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The Rudolf Steiner Archive

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World-Riddles and Theosophy
GA 54

14 December 1905, Berlin

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10. Das Weihnachtsfest als Wahrzeichen des Sonnensieges

The Christmas Festival as a Symbol of the Sun Victory

[ 1 ] Versuchen wir einmal darüber nachzudenken, wie viele Menschen heute noch eine klare, etwas tiefergehende Vorstellung in ihrer Seele wachzurufen verstehen, wenn sie jetzt durch die Straßen schreiten und an allen Orten die Vorbereitungen zum Weihnachtsfest sehen. Wie wenig klare Vorstellungen es über dieses Fest heute gibt und wie wenig sie entsprechen den Absichten derer — wir dürfen als Theosophen so sprechen —, die einstmals diese großen Feste als Wahrzeichen des Unendlichen und Unvergänglichen in der Welt eingesetzt haben, davon kann man sich hinlänglich überzeugen, wenn man einen Blick in die sogenannten Weihnachtsbetrachtungen unserer Zeitungen wirft. Etwas Trostloseres und zu gleicher Zeit dem, um was es sich handelt, Fremderes kann es wohl nicht geben als dasjenige, was durch das bedruckte Papier in dieser Zeit in die Welt hinausgeht.

[ 1 ] Just think how few people today are able to awaken in their souls a clearly pertinent understanding of all the preparations now being made everywhere for Christmas. Clear ideas about this festival are scarce, and most of them correspond only in small degree with the intentions of those who in the past established the great festivals as symbols of the Infinite and Imperishable in the world. The preparations being made for Christmas that are published in our newspapers convince us of this. There is hardly anything more hopeless and alien to a true understanding of Christmas than the material being published today.

[ 2 ] Lassen Sie heute eine Art Zusammenfassung dessen vor unserer Seele vorbeiziehen, was uns diese verschiedenen Herbstvorträge über den geisteswissenschaftlichen Horizont gebracht haben. Nicht etwa eine pedantische, schulmeisterliche Zusammenfassung soll es sein, sondern eine Zusammenfassung von der Art, wie sie in unseren Herzen aufsteigen kann, wenn wir anknüpfen vom geisteswissenschaftlichen Standpunkte an das Weihnachtsfest, wie es sich uns darbieten kann, wenn wir die geisteswissenschaftliche Lebensauffassung nicht als graue Theorie, nicht als äußeres Bekenntnis, nicht als Philosophie, sondern als unmittelbar uns durchpulsendes Leben selbst betrachten. Der heutige Mensch steht der unmittelbaren Natur fremd gegenüber, viel fremder, als er denkt, viel fremder als noch zur Zeit Goethes. Oder wer fühlt noch die ganze Tiefe jenes GoetheWortes, das der große Dichter sprach, als er in die Kreise von Weimar eintrat und zu gleicher Zeit eine für ihn äußerst wichtige Lebensepoche begann? Damals richtete er an die Natur mit ihren geheimnisvollen Kräften einen Hymnus, eine Art Goethe-Gebet:

[ 2 ] Now let us summarize in our souls the whole range of spiritual science that has been offered in various lectures this autumn. Let us not make it the pedantic summary of a schoolmaster, however, but one that will arise in our hearts when, from the standpoint of spiritual science, we connect it with a Christmas festival imbued with a spiritual-scientific concept of life that is not gray theory or an outer confession and philosophy, but life itself pulsing through us. Modern man, more than he thinks, confronts nature as a stranger—certainly more so now than in the time of Goethe. Who today can still experience the great depths of the words spoken by Goethe at the beginning of the Weimar period of his life? At that time he addressed a hymn or prayer to nature with its mysterious forces:

[ 3 ] «Natur! Wir sind von ihr umgeben und umschlungen — unvermögend, aus ihr herauszutreten, und unvermögend, tiefer in sie hineinzukommen. Ungebeten und ungewarnt nimmt sie uns in den Kreislauf ihres Tanzes auf und treibt sich mit uns fort, bis wir ermüdet sind und ihrem Arme entfallen.

[ 3 ] “Nature! By her we are encompassed and enfolded, unable to withdraw from her, nor yet to penetrate her deeper. Unbid and unforewarned, into the gyrations of her dance she lifts us, whirling and swirling us onward, until exhausted from her arms we fall.

[ 4 ] Sie schafft ewig neue Gestalten; was da ist, war noch nie, was war, kommt nicht wieder — alles ist neu und doch immer das Alte.

[ 4 ] “Unceasingly she generates new forms; what exists was never here before, what was does not return—all is new yet always the old.

[ 5 ] Wir leben mitten in ihr und sind ihr fremde. Sie spricht unaufhörlich mit uns und verrät uns ihr Geheimnis nicht. Wir wirken beständig auf sie und haben doch keine Gewalt über sie.

[ 5 ] “We live in the midst of her and are strangers to her. She speaks with us unceasingly and does not divulge her secret to us. We affect her constantly and yet have no power over her.

[ 6 ] Sie scheint alles auf Individualität angelegt zu haben und macht sich nichts aus den Individuen. Sie baut immer und zerstört immer, und ihre Werkstätte ist unzugänglich.

[ 6 ] “She seems to aim in everything toward individuality, and does not trouble about individuals. Now she builds and now destroys, and her workshop is inaccessible.

[ 7 ] Sie lebt in lauter Kindern, und die Mutter, wo ist sie? — Sie ist die einzige Künstlerin: aus dem simpelsten Stoff zu den größten Kontrasten; ohne Schein der Anstrengung zu der größten Vollendung — zur genauesten Bestimmtheit, immer mit etwas Weichem überzogen. Jedes ihrer Werke hat ein eigenes Wesen, jede ihrer Erscheinungen den isoliertesten Begriff, und doch macht alles eins aus.

[ 7 ] “She lives in countless children, and the mother, where is she? She is the only artist: from the simplest substance to the greatest contrasts, without seeming exertion to the greatest perfection, the most exact acuteness, always clothed with gentleness. Each of her works has its own being, each of her phenomena the most isolated concept, and yet all is one.

[ 8 ] Sie spielt ein Schauspiel: ob sie es selbst sieht, wissen wir nicht, und doch spielt sie’s für uns, die wir in der Ecke stehen.

[ 8 ] She acts a show: whether she sees it herself we do not know, and yet she plays for us who are standing in the corner.

[ 9 ] Es ist ein ewiges Leben, Werden und Bewegen in ihr, und doch rückt sie nicht weiter. Sie verwandelt sich ewig und ist kein Moment Stillestehen in ihr. Fürs Bleiben hat sie keinen Begriff, und ihren Fluch hat sie ans Stillestehen gehängt. Sie ist fest. Ihr Tritt ist gemessen, ihre Ausnahmen selten, ihre Gesetze unwandelbar ...»

[ 9 ] “An eternal living, growing and moving is in her, and yet she does not advance. She is forever changing and in her, nothing for a moment still. She has not concept of rest and has attached her curse to stagnation. She is firm. Her tread is measured, rare her exceptions, her laws immutable ...”

[ 10 ] Wir sind alle ihre Kinder. Und wenn wir glauben, am wenigsten nach ihren Gesetzen zu handeln, handeln wir vielleicht am allermeisten nach diesem durch die Natur flutenden und in uns einströmenden großen Gesetze. Und wer fühlt das andere bedeutsame Goethewort so ganz tief heute noch, mit dem Goethe nicht minder versuchte, das Einfühlen in die verborgenen, der Natur und dem Menschen gemeinsamen Kräfte zum Ausdruck zu bringen, da wo Goethe diese Natur anspricht nicht wie eine leblose Wesenheit, gleich etwa dem heutigen materialistischen Denken, wo er sie anspricht wie einen lebendigen Geist:

[ 10 ] We are all children of nature and when we believe we are not acting in the least according to its laws, we are acting perhaps all the more in accordance with the great law flowing through it and streaming into us. Who can feel deeply today these other significant words of Goethe in which he tries to express how man can penetrate with his feelings into the hidden forces common to himself and nature? Here Goethe addresses nature not as a lifeless being, as modern materialistic thought would have it, but as a living spirit:

Erhabner Geist, du gabst mir, gabst mir alles,
Warum ich bat. Du hast mir nicht umsonst
Dein Angesicht im Feuer zugewendet.
Gabst mir die herrliche Natur zum Königreich,
Kraft, sie zu fühlen, zu genießen. Nicht
Kalt staunenden Besuch erlaubst du nur,
Vergönnest mir in ihre tiefe Brust
Wie in den Busen eines Freunds zu schauen.
Du führst die Reihe der Lebendigen
Vor mir vorbei, und lehrst mich meine Brüder
Im stillen Busch, in Luft und Wasser kennen.
Und wenn der Sturm im Walde braust und knarrt,
Die Riesenfichte, stürzend, Nachbaräste
Und Nachbarstämme quetschend niederstreift,
Und ihrem Fall dumpf-hohl der Hügel donnert,
Dann führst du mich zur sichern Höhle, zeigst
Mich dann mir selbst, und meiner eignen Brust
Geheime tiefe Wunder öffnen sich.

