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World-Riddles and Theosophy
GA 54

7 December 1905, Berlin

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9. Innere Entwickelung

9. Inner Development

[ 1 ] In einer großen Reihe von Vorträgen ist hier von den Vorstellungen über die Welt des Übersinnlichen und ihren Zusammenhang mit der Welt des Sinnlichen gesprochen worden. Es ist nur natürlich, daß immer wieder und wieder die Frage auftaucht: Woher stammen die Erkenntnisse von der übersinnlichen Welt? Mit dieser Frage, oder mit andern Worten, mit der Frage nach der inneren Entwickelung des Menschen wollen wir uns heute beschäftigen.

[ 1 ] In a long series of lectures, we have discussed here the conceptions of the supersensible world and its connection to the sensible world. It is only natural that the question arises again and again: Where do our insights into the supersensible world come from? Today we will address this question—or, in other words, the question of human inner development.

[ 2 ] Innere Entwickelung des Menschen ist hier in dem Sinne gemeint, daß sie das Hinaufsteigen des Menschen zu Fähigkeiten bedeutet, die er sich erwerben muß, wenn er jene übersinnlichen Erkenntnisse zu den seinen machen will. Nun mißverstehen Sie nicht dasjenige, was dieser Vortrag will. Dieser Vortrag ist weit davon entfernt, Regeln oder Gesetze aufzustellen, die etwas mit allgemeiner menschlicher Sittlichkeit oder mit Forderungen, die der allgemeinen Zeitreligion angehören, zu tun haben. Ich muß das ausdrücklich aus dem Grunde bemerken, weil ja immer wieder und wieder in unserer Zeit des Nivellements, wo man so gar keinen Unterschied gelten lassen will zwischen Mensch und Mensch, das Mißverständnis auftaucht, als ob derjenige, der von Okkultismus spricht, irgendwelche allgemeine menschliche Forderungen, sittliche Grundsätze oder dergleichen, die für jeden ohne Unterschied gelten, aufstellte. Das ist nicht der Fall. Auch ist der Vortrag, um den es sich heute handelt, keineswegs ein solcher, den man verwechseln darf mit einem Vortrag über allgemeine Grundsätze der theosophischen Bewegung. Der Okkultismus ist nicht dasselbe wie Theosophie. Die Theosophische Gesellschaft hat nicht allein und gewiß nicht ausschließlich die Aufgabe, den Okkultismus zu pflegen. Es könnte sogar möglich sein, daß derjenige, der sich dieser Theosophischen Gesellschaft anschließt, den Okkultismus ganz und gar verpönt.

[ 2 ] “Inner development of the human being” is meant here in the sense that it refers to the human being’s ascent toward abilities that he must acquire if he wishes to make those supersensible insights his own. Now, please do not misunderstand the purpose of this lecture. This lecture is far from establishing rules or laws that have anything to do with general human morality or with the demands of the prevailing religion of our time. I must expressly point this out because, in our age of leveling—where people are so unwilling to accept any distinction whatsoever between one person and another—the misunderstanding arises time and again that anyone who speaks of occultism is establishing some kind of general human requirements, moral principles, or the like that apply to everyone without distinction. That is not the case. Nor is the lecture we are discussing today one that should be confused with a lecture on the general principles of the Theosophical Movement. Occultism is not the same as Theosophy. The Theosophical Society does not have the sole—and certainly not the exclusive—task of cultivating occultism. It might even be possible that someone who joins this Theosophical Society completely disapproves of occultism.

[ 3 ] Unter denjenigen Dingen, die in der Theosophischen Gesellschaft gepflegt werden, zu denen auch eine allgemeine Ethik gehört, ist eben auch der Okkultismus, welcher die Kenntnis derjenigen Gesetze unseres Daseins in sich schließt, die sich der gewöhnlichen Sinnesbeobachtung im alltäglichen menschlichen Erfahrungsbereiche entziehen. Keineswegs sind aber die Gesetze solche, die nichts zu tun haben mit dieser alltäglichen Erfahrung. Okkult heißt: verborgen, geheimnisvoll.Es muß aber wieder und wieder betont werden, daß der Okkultismus etwas ist, wozu gewisse Vorbedingungen wirklich nötig sind. Genau so unverständlich wie die höhere Mathematik für den gewöhnlichen Bauern ist, der noch nie etwas davon gehört hat, ist es der Okkultismus für viele Leute unserer Zeit.

[ 3 ] Among the subjects cultivated within the Theosophical Society—which include general ethics—is occultism, which encompasses knowledge of those laws of our existence that elude ordinary sensory observation within the realm of everyday human experience. However, these laws are by no means unrelated to this everyday experience. “Occult” means hidden, mysterious. Yet it must be emphasized again and again that occultism is something for which certain prerequisites are truly necessary. Just as higher mathematics is incomprehensible to the ordinary farmer who has never heard of it, so too is occultism to many people of our time.

[ 4 ] Der Okkultismus hört aber auf, okkult zu sein, wenn man sich seiner bemächtigt hat. Ich habe also damit das Feld des heutigen Vortrags streng begrenzt. Niemand kann also einwenden — und das muß nach den jahrtausendalten Erfahrungen und vielfach gepflogenen Versuchen ausdrücklich betont werden —, die Forderungen, die der Okkultismus aufstellt, können nicht erfüllt werden, sie widersprechen einer allgemeinen Menschenkultur. Von niemandem wird die Erfüllung derselben verlangt. Wenn aber jemand zu mir kommt und die Überzeugungen, die der Okkultismus verschafft, vermittelt haben will, sich aber weigert, sich mit dem Okkultismus zu befassen, so befindet er sich in genau derselben Lage wie der Schulknabe, der eine Glasstange elektrisch machen will, sich aber weigert, sie zu reiben. Sie wird eben ohne Reibung nicht elektrisch werden. So ungefähr ist es auch mit dem, der gegen die Praktiken des Okkultismus etwas einzuwenden hätte.

[ 4 ] However, occultism ceases to be occult once one has mastered it. I have thus strictly limited the scope of today’s lecture. No one can therefore object—and this must be expressly emphasized in light of millennia of experience and numerous well-established attempts—that the demands made by occultism cannot be fulfilled; they contradict general human culture. No one is required to fulfill these demands. But if someone comes to me wanting to acquire the convictions that occultism provides, yet refuses to engage with occultism, they find themselves in exactly the same situation as the schoolboy who wants to make a glass rod electrically charged but refuses to rub it. It simply will not become electrically charged without rubbing. It is much the same with those who might have objections to the practices of occultism.

[ 5 ] Niemand wird aufgefordert, Okkultist zu werden, jeder muß freiwillig zum Okkultismus kommen. Derjenige, welcher den Einwand macht, daß wir den Okkultismus nicht brauchen, der braucht sich nicht mit ihm zu befassen. Es ist kein Appell an die allgemeine Menschheit, den der Okkultismus in jetziger Zeit stellt. In unserer gegenwärtigen Kultur ist es außerdem außerordentlich schwierig, sich den Forderungen eines Lebens zu unterwerfen, das die übersinnliche Welt erschließt.

[ 5 ] No one is being asked to become an occultist; everyone must come to occultism of their own free will. Anyone who objects that we do not need occultism need not concern themselves with it. Occultism does not make an appeal to humanity at large at this time. Moreover, in our present-day culture, it is extremely difficult to submit to the demands of a life that opens up the supersensible world.

[ 6 ] Zwei Vorbedingungen fehlen in unserer Kultur ganz und gar. Die erste Forderung ist die Isolation, das, was man in der Geheimwissenschaft die höhere menschliche Einsamkeit nennt, die zweite ist die Überwindung eines in unserer Zeit in bezug auf die innersten seelischen Eigenschaften aufs höchste gestiegenen, der Menschheit zum großen Teil unbewußten Egoismus.

[ 6 ] Two prerequisites are completely absent in our culture. The first requirement is isolation—what is called “higher human solitude” in esoteric science—and the second is the overcoming of a form of egoism that, in our time, has reached its peak in terms of our innermost psychological qualities and of which humanity remains largely unaware.

[ 7 ] Der Mangel an diesen beiden Vorbedingungen macht den Entwickelungsgang des inneren Lebens geradezu zu einer Unmöglichkeit. Isolation oder geistige Einsamkeit ist heute deshalb so schwer möglich, weil das Leben immer mehr und mehr zerstreut, zersplittert, kurz, äußere Sinnlichkeit fordert. In keiner Kultur haben die Menschen jemals so im Außerlichen gelebt wie gerade in unserer. Und nun bitte ich, wieder alles, was ich sage, nicht als Kritik zu nehmen, sondern lediglich als Charakteristik.

[ 7 ] The absence of these two prerequisites makes the development of inner life virtually impossible. Isolation or spiritual solitude is so difficult to achieve today because life demands ever-increasing distraction, fragmentation—in short, external sensuality. In no other culture have people ever lived so much in the external world as they do in ours. And now I ask that, once again, you not take anything I say as criticism, but merely as a characterization.

[ 8 ] Selbstverständlich weiß derjenige, der so spricht, wie ich heute spreche, ganz genau, daß das nicht anders sein kann, daß gerade die großen Vorzüge und bedeutenden Errungenschaften unserer Zeit auf diesen Eigenschaften beruhen. Aber deshalb ist unsere Zeit so bar jeder übersinnlichen Erkenntnis und bar jedes Einflusses übersinnlicher Erkenntnisse auf unsere Kultur. In andern Kulturen — und es gibt solche — ist der Mensch in der Lage, sein inneres Leben mehr zu pflegen und sich von Einwirkungen des äußeren Lebens zurückzuziehen. Innerhalb solcher Kulturen gedeiht dann das, was man im höheren Sinne inneres Leben nennt. In den morgenländischen Kulturen gibt es das, was man Joga nennt, und diejenigen, welche nach den Regeln dieser Lehre leben, heißt man Jogi. Ein Jogi ist demnach derjenige, welcher die höhere geistige Wissenschaft anstrebt, aber erst, nachdem er sich einen Meister des Übersinnlichen gesucht hat. Keiner wird sie anders suchen als unter der Anleitung eines Meisters, eines Guru. Wenn er diesen gefunden hat, so muß er einen großen Teil des Tages regelmäßig, nicht unregelmäßig, dazu verwenden, ganz und gar in seiner Seele zu leben. Alle Kräfte, die der Jogi zu entwickeln hat, liegen schon in seiner Seele, sie liegen so sicher, so wahr darin wie die Elektrizität in der Glasstange, aus der sie durch Reiben hervorgelockt wird. Wahr ist es, daß kein Mensch aus sich selbst weiß, wie man diese Kräfte hervorruft, wie ja auch kein Mensch von selbst darauf kommt, daß man die Glasstange durch Reiben elektrisch machen kann. Man muß die durch Jahrtausende hindurch gemachten Beobachtungen und die dadurch herausgebildeten geheimwissenschaftlichen Methoden benützen, um die Kräfte der Seele hervorzurufen. Und das ist sehr schwer in unserer Zeit, die von jedem Menschen durch den Daseinskampf fordert, daß er sich zersplittert. Er kommt nicht zu der großen inneren Sammlung, nicht einmal zu einem Begriff von der Sammlung, den man da im Joga hatte. Kein Bewußtsein ist da von der tiefen Einsamkeit, die der Jogi suchen muß. Er muß, wenn auch nur für kurze Zeit, so doch mit ungeheurer Regelmäßigkeit jeden Tag dieselbe Sache rhythmisch wiederholen, mit völliger Abgeschiedenheit von alledem, worin man sonst lebt. Es ist notwendig und absolut unerläßlich, daß alles Leben, das uns sonst umgibt, vor dem Jogi erstirbt, daß seine Sinne unempfänglich werden gegenüber allen Eindrücken der Außenwelt. Blind und taub muß sich der Jogi machen können gegenüber der Umwelt für die Zeit, die er sich selbst vorschreibt. So in sich gesammelt muß er sein können — und er muß sich die Praxis in dieser Sammlung erwerben —, daß man eine Kanone neben ihm abschießen könnte, ohne daß er darin, seine Aufmerksamkeit auf das innere Leben zu richten, gestört werden würde. Frei muß er auch werden von allen Gedächtniseindrücken, von allen Erinnerungen an das Alltagsleben.

