Donate books to help fund our work. Learn more→

The Rudolf Steiner Archive

a project of Steiner Online Library, a public charity

DONATE

World-Riddles and Theosophy
GA 54

12 October, Berlin

Translate the original German text into any language:

Versions Available:

World-Riddles and Theosophy, tr. SOL
  1. Die Welträtsel und die Anthroposophie

2. Unsere Weltlage, Krieg, Frieden und die Wissenschaft des Geistes

2. The State of the World, War, Peace, and the Science of the Spirit

[ 1 ] Die Geistesforschung kann sich nicht in die unmittelbaren Angelegenheiten des Tages mischen. Dabei darf auch nicht der Glaube etwa aufkommen, daß die Geist- Erkenntnis etwas sein soll, das über aller Wirklichkeit in den Wolken schwebt und nichts zu tun hätte mit der Praxis des Lebens. Wir wollen weder die Ereignisse, die heute unmittelbar die Welt aufwühlen, in der Art etwa, wie man die Tagesereignisse behandelt, vortragen, noch wollen wir zu denen gehören, welche blind und taub sein möchten gegen dasjenige, was unmittelbar das menschliche Herz bewegt, was uns unmittelbar angeht. Zwischen diesen zwei Klippen muß ja der Geistesforscher stets den Weg hindurchfinden, so daß er niemals aufgeht in den Meinungen und den Anschauungen des Alltags; auf der andern Seite darf er sich niemals in bloße leere Abstraktionen verwickeln oder Autoritäten verfallen. Ofter durfte ich es von dieser Stelle aus sagen: Praktisch, unmittelbar praktisch, viel praktischer, als gewöhnlich die Tagespraktiker meinen, soll uns die Geisteswissenschaft machen. Aber sie soll uns dadurch praktisch machen, daß sie uns hineinführt in die tieferliegenden Kräfte des Lebens und uns über die Sachen aufklärt von diesen tieferliegenden Kräften aus, daß sie unser Handeln im Einklang mit den großen Weltgesetzen lenkt. Denn allein dann kann man in der Welt etwas erreichen, kann man in das Getriebe der Welt eingreifen, wenn man das im Sinne der großen Weltgesetze macht.

[ 1 ] Spiritual research cannot interfere in the immediate affairs of the day. Nor, however, should the belief arise that spiritual knowledge is something that hovers above all reality in the clouds and has nothing to do with the practical realities of life. We do not wish to present the events that are currently stirring up the world in the same way that one might discuss daily news, nor do we wish to be among those who would remain blind and deaf to what directly moves the human heart—what concerns us directly. Between these two extremes, the spiritual researcher must always find a path so that he never becomes lost in the opinions and views of everyday life; on the other hand, he must never become entangled in mere empty abstractions or fall prey to authority. I have often said this from this very place: Spiritual science is meant to make us practical—immediately practical, much more practical than the practical people of everyday life usually imagine. But it is meant to make us practical by leading us into the deeper forces of life and enlightening us about things from the perspective of these deeper forces, so that it guides our actions in harmony with the great laws of the world. For only then can one achieve anything in the world, can one intervene in the workings of the world, if one does so in accordance with the great laws of the world.

[ 2 ] Nach dieser Voraussetzung lassen Sie mich zunächst auf ein paar Tatsachen hinweisen, die uns einzig und allein die Wichtigkeit unserer heutigen Fragen und, ich möchte sagen, die Aktualität derselben ins Gedächtnis rufen sollen.

[ 2 ] With that in mind, let me first point out a few facts that are intended solely to remind us of the importance of the questions we are addressing today and, I would say, their relevance.

[ 3 ] Die eine Tatsache, die jedem vielleicht in Erinnerung ist, ist die, daß am 24. August 1898 der Bevollmächtigte des Zaren den in Petersburg akkreditierten auswärtigen Vertretern ein Rundschreiben übersandte, in dem unter anderem die folgenden Worte sich finden: «Die Aufrechterhaltung des allgemeinen Friedens und eine mögliche Herabsetzung der übermäßigen Rüstungen, welche auf allen Nationen lasten, stellen sich in der gegenwärtigen Lage der ganzen Welt als ein Ideal dar, auf das die Bemühungen aller Regierungen gerichtet sein müßten.

[ 3 ] One fact that everyone may recall is that on August 24, 1898, the Tsar’s plenipotentiary sent a circular to the foreign representatives accredited in St. Petersburg, in which the following words, among others, appear: “The maintenance of general peace and a possible reduction of the excessive armaments that burden all nations represent, in the current state of the world, an ideal toward which the efforts of all governments should be directed.

[ 4 ] Das humane und hochherzige Streben Sr. Majestät des Kaisers, meines erhabenen Herrn, ist ganz dieser Aufgabe gewidmet. In der Überzeugung, daß dieses erhabene Endziel den wesentlichsten Interessen und den berechtigten Wünschen aller Mächte entspricht, glaubt die kaiserliche Regierung, daß der gegenwärtige Augenblick äußerst günstig dazu sei, auf dem Wege internationaler Beratung die wirksamsten Mittel zu suchen, um allen Völkern die Wohltaten wahren und dauernden Friedens zu sichern und vor allem der fortschreitenden Entwickelung der gegenwärtigen Rüstungen ein Ziel zu setzen.»

[ 4 ] The humane and magnanimous aspirations of His Majesty the Emperor, my exalted Lord, are entirely devoted to this task. Convinced that this noble ultimate goal corresponds to the most vital interests and the legitimate desires of all powers, the Imperial Government believes that the present moment is extremely favorable for seeking, through international consultation, the most effective means of securing for all peoples the benefits of true and lasting peace and, above all, of setting a limit on the ongoing expansion of current armaments.”

[ 5 ] In diesem Schriftstück finden sich ferner die folgenden Worte: «Da die finanziellen Lasten eine steigende Richtung verfolgen und die Volkswohlfahrt an ihrer Wurzel treffen, so werden die Arbeit und das Kapital zum großen Teile von ihrer natürlichen Bestimmung abgelenkt und in unproduktiver Weise aufgezehrt. Hunderte von Millionen werden aufgewendet, um furchtbare Zerstörungsmaschinen zu beschaffen, die heute als das letzte Wort der Wissenschaft betrachtet werden und schon morgen dazu verurteilt sind, jeden Wert zu verlieren infolge irgendeiner neuen Entdeckung auf diesem Gebiete . . . Daher entsprechen in dem Maße, wie die Rüstungen einer jeden Macht anwachsen, diese immer weniger und weniger dem Zweck, den sich die betreffende Regierung gesetzt hat.» Das Schriftstück schließt damit, daß eine Konferenz mit Gottes Hilfe ein günstiges Vorzeichen des kommenden Jahrhunderts sein soll. — Zweifellos entspringt dieses Manifest einem Vorsatz. Wie dieser Vorsatz hat in Erfüllung gehen können, das lehren uns die neuesten Ereignisse. Dieser Vorsatz ist nicht gerade neu, denn wir können sogar Jahrhunderte weit zurückgehen, und da treffen wir im 16., 17. Jahrhundert einen Fürsten, Heinrich IV. von Frankreich, der dazumal die Idee zu einer solchen allgemeinen Friedenskonferenz anregte. Sieben von den damaligen sechzehn Ländern waren gewonnen, als Heinrich IV. ermordet wurde. Sein Werk hat niemand fortgesetzt. Wahrscheinlich könnten wir wohl, wenn es darum zu tun wäre, die Vorsätze zu diesem Zweck, die von diesen Stellen ausfließen, noch viel weiter zurückverfolgen.

[ 5 ] This document also contains the following words: “Since financial burdens are on the rise and strike at the very root of public welfare, labor and capital are, to a large extent, diverted from their natural purpose and consumed in an unproductive manner. Hundreds of millions are spent to procure terrible machines of destruction, which are regarded today as the pinnacle of science but are already doomed to lose all value tomorrow as a result of some new discovery in this field . . . Therefore, as the armaments of each power grow, they correspond less and less to the purpose set by the government in question.” The document concludes by stating that, with God’s help, a conference should be a favorable omen for the coming century. — Undoubtedly, this manifesto stems from a resolution. Recent events show us how this intention came to fruition. This intention is not exactly new, for we can go back centuries, and there, in the 16th and 17th centuries, we encounter a monarch, Henry IV of France, who at that time proposed the idea of such a general peace conference. Seven of the sixteen countries at that time had been won over when Henry IV was assassinated. No one continued his work. We could probably, if it were necessary, trace the intentions for this purpose, which stem from these sources, back much further still.

