World-Riddles and Theosophy
GA 54
16 November 1905, Berlin
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World-Riddles and Theosophy, tr. SOL
7. Der Weisheitskern in den Religionen
7. The Core of Wisdom in Religions
[ 1 ] Wenn heute jemand ein populäres Buch, sagen wir über Astronomie, liest, dann wohl zunächst aus dem Grunde, um sich über die geheimnisvollen Tatsachen des Weltalls zu unterrichten. Er findet seine Befriedigung wohl dann in einem solchen Buche, wenn die Dinge, die ihm mitgeteilt werden, seinem Verstande, seiner Empfindung und seinem Gefühle einleuchten. Er versucht wohl auch, da wo man sich überzeugen kann, wie man zu solchen Wahrheiten, zu solchen Erkenntnissen kommt, in populären Vorträgen, in denen experimentiert wird, oder auf zugänglichen Sternwarten, Laboratorien und so weiter, soweit es geht einzudringen in die Dinge, die ihm da mitgeteilt werden. Jedenfalls bleibt aber dabei noch eines bestehen. Der Mensch, der solches liest, muß dabei voraussetzen, daß es noch andere Menschen gibt, welche mit ganz besonderen Forschungsmethoden, durch ganz besondere wissenschaftliche und technische Schulung zu diesen Fähigkeiten gekommen sind, die in unseren populären Büchern mitgeteilt werden.
[ 1 ] When someone today reads a popular book—say, about astronomy—it is probably primarily to learn about the mysteries of the universe. They will likely find satisfaction in such a book when the information presented makes sense to their intellect, their intuition, and their emotions. They will likely also try, wherever it is possible to see for themselves how such truths and insights are arrived at—in popular lectures that include experiments, or at accessible observatories, laboratories, and so on—to delve as deeply as possible into the concepts being presented to them. In any case, however, one thing remains. The person reading such works must assume that there are other people who, through very specific research methods and very specialized scientific and technical training, have acquired the abilities described in our popular books.
[ 2 ] Wer Haeckels «Natürliche Schöpfungsgeschichte» liest, der kann sich vielleicht sagen: Ja, das leuchtet meinem Verstande, meiner Vernunft, meiner Empfindung ein. — Aber er wird auch gewahr, daß viel, sehr viel dazugehört, diese Tatsachen erst festzustellen. Und er setzt dann vielleicht voraus, daß es eine kleine Gruppe von Menschen gibt, welche sich mit der Feststellung solcher Tatsachen beschäftigt. In ganz ähnlicher Weise verhält sich wohl ein großer Teil der Menschheit gegenüber andern Schriften, welche Tatsachen aus einem andern Gebiete an den Menschen heranbringen wollen, nämlich gegenüber den sogenannten Religionsschriften. Im Grunde genommen ist es kein anderes Verhältnis als dasjenige, welches ich soeben geschildert habe. Auch gegenüber den Religionsschriften frägt sich der Mensch zunächst: Spricht das überzeugend zu meiner Empfindung, meinen Gefühlen und meiner Vernunft? — Auch hier setzt er oder setzte er in den abgelaufenen Zeiten wenigstens immer voraus — und es gibt heute noch zahlreiche Religionsbekenntnisse, in denen ein gleiches der Fall ist —, daß es ebenso wie für äußere, sinnliche Tatsachen, die wir etwa kennenlernen aus der «Natürlichen Schöpfungsgeschichte» von Haeckel oder aus populären Darstellungen der Astronomie, es auch für diese religiösen Wahrheiten einen kleinen Kreis von Menschen gibt, welche die Methoden kennen, den Schlüssel dazu haben, diese Tatsachen festzustellen. So setzte also der Mensch den Religionsurkunden gegenüber auch voraus, daß es einzelne gibt, welche imstande sind, diese Wahrheiten nicht nur zu lesen, sondern auch festzustellen; daß es einzelne Menschen gibt, die den Schlüssel dazu haben und die Methoden kennen, wie man sich unmittelbar von ihnen überzeugen kann. Kurz, es muß den religiösen Schriften gegenüber, wie jeder andern Darstellung von Tatsachen, die Voraussetzung gemacht werden, daß sie aus einem Wissen, einer unmittelbaren Erfahrung stammen.
[ 2 ] Anyone who reads Haeckel’s *Natural History of Creation* might say to themselves: Yes, this makes sense to my mind, my reason, and my intuition. — But they will also realize that a great deal—a very great deal—is required just to establish these facts. And they may then assume that there is a small group of people who are engaged in establishing such facts. In much the same way, a large part of humanity probably relates to other writings that seek to present facts from a different realm to people—namely, the so-called religious scriptures. Essentially, this attitude is no different from the one I have just described. Even when faced with religious texts, people first ask themselves: Does this speak convincingly to my sensibilities, my feelings, and my reason? — Here, too, they assume—or at least always assumed in times past—and there are still numerous religious creeds today in which the same is true —that just as with external, sensory facts—which we learn, for example, from Haeckel’s *Natural History of Creation* or from popular accounts of astronomy—there is also, for these religious truths, a small circle of people who know the methods and possess the key to ascertaining these facts. Thus, when it came to religious texts, people also assumed that there are individuals who are capable not only of reading these truths but also of verifying them; that there are individuals who possess the key to them and know the methods by which one can be directly convinced of their truth. In short, just as with any other account of facts, the religious scriptures must be regarded as stemming from knowledge and direct experience.
[ 3 ] Gegenüber den Schriften, die von den sinnlichen Tatsachen handeln, setzt der Mensch voraus, daß es einzelne Leute gibt, welche mit Fernrohren, Mikroskopen, mit biologischen und andern Untersuchungsmethoden diese Tatsachen feststellen. Gegenüber den Mitteilungen, die in den Religionsurkunden enthalten sind, müssen wir auch voraussetzen, daß es Menschen gibt, welche die Methoden kennen, um durch Erfahrung in das Gebiet einzudringen, das in den religiösen Schriften berührt wird. Ebenso wie in der «Natürlichen Schöpfungsgeschichte» das Gebiet der sinnlichen Tatsachen und in den populären Vorträgen das Gebiet und die Tatsachen der Astronomie anschaubar behandelt wird, so wird in den Religionsschriften das Gebiet des Übersinnlichen, des Unsichtbaren, des Geistigen behandelt. Und wenn wir dasselbe Vertrauen, denselben Glauben als Nichtselbstforscher den Religionsschriften entgegenbringen sollen, so müssen wir ebenso voraussetzen, daß es einzelne Personen, einzelne Individualitäten in der Welt gibt, die es sich zur besonderen Aufgabe machen, Erfahrungen zu sammeln in der Welt des Übersinnlichen, des Unsichtbaren, in der Welt dessen, was als geistige Ursachen der sinnlichen Welt zugrunde liegt. Kein anderes Verhalten kann der Mensch gegenüber der Darstellung einer natürlichen Schöpfungsgeschichte und der Darstellung einer übersinnlichen Schöpfungsgeschichte haben. Nicht das Verhalten der Menschen zu diesen Dingen ist verschieden, verschieden sind lediglich die Gebiete, von denen die betreffenden Schriften erzählen. Damit ist gesagt, daß es Wissende geben muß, welche die Tatsachen, die in den Religionsschriften mitgeteilt sind, feststellen können. Allerdings, bis zu einem gewissen Grade ist gegenüber den Religionsurkunden gerade in unserer Zeit dieses Bewußtsein verlorengegangen. Und ebenso wie es wenig Sinn hätte, wenn jemand nicht voraussetzen könnte, daß hinter den populären wissenschaftlichen Darstellungen Forscher stehen, ebenso hätte es im Grunde genommen nicht viel Sinn, wenn wir nicht voraussetzen könnten, daß hinter den Aussagen der Religionsschriften Forscher stehen. Heute wiederum das Bewußtsein zu erneuern, zu beleben, daß es auch im Übersinnlichen eine Forschung gibt, das ist die Aufgabe der Theosophie oder Geisteswissenschaft. Nichts anderes will die Geistesforschung, als in den weitesten Kreisen wiederum das Bewußtsein hervorrufen, daß es so ist, wie ich es jetzt gesagt habe.
[ 3 ] When it comes to writings that deal with sensory facts, people assume that there are individuals who verify these facts using telescopes, microscopes, and biological and other methods of investigation. With regard to the accounts contained in religious texts, we must also assume that there are people who know the methods for gaining access, through experience, to the realm addressed in those religious writings. Just as the “Natural History of Creation” deals with the realm of sensory facts in a concrete manner, and popular lectures deal with the realm and facts of astronomy, so too do religious texts deal with the realm of the supersensible, the invisible, and the spiritual. And if we, as non-self-explorers, are to place the same trust and faith in the religious scriptures, we must likewise assume that there are individual persons, individual personalities in the world, who have made it their special task to gather experiences in the world of the supersensible, the invisible—in the world of that which underlies the sensory world as spiritual causes. Human beings cannot adopt any other attitude toward the account of a natural creation story than toward the account of a supernatural creation story. It is not people’s attitudes toward these matters that differ; what differs are merely the realms of which the respective scriptures speak. This means that there must be those with knowledge who can verify the facts communicated in the religious scriptures. Admittedly, to a certain extent, this awareness has been lost with regard to religious texts, especially in our time. And just as it would make little sense if one could not assume that researchers stand behind popular scientific accounts, so too, fundamentally speaking, it would make little sense if we could not assume that researchers stand behind the statements in religious texts. To renew and revive the awareness today that research also exists in the supersensible realm—that is the task of theosophy or spiritual science. Spiritual research seeks nothing other than to reawaken, in the widest possible circles, the awareness that it is just as I have now described.
