself symbolically in dreams.

[ 14 ] Das ist nureineStufe zu jener merkwürdigen Erscheinung, wo Träumer — allerdings tritt das nur bei ganz bestimmten Persönlichkeiten auf, welche schon in einer gewissen Beziehung zu den Somnambulen gehören — Krankheiten, von denen sie befallen sind, ja Krankheiten, von denen sie erst in ein paar Tagen befallen werden, in irgendeiner Form symbolisch im Traum vor sich haben. Sie nehmen ihre eigenen Zustände während des Traumbewußtseins wahr. Von da bis zu der anderen Erscheinung ist wieder nur ein Schritt, daß eine eigentümliche Art menschlichen Instinktes die vollen Somnambulen durch das Traumbewußtsein auf irgendeine Art auf Heilmittel oder irgendwelche Veranstaltungen hinweist, die sie brauchen für ihre Erkrankungen. Also der Traum kann tatsächlich als Arzt wirken, er kann auf die Krankheit hinweisen und gleichzeitig auf das Heilmittel. Das allerdings tritt nur bei bestimmten Persönlichkeiten ein, welche schon in einer gewissen Beziehung somnambule Anlagen haben.

[ 14 ] This is merely a step toward that remarkable phenomenon in which dreamers—though this occurs only in very specific individuals who, in a certain sense, belong to the category of somnambulists—encounter in their dreams, in some symbolic form, the illnesses afflicting them, or even illnesses that will not afflict them for another few days. They perceive their own conditions during dream consciousness. From there to the other phenomenon is again only a step: that a peculiar kind of human instinct points the full somnambulists, through dream consciousness, in some way toward remedies or certain measures they need for their illnesses. Thus, the dream can indeed act as a doctor; it can point to the illness and simultaneously to the remedy. This, however, occurs only in certain individuals who already possess somnambulistic tendencies to some degree.

[ 15 ] Sie sehen also, daß wir es mit einer Aufeinanderfolge von Zuständen zu tun haben: vom Willkürtraume bis zu solchen ganz regelmäßigen, unter ganz bestimmten Gesetzen stattfindenden Traumwahrnehmungen. Das alles, was ich bis jetzt dargestellt habe, sind mehr oder minder Traumwahrnehmungen; aber von da führt wiederum ein Schritt zu den Traumhandlungen.

[ 15 ] So you see that we are dealing with a sequence of states: from random dreams to dream perceptions that are entirely regular and occur according to very specific laws. Everything I have described so far consists more or less of dream perceptions; but from there, it is just one more step to dream actions.

[ 16 ] Die gewöhnlichste Traumhandlung ist das Sprechen im Schlafe. Wir wissen, daß es eine ’sehr häufige Erscheinung ist, daß Schlafende sprechen. Ja, wir wissen, daß sie auf bestimmte Fragen manchmal treffende Antworten geben, manchmal auch Antworten geben, woraus wir ersehen, daß sie das, was wir zu ihnen gesprochen haben, nicht genau verstanden haben, oder daß sich bei ihnen — und das ist eine Beobachtung, die man machen wird, wenn man systematisch zu beobachten versteht — wiederum mehr oder minder sinnbildlich, symbolisch dasjenige umgestaltet, was man zu ihnen gesprochen hat, und daß daraus die Antwort ergeht. — Von dem Sprechen im Traume führt uns dann ein weiterer Schritt zu den Traumhandlungen, die ich einleitend bereits erwähnt habe. Der Träumende, namentlich dann, wenn er eine somnambule Anlage hat, geht über zu Handlungen, er steht auf aus seinem Bette, setzt sich, sagen wir, wenn er Student ist, an seinen Schreibtisch und macht seine Schulbücher auf. Aber es kommt auch vor, daß sich stärker Veranlagte hinsetzen und wirklich das, was sie abends geschrieben haben, weiterschreiben, oder wenigstens etwas abschreiben und dergleichen mehr. Diese Dinge zeigen uns, daß ein Übergang stattgefunden hat von der bloßen Wahrnehmung zu der wirklichen Handlung, von dem bloßen Empfinden zu dem Wollen. Es gibt Persönlichkeiten, welche, trotzdem sie in einen sehr starken somnambulen Zustand versetzt werden können, es nur bis zum Wahrnehmen bringen, und es gibt solche, welche verhältnismäßig wenig Fortschritte in bezug auf Wahrnehmungen machen, aber dafür waghalsige Handlungen ausführen können von der Art, wie ich sie anfangs erwähnt habe.

[ 16 ] The most common type of dream activity is talking in one’s sleep. We know that it is a very common occurrence for sleepers to speak. Indeed, we know that they sometimes give accurate answers to specific questions, sometimes they also give answers from which we can see that they have not fully understood what we said to them, or that—and this is an observation one will make if one knows how to observe systematically—they in turn transform what was said to them more or less allegorically or symbolically, and that the answer arises from this. — From speaking in dreams, a further step then leads us to the dream actions I mentioned in the introduction. The dreamer, especially if he has a somnambulistic disposition, proceeds to actions; he gets out of bed, sits down—let us say, if he is a student—at his desk, and opens his textbooks. But it also happens that those with a stronger predisposition sit down and actually continue writing what they wrote the night before, or at least copy something down and the like. These things show us that a transition has taken place from mere perception to actual action, from mere feeling to volition. There are individuals who, even though they can be put into a very strong somnambulistic state, only manage to perceive, and there are those who make relatively little progress in terms of perceptions but are instead capable of performing daring actions of the kind I mentioned at the beginning.

[ 17 ] Nun, solche Schlafhandlungen somnambuler Persönlichkeiten werden nun ausgeführt mit einer Notwendigkeit, die einen automatischen Charakter hat. Wir brauchen uns nur zu erinnern, daß wir ja im alltäglichen Leben oftmals solche automatenähnlichen Handlungen ausführen. Irgendein besonderer Lichteindruck tritt vor unser Auge hin, wir schließen automatisch unser Auge. Unser Gewohnheitsleben liefert zahlreiche andere Handlungen dieser Art, bei denen wir nicht weiter nachdenken. Alles dasjenige schließlich, was wir innerhalb unseres sogenannten vegetativen körperlichen Lebens vollbringen, unsere Verdauung, unsere Atmung, unser Herzschlag, sind Handlungen, die wir ausführen, ohne ein Bewußtsein davon zu haben. In ähnlicher Art führen wir während des somnambulen Zustandes vernünftige Handlungen aus, und auf ganz bestimmte äußerliche Reize folgen solche Handlungen mit einer unbedingten Notwendigkeit.

[ 17 ] Well, such sleep-related actions performed by somnambulists are carried out with a sense of necessity that has an automatic character. We need only recall that we often perform such automatic-like actions in everyday life. A certain bright light catches our eye, and we automatically close our eyes. Our habitual life provides numerous other actions of this kind, which we do not give further thought to. Ultimately, everything we accomplish within our so-called vegetative physical life—our digestion, our breathing, our heartbeat—are actions we perform without being conscious of them. In a similar way, we perform rational actions during the somnambulistic state, and such actions follow specific external stimuli with an unconditional necessity.

[ 18 ] Nun müssen wir uns fragen: Wie haben wir solche Erscheinungen aufzufassen? Sie wissen ja vielleicht, daß es sehr viele gibt, die geradezu der Ansicht sind, daß wir in solchen Handlungen die vom Körper unabhängige Seele belauschen können, daß wir in solchen Handlungen den Nachweis dafür zu erblicken haben, daß die Seele unabhängig von ihren körperlichen Organen von Auge und Ohr wahrnehmen kann, unabhängig von bewußter Überlegung handeln kann. So sind viele also des Glaubens, daß wir in solchen Handlungen einen viel unmittelbareren Ausdruck der Seele haben, die da gleichsam losgelöst ist vom Körperlichen und unmittelbar aus dem Geistigen heraus handelt und wahrnimmt. Wir wollen uns einmal fragen, wie solche Erscheinungen im Lichte unserer theosophischen Auffassung zu betrachten sind.

[ 18 ] Now we must ask ourselves: How are we to interpret such phenomena? You may know that there are many who are of the view that in such actions we can catch a glimpse of the soul independent of the body, that in such actions we must see proof that the soul can perceive through the eyes and ears independently of its physical organs, and can act independently of conscious deliberation. Thus, many believe that in such actions we have a much more direct expression of the soul, which is, as it were, detached from the physical and acts and perceives directly from the spiritual. Let us ask ourselves how such phenomena are to be viewed in the light of our theosophical understanding.

[ 19 ] Die Theosophie zeigt uns, daß der Mensch nicht dieses einzelne, isolierte Wesen ist, als das er uns gewöhnlich erscheint, sondern, daß er so, wie er uns entgegentritt, mit unzähligen Fäden zusammenhängt mit dem übrigen All. Die Theosophie zeigt uns vor allen Dingen, daß der Mensch mit der übrigen Natur verschiedenes gemeinsam hat, daß er auch mit anderen Welten, die unsere alltäglichen Sinne nicht wahrnehmen, verschiedenes gemeinsam hat, und wir werden die Handlungen, von denen wir gesprochen haben, am besten verstehen können, wenn wir im theosophischen Lichte die Wesenheit des Menschen betrachten. Lassen Sie mich deshalb kurz andeuten, was uns die Theosophie über die Wesenheit des Menschen lehrt.