[ 6 ] Dies ist die eine Tatsachenreihe. Die andere ist diese: Die Haager Friedenskonferenz fand statt. Sie alle kennen den Namen der verdienstvollen Persönlichkeit, welche ihr Ideal mit einer seltenen Hingebung und auch mit einer seltenen Sachkenntnis verfolgt, den Namen Bertha von Suttner. Ein Jahr nach der Haager Friedenskonferenz suchte sie die Akten zu sammeln zu einem Buche, in dem sie die zum Teil schönen und herrlichen Reden verzeichnete. Dem Buche schickte sie eine Vorrede voraus. Ich bitte zu berücksichtigen, es war ein Jahr vergangen, nachdem Bertha von Suttner auf dieses Werk der Friedenskonferenz hat sehen können. Die Folgen ahnte sie schon, nachdem ein Jahr vergangen war. Im diametralen Gegensatz dazu hatten wir inzwischen den blutigen Transvaalkrieg mit abgelehnter Vermittlung, und heute haben wir wieder Krieg. Wenn wir uns heute ein wenig umsehen in der Welt, sehen wir den Kampf sehr vieler edler Menschen um den Friedensgedanken, schon in den Herzen hochsinniger Idealisten die Liebe zu einem allgemeinen Weltfrieden, und doch ist auf der andern Seite in andern Zeiten auf unserem Erdenkreis kaum so viel Blut geflossen wie jetzt. Es ist dies eine ernste, sehr ernste Angelegenheit für jeden, der sich auch mit den großen seelischen Fragen beschäftigt.

[ 6 ] This is one set of facts. The other is this: The Hague Peace Conference took place. You all know the name of the distinguished figure who pursued her ideal with rare dedication and rare expertise—the name Bertha von Suttner. A year after the Hague Peace Conference, she set out to compile the records into a book in which she transcribed the speeches, some of which were beautiful and magnificent. She prefaced the book with a foreword. Please bear in mind that a year had passed since Bertha von Suttner had been able to witness the work of the Peace Conference. She already foresaw the consequences after that year had elapsed. In stark contrast to this, we had in the meantime experienced the bloody Transvaal War, with mediation rejected, and today we are once again at war. If we look around the world a little today, we see the struggle of so many noble people for the ideal of peace, and already in the hearts of highly principled idealists we see a love for universal world peace; and yet, on the other hand, at no other time in the history of our world has so much blood been shed as now. This is a serious, very serious matter for anyone who also grapples with the great questions of the soul.

[ 7 ] Einerseits haben wir die hingebenden Friedensapostel in ihrer regsamen Tätigkeit. Wir haben die ausgezeichneten Leistungen der Bertha von Suttner, welche mit seltener Größe alle Furchtbarkeiten des Kampfes und des Krieges hinzustellen verstand; aber vergessen wir nicht, daß wir auch die Kehrseite haben. Vergessen wir nicht, daß auch sehr viele unter unseren urteilsfähigen Menschen sind, die auf der andern Seite uns immer und immer wieder versichern, daß sie den Kampf für nötig halten gerade zum Fortschritt, als etwas, was die Kräfte stählt. Nur im Kampf gegen den Widerstand wüchsen die Kräfte. Der Forscher, der so viele Denker an sich herangezogen hat, wie oft hat er es ausgesprochen, daß er den starken Krieg wünscht und daß nur der starke Krieg die Kräfte in der Natur vorwärtsbringen kann. Vielleicht hat er das nicht in so radikalen Worten ausgesprochen, aber so denken dennoch viele. Selbst innerhalb unserer geisteswissenschaftlichen Bewegung sind Stimmen laut geworden, daß es eine Schwäche, geradezu eine Versündigung wäre am Geist der nationalen Stärke, wenn man etwas gegen den Krieg, der zur nationalen Ehre, zur nationalen Macht geführt hat, einwende. Jedenfalls stehen sich heute die Ansichten auf diesem Gebiete noch immer schroff, sehr schroff gegenüber. Aber die Haager Friedenskonferenz hat eines gebracht. Sie hat die Stimmen gebracht einer Reihe von Leuten, welche an der Spitze der Führung der öffentlichen Angelegenheiten stehen. Eine große Reihe der Repräsentanten der Staaten hat dazumal ihre Zustimmung dazu gegeben, daß die Haager Konferenz stattfinden konnte. Man sollte glauben, daß eine Sache, die eine solche Zustimmung von solchen Stellen gefunden hat, im eminentesten Sinne aussichtsvoll sein müßte.

[ 7 ] On the one hand, we have the devoted apostles of peace and their tireless efforts. We have the outstanding achievements of Bertha von Suttner, who, with rare greatness, knew how to portray all the horrors of conflict and war; but let us not forget that there is also the other side of the coin. Let us not forget that there are also very many among our discerning people who, on the other side, assure us time and again that they consider struggle necessary precisely for progress, as something that strengthens our powers. Only in the struggle against resistance do our powers grow. The researcher who has attracted so many thinkers to his cause—how often has he stated that he desires a fierce war and that only a fierce war can propel the forces of nature forward? Perhaps he did not express this in such radical terms, but many nevertheless think this way. Even within our spiritual science movement, voices have been raised claiming that it would be a weakness—indeed, a betrayal of the spirit of national strength—to object to a war that has led to national honor and national power. In any case, views on this subject remain sharply, very sharply, at odds with one another today. But the Hague Peace Conference did achieve one thing. It brought together the voices of a number of people who are at the forefront of public affairs. A large number of state representatives gave their approval at the time for the Hague Conference to take place. One would think that a cause which has found such approval from such quarters must be promising in the most eminent sense.

[ 8 ] Nun, um wirklich Stellung nehmen zu können in der Weise, wie eine spirituelle Welt- und Lebensanschauung Stellung nehmen läßt, müssen wir etwas tiefer in die ganzen Dinge hineinsehen. Wenn wir die Frage des Friedens als eine ideale Frage verfolgen, wie sie sich im Laufe der Zeit entwickelt hat, und daneben die Tatsachen des Kampfes und Streites verfolgen, so müssen wir doch wohl sagen, daß vielleicht die Art und Weise, wie dieses Ideal eines allgemeinen Friedens verfolgt wird, die Aufmerksamkeit und eine Untersuchung herausfordert. Viele von denen, die das Kriegshandwerk geführt haben, sind es selbst, in deren Herzen Schmerz und vielleicht sogar Abscheu vor den Folgen und Wirkungen des Krieges vorhanden ist.Solche Dinge legen uns wohl die Frage in den Mund: Kommen denn die Kriege überhaupt von irgend etwas, das sich durch Grundsätze und Ansichten aus der Welt schaffen läßt? Wer tiefer in die Seelen der Menschen hineinsieht, der weiß, daß zwei getrennte, ganz verschiedene Wege dasjenige hervorrufen, was zum Kriege führt. Das eine ist das, was wir Urteilskraft und Verstand, was wir Idealismus nennen, das andere ist die menschliche Begierde, die menschlichen Neigungen, die menschlichen Sympathien und Antipathien. Manches wäre anders in der Welt, wenn es ohne weiteres möglich wäre, die Begierden, Wünsche und Leidenschaften nach den Grundsätzen des Herzens und Verstandes zu regeln. Das ist nämlich nicht möglich, sondern das Umgekehrte ist bis jetzt in der Menschheit immer dagewesen. Was die Leidenschaft will, was die Begierde verlangt, dazu schafft der Verstand, dazu schafft selbst das Herz eine Maske mit seinem Idealismus. Und wenn Sie die Geschichte der menschlichen Entwickelung verfolgen, dann können Sie immer und immer wieder die Frage stellen, wenn Sie da und dort Grundsätze, da oder dort Idealismus aufleuchten sehen: Welche Begierden und Leidenschaften lauern im Hintergrunde? Wenn wir dieses bedenken, dann könnte es gar wohl sein, daß man mit den schönsten Grundsätzen gerade heute noch nichts anfangen könnte in dieser Frage, dann könnte es sein, daß etwas anderes notwendig ist, weil einfach die menschlichen Leidenschaften, Triebe und Begierden noch nicht weit genug sind, um dem Idealismus des Einzelnen zu folgen. Sie sehen, die Frage liegt tiefer, und wir müssen sie auch tiefer erfassen. Wir müssen wirklich einenBlick in die menschliche Seele und ihre Grundkräfte hinein tun, wenn wir die ganze Sache richtig beurteilen wollen. Der Mensch sieht nicht immer genug von seinem Entwickelungsgang, der Mensch sieht oft nur eine kleine Spanne Zeit, und da muß eine weitgehende Weltanschauung uns den Blick eröffnen, der auf der einen Seite tief hineinführt und uns auf der andern Seite die größeren Zeiträume überblicken läßt, damit wir über die Kräfte ein Urteil bekommen, die uns in die Zukunft hineinführen sollen.

