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World-Riddles and Theosophy
GA 54

22 February 1906, Berlin

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World-Riddles and Theosophy, tr. SOL
  1. Die Welträtsel und die Anthroposophie

13. Luzifer

13. Lucifer

[ 1 ] Die persische Sage spricht von zwei einander entgegenstrebenden Gottheiten, von Ormuzd, dem guten Gotte, und von Ahriman, dem bösen Gotte. Die beiden Gottheiten kämpfen um den Menschen, überhaupt um all dasjenige, was hier auf der Erde sich als Leben und Streben entfaltet. In Aussicht gestellt ist, daß die gute Gottheit einstmals den Sieg über die böse Gottheit davontragen wird.

[ 1 ] Persian mythology speaks of two opposing deities: Ormuzd, the good god, and Ahriman, the evil god. The two deities battle for humanity—and indeed for everything that unfolds here on Earth as life and striving. It is foretold that the good deity will one day triumph over the evil deity.

[ 2 ] Wie man auch über diese Sage denken mag, ein Abbild dieser Sagenidee sieht jeder in der Natur, in der uns umgebenden Welt selbst. Betrachten Sie, um ein Beispiel zu haben, auf der einen Seite das Feuer. Dem Feuer verdanken wir unsere Kultur, unsere Behaglichkeit und unser Fortkommen hier innerhalb unseres Lebens, und betrachten Sie auf der andern Seite die zerstörende Gewalt der Mächte, die auch in irgendeiner Beziehung zum Feuer stehen, wie zum Beispiel die Erdbeben und die Vulkanausbrüche. In der Natur selbst also walten wohltätige, erhaltende, Leben fördernde und Leben spendende Mächte, und auf der andern Seite Leben zerstörende und feindliche Mächte. Der Schauplatz, auf dem sich die Kämpfe dieser beiden Gewalten abspielen, ist nicht nur der äußere Mensch, sondern auch der innere. Die Seele des Menschen wird hin- und hergerissen von feindlichen Gewalten: auf der einen Seite von Schmerz, Übel und Leid, und auf der andern Seite von den wohltätigen Mächten des Daseins, von Freudevollem, Erhabenem, Herzerhebendem und demjenigen, das uns in die geistigen Himmelssphären hineinweist. Tiefere Naturen haben immer die Einheit, im Grunde genommen doch die Harmonie zwischen diesen zwei einander entgegenstrebenden Mächten eingesehen. Ich brauche nur an etwas ganz Bekanntes zu erinnern, so werden Sie sich vor die Seele rufen, wie ein auserlesener Geist unserer eigenen deutschen Kultur die Einheit und Einheitlichkeit der beiden einander widerstrebenden Mächte zum Ausdruck gebracht hat. Schillers «Lied von der Glocke» enthält gerade in dieser Hinsicht die schönen Worte:

[ 2 ] Whatever one may think of this legend, everyone can see a reflection of this legendary idea in nature, in the world around us. To give an example, consider fire on the one hand. We owe our culture, our comfort, and our progress here in life to fire; and on the other hand, consider the destructive force of phenomena that are also related to fire in some way, such as earthquakes and volcanic eruptions. Thus, within nature itself, there are benevolent, sustaining, life-promoting, and life-giving forces, and on the other hand, life-destroying and hostile forces. The arena in which the struggles between these two forces take place is not only the outer human being but also the inner one. The human soul is torn between opposing forces: on the one hand, by pain, evil, and suffering; and on the other hand, by the benevolent forces of existence—by what is joyful, sublime, heart-lifting, and that which points us toward the spiritual spheres of heaven. Those of deeper nature have always recognized the unity—and, at its core, the harmony—between these two opposing forces. I need only recall something very familiar, and you will bring to mind how an exceptional spirit of our own German culture expressed the unity and oneness of these two opposing forces. Schiller’s “Song of the Bell” contains, precisely in this regard, the beautiful words:

Wohltätig ist des Feuers Macht,
Wenn sie der Mensch bezähmt, bewacht,
Und was er bildet, was er schafft,
Das dankt er dieser Himmelskraft;
Doch furchtbar wird die Himmelskraft,
Wenn sie der Fessel sich entrafft,
Einhertritt auf der eignen Spur,
Die freie Tochter der Natur.