[ 8 ] Of course, anyone who speaks as I am speaking today knows full well that it cannot be otherwise—that the very great virtues and significant achievements of our time are based on these qualities. But that is precisely why our time is so devoid of any supersensible knowledge and devoid of any influence of supersensible knowledge on our culture. In other cultures—and such cultures do exist—people are able to cultivate their inner life more fully and withdraw from the influences of external life. Within such cultures, what is called, in the higher sense, the inner life flourishes. In Eastern cultures, there is what is called yoga, and those who live according to the rules of this teaching are called yogis. A yogi, therefore, is one who strives for the higher spiritual science, but only after seeking out a master of the supersensible. No one will seek it except under the guidance of a master, a guru. Once he has found such a master, he must devote a large part of each day—regularly, not sporadically—to living entirely within his soul. All the powers that the yogi must develop are already present in his soul; they lie there as surely and as truly as electricity lies within the glass rod from which it is drawn out by friction. It is true that no one knows on his own how to evoke these powers, just as no one would think on his own that a glass rod can be made electrically charged by rubbing. One must make use of the observations made over millennia and the esoteric methods developed as a result in order to evoke the powers of the soul. And this is very difficult in our time, which demands that every person fragment themselves in the struggle for existence. They do not attain the great inner concentration, nor even a conception of the concentration that was practiced in yoga. There is no awareness of the profound solitude that the yogi must seek. He must, even if only for a short time, yet with immense regularity, repeat the same thing rhythmically every day, in complete seclusion from everything in which one otherwise lives. It is necessary and absolutely essential that all the life that otherwise surrounds us die away before the yogi, that his senses become impervious to all impressions from the outside world. The yogi must be able to make himself blind and deaf to his surroundings for the time he prescribes for himself. He must be able to maintain such inner composure—and he must acquire the practice of this composure—that a cannon could be fired right next to him without disturbing his focus on his inner life. He must also free himself from all impressions stored in memory, from all recollections of everyday life.

[ 9 ] Nun bedenken Sie, wie außerordentlich schwer diese Vorbedingungen in unserer Kultur herzustellen sind, wie wenig man einen Begriff von solcher Isolation, von solcher geistigen Einsamkeit hat. Dies alles muß man nämlich unter einer Voraussetzung erreichen, nämlich unter der, nie in irgendeiner Weise die Harmonie, das völlige Gleichgewicht gegenüber der Außenwelt zu verlieren. Und das ist außerordentJich leicht möglich bei einer so tiefen Versenkung in sein Inneres. Derjenige, der sich tiefer und tiefer in sein Inneres einlebt, muß gleichzeitig die Harmonie mit der Außenwelt um so klarer herstellen. Nichts, was an Entfremdung, an Entfernung vom äußeren praktischen Leben anklingt, darf bei ihm auftreten, sonst gerät er auf eine schiefe Bahn, sonst wird man vielleicht sein höheres Leben bis zu einem gewissen Grade nicht von Wahnsinn unterscheiden können. Es ist wirklich eine Art Wahnsinn, wenn das innere Leben seine Beziehungen zum äußeren verliert. Denken Sie sich einmal — um Ihnen das an einem Beispiel klarzumachen —, Sie wären klug in bezug auf unsere irdischen Verhältnisse, Sie hätten alle Erfahrung und Weisheit, die auf Erden gesammelt werden kann. Sie schlafen abends ein, wachen aber morgens nicht auf der Erde, sondern auf dem Mars auf. Auf dem Mars sind nun aber ganz andere Verhältnisse als auf der Erde, Alle Wissenschaft, die Sie auf der Erde gesammelt haben, nützt Ihnen da ganz und gar nichts. Keine Harmonie ist mehr da zwischen dem, was in Ihrem Inneren lebt und dem, was außer Ihnen vorgeht. Daher würden Sie wahrscheinlich in einer Stunde schon, weil Sie sich in den neuen Verhältnissen nicht zurechtfinden können, in ein MarsIrrenhaus gesteckt werden. Auf eine solche Bahn kann derjenige leicht gelenkt werden, der in der Entwickelung seines Innenlebens den Zusammenhang mit der Außenwelt verliert. Daß dies nicht geschieht, darauf hat man streng zu achten. Alles das sind große Schwierigkeiten in unserer Kultur.

[ 9 ] Now consider how extraordinarily difficult it is to create these prerequisites in our culture, how little people have any concept of such isolation, of such spiritual solitude. All of this must be achieved under one condition: namely, that one must never, in any way, lose harmony—that is, complete equilibrium—with the outside world. And this is extraordinarily easy to achieve when one is so deeply immersed in one’s inner self. The person who delves deeper and deeper into his inner self must, at the same time, establish harmony with the outside world all the more clearly. Nothing that smacks of alienation or detachment from practical external life must arise within them; otherwise, they will go astray, and their higher life may, to a certain extent, become indistinguishable from madness. It is truly a kind of madness when the inner life loses its connection to the outer world. Just imagine—to illustrate this with an example—that you were wise in regard to our earthly circumstances, that you possessed all the experience and wisdom that can be gathered on Earth. You fall asleep in the evening, but wake up in the morning not on Earth, but on Mars. But conditions on Mars are entirely different from those on Earth. All the knowledge you have acquired on Earth is of absolutely no use to you there. There is no longer any harmony between what lives within you and what is happening outside of you. Consequently, probably within an hour—simply because you cannot find your bearings in these new circumstances—you would be committed to a Martian asylum. Anyone who loses touch with the outside world in the development of their inner life can easily be steered down such a path. Great care must be taken to ensure that this does not happen. All of these are major difficulties in our culture.

[ 10 ] Das andere Hindernis ist eine Art Egoismus in bezug auf innere seelische Eigenschaften, von denen sich die gegenwärtige Menschheit gewöhnlich keine Rechenschaft gibt. Das hängt eng mit der geistigen Entwickelung des Menschen zusammen, Es gehört nämlich zu den Vorbedingungen der geistigen Entwickelung, daß man sie nicht aus Egoismus sucht. Wer sie aus Egoismus sucht, kann nicht weit kommen. Nun ist aber unsere Zeit bis ins Innere der Menschenseele hinein egoistisch. Man erlebt immer wieder und wieder, daß man zu hören bekommt: Ja, was helfen mir alle Lehren, die im Okkultismus verbreitet werden, wenn ich sie nicht selbst erleben kann? — Wer von dieser Voraussetzung ausgeht und auch nicht von ihr abkommt, kann schwerlich zu einer wirklich höheren Entwickelung kommen, denn zur höheren Entwickelung gehört das intimste Bewußtsein menschlicher Gemeinschaft, so daß es gleichgültig ist, ob ich selbst oder ein anderer diese oder jene Erfahrung mache. Ich muß daher dem, der höhereEntwickelung hat als ich, unbegrenzteLiebe und volles Vertrauen entgegenbringen. Erst muß ich mich zu diesem Bewußtsein durchringen, zu dem Bewußtsein unendlichen Vertrauens gegenüber meinem Mitmenschen, wenn er sagt, das und das habe ich erlebt. Solches Vertrauen muß Bedingung des Gemeinschaftslebens sein, und wo auch immer solche okkulten Fähigkeiten in ausgedehnterem Maße herangezogen werden, da ist dieses Vertrauen in grenzenloser Weise vorhanden, da hat man das Bewußtsein, daß der Mensch eine Persönlichkeit ist, in der eine höhere Individualität lebt., Die Grundlage für mich ist also zunächst das Vertrauen und der Glaube, weil wir nicht bloß immer in uns unser höheres Selbst suchen, sondern auch in unseren Mitmenschen. Jeder, der um uns herum lebt, ist seinem innern Wesenskern nach in voller ungeteilter Einheit mit uns.

[ 10 ] The other obstacle is a kind of selfishness regarding inner spiritual qualities, of which present-day humanity is generally unaware. This is closely connected to human spiritual development; for one of the prerequisites of spiritual development is that one does not seek it out of selfishness. Those who seek it out of selfishness cannot get very far. Yet our age is selfish right down to the very core of the human soul. Time and again, one hears people say: “What good are all the teachings propagated in occultism to me if I cannot experience them for myself?” — Anyone who starts from this premise and does not move beyond it can hardly attain a truly higher level of development, for higher development involves the most intimate awareness of human community, so that it makes no difference whether I myself or someone else has this or that experience. I must therefore show boundless love and complete trust toward those who are more advanced than I am. First, I must bring myself to this awareness—the awareness of infinite trust in my fellow human beings—when they say, “I have experienced this or that.” Such trust must be a prerequisite for communal life, and wherever such occult abilities are utilized to a greater extent, this trust exists in a boundless way; there, one has the awareness that a human being is a personality in whom a higher individuality dwells. The foundation for me, therefore, is first and foremost trust and faith, because we do not merely seek our higher self within ourselves, but also within our fellow human beings. Everyone who lives around us is, at the core of their inner being, in complete and undivided unity with us.

[ 11 ] Solange es auf mein niederes Selbst ankommt, so lange bin ich von andern Menschen getrennt. Dann aber, wenn es sich um mein höheres Selbst handelt — und nur dieses kann in die übersinnliche Welt hinaufsteigen —, dann bin ich nicht mehr von den Mitmenschen getrennt, dann bin ich ein einheitliches Wesen mit meinen Mitmenschen, dann ist derjenige, der zu mir von den höheren Wahrheiten spricht: ich selbst. Ich muß diesen Unterschied zwischen ihm und mir ganz fallenlassen, ich muß das Gefühl ganz überwinden, daß er etwas vor mir voraus hat. Versuchen Sie sich in dieses Gefühl ganz und gar hineinzuleben, so daß es bis in die intimsten Fäserchen der menschlichen Seele dringt und jeder Egoismus schwindet, und der andere, der weiter ist als Sie, wirklich so vor Ihnen steht wie Ihr eigenes Selbst, dann haben Sie eine der Vorbedingungen begriffen, die dazu gehören, höheres geistiges Leben zu erwecken.

[ 11 ] As long as my lower self is the focus, I remain separated from other people. But when it comes to my higher self—and only this can ascend into the supersensible world—then I am no longer separated from my fellow human beings; then I am a unified being with my fellow human beings; then the one who speaks to me of the higher truths is myself. I must completely let go of this distinction between him and me; I must completely overcome the feeling that he is ahead of me in some way. Try to immerse yourself completely in this feeling, so that it penetrates even the most intimate fibers of the human soul and all egoism fades away, and the other person—who is further along than you—truly stands before you just as your own self does; then you will have grasped one of the prerequisites necessary for awakening a higher spiritual life.

[ 12 ] Sie können es gerade da, wo Anleitung zum okkulten Leben — oftmals sehr verkehrt und irrtümlich — gegeben wird, hören: Das höhere Selbst lebt im Menschen, er braucht nur sein Inneres sprechen zu lassen und es wird sich die höchste Wahrheit offenbaren. — Nichts ist einerseits richtiger und andererseits unfruchtbarer, als was da behauptet wird. Der Mensch versuche einmal, seinen inneren Menschen sprechen zu lassen, und er wird sehen, daß in der Regel, auch wenn er sich noch so sehr einbildet, daß sein höheres Selbst zum Vorschein kommt, sein niederes Selbst spricht. Das höhere Selbst finden wir zunächst nicht in uns. Wir müssen es zuerst außer uns suchen. Bei dem, der weiter ist, können wir ein Stück lernen, da wir es da gleichsam anschaulich haben. Niemals können wir von unserem eigenen egoistischen Ich etwas für unser höheres Selbst profitieren. Wo der steht, der weiter ist als ich, da werde ich einst in Zukunft stehen. Der Anlage nach trage ich wirklich den Samen für das, was er ist, in mir. Aber erst müssen sie erhellt sein, die Wege zum Olymp hinauf, damit ich ihnen nachwandeln kann.