[ 8 ] Well, in order to truly take a stand in the way that a spiritual worldview and philosophy of life allow us to do, we must look a little deeper into the whole matter. If we examine the question of peace as an ideal—as it has developed over time—and at the same time consider the realities of conflict and strife, we must surely conclude that the very way in which this ideal of universal peace is pursued calls for our attention and scrutiny. Many of those who have waged war are themselves filled with pain—and perhaps even revulsion—in their hearts at the consequences and effects of war. Such things naturally lead us to ask: Do wars stem at all from anything that can be eliminated from the world through principles and views? Anyone who looks more deeply into the human soul knows that two distinct and very different paths give rise to what leads to war. One is what we call judgment and reason—what we call idealism; the other is human desire, human inclinations, human sympathies, and antipathies. Many things in the world would be different if it were readily possible to govern desires, wishes, and passions according to the principles of the heart and reason. But this is not possible; rather, the opposite has always been the case in human history. Whatever passion desires, whatever desire demands—reason creates a mask for it, and even the heart itself creates a mask with its idealism. And if you trace the history of human development, you can ask yourself this question over and over again whenever you see principles or idealism shining through here and there: What desires and passions lurk in the background? If we consider this, it may well be that even today we cannot yet make sense of this issue with the most beautiful principles; it may be that something else is necessary, simply because human passions, drives, and desires have not yet progressed far enough to follow the individual’s idealism. You see, the question runs deeper, and we must also grasp it more deeply. We really must look into the human soul and its fundamental forces if we want to assess the whole matter correctly. Human beings do not always see enough of their own evolutionary path; they often see only a short span of time, and so a far-reaching worldview must open our eyes—one that, on the one hand, leads us deep into the inner workings of the soul and, on the other hand, allows us to survey broader periods of time—so that we may form a judgment about the forces that are to guide us into the future.

[ 9 ] Sehen wir uns einmal die menschliche Seele an, da, wo wir sie vielleicht in einem Punkte tief und gründlich studieren können. Da haben wir heute etwas, was wir vor acht Tagen berühren konnten, von einer andern Seite her. Da haben wir eine naturwissenschaftliche Theorie, den sogenannten Darwinismus. Innerhalb dieser naturwissenschaftlichen Ansicht spielt ein Begriff eine große Rolle. Und dieser Begriff heißt: Kampf ums Dasein. Unter dem Zeichen des Kampfes ums Dasein stand jahrzehntelang unsere gesamte Naturwissenschaft, unsere ganze Anschauung. Da sagten ja die Naturforscher so: Diejenigen Wesenheiten in der Welt, welche im Kampfe ums Dasein am besten sich erhalten, die am meisten Vorsprung gewinnen über ihre Mitgeschöpfe, die bleiben, die andern vergehen. So daß wir uns nicht zu wundern brauchen, wenn diejenigen Wesenheiten, die wir um uns herum haben, die am besten angepaßten sind, denn sie haben sich durch Jahrmillionen hindurch herausgebildet. Die Tüchtigsten sind übriggeblieben, die Untüchtigen sind untergegangen.

[ 9 ] Let us take a look at the human soul, where we might be able to study it deeply and thoroughly in one particular aspect. Here we have something today that we were able to touch upon eight days ago, but from a different angle. Here we have a scientific theory, so-called Darwinism. Within this scientific perspective, one concept plays a major role. And this concept is called: the struggle for existence. For decades, our entire natural science, our entire worldview, was shaped by the struggle for existence. Natural scientists used to say: Those beings in the world that fare best in the struggle for existence—those that gain the greatest advantage over their fellow creatures—are the ones that survive, while the others perish. So we need not be surprised that the beings we see around us are the best-adapted, for they have evolved over millions of years. The fittest have survived; the unfit have perished.

[ 10 ] Der Kampf ums Dasein ist die Losung der Forschung geworden. Und woraus ist dieser Kampf da hineingekommen? Nicht aus der Natur ist er gekommen. Darwin selbst, obgleich er ihn in größerem Stile betrachtet als seine Nachfolger, hat ihn von einer über die Menschengeschichte sich verbreitenden Anschauung des Malthus genommen, jener Anschauung, daß die Erde in einer solchen Progression Nahrungsmittel hervorbringt, daß diese Zunahme in viel geringerem Maße steigt als die Zunahme der Bevölkerung. Diejenigen, welche sich mit diesen Dingen beschäftigt haben, werden wissen, daß man sagt: Die Zunahme der Nahrungsmittel steigt im arithmetischen, die Zunahme der Bevölkerung im geometrischen Verhältnis. Das bedingt einen Kampf ums Dasein, einen Krieg aller gegen alle. — Davon ausgehend, hat Darwin auch am Ausgange der Natur den Kampf ums Dasein angenommen. Und diese Anschauung entspricht nicht einer bloßen Idee, sondern den modernen Lebensgestaltungen. Bis in die Verhältnisse des Einzelnen ist in der Form der allgemeinen wirtschaftlichen Konkurrenz dieser Kampf ums Dasein zur tatsächlichen Wirklichkeit geworden. Man hat diesen Daseinskampf in nächster Nähe gesehen, man hat ihn für etwas Natürliches im Menschenreich gehalten und dann in die Naturwissenschaft aufgenommen.

[ 10 ] The struggle for existence has become the watchword of research. And where did this struggle come from? It did not come from nature. Darwin himself, although he viewed it on a grander scale than his successors, derived it from a Malthusian conception that had spread throughout human history—the notion that the earth produces food at such a rate that this increase rises at a much slower pace than the increase in population. Those who have studied these matters will know that it is said: The supply of food increases arithmetically, while the population increases geometrically. This necessitates a struggle for existence, a war of all against all. — Based on this, Darwin also posited the struggle for existence at the level of nature. And this view corresponds not merely to an idea, but to modern ways of life. Even in the circumstances of the individual, this struggle for existence has become a tangible reality in the form of general economic competition. People have observed this struggle for existence at close quarters; they have regarded it as something natural in the human realm and have subsequently incorporated it into the natural sciences.

[ 11 ] Von solchen Anschauungen geht Ernst Haeckel aus, der in der kriegerischen Betätigung, im Krieg geradezu einen Kulturhebel gesehen hat. Der Kampf sei das, was stark macht, das Schwache soll untergehen, die Kultur fordere, daß das Schwache untergeht. — Die Nationalökonomie hat dann diesen Kampf wieder auf die Menschenwelt zurück angewendet. So haben wir große Theorien innerhalb unserer Nationalökonomie, innerhalb unserer sozialen Theorien, welche den Kampf ums Dasein wie etwas ganz Berechtigtes und von der menschlichen Entwickelung nicht zu Trennendes ansehen. Man ist in diesen Sachen — nicht vorurteilslos, sondern mit diesen Prinzipien — weiter zurückgegangen in die ältesten Zeiten, und da versuchte man das Leben barbarischer wilder Völkerschaften zu studieren. Man glaubte, den Menschen in seiner Kulturentwickelung belauschen zu können und glaubte, da das wildeste Kriegsprinzip zu finden. Huxley hat gesagt: Sehen wir hinaus in die Natur der Tiere, so gleicht der Kampf ums Dasein einem Gladiatorenkampf, und das ist Naturgesetz. Und sehen wir von den höheren Tieren auf die niederen und stellen wir uns ein auf den bisherigen Gang der Weltentwickelung, so belehrt uns die Tatsachenwelt überall, daß wir in einem allgemeinen Kampf ums Dasein leben.

[ 11 ] Ernst Haeckel takes such views as his starting point; he saw military activity—war itself—as nothing less than a lever of culture. Struggle, he argued, is what makes us strong; the weak must perish; and culture demands that the weak perish. — Political economy then applied this struggle back to the human world. Thus, we have grand theories within our political economy and within our social theories that view the struggle for existence as something entirely justified and inseparable from human development. In these matters—not without prejudice, but guided by these principles—people have gone further back to the most ancient times, where they sought to study the lives of barbaric, savage peoples. They believed they could eavesdrop on humanity’s cultural development and thought they would find the wildest principle of war there. Huxley has said: If we look out into the natural world of animals, the struggle for existence resembles a gladiatorial contest, and that is a law of nature. And if we look from the higher animals down to the lower ones and consider the course of world development thus far, the world of facts teaches us everywhere that we live in a general struggle for existence.

