World-Riddles and Theosophy
GA 54
19 October, Berlin
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World-Riddles and Theosophy, tr. SOL
3. Grundbegriffe der Theosophie. Seele und Geist des Menschen
3. Basic Concepts of Theosophy: The Human Soul and Spirit
[ 1 ] Es ist noch nicht lange her, da galt es in gewissen Kreisen im eminentesten Sinne als unwissenschaftlich, von einer Seele des Menschen als einer besonderen Wesenheit zu sprechen. Und gar noch neben der Seele von einem Geiste zu sprechen, das findet heute das allergeringste Verständnis. Nun ist das Thema, das wir uns heute gestellt haben, reichlich groß in seinem Umfange. Einige Hauptlinien zu zeigen, wird mir wohl nur möglich sein. Innerhalb der geisteswissenschaftlichen Weltanschauung werden wir nämlich zu jener älteren Einteilung des Menschen geführt, die eine Dreiteilung ist gegenüber dem, was imBewußtsein des gegenwärtigen Menschen fast einzig und allein noch irgendwelche Geltung hat, gegenüber der Zweiteilung von Körper und Seele. Die Dreiteilung, zu welcher die theosophische oder geisteswissenschaftliche Weltanschauung wieder zurückgreifen muß, ist die von Körper, Seele und Geist. Nun lassen Sie zunächst einmal uns ein wenig verständigen darüber, was wir eigentlich unter Körper, Seele und Geist verstehen. Der Körper des Menschen ist etwas, worüber es nicht vieler Vorstellungen zu einer Verständigung bedürfen wird. Aber auf der andern Seite ist die Vorstellung des Körperlichen, die Vorstellung des äußerlichen Physischen heute so sehr das einzige, was unsere gegenwärtige Menschheit beschäftigt, daß die Verständigung über den Unterschied von Seele und Geist und schon über das Wesen der Seele selbst recht schwierig ist. Wir müssen nun heute, im Gegensatz zu manchem andern Vortrag, den ich hier gehalten habe, auf eine recht intime Genauigkeit unserer Begriffe und Ideen, die wir hier entwickeln wollen, sehen und ich muß Sie daher bitten, heute Ihre Aufmerksamkeit zunächst einmal für feinere Unterschiede in den menschlichen Vorstellungen in Anspruch nehmen zu dürfen.
[ 1 ] Not long ago, in certain circles it was considered unscientific in the most fundamental sense to speak of the human soul as a distinct entity. And to speak of a spirit alongside the soul—that meets with the very least understanding today. Now, the topic we have set for ourselves today is quite broad in scope. I will likely only be able to outline a few main points. Within the spiritual-scientific worldview, we are led to that older classification of the human being, which is a threefold division—in contrast to what is almost exclusively accepted in the consciousness of people today: the twofold division of body and soul. The threefold division to which the theosophical or spiritual-scientific worldview must return is that of body, soul, and spirit. Now, let us first come to a basic understanding of what we actually mean by body, soul, and spirit. The human body is something about which it will not take much explanation to reach a common understanding. But on the other hand, the concept of the physical, the concept of the external physical, is today so very much the only thing that preoccupies our present-day humanity that reaching an understanding of the difference between soul and spirit—and even of the very nature of the soul itself—is quite difficult. Today, in contrast to some of the other lectures I have given here, we must pay close attention to the precise nuances of the concepts and ideas we wish to develop, and I must therefore ask you to focus your attention, for the time being, on the finer distinctions in human concepts.
[ 2 ] Wenn ein Mensch vor Ihnen steht, so werden Sie ohne weiteres zugeben, daß in dem Raume, den der betreffende Mensch ausfüllt, des Menschen Leib vorhanden ist. Denn von diesem Menschenleib liefern Ihnen Ihre Sinne ein Zeugnis. Nun aber kann der Mensch selbst sich durch seine Sinne wenigstens teilweise betrachten, und wir können daher sagen, der Mensch ist für einen andern sinnbegabten Menschen und für sich selbst ein leibliches, ein körperhaftes Wesen. Aber in dem Raume, den der Mensch ausfüllt, ist zweifellos noch viel mehr vorhanden als dasjenige, was Ihre Sinne sehen können. Es ist vielleicht für das menschliche Leben in seiner Ganzheit begriffen das, was der andere mit seinen Augen sehen und mit seinen Händen betasten kann, das Allergeringfügigste. Denn wenn der Mensch von seinem Leben spricht, so spricht er sehr selten von seinem körperlichen, sinnenfälligen Außeren. Er spricht dann von seinem Schicksal, von Lust und Leid, von Schmerz und allem, was im Inneren lebt und zunächst nicht für die Sinne wahrnehmbar ist. Ein Mensch kann vor Ihnen stehen und ein anderer neben ihm. Das, was Ihre Sinne wahrnehmen an den beiden Menschen, ist zunächst nicht das ganz Wesentliche, sondern es kommt dazu, daß vielleicht in dem einen Menschen ein trauriges inneres Seelendasein lebt und in dem andern Menschen ein durchaus lusterfülltes, freudiges Seelenleben. In beiden Fällen füllt also, wie Sie sehen, des Menschen innere Wesenheit den Raum noch etwas anders aus als das körperliche Dasein. Wenn Sie einen Blinden vor einen Menschen hinstellen, so nimmt dieser Blinde das körperliche Dasein desselben zunächst nicht wahr. Er wird unter Umständen, wenn er nicht besonders durch seinen Tastsinn oder auf andere Weise aufmerksam gemacht wird, zu der Behauptung verleitet werden können, daß im Raume niemand ist, weil sein Auge ihm nichts eröffnet. Um von einem äußeren sinnenfälligen Dasein überzeugt zu sein, dazu gehören eben Sinne, Sinne, die fähig sind, dieses äußere körperliche Dasein wahrzunehmen. Nun müssen wir uns fragen: Wäre denn dieses äußerliche körperliche Dasein nicht auch dann da, wenn es nicht wahrgenommen würde? Stünde ich nicht auch an diesem Orte, wenn ringsherum lauter Blinde und Taube wären, die mich nicht sehen und hören können? Für mich wäre ich da, in mir wäre ich da. Und ebenso wie ich meinem körperlichen Dasein nach in mir da bin und dieses unterschieden werden muß von der Wahrnehmung von seiten der andern, so müssen wir uns jetzt auch heraufschwingen zu einer Möglichkeit, diesen selben Unterschied für das zu machen, was ich als eine zweite Art des Daseins aufgezählt habe, für die Lust und den Schmerz, für das Leben, das den Raum ausfüllt, ohne daß die Sinne das Raumerfüllende wahrnehmen. Wenn ein Mensch vor einem Blinden steht und dieser Blinde plötzlich sehend wird, so wird das äußere Dasein für den Blinden ein wahrnehmbares Dasein und die Frage entsteht: Könnte nun nicht auch das zunächst für die körperlichen Sinne nicht wahrnehmbare Dasein von Lust und Leid, von Schmerz und Freude, von Zorn und Leidenschaft, das im Menschen ebenso lebt wie sein rotes Blut, seine Nerven und Knochen, da sein als ein für den andern Menschen bestehendes Wahrnehmbares?
[ 2 ] When a person stands before you, you will readily admit that within the space occupied by that person, the person’s body is present. For your senses provide you with evidence of this human body. Now, however, a person can perceive themselves, at least in part, through their own senses, and we can therefore say that a person is, for another sentient being and for themselves, a physical, corporeal being. But in the space that a person occupies, there is undoubtedly much more present than what your senses can perceive. Perhaps, when considered in the context of human life as a whole, what another person can see with their eyes and touch with their hands is the very least of it. For when a person speaks of their life, they very rarely speak of their physical, sensory exterior. Instead, they speak of their fate, of joy and sorrow, of pain, and of everything that lives within and is not immediately perceptible to the senses. One person may stand before you, and another beside them. What your senses perceive in these two people is not, at first, the most essential aspect; rather, it may be that one person harbors a sad inner spiritual life, while the other possesses a thoroughly joyful, pleasure-filled spiritual life. In both cases, as you can see, a person’s inner being fills the space somewhat differently than their physical existence. If you place a blind person in front of another person, the blind person will not initially perceive the other’s physical presence. Under certain circumstances, unless their sense of touch or some other means specifically draws their attention to it, they may be led to conclude that no one is in the room, because their eyes reveal nothing to them. To be convinced of an external, sensually perceptible existence, one needs senses—senses capable of perceiving this external physical existence. Now we must ask ourselves: Would this external physical existence not still be there even if it were not perceived? Would I not still be standing in this very spot even if I were surrounded by nothing but blind and deaf people who could neither see nor hear me? For myself, I would be there; within myself, I would be there. And just as I am present within myself in terms of my physical existence—and this must be distinguished from the perception on the part of others—so must we now also rise to the possibility of making this same distinction for what I have listed as a second kind of existence: for pleasure and pain, for the life that fills space without the senses perceiving what fills that space. If a person stands before a blind person and that blind person suddenly regains sight, then external existence becomes a perceptible existence for the blind person, and the question arises: Could not the existence of pleasure and suffering, of pain and joy, of anger and passion—which is initially imperceptible to the physical senses, yet lives within a person just as much as their red blood, nerves, and bones—also exist as something perceptible to another person?