[ 12 ] You can hear it precisely where guidance on the occult life—often very misguided and erroneous—is given: The higher self lives within the human being; one need only let one’s inner self speak, and the highest truth will reveal itself. — Nothing is, on the one hand, more correct and, on the other hand, more fruitless than what is claimed here. Let a person try to let their inner self speak, and they will see that, as a rule—even if they imagine to the utmost that their higher self is coming to the fore—it is their lower self that speaks. We do not find the higher self within ourselves at first. We must first seek it outside ourselves. From those who are further along, we can learn a little, since we have it there, as it were, in vivid form. We can never gain anything for our higher self from our own selfish ego. Where the one who is further along stands, there I will one day stand in the future. By nature, I truly carry within me the seed of what he is. But first, the paths leading up to Olympus must be illuminated so that I may follow them.

[ 13 ] Ein Gefühl, Sie mögen es glauben oder nicht — jeder praktische Okkultist, der Erfahrung hat, wird es Ihnen bestätigen —, ein Gefühl ist die Grundbedingung für alle okkulte Entwickelung, welches in den verschiedenen Religionen erwähnt wird. Die christliche Religion bezeichnet es mit dem bekannten Satze, den man als Okkultist ganz und gar verstehen muß: «Wenn ihr nicht werdet wie die Kindlein, so könnt ihr nicht in das Reich der Himmel kommen.» Derjenige versteht den Satz allein, der im höchsten Sinne des Wortes verehren gelernt hat. Nehmen Sie einmal an, Sie hätten in frühester Jugend eine verehrungswürdige Person schildern gehört, eine Persönlichkeit, von der in Ihnen die höchste Vorstellung in einer Richtung erweckt worden ist, und es soll Ihnen die Gelegenheit geboten werden, diese Persönlichkeit näher kennenzulernen. Eine heilige Scheu vor dieser Persönlichkeit lebt in Ihnen an dem Tage, der Ihnen den Augenblick bringen soll, wo Sie dieselbe zum ersten Male leibhaftig sehen. Da können Sie, vor der Türe dieser Persönlichkeit stehend, das Gefühl haben, sich zu scheuen, die Klinke zu berühren und die Tür aufzumachen. Wenn Sie so hinaufschauen zu solch verehrungswürdiger PersönJichkeit, dann haben Sie ungefähr das Gefühl begriffen, das auch das Christentum meint, wenn es sagt, daß man werden soll wie die Kindlein, um teilzunehmen am Reiche der Himmel. Es kommt wirklich nicht so sehr darauf an, ob derjenige, an welchen das Gefühl gerichtet ist, es auch in vollem Maße verdient, sondern es kommt darauf an, daß wir die Fähigkeit haben, so recht tief aus unserem Inneren heraus verehrungsvoll zu etwas aufzuschauen. Das ist das Bedeutungsvolle bei der Verehrung, daß man selbst zu dem hinaufgezogen wird, zu dem man aufblickt.

[ 13 ] A feeling—believe it or not, as any experienced occultist will confirm—is the fundamental prerequisite for all occult development, as mentioned in the various religions. The Christian religion describes it with the well-known phrase, which one must fully understand as an occultist: “Unless you become like little children, you cannot enter the Kingdom of Heaven.” Only those who have learned to revere in the highest sense of the word can understand this phrase. Suppose you had heard, in your earliest youth, a description of a venerable person—a figure who awakened in you the highest conception of a certain kind—and you were to be offered the opportunity to get to know this person more closely. A sacred awe for this person lives within you on the day that is to bring the moment when you see them in the flesh for the first time. Standing at that person’s door, you might feel hesitant to touch the doorknob and open the door. When you look up at such a venerable figure, you have grasped, to some extent, the feeling that Christianity also refers to when it says that one must become like little children to enter the Kingdom of Heaven. It really does not matter so much whether the person toward whom this feeling is directed fully deserves it, but rather that we have the capacity to look up at something with such deep reverence from the very depths of our being. That is what is significant about reverence: that one is oneself drawn upward toward the one one looks up to.

[ 14 ] Das Gefühl der Verehrung ist die erhebende Kraft, die magnetische Kraft, die uns zu den höheren Sphären des übersinnlichen Lebens hinaufzieht. Das ist das Gesetz der okkulten Welt, das sich jeder, der höheres Leben sucht, wie mit goldenen Lettern in seine Seele hineinschreiben muß. Von dieser Grundstimmung des Gemütes aus muß die Entwickelung beginnen. Ohne dieses Gefühl ist überhaupt nichts zu erreichen. Sodann muß derjenige, der innere Entwickelung sucht, sich darüber klar sein, daß er Ungeheueres in bezug auf den Menschen tut. Was er sucht, ist nichts mehr und nichts weniger als eine Neugeburt, und zwar in buchstäblichem Sinne. Die höhere Seele des Menschen soll geboren werden. Und so wie der Mensch bei seiner ersten Geburt geboren worden ist aus den tiefen inneren Gründen des Daseins, wie er hervorgetreten ist zum Lichte der Sonne, so tritt derjenige, der innere Entwickelung sucht, von dem Lichte der Sonne, von dem, was er in der Sinnenwelt erleben kann, zu einem höheren geistigen Licht heraus. Es wird in ihm etwas geboren, das in dem gewöhnlichen Menschen, der dabei die Mutter darstellt, ebenso tief ruht wie das Kind in der Mutter, bevor es geboren wird.

[ 14 ] The feeling of reverence is the uplifting force, the magnetic force, that draws us upward toward the higher spheres of the supersensible life. This is the law of the occult world, which everyone who seeks a higher life must inscribe into their soul as if in golden letters. Development must begin from this fundamental state of mind. Without this feeling, nothing at all can be achieved. Furthermore, anyone seeking inner development must be clear that they are undertaking something monumental in relation to the human being. What they seek is nothing more and nothing less than a rebirth—in the literal sense. The higher soul of the human being is to be born. And just as the human being was born at his first birth from the deep inner foundations of existence, just as he emerged into the light of the sun, so too does the one who seeks inner development emerge from the light of the sun—from what he can experience in the sensory world—into a higher spiritual light. Something is born within them that lies just as deeply within the ordinary human being—who represents the mother in this process—as the child lies within the mother before it is born.

[ 15 ] Wer sich der vollen Tragweite dieser Tatsache nicht bewußt ist, der weiß nicht, was okkulte Entwickelung heißt. Die höhere Seele, die zunächst tief, tief in der ganzen Menschennatur steckt und mit ihr verwoben ist, wird herausgeholt. Wenn der Mensch im alltäglichen Leben vor uns steht, sind niedere und höhere Natur miteinander verquickt, und das ist ein Glück für das alltägliche Leben.

[ 15 ] Anyone who is not aware of the full significance of this fact does not know what occult development means. The higher soul, which is initially embedded deep, deep within the whole of human nature and interwoven with it, is brought to the surface. When a person stands before us in everyday life, the lower and higher natures are blended together, and that is a blessing for everyday life.

[ 16 ] Mancher, der unter uns lebt, würde, wenn er seiner niederen Natur folgte, vielleicht bösartige, schlimme Eigenschaften zutage fördern, aber in ihm lebt, vermischt mit dieser niederen Natur, die höhere, welche jene im Zaume hält. Die Vermischung ist vergleichsweise so, wie wenn wir in einem Glase eine gelbe und eine blaue Flüssigkeit mengen, was eine grüne Flüssigkeit gibt, in der wir Gelb und Blau nicht mehr unterscheiden können. So ist auch im Menschen die niedere Natur mit der höheren vermischt und beide sind nicht mehr voneinander zu unterscheiden. Wie Sie dann aus der grünen Flüssigkeit die blaue durch chemische Mittel herausziehen können, so daß nur das Gelbe zurückbleibt und das einheitliche Grün in eine vollständige Zweiheit, in Blau und Gelb getrennt wird, so trennen Sie bei der okkulten Entwickelung die niedere von der höheren Natur.Sie ziehen die niedere Natur aus dem Körper heraus wie den Degen aus der Scheide, die dann für sich allein bleibt. Diese niedere Natur kommt so heraus, daß sie fast schauerlich erscheint. Als sie noch vermischt war mit der höheren Natur, war davon nichts zu bemerken. Jetzt aber, wo sie getrennt ist, treten alle bösartigen, schlimmen Eigenschaften hervor. Menschen, die vorher als wohlwollend erschienen waren, werden oft zanksüchtig und neidisch. Diese Eigenschaften saßen früher schon in ihrer niederen Natur, wurden aber von der höheren beherrscht. Das können Sie bei vielen Leuten beobachten, die auf abnormen Wegen geführt werden. Ganz besonders leicht wird der Mensch zum Lügner, wenn er in die übersinnliche Welt eingeführt wird. Er verliert leicht die Fähigkeit, Wahres von Falschem zu unterscheiden. Es gehört notwendig zur okkulten Schulung, daß parallel mit derselben die strengste Schulung des Charakters einhergeht. Das, was die Geschichte der Heiligen als deren Versuchungen erzählt, ist nicht Legende, sondern buchstäbliche Wahrheit.

[ 16 ] Some among us, if they were to follow their lower nature, might reveal malicious and wicked traits; but within them, mingled with this lower nature, lives the higher nature, which keeps the former in check. This mixture is comparable to mixing a yellow and a blue liquid in a glass, which produces a green liquid in which we can no longer distinguish between yellow and blue. Similarly, in human beings, the lower nature is mixed with the higher, and the two can no longer be distinguished from one another. Just as you can extract the blue from the green liquid by chemical means, so that only the yellow remains and the uniform green is separated into a complete duality—blue and yellow—so, in occult development, you separate the lower nature from the higher nature. You draw the lower nature out of the body like a sword from its sheath, which then remains on its own. This lower nature emerges in such a way that it appears almost terrifying. When it was still mingled with the higher nature, nothing of this was noticeable. But now that it is separated, all its malicious and evil qualities come to the fore. People who previously appeared benevolent often become quarrelsome and envious. These traits were already present in their lower nature, but were suppressed by the higher nature. You can observe this in many people who are led down abnormal paths. It is particularly easy for a person to become a liar when they are introduced to the supersensible world. They easily lose the ability to distinguish truth from falsehood. It is an essential part of occult training that the strictest discipline of character must accompany it. What the history of the saints recounts as their temptations is not legend, but literal truth.

[ 17 ] Derjenige, welcher sich auf irgendeinem Wege in die höhere Welt hinaufentwickeln will, ist dieser Versuchung leicht ausgesetzt, wenn er nicht die Kraft und die Gewalt der Charakterstärke und eine höchste Moralität in sich entwickelt hat, um alles, was an ihn herantritt, niederhalten zu können. Nicht allein, daß Begierde und Leidenschaften wachsen, das ist nicht einmal so sehr der Fall, sondern — und das erscheint zunächst wunderbar — auch die Gelegenheiten nehmen zu. Wie durch ein Wunder wird derjenige, der in die höhere Welt hinaufsteigt, von Gelegenheiten zum Schlimmen und Bösen umlauert, die ihm vorher verborgen gewesen sind. In jeder Tatsache des Lebens lauert ihm ein Dämon auf, der ihn auf Abwege zu führen sucht. Was er früher nicht gesehen hat, sieht er jetzt. Es zaubert ihm gleichsam die Spaltung seiner Natur überall aus den geheimen Stätten des Lebens solche Gelegenheiten vor. Deshalb wird von der sogenannten weißen Magie, von derjenigen Schule okkulter Entwickelung, die den Menschen in die höheren Welten führt auf gute, echte und wahre Weise, eine ganz bestimmte Charakterbildung als unerläßlich gefordert. Jeder praktische Okkultist wird Ihnen sagen, daß niemand durch diejenige engePforte zu schreiten wagen sollte — so nennt man den Eingang zur okkulten EntwickeJlung —, ohne diese Eigenschaften fort und fort zu üben. Sie sind eine notwendige Vorschule zum okkulten Leben.