Spirit sublime, thou gav'st me all, gav'st me all
For which I prayed. Thou has not turned in vain
Thy countenance to me in fire and flame.
Thou gav'st me glorious nature as a royal realm,
The power to feel and to enjoy her.
Not Amazed, cold visits only thou allow'st;
Thou grantest me to look in her deep breast
Even as in the bosom of a friend.
Thou leadest past a series of the living
Before me, teaching me to know my brothers
In silent covert and in air and water.
And when the storm roars screeching through the forest,
When giant fir-tree plunges, sweeping down
And crushing neighboring branches, neighboring trunks,
And at its fall the hills, dull, hollow, thunder:
Then leadest thou me to the cavern safe,
Show'st me myself, and my own heart becomes
Aware of deep mysterious miracles.1From Goethe's Faust, translated and edited by George Madison Priest; copyright by, and reprinted here with permission of Alfred A. Knopf, Inc.

[ 11 ] Das ist die Stimmung, durch welche Goethe aus seinem Naturgefühl heraus wiederum etwas von dem aufzufrischen suchte, was aus Gefühl und Erkenntnis zugleich herausfloß. Das ist die Stimmung in den Zeiten, in denen die Weisheit selbst noch mit der Natur im Bunde lebte, in denen geschaffen wurden jene Wahrzeichen des Sich-Einfühlens mit der Natur und dem Universum, als die wir, vom geisteswissenschaftlichen Gesichtspunkte ausgehend, die großen Feste erkennen. Etwas Abstraktes, fast Gleichgültiges, ist für die Seele und für das Herz solch ein Fest geworden. Uns gilt heute vielfach das Wort, um das wir streiten können, zu dem wir schwören können, mehr als das, was dieses Wort ursprünglich gelten sollte. Dieses Wort, dieses äußere, dieses buchstäbliche Wort sollte sein der Repräsentant, die Ankündigung, das Sinnbild des großen, des schöpferischen Wortes, das in der Natur draußen und im ganzen Universum lebt, und das wieder in uns auflebt, wenn wir uns richtig erkennen, und bei denjenigen Gelegenheiten, die sich nach dem Gange der Natur besonders dazu eignen, der ganzen Menschheit zum Bewußtsein gebracht werden soll. Das war die Absicht bei der Einsetzung der großen Feste. Versuchen wir, unsere Erkenntnis, also dasjenige, was wir uns anzueignen bestrebt waren im Laufe der geisteswissenschaftlichen Vorträge, zu gebrauchen, um so etwas zu verstehen, was die alten Weisen ausdrückten in dem Weihnachtsfest.

[ 11 ] Here is expressed the mood through which Goethe, out of his feeling for nature, endeavored to enliven what flowed out of feeling allied with knowledge. This is the mood of a time when wisdom was in league with nature and there were created those signs of feeling united with nature and the universe, which we in spiritual science recognize in the great festivals. Now they have become abstractions, and the soul and heart meet them almost with indifference. In many instances today, the word, which we can dispute or swear by, means more than what it originally represented. What has become an external, literal word was really intended to be the representative, the herald, the symbol of the great creative Word that lives in nature and the whole universe and that can again arise in us if we truly know ourselves. The intention, when the great festivals were established on the occasions provided throughout the course of nature, was to make men conscious of this Word. Let us use the knowledge acquired in the course of our spiritual-scientific lectures to understand what the ancient sages expressed in the Christmas festival.

[ 12 ] Dieses Weihnachtsfest ist nicht bloß ein christliches Fest. Es hat es überall gegeben, wo religiöses Fühlen sich ausdrückte. Wenn Sie sich umsehen im alten Ägypten, tausend und abertausend Jahre vor unserer Zeitrechnung, wenn Sie hinübergehen nach Asien, auch wenn Sie heraufgehen in unsere Gegenden, wiederum lange Jahre vor unserer Zeitrechnung, überall finden Sie dieses gleiche Fest in den Tagen, in denen auch die Geburt des Christus durch das Christentum gefeiert wird.

[ 12 ] The festival held at Christmas time is not only a Christian event. It has existed wherever religious feeling was expressed. If you direct your gaze back thousands of years before our era to ancient Egypt, Asia or other regions, you find a festival being celebrated at the same time of year that Christianity recognizes the birth of Christ.

[ 13 ] Was war das für ein Fest, das überall auf der Erde, seit uralten Zeiten, in diesen Tagen gefeiert wurde? — Auf nichts anderes wollen wir uns heute beziehen als auf jene wunderbaren Feuerfeste, welche in den Gegenden des nördlichen und mittleren Europas in alten Zeiten begangen wurden. In diesen Tagen war es, als jenes Fest in unseren Gegenden, in Skandinavien, Schottland, England, innerhalb der Kreise der alten Kelten von ihren Priestern, den sogenannten Druiden, vorzugsweise gefeiert worden ist. Und was wurde da gefeiert?

[ 13 ] What was the nature of this primeval festival that was celebrated all over the earth at this time of year? In answering this question, we shall restrict our considerations today to those marvelous fire festivals that were celebrated in ancient times in regions of Europe, Scandinavia, Scotland, and in England by the ancient Celtic priests, the Druids.

[ 14 ] Da wurde gefeiert die zu Ende gehende Winterszeit und die sich nach und nach wieder ankündigende Frühlingszeit. Freilich gehen wir noch, indem wir Weihnachten entgegentreten, dem Winter zu. Aber in der Natur kündigt sich da bereits ein Sieg an, der eben für den Menschen das Wahrzeichen eines Hoffnungsfestes, oder besser gesagt — wenn wir das Wort gebrauchen, das für dieses Fest fast in allen Sprachen vorhanden ist —, das Wahrzeichen eines Zuversichtsfestes, eines Vertrauens- und Glaubensfestes sein kann. Der Sieg der Sonne über die ihr entgegenstrebenden Mächte der Natur: das ist das Wahrzeichen. Wir haben sie gespürt, die immer kürzer und kürzer werdenden Tage. Und dieses Kürzerwerden der Tage ist uns ein Ausdruck für ein Absterben, besser gesagt für ein Einschlafen der Naturkräfte bis zu dem Tage, an dem wir das Weihnachtsfest feiern und an dem unsere Vorfahren dasselbe Fest begingen. An diesem Tage fangen die Tage selbst an, immer länger und länger zu werden. Das Licht der Sonne feiert seinen Sieg über die Finsternis. Das erscheint uns heute, indem wir materialistisch denken, viel mehr, als wir es glauben, als ein Ereignis, über das wir nicht mehr besonders nachdenken. Denjenigen, die ein lebendiges Gefühl und eine mit dem Gefühl im Bunde stehende Weisheit hatten, erschien es wie ein lebendiger Ausdruck für ein geistiges Erlebnis, für ein Erlebnis der Gottheit selbst, die unser Leben lenkt. Wie wenn in dem einzelnen persönlichen Menschenleben ein wichtiges Ereignis stattfindet, das etwas entscheidet, so empfand man in jener Zeit eine solche Sonnenwende als etwas Wichtiges im Leben eines höheren Wesens. Ja noch mehr: Nicht unmittelbar nur empfand man dieses Kürzerwerden und wiederum Längerwerden der Tage als einen Ausdruck eines solchen Lebensereignisses eines höheren Wesens, sondern mehr noch wie ein Erinnerungszeichen an etwas viel Größeres, etwas Einziges. Und damit kommen wir auf den großen Grundgedanken des Weihnachtsfestes als eines Weltenfestes, eines Menschheitsfestes allererster Ordnung.

[ 14 ] What was the nature of their celebration? They celebrated the end of the winter season and the approach of spring. Though, to be sure, winter deepens as we move toward Christmas, nevertheless, a victory proclaims itself in nature at this time that is the symbol of hope, confidence and trust for man. In this way the victory of the sun over the counter forces of nature was expressed in most languages. Today we have felt how the days have grown shorter, which is an expression of the withering and falling asleep of the forces of nature, and this will continue until the day we celebrate as Christmas, a day that was also celebrated by our ancestors. From this day on, the days begin to grow longer. The light of the sun celebrates its victory over darkness. Materialistic thought does not reflect much on this event, but for those endowed with vital feeling and knowledge, it was the living expression for a spiritual experience of the Godhead that guides our lives. As an important and decisive event is experienced in the individual personal life of a man, so the winter solstice was experienced as a decisive event in the life of a higher being—as the memorial of something uniquely sublime. We are thus led to the fundamental concept of the Christmas festival as a cosmic festival, a festival of the first order for humanity.