[ 3 ] Der Mensch weiß von dem, was er wahrnehmen kann. Der Mensch ist ein Wesen, welches in Entwickelung begriffen ist, ein Wesen, welches von unvollkommenen Stufen in einer fernen Vergangenheit sich heraufentwickelt hat zu seinem gegenwärtigen Dasein. Alle Organe, die am und im Menschen sind, haben sich nach und nach entwickelt. Nach und nach ist am äußeren Dasein heranentwickelt worden die Seh- und Hörfähigkeit, nach und nach ist erst die äußere physische Welt zu einer wahrnehmbaren Welt für den Menschen geworden, zu einer Welt, von der er weiß, die er beobachten kann. Wenn der Mensch so in der Entwickelung ist, könnten wir da nicht fragen, ob er sich nicht auch weiterentwickeln könne? Kann ihm nicht wahrnehmbar werden, was ihm heute noch nicht wahrnehmbar ist? — Ebenso wie der Raum, in dem ein Mensch steht, zunächst für den Blinden finster und dunkel ist und dann, wenn er sehend wird, der Blinde anfängt Farben wahrzunehmen und die physische Gestalt, so könnte es doch auch sein, daß das, was noch im Raume lebt, was die Seele durchzuckt, auch sichtbar, wahrnehmbar gemacht würde. Zu seiner äußeren, sinnlichen Sichtbarkeit ist der Mensch durch die äußeren Kräfte der Welt geführt worden. Da hat er nichts dazu getan. Er ist von der Naturordnung hereingestellt worden auf den physischen Plan, mit sinnlichen Organen bewaffnet, um die sinnliche Welt wahrzunehmen. Aber der Mensch kann seine Weiterentwickelung selbst in die Hand nehmen, der Mensch kann sich fähig machen, außer der sinnlichen Welt um ihn herum, weiteres zu erleben.
[ 3 ] Human beings know only what they can perceive. Human beings are beings in the process of evolution, beings who have evolved from imperfect stages in the distant past to their present existence. All the organs found on and within the human body have developed gradually. Gradually, the abilities to see and hear have developed in relation to external existence; gradually, the external physical world has become a perceptible world for human beings—a world they know and can observe. If human beings are in such a state of development, might we not ask whether they could continue to develop further? Couldn’t that which is not yet perceptible to him today become perceptible? — Just as the space in which a person stands is at first dark and gloomy to the blind person, and then, when he regains his sight, the blind person begins to perceive colors and physical forms, so too might it be that what still lives within that space—what flashes through the soul—could also be made visible and perceptible. Human beings have been guided to their external, sensory visibility by the external forces of the world. They have done nothing to bring this about. They have been placed on the physical plane by the order of nature, equipped with sensory organs to perceive the sensory world. But human beings can take their further development into their own hands; they can enable themselves to experience more than just the sensory world around them.
[ 4 ] Diese Entwickelung zu einem höheren Leben wurde seit urdenklichen Zeiten immerdar gepflegt und gehegt in gewissen menschlichen Gemeinschaften. Ebenso wie die Menschen zunächst sinnliche Augen und sinnliche Ohren haben, so wurde durch die eigene Tätigkeit des Menschen das Vermögen, durch seelische Augen, wenn ich mich so ausdrücken darf, und durch seelische Ohren wahrzunehmen, immerdar in einzelnen Menschen ausgebildet. So wahr es ist, daß, wenn das Auge sich aufschließt, es eine farbige Welt um sich herum wahrnimmt, wo sonst Finsternis und Dunkelheit war, so wahr ist es auch, daß durch eine entsprechende Schulung das seelische Auge aufgeschlossen wird, so daß das, was in den Affekten, in Lust und Leid lebt, wahrnehmbar wird. Anders als der gewöhnliche Unterricht ist die Unterweisung, die zu einer solchen höheren Entwickelung des Menschen führt. Im einzelnen wird unser neunter Vortrag dasjenige besprechen, was von dieser inneren Entwickelung öffentlich überhaupt besprochen werden kann. Derjenige, der mehr wissen will über diese innere Entwickelung, wird noch Weiteres darüber erfahren können. Heute kann ich nur auf den neunten Vortrag verweisen. Das Notwendigste soll aber angedeutet werden,
[ 4 ] This development toward a higher life has been constantly nurtured and cherished in certain human communities since time immemorial. Just as human beings initially have physical eyes and physical ears, so too has the ability to perceive through spiritual eyes—if I may put it that way—and through spiritual ears been continually developed in individual human beings through their own efforts. Just as it is true that when the eye opens, it perceives a world of color around itself where there was otherwise darkness and gloom, so it is also true that through appropriate training the spiritual eye is opened, so that what lives in the emotions, in pleasure and suffering, becomes perceptible. The instruction that leads to such a higher development of the human being differs from ordinary schooling. Specifically, our ninth lecture will discuss what can be publicly discussed at all regarding this inner development. Those who wish to know more about this inner development will be able to learn further details. Today I can only refer you to the ninth lecture. However, the most essential points shall be outlined,
[ 5 ] Von jenem Unterrichte, den der Mensch erhalten muß, um seelische Augen und Ohren zu erhalten, weiß die äußere Kultur von heute sehr wenig. Und von dem, was man erfahren kann, ist nur Geringfügiges bekannt. Aber gerade die geisteswissenschaftliche Weltanschauung ist dazu berufen, ein Verständnis für das Übersinnliche wachzurufen, weil es ein notwendiges Erfordernis für die Kultur ist. Heute geht aller Unterricht darauf hinaus, möglichst viel an Inhalt für den Verstand, an Inhalt für die Vernunft aufzunehmen. Dies bedeutet aber nichts anderes, als daß in uns eine Vorstellungswelt erweckt wird, die auf die äußere sinnliche Welt Bezug hat. Immer weitere Kreise zieht unser äußeres sinnliches Erkennen. Aber das ist nicht so notwendig; es ist für unsere gegenwärtige Kultur, so großartig es ist in seinen Errungenschaften, nicht dasjenige, was den Menschen vertieft. Es gab zu allen Zeiten eine andere Unterweisung, eine Unterweisung, welche nicht nach der äußeren Breite der Sinnenwelt geht, sondern nach der Tiefe des Weltenseins hinzielt. Von ihr können Sie sich einen Begriff machen, wenn ich sie Ihnen nur mit ein paar Worten schildere.
[ 5 ] Today’s material culture knows very little about the kind of education a person must receive in order to develop spiritual eyes and ears. And of what can be learned, only a small part is known. But it is precisely the spiritual-scientific worldview that is called upon to awaken an understanding of the supersensible, because it is a necessary requirement for culture. Today, all education is aimed at absorbing as much content as possible for the intellect and for reason. But this means nothing other than that a world of ideas is awakened within us that relates to the external sensory world. Our external sensory perception continues to expand ever further. But this is not so necessary; for our present-day culture—as magnificent as its achievements may be—it is not what gives people depth. Throughout the ages, there has been a different kind of education—one that does not focus on the outward breadth of the sensory world, but rather aims at the depth of our existence in the world. You can get an idea of what this is if I describe it to you in just a few words.
[ 6 ] Alles, was Sie gegenwärtig in den wissenschaftlichen Schriften lesen, ist durch äußere sinnliche Beobachtung zustande gekommen. Es wird von der Wissenschaft mehr oder weniger als etwas betrachtet, in das nichts hineingehört, was nicht durch die äußere Beobachtung zustande gekommen ist. Man setzt voraus, daß der Mensch, so wie er ist, bleiben soll, daß er schon die Fähigkeit hat, das, was ihm diese Wissenschaft bieten kann, aufzunehmen. Im wesentlichen ist es aber ganz und gar anders, wenn es sich um die Unterweisung handelt, welche zu seelischer Wahrnehmungsfähigkeit des Menschen führen soll. In solchen Schulen wird anderes gelehrt. Da wird zunächst nicht dem Menschen ein Lehrmaterial übergeben, welches möglichst viele Begriffe übermittelt, sondern da ist es so gewesen, daß ein Schüler zu einem, sagen wir, Meister kam und vermöge seiner ganzen Charakteranlage für reif befunden worden ist, die inneren Sinne zu entwickeln. Dann mußte er nicht viel neuen Inhalt in sich aufnehmen, sondern er mußte zunächst ein ganz anderer Mensch werden. Er bekam nicht ein Buch, nicht einen besonderen Inhalt, sondern zunächst einen sogenannten ewigen Gedankeninhalt, etwas Ewiges, das herrührte von denjenigen Menschen, welche weiter waren in ihrer Entwickelung als die übrigen Kulturmenschen.
[ 6 ] Everything you currently read in scientific writings has come about through external sensory observation. Science regards—to a greater or lesser extent—anything that has not come about through external observation as something that has no place there. It is assumed that human beings should remain as they are, that they already possess the capacity to absorb what this science has to offer. Essentially, however, the situation is entirely different when it comes to the instruction intended to lead to the development of a person’s spiritual perceptive abilities. In such schools, something different is taught. There, the student is not initially given teaching material designed to convey as many concepts as possible; rather, the process has traditionally been such that a student would come to, let us say, a master and, based on his or her entire character, be deemed ready to develop the inner senses. Then he did not have to absorb much new content; rather, he first had to become a completely different person. He was not given a book or specific content, but rather, first and foremost, a so-called eternal thought content—something eternal that originated from those people who were further along in their development than the rest of civilized humanity.