[ 17 ] Anyone who wishes to evolve toward the higher world in any way is easily exposed to this temptation unless they have developed within themselves the strength and power of a strong character and the highest moral standards to be able to resist everything that comes their way. It is not merely that desires and passions grow—that is not even the main issue—but rather—and this may seem strange at first—the opportunities themselves also increase. As if by a miracle, the one who ascends into the higher world is beset by opportunities for evil and wickedness that were previously hidden from him. In every fact of life, a demon lies in wait for him, seeking to lead him astray. What he did not see before, he now sees. As it were, the division within their nature conjures up such opportunities from the secret recesses of life everywhere. That is why so-called white magic—the school of occult development that leads people into the higher worlds in a good, genuine, and true way—requires a very specific character development as an indispensable prerequisite. Every practical occultist will tell you that no one should dare to pass through that narrow gate—as the entrance to occult development is called—without continually cultivating these qualities. They are a necessary preparatory course for the occult life.

[ 18 ] Das erste, was der Mensch entwickeln muß, ist, auf allen seinen Wegen durch das Leben das Unbedeutende von dem Bedeutenden, das Vergängliche von dem Unvergänglichen zu trennen. Diese Forderung ist leicht zu stellen, aber oft schwer durchzuführen. Es ist, wie Goethe sagt, zwar leicht, doch ist das Leichte schwer. Sehen Sie sich zum Beispiel eine Pflanze oder ein Ding an. Sie lernen erkennen, daß jedes Ding eine bedeutende und eine unbedeutende Seite hat und der Mensch meistens an dem Unbedeutenden sein Interesse findet, an der Beziehung der Sache zu ihm oder an einer untergeordneten Eigenschaft. Derjenige, der Okkultist werden will, muß sich allmählich angewöhnen, in jedem Ding eine Wesenheit zu sehen und zu suchen. Er muß, wenn er zum Beispiel eine Uhr sieht, ein Interesse daran haben, welches die Gesetze der Uhr sind. Er muß sie bis ins kleinste hinein zergliedern können und ein Gefühl dafür entwickeln, welches die Gesetze der Uhr sind. Nehmen Sie ferner an, ein Mineraloge betrachtet einen Bergkristall. Er wird schon durch eine äußere Betrachtung zu einer bedeutenden Kenntnis des Kristalls kommen. Der Okkultist aber muß einen Stein in die Hand nehmen und lebendig fühlen können, was etwa in dem folgenden Monolog angedeutet ist: In gewisser Beziehung stehst du unterhalb der Menschheit, aber in gewisser Beziehung stehst du, der Bergkristall, weit über der Menschheit. Unter der Menschheit stehst du, weil du dir von den Menschen keine Bilder durch Vorstellung machen kannst, weil du nicht empfindest. Du kannst nicht vorstellen, nicht denken und lebst nicht, aber etwas hast du vor der Menschheit voraus, du bist in dir selbst keusch, hast kein Verlangen, keine Wünsche und Begierden. Jeder Mensch, jedes lebendige Wesen hat Wünsche, Verlangen, Begierden; du hast sie nicht. Du bist vollkommen und wunschlos, zufrieden mit dem, was dir geworden ist, ein Vorbild für den Menschen, mit dem er dann noch seine andern Eigenschaften verbinden muß.

[ 18 ] The first thing a person must learn to do is to distinguish, in all their journeys through life, the insignificant from the significant, the transitory from the eternal. This is easy to say, but often difficult to put into practice. As Goethe says, it is indeed easy, yet what is easy is difficult. Take, for example, a plant or an object. You will learn to recognize that every thing has a significant and an insignificant side, and that people usually find their interest in the insignificant—in the object’s relationship to them or in some minor characteristic. Anyone who wishes to become an occultist must gradually accustom themselves to seeing and seeking a spirit in every thing. When they see a watch, for example, they must take an interest in the laws governing it. They must be able to dissect it down to its smallest parts and develop a sense of what those laws are. Suppose, furthermore, that a mineralogist is examining a rock crystal. Even through mere external observation, he will gain significant insight into the crystal. The occultist, however, must take a stone in his hand and be able to vividly sense what is suggested in the following monologue: “In a certain respect, you stand below humanity, but in another respect, you—the rock crystal—stand far above humanity.” You stand below humanity because you cannot form mental images of people, because you do not feel. You cannot imagine, cannot think, and do not live; yet you have one advantage over humanity: you are chaste within yourself, having no desires, no wishes, and no cravings. Every human being, every living creature, has wishes, desires, and cravings; you do not. You are perfect and free of desire, content with what has become of you—a model for humanity, to which they must then add their own other qualities.

[ 19 ] Kann der Okkultist das recht tief fühlen, so hat er das Bedeutende ergriffen, das ihm der Stein sagen kann. So kann der Mensch aus jedem Ding etwas Bedeutungsvolles schöpfen. Wenn ihm das dann zur Gewohnheit geworden ist, daß er das Bedeutende von dem Unbedeutenden sondert, dann hat er sich ein weiteres der Gefühle angeeignet, die der Okkultist haben muß. Sodann muß er sein eigenes Leben mit dem Bedeutenden verbinden. Darin irren die Menschen besonders in unserer Zeit sehr leicht. Die Menschen glauben sehr leicht, daß der Platz, an dem sie stehen, ihnen nicht gebühre. Wie häufig sind Menschen geneigt zu sagen: Mein Los hat mich an einen Platz gestellt, an den ich nicht passe. Ich bin, sagen wir zum Beispiel Postbeamter. Wenn ich an einen andern Platz gestellt wäre, so könnte ich den Leuten hohe Ideen vermitteln, große Lehren geben und so weiter. — Der Fehler bei diesen Menschen ist der, daß sie ihr Leben nicht an das Bedeutende ihres Berufes anknüpfen. Sehen Sie in mir etwas Bedeutendes, weil ich zu den Menschen hier reden kann, so sehen Sie das Bedeutende in Ihrem eigenen Leben und Beruf nicht. Wenn die Postbriefträger die Briefe nicht wegtrügen, so würde der ganze Briefverkehr stocken, viele Arbeit, die von andern bereits geleistet ist, wäre umsonst.

[ 19 ] If the occultist can feel this quite deeply, he has grasped the significance that the stone can convey to him. In this way, a person can draw something meaningful from every object. Once it has become a habit for him to distinguish the significant from the insignificant, he has acquired yet another of the sensibilities that the occultist must possess. He must then connect his own life to what is significant. This is where people—especially in our time—very easily go astray. People are very quick to believe that the place where they stand is not where they belong. How often are people inclined to say: “Fate has placed me in a position where I do not belong. I am, let us say, a postal worker. If I were in a different position, I could convey lofty ideas to people, impart great teachings, and so on.” — The mistake these people make is that they do not connect their lives to the significance of their profession. If you see something significant in me simply because I can speak to the people here, then you fail to see the significance in your own life and profession. If the mail carriers did not deliver the letters, the entire mail system would grind to a halt, and much of the work already done by others would be in vain.

[ 20 ] Daher ist jeder an seinem Posten von außerordentlicher Wichtigkeit für das Ganze, und keiner ist höher als der andere. Christus hat das am schönsten in geradezu herrlicher Weise anzudeuten versucht im dreizehnten Kapitel des Evangeliums Johanni in den Worten: «Der Knecht ist nicht größer denn sein Herr, noch der Apostel größer denn der, der ihn gesandt hat.» Diese Worte wurden gesprochen, nachdem der Meister den Aposteln die Füße gewaschen hatte. Damit wollte er sagen: Was wäre ich ohne meine Apostel? Sie müssen da sein, damit ich da sein kann in der Welt, und ich habe ihnen den Tribut zu bringen, daß ich mich vor ihnen erniedrige und ihnen die Füße wasche. — Da ist einer der bedeutendsten Hinweise für das Gefühl, das der Okkultist für das Bedeutende haben muß. Nicht darf man das äußerlich Bedeutende mit dem innerlich Bedeutenden verwechseln, darauf ist streng zu achten.

[ 20 ] Therefore, everyone in their respective roles is of extraordinary importance to the whole, and no one is greater than the other. Christ sought to express this most beautifully, in a truly magnificent way, in the thirteenth chapter of the Gospel of John with the words: “A servant is not greater than his master, nor is an apostle greater than the one who sent him.” These words were spoken after the Master had washed the apostles’ feet. By this He meant to say: What would I be without my apostles? They must be there so that I can be present in the world, and I must pay them the tribute of humbling myself before them and washing their feet. — This is one of the most significant indications of the attitude the occultist must have toward what is significant. One must not confuse what is significant outwardly with what is significant inwardly; this must be strictly observed.

[ 21 ] Dann müssen wir eine Reihe von Eigenschaften entwickeln. Dazu gehört in erster Linie, daß wir Herr unserer Gedanken werden, namentlich der Gedankenfolge. Man nennt das Kontrolle der Gedanken. Überlegen Sie sich einmal, wie in der Seele des Menschen die Gedanken hin- und herschwirren, wie sie drinnen herumirrlichtelieren: da tritt ein Eindruck auf, dort ein anderer, und jeder einzelne verändert den Gedanken. Es ist nicht wahr, daß wir den Gedanken in der Hand haben, vielmehr beherrschen uns die Gedanken ganz und gar. Wir müssen aber so weit kommen, daß wir während einer gewissen Zeit des Tages uns in einen bestimmten Gedanken versenken und uns sagen: Kein anderer Gedanke darf in unsere Seele einziehen und uns beherrschen. — Damit führen wir selbst die Zügel des Gedankenlebens für einige Zeit.

[ 21 ] Then we must develop a number of qualities. First and foremost among these is gaining mastery over our thoughts, particularly the flow of our thoughts. This is called control of the thoughts. Just consider how thoughts flit back and forth in the human soul, how they wander about inside: one impression arises here, another there, and each one alters the thought. It is not true that we have thoughts under our control; rather, thoughts control us completely. But we must reach the point where, for a certain time each day, we immerse ourselves in a specific thought and tell ourselves: No other thought may enter our soul and control us. — In this way, we ourselves hold the reins of our thought life for a time.

[ 22 ] Das zweite ist, daß wir uns in ähnlicher Weise zu unseren Handlungen verhalten, also Kontrolle der Handlungen üben. Dabei ist notwendig, daß wir wenigstens dazu gelangen, ab und zu solche Handlungen zu begehen, zu denen wir durch nichts, was von außen kommt, veranlaßt sind. Alles dasjenige, wozu wir durch unseren Stand, unseren Beruf, unsere Stellung veranlaßt sind, das führt uns nicht tiefer in das höhere Leben hinein. Das höhere Leben hängt von solchen Intimitäten ab, zum Beispiel daß wir den Entschluß fassen, ein Erstes zu tun, etwas, was unserer ureigensten Initiative entspringt, und wenn es auch nur eine ganz unbedeutende Tatsache wäre. Alle andern Handlungen tragen zum höheren Leben nichts bei.

[ 22 ] The second point is that we should adopt a similar attitude toward our actions—that is, exercise control over them. To do this, it is necessary that we at least manage, from time to time, to perform actions that are not prompted by anything external. Everything we are prompted to do by our social standing, our profession, or our position does not lead us deeper into the higher life. The higher life depends on such intimate acts—for example, when we resolve to do something for the first time, something that springs from our very own initiative, even if it is only a completely insignificant act. All other actions contribute nothing to the higher life.

[ 23 ] Das Folgende, das dritte, was es zu erstreben gilt, ist die Ertragsamkeit. Die Menschen schwanken zwischen Freude und Schmerz hin und her, sind in diesem Zeitpunkte himmelhoch jauchzend, im andern zu Tode betrübt. So lassen sich die Menschen auf den Wellen des Lebens, der Freude und des Schmerzes schaukeln. Sie müssen aber den Gleichmut, die Gelassenheit erlangen. Das größte Leid, die größten Freuden dürfen sie nicht aus der Fassung bringen, sie müssen feststehen, ertragsam werden.

[ 23 ] The next thing—the third thing—to strive for is contentment. People swing back and forth between joy and sorrow; at one moment they are overjoyed, and the next they are deeply grieved. Thus, people are tossed about on the waves of life, joy, and sorrow. But they must attain equanimity and serenity. They must not let the greatest sorrows or the greatest joys unsettle them; they must stand firm and become resilient.