[ 12 ] Sie sehen, das konnte ausgesprochen werden, das konnte als allgemeines Weltgesetz vertreten werden. Wer sich klar darüber ist, daß nicht Worte auf die Lippen kommen, die nicht tief in der Menschenseele begründet sind, der wird sich sagen, daß die Gefühle, die Empfindungen, die ganze Seelenverfassung unserer Besten heute noch immer von der Anschauung ausgeht, daß Krieg, Kampf im Menschengeschlecht, ja in der ganzen Natur etwas Gesetzmäßiges ist, etwas, dem man nicht entrinnen kann. — Sie können nun sagen: Aber die Forscher sind ja vielleicht ganz humane Menschen gewesen, die in ihrem tiefsten Idealismus den Frieden, den Ausgleich ersehnten und herbeiwünschten. Doch ihr Stand, ihre Wissenschaft hat sie überzeugt, daß dem nicht so ist, und vielleicht haben sie mit blutendem Herzen ihre Theorie hingeschrieben. — Dies wäre ein Einwand, wenn nicht zunächst etwas ganz anderes eingetreten wäre. Wir dürfen sagen, daß unter allen denen, die glaubten wissenschaftlich und nationalökonomisch zu denken, im ganzen West- und Mitteleuropa in den sechziger und siebziger Jahren die gekennzeichnete Theorie gang und gäbe war. Gang und gäbe war die Stimme, daß Krieg und Kampf ein Naturgesetz sei, dem man nicht entrinnen könne, Gründlich hatte man aufgeräumt, so glaubte man, mit der alten Auffassung von Rousseau, daß nur die menschliche Unnatur in den allgemeinen Frieden der Natur Kampf und Krieg, Gegensatz und Disharmonie hineingebracht hat. Es war ja noch am Ende des 18. Jahrhunderts diese Rousseausche Stimmung verbreitet, daß, wenn man hineinsieht in das Leben und Treiben der Natur, die noch unbeeinflußt ist von der Überkultur des Menschen, man dann überall Einklang und Friede sieht. Nur der Mensch mit seiner Willkür und seiner Kultur hat den Kampf und Streit in die Welt gebracht. — Das war noch Rousseausche Anschauung, und die Forscher versicherten uns im letzten Drittel des 19. Jahrhunderts: Ja, schön wäre es, wenn es so wäre, aber es ist nicht der Fall. Die Tatsachen belehren uns in anderer Weise.

[ 12 ] You see, this could be articulated; it could be presented as a universal law of the world. Anyone who is clear about the fact that words do not come to the lips unless they are deeply rooted in the human soul will tell themselves that the feelings, the sensations, the entire state of mind of our best people today still stem from the view that war and conflict within the human race—indeed, throughout all of nature—are something natural, something from which one cannot escape. — You might now say: But perhaps these researchers were actually very humane people who, in their deepest idealism, longed for and wished for peace and harmony. Yet their profession, their science, convinced them that this was not the case, and perhaps they wrote down their theory with a heavy heart. — This would be a valid objection, were it not for the fact that something entirely different had already come to pass. We may say that among all those who believed they were thinking scientifically and in terms of political economy, throughout Western and Central Europe in the 1960s and 1970s, the theory in question was commonplace. It was commonly held that war and conflict were a law of nature from which one could not escape. People believed they had thoroughly done away with Rousseau’s old view that it was only human unnaturalness that had introduced conflict and war, opposition and disharmony into the general peace of nature. Indeed, as late as the end of the 18th century, this Rousseauian sentiment was widespread: that if one looks into the life and workings of nature, which is still uninfluenced by human civilization, one sees harmony and peace everywhere. Only human beings, with their arbitrariness and their culture, have brought strife and conflict into the world. — That was still the Rousseauian view, and researchers assured us in the last third of the 19th century: Yes, it would be nice if that were the case, but it is not. The facts teach us otherwise.

[ 13 ] Und doch fragen wir uns einmal ernstlich: Hat das Gefühl gesprochen oder haben die Tatsachen gesprochen? Schwer könnten wir etwas einwenden, wenn die Tatsachen in dieser Weise sprächen. Da trat im Jahre 1880 ein merkwürdiger Mann auf, ein Mann, der einen Vortrag hielt in der Naturforscherversammlung vom Jahre 1880 in St.Petersburg in Rußland, einen Vortrag, der für alle diejenigen, die sich für diese Frage gründlich interessieren, von einer großen und tiefgehenden Bedeutung ist. Dieser Mann ist der Zoologe Keßler. Er ist bald danach gestorben. Sein Vortrag handelte über das Prinzip der gegenseitigen Hilfe in der Natur. Für alle diejenigen, welche solche Dinge ernsthaft anfassen, geht von der Forschung und wissenschaftlichen Reife, welche damit angeregt wird, ein ganz neuer Zug aus. Hier wurden zum erstenmal in der neueren Zeit Tatsachen aus der ganzen Natur zusammengestellt, die beweisen, daß alle früheren Theorien über den Kampf ums Dasein mit der Wirklichkeit nicht übereinstimmen.

[ 13 ] And yet, let us ask ourselves seriously: Was it emotion that spoke, or were the facts speaking? We could hardly object if the facts spoke in this way. Then, in 1880, a remarkable man appeared—a man who delivered a lecture at the 1880 Naturalists’ Congress in St. Petersburg, Russia, a lecture of great and profound significance for all those who take a deep interest in this question. This man was the zoologist Keßler. He died shortly thereafter. His lecture dealt with the principle of mutual aid in nature. For all those who seriously engage with such matters, the research and scientific maturity inspired by this lecture give rise to a completely new trend. Here, for the first time in modern times, facts from across the natural world were compiled to prove that all earlier theories about the struggle for existence do not correspond to reality.

[ 14 ] In diesem Vortrag finden Sie auseinandergesetzt und durch die Tatsachen bewiesen, daß die tierischen Arten, die tierischen Gruppen sich nicht entwickeln durch den Kampf ums Dasein, daß es in Wahrheit einen Kampf ums Dasein nur ausnahmsweise zwischen zwei Arten gibt, nicht aber in der Art selbst, deren Individuen sich im Gegenteil Hilfe leisten, und daß die Arten am dauerhaftesten sind, deren Individuen am meisten veranlagt sind zu solcher gegenseitigen Hilfe. Nicht Kampf, sondern gegenseitige Hilfe gewährt lange Existenz. Dadurch war ein neuer Gesichtspunkt erreicht. Nur hat es die moderne Forschung zuwege gebracht, daß durch eine merkwürdige Verkettung von Umständen eine Persönlichkeit, die für die Gegenwart auf dem unglaublichsten Standpunkt steht, Fürst Kropotkin, die Sache weitergeführt hat. Er hat bei Tieren und Stämmen an einer Unsumme von festgelegten Tatsachen zeigen können, welche Bedeutung in der Natur und im Menschenleben dieses Prinzip der gegenseitigen Hilfe hat. Ich kann jedem empfehlen, dieses auch in deutscher Übersetzung vorliegende Buch, übersetzt von Gustav Landawuer, zu studieren. Dieses Buch bringt eine Summe von Begriffen und Vorstellungen in den Menschen hinein, die eine Schule sind für den Aufstieg zu einer spirituellen Gesinnung. Nun verstehen wir aber diese Tatsachen erst dann richtig, wenn wir sie im Sinne der sogenannten esoterischen Anschauung beleuchten, wenn wir diese Tatsachen mit den Grundlagen der Geisteswissenschaft durchdringen. Ich könnte ja schon deutlich sprechende Beispiele vorführen, allein Sie können sie in dem angeführten Buche lesen. Das Prinzip der gegenseitigen Hilfeleistung in der Natur ist: Diejenigen kommen am weitesten, die dieses Prinzip am meisten ausgeprägt haben. — Die Tatsachen sprechen also deutlich und werden immer deutlicher für uns sprechen. In der geisteswissenschaftlichen Anschauung sprechen wir, wenn wir von einer einzelnen Tierart sprechen, genau so, wie wir von einem einzelnen Menschen, von der einzelnen Individualität eines Menschen sprechen. Eine Tierart ist uns dasselbe auf niederem Gebiete, was auf höherem Gebiete das einzelne menschliche Individuum ist. Ich habe es schon einmal hier gesagt: Eine Tatsache muß man sich so recht klar vor Augen führen, um zu verstehen, in welchem Gegensatz der Mensch gegenüber dem ganzen Tierreich ist. Dieser Gegensatz drückt sich in dem Ausspruche aus: Der Mensch hat eine Biographie, das Tier hat keine Biographie. Beim Tiere sind wir zufrieden, wenn wir die Gattung beschrieben haben. Beim Menschen sagen wir: Vater, Großvater, Enkel, Sohn; beim Löwen unterscheidet sich das nicht so, daß wir jeden einzelnen besonders beschreiben sollten. Gewiß, ich weiß, daß da viel eingewendet werden kann; ich weiß, daß der, welcher einen Hund oder einen Affen liebt, glaubt, eine Biographie des Hundes oder des Affen schreiben zu können. Eine Biographie soll aber nicht enthalten, was der andere von dem Wesen wissen kann, sondern das, was das Wesen selbst gewußt hat. Selbstbewußtsein gehört zu einer Biographie, und in diesem Sinne hat nur der Mensch eine Biographie. Diese entspricht dem, was beim Tiere eine Beschreibung der ganzen Gattung oder Art ist. Daß jede Tiergruppe eine Gruppenseele hat, ist der äußere Ausdruck für die Tatsache, daß jeder individuelle Mensch eine Seele in sich trägt.