[ 4 ] Oftmals übersetze man das Wort Theosophie im Deutschen dadurch, daß man sagt, die Theosophie sei eine Erkenntnis, eine Weisheit von Gott. Dies ist keine richtige Übersetzung, wenigstens gibt sie nicht wieder, was die Theosophie will. Gotteserkenntnis ist etwas, was zunächst auch dem Theosophen wie eine Ahnung vorschwebt, wie etwas, was das letzte Ziel aller Erkenntnis bedeutet. Und so wenig wir heute schon alle Erkenntnismittel und Erkenntnisfähigkeiten zum Bewußtsein gebracht haben, ebensowenig dürfen wir sagen, daß wir heute eine umfassende oder abschließende Erkenntnis des göttlichen Urgrundes der Welt haben können.
[ 4 ] In German, the word “theosophy” is often translated to mean that theosophy is a form of knowledge or wisdom about God. This is not an accurate translation; at the very least, it does not convey what theosophy actually aims to achieve. Knowledge of God is something that initially seems to the theosophist like a vague intuition—something that represents the ultimate goal of all knowledge. And just as we have not yet brought all means and capacities of knowledge to consciousness, so too we cannot say that we can have a comprehensive or definitive understanding of the divine source of the world today.
[ 5 ] Die Menschheit wird sich weiterentwickeln, wird weiterschreiten, auch in ihren Erkenntnisfähigkeiten. Von dem, was der Mensch auf diesem Wege noch wird erreichen können an Einblick in die geheimnisvollen Welten des Daseins, können sich vielleicht heute noch nicht einmal die Fortgeschrittensten einen Begriff machen. Wir müssen uns durchaus klarmachen, daß europäische Kulturmenschen einen ganz andern Begriff von der Gottheit haben als zum Beispiel die sogenannten Wilden Afrikas oder die Barbaren, welche im Beginne des Mittelalters im Römischen Reiche von Norden her eindrangen. Wir müssen voraussetzen, daß ein gewöhnlicher Gebildeter unter uns auch einen andern Begriff hat von dem göttlichen Wesen, als ihn Goethe hatte. So können wir uns auch vorstellen, daß der Mensch immer weiter und weiter schreitet, daß in der Zukunft Fähigkeiten in dem Menschen ausgebildet sein werden, gegen welche die intuitive und imaginative Kraft Goethes noch etwas sehr Unentwickeltes ist. Da können wir eine Ahnung davon haben, um wieviel erhabener und großartiger der Gottesbegriff jener Menschen sein wird als unser eigener. Wir können sagen, daß wir in ihm leben, weben und sind, daß aber die Erkenntnis von ihm niemals abgeschlossen sein kann. Also das meint die Theosophie nicht, daß sie eine Erkenntnis von Gott sein will. Theosophie heißt nämlich diejenige Erkenntnis, die sich die tiefere, innerste Wesenheit des Menschen erwirbt, im Gegensatz zu der gewöhnlichen, alltäglichen Erkenntnis, die sich die äußere, sinnliche, vergängliche Natur des Menschen erwirbt.
[ 5 ] Humanity will continue to evolve and progress, including in its cognitive abilities. Even the most advanced among us today may not yet be able to conceive of the insights into the mysterious worlds of existence that humanity will eventually be able to attain along this path. We must make it absolutely clear to ourselves that educated Europeans have a completely different conception of the divine than, for example, the so-called “savages” of Africa or the barbarians who invaded the Roman Empire from the north at the beginning of the Middle Ages. We must assume that an ordinary educated person among us also has a different conception of the divine nature than Goethe did. Thus, we can also imagine that humanity will continue to advance further and further, and that in the future, human beings will develop faculties in comparison to which Goethe’s intuitive and imaginative powers will seem quite underdeveloped. We can have a sense of just how much more sublime and magnificent those people’s concept of God will be than our own. We can say that we live, move, and have our being in Him, but that our knowledge of Him can never be complete. Thus, Theosophy does not mean to claim that it is a knowledge of God. For Theosophy refers to the knowledge acquired by the deeper, innermost essence of the human being, in contrast to the ordinary, everyday knowledge acquired by the outer, sensory, transitory nature of the human being.
[ 6 ] Machen wir uns einmal klar: Wir sehen um uns herum Farben, Licht, wir hören Töne, riechen Gerüche, schmecken Geschmäcke, greifen Gegenstände, fühlen Wärme und Kälte und so weiter, alles das durch unsere äußeren Sinnesorgane. Und wir können uns vorstellen, daß für denjenigen, der kein Ohr hat, keine tönende Welt, sondern eine stumme Welt ringsherum ist, für denjenigen, der kein Auge hat,keine leuchtende, keine farbenprächtige Welt, sondern eine finstere. Alles dies ist nur eine Zusammenfassung dessen, was der Mensch mit Sinnen wahrnehmen kann. Aber die Sinne bestehen aus stofflichen Kräften, die der Erde wieder übergeben werden. Und was wir durch sie wahrnehmen, ist auch ein Vergängliches. Wir haben damit den vergänglichen Menschen uns vor Augen geführt. Der Physiker zeigt uns, daß eine Zeit kommen wird, in welcher die Erde zerstoben sein wird in unzählige Atome, in welcher sie nicht mehr da sein wird. Dann werden auch alle die Farben, Lichter, Töne, die Formen von Mineralien, Pflanzen und Tieren nicht mehr in der heutigen Form da sein, ja die Menschenform selbst wird nicht mehr vorhanden sein.
[ 6 ] Let’s be clear about this: We see colors and light all around us; we hear sounds, smell odors, taste flavors, touch objects, feel warmth and cold, and so on—all of this through our external sense organs. And we can imagine that for someone who has no ears, there is no world of sound around them, but a silent world; for someone who has no eyes, there is no luminous, no colorful world, but a dark one. All of this is merely a summary of what human beings can perceive with their senses. But the senses consist of material forces that will be returned to the earth. And what we perceive through them is also transitory. We have thus brought the transitory nature of human beings before our eyes. The physicist shows us that a time will come when the Earth will have disintegrated into countless atoms, when it will no longer exist. Then all the colors, lights, sounds, and forms of minerals, plants, and animals will no longer exist in their present form; indeed, the human form itself will no longer exist.
[ 7 ] Damit haben wir also den Umkreis des Vergänglichen im Menschen charakterisiert. Was dieser vergängliche Mensch erkennt, ist Alltagswissenschaft, ist solche Wissenschaft, wie sie unsere offizielle Wissenschaft verfolgt. Damit soll nichts gegen diese offizielle Wissenschaft gesagt sein. Diese ganze Wissenschaft ist aber nichts anderes als eine Beschäftigung mit den Dingen der Vergänglichkeit. Es gibt aber noch eine andere Möglichkeit, die Welt zu betrachten, nämlich durch diejenigen Fähigkeiten im Menschen, die selbst unvergänglich sind. Die menschliche Wesenheit trägt einen unvergänglichen Kern in sich. Und diesen unvergänglichen Kern, den wir in uns durch Selbstschau, durch eigene Betrachtung finden, wird der Mensch hinaustragen zu einem neuen Dasein in den Zeiten, in denen die Erde zerstoben sein wird. Er wird diesen unvergänglichen Kern in andere Welten hinaustragen, und was er erkannt hat, wird er als die Frucht dieses Erdenlebens in eine andere Welt hinaustragen. Was so erkannt wird durch den göttlichen Wesenskern, ist der Inhalt der Geisteswissenschaft. Nicht eine Erkenntnis anderer Dinge ist die Theosophie, sondern eine Erkenntnis anderer Art, eine Erkenntnis des andern Gliedes der menschlichen Wesenheit. Die Theosophie oder Geisteswissenschaft kommt daher nicht von solchen Menschen, welche mit dem gewöhnlichen Verstand, mit den gewöhnlichen Sinnen sich erheben wollen zu einer Betrachtung des Geistigen von dem Sinnlichen aus, sondern von solchen, welche die im Menschen schlummernden Fähigkeiten erweckt haben und dadurch imstande sind, das Übersinnliche, das Unvergängliche zu erforschen. Die gewöhnliche Wissenschaft betrachtet Pflanze, Tier und Mensch nach den gewöhnlichen Eigenschaften, wie sie sich den Sinnen darbieten. Auch die Geistesforschung betrachtet nur dasjenige, was uns in der Welt umgibt. Aber sie betrachtet es durch andere Kräfte und andere Fähigkeiten und lernt daher an den Dingen ihre ewigen und unvergänglichen Eigenschaften kennen. Das ist Theosophie. Und solche Forscher, welche in sich solche Fähigkeiten erweckt haben, das sind diejenigen, welche imstande sind, die übersinnlichen Tatsachen, die uns in den Religionsbekenntnissen mitgeteilt werden, selbst festzustellen. So wie die Naturforscher im Laboratorium und auf der Sternwarte durch die Kraft der Sinne und durch die Instrumente feststellen, was in den populären Büchern dann zu lesen ist, so stellen die Forscher des Übersinnlichen durch ihre eigene Erfahrung dasjenige fest, was in den Religionsurkunden der verschiedenen Zeiten der Menschheit mitgeteilt worden ist. In demselben Sinne, wie wir von den wissenschaftlichen Laboratorien und astronomischen Sternwarten als Forschungsstätten sprechen, in demselben Sinne sprechen wir von geistigen Forschungsstätten. Diese geistige Forschungsstätte nennen wir — auf den Ausdruck kommt es nicht an — die Loge der Meister der Weisheit. Weil alle Weisheit zuletzt auf einem gemeinsamen Ursprung, auf einem gemeinsamen Urgrund beruhen muß, weil alle diejenigen, welche in geistiger Beziehung zu diesen Lehrern stehen, von jener Weisheit durchstrahlt und durchflutet werden, so gehen auch alle Forschungen zurück auf den geistigen Urquell, auf die große Bruderschaft der vorgeschrittensten Weisen, welche dasjenige, was in jenen religiösen Urkunden verkündigt wird, aus eigener Anschauung durch die Mittel der Geistesforschung erkannt haben. Nennen Sie das, was aller Religion zugrunde liegt, «das geistige Laboratorium der Menschheit», nennen Sie es «die große weiße Loge», das bleibt sich gleich. Wir wissen jetzt, was damit gemeint ist. Wie jedes populäre Buch zurückgeht auf das, was irgendwo wirklich erforscht worden ist, so geht jede der großen Religionen zurück auf dasjenige, was im geistigen Sinne in diesem Laboratorium der weißen Bruderschaft der Menschheit erforscht worden ist. Und diejenigen, welche die Religionen begründet haben, waren nichts anderes als große, hervorragende Individualitäten, welche den Unterricht und die Unterweisung jener Bruderschaft in diesem großen geistigen Laboratorium genossen haben, eingeführt worden sind in das geistige Leben, das allen Erscheinungen zugrunde liegt, und von da hinausgesandt wurden zu den verschiedenen Völkern, um zu einem jeglichen Volke in seiner Sprache und in seiner Art zu sprechen. Ein einheitlicher Erkenntnisgrund, eine Urwahrheit wird in jenem geistigen Laboratorium gelehrt, und es ist möglich, daß jene, die sich durch innere Entwickelung hinaufranken, die Methoden der Forschung selbst erkennen lernen und sie so handhaben können wie Haeckel und andere Naturforscher die sinnlichen Methoden, Es ist möglich, daß diese den Zugang zu den Forschern des geistigen Laboratoriums finden und erfahren, von welcher Zentralstätte die großen Weisen, die hinausgezogen sind nach Süden und Westen und der Menschheit die großen Botschaften gebracht haben, hergekommen sind, es ist möglich, daß sie den Weg zu jenen finden, von denen sie lernen können, wie das alles zustande gekommen ist.
