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Spiritual Teachings
Concerning the Soul
GA 52

6 June 1904, Berlin

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Spiritual Teachings Concerning the Soul, tr. SOL
  1. Spirituelle Seelenlehre und Weltbetrachtrung, 2nd ed.

14. Die Geschichte des Hypnotismus und des Somnambulismus

14. The History of Hypnotism and Somnambulism

[ 1 ] Heute habe ich Ihnen über ein Kapitel der neueren Geistesgeschichte zu sprechen, welches zwar eine alte Geschichte in einer gewissen Form wiederholt, aber doch in einer so eigenartigen, charakteristischen Weise, daß vielleicht nichts mehr als dieses Kapitel geeignet ist, zu zeigen, wie schwierig es ist, gewisse große Erscheinungen im Leben des Geistes, im Leben des Menschen überhaupt, an das heranzubringen, was man offizielle Gelehrsamkeit nennt. Es werden manche scheinbar vielleicht etwas harte Worte in bezug auf dieses Kapitel gerade heute notwendig sein. Nehmen Sie manches Wort, welches in dieser Richtung gesagt wird, nicht so hin, als wenn es von der Leidenschaft, als wenn es von der Empfindung diktiert wäre. Ich kann Ihnen die Versicherung geben, daß ich vor manchem Gelehrten in bezug auf seine Forschungen, in bezug auf seine wissenschaftliche Befähigung die allergrößte Hochachtung habe, und daß ihm gegenüber doch manches, ich möchte fast sagen, schmerzliche Wort gesprochen werden muß, wenn von dem Kapitel die Rede ist, von dem wir heute in einer kurzen geschichtlichen Skizze sprechen wollen: von dem Kapitel des Hypnotismus. Zugleich wollen wir damit einen kleinen Hinweis verbinden auf etwas mit ihm Verwandtes, auf den Somnambulismus.

[ 1 ] Today I would like to speak to you about a chapter in recent intellectual history which, while repeating an old story in a certain form, does so in such a peculiar, characteristic way that perhaps nothing is more suitable than this chapter to show how difficult it is to bring certain great phenomena in the life of the spirit—in human life in general—into alignment with what is called official scholarship. Some words that may seem a bit harsh in relation to this chapter will be necessary, especially today. Do not take every word spoken in this vein as if it were dictated by passion or emotion. I can assure you that I have the utmost respect for many scholars with regard to their research and their scientific competence, and that yet many—I would almost say painful—words must be spoken to them when we speak of the chapter we wish to discuss today in a brief historical sketch: the chapter on hypnotism. At the same time, we would like to include a brief reference to something related to it: somnambulism.

[ 2 ] Viele haben heute den Glauben, daß der Hypnotismus etwas ganz Neues sei, daß er etwas sei, was sich die Wissenschaft höchstens seit etwas mehr als einem halben Jahrhundert erobert habe. Nun, lassen Sie mich demgegenüber Ihnen ein Zeugnis aus dem 17. Jahrhundert anführen. Das Zeugnis, das ich Ihnen anführen möchte, ist aus einem Buche, das allerdings heute wenig gelesen wird, aus dem Buche des Jesuitenpaters Athanasius Kircher, und stammt aus dem Jahre 1646. Ich möchte Ihnen in einer einigermaßen modernen Sprache die Worte dieses Jesuitenpaters mitteilen. Sie stehen in einem Buche, das Goethe ausführlich behandelt hat in seiner Geschichte der Farbenlehre, weil dieser Pater auch in der Geschichte der Farbenlehre eine ganz wichtige Rolle spielt. In diesem Buche wird auch gesprochen von dem, was der Jesuitenpater Actinobolismus nennt. Das würde ungefähr heißen: die strahlende Phantasie. «Diese sehr große Kraft der Phantasie kommt sogar bei den Tieren zum Vorschein. Die Hühner erfreuen sich, wie ich finde, einer so starken Einbildungskraft, daß sie durch den bloßen Anblick eines Bindfadens bewegungslos und wie von einer eigentümlichen Benommenheit erfaßt werden. Die Wahrheit dieser Behauptung zeigt die folgende Erfahrung: Wunderbares Experiment über die Einbildungskraft des Huhnes. Lege ein Huhn, dessen Füße zusammengebunden sind, auf einen beliebigen Fußboden, so wird dasselbe anfangs, sich gefangen fühlend, durch Schlagen mit den Flügeln und Bewegung des ganzen Körpers die ihm angelegte Fessel in jeder Weise abzuschütteln sich anstrengen. Aber schließlich wird es nach vergeblichem Bemühen, gleichsam an dem Entkommen verzweifelnd, sich beruhigen und der Willkür des Siegers sich unterwerfen. Während nun das Huhn ruhig daliegt, ziehe vom Auge desselben an auf dem Boden einen geraden Strich von der Form des Bindfadens mit Kreide oder irgendeiner anderen Farbe, dann lasse es nach Lösung der Fesseln in Ruhe: so wird, sage ich, das Huhn, obwohl es von den Fesseln befreit ist, durchaus nicht fortfliegen, auch wenn man es zum Fortfliegen reizt. Die Erklärung dieses Verhaltens beruht auf nichts anderem, als der lebhaften Einbildungskraft des Tieres, welches jenen auf den Boden gezeichneten Strich für seine Fessel hält, mit der es gebunden wird. Ich habe dieses Experiment oftmals zur Verwunderung der Zuschauer angestellt und zweifle nicht, daß dasselbe auch bei anderen Tieren gelinge. Darüber jedoch möge der wißbegierige Leser sich unterrichten.»

[ 2 ] Many people today believe that hypnotism is something entirely new, that it is something science has only been exploring for a little over half a century. Well, let me present you with a testimony from the 17th century to the contrary. The account I would like to cite comes from a book that is, admittedly, rarely read today—the book by the Jesuit priest Athanasius Kircher—and dates from the year 1646. I would like to share with you, in somewhat modern language, the words of this Jesuit priest. They appear in a book that Goethe discussed at length in his History of Color Theory, because this priest also plays a very important role in the history of color theory. This book also speaks of what the Jesuit priest calls “actinobolism.” That would roughly mean: radiant imagination. “This very great power of the imagination is even evident in animals. Chickens, I find, possess such a strong imagination that at the mere sight of a piece of string they become motionless and seem to be seized by a peculiar daze. The truth of this assertion is demonstrated by the following experiment: A marvelous experiment on the imagination of the chicken. Place a chicken, whose feet are tied together, on any floor, and at first, feeling trapped, it will strive in every way to shake off the restraints placed upon it by flapping its wings and moving its entire body. But eventually, after futile efforts, as if despairing of escape, it will calm down and submit to the will of the victor. Now, while the chicken lies there quietly, draw a straight line on the floor from its eye, in the shape of the string, using chalk or some other color; then, after releasing its bonds, leave it in peace: thus, I say, the chicken, although freed from its bonds, will by no means fly away, even if one provokes it to do so. The explanation for this behavior rests on nothing other than the animal’s vivid imagination, which takes that line drawn on the ground to be the rope with which it is bound. I have performed this experiment many times to the amazement of spectators, and I have no doubt that it would succeed with other animals as well. However, the inquisitive reader may wish to investigate this further.”

[ 3 ] Eine ähnliche Mitteilung über diesen Zustand der Tiere hat ungefähr um dieselbe Zeit ein anderer deutscher Schriftsteller, Caspar Schott, gemacht in einem Buche, das er nennt: «Belustigung der menschlichen Einbildungskraft». Darin sagt uns der betreffende Schriftsteller, der ein Freund des Athanasius Kircher war, daß er die Angaben dieses Buches entnommen habe zahlreichen Versuchen eines französischen ärztlichen Schriftstellers. Was uns in diesem Buche mitgeteilt wird, ist nichts anderes, als was wir den Hypnotismus an Tieren nennen. Ich habe bereits in einem früheren Vortrage über die Beziehungen von Hypnotismus und Somnambulismus gesprochen; daher darf ich heute dieses Kapitel nur kurz rekapitulieren.

[ 3 ] Around the same time, another German writer, Caspar Schott, made a similar report on this condition of the animals in a book he titled “Belustigung der menschlichen Einbildungskraft” (Amusement of the Human Imagination). In it, the writer in question, who was a friend of Athanasius Kircher, tells us that he derived the information in this book from numerous experiments conducted by a French medical writer. What is described in this book is nothing other than what we call hypnotism in animals. I have already spoken in a previous lecture about the relationship between hypnotism and somnambulism; therefore, I shall only briefly recapitulate this chapter today.

[ 4 ] Sie wissen, unter dem Hypnotismus versteht man einen schlafähnlichen Zustand, in den der Mensch auf künstliche Weise zu bringen ist durch die verschiedenen Mittel, auf die wir noch im Verlaufe des Vortrages hindeuten wollen. In diesem schlafähnlichen Zustand zeigt der Mensch verschiedene Eigenschaften, die ihm im Wachbewußtsein nicht zukommen, auch Eigenschaften, die ihm nicht im gewöhnlichen Schlafe zukommen. So können Sie einen Menschen im hypnotischen Schlafe mit Nadeln stechen; er erweist sich als unempfindlich. Sie können einen Menschen, wenn er in einem gewissen Stadium des Schlafes ist, nur so hinstrecken, seine Glieder in die Länge ziehen; sie werden dann so starr und fest, daß Sie den Menschen über zwei Stühle legen können, und der schwerste Mann kann sich auf diesen starr gewordenen Körper noch daraufstellen.

[ 4 ] As you know, hypnosis refers to a sleep-like state into which a person is artificially induced through various methods, which we will discuss later in this lecture. In this sleep-like state, a person exhibits various characteristics that are not present in waking consciousness, including characteristics that are not present in ordinary sleep. For example, you can prick a person in hypnotic sleep with needles; they will prove to be insensitive. You can, when a person is in a certain stage of sleep, simply lay them down and stretch out their limbs; they then become so rigid and firm that you can place the person across two chairs, and even the heaviest man can stand on this now-rigid body.

[ 5 ] Diejenigen, welche die Experimente des wirklich außerordentlichen Hypnotiseurs Hansen in den achtziger Jahren des 19. Jahrhunderts gesehen haben, die wissen, daß Hansen die Leute, nachdem er sie in hypnotischen Schlaf versetzt hatte, mit einer ganz geringen Unterfläche auf zwei Stühle legte und sich dann daraufstellte, dieser schwere Hansen! Wie ein Brett fast benahmen sich diese hypnotisierten Körper.

[ 5 ] Those who witnessed the experiments of the truly extraordinary hypnotist Hansen in the 1880s know that, after putting people into a hypnotic sleep, Hansen would place them on two chairs with only a very small surface area to support them, and then stand on top of them—that heavy Hansen! These hypnotized bodies behaved almost like a plank.

