Spiritual Teachings
Concerning the Soul
GA 52
30 May 1904, Berlin
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Spiritual Teachings Concerning the Soul, tr. SOL
13. Die Geschichte des Spiritismus
13. The History of Spiritualism
[ 1 ] Heute obliegt es mir, über ein Thema zu Ihnen zu sprechen, das von der einen Seite, wir dürfen wohl sagen, Millionen von begeisterten Anhängern in der Welt hat, auf der anderen Seite die heftigsten Gegner gefunden hat; nicht nur Gegner, welche in schärfster Weise dieses Gebiet des sogenannten Spiritismus bekämpfen, sondern auch solche, die es ins Lächerliche ziehen, die es mit dem finstersten Aberglauben oder mit dem, was sie finsteren Aberglauben nennen, zusammenwerfen; Gegner, die sich bloß mit leeren Worten des Witzes und Hohnes darüber hinwegsetzen wollen.
[ 1 ] Today, it falls to me to speak to you about a subject that, on the one hand—we may safely say—has millions of enthusiastic followers around the world, but on the other hand has encountered the fiercest opposition; not only opponents who vehemently combat this field of so-called spiritualism, but also those who ridicule it, who lump it together with the darkest superstition—or with what they call dark superstition; opponents who seek merely to dismiss it with empty words of wit and scorn.
[ 2 ] Nun, es ist vielleicht nicht ganz leicht, gerade in unserer Gegenwart über ein solches Thema zu sprechen, wo in der Regel bei dem «Für und Wider» sich sogleich die heftigsten Leidenschaften entflammen. Und ich möchte auf der einen Seite diejenigen unter Ihnen bitten, welche vielleicht begeisterte Anhänger des Spiritismus sind, wenn Ihnen irgendeine der Ausführungen, die ich zu machen genötigt sein werde, nicht ganz Ihren Anschauungen zu entsprechen scheint, nicht gleich den Stab darüber zu brechen, eingedenk des Umstandes, daß wir Vertreter der Theosophie doch mit den Spiritisten jedenfalls in dem einen verbunden sind: in der Absicht der Erforschung der höheren geistigen Welten, jener Welten, die über das hinausgehen, was man im alltäglichen Leben mit Ohren hören, mit Augen sehen, mit Händen greifen kann. Darüber sind wir einig. Auf der anderen Seite möchte ich aber die Wissenschafter ebenso darum bitten, sich klar darüber zu sein, daß diejenige Bewegung, in deren Namen ich selbst spreche, nicht bloß wie ein Aushängeschild, als Phrase, sondern im allerernstesten Sinne des Wortes den Wahlspruch gewählt hat: Es geht keine menschliche Meinung über die Wahrheit. — Ich möchte zu bedenken geben, daß vielleicht auch der Wissenschafter etwas darauf Rücksicht nehmen sollte, wie auch die Anschauungen der Wissenschaft im Laufe der Zeiten der Wandlung unterworfen waren, und wie auch das, was heute als wissenschaftlich feststehend gilt, nicht für alle Zeiten als feststehend gelten kann.
[ 2 ] Well, it may not be entirely easy to speak about such a topic, especially in our time, when the “pros and cons” tend to immediately ignite the most intense passions. And I would like to ask those of you who may be enthusiastic followers of Spiritism, if any of the remarks I will be compelled to make do not seem to fully correspond to your views, not to pass judgment too quickly, bearing in mind the fact that we representatives of Theosophy are, in any case, united with the Spiritists in one respect: the intention to explore the higher spiritual worlds, those worlds that go beyond what one can hear with the ears, see with the eyes, or grasp with the hands in everyday life. On this we are in agreement. On the other hand, however, I would also like to ask scientists to be clear that the movement in whose name I myself speak has chosen as its motto—not merely as a slogan or empty phrase, but in the very truest sense of the word—the following: No human opinion takes precedence over the truth. — I would like to suggest that perhaps scientists, too, should take into account how scientific views have been subject to change over time, and how even what is considered scientifically established today cannot be regarded as established for all time.
[ 3 ] So lassen Sie mich also, ohne Partei zu nehmen nach der einen oder anderen Seite, und dessen eingedenk, daß keine menschliche Meinung über die Wahrheit geht, in kurzen Zügen skizzenhaft über die Entwickelung der spiritistischen Bewegung sprechen.
[ 3 ] So, without taking sides, and bearing in mind that no human opinion can surpass the truth, let me briefly outline the development of the spiritualist movement.
[ 4 ] Ich möchte vor allen Dingen betonen, daß die Begründer der theosophischen Bewegung, Frau Helena Petrowna Blavatsky, und der große Organisator, Colonel Henry Steel Olcott, selbst von der spiritistischen Bewegung ausgegangen sind, genaue Kenner der spiritistischen Bewegung waren und sich der theosophischen Bewegung erst zugewendet haben, nachdem sie vorher energisch die Wahrheit innerhalb der spiritistischen Bewegung gesucht, aber nicht gefunden hatten.
[ 4 ] Above all, I would like to emphasize that the founders of the Theosophical Movement, Madame Helena Petrovna Blavatsky, and the great organizer, Colonel Henry Steel Olcott, themselves came from the spiritualist movement, were well-versed in the spiritualist movement, and only turned to the Theosophical Movement after they had previously searched energetically for the truth within the spiritualist movement but had not found it.
[ 5 ] Es handelt sich für die Theosophie nicht darum, den Spiritismus bekämpfen zu wollen, sondern es handelt sich darum, die Wahrheit zu suchen, wo sie zu finden ist.
[ 5 ] For Theosophy, the point is not to oppose Spiritism, but to seek the truth wherever it may be found.
[ 6 ] Noch etwas möchte ich hervorheben, was einige überraschen wird, was aber andere, die Bescheid wissen, wahrscheinlich gar nicht überraschen wird. Lassen Sie es mich aussprechen: Das letzte Wort über den Spiritismus und ähnliche Dinge können Sie von Menschen, die so wie ich darüber zu sprechen genötigt sind, niemals vernehmen. Sie wissen, es gibt in allen Wissenschaften ein Gebot, das einfach durch die wissenschaftlichen Methoden gerechtfertigt ist, und das ist das Gebot, daß man die Ergebnisse der Wissenschaft vor einem größeren Zuhörerkreise in populärer Weise darstellt. Will man intimere Bekanntschaft machen mit diesen Ergebnissen, will man die intimere Wahrheit kennenlernen, dann ist ein längerer Weg notwendig: ein Weg durch die verschiedenen Methoden hindurch in alle Einzelheiten hinein. In der Regel sind die Forscher nicht in der Lage, in populären Vorträgen vorzutragen, was im Inneren der Laboratorien, im Innersten der Sternwarten sich abspielt. Ist die Sache nun so für die physische Wissenschaft, so gibt es in den großen geistigen Bewegungen der Welt in bezug auf das, was sogenannte spirituelle Einsichten sind, bei dem Einsichtigen, bei dem, der die Worte aussprechen darf, das Gebot, das letzte Wort zurückzuhalten, da die letzten Worte noch ganz anderer Art sind. Sie sind von einer Natur, die sich öffentlich kaum erörtern läßt. Und so werden Sie niemals von demjenigen, der sich Okkultist nennt - wenn Sie nicht im Intimsten seine Wege mitzugehen in der Lage und willens sind —, das allerletzte Wort in dieser Sache hören können. Aber für diejenigen, die in der Sache selbst Bescheid wissen, wird sich aus der Art und Weise, wie eine Sache gesagt wird, auch etwas erhellen, was nicht allein zwischen den Zeilen, sondern vielleicht auch zwischen den Worten gesagt ist.
[ 6 ] There is one more thing I would like to emphasize, which may surprise some, but will likely come as no surprise at all to others who are in the know. Let me put it this way: You will never hear the final word on spiritualism and similar matters from people who, like me, are compelled to speak about them. You know that in all sciences there is a principle that is simply justified by scientific methods, and that is the principle that the results of science should be presented in a popular manner to a wider audience. If one wishes to become more intimately acquainted with these results, if one wishes to know the deeper truth, then a longer path is necessary: a path through the various methods into all the details. As a rule, researchers are not in a position to present in popular lectures what takes place within the laboratories, in the innermost recesses of the observatories. If this is the case for physical science, then in the great spiritual movements of the world, with regard to what are called spiritual insights, there is a requirement for the discerning individual—for the one who is permitted to speak the words—to withhold the final word, since the final words are of an entirely different nature. They are of a nature that can scarcely be discussed in public. And so you will never be able to hear the very last word on this matter from one who calls himself an occultist—unless you are able and willing to follow his ways in the most intimate sense—. But for those who are well-informed on the matter itself, the manner in which something is said will also shed light on what is said not only between the lines, but perhaps also between the words.
[ 7 ] Nach dieser Einleitung lassen Sie mich zu dem Thema selbst übergehen, das zweifellos eine ungeheure kulturhistorische Bedeutung haben muß selbst für denjenigen, der die Sache lächerlich machen will. Lassen Sie mich über die Sache in einem Sinne sprechen, welcher wirklich lichtverbreitend ist, nämlich von dem Gesichtspunkt aus: Was sucht der Spiritismus von heute? Sucht er etwas Neues, oder ist es etwas Uraltes, was er sucht? Sind die Wege, auf denen er sucht, völlig neu, oder sind auch diese Wege von der Menschheit seit Jahrhunderten oder auch seit Jahrtausenden betreten worden? — Wenn man sich diese Fragen vorlegt, dann kommt man in bezug auf die Geschichte des Spiritismus am allerschnellsten zum Ziel. Das, was die Spiritisten suchen, ist zweifellos zunächst die Erkenntnis derjenigen Welten, welche über unsere Sinnenwelt hinausgehen, und zweitens die Bedeutung dieser Welten für das Ziel, für die Bestimmung unserer menschlichen Rasse.
[ 7 ] Following this introduction, let me turn to the subject itself, which must undoubtedly have immense cultural and historical significance, even for those who wish to ridicule it. Let me speak about the matter in a way that truly sheds light on it, namely from the following perspective: What is modern spiritualism seeking? Is it seeking something new, or is it something ancient? Are the paths it is exploring entirely new, or have these paths also been trodden by humanity for centuries or even millennia? — When one considers these questions, one arrives at the heart of the matter regarding the history of spiritualism most quickly. What spiritualists seek is, without a doubt, first the knowledge of those worlds that lie beyond our sensory world, and second, the significance of these worlds for the goal, for the destiny of our human race.
[ 8 ] Fragen wir uns einmal: Waren nicht diese Probleme die Aufgaben der Menschheit, seitdem sie auf unserer Erde strebt und etwas will? — so müssen wir uns sagen: Ja. — Und da sie zweifellos die höchsten der Aufgaben sind, so erschiene es schon von vornherein als etwas Widersinniges, wenn in bezug auf diese Fragen in der Weltgeschichte etwas völlig Neues aufgetaucht wäre. Es scheint, wenn wir uns umsehen in der spiritistischen Bewegung, bei der alten und bei der neuen, als ob wir es mit etwas völlig Neuem zu tun hätten. Die stärksten Gegner berufen sich darauf, daß sie etwas völlig Neues in die Welt gebracht hätte, und andere Gegner sagen, daß niemals die Menschen es so nötig gehabt hätten, diese Bewegung zu bekämpfen, wie heutzutage. Es muß in bezug auf die Art und Weise, die Sache anzusehen, in der Menschheit eine Änderung eingetreten sein. Blitzartig wird uns das erleuchtet, wenn wir uns klarmachen, daß sie sich in dreifach verschiedener Weise zu den Fragen, die wir heute als spiritistisch bezeichnen, verhalten hat.
[ 8 ] Let us ask ourselves: Have these problems not been the tasks of humanity ever since it began striving and pursuing its goals on this earth? — We must answer: Yes. — And since these are undoubtedly the highest of tasks, it would seem absurd from the outset if something entirely new had emerged in world history with regard to these questions. When we look around at the spiritualist movement, both the old and the new, it seems as though we are dealing with something entirely new. Its strongest opponents claim that it has brought something entirely new into the world, and other opponents say that never before have people felt such a need to combat this movement as they do today. There must have been a change in humanity regarding the way of looking at things. This becomes clear to us in a flash when we realize that humanity has related to the issues we now call spiritualism in three distinct ways.
[ 9 ] Da haben wir die eine Art, welche im ganzen Altertum von uns gefunden werden kann, eine Art, welche erst in den christlichen Zeiten sich ändert. Dann haben wir eine zweite Art, sich zu diesen Fragen zu stellen, das ganze Mittelalter hindurch, bis in das i7. Jahrhundert herein. Erst im 17. Jahrhundert beginnt im Grunde genommen dasjenige eine bestimmte Gestalt anzunehmen, was man heute berechtigt ist, Spiritismus zu nennen.