[ 7 ] We have thus characterized the scope of the transitory in human beings. What this transitory human being perceives is everyday science—the kind of science pursued by our official science. This is not meant to be a criticism of this official science. However, this entire field of science is nothing other than an engagement with the things of transience. There is, however, another way to view the world, namely through those faculties within the human being that are themselves imperishable. The human being carries an imperishable core within itself. And this imperishable core, which we find within ourselves through self-observation and introspection, the human being will carry forth into a new existence in the times when the Earth will have disintegrated. Humanity will carry this imperishable core into other worlds, and what it has come to know, it will carry into another world as the fruit of this earthly life. What is thus recognized through the divine core of the being is the content of spiritual science. Theosophy is not a knowledge of other things, but a knowledge of a different kind—a knowledge of the other aspect of the human being. Theosophy, or spiritual science, therefore does not come from those who, using their ordinary intellect and ordinary senses, seek to rise to a contemplation of the spiritual from the physical, but from those who have awakened the dormant faculties within the human being and are thereby able to explore the supersensible and the imperishable. Ordinary science considers plants, animals, and humans according to their ordinary characteristics, as they present themselves to the senses. Spiritual research, too, considers only that which surrounds us in the world. But it observes them through different powers and abilities and thereby comes to know their eternal and imperishable qualities. This is theosophy. And those researchers who have awakened such abilities within themselves are the ones capable of verifying for themselves the supersensible facts communicated to us in religious teachings. Just as natural scientists in the laboratory and at the observatory use the power of the senses and instruments to determine what is then recorded in popular books, so too do researchers of the supersensible, through their own experience, verify what has been communicated in the religious texts of the various eras of humanity. In the same sense that we speak of scientific laboratories and astronomical observatories as centers of research, in the same sense we speak of spiritual centers of research. We call this spiritual research center—the exact term is not important—the Lodge of the Masters of Wisdom. Because all wisdom must ultimately be based on a common origin, on a common source, and because all those who are spiritually connected to these teachers are permeated and filled with that wisdom, all research likewise traces back to the spiritual source, to the Great Brotherhood of the most advanced sages, who have recognized through their own direct perception—by means of spiritual research—that which is proclaimed in those religious texts. Call what underlies all religion “the spiritual laboratory of humanity,” call it “the Great White Lodge”—it amounts to the same thing. We now know what is meant by this. Just as every popular book traces its origins to what has actually been researched somewhere, so too does each of the great religions trace its origins to what has been researched in a spiritual sense in this laboratory of the White Brotherhood of Humanity. And those who founded the religions were nothing other than great, outstanding individuals who received the instruction and guidance of that Brotherhood in this great spiritual laboratory, were initiated into the spiritual life that underlies all phenomena, and were sent out from there to the various peoples to speak to each people in its own language and manner. A unified foundation of knowledge, a primordial truth, is taught in that spiritual laboratory, and it is possible that those who ascend through inner development may come to recognize the methods of research for themselves and apply them just as Haeckel and other natural scientists apply the sensory methods, It is possible that they will find their way to the researchers of the spiritual laboratory and learn from which central source the great sages—who journeyed out to the south and west and brought the great messages to humanity—originated; it is possible that they will find their way to those from whom they can learn how all of this came about.
[ 8 ] Die uralten Religionslehrer sind von derselben Stätte ausgesandt worden, die großen Religionsstifter, die im uralten Indien die ersten Botschaften gebracht haben, deren Nachhall die europäischen Forscher so bewundert haben, als sie der Weisheit, die im alten Brahmanentum liegt, entgegentraten. Dieselbe Weisheitsstätte hat ausgesandt die verschiedenen Buddhas, welche den einzelnen Mitgliedern der asiatischen Religionen ihre Botschaften gebracht haben, sie hat ausgesandt den ägyptischen Hermes, der jene wunderbare Religion gegründet hat, von der einer zu Solon gesagt hat: Was ihr wisset, ist wie das Wissen von Kindern gegenüber der Weisheit unserer Eingeweihten. — Hervorgegangen ist aus ihr Pythagoras, der große Lehrer des griechischen Volkes, hervorgegangen auch derjenige, der in die Zukunft hineinleuchtet, dessen Religionsbekenntnis immer breiter und geistiger wird, der Jesus selber. Da haben wir den Zusammenhang, wie er sich geistig darstellt, und sehen, wie die verschiedenen Religionen zurückweisen auf die Zentralstätte, wo höchste menschliche Weisheit gepflegt wird. Wer die verschiedenen Religionen betrachtet, wird sich überzeugen können, daß ihre Eigenschaften selbst hinweisen auf eine solche Zentralstätte. Daß sich Ahnlichkeiten in den verschiedenen Religionsbekenntnissen finden, ist oft auch von unseren materialistischen Kulturforschern erkannt worden. Der Zarathustrismus, das alte Indertum, der Buddhismus, ja selbst die Religion, die im alten Amerika gelebt hat, sie enthalten alle Bestandteile, in denen wunderbare Übereinstimmung besteht. Man hat aber geglaubt, daß diese Übereinstimmung aus äußeren Gründen komme. Man ist nicht tief genug eingedrungen, weil man den Schlüssel dazu einigermaßen verloren hatte. Wer sich aber wirklich einläßt auf das, was als Wahrheitskern den Religionen zugrunde liegt, der wird aus den Religionsbekenntnissen selbst die Überzeugung gewinnen können, daß die Übereinstimmungen nicht aus dem Außeren stammen können, sondern daß sie aus einem gemeinsamen Weisheitskern hervorgehen, und daß sie nur aus Rücksicht auf einzelne Völker und die verschiedenen Zeiten verschieden ausgestaltet worden sind.
[ 8 ] The ancient religious teachers were sent forth from the same source as the great founders of religions who brought the first messages to ancient India—messages whose echoes so impressed European scholars when they encountered the wisdom inherent in ancient Brahmanism. This same source of wisdom sent forth the various Buddhas, who brought their messages to the individual followers of the Asian religions; it sent forth the Egyptian Hermes, who founded that marvelous religion of which someone once said to Solon: “What you know is like the knowledge of children compared to the wisdom of our initiates.” — From it emerged Pythagoras, the great teacher of the Greek people; from it also emerged the one who shines into the future, whose religious creed is becoming ever broader and more spiritual—Jesus himself. Here we have the connection as it presents itself spiritually, and we see how the various religions point back to the central sanctuary where the highest human wisdom is cultivated. Anyone who examines the various religions will be able to see for themselves that their very characteristics point to such a central sanctuary. The fact that similarities can be found in the various religious creeds has often been recognized even by our materialistic cultural researchers. Zoroastrianism, ancient Indian religion, Buddhism, and even the religion that flourished in ancient America—all contain elements in which there is a remarkable degree of agreement. However, it has been believed that this agreement stems from external causes. People have not delved deeply enough because they had, to some extent, lost the key to understanding it. But anyone who truly engages with what lies at the core of these religions as the essence of truth will be able to gain the conviction from the religious creeds themselves that these correspondences cannot stem from external factors, but rather that they arise from a common core of wisdom, and that they have been shaped differently only out of consideration for individual peoples and different eras.