[ 7 ] Wir müssen uns einmal verständigen darüber, was wir unter einem solchen ewigen Gedankeninhalt verstehen. Versuchen Sie einmal, in Ihrer Seele Umschau zu halten und sich zu fragen: Wieviel gehört von den Vorstellungen und Gedanken, die in mir leben, von den Gefühlen und dem, was sonst in meiner Scele ist, der Zeit und dem Orte an, in welchen ich lebe? — Versuchen Sie einmal darüber nachzudenken, was Ihre Seele durchzieht vom Morgen bis zum Abend, und was anders, ganz anders sein würde, wenn Sie statt in Berlin in Moskau wären, und dann, wenn Sie nicht am Anfange des 20. Jahrhunderts, sondern am Ende des 18. Jahrhunderts leben würden. Ziehen Sie alles dasjenige, was Sie auf diese Weise aus Raum und Zeit, in denen Sie leben, heraus genommen haben, von Ihrem Seeleninhalt ab. Versuchen Sie sich klarzuwerden, wieviel von dem, was Sie sich vorstellen, auch für einen Menschen an einem andern Ort und in einer andern Zeit gelten würde. Es ist nicht viel. Aber es gibt Dinge, die nicht bloß für heute und für Berlin gelten, sondern auch für andere Orte und andere Zeiten. Wenn wir in diesem Sinne aufsteigen, finden wir immer mehr und mehr, daß wir, wie von einem großen geistigen Führer der Menschheit, den Sinn vor allen Dingen auf solche ewigen Gedankeninhalte hingelenkt. Die religiösen Schriften aller Zeiten sind voll von solchen Dingen, die unabhängig sind von Raum und Zeit. Und um das Trivialste zu nennen, kann ich sagen, Mathematik ist etwas, was unabhängig ist von Raum und Zeit. Was sich mit Zeitlichem und Räumlichem beschäftigt, ist selbst zeitlich und vergänglich. Beschäftigt sich aber die Seele mit Unvergänglichem, dann wird sie ewig und unvergänglich und nimmt auf, was unsterblich ist. Daher wird der Seele zunächst von dem Meister ein ewiger Gedankeninhalt gegeben, der jedem gegeben werden kann, gleichgültig, ob er in Amerika, in Japan oder an der Südspitze Afrikas lebt, ein Gedankeninhalt, der nur mit dem Innersten der Seele verwandt ist.
[ 7 ] We must first agree on what we mean by such an “eternal content of thought.” Try looking within your soul and asking yourself: How much of the ideas and thoughts that live within me, of the feelings and everything else in my soul, is tied to the time and place in which I live? — Try to reflect on what fills your soul from morning to night, and what would be different—completely different—if you were in Moscow instead of Berlin, and if you were living not at the beginning of the 20th century but at the end of the 18th century. Subtract from the contents of your soul everything that you have in this way removed from the space and time in which you live. Try to figure out how much of what you imagine would also apply to a person in another place and at another time. It is not much. But there are things that apply not only to today and to Berlin, but also to other places and other times. As we ascend in this sense, we find more and more that, as if guided by a great spiritual leader of humanity, our attention is directed above all toward such eternal concepts. The religious scriptures of all ages are full of such things that are independent of space and time. And to name the most trivial example, I can say that mathematics is something that is independent of space and time. That which deals with the temporal and the spatial is itself temporal and transitory. But when the soul engages with the imperishable, it becomes eternal and imperishable and absorbs what is immortal. Therefore, the Master first gives the soul an eternal subject of thought—one that can be given to anyone, regardless of whether they live in America, Japan, or at the southern tip of Africa—a subject of thought that is related only to the innermost core of the soul.
[ 8 ] Dann hatte der Schüler von sich abzulösen die sinnliche Außenwelt und mit dem zu leben, was in seinem Inneren als Kraft lebt. Mit ungeheurer Geduld mußte die Vertiefung in das menschliche Innere der Seele geschehen. Des Menschen Inneres ist ein Lebendiges, und wie aus der bloßen Zellenmasse der Wunderbau des physischen Auges entstanden ist, so entsteht in der Seele das geistige Auge durch den ewigen Geistesinhalt, wenn sie sich so vertieft und in der Meditation lebt. Das physische Auge war nicht immer da. Es ist entstanden durch den Zusammenfluß der äußeren physischen Kräfte. In der Seele ist der Mensch imstande, das seelische Auge zu erwecken, wenn er von dem seelischen Inhalte sich weiterentwickeln läßt. In Geduld harrten und harrten solche Schüler, die einen großen Teil des Tages zu ihren Übungen verwenden mußten. Es gab Zeiten in der Kultur, in denen das möglich war. So harrten sie, bis die durch die seelische Vertiefung erweckten inneren Kräfte ihnen die Wahrnehmung gaben für das, was als Lust und Leid, als Instinkte, Leidenschaften und Trieb den Raum ausfüllte.
[ 8 ] Then the student had to detach himself from the external sensory world and live with what lives within him as a force. The immersion into the innermost depths of the human soul had to take place with immense patience. The inner being of a human being is a living entity, and just as the marvelous structure of the physical eye arose from the mere mass of cells, so too does the spiritual eye arise in the soul through the eternal content of the spirit when the soul immerses itself in this way and lives in meditation. The physical eye was not always there. It arose through the convergence of external physical forces. Within the soul, a person is able to awaken the soul’s eye when they allow themselves to develop further through the soul’s content. Such students, who had to devote a large part of the day to their exercises, waited patiently, and waited. There were times in civilization when this was possible. Thus they waited until the inner forces awakened through spiritual deepening gave them the perception of what filled the space—in the form of pleasure and suffering, instincts, passions, and drives.
[ 9 ] Ein physisches Auge sieht dadurch, daß die äußere Lichtquelle Strahlen auf einen Gegenstand wirft. Ohne Licht wird nicht gesehen. Auge und Licht gehören zusammen. In der sinnlichen Außenwelt sind Auge und Licht zwei getrennte Dinge. In der Seele wird das seelische Auge erweckt, und das ist zugleich die Quelle eines neuen seelischen Lichtes. Wir selbst müssen dieses Licht von uns ausstrahlen, welches das Seelische, das vor uns steht, sichtbar macht. Wenn Sie auf diese Weise, durch Versenkung in Ihr Inneres und die damit verbundene Erweckung des inneren Lebens, das innere Licht erhalten haben, dann fängt Ihr eigener Astralkörper von innen heraus zu leuchten an und beJeuchtet alles in Wahrheit und Wirklichkeit wie die Sonne die Gegenstände. Aber Sie beleuchten nicht die äußere Welt, sondern das, was seelisch ist, was im Menschen lebt als Affekt; das wird dann durch die Strahlen, die Sie selbst aussenden, für Sie sichtbar. So kann der Mensch dasjenige, was ist, aber was äußerlich nicht wahrnehmbar ist, für sich wahrnehmbar machen.
[ 9 ] A physical eye sees when an external light source casts rays onto an object. Without light, one cannot see. The eye and light belong together. In the external sensory world, the eye and light are two separate things. In the soul, the spiritual eye is awakened, and this is at the same time the source of a new spiritual light. We ourselves must radiate this light, which makes the spiritual realm before us visible. When you have attained this inner light in this way—through contemplation of your inner self and the associated awakening of inner life—your own astral body begins to shine from within and illuminates everything in truth and reality, just as the sun illuminates objects. But you do not illuminate the external world; rather, you illuminate what is spiritual, what lives within the human being as emotion; this then becomes visible to you through the rays that you yourself emit. In this way, a person can make perceptible to themselves that which exists but is not perceptible externally.
[ 10 ] Alle die großen Führer der Menschheit, die uns da von der Seele gesprochen haben: glauben Sie nicht, daß sie nur leere Phrasen und Worte im Sinne hatten. Man weiß, wenn man bloß an die sinnliche Welt glaubt, nichts von den Tiefen, welche die Menschenkultur bewegt und bewirkt haben. Aus der unmittelbaren Anschauung wird gewöhnlich gesprochen. Fassen Sie zum Beispiel das Verhältnis von Seele und Körper ins Auge; wie ich es eben besprochen habe, dann müssen Sie sich sagen, dieses Verhältnis von Seele und Körper ist ein solches, daß das Körperliche, das vor uns steht, durchströmt und durchsetzt wird von einem Seelischen. Und so wahr es ist, daß dieser Körper, den Sie Ihr eigen nennen, von außen durch Nahrungsmittel genährt wird und dadurch von außen sich belebt und ergänzt, ebenso wahr ist es, daß dieser Körper durch das Seelische belebt, durchhellt und durchströmt wird. Wenn dieser Körper schläft, ist das Seelische zunächst nicht in ihm, dann ist es von ihm getrennt, es ist außer ihm. Dann können wir nicht davon sprechen, daß das Seelische in den Körper einströmt. Ein deutscher Theosoph, ein tiefer Geist, hat sich über dieses Verhältnis von Seele und Leib in einer wunderbar reizvollen Art ausgesprochen, die man nur dann richtig versteht, wenn man solche Voraussetzungen macht, wie wir sie eben gemacht haben. Dieser Theosoph — so dürfen wir ihn nennen — spricht von dem Schlafe, wenn die Seele nicht in dem Körper ist, in einer eigentümlichen Art. Er sagt: «Schlaf ist Seelenverdauung; der Körper verdaut die Seele. Wachen ist Einwirkungszustand des Seelenreizes — der Körper genießt die Seele.» Es ist dies ein wunderbarer Vergleich. Wie man bei der Nahrungsaufnahme die Nahrung genießt, so genießt — meint dieser Theosoph — der Körper die Seele, die in ihm lebt. Und so wie der Körper, nachdem er die Nahrung genossen hat, sie verdaut, so verdaut der Körper im Schlafzustand das, was die Seele in ihn hineingesenkt hat. Sehr schön ist dieser Ausspruch unseres deutschen Dichter-Theosophen Novalis. Bei ihm können Sie einen Quell der schönsten geisteswissenschaftlichen Weisheit finden. Er kann nur von der geisteswissenschaftlichen Weltanschauung aus verstanden werden. Unzähliges aus der deutschen Geisteswelt könnte ich anführen, was Ihnen zeigen würde, wie die großen Seher der Menschheit von Seele und Leib und ihrem Verhältnis zueinander mit Sachkenntnis sprachen.