[ 14 ] In this lecture, you will find it explained and proven by the facts that animal species and animal groups do not evolve through the struggle for existence; that, in truth, a struggle for existence exists only exceptionally between two species, but not within a species itself, whose individuals, on the contrary, help one another, and that the species that are most enduring are those whose individuals are most inclined toward such mutual aid. It is not struggle, but mutual aid, that ensures a long existence. This marked the attainment of a new perspective. It is only through a remarkable chain of circumstances that modern research has enabled a figure who holds the most incredible standpoint for our time—Prince Kropotkin—to carry this idea forward. Drawing on a vast body of established facts regarding animals and tribes, he has been able to demonstrate the significance of this principle of mutual aid in nature and in human life. I can recommend to everyone that they study this book, which is also available in German translation, translated by Gustav Landawuer. This book instills in people a wealth of concepts and ideas that serve as a school for the ascent to a spiritual mindset. However, we can only truly understand these facts when we examine them in the light of what is known as the esoteric perspective, when we penetrate these facts with the foundations of spiritual science. I could certainly present some clear examples, but you can read them for yourselves in the book I have cited. The principle of mutual aid in nature is this: those who have developed this principle most fully go the farthest. — The facts, then, speak clearly and will speak ever more clearly to us. From the perspective of spiritual science, when we speak of a single animal species, we speak in exactly the same way as we speak of a single human being, of the individuality of a human being. An animal species is to us, on the lower plane, what the individual human being is on the higher plane. I have said this here before: One must hold a certain fact clearly before one’s eyes in order to understand the contrast between human beings and the entire animal kingdom. This contrast is expressed in the saying: “Human beings have a biography; animals do not.” With animals, we are satisfied once we have described the species. With human beings, we say: father, grandfather, grandson, son; with a lion, the situation is not such that we should describe each individual separately. Certainly, I know that many objections can be raised here; I know that anyone who loves a dog or a monkey believes they can write a biography of the dog or the monkey. But a biography should not contain what others can know about the creature, but rather what the creature itself knew. Self-awareness is an essential part of a biography, and in this sense, only human beings have a biography. This corresponds to what, in the case of animals, is a description of the entire genus or species. The fact that every group of animals has a group soul is the outward expression of the fact that every individual human being carries a soul within themselves.

[ 15 ] Ich habe es auch hier schon auseinandersetzen dürfen, daß unmittelbar mit unserer physischen Welt eine verborgene Welt verbunden ist, die astrale Welt, die nicht aus solchen Gegenständen und Wesenheiten besteht, die man mit den Sinnen wahrnehmen kann, sondern die aus dem Stoff gewoben ist, aus dem unsere Leidenschaften und Begierden gewoben sind. Wenn Sie den Menschen prüfen, so können Sie sehen: er hat seine Seele bis herunter auf den physischen Plan oder auf die physische Welt geführt. Auf dieser physischen Welt gibt es keine individuelle Seele für das Tier. Sie finden aber für das Tier eine individuelle Seele, die auf dem sogenannten Astralplan ist, auf der hinter unserer physischen Welt verborgenen astralen Welt. Die Tiergruppen haben individuelle Seelen in der astralen Welt. Da haben wir den Unterschied zwischen dem Menschen und dem Tierreiche. Wenn wir uns nun fragen: Was kämpft denn in Wahrheit, wenn wir im Tierreiche den Kampf ums Dasein verfolgen? — dann müssen wir sagen: Die Wahrheit ist, daß hinter diesem Kampf, der zwischen den Arten im Tierreich ausgefochten wird, der astrale Kampf der seelischen Leidenschaften und Begierden steht, der in den Gattungs- oder Gruppenseelen wurzelt.— Würde aber innerhalb der Gattung im Tierreich von einem Daseinskampf die Rede sein, dann wäre das so, als wenn sich im Menschen die eigene Seele in ihren verschiedenen Teilen bekämpfen würde. Dies ist eine wichtige Wahrheit. Es kann die Regel nicht sein, daß innerhalb einer tierischen Art der Kampf ist, sondern es kann nur zwischen den Arten der Daseinskampf stattfinden. Denn die Seele der ganzen Art ist eine einheitliche, und weil sie einheitlich ist, muß sie die Teile beherrschen. Es ist die gegenseitige Hilfeleistung innerhalb der Tierwelt, die wir bei den Arten verfolgen können, einfach der Ausdruck der einheitlichen Tätigkeit der Art oder der Gruppenseele. Und wenn Sie hinblicken auf alle diese Beispiele, die Sie in dem erwähnten interessanten Buche angeführt finden, dann bekommen Sie eine schöne Einsicht in die Art und Weise, wie die Gruppenseelen wirken. Zum Beispiel, wenn ein Individuum einer gewissen Krebsart durch Zufail auf den Rükken geworfen wird, so daß es nicht selbst wieder aufstehen kann, daß dann eine größere Anzahl von in der Nähe befindlichen Tieren herbeikommt und dem Tiere aufhilft. Diese gegenseitige Unterstützung kommt aus einem gemeinschaftlichen Seelenorgan der Tiere heraus. Und verfolgen Sie einmal die Art und Weise, wie Käfer sich unterstützen, um eine gemeinschaftliche Brut zu pflegen oder zu schützen, um eine tote Maus zu bewältigen und so weiter, wie sie sich da verbinden, sich unterstützen, gemeinschaftliche Arbeit ausführen, dann sehen Sie die Gruppenseele an der Arbeit. Das können Sie bis herein in die höchsten Tierarten verfolgen. Es ist wahr, wer einen Sinn hat für dieses Treiben in der gegenseitigen Hilfeleistung bei den Tieren, der bekommt nach und nach auch einen Einblick, einen Begriff, eine Ahnung von dem Treiben der Gruppenseelen. Und gerade da kann er sich das Sehen mit den Augen des Geistes aneignen. Da wird das Auge sonnenhaft.

[ 15 ] I have already had the opportunity to discuss here that a hidden world is directly connected to our physical world—the astral world, which does not consist of objects and entities that can be perceived by the senses, but is woven from the same substance as our passions and desires. If you examine human beings, you can see that they have brought their souls all the way down to the physical plane, or into the physical world. In this physical world, there is no individual soul for animals. However, you will find an individual soul for animals on the so-called astral plane—the astral world hidden behind our physical world. Animal groups have individual souls in the astral world. Therein lies the difference between human beings and the animal kingdom. If we now ask ourselves: What is truly at stake when we observe the struggle for existence in the animal kingdom? — then we must say: The truth is that behind this struggle, which is waged between species in the animal kingdom, lies the astral struggle of soul passions and desires, rooted in the species or group souls.— But if we were to speak of a struggle for existence within a species in the animal kingdom, it would be as if, within a human being, the soul itself were fighting against its own various parts. This is an important truth. It cannot be the rule that there is a struggle within an animal species; rather, the struggle for existence can only take place between species. For the soul of the entire species is a unified whole, and because it is unified, it must govern the parts. The mutual aid we can observe among species in the animal world is simply an expression of the unified activity of the species or the group soul. And when you look at all these examples, which you will find cited in the interesting book mentioned, you gain a wonderful insight into the way in which group souls work. For example, if an individual of a certain species of crab is accidentally flipped onto its back so that it cannot right itself, a large number of nearby animals will come to its aid and help it back up. This mutual support arises from a collective soul organ shared by the animals. And if you observe the way beetles support one another to care for or protect a communal brood, to deal with a dead mouse, and so on—how they connect, support one another, and carry out collective work—then you will see the group soul at work. You can observe this all the way up to the highest animal species. It is true that whoever has a sense for this activity of mutual aid among animals will gradually gain insight, an understanding, and a sense of the workings of the group souls. And it is precisely there that one can learn to see with the eyes of the spirit. There, the eye becomes sun-like.

[ 16 ] Beim Menschen nun haben wir es zu tun mit einer individuell gewordenen Gruppenseele. In jedem einzelnen Menschen wohnt eine solche Gruppenseele. Und so ist es für den Menschen, wie es für die verschiedenen Tiergattungen ist, in der Tat möglich, daß er als einzelner in einen Kampf eintritt gegen jeden einzelnen andern. Nun aber sehen wir uns einmal den Zweck des Kampfes an, ob der Kampf um des Kampfes willen in der Weltenentwickelung da ist. Was ist denn geworden aus dem Kampf der Arten? Es sind diejenigen Arten übrig, welche sich am meisten gegenseitig unterstützen, und diejenigen, welche unter sich am kriegerischsten sind, die sind zugrunde gegangen. So lautet das Naturgesetz. Daher müssen wir sagen, daß in der äußeren Natur der Fortschritt in der Entwickelung darin besteht, daß an die Stelle des Kampfes der Friede tritt. Da wo die Natur an einem bestimmten Punkte, an dem großen Wendepunkte angelangt ist, da herrscht in der Tat der Ausgleich; der Friede, zu dem sich der ganze Kampf durchgebildert hat, ist vorhanden. Bedenken Sie doch einmal, daß Pflanzen untereinander als Arten einen Daseinskampf führen. Aber bedenken Sie, wie schön und großartig sich das Pflanzen- und das Tierreich in ihrem gemeinschaftlichen Entwickelungsprozeß gegenseitig unterstützen: Das Tier atmet Sauerstoff ein und Stickstoff aus, die Pflanze atmet Sauerstoff aus und Stickstoff ein. So ist ein Friede des Universums möglich.