[ 9 ] Wenn wir nach Asien hinüberblicken, finden wir zunächst noch die vorhandenen Reste einer uralten Religion, wie sie eigentlich in unserem heutigen Sinn gar nicht mehr als Religion aufgefaßt werden kann. Wir finden diese Religion in der merkwürdigen Kultur des Chinesentums. Ich spreche nicht von der Religion des Konfuzius, nicht von derjenigen, welche als Buddhismus in Indien und China Verbreitung gefunden hat, sondern ich möchte sprechen von den Überresten der uralten chinesischen Religion, der Tao-Religion. Das ist die Religion, welche den Menschen auf Tao verweist. Tao wird übersetzt als das Ziel oder der Weg. Aber man bekommt keine klare Vorstellung von dem Wesen dieser Religion, wenn man sich einfach an diese Übersetzung hält. Das Tao drückt aus und drückte schon vor Jahrtausenden für einen großen Teil der Menschheit das Höchste aus, zu dem die Menschen aufsehen konnten, von dem sie sich dachten, daß die Welt, die ganze Menschheit einmal hinkommen werde, das Höchste, was der Mensch keimhaft in sich trägt und was einst als reife Blume aus der innersten menschlichen Natur sich entwickeln wird. Ein tiefer, verborgener Seelengrund und eine erhabene Zukunft zugleich bedeutet Tao. Mit scheuer Ehrfurcht wird nicht nur Tao ausgesprochen, sondern wird auch an Tao gedacht von dem, der weiß, um was es sich dabei handelt. Die Tao-Religion beruht auf dem Prinzip der Entwickelung, und sie sagt: Was heute um mich ist, ist ein Stadium, das überwunden werden wird. Ich muß mir klar darüber sein, daß diese Entwickelung, in der ich mich befinde, ein Ziel hat, daß ich mich hinentwickeln werde zu einem erhabenen Ziel und daß in mir eine Kraft lebt, die mich anspornt, zu dem großen Ziele Tao zu kommen. Fühle ich diese große Kraft in mir und fühle ich, daß mit mir alle Wesen zu diesem Ziele hinsteuern, dann ist mir diese Kraft die Steuerkraft, die mir aus dem Winde entgegenbläst, aus dem Stein entgegentönt, aus dem Blitz entgegenleuchtet, aus dem Donner entgegentönt, die mir ihr Licht von der Sonne zusendet. In der Pflanze erscheint sie als Wachstumskraft, im Tier als Empfindung und Wahrnehmung. Sie ist die Kraft, die Form nach Form bis zu jenem erhabenen Ziele immer und immer hervorbringen wird, durch die ich mich eins weiß mit der ganzen Natur, die aus mir mit jedem Atemzuge aus- und einströmt, die das Symbol des höchsten sich entwickelnden Geistes ist, die ich als Leben empfinde. Diese Kraft empfinde ich als Tao. — Es wurde in dieser Religion zunächst von einem jenseitigen Gotte gar nicht gesprochen, es wurde nicht von etwas gesprochen, was außerhalb der Welt ist, sondern von etwas, wodurch man Kraft finden kann zum Fortschritte der Menschheit.
[ 9 ] When we look toward Asia, we first encounter the remaining vestiges of an ancient religion—one that, strictly speaking, can no longer be regarded as a religion in the modern sense. We find this religion in the remarkable culture of the Chinese. I am not speaking of the religion of Confucius, nor of the one that spread as Buddhism in India and China, but rather I wish to speak of the remnants of the ancient Chinese religion, the Taoist religion. This is the religion that points people toward the Tao. Tao is translated as “the goal” or “the way.” But one cannot gain a clear understanding of the essence of this religion by simply relying on this translation. The Tao expresses—and has expressed for millennia to a large part of humanity—the highest ideal to which people could look up, the ideal they believed the world and all of humanity would one day attain: the highest that lies dormant within every human being and will one day blossom as a mature flower from the innermost core of human nature. The Tao signifies both a deep, hidden wellspring of the soul and a sublime future. The Tao is not only spoken of with reverent awe, but is also contemplated with such reverence by those who understand its true nature. The Taoist religion is based on the principle of development, and it teaches: What surrounds me today is a stage that will be transcended. I must be clear that this evolution in which I find myself has a goal, that I will evolve toward a sublime goal, and that a power lives within me that spurs me on to reach the great goal of Tao. If I feel this great power within me and sense that all beings are moving toward this goal together with me, then this power is for me the guiding force that blows toward me from the wind, resounds from the stone, shines toward me from the lightning, thunders from the thunder, and sends me its light from the sun. In plants, it manifests as the power of growth; in animals, as sensation and perception. It is the power that will bring forth form after form, time and again, toward that sublime goal—through which I know myself to be one with all of nature, which flows in and out of me with every breath, which is the symbol of the highest evolving spirit, which I perceive as life. I perceive this power as the Tao. — At first, this religion made no mention at all of a god in the afterlife; it spoke not of something outside the world, but of something through which one can find the strength to advance humanity.
[ 10 ] Tao hat man zu jener Zeit so recht empfunden, als der Mensch noch verbunden war mit dem göttlichen Urquell, besonders bei der Bevölkerung der Atlantis. Diese unsere Vorfahren hatten noch keinen so hochentwickelten Verstand, keine solche Intelligenz wie die heutige Menschheit. Dafür aber hatten sie ein mehr traumhaftes Bewußtsein, ein mehr instinktiv aufsteigendes Vorstellungsleben und ein wenig rechnerisches Gedankenleben. Stellen Sie sich das Traumleben vor, aber gesteigert, so daß es sinnvoll und nicht chaotisch ist, und denken Sie sich eine Menschheit, aus deren Seele solche Bilder aufsteigen, welche die Empfindungen ankündigen, die in der eigenen Seele sind, die wiedergeben alles, was äußerlich um uns herum ist. Man muß sich die Seelenwelt dieser Urmenschen ganz anders vorstellen als unsere heutige. Heute strebt der Mensch danach, möglichst genau Gedanken und Vorstellungen von der Umwelt zu bilden. Der Urmensch dagegen bildete sich symbolische, sinnbildliche Vorstellungen, welche in ihm selbst voller Leben erschienen. Wenn Sie heute einem Menschen gegenübertreten, dann versuchen Sie, sich vor allen Dingen einen Begriff davon zu machen, ob es ein guter oder böser, ein gescheiter oder ein dummer Mensch ist, und Sie versuchen einen Begriff zu bekommen, der in möglichst trockener Art dem äußeren Menschen entspricht. Das war nie der Fall bei dem Urmenschen der Atlantis. Ihm stieg ein Bild auf, nicht ein Verstandesbegriff. Trat er einem bösen Menschen gegenüber, so stieg ihm ein Bild auf, das dumpf und finster war. Die Wahrnehmung wurde aber nicht zu einem Begriff. Gleichwohl richtete er sich, benahm er sich nach diesem Bilde. Wenn er ein helles, schönes Bild vor sich hatte, das ihm traumhaft vor seiner Seele stand, dann wußte er, daß er Vertrauen schöpfen konnte zu einem solchen Wesen. Und er bekam Furcht vor einem Bilde, wenn es in schwarzen, roten oder braunen Farben in ihm aufstieg. Es erschienen die Wahrheiten noch nicht verstandesmäßig und intellektuell, sondern als Eingebung. Er fühlte so, als ob die in diesen Bildern wirkende Gottheit in ihm selber wäre. Er sprach von der Gottheit, die sich im Windeswehen ankündigte, im Waldesrauschen und auch in den Bildern des inneren Seelenlebens, wenn es ihn drängte, zu einer erhabenen Menschheitszukunft hinaufzuschauen. Und das nannte er Tao.
[ 10 ] The Tao was truly felt in those days, when humankind was still connected to the divine source, especially among the people of Atlantis. These ancestors of ours did not yet possess such a highly developed mind or such intelligence as modern humanity does. Instead, they possessed a more dreamlike consciousness, an imaginative life that arose more instinctively, and a less analytical way of thinking. Imagine a dreamlike life, but heightened so that it is meaningful rather than chaotic, and picture a humanity from whose souls such images arise—images that herald the feelings within their own souls and reflect everything that exists externally around us. One must imagine the inner world of these primitive humans as quite different from our own today. Today, people strive to form thoughts and ideas about their environment as accurately as possible. Primitive humans, on the other hand, formed symbolic, allegorical conceptions that appeared to them as full of life. When you encounter a person today, you try, above all, to form an idea of whether they are a good or evil person, an intelligent or a foolish one, and you try to arrive at a concept that corresponds to the person’s outward appearance in as dry a manner as possible. This was never the case with the primitive human of Atlantis. An image arose within him, not an intellectual concept. If he encountered an evil person, an image arose within him that was dull and dark. Yet this perception did not become a concept. Nevertheless, he aligned himself and behaved in accordance with this image. When he had a bright, beautiful image before him, standing before his soul as if in a dream, he knew he could place his trust in such a being. And he felt fear toward an image when it arose within him in black, red, or brown colors. Truths did not yet appear to him as rational or intellectual concepts, but as inspiration. He felt as if the divinity at work in these images were within himself. He spoke of the divinity that announced itself in the rustling of the wind, in the murmur of the forest, and also in the images of his inner soul life, when it urged him to look upward toward a sublime future for humanity. And he called that the Tao.
[ 11 ] Der gegenwärtige Mensch, der diese Urmenschheit abgelöst hat, steht in einer andern Weise zu den geistigen Mächten. Er hat die Kraft des unmittelbaren Schauens, die in gewisser Beziehung dumpfer und dämmeriger ist als die unsrige, verloren und hat dafür die Entwickelungsstufe des intellektuellen und verstandesmäßigen Vorstellens errungen, die in gewisser Beziehung höher ist, in gewisser Beziehung aber auch tiefer steht. Dadurch steht der heutige Mensch höher als der Urmensch, weil er einen scharfen, durchdringenden Verstand besitzt; aber er empfindet nicht mehr den lebendigen Zusammenhang mit den göttlich wirkenden Tao-Kräften der Welt. Dadurch hat er die Welt, wie sie sich in seiner Seele offenbart, und auf der andern Seite die Verstandeskräfte. Der Atlantier hat die Bilder gefühlt, die in ihm lebten. Der heutige Mensch hört und sieht die äußere Welt. Diese zwei Dinge, Außeres und Inneres, stehen einander gegenüber, und er fühlt nicht mehr, wie ein Band von dem einen zu dem andern hinübergeht. Das ist der große Sinn der Entwickelung der Menschheit. Seitdem die Ländermassen wieder aufgestiegen sind, nachdem die Fluten der Ozeane die Kontinente überschwemmt hatten, seit jener Zeit sehnt sich die Menschheit, das Band wieder zu finden zwischen dem, was sie im Inneren empfindet und wahrnimmt, und dem, was sich ihr draußen in der Sinneswelt darbietet. Daher hat das Wort religare = Religion seine Berechtigung. Es heißt nichts anderes, als das, was einst verbunden war und jetzt getrennt ist, wieder zu verbinden, Welt und Ich wieder zu verbinden. Die verschiedenen Formen der Religionsbekenntnisse sind nichts anderes als die Mittel, als die von den großen Weisen gelehrten Wege, diese Verbindung wiederzufinden. Sie sind deshalb so verschiedenartig gestaltet, um in dieser oder jener Form den Menschen jeder Kulturstufe verständlich zu werden.