[ 24 ] Das vierte ist das Verständnis für ein jegliches Wesen. Durch nichts wird schöner ausgedrückt, was es heißt, ein jegliches Wesen zu verstehen, als durch eine Legende, die uns über den Christus Jesus erhalten geblieben ist, nicht im Evangelium, sondern in einer persischen Erzählung. Jesus ging mit seinen Jüngern über Feld, und sie fanden auf dem Wege einen verwesenden Hund. Greulich war das Tier anzusehen. Jesus blieb stehen und warf bewundernde Blicke auf dasselbe, indem er sagte: «Wie schöne Zähne hat doch das Tier.» Jesus hat aus dem Scheußlichen das eine Schöne herausgefunden. Streben Sie, dem Herrlichen überall so beizukommen, an jedem Ding draußen in der Wirklichkeit, dann werden Sie sehen, daß jedes Ding etwas hat, zu dem man ja sagen kann. Machen Sie es wie Christus, der an dem toten Hunde die schönen Zähne bewunderte. Das ist die Richtung, die zur großen Toleranz und zum Verständnis für jegliches Ding und für jedes Wesen führt.

[ 24 ] The fourth is an understanding of every being. Nothing expresses more beautifully what it means to understand every being than a legend that has been handed down to us about Jesus Christ—not in the Gospel, but in a Persian tale. Jesus was walking through a field with his disciples, and on the way they came upon a decaying dog. The animal was a gruesome sight. Jesus stopped and gazed at it with admiration, saying, “What beautiful teeth this animal has.” Jesus discovered beauty within the hideous. Strive to find the magnificent in everything—in every object out there in reality—and you will see that every thing has something about which one can say “yes.” Do as Christ did, who admired the beautiful teeth of the dead dog. This is the path that leads to great tolerance and understanding for every thing and every being.

[ 25 ] Die fünfte Eigenschaft ist die volle Unbefangenheit gegenüber allem Neuen, das uns entgegentritt. Die meisten Menschen beurteilen das Neue, das ihnen entgegentritt, nach dem Alten, was ihnen schon bekannt ist. Wenn jemand kommt, um ihnen etwas zu sagen, so erwidern sie gleich: Darüber bin ich anderer Meinung. — Wir dürfen aber einer Mitteilung, die uns zukommt, nicht gleich unsere Meinung gegenüberstellen, wir müssen vielmehr auf dem Ausguck stehen, um herauszufinden, wo wir etwas Neues lernen können. Und lernen können wir selbst von einem kleinen Kinde. Selbst wenn einer der weiseste Mensch wäre, so muß er geneigt sein, mit seinem Urteil zurückzuhalten und andern zuzuhören. Dieses Zuhörenkönnen müssen wir entwickeln, denn es befähigt uns, den Dingen die größtmöglichste Unbefangenheit entgegenzubringen. Im Okkultismus nennt man dies «Glaube», und das ist die Kraft, die Eindrücke, die das Neue auf uns macht, nicht durch das, was wir demselben entgegenhalten, abzuschwächen.

[ 25 ] The fifth quality is complete openness toward everything new that comes our way. Most people judge the new things they encounter based on the old things they already know. When someone comes to tell them something, they immediately reply, “I disagree with that.” — But we must not immediately counter a message we receive with our own opinion; rather, we must keep a watchful eye to discover where we can learn something new. And we can learn even from a small child. Even if someone were the wisest person, they must be willing to withhold judgment and listen to others. We must develop this ability to listen, for it enables us to approach things with the greatest possible open-mindedness. In occultism, this is called “faith,” and it is the power that prevents us from weakening the impressions that the new makes on us by what we hold against it.

[ 26 ] Die sechste Eigenschaft ist das, was jeder von selbst erhält, wenn er die angeführten Eigenschaften entwickelt hat. Das ist die innere Harmonie. Die innere Harmonie hat der Mensch, der die andern Eigenschaften hat. Dann ist es auch notwendig, daß der Mensch, der die okkulte Entwickelung sucht, das Freiheitsgefühl im höchsten Maße ausgebildet hat, das Freiheitsgefühl, durch das er in sich selbst das Zentrum seines Wesens suchen und auf eigenen Füßen stehen kann, daß er nicht jeden zu fragen braucht, was er zu tun hat, sondern daß er aufrecht steht und frei handelt. Das ist auch etwas, was man sich aneignen muß.

[ 26 ] The sixth quality is what everyone attains naturally once they have developed the qualities mentioned above. This is inner harmony. A person who possesses the other qualities also possesses inner harmony. It is also necessary for a person seeking occult development to have cultivated a profound sense of freedom—the sense of freedom that enables them to find the center of their being within themselves and to stand on their own two feet, so that they do not need to ask everyone what they should do, but can stand upright and act freely. This, too, is something one must acquire.

[ 27 ] Hat der Mensch diese Eigenschaften in sich entwickelt, dann ist er über alle Gefahr erhaben, die die Spaltung seiner Natur in ihm bewirken könnte, dann können die Eigenschaften seiner niederen Natur nicht mehr auf ihn wirken, dann kann er vom Wege nicht mehr abirren. Daher müssen diese Eigenschaften mit großer Genauigkeit herausgebildet werden. Dann kommt das okkulte Leben, dessen Ausdruck eine gewisse Rhythmisierung des Lebens bedingt.

[ 27 ] Once a person has developed these qualities within himself, he is immune to any danger that the division of his nature might cause within him; the qualities of his lower nature can no longer influence him, and he can no longer stray from the path. Therefore, these qualities must be cultivated with great precision. Then comes the occult life, the expression of which requires a certain rhythm in life.

[ 28 ] Der Ausdruck: Rhythmisierung des Lebens drückt die dazu entwickelte Fähigkeit aus. Wenn Sie die Natur betrachten, so finden Sie in ihr einen gewissen Rhythmus. Sie werden es für selbstverständlich halten, daß das Veilchen alljährlich zur selben Zeit im Frühling blüht, daß die Saat auf dem Felde, die Traube zur selben Zeit am Weinstock reif wird. Diese rhythmische Aufeinanderfolge der Erscheinungen findet sich überall draußen in der Natur. Überall ist Rhythmus, überall Wiederholung in regelmäßiger Folge. Wenn Sie hinaufgehen zu den Wesen, die höher entwickelt sind, sehen Sie immer mehr und mehr diese rhythmische Folge abnehmen. Sie sehen auch beim Tier, noch in höherem Grade, alle Eigenschaften rhythmisch geordnet. Zu bestimmter Zeit des Jahres bekommt das Tier ganz bestimmte Funktionen und Fähigkeiten. Je höher sich das Wesen entwickelt, je mehr das Leben in die eigenen Hände des Wesens gegeben wird, desto mehr hört dieser Rhythmus auf. Sie müssen wissen, daß des Menschen Leib nur eines der Glieder seiner Wesenheit ist. Dann kommt der Ätherleib, dann der Astralleib und endlich die höheren Glieder, die jenen zugrunde liegen.

[ 28 ] The expression “rhythm of life” conveys the ability developed for this purpose. If you observe nature, you will find a certain rhythm within it. You will take it for granted that the violet blooms at the same time every spring, that the grain in the field and the grapes on the vine ripen at the same time. This rhythmic succession of phenomena can be found everywhere in nature. Everywhere there is rhythm; everywhere there is repetition in a regular sequence. As you ascend to beings that are more highly developed, you see this rhythmic sequence diminish more and more. You also see, to an even greater degree in animals, all their characteristics arranged rhythmically. At certain times of the year, animals acquire very specific functions and abilities. The more highly a being develops, the more life is placed into the being’s own hands, and the more this rhythm ceases. You must know that the human body is only one of the members of the human being. Then comes the etheric body, then the astral body, and finally the higher members that underlie them.

[ 29 ] Der physische Leib ist in hohem Maße dem Rhythmus unterworfen, dem die ganze äußere Natur unterworfen ist. Wie das Pflanzen- und Tierleben in seiner äußeren Form rhythmisch abläuft, so verläuft auch das Leben des physischen Körpers. Das Herz schlägt rhythmisch, die Lunge atmet rhythmisch und so weiter. Alles dies verläuft so rhythmisch, weil es geordnet ist von höheren Gewalten, von der Weisheit der Welt, von dem, was die Schriften den Heiligen Geist nennen. Die höheren Leiber, und namentlich der Astralleib, sind, ich möchte sagen, in gewisser Weise von diesen höheren geistigen Mächten verlassen und haben ihren Rhythmus verloren. Oder können Sie es leugnen, daß Ihre Betätigung in bezug auf Wünsche, Begierden und Leidenschaften unregelmäßig ist, daß sie gar keinen Vergleich aushält mit der Regelmäßigkeit, die im physischen Leibe waltet? Wer den Rhythmus lernt, der in der physischen Natur liegt, der findet darin immer mehr das Vorbild für die Geistigkeit. Wenn Sie das Herz betrachten, dieses wunderbare Organ mit dem regelmäßigen Schlag und seiner eingepflanzten Weisheit, und vergleichen es mit den Begierden und Leidenschaften des Astralleibes, die alle möglichen Aktionen gegen das Herz loslassen, dann werden Sie erkennen, wie nachteilig die Leidenschaft auf den regelmäßigen Gang desselben wirkt. Ebenso rhythmisch aber, wie die Verrichtungen des physischen Leibes sind, müssen die Funktionen des Astralleibes werden.

[ 29 ] The physical body is, to a great extent, subject to the same rhythm to which all of external nature is subject. Just as plant and animal life unfolds rhythmically in its external form, so too does the life of the physical body. The heart beats rhythmically, the lungs breathe rhythmically, and so on. All of this proceeds so rhythmically because it is governed by higher powers, by the wisdom of the world, by what the Scriptures call the Holy Spirit. The higher bodies—and especially the astral body—are, I might say, in a certain sense abandoned by these higher spiritual powers and have lost their rhythm. Or can you deny that your activity with regard to wishes, desires, and passions is irregular, that it bears no comparison whatsoever to the regularity that prevails in the physical body? Whoever learns the rhythm inherent in physical nature will find in it, more and more, the model for spirituality. If you observe the heart—this marvelous organ with its regular beat and its innate wisdom—and compare it to the desires and passions of the astral body, which unleash all manner of actions against the heart, then you will recognize how detrimental passion is to the heart’s regular rhythm. However, the functions of the astral body must become just as rhythmic as the activities of the physical body.

[ 30 ] Ich will hier etwas anführen, was den meisten der heutigen Menschen grotesk erscheinen wird, und zwar in bezug auf das Fasten. Das Bewußtsein von der Bedeutung des Fastens ist uns ganz und gar verlorengegangen. Von dem Gesichtspunkt der Rhythmisierung unseres Astralleibes ist das Fasten aber etwas außerordentlich Sinnvolles. Was heißt Fasten? Es heißt, die Eßbegierde zügeln und den Astralleib in bezug auf die Eßbegierde ausschalten. Der, welcher fastet, schaltet den Astralleib aus und entwickelt keine Eßlust. Das ist so, wie wenn Sie eine Kraft ausschalten in einer Maschine. Der Astralleib ist dann untätig, und die ganze Rhythmik des physischen Leibes und die ihm eingepflanzte Weisheit wirken hinauf in den Astralleib und rhythmisieren denselben. Wie das Siegel von einem Petschaft, so drückt sich die Harmonie des physischen Leibes dem Astralleibe ein und sie würde sich viel nachhaltiger übertragen, wenn er nicht immer unregelmäßig gemacht würde durch die Begierden, Leidenschaften und Wünsche, auch durch geistige Begierden und Wünsche.

[ 30 ] I would like to mention something here that will seem grotesque to most people today, namely with regard to fasting. We have completely lost sight of the significance of fasting. From the perspective of bringing rhythm to our astral body, however, fasting is something extraordinarily meaningful. What does fasting mean? It means curbing the appetite and deactivating the astral body with regard to the appetite. The one who fasts deactivates the astral body and does not develop an appetite. It is like switching off a power source in a machine. The astral body is then inactive, and the entire rhythm of the physical body—along with the wisdom implanted within it—works its way up into the astral body and imparts rhythm to it. Like the imprint of a seal, the harmony of the physical body is imprinted upon the astral body, and this harmony would be transmitted much more sustainably if it were not constantly disrupted by desires, passions, and wishes—including mental desires and wishes.