[ 6 ] Weiter ist ja bekannt, daß derjenige, welcher den Menschen in einen solchen schlafähnlichen Zustand versetzt hat, ihm sogenannte suggestive Befehle geben kann. Wenn Sie einen Menschen in einen solchen Zustand versetzt haben, so können Sie zu ihm sagen: Du wirst jetzt aufstehen, in die Mitte des Zimmers gehen und wie festgebannt dort stehen bleiben; du wirst nicht weiter gehen, wirst dich nicht rühren können! — Er wird das alles ausführen und dann wie gebannt stehen bleiben. Ja, Sie können noch mehr. Sie können dem Betreffenden in einem mit Menschen angefüllten Raum sagen: Hier in diesem Raum ist nicht eine einzige Person außer mir und dir. — Er wird Ihnen sagen: Hier ist niemand, der Raum ist ganz leer. — Oder Sie können ihm auch sagen: Hier ist kein Licht — und er sieht keines. Das sind negative Halluzinationen. Sie können ihm aber auch Halluzinationen anderer Art eingeben. Sie können ihm sagen, indem Sie ihm eine Kartoffel in die Hand geben: Das ist eine Birne, nimm und iß! — und Sie können sehen, daß er meint eine Birne zu essen. Sie können ihm in ähnlicher Weise Wasser zu trinken geben, und er meint, es sei Sekt.

[ 6 ] It is also well known that whoever has put a person into such a sleep-like state can give them so-called suggestive commands. Once you have put a person into such a state, you can say to them: “You will now stand up, walk to the middle of the room, and stand there as if spellbound; you will not go any further, you will not be able to move!”—They will carry out all of this and then stand there as if spellbound. Yes, you can do even more. You can say to the person in a room filled with people: “There is not a single person in this room except you and me.”—They will tell you: “There is no one here; the room is completely empty.”—Or you can also say to them: There is no light here — and he sees none. These are negative hallucinations. But you can also induce hallucinations of a different kind in him. You can say to him, while placing a potato in his hand: This is a pear, take it and eat it! — and you can see that he thinks he is eating a pear. You can similarly give him water to drink, and he thinks it is champagne.

[ 7 ] Noch vieles andere könnte ich anführen, aber ich will nur noch einige besonders merkwürdige Dinge angeben. Wenn Sie bei einem solchen Hypnotisierten eine Gesichtshalluzination hervorrufen und ihm zum Beispiel sagen: Du siehst dort einen roten Kreis an der weißen Wand —, so wird er einen roten Kreis an einer weißen Wand sehen. Wenn Sie ihm dann, nachdem er diese Halluzination hatte, den roten Kreis durch ein Prisma zeigen, zeigt es sich, daß diese Halluzination, genau nach den Brechungsgesetzen des Prisma, gebrochen erscheint, also genau wie eine andere Erscheinung. Die bei den Hypnotisierten hervorgebrachten Gesichtshalluzinationen folgen den äußeren Brechungsgesetzen; sie folgen auch noch anderen optischen Gesetzen, aber es würde zu weit führen, wenn wir sie im einzelnen anführen wollten. Besonders wichtig ist zu wissen: Wenn wir einem solchen Hypnotisierten einen Befehl geben, den er nicht sogleich, sondern erst nach einiger Zeit ausführen soll, so kann das auch geschehen. Ich setze einen Menschen in Hypnose, sage ihm: Du wirst morgen zu mir kommen und mir guten Tag sagen und dann von mir ein Glas Wasser verlangen. — Wenn das Experiment so ausgeführt wird, daß alle Vorbedingungen erfüllt sind, so wird er nach dem Aufwachen nichts wissen von dem Experiment; aber er wird morgen in der Zeit, welche ich ihm gesagt habe, einen unwiderstehlichen Drang fühlen und das ausführen, was ich ihm aufgegeben habe. Das ist eine nachhypnotische Suggestion. Das kann sich auf merkwürdige Sachen erstrecken, namentlich auch auf Terminsuggestionen. Ich kann einen Hypnotisierten suggerieren, in dreimal zehn Tagen eine bestimmte Handlung zu vollziehen; es muß aber eine große Anzahl von Handlungen vorher vollzogen sein. Erschrekken Sie nicht darüber. Die Vorbedingungen zu übersehen, die notwendig sind, ist vielleicht nur dem Okkultisten möglich, nichtsdestoweniger wird der Betreffende den Befehl, der ihm erteilt worden ist, in dreimal zehn Tagen pünktlich ausführen.

[ 7 ] I could cite many other examples, but I will mention only a few particularly remarkable ones. If you induce a visual hallucination in such a hypnotized person and say to them, for example, “You see a red circle on the white wall,” they will see a red circle on a white wall. If, after they have had this hallucination, you then show them the red circle through a prism, it turns out that this hallucination appears refracted exactly according to the laws of refraction of the prism—that is, just like any other phenomenon. The visual hallucinations produced in hypnotized subjects follow the external laws of refraction; they also follow other optical laws, but it would take us too far afield to list them in detail. It is particularly important to know: If we give such a hypnotized person a command that they are not to carry out immediately, but only after some time has passed, this can also happen. I put a person under hypnosis and tell them: You will come to me tomorrow, say hello, and then ask me for a glass of water. — If the experiment is conducted in such a way that all preconditions are met, they will remember nothing of the experiment upon waking; but tomorrow, at the time I told them, they will feel an irresistible urge and carry out what I instructed them to do. This is a post-hypnotic suggestion. This can extend to remarkable things, notably also to scheduled suggestions. I can suggest to a hypnotized person to perform a specific action in three sets of ten days; however, a large number of actions must have been performed beforehand. Do not be alarmed by this. Overlooking the necessary preconditions is perhaps possible only for the occultist; nevertheless, the person in question will carry out the command given to him punctually in three sets of ten days.

[ 8 ] Das sind Erscheinungen, die heute von den wenigsten, auch nicht von Gelehrten, die sich mit diesen Fragen beschäftigt haben, eigentlich abgeleugnet werden. Es ist kaum möglich für jemand, der die Dinge studiert hat, die Angaben, die ich gemacht habe, abzuleugnen. Was weiter geht, wird allerdings von vielen abgeleugnet. Aber wir haben ja auch gesehen, daß in den letzten Jahrzehnten eine solche Summe von Dingen von seiten der Physiologen und Psychologen zugegeben worden ist, daß man nicht wissen kann, wieviel noch zu dem Zugestandenen hinzukommt.

[ 8 ] These are phenomena that very few people today—not even scholars who have studied these issues—actually deny. It is hardly possible for anyone who has studied these matters to deny the facts I have presented. What goes beyond that, however, is denied by many. But we have also seen that in recent decades, physiologists and psychologists have admitted to such a vast array of things that one cannot know how much more remains to be added to what has already been acknowledged.

[ 9 ] Nun, ich habe Ihnen gezeigt, daß solche abnorme Bewußtseinszustände sich auch im 1i7. Jahrhundert in den Büchern angedeutet finden, von denen ich gesprochen habe. Ich könnte auch in bezug auf andere Erscheinungen angeben, daß ein Wissen von dem, was wir den hypnotischen Zustand nennen, bei den Okkultisten, bei den Geheimforschern aller Zeiten bestanden hat. Der Beweis aber kann nicht erbracht werden, daß die alten ägyptischen, namentlich aber die alten indischen Priesterweisen, genau nur das gewußt haben, was ich Ihnen hier als die Erscheinungen des Hypnotismus — und es sind die elementarsten — mitgeteilt habe: diese Weisen wußten noch viel mehr. Und weil sie viel mehr wußten, so verhinderte sie das, ihre Weisheit den großen Massen mitzuteilen. Wir werden noch sehen, warum. Merkwürdig ist aber eines. Von jenem Jesuiten Kircher wird uns erzählt, daß er diese seine Weisheit auf einem Umweg aus Indien erhalten habe. Merken wir uns einmal diese Erzählung aus dem 17. Jahrhundert, daß aus Indien diese Weisheit vermittelt worden ist.

[ 9 ] Well, I have shown you that such abnormal states of consciousness are also hinted at in the 17th-century books I have mentioned. I could also point out, with regard to other phenomena, that knowledge of what we call the hypnotic state has existed among occultists and secret researchers of all ages. However, it cannot be proven that the ancient Egyptian, and especially the ancient Indian, priest-sages knew only exactly what I have described to you here as the phenomena of hypnotism—and these are the most elementary ones: these sages knew much more. And because they knew much more, this prevented them from sharing their wisdom with the masses. We shall yet see why. One thing, however, is curious. We are told of that Jesuit Kircher that he received this wisdom of his via a roundabout route from India. Let us take note of this account from the 17th century, that this wisdom was transmitted from India.

[ 10 ] Die folgenden Jahrhunderte, seit dem 17. Jahrhundert waren für derlei Dinge in der äußeren Wissenschaft nicht besonders günstig. Diese äußere Wissenschaft machte namentlich auf den Gebieten der Physik, der Astronomie, der Erforschung der äußeren sinnenfälligen Tatsachen, große Fortschritte. Ich habe schon das letzte Mal ausgeführt, welche Bedeutung diese Fortschritte für das menschliche Denken hatten. Ich habe gezeigt, daß diese Fortschritte vor allen Dingen den Menschen daran gewöhnt haben, nur im sinnenfälligen Wirklichen das eigentliche Wißbare, die Wahrheit zu suchen, so daß sich der Mensch daran gewöhnt hat, das nicht gelten zu lassen, was nicht mit Augen gesehen, nicht mit den Händen ergriffen werden kann, was nicht mit dem kombinierenden Verstande erfaßt werden kann. Es ist ja das Zeitalter der Aufklärung, dem wir uns nähern, jenes Zeitalter, in dem der menschliche Durchschnittsverstand tonangebend wurde, in dem man alles auf die Art erkennen wollte, wie man die physikalischen Erscheinungen erkennt. Und bei physikalischen Erscheinungen, wenn nur die Voraussetzungen richtig hergestellt werden, müssen die Experimente gelingen. Diese Voraussetzungen kann jeder machen. Auf dem Gebiete des Hypnotismus aber ist noch etwas anderes notwendig. Da ist der unmittelbare Einfluß von Leben zu Leben notwendig, ja, der unmittelbare Einfluß von Mensch zu Mensch oder von Mensch zu lebendigem Wesen ist da notwendig. Die Hantierungen, die der Mensch zu vollziehen hat mit dem Huhn, wie in dem Experimente, das uns schon der Jesuitenpater Kircher im 17. Jahrhundert erzählt hat, diese Hantierungen mußten von dem Menschen ausgeführt werden. Und auch alle die anderen Dinge, von denen ich gesprochen habe, müssen von einem Menschen an einem anderen lebenden Menschen oder Wesen-ausgeführt werden. Nun könnte es wohl sein — und hier liegt die wichtigste Frage —, weil die Menschen sehr voneinander verschieden sind, daß die Menschen so verschiedene Eigen schaften hätten, daß sie in ganz verschiedener Art auf andere Lebewesen, vor allen Dingen auf andere Menschen, einwirken. Und so könnte es wohl auch vorkommen, weil der Mensch notwendig ist, um Erscheinungen der Hypnose hervorzubringen, daß ein Mensch die Eigenschaften nicht hat, die notwendig sind, um einen Menschen zu hypnotisieren, während ein anderer Mensch diese Eigenschaften besitzt. Zu wundern brauchten wir uns nicht, wenn dieses so wäre. Wir alle wissen, daß eine Wechselwirkung stattfindet bei den Dingen, die da in Betracht kommen, vergleichbar derjenigen zwischen Magnet und Eisenfeilspänen. Die Eisenfeilspäne bleiben in Ruhe, wenn Sie Holz in dieselben hineinlegen; legen Sie aber einen Magnet hinein, so ordnen sich diese Späne in bestimmter Art und Weise.