[ 15 ] In den Zeiten, in denen es eine wirkliche Geheimlehre gegeben hat — nicht wie heute, wo sie von der äußeren materialistischen Weltanschauung verleugnet wird, sondern in dem Sinne, daß sie als das Lebensblut allen Volkslebens gewirkt hat —, in den Zeiten sah man zu Weihnachten etwas sich in der Natur ereignen, das wie ein Merkstein angesehen wurde, wie ein Erinnerungszeichen an ein großes Ereignis, das einst auf diesem Erdenrund stattgefunden hat. Und die Priester, welche ihre Getreuesten, diejenigen, die die Lehrer des Volkes waren, in diesen Tagen zur Mitternachtsstunde um sich versammelten, suchten ihren Getreuen ein großes Geheimnis zu enthüllen und sprachen ungefähr das Folgende zu ihnen. Ich erzähle Ihnen hier nicht irgend etwas Ausgeklügeltes, nichts durch die abstrakte Wissenschaft Gefundenes, sondern ich erzähle etwas, was gelebt hat in den Mysterien, in geheimen Kultstätten, in den angedeuteten Zeiten, da die Priester ihre Getreuen versammelten, um ihnen durch das, was sie ihnen sagten, Kraft für ihre Lehren zu geben.

[ 15 ] In those ages in which genuine esotericism was alive and active like the very life blood of people—a fact that is denied by the materialistic world view of today—one observed an event taking place in nature at Christmas time that was considered a monument, a memorial of a great event that once had taken place on earth. During those days the priests collected the faithful ones, the teachers of the people, around them at the midnight hour and endeavored to divulge a great secret. What they said to them was somewhat as follows. I am not relating something here that has been discovered and thought out by abstract science, but what has lived in the Mysteries, in the secret shrines, in those earlier times.

[ 16 ] Heute, so sagten sie, sehen wir sich ankündigen den Sieg der Sonne über die Finsternis. So war es auch einmal auf dieser Erde. Da feierte die Sonne den großen Sieg über die Finsternis. Das geschah so: Bis dahin war alles Physische, alles leibliche Leben auf unserer Erde fast nur bis zur Tierheit gediehen. Was auf unserer Erde als höchstes Reich lebte, das war erst auf der Stufe sich vorzubereiten, die unsterbliche Menschenseele zu empfangen. Dann kam in dieser Vorzeit ein Augenblick, ein großer Augenblick der Menschheitsentwickelung, da stieg von göttlichen Höhen die unsterbliche, die unvergängliche Menschenseele herunter. Die Lebenswelle hatte sich bis zu jener Zeit so entwickelt, daß der Menschenleib fähig geworden war, die unvergängliche Seele in sich aufzunehmen. Höher zwar, als die materialistischen Naturforscher glauben, stand dieser Menschenvorfahr. Aber der geistige Teil, der unsterbliche Teil war noch nicht in ihm. Er stieg erst herunter von einem andern, höheren Planeten auf unsere Erde, die nun der Schauplatz seines Wirkens werden sollte, der Aufenthaltsort von dem, was nun unverlierbar für uns ist, von unserer Seele.

[ 16 ] Today, so said the priests, we see the victory of the sun over darkness ushered in. This also once took place on earth in a larger sense when the sun celebrated its great victory over darkness. Up to that time, everything physical, all bodily life on earth had only reached the level of development of the animals. The highest kingdom on earth at that time, prepared itself for the reception of the immortal human soul. Then, in this primeval age, the great moment in the evolution of mankind arrived when the immortal soul descended from divine heights. The surging life had developed to the point where the human body was able to receive the imperishable soul. This human ancestor was at a higher stage than that imagined by materialistic naturalists, but even so the spiritual, immortal part did not live in him yet. The human soul descended to earth from a higher planet, and the earth was now to become its field of action, its dwelling place.

[ 17 ] Die lemurische Rasse nennen wir diese Menschheitsvorfahren. Ihr folgte die atlantische Rasse und dann die unsrige, die wir die arische Rasse nennen. Innerhalb dieser lemurischen Rasse wurden die Menschenkörper befruchtet von der höheren Menschenseele. Das «Herabsteigen der göttlichen Söhne des Geistes» nennt die Geisteswissenschaft diesen großen Augenblick der Menschheitsentwickelung. Seit jener Zeit formt und arbeitet im Menschenleib zu seiner höheren Entwickelung diese menschliche Seele. Anders als die materialistische Naturwissenschaft sich das denkt — heute kann ich das nur andeuten, in andern Vorträgen habe ich ausführlich davon gesprochen, und das müssen diejenigen berücksichtigen, die das erste Mal hier sind und das, was ich sage, als Phantastik betrachten könnten —, war es zu diesem Zeitpunkte, in dem der Menschenleib von der unvergänglichen Seele befruchtet wurde. Entgegen der Anschauung der materialistischen Naturforscher geschah damals etwas im großen Universum, was zu den wichtigsten Ereignissen unserer Menschheitsentwickelung gehört.

[ 17 ] We call these human ancestors the Lemurians. They were followed by the Atlanteans, who preceded the present-day Aryans. The human bodies of the Lemurians were fructified by the higher human soul—a great moment in the evolution of man that spiritual science calls “the descent of the Divine Sons of the Spirit.” Ever since Lemurian times the human soul has worked in and formed the human body for its higher development. I can only give an indication of what I am now going to say, but I have spoken in detail about these things in other lectures. Those who are here for the first time should take this into consideration and not take what I say as mere fantasy.

[ 18 ] Damals trat zuerst, nach und nach, jene Konstellation ein, jene gegenseitige Stellung von Erde, Mond und Sonne, die den Herabstieg der Seelen möglich machte. Die Sonne erhielt dazumal für den Menschen jene Bedeutung, welche sie für sein Wachstum, für sein Gedeihen auf der Erde hat, und zu gleicher Zeit auch die Bedeutung, die sie für die andern Geschöpfe hat, die zu ihm gehören, für Pflanzen und Tiere. Nur wer geistig sich das ganze Werden von Menschheit und Erde klarmacht, wird diesen Zusammenhang von Sonne, Mond und Erde mit den auf der Erde lebenden Menschen in der richtigen Weise einsehen. Es gab eine Zeit — so lehrte man in diesen alten Zeiten —, da war die Erde noch eins mit Sonne und Mond. Da waren sie noch ein Körper. Da waren die Wesenheiten auch noch von anderer Gestalt und von anderem Aussehen als die heute auf der Erde lebenden, denn sie waren dazumal angepaßt jenem Weltenkörper, der aus Sonne, Mond und Erde gemeinschaftlich bestand. Alles, was auf dieser Erde lebt, erhielt seine Wesenheit dadurch, daß zuerst die Sonne und dann der Mond sich abtrennte, und daß diese beiden Himmelskörper in eine äußere Beziehung zu unserer Erde traten. Und in dieser Beziehung liegt sogleich das Geheimnis der Zusammengehörigkeit des Menschengeistes mit dem ganzen Universalgeist, den man in der Geisteswissenschaft den Logos nennt, und der die Sonne, den Mond und die Erde zu gleicher Zeit umfaßt. Dadrinnen leben, weben und sind wir.

[ 18 ] At the time when the human body was first fructified by the imperishable soul, the situation was quite different from the way materialistic natural science conceives of it today. An event took place in the universe that belongs to the most important in the evolution of man. Gradually, the constellation of earth, moon and sun arose that made the descent of the souls possible. It was in that period that the sun gained its significance for the growth and prospering of man on earth, and also for his fellow creatures, the plants and animals. To grasp this connection of sun, moon and earth with earth-man in the right way, one must make spiritually clear to himself the whole development of man and earth. There was a time—so ancient wisdom taught—when the earth was united with the sun and moon, forming one body. At that time, the earth beings of today had different shapes and appearances that conformed with the consolidated cosmic body of sun, moon and earth. Every living thing on earth received its being through the fact that first the sun, and then the moon separated from the earth and formed an external relationship to it. The mystery of the union of the human spirit with the universal spirit is connected with this development. In spiritual science the universal spirit is called the Logos. It embraces the sun, moon and earth, and in it we live, weave and have our being.

[ 19 ] So wie die Erde herausgeboren ist aus dem Körper, der Sonne und Mond zugleich umfaßte, so ist der Mensch herausgeboren aus einem Geiste, aus einer Seele, der Sonne und Erde und Mond zugleich angehören. Wenn der Mensch hinaufsieht zur Sonne, hinaufsieht zum Mond, soll er nicht nur diese äußeren physischen Körper sehen, sondern soll in ihnen sehen äußere Leiber für geistige Wesenheiten. Das hat freilich der heutige Materialismus verlernt. Aber wer nicht mehr in der Sonne und im Monde die Leiber von Geistern sehen kann, der kann auch nicht im Menschenleibe den Körper eines Geistes erkennen. So wahr der Menschenleib der Träger eines Geistes ist, so wahr sind die Himmelskörper die Träger von geistigen Wesenheiten.

