Donate books to help fund our work. Learn more→

The Rudolf Steiner Archive

a project of Steiner Online Library, a public charity

DONATE

Spiritual Teachings
Concerning the Soul
GA 52

28 April 1904, Berlin

Translate the original German text into any language:

Versions Available:

Spiritual Teachings Concerning the Soul, tr. SOL
  1. Spirituelle Seelenlehre und Weltbetrachtrung, 2nd ed.

16. Was wissen unsere Gelehrten von Theosophie?

16. What Do Our Scholars Know About Theosophy?

[ 1 ] Wenn eine Geistesrichtung sich im Verlaufe der Menschheitsentwickelung durchsetzen soll, eine Geistesrichtung, welche nicht die Anerkennung oder vielleicht auch nicht einmal die Kenntnis der sogenannten maßgebenden Kreise, der herrschenden geistigen Kreise genießt, so muß sie immerzu kämpfen mit den widerstrebenden Gewalten, die sich da innerhalb der Menschheitskultur hervortun.

[ 1 ] If a spiritual movement is to prevail in the course of human development—a movement that does not enjoy the recognition, or perhaps even the knowledge, of the so-called authoritative circles, the ruling intellectual circles—it must constantly struggle against the opposing forces that arise within human culture.

[ 2 ] Wir brauchen, um das zu verstehen, nur zu erinnern an dasjenige, was sich abspielte, als das Christentum gegenüber alten Vorstellungsarten, gegenüber einer alten Geistesströmung sich durchzusetzen hatte in der Welt. Wir brauchten nur wieder daran zu erinnern, wie im Beginne der neuen Geistesrichtung Galilei, Kopernikus, Giordano Bruno zu kämpfen hatten gegen die sogenannten maßgebenden, herrschenden Kreise. Wir dürfen annehmen, daß die von Giordano Bruno inaugurierte Geistesrichtung zu kämpfen hatte gegen Althergebrachtes.

[ 2 ] To understand this, we need only recall what happened when Christianity had to assert itself in the world against old ways of thinking and an old intellectual current. We need only recall how, at the dawn of this new intellectual movement, Galileo, Copernicus, and Giordano Bruno had to struggle against the so-called authoritative, ruling circles. We may assume that the intellectual movement inaugurated by Giordano Bruno had to contend with traditional ways of thinking.

[ 3 ] In einer ähnlichen Lage ist heute diejenige Geistesrichtung, die unter dem Namen Theosophie vertreten wird in der Literatur, in Vorträgen und auch sonst seit einer Reihe von Jahren. Wenn Sie sich erinnern an das Schicksal solcher zur Zeit ihres Auftretens mehr oder weniger unbekannten Geistesrichtungen, so werden Sie finden, daß die Art und Weise, wie man ihnen entgegentritt von seiten der herrschenden Parteien, von seiten der sogenannten maßgebenden Kreise, sich zwar ändert mit den Moden der Kultur, daß aber das Wesentliche, das Unverständnis, gepaart mit einer gewissen Art von Engherzigkeit, immer wieder und wieder auftreten. Es ist ja heute nicht mehr üblich, daß man Ketzer verbrennt und insbesondere würden sich diejenigen, welche sich liberale Kreise nennen, verwahren dagegen, zusammengeworfen zu werden mit solchen Leuten,welche Ketzer verbrannt haben. Aber vielleicht kommt es darauf weniger an. Das Ketzerverbrennen ist heute nicht mehr Mode. Aber wenn wir die Gesinnung prüfen, aus der hervorgegangen ist die Ketzerverfolgung und dasjenige, was damit zusammenhängt, wenn wir die Gründe für eine solche Verfolgung mit der menschlichen Seele prüfen und das, worauf wir da kommen, vergleichen mit dem, was in der Seele derjenigen sich auslebt, welche die theosophische Geistesrichtung heute mehr oder weniger bekämpfen oder sich ihr entgegenstellen, dann werden wir an Gesinnung und inneren Seelenvorgängen bei den Gegnern etwas ganz Ähnliches finden.

[ 3 ] The school of thought known as Theosophy, which has been represented in literature, lectures, and elsewhere for a number of years, finds itself in a similar situation today. If you recall the fate of such schools of thought—which were more or less unknown at the time of their emergence— you will find that while the manner in which they are met by the ruling parties and the so-called influential circles does change with the fashions of culture, the essential element—a lack of understanding coupled with a certain kind of narrow-mindedness—recurs time and again. It is, of course, no longer customary today to burn heretics, and in particular those who call themselves liberal circles would object to being lumped together with those who burned heretics. But perhaps that is less important. Burning heretics is no longer in vogue today. But if we examine the mindset from which the persecution of heretics and everything associated with it arose, if we examine the reasons for such persecution in relation to the human soul and compare what we find there with what is at work in the souls of those who today more or less oppose or stand against the theosophical movement, then we will find something very similar in the mindset and inner soul processes of the opponents.

[ 4 ] Freilich wollen wir heute uns nicht darauf einlassen, mit dem ganzen weiten Kreise der Gegner der theosophischen Weltauffassung uns auseinanderzusetzen. Wir wollen vielmehr uns beschränken auf dasjenige, was mit unserer zeitgenössischen Gelehrsamkeit zusammenhängt, wir wollen einmal das Verhältnis unserer zeitgenössischen Gelehrsamkeit zu derjenigen Weltauffassung, die hier vertreten wird, die man die theosophische nennt und die geisteswissenschaftliche, wie sie von mir seit einiger Zeit zu nennen versucht wird, wir wollen das Verhältnis der gelehrten Kreise zu dieser Weltanschauung einer Betrachtung unterziehen,

[ 4 ] Of course, we do not wish to engage today with the entire broad spectrum of opponents of the theosophical worldview. Rather, we wish to limit ourselves to that which pertains to our contemporary scholarship, we wish to examine the relationship of contemporary scholarship to the worldview represented here—which is called theosophical and, as I have been attempting to name it for some time, spiritual-scientific—we wish to subject the attitude of scholarly circles toward this worldview to scrutiny,

[ 5 ] Es ist vielleicht doch nicht ganz so bedeutungslos, wenn man mit kleinen Symptomen diese Betrachtung anfängt. Ein sehr verbreitetes kleines Konversationslexikon, ein sogenanntes Taschenkonversationslexikon, das auf seinem Titelblatt oder wenigstens in seiner Vorrede sagt, daß es von den besten wissenschaftlichen Kräften zusammengestellt ist, soll den Anfang machen. Wenn wir es aufschlagen unter dem Schlagwort «Theosophie», finden wir als Erklärung nur zwei Worte: «Gottsucher, Schwärmer.» Nun ist natürlich eine solche Art gelehrter Betrachtung des Theosophen nicht in allen ähnlichen Nachschlagewerken mehr üblich. Aber viel gescheiter als aus dieser kurzen Bemerkung wird wohl derjenige, der über Theosophie etwas erfahren will, auch aus den anderen ähnlichen Nachschlagebüchern nicht werden.

[ 5 ] Perhaps it is not entirely meaningless to begin this discussion with minor symptoms. A very common small conversational encyclopedia, a so-called pocket conversational encyclopedia, which states on its title page or at least in its preface that it has been compiled by the best scholarly minds, shall serve as our starting point. When we look up the entry for “Theosophy,” we find only two words as an explanation: “Seeker of God, enthusiast.” Now, of course, such a scholarly treatment of the theosophist is no longer common in all similar reference works. But anyone wishing to learn about theosophy will gain no more insight from other similar reference books than from this brief remark.

[ 6 ] Nun habe ich versucht, in den eigentlichen philosophischen Nachschlagebüchern einmal wenigstens so äußerlich zu prüfen, was denn da zu finden ist. Ich will Ihnen nicht etwa mit einer Blumenlese kommen aus solchen Nachschlagebüchern. Ich möchte nur zur Probe anführen, was in dem Wörterbuch der philosophischen Begriffe und Ausdrücke, quellenmäßig bearbeitet, erschienen zu Berlin 1900, zu finden ist. Also in einem der neuesten Werke, das tatsächlich auch die meisten theosophischen Begriffe aufführt, ist das Folgende enthalten: [Lücke im Stenogramm.]* Mit diesen Namen sind es etwa drei Zeilen, etwas darüber. Wer versuchen will, eine Vorstellung zu bekommen von Theosophie aus dieser Anführung, der wird sich sagen müssen: auch in solchen philosophischen Wörterbüchern finden wir nichts anderes, als eine noch nicht einmal zutreffende Übersetzung des Namens und dann ein paar Namen angeführt.

[ 6 ] I have now attempted to examine, at least superficially, what can be found in the actual philosophical reference works. I do not intend to present you with a selection of quotes from such reference works. I would just like to cite, by way of example, what can be found in the Dictionary of Philosophical Terms and Expressions, compiled from sources, published in Berlin in 1900. So, in one of the most recent works, which actually lists most theosophical terms, the following is included: [gap in the transcript.]* With these names, it amounts to about three lines, a little more. Anyone who tries to get an idea of theosophy from this excerpt will have to admit: even in such philosophical dictionaries, we find nothing more than a translation of the name that isn’t even accurate, followed by a few names listed.

[ 7 ] Auch sonst sieht es nicht besonders gut aus, wenn wir uns über dasjenige, was hier als Theosophie vertreten wird, orientieren wollen, was die zeitgenössische Gelehrsamkeit darüber weiß. Aber um so leichter — Sie werden das finden — wird diese zeitgenössische Gelehrsamkeit auf ein paar kleine Dinge hin, die sie aufgeschnappt hat aus irgendeiner theosophischen Broschüre, über dasjenige, was Theosophie ist, aburteilen wollen. Wir können die merkwürdige Erfahrung machen: Ein Achselzucken und die Bemerkung, «was die theosophische Literatur verbreitet, ist nichts anderes als ein Aufwärmen von ein paar buddhistischen Begriffen», oder, «es ist nichts anderes als etwas anders ausgedrückter spiritistischer Aberglaube». Solche Dinge werden Sie in Hülle und Fülle hören können. Was Sie aber wenig werden hören können, das wird sein eine wirkliche Antwort auf dieFrage: Ja,was ist denn eigentlich Theosophie? — Es wird Ihnen begegnen können, vielleicht nicht bloß in Kaffeegesellschaften, dasjenige, was ja tatsächlich in einer Kaffeegesellschaft jüngst einmal vorgekommen ist, was aber gar nicht so unbezeichnend ist für die ganze Stellung unserer Zeitgenossen zur Theosophie. Da sagte eine Dame zu einer anderen: Wie kommt es, daß du Theosophin geworden bist? Das ist ja etwas Fürchterliches, etwas Schreckliches. Bedenke doch, was du deiner Familie antust, bedenke, wie du dich in Widerspruch setzest zu dem, was die anderen Menschen denken.—Sie schwieg dann ein paar Sekunden und sagte darauf: Du, was ist denn das eigentlich — Theosophie?

[ 7 ] Nor does the situation look particularly promising if we seek to orient ourselves regarding what is presented here as theosophy by consulting what contemporary scholarship has to say on the matter. But all the more readily—as you will find—will this contemporary scholarship seek to pass judgment on what Theosophy is based on a few minor details it has picked up from some Theosophical pamphlet. We may have the curious experience of hearing a shrug of the shoulders and the remark, “What theosophical literature propagates is nothing more than a rehash of a few Buddhist concepts,” or, “It is nothing more than spiritualist superstition expressed in a different way.” You will be able to hear such things in abundance. But what you will rarely hear is a genuine answer to the question: “Yes, what exactly is Theosophy?” — You may encounter, perhaps not only in coffee-house gatherings, what actually happened recently in one such gathering, which is by no means insignificant for the overall attitude of our contemporaries toward Theosophy. There, one lady said to another: “How is it that you’ve become a Theosophist? That’s something dreadful, something terrible. Just think what you’re doing to your family; think how you’re putting yourself at odds with what other people think.”—She then fell silent for a few seconds and replied: “Hey, what is that actually—Theosophy?”