[ 10 ] The centuries that followed, beginning in the 17th century, were not particularly favorable for such matters in the external sciences. These external sciences made great strides, particularly in the fields of physics, astronomy, and the investigation of external, sensory facts. I have already explained last time what significance these advances had for human thought. I have shown that these advances, above all, have accustomed people to seeking the truly knowable—the truth—only in the sensually perceptible reality, so that people have become accustomed to rejecting anything that cannot be seen with the eyes, grasped with the hands, or comprehended by the reasoning mind. It is, after all, the Age of Enlightenment that we are approaching, that age in which the average human intellect set the tone, in which people wanted to understand everything in the same way that one understands physical phenomena. And with physical phenomena, provided the conditions are properly established, the experiments must succeed. Anyone can create these conditions. In the field of hypnotism, however, something else is necessary. There, the direct influence from life to life is necessary; indeed, the direct influence from human to human or from human to living being is necessary. The manipulations that a person must perform on the chicken, as in the experiment already described to us by the Jesuit Father Kircher in the 17th century, these manipulations had to be carried out by a human being. And all the other things I have spoken of must also be performed by one human being on another living human being or creature. Now it could well be—and here lies the most important question—that because people are so different from one another, that they possess such diverse characteristics, they affect other living beings, above all other people, in entirely different ways. And so it could well be—since a human being is necessary to produce phenomena of hypnosis—that one person lacks the qualities necessary to hypnotize another, while another person possesses these qualities. We need not be surprised if this were the case. We all know that an interaction takes place between the things in question, comparable to that between a magnet and iron filings. The iron filings remain at rest when you place wood among them; but if you place a magnet among them, these filings arrange themselves in a certain way.

[ 11 ] Nun müssen wir voraussetzen, daß Mensch und Mensch so stark voneinander verschieden sind, daß der eine bestimmte Wirkungen hervorrufen kann, wie der Magnet, der andere keine Wirkung hervorrufen kann, wie das Holz. Eine solche Auffassung wird die rein verstandesmäßige Aufklärung niemals zugeben. Sie nimmt an, daß der eine Mensch wie der andere ist. Der Durchschnittsmaßstab wird an den Menschen angelegt, und man wird niemals zugeben, daß jemand ein bedeutender verstandesmäßiger Gelehrter sein kann, aber gar keine Befähigung hat, nicht die Eigenschaften hat, den hypnotischen Zustand hervorzubringen. Den Fall könnte es vielleicht doch geben, daß es weniger auf den Menschen ankommt, der hypnotisiert wird, sondern mehr auf den, der hypnotisiert, der tätig ist. Vielleicht können sogar künstlich in einem Menschen die Eigenschaften hervorgerufen werden, die auf den anderen eine so mächtige Gewalt ausüben, daß solche Erscheinungen eintreten, von denen wir gesprochen haben, ja, daß vielleicht noch viel bedeutungsvollere Erscheinungen eintreten. Die verstandesgemäße Aufklärung, die keinen Unterschied macht zwischen Mensch und Mensch, wird das nicht zugeben. Diejenigen aber, welche sich mit diesen Dingen befaßt haben, waren sich bis ins Zeitalter der Aufklärung herein darüber klar. Wer den Gang der Geschichte verfolgt, wird eine ganz andere Auffassung der Wissenschaft finden, als wir sie heute haben. Manchmal sind es nur mündliche Überlieferungen, die sich von Schule zu Schule fortgeerbt haben. In allem diesem wird uns niemals etwas gesagt von dem Zustande der Hypnotisierten, von dem Zustande derer, die hypnotisiert werden sollen; auf den kommt es gar nicht an. Dagegen werden uns Methoden angegeben, die einen anderen Menschen, den Hypnotiseur, befähigen, in sich solche Kräfte hervorzurufen, daß er einen solchen Einfluß auf seine Mitmenschen ausüben kann. Es werden dann in den Geheimschulen ganz bestimmte Methoden angegeben, durch die der Mensch eine solche Gewalt über seine Mitmenschen erhält. Es wird aber auch in allen Schulen gefordert, daß derjenige, der eine solche Gewalt in sich entwickelt, eine gewisse, den ganzen Menschen in Anspruch nehmende Entwickelung durchmachen muß. Da hilft nicht die bloße verstandesmäßige Gelehrsamkeit, da hilft nicht bloß Denken und Wissenschaft. Nur diejenigen, welche die geheimnisvollen Methoden kennen und üben, welche sich auf eine hohe moralische Entwickelungsstufe hinaufarbeiten, welche die verschiedensten Prüfungsstufen durchmachen in intellektueller, spiritueller und moralischer Beziehung, heben sich über ihre Mitmenschen hinauf und werden zu Priestern der Menschheit. Sie werden dadurch dahin geführt, daß es ihnen unmöglich wird, eine solche Macht anders als zum Wohle der Mitmenschen zu gebrauchen. Und weil ein solches Wissen die höchste Kraft verleiht, weil es durch eine Verwandlung des ganzen Menschen geschieht, deshalb wurde es geheim gehalten. Erst als andere Anschauungen sich Bahn brachen, da gewann man auch über diese Erscheinungen andere Ansichten, andere Absichten, andere Intentionen. Geheimwissenschaftliche Traditionen also liegen durch Jahrhunderte hindurch der Frage zugrunde, und nicht kommt es auf etwas anderes an, als darauf: Welche Anforderungen hat derjenige, dem eine solche Macht vermittelt wird, zu erfüllen, welche Methoden sind notwendig, damit ein Mensch sich einen solchen Einfluß auf seine Mitmenschen erwerben kann?

[ 11 ] Now we must assume that human beings differ from one another so greatly that one can produce certain effects, like a magnet, while another cannot produce any effect, like a piece of wood. Such a view will never be accepted by purely rational Enlightenment. It assumes that one person is just like another. The average standard is applied to people, and one would never admit that someone could be a distinguished scholar of reason but have absolutely no ability, no qualities, to induce a hypnotic state. It might, however, be the case that it depends less on the person being hypnotized and more on the one who hypnotizes, who is the active agent. Perhaps the qualities that exert such a powerful influence on others can even be artificially induced in a person, so that the phenomena we have spoken of occur—indeed, that perhaps even more significant phenomena occur. Rational Enlightenment, which makes no distinction between one person and another, will not admit this. But those who have studied these matters were well aware of this right up to the Age of Enlightenment. Anyone who traces the course of history will find a very different conception of science than the one we have today. Sometimes it is only oral traditions that have been passed down from school to school. In all of this, we are never told anything about the state of the hypnotized, about the state of those who are to be hypnotized; that is of no consequence at all. On the other hand, we are given methods that enable another person, the hypnotist, to summon such powers within himself that he can exert such an influence on his fellow human beings. In the secret schools, very specific methods are then taught through which a person gains such power over his fellow human beings. However, all schools also require that the one who develops such power within himself must undergo a certain development that engages the whole person. Mere intellectual learning does not help here; mere thinking and science do not help. Only those who know and practice the mysterious methods, who work their way up to a high level of moral development, who undergo the most diverse stages of testing in intellectual, spiritual, and moral terms, rise above their fellow human beings and become priests of humanity. They are thereby led to a point where it becomes impossible for them to use such power for anything other than the good of their fellow human beings. And because such knowledge bestows the highest power, because it comes about through a transformation of the whole person, that is why it was kept secret. Only when other views gained ground did people also develop different perspectives, different aims, and different intentions regarding these phenomena. Esoteric traditions, then, have underlain this question for centuries, and nothing else matters but this: What requirements must the one to whom such power is imparted fulfill, and what methods are necessary for a human being to acquire such influence over their fellow human beings?

[ 12 ] So stand diese Frage bis in das Zeitalter der Aufklärung. Nur in der Morgendämmerung der Aufklärung konnte von einer solchen Seite wie der des Jesuitenpaters, den ich angeführt habe, etwas in populär-wissenschaftlicher Form verraten werden über diese Erscheinungen. Niemals hätte sich früher jemand, der die Sache und die Art und Weise kennt, unterstanden, in öffentlichen Büchern über diese Erscheinungen zu sprechen. Nur durch Indiskretion konnte über diese Sache etwas in die Offentlichkeit kommen. Erst als man nicht mehr wußte, was der Spruch: Wissen ist Macht —, für eine ungeheure Bedeutung hat, erst in diesem Zeitpunkte, als man sozusagen, wie das Kind mit dem Feuer, so mit einem unter Umständen recht verhängnisvollen Wissen spielte und nichts Rechtes damit anzufangen wußte, erst in einer solchen Zeit war es möglich, dieses Wissen, das nichts anderes bedeutet als Herrschaft des Geistes über den Geist, in populärer Art zu besprechen. Es ist daher nicht verwunderlich, daß die eigentliche offizielle Gelehrsamkeit, die ja in der Art und Weise, wie wir sie kennen, doch ein Kind der letzten Jahrhunderte ist, mit diesen Erscheinungen nichts anzufangen wußte.

[ 12 ] This was the state of affairs right up until the Age of Enlightenment. It was only at the dawn of the Enlightenment that someone like the Jesuit priest I mentioned could reveal something about these phenomena in a popular scientific format. Never before would anyone familiar with the matter and its nature have dared to speak of these phenomena in public books. Only through indiscretion could anything about this matter come to light. It was only at this point—when the saying Knowledge is power—had such immense significance; only at that point, when people were, so to speak, playing with knowledge—which under certain circumstances could be quite disastrous—as a child plays with fire, and did not know what to do with it, only in such a time was it possible to discuss this knowledge, which means nothing other than the dominion of the spirit over the spirit, in a popular manner. It is therefore not surprising that official scholarship proper—which, in the form we know it, is after all a child of the last few centuries—did not know what to make of these phenomena.