[ 31 ] Was dem heutigen Menschen notwendiger ist, als das in früherer Zeit der Fall war, das ist, Rhythmus in sein ganzes höheres Leben hineinzubringen. Ebenso wie dem physischen Leibe Rhythmus von Gott eingepflanzt ist, so muß der Mensch seinen Astralkörper rhythmisch machen. Der Mensch muß sich seinen Tag vorschreiben, ihn für den Astralleib so einteilen, wie der Geist der Natur ihn für die niederen Reiche einteilt. Morgens früh, zu ganz bestimmter Zeit, muß man eine geistige Verrichtung machen, zu einer andern Zeit, die wieder streng festgehalten werden muß, eine andere, am Abend wieder eine andere. Diese geistigen Übungen dürfen nicht willkürlich gewählt werden, sondern müssen zur Weiterbildung des höheren Lebens geeignet sein. Das ist eine Art, das Leben in die Hand zu nehmen und in der Hand zu behalten. Setze dir also für morgens eine Stunde fest, wo du dich konzentrierst. Diese Stunde mußt du einhalten. Da mußt du eine Art Windstille herstellen, damit der große okkulte Meister in dir aufwachen kann. Da mußt du meditieren über einen großen Gedankeninhalt, der nichts mit der Außenwelt zu tun hat, und diesen Gedankeninhalt ganz in dir aufleben lassen. Es genügt eine kurze Zeit, vielleicht eine Viertelstunde, es genügen selbst fünf Minuten, wenn man nicht mehr Zeit hat. Es ist aber wert- und zwecklos, wenn man diese Übungen unregelmäßig macht. Macht man sie regelmäßig, so daß die Tätigkeit des Astralleibes regelmäßig wie eine Uhr wird, dann haben sie Wert. Der Astralleib bekommt ein ganz anderes Aussehen, wenn Sie diese Übungen regelmäßig machen. Setzen Sie sich also des Morgens hin und machen Sie diese Übungen, so werden sich die Kräfte, die ich Ihnen schilderte, entwickeln. Es muß aber, wie gesagt, regelmäßig geschehen, denn der Astralleib erwartet um dieselbe Zeit, daß dasselbe mit ihm vorgenommen wird, und er gerät in Unordnung, wenn es nicht geschieht. Es muß wenigstens die Gesinnung zur Ordnung vorhanden sein. Wenn Sie in dieser Weise Ihr Leben rhythmisieren, dann müssen Sie die Erfolge in nicht allzulanger Zeit gewahren, nämlich das geistige Leben, das zunächst vor dem Menschen verborgen ist, wird in gewissem Grade offenbar.

[ 31 ] What is more necessary for people today than it was in earlier times is to bring rhythm into their entire higher life. Just as rhythm is implanted in the physical body by God, so must human beings make their astral body rhythmic. One must structure one’s day, organizing it for the astral body in the same way that the Spirit of Nature organizes it for the lower realms. Early in the morning, at a very specific time, one must perform a spiritual practice; at another time—which must also be strictly adhered to—a different one; and in the evening, yet another. These spiritual exercises must not be chosen arbitrarily but must be suitable for the further development of the higher life. This is a way of taking life into one’s own hands and keeping it there. So set aside an hour in the morning when you can concentrate. You must stick to this hour. During this time, you must create a kind of stillness so that the great occult Master within you can awaken. You must meditate on a profound thought that has nothing to do with the outside world, and allow this thought to come fully alive within you. A short time is sufficient—perhaps a quarter of an hour; even five minutes will suffice if you don’t have more time. However, it is pointless and of no value if you perform these exercises irregularly. If you do them regularly, so that the activity of the astral body becomes as regular as a clock, then they are worthwhile. The astral body takes on a completely different appearance when you do these exercises regularly. So sit down in the morning and do these exercises, and the powers I have described to you will develop. But, as I said, it must be done regularly, for the astral body expects the same thing to be done with it at the same time, and it becomes disordered if it does not happen. At the very least, the intention to maintain order must be present. If you bring rhythm to your life in this way, you will notice the results before too long; namely, the spiritual life, which is initially hidden from human beings, will become apparent to a certain degree.

[ 32 ] Das Menschenleben wechselt in der Regel zwischen vier Zuständen. Der erste Zustand ist die Wahrnehmung der Außenwelt. Sie schauen mit den Sinnen herum und nehmen die Außenwelt wahr. Der zweite Zustand ist derjenige, den wir Phantasie, Vorstellungsleben nennen können, der etwas Verwandtes mit dem Traumleben hat, sogar dazugehört. Da wurzelt der Mensch nicht in der Umgebung, sondern ist losgelöst von derselben, da hat er keine Wirklichkeiten vor sich, höchstens Reminiszenzen. Der dritte Zustand ist der traumlose Schlaf. Da hat der Mensch gar kein Bewußtsein von dem Ich, und der vierte Zustand ist derjenige, in welchem der Mensch in der Erinnerung lebt. Das ist etwas anderes als Wahrnehmung, das ist schon Abgezogenes, Geistiges. Hätte der Mensch keine Erinnerung, so könnte er überhaupt keine geistige Entwickelung erhalten.

[ 32 ] Human life generally alternates between four states. The first state is the perception of the external world. You look around with your senses and perceive the external world. The second state is what we might call imagination or the life of the imagination, which is related to the life of dreams and is even part of it. In this state, a person is not rooted in their surroundings but is detached from them; they have no realities before them, at most reminiscences. The third state is dreamless sleep. In this state, a person has no awareness of the “I” at all, and the fourth state is the one in which a person lives in memory. This is something different from perception; it is already something abstract, something spiritual. If a person had no memory, they could not undergo any spiritual development at all.

[ 33 ] Inneres Leben fängt an sich zu entwickeln durch innere Beschaulichkeit und Meditation. Da macht der Mensch dann über kurz oder lang die Wahrnehmung, daß er nicht mehr in chaotischer Weise träumt, sondern daß er in höchst bedeutsamer Weise träumt, und daß sich ihm im Traume merkwürdige Dinge enthüllen, die er nach und nach anfängt als Offenbarung geistiger Wahrheiten zu erkennen. Es kann natürlich leicht der triviale Einwand erhoben werden: Das ist eben alles geträumt, was geht uns das an? — Wenn aber jemand im Traume den lenkbaren Luftballon entdeckte und ihn dann ausführte, dann hätte dieser Traum eben die Wahrheit enthüllt. So kann also eine Idee noch in anderer als der gewöhnlichen Weise erfaßt werden, und die Wahrheit derselben muß sich dann in der Verwirklichung finden. Wir müssen also von deren innerer Wahrheit von außen her überzeugt werden.

[ 33 ] Inner life begins to develop through inner contemplation and meditation. Sooner or later, a person then realizes that they are no longer dreaming in a chaotic manner, but rather in a highly meaningful way, and that strange things are revealed to them in their dreams, which they gradually begin to recognize as revelations of spiritual truths. Of course, the trivial objection can easily be raised: “That’s all just a dream—what does it have to do with us?” — But if someone discovered a steerable balloon in a dream and then built it, then that dream would indeed have revealed the truth. Thus, an idea can be grasped in a way other than the usual one, and the truth of that idea must then be found in its realization. We must therefore be convinced of its inner truth from the outside.

[ 34 ] Die nächste Stufe im geistigen Leben ist die, wo wir die Wahrheit durch unsere eigenen Eigenschaften erfassen und unsere Träume mit Bewußtsein lenken. Wenn wir anfangen, den Traum in regelmäßiger Weise zu lenken, so sind wir auf den Stufen, wo uns die Wahrheit durchsichtig wird. Man nennt die erste Stufe die materielle Erkenntnis, wozu der Gegenstand daliegen muß. Die andere Stufe ist die imaginative Erkenntnis. Diese entwickelt man durch Meditation, durch Gestaltung des Lebens in rhythmischer Weise, Mühsam ist es, sie zu erringen. Ist sie aber erreicht, dann kommt auch die Zeit, wo kein Unterschied mehr ist zwischen Wahrnehmung im gewöhnlichen Leben und Wahrnehmung im Übersinnlichen. Wenn wir zwischen Dingen des gewöhnlichen Lebens sind, also in der sinnlichen Welt, und ändern unseren geistigen Zustand, so erleben wir dann fortwährend die geistige, die übersinnliche Welt, wenn wir uns genügend in dieser Weise trainiert haben. Das ist der Fall, sobald wir imstande sind, wirklich blind und taub zu werden gegenüber der Sinnenwelt, uns an nichts zu erinnern aus dem Alltagsleben und dennoch ein geistiges Leben in uns haben. Dann beginnt unser Traumleben eine bewußte Form anzunehmen. Und wenn wir imstande sind, von diesem etwas hineinzugießen in unser Alltagsleben, dann kommt auch das, was uns die seelischen Eigenschaften der um uns herum sich befindenden Wesen wahrnehmbar macht. Wir sehen dann nicht mehr das Außere der Dinge allein, sondern wir sehen dann auch das Innere, den verborgenen Wesenskern der Dinge, der Pflanzen, der Tiere und der Menschen. Ich weiß, daß die meisten sagen werden: Das sind im Grunde genommen andere Dinge. — Das ist ganz richtig; es sind immer ganz andere Dinge als die, welche der Mensch sieht, der solche Sinne nicht hat. Das dritte ist der Zustand, der sonst ganz leer ist, der aber anfängt belebt zu werden, wenn die Kontinuität des Bewußtseins eintritt. Die Kontinuität kommt ganz von selbst, der Mensch schläft dann nicht mehr bewußtlos. Während der Zeit, wo er sonst schläft, erlebt er dann die übersinnliche Welt.

[ 34 ] The next stage in spiritual life is the one where we grasp the truth through our own qualities and consciously direct our dreams. When we begin to direct our dreams in a regular manner, we have reached the stages where the truth becomes clear to us. The first stage is called material cognition, for which the object must be present. The other stage is imaginative cognition. This is developed through meditation and by structuring one’s life in a rhythmic manner; it is arduous to attain. But once it is attained, the time comes when there is no longer any difference between perception in ordinary life and perception in the supersensible realm. When we are among the things of ordinary life—that is, in the sensory world—and alter our spiritual state, we then continually experience the spiritual, the supersensible world, provided we have trained ourselves sufficiently in this way. This is the case as soon as we are able to become truly blind and deaf to the sensory world, to remember nothing from everyday life, and yet to have a spiritual life within us. Then our dream life begins to take on a conscious form. And when we are able to infuse some of this into our everyday life, then what makes the soul qualities of the beings around us perceptible to us also emerges. We then no longer see only the outer appearance of things, but we also see the inner, the hidden essence of things—of plants, animals, and human beings. I know that most people will say: These are, after all, different things. — That is quite correct; they are always entirely different from what a person without such senses sees. The third is the state that is otherwise completely empty, but which begins to come alive when the continuity of consciousness sets in. This continuity arises of its own accord; a person no longer sleeps unconsciously. During the time when he would otherwise be asleep, he then experiences the supersensible world.