[ 11 ] Modern man, who has succeeded this primordial humanity, has a different relationship to the spiritual powers. He has lost the power of direct perception—which, in a certain respect, is more dull and dim than our own—and has instead attained the stage of intellectual and rational conceptualization, which is higher in some respects but also lower in others. As a result, modern man stands higher than primitive man because he possesses a sharp, penetrating intellect; but he no longer feels the living connection with the divinely active Tao forces of the world. Consequently, he has, on the one hand, the world as it reveals itself in his soul, and on the other hand, his intellectual faculties. The Atlantean felt the images that lived within him. Modern man hears and sees the outer world. These two things—the outer and the inner—stand in opposition to one another, and he no longer feels a bond extending from one to the other. This is the great significance of human evolution. Ever since the landmasses rose again after the ocean floods had submerged the continents, ever since that time, humanity has longed to rediscover the bond between what it feels and perceives within and what presents itself to it outside in the sensory world. Hence, the word *religare*—religion—is justified. It means nothing other than to reconnect what was once united and is now separated—to reconnect the world and the self. The various forms of religious belief are nothing other than the means, the paths taught by the great sages, for rediscovering this connection. They are therefore designed in such diverse ways so that, in one form or another, they may be understood by people at every cultural level.
[ 12 ] Der Inder des Altertums, der eine üppig wachsende Pflanzenwelt vor sich hatte, die ihn in der Seele träumerisch stimmte und es nicht nötig machte, äußere Werkzeuge und äußere Kultur zu erzeugen, der hatte nötig, das, was es als Religion in der Menschheit gibt, in einer andern Weise zu hören als der moderne Mensch. Wenn der Mensch ruhig lebt, treten andere Vorstellungen in seiner Seele auf, als wenn er mit groben Werkzeugen arbeitet und technisch tätig sein muß. So haben wir die äußere Natur verschieden in den verschiedenen Gebieten der Erde und ebenso verschieden das innere Seelenleben der Menschen, und da das Band gesucht werden soll durch die verschiedenen Religionen, so ist es nur natürlich, daß die Meister den Weg zur Auffindung dieses Bandes für andere Völker und verschiedene Zeiten in anderer Weise feststellen mußten.
[ 12 ] The ancient Indian, who lived amid a lush, flourishing natural world that put him in a dreamlike state of mind and made it unnecessary for him to create external tools or develop an external culture, needed to experience what exists as religion in humanity in a different way than modern man does. When a person lives a peaceful life, different ideas arise in their soul than when they work with crude tools and must engage in technical activities. Thus, external nature varies across the different regions of the Earth, and the inner life of the soul in human beings varies just as much; and since the connection is to be sought through the various religions, it is only natural that the Masters had to determine the path to discovering this connection in different ways for other peoples and different times.
[ 13 ] Die erste Art, wie dieses Band festgestellt worden ist, wie das uralte Tao der Atlantis wiederum gesucht wurde, ist die Religion des alten Indiens, des Gangeslandes, die in uralten Zeiten die Unterweisungen heiliger Rishis, großer Eingeweihter, erhalten hat, deren erhabene Lehren noch nachklingen in den wunderbaren vedischen Dichtungen und in der bis zu den höchsten Stufen menschlichen Begreifens hinaufreichenden Vedantaphilosophie der alten Brahmanen. In großen Zügen wurde der Menschheit da verkündigt, daß es so etwas gibt, was als einheitlicher Weltengrund allem als Unterlage dient. Brahman, Parabrahman, Bhagavad und wie die verschiedenen Namen noch sind, wurde es genannt. Und was wir in den Veden finden, die nur ein Nachklang der ursprünglichen alten Lehren sind, das zeigt uns, wie groß und gewaltig und wie sublim zu gleicher Zeit die Begriffe waren, durch die sich jene feine Spiritualität hinaufzuringen versuchte zu dem göttlichen Urquell des Seins. Man könnte es so umschreiben: Einstmals versammelten sich die geistigen Heerscharen um das Urwesen herum und fragten es, wer es wäre, und da sagte es: Ich wäre nicht derjenige, der ich bin, wenn ich mich durch ein anderes als durch mich selbst bestimmen könnte. Wenn ihr ein Ding bestimmt, dann sucht ihr dafür einen höheren Begriff. Die einzelnen tierischen Wesenheiten, den Löwen, den Adler, den Hund, den Wolf und so weiter bestimmt man, indem man zu den übergeordneten Begriffen der Katzenart, der Hundeart, Vogelart und so weiter übergeht. Die einzelnen Winde bestimmt man, indem man zu dem allgemeinen Begriff Wind übergeht. So hat jedes Ding in der Welt seinen Namen, der anzeigt, was über ihm steht. Ich aber — so sagte zu den geistigen Heerscharen das Brahman —, ich habe keinen Namen, der über mir steht. Ich bin der Ich-bin.
[ 13 ] The first way in which this connection has been established—how the ancient Tao of Atlantis was sought once again—is through the religion of ancient India, the land of the Ganges, which in ancient times received the teachings of holy rishis, great initiates, whose sublime teachings still resonate in the wondrous Vedic poetry and in the Vedanta philosophy of the ancient Brahmins, which reaches up to the highest levels of human understanding. In broad strokes, it was proclaimed to humanity there that there is such a thing as a unified foundation of the world that serves as the basis for everything. It was called Brahman, Parabrahman, Bhagavad, and by whatever other names there may be. And what we find in the Vedas—which are but an echo of the original ancient teachings—shows us how vast, mighty, and at the same time sublime were the concepts through which that subtle spirituality sought to ascend to the divine source of being. One could describe it this way: Once upon a time, the spiritual hosts gathered around the Primordial Being and asked it who it was, and it replied: “I would not be who I am if I could define myself through anything other than myself. When you define a thing, you seek a higher concept for it.” Individual animal beings—the lion, the eagle, the dog, the wolf, and so on—are defined by moving on to the higher concepts of the cat species, the dog species, the bird species, and so on. The individual winds are defined by moving on to the general concept of “wind.” Thus, every thing in the world has a name that indicates what stands above it. But I—so said the Brahman to the spiritual hosts—I have no name that stands above me. I am the I-Am.
[ 14 ] Das ist der Urquell, von dem der Mensch ausgegangen ist, das ist das Ziel, zu dem der Mensch wieder kommen soll. Entwickelung gab es auch hier im alten Indien. Entwickelung war das Zauberwort, durch welches der Mensch sein Ziel empfand. Es muß, so sagt das Religionsbekenntnis, etwas gegeben haben, was hinführt zu dem Punkte, auf dem der Mensch heute steht. Es muß einst ein Sehnen gegeben haben, welches herabführt von dem göttlichen Ursprung in diese Welt, zu der notwendigen Durchgangsstufe, auf der wir heute stehen. So wahr es notwendig und richtig war, daß es ein solches Sehnen und Wünschen gegeben hat, das hineinführt in die Welt, so wahr ist es, daß es eine Kraft geben muß, die den Menschen wieder hinausleitet, so daß er die Früchte dieser Welt wieder zum göttlichen Urquell zurückführt. Diese Kraft ist die Überwindung des Wunsches durch die göttlichen Wünsche, die Läuterung der Ziele durch das göttliche Ziel.
[ 14 ] This is the primordial source from which humankind originated; this is the destination to which humankind is meant to return. Evolution also existed here in ancient India. Evolution was the magic word through which humankind sensed its destination. According to religious belief, there must have been something that led to the point where humanity stands today. There must once have been a longing that led down from the divine origin into this world, to the necessary transitional stage on which we stand today. Just as it was necessary and true that such a yearning and desire existed, leading into the world, so it is true that there must be a force that guides humanity back out again, so that it may return the fruits of this world to the divine source. This force is the overcoming of human desire through divine desires, the purification of human goals through the divine goal.
[ 15 ] Jetzt war es etwas ganz anderes, was als Religion empfunden wurde, als in den uralten Zeiten, von denen wir gesprochen haben. Jetzt war es nicht mehr der Gott, der sich dem Innern enthüllte, jetzt war es der sich von außen offenbarende Gott, denn des Menschen Inneres hatte eine Kluft zwischen sich und der Außenwelt schaffen müssen. Offenbar tritt jetzt an die Stelle des unmittelbaren Lebens und an die Stelle der bloßen Kraft das Wort, und Veda heißt ja selbst nichts anderes als Wort. Das Wort ist es, durch welches vorgeschrittene, weise Menschen verkündigten, was des Menschen Quelle und Ziel ist, was aller Welt zugrunde liegt. Von diesem Wort hatte man in der alten Zeit eine ganz andere Vorstellung als heute, wenn man von dem Wort spricht.
[ 15 ] Now, what was perceived as religion was something entirely different from what it had been in the ancient times we have been discussing. Now it was no longer the God who revealed Himself within; now it was the God who revealed Himself from without, for the inner self of human beings had been forced to create a gulf between itself and the outside world. Apparently, the word now takes the place of immediate life and of mere power, and indeed, “Veda” itself means nothing other than “word.” It is through this word that advanced, wise people proclaimed what is the source and goal of humanity, what underlies the entire world. In ancient times, people had a completely different conception of this word than we do today when we speak of the word.