[ 13 ] Namentlich wußte sie nichts damit anzufangen, als ihr diese Erscheinungen in einer merkwürdig überraschenden Art entgegentraten. Das war am Ende des 18. Jahrhunderts durch den auf der einen Seite viel verlästerten, auf der anderen Seite in den Himmel gehobenen Mesmer. Diese Persönlichkeit hat die Frage für die Gelehrsamkeit in Fluß gebracht. Der Name Mesmerismus kommt ja von ihm. Er war eine ganz eigentümliche Persönlichkeit, eine Persönlichkeit, wie sie vielleicht im 18. Jahrhundert in größerer Zahl aufgetreten sind, als das heute der Fall sein könnte; eine Persönlichkeit, die, wie wir sehen werden, notwendig von vielen verkannt werden mußte, die aber auf der anderen Seite durch eine Furchtlosigkeit — die freilich für den Außenstehenden wie Abenteuerlust, wie Scharlatanerie erscheint — imstande war, diese Frage in Fluß zu bringen. Im Jahre 1766 erschien eine Abhandlung von Mesmer über den «Einfluß der Planeten auf das menschliche Leben», die der heutige Gelehrte als eine ganz phantastische Sache ansehen muß. Der von mir hochgeschätzte — nehmen Sie dieses Wort ernst, denn es handelt sich nicht um ein Vorurteil, sondern um eine Charakteristik — Preyer, der Biograph Darwins, brachte eine ungeheure Vorurteilslosigkeit gerade dieser Frage entgegen, was ich wohl zu würdigen weiß, und ich wähle ihn daher insbesondere als Beispiel dafür, wie wenig die veränderte Wissenschaft des 19. Jahrhunderts demjenigen gerecht werden kann, was aus ganz anderen Voraussetzungen heraus im 18. Jahrhundert geschrieben worden ist. Preyer also nahm mit allem guten Willen die Werke Mesmers vor und konnte darin nichts anderes finden als hohle Worte. Wer nicht phantastisch, sondern mit Sachkenntnis solche Dinge beurteilt, wird das verstehen, und er wird sogar vielleicht mit Mißtrauen manchem anderen entgegenkommen, der da glaubt, Mesmer gegenüber Preyer in Schutz nehmen zu können. Will man richtig urteilen, so liegen die Vorbedingungen zu einem solchen Urteil viel tiefer als gewöhnlich geglaubt wird. Doch nicht diese erste Abhandlung soll uns beschäftigen, denn sie zeigt für den Tieferblickenden nichts weiter, als daß Mesmer von einem ziemlich hohen Gesichtspunkte aus und mit einem umfassenden Blick die Wissenschaft seiner Zeit zu beherrschen verstand. Das will ich hervorheben, damit nicht der Glaube auftaucht, daß er als Dilettant sich mit solchen Dingen befaßt habe. Also ein einwandfreier junger Gelehrter war Mesmer, als er seine Doktordissertation geschrieben hat, ganz zweifellos, und was er geschrieben hat, das können Sie in unzähligen Dissertationen finden, von Leuten, die ganz brave und tüchtige Gelehrte des 18. und noch des 19. Jahrhunderts geworden sind.

[ 13 ] She had no idea what to make of it when these phenomena confronted her in a strangely surprising way. This occurred at the end of the 18th century through Mesmer, who was, on the one hand, much maligned and, on the other, held in the highest esteem. This figure set the question in motion for scholarship. The name “mesmerism” comes from him, after all. He was a very peculiar individual, the sort of person who perhaps appeared in greater numbers in the 18th century than might be the case today; a figure who, as we shall see, was bound to be misunderstood by many, but who, on the other hand, through a fearlessness—which, admittedly, appears to the outsider as a thirst for adventure, as charlatanism—was able to set this question in motion. In 1766, Mesmer published a treatise on the “Influence of the Planets on Human Life,” which today’s scholar must regard as a thoroughly fantastical matter. The man I hold in high esteem—take this word seriously, for it is not a prejudice but a characterization — Preyer, Darwin’s biographer, brought an immense lack of prejudice to this very question, which I know how to appreciate, and I therefore choose him in particular as an example of how little the transformed science of the 19th century can do justice to what was written in the 18th century from entirely different premises. Preyer, then, approached Mesmer’s works with the best of intentions and could find nothing in them but empty words. Anyone who judges such matters not with fantasy but with expertise will understand this, and may even approach with suspicion those who believe they can defend Mesmer against Preyer. If one wishes to judge correctly, the prerequisites for such a judgment lie much deeper than is commonly believed. But this first treatise is not what concerns us here, for to the discerning eye it reveals nothing more than that Mesmer, from a rather high vantage point and with a comprehensive view, knew how to master the science of his time. I wish to emphasize this so that the belief does not arise that he dealt with such matters as a dilettante. Mesmer was, without a doubt, an impeccable young scholar when he wrote his doctoral dissertation, and what he wrote can be found in countless dissertations by people who went on to become quite respectable and capable scholars of the 18th and even the 19th centuries.

[ 14 ] Dieser Mesmer trat im letzten Drittel des 18. Jahrhunderts in Wien auf mit den sogenannten magnetischen Kuren. Er bediente sich zu diesen magnetischen Kuren zunächst gewisser Methoden, die damals eigentlich schon gang und gäbe waren. Es war dazumal die Tradition, welche niemals ganz erstorben war, daß man durch Mittel, wie ich sie erwähnen werde, Heilungen bewirken könne. Diese Tradition ist in jener Zeit lebendig geworden. Er bediente sich einer Methode, die nichts Verfängliches hatte: es wurden mit Stahlmagneten, die auf die kranke Körperstelle gelegt oder in deren Nähe gebracht wurden, angeblich oder wahrhaftig Linderung oder Heilung von Schmerzen herbeigeführt. Solcher Magnete bediente sich Mesmer in dem Institut längere Zeit. Dann merkte er aber etwas ganz Besonderes. Vielleicht hat er das gar nicht einmal damals gemerkt, vielleicht hat er es auch schon gewußt und wollte nur eine gangbarere Methode als Deckmittel benützen. Er warf nämlich die Magnete beiseite und sagte, daß die Kraft lediglich von seinem eigenen Körper ausgehe, daß sie als heilende Kraft lediglich übertragen werde von seinem eigenen Körper auf den betreffenden kranken Körper, so daß die Heilung eine Wechselwirkung sei zwischen einer Kraft, die er in seinem Körper entwickle und einer anderen Kraft, die in dem kranken Körper des anderen ist. Diese Kraft nennt er den tierischen Magnetismus. Ich erzähle das grob und im rohen; im einzelnen und feiner ausgeführt würde es zuviel Zeit in Anspruch nehmen. Nun hatte er sehr bald — über die Erfolge seiner Kur wollen wir uns nicht unterhalten — in Wien Differenzen. Er mußte die Stadt verlassen und wandte sich darauf nach Paris. Zunächst hatte er da ganz außerordentliche Erfolge. Er hatte einen ungewöhnlichen Zulauf. Die Gelehrten konnten es aber doch nicht verwinden, daß Mesmer monatlich sechstausend Franken verdient hat, was ja etwas recht Mißliches ist vom Standpunkte des Arztes, wenn einer so viel verdient. Das war ja selbstverständlich von seiten der aufstrebenden, zum Materialismus hinneigenden Wissenschaft.

[ 14 ] This Mesmer appeared in Vienna during the last third of the 18th century with his so-called magnetic cures. To perform these magnetic cures, he initially employed certain methods that were actually already commonplace at the time. It was a tradition at that time—one that had never completely died out—that healing could be achieved through means such as those I am about to mention. This tradition came to life during that period. He employed a method that was not at all questionable: by placing steel magnets on the affected part of the body or bringing them close to it, relief or healing of pain was allegedly—or perhaps truly—brought about. Mesmer used such magnets at the institute for quite some time. Then, however, he noticed something quite remarkable. Perhaps he didn’t even notice it at the time; perhaps he already knew it and simply wanted to use a more conventional method as a cover. Namely, he cast the magnets aside and said that the power emanated solely from his own body, that as a healing force it was merely transferred from his own body to the affected sick body, so that the healing was an interaction between a force he developed in his body and another force present in the sick body of the other person. He called this force animal magnetism. I am recounting this in broad strokes and in a rough manner; to go into detail and explain it more precisely would take too much time. Now, very soon—we will not discuss the success of his treatment—he had differences in Vienna. He had to leave the city and subsequently turned to Paris. At first, he had quite extraordinary success there. He had an unusual influx of patients. The scholars, however, could not get over the fact that Mesmer earned six thousand francs a month, which is, of course, quite a nuisance from a physician’s standpoint when someone earns that much. This was, of course, to be expected from the side of the emerging science, which was inclined toward materialism.

[ 15 ] Sie wissen, daß wir im 18. Jahrhundert voll im Zeitalter der Aufklärung stehen, daß in Frankreich die Wogen hoch gingen und daß man nichts gelten lassen wollte, was man nicht mit Augen sehen, nicht mit Händen fassen, nicht mit dem Verstande kombinieren kann. Und Sie werden begreifen, daß man von seiten der offiziellen Wissenschaft, die mehr oder weniger unter dem Einfluß der materialistischen Denkrichtung stand, Anstoß nahm an Dingen, die man nicht begreifen konnte. Mesmers Heilungen wurden daher zu einem öffentlichen Skandal. Man sagte sich: das müssen keine wirklichen, sondern nur eingebildete Krankheiten sein, so daß Hysterische nur in der Phantasie geheilt werden, oder daß Kranke in der Phantasie von dem Schmerze befreit wurden. Jedenfalls leugnete man die Methode Mesmers. Die Folge davon war, daß im Auftrage des Königs zwei Körperschaften aufgefordert wurden, Gutachten über den Mesmerismus abzugeben. Ich möchte sie Ihnen anführen, damit Sie sehen, wie dazumal die Wissenschaft wirklich diesen Dingen gegenüberstand; damit Sie sehen, daß man nicht mit Leidenschaft diese Dinge ansehen darf, aber zu gleicher Zeit auch sehen, wie man dazumal notwendigerweise den Standpunkt verkennen mußte, den man Mesmer gegenüber einzunehmen hatte.

[ 15 ] You know that in the 18th century we were fully in the Age of Enlightenment, that tensions were running high in France, and that people would not accept anything that could not be seen with the eyes, touched with the hands, or comprehended by the mind. And you will understand that official science, which was more or less under the influence of materialist thought, took offense at things it could not comprehend. Mesmer’s cures therefore became a public scandal. People said to themselves: these must not be real illnesses, but only imaginary ones, so that hysterics were healed only in the imagination, or that the sick were freed from pain in the imagination. In any case, Mesmer’s method was denied. The result was that, at the king’s behest, two bodies were called upon to issue expert opinions on mesmerism. I would like to present them to you so that you may see how science truly viewed these matters at that time; so that you may see that one must not regard these things with passion, but at the same time also see how, at that time, one was necessarily bound to misjudge the stance one had to take toward Mesmer.

[ 16 ] Einer Frau wurden die Augen verbunden, und man sagte ihr, daß man Herrn d’Elon geholt habe, der sie magnetisieren würde. Drei von den Bevollmächtigten der Kommission waren zugegen: einer, um zu fragen, einer, um zu schreiben und einer, um zu mesmerisieren. Die Frau wurde nicht magnetisiert. Nach drei Minuten verspürte die Frau den Einfluß, wurde starr, richtete sich vom Stuhle auf und stampfte mit den Füßen. Nun war die Krisis da. Von dieser Krisis sprach man auch bei den Heilungen von Mesmer, ihr schrieb man den Erfolg zu.

[ 16 ] A woman was blindfolded and told that Mr. d’Elon had been summoned to mesmerize her. Three of the commission’s representatives were present: one to ask questions, one to take notes, and one to perform the mesmerization. The woman was not magnetized. After three minutes, the woman felt the influence, became rigid, sat up in her chair, and stamped her feet. Now the crisis had arrived. This crisis was also discussed in connection with Mesmer’s healings; success was attributed to it.

[ 17 ] Man brachte eine Hysterische vor die Tür. Man sagte ihr, daß der Magnetiseur darinnen sei. Sie fing an zu frösteln, zu frieren, und die Krisis kam.

[ 17 ] A hysterical woman was brought to the door. She was told that the magnetizer was inside. She began to shiver and feel cold, and the crisis set in.