[ 8 ] Das ist gerade nicht aus gelehrten Kreisen entsprossen, aber dem Typus nach könnten Sie es auch wirklich im gelehrten Kreise finden. Sie können immer und immer wieder das Urteil finden, daß die Theosophie etwas ganz und gar nichts Wissenschaftliches sei, daß sie nur eine Schwärmerei einiger phantastischer Menschen sei, daß sie vor allen Dingen Behauptungen vorbringe, die man nicht beweisen könne.

[ 8 ] This did not originate in scholarly circles, but given its nature, you could very well find something like it there. Time and again, you will find the judgment that theosophy is not scientific in the least, that it is merely the fanciful musings of a few eccentric individuals, and that, above all, it puts forward claims that cannot be proven.

[ 9 ] Es soll heute hier keineswegs, wo es sich um eine Charakteristik des Verhältnisses unserer Gelehrsamkeit zur Theosophie handelt, eine Kritik gegeben werden, nicht einmal eine Kritik unseres Verhältnisses zu den Gelehrtenkreisen. Denn niemand mehr als der, welcher vom theosophischen Gesichtspunkte aus unsere gegenwärtige Gelehrtenbildung überblickt, weiß besser, daß aus der heutigen Gelehrtenbildung heraus, aus den Vorstellungen, Begriffen und Ideen, welche herausgebildet wurden aus der heutigen Schulbildung, nichts anderes entspringen kann als ein übermütiges und etwas hochnäsiges Achselzucken über dasjenige, was die Theosophie behauptet und was wirklich jener Gelehrsamkeit — weil sie es nicht besser verstehen kann — nicht anders erscheinen kann denn als Schwärmerei und als ganz unwissenschaftliches Gerede.

[ 9 ] The intention here today, where the focus is on characterizing the relationship between our scholarly tradition and theosophy, is by no means to offer a critique—not even a critique of our relationship with scholarly circles. For no one knows better than the one who surveys our current academic education from a theosophical perspective that nothing can arise from today’s academic education, from the concepts concepts, and ideas that have been developed from today’s school education, can produce anything other than a haughty and somewhat condescending shrug at what theosophy asserts—and what, to that scholarship, cannot appear as anything other than fanaticism and entirely unscientific talk, simply because it is unable to understand it any better.

[ 10 ] Gerecht wollen wir wirklich sein gegen diese Gelehrsamkeit. Der Theosoph steht da wirklich auf einem Standpunkt und muß auf einem stehen, welchen ich an einem Beispiel zeigen will, das sich nicht auf theosophischem Boden zugetragen hat, das aber leicht sich auf theosophischem Boden hätte zutragen können. Der Theosoph ist in einer ähnlichen Lage der zeitgenössischen Gelehrsamkeit gegenüber, wenn er das Naserümpfen und den Vorwurf der Schwärmerei zurückweist, wie eben in dem Beispiel der vor kurzem verstorbene Philosoph Eduard von Hartmann gegenüber der materialistisch-darwinistischen Naturinterpretation. Es soll hiermit keine Partei ergriffen werden für die «Philosophie des Unbewußten» von Eduard von Hartmann. Aber immer wieder müßte man hinweisen auf die Art und Weise, wie er seinen Gegnern begegnet ist. — Im Jahre 1869 war es, da erschien die «Philosophie des Unbewußten», ein Buch, für das der Theosoph nicht gerade Partei ergreifen muß, ein Buch, welches aber damals eine kühne Tat war. Und gerade in dem Verhältnis dieses Buches zu der damaligen Gelehrsamkeit kann sich uns ein Beispiel ergeben für die Art und Weise, wie heute wiederum der Geisteswissenschafter oder Theosoph seinen Gegnern gegenübersteht. Diese «Philosophie des Unbewußten» war in einer gewissen Weise eine kühne Tat. Damals war es, wo die Wogen der materialistischen Wissenschaft hoch gingen, wo sich die materialistische Wissenschaft ausgewachsen hatte zu einer Art materialistischer Religion, Bücher wie «Kraft und Stoff» von Büchner, andere Bücher von Vogt, Moleschott und dergleichen, die in Kraft und Stoff, in dem rein sinnlichen materiellen Dasein das einzig Wirkliche gesehen haben, sie haben Aufsehen gemacht, viele Auflagen erlebt, Herzen und Seelen erobert. In jener Zeit galt jeder für einen Tropf und Dummkopf, welcher nicht einstimmte in diesen Chor des Materialismus, welcher von einem selbstschöpferischen Geist sprach. In diese Zeit hinein, in der man der Ansicht war, daß Darwins Werk die wissenschaftliche Denkweise liefere für den Materialismus, in dieser Zeit, wo Philosophie selbst ein Wort war, das man für etwas höchst Überwundenes ansah, in dieser Zeit ließ Eduard von Hartmann seine «Philosophie des Unbewußten» erscheinen, eine Philosophie, welche trotz ihrer großen Fehler den einen Vorzug hat, daß sie in einer rücksichtslosen Weise die Welt auf ein Geistiges zurückführt, überall, in allen Erscheinungen die Grundlage eines Geistigen sucht, wenn auch das Geistige als ein Unbewußtes angesehen wird, wenn es auch einen besonders hohen Rang einnimmt. Das eine ist sicher, der Geist ist da der materialistischen Richtung scharf entgegengehalten. Während damals die darwinistische Richtung die Natur ganz aus Kraft und Stoff heraus erklärte, suchte sie Eduard von Hartmann so aufzufassen, daß der Geist als die innere Zweckmäßigkeit eines geistigen Wirkens ersichtlich sein sollte. — Da kamen diejenigen, welche glaubten, achselzuckend auf alles herabsehen zu können, was von Geist sprach und urteilten: Solch etwas Dilettantisches hat es noch nicht gegeben wie diese «Philosophie des Unbewußten». Da spricht ein Mensch, der eigentlich gar nichts gelernt hat über all die Erscheinungen, die der Darwinismus nun so wissenschaftlich erklärt. — Viele Gegenschriften gab es in der damaligen Zeit. Eine erschien auch von einem unbekannten Verfasser. Auf dem Titelblatt stand: «Das Unbewußte vom Standpunkte der Deszendenztheorie und des Darwinismus.» Es war eine gründliche Widerlegung der «Philosophie des Unbewußten». Der Verfasser zeigte, daß er mit dem Allerneusten in der Naturwissenschaft bekannt war. Ernst Haeckel sagte in einer Broschüre, es wäre schade, daß der Verfasser sich nicht genannt habe, da er selbst nichts Besseres gegen Eduard von Hartmann hätte vorbringen können, als was in dieser Schrift steht. Oscar Schmidt schrieb eine Broschüre und erklärte, kein Naturforscher hätte Besseres zu sagen vermocht gegen den grenzenlosen Dilettantismus des Eduard von Hartmann als der anonyme Verfasser dieser Broschüre. Er nenne sich uns und wir betrachten ihn als einen der Unsrigen. — Die Broschüre war schnell vergriffen und eine zweite Auflage erschien mit dem Namen des Verfassers. Und das genügte, um die Leute alle zum Schweigen zu bringen. Es war Eduard von Hartmann. Seit jener Zeit herrscht allgemeines Schweigen im Chorus derjenigen, welche über den Dilettantismus der «Philosophie des Unbewußten» nicht über Eduard von Hartmann, sondern in der ihnen eigenen Redseligkeit über die Broschüre, die ohne den Namen des Verfassers erschienen war, geschrieben hatten.

[ 10 ] We truly wish to be fair to this scholarship. The Theosophist really does take a certain stance here—and must do so—which I wish to illustrate with an example that did not occur within theosophical circles, but which could easily have done so. The theosophist finds himself in a similar position vis-à-vis contemporary scholarship when he rejects the disdain and the accusation of fanaticism, just as in the example of the recently deceased philosopher Eduard von Hartmann in relation to the materialistic-Darwinian interpretation of nature. This is not meant to take sides with Eduard von Hartmann’s “Philosophy of the Unconscious.” But one must repeatedly point out the manner in which he confronted his opponents. — It was in 1869 that the “Philosophy of the Unconscious” was published, a book for which the theosophist need not necessarily take sides, but a book that was, at the time, a bold act. And it is precisely in the relationship of this book to the scholarship of that time that we can find an example of the way in which the spiritual scientist or theosophist today once again faces his opponents. This “Philosophy of the Unconscious” was, in a certain sense, a bold act. It was a time when the waves of materialistic science were running high, when materialistic science had grown into a kind of materialistic religion; books such as Büchner’s *Force and Matter*, other works by Vogt, Moleschott, and the like—which saw in force and matter, in purely sensory material existence, the only reality—caused a sensation, went through many printings, and captured hearts and souls. In those days, anyone who did not join this chorus of materialism, which spoke of a self-creating spirit, was considered a fool and a simpleton. It was during this time, when it was believed that Darwin’s work provided the scientific basis for materialism, during this time when “philosophy” itself was a word regarded as something thoroughly outdated, that Eduard von Hartmann published his *Philosophy of the Unconscious*, a philosophy which, despite its great flaws, has the one merit of relentlessly tracing the world back to the spiritual, of seeking the foundation of the spiritual everywhere, in all phenomena, even if the spiritual is regarded as unconscious, even if it occupies a particularly high rank. One thing is certain: the spirit is sharply set against the materialist school of thought. While the Darwinist school at that time explained nature entirely in terms of force and matter, Eduard von Hartmann sought to conceive of it in such a way that the spirit should be evident as the inner purposefulness of a spiritual activity. — Then came those who believed they could look down on everything that spoke of the spirit with a shrug and judged: “There has never been anything so amateurish as this ‘Philosophy of the Unconscious.’ Here speaks a person who has actually learned nothing at all about all the phenomena that Darwinism now explains so scientifically.” — There were many counter-writings at that time. One was also published by an unknown author. The title page read: “The Unconscious from the Standpoint of the Theory of Descent and Darwinism.” It was a thorough refutation of the “Philosophy of the Unconscious.” The author demonstrated that he was well-versed in the very latest developments in natural science. Ernst Haeckel stated in a pamphlet that it was a pity the author had not revealed his name, since he himself could not have put forward anything better against Eduard von Hartmann than what is contained in this work. Oscar Schmidt wrote a pamphlet and declared that no natural scientist could have said anything better against Eduard von Hartmann’s boundless dilettantism than the anonymous author of this pamphlet. Let him reveal himself to us, and we will regard him as one of our own. — The pamphlet quickly sold out, and a second edition appeared with the author’s name. And that was enough to silence everyone. It was Eduard von Hartmann. Since that time, there has been a general silence among those who had written not about Eduard von Hartmann but, in their characteristic loquacity, about the dilettantism of the “Philosophy of the Unconscious”—specifically, about the pamphlet that had appeared without the author’s name.

[ 11 ] Man kann manches einwenden gegen ein solches Verfahren, aber man kann nicht leugnen, daß es gründlich wirksam war. Derjenige, welcher zunächst als Nichtwisser hingestellt worden war, hat den gelehrten Kreisen gezeigt, daß er so gescheit wie sie noch immer sein könne. Lassen Sie mich diesen trivialen Ausdruck gebrauchen, es wäre gut, wenn auch etwas anachronistisch, ein gleiches zu tun. Aber leicht, sehr leicht könnte derjenige, welcher auf der Höhe der theosophischen Weltanschauung steht, all das Zeug auch zusammenschreiben, das man heute gegen die Theosophie fabrizieren kann. Das muß vor allen Dingen betont werden: Die Theosophie ist nichts, was sich gegen die echte, wahre Wissenschaft richtet, wenn sie richtig verstanden wird. Die Theosophie wird jederzeit die wahre, echte Wissenschaft verstehen können, wie Eduard von Hartmann seine Gegner verstehen konnte. Das Umgekehrte ist in dem einen und anderen Fall nicht so leicht möglich. Wir müssen aber auch begreifen, woher das so hat kommen können.