[ 9 ] There we have one approach that can be found throughout antiquity, an approach that only changed in Christian times. Then we have a second way of approaching these questions, throughout the Middle Ages and into the 17th century. It is not until the 17th century that what we are justified in calling spiritualism today begins, in essence, to take on a definite form.
[ 10 ] Die Fragen, die der Spiritist heute beantworten will, waren das ganze Altertum hindurch Gegenstand der sogenannten Mysterien. Nur mit wenigen Strichen wollen wir versuchen uns klarzumachen, was man unter Mysterien zu verstehen hat. Es war im Altertum nicht der Brauch, die Weisheit öffentlich zu verkündigen. Man hatte eine ganz andere Ansicht über Weisheit und Wahrheit. Man glaubte das ganze Altertum hindurch, daß es nötig sei, zur Erkenntnis der übersinnlichen Wahrheiten sich übersinnliche Organe erst heranzubilden. Man war sich klar darüber, daß in jedem Menschen geistige Kräfte schlummern, welche beim Durchschnittsmenschen nicht ausgebildet sind, daß geistige Kräfte in der Menschennatur schlummern, die man durch lange Übungen, durch Entwickelungsstufen, die als sehr schwierig von den Anhängern der Mysterien beschrieben werden, erwecken und entwickeln kann. Wenn man solche Kräfte in sich entwickelt hatte und zum Wahrheitsforscher geworden war, dann war man der Ansicht, daß sich der Wahrheitsforscher zum gewöhnlichen Menschen so verhalte, wie ein Sehender zu einem Blindgeborenen sich verhält. Das war es, was man innerhalb der heiligen Mysterien auch bezweckte. Man bezweckte im geistigen Felde etwas Ähnliches, wie es heute der Arzt mit dem Blindgeborenen bezweckt, wenn er ihn operiert, um ihn sehend werden zu lassen. Man war sich klar darüber, daß, wie bei einem Blindgeborenen, der operiert wird, die Farben des Lichts und die Formen der Dinge auftauchen, bei dem, dessen innere Sinne erweckt werden, eine neue Welt auftauchen wird, die der gewöhnliche Verstand nicht wahrnehmen kann. So suchte der Anhänger der Mysterien aus einem Menschen niederer Art einen Menschen höherer Entwickelungsstufe, einen Eingeweihten zu machen. Und nur der Eingeweihte sollte in der Lage sein, über die übersinnlichen Wahrheiten durch unmittelbares Schauen, durch geistige Intuition etwas auszumachen. Der großen Masse konnten die Wahrheiten nur durch Bilder mitgeteilt werden. Die Mythen des Altertums, die Sagen über Götter und Weltentstehung, die uns heute — und zwar in gewissem Sinne mit Recht — einfach als kindliche Anschauungen der Menschheit erscheinen, sie sind nichts anderes als Verkleidungen übersinnlicher Wahrheiten. Im Bilde hat der Eingeweihte dem Volke mitgeteilt, was er innerhalb der Tempelgeheimnisse hat schauen können. Die ganzen morgenländischen Mythologien, die griechischen und römischen Mythologien, die germanische Mythologie und die Mythologien der wilden Völker sind nichts anderes als bildliche, symbolische Darstellungen übersinnlicher Wahrheiten. Das kann freilich in vollem Maße nur derjenige einsehen, der sich mit diesen Mythen nicht nur so beschäftigt, wie es in der Anthropologie oder Ethnologie üblich ist, sondern auch mit ihrem Geiste. Ein solcher sieht, daß eine Mythe wie die Herkulesmythe eine tiefe innere Wahrheit darstellt; er sieht, daß die Herbeiholung des Goldenen Vlieses durch Jason eine tiefe, in ihrer Wahrheit zu schauende Erkenntnis darstellt.
[ 10 ] The questions that Spiritists seek to answer today were the subject of the so-called Mysteries throughout antiquity. Let us try to clarify, in just a few strokes, what is meant by the term “Mysteries.” In antiquity, it was not the custom to proclaim wisdom publicly. People had a completely different view of wisdom and truth. Throughout antiquity, it was believed that in order to perceive supersensory truths, one must first develop supersensory faculties. It was clearly understood that spiritual powers lie dormant in every human being, which are not developed in the average person; that spiritual powers lie dormant in human nature, which can be awakened and developed through long exercises and stages of development described as very difficult by the followers of the mysteries. Once one had developed such powers within oneself and become a seeker of truth, it was believed that the seeker of truth related to the ordinary person in the same way that a sighted person relates to one born blind. This was the very aim of the sacred mysteries. In the spiritual realm, the aim was something similar to what a doctor aims for today with a person born blind when he operates on them to enable them to see. It was clearly understood that, just as the colors of light and the forms of things emerge for a person born blind who undergoes surgery, so too would a new world emerge for the one whose inner senses are awakened—a world that the ordinary mind cannot perceive. Thus, the follower of the Mysteries sought to transform a person of a lower nature into a person of a higher stage of development, an initiate. And only the initiate was to be able to discern the supersensible truths through direct vision, through spiritual intuition. To the great masses, the truths could only be communicated through images. The myths of antiquity, the legends about gods and the creation of the world, which today—and in a certain sense rightly so—simply appear to us as childish conceptions of humanity, are nothing other than disguises of supersensible truths. Through imagery, the initiate communicated to the people what he had been able to perceive within the temple mysteries. The entire body of Eastern mythologies, the Greek and Roman mythologies, Germanic mythology, and the mythologies of the barbarian peoples are nothing other than pictorial, symbolic representations of supersensible truths. Of course, this can be fully understood only by those who engage with these myths not merely as is customary in anthropology or ethnology, but also with their spirit. Such a person sees that a myth like the myth of Hercules represents a deep inner truth; he sees that Jason’s quest for the Golden Fleece represents a profound insight to be perceived in its truth.
[ 11 ] Dann kam mit unserer Zeitrechnung eine andere Art. Ich kann nur grob und roh die Umrisse dessen andeuten, was ich zu sagen habe. Ein gewisser Grundstock höherer, spiritueller Wahrheiten wurde festgelegt und zum Gegenstand der Religionsgemeinschaften, namentlich der christlichen, gemacht. Und dieser Grundstock spiritueller Wahrheiten wurde nun entrückt jeglicher Menschenforschung, entrückt dem unmittelbaren menschlichen Streben. Diejenigen, welche die Konzilsgeschichte von Nicäa studierten, werden wissen, was ich meine, und auch diejenigen, welche die Worte des heiligen Augustinus verstehen, der da sagt: Ich würde an die Wahrheit der göttlichen Offenbarung nicht glauben, wenn mich nicht die Autorität der Kirche dazu zwänge. — Der Glaube, der einen gewissen Grundstock der Wahrheiten festlegt, tritt an die Stelle der alten Mysterienwahrheiten, die sie im Bilde festhalten. Und nun folgt die Epoche, wo die große Masse nicht mehr in Bildern, sondern einfach durch Autorität diejenigen Wahrheiten vermittelt erhält, welche über die übersinnliche Welt Aufschluß geben sollten. Das ist die zweite Art, wie sich die große Masse und diejenigen, die sie zu führen hatten, gegenüber den höchsten Wahrheiten verhielten. Die Mysterien vermittelten sie der großen Masse durch Anschauung; durch Glauben vermittelt und festgehalten durch Autorität wurden sie im Mittelalter.
[ 11 ] Then, with the advent of our calendar, a different era began. I can only sketch out, in broad and rough strokes, the outline of what I have to say. A certain foundation of higher, spiritual truths was established and made the focus of religious communities, particularly the Christian one. And this foundation of spiritual truths was now removed from all human inquiry, removed from immediate human striving. Those who have studied the history of the Council of Nicaea will know what I mean, as will those who understand the words of St. Augustine, who says: I would not believe in the truth of divine revelation if the authority of the Church did not compel me to do so. — Faith, which establishes a certain foundation of truths, takes the place of the ancient mystery truths that captured them in images. And now follows the epoch in which the great masses no longer receive those truths that were meant to shed light on the supersensible world through images, but simply through authority. This is the second way in which the masses and those who were to lead them related to the highest truths. The mysteries were conveyed to the masses through contemplation; in the Middle Ages, they were conveyed through faith and upheld by authority.
[ 12 ] Aber neben denjenigen, welche die Aufgabe hatten, sie durch Glauben und Autorität in der großen Masse festzuhalten, gab es auch solche im 12. und 13. Jahrhundert — es gab sie zu allen Zeiten, aber sie traten nicht öffentlich auf —, welche durch unmittelbares eigenes Anschauen sich zur höchsten Wahrheit hinaufentwickeln wollten. Diese suchten sie auf denselben Wegen, auf welchen sie innerhalb der Mysterien gesucht worden waren. So finden wir im Mittelalter neben denjenigen, die bloß Priester sind, auch Mystiker, Theosophen und Okkultisten, solche, die für heutige Materialisten und Rationalisten in einer schwer verständlichen, fast unverständlichen Sprache reden. Wir finden solche, welche auf Wegen, die sich den Sinnen entziehen, zu den Geheimnissen vorgedrungen waren. Und in noch unverständlicherer Sprache sprachen diejenigen, welche als Mysterienpriester die Führung des Geistes in der Hand hielten. So hören wir von einem, daß er die Fähigkeit gehabt habe, seine Gedanken in meilenweite Entfernungen zu schicken; so rühmte sich ein anderer, daß er das ganze Meer — wenn es erlaubt wäre — in Gold verwandeln könnte. So hören wir, daß ein anderer davon spricht, ein Werkzeug, ein Fahrzeug konstruieren zu können, mit dem er sich durch die Luft zu bewegen vermöchte.
[ 12 ] But alongside those whose task it was to keep the masses bound by faith and authority, there were also those in the 12th and 13th centuries—they have existed in every age, though they did not appear in public—who sought to ascend to the highest truth through their own direct perception. They sought it along the same paths along which it had been sought within the mysteries. Thus, in the Middle Ages, alongside those who were merely priests, we also find mystics, theosophers, and occultists—those who speak in a language that is difficult, almost incomprehensible, to today’s materialists and rationalists. We find those who had penetrated to the mysteries by paths that elude the senses. And in even more incomprehensible language spoke those who, as mystery priests, held the guidance of the spirit in their hands. Thus we hear of one who claimed to have the ability to send his thoughts over distances of miles; another boasted that he could turn the entire sea—if it were permitted—into gold. We hear yet another speak of being able to construct an instrument, a vehicle, with which he could move through the air.
[ 13 ] Es gab Zeiten, in denen man nichts anzufangen wußte mit solchen Aussprüchen, da man nicht eine Ahnung davon hatte, wie sie aufzufassen waren. Außerdem blühten Vorurteile gegen eine solche Art des Forschens seit den ältesten Zeiten. Es wird uns gleich verständlich werden, woher diese Vorurteile kamen. Als in den ersten Jahrhunderten unserer Zeitrechnung die christliche Kultur sich über die Länder des Mittelmeeres verbreitete, da zeigte es sich, daß die Kulthandlungen und die Zeremonien des Christentums und auch die meisten christlichen Dogmen übereinstimmten mit uralten heidnischen Überlieferungen, und nicht so sehr verschieden waren — wenn auch in einer verdünnten Art und Weise — von dem, was sich in den alten heidnischen Mithrastempeln vollzogen hatte. Da sagten diejenigen, welche den Beruf hatten, das Ansehen der Kirche zu verteidigen: Böse Geister hätten den Heiden diese Anschauungen eingegeben; sie hätten das, was Gott der christlichen Kirche geoffenbart hat, nachgeäfft innerhalb der heidnischen Welt. — Es ist aber doch eine sonderbare Nachäfferei, welche dem Original vorangeht! Das ganze Christentum ist in den heidnischen Mysterien — wenn wir das Wort der Ankläger anwenden — nachgeäfft worden, das also, was die Kirche später gefunden hat! Es ist begreiflich, daß jeder andere Weg als derjenige, der durch den autoritativen Glauben, wie Augustinus es charakterisiert, durch das Christentum ging, als ein unrichtiger und mit der Zeit sogar als ein solcher angesehen worden ist, der nicht von guten Mächten eingegeben war; denn die guten Mächte hatte die Kirche zu vermitteln.
[ 13 ] There were times when people did not know what to make of such statements, as they had no idea how to interpret them. Moreover, prejudices against this kind of research had been widespread since ancient times. We will soon understand where these prejudices came from. When, in the first centuries of our era, Christian culture spread across the lands of the Mediterranean, it became apparent that the religious rites and ceremonies of Christianity, as well as most Christian dogmas, corresponded to ancient pagan traditions, and were not so very different—albeit in a diluted form—from what had taken place in the ancient pagan temples of Mithras. Then those whose duty it was to defend the reputation of the Church said: Evil spirits had instilled these beliefs in the pagans; they had imitated within the pagan world what God had revealed to the Christian Church. — But it is a strange imitation, one that precedes the original! The whole of Christianity has been imitated in the pagan mysteries—if we use the accusers’ own words—that is, what the Church later discovered! It is understandable that any path other than the one that passed through Christianity via authoritative faith, as Augustine characterizes it, has been regarded as incorrect and, over time, even as one not inspired by good powers; for it was the Church that was to mediate the good powers.