[ 18 ] Die Kommission hatte konstatiert, daß etwas Merkwürdiges vorliegt, etwas, was die Kommission nicht erwarten konnte. Und sie hatte etwas konstatiert, wonach sie kaum ein anderes Urteil hat fällen können, als daß die ganze Prozedur Mesmers Schwindel sei. Jeder, der etwas davon verstand, hätte voraussagen können, daß sie mit einer Wahrscheinlichkeit von fünfundneunzig zu hundert zu diesem Resultate kommen würden, und daß sie mit ihren Voraussetzungen zu keinen anderen Erklärungen kommen könnten. Aber zu anderen Resultaten hätte die Kommission doch kommen können! Ist das denn gar nichts, daß eine Frau, die bloß den Gedanken an einen Menschen faßt, in all die Zustände kommt, die uns hier erzählt werden sowohl von der Frau drinnen im Zimmer wie von der Frau draußen? Vor allen Dingen müssen wir fragen, und das hätte sich dazumal diese Kommission auch ehrlich und aufrichtig fragen sollen: Hätten sie nach ihrem rationalistisch aufklärenden Standpunkte eine solche Wirkung des Gedankens erwarten können? Hätten sie mit ihren materialistischen Mitteln irgendwelche Möglichkeit gehabt, eine solche ungeheure Möglichkeit gehabt, die Wirkung des Gedankens auf die körperlichen Zustände zu erklären? Wenn wir der Kommission auch das Recht zugestehen, Mesmer zu verurteilen, so kann ihr aber nimmermehr das Recht zugestanden werden, daß sie diese Sache liegen ließ. Die Sache mußte weiter untersucht werden, gerade von der Kommission aus, denn es liegt ohne Zweifel eine ganz besondere wissenschaftliche Frage vor.

[ 18 ] The commission had concluded that something strange was going on, something the commission could not have anticipated. And it had reached a conclusion that left it with little choice but to rule that the entire procedure was a fraud perpetrated by Mesmer. Anyone who understood anything about it could have predicted that they would arrive at this conclusion with a probability of ninety-five to one hundred, and that, given their premises, they could not arrive at any other explanation. But the Commission could have arrived at other conclusions! Is it really nothing at all that a woman, merely by thinking of a person, enters into all the states described to us here—both regarding the woman inside the room and the woman outside? Above all, we must ask—and this commission should have asked itself honestly and sincerely at the time: Could they, from their rationalist, Enlightenment standpoint, have expected such an effect of thought? Would they have had any possibility, with their materialistic means, of explaining such an immense effect of thought on physical conditions? Even if we grant the Commission the right to condemn Mesmer, we can by no means grant them the right to have left this matter alone. The matter had to be investigated further, precisely by the Commission, for there is undoubtedly a very special scientific question at hand.

[ 19 ] Eine Tatsache möchte ich noch hervorheben, die vielsagend ist für den, der Bescheid weiß, die aber nur in abfälligem Sinne beurteilt worden ist. Es wurde Mesmer eine große Summe angeboten, damit er sein Geheimnis an andere Menschen abgebe. Es wurde auch gesagt, die Summe sei ihm ausgezahlt worden, aber er hätte das Geheimnis für sich behalten und anderen nicht mitgeteilt. Das wird von vielen als Schwindel aufgefaßt. Aber kurze Zeit nachdem tauchten in ganz Frankreich sogenannte hermetische Gesellschaften auf, in welchen dieselben Künste in einem gewissen Grade auch ausgeübt wurden. Man sagte nicht, daß er das Geheimnis verraten habe, aber es fanden sich solche, welche seine Methoden ausgeübt haben. Wer etwas von diesen Dingen weiß, der versteht, daß er seine Geheimnisse nur an vertrauenswürdige Personen mitteilte. Es sagt gar nichts, daß er seine Geheimnisse nicht in den Zeitungen veröffentlichte. Bringen Sie den Satz damit in Zusammenhang, daß diejenigen, welche von solchen Dingen wirklich etwas wissen, diese Sachen nicht mitteilen, da es nicht darauf ankommt, mitzuteilen, sondern gewisse Eigenschaften zu entwickeln, die das hervorbringen.

[ 19 ] There is one fact I would like to highlight that is highly significant to those in the know, but which has been viewed only with disdain. Mesmer was offered a large sum of money to reveal his secret to others. It was also said that the sum had been paid to him, but that he had kept the secret to himself and not shared it with others. Many regard this as a hoax. But shortly thereafter, so-called hermetic societies began to appear throughout France, in which the same arts were also practiced to a certain extent. It was not said that he had betrayed the secret, but there were those who practiced his methods. Anyone who knows anything about these matters understands that he shared his secrets only with trustworthy individuals. The fact that he did not publish his secrets in the newspapers means nothing. Consider this in light of the fact that those who truly know anything about such matters do not share them, since the point is not to share, but to develop certain qualities that bring them forth.

[ 20 ] Jetzt werden Sie begreifen, woher die Gesellschaften gekommen sind. Es kommt hierbei gar nicht auf die Experimente an; die Experimente sind sogar zu verbieten, wenn sie von Unberufenen angestellt werden. Es kommt lediglich darauf an, den Hypnotiseur zu entwickeln. Die Wissenschafter konnten sich eigentlich in der damaligen Zeit kaum irgendeine Erklärung dieser Erscheinungen geben. Daher wurden diese Erscheinungen, wie von der Französischen Akademie so auch von der ganzen Wissenschaft, zunächst zu den Toten geworfen. Sie tauchten aber immer wieder auf. Und selbst in Deutschland wurden fortwährend solche Erscheinungen besprochen. Zeitungen wurden extra dafür gegründet. Die Menschen, welche glauben, daß solch ein Einfluß von Mensch zu Mensch ausgeübt werden kann, erklären die Tatsache damit, daß sie annehmen, ein Fluidum, ein feiner Stoff gehe von dem Hypnotiseur auf den Hypnotisierten über und übe den Einfluß aus. Aber selbst diejenigen, welche den Einfluß nicht leugnen, können nicht über den Materialismus hinauskommen; sie sagen sich: Stoff bleibt Stoff, gleichgültig ob er grob oder fein ist. — Man konnte sich unter dem Geistig-Wirksamen nichts anderes als etwas Stoffliches denken. Daß damals diese Erscheinungen so gedeutet wurden, ist eine Folge des Umstandes, daß sie im materialistischen Zeitalter zu deuten versucht wurden.

[ 20 ] Now you will understand where these societies came from. The experiments are not what matters here; in fact, they should be prohibited if conducted by unqualified individuals. What matters is simply the development of the hypnotist. Scientists at the time could hardly offer any explanation for these phenomena. Therefore, these phenomena were initially dismissed as nonsense, both by the French Academy and by the scientific community as a whole. But they kept reappearing. And even in Germany, such phenomena were constantly being discussed. Newspapers were founded specifically for this purpose. People who believe that such an influence can be exerted from one person to another explain the phenomenon by assuming that a fluid, a subtle substance, passes from the hypnotist to the hypnotized person and exerts the influence. But even those who do not deny the influence cannot transcend materialism; they tell themselves: matter remains matter, whether coarse or fine. — One could conceive of nothing other than something material under the term “spiritually active.” That these phenomena were interpreted in this way at the time is a consequence of the fact that they were attempted to be interpreted in the materialistic age.

[ 21 ] Ich kann nun nicht die verschiedenen Jahrzehnte, die auf Mesmer folgten, ausführlich schildern. Ich will nur erwähnen, daß die Erscheinungen niemals ganz vergessen worden sind, ja daß sogar immer und immer wieder Leute aufgetreten sind, welche diese Erscheinungen sehr ernst genommen haben. Auch Universitätsprofessoren hat es gegeben, welche diese Erscheinungen ausführlich beschrieben haben und schon verschiedene Dinge wußten, die wir heute unter dem Begriffe: hypnotische Erscheinungen zusammenfassen. Sie wußten von dem, was wir Verbalsuggestion nennen. Sie behaupteten zum Beispiel recht viel mehr, als was die heutige Wissenschaft zugeben will. Es wurde von einem Gelehrten behauptet, daß er mit geschlossenen Augen ein Buch ganz gut lesen könnte; daß er mit der Herzgrube lesen könne und in einem solchen Zustande durch bloße Berührung einer Buchseite die Worte lesen könne. Man behauptete, daß man auch durch einen künstlichen Somnambulismus dazu kommen kann, ferne Ereignisse zu sehen, also Hellseher zu werden.

[ 21 ] I cannot now describe in detail the various decades that followed Mesmer. I will merely mention that these phenomena were never completely forgotten; indeed, time and again people have emerged who took these phenomena very seriously. There have also been university professors who described these phenomena in detail and already knew various things that we today summarize under the term “hypnotic phenomena.” They knew about what we call verbal suggestion. For example, they claimed far more than what modern science is willing to admit. One scholar claimed that he could read a book quite well with his eyes closed; that he could read with his solar plexus and, in such a state, read the words by merely touching a page of the book. It was claimed that one could also, through artificial somnambulism, come to see distant events—that is, to become a clairvoyant.

[ 22 ] Nun wurden diese ganzen Erscheinungen wieder in Fluß gebracht — und es ist das Merkwürdige dabei, daß die Gelehrten des 19. Jahrhunderts mit der Nase darauf gestoßen werden mußten —, sie wurden erst in Fluß gebracht durch herumziehende Hypnotiseure wie Hansen, die in den vierziger Jahren in Amerika herumzogen, die Erscheinungen vor dem großen Publikum zeigten und sich dafür bezahlen ließen. Sie riefen oft ganz ungeheure Wirkungen bei ihren Zuschauern hervor. Man nannte sie Seelenbändiger. Namentlich Justinus Kerner nennt diese Leute Seelenbändiger, weil sie durch bloßes Anstarren, bloßes Anschauen, Seelenwirkungen hervorbrachten. Dieses auf die Erscheinungen mit der Nase stoßen, hat aber gefährliche Seiten, weil auf der einen Seite Gefahren für die Versuchspersonen vorhanden sind, auf der anderen Seite gewisse Schwindler das Publikum in der unglaublichsten Weise hinters Licht führen.

[ 22 ] Now all these phenomena were set in motion again—and the curious thing is that the scholars of the 19th century had to be led right to them—they were first set in motion by traveling hypnotists like Hansen, who traveled around America in the 1840s, demonstrated the phenomena to large audiences, and charged for their services. They often evoked quite tremendous effects in their audiences. They were called soul-tamer. Justinus Kerner, in particular, calls these people “soul tamers” because they produced effects on the soul through mere staring, mere looking. However, this “stumbling upon” the phenomena has dangerous aspects, because on the one hand there are dangers for the test subjects, and on the other hand certain charlatans deceive the public in the most unbelievable ways.