[ 19 ] Theosophy shows us that human beings are not the individual, isolated beings they usually appear to be, but that, just as they appear to us, they are connected to the rest of the universe by countless threads. Above all, Theosophy shows us that human beings share various things in common with the rest of nature, that they also share various things in common with other worlds that our everyday senses do not perceive, and we will be able to best understand the actions we have spoken of if we view the essence of the human being in the light of Theosophy. Let me therefore briefly outline what theosophy teaches us about the nature of the human being.

[ 20 ] Den physischen Körper mit allen seinen Organen, einschließlich des Nervensystems, des Gehirns und aller Sinnesorgane kann die Theosophie nach ihrer Beobachtung nur ansehen als eines der Glieder, aus dem der ganze, volle Mensch besteht. Dieser physische Körper enthält Stoffe und Kräfte, die der Mensch gemeinschaftlich hat mit der ganzen übrigen physischen Welt. Dasjenige, was sich in uns in chemischen und physikalischen Prozessen abspielt, ist nichts anderes, als was sich auch außerhalb unseres Körpers in der physischen Welt, in den chemischen Vorgängen abspielt. Aber wir müssen uns fragen: Warum spielen sich diese physikalischen und chemischen Prozesse innerhalb unseres Körpers so ab, daß sie vereinigt sind zu einem physischen Organismus? Darüber kann uns keine physische Wissenschaft einen Aufschluß geben. Die physische Naturwissenschaft kann uns nur über das belehren, was sich an physischen und chemischen Prozessen in uns abspielt, und es wäre gewiß nicht angemessen, wenn der Naturforscher den Menschen deshalb einen wandelnden Kadaver nennen würde, weil er als Anatom nur Physisches in dem menschlichen Körper entdecken kann. Es muß etwas da sein, was die chemischen und physikalischen Prozesse zusammenhält, sie gleichsam gruppiert in der Form, wie sie sich innerhalb des menschlichen Körpers abspielen. Dieses nächste Glied der menschlichen Wesenheit nennen wir in der Theosophie den sogenannten Ätherdoppelkörper. Dieser Ätherdoppelkörper ist in uns allen. Derjenige, der ein gewisses hellseherisches Vermögen ausbildet, kann es dahin bringen, diesen Ätherdoppelkörper zu sehen; er ist dasjenige, was für den Hellseher am allerleichtesten zu sehen ist. Wenn ein Mensch vor Ihnen steht und Sie sind ein Hellseher, so sind Sie imstande, den gewöhnlichen physischen Körper abzusuggerieren. Wie Sie es im gewöhnlichen Leben mit Dingen machen können, die vor Ihnen sind und auf die Sie Ihre Aufmerksamkeit nicht richten, genauso sind Sie als Hellseher imstande, Ihre Aufmerksamkeit nicht zu richten auf den physischen Körper. Es bleibt dann aber in dem Raum, den der physische Körper ausgefüllt hat, noch immer die ganze körperliche Erscheinung zurück in Gestalt eines dem äußeren physischen Körper in der äußeren Form ganz ähnlichen Doppelkörpers von einer sehr schönen, leuchtenden Farbe, die etwa die Farbe der Pfirsichblüte hat. Dieser Ätherdoppelkörper ist dasjenige, was die physischen Prozesse zusammenhält. Im Tode verläßt der Ätherdoppelkörper mit anderen höheren Gliedern, die wir kennenlernen werden, den physischen Körper, und daher wird der physische Körper der Erde übergeben und vollzieht nur noch physische Prozesse. Daß er das während des Lebens nicht tut, daran ist der Ätherdoppelkörper schuld.

[ 20 ] According to its observations, Theosophy can regard the physical body, with all its organs—including the nervous system, the brain, and all the sense organs—as merely one of the components of which the whole, complete human being is composed. This physical body contains substances and forces that human beings share with the rest of the physical world. What takes place within us in chemical and physical processes is nothing other than what also takes place outside our body in the physical world, in chemical processes. But we must ask ourselves: Why do these physical and chemical processes take place within our body in such a way that they are united into a physical organism? No physical science can provide us with an answer to this. Physical science can only teach us about the physical and chemical processes taking place within us, and it would certainly be inappropriate for the natural scientist to call a human being a walking corpse simply because, as an anatomist, he can discover only physical phenomena in the human body. There must be something that holds the chemical and physical processes together, grouping them, as it were, in the form in which they take place within the human body. In Theosophy, we call this next link in the human being the so-called etheric double. This etheric double is within all of us. Anyone who develops a certain clairvoyant ability can train themselves to see this etheric double; it is the thing that is easiest for the clairvoyant to see. If a person is standing before you and you are a clairvoyant, you are able to “suggest away” the ordinary physical body. Just as you can do in ordinary life with things that are in front of you but to which you do not direct your attention, so too, as a clairvoyant, you are able to refrain from directing your attention to the physical body. However, the entire physical appearance remains in the space that the physical body has occupied, in the form of a double body that is very similar in outward form to the external physical body, with a very beautiful, luminous color, roughly the color of a peach blossom. This etheric double body is what holds the physical processes together. At death, the etheric double, along with other higher members that we will come to know, leaves the physical body; and thus the physical body is handed over to the earth and carries out only physical processes. The fact that it does not do so during life is the fault of the etheric double.

[ 21 ] Innerhalb dieses Ätherdoppelkörpers, ja ihn sogar nach verschiedenen Seiten hin überragend, ist dann das dritte Glied der menschlichen Wesenheit, das ist der sogenannte astralische Körper. Dieser astralische Körper ist eine Art von Abbild unserer Triebe, unserer Begierden, unserer Leidenschaften, unserer Gefühle. In diesem astralischen Körper lebt der Mensch wie in einer Wolke, und er ist für den Hellseher, dessen geistiges Auge für eine solche Erscheinung geöffnet ist, sehr wohl wahrnehmbar als eine leuchtende Wolke, innerhalb welcher sich der physische Körper und der Ätherdoppelkörper befindet. Dieser astralische Körper ist anders bei einem Menschen, der immer seinen animalischen Trieben, seinen sinnlichen Neigungen folgt; da zeigt er ganz andere Farben, ganz andere wolkenartige Bildungen als bei dem Menschen, welcher immer dem geistigen Leben gelebt hat; er ist anders bei dem Menschen, der dem Egoismus frönt, als bei dem Menschen, der in selbstloser Liebe sich seinen Mitmenschen widmet. Kurz, das Leben der Seele kommt in diesem astralischen Körper zum Ausdruck. Aber er ist auch der Vermittler der eigentlichen sinnlichen Wahrnehmungen. Sie können niemals die sinnlichen Wahrnehmungen in den Sinnesorganen selbst suchen. Was geschieht, wenn das Licht von einer Flamme mein Auge trifft? Dieses Licht besteht ja im äußerlichen Raume darin: die sogenannten Ätherwellen bewegen sich von der Lichtquelle in mein Auge, sie dringen in mein Auge ein, sie bewirken gewisse chemische Vorgänge in der Hinterwand meines Augapfels, sie verwandeln den sogenannten Sehpurpur, und dann pflanzen sich diese chemischen Vorgänge in mein Gehirn fort. Mein Gehirn nimmt die Flamme wahr, es bekommt den Lichteindruck. Könnte ein anderer diejenigen Vorgänge, die sich in meinem Gehirn abspielen, sehen, was würde er wahrnehmen? Er würde nichts anderes wahrnehmen als physikalische Vorgänge; er würde etwas wahrnehmen, was sich in Raum und Zeit abspielt; nicht aber könnte er innerhalb der physikalischen Vorgänge in meinem Gehirn meinen Lichteindruck wahrnehmen. Dieser Lichteindruck ist etwas anderes als ein physikalischer Eindruck, der diesen Vorgängen zugrunde liegt. Der Lichteindruck, das Bild, das ich mir erst erschaffen muß, um die Flamme wahrnehmen zu können, ist ein Vorgang innerhalb meines astralischen Körpers. Derjenige, welcher ein Sehorgan hat, um einen solchen astralischen Vorgang wahrnehmen zu können, sieht ganz genau, wie sich die physikalischen Erscheinungen innerhalb des Gehirns in dem astralischen Körper umwandeln in das Bild der Flamme, das wir empfinden.

[ 21 ] Within this etheric double body—indeed, even extending beyond it in various directions—lies the third member of the human being, namely the so-called astral body. This astral body is a kind of reflection of our instincts, our desires, our passions, and our emotions. In this astral body, the human being lives as if in a cloud, and it is very clearly perceptible to the clairvoyant, whose spiritual eye is open to such a phenomenon, as a luminous cloud within which the physical body and the etheric double are situated. This astral body is different in a person who always follows their animal instincts and sensual inclinations; there it displays entirely different colors and cloud-like formations than in a person who has always lived a spiritual life; it is different in a person who indulges in selfishness than in a person who devotes themselves to their fellow human beings in selfless love. In short, the life of the soul finds expression in this astral body. But it is also the mediator of actual sensory perceptions. You can never seek sensory perceptions in the sense organs themselves. What happens when the light from a flame strikes my eye? This light consists, after all, of the following in external space: the so-called ether waves move from the light source into my eye; they penetrate my eye; they cause certain chemical processes in the back of my eyeball; they transform the so-called visual purple; and then these chemical processes are transmitted to my brain. My brain perceives the flame; it receives the impression of light. If someone else could see the processes taking place in my brain, what would they perceive? They would perceive nothing other than physical processes; they would perceive something taking place in space and time; but they could not perceive my impression of light within the physical processes in my brain. This impression of light is something other than a physical impression underlying these processes. The impression of light, the image that I must first create in order to perceive the flame, is a process within my astral body. Anyone who possesses a visual organ capable of perceiving such an astral process can see very clearly how the physical phenomena within the brain are transformed in the astral body into the image of the flame that we perceive.