[ 10 ] All the great leaders of humanity who have spoken to us from the soul: do not believe that they had only empty phrases and words in mind. If one believes only in the sensory world, one knows nothing of the depths that have moved and shaped human culture. People usually speak from direct perception. Consider, for example, the relationship between soul and body—as I have just discussed—and you must tell yourself that this relationship is such that the physical body standing before us is permeated and infused by a spiritual element. And just as it is true that this body, which you call your own, is nourished from the outside by food and thereby enlivened and replenished from the outside, so too is it true that this body is enlivened, illuminated, and permeated by the soul. When this body sleeps, the soul is not initially within it; it is then separated from it, existing outside of it. In that case, we cannot speak of the soul flowing into the body. A German theosophist, a profound thinker, has spoken about this relationship between soul and body in a wonderfully captivating way, which can only be properly understood if one accepts the premises we have just laid out. This theosophist—as we may call him—speaks of sleep, when the soul is not in the body, in a peculiar way. He says: “Sleep is the digestion of the soul; the body digests the soul. Waking is a state in which the soul’s stimulus takes effect—the body enjoys the soul.” This is a wonderful comparison. Just as one savors food when eating, so—according to this theosophist—the body savors the soul that lives within it. And just as the body, after having savored the food, digests it, so the body, in the state of sleep, digests what the soul has poured into it. This statement by our German poet-theosophist Novalis is very beautiful. In him you can find a source of the most beautiful spiritual-scientific wisdom. He can only be understood from the perspective of a spiritual-scientific worldview. I could cite countless examples from the German spiritual world that would show you how the great seers of humanity spoke with expertise about the soul and the body and their relationship to one another.
[ 11 ] Das dritte, wovon wir sprechen müssen, ist der Geist. Lust und Leid, Schmerz und Freude, Leidenschaft, Instinkt und Begierde und was wir sonst noch ähnlich benennen können, fassen wir unter dem Namen Seele zusammen. Und frägt man, was die Seele ist, dann sagen wir: Was im Inneren zunächst zum lebendigen Dasein kommt, das ist die Seele. Die Wahrnehmung dieser Seele kann derjenige erlangen, der eine Ausbildung erhalten hat, wie ich sie eben geschildert habe. Geist ist nicht nur im Inneren des Menschen vorhanden, sondern im Grunde genommen, durch eine sehr banale Vernunfttätigkeit kann man sich überzeugen, überall in der Welt. Alle Menschen in der Welt denken, denken in dem, was um sie herum ist. Sie verschaffen sich durch ihre Gedanken Kenntnis von der Welt um sie herum. Diese Gedanken sind nicht nur ein Ausdruck dessen, was in der Außenwelt lebt, sondern auch von etwas, was in der Außenwelt nicht lebt. Wenn Sie das Weltenall überblicken, dann erblickt Ihr Sinn eine Unsumme von Sternen und Vorgängen, eine ganze Sternenwelt, und dann kommt Ihr Nachdenken und verschafft sich einen Begriff von dieser Sternenwelt. Wenn Ihr Sinn einen Wassertropfen sieht, dann verschafft sich Ihr Nachdenken einen Begriff von diesem Wassertropfen. Kürzer gesagt, Sie sind nicht zufrieden, die Sachen wahrzunehmen, Sie wollen sie auch begreifen. Das ist etwas anderes als das bloße sinnliche Wahrnehmen. Wenn Sie ein Glas haben ohne Wasser darin, so können Sie auch kein Wasser herausschöpfen. Wenn kein Gedanke und kein Begriff im Raume draußen wäre, dann könnte man auch keine herausholen. Es wäre illusionär, über die Welt nachzudenken, wenn die Welt nicht nach Gedanken aufgebaut wäre. Der Stein, über den Sie nachdenken und den Sie begreifen, muß durch einen Gedanken entstanden sein, sonst könnte der Gedanke nicht herausgeholt werden. Wenn Sie sich nicht in groteske Widersprüche verwickeln wollen, so müssen Sie zugeben, daß die Gedanken in der Welt draußen ebenso wahr sind wie die Gedanken in Ihrem Kopfe drinnen. Sie denken, und die Gedanken, die in Ihnen leben, sind keine andern als die, welche die Welt aufgebaut haben.
[ 11 ] The third thing we must discuss is the mind. Pleasure and suffering, pain and joy, passion, instinct, and desire—and whatever else we might call by similar names—we summarize under the term “soul.” And if one asks what the soul is, then we say: That which first comes into living existence within us—that is the soul. Anyone who has received the training I have just described can gain an awareness of this soul. The spirit is not only present within human beings; in fact, through a very simple exercise of reason, one can convince oneself that it is present everywhere in the world. All people in the world think—they think about what is around them. Through their thoughts, they gain knowledge of the world around them. These thoughts are not only an expression of what lives in the external world, but also of something that does not live in the external world. When you survey the universe, your senses perceive a vast number of stars and phenomena—an entire world of stars—and then your thinking steps in and forms a concept of this world of stars. When your senses see a drop of water, your reasoning forms a concept of that drop of water. In short, you are not content merely to perceive things; you also want to understand them. This is something different from mere sensory perception. If you have a glass with no water in it, you cannot scoop any water out of it. If there were no thoughts and no concepts in the world outside, then one could not extract any from it either. It would be an illusion to think about the world if the world were not built upon thoughts. The stone that you think about and comprehend must have come into being through a thought; otherwise, the thought could not be extracted. If you do not want to entangle yourself in grotesque contradictions, you must admit that the thoughts in the world outside are just as real as the thoughts inside your head. You think, and the thoughts that live within you are none other than those that have constructed the world.
[ 12 ] So finden wir in unserer Seele noch etwas, was zwar auch nicht sinnlich wahrnehmbar ist, was aber nicht bloß Innenleben ist, sondern uns zum Begreifen des ganzen Universums herausführt. Daß uns unsere Ideen und Begriffe nicht durch die Sinne wahrnehmbar werden, das müssen Sie zugeben, denn sonst hätte der Mensch ja auch die Begriffe der Sternenwelt, die er aber erst in seiner Seele bilden muß. So lebt der Begriff im Inneren und er lebt auch in der Außenwelt. Seele nennen wir dasjenige, was im Inneren beschlossen ist. Der Schmerz gehört in unser eigenes Innere. Er hat seine Grenzen in den Grenzen unserer Seele. Was ich fühle, was ich als Leid und Freude habe, das ist etwas, was mich innerlich durchwebt und durchlebt, was aber den Sternenraum zunächst wenig angeht. Was in meinem Kopfe als Gedanke aufleuchtet, das hat mit der ganzen Außenwelt etwas zu tun. Das ist zunächst Geist draußen in der Welt, und dann die Wiederholung des Geistes in der eigenen Seele.
[ 12 ] Thus, we find within our soul something that, while not perceptible through the senses, is not merely an inner life, but leads us to an understanding of the entire universe. You must admit that our ideas and concepts are not perceptible through the senses, for otherwise human beings would already possess the concepts of the starry world—concepts that they must first form within their souls. Thus, the concept lives within, and it also lives in the outer world. We call that which is contained within the soul. Pain belongs to our own inner being. Its boundaries lie within the boundaries of our soul. What I feel—what I experience as suffering and joy—is something that interweaves with and permeates my inner being, but which, at first, has little to do with the starry realm. What flashes up in my mind as a thought has something to do with the entire external world. This is, first of all, spirit out there in the world, and then the repetition of that spirit within my own soul.
[ 13 ] So haben wir ein Dreifaches: Das Sinnliche in der Welt, das stoffliche, materielle Dasein, wahrgenommen durch die äußeren Sinne; die Seele, die wir erleben und welche diejenige Seele, die auf jene Weise unterrichtet ist, von der ich gesprochen habe, ebenfalls wahrnehmen kann, und den Geist, den wir voraussetzen in der ganzen Welt, als das sie durchflutende Fluidum und als das, was uns die Wesenheit der Dinge zunächst verkündet. Wahrnehmen kann der Mensch diesen Geist zunächst da, wo er als solcher auftritt. Was er da wahrnehmen kann, ist seine äußere Physiognomie, das, wie sich der Geist in der äußeren sinnlichen Wirklichkeit zum Ausdruck bringt. Nicht den Geist sieht man in der Welt, sondern dasjenige, wodurch sich der Geist zum sinnlichen Ausdruck verhilft.
[ 13 ] Thus we have a threefold division: The sensible world, the physical, material existence, perceived through the external senses; the soul, which we experience and which the soul—trained in the manner I have described—can likewise perceive; and the spirit, which we presuppose to permeate the entire world as a fluid that flows through it and as that which first reveals to us the essence of things. Human beings can first perceive this Spirit where it appears as such. What they can perceive there is its outer physiognomy—the way in which the Spirit expresses itself in external sensory reality. One does not see the Spirit in the world, but rather that through which the Spirit brings itself into sensory expression.