[ 23 ] Ein Experiment möchte ich Ihnen anführen, das oft gemacht worden ist und von dem ich selbst persönlich überzeugt bin, daß es immer und immer wieder in großen Volksversammlungen Seelen perplex gemacht und betrogen hat. Das Experiment besteht in folgendem. Hier sitzt ein Medium mit verbundenen Augen. Es kann nichts sehen. Der betreffende Impresario geht im Publikum herum und sagt ganz hinten im Saal: Sagen Sie mir einmal etwas ins Ohr oder stellen Sie eine Frage, und wir wollen sehen, ob das Medium etwas davon wissen kann. Oder schreiben Sie mir auf einen Zettel ein Wort oder einen Satz auf. — Das eine oder das andere geschieht, und nach ganz kurzer Zeit wird das Medium vorn am Tisch, also schr weit von dem Impresario entfernt, das Wort, das zugeflüstert oder aufgeschrieben ist, ansagen. Niemand als die zwei Menschen wissen etwas davon, und der betreffende Impresario kann den Zettel vorweisen oder den Betreffenden fragen lassen, ob die Mitteilung des Mediums stimmt. In Wahrheit war in vielen Fällen, wo ich dabei war, nichts anderes als das Folgende geschehen. Der Mann, der herumging, war ein sehr geschickter Bauchredner. Das Medium bewegte in dem Augenblicke, in dem es das Wort aussprechen sollte, die Lippen. Das ganze Publikum sah auf die Lippen des Mediums, und der Impresario sagte selbst das betreffende Wort oder den betreffenden Satz! Ich habe immer und immer wieder erlebt, daß jeweils kaum zwei Menschen im Saale waren, die eine Erklärung für dieses Experiment hatten. Solche Sachen wurden natürlich immer und immer wieder durcheinander gemischt mit einwandfreien Tatsachen. Man muß da Bescheid wissen, um nicht von herumziehenden Magnetiseuren hinters Licht geführt zu werden. Deshalb bezeichne ich es als bedauerlich, daß die Gelehrten auf diese Sache hingewiesen werden müssen. Es gibt Bauchredner, die ganze Melodien, Klavierspiel und so weiter durch Bauchreden hervorbringen können! Wer diese Dinge kennt und Bescheid weiß, der wird nicht leicht in diesen Fragen hinters Licht geführt werden können.

[ 23 ] I would like to describe an experiment to you that has been conducted many times and of which I am personally convinced that it has, time and again, left people perplexed and deceived at large public gatherings. The experiment consists of the following. Here sits a medium with a blindfold. He cannot see anything. The impresario in question walks around among the audience and says to someone at the very back of the hall: “Whisper something in my ear or ask a question, and let’s see if the medium can know anything about it. Or write a word or a sentence on a piece of paper for me.” — One or the other happens, and after a very short time, the medium at the front of the table—that is, far away from the impresario—will announce the word that was whispered or written down. No one but the two people know anything about it, and the impresario in question can produce the slip of paper or have the person in question asked whether the medium’s message is correct. In truth, in many cases where I was present, nothing other than the following had happened. The man walking around was a very skilled ventriloquist. The medium moved his lips at the very moment he was supposed to speak the word. The entire audience was watching the medium’s lips, and the impresario himself said the word or sentence in question! I have seen time and again that there were hardly two people in the hall who had an explanation for this trick. Such things were, of course, constantly mixed in with genuine facts. One must be well-informed in this matter so as not to be deceived by itinerant magnetizers. That is why I consider it regrettable that scholars must be made aware of this matter. There are ventriloquists who can produce entire melodies, piano playing, and so on through ventriloquism! Anyone who is familiar with these things and knows what they’re about will not be easily deceived on these matters.

[ 24 ] In den vierziger und fünfziger Jahren wurden durch herumziehende Seelenbändiger die Gelehrten wieder einmal mit der Nase darauf gestoßen. Namentlich war es ein gewisser Stone, der viel Aufsehen erregte und von sich reden machte. Schon früher aber hatte ein solcher Schausteller einen Gelehrten darauf gebracht, diese Erscheinungen wieder einmal genau zu studieren. Von diesem haben wir aus den vierziger Jahren Abhandlungen gelehrter Art über diese Erscheinungen. Sie bezogen sich hauptsächlich auf die Fixationsmethode, auf das Anstarren eines glänzenden Gegenstandes. Nun hat dieser Gelehrte sogleich darauf aufmerksam gemacht, daß es sich bei allen diesen Erscheinungen nicht darum handeln könne, daß von den Hypnotiseuren ein ganz besonderer, ein spezifischer Einfluß auf die zu hypnotisierenden Personen ausgehe. Und gerade dieses Experiment der Fixation war für ihn so maßgebend, weil er zeigen wollte, daß es sich bei diesen Erscheinungen um einen abnormen Zustand der betreffenden Versuchsperson handelt. Er wollte zeigen, daß keine Wechselwirkung stattfindet, sondern daß alles, was geschah, nichts als eine physiologisch aufzufassende, durch einen reinen Gehirnprozeß hervorgerufene Erscheinung war. Es kam ihm darauf an, zu zeigen, daß der Mesmerismus, bei dem der betreffende Mensch die besonderen Eigenschaften haben muß, ein Unding sei. Damit war der Ton im Grunde genommen angegeben, in dem fortan diese Fragen von der offiziellen Wissenschaft die ganze zweite Hälfte des 19. Jahrhunderts hindurch behandelt worden sind. Nur mit wenigen Ausnahmen wurde diese Frage so aufgefaßt, als ob sie sich behandeln ließe wie ein gewöhnliches naturwissenschaftliches Experiment, als ob es sich um nichts anderes handle als um eine Tatsache, die nur insofern Bedeutung hat, als sie wieder herbeigeführt werden kann wie ein anderes naturwissenschaftliches Experiment, das jederzeit angestellt und wiederholt werden kann. Diese Anforderung wurde nun auch an dieses Experiment gestellt. Unter dieser Anforderung ließ sich auch die Wissenschaft herbei, die Erscheinungen zu studieren. Das Studium fiel aber in ein recht ungünstiges Zeitalter. Um Ihnen zu charakterisieren, wie ungünstig das Zeitalter der fünfziger, sechziger Jahre war, will ich noch etwas anführen, das für den Prüfer des Entwickelungsganges des 19. Jahrhunderts das Bezeichnendste ist, das aber von der offiziellen Wissenschaft in der Regel überhaupt übersehen wird.

[ 24 ] In the 1840s and 1850s, itinerant spirit mediums once again brought these phenomena to the attention of scholars. In particular, a certain Stone caused quite a stir and made a name for himself. But even earlier, such a showman had prompted a scholar to study these phenomena closely once again. From the 1840s, we have scholarly treatises by this scholar on these phenomena. They mainly concerned the fixation method, the staring at a shiny object. Now, this scholar immediately pointed out that all these phenomena could not be attributed to the hypnotists exerting a very special, specific influence on the subjects being hypnotized. And it was precisely this fixation experiment that was so decisive for him, because he wanted to show that these phenomena were due to an abnormal state of the test subject in question. He wanted to show that no interaction was taking place, but that everything that happened was nothing more than a physiologically understandable phenomenon caused by a purely cerebral process. It was important to him to demonstrate that mesmerism—which requires the subject to possess specific characteristics—was an absurdity. This essentially set the tone in which these questions were subsequently addressed by official science throughout the entire second half of the 19th century. With few exceptions, this question was treated as if it could be handled like an ordinary scientific experiment, as if it were nothing more than a fact that is significant only insofar as it can be reproduced like any other scientific experiment that can be set up and repeated at any time. This requirement was now also imposed on this experiment. Under this requirement, science also set out to study the phenomena. However, this study fell into a rather unfavorable era. To illustrate for you just how unfavorable the era of the 1850s and 1860s was, I would like to mention something that is most characteristic for the observer of the course of development in the 19th century, but which is generally overlooked by official science.

[ 25 ] Lange vor Stone, lange vor der Kathedergelehrsamkeit, tauchte in Paris ein Mann auf, der vorher katholischer Priester war, dann zu den Brahmanen nach Indien gegangen war, und der in Paris nach den Methoden, die er in Indien kennengelernt hatte, den Hypnotismus und die Suggestion, also die Eingebung von Person zu Person, zu Heilungen verwandte. Dieser Mann, Faria hieß er, erklärte die ganzen Erscheinungen in einer wesentlich anderen Weise. Er sagte, es käme dabei nur auf eines an: es käme darauf an, daß der Hypnotiseur in dem zu Hypnotisierenden einen ganz bestimmten Geisteszustand hervorrufen könne, daß er imstande sei, die Vorstellungsmassen des zu Hypnotisierenden in einen Zustand der Konzentration, der Sammlung zu versetzen. Wenn diese Sammlung, diese Konzentration erreicht wird, wenn also die ganze Vorstellungsmasse des Betreffenden auf einen bestimmten Punkt konzentriert wird, so muß der betreffende Zustand eintreten. Und dann müssen auch die anderen Erscheinungen eintreten, und auch die noch viel komplizierteren, die Faria aufzeigt.

[ 25 ] Long before Stone, long before academic scholarship, a man appeared in Paris who had previously been a Catholic priest, had then gone to India to join the Brahmins, and who, in Paris, used the methods he had learned in India—hypnotism and suggestion, that is, the transmission of ideas from person to person—to perform healings. This man, named Faria, explained all these phenomena in a fundamentally different way. He said that only one thing mattered: it depended on the hypnotist being able to induce a very specific mental state in the person to be hypnotized, that he be capable of bringing the person’s mental faculties into a state of concentration and focus. Once this composure, this concentration is achieved—that is, once the subject’s entire mental faculties are focused on a specific point—the desired state must occur. And then the other phenomena must also occur, including the even more complex ones that Faria describes.

[ 26 ] Da haben Sie einmal eine Erklärung und Auslegung in sachgemäßer Weise von jemand, der die Sache wirklich verstand. Aber er wurde nicht verstanden. Über ihn wird einfach hinweggegangen. Und das ist auch erklärlich. — Ich habe gesagt, daß der Jesuitenpater, der zuerst diese Sache besprochen hat, und der seine Weisheit auch aus Indien bezogen hatte, in der Überschrift die Erklärung andeutete. Von der verstanden aber die Gelehrten wenig, so daß der gelehrte Preyer noch im Jahre 1877 sagte, wenn die Kirche diese Erscheinungen auf Phantasie zurückführe, so zeige das nur, wieviel Phantasie die Kirche habe. Ausfallend sprach er sich über den zum Brahmanen gewordenen katholischen Priester aus. Immer aber findet sich, daß der Hypnotismus benutzt worden ist zu Heilungen und zum Schmerzstillen bei Operationen. Die, welche Beziehung zu Faria hatten, brachten es dahin, daß durch geistigen Einfluß ein Schmerz bei dem zu Operierenden nicht wahrzunehmen war. Im Jahre 1847 wurde das Chloroform entdeckt, ein Mittel, von dem die materialistischen Forscher glauben konnten, und auch mit Recht sagen, daß es geeignet sei, bei Operationen schmerzverhindernd zu wirken. Damit war für lange Zeit das Verständnis für das andere schmerzstillende Mittel verlorengegangen. Nur einzelne, wirklich denkende Forscher haben sich auch in der folgenden Zeit mit diesen Erscheinungen befaßt. Wer genauer zusieht, findet immer und immer wieder, daß die Arzte sehr wohl bekannt sind mit den einschlägigen Methoden, aber da und dort lassen sie bemerken, daß hinter den Erscheinungen etwas stehe, was sie nicht verstehen. Und diejenigen, welche einsichtsvoller sind, warnen ausdrücklich davor, sich überhaupt mit diesen Erscheinungen zu befassen, mit diesem Gebiete, das der Täuschung so unterworfen ist, daß selbst große Gelehrte genasführt werden können; es könne daher nicht genug davor gewarnt werden.