[ 19 ] Just as the earth was born from the body that also comprised the sun and moon, so is man born from a spirit or soul to which the sun, earth and moon belong. When man looks up to the sun or the moon, what he sees should not be limited only to these external physical bodies, but he should perceive them as the external bodies of spiritual beings. Modern materialism can no longer accomplish this. Yet, one who is unable to see the sun and moon as bodies of spirits, will be unable to recognize the human body as that of a spirit. As truly as the human body is the bearer of a spirit, so the celestial bodies are likewise bearers of spiritual beings.

[ 20 ] Zu diesen geistigen Wesenheiten gehört auch der Mensch. So wie sein Leib von den Kräften, die in Sonne und Mond walten, abgetrennt ist, und wie sein äußeres Physisches doch Kräfte beherbergt, die in Sonne und Mond tätig sind, so ist auch in seiner Seele dieselbe Geistigkeit tätig, die auf Sonne und Mond herrscht. Und indem der Mensch auf der Erde dieses Wesen geworden ist, ist er abhängig geworden von jener Wirkungsart der Sonne, in die sie eingetreten ist als ein besonderer, die Erde bescheinender Körper.

[ 20 ] Man belongs to these spiritual beings. His body is separated from the forces that rule in sun and moon but his physical nature nevertheless harbors forces that are active in them. The same spirituality is active in his soul, however, that governs the sun and moon. By becoming an earth being, man became dependent upon the sun's activity as a separate body shining upon the earth.

[ 21 ] So fühlten sich unsere Altvordern als geistige Kinder des ganzen Universums, und sie sagten sich: Durch das, was durch den Sonnengeist in uns unsere Geistesform hervorgerufen hat, sind wir Menschen geworden. Der Sieg der Sonne über die Finsternis bedeutet für-uns zugleich eine Erinnerung an den Sieg, den dazumal, in den Zeiten, in denen die Sonne zum erstenmal so geschienen hat, wie sie jetzt auf der Erde scheint, unsere Seele errungen hat. Ein Sonnensieg war es, als die unsterbliche Seele dazumal im Zeichen der Sonne eintrat in den physischen Leib, sich hineinsenkte in die Finsternis der Begierden, Triebe und Leidenschaften.

[ 21 ] Our ancestors felt themselves to be spiritual children of the whole universe and understood that we have become human beings through what the sun spirit had called forth as our spirit. For us, the victory of the sun over darkness signifies a memory of the victory for our soul when for the first time the sun shone down upon the earth as it does today. It was a sun victory when the immortal soul descended into the physical body and immersed itself in the darkness of instincts, desires and passions.

[ 22 ] Stellen wir uns das Leben des Geistes einmal vor. Die Finsternis geht voran dem Sonnensieg. Und diese Finsternis folgte nur auf eine frühere Sonnenzeit. So war es auch mit der Menschenseele. Diese Menschenseele geht hervor aus der ursprünglichen Göttlichkeit. Aber sie mußte eine ZeitJang untertauchen in die Bewußtlosigkeit, um innerhalb dieser Bewußtlosigkeit die niedere Menschennatur aufzubauen; denn diese Menschenseele hat selbst die niedere Menschennatur allmählich aufgebaut, um dann dieses von ihr selbst aufgebaute Wohnhaus zu bewohnen. Wenn Sie sich vorstellen, daß ein Baumeister ein Wohnhaus baut, nach den besten Kräften die in ihm selbst sind, und später in dasselbe einzieht, so haben Sie ein richtiges Gleichnis für den Einzug der unsterblichen Menschenseele in den Menschenkörper. Aber nur unbewußt konnte in jener Zeit die Menschenseele an ihrem eigenen Wohnhaus arbeiten. Dieses unbewußte Arbeiten ist in dem Gleichnis ausgedrückt durch die Finsternis. Und das Bewußtwerden, das Aufleuchten der bewußten Menschenseele, ist in dem Gleichnis ausgedrückt durch den Sonnensieg.

[ 22 ] Let us visualize the life of the spirit. For early man, darkness, which followed upon a previous sun period, preceded the victory of the sun. But the human soul, which sprang from the Divinity, had to dip down into unconsciousness for a time in order to form there the lower nature of man. It was the human soul that gradually built up the lower nature of man so that later it could come to dwell in it. If you imagine an architect using the best forces in himself to build a dwelling into which he subsequently moves, you will have an adequate likeness of the entrance of the immortal human soul into the physical body. At that early time, however, the soul could work only unconsciously on its dwelling place, and it is this that is expressed in the picture of darkness. The lighting up of consciousness in the human soul is expressed, of course, in the picture of the sun victory.

[ 23 ] So bedeutete dieser Sonnensieg für diejenigen, welche ein lebhaftes Empfinden von dem Zusammenhang des Menschen mit dem Universum noch hatten, den Augenblick, in welchem sie das Wichtigste für ihr Erdendasein empfangen hatten. Dieser große Augenblick, er wurde festgehalten in jener Feier.

[ 23 ] For those who had a living feeling for the connection of man with the universe, the sun victory signified the moment in which they received what was of the greatest importance for their earth existence. It was this great moment that was commemorated in the festival celebrating this event at the winter solstice.

[ 24 ] Nun stellte man sich zu allen Zeiten den Gang des Menschen durch das Erdenwallen so vor, daß dieser Mensch immer ähnlicher und ähnlicher wird dem regelmäßigen rhythmischen Gang der Natur selbst. Blicken wir einmal von der Menschenseele auf zu dem, worin jetzt ihr Leben eingeschlossen ist, blicken wir auf zu dem Gang der Sonne im Universum und zu allem, womit dieser Gang der Sonne in Verbindung ist, so wird uns etwas klar, was zu fühlen, zu empfinden unendlich wichtig ist: das große Rhythmische, das große Harmonische im Gegensatz zu dem Chaotischen, zu dem Unharmonischen in der eigenen Menschennatur. Blicken Sie hinauf zur Sonne, verfolgen Sie sie auf ihrem Wege, und Sie werden sehen, wie rhythmisch, wie regelmäßig ihre Erscheinungen im Jahresgang und im Tageslauf wiederkehren. Und Sie werden sehen, wie regelmäßig und rhythmisch alles zusammenhängt unter dem Sonnenlauf in dem, was wir die Natur nennen.

[ 24 ] In all earlier times, man's course through his earth development was seen to resemble increasingly the regular rhythmical course of nature. When we look up from the soul of man to the course of the sun in the universe and all that is related to it, we experience the great rhythm and harmony existing there as contrasted with the chaos and disharmony of our own natures. How rhythmical is the path of the sun; how regular is the return of the phenomena of nature in the course of the year and day!

[ 25 ] Öfters habe ich schon betont, daß alles rhythmisch ist bei den unter dem Menschen stehenden Wesenheiten. Denken Sie sich die Sonne einen Augenblick hinausgerückt von der Bahn, einen Bruchteil einer Sekunde nur, und stellen Sie sich die unglaubliche, die unbeschreibliche Unordnung vor, die in unserem Universum angerichtet würde. Nur durch diese große gewaltige Harmonie im Sonnenlauf ist unser Universum möglich. Mit dieser Harmonie hängen die rhythmischen Lebensprozesse aller Wesen zusammen, die von der Sonne abhängig sind. Stellen Sie sich die Sonne im Jahreslauf vor, wie sie die Wesen der Natur hervorruft im Frühling, stellen Sie sich vor, wie wenig Sie imstande sind zu denken, daß das Veilchen zu einer andern Zeit blüht als zu der, wo Sie es gewohnt sind. Stellen Sie sich vor, daß die Saat zu einer andern Zeit ausgeworfen werde und die Ernte zu einer andern Zeit geschehen könnte, als es geschieht. Herauf bis zu dem Tierleben zeigt sich Ihnen alles abhängig vom rhythmischen Sonnengang. Selbst beim Menschen ist alles rhythmisch, regelmäßig und harmonisch, insofern es nicht den menschlichen Leidenschaften, Instinkten oder gar dem menschlichen Verstande unterworfen ist. Beachten Sie den Puls, den Gang der Verdauung, und bewundern Sie den großen Rhythmus und fühlen Sie die große, unendliche Weisheit, die durch die ganze Natur flutet, und vergleichen Sie dann damit das Unregelmäßige, das Chaotische, das in den menschlichen Leidenschaften, Trieben und Begierden und namentlich im menschlichen Verstande und Denken waltet. Versuchen Sie einmal, an Ihrem Geiste vorbeiziehen zu lassen das Regelmäßige Ihres Pulses und Ihres Atems, und vergleichen Sie es mit der Unregelmäßigkeit des Denkens, Fühlens und Wollens. Es ist ein Irrlichtelieren.