[ 14 ] So setzten sich diese Traditionen durch das ganze Mittelalter fort. Diejenigen, welche auf ihren eigenen Wegen, unabhängig zu den höchsten übersinnlichen Wahrheiten kommen wollten, wurden als Zauberer, als Verbündete des Bösen oder der bösen Geister angesehen. Der Markstein ist die Faust-Sage. Faust ist der Repräsentant derer, die durch eigenes Wissen zu den Geheimnissen kommen wollen, der daher den bösen Mächten verfallen sein muß. Nur in den überlieferten Schriften sollte geforscht werden, nur der Autoritätsglaube sollte zu den übersinnlichen Mächten führen. Dessenungeachtet wurden eingeweihte Geister, wenn sie auch als Zauberer verlästert und verfolgt wurden, sich doch darüber klar, daß die Zeit wiederkommen müsse, wo auf eigenen, menschlichen Wegen zur Wahrheit fortgeschritten werden muß.
[ 14 ] Thus, these traditions persisted throughout the Middle Ages. Those who sought to arrive at the highest supernatural truths on their own, independent paths were regarded as sorcerers, as allies of evil or of evil spirits. The turning point is the Faust legend. Faust is the representative of those who seek to uncover the mysteries through their own knowledge, and who must therefore fall prey to evil forces. Research should be conducted only in the traditional scriptures; only faith in authority should lead to the supernatural powers. Nevertheless, initiated minds, even though they were slandered and persecuted as sorcerers, realized that the time must come again when one must advance toward the truth through one’s own, human means.
[ 15 ] So sehen wir, daß von der Mitte des Mittelalters an in Europa geheime Gesellschaften wieder entstehen, welche ihre Mitglieder auf denselben Wegen, wie die alten Mysterien dies getan hatten, zur Entwickelung höherer intuitiver Kräfte führten. So daß innerhalb solcher geheimen Gesellschaften — ich nenne nur diejenige, welche die tiefste und bedeutsamste war, die der Rosenkreuzer, von Christian Rosenkreutz begründet — nach Mysterienart der Weg zu den höchsten Wahrheiten eingeschlagen wurde. Dieser Gang kann streng geschichtlich verfolgt werden bis ins 18. Jahrhundert hinein. Ich kann nicht im einzelnen ausführen, wie das geschehen ist; ich kann nur ein Beispiel anführen, den großen Repräsentanten der Geheimwissenschaft des 16. und 17. Jahrhunderts, Robert Fludd. Er zeigt für diejenigen, welche Einsicht in diese Gebiete haben, in allen seinen Schriften, daß er die Wege kennt, wie man zu den Wahrheiten kommt, daß er weiß, wie solche Kräfte entwickelt werden müssen, die ganz anderer Art sind als die Kräfte in uns, welche irgendeinen Lichtkörper vor sich sehen. Er zeigt, daß es geheimnisvolle Wege gibt, um zu den höchsten Wahrheiten zu kommen. Er spricht auch von der Rosenkreuzergesellschaft in einer Weise, daß für jeden Eingeweihten das Verhältnis klar ist.
[ 15 ] Thus we see that, from the middle of the Middle Ages onward, secret societies began to emerge again in Europe, guiding their members toward the development of higher intuitive powers in the same way that the ancient mysteries had done. Thus, within such secret societies—I mention only the one that was the deepest and most significant, that of the Rosicrucians, founded by Christian Rosenkreutz—the path to the highest truths was embarked upon in the manner of the mysteries. This development can be traced strictly historically well into the 18th century. I cannot go into detail about how this happened; I can only cite one example, the great representative of esoteric science in the 16th and 17th centuries, Robert Fludd. He demonstrates to those who have insight into these realms, in all his writings, that he knows the paths by which one arrives at the truths, that he knows how such powers must be developed—powers that are of a completely different nature than the powers within us that perceive some sort of light body before them. He shows that there are mysterious paths to the highest truths. He also speaks of the Rosicrucian Society in a way that makes the relationship clear to every initiate.
[ 16 ] Ich möchte nur drei Fragen Ihnen vorlegen, um Ihnen zu zeigen, wie verhüllt diese Fragen seinerzeit besprochen worden sind, von denen er sagt, daß sie jeder, der auf der untersten Stufe angekommen ist, mit Verständnis beantworten können muß. Den Rationalisten und Materialisten werden diese Fragen und auch ihre Antworten ziemlich sinnlos erscheinen. Die erste Frage, die derjenige beantworten muß, der sich in würdiger Weise zu höheren geistigen Sphären erheben will, ist: Wo wohnst du? — Und die Antwort darauf ist: Ich wohne im Tempel der Weisheit, auf dem Berge der Vernunft. — Diesen einzigen Satz wirklich zu verstehen, das innere Erlebnis davon haben, heißt bereits gewisse innere Sinne geöffnet haben.
[ 16 ] I would like to present just three questions to you to show how veiled the discussion of these questions was at the time—questions which, he says, anyone who has reached the lowest level must be able to answer with understanding. To rationalists and materialists, these questions and their answers will seem quite meaningless. The first question that must be answered by anyone who wishes to rise in a worthy manner to higher spiritual spheres is: Where do you dwell? — And the answer to that is: I dwell in the Temple of Wisdom, on the Mountain of Reason. — To truly understand this single sentence, to have the inner experience of it, already means having opened certain inner senses.
[ 17 ] Der zweite Satz war dieser: Woher kommt dir die Wahrheit? — Und die Antwort darauf ist: Sie kommt mir aus dem Produktiven —, und nun kommt ein Wort, das sich gar nicht im Deutschen übersetzen läßt: von dem Höchsten . .., gewaltigen Allgeist, der durch Salomo gesprochen hat und der mich unterrichten will in Alchimie, Magie und in der Kabbala . . . — Das war die zweite Frage.
[ 17 ] The second sentence was this: Where does the truth come from? — And the answer to that is: It comes to me from the Creative —, and now comes a word that cannot be translated into German at all: from the Highest . . ., the mighty Universal Spirit who spoke through Solomon and who wishes to instruct me in alchemy, magic, and the Kabbalah . . . — That was the second question.
[ 18 ] Und die dritte Frage ist die: Was wirst du bauen? — Und die Antwort darauf ist diese: Einen Tempel will ich bauen wie die Stiftshütte, wie Salomons Tempel, wie der Leib Christi und ... wie noch etwas ist, was man nicht ausspricht.
[ 18 ] And the third question is this: What will you build? — And the answer is this: I want to build a temple like the Tabernacle, like Solomon’s Temple, like the Body of Christ, and ... like something else that cannot be spoken of.
[ 19 ] Sie sehen — ich brauche und kann auch nicht auf diese Fragen weiter eingehen —, daß man für alle Nichteingeweihten in solchen Gesellschaften das, was man übersinnliche Wahrheiten nennt, in ein geheimnisvolles, mysteriöses Dunkel gehüllt hat, und daß der Nichteingeweihte sich erst würdig machen soll und einen moralischen und intellektuellen Höhepunkt erreicht haben muß. Wer nicht Proben davon abgelegt hatte, wer nicht die Kraft in sich hatte, im Inneren die Erlebnisse zu finden, der wurde nicht für würdig erachtet, wurde nicht zugelassen zur Einweihung. Es wurde für gefährlich erachtet, diese Wahrheiten zu kennen. Man wußte, daß die Erkenntnis verbunden ist mit einer ungeheuren Macht, mit einer Machtentwickelung, wie sie der Durchschnittsmensch gar nicht ahnt. Nur derjenige ist imstande, ohne Gefahr für die Menschheit im Besitze dieser Wahrheiten und dieser Macht zu sein, welcher jene moralische und intellektuelle Höhe erreicht hat. Sonst sagte man: Ohne daß er diese Höhe erreicht hat, nimmt er sich im Besitze dieser Wahrheiten und Macht aus wie ein Kind, das mit Streichhölzern in ein Pulvermagazin geschickt wird.
[ 19 ] You see—I cannot and do not need to go into these questions further—that for all the uninitiated in such societies, what are called supersensible truths have been shrouded in a mysterious, enigmatic darkness, and that the uninitiated must first prove themselves worthy and have reached a moral and intellectual peak. Anyone who had not passed the tests, anyone who did not have the strength within to find the experiences within, was not deemed worthy and was not admitted to initiation. It was considered dangerous to know these truths. It was known that this knowledge is connected with an immense power, with a development of power that the average person cannot even imagine. Only those who have attained that moral and intellectual height are capable of possessing these truths and this power without danger to humanity. Otherwise, it was said: Without having attained this height, one who possesses these truths and this power behaves like a child sent into a powder magazine with matches.
[ 20 ] Nun betrachtete man in diesen ganzen Zeiten auch die Aufschlüsse über Erscheinungen, wie sie überall im Volksmunde erzählt werden und wie sie seit Jahrtausenden der Volksmund erzählt hat — Erscheinungen, wie sie der heutige Spiritismus wieder bietet —, nur möglich für denjenigen, der im Besitze der höchsten übersinnlichen Wahrheiten ist. Nichts Neues, sondern etwas Uraltes sind die Dinge, welche der Spiritismus heute anerkennt. In uralten Zeiten wurde davon gesprochen, daß der Mensch in solcher Weise auf die Menschen zu wirken imstande ist, wie es sonst nicht der Fall ist: gewisse Menschen bewirken, daß klopfende Töne in ihrer Umgebung zu hören sind, daß sich Gegenstände, entgegen den Gesetzen der Schwerkraft, mit oder ohne Berührung bewegen, daß Gegenstände durch die Luft fliegen ohne Anwendung von physischer Kraft und so weiter. Seit den ältesten Zeiten war es bekannt, daß es Menschen gibt, welche in gewisse Zustände versetzt werden können, heute nennt man diese Zustände Trancezustände, in denen sie sprechen von Dingen, von denen sie im wachen Bewußtsein niemals sprechen können, daß sie auch Mitteilungen machen über andere, nicht unsere Sinnenwelt angehende Gebiete. Man wußte, daß es Menschen gibt, welche sich durch Zeichen verständigen über dasjenige, was sie in solchen übersinnlichen Welten sehen. Man wußte auch, daß es Menschen gibt, die imstande sind, meilenweit entfernte Ereignisse zu sehen und auch darüber zu berichten; Menschen, welche Ereignisse der Zukunft durch ihre prophetische Gabe voraussehen und voraussagen können. Das alles — lassen Sie es uns heute nicht in bezug auf Wahrheit prüfen — ist uralte Überlieferung. Diejenigen, welche glauben, es als Wahrheit hinnehmen zu können, betrachten es als etwas Selbstverständliches. Solche nicht physikalischen, nichtsinnlichen Erscheinungen wurden das ganze Mittelalter hindurch für wahr gehalten. Sie wurden zwar von der Kirche des Mittelalters so angesehen, als ob sie hervorgerufen wären durch böse Künste, aber das soll uns hier nicht weiter berühren. Jedenfalls wurde in der Zeit vom 17. und 18. Jahrhundert der Weg zur übersinnlichen Welt nicht auf dem Wege dieser Erscheinungen gesucht. Nicht wurde bis in jene Zeiten hinein von irgend jemand behauptet, daß ein tanzender Tisch, ein irgendwie erscheinendes Gespenst, welches mit Augen oder sonstwie in Trance gesehen wird, irgend etwas verraten könne über eine übersinnliche Welt. Auch wenn jemand erzählte, daß er von hier aus eine Feuersbrunst in Hannover sehe, so wurde es geglaubt; aber niemand sah darin etwas, was im Ernste über die übersinnliche Welt hätte Aufschluß geben können. Diejenigen, welche übersinnliche Wahrnehmungen machen wollten, suchten diese durch Entwickelung innerer Kräfte in geheimen Gesellschaften. Und bei den Einsichtigen galt es als selbstverständlich, daß auf jene Weise das Übersinnliche nicht gesucht werden kann.