[ 26 ] There, for once, is an explanation and interpretation given in a proper manner by someone who truly understood the matter. But he was not understood. People simply ignore him. And that is understandable. — I have said that the Jesuit priest, who first discussed this matter and who had also drawn his wisdom from India, hinted at the explanation in the headline. But the scholars understood little of this, so that the learned Preyer still said in 1877 that if the Church attributed these phenomena to imagination, it only showed how much imagination the Church possessed. He spoke disparagingly of the Catholic priest who had become a Brahmin. However, it is consistently found that hypnotism has been used for healing and for pain relief during operations. Those associated with Faria managed to achieve a state where, through mental influence, the patient undergoing surgery felt no pain. In 1847, chloroform was discovered, a substance about which materialistic researchers could believe—and rightly so—that it was suitable for preventing pain during operations. With this, understanding of the other pain-relieving agent was lost for a long time. Only a few truly thoughtful researchers continued to study these phenomena in the years that followed. Anyone who looks more closely will find time and again that doctors are very well acquainted with the relevant methods, but here and there they let slip that there is something behind these phenomena that they do not understand. And those who are more discerning expressly warn against dealing with these phenomena at all, with this field that is so prone to deception that even great scholars can be misled; one cannot therefore warn strongly enough against it.

[ 27 ] Auf diesem Standpunkte standen gewisse Gelehrte, vor denen man sonst die höchste Achtung haben mußte. Ich nenne nur den in dieser Richtung von mir sehr geschätzten Wiener Forscher Benedikt, der auf diese Erscheinungen immer und immer wieder, schon in den siebziger Jahren, hingewiesen hat. Er ist derselbe Forscher, der die Idee von dem sogenannten moralischen Wahnsinn aufgestellt hat, die nur gewöhnlich nicht verstanden wird. Man braucht nicht mit der Theorie einverstanden zu sein, auch nicht mit dem, was er über Hypnotismus und Magnetismus spricht. Schon als junger Mann hat er sich mit dem Mesmerismus beschäftigt und gefunden, daß dahinter etwas steckt; aber er hat sich niemals in der Weise damit abgegeben wie etwa Liébeault und Bernheim von der Nancyer Schule. Es war Benedikt, der scharf opponierte und betonte, daß selbst Charcot gewarnt habe vor Deutungsversuchen dieser Erscheinungen. Nirgends können Sie bei diesem Benedikt einen plausiblen Grund für seine Opposition gegen die ganze Theorie der Hypnose finden, aber seine instinktiven Außerungen sind in einer merkwürdig richtigen Linie sich bewegend. Er sagt immer nur; Wer Versuche anstellt auf diesem Gebiete, der muß sich klar darüber sein, daß die Personen, mit denen er solche Versuche anstellt, ihn ebenso gut, vielleicht ohne daß sie es wissen, hinters Licht führen können, wie sie ihm auch irgend etwas Wahres vermitteln können. — Er hat auf der anderen Seite betont, daß auf die Art und Weise, wie die Wissenschaft sich der Dinge bemächtigen will, zu gar keinem Resultat zu kommen ist.

[ 27 ] This was the view held by certain scholars who were otherwise held in the highest regard. I will mention only the Viennese researcher Benedikt, whom I greatly admire in this regard, who pointed out these phenomena time and again, as early as the 1870s. He is the same researcher who put forward the idea of so-called moral insanity, which is simply not usually understood. One need not agree with the theory, nor with what he says about hypnotism and magnetism. Even as a young man, he had studied mesmerism and found that there was something to it; but he never engaged with it in the same way as, for example, Liébeault and Bernheim of the Nancy School. It was Benedikt who strongly opposed the theory and emphasized that even Charcot had warned against attempts to interpret these phenomena. Nowhere in Benedikt’s writings can you find a plausible reason for his opposition to the entire theory of hypnosis, but his instinctive remarks follow a remarkably sound line of reasoning. He simply states: Anyone conducting experiments in this field must be aware that the subjects with whom he conducts such experiments may just as easily, perhaps without their knowing it, deceive him as they may convey something true to him. — On the other hand, he has emphasized that the way in which science seeks to take possession of things leads to no results at all.

[ 28 ] Nun sehen wir, nachdem namentlich wieder ein herumziehender Hypnotiseur, Hansen, den Leuten die horrendesten Experimente vorgemacht hat, die von Gelehrten im Laboratorium nachgemacht wurden und zum Teil gelungen sind, wie Zeitschriften sich der Sache bemächtigen, wie dicke Bücher geschrieben werden, die vom Journalismus ausgeschlachtet werden, wie allmählich diese Dinge Tagesfragen werden und populäre Schriften geschrieben werden, damit jeder von diesen Dingen eine Anleitung in der Westentasche haben kann. Es waren namentlich die Gelehrten der Nancyer Schule, Liébeault und Bernheim, welche in einer der Wissenschaft gemäßen Weise diese Erscheinungen ausdeuteten. Es mußte diesen Erscheinungen eine Eigenschaft zugeschrieben werden, die sie den anderen wissenschaftlichen Erscheinungen entsprechend und gleichbedeutend macht. So sehen wir denn, daß das Außerliche, das, was für die Materialisten nicht abzuleugnen ist, maßgebend sein soll für die Herbeiführung einer Hypnose. Bernheim hat es dahin gebracht, daß er alle Methoden ausschloß und nur die Verbalsuggestion zugab: Das Wort, das ich zu dem Betreffenden spreche, wirkt so, daß er in diesen Zustand kommt. Die Hypnose selbst ist eine Wirkung der Suggestion. Wenn ich sage: Sie schlafen! — oder: Sie senken die Augenlider! — und so weiter, so wird die entsprechende Vorstellung hervorgerufen und diese ruft die Wirkung hervor.

[ 28 ] Now we see, following yet another itinerant hypnotist, Hansen, has demonstrated the most horrendous experiments to the public—experiments that were replicated by scholars in the laboratory and were partially successful—how magazines seize upon the subject, how thick books are written that are exploited by journalism, how these matters gradually become topics of daily discussion, and how popular writings are produced so that everyone can carry a guide to these matters in their pocket. It was notably the scholars of the Nancy School, Liébeault and Bernheim, who interpreted these phenomena in a manner befitting science. These phenomena had to be attributed with a characteristic that makes them comparable and equivalent to other scientific phenomena. Thus we see that the external aspect—that which materialists cannot deny—is to be decisive for inducing hypnosis. Bernheim went so far as to exclude all other methods and admit only verbal suggestion: The word I speak to the subject has the effect of bringing them into this state. Hypnosis itself is an effect of suggestion. When I say: “You are sleeping!”—or: “You are lowering your eyelids!”—and so on, the corresponding mental image is evoked, and this brings about the effect.

[ 29 ] So hatte denn der Materialismus die Erscheinungen der Hypnose glücklich eingesargt; so war in den Hintergrund getreten das, was alle diejenigen wissen, die in diesen Dingen sich auskennen: daß es ankommt auf die Einwirkung einer Person auf die andere; daß eine Person entweder die Naturanlage dazu hat, oder sie ausbildet durch besondere Methoden und sich also so zu einer mächtigen, für ihre Mitmenschen bedeutungsvollen Persönlichkeit entwickelt. Und gerade das, daß dieser persönliche Einfluß wirkte, war völlig außer acht gelassen worden. Es sollte der Standpunkt des Durchschnittsverstandes gelten, dem alle Menschen gleich sind, der eine Entwickelung des Menschen zu einer gewissen Höhe moralischer und intellektueller Durchbildung nicht gelten lassen will. Das, worauf es ankommt, ist eingesargt worden.

[ 29 ] Thus, materialism had successfully dismissed the phenomena of hypnosis; thus fading into the background was what all those familiar with these matters know: that what matters is the influence of one person on another; that a person either possesses a natural predisposition for it or develops it through special methods, thereby evolving into a powerful personality of significance to their fellow human beings. And precisely the fact that this personal influence was at work had been completely disregarded. The standpoint of the average mind was to prevail—the one that regards all people as equal and refuses to acknowledge the development of the human being to a certain level of moral and intellectual refinement. What really matters has been buried.

[ 30 ] Von diesem Standpunkte aus ist die ganze moderne Literatur abgefaßt. Namentlich ist es der Philosoph Wundt, der gar nichts damit anzufangen weiß, der es erklärt aus dem Unwirksamwerden eines bestimmten Teiles des Gehirns. Auch mein Freund, den ich sehr schätze, Dr. Hans Schmidkunz, hat eine Psychologie der Suggestion geschrieben, worin er im einzelnen ausführt, daß diese Vorgänge nur eine Steigerung von im gewöhnlichen Leben zu beobachtenden Erscheinungen sind, die auf natürliche Weise herbeigeführt werden, daß man aber noch nicht weiß, wo die Erklärung gesucht werden muß.

[ 30 ] All modern literature is written from this perspective. In particular, it is the philosopher Wundt, who does not know what to make of it, who explains it as the inactivation of a specific part of the brain. My friend, whom I hold in high esteem, Dr. Hans Schmidkunz, has also written a book on the psychology of suggestion, in which he explains in detail that these processes are merely an intensification of phenomena observable in everyday life, brought about in a natural way, but that we do not yet know where to look for an explanation.

[ 31 ] Indem wir die Geschichte dieser Tatsache betrachtet haben, sind wir in eine Art von Sackgasse hineingeraten. Niemand wird etwas anderes in der zeitgenössischen Literatur über dieses Kapitel finden können als eine mehr oder weniger große Ansammlung von einfachen, elementaren Tatsachen. Die Einwirkung eines Menschen auf einen anderen verrät mehr oder weniger nichtssagende Erklärungsversuche ziemlich materialistischer Art. Aber man wird sich vor allen Dingen davon überzeugen, daß die offizielle Wissenschaft diesen Tatsachen nicht gewachsen war, und daß nichts unberechtigter ist, als wenn heute die Medizin sich anmaßt, diese Erscheinungen für sich einzusargen, wenn sie geradezu den Anspruch erhebt, daß es einzig und allein das Feld der Medizin sein soll, Vorrecht der Medizin sein soll, sich mit diesen Tatsachen zu befassen. Für jeden wirklich Einsichtigen ist es klar, daß die Medizin auf ihrem heutigen Standpunkt mit diesen Tatsachen nichts anzufangen weiß, und daß vor allem diejenigen recht haben, die auf die Gefahr dieser Dinge hinweisen. Nicht umsonst haben Leute wie Moritz Benedikt gewarnt vor einer im gewöhnlichen Sinne wissenschaftlichen Beschäftigung mit diesen Dingen. Nicht umsonst haben sie gesagt, daß selbst ein Charcot achtgeben müsse, weil diese Zustände, die er als objektiver Beobachter hervorrufe, ebensogut ihn subjektiv befallen könnten. Nicht umsonst haben sie die Wissenschaft schützen wollen vor der Behandlung, wie sie die Nancyer Schule gepflegt hat, die nichts zustande gebracht hat für den wirklich Einsichtigen als wertlose Registrierungs- oder Erklärungsversuche, die im Grunde genommen nichts besagen. Mit vollem Grund hat Benedikt darauf hingewiesen, daß in der ganzen Literatur der Nancyer Schule nicht zu unterscheiden ist, was oberflächliche und was positive Leistung ist, ob man sich der Selbsttäuschung hingegeben hat oder betrogen worden ist.