[ 16 ] In the case of human beings, we are dealing with a group soul that has become individualized. Such a group soul dwells within every single human being. And so, just as is the case with the various animal species, it is indeed possible for human beings, as individuals, to engage in a struggle against every other individual. But let us now consider the purpose of the struggle—whether struggle for struggle’s sake exists in the evolution of the world. What, then, has become of the struggle of the species? The species that have survived are those that support one another the most, while those that are the most warlike among themselves have perished. Such is the law of nature. Therefore, we must say that in the external natural world, progress in evolution consists in peace replacing struggle. Where nature has reached a certain point—that great turning point—balance indeed prevails; the peace into which the entire struggle has evolved is present. Just consider that plants, as species, wage a struggle for existence among themselves. But consider how beautifully and magnificently the plant and animal kingdoms support one another in their joint process of development: the animal inhales oxygen and exhales nitrogen, while the plant exhales oxygen and inhales nitrogen. This is how a peace of the universe is possible.

[ 17 ] Was die Natur auf diese Weise durch ihre Kraft hervorbringt, es ist für den Menschen bestimmt, daß er es bewußt aus seiner individuellen Natur hervorbringe. Stufenweise ist der Mensch fortgeschritten und stufenweise hat sich bei ihm dasjenige gebildet, was wir als das Selbstbewußtsein unserer individuellen Seele erkennen. Unsere Weltlage müssen wir so betrachten, daß wir sie herausentwickelt denken und dann ihre Tendenz nach der Zukunft hin verfolgen. Gehen Sie zurück in frühere Zeiten, dann sehen Sie im Menschenreiche bei seinem Aufgange noch Gruppenseelen walten, die in kleinen Stämmen und Familien vorhanden sind; da haben wir es also auch beim Menschen mit Gruppenseelen zu tun. Je weiter Sie in der Welt zurückblicken, desto kompakter, desto einheitlicher erscheinen Ihnen die Menschen, die so zusammengefaßt sind. Wie ein Geist ist es, der die alte Dorfgemeinde durchdrang, die dann zum primitiven Staate wurde. Sie könnten studieren, wie es noch etwas anderes war, als Alexander der Große seine Massen in den Krieg führte, als wenn heute Menschenmassen mit ihren viel ausgebildeteren individuellen Willen in einen Krieg geführt werden. Das muß man richtig beleuchten. Denn das ist der Gang der fortschreitenden Kultur, daß die Menschen immer individueller, selbständiger und bewußter werden, selbstbewußter. Aus Gruppen, aus Gemeinsamkeiten hat sich das Menschengeschlecht herausgebildet. Und geradeso wie wir Gruppenseelen haben, welche die einzelnen Tierarten leiten und lenken, so waren die Völker geleitet und gelenkt von den großen Gruppenseelen. Immer mehr und mehr entwächst der Mensch durch seine fortschreitende Erziehung der Lenkung derGruppenseele und wird immer selbständiger und selbständiger. Diese Selbständigkeit brachte ihn dahin, daß er, während er früher doch in den Gruppen nur mehr oder weniger feindlich seinem Nebenmenschen entgegengetreten ist, er heute tatsächlich in einem die ganze Menschheit durchdringenden Daseinskampf mitten drinnensteht. Das ist unsere Weltlage, und diese ist das Schicksal insbesondere unserer Rasse, das heißt unserer unmittelbaren Gegenwart.

[ 17 ] What nature brings forth in this way through its own power is meant for human beings to bring forth consciously from their own individual nature. Human beings have progressed step by step, and step by step that which we recognize as the self-consciousness of our individual soul has taken shape within them. We must view our current world situation by imagining it as having developed over time and then tracing its trajectory toward the future. If you go back to earlier times, you will see that in the human realm, at its dawn, group souls still prevailed, existing within small tribes and families; thus, we are also dealing with group souls in the case of human beings. The further back in history you look, the more compact and unified these people—grouped in this way—appear to you. It is like a spirit that permeated the ancient village community, which then evolved into the primitive state. You could study how things were somewhat different when Alexander the Great led his masses into war, compared to how crowds of people with their much more developed individual wills are led into war today. This must be properly examined. For this is the course of progressive culture: that human beings become ever more individual, independent, and conscious—more self-aware. The human race has evolved out of groups and shared characteristics. And just as we have group souls that guide and direct the individual animal species, so too were the peoples guided and directed by the great group souls. Through his progressive education, the human being is increasingly outgrowing the guidance of the group soul and becoming more and more independent. This independence has led humanity to a point where, whereas in the past people within groups viewed their fellow human beings with more or less hostility, today they are in fact caught in the midst of a struggle for existence that permeates all of humanity. This is the state of our world, and this is the destiny of our race in particular—that is, of our immediate present.

[ 18 ] In derGeisteswissenschaft unterscheiden wir in der gegenwärtigen Weltenentwickelung zunächst fünf aufeinanderfolgende große Rassen, dann sogenannte Unterrassen. Die erste Unterrasse wurde entwickelt in uralten Zeiten, im fernen Indien. Zunächst war diese Unterrasse durchsetzt von einer Priesterkultur. Diese Priesterkultur gab ja unserer jetzigen Rasse die ersten Impulse. Sie war herübergekommen aus der atlantischen Kultur, die auf einem Boden war, der heute den Grund des Atlantischen Ozeans bildet. Diese Rasse gab den Ton an; dann wurde sie gefolgt von andern Unterrassen, und wir sind jetzt die fünfte. Das ist nicht eine Einteilung, die der Anthropologie oder einer Rassentheorie entlehnt ist, sondern eine solche, wie sie im sechsten Vortrage dieser Reihe näher ausgeführt werden wird. Die fünfte Rasse ist die, welche den Menschen am weitesten gebracht hat in seinem Sondersein, in seinem individuellen Bewußtsein. Das Christentum hat den Menschen geradezu dazu vorbereitet, ein solches Sonderbewußtsein zu erlangen: der Mensch mußte dieses Selbstbewußtsein erringen. Wenn wir zurückblicken auf die Zeit vor Christus, wo im alten Ägypten die gigantischen Pyramiden gebaut worden sind, da hat ein Heer von Sklaven Arbeiten verrichtet, von deren Schwierigkeiten und Mühen heute sich kein Mensch mehr eine richtige Vorstellung macht. Aber mit Selbstverständlichkeit und einem ungeheuren Frieden haben zu der weitaus größten Zeit diese Arbeiter gerade gebaut. Sie haben gebaut, weil in jener Zeit die Lehre von Reinkarnation und Karma eine Selbstverständlichkeit war. Das sagt Ihnen kein Buch, aber das wird Ihnen, wenn Sie in die Geisteswissenschaft eindringen, allmählich ganz klar. Jeder Sklave, der da seine Hände wundarbeitete und in Not und Elend war, der wußte für sich genau: Das ist ein Leben unter vielen, und ich habe das, was ich jetzt erleide, als Folge dessen zu tragen, was ich in den früheren Leben mir vorbereitet habe! Wenn das aber nicht der Fall ist, so werde ich in einem künftigen Leben die Wirkung dieses meines jetzigen Lebens erfahren; der, welcher mir heute befiehlt, ist auf demselben Standpunkte gewesen, wie ich es heute bin, oder er wird es noch sein.

[ 18 ] In spiritual science, we distinguish, within the current development of the world, first five successive great races, and then so-called subraces. The first subrace developed in ancient times, in distant India. Initially, this subrace was permeated by a priestly culture. This priestly culture, in fact, provided the first impulses to our present race. It had come over from the Atlantean culture, which was located on land that today forms the floor of the Atlantic Ocean. This race set the tone; it was then followed by other subraces, and we are now the fifth. This is not a classification borrowed from anthropology or a theory of race, but one that will be explained in more detail in the sixth lecture of this series. The fifth race is the one that has brought humanity the farthest in its uniqueness, in its individual consciousness. Christianity has, in a sense, prepared humanity to attain such a sense of individuality: human beings had to achieve this self-awareness. When we look back to the time before Christ, when the gigantic pyramids were built in ancient Egypt, a host of slaves performed labor whose difficulties and hardships no one today can truly imagine. Yet, with a sense of matter-of-fact acceptance and immense inner peace, these workers spent the vast majority of their time simply building. They built because, in those days, the teachings of reincarnation and karma were taken for granted. No book will tell you this, but as you delve into spiritual science, it will gradually become quite clear to you. Every slave who worked his hands raw there and lived in hardship and misery knew deep down: This is one life among many, and I must bear what I am now suffering as a consequence of what I have brought upon myself in previous lives! But if that is not the case, then in a future life I will experience the consequences of this present life of mine; the one who commands me today has been in the same position as I am today, or will yet be in it.