[ 16 ] Ich möchte versuchen, Ihnen eine Vorstellung davon zu geben, was man empfand, wenn man vom Veda, vom Logos, und später vom Wort sprach. Der Mensch gibt den Dingen Namen. Er sagt, das ist dies und das ist jenes. Aber wenn sein Mund die Dinge benennt, so ist das nicht Willkür, sondern das sind dieselben Namen, die einst die göttliche Urseele der Menschheit aus sich heraus gesprochen und die Dinge dadurch geschaffen hat. Der Mensch sieht die Dinge und spricht hinterher die Namen aus. Aber die Urseele hat einst zuerst die Namen gesprochen und nach dem Wort haben sich die Dinge gebildet. So gab es in den alten Zeiten eine Urseele, welche die Worte der Schöpfung aussprach. Die Worte wurden zu Dingen und die menschliche Seele fand hinterher die Worte aus den Dingen heraus, die die Gottheit hineingelegt hat. Sie erweckte die schlafenden Worte aus den Dingen wieder. So verhielt sich der Mensch zu der Gottheit, wo man religiöse Empfindung, die Empfindung dem Worte gegenüber hatte, die im alten Indertum wahrhaft lebte. Deshalb hat sich mit dem Wort die Meinung verbunden, daß es Menschen gibt, welche imstande sind, tiefer hineinzuschauen in die Natur und das Wesen der Welt, welche in ihrem Wort unmittelbar nachklingen lassen und verkündigen können, was einst die Gottheit aus sich in die Welt hinausgehaucht hat. Solche Menschen empfand man als Eingeweihte. Der alte Inder sprach von seinen Rishis nicht als von gewöhnlichen Menschen, sondern als von solchen, welche bereits im physischen Körper den Grad der Unsterblichkeit erreicht haben und nicht in der Sinnenwelt leben, sondern in ihrer Seele in der höheren Himmelswelt und Umgang haben mit den Göttern, mit den geistigen Wesenheiten, die der Welt zugrunde liegen. Indem man so zu den Menschen aufschaute, die in dieser Weise das Tao in sich entwickelt hatten, war man sich bewußt, daß jeder Mensch auch einst diese Stufe erlangen wird. Und damit war die Lehre verbunden von der Wiedergeburt, von der oftmaligen Wiederkehr. Es war nicht aus seiner Phantasie, sondern aus seiner Wahrnehmung heraus gesprochen, als Buddha zu seinen Gläubigen sprach und sagte: Ich sehe zurück auf eins, zwei, drei, vier, zehn, hundert Leben. — Und von diesen hundert Leben sprach er, wie der Mensch von einem Leben spricht. In diesen vielen Leben hat er sich alles erworben, was ihn befähigte, nicht mehr bloß aus der Erfahrung der sinnlichen, sondern aus der Erfahrung der übersinnlichen Welt zu sprechen und der Menschheit die Botschaft von diesen übersinnlichen Welten zu bringen. Diese übersinnliche Erkenntnis ist ein Urbestandteil aller Religionen.
[ 16 ] I would like to try to give you an idea of what people felt when they spoke of the Veda, the Logos, and later, the Word. Human beings give names to things. They say, “This is this, and that is that.” But when their mouths name these things, it is not arbitrary; rather, these are the very same names that the divine primordial soul of humanity once spoke forth from within itself, thereby creating the things. Human beings see things and then utter their names. But the Primordial Soul once spoke the names first, and things took shape according to the Word. Thus, in ancient times, there was a Primordial Soul that spoke the words of creation. The words became things, and the human soul subsequently discovered the words within the things that the deity had placed there. It reawakened the dormant words from within the things. This was humanity’s relationship to the deity, characterized by a religious sensibility—a sensibility toward the word—that truly lived in ancient India. For this reason, the word has come to be associated with the belief that there are people capable of looking more deeply into the nature and essence of the world, who can directly echo and proclaim in their speech what the deity once breathed forth from itself into the world. Such people were regarded as initiates. The ancient Indian spoke of his rishis not as ordinary human beings, but as those who had already attained the degree of immortality while still in the physical body and who do not live in the sensory world, but rather, in their souls, in the higher heavenly realm, where they commune with the gods and with the spiritual beings that underlie the world. By looking up in this way to people who had developed the Tao within themselves in this manner, people were aware that every human being would one day attain this level as well. And connected to this was the teaching of rebirth, of repeated return. It was not a product of his imagination, but spoke from his perception, when the Buddha addressed his followers and said: “I look back on one, two, three, four, ten, a hundred lives.” — And he spoke of these hundred lives just as a person speaks of a single life. In these many lives, he acquired everything that enabled him to speak not merely from the experience of the sensory world, but from the experience of the supersensory world, and to bring humanity the message of these supersensory worlds. This supersensory knowledge is a fundamental component of all religions.
[ 17 ] Versetzen wir uns noch einmal in die das Tao empfindenden Völker. Sie versuchen, sich nicht bloß in der Religion mit dem Göttlichen zu vereinigen, sondern sie betrachten sich wie eine Umkleidung, wie eine Hülle des Göttlichen. Das war ihr unmittelbares Bewußtsein. Es hat Menschen gegeben, die nicht so denken konnten, die nicht so klug waren wie wir, aber ein unmittelbares Bewußtsein hatten, daß sie selbst einen göttlichen Kern umschlossen, wie eine Frucht den Kern umschließt. Diesen Kern sahen und empfanden sie, und sie blickten durch ihn zurück in die Vergangenheit und hinaus in die Zukunft. Sie empfanden dadurch in sich selbst die Lehre von der Wiederverkörperung.
[ 17 ] Let us once again put ourselves in the shoes of the peoples who sense the Tao. They do not merely seek to unite with the divine through religion; rather, they regard themselves as a garment, as a shell of the divine. That was their immediate awareness. There have been people who could not think this way, who were not as intelligent as we are, but who had a direct awareness that they themselves enclosed a divine core, just as a fruit encloses its seed. They saw and felt this core, and through it they looked back into the past and out into the future. Through this, they sensed within themselves the doctrine of reincarnation.
[ 18 ] Ein solches Bewußtsein fanden die hinunterziehenden Einwanderer damals vor. Die alten indischen Lehrer, welche den Indern die erste Brahmakultur gaben, fanden damals noch eine lebendige Anschauung von der Wiederverkörperung vor. Daher haben alle Religionen, welche von dieser Stätte ausgegangen sind, die Lehre von der Wiederverkörperung. Das Tao wurde empfunden, in seiner verschiedenen Gestaltung der menschlichen Tätigkeit wurde es empfunden. Es ist nur natürlich, daß der Mensch unseres Zeitraums, der sein Seelenleben getrennt hat von den großen äußeren Gewalten, nicht die vielen Leben überblicken konnte, sondern nur noch sah, daß er das Eingeschränkte dieses SeelenJebens darstellte. Von jeder darauffolgenden Stufe, die sich nun nordwärts ausdehnt, von der uralten persischen Religion angefangen, schwand das Bewußtsein davon, daß des Menschen Seele eine Hülle um den ewig sich wiederverkörpernden Kern ist. Das Bewußtsein schränkte sich auf den Zenit zwischen Geburt und Tod ein, und darauf, wie innerhalb von Geburt und Tod das «religare», die Religion, gesucht werden muß. Da wird zum ersten Male so recht empfunden der Gegensatz einer Zweiheit statt der Einheit.
[ 18 ] This was the mindset that the immigrants who settled there encountered at that time. The ancient Indian teachers, who imparted the first Brahmanic culture to the Indians, still found a living belief in reincarnation at that time. That is why all religions that originated from this place include the doctrine of reincarnation. The Tao was perceived; it was perceived in its various manifestations within human activity. It is only natural that the human being of our era, having separated his soul life from the great external forces, could not survey the many lives, but saw only that he represented the limited aspect of this soul life. With each subsequent stage—which now extends northward, beginning with the ancient Persian religion—the awareness that the human soul is a shell surrounding the eternally reincarnating core gradually faded. Consciousness narrowed to the zenith between birth and death, and to the question of how, within the realm of birth and death, the “religare”—religion—must be sought. There, for the first time, the contrast of a duality rather than unity is truly felt.
[ 19 ] Hat der Tao-Mensch der atlantischen Zeit seinen Zusammenhang mit dem Urquell lebendig empfunden, hat der brahmanische Mensch noch versucht, das Brahman aufzuerwecken, das außerhalb und innerhalb des Menschen als das gleiche gedacht wird, so empfand der Mensch in Persien zuerst eine gewisse Zweiheit, einen Dualismus. Er empfand dasjenige, was aus dem Menschen geworden ist, als Inneres und Außeres, als Urgrund und jetzige Menschengestalt. Er blickte auf zu dem Urgrund, aus dem alles um ihn herum hervorgegangen ist, er blickte auf zu dem Wort, aus dem Pflanze, Tier und Mensch der physischen Gestalt nach hervorgegangen sind. Aber er empfand auch noch etwas anderes: Er empfand, daß etwas darin waltete, das nicht im Einklang steht mit der Harmonie. das erst wieder werden muß wie das ursprüngliche Göttliche. Das letztere empfand er als Abfall von dem ursprünglichen Göttlichen. Der Gegensatz trat ihm entgegen, die Zweiheit Licht und Dunkel oder Männliches und Weibliches. Sie stellen dar den Urgrund und das, was in der materiellen Verdichtung die menschliche Seele erwartet. Das ist die zweite Stufe der Menschheitsentwickelung.
[ 19 ] While the Taoist of the Atlantean era felt a living connection to the Primordial Source, and the Brahmanic person still sought to awaken Brahman—which is conceived as the same both outside and within the human being—the people of Persia were the first to perceive a certain duality. He perceived that which humanity had become as inner and outer, as the Primordial Source and the present human form. He looked up to the Primordial Source from which everything around him had emerged; he looked up to the Word from which plants, animals, and humans had emerged in their physical forms. But they also sensed something else: they sensed that something was at work within it that was not in accord with harmony—something that must once again become like the original Divine. They perceived the latter as a departure from the original Divine. The contrast presented itself to him: the duality of light and darkness, or masculine and feminine. They represent the primordial source and that which awaits the human soul in material densification. This is the second stage of human development.