[ 31 ] In examining the history of this fact, we have reached a sort of dead end. No one will be able to find anything in contemporary literature on this subject other than a more or less extensive collection of simple, elementary facts. The influence of one person on another reveals more or less meaningless attempts at explanation of a rather materialistic nature. But above all, one will be convinced that official science was not up to the task of dealing with these facts, and that nothing is more unjustified than when medicine today presumes to co-opt these phenomena for itself, when it goes so far as to claim that it alone—and medicine alone—has the prerogative to deal with these facts. It is clear to anyone with true insight that medicine, at its current stage, does not know what to make of these facts, and that above all those are right who point out the danger of these things. It is not for nothing that people like Moritz Benedikt have warned against a scientific engagement with these matters in the conventional sense. It is not for nothing that they have said that even a Charcot must be cautious, because these states, which he evokes as an objective observer, could just as easily affect him subjectively. It is not for nothing that they sought to protect science from the approach cultivated by the Nancy School, which, for the truly discerning, has produced nothing but worthless attempts at recording or explaining that, in essence, mean nothing. Benedikt rightly pointed out that throughout the entire literature of the Nancy School, it is impossible to distinguish between what is superficial and what is substantive, or to determine whether one has succumbed to self-deception or been deceived.

[ 32 ] Das ist das instinktive Urteil eines Mannes, der von gewissen, namentlich tieferen medizinischen Geistern in der Gegenwart doch sehr geschätzt wird, das Urteil eben dieses Professor Benedikt. Dieses Urteil ist deshalb bezeichnend, weil es instinktiv den wahren Sachverhalt uns vorhält. Instinktiv weist Benedikt darauf hin, worauf es ankommt. Das erste ist, daß diese Dinge — und das drückt Benedikt mit deutlichen Worten aus — nicht mit anderen zusammengeworfen werden dürfen, um damit zu experimentieren. Daher untersucht er nur diejenigen Tatsachen, die ohne sein Zutun ihm entgegentreten. Wenn jemand in natürliche Hypnose kommt und keine Veränderung durch den Hypnotiseur erleidet, dann haben wir diese Erscheinungen wissenschaftlich untersucht. Sobald wir aber auf unsere Mitmenschen in diesem Zusammenhang einen Einfluß ausüben, dann tun wir es von Person zu Person, von der Kraft einer Person zu der der anderen, dann verändern wir den Zustand des anderen Menschen, und dann hängt es — das wissen die, welche die höheren Methoden kennen, welche die Wissenschaft noch gar nicht hat — davon ab, was an unserer Person haftet, wie diese Person beschaffen ist. Sind Sie ein schlechter Mensch, in einer gewissen Weise ein minderwertiger Mensch, und Sie üben in hypnotischer Weise einen Einfluß auf Ihre Mitmenschen aus, so schaden Sie ihnen. Wollen Sie einen solchen Einfluß in sachgemäßer Weise ausüben, daß damit umfassende kosmische Kräfte nicht in schädlicher Weise tingiert werden, dann müssen Sie mit den Geheimnissen des höheren Geisteslebens bekannt sein, und das können Sie nur, wenn Sie Ihre Kraft auf eine höhere Stufe hinaufentwickelt haben. Nicht darauf kommt es an, daß da und dort experimentiert wird. Diese Erscheinungen sind solche, die fortwährend um uns herum ausgeübt werden. Sie können nicht eine Räumlichkeit betreten, ohne daß in dieser Räumlichkeit, wenn andere Menschen darinnen sind, Wechselwirkungen stattfinden, die analog dem sind, was — aus anderen Verhältnissen heraus — in den hypnotischen Erscheinungen stattfindet. Sollen in bewußter Weise solche Einflüsse ausgeübt werden, dann muß man erst würdig und fähig sein, einen solchen Einfluß auszuüben.

[ 32 ] This is the instinctive judgment of a man who is highly regarded by certain, notably more profound medical minds of the present day—the judgment of none other than Professor Benedikt. This judgment is significant because it instinctively presents us with the true facts of the matter. Instinctively, Benedikt points out what really matters. The first point is that these things—and Benedikt expresses this in clear terms—must not be lumped together with others for the purpose of experimentation. Therefore, he examines only those facts that present themselves to him without his intervention. If someone enters a state of natural hypnosis and undergoes no change induced by the hypnotist, then we have scientifically investigated these phenomena. But as soon as we exert an influence on our fellow human beings in this context, we do so from person to person, from one person’s power to another’s; then we alter the other person’s state, and then it depends—as those who know the higher methods, which science does not yet possess, are aware—on what is inherent in our person, on the nature of that person. If you are a bad person, in a certain sense an inferior person, and you exert a hypnotic influence on your fellow human beings, you harm them. If you wish to exert such an influence in a proper manner, so that comprehensive cosmic forces are not tainted in a harmful way, then you must be familiar with the mysteries of higher spiritual life, and you can only do so if you have developed your power to a higher level. It is not a matter of experimenting here and there. These phenomena are ones that are constantly at work around us. You cannot enter a room without interactions taking place within that room—if other people are present—that are analogous to what occurs, under different circumstances, in hypnotic phenomena. If such influences are to be exerted consciously, one must first be worthy and capable of exerting such an influence.

[ 33 ] Deshalb wird auf diesem Gebiete erst dann wieder ein gesundes Leben sein, wenn nicht die Forderung besteht, diese Erscheinungen im Sinne der Wissenschaft zu studieren, sondern wenn die alte Methode wieder erneuert wird, daß der, welcher die Macht in sich erweckt hat, der also Hypnotiseur sein kann, erst ganz bestimmte höhere Kräfte in sich entwickeln muß. Das wußte man früher. Man wußte, wie die Erscheinungen sind. Es kam darauf an, die Menschen darauf vorzubereiten, daß sie solche Erscheinungen ausführen durften. Erst wenn unsere ärztliche Ausbildung wieder eine ganz andere sein wird, wenn die ganze Menschheit wieder auf eine höhere moralische, spirituelle und intellektuelle Stufe geführt wird und der Mensch sich würdig erwiesen hat, erst wenn die Prüfung in diesem Sinne ausgeführt wird, kann von einer gedeihlichen Entwickelung dieses Gebietes gesprochen werden. Daher ist nichts zu hoffen von der heutigen akademischen Behandlung von Hypnotismus und Suggestion. Sie werden in einer ganz falschen Weise aufgefaßt. Sie müssen erst wieder in der richtigen Weise betrachtet werden. Wenn das geschehen wird, dann wird man sehen, daß diese Erscheinungen im Grunde genommen verbreiteter sind, als man gewöhnlich glaubt. Man wird dann so manches in unserer Umgebung verstehen. Dann wird man auch wissen, daß man über ein gewisses Maß hinaus diese Erscheinungen gar nicht popularisieren kann, weil über dieses Maß hinaus, diese Erscheinungen zur menschlichen Innenentwickelung gehören. Die höchste Macht wird nicht erworben durch lebendige Vivisektion des Geistes, sondern durch die Ausbildung tief in uns liegender Kräfte. Moralische, geistige, spirituelle Höherentwickelung, das wird es sein, was uns wieder würdig macht, auf diesen Gebieten ein deutliches und klares Wort zu sprechen.

[ 33 ] That is why a healthy life will only return to this field when the demand is no longer to study these phenomena from a scientific perspective, but rather when the old method is revived: that the one who has awakened the power within himself—and who can thus be a hypnotist—must first develop very specific higher powers within himself. This was known in the past. People knew what these phenomena were like. The key was to prepare people so that they were permitted to perform such phenomena. Only when our medical training becomes something entirely different again, when all of humanity is led back to a higher moral, spiritual, and intellectual level, and when the individual has proven themselves worthy—only when the examination is conducted in this sense—can we speak of a fruitful development in this field. Therefore, there is nothing to hope for from today’s academic treatment of hypnotism and suggestion. They are understood in a completely wrong way. They must first be viewed in the correct manner again. When that happens, one will see that these phenomena are, in fact, more widespread than is generally believed. We will then understand many things in our surroundings. We will also realize that beyond a certain point, these phenomena cannot be popularized at all, because beyond that point, they belong to human inner development. The highest power is not attained through the vivisection of the spirit, but through the cultivation of forces lying deep within us. Moral, intellectual, and spiritual higher development—that is what will make us worthy once again to speak a clear and distinct word in these areas.

[ 34 ] Dann werden wir auch wieder unsere Vorfahren verstehen, die nichts davon wissen wollten, diese Dinge in ihrer tiefsten Bedeutung vor der profanen Welt zu zeigen. Nichts anderes wollte man sagen, wenn man von dem verschleierten Bild der Isis sprach, daß niemand den Schleier heben dürfe, wenn er schuldig ist. Damit wollte man an deuten, daß der Mensch die höchsten Wahrheiten nur dann erkennen kann, wenn er sich erst ihrer würdig macht. Das wird eine neue Bedeutung und ein neues Licht werfen auf den Spruch: Wissen ist Macht. — Jawohl, Wissen ist Macht. Und je höher das Wissen, desto größer ist die Macht. Die Führung der Weltgeschichte beruht auf solcher Macht. Die Karikatur davon ist es, die uns heute die Wissenschaft zeigen will. Aber ein solches Wissen, welches die Herzen weckt, eine solche Macht, die eingreifen darf in anderer Herzen und Freiheit, sie dürfen nur erworben werden durch eine Einsicht, welche zu gleicher Zeit für den Menschen ein Glück ist, wovor er ehrfürchtig dasteht. Daß unser Wissen unseren ganzen Menschen ergreift, daß wir vor den höchsten Wahrheiten stehen und erkennen, daß die Wahrheit, die in uns erlebt wird, göttliche Offenbarung ist, die wir als etwas Heiliges ansehen, das muß uns als Ideal vorschweben. Dann werden wir das Wissen wieder als Macht erleben, wenn das Wissen wieder eine Kommunion ist mit dem Göttlichen. Der, welcher sich im Wissen vereinigt mit dem Göttlichen, ist dazu berufen, den Spruch zu verwirklichen: Wissen ist Macht.

[ 34 ] Then we will once again understand our ancestors, who did not want to reveal these things in their deepest meaning to the profane world. This is precisely what was meant when speaking of the veiled image of Isis—that no one should lift the veil if they are unworthy. The intention was to imply that human beings can only perceive the highest truths once they have first made themselves worthy of them. This will cast a new meaning and a new light on the saying: Knowledge is power. —Indeed, knowledge is power. And the higher the knowledge, the greater the power. The course of world history rests upon such power. It is a caricature of this that science seeks to present to us today. But such knowledge, which awakens the heart, such power, which may intervene in the hearts and freedom of others—these may only be acquired through an insight that is at the same time a blessing for the human being, before which he stands in awe. That our knowledge may take hold of our whole being, that we may stand before the highest truths and recognize that the truth experienced within us is divine revelation, which we regard as something sacred—this must be our ideal. Then we will experience knowledge once again as power, when knowledge is once again a communion with the Divine. He who unites with the Divine through knowledge is called to realize the saying: Knowledge is power.