[ 14 ] Im Geiste denkt der Mensch. Der Gedanke lebt zwar in der Welt, aber sehen kann ihn der Mensch nicht. Er kann ihn nur denken. So wahr Sie selbst denken über die Welt und so wahr sich in Ihnen ein geistiges Spiegelbild von der Welt bildet, so wahr bildet es sich auch in jedem andern Menschen. Und dieser andere Mensch ist nicht nur Trieb und Leidenschaft, sondern in ihm lebt auch dieses geistige Spiegelbild der Welt. Das kann nun wiederum für eine höhere Anschauung durch die Augen und Ohren des Geistes wahrgenommen werden. Wahr ist es, daß jene innere Schulung, von der ich gesprochen habe, nicht nur die Fähigkeit erzeugt, die Seele des Menschen wahrzunehmen, sondern es kann der Mensch auch die Fähigkeit in sich ausbilden, den Gedanken des andern zu sehen, das Weltbild, die ganze Umwelt zu begreifen und wahrzunehmen. Dann, wenn der Mensch nicht nur das äußere Abbild dieses Gedankens wahrnimmt, sondern den Gedanken selbst, wenn er imstande ist, seine geistigen Ohren dem Weltenall zu eröffnen, so daß er nicht nur durch seine Sinne den Sternenhimmel wahrnehmen kann, sondern dasjenige, wodurch alles Sinnliche geworden ist, für das alles Sinnliche die äußere Physiognomie ist, dann wird er wahrhaft und wirklich die Gedanken, den Geist der Welt wahrnehmen. Der Stern erscheint ihm dann nicht nur als Stern, sondern der Stern sagt ihm etwas. Die Steine, zum Beispiel der Bergkristall erscheint ihm nicht nur wasserhell, sondern er sagt ihm auch seine Wesenheit an, und es ist möglich, daß der Mensch durch eine solche Vertiefung, wie sie angedeutet worden ist, einem jeglichen Ding in ganz neuer Art entgegentritt, so daß die Dinge rings um ihn herum tönend sprechen, ihm ihren innersten Namen sagen, uns selbst ihr Wesen ankündigen. Das meinten die alten Pythagoräer, die eine solche Schulung hatten, und die in ein solches Hören der Welt einweihten, wenn sie von der Sphärenmusik sprachen. Nicht ein bloßer Vergleich war es, es war das unmittelbare Wahrnehmen und Bewußtwerden dessen, was sonst hinter den Dingen sich verbirgt. Dieser Schleier der Natur zerstiebt vor den geistigen Ohren, und die Harmonie, die hinter diesem Schleier verborgen ist, tönt heraus. Das meint auch Goethe mit seinen Worten im «Prolog im Himmel». Nicht eine Phrase ist es, die da steht. Es wäre eine Phrase, wenn Goethe von einer tönenden Sonne sprechen würde. Aber nein, er spricht: «Die Sonne tönt nach alter Weise in Brudersphären Wettgesang, und ihre vorgeschriebne Reise vollendet sie mit Donnergang.» Das sind die aus der Weltenmusik herausklingenden Worte des Weltgeistes. Goethe setzt dies später noch einmal fort, da wo er sagt: «Tönend wird für Geistesohren schon der neue Tag geboren.» Wenn der Mensch diese Fähigkeit entwickelt, wird für ihn das Geistige bewußt. Dann liegt ihm der Gedanke so wahrnehmbar vor seiner Seele, wie dem gewöhnlichen Menschen der Körper.
[ 14 ] Human beings think in their minds. Although thought exists in the world, human beings cannot see it. They can only think it. Just as you yourself think about the world, and just as a spiritual reflection of the world forms within you, so too does it form within every other person. And this other person is not merely instinct and passion; within them, too, lives this spiritual reflection of the world. This, in turn, can be perceived through the eyes and ears of the spirit for a higher understanding. It is true that the inner training of which I have spoken not only produces the ability to perceive the human soul, but a person can also develop within themselves the ability to see another’s thoughts, to comprehend and perceive their worldview and their entire environment. Then, when a person perceives not only the outer image of this thought but the thought itself—when he is able to open his spiritual ears to the universe— so that he can perceive not only the starry sky through his senses but also that which has given rise to all the sensible world—for which the sensible world is the outward manifestation—then he will truly and genuinely perceive the thoughts, the spirit of the world. The star then appears to him not merely as a star, but the star speaks to him. Stones—rock crystal, for example—appear to him not only as clear as water, but they also reveal their essence to him, and it is possible that through such deepening as has been suggested, a person may encounter every single thing in an entirely new way, so that the things around him speak resoundingly, tell him their innermost name, and reveal their very essence to us. This is what the ancient Pythagoreans meant—those who had undergone such training and who initiated others into this way of hearing the world—when they spoke of the music of the spheres. It was not a mere comparison; it was the direct perception and realization of what is otherwise hidden behind things. This veil of nature shatters before the spiritual ears, and the harmony hidden behind this veil resounds. This is also what Goethe means with his words in the “Prologue in Heaven.” What is written there is not merely a phrase. It would be a phrase if Goethe were speaking of a “resounding sun.” But no, he says: “The sun resounds in the ancient manner with a song of competition in the brotherly spheres, and it completes its prescribed journey with a thunderous roar.” These are the words of the World Spirit resounding from the music of the worlds. Goethe continues this theme later, where he says: “Resounding, the new day is already born for spiritual ears.” When a person develops this ability, the spiritual becomes conscious to them. Then the thought lies before their soul as perceptibly as the body does for the ordinary person.
[ 15 ] Körper, Seele und Geist sind die drei Glieder der menschlichen Wesenheit. Der Mensch ist zunächst ein leibliches, körperliches Wesen. In seinem Inneren lebt und entwickelt sich das seelische Dasein. Und in diesem wiederum spiegelt sich und lebt auf als ein Drittes der Geist der ganzen Welt, soweit ihn der Mensch erfassen kann. Von außen in das Innere und von innen wieder hinaus, das ist der Weg, den der Mensch vom Körper durch die Seele zum Geist macht. Was gibt uns nun überhaupt die Möglichkeit, ein solches seelisches Dasein zu haben? Diese Möglichkeit verdanken wir der Tatsache, daß wir in der Seele leben können. Wir leben in Lust und Leid, in Schmerz und Freude, wenn wir es zunächst auch noch nicht äußerlich wahrnehmen. Wir leben auch in unserem Körper, aber den nehmen wir auch von außen wahr. Es ist ein Unterschied zwischen diesen zwei Gebieten des Daseins. In der geisteswissenschaftlichen Weltanschauung nennt man dasjenige, was man so um sich herum hat, wie man zunächst das äußere Körperliche um sich herum hat: Dasein völliger Bewußtheit. Unser Bewußtsein verbindet sich zunächst mit dem körperlichen Dasein. Dieses Bewußtsein lebt so nur auf dem physischen Plan und den physischen Plan nennen wir das, was sich um uns herum für die Sinne ausbreitet. Etwas anderes ist das, was in unserer Seele lebt. Das nennt man Leben, und dieses Leben nennt man ein Dasein auf dem sogenannten astralen Plan. Der physische Plan und der astrale Plan sind die beiden Gebiete, in denen der Mensch lebt. Auf dem physischen Plan ist sich der Mensch bewußt, auf dem astralen Plane lebt er nur. Da bildet er sich die Dinge, die außer ihm sind, noch nicht bewußt. Aber er lebt im Seelischen oder Astralen.
[ 15 ] Body, soul, and spirit are the three components of the human being. Human beings are, first and foremost, physical beings. Within them, the soul lives and develops. And within the soul, in turn, the spirit of the entire world—to the extent that human beings can grasp it—is reflected and comes to life as a third component. From the outside to the inside and from the inside back out again—that is the path that human beings take from the body through the soul to the spirit. What, then, gives us the very possibility of having such a soul life? We owe this possibility to the fact that we can live in the soul. We live in pleasure and suffering, in pain and joy, even if we do not yet perceive this outwardly. We also live in our body, but we perceive it from the outside as well. There is a difference between these two realms of existence. In the spiritual-scientific worldview, what surrounds us—just as the external physical world initially surrounds us—is called “existence of complete consciousness.” Our consciousness is initially connected to physical existence. This consciousness exists only on the physical plane, and by the physical plane we mean what unfolds around us for the senses. Something else exists within our soul. This is called life, and this life is referred to as existence on the so-called astral plane. The physical plane and the astral plane are the two realms in which human beings live. On the physical plane, human beings are conscious; on the astral plane, they merely exist. There, they are not yet consciously aware of the things that exist outside of themselves. But they live in the soul or astral realm.
[ 16 ] Die dritte Art des Daseins ist das geistige Dasein. In ihm leben wir im allgemeinen als gegenwärtige Menschen noch nicht oder höchstens nur teilweise. Indem wir uns aber in den Geist hineinleben, verbindet sich dieser Geist selbst allmählich mit unserer Seele und wir könnten sagen, diese Seele breitet sich über die ganze Umwelt aus, sie wird immer größer und größer. Wenn der Mensch die Außenwelt ergreift, den Sinn und den Geist der Außenwelt erfaßt, dann ist er nicht mehr bloß in seinem Inneren beschlossen, sondern dann schreitet er kühn aus sich selbst heraus und verbindet sich mit den Dingen um ihn her. Vergleichen Sie in dieser Beziehung das Tier mit dem Menschen. Das Tier lebt sozusagen ganz in der Seele. Es schafft sich nicht Begriffe von der Umwelt. Es erweitert seine Seele nicht über das Geistige der Welt. Dies ist auch der Unterschied des Menschen vom Tier. Das Tier lebt und webt sozusagen in seinem Inneren. Der Mensch aber tritt wieder aus seinem Inneren heraus. Wir könnten das auch mit den Worten benennen: Der Mensch entselbstet sich. Seele, Innenleben hat der Mensch immer. Dieses Innenleben ist da. Aber die Entwickelung des Menschen besteht darinnen, daß er dieses Innenleben ausdehnt über seine Umwelt, über dasjenige, was um ihn her ist,über den Geist, daß es ausfließt und ausströmt über die ganze Welt. Wenn das geschieht, dann verbindet sich des Menschen Seele mit dem Ewigen. Dann tritt diese Ehe der Menschenseele mit dem Ewigen, dem Weltengeiste ein. Dann, wenn diese Verbindung des Menschen mit dem ewigen Weltengeist eintritt, verwandelt sich diese ganze Summe von Lust und Leid, diese ganze Welt von Trieben und Begierden und Leidenschaften in unserem Inneren, der ganze Astralkörper des Menschen wird ein anderer. Diejenige Lust, diejenigen Instinkte des Menschen, die ihm gegeben sind, so wie er aus der Hand der Natur hervorgegangen ist, die er mit dem Tiere gemein hat, alles dieses seelische Leben verschwindet und vergeht und gehört als solches dem Vergänglichen an. Versuchen Sie sich einmal zu vergegenwärtigen, was an solchen Instinkten, Leiden und Freuden im Menschen lebt und wie sich dieses Leben abspielt im Menschen. Sie hängen zusammen mit dem Vergänglichen.