[ 11 ] One may raise many objections to such a method, but one cannot deny that it was thoroughly effective. The person who had initially been portrayed as ignorant showed the scholarly circles that he could still be just as clever as they were. Let me use this trivial expression: it would be good, though somewhat anachronistic, to do the same. But easily, very easily, one who stands at the height of the theosophical worldview could also compile all the material that can be fabricated against theosophy today. This must be emphasized above all else: Theosophy is not something that is directed against genuine, true science, if it is properly understood. Theosophy will always be able to understand true, genuine science, just as Eduard von Hartmann was able to understand his opponents. The reverse is not so easily possible in either case. But we must also understand how this could have come about.

[ 12 ] Wenn ich Ihnen heute einen Vortrag bloß darüber hielte, was unsere Gelehrten wissen von der Theosophie, dann hätte der heutige Vortrag recht kurz werden können, und ich hätte kaum nötig gehabt, länger als ein paar Sekunden vor Ihnen zu stehen. Aber ich möchte weiter ausholen, ich möchte davon sprechen, warum und aus welchen Gründen unsere zeitgenössische Gelehrsamkeit so wenig wissen kann, was in der Theosophie als eine neue Vorstellungsart über die Dinge der Welt erschlossen werden soll.

[ 12 ] If I were to give you a lecture today solely on what our scholars know about theosophy, today’s lecture could have been quite short, and I would hardly have needed to stand before you for more than a few seconds. But I would like to go further; I would like to speak about why and for what reasons our contemporary scholarship can know so little of what theosophy seeks to reveal as a new way of conceiving the things of the world.

[ 13 ] Wenn wir uns heute umsehen in unserer zeitgenössischen gelehrten Literatur, so werden wir finden, daß sich diese Betrachtungen unterscheiden, schon ganz äußerlich, von aller Literatur vor zirka hundert Jahren. Wenn wir ein Buch in die Hand nehmen, das zum Beispiel den Titel trägt: Der Ursprung des Menschen, der Mensch und seine Stellung zur Welt —, dann werden wir finden, daß uns kaum viel anderes erzählt wird, als wie einmal der Mensch auf der Erde nicht gelebt hat, wie er dann sein Dasein auf der Erde begonnen hat in einem kindlichen, halb tierischen Zustand. Wir werden dann darauf hingewiesen, daß tierische Vorfahren vor dieser Zeit auf der Erde gelebt haben und daß diese sich allmählich heraufgestaltet haben zum heutigen Menschen. — Wenn wir ein anderes Buch in die Hand nehmen, das uns über die Geheimnisse des Kosmos unterrichten soll, dann werden wir finden, daß uns erzählt wird, was man sehen kann durch das Fernrohr und was man erreichen kann mit der Mathematik, Mit anderen Worten: überall tritt uns, selbst da, wo es sich um höchste Fragen handelt, entgegen das, was ich in meinem Buche über «Goethes Weltanschauung» mir zu nennen erlaubte — der Tatsachenfanatismus, jener Tatsachenfanatismus, der sich an die sinnlichen Tatsachen hält, an das, was unsere Sinne wahrnehmen können, höchstens noch an das, was die bewaffneten Sinne wahrnehmen können. Dazu gehört auch alles das, was heute in ausführlichster Weise dargeboten ist in allen möglichen populären Schriften, und was einzig und allein aus den festgestellten wissenschaftlichen Tatsachen heraus der Mensch beizubringen vermag über die Rätsel und Geheimnisse der Welt. Und wenn wir Umschau halten in den Kreisen, die nur aus solchen Büchern heraus schöpfen, dann werden wir finden, daß es eigentlich da alle möglichen Zwischenstufen gibt, daß aber doch diese Zwischenstufen zwischen zwei Extremen zu finden sind. Das eine Extrem sind die nüchternen Gelehrten. Die werden nichts als wissenschaftlich gelten lassen als das, was sie sehen und mit ihrem Verstand aus dem Gesehenen kombinieren können. Da wird mit Instrumenten die Welt nach allen Seiten durchforscht. Da wird nach schriftlichen Urkunden gesucht, da wird die Zeit und die Entwickelung der Menschheit nach reinen Tatsachen erforscht. Das eine soll Naturwissenschaft, das andere soll Geschichte sein.

[ 13 ] If we look around at our contemporary scholarly literature today, we will find that these perspectives differ, even in their outward appearance, from all literature from about a hundred years ago. If we pick up a book bearing a title such as *The Origin of Man, Man and His Place in the World*, we will find that we are told little more than how man once did not live on Earth, and how he then began his existence on Earth in a childlike, semi-animal state. We are then told that animal ancestors lived on Earth before this time and that these gradually evolved into modern humans. — If we pick up another book intended to teach us about the mysteries of the cosmos, we will find that we are told what can be seen through a telescope and what can be achieved with mathematics. In other words: everywhere, even where the highest questions are concerned, we encounter what I took the liberty of calling in my book on “Goethe’s Worldview”—factual fanaticism, that factual fanaticism which clings to sensory facts, to what our senses can perceive, or at most to what the senses equipped with instruments can perceive. This also includes everything that is presented today in the most detailed manner in all manner of popular writings, and what human beings are capable of conveying about the riddles and mysteries of the world solely on the basis of established scientific facts. And if we look around in the circles that draw exclusively from such books, we will find that there are actually all kinds of intermediate stages, but that these intermediate stages are to be found between two extremes. One extreme is the sober scholars. They will accept as scientific nothing other than what they see and what they can deduce from what they see using their intellect. There, the world is explored in every direction with instruments. There, written documents are sought; there, the course of time and the development of humanity are investigated based on pure facts. The one is supposed to be natural science; the other is supposed to be history.

[ 14 ] In der Geschichte kommt man manchmal zu ganz merkwürdigen Dingen. Namentlich wenn es sich handelt um Erfahrungen der Geisteswissenschaft. Da findet man, daß es Leute gibt, die dicke Bücher schreiben über die alten Gnostiker zum Beispiel oder über irgendeinen Zweig alter Geistesweisheit, denen es aber gar nicht einfällt, irgend etwas von dieser Geistesweisheit selbst wissen zu wollen. Sie betrachten das rein historisch, sie registrieren rein die schriftlichen Urkunden und sind damit zufrieden. Man braucht heute kein Gnostiker zu sein, um über die Gnosis zu schreiben. Das gilt heute in gelehrten Kreisen geradezu als Grundsatz. Und als bester Grundsatz gilt, möglichst wenig eingenommen zu sein von den Dingen, über die man eigentlich schreibt. Wenn Sie diesen Tatsachenfanatismus auf der einen Seite nehmen, so haben Sie ungefähr dasjenige, was dazu führt, daß solche gelehrten Kreise sagen: Diese Dinge können wir feststellen, diese Dinge wissen wir; was darüber hinausgeht, ist Gegenstand des Glaubens. Darüber kann dann jeder glauben oder nicht glauben, was er will. — Das Resultat dieser Gesinnung ist eine gewisse Gleichgültigkeit gegenüber all den Gegenständen, Gedanken und Wesenheiten,die über die bloß sinnlichen Tatsachen hinausgehen. Man sagt dann: Wenn sie jemand für seinen Glauben braucht — wir lassen sie ihm, aber die Wissenschaft hat damit nichts zu tun. Eine dicke Scheidewand wird da aufgerichtet zwischen Wissenschaft und Glaube, und Wissenschaft soll nichts anderes sein als dasjenige, was rein mit dem Auge und mit dem Ohr wahrgenommen werden kann, nichts als Tatsachenbetrachtung und was man daraus abstrahiert. Etwas anderes soll nicht geprüft werden. — Etwas anderes tritt dann aber auf, das da etwa sagt: Es ist nicht richtig, daß da irgendwo die Wissenschaft aufhört, sondern das ist richtig, daß der Mensch sich immer mehr entwickelt und daß er im Schaffen immer mehr Kräfte ausbildet und entfaltet, so daß er dann alles wissen kann, daß es keine Grenzen gibt für das Wissen. Zwar sind die letzten Gegenstände des Wissens nur in unendlich weiter Ferne zu erreichen, aber sie sind so, daß wir uns ihnen immer mehr annähern können. Grenzen dürfen nirgends aufgerichter werden, Es erscheint als ein Gipfel der Anmaßung, wenn solche Vertreter auftreten, die behaupten, in jedem Menschen schlummere diese Fähigkeit. Entwickelt sie nur und ihr werdet sehen, daß die Gegenstände, die früher Gegenstände eures Glaubens waren, Gegenstände eures Wissens, eurer Weisheit werden können. Es ist mit den Gegenständen, die sich beziehen auf die Unsterblichkeit der Seele, auf die geistige Welt, auf die große und kleine Welt im Raume und auf die ganze Entwickelung des Menschen, es ist damit nicht anders als mit den Dingen, die uns auch in der gewöhnlichen Naturwissenschaft entgegentreten. — Oder was weiß ein Mensch, der ein populäres Buch über die Astronomie in die Hand nimmt, aus eigener Erfahrung über das, was ihm das Buch sagt? Ich frage Sie, wie viele Wissende sind unter denjenigen, die an die materialistische Schöpfungsgeschichte glauben? Wie viele sind unter denen, die schwören auf den materialistischen Geist, die jemals durch ein Mikroskop gesehen haben und wissen, wie man diese Dinge erforscht? Wie viele gibt es, die an Haeckel glauben und wie viele, die wissen auf diesem Gebiete? Die Forschung kann jeder ausbilden, wenn er die Zeit dazu aufwendet und die Energie. Ebenso ist es auch mit den geistigen Dingen.

[ 14 ] History sometimes leads one to quite strange things. Especially when it comes to experiences in spiritual science. There, one finds people who write thick books about the ancient Gnostics, for example, or about some branch of ancient spiritual wisdom, yet it never occurs to them to want to know anything about this spiritual wisdom themselves. They view it purely historically; they merely record the written documents and are satisfied with that. Today, one need not be a Gnostic to write about Gnosticism. This is virtually regarded as a principle in scholarly circles today. And the best principle is considered to be to be as little influenced as possible by the very things one is writing about. If you take this fanaticism for facts on the one hand, you have roughly what leads such scholarly circles to say: These things we can establish, these things we know; what goes beyond that is a matter of faith. Everyone is then free to believe or not believe whatever they wish. — The result of this attitude is a certain indifference toward all objects, thoughts, and entities that go beyond mere sensory facts. People then say: If someone needs them for their faith—we’ll leave them to it, but science has nothing to do with it. A thick partition is erected there between science and faith, and science is to be nothing other than that which can be perceived purely with the eye and the ear, nothing but the observation of facts and what is abstracted from them. Nothing else is to be examined. — But then something else arises that says, for example: It is not true that science stops somewhere; rather, it is true that human beings are constantly developing and that, through their creative work, they are constantly cultivating and unfolding new powers, so that they can eventually know everything—that there are no limits to knowledge. Although the ultimate objects of knowledge can only be reached in an infinitely distant future, they are such that we can continually draw closer to them. Boundaries must not be erected anywhere. It seems the height of presumption when such representatives appear who claim that this ability lies dormant in every human being. Just develop it, and you will see that the objects that were once objects of your faith can become objects of your knowledge and your wisdom. It is no different with the subjects relating to the immortality of the soul, to the spiritual world, to the macrocosm and microcosm in space, and to the entire development of humanity, than it is with the things we encounter in ordinary natural science. — Or what does a person who picks up a popular book on astronomy know from personal experience about what the book tells them? I ask you, how many knowledgeable people are there among those who believe in the materialist theory of creation? How many of those who swear by the materialist spirit have ever looked through a microscope and know how to investigate these things? How many believe in Haeckel, and how many are knowledgeable in this field? Anyone can become a researcher if they devote the time and energy to it. The same applies to spiritual matters.