The power of fire is benevolent,
When man tames it and guards it,
And whatever he shapes, whatever he creates,
He owes to this heavenly power;
Yet the heavenly power becomes terrible,
When it breaks free from its bonds,
Marching in its own path,
The free daughter of nature.

[ 3 ] Eins und dasselbe unter zwei verschiedenen Gesichtspunkten!

[ 3 ] One and the same thing viewed from two different perspectives!

[ 4 ] Betrachten wir so den Menschen äußerlich und innerlich, überall werden wir in dem Menschen widerstrebende Mächte erblicken. Eine von diesen Gewalten, von der seit uralten Zeiten Weise und Unweise gesprochen haben, soll Gegenstand unserer heutigen Betrachtung sein: diejenige Gewalt, die man von jeher bezeichnet hat mit dem Namen Luzifer. — Nicht von dem Standpunkte der wissenschaftlichen, geschichtlichen Betrachtung etwa bloß, sondern von dem Standpunkte innerlicher, sogenannter esoterischer Betrachtung wollen wir uns heute mit diesem Thema befassen.

[ 4 ] If we thus consider human beings both externally and internally, we will see conflicting forces at work within them everywhere. One of these forces, of which both the wise and the unwise have spoken since time immemorial, will be the subject of our consideration today: the force that has always been known by the name of Lucifer. — We wish to address this topic today not merely from the standpoint of scientific or historical analysis, but from the standpoint of inner, so-called esoteric contemplation.

[ 5 ] Dem Worte nach bedeutet Luzifer: Lux — das Licht, fer, ferre — tragen, der Lichtträger. Wenn wir uns dieses Wort vor Augen halten, dann müssen wir uns schon sagen: Diejenigen, welche dieser Gewalt den Namen gegeben haben, können unmöglich bloß das gemeint haben, was verschiedene positive religiöse Überzeugungen zusammenfassen in der zerstörenden, Leid und Verderben bringenden Macht, die sie im Symbolum der Schlange und des bösen Drachen sehen. — Dennoch klingt das in Europa bekannteste Religionssystem, das christliche, mit dem zusammen, was man im Volksmunde den Teufel, Satan nennt, den man als die lebenzerstörende oder herabziehende Macht ansieht. Die Schlange ist Ihnen allen bekannt als der Verführer der Menschheit. So steht es im Beginne der Genesis, der Bibel, und so lebt es auch im Bewußtsein vieler. Nicht immer und nicht in allen Religionsbekenntnissen gilt die Schlange als das Symbolum des Bösen, der herabziehenden und verderbenden Macht. Wenn wir die christlich-jüdische Mythe selbst betrachten, so kann es uns nicht ganz so erscheinen. Denn wer wollte heute diejenige Macht, welche den Menschen die Erkenntnis des Guten und Bösen gebracht hat, diejenige Macht, von der gesagt wird, daß sie dem Menschen die Augen aüfgeschlossen hat, unbedingt zu den feindlichen Mächten rechnen? Eine große Wandlung ist vor sich gegangen gerade in dem letzten Jahrhundert.