[ 16 ] The third form of existence is spiritual existence. As people living in the present, we generally do not yet live in this form—or, at most, only partially. But as we immerse ourselves in the spirit, this spirit itself gradually unites with our soul, and we might say that this soul spreads out over the entire environment, growing ever larger and larger. When a human being grasps the external world, comprehends the meaning and spirit of the external world, then he is no longer merely confined within himself, but boldly steps out of himself and connects with the things around him. Compare, in this regard, the animal with the human being. The animal, so to speak, lives entirely within its soul. It does not form concepts of the environment. It does not extend its soul beyond the spiritual realm of the world. This is also what distinguishes human beings from animals. The animal, so to speak, lives and moves within its own inner world. Human beings, however, step out of their inner world. We could also describe this in the following terms: Human beings step outside of themselves. Human beings always possess a soul and an inner life. This inner life is always present. But human development consists in the fact that they extend this inner life beyond their environment, beyond what surrounds them, beyond the spirit, so that it flows out and radiates throughout the entire world. When this happens, the human soul unites with the Eternal. Then this marriage of the human soul with the Eternal, the World Spirit, takes place. Then, when this union of the human being with the eternal World Spirit occurs, this entire sum of pleasure and suffering, this entire world of drives, desires, and passions within us—the entire astral body of the human being—is transformed. Those pleasures, those instincts of the human being that are given to him just as he emerged from the hand of nature—which he shares with the animal—all of this soul life disappears and fades away and, as such, belongs to the transitory. Try to imagine for a moment what kind of instincts, sufferings, and joys live within a human being and how this life unfolds within them. They are connected to the transitory.
[ 17 ] Nun beginnt der Mensch herauszutreten aus dem Kreise dieses Vergänglichen. Er veredelt seine Triebe und Begierden, seine Leidenschaften, er hört auf, bloß an dem, was an Ort und Zeit gebunden ist, Gefallen und Mißfallen zu finden. Er erhebt sich zu dem, was hinter den Dingen liegt und durch den Schleier des Sinnlichen eben verborgen ist. Das ist etwas Wichtiges, wenn der Mensch anfängt, Freude haben zu können an dem, was nicht bloß sein Auge ihm gibt, sondern auch an dem, was durch die Eindrücke seiner Augen aus der geistigen Welt in seine Seele sich senkt. Das ist ein großer Moment in der menschlichen Entwickelung, wenn der Mensch nicht mehr bloß seinen sinnlichen Instinkten folgt, sondern von übersinnlichen Motiven, von sittlichen Ideen und Begriffen geleitet wird, die nicht von außen, sondern vom Geiste her eindringen. Ebenso wie der Körper von Seele durchsetzt ist, so durchsetzt sich die Seele mit dem Geist. Nehmen Sie den Menschen auf gewissen früheren Entwickelungsstufen, da finden Sie ihn als körperliches Wesen und dieses durchsetzt von der Seele. Während der Mensch als Körper vor Ihnen steht, lebt er in seinen Trieben und Leidenschaften sein Dasein aus. Immer mehr und mehr kommt von dem Übersinnlichen in die Seele hinein. Sie wird durchsetzt mit dem Geistigen. Dieses letztere, also wenn die Seele allmählich durchsetzt wird mit dem Geistigen, hebt die Seele heraus aus Zeit und Raum, und so viel in der Seele über Zeit und Raum Erhabenes ist, so viel ist in ihr Unvergängliches, so viel bleibt von ihr als eine unvergängliche Wirkung ihrer selbst. So sehen Sie, daß ebenso wie die Seele eingebettet ist in einen Körper, der Geist eingebettet ist in die Seele. Und wie die Einbettung der Seele in den Körper uns auf eine urferne Vergangenheit hinweist, in der sie nach und nach miteinander verbunden wurden, so weist die Verbindung der Seele mit dem Geist in die Zukunft der Menschheit hinein. Ganz stufenweise geschieht diese Entwickelung. Sie geschieht zunächst so, daß immer mehr und mehr der Geist die Seele durchsetzt.
[ 17 ] Now human beings begin to step out of the sphere of the transitory. They refine their instincts and desires, their passions; they cease to find pleasure or displeasure solely in what is bound to a particular place and time. He rises to what lies behind things and is hidden by the veil of the sensory world. This is significant when a person begins to find joy not only in what his eyes present to him, but also in what descends into his soul from the spiritual world through the impressions of his eyes. This is a great moment in human development, when a person no longer merely follows his sensory instincts but is guided by supersensory motives, by moral ideas and concepts that penetrate not from the outside but from the spirit. Just as the body is permeated by the soul, so the soul is permeated by the spirit. Consider human beings at certain earlier stages of development; there you will find them as physical beings, and these are permeated by the soul. While the human being stands before you as a body, he lives out his existence through his drives and passions. More and more of the supersensible enters into the soul. It becomes permeated with the spiritual. This latter process—that is, when the soul is gradually permeated by the spiritual—lifts the soul out of time and space; and to the extent that there is something sublime in the soul that transcends time and space, to that extent there is something imperishable within it, and to that extent it remains as an imperishable effect of itself. Thus you see that just as the soul is embedded in a body, so the spirit is embedded in the soul. And just as the soul’s embodiment in the body points to a distant past in which they were gradually united, so the soul’s union with the spirit points toward the future of humanity. This development takes place in stages. It begins with the spirit increasingly permeating the soul.
[ 18 ] Bedenken Sie, wie der Anfang des geistigen Inhalts in der Seele zunächst ist. Denken Sie, Sie haben einen Gegenstand vor sich. Sie sehen ihn an als sinnlichen Gegenstand. Sie drehen sich um: der sinnliche Gegenstand ist nicht mehr vor Ihnen. Aber ein Bild dieses sinnlichen Gegenstandes ist vor Ihnen. Wir nennen das die Vorstellung von dem Gegenstand, in einer gewissen Beziehung die Erinnerung an ihn. Das bleibt in der Seele. Das ist das erste Element, wie der Geist in der Seele Platz greift. Es geschieht in der Form der Erinnerung. Wir könnten nicht irgend etwas von dem Geiste unserer Umwelt in uns aufnehmen, wenn wir nicht imstande wären, auch dann von den Gegenständen noch etwas zu wissen, wenn sie nicht mehr vor uns stehen. In der Erinnerung lebt das erste Element des Geistes in dem Menschen. Und wie es den Gegenständen der Umwelt gegenüber ist, so ist es auch der eigenen Seele gegenüber. Machen wir uns nur einmal klar, welche Rolle die Erinnerung in unserem Seelenleben spielt. Das Tier lebt ganz in der Gegenwart. Natürlich sind die Stufen, die ich angebe, die Grade, die ich mache, extremer ausgesprochen, als sie in Wirklichkeit sind. Auch die Tiere haben eine gewisse geistige Entwickelung durchzumachen, aber man muß im Ausdruck in ein gewisses Extrem verfallen, um die Sache klarzumachen. Was das Tier heute empfindet und erlebt, ist für dasselbe die Hauptsache. Was für die Menschen zunächst die Vergeistigung des ganzen Wesens ausmacht, das ist, daß er über die Gegenwart hinaus zu leben vermag. Indem wir von unserem Geistigen die Erinnerung mit in unsere Gegenwart, in unser Heute heraufnehmen, vergeistigen wir uns immer mehr und mehr; dadurch ergreifen wir den Geist im ersten Element. Ich habe das Geistige vor mir, wenn ich mich an die Erlebnisse von gestern erinnere. Die Erinnerung ist eines der wichtigsten Momente für die Vergeistigung des seelischen Lebens. Nun knüpft die Erinnerung den Faden an das mit dem Außeren zusammenhängende geistig-seelische Dasein an, das sich von der Geburt bis in die Gegenwart zieht. Könnten wir uns nicht an vergangene Tage erinnern, dann hätten wir nur wenig geistigen Inhalt. Es gibt heute noch Völkerschaften, welche eine solche Erinnerung nicht haben. Es gibt noch Völker, welche vergessen, welche Erlebnisse sie in der Kälte machen und daher jeden Abend von neuem sich eine schützende Hülle suchen müssen. Diese Erinnerung aufgenommen und immer mehr und mehr ausgebildet, das ist das, was derjenige sucht, der nach höherer Entwickelung strebt. Hier beginnt die Möglichkeit, über unser vergängliches Dasein, das zwischen Geburt und Tod eingeschlossen ist, hinauszublicken.