[ 35 ] Worin besteht sonst der Schlaf? Der physische Leib liegt im Bette und der Astralleib lebt in der übersinnlichen Welt. In dieser übersinnlichen Welt gehen Sie spazieren. In der Regel kann der Mensch mit heutiger Disposition sich nicht weit vom Körper entfernen. Wenn man nun durch Regeln, die die Geisteswissenschaft gibt, für diesen während des Schlafes herumziehenden Astralleib Organe entwickelt hat, wie der physische Leib Organe hat, so fängt er an, während des Schlafes sich bewußt zu werden. Der physische Leib wäre blind und taub, wenn er keine Augen und Ohren hätte, und der Astralleib, der in der Nacht spazierengeht, ist aus demselben Grunde blind und taub, weil er noch keine Augen und Ohren hat. Diese werden ihm aber entwickelt durch die Meditation, sie ist das Mittel zur Heranbildung der Organe. Diese Meditation muß dann in regelmäßiger Weise geleitet werden. Sie wird so geleitet, daß der Leib des Menschen die Mutter und der Geist des Menschen der Vater ist. Der Leib des Menschen, wie er physisch vor uns steht, ist in jedem Glied, das er uns darbietet, ein Geheimnis, und zwar so, daß jedes Glied in bestimmter, aber verborgener Weise zu einer Partie des Astralleibes gehört. Das sind die Dinge, die der Okkultist kennt. Er weiß zum Beispiel, wozu der Punkt zwischen den Augenbrauen gehört im physischen Leibe. Er gehört zu einem bestimmten Organe im astralen Organismus, und indem Ihnen der Geheimwissenschafter angibt, in welcher Weise Sie Gedanken, Gefühle und Empfindungen hinlenken müssen zu dem Punkte zwischen den Augenbrauen, dadurch daß Sic irgend etwas, was im physischen Leibe ausgebildet ist, in Zusammenhang bringen mit dem Entsprechenden im Astralleibe, bekommen Sie eine gewisse Empfindung im Astralleibe. Es muß aber regelmäßig geschehen, und man muß wissen, wie. Dann fängt der Astralleib an, sich zu gliedern. Aus einem Klumpen wird er zum Organismus, in dem sich die Organe ausbilden. Die astralen Sinnesorgane habe ich in der Zeitschrift «Lucifer-Gnosis» beschrieben. Man nennt sie auch Lotusblumen. Durch bestimmte Formeln werden diese Lotusblumen ausgebildet. Wenn sie ausgebildet sind, dann ist der Mensch fähig, die geistige Welt wahrzunehmen. Dies ist dann dieselbe Welt, welche er betritt, wenn er durch die Pforte des Todes schreitet. Zuschanden gemacht ist dann der Ausspruch Hamlets, daß von jenem unbekannten Land noch kein Wanderer zurückgekommen ist.

[ 35 ] What else does sleep consist of? The physical body lies in bed, and the astral body lives in the supersensible world. In this supersensible world, you go for a walk. As a rule, a person with today’s disposition cannot stray far from the body. However, if—through the principles provided by spiritual science—one has developed organs for this astral body that roams about during sleep, just as the physical body has organs, then it begins to become conscious during sleep. The physical body would be blind and deaf if it had no eyes or ears, and the astral body, which goes for walks at night, is blind and deaf for the same reason—because it does not yet have eyes or ears. However, these are developed through meditation; meditation is the means for developing these organs. This meditation must then be guided in a systematic manner. It is conducted in such a way that the human body is the mother and the human spirit is the father. The human body, as it stands physically before us, is a mystery in every limb it presents to us—in such a way that each limb belongs, in a specific yet hidden manner, to a part of the astral body. These are the things the occultist knows. He knows, for example, what the point between the eyebrows corresponds to in the physical body. It corresponds to a specific organ in the astral organism, and when the occultist instructs you on how to direct your thoughts, feelings, and sensations toward the point between the eyebrows—by connecting something formed in the physical body with its counterpart in the astral body—you will experience a certain sensation in the astral body. However, this must be done regularly, and one must know how. Then the astral body begins to take shape. From a mass, it becomes an organism in which the organs develop. I have described the astral sense organs in the journal *Lucifer-Gnosis*. They are also called lotus flowers. These lotus flowers are formed through specific formulas. Once they are formed, the human being is capable of perceiving the spiritual world. This is the very same world that one enters when passing through the gate of death. Hamlet’s statement that no traveler has ever returned from that unknown land is then proven false.

[ 36 ] Sie können also von der sinnlichen Welt in die übersinnliche Welt hineingehen, besser gesagt, hineinschlüpfen, und sowohl da als dort leben. Das ist kein Leben in einem Wolkenkuckucksheim, sondern ein Leben in demjenigen Gebiet, welches uns erst das Leben in unserem Gebiete erklärlich und verständlich macht. So wie ein gewöhnlicher Mensch, der die Gesetze der Elektrizität nicht studiert hat, in eine elektrisch betriebene Fabrik hineingeht, das wunderbare Getriebe sieht und es nicht versteht, so versteht auch der gewöhnliche Mensch nicht das Getriebe der geistigen Welt. Der Unverstand des Fabrikbesuchers besteht so lange, als er die Gesetze der Elektrizität nicht kennt. So ist der Mensch auch im Gebiete des Geistigen unverständig, solange er nicht die Gesetze des Geistigen kennt. Es gibt nichts in unserer Welt, das nicht auf Schritt und Tritt von der geistigen Welt abhängig wäre. Alles, was uns hier umgibt, ist äußerer Ausdruck der geistigen Welt. Es gibt keinen Stoff. Jeder Stoff ist verdichteter Geist, und wer in die geistige Welt hineinsieht, dem vergeistigt sich die ganze stofflich sinnliche Welt, die Welt überhaupt. Wie das Eis vor der Sonne zu Wasser schmilzt, so schmilzt vor der Seele, die in die geistige Welt hineinsieht, alles Sinnliche zu einem Geistigen, so offenbart sich allmählich der Urgrund der Welt vor dem geistigen Auge und dem geistigen Ohre.

[ 36 ] You can therefore enter—or rather, slip into—the supersensible world from the sensible world and live in both. This is not a life spent in a fantasy world, but a life in the realm that makes life in our own realm explicable and understandable to us. Just as an ordinary person who has not studied the laws of electricity enters an electrically powered factory, sees the marvelous machinery, and does not understand it, so too does the ordinary person not understand the workings of the spiritual world. The factory visitor’s lack of understanding persists as long as he does not know the laws of electricity. Likewise, a person remains ignorant in the spiritual realm as long as he does not know the laws of the spiritual. There is nothing in our world that is not dependent on the spiritual world at every turn. Everything that surrounds us here is an outward expression of the spiritual world. There is no such thing as matter. All matter is condensed spirit, and to those who look into the spiritual world, the entire material, sensory world—the world itself—becomes spiritualized. Just as ice melts into water in the sun, so too does everything sensory melt into the spiritual before the soul that looks into the spiritual world; thus, the very foundation of the world gradually reveals itself to the spiritual eye and the spiritual ear.

[ 37 ] In Wahrheit ist das Leben, das der Mensch auf diese Art kennenlernt, das geistige Leben, das der Mensch im Inneren schon fortwährend führt, von dem er aber nichts weiß, weil er sich selbst nicht kennt, bevor er die Organe für die höhere Welt sich entwickelt hat. Denken Sie sich einmal, Sie wären Mensch mit den Eigenschaften, die Sie jetzt haben, hätten aber keine Sinnesorgane. Sie wüßten nichts von der Welt um Sie herum, Sie hätten kein Verständnis für den physischen Leib, und doch gehörten Sie der physischen Welt an. So gehört die Seele des Menschen der geistigen Welt an, weiß es aber nicht, weil sie nicht hört und nicht sieht. Wie unser Körper aus den Kräften und Stoffen der physischen Welt genommen ist, so ist unsere Seele aus den Kräften und Stoffen der geistigen Welt genommen. Wir erkennen uns nicht in uns, sondern erst in unserer Umgebung. So wahr Sie nicht Herz und Gehirn sehen können, ohne daß Sie es durch Ihre Sinnesorgane an andern wahrnehmen — selbst mit Hilfe der Röntgenstrahlen können nur Ihre Augen das Herz sehen —, so wahr ist es, daß Sie Ihre eigene Seele nicht sehen oder hören können, ohne daß Sie sie durch geistige Sinnesorgane in der Umwelt erkennen. Sie können sich nur durch Ihre Umwelt erkennen. Es gibt in Wahrheit keine Innenerkenntnis, keine Selbstbeschauung, es gibt nur eine Erkenntnis, eine Offenbarung durch Organe sowohl des physischen als des geistigen Lebens um uns herum. Wir gehören den Welten um uns her an, der physischen, der seelischen und der geistigen Welt. Wir lernen aus der physischen, wenn wir physische Organe haben und aus der geistigen Welt, aus allen Seelen, wenn wir geistige, seelische Organe haben. Es gibt keine andere Erkenntnis als Welterkenntnis.

[ 37 ] In truth, the life that a person comes to know in this way is the spiritual life that a person is already living continuously within, but of which they are unaware because they do not know themselves until they have developed the faculties necessary for the higher world. Imagine for a moment that you were a human being with the characteristics you have now, but without any sense organs. You would know nothing of the world around you; you would have no understanding of the physical body, and yet you would belong to the physical world. In the same way, the human soul belongs to the spiritual world but is unaware of it because it neither hears nor sees. Just as our body is composed of the forces and substances of the physical world, so our soul is composed of the forces and substances of the spiritual world. We do not recognize ourselves within ourselves, but only through our surroundings. Just as you cannot see your heart or brain without perceiving them in others through your sensory organs—even with the aid of X-rays, only your eyes can see the heart—so it is true that you cannot see or hear your own soul without recognizing it through spiritual sensory organs in the environment. You can only recognize yourself through your environment. In truth, there is no inner knowledge, no self-contemplation; there is only one kind of knowledge—a revelation through the organs of both physical and spiritual life around us. We belong to the worlds around us: the physical, the psychological, and the spiritual worlds. We learn from the physical world when we have physical organs, and from the spiritual world—from all souls—when we have spiritual and soul organs. There is no knowledge other than knowledge of the world.

[ 38 ] Müßig ist es und leere Beschaulichkeit, wenn der Mensch in sich brütet und glaubt, durch bloße Selbstschau irgend etwas erreichen zu können. Den Gott in sich findet der Mensch, wenn er die göttlichen Organe in sich erweckt und dann in seiner Umwelt sein höheres, göttliches Selbst findet, wie er sein niederes Selbst auch nur durch seine Augen und Ohren in der Umwelt finden kann. Wir selbst werden uns klar als physische Wesen durch den Umgang mit der Sinnenwelt, und wir werden uns klar in geistiger Beziehung dadurch, daß wir geistige Sinne in uns entwickeln. Entwickelung des Inneren heißt, sich erschließen für das göttliche Leben in der Außenwelt um uns herum.

[ 38 ] It is futile and empty contemplation when a person broods within himself and believes he can achieve anything through mere introspection. A person finds God within when he awakens the divine faculties within himself and then finds his higher, divine self in his surroundings, just as he can find his lower self in the world only through his eyes and ears. We become clearly aware of ourselves as physical beings through our interaction with the sensory world, and we become clearly aware of ourselves in a spiritual sense by developing spiritual senses within ourselves. Inner development means opening oneself to the divine life in the external world around us.

[ 39 ] Jetzt werden Sie verstehen, warum es notwendig ist, daß zunächst derjenige, der so, wie ich es beschrieben habe, in die höhere Welt aufsteigt, eine unendliche Festigung seines Charakters zuerst erfährt. Wie die Sinnenwelt ist, kann der Mensch zunächst durch sich selbst erfahren, weil seine Sinne schon erschlossen sind, weil ein gütiger göttlicher Geist, der gesehen und gehört hat in der physischen Welt, in grauester Vorzeit neben dem Menschen gestanden hat, bevor er gesehen und gehört hat und ihm die Augen und Ohren erschlossen hat. Von eben solchen Wesen muß der Mensch heute lernen, geistig zu sehen, von Wesen, die schon können, was er lernen muß. Wir müssen einen Guru haben, der uns sagt, wie wir unsere Organe entwickeln sollen, der uns sagt, was er gemacht hat, daß die Organe sich entwickelt haben. Der, welcher anleiten will, muß sich eine Grundeigenschaft angeeignet haben: die unbedingte Wahrhaftigkeit, und dies ist auch eine Hauptforderung, die an den Schüler gestellt werden muß. Niemand darf zum Okkultisten ausgebildet werden, es sei denn, daß er zu dieser Grundeigenschaft der unbedingten Wahrhaftigkeit vorher ausgebildet wird.

[ 39 ] Now you will understand why it is necessary that the one who ascends into the higher world, as I have described, first undergo an infinite strengthening of his character. People can initially experience the sensory world through themselves, because their senses are already developed—because a benevolent divine spirit, who saw and heard in the physical world, stood beside humankind in the most ancient times, before humankind could see and hear, and opened their eyes and ears. It is from such beings that human beings must learn today to see spiritually—from beings who are already capable of what they must learn. We must have a guru who tells us how to develop our faculties, who tells us what he did to bring about the development of those faculties. Anyone who wishes to guide others must have acquired one fundamental quality: unconditional truthfulness; and this is also a primary requirement that must be placed upon the student. No one may be trained as an occultist unless they have first been trained in this fundamental quality of unconditional truthfulness.