[ 5 ] Literally, Lucifer means: Lux—light, fer, ferre—to carry; the bearer of light. If we keep this word in mind, we must admit: Those who gave this force its name could not possibly have meant merely what various positive religious beliefs summarize as the destructive, suffering- and ruin-bringing power they see in the symbols of the serpent and the evil dragon. — Nevertheless, the religious system best known in Europe—Christianity—resonates with what is commonly called the devil or Satan, who is regarded as the life-destroying or downcasting power. The serpent is known to all of you as the tempter of humanity. So it is written at the beginning of Genesis, in the Bible, and so it lives on in the consciousness of many. Not always, and not in all religious creeds, is the serpent regarded as the symbol of evil, of the power that drags down and corrupts. If we consider the Judeo-Christian myth itself, it may not appear quite that way to us. For who today would unconditionally count among the hostile forces that very power which brought humans the knowledge of good and evil—the very power said to have opened their eyes? A great transformation has taken place, particularly in the last century.

[ 6 ] Wir brauchen nur an den Namen des großen Genius Goethe zu erinnern, um zu sagen, welche Wandlungen sich im Laufe der letzten Jahrhunderte vollzogen haben. Ihnen allen ist bekannt, daß Goethe die Faustsage des Mittelalters umgewandelt hat, nicht nur neu behandelt hat. Wenn Sie diese Faustsage des Mittelalters verfolgen, so steht Faust da als der Repräsentant und Typus des menschlichen Strebens, des Strebens, das auf Freiheit und Selbständigkeit und auf Wissenschaft gebaut ist, nicht desjenigen, was auf Offenbarung, auf Glaube gebaut sein soll. Im 16. Jahrhundert noch hat der Volksgeist diesen Faust, diesen Genius des freiheitlichen menschlichen Erkenntnisstrebens so hingestellt, daß er unbedingt verfallen muß den bösen, lebensfeindlichen Mächten. Faust muß untergehen aus dem Grunde, weil er sich abgewandt hat von dem Glauben, von der Überlieferung der Jahrtausende, von der Offenbarung. Von ihm wird gesagt, daß er kein Theologe mehr sein wollte, es wird von ihm gesagt, daß er die Bibel hinter eine Bank gelegt habe und Weltmensch geworden sei. Unter einem Weltmenschen verstand man einen solchen Menschen, der auf Freiheit und Selbständigkeit sein Dasein begründen will, auf eigene Kenntnis und auf das Durchschauen der Kräfte. Ein solcher Mensch mußte notwendigerweise den bösen Kräften verfallen nach der damaligen Anschauungsweise. Goethe stellt uns diesen Kampf neuerdings dar. Und wie läßt er dieses Schicksal ausgehen? «Wer immer strebend sich bemüht, den können wir erlösen», läßt er den Chor der Engel singen. Faust geht auch hier den Pakt ein mit den Mächten, die an Mephistopheles geknüpft sind, aber er wird erlöst, trotzdem er sich auf Freiheit und Selbstbestimmung gründet. Faust gelangt zur Befriedung seines Daseins. Das ist eine Seelenwandlung, die sich da vollzogen hat. Luzifer wird nicht mehr in der alten Weise als durchaus Verderben bringend erkannt.

[ 6 ] We need only recall the name of the great genius Goethe to illustrate the transformations that have taken place over the course of the last few centuries. As you all know, Goethe transformed the medieval Faust legend—he did not merely reinterpret it. If you trace this medieval Faust legend, Faust stands there as the representative and archetype of human striving—a striving founded on freedom, independence, and science, not on what is supposed to be based on revelation and faith. As late as the 16th century, the spirit of the age still portrayed this Faust—this genius of the free human quest for knowledge—in such a way that he was bound to fall prey to the evil, life-denying forces. Faust must perish precisely because he has turned his back on faith, on the traditions of millennia, and on revelation. It is said of him that he no longer wished to be a theologian; it is said that he had placed the Bible behind a bench and had become a man of the world. A “man of the world” was understood to be someone who sought to ground his existence in freedom and independence, in his own knowledge, and in his insight into the forces at work. According to the views of the time, such a person was bound to fall prey to evil forces. Goethe now presents this struggle to us anew. And how does he resolve this fate? “Whoever strives with all their might, we can redeem,” he has the choir of angels sing. Here, too, Faust enters into a pact with the powers associated with Mephistopheles, but he is redeemed, even though he bases his existence on freedom and self-determination. Faust achieves peace in his existence. A transformation of the soul has taken place here. Lucifer is no longer recognized in the old way as a bringer of utter ruin.