[ 20 ] Throughout all these ages, people also regarded the accounts of apparitions—as they are recounted in popular tradition everywhere and as they have been recounted for millennia—as possible only for those who possess the highest supernatural truths. The things that modern spiritualism acknowledges today are not new, but ancient. In ancient times, it was said that human beings are capable of influencing others in ways that are otherwise impossible: certain people cause knocking sounds to be heard in their surroundings, cause objects to move—contrary to the laws of gravity—with or without contact, cause objects to fly through the air without the application of physical force, and so on. Since the earliest times, it has been known that there are people who can be put into certain states—today these are called trance states—in which they speak of things they could never speak of in their waking consciousness, and in which they also convey messages about realms beyond our sensory world. It was known that there are people who communicate through signs about what they see in such supernatural worlds. It was also known that there are people capable of seeing events miles away and reporting on them; people who, through their prophetic gift, can foresee and predict future events. All of this—let us not examine it today in terms of truth—is ancient tradition. Those who believe they can accept it as truth regard it as a matter of course. Such non-physical, non-sensory phenomena were held to be true throughout the entire Middle Ages. Although the medieval Church regarded them as if they were caused by black magic, that is not our concern here. In any case, during the 17th and 18th centuries, the path to the supernatural world was not sought through these phenomena. Until those times, no one claimed that a dancing table or a ghost appearing in any form—whether seen with the eyes or otherwise in a trance—could reveal anything about a supernatural world. Even if someone claimed to see a conflagration in Hanover from here, it was believed; but no one saw in it anything that could seriously have provided insight into the supernatural world. Those who wished to have supernatural perceptions sought them through the development of inner powers in secret societies. And among the discerning, it was taken for granted that the supernatural could not be sought in that way.
[ 21 ] Da kam eine andere Zeit in der Entwickelung des Abendlandes; es kam die Zeit, in der man anfing, alle Wahrheit auf dem Wege zu suchen, den wir heute den naturwissenschaftlichen nennen. Es kam die Kopernikanische Weltanschauung und die Forschungen der Physiologie; es kam die Technik, die Entdeckung des Blutkreislaufes, die Entdeckung der Eizelle und so weiter. Man erlangte Einblicke in die Natur auf dem Wege durch die Sinne. Derjenige, welcher nicht mit Vorurteilen an das Mittelalter herantritt, sondern die Weltanschauung des Mittelalters in ihrer wahren Gestalt kennenlernen will, wird sich bald überzeugen, daß dieses mittelalterliche Denken Himmel und Hölle nicht als Ortlichkeiten im Raume sich vorstellte, sondern daß sie ihm ein Geistiges waren. Keinem Menschen, der einsichtig war, fiel es im Mittelalter ein, jene Weltanschauung zu vertreten, die man heute den mittelalterlichen Gelehrten andichtet. Nicht in diesem Sinne ist der Kopernikanismus etwas Neues. Er ist neu in einem ganz anderen Sinne; in dem Sinne, daß seit dem 16. Jahrhundert das Ausschlaggebende für die Wahrheit die Sinnesanschauung wurde; dasjenige, was man sehen kann, was man mit den Sinnen wahrnehmen kann. Das Weltbild, das das Mittelalter hatte, war nicht in dem Sinne ein falsches, wie man es heute vielfach darstellt, sondern es war nur ein solches, welches nicht mit leiblichen Augen angesehen war. Die leibliche Versinnlichung war Symbol für etwas Geistiges. Auch Dante hat sich seine Hölle und seinen Himmel nicht im irdischen Sinne vorgestellt; sie waren geistig aufzufassen.
[ 21 ] Then came a new era in the development of the Western world; it was the era when people began to seek all truth through the method we now call the scientific method. The Copernican worldview and research in physiology emerged; technology emerged, along with the discovery of blood circulation, the discovery of the egg cell, and so on. Insights into nature were gained through the senses. Anyone who approaches the Middle Ages without prejudice, but seeks to understand the medieval worldview in its true form, will soon be convinced that medieval thinking did not conceive of heaven and hell as physical locations in space, but rather as spiritual realms. No discerning person in the Middle Ages would have thought to espouse the worldview that is today attributed to medieval scholars. It is not in this sense that Copernicanism is something new. It is new in a completely different sense; in the sense that since the 16th century, sensory perception has become the decisive factor for truth; that which one can see, that which one can perceive with the senses. The worldview held by the Middle Ages was not false in the sense that it is often portrayed today, but rather it was simply one that was not viewed with physical eyes. Physical sensation was a symbol for something spiritual. Dante, too, did not imagine his Hell and his Heaven in an earthly sense; they were to be understood spiritually.
[ 22 ] Mit diesem Gesichtspunkte wurde gebrochen. Das findet der wirkliche Psychologe der Menschheitsentwickelung heraus. Das Sinnliche wurde emporgehoben, und nun eroberte die Sinnlichkeit Stück um Stück die Welt. Der Mensch aber gewöhnte sich daran, ohne daß er es bemerkte. Nur der forschende, hinter der Entwickelung her eilende Psychologe ist imstande, sich ein Bild davon zu machen. Der Mensch gewöhnt sich an solche Veränderungen. Mit seinem Empfinden, mit seinen Sinnen schaut man alles an, und nur das Sinnliche läßt man nun als das Wahre gelten. Ohne daß man es wußte, wurde es ein Grundsatz der Menschennatur, nur dasjenige gelten zu lassen, was man auf irgendeine Weise sehen, wovon man sich überzeugen kann durch den sinnlichen Augenschein. Nichts hielt man von solchen Kreisen, die von einer Einweihung sprachen und zu übersinnlichen Wahrheiten führen auf geheimen Wegen; sinnlich mußte alles demonstriert werden.
[ 22 ] This perspective was abandoned. This is what the true psychologist of human development discovers. The sensory realm was elevated, and sensuality gradually took over the world. But people grew accustomed to it without even noticing. Only the inquiring psychologist, rushing to keep up with this development, is able to form a picture of it. People grow accustomed to such changes. They view everything through their feelings and senses, and now only the sensory is accepted as the truth. Without anyone realizing it, it became a principle of human nature to accept only that which one can see in some way, that which one can verify through sensory perception. No one thought much of those circles that spoke of initiation and led to supersensory truths by secret paths; everything had to be demonstrated through the senses.
[ 23 ] Wie wurde es nun mit der übersinnlichen Anschauung der Welt? Wie konnte man in der Welt, in der man die Wahrheit nur in den Sinnenwirkungen suchen wollte, das Übersinnliche finden? Da waren es einzelne Erscheinungen, die für die bis dahin bekannten Naturkräfte nicht erklärbar waren, seltene, sogenannte abnorme Erscheinungen; Erscheinungen, die der Physiker, der Naturforscher nicht erklären konnte, und die man da, wo man nur das sinnlich Erklärbare gelten lassen wollte, einfach ableugnete. Da waren es jene Erscheinungen, die durch Jahrtausende überliefert worden sind, zu denen sich der Mensch nun flüchtete: jetzt suchte man sie auf. Gegenüber dem Drang, der sich nur an den äußeren Sinnenschein hält, nahm der Drang zum Übersinnlichen seine Zuflucht zu solchen Erscheinungen. Das, was für die wissenschaftliche Kritik nicht erklärbar war, das wollte man wissen; man wollte wissen, wie es sich damit verhält. Als man anfing, in diesen Dingen Zeugnisse einer anderen Welt zu suchen, da hatte die Geburtsstunde des modernen Spiritismus geschlagen. Wir können die Geburtsstunde angeben und den Ort, wo sie geschah. Es war im Jahre 1716, da erschien von einem Mitgliede der Royal Society ein Buch, eine Beschreibung der westlichen Inseln von Schottland. Darin war alles gesammelt, was über das «zweite Gesicht» zu erfahren war. Das ist also das, was man nicht mit den gewöhnlichen Augen wahrnehmen kann, sondern was man nur durch übersinnliche Forschung erfahren konnte. Hier haben Sie den Vorläufer alles dessen, was später von sogenannter wissenschaftlicher Seite zur Erforschung der spiritistischen Phänomene getan worden ist.
[ 23 ] What, then, became of the supersensory view of the world? How could one find the supersensory in a world where people sought truth solely in sensory experiences? There were individual phenomena that could not be explained by the forces of nature known up to that point—rare, so-called abnormal phenomena; phenomena that the physicist and the natural scientist could not explain, and which were simply denied in a world where only what could be explained through the senses was accepted. It was these phenomena, handed down through millennia, to which people now turned: they now sought them out. In contrast to the impulse that clings only to outward sensory appearances, the impulse toward the supersensible took refuge in such phenomena. What could not be explained by scientific criticism, people wanted to know; they wanted to know what the matter was. When people began to seek in these things evidence of another world, the hour of modern spiritualism’s birth had struck. We can specify the hour of its birth and the place where it occurred. It was in the year 1716 that a book appeared by a member of the Royal Society, a description of the western islands of Scotland. It contained everything there was to know about “clairvoyance.” This, then, is what cannot be perceived with the ordinary eyes, but could only be known through supersensory research. Here you have the precursor to everything that was later undertaken from the so-called scientific side to investigate spiritualist phenomena.
[ 24 ] Und nun stehen wir auch bereits an der Eingangspforte der ganzen Spiritismusbewegung der neueren Zeit. Diejenige Persönlichkeit, von der die ganze spiritistische Bewegung ausgegangen ist, ist eine der merkwürdigsten der Welt: Swedenborg. Das ganze 18. Jahrhundert stand unter seinem Einfluß. Selbst Kant setzte sich mit ihm auseinander. So geartet, wie Swedenborg war, mußte diejenige Persönlichkeit sein, welche die moderne spiritistische Bewegung ins Leben rufen konnte. Er ist 1688 geboren und 1772 gestorben. In der ersten Hälfte seines Lebens war er ein Naturforscher, der an der Spitze der Naturwissenschaft seiner Zeit stand. Er umfaßte sie. Niemand hat ein Recht, Swedenborg anzugreifen als einen Ungelehrten. Wir wissen, daß er nicht nur ein vollgültiger Fachmann seiner Zeit war, sondern auch viele naturwissenschaftliche Wahrheiten vorausgenommen hat, welche man auf den Universitäten erst später entdeckte. So stand er in der ersten Hälfte seines Lebens nicht nur vollkommen auf dem naturwissenschaftlichen Standpunkte, der alles durch den Sinnenschein und durch mathematische Berechnungen erforschen wollte, sondern er eilte auch in dieser Beziehung seiner Zeit weit voraus. Dann wandte er sich ganz dem zu, was man die sogenannte Geisterseherei nennt. Dasjenige, was Swedenborg, nennen Sie ihn Seher oder Visionär, da erlebte, war eine ganz bestimmte Gruppe von Erscheinungen. Und derjenige, der auf diesem Gebiete nur einigermaßen eingeweiht ist, weiß, daß Swedenborg nur diese Gruppe von Erscheinungen erleben konnte.
[ 24 ] And now we have already reached the threshold of the entire modern spiritualist movement. The figure from whom the entire spiritualist movement originated is one of the most remarkable in the world: Swedenborg. The entire 18th century stood under his influence. Even Kant engaged with his ideas. Given Swedenborg’s character, it was inevitable that he would be the figure capable of giving birth to the modern spiritualist movement. He was born in 1688 and died in 1772. In the first half of his life, he was a natural scientist who stood at the forefront of the natural sciences of his time. He encompassed them. No one has the right to attack Swedenborg as an uneducated man. We know that he was not only a fully qualified expert of his time, but also anticipated many scientific truths that were only discovered later at the universities. Thus, in the first half of his life, he not only stood firmly on the scientific standpoint that sought to explore everything through sensory perception and mathematical calculations, but he also far outpaced his time in this regard. Then he turned entirely to what is called spirit-seeing. What Swedenborg—call him a seer or a visionary—experienced there was a very specific group of phenomena. And anyone who is even somewhat initiated in this field knows that Swedenborg could experience only this group of phenomena.
[ 25 ] Nur ein paar Beispiele seien hier angeführt. Swedenborg sah von einem Orte, der sechzig Meilen von Stockholm entfernt war, eine Feuersbrunst. Er teilte dies gleich der Gesellschaft mit, in der er sich befand, und einige Zeit nachher hörte man, daß sich der Brand so abgespielt hat, wie Swedenborg es erzählt hatte. Ein anderes Beispiel. Eine hochgestellte Persönlichkeit fragte nach einem Geheimnisse, welches ein Bruder vor dem Tode nicht ganz mitteilte, weil er vorher starb. Die Persönlichkeit wandte sich an Swedenborg mit dem Ansinnen, ob er ihn nicht auffinden und fragen könne, was er habe sagen wollen. Swedenborg entledigte sich des Auftrages so, daß die betreffende Persönlichkeit keinen Zweifel haben konnte, daß Swedenborg in dieses Geheimnis eingedrungen war.
[ 25 ] Let us cite just a few examples here. Swedenborg saw a conflagration from a place sixty miles away from Stockholm. He immediately shared this with the company he was in, and some time later it was heard that the fire had unfolded exactly as Swedenborg had described it. Another example. A high-ranking official inquired about a secret that a brother had not fully revealed before his death, as he had died before doing so. The official approached Swedenborg with the request that he find the brother and ask him what he had intended to say. Swedenborg carried out the task in such a way that the official could have no doubt that Swedenborg had penetrated this secret.