[ 25 ] I have frequently mentioned the rhythmical nature of the development of the lower beings. Just imagine the sun leaving its orbit for a fraction of a second and the unbelievable, indescribable disorder that would result. Our universe is only made possible through the great, tremendous harmony of the sun's orbit. With this harmony are connected the rhythmical life processes of all the beings dependent upon the sun. Picture to yourself how the sun calls forth the beings of nature in spring. It is not possible to think the violet might bloom at a different time from the one we are accustomed to. Imagine seeds to be broadcast or harvests to be gathered at times different from the usual ones. Right up to animal life we see how everything is dependent upon the rhythmical course of the sun. Even in man everything is rhythmical, regular and harmonious insofar as it is not subject to human passions, instincts and the human intellect. Observe the pulse or the processes of digestion and admire the great rhythm and infinite wisdom of nature flowing through them. Then compare them with the irregularity and chaos holding sway in human passions, instincts, desires and particularly in the human intellect. Visualize the regularity of the pulse and breath and contrast it with the irregularity of thinking, feeling and willing. They are will-o'-the-wisps in comparison.

[ 26 ] Stellen Sie sich dagegen vor, wie die Lebensmächte weisheitsvoll eingerichtet sind, wie das Rhythmische über dem Chaotischen zu bestehen hat. Was verbricht nicht alles menschliche Leidenschaft und Genußsucht am Rhythmus des menschlichen Leibes! Öfters habe ich es hier schon erwähnt, wie wunderbar es für den ist, der durch die anatomische Wissenschaft das Herz, dieses wunderbar eingerichtete Organ des Menschenkörpers, kennenlernt und sich dann sagen muß, was es auszuhalten hat dadurch daß der Mensch durch den Genuß von Tee, Kaffee und so weiter auf den rhythmischen, harmonischen Schlag des Herzens einwirkt. So ist es mit der ganzen rhythmischen, göttlichen, weisheitsvollen Natur, die von unseren Altvordern bewundert worden ist, deren Seele die Sonne mit ihrem regelmäßigen Gang ist.

[ 26 ] Imagine the wisdom with which the life forces are organized, or how the rhythmic system must struggle against rhythmless chaos. Just think how much human passion and the desire for enjoyment trespass against the rhythms of the body! I have often mentioned how marvelous it is for the person who, through an anatomical study of the heart, learns to know the beautiful construction of this organ. Such a person must then come to realize how miraculous it is that the heart still continues its harmoniously rhythmical pulsation in spite of the abuse that can be heaped upon it through the use of tea and coffee. But, like our ancestors, who were filled with admiration for nature with its soul, the sun, in rhythmical orbit, we, too, can acquire feelings for all of nature, permeated as it is by rhythm and wisdom.

[ 27 ] Indem die Weisen und ihre Anhänger zur Sonne hinaufblickten, sagten sie sich: Du bist das Bild dessen, was diese Seele, die mit dir geboren ist, noch nicht ist, was sie aber werden soll. — Die göttliche Weltenordnung eröffnete sich für diese Weisen in ihrer ganzen Glorie. Das spricht auch die christliche Weltanschauung aus, indem sie ausspricht, daß die Glorie sein soll in den göttlichen Höhen. Das Wort «Glorie» heißt Offenbarung, nicht Ehre. Man sollte nicht sagen: Ehre sei Gott in der Höhe — sondern: Heute ist die Offenbarung des Gottes in den Himmeln. — Das ergibt die Wahrheit des Satzes. Und in diesem Satze kann man voll empfinden die die Welt durchflutende Glorie. In den früheren Zeiten empfand man das so, daß man diese Weltenharmonie als großes Ideal hinstellte für den, der Führer sein sollte für die übrige Menschheit. Deshalb sprach man zu allen Zeiten und überall da, wo man ein Bewußtsein von diesen Dingen hatte, von dem «Sonnenhelden».

[ 27 ] In looking up to the sun, the sages and their followers said, “You are the image of what the soul born in me will become.” The divine world order revealed itself in its great glory to these wise men. This is also expressed in the Christian view when it says there shall be glory in divine heights. “Glory” means “revelation.” “Today God reveals Himself in the Heavens.” This is what “Glory to God in the Highest” means. It is the expression of the glory permeating the world. This world harmony was presented as the great ideal for those who, in earlier times, were to be leaders of mankind. In all times and wherever a consciousness of these things was alive, it was the Sun Hero who was spoken of.

[ 28 ] In den Tempelstätten, wo die Einweihung vollzogen wurde, da unterschied man sieben Einweihungsgrade. Ich werde Ihnen dieselben mit den persischen Namen vorführen. Der erste Grad ist derjenige, wo der Mensch hinausging über das alltägliche Fühlen, dann zu einem höheren seelischen Empfinden und zur Erkenntnis des Geistes kam. Ein solcher Mensch wurde bezeichnet als «Rabe», Daher sind die Raben diejenigen, welche den Eingeweihten in den Tempeln das, was draußen in der Welt vorgeht, verkündigen. Als die mittelalterliche Weisheitsdichtung in der Person eines mittelalterlichen Herrschers einen Eingeweihten hinstellen wollte, der im Inneren der Erde, bei den Weisheitsschätzen der Erde auf jenen großen Augenblick warten sollte, wo das Christentum, neu vertieft, die Menschheit verjüngen soll, als diese mittelalterliche Weisheitsdichtung die Gestalt des Barbarossa ausbildete, da ließ sie wieder die Raben die Verkündiger sein. Selbst das Alte Testament spricht von den Raben bei Elias.

[ 28 ] There were seven degrees of initiation in the ancient Mystery Temples. I shall cite them for you with their Persian names. In the first degree, man went beyond everyday feeling and attained to a higher soul experience and cognition of the spirit. Such a man was designated a “Raven.” The Ravens were those who communicated to the initiates in the temples what happened in the outside world. This was the case in the medieval saga of the Emperor Barbarossa who, surrounded by the earth's treasures of wisdom, awaits inside the earth the great moment when mankind is to be rejuvenated by a newly deepened Christianity. Here also the Ravens are the messengers. Even the Old Testament speaks of the Ravens of Elijah.

[ 29 ] Die im zweiten GradeEingeweihten sind die «Okkulten», Die im dritten Grade Eingeweihten sind die «Streiter», die im vierten Grade sind die «Löwen». Die im fünften Grade sind mit dem Namen ihres eigenen Volkes: Perser oder Inder und so weiter bezeichnet, denn erst der im fünften Grade Eingeweihte ist der wahre Repräsentant seines Volkes. Der im sechsten Grade Eingeweihte hieß «Sonnenheld» oder «Sonnenläufer». Der im siebenten Grade Eingeweihte hatte den Namen «Vater».

[ 29 ] Those initiated into the second degree were called the “Occult Ones,” those of the third, the “Warriors,” and those of the fourth, the “Lions.” The initiates of the fifth degree were called by the name of their people—Persian or Indian, for example—because only these initiates were true representatives of their peoples. The initiate of the sixth degree was called a “Sun Hero,” that of the seventh, bore the name “Father.”

[ 30 ] Warum hieß nun der im sechsten Grade Eingeweihte Sonnenheld? Wer so hoch hinaufgestiegen war auf der Leiter der geistigen Erkenntnis, der mußte im Inneren wenigstens ein solches Leben ausgebildet haben, daß dieses innere Leben nach dem Muster des göttlichen Rhythmus im ganzen Weltenall verlief. Er mußte so empfinden, so fühlen, so denken, daß nichts von Chaos, nichts Unrhythmisches, nichts Unharmonisches bei ihm mehr vorhanden war, sondern daß er von einer mit der äußeren Sonnenharmonie zusammenstimmenden inneren Seelenharmonie erfüllt war. Das war die Forderung, die man an diesen im sechsten Grade Eingeweihten stellte. Als heilige Menschen, als Muster, als Ideale stellte man sie hin, und man sagte von ihnen: So groß das Unglück wäre für das Universum, wenn es möglich wäre, daß die Sonne eine Viertelminute abirrte von ihrer Bahn, ein ebenso großes Unglück würde es sein, wenn es für einen Sonnenhelden möglich wäre, von der Bahn der großen Sittlichkeit, von der Bahn des Seelenrhythmus, von der Geistesharmonie auch nur einen Augenblick abzuweichen. — Wer in seinem Geiste eine so sichere Bahn gefunden hatte wie die Sonne draußen im Universum, den nannte man einen Sonnenhelden. Und solche Sonnenhelden hatten alle Völker.

[ 30 ] Why was the initiate of the sixth degree called a Sun Hero? Such a one, who had climbed the ladder of spiritual knowledge to that stage, had so far developed his inner life that the pattern of its course followed the divine rhythm of the universe. His feeling and thinking no longer contained anything chaotic, unrhythmical or disharmonious, and his inner soul harmony was in accord with the external harmony of the sun. This level of development was demanded of the initiates of the sixth degree, and as a result, they were looked up to as holy men, as examples and ideals. Just as it would be a great disaster for the universe if the sun were to leave its path for only a quarter of a minute, similarly, it would have been just as great a disaster if it had been possible for a Sun Hero to stray only for a moment from his path of high morality, soul rhythm and spirit harmony. He who had found as sure a path in his spirit as the sun outside in the universe, was called a Sun Hero, and they were to be found among all peoples.