[ 7 ] Wenn wir uns in den alten Religionen umschauen, so war Luzifer nicht immer der Verderbenbringende. In den alten indischen Religionen werden die Weisen, die Führer, diejenigen, welche die Menschen mit dem Geist erleuchten, Schlangen genannt. So ist es in vielen Religionen. Warum ist das so? Was stellt im Sinne dieser alten Religionen Luzifer dar? Was stellt er endlich dar? Dies und ähnliches soll uns heute beschäftigen. Was stellt er dar im Sinne der Okkultisten, der Erforscher der in der Natur schlummernden Daseinskräfte, der tieferen Naturkräfte, die im Sinne dieser Erkenntnis von Luzifer sprechen als von demjenigen, welcher das Licht bringen soll dem auf sich selbst gestellten Menschen, der nicht auf Offenbarung und Glaube, sondern auf Erkenntnis und Wissenschaft baut? Wenn wir in diese Sache eindringen wollen, so müssen wir etwas berühren, was uns in weit entlegene Fernen des Menschendaseins führt, sozusagen an den Ausgangspunkt der menschlichen Entwickelung. Vollständig wird uns die Frage, die hier eingangs nur berührt werden kann, erst da beschäftigen können, wo wir von der Planetenentwickelung sprechen. Aber unseren Ausgangspunkt müssen wir schon heute von diesem Zeitpunkte menschlicher Entwickelung nehmen. Entwickelung ist dasjenige, was uns heute wie ein Zauberwort erscheint und das menschliche Dasein begreiflich machen will, das, was uns heute in gewisser Vollkommenheit und Vollendung entgegentritt und von dem wir hoffen, daß es immer größeren und größeren Vollkommenheitsgraden sich zuneigen wird. Alles, was um uns herum lebt, schreiben wir einer Entwickelung zu vom Unvollkommensten zum Vollkommenen. Und so auch beim Menschen, bei dem Menschen, der nach einer tieferen Entwickelungslehre ins Dasein tritt vor uralten Zeiten, in welchen unsere Erde selbst noch ganz anders aussah als heute und in welchen die auf ihr befindlichen Naturkräfte und -mächte in einer ganz andern Weise wirkten. Im Sinne dessen, was man theosophische oder geisteswissenschaftliche Weltanschauung nennt, sprechen wir auch von diesem Ausgangspunkte aus von einer Entwickelung des Menschen, aber wir sprechen von einer Entwickelung, die uns zurückführt in noch weitere Fernen und zu Ausgangspunkten, die vor unserer Erdenbildung selbst liegen. Das kann nur angedeutet werden.

[ 7 ] If we look at the ancient religions, we see that Lucifer was not always the bringer of ruin. In the ancient Indian religions, the sages, the leaders—those who enlighten people with the spirit—are called serpents. This is the case in many religions. Why is that so? What does Lucifer represent in the context of these ancient religions? What does he ultimately represent? This and similar questions are what we shall consider today. What does he represent in the view of the occultists—those who explore the forces of existence slumbering within nature, the deeper forces of nature—who, in light of this understanding, speak of Lucifer as the one who is to bring light to the self-reliant human being, one who relies not on revelation and faith but on knowledge and science? If we wish to delve into this matter, we must touch upon something that leads us to the far-off reaches of human existence—to the very starting point of human evolution, so to speak. The question, which can only be touched upon here at the outset, will only fully engage us when we speak of planetary evolution. But we must already take our starting point today from this stage of human development. Development is that which appears to us today as a magic word and seeks to make human existence comprehensible—that which confronts us today in a certain degree of perfection and completion, and from which we hope that it will tend toward ever greater and greater degrees of perfection. We attribute everything that lives around us to a process of development from the most imperfect to the perfect. And so it is with human beings—with those who, according to a deeper doctrine of evolution, entered into existence in ancient times, when our Earth itself still looked quite different from today and when the natural forces and powers acting upon it operated in an entirely different way. In the spirit of what is called the theosophical or spiritual-scientific worldview, we also speak from this starting point of human evolution, but we speak of an evolution that takes us back even further into the distant past and to starting points that lie before the very formation of our Earth. This can only be hinted at.