[ 15 ] Töricht ist es, wenn man sagt, die Dinge hören auf. Ebenso töricht ist es, wenn man sagt, was in Haeckels Schöpfungsgeschichte steht, muß man glauben, selber erforschen kann man das nicht. In keinem anderen Sinne spricht die Theosophie von Gegenständen und Dingen der höheren Welt. Man ist gewohnt geworden, für diese Geisteswissenschaft das Wort Theosophie zu gebrauchen. Nicht deshalb, weil sie einzig und allein Gott zum Gegenstande ihrer Betrachtung hat, sondern weil sie unterscheidet zwischen dem äußeren sinnlichen Menschen, der durch seine fünf Sinne sieht, hört, riecht, schmeckt, tastet und durch seinen an das Gehirn gebundenen Verstand die Sinneswahrnehmungen kombiniert — und dem anderen Menschen, der in diesem leiblichen Menschen wohnt, der darin schlummert und erweckt werden kann und der ebensolche Geistesorgane, geistige Sinneswerkzeuge im Gebrauch hat, wie der Leib die physischen Sinneswerkzeuge hat. Wie der Leib mit dem physischen Auge sieht, so sieht der Geist mit dem geistigen Auge. Und wie der Leib hört mit dem physischen Ohr, so hört der Geist mit dem geistigen Ohr.

[ 15 ] It is foolish to say that things come to an end. It is equally foolish to say that one must believe what is written in Haeckel’s account of creation, since one cannot investigate it oneself. Theosophy speaks of objects and things in the higher world in no other sense. People have become accustomed to using the word “theosophy” for this spiritual science. Not because it has God alone as the object of its contemplation, but because it distinguishes between the outer, sensory human being, who sees, hears, smells, tastes, feels, and combines sensory perceptions through the intellect linked to the brain—and the other human being who dwells within this physical human being, who slumbers within and can be awakened, and who employs spiritual organs, spiritual sensory instruments, just as the body employs physical sensory instruments. Just as the body sees with the physical eye, so the spirit sees with the spiritual eye. And just as the body hears with the physical ear, so the spirit hears with the spiritual ear.

[ 16 ] Wenn der Mensch seine geistige Entwickelung selbst in die Hand nimmt, so können diese geistigen Wahrnehmungsorgane ausgebildet werden, so daß der innere Mensch in eine geistige Welt hineinschauen kann. Weil man einen solchen inneren Menschen den göttlichen nennt, deshalb mache ich den Unterschied. Was der äußere sinnliche Mensch schaut, gibt Sinnesweisheit, und das, was der innere göttliche Mensch schaut, ist, im Gegensatz zur sinnlichen Weisheit, Theosophie, göttliche Weisheit. So ist es gemeint, wenn man von Theosophie spricht. Man spricht von Theosophie nicht deshalb, weil der Gegenstand der Forschung Gott ist, denn Gott ist etwas, was erst am Ende der Dinge, auf dem Gipfel der Vollkommenheit dem Okkultisten offenbar werden könnte. Gott zu erforschen, obgleich wir wissen, daß wir in ihm leben, weben und sind, das wird sich am wenigsten der Theosoph vermessen. Ebensowenig wie derjenige, der am Strande des Meeres sitzt und seine Hand in das Meer hineinsenkt, glauben wird, daß er das ganze Meer ausschöpfen kann, ebensowenig wird der Theosoph glauben, daß er Gott umfassen kann. Wie aber der, welcher am Strande des Meeres sitzt und eine Handvoll Wasser herausholt, weiß, daß das, was er herausnimmt, an Wassermasse von gleicher Wesenheit ist wie das ganze große umfassende Meer, so weiß auch der Theosoph, daß das, was er als göttlichen Funken in sich trägt, von gleicher Art und Wesenheit ist wie die Gottheit. Nicht wird der Theosoph behaupten, daß seine Wesenheit die Gottheit umfassen könne, er wird auch nicht behaupten, daß in seiner menschlichen Seele die unendliche Gottheit wohne, oder daß der Mensch selbst der Gott sei. Niemals wird ihm solches einfallen. Was er aber sagt, was er erleben und erfahren kann, das ist etwas anderes, das ist eben das, daß im Menschen lebt ein Teil der Gottheit, der gleicher Art und Wesenheit ist mit der ganzen Gottheit, so wie gleicher Art und Wesenheit die Wassermasse ist in der Hand mit dem ganzen umfassenden Weltmeer, Wie das Wasser in der Hand und das Wasser im Meer von gleicher Art und Wesenheit ist, so ist auch das, was in der Seele wohnt, von gleicher Art und Wesenheit mit der Gottheit. Deshalb nennen wir das, was im Inneren des Menschen ist, göttlich, und die Weisheit, die der Mensch in seinem Innersten erforschen kann, die nennen wir göttliche Weisheit oder Theosophie.

[ 16 ] When a person takes their spiritual development into their own hands, these spiritual organs of perception can be developed so that the inner human being can look into a spiritual world. Because such an inner human being is called divine, that is why I make this distinction. What the outer, sensory human being perceives provides sensory wisdom, and what the inner, divine human being perceives is, in contrast to sensory wisdom, theosophy—divine wisdom. This is what is meant when one speaks of theosophy. One does not speak of theosophy simply because the object of research is God, for God is something that could only be revealed to the occultist at the very end of things, at the summit of perfection. To investigate God, even though we know that we live, move, and have our being in Him—this is the least thing a theosophist would presume to do. Just as little as one who sits on the seashore and dips his hand into the sea would believe that he can scoop out the entire sea, so little will the theosophist believe that he can encompass God. But just as the one who sits on the seashore and scoops up a handful of water knows that what he takes out is of the same essence as the entire vast, all-encompassing sea, so too does the theosophist know that what he carries within himself as a divine spark is of the same nature and essence as the Deity. The Theosophist will not claim that his essence can encompass the Deity; nor will he claim that the infinite Deity dwells within his human soul, or that man himself is God. Such a thought would never occur to him. But what he does say, what he can experience and perceive, is something else entirely: namely, that within man lives a part of the Deity which is of the same nature and essence as the entire Deity, just as the mass of water in the hand is of the same nature and essence as the entire all-encompassing ocean, Just as the water in the hand and the water in the sea are of the same nature and essence, so too is that which dwells in the soul of the same nature and essence as the Godhead. That is why we call that which is within man divine, and the wisdom that man can explore in his innermost being, we call divine wisdom or theosophy.

[ 17 ] Dies ist ein Gedankengang, den jeder zugeben müßte, wenn er nur logisch denken wollte. Oft wird der Theosophie entgegengehalten: Ihr verlangt, daß der Mensch eine Entwickelung durchmachen soll. Aber es ist doch so, daß nicht alle das prüfen können, was die Theosophie behauptet. — Es wird niemals derjenige, der die Dinge durchschaut, behaupten, daß nicht ein jeder Mensch, wenn er nur die nötige Geduld, Kraft und Ausdauer haben kann, nicht zu dem kommen könne, wozu einzelne im Laufe der Menschheitsentwickelung gekommen sind. Aber es liegt in den sogenannten Beweisen der theosophischen Wahrheiten noch etwas ganz anderes. Es ist manches in der theosophischen Literatur und in theosophischen Vorträgen zu finden, oder sonst irgendwo innerhalb der theosophischen Bewegung zu hören, wovon der, welcher sich aus unserem Zeitgeist heraus gebildet hat, sich sagt: Das sind Behauptungen. Die kann man hinnehmen, beweisen tut sie kein Theosoph; er behauptet sie eben. — Diese Redensart von den Beweisen, das ist etwas, was immer wieder auftaucht, was immer wieder der Theosophie entgegengehalten wird. Wie verhält es sich eigentlich damit? Es verhält sich damit so.

[ 17 ] This is a line of reasoning that anyone would have to admit, if only they were willing to think logically. Theosophy is often criticized on the grounds that it requires human beings to undergo a process of development. But the fact is that not everyone is able to verify what Theosophy asserts. — No one who sees through things will ever claim that every human being, provided they have the necessary patience, strength, and perseverance, cannot attain what some individuals have attained in the course of human evolution. But there is something quite different in the so-called proofs of theosophical truths. There is much to be found in theosophical literature and in theosophical lectures, or to be heard elsewhere within the theosophical movement, about which those who have been shaped by our contemporary mindset say to themselves: These are assertions. One can accept them, but no theosophist proves them; he simply asserts them. — This talk of “proofs” is something that comes up again and again, something that is repeatedly held against Theosophy. What is the actual situation regarding this? The situation is as follows.

[ 18 ] Dasjenige, was die Theosophie als höhere geistige Weisheit verbreitet, kann erforscht werden, wenn diejenigen Kräfte, die in jeder Menschenseele schlummern, erweckt werden. Diese Kräfte und Fähigkeiten, die wir die Kräfte und Fähigkeiten des Sehers, des geistigen Erschauens der Dinge nennen, sind notwendig, um die Dinge zu erforschen. Will man erforschen, will man auffinden die Tatsachen der geistigen Welt, dann braucht man diese Fähigkeiten und Kräfte. Etwas anderes ist es aber, zu verstehen dasjenige, was der geistige Erforscher gefunden hat. Also wohlgemerkt, zum Auffinden der geistigen Wahrheiten braucht man die Kräfte des Sehers, zum Verstehen braucht man nur den klaren, logischen, bis zu den letzten Konsequenzen gehenden Menschenverstand. Das ist es, worauf es ankommt. Derjenige, welcher behauptet, er könne nicht verstehen, was von der Theosophie behauptet wird, der hat noch nicht genügend darüber nachgedacht. Im Gegenteil, gerade dasjenige, was die Wissenschaft heute behauptet, werden wir besser verstehen können, Gerade das, was wir, wenn wir bei wahrer Wissenschaft stehenbleiben, heute über die Tatsachen der Natur, über die Dinge des scheinbar Leblosen und des lebendigen Naturgeschehens erfassen, auch wenn wir die Tatsachen der Kulturgeschichte nehmen — wenn wir sie verstehen wollen, wir können sie nimmermehr verstehen, wenn wir nur mit der materialistischen Gelehrsamkeit an sie herangehen, die nichts weiter als materialistische Phantastik ist. Verstehen können wir gerade das, was uns die wahre Wissenschaft liefert, wenn wir die wahre Wissenschaft der geistigen Welt kennen. Für denjenigen, der tiefer sieht, ist zum Beispiel die Wissenschaft, insofern sie von Ernst Haeckel dargeboten wird, erst verständlich, wenn man die Theosophie als Voraussetzung, als GrundJage hat.

[ 18 ] What Theosophy teaches as higher spiritual wisdom can be explored when the powers that lie dormant in every human soul are awakened. These powers and abilities, which we call the powers and abilities of the seer—the spiritual perception of things—are necessary for exploring these matters. If one wishes to explore, if one wishes to discover the facts of the spiritual world, then one needs these abilities and powers. It is quite another matter, however, to understand what the spiritual explorer has found. So, mind you, to discover spiritual truths one needs the powers of the seer; to understand, one needs only clear, logical human reason that goes to the very last consequences. That is what matters. Anyone who claims they cannot understand what Theosophy asserts has not yet thought about it sufficiently. On the contrary, we will be able to better understand precisely what science asserts today; precisely what we, if we remain within true science, grasp today about the facts of nature, about the things of the seemingly lifeless and the living natural phenomena—even when we take the facts of cultural history—if we wish to understand them, we can never understand them if we approach them solely with materialistic scholarship, which is nothing more than materialistic fantasy. We can understand precisely what true science provides us with when we know the true science of the spiritual world. For those who see more deeply, for example, the science presented by Ernst Haeckel is only comprehensible if one has theosophy as a prerequisite, as a foundation.

[ 19 ] Ein Vergleich soll es klarmachen, was ich sagen will. Denken Sie sich, Sie haben ein Bild vor sich, das Ihnen darstellt, sagen wir, irgendeine Szene, irgendeine Heiligenlegende. Sie können auf zweifache Weise dieses Bild zu verstehen suchen. Das eine Mal stellen Sie sich vor das Bild hin und versuchen, dasjenige, was in der Seele des Malers gelebt hat, in Ihrer Seele aufleben zu lassen. Sie versuchen das, was als geistigen Inhalt das Bild darstellt, in Ihrer Seele wachzurufen. Da lebt etwas darin, was Ihre Seele vielleicht innerlich erhebt, erhaben stimmt, etwas, was Ihre Seele innerlich belebt. Sie können aber noch anders sich zu diesem Bilde verhalten. Sie können hingehen und sagen, das interessiert mich nicht. Auch was der Maler sich dabei gedacht hat, interessiert mich nicht besonders. Ich will aber versuchen, herauszubringen, wie er die Farben gemischt hat, was für Stoffe in die Farbe gemischt sind, die er auf die Leinwand gemalt hat. Ich will prüfen, wie das da ist auf der Leinwand, wieviel an Gewicht von roter und grüner Farbe verwendet worden ist, wo gerade und wo krumme Linien angewendet worden sind.