[ 22 ] Innerhalb dieser Körper, die ich Ihnen erwähnt habe, innerhalb des physischen, des Ätherdoppelkörpers und des Astralkörpers, befindet sich erst unser eigentliches Ich; das, was wir unser Selbst nennen, in dem wir uns bewußt werden, in dem wir sagen: wir sind es. Dieses Ich hat wiederum höhere Teile, von denen ich heute nicht sprechen will. Dieses Ich bedient sich der übrigen Glieder der menschlichen Wesenheit, die ich erwähnt habe, als seiner Werkzeuge.

[ 22 ] It is within these bodies I have mentioned to you—the physical body, the etheric double, and the astral body—that our true Self resides; that which we call our Self, in which we become conscious of ourselves, in which we say: “We are it.” This “I” in turn has higher aspects, which I do not wish to discuss today. This “I” makes use of the other members of the human being that I have mentioned as its instruments.

[ 23 ] Verstehen wir diese Zusammensetzung des menschlichen Wesens, dann wird uns dies auch eine ganz bestimmte Anschauung über die Erscheinungen geben können, die wir bei Somnambulen antreffen. Was geht denn vor, wenn wir in unserem gewöhnlichen Tagesbewußtsein sind? Ein Lichteindruck wird dadurch bewirkt, wie ich schon gesagt habe, daß Ätherschwingungen in mein Auge kommen, daß sie durch den Astralkörper umgewandelt werden in ein Lichtbild, und daß man dieses Lichtbild als Vorstellung auffaßt; dadurch werde ich mir dieses Lichtbildes bewußt. Nun aber nehmen wir einmal an, mein Ich wäre ausgeschaltet; im gewöhnlichen Schlaf ist ja eine solche Ausschaltung des Ich zu verzeichnen. Ich will heute nicht davon sprechen, wo dieses Ich während des Schlafes zu suchen ist; aber wenn wir einen schlafenden Menschen vor uns haben, was haben wir vor uns? Im wahren Sinne des Wortes kann.nur derjenige, dessen geistiges Auge geöffnet ist, darüber Auskunft geben; er sieht ganz genau, wie sich das Ich mit dem Astralkörper aus dem physischen Körper und aus dem Ätherdoppelkörper gleichsam herausgehoben hat. Aber jeder hat das ja als eine Erscheinung vor sich, jeder weiß ja, daß während des Schlafens das gewöhnliche Tages-Ich, das Wirklichkeits-Ich ausgeschaltet ist, daß sozusagen der physische Körper und der ÄÄtherdoppelkörper, der ihn zusammenhiält, sich selbst überlassen sind. Während unseres gewöhnlichen Tageslebens ist unser Ich, unser Bewußtsein immer dabei, wenn wir die Eindrücke von der Außenwelt empfangen; wir leben nicht mit der Außenwelt, ohne daß dieses Tages-Ich diese Eindrücke der Außenwelt kontrolliert. Ist dieses Ich ausgeschaltet, dann empfangen wir ja auch fortwährend diese Eindrücke der Außenwelt. Oder glauben Sie, wenn eine Glocke neben Ihnen tönt, während Sie schlafen, daß dann diese Glocke keine Schwingungen in der Luft erregt, die in Ihr Ohr dringen? Glauben Sie, daß Ihr Ohr anders konstruiert ist in der Nacht als am Tage? Das ist nicht der Fall. Alles dasjenige, was im physischen Körper am Tage vorgeht, das geht auch an dem Schlafenden vor. Aber was fehlt? Das Durchdringen dieses persönlichen Menschen mit dem Ich-Bewußtsein, das fehlt.

[ 23 ] If we understand this composition of the human being, it will also give us a very specific perspective on the phenomena we observe in somnambulists. What happens when we are in our ordinary waking consciousness? A visual impression is produced, as I have already said, by etheric vibrations entering my eye, being transformed by the astral body into a light image, and this light image being perceived as a mental image; through this, I become conscious of this light image. Now, however, let us suppose that my ego were switched off; in ordinary sleep, such a switching off of the ego does indeed occur. I do not wish to speak today of where this ego is to be found during sleep; but when we have a sleeping person before us, what do we have before us? In the true sense of the word, only the one whose spiritual eye is open can provide information about this; he sees quite clearly how the ego, together with the astral body, has, as it were, lifted itself out of the physical body and out of the etheric double. But everyone has this as a phenomenon before them; everyone knows that during sleep the ordinary daytime ego, the ego of reality, is switched off, that, so to speak, the physical body and the etheric double that holds it together are left to their own devices. During our ordinary daily life, our ego, our consciousness, is always present when we receive impressions from the external world; we do not live with the external world without this daytime ego controlling these impressions from the external world. If this ego is switched off, we still continuously receive these impressions from the external world. Or do you believe that when a bell rings next to you while you are sleeping, that this bell does not produce vibrations in the air that penetrate your ear? Do you believe that your ear is constructed differently at night than during the day? That is not the case. Everything that takes place in the physical body during the day also takes place in the sleeping person. But what is missing? The permeation of this personal human being with ego-consciousness—that is what is missing.

[ 24 ] Wir können sozusagen experimentell auf natürliche Weise zeigen, welche Bedingungen herrschen zwischen den einzelnen Gliedern des Menschen, die ich angeführt habe. Ich möchte Ihnen ein einfaches Experiment anführen, das man mit jedem Somnambulen leicht machen kann. Denken Sie sich, ein Somnambule steht in der Nacht auf, setzt sich an seinen Schreibtisch, zündet sich ein Kerzenlicht an und versucht dabei zu schreiben. Nun machen Sie folgendes: Sie beleuchten das Zimmer ganz hell durch meinetwegen zehn Lampen, die Sie hinstellen — der Versuch ist gemacht wor den — und der Betreffende wird ruhig weiterschreiben. Nun löschen Sie die eine Flamme aus, die kleine Kerzenflamme, die er neben sich hingestellt hat, und er wird nicht weiterschreiben, er empfindet das als finster; er nimmt ein Streichholz, zündet sich die Kerze an, dann empfindet er es wieder als Licht und kann weiterarbeiten. Die ganze andere Beleuchtung ringsherum ist für ihn nicht da, nur die Flamme, die er in sein Traumbewußtsein aufgenommen hat, ist allein für ihn da. Das ganze übrige Lichtmeer ist für ihn nicht da, Sie sehen, es ist nötig, daß der Mensch von innen heraus seine Wahrnehmungsorgane in einer bestimmten Weise durchdringt, sie sozusagen durchsetzt, damit die äußeren Sinneswahrnehmungen eintreten können. Es ist nicht nur nötig, daß wir Augen und Ohren haben, sondern es ist nötig, daß wir von innen heraus dasjenige, was uns Auge und Ohr überliefern, beleben, daß wir von innen heraus dem etwas entgegenstellen, was es uns in Bilder, in Vorstellungen verwandelt, was dann bewirkt, daß es für uns da ist.

[ 24 ] We can, so to speak, demonstrate experimentally and naturally the conditions that exist between the individual parts of the human being that I have mentioned. I would like to describe a simple experiment that can easily be performed with any somnambulist. Imagine a somnambulist getting up at night, sitting down at his desk, lighting a candle, and trying to write by its light. Now do the following: illuminate the room very brightly with, say, ten lamps that you set up—the experiment has been done—and the person in question will calmly continue writing. Now extinguish the single flame, the small candle flame he has placed beside him, and he will not continue writing; he perceives it as dark; he takes a match, lights the candle, and then he perceives it as light again and can continue working. All the other lighting around him is not there for him; only the flame he has taken into his dream-consciousness is there for him alone. The whole remaining sea of light is not there for him; you see, it is necessary for a person to permeate their sensory organs from within in a certain way, to interweave with them, so to speak, so that external sensory perceptions can enter. It is not only necessary that we have eyes and ears, but it is necessary that we animate from within what the eye and ear convey to us, that we oppose from within that which transforms it into images and ideas for us, which then causes it to be there for us.

[ 25 ] Nun, im gewöhnlichen Leben ist es unser Ich, unser helles, waches Tagesbewußtsein, welches von sich aus, gleichsam von innen der Außenwelt das entgegenstellt, was wir brauchen, um die Eindrücke herauszuheben und zu unseren Bewußtseinseindrücken zu machen. Denken Sie sich nun einmal dieses Bewußtsein ausgelöscht. Was ist dann noch in Tätigkeit? Dann ist noch in Tätigkeit der physische Körper, der AÄtherdoppelkörper und der Astralleib. Dieser Astralleib kann nun zwar immer dasjenige, was er von außen empfängt, in Bilder umwandeln, nur wird es nicht in Vorstellungen umgewandelt, nur wird es nicht in das bewußte helle Tagesbewußtsein aufgenommen. So wandelt — das ist die eine Möglichkeit — der Astralleib des Menschen solche Eindrücke in Bilder um, die ihn umgeben, entwedern in wirrer, unregelmäßiger Weise oder aber in regelmäßiger Weise, wenn das Ich sozusagen bei diesem ganzen Vorgange dabei ist.