[ 20 ] Die dritte Stufe tritt uns entgegen in den vorhistorischen und historischen Geschichten Ägyptens, die uns in dem «Totenbuch» erhalten sind. Da empfand der Mensch zu der Zweiheit noch ein Drittes. Er sah, wie ein Licht, die Sonne, die Erde überstrahlt, sah, wie sie diese mit ihren Strahlen durchdringt und die in ihr schlummernden Samen und Wesen zum Leben erweckt, sah, wie der Urgrund befruchtet werden muß. Diese Dreiheit: Urgrund, Befruchtung, neues Leben, finden wir symbolisiert als Osiris, die Sonne, der Gott des Lichtes; als Isis, die Materie, und als Horus, das sich daraus entwickelnde Leben. Das waren die drei ägyptischen Gottheiten. Die Dreiheit tritt also hier auf. Und diese Dreiheit wird nun zu einem Grundkern in allen späteren Religionsbekenntnissen.
[ 20 ] The third stage is revealed to us in the prehistoric and historical accounts of Egypt, which have been preserved for us in the “Book of the Dead.” There, humanity perceived a third element alongside the duality. It saw how a light—the sun—outshone the earth; saw how it penetrated the earth with its rays and awakened to life the seeds and beings slumbering within it; saw how the primordial ground must be fertilized. This trinity—the primordial ground, fertilization, and new life—is symbolized by Osiris, the sun, the god of light; by Isis, matter; and by Horus, the life that develops from it. These were the three Egyptian deities. The trinity thus appears here. And this trinity now becomes a fundamental core in all later religious creeds.
[ 21 ] Als Dreieinigkeit tritt uns dann die Gottheit in den Religionsbekenntnissen entgegen, wo sie genannt wird: Vater, Wort und Heiliger Geist — Isis, Osiris, Horus — Atma, Buddhi, Manas. Überall finden wir jetzt die Dreiheit in den Religionen. Und den Grund dafür haben wir erkannt. Er tritt uns in Bildern oder Worten in Asien, in Ägypten bei den Priestern entgegen, aber auch in der griechisch-römischen Welt, bei Augustinus, dann im Mittelalter, wo man wie anklingend einen entsprechenden Urton findet, der in der Vergangenheit vollkommen klar hervortrat, als der Urgrund, aus dem der Mensch hervorgegangen ist. Dieser hat sich zu dem entwickelt, was er heute ist, und strebt jetzt aus dem Mittelpunkt seines Selbst der Zukunft entgegen. Es empfanden die alten Geistesforscher dies als die Dreiheit im Menschen. Wenn wir in der Zukunft einer größeren Vollkommenheit entgegengereift sein werden, dann wird jene Kraft, der wir unser Dasein verdanken und die heute als verborgener Urgrund des Seins in uns wirkt, gestaltend herausgetreten sein. Das empfand man als das Göttliche, das Unaussprechtiche des Menschen, das dem ersten Wesensbestandteil der dreigliedrigen Welt gleich ist. Und dann empfand man das, was jetzt im Menschen lebt, was nach diesem Höchsten strebt, als das in der Gegenwart wirkende Wort, den Sohn, der entstanden ist aus dem Vater, der unaussprechlich in ihm ruht: Aus dem Vater ist hervorgegangen der Sohnesmensch. So wahr dieser Vatergrund den zukünftigen, vollkommeneren Menschen gestaltet, so wahr hat er den sich entwickelnden Sohnesmenschen geschaffen, die Buddhi, das zweite menschliche Wesensglied, das noch nicht vollkommen ist, aber der Grund ist, daß wir der Vollkommenheit zustreben. Das ist die zweite Wesenheit. Aber auch in der Vergangenheit hat dieser Weltengrund gearbeitet. So wie der sinnliche Mensch von dem Allwelten-Urgrund in der Vergangenheit geschaffen worden ist, so hat auch dasjenige, was heute schon in ihm Form angenommen und ausgestrahlt hat, etwas, das ebenfalls in der Vergangenheit aus dem Urgrund hervorgegangen und jetzt schon ausgestaltet ist. Blicken wir hinaus in das Universum, wie es sich in Farben, Tönen, Gerüchen und Tastempfindungen wahrnehmbar macht: es ist herausgequollen aus dem unaussprechlichen Urgrund. In solcher Beziehung können wir diesen Urgrund, der für uns, die Geschöpfe, in die Erscheinung tritt, Geist nennen, auch im christlichen Sinne. Aber es ist die Welt nicht zu Ende geschaffen. Keim ist die Welt, etwas, was in sich selbst Seele hat, was in sich selbst den Trieb zur Zukunft hin hat. Das ist der Sohn. Daher nannte man dieses Streben: das Wort, Veda, Edda. Das dritte ist das, was heute als Kraft in uns ist, was in der Zukunft in uns wahrnehmbar wird: der tief in unser aller Seelen liegende Vatergrund alles Seins.
[ 21 ] The Godhead then appears to us as a Trinity in religious creeds, where it is named: Father, Word, and Holy Spirit—Isis, Osiris, Horus—Atma, Buddhi, Manas. We now find the Trinity everywhere in religions. And we have recognized the reason for this. It appears to us in images or words in Asia, among the priests of Egypt, but also in the Greco-Roman world, in Augustine, and then in the Middle Ages, where one finds, as if echoing, a corresponding primordial tone that emerged perfectly clearly in the past as the primordial source from which humanity arose. Humanity has developed into what it is today and now strives toward the future from the center of its own being. The ancient spiritual researchers perceived this as the trinity within the human being. When, in the future, we have matured toward greater perfection, then that force to which we owe our existence—and which today works within us as the hidden primal source of being—will have emerged in a formative way. This was perceived as the Divine, the ineffable aspect of the human being, which is equivalent to the first constituent element of the threefold world. And then what now lives within the human being—that which strives toward this Highest—was perceived as the Word active in the present, the Son who has arisen from the Father, who rests ineffably within him: From the Father has emerged the Son-human. Just as this Father-principle shapes the future, more perfect human being, so too has it created the evolving Son-human, the Buddhi, the second human constituent, which is not yet perfect but is the foundation upon which we strive toward perfection. This is the second essence. But this cosmic foundation has also been at work in the past. Just as the sensory human being was created in the past by the primordial foundation of the universe, so too does that which has already taken form and radiated from within him today have a source that likewise emerged from the primordial foundation in the past and is now fully developed. Let us look out into the universe as it reveals itself through colors, sounds, smells, and tactile sensations: it has welled forth from the ineffable Primordial Source. In this sense, we can call this Primordial Source—which manifests itself to us, the creatures—Spirit, even in the Christian sense. But the world is not yet fully created. The world is a seed, something that possesses a soul within itself, something that possesses within itself the impulse toward the future. That is the Son. Hence, this striving was called: the Word, the Veda, the Edda. The third is that which is within us today as a force, that which will become perceptible within us in the future: the Father-source of all being, lying deep within all our souls.
[ 22 ] Dies lebendig empfinden, zum Wesen des ganzen inneren Vorstellens machen, heißt: die Trinität empfinden. Persona heißt Maske oder äußere Gestalt, Verhüllung. Daher zeigt die Religion diesen Wahrheitskern, den ich soeben entwikkelt habe, in drei verschiedenen Masken, in drei Personen. Gott hat drei verschiedene Personen, heißt, er tritt in drei verschiedenen Masken auf: Geist, Wort und Vater, Damit haben wir zu gleicher Zeit dasjenige Religionsbekenntnis berührt, das dann zum Christentum geführt hat. Wenn Sie dies in Wahrheit verstehen, so werden Sie diese Wahrheit auch in ihm ausgesprochen finden. Wenn Sie das tiefste Evangelium, dasjenige von Johannes, richtig verstehen, so finden Sie darin dasselbe Bewußtsein von dem religare, von dem Verbinden mit einem höheren Bewußtsein, das in Menschengestalt erschienen ist: die Lehre von dem fleischgewordenen Logos, der inkarnierten Gottheit, der gegenwärtigen Gottheit selbst, die in Brüderlichkeit lebt mit den zwei andern Formen der Gottheit, dem aus der Vergangenheit stammenden, in der Gegenwart wirkenden Geist, und dem in den gegenwärtigen Welten in die Zukunft hinein schaffenden Vater. So ist der Sohn ausgegangen von dem Vater, ist zu gleicher Zeit verbunden mit dem Geist, und so ist der Sohn die große Vorherverkündigung, die zum Vater führen wird. Das ist es, worauf auch hingewiesen ist mit den Worten: «Niemand kommt zum Vater denn durch mich», durch den göttlichen Wesenskern der Gegenwart. Dann ist weiter darauf hingewiesen, daß er wieder den Geist senden wird, den Wesenskern dessen, was heute schon in der Welt ist. So wahr wie Christus gesagt hat: «Ich bin bei euch alle Tage bis ans Ende der Welt», ebenso wahr ist es, daß er wiederkommen wird, daß das ganze Christentum eine Vorbereitung gewesen ist für die neue Gestalt. Vorläufig ist der Geist da, die Erkenntnis, die Wissenschaft, vorläufig sind die Religionen gelehrt worden, wie sie in der Vergangenheit gelehrt wurden. Die Religionsurkunden sind uns erhalten geblieben und die Theologen suchen sie jetzt auszulegen und danach zu lehren. Das ist die Art, wie an Stelle der Weisheit jetzt die Theologie arbeitet. Theosophie heißt Weisheit und Wahrheit, Theologie heißt die Lehre der Weisheit und Wahrheit. So wie die Theologie aus der Geisteswissenschaft entstanden ist, so muß die Theologie zurück zur Geisteswissenschaft.