[ 19 ] A comparison will help clarify what I mean. Imagine you have a picture before you that depicts, let’s say, some scene, some legend of a saint. You can try to understand this picture in two ways. In one way, you stand before the picture and try to bring to life in your own soul what lived in the painter’s soul. You try to evoke in your soul the spiritual content that the picture represents. There is something in it that perhaps lifts your soul inwardly, makes it feel exalted, something that enlivens your soul from within. But you can also relate to this picture in another way. You can go up to it and say, “That doesn’t interest me.” Nor am I particularly interested in what the painter had in mind. But I want to try to figure out how he mixed the colors, what materials are mixed into the paint he applied to the canvas. I want to examine how it is on the canvas, how much red and green paint was used, where straight and where curved lines were applied.

[ 20 ] Das sind zwei verschiedene Betrachtungsweisen eines Bildes. Töricht wäre es, zu sagen von dem einen: Du betrachtest etwas, was unwahr ist. — Nein, er betrachtet etwas, was durchaus wahr ist. Er betrachtet die Art, wie die Farbe an der Leinwand klebt und wie dieselbe zusammengestellt ist. Er betrachtet, ob und wie die Farben zersprungen sind und so weiter. Echte Wahrheiten können das sein. Da kommt nun der zweite und sagt zum ersten: Das ist nicht das Richtige, was du da denkst. Das ist ja nur ein Gedanke. Was ich erforsche, das kann man objektiv feststellen.

[ 20 ] These are two different ways of looking at a picture. It would be foolish to say of one: You are looking at something that is untrue. — No, he is looking at something that is certainly true. He observes the way the paint adheres to the canvas and how it is composed. He observes whether and how the colors have cracked, and so on. These can be genuine truths. Then the second person comes along and says to the first: “What you’re thinking isn’t right. That’s just a thought. What I’m investigating can be objectively determined.”

[ 21 ] Ich will noch ein anderes Beispiel danebenstellen, damit wir uns ganz genau verstehen. Sagen wir, es kann jemand auf einem Klavier eine Sonate spielen. Sie hören sich mit musikalischem Ohr diese Sonate an, Sie schwelgen in dem herrlichen Reich der Töne, die Ihnen dieseSonate überliefert. Das ist eine Art, wie Sie das, was hier vorgeht, erforschen können. Eine andere Art aber könnte auch die folgende sein. Es kommt da einer und sagt, das interessiert mich nicht, was man mit dem musikalischen Ohre hört. Aber da steht ein Klavier, darin sind Saiten ausgespannt. Diese Saiten bewegen sich. Ich will nun einmal an diese Saiten anhängen das, was wir Papierreiterchen nennen. Die springen ab, wenn sich die Saite bewegt und dadurch kann ich studieren, wo die Saiten sich bewegen und wo sie in Ruhe sind. Von dem will ich ganz absehen, was du da mit deinem Ohre hörst. Das ist nicht objektiv festzustellen. — So wie dieser zweite Betrachter sich zu dem ersten Betrachter verhält, so verhalten sich die Ihnen charakterisierten Gelehrten zu den Theosophen. Keinem Theosophen wird es einfallen, die Gelehrsamkeit zu leugnen. Ebensowenig wie der, welcher über den geistigen Inhalt eines Bildes schwärmt, sagt, es ist nicht wahr, was du da von der Farbe erforschest, ebensowenig wie der, welcher ein musikalisches Ohr hat, sagen wird, das ist nicht wahr, was du mit den Papierreiterchen untersuchst - denn wahr ist es —, ebenso wahr ist es, was der Naturforscher an seinem Stoff erforscht. Nichts soll dagegen eingewendet werden. Aber dieser Naturwissenschaft entgeht dasjenige, worauf es ankommt im Weltprozeß. Ebenso wie dasjenige, worauf es ankommt, dem entgeht, der nur die Papierreiterchen betrachtet, und was auch dem entgeht, der nur die Farbe und vielleicht noch den Stoff, die Leinwand untersucht.

[ 21 ] Let me give another example to make sure we understand each other perfectly. Let’s say someone can play a sonata on a piano. You listen to this sonata with a musical ear; you revel in the magnificent realm of sounds that this sonata conveys to you. That is one way you can explore what is happening here. But another way could be the following. Someone comes along and says, “I’m not interested in what one hears with a musical ear. But there is a piano standing there, with strings stretched across it. These strings move. I now want to attach to these strings what we call ‘paper riders.’ They bounce off when the string moves, and through this I can study where the strings are moving and where they are at rest.” I want to disregard entirely what you hear with your ear. That cannot be objectively determined. — Just as this second observer relates to the first observer, so do the scholars you have described relate to the Theosophists. It would never occur to any Theosophist to deny their scholarship. Just as little as the one who raves about the spiritual content of a painting would say, “What you are investigating there regarding the color is not true,” just as little as the one with a musical ear would say, “What you are investigating with those little paper figures is not true”—for it is true—so too is what the natural scientist investigates in his subject matter. Nothing should be objected to this. But this natural science misses what is essential in the world process. Just as what is essential escapes the one who merely observes the paper cutouts, and also escapes the one who merely examines the color and perhaps the material, the canvas.

[ 22 ] Da kommen nun einzelne und sagen, es gibt ein Subjektives, das lebt nur in der Seele und das kann nicht objektiv festgestellt werden. Man muß das, was tatsächlich festgestellt werden kann, untersuchen. Draußen lebt bloß die schwingende Äthermaterie, der schwingende Stoff. Gewiß. Als Theosoph erwidert man einem solchen: Wenn du bloß den Stoff untersuchst, da findest du draußen nur deinen Stoff, so wie derjenige, welcher sich die Ohren verstopft, nur dasjenige findet, was man an den Papierreiterchen sehen kann.

[ 22 ] Now there are those who say that there is a subjective realm that exists only in the soul and cannot be objectively verified. One must examine what can actually be verified. Out there, there is only the vibrating etheric matter, the vibrating substance. Certainly. As a theosophist, one replies to such a person: If you examine only the substance, you will find out there only your own substance, just as the one who plugs his ears finds only what can be seen on the little paper tabs.

[ 23 ] Es ist vor wenig Jahren noch ein großer Unfug getrieben worden mit dieser Objektivität der Naturforschung. Es ist dies die sogenannte atomistische Theorie, wo man dasjenige, was der Mensch wahrnimmt als Sinnesempfindung, was er wahrnimmt als Ton, Farbe und so weiter, subjektiv nennt und zurückführt auf objektive Vorgänge. Und diese Vorgänge sollten Schwingungen irgendeines Stoffes sein. Damals nannte man es — als Beispiel — immer bloß Rot. Rot, sagte man, ist nur in deinem Auge. Draußen im Raum ist nichts als eine Ätherschwingung von so und so viel Millionen Schwingungen. — So verwandelte diese Pseudowissenschaft, die nicht mehr Wissenschaft, sondern Religion ist, die Welt der Wahrnehmungen in eine Unsumme von Atomen, die alle in schwingenden Bewegungen sind. Dieser Unfug, alles dasjenige, was wir erleben an farbenfrischem und lebendigem Inhalt zu verwandeln in abstrakte Vorgänge, die nichts anderes sind als errechnete Dinge, nichts als ergrübelte und erspekulierte Dinge, dieser Unfug tritt in letzter Zeit etwas zurück. Wir sehen, wie schon das Atom und die schwingende Bewegung von einsichtigen Naturforschern nur noch als Rechnungsansatz angesehen werden und wie in den besseren Denkerkreisen man sich nicht mehr kümmert um die Ungenauigkeit der Atomhypothesen und so weiter. Aber es hat sich festgesetzt in den Gehirnen der Menschen, die Welt anzusehen als ein objektives Nichts, als bloß materialistische Schwingungsvorgänge, so daß es in den ersten Jahren der theosophischen Bewegung auch in diese eingedrungen ist und in die Theosophie selber. Wir haben es erleben müssen, daß die geistigste Bewegung vom Materialismus in der herbsten Weise angekränkelt worden ist. Wir haben es erleben müssen, daß man in den verschiedensten theosophischen Büchern immer wieder hat lesen können, das ist diese Vibration und das ist jene Vibration. Insbesondere die englischen Bücher wurden nicht müde, von Vibrationen zu reden.

[ 23 ] Just a few years ago, a great deal of nonsense was still being peddled regarding this objectivity in natural science. This is the so-called atomistic theory, in which what a person perceives as a sensory impression—what they perceive as sound, color, and so on—is called subjective and traced back to objective processes. And these processes were supposed to be vibrations of some substance. Back then, for example, it was always simply called “red.” Red, they said, is only in your eye. Out there in space there is nothing but an etheric vibration of so many millions of oscillations. — Thus this pseudoscience, which is no longer science but religion, transformed the world of perceptions into a vast number of atoms, all of which are in vibrating motion. This nonsense—transforming everything we experience in terms of vivid, living content into abstract processes that are nothing more than calculated entities, nothing but pondered and speculated entities—this nonsense has been receding somewhat lately. We see how even the atom and vibrating motion are now regarded by discerning natural scientists merely as a starting point for calculation, and how in the better circles of thought one no longer concerns oneself with the inaccuracy of atomic hypotheses and so on. But the idea has taken root in people’s minds to view the world as an objective nothingness, as mere materialistic vibrational processes, so that in the early years of the Theosophical Movement it also penetrated into it and into Theosophy itself. We have had to witness how the most spiritual movement has been most grievously afflicted by materialism. We have had to witness how, in the most diverse Theosophical books, one could read time and again: ‘this is such-and-such a vibration’ and ‘that is such-and-such a vibration.’ The English books, in particular, never tired of speaking of vibrations.

[ 24 ] Es ist ein Charakteristikon unserer Zeit, daß in die geistigste Bewegung diese materialistische Richtung hineinkommen konnte. Wir werden noch lange zu tun haben, um diese Kinderkrankheit der Theosophie zu überwinden. Erst dann aber, wenn die Zeit gekommen sein wird, wo innerhalb der Theosophie verschwunden sein werden alle Redereien von sich bewegenden Atomen, verschwunden sein wird jene ausgeklügelte Konstruktion von irgendwelchen Monaden, die sich herunterwirbeln von den Höhen und alles aufnehmen — eine groteske materialistische Idee. Erst wenn man erkennen wird, daß in der Theosophie es sich nur darum handeln kann, das Geistige als solches zu erkennen, wenn man klar darüber sein wird, daß man stehen läßt in der materialistischen Wissenschaft die schwingenden Papierreiterchen und die Untersuchung der Farben und der Leinwand und daß es sich bei der Theosophie handelt um die Ausbildung der höheren Sinne, um die Erkenntnis der höheren Sinne, daß es sich handelt um das, was der Mensch mit den höheren Seelenkräften sieht, zusammenfaßt, überblickt, was er mit dem musikalischen Ohr hört, also das, was die schwingende Saite räumlich ausdrückt, dann wird man einigermaßen verstehen können, was Theosophie ist.

[ 24 ] It is a hallmark of our time that this materialistic tendency has been able to creep into the most spiritual movement. We will have our work cut out for us for a long time to come in overcoming this teething problem of Theosophy. But only when the time comes when all the talk of moving atoms has disappeared from within Theosophy, when that elaborate construct of some monads whirling down from the heights and absorbing everything—a grotesque materialistic idea—has vanished. Only when one recognizes that theosophy can only be about recognizing the spiritual as such, when one is clear that one leaves behind in materialistic science the vibrating paper riders and the study of colors and the canvas, and that theosophy is about the training of the higher senses, the knowledge of the higher senses, that it concerns what the human being sees with the higher soul forces, summarizes, and surveys, what he hears with the musical ear—that is, what the vibrating string expresses spatially—then one will be able to understand to some extent what Theosophy is.