[ 18 ] Consider what the beginning of mental content is like in the soul. Imagine you have an object in front of you. You look at it as a sensory object. You turn around: the sensory object is no longer in front of you. But an image of this sensory object remains in front of you. We call this the mental image of the object—in a certain sense, the memory of it. This remains in the soul. This is the first element of how the spirit takes hold in the soul. It occurs in the form of memory. We could not take in anything of the spirit of our environment if we were not able to still know something about objects even when they are no longer before us. In memory, the first element of the spirit lives within the human being. And just as it is with regard to the objects of the environment, so it is with regard to one’s own soul. Let us just once make clear to ourselves what role memory plays in our inner life. The animal lives entirely in the present. Of course, the stages I describe and the distinctions I draw are more extreme than they actually are. Animals, too, must undergo a certain spiritual development, but one must resort to a certain degree of exaggeration in order to make the point clear. What the animal feels and experiences today is the most important thing for it. What initially constitutes the spiritualization of the entire being for human beings is their ability to live beyond the present. By bringing memory from our spiritual realm into our present, into our “today,” we spiritualize ourselves more and more; through this, we grasp the Spirit in its first element. I have the spiritual before me when I recall yesterday’s experiences. Memory is one of the most important factors in the spiritualization of the soul life. Memory now ties the thread to the spiritual-soul existence connected to the external world, which extends from birth to the present. If we could not remember past days, we would have very little spiritual content. There are still peoples today who lack such a memory. There are still peoples who forget the experiences they have in the cold and therefore must seek a protective covering anew every evening. To take up this memory and develop it more and more—that is what the person who strives for higher development seeks. Here begins the possibility of looking beyond our transitory existence, which is confined between birth and death.
[ 19 ] Denken Sie sich, daß Sie es sich zum Prinzip gemacht haben, Sinn und Vernunft in das Leben hineinzubringen durch die Erinnerung, und nicht bloß in der Gegenwart zu leben, sondern immer mehr zu lernen, das ganze Leben wie ein Tableau vor sich zu haben, mit dem Bewußtsein, daß nur aus diesem Ihrem ganzen zeitlichen Wesen herausfließen kann, was Sie vollbringen wollen. Wenn das der Fall ist und wenn das wieder ebenso zur Weckung innerer Kräfte verwendet wird, wie ich das vorhin angedeutet habe, als ich von dem Auflebenlassen der seelischen Inhalte durch die Versenkung sprach, dann können wir den Rückblick immer weitertreiben, ihn gegenständlicher und gegenständlicher zu machen versuchen und bis zu der Geburt zurückführen. Man kann das machen. Es gehört aber unendliche Geduld dazu; wir werden ja von diesen Methoden noch sprechen. Dann erblickt man von der Seele auch dasjenige, was nicht zwischen Geburt und Tod eingeschiossen ist. Dann lernt man das, was innerhalb dieses Lebens zwischen Geburt und Tod vorgeht, anzuknüpfen an anderes. Da lerne ich, durch die ureigenste Betrachtung in der Erinnerung, mein Heute an das Gestern anzuknüpfen und sinnvoll die Wirkung von heute mit der Ursache von gestern zusammenzufügen; da lerne ich, den inneren Faden von Ursache und Wirkung in meiner Seele zu verfolgen. Dann leitet mich dieselbe Kraft, die mich in mein jetziges Leben zurückleitet, über die Geburt hinaus. Weil ich gelernt habe, Ursache und Wirkung in der Seele selbst anzuschauen, dadurch wird zum Erlebnis, was vor der Geburt war, wie der Mensch vor der Geburt gelebt hat. Durch die allmähliche Ausbildung dieses Sinnes erlangt der Mensch Kunde von den vorhergehenden Lebensläufen, und es wird für ihn das Gesetz der Wiederverkörperung oder Reinkarnation eine wahre Tatsache. Durch die Schärfung des Blickes für das Zeitliche in der Innenwelt erlangen wir die seelische Fähigkeit, die Reinkarnation oder Wiederverkörperung für uns zu einer Tatsache zu machen. Was tun wir in diesem Fall? In diesem Falle durchsetzen wir die Seele mit dem, was uns in Zusammenhang bringt mit dem Seelischen. Und da erweitert sich unser Blick im Inneren. Während wir durch das Begreifen der Außenwelt den Geist der Außenwelt erfassen und unsere Seele über die Außenwelt ergießen und verbreiten, verbreiten wir das Bewußtsein über das Seelische selbst, indem wir dann über die Geburt hinauskommen. So erweitert sich unser Blick immer mehr und mehr, und so blicken wir auf von dem, was an Ort und Zeit gebunden ist, zu dem, was in der Zeitenfolge aufeinander folgt. Von da aus bemächtigen wir uns dann des Wesenkernes des Menschen, der unvergänglich und ewig ist.
[ 19 ] Imagine that you have made it a principle to bring meaning and reason into your life through remembrance—not merely to live in the present, but to learn more and more to view your entire life as a tableau before you, with the awareness that only from this—your entire temporal being—can flow what you wish to accomplish. If that is the case, and if this, in turn, is used to awaken inner forces—as I indicated earlier when I spoke of reviving the contents of the soul through contemplation—then we can push the retrospective view ever further, trying to make it more and more concrete, and trace it back to birth. It is possible to do this. But it requires infinite patience; we will, of course, discuss these methods further. Then one also perceives, from the soul, that which did not occur between birth and death. Then one learns to connect what takes place within this life—between birth and death—to other things. There, through my own inner contemplation in memory, I learn to connect my “today” to “yesterday” and to meaningfully link today’s effect with yesterday’s cause; there I learn to trace the inner thread of cause and effect within my soul. Then the very same force that guides me back into my present life leads me beyond birth. Because I have learned to observe cause and effect within the soul itself, what existed before birth—how a person lived before birth—becomes a lived experience. Through the gradual development of this sense, a person gains insight into previous lifetimes, and the law of reincarnation becomes a true reality for them. By sharpening our perception of the temporal aspect within the inner world, we acquire the spiritual capacity to make reincarnation a reality for ourselves. What do we do in this case? In this case, we imbue the soul with that which connects us to the soul-world. And thus our inner vision expands. While we grasp the spirit of the outer world through our understanding of it and pour out and spread our soul over the outer world, we spread awareness of the soul-world itself by transcending the limits of birth. In this way, our perspective expands more and more, and thus we look beyond what is bound to place and time toward what follows one after another in the sequence of time. From there, we then take hold of the core essence of the human being, which is imperishable and eternal.
[ 20 ] Immer mehr und mehr vergeistigt sich der Mensch. Die erste Stufe ist die, wenn er aus des Daseins Lust und Leid herausgeht und für das Übersinnliche Gefühle, so etwas wie Lust und Leid hat. Je weiter er dieses ausbildet, desto mehr bewahrheitet sich für ihn der schöne Satz Platos: Der Körper ist vergänglich, weil er von Vergänglichem sich nährt, der Geist aber ist unvergänglich, weil er von ewiger Nahrung sich nährt. — So ist das Verhältnis von Leib, Seele und Geist. Der Leib vergeht. Was man von dem Menschen sehen kann, wird mit dem Tode der Erde übergeben. Was aber als Lust und Leid im Menschen lebt, das Seelische, ist nicht mit derGeburt entstanden, sondern ist mit etwas verknüpft, was über die Geburt hinausreicht. Es erweitert sich damit das Seelendasein über die Grenzen von Geburt und Tod. Dasjenige aber, was der Mensch in sich aufnimmt, indem er aus seiner Seele wieder herausgeht und mit dem Geiste sich verbindet, das verbindet diese Seele selbst mit den ewigen Quellen des Daseins. Das vergöttlicht die Seele. So wird des Menschen Seele sichtbar außer dem Leib. Soweit sie an den Leib gebunden und mit ihm eins ist, ist sie etwas Vergängliches. Verbindet sich die Seele mit dem Geistigen, so wird sie dadurch mehr und mehr ein Ewiges und Unvergängliches. Damit kommen wir zu dem Punkt, wo wir begreifen, was menschliche Selbsterkenntnis ist, was wahres Erkennen des menschlichen Inneren ist.
[ 20 ] Human beings are becoming more and more spiritual. The first stage is when they move beyond the pleasures and sufferings of existence and develop feelings—something akin to pleasure and suffering—for the supersensible. The more they cultivate this, the more Plato’s beautiful saying rings true for them: The body is transitory because it feeds on the transitory, but the spirit is imperishable because it feeds on eternal nourishment. — Such is the relationship between body, soul, and spirit. The body perishes. What can be seen of a human being is returned to the earth at death. But what lives within a human being as pleasure and suffering—the soul—did not come into being at birth, but is linked to something that extends beyond birth. Thus, the existence of the soul extends beyond the boundaries of birth and death. But that which a human being takes in by stepping out of their soul once more and uniting with the spirit—that is what connects the soul itself to the eternal sources of existence. This deifies the soul. Thus, the human soul becomes visible outside the body. To the extent that it is bound to the body and is one with it, it is something transitory. When the soul unites with the spiritual, it thereby becomes more and more eternal and imperishable. This brings us to the point where we understand what human self-knowledge is, what true knowledge of the human inner being is.