[ 22 ] To experience this vividly, to make it the essence of one’s entire inner imagination, means to experience the Trinity. “Persona” means mask or outward form, a veil. Therefore, religion reveals this core truth, which I have just elaborated, in three different masks, in three persons. God has three distinct Persons, which means He appears in three different masks: Spirit, Word, and Father. In doing so, we have simultaneously touched upon the religious creed that subsequently led to Christianity. If you truly understand this, you will also find this truth expressed in it. If you correctly understand the deepest Gospel—that of John—you will find in it the same awareness of the religare, of the connection with a higher consciousness that has appeared in human form: the doctrine of the Logos made flesh, the incarnate Deity, the present Deity itself, which lives in brotherhood with the other two forms of Deity—the Spirit, who comes from the past and acts in the present, and the Father, who creates into the future within the present worlds. Thus, the Son has proceeded from the Father, is at the same time united with the Spirit, and thus the Son is the great forerunner who will lead to the Father. This is what is also indicated by the words: “No one comes to the Father except through me,” through the divine essence of the present. It is further pointed out that he will send the Spirit again—the essential core of what is already in the world today. Just as truly as Christ said, “I am with you always, even to the end of the age,” so it is equally true that he will return, and that all of Christianity has been a preparation for the new form. For the time being, the Spirit is here—knowledge and science—and for the time being, religions have been taught as they were taught in the past. The religious texts have been preserved for us, and theologians are now seeking to interpret them and teach according to them. This is the way in which theology now functions in place of wisdom. Theosophy means wisdom and truth; theology means the teaching of wisdom and truth. Just as theology arose from spiritual science, so must theology return to spiritual science.
[ 23 ] Ich habe häufig darauf aufmerksam gemacht, wie früher die Forschung war, und wie dann ein Umschwung gekommen ist. Man baute bisher an allen Stätten, wo gelehrt wurde, auf die Bücher der alten Weisen, auf Plato, Aristoteles und so weiter. Nicht Forscher waren da, sondern Interpreten. Ich habe hier jene merkwürdige Zeit im Auge, von der die Theologie uns erzählt, die man aber in späterer Zeit, in der man wieder die Natur, das Grundbuch, zu lesen lernte, nicht mehr begreifen konnte. Der Glaube an das Geschriebene war fast absolut. Wenn zum Beispiel ein Naturforscher behauptet hatte, die Nerven gehen nicht vom Herzen, sondern vom Gehirn aus, so hieß es doch: Aristoteles sagt anders, und Aristoteles hat recht, obgleich man vielleicht an dem Objekt das Behauptete dargelegt sah. In den weitesten Kreisen ist heute das Bewußtsein noch nicht vorhanden, daß es einen Schlüssel gibt, daß es Forschungsstätten und Forschungsmethoden gibt, welche ebenso die Tatsachen des Geistigen feststellen wie die Sternwarten oder die Laboratorien die Tatsachen der sinnlichen Welt. Seit dreißig Jahren wird wiederum verkündigt, daß es so erwas gibt wie eine geistige Zentralstätte der Menschheit, und die Theosophen sagen damit nichts Unglaublicheres, als wenn Haeckel sagt: Das ist so und so. — Wenn Haeckel eine Behauptung aufstellt, so setzen wir voraus, daß er die Beweise dafür in seinem Forschen gefunden hat. Ebenso setzen wir voraus, daß, was in den Religionsurkunden gesagt wird, durch die Tatsachen bewahrheitet gefunden wurde, und daß es Individualitäten unter uns gibt, die selber wieder zu den Quellen zurückgehen können. Ein Aufmerksammachen auf die geistigen Forscher, auf das Zurückgehen zur Zentralstätte ist die Theosophie oder Geisteswissenschaft, die wieder aus der Erfahrung heraus über die Dinge des Übersinnlichen spricht, gleich denjenigen, welche ursprünglich die Religionsurkunden geschaffen, aus der inneren Erfahrung heraus gesprochen haben. Wie vor vierhundert Jahren die Naturwissenschaft ein Wiederaufleben erfahren hat, so soll die Theosophie oder Geisteswissenschaft heute ein Wiederaufleben der unmittelbaren geistigen Forschung bedeuten.
[ 23 ] I have often drawn attention to what research used to be like, and how a turning point then occurred. Until then, in all places where scholarship took place, people relied on the books of the ancient sages—Plato, Aristotle, and so on. There were no researchers there, only interpreters. I am referring here to that remarkable era described by theology, which, however, could no longer be understood in later times, when people learned once again to read nature—the “book of nature.” Faith in the written word was almost absolute. If, for example, a natural scientist had claimed that nerves originate not from the heart but from the brain, the response was still: Aristotle says otherwise, and Aristotle is right—even though one might have observed the claimed phenomenon in the object itself. Even today, in the broadest circles, there is still no awareness that there is a key, that there are centers of research and research methods which establish the facts of the spiritual world just as observatories or laboratories establish the facts of the sensory world. For thirty years now, it has once again been proclaimed that there is such a thing as a spiritual center for humanity, and the Theosophists are saying nothing more incredible by this than when Haeckel says: “It is such and such.” — When Haeckel makes a claim, we assume that he has found evidence for it in his research. Likewise, we assume that what is stated in religious texts has been verified by the facts, and that there are individuals among us who can themselves trace things back to the sources. Theosophy, or spiritual science, draws attention to spiritual researchers and to the return to the central source; it speaks once again from experience about the things of the supersensible, just as those who originally created the religious texts spoke from inner experience. Just as natural science experienced a revival four hundred years ago, so too should Theosophy, or spiritual science, signify a revival of direct spiritual research today.
[ 24 ] Damit sind wir in die Notwendigkeit versetzt, zu jenem Wahrheitskern zurückzukehren, den ich in flüchtigen Zügen zu schildern versuchte vom Tao bis zum Erscheinen des großen Menschheitserlösers. Was ich heute erreichen wollte, ist, ein Bewußtsein davon zu geben, wie sich die Geisteswissenschaft zu dem Zentralpunkt, dem Wahrheitskern der verschiedenen Religionen, verhält. Diejenigen, welche der Geisteswissenschaft noch nicht nahegetreten sind, werden vielleicht wiederkommen, um mehr zu hören. Vielleicht werden aber auch einige sagen, sie sei Neubuddhismus, eine neue Religion, sei etwas Orientalisches, woile etwas Fremdes in unsere Welt hineinbringen. Dem ist aber nicht so, das wäre nicht geisteswissenschaftlich. So sprechen nur diejenigen, welche nicht den Willen haben, hinzuhören auf das, was die Geisteswissenschaft sagt. Das Bestreben der Geisteswissenschaft ist, den Wahrheitskern in unseren äußeren Religionsbekenntnissen zu suchen, auf die Quellen zurückzugehen, aus denen die heute existierenden Bücher hervorgegangen, geschaffen sind. Auf die Tatsachen zurückzugehen ist nötig, dann werden die Bücher besser verstanden werden, dann wird neues Leben in die Menschheit einströmen. So ist das Christentum zu verstehen als eine Religion, welche die Menschheit vorzubereiten hat für die Zukunft, als die Religion des Sohnes, durch die man den Vater auf denselben Wegen findet. Diese Religion verständlich zu machen, ist zu gleicher Zeit eine der wichtigsten Aufgaben der Geisteswissenschaft. Sie sucht deshalb den Wahrheitskern in allen Religionen, um den Wahrheitskern in unserer eigenen zu finden. Wir erkannten, daß Religion nicht aus kindlichen Vorstellungen, sondern aus höchster Weisheit, aus der geistigen Forschung hervorgegangen ist. Wir lernten aber auch, daß man auf den Höhen der Wissenschaft stehen und doch ein religiöser Mensch sein kann. Wenn diese Erkenntnis, diese Forschung wieder Anklang finden wird, dann wird daslebendige Gefühl erwachen für das, was einer der Theosophen vor mehr als hundert Jahren, Goethe,in die Welt hinausgerufen hat wie eine Art Programm, als schönen und herrlichen Kernspruch für die Menschheit, mit dem wir heute abschließen wollen, dabei bekennend, daß es keine wahre Wissenschaft, keine tiefere menschliche Beobachtung geben kann, welche die religiösen Wahrheiten als kindlich darstellt; und daß alle Religionen als Kern unseres höchsten Zieles enthalten:
[ 24 ] This compels us to return to that core of truth which I attempted to outline in broad strokes, from the Tao to the appearance of the great Redeemer of humanity. What I wanted to achieve today is to provide an understanding of how spiritual science relates to the central point—the core of truth—of the various religions. Those who have not yet become acquainted with spiritual science may return to hear more. But perhaps some will also say that it is a form of “New Buddhism,” a new religion, something Eastern—something that brings something foreign into our world. That is not the case, however; that would not be in keeping with spiritual science. Only those who lack the will to listen to what spiritual science has to say speak in this way. The aim of spiritual science is to seek the core of truth in our outward religious creeds, to go back to the sources from which the books that exist today originated and were created. It is necessary to go back to the facts; then the books will be better understood, and new life will flow into humanity. Thus, Christianity is to be understood as a religion that is meant to prepare humanity for the future—as the religion of the Son, through which one finds the Father by the same paths. Making this religion understandable is, at the same time, one of the most important tasks of spiritual science. It therefore seeks the core of truth in all religions in order to find the core of truth in our own. We recognized that religion did not arise from childish notions, but from the highest wisdom, from spiritual research. We also learned, however, that one can stand at the pinnacle of science and still be a religious person. When this insight, this research, finds a response once more, then a living feeling will awaken for what one of the Theosophists, more than a hundred years ago, Goethe proclaimed to the world more than a hundred years ago as a kind of program—a beautiful and magnificent motto for humanity—with which we wish to conclude today, while acknowledging that there can be no true science, no deeper human observation, that portrays religious truths as childish; and that all religions contain, at their core, our highest goal:
Wer Wissenschaft und Kunst besitzt,
Hat auch Religion;
Wer jene beiden nicht besitzt,
Der habe Religion!
Whoever possesses science and art,
Also possesses religion;
Whoever does not possess those two,
Let him have religion!