[ 25 ] Daher müssen wir auch verzichten, ganz und gar verzichten darauf, etwa zu glauben, daß eine Art Harmonie zwischen der heutigen Gelehrsamkeit und der 'Theosophie möglich sei. Die ist nicht möglich. — Diese Harmonie wird erst kommen, wenn die Gelehrsamkeit selbst so weit sein wird, daß sie Theosophie verstehen kann. Gewiß, wir haben es zu tun mit der Untersuchung der Farben — chemisch —, mit der Untersuchung der Linien, mit der Untersuchung der Leinwand, mit der Untersuchung der Papierreiterchen auf den bewegten Saiten, aber das schließt nicht aus, daß bei der höheren Entwickelung der geistigen Kräfte, in demselben, was wir äußerlich untersuchen, sich das Geistig-Höhere erschließt. Weit entfernt ist die heutige Gelehrsamkeit von dem Verstehen einer solchen Sache. Man wird milde gegenüber dieser Gelehrsamkeit, wenn man zum Beispiel sieht, wie gar nicht imstande ist derjenige, der herausgeboren ist aus dieser Gelehrsamkeit, zu begreifen etwas, was im tiefsten Sinne gelehrt und zugleich aus gewissen Geisteswissenschaften heraus entstanden ist. Ich weiß, daß ich für viele, die als physikalisch gebildet hier sitzen können, etwas höchst Anrüchiges sage. Aber es ist etwas, was symptomatisch bezeichnet, worüber ich zu sprechen habe. Welcher Physiker würde nicht geringschätzig sprechen über das, was man Goethes Farbenlehre nennt. Über diese zu sprechen, ist heute ein Ding der Unmöglichkeit, aber es werden Zeiten kommen — und sie liegen nicht gar zu fern —, wo man alles dasjenige, was heute als Einwände gegen Goethes Farbenlehre existiert, als veraltetes Vorurteil erkennen wird. Näheres über Goethes Farbenlehre können Sie in meinem Buch über «Goethes Weltanschauung» lesen.

[ 25 ] Therefore, we must also refrain—refrain entirely—from believing, for example, that some kind of harmony between modern scholarship and ‘theosophy’ is possible. That is not possible. — This harmony will only come when scholarship itself has progressed to the point where it can understand theosophy. Certainly, we are concerned with the study of colors—chemically—with the study of lines, with the study of the canvas, with the study of the paper slats on the vibrating strings, but this does not preclude the fact that, with the higher development of spiritual powers, the higher spiritual realm opens up within the very things we examine externally. Today’s scholarship is far removed from understanding such a thing. One becomes lenient toward this scholarship when one sees, for example, how utterly incapable is the person born of this scholarship of grasping something that is learned in the deepest sense and at the same time has arisen from certain spiritual sciences. I know that for many who may be sitting here with a background in physics, I am saying something highly objectionable. But it is something that symptomatically characterizes what I have to speak about. What physicist would not speak disparagingly of what is called Goethe’s Theory of Colors? To speak of it today is an impossibility, but there will come a time—and it is not too far off—when everything that today exists as an objection to Goethe’s theory of colors will be recognized as an outdated prejudice. You can read more about Goethe’s theory of colors in my book on “Goethe’s Worldview.”

[ 26 ] Goethes Farbenlehre ist herausgeboren aus einer geistigen Weltanschauung und für den, der dies verstehen kann, ist diese Farbenlehre allein schon der Beweis dafür, wie tief Goethe dachte. Aber sie geht auch nicht aus von dem Vorurteil, daß die Farbe schwingender Äther sei. Sie steht vielmehr auf einem Boden, der sich so umschreiben läßt, wie ich es jetzt versuchen werde. Ich bitte Sie, mir zu folgen in meinem subtilen Gedankengang. Wenn derjenige, der da sieht, hinausschaut und die rote Farbe sieht, so erblickt sein Auge zunächst Rot. Da kommt nun der Physiker und sagt, dieses Rot ist nur subjektiv. Das ist ein Vorgang im Raum oder im Gehirn. Was aber draußen wirklich ist, das ist nichts als schwingende Ätherbewegung. Wenn nun jemand kommt, der da sagt, das, was du da siehst, das ist scheinbar, das ist nur schwingende Ätherbewegung, dann wende man einmal das Folgende ein. Versuche dir doch einmal diese schwingende Ätherbewegung vorzustellen. Ist dann das farblos? Farblos muß es ja sein, denn die Farbe willst du ja erklären aus den Schwingungen. Also muß das, was draußen ist, farblos sein. Frage ich, hat es vielleicht noch andere Eigenschaften, hat es vielleicht die Eigenschaft der Wärme? Da kommt der Physiker und sagt, die Wärme kommt auch nur von schwingender Bewegung. Am komischsten sind diese Leute aber, wenn sie sagen, sinnliche Eigenschaften haben diese Schwingungen nicht, sondern nur solche, die wir denken können. Wenn man nun aber dasjenige, was die Sinne sagen, als subjektiv ansieht, dann muß man doch auch das, was man denkt, als subjektiv annehmen. Und dann muß man ja auch sagen, das, was du da errechnet hast als schwingende Nebelmasse, das ist erst recht subjektiv, das ist nie wahrgenommen, sondern nur errechnet. Alles das ist subjektiv errechnet. Wer sich klar darüber ist, daß das, was wir in uns erleben, objektiv ist und daß das Objektive das Subjektivste werden kann, der hat ein Recht davon zu sprechen, daß auch das Errechnete ein objektives Dasein hat. Der wird auch nicht dazu kommen, Rot und Grün, Cis und G für bloß subjektive Erscheinungen zu halten.

[ 26 ] Goethe’s theory of colors springs from a spiritual worldview, and for those who can grasp this, the theory itself is proof of the depth of Goethe’s thought. But it does not proceed from the prejudice that color is vibrating ether. Rather, it stands on a foundation that can be described as I shall now attempt to do. I ask you to follow me in my subtle line of thought. When the person who sees looks out and sees the color red, his eye first perceives red. Then the physicist comes along and says, this red is only subjective. It is a process in space or in the brain. But what is really out there is nothing but vibrating etheric movement. Now, if someone comes along and says, “What you see there is merely an illusion; it is nothing but vibrating etheric motion,” then one might object as follows. Try to imagine this vibrating etheric motion. Is it colorless? It must be colorless, since you are trying to explain the color through the vibrations. So what is out there must be colorless. I ask, does it perhaps have other properties, does it perhaps have the property of warmth? Then the physicist comes along and says, warmth, too, comes only from vibrating motion. But these people are at their most absurd when they say that these vibrations have no sensory properties, but only those that we can conceive of. But if one regards what the senses tell us as subjective, then one must also accept what one thinks as subjective. And then one must also say that what you have calculated there as a vibrating mass of mist is all the more subjective; it has never been perceived, but only calculated. All of this is subjectively calculated. Anyone who is clear that what we experience within ourselves is objective, and that the objective can become the most subjective, has a right to speak of the fact that the calculated also has an objective existence. Such a person will also not come to regard red and green, C-sharp and G, as merely subjective phenomena.

[ 27 ] Jetzt habe ich Ihnen eine ganze Reihe von Dingen gesagt, die für jeden naturwissenschaftlich Denkenden heute furchtbare Ketzereien sind. Nun, es wird viel geredet, daß die Zeiten anders geworden sind. Ja, die Zeiten sind anders geworden als zur Zeit des Giordano Bruno. Da galt noch nicht das Dogma der Unfehlbarkeit. Heute gilt, wie Sie wissen, in gewissen katholischen Kreisen das Dogma der Unfehlbarkeit. Aber dieses Dogma der Unfehlbarkeit ist nicht bloß aus dem Katholizismus heraus geboren. Da ist es geboren als äußeres Gesetz, als äußeres Dogma. Als Gesinnung lebt aber das Unfehlbarkeitsdogma auch im Geiste der materialistisch Denkenden, der monistischen Freigeister. Die halten sich — ich will nicht sagen, jeder für ein Päpstlein — aber doch für so unfehlbar, daß sie alles das für abergläubisch halten, was nicht ihren Kreisen entstammt. Und wenn sich einer diesen unfehlbaren Physikern und Psychiatern — sie werden es nicht aussprechen, daß sie unfehlbar sind, aber man fühlt es — gegenüberstellt, dann wird er abgetan. Er wird nicht mehr verbrannt, aber mit den Mitteln, die heute in der Mode sind, unmöglich gemacht.

[ 27 ] I have now told you a whole series of things that are considered terrible heresies by anyone with a scientific mindset today. Well, people often say that times have changed. Yes, times have changed since the days of Giordano Bruno. Back then, the dogma of infallibility did not yet apply. Today, as you know, the dogma of infallibility applies in certain Catholic circles. But this dogma of infallibility did not arise solely from Catholicism. There it was born as an external law, as an external dogma. But as a mindset, the dogma of infallibility also lives on in the spirit of materialistic thinkers, of monistic free-thinkers. They consider themselves—I won’t say each one a little pope—but at least so infallible that they regard as superstitious everything that does not originate from their own circles. And if anyone opposes these infallible physicists and psychiatrists—they will not say that they are infallible, but one senses it—then he is dismissed. He is no longer burned, but rendered impossible by the means that are in vogue today.

[ 28 ] Es kann sich bei den Theosophen nicht darum handeln, daß er Zustimmung findet. Der Wahrheit gegenüber ist die Zustimmung höchst gleichgültig. Dem, der die Wahrheit eines mathematischen Lehrsatzes begriffen hat, kann es ganz gleichgültig sein, ob eine Million Leute zustimmen oder nicht. Durch Majorität werden Wahrheiten nicht entschieden. Wer eine Wahrheit erkannt hat, der hat sie erkannt und braucht keine Zustimmung. So wird die theosophische Bewegung gerade die vorsichtigen Bekenner am liebsten haben. Nicht Kinder will sie haben, sondern solche Menschen, die mit aller Vorsicht, aus tiefster Prüfung heraus sich ein Urteil bilden. Die Aufforderung zur Vorsicht ist etwas, was mir tiefste Sympathie einflößt.

[ 28 ] For theosophists, the issue is not whether they find approval. Approval is of the utmost indifference to the truth. To one who has grasped the truth of a mathematical theorem, it can be completely irrelevant whether a million people agree or not. Truths are not decided by majority vote. Whoever has recognized a truth has recognized it and needs no approval. Thus, the Theosophical Movement will have the greatest regard for those who are cautious in their convictions. It does not want children, but rather people who form their judgments with the utmost caution, based on the deepest scrutiny. The call for caution is something that inspires my deepest sympathy.

[ 29 ] Von dem, was ich versucht habe darzustellen, werden Sie haben entnehmen können, daß die Theosophie weit entfernt ist, Kritik an der zeitgenössischen Gelehrsamkeit zu üben. Sollte der Theosoph sie bekämpfen? Er täte etwas sehr Törichtes, denn es wäre so, wie wenn derjenige, der ein Bild mit Mißbehagen betrachtet, den bekämpfen wollte, der die chemische Zusammensetzung der Farben studiert. Wenn von theosophischer Seite zum Beispiel eine Erscheinung wie Ernst Haeckel verteidigt wird, so braucht das nicht unrichtig zu sein. Man kann sie verteidigen, wenn man sie von einer höheren Warte herunter erkennt, sieht, wie sie da erscheint und weiß, wie die Dinge hineinzustellen sind in die Weltentwickelung. Der Theosoph wird der zeitgenössischen Entwickelung auf jedem Gebiete die richtige Stellung anzuweisen verstehen.