[ 26 ] Noch ein drittes Beispiel, um zu zeigen, wie Swedenborg sich in der übersinnlichen Welt bewegte. Ein Gelehrter und Freund besuchte Swedenborg. Der Diener sagte zu ihm: Sie müssen aber etwas warten. Der Gelehrte setzte sich nieder und hörte im Nebengemach ein Gespräch. Er hörte aber immer nur Swedenborg sprechen; antworten hörte er nicht. Noch auffälliger wird ihm die Sache, als er in einem wunderbaren klassischen Latein das Gespräch sich entwickeln hörte, und besonders, als er ihn in intimer Weise über Zustände des Kaisers Augustus sich unterhalten hörte. Dann ging Swedenborg zur Tür, machte einen Bückling und sprach mit einem, von dem der Freund gar nichts sah. Er kam dann zurück und sagte zu dem Freund: Entschuldigen Sie, daß ich Sie habe warten lassen. Ich hatte hohen Besuch — Virgil war bei mir.
[ 26 ] Here is a third example to illustrate how Swedenborg moved in the supernatural world. A scholar and friend visited Swedenborg. The servant said to him, “You’ll have to wait a moment.” The scholar sat down and heard a conversation coming from the next room. But he heard only Swedenborg speaking; he heard no replies. The matter became even more striking to him when he heard the conversation unfolding in exquisite classical Latin, and especially when he heard them conversing intimately about the circumstances of Emperor Augustus. Then Swedenborg went to the door, bowed, and spoke with someone whom the friend could not see at all. He then returned and said to the friend: “Please excuse me for keeping you waiting. I had a distinguished visitor—Virgil was with me.”
[ 27 ] Die Leute mögen über solche Dinge denken, wie sie wollen. Eines steht aber fest: Swedenborg hat an sie geglaubt, hielt sie für Realität. Ich sagte: nur eine Persönlichkeit wie Swedenborg konnte auf eine solche Art der Forschung kommen. Gerade der Umstand, daß er in der Naturwissenschaft seiner Zeit gefestigt war, hat ihn zu dieser Anschauung der übersinnlichen Natur geführt. Er war ein Mann, der in der Zeit der aufleuchtenden Naturwissenschaft sich daran gewöhnt hatte, nur das Sinnliche, das Schaubare gelten zu lassen, das weiß jeder, der ihn kennt; die Gründe dafür werden klar werden in dem Vortrage, den ich das nächste Mal hier halten werde über das Thema: «Hypnotismus und Somnambulismus» — und so war er auch darauf angewiesen als ein solcher, der das Geistige in der Welt sieht. Wie er darauf bestanden hat, das nur als richtig anzuerkennen, was er errechnen und mit Sinnen wahrnehmen konnte, so wurde auch das Übersinnliche von ihm in die Gestalt gebracht, die es für ihn haben mußte; es wurde die übersinnliche Welt unter dem Einflusse der Denkgewohnheiten der Naturwissenschaft in eine tiefere Sphäre hinuntergezogen. Dafür, daß sie in einer solchen Weise an uns herantritt, ähnlich den Anschauungen der Sinnenwelt, habe ich die Gründe angeführt. Wir werden das nächste Mal hören, wie solches zustande kommt. Die Vorbedingungen dazu aber sind gegeben durch die eigene geistige Entwickelung der an das Sinnlich-Schaubare gewohnten Menschen.
[ 27 ] People may think what they will about such things. But one thing is certain: Swedenborg believed in them and considered them to be real. I said: only a figure like Swedenborg could have arrived at this kind of research. It was precisely the fact that he was well-grounded in the natural sciences of his time that led him to this view of the supernatural. He was a man who, in an era when the natural sciences were flourishing, had become accustomed to accepting only the sensory and the visible—everyone who knows him is aware of this; the reasons for this will become clear in the lecture I will give here next time on the topic: “Hypnotism and Somnambulism”—and so he was also compelled to do so as one who sees the spiritual in the world. Just as he insisted on recognizing as true only what he could calculate and perceive with his senses, so too did he shape the supersensible into the form it had to take for him; under the influence of the habits of thought of natural science, the supersensible world was drawn down into a deeper sphere. I have cited the reasons why it approaches us in this way, similar to the perceptions of the sensory world. Next time we will hear how this comes about. The prerequisites for this, however, are provided by the spiritual development of human beings accustomed to the sensory-visible world.
[ 28 ] Nicht will ich jetzt sprechen über die Bedeutung und den Wahrheitskern dessen, was Swedenborg gesehen hat, sondern davon, daß man, sobald man in dieses Gebiet tritt, das den Swedenborgschen Anschauungen zugrunde liegt, in diesem Gebiete dasjenige sieht, wozu man selbst veranlagt ist; man sieht dasjenige, was man in sich selbst ausgebildet hat. Ein Beweis dafür kann ein einfaches Beispiel sein.
[ 28 ] I do not wish to speak now about the significance and the kernel of truth in what Swedenborg saw, but rather about the fact that, as soon as one enters this realm that underlies Swedenborg’s views, one sees in that realm what one is oneself predisposed to; one sees what one has developed within oneself. A simple example can serve as proof of this.
[ 29 ] Als sich die spiritistische Woge in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts verbreitete, machte man auch in Bayern Versuche, Es stellte sich da heraus, daß bei Versuchen, bei denen auch Gelehrte anwesend waren und die an verschiedenen Orten stattfanden, ganz verschiedene geistige Kundgebungen stattgefunden haben. Bei einer solchen Veranstaltung fragte man, ob die menschliche Seele auf dem Wege der Vererbung von den Eltern erhalten wird, so daß auch die Seele sich vererbt, oder ob sie bei jedem Menschen neu geschaffen werde. In dieser spiritistischen Gesellschaft wurde geantwortet: Die Seelen werden neu geschaffen. Fast zu derselben Zeit wurde in einer anderen Gesellschaft dieselbe Frage gestellt. Die Antwort war diese: Die Seele wird nicht geschaffen, sondern vererbt sich von den Eltern auf die Kinder. — Man fand, daß bei der einen Gesellschaft Anhänger der sogenannten Kreationstheorie waren, und bei der anderen Gesellschaft waren einige Gelehrte gegenwärtig, welche Anhänger der anderen Theorie waren. In ihrem Sinne, im Sinne der Gedanken, die in ihnen lebten, wurden die Antworten gegeben. Mögen die Tatsachen welche auch immer sein, mögen die Gründe dieser Tatsachen welche auch immer sein, es hat sich gezeigt, daß, was der Mensch als Offenbarung erhält, dem entspricht, wie er diese Dinge ansieht. Ob es ihm nun bloß als intellektuelle Manifestation oder als Vision vor Augen tritt, das ist gleich; was der Mensch sieht, das ist begründet in seinen eigenen Anlagen.
[ 29 ] As the spiritualist movement spread in the second half of the 19th century, experiments were also conducted in Bavaria. It turned out that during these experiments—which took place in various locations and were attended by scholars—a wide variety of spiritual manifestations occurred. At one such event, the question was asked whether the human soul is received from the parents through heredity, so that the soul is also inherited, or whether it is created anew in every human being. In this spiritualist society, the answer was: Souls are created anew. Almost at the same time, the same question was asked in another society. The answer was this: The soul is not created, but is inherited from parents to children. — It was found that in one society there were adherents of the so-called creation theory, and in the other society there were some scholars present who were adherents of the other theory. The answers were given in accordance with their own views, in accordance with the ideas that lived within them. Whatever the facts may be, whatever the reasons for these facts may be, it has been shown that what a person receives as revelation corresponds to how they view these things. Whether it appears to them merely as an intellectual manifestation or as a vision is irrelevant; what a person sees is rooted in their own dispositions.
[ 30 ] So kam es dann, daß dieses Suchen nach sinnlich-übersinnlichen Beweisen gerade ein Kind der Naturwissenschaft der materialistischen Zeit wurde. Und tatsächlich wurde auch der Grundsatz aufgestellt, daß die übersinnliche Welt so zu suchen sei, wie man auch die sinnliche sucht. Ebenso wie man sich im Laboratorium von der Wirklichkeit magnetischer Kräfte oder der Lichtkräfte überzeugt, so wollte man sich durch den Sinnenschein, durch das, was vor den Augen sich abspielt, von der übersinnlichen Welt überzeugen. Die Menschen hatten verlernt, das Geistige auf rein geistige Art zu schauen. Sie hatten verlernt, den Glauben an übersinnliche Kräfte zu entwickeln und dasjenige erkennen zu lernen, was weder sinnlich noch analog dem Sinnlichen ist, sondern was nur durch geistige Intuition erfaßt werden kann. Sie hatten die Gewohnheit angenommen, alles sich auf dem sinnlichen Wege vermitteln zu lassen, und so wollten sie sich auch diese Dinge auf dem sinnlichen Wege vermitteln lassen. Die Forschung bewegte sich auf diesem Wege. So sehen wir, wie die Swedenborgsche Richtung sich fortsetzt. Nichts Neues bietet das, was sich uns zeigt; der Spiritismus bietet nichts Neues! Wir werden dieses später überblicken und dann auch besser durchschauen.
[ 30 ] Thus it came to pass that this search for sensory and supersensory evidence became a product of the natural sciences of the materialistic era. And indeed, the principle was established that the supersensory world should be sought in the same way that the sensory world is sought. Just as one convinces oneself in the laboratory of the reality of magnetic forces or the forces of light, so one sought to convince oneself of the supersensible world through sensory appearances, through what unfolds before the eyes. People had forgotten how to view the spiritual in a purely spiritual way. They had forgotten how to develop faith in supersensible forces and to learn to recognize that which is neither sensory nor analogous to the sensory, but which can only be grasped through spiritual intuition. They had adopted the habit of having everything conveyed to them through the sensory path, and so they also wanted to have these things conveyed to them through the sensory path. Research was moving in this direction. Thus we see how the Swedenborgian tradition continues. What is presented to us offers nothing new; spiritualism offers nothing new! We will survey this later and then understand it more clearly.
[ 31 ] Alle Erscheinungen, die der Spiritismus kennt, wurden in dieser Art erklärt. Wir sehen da den Süddeutschen Oetinger, der die Theorie aufstellte, daß es einen übersinnlichen Stoff gibt, der als physische Erscheinung gesehen werden kann. Nur, sagt er, hat die übersinnliche Materie nicht die groben Eigenschaften der physischen Materie, nicht den undurchdringlichen Widerstand und die grobe Vermischung. Hier haben wir den Stoff, aus dem die Materialisationen genommen werden.
[ 31 ] All phenomena known to spiritualism have been explained in this way. Here we see the South German Oetinger, who proposed the theory that there is a supersensible substance that can be seen as a physical phenomenon. However, he says, supersensible matter does not possess the coarse properties of physical matter, nor does it have the impenetrable resistance and coarse mixture. Here we have the substance from which materializations are taken.
[ 32 ] Dann haben wir noch einen, Dr. Johann Heinrich Jung genannt Stilling, der einen ausführlichen Bericht über Geister und Geistererscheinungen herausgegeben und alle diese Dinge darin beschrieben hat. Er hat da versucht, alles so zu begreifen, daß er als gläubiger Christ den Erscheinungen gerecht wurde. Weil er veranlagt war, christgläubig zu sein, so schien ihm die ganze Welt nichts anderes zu offenbaren als die Wahrheiten der christlichen Lehre. Und weil zu gleicher Zeit die Naturwissenschaft ihre Rechte geltend gemacht hat, so sehen wir bei seiner Darstellung eine Vermischung des rein christlichen Standpunktes mit dem Standpunkte der Naturwissenschaft. Auf dem Wege, den wir den okkulten nennen, werden die Phänomene durch das Hereinragen einer geistigen Welt in unsere Welt erklärt.
[ 32 ] Then there is another, Dr. Johann Heinrich Jung, known as Stilling, who published a detailed account of spirits and spiritual phenomena and described all these things in it. He attempted to understand everything in such a way that, as a devout Christian, he could do justice to the apparitions. Because he was predisposed to be a Christian believer, the whole world seemed to him to reveal nothing other than the truths of Christian doctrine. And because, at the same time, the natural sciences were asserting their claims, we see in his account a blending of the purely Christian standpoint with that of the natural sciences. On the path we call the occult, the phenomena are explained by the intrusion of a spiritual world into our own.