[ 19 ] Unter dieser Gesinnung aber wäre niemals das ganze selbstbewußte Erdenleben zur Entfaltung gekommen, und die hohen Mächte, welche das Schicksal des Menschengeschlechts im Großen leiten, wußten, was sie taten, als sie eine Zeitlang, durch Jahrtausende hindurch, das Bewußtsein von Reinkarnation und Karma schwinden ließen. Das war die große bisherige Entwickelung des Christentums, daß es verschwinden gemacht hat das Hinaufsehen, das Hinaufblicken zu einem Jenseits, das ausgleichend wirken soll, und aufmerksam gemacht hat auf die ungeheure Wichtigkeit des Diesseits.

[ 19 ] With this mindset, however, the full, self-aware earthly life would never have come to fruition, and the higher powers that guide the destiny of the human race on a grand scale knew what they were doing when, for a time—spanning millennia—they allowed the awareness of reincarnation and karma to fade. This has been the great development of Christianity to date: it has dispelled the tendency to look upward, to gaze toward an afterlife intended to serve as a balancing force, and has drawn attention to the immense importance of this life.

[ 20 ] Mag es ja in seiner radikalen Ausführung zu weit gegangen sein, aber das mußte geschehen, denn die Dinge der Welt entwickeln sich nicht nach der Logik, sondern nach andern Gesetzen. Man hat von diesem Erdenleben eine Ewigkeit von Strafen abgeleitet; die Entwickelungstendenz hat dazu geführt, wenn es auch ungereimt ist. So hat die Menschheit gelernt, sich bewußt zu sein dieser einen Erdenexistenz. Dadurch wurde die Erde, dieser physische Plan, dem Menschen unendlich wichtig. Und es mußte so werden, es mußte so kommen. Alles, was heute geschieht, was den Erdkreis in materieller Beziehung erobert hat, alles das konnte sich nur entwickeln aus einer Gesinnung heraus, welche auf einer Erziehung fußt für diese Erde, abgesehen von dem Gedanken von Reinkarnation und Karma. So sehen wir die Folge dieser Erziehung: das vollständige Herableben des Menschen auf den physischen Plan. Denn da nur konnte sich die individuelle Seele entwickeln, da ist sie abgesondert, eingeschlossen in diesen Leib und kann nur herausschauen als ein abgeschlossenes Sonderdasein durch seine Sinne. Damit haben wir immer mehr und mehr von menschlicher Konkurrenz, immer mehr und mehr von der Wirkung desSonderdaseins hineingebracht in das Menschengeschlecht. Wir dürfen uns nicht wundern, wenn das Menschengeschlecht heute noch lange nicht reif sein kann, um das, was heranerzogen werden mußte, wiederum auszuschalten. Wir haben ja gesehen, daß die gegenwärtigen Arten der Tiere durch ihre gegenseitige Hilfe zu ihrer Vollkommenheit sich entwickelt haben, und daß der Kampf nur von Art zu Art gewaltet hat. Wenn aber die menschliche Individualität dasselbe ist wie die Gruppenseele der Tiere, dann wird die menschliche Seele zu einem Selbstbewußtsein nur kommen können, indem sie denselben Kampf durchmacht wie ‘die Tiere draußen in der Natur. Solange der Mensch noch nicht die Selbständigkeit ganz herausentfaltet hat, solange wird der Kampf noch dauern. Aber der Mensch ist dazu berufen, in bewußter Weise das zu erreichen, was draußen auf dem physischen Plane da ist. Daher wird es ihn führen auf den Bewußtseinsstufen seines Reiches zu gegenseitiger Hilfe und Unterstützung, weil das Menschengeschlecht eine einzige Art ist. Und die Kampflosigkeit, wie sie im Tierreich zu finden ist, muß in bezug auf das ganze Menschengeschlecht erst erreicht werden: ein vollständiger, allumfassender Friede. Nicht der Kampf hat die einzelne Tierart groß gemacht, sondern die gegenseitige Hilfe und Unterstützung. Dasjenige, was als Gruppenseele in der Tierart als einzelne Seele lebt, das ist friedlich mit sich selbst, das ist die einheitliche Seele. Nur die menschliche individuelle Seele ist in diesem physischen Sondersein eine besondere.

[ 20 ] It may indeed have gone too far in its radical form, but it had to happen, for the affairs of the world do not develop according to logic, but according to other laws. People have derived an eternity of punishment from this earthly life; the trend of development has led to this, even if it is illogical. Thus, humanity has learned to be conscious of this one earthly existence. As a result, the Earth—this physical plane—became infinitely important to humankind. And it had to be this way; it was bound to happen. Everything that happens today—everything that has come to dominate the world in material terms—could only have developed out of a mindset rooted in an education geared toward this Earth, apart from the concepts of reincarnation and karma. Thus we see the consequence of this education: humanity’s complete descent onto the physical plane. For it is only there that the individual soul could develop; there it is separated, enclosed within this body, and can look out only as a self-contained, separate existence through its senses. Thus, we have brought more and more of human competition, more and more of the effect of this separate existence, into the human race. We should not be surprised that the human race is still far from being ready today to eliminate what had to be brought about through this upbringing. We have seen, after all, that the present species of animals have developed to their perfection through mutual aid, and that the struggle has raged only from species to species. But if human individuality is the same as the group soul of animals, then the human soul will only be able to attain self-consciousness by undergoing the same struggle as “the animals out in nature.” As long as humanity has not yet fully developed its independence, the struggle will continue. But humanity is called upon to consciously achieve what exists out there on the physical plane. Therefore, it will lead humanity, on the levels of consciousness within its own realm, toward mutual aid and support, because the human race is a single species. And the absence of struggle, as found in the animal kingdom, must first be achieved with regard to the entire human race: a complete, all-encompassing peace. It is not struggle that has made the individual animal species great, but mutual aid and support. That which lives as the group soul within the animal species as an individual soul is at peace with itself; that is the unified soul. Only the individual human soul is unique in this distinct physical existence.

[ 21 ] Das ist die große Errungenschaft für unsere Seele, die wir aus der spirituellen Entwickelung uns aneignen, daß wir in Wahrheit erkennen die gemeinschaftliche Seele, welche das ganze Menschengeschlecht durchzieht, die Einheit in der ganzen Menschheit, die wir nicht als unbewußtes Geschenk empfangen, sondern die wir uns bewußt erringen müssen. Diese einheitliche Seele im ganzen Menschengeschlecht wahrhaft und wirklich zu entwickeln, das ist die Aufgabe der geisteswissenschaftlichen Weltanschauung. Das spricht sich in unserem ersten Grundsatz aus: einen Bruderbund zu gründen über die ganze Erde hin, ohne Rücksicht auf Rasse, Geschlecht, Farbe und so weiter. Das ist die Anerkennung der Seele, die der ganzen Menschheit gemeinsam ist. Bis in die Leidenschaften hinein muß die Läuterung stattfinden, die es dem Menschen selbstverständlich macht, daß in seinem Bruder die gleiche Seele lebt. Im Physischen sind wir getrennt, im Seelischen sind wir eine Einheit als Ich des Menschengeschlechtes. Aber nur im wahren wirklichen Leben können wir das erfassen und uns da hineinfinden. Daher kann es nur die Pflege spirituellen Lebens sein, welche uns durchdringt mit dem gemeinschaftlichen Hauch dieser einheitlichen Seele. Nicht die gegenwärtigen Menschen mit ihren Grundsätzen, sondern die Zukunftsmenschen, welche immer mehr und mehr das Bewußtsein für diese Einheitsseele entwickeln, die werden es sein, die den Grund zu einem neuen Geschlecht, zu einer neuen Rasse legen, die in gegenseitiger Hilfe ganz aufgeht. Daher besagt unser erster Grundsatz etwas ganz anderes, als was sonst gewöhnlich gesagt wurde. Wir kämpfen nicht, wir bekämpfen auch nicht den Krieg oder etwas anderes, weil der Kampf überhaupt nicht zur höheren Entwickelung führt. Aus dem Kampf heraus hat sich jede Tierart als eine besondere Rasse entwickelt. Überlassen Sie allen Kampf um uns herum den Bissigen, die noch nicht reif genug sind, das aufzusuchen, was die gemeinschaftliche Seele im Menschengeschlecht im spirituellen Leben aufsucht.

[ 21 ] This is the great achievement for our soul that we gain through spiritual development: that we come to truly recognize the collective soul that permeates the entire human race—the unity within all of humanity—which we do not receive as an unconscious gift, but which we must consciously attain. To truly and genuinely develop this unified soul throughout the entire human race—that is the task of the spiritual-scientific worldview. This is expressed in our first principle: to establish a brotherhood across the entire earth, regardless of race, gender, color, and so on. This is the recognition of the soul that is common to all of humanity. Purification must take place even within our passions, making it self-evident to each person that the same soul lives within their brother or sister. Physically we are separate; in the soul we are one as the “I” of the human race. But only in true, real life can we grasp this and find our way into it. Therefore, it can only be the cultivation of spiritual life that permeates us with the communal breath of this unified soul. It is not the people of the present, with their principles, but the people of the future—who are developing an ever-greater awareness of this unified soul—who will lay the foundation for a new generation, for a new race, one that is wholly absorbed in mutual aid. Therefore, our first principle conveys something entirely different from what has usually been said. We do not fight; nor do we oppose war or anything else, because struggle does not lead to higher development at all. It is through struggle that every animal species has developed into a distinct race. Leave all the fighting around us to the aggressive ones who are not yet mature enough to seek what the communal soul of the human race seeks in spiritual life.