[ 29 ] From what I have attempted to present, you will have gathered that Theosophy is far from criticizing contemporary scholarship. Should the Theosophist fight against it? He would be doing something very foolish, for it would be like someone who views a painting with displeasure wanting to fight against the one who studies the chemical composition of the colors. If, for example, a figure like Ernst Haeckel is defended from a Theosophical standpoint, that need not be incorrect. One can defend it if one recognizes it from a higher vantage point, sees how it appears there, and knows how to place things within the context of world evolution. The Theosophist will know how to assign the correct position to contemporary developments in every field.

[ 30 ] So ist das Verhältnis der neu aufsteigenden Geistesströmung, die versucht, die Welt so anzuschauen, wie sie von einzelnen auserlesenen Geistern immer angeschaut worden ist. Aber es war in den letzten Jahrhunderten nicht möglich, diese Geisteswissenschaft in der Weise zu geben, wie sie früher gegeben worden ist. Was man heute Theosophie nennt, ist ein kleiner Teil einer umfassenden Weltenweisheit, desjenigen, was man die Geheimwissenschaft nennt. Diese ist etwas, was bei auserlesenen Menschenindividualitäten seit Jahrtausenden, ja, seit es Menschen gibt, immer bestanden hat. In der Form aber, wie es einzelne große Geister besessen haben, konnte es der großen Menge nicht gegeben werden. Aber es wurde trotzdem der großen Menge nicht vorenthalten.

[ 30 ] Such is the nature of the newly emerging spiritual movement, which seeks to view the world as it has always been viewed by select individuals of exceptional spiritual insight. But in recent centuries it has not been possible to present this spiritual science in the manner in which it was presented in the past. What is called Theosophy today is a small part of a comprehensive world wisdom, of what is called the secret science. This is something that has always existed among select human individuals for millennia—indeed, ever since humanity has existed. However, in the form in which individual great spirits possessed it, it could not be given to the masses. Yet it was not withheld from the masses nonetheless.

[ 31 ] Wenn Sie die Sagen und Mythen der Völker prüfen, wenn Sie unbefangen prüfen, dann werden Sie sehen, daß diese Sagen und Mythen der bildliche Ausdruck einer Wissenschaft sind, die mehr Weisheit enthält, als die heutige Wissenschaft bietet. Die heutige Wissenschaft würde es als Phantastik ansehen, wenn man sagte, daß in diesen Märchen Weisheit steckt. Weiter ist diese Weltenweisheit in den verschiedensten Religionen verschieden verkündigt worden, je nachdem sie das eine oder das andere Volk nach Temperament und Klima so oder anders gebrauchte. Wenn wir alles das, was in den verschiedensten Formen so der Menschheit gegeben worden ist, überschauen, so führt uns das auf einen gemeinschaftlichen Kern, auf eine umfassende Weltenweisheit. Nicht alles kann heute schon der größeren Menschheit übergeben werden, denn derjenige, der sich zu dieser Weltenweisheit hinaufschwingt, hat bestimmte innere Prüfungen durchzumachen. Nur dem kann diese Weltenweisheit ausgeliefert werden, der diese Prüfungen durchmacht. Auch der elementare Teil war früher nur im engsten Kreise gut vorbereiteten Schülern mit den entsprechenden intellektuellen, moralischen und gemütlichen Eigenschaften überliefert. Es gibt heute noch Personen, die es als unrichtig ansehen, daß von der Theosophie der großen Masse der Menschen die okkulten Weisheiten überliefert werden. Der Vorwurf ist aber deshalb unbegründet, weil es heute eben nicht anders geht. Wer die Struktur des Zeitgeistes der Gegenwart versteht, der weiß, daß sich innere Wahrheit und Weisheit der religiösen Weltanschauung entfremdet fühlen, weil man sie nicht mehr verstehen kann. Früher war das anders. Da war die Weisheit, die heute von der Theosophie verkündigt wird, das Gut des einzelnen. Der großen Menge wurde in Bildern gegeben, was ihr an Weisheit gegeben werden sollte. Das Gemüt der großen Menge war geeignet, die Bilder aufzunehmen. Die große Menge konnte leben mit diesen Bildern allein. Wahrheit war in den Religionen, Wahrheit war in den religiösen Grundanschauungen. Das ist es, was die Theosophie uns erst wieder im Tiefsten klarmacht. Mit dem Gefühle konnte es der Mensch in den alten Zeiten erfassen. Heute erfordert es die Zeit, daß er auch begreifen kann, was in den Religionen enthalten ist. So ist das, was man Geheimwissenschaft nennt, gezwungen, etwas herauszutreten, etwas zur Bewahrheitung der Religionen beizutragen, das Elementare wenigstens aus der geistigen Wahrheit zu geben. Ode und leer würde eine Zeit sein, wenn die Menschheit allem Wissen von den geistigen Welten und allem Zusammenhang mit ihnen entfremdet wäre. Nur der, welcher die Sache nicht durchschaut, kann glauben, daß die Menschheit bestehen könnte ohne Zusammenhang mit dem Geistigen, ohne Glaube an Geist und Unsterblichkeit. Wie die Pflanze Nahrungssäfte braucht, so braucht die Seele das, was als Geistiges ihr zugrunde liegt. Die Theosophie will keine neue Religion gründen. Aber sie will die Wahrheit dem Menschen wieder nahebringen in einer Form, die für den heutigen Menschen geeignet ist, in der Form des denkenden Begreifens. So wird die Theosophie die alte Wahrheit in neuer Form an unsere Zeitgenossen heranbringen, unbeirrt um die, welche, vom materialistischen Aberglauben ausgehend, gegen diese Geistesströmung sich wenden.

[ 31 ] If you examine the legends and myths of different peoples—if you examine them with an open mind—you will see that these legends and myths are the figurative expression of a science that contains more wisdom than modern science offers. Modern science would regard it as fantasy if one were to say that there is wisdom in these fairy tales. Furthermore, this universal wisdom has been proclaimed in various ways across different religions, depending on how one people or another applied it in different ways according to their temperament and climate. When we survey all that has been given to humanity in such diverse forms, it leads us to a common core, to a comprehensive world wisdom. Not everything can be handed over to the broader humanity today, for the one who ascends to this world wisdom must undergo certain inner trials. This world wisdom can be entrusted only to those who undergo these trials. Even the elementary part was formerly transmitted only within the closest circle of well-prepared students possessing the appropriate intellectual, moral, and character traits. There are still people today who consider it wrong for the occult wisdom of Theosophy to be transmitted to the great masses of humanity. But this criticism is unfounded because there is simply no other way today. Anyone who understands the structure of the contemporary spirit of the age knows that inner truth and wisdom feel alienated from the religious worldview because people can no longer understand them. It used to be different. Back then, the wisdom now proclaimed by Theosophy was the possession of the individual. The masses were given, in images, the wisdom intended for them. The minds of the masses were suited to receiving these images. The masses could live with these images alone. Truth was found in the religions; truth was found in the fundamental religious views. This is what Theosophy makes clear to us once again in the deepest sense. In ancient times, people could grasp it through feeling. Today, the times demand that they also be able to comprehend what is contained in the religions. Thus, what is called esoteric science is compelled to step forward, to contribute something to the vindication of the religions, to provide at least the elementary aspects of spiritual truth. How empty and barren a time it would be if humanity were alienated from all knowledge of the spiritual worlds and all connection with them. Only those who fail to see through the matter can believe that humanity could exist without a connection to the spiritual, without faith in the spirit and immortality. Just as a plant needs nourishing juices, so the soul needs that which underlies it as the spiritual. Theosophy does not seek to found a new religion. But it seeks to bring the truth back to humanity in a form suitable for modern people, in the form of intellectual understanding. Thus, Theosophy will present the ancient truth in a new form to our contemporaries, undeterred by those who, proceeding from materialistic superstition, turn against this spiritual current.

[ 32 ] Ebenso, wie sich die äußere Naturwissenschaft stützt auf das, was sie mit Hilfe des Mikroskops und Teleskops erforscht und errechnet, ebenso wird sich die Theosophie des bedeutendsten Instrumentes bedienen, von dem Goethe spricht: Was das geübte Ohr des Musikers ist, das ist die menschliche Seele gegenüber allen Werkzeugen —, und ferner:

[ 32 ] Just as the external natural sciences rely on what they investigate and calculate with the aid of the microscope and telescope, so too will theosophy make use of the most important instrument of which Goethe speaks: What the trained ear of the musician is, that is the human soul in relation to all tools—and furthermore:

Geheimnisvoll am lichten Tag
Läßt sich Natur des Schleiers nicht berauben,
Und was sie deinem Geist nicht offenbaren mag,
Das zwingst du ihr nicht ab mit Hebeln und mit Schrauben.

Mysterious in broad daylight
Nature cannot be stripped of its veil,
And what it chooses not to reveal to your mind,
You cannot force from it with levers and screws.

[ 33 ] Wer die Welt durchschaut, der ist das vollkommenste Instrument, und gestützt auf das geistige Schauen wird die Theosophie immer mehr und mehr solcher Instrumente hervorbringen.

[ 33 ] Those who see through the world are the most perfect instruments, and, supported by spiritual insight, theosophy will produce more and more such instruments.

[ 34 ] Die Antwort auf die Frage, was wissen unsere Gelehrten von dem eigentlichen Grundnerv der Theosophie, ist: nichts. — Sie können nichts wissen, weil alle ihre Denkgewohnheiten sie zu nichts anderem bringen können, als die Theosophie als phantastisches Zeug anzusehen. Wer aber begriffen hat, daß die Gelehrsamkeit sich noch nicht einlassen kann auf die Theosophie, die von ganz anderen GrundJagen ausgegangen ist, der wird auch begreifen, wie notwendig diese Gelehrsamkeit es haben wird, tiefer hineinzuleuchten in das Gefüge des Geistes. Was für Blüten bringt nicht diese Gelehrsamkeit hervor. Aber ein wirkliches Begreifen der Seele erst kann solche Dinge, wie sie die heutige Gelehrsamkeit kennt, begreiflich machen. Oder, was soll sich der, welcher Goethe, Schopenhauer, Conrad Ferdinand Meyer und so weiter für große Geister gehalten hat, was soll er sich denken, wenn diese materialistische Gelehrsamkeit es so weit gebracht hat, daß Sie in einem Büchelchen über Goethes Krankheit, über Schopenhauers Krankheit — auch in anderen Werken — finden können diese Krankheiten begründet vom Standpunkte der materialistischen Psychiatrie? Zirkuläres Irresein nennt man eine bestimmte Art von Geisteskrankheit. Dementia praecox eine andere, und Paranoia eine dritte. Diese drei Formen des Irreseins werden zugrunde gelegt, um zu zeigen, daß man auch bei großen Geistern, die als Führer der Menschheit gelten, Symptome aufweisen kann, welche als Symptome von Geisteskrankheiten gelten. Bei Schopenhauer fand man dieSymptome von zirkulärem Irresein, Paranoia bei Tasso, Rousseau und so weiter. Zwar hat derselbe Verfasser eine noch größere Anzahl, eine noch größere Menge von Menschen als schwachsinnig bezeichnet. Es ist nämlich der Verfasser des Buches über den physiologischen Schwachsinn des Weibes, der damit die zweite Hälfte der ganzen Menschheit trifft. Es wäre ein leichtes, den Verfasser unter seinem eigenen Gesichtspunkt zu betrachten und ihn gehörig unter die Lupe zu nehmen. — Über alle diese Dinge ist aber gar nicht zu lachen. Die materialistische Wissenschaft muß aber dazu kommen, weil es Teilwahrheiten sind. Man kann aber nur zu dem richtigen Licht kommen, wenn man den dahinter wirkenden Geist sieht. Dann sieht man, daß oft mit denselben Symptomen eine höhere geistige Entwickelung erkauft werden muß, wie auf der anderen Seite die Gesundheit mit anderen Symptomen. Man kann das nur, wenn man sie von oben herunter, das heißt, vom theosophischen Standpunkt aus erläutert, betrachtet.