[ 33 ] Sie sehen alle diese Erscheinungen verzeichnet in den Werken derjenigen, welche über Spiritismus, Dämonologie, Magie und so weiter geschrieben haben, in welchen Sie auch manches finden können, was über den Spiritismus hinausgeht, wie bei Ennemoser zum Beispiel. Wir sehen sogar sorgsam verzeichnet, wie ein Mensch sich in die Lage versetzen kann, die Gedanken anderer, die in fernen Zimmern stehen, wahrzunehmen. Solche Anweisungen finden Sie bei Ennemoser, auch bei anderen. Schon im 1i9. Jahrhundert finden Sie bei einem gewissen Meyer, der ein Buch geschrieben hat vom Standpunkte des Spiritismus über den Hades als einer Offenbarung spiritistischer Manipulationen, die sogenannte Reinkarnationslehre oder Wiederverkörperungslehre vertreten. Sie finden da eine Theorie, zu der uns die Theosophie wieder geführt hat, und die uns zeigt, daß die alten Märchen der für das Volk zubereitete Ausdruck für höhere Wahrheiten sind. Meyer ist dazu durch sinnliche Schaustellungen gekommen.
[ 33 ] You will find all these phenomena documented in the works of those who have written about spiritualism, demonology, magic, and so on; in these works, you may also find material that goes beyond spiritualism, as in the case of Ennemoser, for example. We even see carefully documented how a person can put themselves in a position to perceive the thoughts of others who are in distant rooms. You will find such instructions in Ennemoser, as well as in others. As early as the 19th century, you will find a certain Meyer, who wrote a book from the perspective of spiritualism regarding Hades as a revelation of spiritualistic manipulations, advocating the so-called doctrine of reincarnation or the doctrine of re-embodiment. There you will find a theory to which theosophy has led us back, and which shows us that the old fairy tales are the expression of higher truths prepared for the people. Meyer arrived at this through sensory manifestations.
[ 34 ] Bei Justinus Kerner, bedeutend durch das moralische Gewicht des Verfassers, finden wir alle Erscheinungen, die der Spiritismus kennt. Da finden wir zum Beispiel, daß in der Nähe der Seherin von Prevorst Dinge — Löffel und so weiter — von ihr abgestoßen werden; es wird da auch erzählt, wie diese Seherin mit Wesenheiten anderer Welten verkehrt. Justinus Kerner verzeichnet alle Mitteilungen, die ihm von ihr gemacht werden. Sie teilt ihm selbst mit, daß sie Wesen von anderen Welten sehe, die zwar durch sie durchgehen, aber die sie doch wahrnehmen kann, und daß sie sogar solche mit anderen Leuten hereingekommene Wesen sehen kann. Von solchen Dingen mögen manche sagen: Kerner hat phantasiert und sich vieles von seiner Seherin vormachen lassen. Nur das eine aber möchte ich sagen: Sie alle kennen David Friedrich Strauß, der mit Justinus Kerner befreundet war. Der wußte, wie es mit der Seherin von Prevorst steht. Sie wissen auch, daß das, was er geleistet hat, in einer Richtung geht, die der spiritistischen Strömung entgegenläuft. Er sagt, daß die Tatsachen, die die Seherin von Prevorst mitteilt, als Tatsachen wahr sind — darüber kann bei denen, die etwas davon wissen, nicht diskutiert werden —, er betrachtete die Sachen über allen Zweifel erhaben.
[ 34 ] In Justinus Kerner’s work, which carries significant moral weight due to the author’s reputation, we find all the phenomena associated with spiritualism. For example, we find that objects—spoons and the like—are repelled by the medium of Prevorst; it is also recounted there how this seer communicates with beings from other worlds. Justinus Kerner records all the messages she conveys to him. She herself tells him that she sees beings from other worlds who, although they pass right through her, she can nevertheless perceive, and that she can even see such beings who have entered with other people. Some might say of such things: Kerner was fantasizing and allowed his seer to lead him on. But I would like to say just one thing: You all know David Friedrich Strauss, who was a friend of Justinus Kerner. He knew the truth about the seer of Prevorst. You also know that his work runs counter to the spiritualist movement. He says that the facts communicated by the Seeress of Prevorst are true as facts—this is not open to debate among those who know anything about it—and he regarded these matters as beyond all doubt.
[ 35 ] Wenn nun auch eine größere Anzahl von Menschen vorhanden war, die sich noch ein wenig für solche Sachen interessierte, so nahm doch das Interesse immer mehr ab. Das ging von dem Einfluß des Standpunktes aus, den die Wissenschaft einnahm. Sie lehnte es ab, solche Erscheinungen als wahre Aussagen anzusehen in der Zeit der vierziger Jahre, wo das Gesetz von der Erhaltung der Kraft entdeckt wurde und damit die Grundlage für unsere Physik gelegt worden ist, wo die Zellenlehre gefunden wurde, wo der Darwinismus sich vorbereitet hat. Was in dieser Zeit heraufkam, konnte den Pneumatologen nicht günstig sein. Sie wurden daher streng zurückgewiesen. So verlernte man alles, was diese zu sagen hatten.
[ 35 ] Even though there was still a significant number of people who retained some interest in such matters, that interest continued to wane. This stemmed from the influence of the stance taken by science. It refused to regard such phenomena as true statements during the 1840s, when the law of conservation of energy was discovered and thus the foundation for our physics was laid, when cell theory was established, and when Darwinism was taking shape. What emerged during this period could not be favorable to the pneumatologists. They were therefore strictly rejected. Thus, everything they had to say was forgotten.
[ 36 ] Da kam ein Ereignis, welches für den Spiritismus Sieg bedeutete. Das Ereignis geschah nicht in Europa, sondern in dem Lande, wo der Materialismus in jener Zeit die größten Triumphe feierte, wo man sich im Geiste daran gewöhnt hatte, nur das als wahr anzusehen, was Hände greifen können. Das geschah in Amerika, in dem Lande, wo sich die von mir angedeutete materialistische Denkgewohnheit im großen ausgebildet hatte. Es ging aus von den Erscheinungen, die im gröbsten Sinne zu denen gehören, die man zwar abnorm, aber doch sinnlich nennen muß. Die bekannten Klopftöne, die Erscheinungen des Tischrückens und der dabei auftretenden Klopftöne, die Hörbarkeit von gewissen Stimmen, welche durch die Luft ertönten, begleitet von intelligenten Kundgebungen, für die kein sinnlicher Grund da war — sie waren es, welche in Amerika, in dem Lande, wo man viel auf den äußeren Schein hält, in so handgreiflicher Weise auf das Übersinnliche hindeuteten. Wie im Sturm eroberte sich die Anschauung Anerkennung, daß es eine übersinnliche Welt gibt, daß Wesenheiten, die nicht zu unserer Welt gehören, sich manifestieren, sich offenbaren können in unserer Sinnenwelt. Wie ein Sturm ging das durch die Welt.
[ 36 ] Then an event occurred that marked a victory for spiritualism. The event did not take place in Europe, but in the country where materialism was celebrating its greatest triumphs at that time, where people had become mentally accustomed to regarding as true only that which their hands could grasp. This took place in America, the land where the materialistic mindset I have alluded to had become deeply ingrained. It stemmed from phenomena that, in the crudest sense, belong to those that must be called abnormal, yet still sensory. The well-known knocking sounds, the phenomena of tables moving and the accompanying knocking sounds, the audibility of certain voices that resounded through the air, accompanied by intelligent utterances for which there was no sensory basis—it was these that, in America, the country where great importance is attached to outward appearances, pointed so tangibly toward the supersensible. Like a storm, the view gained acceptance that there is a supernatural world, that beings who do not belong to our world can manifest themselves, can reveal themselves in our sensory world. It swept through the world like a storm.
[ 37 ] Ein Mann, Andrew Jackson Davis, der sich mit diesen Erscheinungen befaßte, wurde aufgerufen, diese Dinge zu erklären. Er war, in ähnlicher Weise wie Swedenborg, ein Seher, nur hatte.er nicht die Tiefe Swedenborgs. Er war ein als Farmerknabe herangewachsener ungelehrter Amerikaner und Swedenborg ein gelehrter Schwede. Er hat im Jahre 1848 ein Werk geschrieben: «Die Philosophie des geistigen Verkehrs.» In diesem Werke hat er eine Schrift gegeben, welche aus den modernsten Bedürfnissen hervorgegangen ist, die innerhalb des modernen Kampfes entstanden waren, in dem man nur das Sinnliche gelten lassen wollte, in dem jeder seinen persönlichen Egoismus ins Feld führen wollte, in dem jeder so viel sich erraffen, so glücklich werden wollte, als er nur konnte. In dieser Welt konnte man, nach den Denkgewohnheiten, die nur an das Materielle geheftet waren, keinen Sinn mehr haben für einen Glauben, der aus der Sinnenwelt hinausführt. Man wollte sehen und man wollte einen solchen Glauben haben, welcher die Bedürfnisse und Begierden der modernen Menschheit befriedigt. Vor allen Dingen sagt Davis klipp und klar, daß moderne Menschen es nicht glauben können, daß eine Anzahl von Menschen selig, eine andere Anzahl verdammt werde. Das war es, was die Modernen nicht vertragen konnten; da mußte eine Entwickelungsidee eingreifen. Und da ließ sich Davis eine Wahrheit mitteilen, die ein treues Abbild der sinnlichen Welt darstellt. Durch ein Beispiel sei sie charakterisiert.
[ 37 ] A man named Andrew Jackson Davis, who studied these phenomena, was called upon to explain them. He was, much like Swedenborg, a seer, though he lacked Swedenborg’s depth. He was an uneducated American who had grown up as a farm boy, whereas Swedenborg was a learned Swede. In 1848, he wrote a work titled *The Philosophy of Spiritual Communication*. In this work, he presented a text that emerged from the most contemporary needs, which had arisen within the modern struggle in which only the sensory was to be accepted, in which everyone sought to assert their personal egoism, in which everyone wanted to seize as much as possible and become as happy as they could. In this world, according to ways of thinking that were fixated solely on the material, one could no longer have any sense of a faith that leads beyond the sensory world. People wanted to see, and they wanted a faith that satisfied the needs and desires of modern humanity. Above all, Davis states plainly that modern people cannot believe that one group of people will be saved while another will be damned. That was what modern people could not tolerate; an evolutionary idea had to intervene. And so Davis was given a truth that represents a faithful reflection of the sensory world. Let it be characterized by an example.
[ 38 ] Als Davis’ erste Frau gestorben war, da hatte er den Gedanken, eine zweite Frau zu heiraten. Er hatte dagegen Bedenken, aber eine übersinnliche Kundgebung bewirkte, daß er sich die Erlaubnis dazu gab. In dieser Kundgebung sagte ihm nämlich seine erste Frau, daß sie sich im Sonnenlande wieder verheiratet hätte; so hielt er sich für berechtigt dazu, hier auch eine zweite Heirat einzugehen. Im Beginn des ersten Teiles seines Buches teilt er uns mit, daß er als Farmerknabe christlich erzogen war, aber bald dazu kam, einzusehen, daß der christliche Glaube keine Überzeugung liefern könne, denn der moderne Mensch müsse einsehen das Was und Warum, und wohin der Weg führt. Ich wurde — so erzählt er — von meinen Eltern auf das Feld hinausgeschickt. Da kam eine Schlange. Ich ging mit der Heugabel auf sie los. Aber der Zinken brach ab. Ich nahm den Zinken und betete. Ich war überzeugt, daß das Gebet helfen müsse. Aber siehe [der weitere Text fehlt in der Nachschrift]. Wie kann ich an einen Gott glauben, der mich solches erleben läßt? — sagte er sich. Und da wurde er ein Ungläubiger. Durch spiritistische Sitzungen, die er mitmachte, wurde er dann zur Trance fähig und wurde einer der fruchtbarsten spiritistischen Schriftsteller. Er betont dabei, daß es in jener Welt ungefähr so aussehe wie in der Sinnenwelt. Es wäre ein Unglaube, daß ein guter Vater sich nicht um seine Kinder bekümmere, da doch der Vater zu diesem Zwecke weite Reisen mache und so weiter.
[ 38 ] When Davis’s first wife had died, he considered marrying a second wife. He had reservations about it, but a supernatural revelation led him to grant himself permission to do so. In this message, his first wife told him that she had remarried in the Land of the Sun; thus, he considered himself justified in entering into a second marriage here as well. At the beginning of the first part of his book, he tells us that as a farm boy he was raised as a Christian, but soon came to realize that the Christian faith could not provide conviction, for modern man must understand the what and why, and where the path leads. I was—so he recounts—sent out into the field by my parents. Then a snake appeared. I went at it with the pitchfork. But the tine broke off. I took the tine and prayed. I was convinced that prayer had to help. But behold [the rest of the text is missing in the postscript]. How can I believe in a God who lets me experience such a thing?—he said to himself. And so he became an unbeliever. Through spiritualist séances he attended, he then became capable of entering a trance and became one of the most prolific spiritualist writers. He emphasizes that the world beyond looks roughly the same as the physical world. It would be blasphemous to believe that a good father does not care for his children, since the father travels great distances for this purpose and so on.