[ 31 ] Unsere Gelehrten wissen so wenig von diesen Dingen. Zwar fällt es ihnen auf, daß sich Sonnenmythen um die Leben aller großen Religionsstifter herumkristallisierten. Sie wissen aber nicht, daß man bei den Einweihungszeremonien die führenden Helden zu Sonnenhelden zu machen pflegte, und daß es dann gar nicht wunderbar ist, wenn das, was die Alten hineinzulegen sich bemühten, von der materialistischen Forschung wieder herausgefunden wird. Bei Buddha und selbst bei Christus hat man solche Sonnenmythen gesucht und gefunden. Hier haben Sie den Grund, warum man diese bei ihnen finden konnte. Sie sind zuerst in sie hineingelegt worden, so daß sie einen unmittelbaren Abdruck des Sonnenrhythmus darstellten. Diese Sonnenhelden waren dann das große Muster, dem man nachleben sollte.

[ 31 ] Our scientists know little about these things. To be sure, they see that sun myths are crystallized around the lives of all the great founders of religions. But they do not know that in the initiation ceremonies the leaders were raised to Sun Heroes, and it is not at all remarkable when materialistic research rediscovers these customs of the ancients. Sun myths connected with Buddha and even with Christ have been searched out and found. Here you have the reason why they could be found in these myths. They had been put into them in the first place because they represented a direct imprint of the sun rhythm and were the great examples that should be followed.

[ 32 ] Was dachte man sich, was in der Seele eines solchen Helden geschah, der eine solche innere Harmonie gefunden hatte? — Das stellte man sich vor, daß nun nicht mehr nur eine einzelne individuelle Menschenseele in ihm lebt, sondern daß in einem solchen etwas aufgegangen war von der universellen Seele, die das ganze Universum durchflutet. Diese Universalseele, die das ganze Universum durchflutet, nannte man in Griechenland Chrestòs, und sie ist bei den erhabensten Weisen im Orient als die Buddhi bekannt. Wenn der Mensch aufgehört hat, sich nur zu fühlen als der Träger seiner individuellen Seele und etwas in sich erlebt von dem Universellen, dann hat er in sich selbst ein Abbild geschaffen dessen, was sich damals als Sonnenseele mit dem Menschenleibe verband; dann hat er etwas ungeheuer Bedeutungsvolles auf der Bahn der Menschheit erreicht.

[ 32 ] The soul of such a Sun Hero who had attained this inner harmony was no longer considered to be a single individual human soul, but one that had brought to birth in itself the universal soul streaming through the whole cosmos. This universal soul was called “Chrestos” in ancient Greece, and the sublime sages of the Orient knew it by the name, “Buddhi.” When one has ceased to feel himself to be only the bearer of his individual soul and comes to experience the universe within himself, then he has created an image in himself of what as Sun Soul was united with the human body at that time. Then he has achieved something of tremendous significance for the evolution of mankind.

[ 33 ] Betrachten wir einmal diesen Menschen mit einer so veredelten Seele, dann werden wir die Zukunft des Menschengeschlechtes und die ganze Beziehung dieser Menschenzukunft zu der Idee, der Vorstellung der Menschheit überhaupt, vor uns hinstellen können. So wie die Menschheit heute vor uns steht, kann man es sich nicht anders vorstellen, als daß gewisse Dinge dadurch entschieden werden, daß die Menschen sozusagen in Streit und Hader durch eine Art Majorität, durch einen Mehrheitsbeschluß, eine Entscheidung herbeiführen. Da wo man noch solche Mehrheitsbeschlüsse als etwas wirklich Ideales ansieht, da hat man noch nicht begriffen, was wirklich Wahrheit ist. Wo lebt in uns schon wirkliche Wahrheit? Wahrheit lebt in uns da, wo wir uns anheischig machen, logisch zu denken. Oder wäre es nicht Unsinn, durch Mehrheitsbeschluß zu entscheiden, ob zwei mal zwei gleich vier oder drei mal vier gleich zwölf ist? Wenn der Mensch einmal erkannt hat, was wahr ist, dann mögen Millionen kommen und sagen, es. sei anders, er wird doch in sich selbst seine Sicherheit haben.

[ 33 ] When we consider such a human being with his soul ennobled in this way, we can visualize the future of the human race and the whole relationship of this future to the idea, the percept of humanity in general. Today, disputing and quarrelling, people decide things by majority vote. As long as such majority resolutions are deemed to be the ideal, one has not yet grasped real truth. Where does real truth live in us? Truth lives in us when we endeavor to think logically. It would be nonsense to decide by majority vote that two times two equals four, or that three times four equals twelve. Once man has recognized what is true, millions of others may dissent but he will remain certain within himself.

[ 34 ] So weit sind wir in bezug auf das wissenschaftliche Denken, in bezug auf dasjenige Denken, das nicht mehr berührt ist von menschlichen Leidenschaften, Trieben und Instinkten. Überall da, wo Leidenschaften, Triebe und Instinkte mitwirken, befinden sich die Menschen noch in Streit und Hader, in wirrem Durcheinander, wie das Trieb- und Instinktleben überhaupt ein wildes Chaos bildet. Wenn aber einst die Triebe, Instinkte und Leidenschaften geläutert, rein und ideal zu dem geworden sind, was man die Buddhi, was man den Chrestos nennt, wenn sie ausgebildet sind bis zu jener Höhe, auf der heute das logische, leidenschaftslose Denken steht, dann wird das erreicht sein, was uns in den alten Weisheitsreligionen, im Christentum, in der anthroposophischen Geisteswissenschaft als das eigentliche Menschheitsideal entgegenleuchtet. Wenn unser Denken und Fühlen so geläutert ist, daß das, was einer fühlt, harmonisch zusammenklingt mit dem, was andere fühlen, wenn auf dieser Menschenerde für das Gefühl und die Empfindung dieselbe Epoche gekommen sein wird, wie sie gekommen ist für den uniformierenden Verstand, wenn Buddhi auf dieser Erde, der Chrestos, verkörpert sein wird im Menschengeschlecht, dann wird das Ideal der alten Weisheitslehrer, des Christentums, der Anthroposophie erfüllt sein. Dann wird man ebensowenig abzustimmen brauchen über dasjenige, was man für gut und edel und richtig hält, wie man über das abzustimmen braucht, was man für logisch richtig und logisch falsch erkannt hat. Dieses Ideal kann jeder vor seine Seele hinstellen, und wenn er das tut, dann hat er das Ideal des Sonnenhelden vor sich, dasselbe, was alle Geheimlehrer, die im sechsten Grad eingeweiht sind, auch haben.

[ 34 ] In scientific thinking we have advanced as far as the use of logic, that is, thinking untouched by passions, drives and instincts. Wherever these come into play, they bring about chaos and cause men to quarrel and fight in wild confusion. When, however, in the future, these passions, drives and instincts will have been purified and become what is called Buddhi or Chrestos, when they will have reached the level of development at which logical, passionless thinking stands today, then the ideal of mankind, which radiates from the wisdom of ancient religions, from Christianity, and from the anthroposophical science of the spirit, will have been reached. When our feelings will have become so purified that they sound harmoniously together with what others feel, when for our feelings and sensations the same stage will have been achieved on earth as that of our intellects, when Buddhi and the Chrestos will have been incorporated into the human race, then the ideal of the ancient teachers of wisdom, of Christianity and of anthroposophy will have been fulfilled. Then it will not be necessary to determine by vote what is good, noble and right any more than one needs to decide by vote what is logically correct or logically false. Everyone can place this ideal before his soul and in so doing he raises the ideal of the Sun Hero, of all initiates of the sixth degree.

[ 35 ] Selbst unsere deutschen Mystiker im Mittelalter fühlten das, indem sie ein Wort mit einer tiefen Bedeutung aussprachen, das Wort Vergottung oder Vergöttlichung. Dieses Wort gab es in allen Weisheitsreligionen. Was bedeutet das? Es bedeutet das Folgende: Einstmals waren diejenigen, die wir heute als die Geister des Universums ansehen, auch durchgegangen durch eine Stufe, auf der die Menschheit heute steht, durch das Chaotische. Und durchgerungen haben sich diese führenden Geister des Universums bis zu ihrer göttlichen Stufe, wo ihre Lebensäußerungen harmonisch das All durchklingen. Was uns heute als harmonischer Gang der Sonne im Jahreslauf, beim Wachsen der Pflanzen, im Leben der Tiere erscheint, war einst chaotisch und hat sich erst zu dieser großen Harmonie durchgerungen. Wo diese Geister einst standen, steht heute der Mensch. Er wird sich aus seinem Chaos zu einer Zukunftsharmonie entwickeln, die nachgebildet sein wird der heutigen Sonne, der heutigen universellen Harmonie.