[ 25 ] Now, in ordinary life, it is our “I,” our bright, alert daytime consciousness, that of its own accord—as it were, from within—contrasts the external world with what we need in order to extract the impressions and make them into impressions of our consciousness. Now imagine this consciousness extinguished. What is still active then? Then the physical body, the etheric double, and the astral body are still active. This astral body can indeed always transform what it receives from the outside into images, but it is not transformed into ideas; it is not taken up into the conscious, bright daytime consciousness. Thus—this is one possibility—the human astral body transforms such impressions into images that surround it, either in a confused, irregular manner or in a regular manner, if the ego, so to speak, is present during this entire process.

[ 26 ] In einem solchen Kontakt mit der Außenwelt ist der Astralleib, die Seele des Menschen, welche in einem somnambulen Zustande ist;ja,in einer ähnlichen Verbindung ist schon die Seele eines Träumers. Nur müssen wir unterscheiden zwischen den beiden Arten von Träumen, die ich angeführt habe. Zwischen den regellosen, wirren Träumen, welche zumeist durch das Traumbewußtsein der Menschen ziehen, und den schönen, dramatischen, symbolischen Träumen, die ich angeführt habe. Bei den regellosen, wirren Träumen wird es der Ätherdoppelkörper sein, der vor allem tätig ist und den Kontakt mit der Außenwelt herstellt; bei den Träumen aber, welche in symbolischer, dramatischer Weise ablaufen, ist es der Astralkörper des Menschen, welcher die äußeren Eindrücke symbolisiert, verwandelt, sinnbildlich ausdrückt und in einen ganz dramatischen Traum umsetzt. Nur deshalb, weil in der gegenwärtigen Stufe der Entwickelung unser Tages-Ich realistischer gesinnt ist, weil wir in unserem Tagesbewußtsein gegenwärtig vor allen Dingen auf unseren kombinierenden, rechnenden Verstand uns verlassen, deshalb erscheint uns jede einzelne Sinnesempfindung derart mit den anderen verbunden, durch den Verstand mit den anderen kombiniert, wie das eben im Tagesbewußtsein der Fall ist. Wir können uns aber andere Zustände des Bewußtseins denken; wir können uns denken, daß der Mensch tiefer in die Natur hineinsieht. Dann hört auch dieses rein verständige Ansehen auf. Das ist eben bei den höheren Arten des Seelenlebens wieder der Fall. Diese sollen uns heute weniger kümmern; aber was uns heute vor allen Dingen beschäftigen muß, ist: Wie ist es möglich, daß durch den somnambulen Zustand, der ja eine Steigerung des gewöhnlichen Traumzustands ist, regelmäßige Handlungen, gewisse Erscheinungen, die einen seelischen Charakter tragen, an dem Menschen auftreten? Verstehen kann man das nur dadurch, daß man im Sinne der theosophischen Weltanschauung den Menschen nicht isoliert betrachtet, sondern im Zusammenhange mit der ganzen übrigen Welt; daß man sich vor allen Dingen klar ist, daß außer uns in der übrigen Welt nicht jenes tote, allein für Auge und Ohr Sichtbare und Hörbare vorhanden ist, sondern daß in der Außenwelt Höheres tätig ist, höhere Kräfte tätig sind.

[ 26 ] In such contact with the outside world, the astral body—the soul of the human being—is in a somnambulistic state; indeed, the soul of a dreamer is already in a similar state. We must, however, distinguish between the two types of dreams I have mentioned. Between the chaotic, confused dreams that usually pass through people’s dream consciousness, and the beautiful, dramatic, symbolic dreams I have mentioned. In the case of the chaotic, confused dreams, it is the etheric double that is primarily active and establishes contact with the outside world; but in the case of dreams that unfold in a symbolic, dramatic manner, it is the human astral body that symbolizes, transforms, and expresses the external impressions allegorically, and translates them into a fully dramatic dream. It is only because, at the present stage of development, our waking ego is more realistically inclined, and because in our waking consciousness we currently rely above all on our combining, calculating intellect, that every single sensory perception appears to us to be connected to the others and combined with them by the intellect, just as is the case in waking consciousness. But we can imagine other states of consciousness; we can imagine that human beings look deeper into nature. Then this purely intellectual view also ceases. This is precisely the case again with the higher forms of soul life. We need not concern ourselves with these today; but what must occupy us above all else today is: How is it possible that through the somnambulistic state—which is, after all, an intensification of the ordinary dream state—regular actions and certain phenomena of a spiritual nature occur in human beings? One can understand this only by viewing the human being, in the spirit of the theosophical worldview, not in isolation but in connection with the rest of the world; by being clear above all that, apart from us, the rest of the world does not consist solely of that which is dead—visible and audible only to the eye and ear—but that higher forces are at work in the external world.

[ 27 ] Gewöhnlich legt sich der Mensch die Frage nicht vor: Wie kommt es denn eigentlich, wenn wir in die Außenwelt hineinblicken, daß wir in dieser Außenwelt die Gesetze, die Begriffe, die Vorstellungen finden, welche wir in unserem Verstande in einer einsamen Dämmerstunde ausgedacht haben? Die bedeutendsten, auf das Wesen des Menschen das hellste Licht werfenden Phänomene und Erscheinungen, macht sich der Mensch meist nicht klar. Aber denken Sie nur einmal darüber nach, daß der Mathematiker in seiner Stube sitzt, nachdenkt darüber, was ein Kreis, eine Ellipse ist, daß er ohne Beobachtung von etwas, was außer ihm ist, auf dem Papier sich das Gesetz der Ellipse vorhält und studiert, so daß er weiß, was ein Kreis ist, was eine Ellipse ist, und daß er dann, wenn er rein aus sich heraus dieses Gesetz erzeugt hat, dieses Gesetz der Ellipse, des Kreises in den Planetenbahnen und in anderen Erscheinungen der Außenwelt findet. So ist es auf Schritt und Tritt in unserem geistigen Leben. Die Gesetze, die unser Geist in der Einsamkeit ersinnt, sind dieselben Gesetze, die draußen in der Welt diese Welt auch beherrschen. Nennen wir dasjenige, was der Mensch ersinnt, Weisheit, so müssen wir sagen: Im menschlichen Ich geht Weisheit auf, und draußen in der Welt finden wir, daß die Dinge in derselben weisen Art gebaut sind, in der der Mensch durch sein Denken sie schauen kann. Aber wir finden, wenn wir die Welt genauer betrachten, daß diese Weisheit der Welt sogar vieles von dem übertrifft, was der Mensch erdenken und ersinnen kann.

[ 27 ] People do not usually ask themselves this question: When we look out into the external world, how is it that we find in that world the laws, concepts, and ideas that we have conceived in our minds during a solitary moment of quiet reflection? People usually do not grasp the most significant phenomena and occurrences that shed the clearest light on the nature of humanity. But just think for a moment about the mathematician sitting in his study, pondering what a circle or an ellipse is, that without observing anything outside himself, he sets forth and studies the law of the ellipse on paper, so that he knows what a circle is, what an ellipse is, and that then, having generated this law purely from within himself, he finds this law of the ellipse and the circle in the planetary orbits and in other phenomena of the external world. So it is at every turn in our spiritual life. The laws that our spirit devises in solitude are the very same laws that out there in the world also govern this world. If we call that which the human being devises “wisdom,” then we must say: Wisdom arises within the human ego, and out in the world we find that things are constructed in the same wise manner in which the human being can perceive them through his thinking. But we find, when we look more closely at the world, that this wisdom of the world even surpasses much of what the human being can conceive and devise.

[ 28 ] Lassen Sie uns einige krasse Beispiele anführen: Nehmen Sie — ich führe dieses Beispiel immer wieder und wieder gerne an — die Verrichtungen der Biber. Die Verrichtungen der Biber sind wahrhaft erstaunlicher Art, nicht nur daß sie in ihren Bauten wahre Gebilde einer instinktiven Architektur liefern, die vollendeter nicht sein könnten, wenn man sie nach allen Regeln der Mechanik und Ingenieurkunst errichtete. Nein, sie liefern noch etwas anderes: sie schützen sich in ihren Verstecken durch Dämme, durch die sie das Wasser aufhalten und in bestimmter Weise beschleunigen oder verlangsamen. Diese Dämme sind in einer Weise gegen die Stromkraft des Wassers angelegt, daß ein Ingenieur, welcher lange gelernt hat, um die mechanischen Regeln kennenzulernen, nach denen man in der besten Weise eine solche Anlage machen muß, sie nicht besser machen könnte. Ja, sie sind in einer Weise angelegt, daß man aus der Neigung, die diese Dämme haben, und durch die Winkel berechnen kann, welche Stromschnelle, welche Kraft das hinströmende Wasser hat. Sie sind so angelegt, daß der Ingenieur sie in seiner Studierstube nicht besser berechnen könnte durch seine Wissenschaft, die durch viele menschliche Gedanken und Anstrengungen erreicht worden ist.