[ 40 ] Gegenüber den sinnlichen Erfahrungen kann man prüfen, was gesagt wird. Wenn ich Ihnen aber aus der geistigen Welt etwas erzähle, so müssen Sie Vertrauen haben, weil Sie noch nicht so weit sind, daß Sie es prüfen können. Der, welcher Guru sein will, muß so wahrhaftig geworden sein, daß es ihm unmöglich ist, es leichtzunehmen mit solchen Behauptungen bezüglich der geistigen Welt und des geistigen Lebens. Die Sinnenwelt korrigiert sofort die Irrtümer, welche wir in bezug auf diese Sinnenwelt machen, in der geistigen Welt aber müssen wir jene Richtschnur in uns selbst haben, wir müssen streng trainiert sein, so daß wir nicht gezwungen sind, die Kontrolle durch die Außenwelt zu machen, sondern sie in uns selbst haben. Diese Kontrolle können wir uns nur erwerben, indem wir die strengste Wahrhaftigkeit schon hier in der Welt uns aneignen. Deshalb hatte auch die Theosophische Gesellschaft, als sie begann, einige elementare Lehren des Okkultismus vor die Welt hinauszutragen, den Grundsatz anzunehmen: Kein Gesetz über der Wahrheit. — Wenige verstehen diesen Grundsatz. Die meisten sind damit zufrieden, wenn sie sich sagen können, ich habe das Bewußtsein, daß es wahr ist, und wenn es falsch ist, so sagen sie, ich habe mich geirrt. Der Okkultist darf nicht auf seine subjektive Ehrlichkeit pochen. Da ist er auf falscher Fährte. Er muß immer mit den Tatsachen in der Außenwelt übereinstimmen und eine Erfahrung, die dagegen spricht, muß er als Irrtum, als Fehler ansehen. Dafür-Können und Nichts-dafür-Können hört für den Okkultisten auf. Er muß mit den Tatsachen des Lebens in absolutem Einklang stehen. Man muß anfangen, sich im strengsten Sinne für jede Behauptung, die man aufstellt, verantwortlich zu fühlen. Dann erzieht man sich zu der unbedingten Sicherheit, die derjenige für sich und andere haben muß, der ein geistiger Führer sein will.

[ 40 ] In contrast to sensory experiences, one can verify what is being said. But when I tell you something from the spiritual world, you must have faith, because you are not yet at the stage where you can verify it. Anyone who wishes to be a guru must have become so truthful that it is impossible for him to take such assertions regarding the spiritual world and spiritual life lightly. The sensory world immediately corrects the errors we make regarding that sensory world, but in the spiritual world we must have that guiding principle within ourselves; we must be rigorously trained so that we are not forced to rely on the external world for verification, but rather have that verification within ourselves. We can acquire this control only by cultivating the strictest truthfulness here in this world. That is why the Theosophical Society, when it began to present some elementary teachings of occultism to the world, had to adopt the principle: “No law above the truth.” — Few understand this principle. Most are satisfied if they can tell themselves, “I am aware that it is true,” and if it is false, they say, “I was mistaken.” The occultist must not rely on his subjective honesty. In doing so, he is on the wrong track. He must always be in harmony with the facts of the external world, and he must regard any experience that contradicts them as an error or a mistake. For the occultist, there is no longer any room for “I can do this” or “I can’t do that.” He must be in absolute harmony with the facts of life. One must begin to feel responsible, in the strictest sense, for every assertion one makes. Then one trains oneself to attain the unconditional certainty that anyone who wishes to be a spiritual guide must possess for themselves and for others.

[ 41 ] So sehen Sie, daß ich Ihnen heute — wir werden über dieses Thema noch einmal sprechen müssen, um die höheren Partien noch hinzuzufügen — eine Reihe Eigenschaften und Verfahrungsarten angeben mußte, die Ihnen zu intim erscheinen werden, um mit andern darüber zu sprechen, die jede Seele mit sich selbst abmachen muß, die Ihnen vielleicht ungeeignet erscheinen, das gewaltige Ziel zu erreichen, das erreicht werden soll, nämlich das Eintreten in die übersinnliche Welt. Diesen Eintritt wird derjenige unbedingt erreichen, welcher den Weg beschreitet, den ich charakterisiert habe.

[ 41 ] So you see that today—we’ll have to discuss this topic again to add the higher parts — I had to describe a series of qualities and methods that will seem too intimate to you to discuss with others, that every soul must work out for itself, and that may seem unsuitable to you for achieving the immense goal that is to be attained, namely, entry into the supersensible world. Anyone who follows the path I have described will undoubtedly achieve this entry.

[ 42 ] Wann? Darüber hat einer der vorzüglichsten Teilnehmer in der theosophischen Bewegung, unser längstverstorbenes Mitglied Subba Row, sich zutreffend ausgesprochen. Er antwortete auf die Frage, wie lange es dauert: Sieben Jahre, vielleicht auch siebenmal sieben Jahre, vielleicht auch sieben Inkarnationen, vielleicht auch bloß sieben Stunden. — Es hängt ganz von dem ab, was der Mensch ins Leben mitbringt. Es kann ein Mensch vor uns stehen, der scheinbar ganz dumm ist, der aber ein jetzt verborgenes höheres Leben mitgebracht hat, das nur herausgeholt werden muß. Heute sind die meisten Menschen in okkulter Beziehung weiter, als es scheint, und es würde dies vielen auch bekannt sein, wenn unsere materiellen Verhältnisse und unsere materielle Zeit sie nicht so sehr in das innere Leben der Seele zurückschlüge. Ein großer Prozentsatz der Menschen von heute war früher schon weiter. Es hängt von verschiedenen Dingen ab, ob das, was im Menschen ist, herauskommt. Man kann aber einigen Hilfe geben. Denken Sie sich, ein Mensch steht vor mir. In seiner früheren Inkarnation war er eine hochentwickelte Individualität, hat aber jetzt ein unentwickeltes Gehirn. Ein unentwickeltes Gehirn kann manchmal große geistige Fähigkeiten verdecken. Wenn man ihm aber die gewöhnlichen profanen Fähigkeiten beibringt, so ist es möglich, daß auch das innere Geistige herauskommt. Nun hängt es aber nicht bloß hiervon ab, sondern auch von der Umgebung, in welcher der Mensch lebt.

[ 42 ] When? One of the most distinguished participants in the Theosophical Movement, our long-deceased member Subba Row, spoke accurately on this subject. When asked how long it takes, he replied: Seven years, perhaps seven times seven years, perhaps seven incarnations, or perhaps just seven hours. — It depends entirely on what a person brings with them into life. There may be a person standing before us who seems quite stupid, but who has brought with them a higher life that is now hidden and simply needs to be brought out. Today, most people are further along in occult terms than it appears, and many would be aware of this if our material circumstances and our material age did not push them so far back into the inner life of the soul. A large percentage of people today were once more advanced. Whether what is within a person comes to the surface depends on various factors. But it is possible to offer some help. Imagine a person standing before me. In a previous incarnation, he was a highly developed individual, but now he has an undeveloped brain. An underdeveloped brain can sometimes obscure great spiritual abilities. But if one teaches them the ordinary, mundane skills, it is possible that their inner spiritual nature will also emerge. However, this does not depend solely on this, but also on the environment in which the person lives.

[ 43 ] In ganz bedeutsamer Weise ist der Mensch ein Spiegelbild seiner Umgebung. Nehmen Sie an, ein Mensch ist eine hochentwickelte Persönlichkeit, lebt aber in einer Umgebung, die nur gewisse Vorurteile in ihm erweckt und ausbildet, die dann so energisch wirken, daß die höhere Veranlagung nicht aus ihm herauskommen kann. Wenn ein solcher Mensch nicht jemanden findet, der sie aus ihm herausholt, dann bleibt sie eben in ihm verborgen.

[ 43 ] In a very significant way, a person is a reflection of his or her environment. Suppose a person is a highly developed individual but lives in an environment that only arouses and fosters certain prejudices within him, which then exert such a powerful influence that his higher potential cannot emerge. If such a person does not find someone to bring that potential out of him, then it simply remains hidden within him.

[ 44 ] Nur wenige Andeutungen konnte ich Ihnen hierüber machen; wir werden aber nach Weihnachten nochmals über die weiteren und tieferen Dinge sprechen. Die eine Vorstellung, die ich erwecken wollte, ist die, daß das höhere Leben nicht tumultuarisch ausgebildet wird, sondern ganz intim, in tiefster Seele, und daß der große Tag, an dem die Seele erwacht und in das höhere Leben eintritt, tatsächlich kommt wie der Dieb in der Nacht. Die Entwickelung zum höheren Leben führt den Menschen in eine neue Welt hinein, und wenn er eingetreten ist in diese neue Welt, dann sieht er sozusagen die andere Seite des Daseins, dann eröffnet sich ihm das, was vorher für ihn verborgen war. Vielleicht kann es nicht jeder, vielleicht können es nur wenige, so soll sich jeder sagen. Aber das soll ihn nicht abhalten, zunächst wenigstens denjenigen Weg zu betreten, der jedem offensteht, nämlich von den höheren Welten zu hören. In Gemeinschaft zu leben, ist der Mensch berufen, und wer sich absondert, kann zu keinem geistigen Leben kommen. Eine Absonderung im höheren Sinne aber ist es, wenn ich sage: Das glaube ich nicht, das hat keinen Bezug auf mich, das mag für das andere Leben Geltung haben; für den Okkultisten gilt das nicht. Ein Grundsatz ist es für den Okkultisten, die andern Menschen in Wirklichkeit als die Offenbarung seines eigenen höheren Selbstes anzusehen, weil man dann weiß, daß man die andern in sich finden muß.

[ 44 ] I was able to give you only a few hints about this; but after Christmas we will speak again about the broader and deeper matters. The one idea I wanted to convey is that the higher life is not developed in a tumultuous way, but rather very intimately, in the deepest recesses of the soul, and that the great day on which the soul awakens and enters the higher life truly comes like a thief in the night. The development toward the higher life leads a person into a new world, and once they have entered this new world, they see, so to speak, the other side of existence; then what was previously hidden from them is revealed. Perhaps not everyone can do this—perhaps only a few can—and everyone should tell themselves this. But that should not deter them from at least initially setting out on the path that is open to everyone—namely, hearing about the higher worlds. Human beings are called to live in community, and those who isolate themselves cannot attain a spiritual life. However, it is a form of separation in the higher sense when I say: “I do not believe that; it has no bearing on me; it may apply to the afterlife, but it does not apply to the occultist.” It is a fundamental principle for the occultist to regard other people, in reality, as the manifestation of his own higher self, because one then knows that one must find others within oneself.

[ 45 ] Ein feiner Unterschied besteht zwischen den beiden Sätzen «die andern in sich finden» und «sich in den andern zu finden». Das heißt aber im höheren Sinne: Das bist du. — Und im höchsten Sinne heißt es: In der Welt sich selbst erkennen und verstehen das Wort des Dichters, welches ich vor einigen Wochen in anderem Zusammenhange anführen durfte: «Einem gelang es, er hob den Schleier der Göttin zu Sais. — Aber was sah er? Er sah — Wunder des Wunders — sich selbst.» Nicht im egoistischen Innern, sondern selbstlos in der Welt sich finden, ist wahre Selbsterkenntnis.

[ 45 ] There is a subtle difference between the two phrases “finding the others within oneself” and “finding oneself in the others.” But in a higher sense, this means: That is you. — And in the highest sense, it means: To recognize and understand oneself in the world—the poet’s words, which I had the privilege of quoting a few weeks ago in a different context: “One man succeeded; he lifted the veil of the goddess at Sais. — But what did he see? He saw—miracle of miracles—himself.” To find oneself not in a self-centered inner world, but selflessly in the world, is true self-knowledge.