[ 34 ] The answer to the question of what our scholars know about the very essence of theosophy is: nothing. — They cannot know anything because all their habits of thought lead them to nothing other than viewing theosophy as fanciful nonsense. But whoever has grasped that scholarship cannot yet engage with theosophy, which has emerged from entirely different foundations, will also understand how necessary it will be for this scholarship to shed deeper light on the structure of the spirit. What kind of fruits does this scholarship not produce? But only a true understanding of the soul can make such things—as they are known to today’s scholarship—comprehensible. Or, what is one to think—one who has regarded Goethe, Schopenhauer, Conrad Ferdinand Meyer, and so on as great minds—what is one to think when this materialistic scholarship has gone so far that in a little book on Goethe’s illness, on Schopenhauer’s illness—and in other works as well—one can find these illnesses explained from the standpoint of materialistic psychiatry? Circular insanity is the name given to a certain type of mental illness. Dementia praecox is another, and paranoia a third. These three forms of insanity are used as a basis to show that even great minds, who are regarded as leaders of humanity, can exhibit symptoms that are considered symptoms of mental illness. In Schopenhauer, one found the symptoms of circular insanity; in Tasso and Rousseau, those of paranoia, and so on. Indeed, the same author has designated an even greater number, an even larger group of people, as feeble-minded. For it is the author of the book on the physiological feeble-mindedness of women, thereby affecting the second half of all humanity. It would be easy to view the author from his own perspective and scrutinize him thoroughly. — But none of these things are a laughing matter. Materialist science must, however, address them, because they are partial truths. One can only arrive at the correct understanding, however, by perceiving the spirit at work behind them. Then one sees that often a higher spiritual development must be paid for with the same symptoms, just as, on the other hand, health is paid for with other symptoms. This is possible only when one views them from above, that is, from the theosophical standpoint.

[ 35 ] Noch etwas möchte ich sagen. Sie wissen, daß ich hingewiesen habe auf alte Zeiten der Entwickelung, wo die Kultur von heute noch nicht vorhanden war, wo es einen Kontinent gegeben hat zwischen dem heutigen Europa und Amerika, den Kontinent der alten Atlantis. Ich habe schon darauf hingewiesen, daß diese Atlantis von den Naturforschern wiedergefunden wird. In der Zeitschrift «Kosmos», 10. Heft, spricht ein Naturforscher von Tieren und Pflanzen, die auf dieser Atlantis gelebt haben. Ein solcher Naturforscher wird dieses zwar zugeben, aber er wird nicht zugeben, daß andere Menschen dazumal gelebt haben. Er wird nicht zugeben, daß das alte atlantische Land bedeckt war von einem weiten Nebelmeer, daß der Boden von Atlantis nicht mit solch einer Luft bedeckt war, wie sie heute unsere Atmosphäre bildet, daß der Ausdruck, den die alten mitteleuropäischen Völker in ihren Mythen haben: Nebelheim, auf etwas Reales, auf etwas Wirkliches hindeutet, daß unsere atlantischen Vorfahren in einem Nebellande lebten. Darauf habe ich öfter hingewiesen. — Vor wenigen Tagen wurde ein Vortrag gehalten in einer berühmten naturforschenden Gesellschaft, in dem darauf hingewiesen wurde, daß höchstwahrscheinlich in der Zeit unserer atlantischen Vorfahren auf der Erde sehr weite Lindermassen mit Nebel bedeckt waren. Aus verschiedenen anderen Erscheinungen wird das äußerlich, spekulativ gefolgert. Und vor allem wird darauf hingewiesen, daß die Pflanzen, welche Sonnenschein brauchen, die also in der Wüste wachsen, jüngeren Datums sind und damals noch nicht existierten, während diejenigen, welche wenig Sonnenschein brauchen, in Nebelheim existieren konnten, die älteren sind.

[ 35 ] There is one more thing I would like to say. You know that I have referred to ancient times of development, when today’s civilization did not yet exist, when there was a continent between present-day Europe and America—the continent of ancient Atlantis. I have already pointed out that this Atlantis is being rediscovered by natural scientists. In the journal *Kosmos*, issue 10, a natural scientist speaks of animals and plants that lived on this Atlantis. Such a natural scientist will admit this, but he will not admit that other human beings lived there at that time. He will not admit that the ancient Atlantean land was covered by a vast sea of mist, that the soil of Atlantis was not covered by the kind of air that makes up our atmosphere today, that the expression used by the ancient Central European peoples in their myths—“Land of Mist”—points to something real, to something actual, that our Atlantean ancestors lived in a land of mist. I have pointed this out on several occasions. — A few days ago, a lecture was given at a renowned natural history society in which it was noted that, most likely, during the time of our Atlantean ancestors, very vast landmasses on Earth were covered in fog. This conclusion is drawn externally and speculatively from various other phenomena. And above all, it is pointed out that plants requiring sunlight—those that grow in the desert—are of more recent origin and did not yet exist at that time, whereas those requiring little sunlight, which could exist in Nebelheim, are the older ones.

[ 36 ] So sehen Sie hier, wie die Naturwissenschaft nachhinkend Ihnen das sagt, was die Theosophie schon früher gesagt hat. Die Zeit sehen wir vor uns, wo von dieser Naturwissenschaft auch die anderen Dinge nach und nach zugegeben werden müssen. Nicht so wird das Verhältnis in der Zukunft sein, daß sich die Theosophie wird anzubequemen haben den phantastischen, objektiven Atomtheorien, sondern so, daß die Tatsachen, die die Theosophie aus der höheren Schau heraus verkündigt, werden belegt werden durch die äußere Naturwissenschaft. Das wird der Gang sein, den die Zukunftsentwickelung annehmen wird. Wissen die heutigen Gelehrten auch noch nichts davon, ihre eigenen Fortschritte werden sie darauf hinweisen. — Keinem Denker sollte es einfallen zu bezweifeln, daß man mit einer entwikkelten Seele mehr sehen, mehr schauen kann als mit den bloßen Sinnen und dem bloßen Verstande. Die Anerkennung des entwickelten Menschen als des höchsten, vollkommensten Instrumentes zur Erforschung der Welt — das ist es, was die Theosophie anerkannt haben will. Alles andere ergibt sich von selbst. Sagen Sie, der Mensch hat die höchsten Stufen erreicht und wird sich nicht weiterentwickeln, dann brauchen Sie keine Theosophie. Sagen Sie aber, die Gesetze, die in der Vergangenheit geherrscht haben, werden in der Zukunft auch herrschen, einzelne haben immer höher gestanden als andere der Umgebung — geben Sie das zu, dann sind Sie schon im Prinzip in der Gesinnung Theosoph. 'Theosoph wird man nicht darum, daß man die Worte Theosophie, Brüderlichkeit, Einheit und so weiter in den Mund nimmt. Brüderlichkeit ist dasjenige, was alle guten Menschen einsehen. — Wenn ich sehe, wie die Leute immer von Brüderlichkeit reden und dann auch sehe, wie sie eine innere Wollust fühlen, wenn sie von Brüderlichkeit, Harmonie, Einheit reden, dann fällt mir immer der Ofen ein und der erste Grundsatz der Theosophischen Gesellschaft, der verlangt, den Kern einer allgemeinen Menschenverbrüderung zu bilden. Umsonst ist es, wenn man dem Ofen sagt: Du, lieber Ofen, heize das Zimmer und mache es warm. — Wenn man will, daß der Ofen heizt, dann muß man Heizmaterial hineintun und es anzünden. Heizmaterial muß man hineintun. Das ist die geistige Kraft, die Fähigkeit zu sehen, zu übersehen durch die Erschließung der höheren Welten. Durch die Erschließung der geistigen Welt wird jene Wahrheit und Weisheit in den Menschenseelen Platz greifen, die als Weisheit und Erkenntnis von selbst zur allgemeinen Menschheits-Brüderschaft führen müssen. So werden wir dann das, was im ersten Grundsatz des theosophischen Programms ausgesprochen ist, erreichen, wenn der Mensch ein Instrument sein kann, das hineinschaut in die geistigen Wel ten. Wenn die im Menschen verborgenen Wahrnehmungsorgane herausgeholt werden aus der Seele, dann wird die Theosophie ein Fortschritt sein, den man wird verfolgen können. Wenn man diese Gesinnung, die sich aus der Theosophie ergibt, mit der Gesinnung von Theosophen, von großen, erhabenen Persönlichkeiten, die in der Vorzeit gelebt haben, vergleicht, dann finden wir sie auch in einem Satz aus Herders Feder: Unsere zarte, fühlbare und fein empfindliche Natur hat alle Sinne entwickelt, die ihr Gott gegeben hat. Sie kann keinen entbehren, denn das, was im Gesamtgebrauch der Organe sich ergibt, leuchtet allen. Es sind die Vokale des Lebens und so weiter.

[ 36 ] Here you can see how modern science, lagging behind, is telling you what Theosophy has already said. We foresee a time when modern science will gradually have to acknowledge these other things as well. The relationship in the future will not be such that theosophy will have to accommodate itself to the fanciful, objective atomic theories, but rather that the facts proclaimed by theosophy from a higher perspective will be substantiated by external science. That will be the course that future development will take. Even if today’s scholars know nothing of this yet, their own progress will point them in that direction. — No thinker should doubt that with a developed soul one can see and perceive more than with the mere senses and the mere intellect. The recognition of the evolved human being as the highest, most perfect instrument for exploring the world—that is what Theosophy seeks to establish. Everything else follows naturally. If you say that humanity has reached the highest stages and will not develop further, then you have no need for Theosophy. But if you say that the laws that have prevailed in the past will also prevail in the future, that some have always stood higher than others in their surroundings—if you admit that, then you are already, in principle, of a theosophical mindset. One does not become a theosophist simply by uttering the words “theosophy,” “brotherhood,” “unity,” and so on. Brotherhood is what all good people recognize. — When I see how people are always talking about brotherhood and then also see how they feel an inner delight when they speak of brotherhood, harmony, and unity, I am always reminded of the stove and the first principle of the Theosophical Society, which calls for forming the core of a universal brotherhood of humanity. It is useless to say to the stove: “Hey, dear stove, heat the room and make it warm.” — If you want the stove to heat, then you must put fuel in it and light it. You must put fuel into it. That is the spiritual power, the ability to see and perceive through the opening up of the higher worlds. Through the opening up of the spiritual world, that truth and wisdom will take root in human souls, which, as wisdom and knowledge, must of themselves lead to universal human brotherhood. Thus we will then achieve what is expressed in the first principle of the Theosophical Program, when human beings can become instruments that look into the spiritual worlds. When the organs of perception hidden within the human soul are brought forth, then Theosophy will be a progress that can be pursued. If we compare this attitude, which arises from Theosophy, with the attitude of Theosophists—of great, sublime personalities who lived in times past—we also find it in a sentence penned by Herder: Our delicate, tangible, and finely sensitive nature has developed all the senses that God has given it. It cannot do without any of them, for what results from the combined use of the organs is clear to all. They are the vowels of life, and so on.

[ 37 ] Ist hier auch nur Rücksicht genommen auf die äußeren physischen Sinne, so können wir im theosophischen Sinne doch sagen: die körperlichen und geistigen Sinne müssen erschlossen werden, denn aus der Harmonie der geistigen und körperlichen Wahrnehmungsorgane werden sich entzünden die Vokale des Lebens nicht bloß, sondern auch des ewigen, unendlichen, geistigen Lebens.

[ 37 ] Even if only the external physical senses are taken into account here, we can still say in the theosophical sense: the physical and mental senses must be developed, for from the harmony of the mental and physical organs of perception will spring forth not only the vowels of life, but also those of eternal, infinite, spiritual life.

Von der Gewalt, die alle Wesen bindet,
Befreit der Mensch sich, der sich überwindet

From the violence that binds all beings,
The person who overcomes themselves is set free

[ 38 ] steht in Goethes Gedicht «Die Geheimnisse». Der Mensch ist weder frei noch unfrei, er ist in der Entwickelung begriffen.

[ 38 ] appears in Goethe’s poem “Die Geheimnisse” (The Mysteries). Man is neither free nor unfree; he is in the process of development.