[ 28 ] Let us cite a few striking examples: Take—I am always happy to cite this example time and again—the activities of beavers. The activities of beavers are truly astonishing; not only do they create structures in their lodges that are true examples of instinctive architecture, which could not be more perfect even if they were built according to all the rules of mechanics and engineering. No, they provide something else as well: they protect themselves in their hiding places with dams, through which they hold back the water and accelerate or slow it down in a specific way. These dams are constructed against the force of the water’s current in such a way that an engineer who has studied long and hard to master the mechanical principles by which such a structure must be built in the best possible way could not have designed them better. Indeed, they are constructed in such a way that one can calculate, from the slope of these dams and through the angles, the speed of the current and the force of the flowing water. They are constructed so that an engineer, in his study, could not calculate them any better using his science, which has been achieved through much human thought and effort.

[ 29 ] Und nun ein anderes Beispiel: Betrachten Sie einen ganz gewöhnlichen menschlichen Oberschenkelknochen. Dieser Oberschenkelknochen ist, wenn Sie ihn durch das Mikroskop ansehen, kein kompaktes Gebilde wie ein Stück Mörtel, sondern der Knochen erscheint Ihnen durch das Mikroskop brüchig, als eine Zusammensetzung von feinen Gebilden, welche wie ein ganz feines Gebälk und Gerüst aufgebaut sind. Ein Netzwerk feiner Knochenfäden baut sich auf; das verstrickt sich, stützt sich gegenseitig, und wenn man dieses ganze Netzwerk voll Knochenfäden studiert, dann nimmt man eine merkwürdige Weisheit der Natur wahr beim Aufbau eines solchen Organismus. Wenn man zum Beispiel ein Gerüst bauen wollte, das die einzelnen Teile eines Gebälks so stützen sollte, daß es mit dem geringsten Aufwande von Kraft die größtmögliche Wirkung erzielt, könnte man das nicht besser machen, als die Natur in ihrer Weisheit einen solchen Oberschenkelknochen aus unzählig vielen kleinen Knochenfäden, die sich gegenseitig halten und stützen, aufgebaut hat. Weisheit, die der Mensch ersinnen kann nach vielen geistigen Bemühungen, finden Sie in jedem einzelnen Teile der Natur. Und könnten wir die Natur studieren, könnten wir förmlich unseren Geist ausgießen über die Natur, so daß wir in der Natur draußen wahrnehmen könnten, dann würden wir die Natur nicht als ein Zufallsprodukt, sondern als das Ergebnis unendlicher Weisheit wahrnehmen. Denken Sie sich, statt daß der rechnende Verstand durch die Tore der Sinne die Eindrücke der Außenwelt wahrnimmt und nur nachdenken kann über dasjenige, was er von außen wahrnimmt, denken Sie sich, statt dessen, Sie hätten keine Sinne, sondern der Verstand wäre gleichsam ausgegossen über die ganze Natur, Sie würden nicht die Wirkungen der Dinge auf unsere Sinne, sondern das Wesen der Dinge selbst wahrnehmen, dann würden Sie in der Weisheit der Natur stehen, dann würden Sie ein Teil der weisen Natur sein.

[ 29 ] And now another example: Consider a perfectly ordinary human femur. When you look at this femur through a microscope, it is not a compact structure like a lump of mortar; rather, the bone appears brittle under the microscope, as a composition of fine structures that are built up like a very fine framework and scaffolding. A network of fine bone fibers forms; these intertwine and support one another, and when one studies this entire network of bone fibers, one perceives a remarkable wisdom of nature in the construction of such an organism. If, for example, one wanted to build a framework that would support the individual parts of a truss in such a way that it achieves the greatest possible effect with the least expenditure of force, one could not do it better than nature, in its wisdom, has constructed such a femur from countless small bone fibers that hold and support one another. Wisdom that humans can conceive of only after much mental effort can be found in every single part of nature. And if we could study nature, if we could literally pour our minds out over nature so that we could perceive it out there in the world, then we would perceive nature not as a product of chance, but as the result of infinite wisdom. Imagine, instead of the calculating mind perceiving the impressions of the external world through the gates of the senses and being able to reflect only on what it perceives from the outside, imagine, instead, you had no senses, but rather that the mind were, as it were, poured out over all of nature; you would not perceive the effects of things on our senses, but the essence of things themselves—then you would stand in the wisdom of nature, then you would be a part of wise nature.

[ 30 ] Solches wird nun tatsächlich erreicht, wenn unser Tagesbewußtsein, wenn unser Wachbewußtsein ausgeschaltet ist. Das wird bei solchen Somnambulen erreicht, was ich jetzt gleichsam angedeutet habe. Ich sagte, es könnte gedacht werden, daß unser Verstand, unser Bewußtsein heraus dränge aus unserem Gehirn und die Weisheit der Natur durchsetzte in ihren ganzen Verrichtungen und in ihren ganzen Tatsachen. Daß wir solches helles, waches Tagesbewußtsein haben, bewirkt, daß wir abgeschlossen sind von der übrigen Natur; das bewirkt, daß wir die Eindrücke der Natur durch die Tore unserer Sinne empfangen müssen. Hier ist die Flamme, sie macht auf mein Auge einen Eindruck; das Auge ist das Tor, durch das der Eindruck zu meinem Bewußtsein gelangt. Mein Bewußtsein ruft die Vorstellungen von innen heraus hervor. Ich bin dadurch, daß ich Sinnestore habe, von der Außenwelt abgeschlossen, und diese Außenwelt muß erst durch die Sinnestore in mein Bewußtsein eintreten. Ich bin gleichsam in meinem Bewußtsein gegenüber der übrigen Welt in der Lage, wie derjenige ist, der auf einer Wiese steht und nach allen Seiten hin einen Ausblick hat, und nun in ein kleines Haus einträte und von alledem, was auf dieser Wiese ist, nur durch die Fenster des kleinen Hauses Kenntnis nimmt. So ist die Weisheit der ganzen Natur, welche wir wahrnehmen in jedem Knochen, in jeder Pflanze, die vom Sternenhimmel bis zum mikroskopisch kleinsten Körperteilchen zum Vorschein kommt. Diese weise Natur ist gleichsam in unser Bewußtsein als in einen einzelnen Punkt eingetreten und hat um uns herum die Schale unserer Organe aufgerichtet mit ihren Sinnestoren. Unser Bewußtsein ist abgeschlossen von dieser Wesenheit draußen und kann nur durch die Sinnestore die Wesenheit draußen aufnehmen.

[ 30 ] This is actually achieved when our everyday consciousness, our waking consciousness, is switched off. This is what happens in somnambulists, as I have just hinted at. I said that one might imagine that our intellect, our consciousness, pushes out from our brain and permeates the wisdom of nature in all its activities and in all its facts. The fact that we have such a bright, alert waking consciousness means that we are separated from the rest of nature; it means that we must receive the impressions of nature through the gates of our senses. Here is the flame; it makes an impression on my eye; the eye is the gateway through which the impression reaches my consciousness. My consciousness evokes the images from within. Because I have sensory gates, I am separated from the external world, and this external world must first enter my consciousness through the sensory gates. In my consciousness, I am, as it were, in the same position vis-à-vis the rest of the world as someone who stands in a meadow with a view in all directions, and who now enters a small house and perceives everything in that meadow only through the windows of the small house. Such is the wisdom of all nature, which we perceive in every bone, in every plant, and which manifests itself from the starry sky down to the microscopically smallest particle of matter. This wise nature has, as it were, entered our consciousness as a single point and has erected around us the shell of our organs with their sensory gates. Our consciousness is separated from this external reality and can only perceive it through the gates of the senses.

[ 31 ] Schalten Sie aber das Bewußtsein aus, dann tritt der Kontakt ein, dann leben Sie tatsächlich wiederum in dieser Verbindung mit der Außenwelt; denn der Astralleib ist nicht so wie Ihr Ich, Ihr unmittelbares Bewußtsein von der ganzen übrigen Welt getrennt. Nein, da gehen überall astrale Fäden nach allen Seiten aus, so daß Sie das Leben der ganzen Außenwelt mitleben und nicht nur der physischen Natur, sondern auch jener astralen Vorgänge, die fortwährend um uns sind, der geistigen Vorgänge, die um uns sind. Die nehmen wir dann wahr, wenn unser Bewußtsein ausgeschaltet ist. Was wir erinnern, erdenken und kombinieren, tritt im somnambulen Zustande unmittelbar auf als eine Erscheinung, welche hereingeleitet wird von der äußeren Natur, von dem, was außer uns lebt. Wie Sie sozusagen während des Tages beim hellen Sonnenschein keinen Stern am Himmel sehen, während doch der ganze Himmel mit Sternen bedeckt ist, weil das Licht der Sterne gegenüber dem hellen Sonnenschein nicht aufkommt, ebenso ist es mit unserem hellen Tagesbewußtsein. Dasjenige, was in unseren Körpern, sei es im physischen, sei es im Astralkörper vorkommt, das ist gleichsam ein schwaches Licht, das sind schwache Vorgänge, die übertönt werden von dem hellen Tagesbewußtsein. Löschen wir das aus, so wird dasjenige, was in den unteren Körpern vorgeht, sichtbar, wie die Sterne sichtbar werden, wenn die Sonne nicht mehr scheint. In solchen Verhältnissen befinden sich somnambule Persönlichkeiten, und wir müssen uns deshalb klar sein darüber, daß der Mensch, wenn ein somnambuler Zustand eintritt, gleichsam in einer näheren, unmittelbareren Verbindung mit der übrigen Natur ist. Es ist so, um einen schönen Ausdruck des deutschen Denkers Stilling zu gebrauchen, der am Ende des 18. und Anfang des 19. Jahrhunderts dieses Verhältnis in wunderbarer Weise charakterisiert hat: «Wenn die Sonne des hellen Tagesbewußtseins untergeht, dann leuchten die Sterne im somnambulen Bewußtsein!»