[ 21 ] Zunächst erlebt der Mensch seine Seele in seinem Inneren, indem er Lust und Leid, Freude und Schmerz erlebt. Dann aber gehen dieser Seele die Vorstellungen auf, welche wieder verschwinden. Es lebt da etwas auf, was den bloßen Sinnen verborgen ist. Was da in der Seele auflebt, hat der Mensch zunächst als den bloßen Gedanken in sich. Aber er verbindet im Laufe des Lebens diesen Gedanken mit seiner Seele. Er lernt fühlen und mitempfinden mit dem Geistigen und hat zuletzt das Geistige gern und liebt es, wie er vorher nur das Sinnliche gern und lieb gehabt hat. Die Begierde erstreckt sich schließlich über alles Geistige. Die Selbstsucht wird zu einer selbstlosen Liebe zum Unvergänglichen. In der Selbstsucht wird des Menschen Liebe in der Seele erfaßt. Aber indem wir sie tief im Inneren als Geist erfassen, wird uns klar, daß wir dieses Selbst in der ganzen übrigen Welt finden, daß wir verbunden sind mit der ganzen übrigen Welt und daß, wie wir aus dem Physischen geboren sind, es ebenso wahr ist, daß wir als Geist stündlich aus dem geistigen Universum, der geistig-göttlichen Welt heraus geboren werden. Suchen wir daher unser höheres Selbst, das wie ein Funke in uns vorhanden ist, dann werden wir das Geistige in der ganzen Umwelt sehen. Das ist die große Weisheitserkenntnis, welche die Vedantaphilosophie zusammengefaßt hat in dem Spruch: Tat tvam asi — Das bist du. — Wenn der Mensch seines Geistes sich bewußt ist und seine Entwickelung beginnt im Hinausschreiten in die Welt, dann erweitert sich sein Selbst zu dem Geiste des Universums, zu einem Geistselbst-Dasein, und wir sind dann unserer ureigenen Wesenheit nach überall. Dann wird für uns das, was bloßes Begreifen war, seelisch verwandter Inhalt, und das ist wirkliche Erhebung der Seele zum Geist, Erhebung in wirkliches geistiges Leben.
[ 21 ] At first, a person experiences his soul within himself through pleasure and suffering, joy and pain. But then ideas arise in this soul, only to disappear again. Something comes to life there that is hidden from the mere senses. What comes to life in the soul, a person initially holds within himself as mere thought. But over the course of life, they connect this thought with their soul. They learn to feel and empathize with the spiritual, and ultimately come to cherish and love the spiritual, just as they previously cherished and loved only the sensory. Desire eventually extends to all that is spiritual. Selfishness transforms into selfless love for the imperishable. Selfishness captures a person’s love within the soul. But as we perceive it deeply within ourselves as spirit, it becomes clear to us that we find this self in the entire rest of the world, that we are connected to the entire rest of the world, and that just as we are born of the physical, it is equally true that, as spirit, we are born every moment from the spiritual universe, the spiritual-divine world. If, therefore, we seek our higher Self, which exists within us like a spark, then we will see the spiritual in our entire surroundings. This is the great wisdom that Vedanta philosophy has summarized in the saying: Tat tvam asi — That you are. — When a person becomes conscious of their spirit and begins their development by stepping out into the world, their self expands into the Spirit of the Universe, into a spiritual self-existence, and we are then, by our very nature, everywhere. Then what was merely intellectual understanding becomes, for us, spiritually resonant content, and this is the true elevation of the soul to the spirit—elevation into true spiritual life.
[ 22 ] Es gibt einen Anfang des geistigen Lebens, der ist aber dürr und kalt. Da gibt es nun Menschen, welche nur warm werden, wenn es sich um Seelisches handelt, Menschen, die sich freuen und die leiden, nur wenn es sich um Seelisches, um Schmerz und Lust handelt. Sie sagen, es bleibe das Geistige etwas Odes und Kaltes. Schauen sie hinauf in die Sternenwelt, dann finden sie die Gedanken darüber abstrakt; aber sie sind dürr und kalt in ihrem Verstande. Wenn aber die Seele den Geist ergreift, dann fühlen wir, dann denken wir nicht bloß mit dem Universum, denn dann verwandelt sich die Anschauung durch Vernunft und Verstand in ein seelisches Erfassen des ganzen Universums. Was früher bloß Lust war, wird jetzt Lust am Geistigen, was Liebe war im Seelischen, wird jetzt Liebe zum Geistig-Göttlichen in der Welt. Unser Gefühl, das wir im Inneren verschlossen haben, breitet sich aus über die ganze Welt. Unser Selbst fließt aus, und wir werden Eins mit dem Allgeist. Entselbstet werden wir,und wir finden uns wiederum im Allgeist. Das ist etwas Höheres als das bloße Denken. Im Seelischen hat es der Mensch zur Empfindung gebracht. Im Geistigen fängt er an, den Verstand betätigen zu können. Aber er wird auch dahin kommen, wo er mit der Empfindung den Geist erreichen wird. Dann befindet er sich auf der Stufe zum Göttlichen. Das ist die Leiter, die er zu gehen hat mit eigener Kraft, die Seele mit dem Geist zu verbinden, daß sie eins werden. Das ist wahre Selbstbetrachtung. Wenn wir, wie wir einem Freunde begegnen und Wärme im Herzen empfinden, den göttlichen Geist, der die Welt durchflutet, nicht nur mit dem Verstande begreifen, sondern mit dem Herzen ergreifen, erfühlen und empfinden, dann dringen wir durch den Kopf und seine Weisheit zu dem Herzen und seiner Weisheitsliebe für die ganze Welt vor. So erheben wir uns, indem wir unsere Seele erheben, und so lernen wir nicht bloß unser engherziges Innere kennen, sondern wir erweitern unser Selbst und finden uns draußen in der Welt. Oft und oft wird es betont: Schau nur hinein in dein Inneres, da wirst du den Gottmenschen finden. — Nein, in sich selbst kann man nur das finden, was man in sich hat. Will man mehr in sich finden, so muß man dieses höhere Selbst erst entwickeln, und man entwickelt es, indem man das höhere Selbst ausbreitet über die ganze Welt. Nicht ein müßiges Beschauen seines Inneren meinten diejenigen, welche dem Menschen Selbsterkenntnis angeraten haben. Diese Selbsterkenntnis ist so gemeint, wie wir sie jetzt erfaßt haben, als einen Hinaufstieg von der Seele zum Geist. Dann fühlt der Mensch keinen Unterschied mehr zwischen sich und dem Tier, der Pflanze und dem Stein. Eine allgemeine Weltbruderschaftsempfindung durchzieht sein Herz. Und dann, und nur dann, wenn der Mensch solches im Auge hat, versteht er als letztes Ziel der Entwickelung vom Leiblich-Seelischen zum GeistigSeelischen das schöne Wort des Dichters, der zugleich ein Seher war: «Einem gelang es; er hob den Schleier der Göttin zu Sais. — Aber was sah er? Er sah — Wunder des Wunders — sich selbst!» Und der Geisteswissenschafter fügt hinzu: In diesem Selbst findet er das Göttliche, und das ist eben Theosophie, göttliche Weisheit, das Herz, die Seele so hinaufzuheben zum Geist, daß es gelingt, die Weisheit mit dem Göttlichen zu verbinden und nicht nur Verständnis, sondern Allgemeingefühl für die göttliche Welt zu haben.
[ 22 ] There is a beginning to spiritual life, but it is barren and cold. There are people who are moved only by matters of the soul—people who rejoice and suffer only when it comes to matters of the soul, to pain and pleasure. They say that the spiritual remains something distant and cold. When they look up at the world of the stars, they find their thoughts about it abstract; but they remain barren and cold in their minds. But when the soul embraces the spirit, then we feel—we do not merely think with the universe—for then perception, through reason and understanding, is transformed into a spiritual grasp of the entire universe. What was once merely pleasure now becomes pleasure in the spiritual; what was love in the soul now becomes love for the spiritual-divine in the world. Our feeling, which we had locked away within, spreads out over the entire world. Our self flows out, and we become one with the Universal Spirit. We transcend the self, and we find ourselves once again in the Universal Spirit. This is something higher than mere thinking. In the realm of the soul, human beings have attained feeling. In the spiritual realm, they begin to be able to engage the intellect. But they will also reach the point where, through feeling, they will attain the Spirit. Then they will find themselves on the path to the Divine. This is the ladder they must climb through their own efforts to unite the soul with the Spirit, so that they may become one. This is true self-reflection. When we meet a friend and feel warmth in our hearts—not merely comprehending the divine Spirit that permeates the world with our intellect, but grasping, sensing, and feeling it with our hearts—then we advance through the mind and its wisdom toward the heart and its wisdom-love for the entire world. In this way we elevate ourselves by elevating our soul, and in this way we not only come to know our narrow-minded inner self, but we expand our self and find ourselves out in the world. It is often, often emphasized: Just look within yourself, and there you will find the God-man. — No, within oneself one can find only what one already possesses. If one wishes to find more within oneself, one must first develop this higher self, and one develops it by extending the higher self throughout the entire world. Those who have advised people to seek self-knowledge did not mean a idle contemplation of one’s inner self. This self-knowledge is meant as we have now understood it—as an ascent from the soul to the spirit. Then a person no longer feels any difference between themselves and an animal, a plant, or a stone. A universal sense of world brotherhood fills their heart. And then, and only then, when a person keeps this in mind, does he understand—as the ultimate goal of the development from the physical-soul to the spiritual-soul—the beautiful words of the poet, who was also a seer: “One succeeded; he lifted the veil of the goddess at Sais. — But what did he see? He saw—miracle of miracles—himself!” And the theosophist adds: In this self, he finds the Divine, and that is precisely theosophy—divine wisdom—the act of lifting the heart and soul up to the Spirit in such a way that one succeeds in uniting wisdom with the Divine and possesses not merely understanding but a universal sense of the divine world.