[ 39 ] Sie sehen, die irdische Welt wird auf die andere Welt übertragen. Deshalb verbreitete sich diese Denkweise wie ein Lauffeuer durch die ganze Welt. In kurzer Zeit konnte man die Anhänger des Spiritismus nach Millionen zählen. Schon im Jahre 1850 konnte man in Boston Tausende von Medien finden, und man konnte auch in kurzer Zeit ein Kapital von i 200000 Mark aufbringen, um einen spiritistischen Tempel zu gründen. Daß solches eine große kulturhistorische Bedeutung hat, werden Sie nicht in Abrede stellen. Bei der modernen Denkweise hatte diese Bewegung aber nur Aussicht auf Erfolg, wenn sich die Wissenschaft ihrer bemächtigte, das heißt, wenn die Wissenschaft daran glaubte.
[ 39 ] As you can see, the earthly world is being transposed onto the other world. That is why this way of thinking spread like wildfire throughout the world. In a short time, the followers of spiritualism numbered in the millions. As early as 1850, thousands of mediums could be found in Boston, and within a short time, a capital of 200,000 marks was raised to establish a spiritualist temple. You will not dispute that this has great cultural and historical significance. However, given modern ways of thinking, this movement had no prospect of success unless science took it up—that is, unless science believed in it.
[ 40 ] Würde ich einen Vortrag über Theosophie halten, so könnte ich ausführlich davon sprechen, daß noch ganz andere Mächte hinter der Inszenierung der spiritistischen Erscheinungen stehen. Hinter den Kulissen wirken tiefe okkulte Mächte. Aber das kann heute nicht meine Aufgabe sein. Ein anderes Mal werde ich davon sprechen, wer eigentlich der wahre Inszenator dieser Erscheinungen ist. Aber das ist sicher: Wenn dieser okkulte Inszenator voraussetzen wollte, daß diese Erscheinungen die materialistisch denkende Menschheit von dem Dasein einer übersinnlichen Welt gründlich überzeugten, wenn an sie auf die Dauer geglaubt werden sollte, dann mußten die wissenschaftlichen Kreise erobert werden. Und diese wissenschaftlichen Kreise waren nicht so schwer zu erobern. Gerade unter den Einsichtsvollsten, unter denjenigen, welche gründlich und logisch zu denken vermochten, gab es viele, welche sich der spiritistischen Bewegung zuwandten. Es waren in Amerika Lincoln, Edison, in England Gladstone, der Naturforscher Wallace, der Mathematiker Morgan. Auch in Deutschland war eine große Anzahl hervorragender Gelehrter, die feststanden auf ihrem Gebiete, und die sich von den spiritistischen Erscheinungen durch Medien überzeugen ließen, wie Weber und Gustav Theodor Fechner, der Begründer der Psychophysik. Dazu gehört auch Friedrich Zöllner, von dem nur diejenigen sagen können, daß er dem Irrsinn verfallen sei, als er die berühmten Versuche mit Slade machte, welche nichts davon verstehen. Dann aber auch eine Persönlichkeit, die jetzt noch unterschätzt wird: das ist der im Jahre 1887 verstorbene Baron Hellenbach. Er hat in seinen zahlreichen Büchern, in seinem Buche über den biologischen Magnetismus und in dem Buche über die Magie der Zahlen, in so genialer Weise seine Erfahrungen auf spiritistischem Gebiete vorgebracht, daß diese Bücher eine wahre Fundgrube sein werden, um zu studieren, welchen Weg diese Bewegung, namentlich in erleuchteteren Köpfen in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts, genommen hat.
[ 40 ] If I were to give a lecture on theosophy, I could speak at length about how there are entirely different forces behind the staging of spiritualist phenomena. Deep occult forces are at work behind the scenes. But that cannot be my task today. Another time I will speak of who the true orchestrator of these phenomena actually is. But this much is certain: If this occult orchestrator wanted to ensure that these phenomena thoroughly convinced materialistically minded humanity of the existence of a supersensible world—if they were to be believed in the long run—then the scientific circles had to be won over. And these scientific circles were not so difficult to win over. Precisely among the most discerning, among those capable of thinking thoroughly and logically, there were many who turned to the spiritualist movement. In America there were Lincoln and Edison; in England, Gladstone, the naturalist Wallace, and the mathematician Morgan. In Germany, too, there was a large number of outstanding scholars who were established in their fields and who allowed themselves to be convinced by the spiritualist phenomena through mediums, such as Weber and Gustav Theodor Fechner, the founder of psychophysics. This also includes Friedrich Zöllner, of whom only those who understand nothing of the matter can say that he had fallen into madness when he conducted the famous experiments with Slade. Then there is also a figure who is still underestimated today: Baron Hellenbach, who died in 1887. In his numerous books, in his book on biological magnetism, and in his book on the magic of numbers, he presented his experiences in the spiritualist field in such a brilliant manner that these books will be a veritable treasure trove for studying the path this movement took, particularly among more enlightened minds in the second half of the 19th century.
[ 41 ] Es kam ein europäischer Anstoß zu der amerikanischen Bewegung und dieser ging aus von einem Manne, der in der europäischen Kultur darinnen stand, von einem Schüler Pestalozzis, und er ging aus zu einer Zeit, die schon durch ihre sonstigen Entdeckungen bedeutsam ist. Dieser Geist ist Allan Kardec,der im Jahre 1858 seine «Theorie der Geisterwelt» schrieb, in demselben Jahre, in dem viele andere auf den verschiedensten Gebieten für die abendländische Bildung epochemachenden Werke erschienen. Einige von den Werken brauchen nur genannt zu werden, um das Bedeutungsvolle des geistigen Lebens in dieser Zeit anzudeuten. Das eine ist Darwins «Entstehung der Arten», das andere ist ein grundlegendes Werk über das psychophysische Gebiet von Fechner. Das dritte ist ein Werk von Bunsen, das uns mit der Spektralanalyse bekannt macht und die Möglichkeit gibt, zum ersten Male etwas von der stofflichen Beschaffenheit der Sterne zu entdecken. Das vierte war das Werk von Karl Marx: «Das Kapital.» Das fünfte war ein Werk von Kardec, ein spiritistisches Werk, aber von ganz anderer Art wie die amerikanischen Werke. Er vertrat die Idee der Reinkarnation, der Wiederverkörperung der Menschenseele. Dieser französische Spiritismus hatte in kurzer Zeit eine ebenso zahlreiche Anhängerschaft wie der amerikanische. Er verbreitete sich über Frankreich, Spanien und besonders auch über Osterreich. Er war es, der im Einklang stand mit den uralten Weisheitslehren der Theosophie. Er war ein solcher, auf den sich auch Geister wie Hellenbach einlassen konnten. Und so vertrat der grundlegende Sozialpolitiker Hellenbach, der in wichtigen politischen Angelegenheiten Osterreichs in den sechziger, siebziger Jahren eine führende Rolle spielte, die bei jedem einzelnen Schritte beweist, welch klarer und scharfer Denker er war, diese Form des Spiritismus, die Kardec begründet hat: den Spiritismus in wissenschaftlicher Gestalt. So kam es, daß in Deutschland der Spiritismus eine wissenschaftliche Gestalt bekam. Auch diejenigen, die nicht so wie Hellenbach oder wie Gladstone, Wallace, Crookes, welche Geister des alten Christentums in Engelart annahmen, sondern die nur sprechen wollten von dem sich wieder und wieder verkörpernden Menschenwesen und dem Hereinragen uns unbekannter Wesen, deren Gestalt Hellenbach dahingestellt sein läßt — auch solche Geister begründeten den wissenschaftlichen Spiritismus in Deutschland. Aber auch diejenigen, welche überhaupt nichts wissen wollen von einer jenseitigen Welt, konnten nicht mehr umhin, die Tatsachen als solche gelten zu lassen. Leute selbst wie Eduard von Hartmann wollten nichts wissen von den Theorien der Spiritisten, sagten aber, die Tatsachen ließen sich nicht ableugnen. Sie ließen sich auch nicht beirren durch die Periode der Entlarvungen. Die berühmteste war jene des Mediums Bastian durch den Kronprinzen Rudolf und den Erzherzog Johann von ÖOsterreich. Die Medien, die unsere wissenschaftlichen Kreise überzeugt hatten, wurden nämlich entlarvt mit dem Medium Bastian. Jeder, der auch nur einige Einsicht auf diesem Gebiet hat, weiß, wie recht Hellenbach hat, wenn er sagt: Es wird niemand behaupten, daß es keine Perücken gibt. Soll man deshalb auch glauben, daß es keine echten Haare gibt, weil man Perücken entdeckt hat? — Und für den auf okkultem Gebiete Arbeitenden gilt der Satz, daß man von mancher Bank sicher wird nachweisen können, daß sie eine Schwindelbank ist; ja, aber hat nicht diese Bank früher auch reelle Geschäfte gemacht? Die Beurteilung der spiritistischen Wahrheiten versteckt sich hinter solchen Vergleichen.
[ 41 ] The American movement received a European impetus, and this came from a man deeply rooted in European culture, a student of Pestalozzi, at a time that was already significant for its other discoveries. This figure is Allan Kardec, who wrote his *Theory of the Spirit World* in 1858, the same year in which many other works that marked a turning point for Western education appeared in a wide variety of fields. It suffices to name just a few of these works to indicate the significance of spiritual life during this period. One is Darwin’s *On the Origin of Species*; another is a seminal work on the psychophysical realm by Fechner. The third is a work by Bunsen that introduces us to spectral analysis and, for the first time, allows us to discover something of the material composition of the stars. The fourth was the work by Karl Marx: *Capital*. The fifth was a work by Kardec, a spiritualist work, but of a completely different nature than the American works. He advocated the idea of reincarnation, the re-embodiment of the human soul. This French spiritualism quickly gained as large a following as the American one. It spread throughout France, Spain, and especially Austria. It was this form of spiritualism that was in harmony with the ancient wisdom teachings of theosophy. It was a form that even thinkers like Hellenbach could engage with. And so the fundamental social politician Hellenbach, who played a leading role in important political matters in Austria in the 1860s and 1870s—a role that demonstrates at every single step what a clear and sharp thinker he was—advocated this form of spiritualism founded by Kardec: spiritualism in its scientific form. Thus it came to pass that in Germany, spiritualism took on a scientific form. Even those who, unlike Hellenbach or Gladstone, Wallace, and Crookes—who conceived of the spirits of ancient Christianity as angelic beings—wished only to speak of human beings reincarnating time and again and of the intrusion of beings unknown to us, whose form Hellenbach leaves open to interpretation—even such thinkers established scientific spiritualism in Germany. But even those who wanted to know nothing at all about an otherworldly realm could no longer avoid accepting the facts as such. People like Eduard von Hartmann, for instance, wanted nothing to do with the theories of the spiritualists, yet they said the facts could not be denied. Nor were they deterred by the period of debunking. The most famous of these was the case of the medium Bastian involving Crown Prince Rudolf and Archduke Johann of Austria. The mediums who had convinced our scientific circles were, in fact, exposed along with the medium Bastian. Anyone with even a modicum of insight into this field knows how right Hellenbach is when he says: No one will claim that wigs do not exist. Should one therefore also believe that there is no such thing as real hair, simply because wigs have been discovered? — And for those working in the occult field, the following applies: one can certainly prove that some banks are fraudulent; yes, but did not that bank also conduct legitimate business in the past? The assessment of spiritualist truths is obscured by such comparisons.