[ 31 ] But if you switch off your consciousness, then contact is established, and you actually live once again in this connection with the outside world; for the astral body is not, like your ego, separated from the rest of the world by your immediate consciousness. No, astral threads extend in all directions, so that you experience the life of the entire external world—not only physical nature, but also those astral processes that are constantly around us, the spiritual processes that are around us. We perceive these when our consciousness is switched off. What we remember, conceive, and combine appears directly in the somnambulistic state as a phenomenon that is brought in by external nature, by what lives outside of us. Just as, so to speak, during the day in bright sunlight you do not see a single star in the sky, even though the entire sky is covered with stars, because the light of the stars cannot compete with the bright sunlight, so it is with our bright daytime consciousness. What occurs within our bodies, whether in the physical or the astral body, is, as it were, a faint light; these are faint processes that are drowned out by the bright consciousness of the day. If we extinguish that, what takes place in the lower bodies becomes visible, just as the stars become visible when the sun no longer shines. Somnambulic personalities find themselves in such circumstances, and we must therefore be clear that when a somnambulic state sets in, the human being is, as it were, in a closer, more immediate connection with the rest of nature. It is so, to use a beautiful expression by the German thinker Stilling, who at the end of the 18th and beginning of the 19th centuries characterized this relationship in a wonderful way: “When the sun of bright daytime consciousness sets, then the stars shine in somnambulistic consciousness!”

[ 32 ] Nun aber müssen wir uns doch fragen: Können wir uns auf diese Erscheinungen, die während des somnambulen Zustandes auftreten, verlassen? Wahre Erscheinungen sind es, eine Wirklichkeit ist es, um die es sich handelt; aber diese Wirklichkeit tritt an uns heran mit Ausschluß des Organs, welches der Mensch sich allmählich heraufentwickelt hat, damit er sich in der Welt orientieren kann, mit Ausschluß seines hellen Tagesbewußtseins. Dadurch wird im Menschen wirklich ein Zustand herbeigeführt, der ihm etwas offenbart, was sonst verborgen bleibt, der ihn aber selbst von einer Stufe, die er einmal erreicht hat, herunterdrängt. Denn wir wissen als Theosophen, daß die Zustände, die der Mensch auf diese Weise erreicht und die «höher» sein sollen, in Wahrheit Zustände sind, die er durchgemacht hat, bevor er sein jetziges volles Menschenbewußtsein erlangt hat. Ich kann Ihnen das heute nicht ausführen; aber ebenso wie uns die naturwissenschaftliche Entwickelungslehre die rein physischen Entwickelungsvorgänge zeigt, so zeigt uns die Theosophie, daß die Menschen die Stufe, die sie heute erklommen haben, allmählich erreicht haben. Dieses Bewußtsein, welches wir heute haben, wodurch wir uns orientieren in unserer Umwelt, trat erst auf, nachdem wir andere Bewußtseinszustände in Millionen Jahren langsamer Entwickelung durchgemacht hatten. Der Mensch hat, bevor er dieses helle Tagesbewußtsein in sich entwickelte, eine Art Traumbewußtsein gehabt. Damals war er wirklich ein Wesen, welches die Vorgänge um sich herum nicht in der Art wahrnahm, wie sie heute von uns wahrgenommen werden in unserem hellen Tagesbewußtsein, sondern symbolisiert wurde alles um uns herum, so wie der Traum heute noch symbolisiert. Eine große Anzahl von Sagen, die noch erhalten sind, rührt her aus solchen Zeiten, in denen die Menschen noch nahe diesem Traumbewußtsein waren und diese symbolischen Sagen ausgebildet haben. Darüber können Sie genaueren Aufschluß in einem sehr interessanten Buche meines verstorbenen Freundes Ludwig Laistner finden, der die verschiedenen Sagengebilde der Erde gesammelt hat und darin gezeigt hat, wie aus einem noch nicht zum Tagesbewußtsein erwachten, symbolisierenden Menschenbewußtsein diese Sagengebilde ausgearbeitet wurden. Da wird tatsächlich manche Sage zurückgeführt auf solche Zustände des somnambulen Bewußtseins.

[ 32 ] But now we must ask ourselves: Can we rely on these phenomena that occur during the somnambulistic state? They are true phenomena; it is a reality we are dealing with; but this reality approaches us by excluding the organ that human beings have gradually developed in order to orient themselves in the world—by excluding their clear daytime consciousness. This truly induces a state in the human being that reveals to them something that otherwise remains hidden, but which also pushes them down from a level they once attained. For we know as Theosophists that the states which human beings attain in this way and which are supposed to be “higher” are in truth states which they have already passed through before attaining their present full human consciousness. I cannot explain this to you today; but just as the scientific theory of evolution shows us the purely physical processes of development, so Theosophy shows us that human beings have gradually reached the stage they have climbed to today. This consciousness that we possess today, through which we orient ourselves in our environment, only emerged after we had passed through other states of consciousness over millions of years of slow evolution. Before developing this clear waking consciousness within themselves, human beings possessed a kind of dream-like consciousness. At that time, they were truly beings who did not perceive the events around them in the way we perceive them today in our clear waking consciousness; rather, everything around us was symbolized, just as dreams still symbolize things today. A large number of legends that have been preserved date back to such times, when people were still close to this dream-like consciousness and formed these symbolic legends. You can find more detailed information on this in a very interesting book by my late friend Ludwig Laistner, who collected the various mythological structures of the Earth and demonstrated in it how these mythological structures were developed from a human consciousness that was still symbolic and had not yet awakened to daytime consciousness. Indeed, many a legend is traced back to such states of somnambulistic consciousness.

[ 33 ] Wenn wir noch weiter zurückgehen, so kommen wir auf immer noch tiefer und tiefer abgestufte Zustände, die aber gleichzeitig näher der Natur lagen und beim Ausgangspunkte der physischen Entwickelung. Als der Mensch zuerst als ein Wunsch der göttlichen Wesenheit begann, da war er überhaupt in einer Art tiefen Trance. Die ganze Menschheit war damals in einer Art tiefen Trancezustandes, in einem ähnlichen Trancezustande, in dem heute diejenigen Somnambulen sein können, die bei solcher Ausschaltung des hellen Tagesbewußtseins in die tiefsten, sogenannten magnetischen Schlafzustände versetzt werden können. Alle diese Zustände hat der Mensch früher durchgemacht, und jetzt sind wir in der Entwickelungsperiode des hellen Tagesbewußtseins. Das ist auch nur ein Durchgangspunkt; das ist der Durchgangspunkt, der uns dazu führt, innerhalb dieses hellen, wachen Tagesbewußtseins diejenige Fähigkeit aufs neue zu erwerben, welche der Mensch früher hatte, nur damals nicht bei hellem Tagesbewußtsein. Denn dieses war überhaupt noch nicht entwickelt.

[ 33 ] If we go back even further, we encounter states that are increasingly deeper and more subtle, yet at the same time closer to nature and to the starting point of physical development. When humanity first began as a desire of the divine being, it was in a kind of deep trance. All of humanity was then in a kind of deep trance state, a state similar to that in which somnambulists can find themselves today when, through the suppression of clear daytime consciousness, they are brought into the deepest, so-called magnetic states of sleep. Humanity has passed through all these states in the past, and now we are in the stage of development of clear daytime consciousness. This, too, is merely a transitional stage; it is the transitional stage that leads us, within this clear, waking daytime consciousness, to reacquire the very ability that humanity once possessed, though not at that time within clear daytime consciousness. For this had not yet been developed at all.

[ 34 ] Das ist der zukünftige Gang der Menschheitsentwickelung: wiederum unmittelbar den Geist auszugießen über die Natur, hellsehend zu werden bei vollem Tagesbewußtsein. Einzelne unter uns, welche durch gewisse Methoden, die die Theosophie angibt, ihre inneren Organe ausgebildet haben, sind bereits der Entwickelung vorangeeilt und sind heute imstande, bei vollem Tagesbewußtsein wirklich hineinzusehen in diese Welt der Wesenheiten und des geistigen Lebens, die uns umgibt. Heute schon sind gewisse Individualitäten unter uns, welche sozusagen wieder frei sind von den Toren der Sinne, welche im unmittelbaren Kontakt sind mit der geistigen Umwelt, und aus dieser hellsehenden Betrachtung bei vollem Tagesbewußtsein durch die höheren Tatsachen, die dem gewöhnlichen Bewußtsein verschlossen sind, hindurchgehen, wie wir zwischen Tischen und Stühlen hindurchgehen, wo sie um sich herum die geistige Welt wahrnehmen, die uns ja in jedem Augenblick umgibt. Aus solchen Anschauungen sind die theosophischen Lehren geflossen. Das somnambule Bewußtsein liefert in gewisser Beziehung ähnliche Lehren, und dasjenige, was eine somnambule Persönlichkeit sehen kann mit Ausschaltung des hellen Tagesbewußtseins, ist oftmals dasselbe, was der Hellseher bei seinem hellen Tagesbewußtsein sieht. Aber die Somnambule kann das, was sie sieht, niemals kontrollieren; die Somnambule kann niemals dasjenige, was sie Ihnen erzählt über geistige Vorgänge in der Umwelt, was sie Ihnen erzählt über Wahrnehmungen, die durch die Tore der Sinne nicht geschaut werden, kontrollieren. Sie kann nicht einmal kontrollieren, ob dasjenige, was sie wahrnimmt, wirklich Wahrheit ist, so wie sie es wahrnimmt.