[ 35 ] This was felt by the German mystics of the Middle Ages when they spoke the important word for “becoming Godlike,” “becoming one with the Divine” (Vergottung). What does this word signify? It means that those beings, whom we consider today to be the spirits of the universe, also passed through the stage of chaos upon which mankind stands today. The leading spirits of the universe have struggled up to the divine stage where their living utterances resound harmoniously through the All. What appears to us in the harmonious annual orbit of the sun, in the growth of plants, the life of animals was, in past ages, chaotic and a struggle had to be made to arrive at its present sublime harmony. Man stands today at a stage of development at which these spirits once stood. But he will develop out of chaos into a future harmony patterned after the present sun and the presiding universal harmony.

[ 36 ] Dieses nicht als Theorie, nicht als Lehre, sondern als lebendige Empfindung in unsere Seele gesenkt, das gibt die anthroposophische Weihnachtsempfindung. Empfinden wir es so recht, daß die Glorie, die Offenbarung der göttlichen Harmonie, in den Höhen der Himmel erscheint, und wissen wir, daß die Offenbarung dieser Harmonie einstmals aus unserer eigenen Seele erklingen wird, dann empfinden wir das andere, was eintreten wird innerhalb der Menschheit durch diese Harmonie, dann empfinden wir den Frieden derjenigen, die eines guten Willens sind. So schließen sich die zwei Gefühle als Weihnachtsgefühle aneinander. Wenn wir unter dieser großen Perspektive hineinblicken in die göttliche Weltenordnung, in die Offenbarung, in ihre Glorie in den Himmelshöhen, und hinausblicken in die menschliche Zukunft, so können wir heute schon vorfühlen jene Harmonie, welche in der Zukunft auf der Erde Platz greifen wird in den Menschen, die das Gefühl und die Empfindung dafür haben. Je mehr sich in uns senkt, was wir draußen in der Welt als die Harmonie fühlen, desto mehr Friede und Einklang wird auf dieser Erde sein.

[ 36 ] To allow these ideas to sink into our souls, not as theory or doctrine but as living sensation, yields the anthroposophical Christmas mood. Let us feel vividly that the glory and the revelation of divine harmony appears in the heights of heaven. Let us realize that the revelation of this harmony will resound from our own souls in the future. Then we will feel the peace of those who are of good will that will come about in mankind through this harmony. When from this great perspective we look into the divine world order, into the revelation and its glory in heavenly heights, when we look out upon the future of mankind, we may have now, today, a presentiment of the harmony that will reign in human beings on earth in the future. The more we let the harmony in the outer world sink into us, the more will there be peace and unity on earth.

[ 37 ] So stellt sich das große Ideal des Friedens als eine Naturempfindung höchster Art vor unsere Seele hin, wenn wir in den Weihnachtstagen den Gang der Sonne in der Natur in der richtigen Weise fühlen und empfinden. Wenn wir den Sieg des Sonnenlichtes über die Finsternis in diesen Tagen nachfühlen, dann schöpfen wir daraus die große Zuversicht, das große Vertrauen, das unsere eigene sich entwickelnde Seele mit dieser Weltenharmonie verbindet, dann werden wir nicht umsonst das, was in dieser Weltenharmonie lebt, in unsere Seele einfließen lassen. Dann flutet, dann lebt in uns etwas, was harmonisch ist, dann senkt sich in die Seele der Same, der Friede auf diese Erde bringt, im Sinne des Friedens der Religionen. Diejenigen sind eines guten Willens, die solchen Frieden empfinden, einen solchen Frieden, wie er über die Erde kommt, wenn jene höhere Stufe der Eintracht für das Gefühl und das Gemüt erreicht sein wird, die heute allein für den uniformierenden Verstand erreicht ist. Dann wird an die Stelle des Streites, der Zwietracht, die alles durchflutende Liebe getreten sein, von der Goethe in demselben Hymnus, den ich angeführt habe, sagt, daß wir durch ein paar Züge aus diesem Becher der Liebe für ein Leben voll Mühe schadlos gehalten werden.

[ 37 ] If, during the time of Christmas, we feel and experience the orbit of the sun in nature in the right way, the great ideal of peace will be presented to our souls as a feeling of nature of the highest order. If we feel during these days the victory of the sunlight over darkness, we will gain from it the great confidence that unites our own developing souls with this cosmic harmony, and it will not flow in vain into our beings. Then something will flow and live in us that will be harmonious, and the seed of peace upon earth will sink into our souls. Those men are of good will who feel this peace, a peace that will prevail when the higher stage of harmony, which today has been attained only by the intellect, is reached by the feelings and heart. Strife and disharmony will have been replaced by the all-pervading love of which Goethe speaks in the Hymn to Nature I have quoted, when he says that a few draughts from the chalice of love are compensation for a life of trouble.

[ 38 ] Deshalb ist dieses Weihnachtsfest ein Fest der Zuversicht, ein Fest des Vertrauens und der Hoffnung in allen Weisheitsreligionen gewesen, weil wir in diesen Tagen empfinden, daß das Licht siegen muß. Das Samenkorn, hineingelegt in die Erde, wird etwas aus sich heraussprießen lassen, was das Licht sucht und wieder im Lichte des neuerstehenden Jahres gedeihen muß. Ebenso wie das Samenkorn der Pflanze hinuntergesenkt ist in die Erde und heranreift im Lichte der Sonne, so ist die göttliche Wahrheit, die göttliche und wahrhaftige Seele hinuntergesenkt in die Tiefe des Leidenschafts- und Instinktlebens. Da unten in der Finsternis soll sie reifen, die göttliche Sonnenseele. Und so wahr das Samenkorn in der Erde reift, und so wahr dem Samenkorn in der Erde durch den Sieg des Lichtes über die Finsternis dieses Reifen möglich gemacht wird, so wahr wird durch den fortlaufenden Sieg des Lichtes über die Finsternis der Seele dem Licht der Seele der Sieg ermöglicht. Und so wahr, wie in der Finsternis nur Streit und im Lichte nur Friede sein kann, so wahr wird mit dem richtigen Verständnis die Weltenharmonie, der Weltenfriede eintreten. Das ist das tiefe, das wahre Wort auch des Christentums: Gloria in diesen Tagen, Offenbarung in diesen Tagen der göttlichen Mächte in der Höhe, in den Himmeln, und Friede den Menschen, die eines guten Willens sind.

[ 38 ] In all religions this Christmas festival has been a festival of confidence, trust and hope because they have felt that during these days the light must be victorious. This seed, placed in the earth, will sprout forth and prosper in the light of the newly arising year. A seed of a plant, when buried in the earth, will burgeon forth into the light of the sun. In the same way, divine truth, the divine and truthful soul, is sunk in the depth of the life of passions and instincts. There, in darkness, the divine Sun Soul will ripen. A seed in the earth sprouts as a result of the victory of light over darkness, and likewise, through the continuous victory of light over the darkness of the soul, the soul will become filled with light. In darkness there can only be strife; in light, only peace. Through true comprehension, world harmony, world peace will prevail. This is the deep and true word also of Christianity during these Christmas days: Glory, revelation of the divine powers in the heights of heaven, and peace to men who are of good will!

[ 39 ] Aus dieser großen Weltenempfindung heraus hat auch im 4. Jahrhundert die christliche Kirche sich entschlossen, das Geburtsfest des Weltenheilandes in dieselben Tage zu verlegen, an denen bei allen großen Weisheitsreligionen der Sieg des Lichtes über die Finsternis gefeiert worden ist. Bis zum 4.Jahrhundert war das Weihnachtsfest, das Geburtsfest Christi, vollständig veränderlich. Erst im 4. Jahrhundert hat man sich entschlossen, den Christenheiland an dem Tage geboren werden zu lassen, an dem dieser Sieg des Lichtes über die Finsternis immer gefeiert worden ist.

[ 39 ] Out of this great cosmic feeling, the Christian Church resolved in the fourth century to establish the festival of the birth of the World Savior at the same time of year that all great religions had celebrated the victory of light over darkness. Before the fourth century, the time of the Christian festival, the festival of the birth of Christ, varied. It was not until the fourth century that it was resolved that the Savior of the Christians be born on the day on which the victory of light over darkness had always been celebrated.

[ 40 ] Wir können uns heute nicht mit den Weisheitslehren des Christentums selbst befassen, die Gegenstand eines Vortrages im nächsten Jahr sein werden. Aber das eine soll und muß schon heute gesagt werden, daß nichts Richtigeres geschehen konnte, als das Geburtsfest derjenigen göttlichen Individualität in diese Zeit zu verlegen, die für den Christen die Gewähr, die Zuversicht bietet, daß seine Seele, seine Göttlichkeit den Sieg davontragen wird über alles dasjenige, was Finsternis ist in seiner bloß äußerlichen Welt.