[ 42 ] Wir haben gesehen, daß die naturwissenschaftlichen und materialistischen Denkgewohnheiten seit dem 18. Jahrhundert — wir können das Jahr 1716 als das Geburtsjahr des Spiritismus bezeichnen — sich völlig angepaßt haben dem modernen Denken, auch den materialistischen Anschauungen. Eine neue Form wurde gesucht, sich den höheren, übersinnlichen Wahrheiten nähern zu können, und jeder, der diesen Tatsachen entgegentrat, suchte sie in seiner Art zu begreifen. Der christliche Glaube fand darin eine Bestätigung seines uralten Kirchenglaubens; auch einige Orthodoxe haben sich darauf eingelassen, um darin günstige Beweise für ihre Sache zu finden. Andere wieder haben auch vom Standpunkte des materiellen Denkens, das alles nur nach den materiellen Verhältnissen beurteilt, ihre Rechnung dabei gefunden. Auch diejenigen, welche gründliche wissenschaftliche Forscher waren, wie Zöllner, Weber, Fechner und auch mehrere bekannte Mathematiker wie Simony und so weiter, suchten der Sache näherzukommen, indem sie aus dem Dreidimensionalen in das Vierdimensionale übergingen. Die philosophischen Individualisten, welche nicht glauben konnten, daß in der geistigen Welt ebenso eine individualistische Entwickelung vorhanden ist wie in der physischen, wurden durch gründliche Untersuchung dazu geführt, einzusehen, daß die menschliche Art, diese sinnliche Art, zu sein — mit leiblichen Augen zu sehen, mit leiblichen Ohren zu hören —, nur eine ist unter den vielen möglichen Arten, zu sein. Die Vertreter eines übersinnlichen Spiritismus wie Hellenbach, sie fanden ebenso ihre Ideen in den spiritistischen Tatsachen bestätigt. Und wenn Sie sich einen Menschen vorstellen, der auf die Eigenheiten jedes einzelnen Mediums einzugehen verstand, der sich den schwierigsten Verhältnissen anzupassen wußte, so daß es eine Wohltat war, ihm zu begegnen, so war es ein solcher Mann wie Hellenbach. Auch die, welche nur von einer psychischen Kraft sprachen, bei der man nicht viel denkt und nicht viel zu denken braucht, auch diese Anhänger einer psychischen Kraft, wie Eduard von Hartmann oder auch Geister wie du Prel, von dem ich das nächste Mal sprechen werde, sie alle legten die Tatsachen in ihrer Art aus. Theorien gab es viele, von den populären Auslegungen des Volkes an, das sich um die sich manifestierenden Geister, um Schreibmedien, Sprechmedien, Mitteilungen durch Klopflaute und so weiter kümmerte, von diesen gläubig Suchenden in alter Art, bis zu den erleuchtetsten Geistern: jeder legte in seiner Art diese Erscheinungen aus. Das war in der Zeit, in welcher diese Unklarheit auf allen Gebieten herrschte, in der Zeit, in welcher die Phänomene nicht mehr abgeleugnet werden konnten — aber die Geister der Menschen sich völlig unfähig erwiesen, der übersinnlichen Welt gerecht zu werden.
[ 42 ] We have seen that since the 18th century—we can consider the year 1716 to be the birth year of spiritualism—scientific and materialistic ways of thinking have become fully integrated into modern thought, including materialistic views. A new form was sought to approach the higher, supersensory truths, and everyone who encountered these facts sought to understand them in their own way. The Christian faith found in this a confirmation of its ancient church doctrine; some Orthodox believers also embraced it in order to find favorable evidence for their cause. Others, again, found their place in this from the standpoint of materialistic thinking, which judges everything solely according to material conditions. Even those who were thorough scientific researchers, such as Zöllner, Weber, Fechner, and also several well-known mathematicians like Simony and so on, sought to approach the matter by moving from the three-dimensional into the four-dimensional. The philosophical individualists, who could not believe that an individualistic development exists in the spiritual world just as it does in the physical one, were led by thorough investigation to realize that the human way of being—this sensory way of being—seeing with physical eyes, hearing with physical ears—is only one among the many possible ways of being. The proponents of a supersensory spiritualism, such as Hellenbach, also found their ideas confirmed by spiritualistic facts. And if you imagine a person who understood how to respond to the idiosyncrasies of each individual medium, who knew how to adapt to the most difficult circumstances, so that it was a blessing to meet him, it was a man like Hellenbach. Even those who spoke only of a psychic force—one that requires little thought and demands little of the mind—even these adherents of a psychic force, such as Eduard von Hartmann or spirits like du Prel, whom I will discuss next time—they all interpreted the facts in their own way. There were many theories, ranging from the popular interpretations of the people—who were concerned with manifesting spirits, writing mediums, speaking mediums, communications through knocking sounds, and so on—from these devout seekers of the old school, to the most enlightened minds: everyone interpreted these phenomena in their own way. This was during a time when such confusion reigned in all fields, a time when the phenomena could no longer be denied—yet the human mind proved utterly incapable of doing justice to the supernatural world.
[ 43 ] In dieser Zeit war auch der Grund gelegt worden zu einer Wiedererneuerung des mystischen Weges, zu einer Wiedererneuerung desjenigen Weges, der in den früheren Zeiten in der Geheimwissenschaft und in den Mysterien verfolgt worden ist, aber in einer solchen Weise, daß er jedem zugänglich ist, der ihn gehen will. Um ein Verständnis der Wege zu eröffnen, wurde die Theosophische Gesellschaft durch Frau Helena Petrowna Blavatsky gegründet. Die Erforschung der Weisheit, wie sie gepflegt worden ist in den Mysterien und bei den Rosenkreuzern im Mittelalter, hat man wieder aufleben lassen durch die theosophische Bewegung. Die theosophische Bewegung will verbreiten, was man in neuerer Zeit auf anderen Wegen gesucht hat. Sie fußt auf den alten Bewegungen, fußt aber auch auf den neuesten Forschungen.
[ 43 ] During this period, the foundation was also laid for a renewal of the mystical path—a renewal of the path that had been followed in earlier times within esoteric science and the mysteries—but in such a way that it is accessible to anyone who wishes to follow it. To open the way to an understanding of these paths, the Theosophical Society was founded by Madame Helena Petrovna Blavatsky. The exploration of wisdom, as it was cultivated in the Mysteries and among the Rosicrucians in the Middle Ages, has been revived through the Theosophical Movement. The Theosophical Movement seeks to disseminate what has been sought in more recent times through other avenues. It is based on the ancient movements, but also on the latest research.
[ 44 ] Wer sich mit der theosophischen Bewegung näher bekannt macht, wird finden, daß der Weg der Theosophie oder Geisteswissenschaft, der zu den übersinnlichen Wahrheiten führt, auf der einen Seite wirklich spirituell ist, auf der anderen Seite die Fragen beantwortet: Woher kommt der Mensch, wohin geht er, was ist seine Bestimmung?
[ 44 ] Anyone who takes a closer look at the Theosophical Movement will find that the path of Theosophy, or spiritual science, which leads to supersensible truths, is truly spiritual on the one hand, and on the other hand answers the questions: Where does humanity come from, where is it going, and what is its purpose?
[ 45 ] Wir wissen, daß man in der einen Weise sprechen mußte zu den Menschen des Altertums, in anderer zu denen des Mittelalters, und wieder in anderer Weise zu den modernen Menschen, Die Tatsachen der Theosophie sind uralt. Aber Sie werden, wenn Sie auf dem Wege der Theosophie oder Geisteswissenschaft suchen, sich überzeugen, daß, wenn sie in ihrer ureigenen Gestalt verstanden, begriffen und durchdrungen wird, sie jeglicher Anforderung moderner Wissenschaftlichkeit Genüge leistet. Der wäre ein schlechter Theosoph, der irgendeine der wissenschaftlichen Wahrheiten um der Theosophie willen aufgeben wollte. Erkenntnis auf dem hellen, klaren Wege wahrer Wissenschaftlichkeit — ja, aber nicht eine Erkenntnis, welche sich auf sinnliche Dinge beschränkt, welche sich beschränkt auf das, was im Menschen vorgeht zwischen Geburt und Tod, sondern auch Erkenntnis und Wissen von dem, was jenseits von Geburt und Tod liegt. Ohne daß die Geisteswissenschaft die Berechtigung dazu hat, kann sie — gerade innerhalb eines materialistischen Zeitalters — das nicht tun. Sie ist sich bewußt, daß zuletzt alle geistigen Bewegungen zusammenlaufen müssen in einem großen Ziele, welches die Spiritisten zuletzt in der Geisteswissenschaft finden werden. Sie sucht aber auf anderen, umfassenderen Wegen die geistigen Pfade; sie weiß, daß nicht in der Sinnenwelt und auch nicht durch Veranstaltungen bloß sinnlicher Natur, vielleicht durch ein Schauen, das analog dem sinnlichen ist, das Geistige erreicht werden kann. Sie weiß, daß es eine Welt gibt, in die man erst einen Einblick erhält, wenn man eine Art geistige Operation durchmacht, die ähnlich ist der Operation eines Blindgeborenen, der sehend gemacht wird. Sie weiß, daß es nicht richtig ist, wenn der moderne Mensch sagt: Zeige mir sinnlich das Übersinnliche. — Sie weiß, daß die Antwort ist: Mensch, erhebe dich zu den höheren Sphären der geistigen Welt, indem du selbst immer geistiger und geistiger wirst, auf daß die Verbindung mit der geistigen Welt dann so sei, wie durch deine sinnlichen Augen und Ohren die Verbindung mit der sinnlichen Welt ist.
[ 45 ] We know that one had to speak in one way to the people of antiquity, in another to those of the Middle Ages, and yet in another way to modern people. The facts of theosophy are ancient. But if you seek along the path of theosophy or spiritual science, you will be convinced that, when understood, grasped, and penetrated in its very own form, it satisfies every requirement of modern scientific rigor. He would be a poor theosophist who were willing to abandon any of the scientific truths for the sake of theosophy. Knowledge on the bright, clear path of true scientific rigor—yes, but not a knowledge limited to sensory things, limited to what takes place in the human being between birth and death, but also knowledge and understanding of what lies beyond birth and death. Without having the right to do so, spiritual science cannot—especially within a materialistic age—achieve this. It is aware that ultimately all spiritual movements must converge toward a great goal, which the spiritualists will ultimately find in spiritual science. But it seeks the spiritual paths along other, more comprehensive paths; it knows that the spiritual cannot be attained in the sensory world, nor through events of a purely sensory nature, nor perhaps through a form of perception analogous to the sensory. It knows that there is a world into which one gains insight only after undergoing a kind of spiritual operation similar to that of a person born blind who is made to see. It knows that it is not right when modern man says: Show me the supersensible through the senses. — She knows that the answer is: Human being, rise to the higher spheres of the spiritual world by becoming ever more spiritual yourself, so that your connection with the spiritual world may then be as your connection with the sensory world is through your sensory eyes and ears.
[ 46 ] Die Theosophie oder Geisteswissenschaft hat jenen Gesichtspunkt, den ein Gläubiger des Mittelalters, ein tiefer Mystiker, Meister Eckhart, ausgesprochen hat, indem er charakterisierte, daß das wahrhaft Geistige nicht gesucht werden kann auf dieselbe Art wie das Sinnliche. Im 13., 14. Jahrhundert hat er es bedeutsam ausgesprochen, daß man nicht durch sinnliche Veranstaltungen, nicht durch etwas, was analog dem Sinnlichen ist, das Geistige erhalten kann. Deshalb sagt er die große, zum Übersinnlichen führende Leitwahrheit: Die Leute wollen Gott mit den Augen ansehen, als ob sie eine Kuh ansähen und lieben. Sie wollen Gott ansehen, als stünde er dort und hier. So ist es nicht. Gott und Ich sind eins im Erkennen.
[ 46 ] Theosophy, or spiritual science, takes the view expressed by a medieval believer and profound mystic, Meister Eckhart, who characterized the truly spiritual as something that cannot be sought in the same way as the sensory. In the 13th and 14th centuries, he significantly stated that one cannot attain the spiritual through sensory experiences, nor through anything analogous to the sensory. That is why he articulates the great guiding truth leading to the supersensory: People want to look at God with their eyes, as if they were looking at and loving a cow. They want to look at God as if He were standing there and here. It is not so. God and I are one in knowledge.
[ 47 ] Nicht durch Veranstaltungen, die uns als eine, zwar übersinnlich genannte, aber doch nach Art der sinnlichen Welt um uns herum, durch Klopftöne oder andere sinnliche Veranstaltungen wahrnehmbare Art, die höhere Welt vergegenwärtigen wollen — nicht durch solche scheinbar übersinnliche Veranstaltungen, die er kennzeichnet, indem er sagt: Solche Leute wollen Gott schauen, wie sie eine Kuh schauen —, sondern durch Entwickelung der geistigen Augen wollen wir das Geistige schauen, ähnlich wie die Natur uns leibliche Augen entwickelt hat, um uns das Physische sehen zu lassen. Die Natur hat uns mit äußeren Sinnen entlassen, um uns das Sinnliche wahrnehmbar zu machen. Den Weg aber, um uns im Sinnlichen weiter zu entwickeln zum Geistigen hinauf, um mit geistigen Augen das Geistige schauen zu können — diesen spirituellen Weg müssen wir in freier Entwickelung, auch im Sinne der modernen Entwickelung, selber gehen.
[ 47 ] Not through phenomena that seek to bring the higher world into our consciousness—phenomena that, though called “supernatural,” are nonetheless perceptible in the same way as the sensory world around us, through knocking sounds or other sensory phenomena—not through such seemingly supernatural phenomena, which he characterizes by saying: Such people want to see God as they see a cow—but rather through the development of the spiritual eyes do we wish to see the spiritual, just as nature has developed our physical eyes to enable us to see the physical. Nature has endowed us with external senses to make the sensory world perceptible to us. But the path by which we develop further within the sensory realm upward toward the spiritual, so that we may behold the spiritual with spiritual eyes—this spiritual path we must walk ourselves through free development, also in the sense of modern development.