[ 34 ] This is the future course of human development: once again to pour the spirit directly over nature, to become clairvoyant while fully conscious in broad daylight. Some among us, who have trained their inner faculties through certain methods prescribed by Theosophy, have already gone ahead of the general development and are now able, while fully conscious in the light of day, to truly look into this world of beings and spiritual life that surrounds us. Even today there are certain individuals among us who are, so to speak, free from the gates of the senses, who are in direct contact with the spiritual environment, and who, through this clairvoyant observation while fully conscious, pass through the higher realities that are closed to ordinary consciousness just as we pass between tables and chairs, perceiving around them the spiritual world that surrounds us at every moment. Theosophical teachings have flowed from such insights. Somnambulistic consciousness provides, in a certain sense, similar teachings, and what a somnambulist can see with the daytime consciousness turned off is often the same as what the clairvoyant sees while fully conscious. But the somnambulist can never verify what she sees; the somnambulist can never verify what she tells you about spiritual processes in the environment, what she tells you about perceptions that are not seen through the gates of the senses. She cannot even verify whether what she perceives is truly the truth, just as she perceives it.

[ 35 ] Es können der Somnambulen die merkwürdigsten Täuschungen passieren. Sie können als eine Persönlichkeit vor dieser Somnambulen stehen und können ihr sagen, sie seien, sagen wir, irgendeine ganz an einem anderen Orte lebende Persönlichkeit. Die Somnambule wird dieses durchaus glauben, wird den wahren Wahrnehmungseindruck haben, daß Sie das sind, als was Sie sich ausgeben. Die Somnambule glaubt es Ihnen, und das wird zur Gefahr. Denn wenn die Somnambule nicht nur solche leicht kontrollierbare Dinge uns mitteilt, sondern wenn die Somnambule uns Mitteilungen macht über die höhere Welt, die wir mit den Sinnen nicht wahrnehmen können, über die sogenannte astralische Welt oder über die höhere geistige Welt, wenn die Sonne unseres Tagesbewußtseins ausgelöscht ist und der Sternenhimmel der geistigen Welt aufgeht, da kann es passieren, daß die Somnambule Ihnen sagt, sie nehme irgendeinen verstorbenen Menschen wahr. Gewiß, die Somnambule nimmt eine geistige Tatsache wahr, sie nimmt eine Wesenheit wahr; aber es braucht nicht richtig zu sein, daß diese Wesenheit der betreffende verstorbene Mensch ist. Das kann eine andere Wesenheit sein, eine Wesenheit, die überhaupt gar nichts zu tun hat mit einer gewöhnlichen irdischen Wesenheit. Es kann eine Wesenheit sein, die in der astralischen Welt lebt und niemals in eine irdische Welt eingetreten ist. Kurz, die Somnambule kann sich dadurch, daß sie das kontrollierende Bewußtsein nicht hat, niemals überzeugen, ob der Eindruck, den sie hatte, der richtige ist.

[ 35 ] The most strange illusions can occur to somnambulists. You can stand before a somnambulist as a certain person and tell her that you are, say, someone living in a completely different place. The somnambulist will believe this completely, will have the genuine sensory impression that you are who you claim to be. The somnambulist believes you, and that becomes a danger. For if the somnambulist not only tells us such easily verifiable things, but if the somnambulist gives us messages about the higher world that we cannot perceive with our senses, about the so-called astral world or about the higher spiritual world, when the sun of our waking consciousness is extinguished and the starry sky of the spiritual world rises, it may happen that the somnambulist tells you she perceives some deceased person. Certainly, the somnambulist perceives a spiritual reality; she perceives a being; but it need not be true that this being is the deceased person in question. It may be another being, a being that has absolutely nothing to do with an ordinary earthly being. It may be an entity that lives in the astral world and has never entered the earthly world. In short, because she lacks the controlling consciousness, the somnambulist can never be certain whether the impression she had is the correct one.

[ 36 ] Das ist für die Somnambule eine Gefahr, vor allen Dingen eine Gefahr, welche die astrale Welt sofort bietet, wenn man sie betritt. Diese astrale Welt hat nämlich — das kann ich ja nur andeutungsweise sagen — ganz andere Begriffe, zum Beispiel von Gut und Böse, wie unsere gewöhnliche irdische Welt. Unsere irdische Welt hat Begriffe von Gut und Böse, welche rein an unsere sinnlichen Zustände angepaßt sind. Die astrale Welt hat ein anderes Gut und Böse. Wenn nun die Somnambule Wahrnehmungen macht in der astralen Welt, dann werden sehr leicht ihre Begriffe von Gut und Böse erschüttert, und das ist der Grund, weshalb somnambule Medien, die Ihnen anfangs wirklich nur wahre Dinge aus diesem somnambulen Bewußtseinszustande mitteilen, mit der Zeit in Grund und Boden verdorben werden können, so daß sie später unmöglich Betrug von Wirklichkeit unterscheiden können.

[ 36 ] This poses a danger to the somnambulist—above all, a danger that the astral world presents the moment one enters it. For this astral world has—and I can only hint at this—concepts of good and evil, for example, that are quite different from those of our ordinary earthly world. Our earthly world has concepts of good and evil that are purely adapted to our sensory states. The astral world has a different conception of good and evil. When the somnambulist makes perceptions in the astral world, her concepts of good and evil are very easily shaken, and that is the reason why somnambulist mediums, who at first truly communicate only true things from this somnambulist state of consciousness, can become thoroughly corrupted over time, so that later they are unable to distinguish deception from reality.

[ 37 ] Es ist für denjenigen, der diese höheren Gebiete kennt, einfach selbstverständlich, daß er natürlich bei Prüfung des einzelnen Falles von einem Medium nicht ohne weiteres voraussetzt, daß es betrogen hat, wenn auch die Tatsachen, die vorliegen, nicht richtig sind. Das Medium kann zum Beispiel in den nächsten besten Krämerladen gehen — das ist ein Fall, von dessen Wahrheit ich mich selbst überzeugt habe —, es ist in einem solchen somnambulen Zustande, das heißt sein Ich-Bewußtsein, sein Wachbewußtsein ist ausgelöscht; es kauft dort ein Heiligenbildchen, das es zu sich steckt. Dann kommt es aus diesem somnambulen Zustande heraus und hat keine Ahnung davon, woher es das Bildchen bekommen hat. Später kommt es — die somnambulen Zustände sind ja sehr komplizierter Art — wieder in den Trancezustand und produziert Ihnen das Bildchen als etwas, was es aus dieser übersinnlichen Welt in diese Welt hineingebracht habe. Niemals hat die somnambule PersönJichkeit, das Medium, eine Ahnung davon, daß es selbst dieses Heiligenbildchen gekauft hat oder auf welchem Wege es dazu gekommen ist. Es ist durchaus im gewöhnlichen Sinne ehrlich, obwohl die Tatsache eine Vorspiegelung ist. So kann durch die Einflüsse, welche bei Ausschaltung des hellen Tagesbewußtseins auf eine solche Somnambule ausgeübt werden, der Fall eintreten, den man mit den Worten bezeichnen kann: die Tatsache, die vor uns sich abspielt, kann Betrug sein; das Medium braucht aber kein Betrüger zu sein, sondern es kann vollständig intakt und ehrlich sein.

[ 37 ] For anyone familiar with these higher realms, it goes without saying that when examining a specific case involving a medium, one does not automatically assume that the medium has cheated, even if the facts at hand are not correct. For example, the medium might go to the nearest grocery store—this is a case whose veracity I have personally verified—while in a somnambulistic state, that is, with their ego-consciousness, their waking consciousness, completely suspended; there they purchase a small holy image, which they pocket. Then it emerges from this somnambulistic state and has no idea where it got the image. Later—since somnambulistic states are, after all, of a very complex nature—it enters the trance state again and presents the image to you as something it has brought from that supernatural world into this one. The somnambulist personality, the medium, never has any idea that they themselves bought this holy card or how they came to possess it. They are entirely honest in the ordinary sense, even though the fact is an illusion. Thus, through the influences exerted on such a somnambulist when the bright consciousness of the day is shut out, a situation may arise that can be described as follows: the event unfolding before us may be a deception; yet the medium need not be a deceiver, but may be completely intact and honest.