[ 40 ] Today we cannot deal with the wisdom of the teaching of Christianity itself. This will be the subject of a lecture next year. But one thing shall and must be said today. Nothing could have happened with more justification than the establishment of the birthday of Christ at that time of year. For that Divine Individuality, the Christ, is the guarantor for the Christian that his divine soul will be victorious over all that is darkness.

[ 41 ] So ist das Christentum im Einklang mit allen großen Weltreligionen. Und wenn die christlichen Weihnachtsglocken erklingen, dann mag sich wohl der Mensch erinnern, daß in diesen Tagen dieses Fest in aller Welt begangen wurde. Überall da wurde es begangen, wo man den wahren großen Fortschritt der Menschenseele auf diesem Erdenrund verstanden hat, da wo man etwas davon wußte, was Geist und geistiges Leben bedeutet, da wo man im praktischen Sinne Selbsterkenntnis zu üben versuchte.

[ 41 ] Thus, Christianity is in harmony with all great world religions, and when the Christmas bells ring, we can remind ourselves that this festival was celebrated during these days throughout the world in the past. It was celebrated wherever on earth there was comprehension of the true progress of the human soul, wherever a knowledge prevailed of the significance of spirit and spiritual life, wherever self-knowledge was practiced.

[ 42 ] Nicht eine unbestimmte, nicht eine abstrakte Naturempfindung ist das, wovon wir heute gesprochen haben, sondern ein Naturempfinden in aller lebendigen Geistigkeit. Wenn wir anknüpfen an das Wort Goethes: «Natur, wir sind von ihr umgeben und umschlungen» und so weiter, so dürfen wir uns klar darüber sein, daß wir die Natur nicht im materialistischen Sinne deuten, sondern daß wir in ihr den äußeren Ausdruck und die Physiognomie des göttlichen Weltengeistes sehen. Und wie das Körperliche aus dem Körperlichen, das Seelische und Geistige aus dem GöttlichSeelischen und Göttlich-Geistigen geboren ist, und wie das Körperliche, das Leibliche sich verbindet mit bloß materiellen Kräften, so verbindet sich das Seelische mit dem Geistigen.

[ 42 ] We have not spoken of an abstract feeling for nature today. We have, rather, spoken of a feeling for nature in all its living spirituality. When we have connected our considerations with the Goethean words, “Nature! We are encompassed and enfolded! ...” we may be clear about the fact that we do not interpret nature in the materialistic sense. We see in it the external expression and physiognomy of the divine cosmic spirit. Just as the body is born out of the corporeal, the soul and spirit out of the divine soul and divine spirit, and just as the body united itself with merely material forces, so the soul unites itself with the spirit.

[ 43 ] Dieses im Zusammenhang mit dem ganzen Universum zu erfühlen und zu empfinden, unsere Erkenntnis, unser Denken dazu zu gebrauchen, sich nicht in unbestimmter, sondern in allerbestimmtester Weise eins zu fühlen mit dem ganzen Universum, dazu sind die großen Feste als Wahrzeichen für die Menschheit da. Und wenn man davon wieder etwas empfindet, dann werden diese Feste wieder etwas anderes sein, als sie heute sind, dann werden sie sich wieder lebendig einpflanzen in Seele und Herz, dann werden sie uns dasjenige sein, was sie uns wirklich sein sollen: Knotenpunkte des Jahres, die uns verknüpfen mit dem Geiste des Alls.

[ 43 ] The great festivals stand as symbols leading us to use our feeling and thinking in order to bring about an experience of the union with the universe, not in an indefinite way but in a most decided fashion. If this is felt again, the festivals become something different from what they are today. They will become implanted in soul and heart in a living way, and they will become what they are intended to be for us, that is, focal points in the year that join us to the spirit of the universe.

[ 44 ] Wenn wir das ganze Jahr hindurch unsere Pflichten, unsere Aufgaben für das alltägliche Leben erfüllt haben, an diesen Punkten des Jahres blicken wir hin zu dem, was uns mit dem Ewigen verbindet. Und wenn wir auch wissen, daß wir uns manches erkämpfen mußten im Laufe des Jahres — an diesen Tagen bekommen wir ein Gefühl davon, daß es über allem Kampf und über allem Chaos einen Frieden und eine Harmonie gibt. Deshalb sind diese Feste Feste der großen Ideale; und das Weihnachtsfest ist das Geburtsfest des größten Ideales der Menschheit, des Ideales, das die Menschheit erringen muß, wenn sie ihre Bestimmung überhaupt erreichen will. DasGeburtsfest dessen, was der Mensch empfinden, fühlen und wollen kann, das ist das Weihnachtsfest, wenn es richtig verstanden wird,

[ 44 ] If, as the year proceeds, we have fulfilled our duties and tasks for everyday life, we can look to these focal points to what unites us with the eternal. Although we have had a hard struggle in the course of the year, during these festival days the feeling arises in us that beyond all struggle and chaos, peace and harmony exist. Therefore, these festivals are celebrations of the great ideals. The Christmas festival is the festival of the greatest ideal of humanity, and humanity must make it its own if it wishes to reach its destination. The Christmas festival, rightly understood, is the festival of the birth of mankind's highest feelings and will impulses.

[ 45 ] Die anthroposophische Geisteswissenschaft will dazu beitragen, daß dieses Fest wieder so verstanden wird. Nicht ein Dogma, nicht eine bloße Lehre oder eine Philosophie wollen wir in die Welt hineinsenden, sondern Leben. Das ist unser Ideal, daß alles das, was wir sagen und lehren, was in unseren Schriften, in unserer Wissenschaft enthalten ist, ins Leben übergeht. Es wird ins Leben überfließen, wenn der Mensch auch im Alltäglichen überall Geisteswissenschaft übt, so daß wir nicht mehr von Geisteswissenschaft zu sprechen brauchen, wenn von allen Kanzeln geisteswissenschaftliches Leben ertönt durch die Worte, die zu den Gläubigen gesprochen werden, ohne daß dabei das Wort Theosophie oder Geisteswissenschaft ausgesprochen wird. Wenn in allen Gerichtsstätten mit geisteswissenschaftlichem Empfinden auf die Taten der Menschen gesehen wird, wenn am Krankenbette der Arzt geisteswissenschaftlich empfindet und geisteswissenschaftlich heilt, wenn in der Schule der Lehrer Geisteswissenschaft für das heranwachsende Kind entwickelt, wenn auf allen Straßen geisteswissenschaftlich gedacht, gefühlt und gehandelt wird, so daß die geisteswissenschaftliche Lehre überflüssig geworden ist — dann ist unser Ideal erreicht, dann wird Geisteswissenschaft eine Alltäglichkeit sein. Dann wird aber auch Geisteswissenschaft in den großen festlichen Wendepunkten des Jahres sein. Und es wird der Mensch sein Alltägliches anknüpfen an das Geistige durch das geisteswissenschaftliche Denken, Fühlen und Wollen. So wird er andererseits das Ewige und Unvergängliche, die Geistessonne hineinleuchten lassen in seine Seele an den großen Festtagen, die ihn erinnern werden, daß in ihm ein Wahres, ein höheres Selbst, ein Göttliches, ein Sonnenhaftes, ein Lichtvolles ist, das immerdar siegen wird über alles Dunkel, über alles Chaos, welches einen Seelenfrieden gibt, der immer ausgleichend wirken wird gegenüber allem Kampf, allem Krieg und allem Unfrieden in der Welt.

[ 45 ] The anthroposophical science of the spirit intends to contribute to this understanding. We do not wish to send a dogma a mere doctrine or philosophy into the world, but life itself. It is our ideal to have all that we say and teach, all that is contained in our writings and science, pass over into life itself. This will happen if men practice spiritual science in everyday relationships, if from the pulpits spiritual-scientific life resounds in the words that are spoken to the listeners, without special emphasis being put on the term, spiritual science. If in all courts of justice the deeds are judged with spiritual-scientific sensitivity, if the medical doctor feels and heals with spiritual-scientific insight, if in the schools the teachers develop spiritual science concerning the growing child, if on all the streets spiritual-scientific thoughts, feelings and actions prevail to the point of making spiritual-scientific teaching superfluous, then our ideal will have been achieved. Then the science of the spirit will have become an everyday affair. Moreover, spiritual science will then also be alive in the focal points of the great festivals throughout the year, and man will join his everyday life to the spirit through anthroposophical thinking, feeling and willing. Then the eternal, imperishable Spirit Sun will shine into his soul at the great festivals of the year, reminding him that in him there lives truth, a higher self, a divine, sun-like, light-filled Being. This Being will ever and again be victorious over all darkness and chaos, and will achieve soul peace and balance in the face of all disharmony, struggle and war in the world.