[ 22 ] Eine wirkliche Friedensgesellschaft ist eine solche, die nach Geist-Erkenntnis strebt, und die wirkliche Friedensbewegung ist die geisteswissenschaftliche Strömung. Sie ist die Friedensbewegung, so wie in der Praxis einzig und allein eine Friedensbewegung sein kann, weil sie ausgeht auf das, was im Menschen lebt und der Zukunft entgegengeht.

[ 22 ] A true society of peace is one that strives for spiritual knowledge, and the true peace movement is the spiritual scientific movement. It is the peace movement in the only way a peace movement can be in practice, because it is rooted in what lives within human beings and looks toward the future.

[ 23 ] Wie ein Zug von Osten her hat sich immer das spirituelle Leben entwickelt. Der Osten war das Gebiet, in dem das spirituelle Leben gepflegt worden ist. Und hier im Westen war das Gebiet, in dem die äußere materielle Kultur entfaltet worden ist. Daher wird auch nach dem Osten gesehen als nach einem Gebiete, wo die Menschen träumen und schlafen. Wer aber weiß, was in den Seelen jener vorgeht, die von uns Träumende oder Schlafende genannt werden, wenn sie in Welten aufsteigen, welche die westlichen Völker nicht kennen? — Nun müssen wir heraus aus unserer materiellen Kultur mit Berücksichtigung alles dessen, was in der physischen Welt um uns herum ist. Mit dem, was wir auf dem physischen Plan erobert haben, müssen wir hinauf in das Geistige, in das Spirituelle. Es ist in gewissem Maße mehr als symbolisch bedeutend, daß in England der Darwinismus noch in Huxley einen Vertreter gefunden hat, der aus seiner westlichen Anschauung heraus nötig hatte zu sagen: Die Natur zeigt uns, daß die Menschenaffen gegeneinander kämpften, und der Stärkste war es, der auf dem Plane blieb —, während vom Osten die Parole ausging: Stützung, gegenseitige Hilfe, das ist es, was die Zukunft sichert!— Wir haben eine ganz besondere Aufgabe hier in Mitteleuropa. Nichts würde es uns helfen, einseitig morgenländisch oder einseitig englisch zu sein. Wir müssen das Morgenrot des Ostens und die physische Wissenschaft des Westens zu einer großen Harmonie vereinigen. Dann werden wir verstehen, wie vereinigt wird die Idee der Zukunft mit der Idee des Kampfes um das Sonderdasein.

[ 23 ] Spiritual life has always developed like a wave coming from the East. The East was the region where spiritual life was cultivated. And here in the West was the region where external material culture flourished. That is why the East is also viewed as a region where people dream and sleep. But who knows what goes on in the souls of those we call dreamers or sleepers when they ascend into worlds unknown to Western peoples? — Now we must step out of our material culture, taking into account everything that surrounds us in the physical world. With what we have achieved on the physical plane, we must ascend into the mental, into the spiritual. It is, to a certain extent, more than symbolically significant that in England, Darwinism still found a proponent in Huxley, who, from his Western perspective, felt compelled to say: Nature shows us that the great apes fought one another, and it was the strongest who remained on the scene—while from the East came the watchword: support, mutual aid—that is what secures the future!— We have a very special task here in Central Europe. It would do us no good to be one-sidedly Eastern or one-sidedly English. We must unite the dawn of the East and the physical sciences of the West into a great harmony. Then we will understand how the idea of the future is united with the idea of the struggle for a distinct existence.

[ 24 ] Es ist mehr als zufällig, daß in jenem Grundbuch der Theosophie, demjenigen Buch, aus dem der, welcher sich tiefer einlassen will auf das spirituelle Leben, Licht auf dem Wege finden kann, das zweite Kapitel bedeutsam mit einem Satz schließt, der mit dieser Idee zusammenfällt. Nicht wie eine Phrase steht es hier in «Licht auf den Weg», sondern weil die Entwickelung zum Geist den Menschen dahin führen wird, wo die Menschen erkennen werden, daß mit der gemeinsamen Seele, die sich hineinlebt in die einzelne Menschenseele, die in ihr auflebt und aufleuchtet, zu gleicher Zeit die schönen Worte zusammenstimmen, womit die beiden Kapitel in «Licht auf den Weg» schließen. Derjenige, der sich ganz hineinvertieft in dieses herrliche Büchelchen, das die Seele nicht nur mit dem Inhalt erfüllt, der uns innerlich fromm und gut macht und auch nach und nach dem Menschen durch die Kraft der Worte wirkliches Hellsehen gibt, er sieht den Ausgleich im einzelnen, wenn er das durchlebt hat, was in jedem Kapitel steht. Und dann senken sich auf und in die Seele die letzten Worte: «Der Friede sei mit dir.» Das wird sich am Schlusse der ganzen Menschheit mitteilen durch dasjenige, was wir als Geisteskraft hegen und pflegen. Dann senkt sich spirituell der Menschengenius über das Menschengeschlecht, dessen hauptsächliche Worte sein werden: Der Friede sei mit dir. — Das eröffnet uns die richtige Perspektive, Da müssen wir nicht nur von Friede sprechen, uns den Frieden alsIdeal hinstellen, Verträge schließen, Schiedsgerichtssprüche herbeisehnen, da müssen wir das geistige Leben, das Spirituelle pflegen, dann rufen wir in uns die Kraft hervor, die als Kraft der gegenseitigen Hilfeleistung sich über das ganze Menschengeschlecht ausgießt. Wir bekämpfen nicht, wir tun etwas anderes: Wir pflegen die Liebe, und wir wissen, daß mit diesem Pflegen der Liebe der Kampf verschwinden muß. Wir stellen nicht Kampf gegen Kampf. Wir stellen die Liebe, indem wir sie hegen und pflegen, gegen den Kampf. Das ist etwas Positives. Wir arbeiten an uns in der Ausgießung der Liebe und begründen eine Gesellschaft, die auf Liebe gebaut ist. Das ist unser Ideal. Dann werden wir, wenn wir das seelisch lebendig durchdringen, in einer neuen Weise, in der Weise, wie es das Christentum will, einen uralten Spruch wahrmachen. Und ein neues Christentum oder vielmehr das alte Christentum wird für die neue Menschheit erwachen. Seinem Volke hat Buddha einen Spruch gegeben, der eine solche Pflege in Aussicht nimmt. Aber eine solche Pflege der Liebe hat auch das Christentum in vielleicht noch schöneren Worten, wenn man sie richtig versteht: Nicht durch Kampf überwindet man den Kampf, nicht durch Haß überwindet man den Haß, sondern den Kampf und den Haß überwindet man in Wahrheit allein durch die Liebe.

[ 24 ] It is more than a coincidence that in that fundamental text of Theosophy—the book from which those who wish to delve more deeply into spiritual life can find light on their path—the second chapter concludes significantly with a sentence that aligns with this idea. This is not merely a phrase in *Light on the Path*; rather, it is because spiritual evolution will lead humanity to a point where people will recognize that the collective soul—which lives within the individual human soul, reviving and illuminating it—harmonizes with the beautiful words that conclude the two chapters in *Light on the Path*. Those who immerse themselves completely in this wonderful little book—which not only fills the soul with content that makes us inwardly devout and good, but also gradually grants human beings true clairvoyance through the power of words—will see the balance in the details once they have lived through what is written in each chapter. And then the final words will sink into the soul: “Peace be with you.” This will ultimately be shared with all of humanity through what we cherish and nurture as spiritual power. Then the human genius will descend spiritually upon the human race, and its principal words will be: “Peace be with you.” — This opens up the right perspective for us. We must not merely speak of peace, set peace as an ideal, conclude treaties, or yearn for arbitration rulings; rather, we must cultivate spiritual life, and in doing so, we will summon within ourselves the power that, as a force of mutual aid, will pour out over the entire human race. We do not fight; we do something else: We cultivate love, and we know that by cultivating love, strife must disappear. We do not set strife against strife. We set love—by nurturing and cultivating it—against strife. That is something positive. We work on ourselves through the outpouring of love and establish a society built on love. That is our ideal. Then, when we truly internalize this in our souls, we will bring an ancient saying to life in a new way—in the way Christianity intends. And a new Christianity—or rather, the old Christianity—will awaken for the new humanity. Buddha gave his people a saying that holds out the prospect of such a way of life. But Christianity, too, expresses this cultivation of love in perhaps even more beautiful words, if one understands them correctly: It is not by struggle that one overcomes struggle, nor by hatred that one overcomes hatred; rather, struggle and hatred are overcome, in truth, solely through love.