[ 38 ] Dies zeigt Ihnen, daß wir, wenn wir diese Frage des Somnambulismus betrachten, nicht anders können, als uns auf den theosophischen Standpunkt stellen. Die Theosophie und die theosophische Bewegung sind der bestimmten Anschauung, daß das Betreten der höheren geistigen Welt, das Betreten jener Welt, welche uns also auch zugänglich gemacht werden kann durch Somnambule, niemals stattfinden sollte ohne die Anwesenheit eines bei vollem Bewußtsein Hellsehenden, eines solchen, der sich in der geistigen Welt ganz zurechtzufinden weiß, der sich innerhalb der geistigen Welt ebenso voll auskennt wie in der physischen. Deshalb verlangt die Theosophie, daß dann, wenn Versuche mit Medien gemacht werden sollen — und es können gewiß Zustände eintreten, wo sich das empfiehlt —, sie nur im Beisein eines vollständig Kundigen, selbst mit hellem Tagesbewußtsein arbeitenden Hellsehers stattfinden, der alles dasjenige überschauen kann, was da wirklich geschieht, während das Medium und gewöhnlich auch diejenigen, die mit dem Medium ihre Experimente machen, nicht imstande sind, das zu überschauen. Es braucht ja nicht unter allen Umständen eine Gefahr mit solchen mediumistischen Erscheinungen verbunden sein; aber wir haben doch gesehen, daß diese Gefahr sich ergeben kann, weil das Orientierungsvermögen fehlt. Jeder, der ein bei vollem Tagesbewußtsein arbeitender Hellseher ist, weiß in jedem einzelnen Momente, was vorgeht, und weiß in jedem einzelnen Momente, was eine Somnambule wirklich sieht, trotzdem sie vorgibt, etwas ganz anderes zu sehen; er weiß, welche Einflüsse wirklich stattfinden, trotzdem die Somnambule vorgibt, daß dieser oder jener Einfluß stattfinde. Das ist eben der Unterschied zwischen Geisteswissenschaft und ähnlichen anderen Bestrebungen. Ich möchte die Wahrheit der anderen Bestrebungen nicht in irgendeiner Weise bezweifeln, sondern ihre Wirklichkeitgilt natürlich ebenso, wie sie fürandere Bestrebungen gilt. Da derartige Erfahrungen nicht alle auf einmal erreicht werden können, da es unmöglich ist, daß ein volles Ideal in jedem Zeitpunkt sich verwirklicht, so betrachtet es die Theosophie nicht als ihre Aufgabe, etwa andere geistige Bestrebungen, wie das Experiment mit somnambulen Persönlichkeiten, zu bekämpfen, denn man weiß, daß aus die sen Experimenten sich zuletzt dieselben Resultate ergeben werden: die Überzeugung von einer geistigen Welt um uns herum.

[ 38 ] This shows you that, when considering the question of somnambulism, we have no choice but to adopt the theosophical standpoint. Theosophy and the Theosophical Movement hold the firm view that entering the higher spiritual world—that is, the world which can also be made accessible to us through somnambulists— should never take place without the presence of a clairvoyant who is fully conscious, one who knows his way around the spiritual world, who is just as thoroughly familiar with the spiritual world as he is with the physical. That is why Theosophy requires that when experiments are to be conducted with mediums—and there can certainly be situations where this is advisable— they take place only in the presence of a fully knowledgeable clairvoyant working with clear daytime consciousness, who can oversee everything that is actually happening, whereas the medium and usually also those conducting experiments with the medium are unable to oversee this. Such mediumistic phenomena do not necessarily entail a danger in all circumstances; but we have seen that this danger can arise because the ability to orient oneself is lacking. Anyone who is a clairvoyant working with full waking consciousness knows at every single moment what is happening, and knows at every single moment what a somnambulist is actually seeing, even though she pretends to see something entirely different; he knows which influences are actually taking place, even though the somnambulist claims that this or that influence is taking place. That is precisely the difference between spiritual science and similar other endeavors. I do not wish to doubt the truth of these other endeavors in any way; rather, their reality is of course just as valid as it is for other endeavors. Since such experiences cannot all be attained at once, since it is impossible for a complete ideal to be realized at every moment, Theosophy does not regard it as its task to oppose other spiritual endeavors, such as experiments with somnambulous personalities, for one knows that these experiments will ultimately yield the same results: the conviction of a spiritual world around us.

[ 39 ] Aber die theosophische Bewegung selbst wird nur unter dem Ideal des bewußten Hellsehertums dasjenige zu leisten versuchen, was ihr obliegt im Einklang mit anderen geistigen Bewegungen. Im Einklang mit anderen geistigen Bewegungen will sie arbeiten, die anderen geistigen Bewegungen will sie als ihre Bruderbewegungen betrachten. Sie ist jederzeit bereit, da, wo sie um Rat gefragt wird, ob das oder jenes in diesem oder jenem Sinne eine Wirklichkeit und Wahrheit ist, diesen Rat zu geben. Sie selbst aber wird alle geistigen Bestrebungen nur unter der Ägide des kundigen Hellsehertums vornehmen lassen. Das gilt sowohl gegenüber den spiritistischen wie anderen geistigen Bestrebungen. Okkulte Forschungen dürfen im Sinne der Theosophie nicht anders vorgenommen werden als unter dem Einfluß von Individualitäten, welche ganz genau, in bewußter Weise überschauen können, um was es sich handelt. Auch darf geistig nur so geheilt werden, wie physisch geheilt wird: bei vollem bewußtem Überschauen der Verhältnisse, um die es sich dabei handelt.

[ 39 ] But the Theosophical Movement itself will only attempt to accomplish what is incumbent upon it in harmony with other spiritual movements under the ideal of conscious clairvoyance. It wishes to work in harmony with other spiritual movements; it wishes to regard the other spiritual movements as its sister movements. It is always ready, wherever it is asked for advice as to whether this or that is a reality and truth in this or that sense, to give such advice. It itself, however, will allow all spiritual endeavors to be undertaken only under the aegis of expert clairvoyance. This applies equally to spiritualist and other spiritual endeavors. In the spirit of Theosophy, occult research may not be conducted except under the influence of individuals who can survey the matter at hand with complete precision and full awareness. Furthermore, spiritual healing may only be performed in the same way as physical healing: with a full and conscious understanding of the circumstances involved.

[ 40 ] So sieht die Theosophie die somnambulen Erscheinungen an. Sie sehen, die Anschauung der Theosophie weicht sowohl etwas ab von der oberflächlichen äußeren Anschauung, welche in den somnambulen Erscheinungen nichts anderes sieht als krankhafte, abzuweisende, abnorme Erscheinungen, und sie hat auch etwas andere Anschauungen über diese Erscheinungen als diejenigen, welche nur durch sie glauben, das höhere Geistesleben kennenzulernen. Die Theosophie weiß, woher diese Erscheinungen kommen. Sie kann durch ihr Hellsehen diese Erscheinungen aufklären. Mit allen übrigen aber, welche sich zu diesen Erscheinungen verhalten in dem Sinne, daß sie in ihnen Kundgebungen des geistigen Lebens sehen, mit allen diesen verhält sie sich doch so, daß sie in ihnen Bruderbewegungen sieht, mit denen sie zu einem gleichen Ziele hinstrebt, zu einem großen Ziele: der heutigen materialistischen Menschheit wiederum eine geistige, eine echt idealistische Weltanschauung, ein wahres Wissen von der geistigen Welt zu bringen. Das ist eine tiefe Wahrheit, von der ein deutscher Seher, von dem man gewöhnlich nicht weiß, daß er ein Seher ist, nämlich Goethe, ausgesprochen hat, daß wir nicht durch unsere Instrumente, nicht durch mechanische, physische Werkzeuge die Geheimnisse der Natur entschleiern können, sondern daß der Geist es ist, der den Geist überall suchen muß:

[ 40 ] This is how Theosophy views somnambulic phenomena. You see, theosophy’s view differs somewhat from the superficial, external view, which sees somnambulic phenomena as nothing more than pathological, repulsive, and abnormal phenomena, and it also holds somewhat different views on these phenomena than those who believe they are gaining insight into the higher spiritual life solely through them. Theosophy knows where these phenomena come from. Through its clairvoyance, it can shed light on these phenomena. But with all others who regard these phenomena in the sense that they see in them manifestations of spiritual life, with all of them it relates in such a way that it sees in them kindred movements with which it strives toward a common goal, a great goal: to bring to today’s materialistic humanity once again a spiritual, a truly idealistic worldview, a true knowledge of the spiritual world. This is a profound truth expressed by a German seer—one whom people do not usually recognize as a seer—namely Goethe, who stated that we cannot unveil the mysteries of nature through our instruments, not through mechanical, physical tools, but that it is the spirit that must seek the spirit everywhere:

Geheimnisvoll am lichten Tag,
Läßt sich Natur des Schleiers nicht berauben,
Und was sie deinem Geist nicht offenbaren mag,
Das zwingst du ihr nicht ab mit Hebeln und mit Schrauben.

Mysterious in broad daylight,
Nature cannot be stripped of its veil,
And what it chooses not to reveal to your mind,
You cannot force from it with levers and screws.

[ 41 ] Aber Goethe hat nicht an den Offenbarungen des Geistes um uns her gezweifelt; denn klar war ihm dasjenige, was er im «Faust» zum Ausdruck gebracht hat in den schönen Worten, von denen er gesagt hat, daß der Weise sie spräche:

[ 41 ] But Goethe did not doubt the revelations of the spirit all around us; for what he expressed in *Faust* was clear to him in those beautiful words, which he said were spoken by the sage:

Die Geisterwelt ist nicht verschlossen;
Dein Sinn ist zu, dein Herz ist tot!
Auf! bade, Schüler, unverdrossen
Die irdsche Brust im Morgenrot!

The spirit world is not closed off;
Your mind is closed, your heart is dead!
Arise! Bathe, disciple, undaunted
Your earthly breast in the morning glow!