[ 8 ] Als der Mensch ins Dasein trat, war er ein Wesen, das sozusagen mit und unter den Naturreichen allein auf der Welt war. Wenn wir den Menschen so betrachten, so erscheint er uns gegenüber den übrigen Naturreichen, gegenüber dem Mineral-, Pflanzen- und Tierreich zunächst als das höchste Glied, das Endglied derjenigen Entwickelungskette, die durch diese Naturreiche hindurchgeht. Aber ebenso töricht, wie es wäre, wenn eine Pflanze, ein Stein oder ein Tier spräche: Bei mir hört die Entwickelung auf —, ebenso töricht und unsinnig wäre es, wenn der Mensch von sich spräche: Bei mir hört die Entwickelung auf, ich bin das höchste der Wesen, die hier auf der Erde möglich sind. — Hinaufblicken müssen wir zu andern Wesen, die wir nicht mit den sinnlichen Augen erreichen können, die wir aber erreichen, wenn die tieferen, in uns schlummernden geistigen Kräfte erweckt werden, wenn die geistigen Augen freigelegt werden. Die theosophische oder geisteswissenschaftliche Weltanschauung ist eine solche, welche wieder ein Bewußtsein bringen soll von diesen weiterentwickelten Wesen, die zu den Menschen so stehen wie der Mensch zu den unteren Naturreichen. Als der Mensch hier ins Dasein trat, war er nicht aus dem Nichts heraus geschaffen, sondern er entstand aus früheren, viel früheren Entwickelungsgliedern. Aber auch andere Wesen haben solche Entwickelungen durchgemacht. Sie standen über den Menschen. Die Religion, auch die Bibel spricht von diesen Wesenheiten. Sie spricht von Wesenheiten, welche sich damals, als der Mensch den Ausgang in seiner Entwickelung auf der Erde nahm, ungefähr so vollkommen fühlen konnten, wie der Mensch selbst sich einstmals fühlen wird, wenn er das Ende der Entwickelungsphase, in der er gegenwärtig ist, erreicht hat. Wir sagen in der geisteswissenschaftlichen Weltanschauung: im Menschen, in seinem tiefsten Inneren lebt ein werdender Gott. Und mit den christlichen Mysterien des Mittelalters sprechen wir, daß der Mensch sich erheben kann in Reiche, die über denen stehen, in welchen er heute wohnt. Schön sagt das der christliche Mystiker Angelus Silesius: «Wenn du dich über dich erhebst und läßt Gott walten, so wird in deinem Geist die Himmelfahrt gehalten.» Dann ist er nicht bloß zwischen den Mächten, die schaffen, mitten drinnen der Genießer wie heute, sondern der Mensch wird stehen als ein Schaffender, als ein Vergeistigter und Vergöttlichter.

[ 8 ] When humankind first came into being, it was a being that, so to speak, existed alone in the world alongside and among the kingdoms of nature. If we view human beings in this way, they appear to us, in relation to the other kingdoms of nature—the mineral, plant, and animal kingdoms—at first glance as the highest link, the final link in the chain of development that runs through these kingdoms. But just as foolish as it would be for a plant, a stone, or an animal to say, “Evolution ends with me”—just as foolish and nonsensical would it be for a human being to say of himself, “Evolution ends with me; I am the highest of all beings possible here on Earth.” — We must look upward toward other beings whom we cannot perceive with our physical eyes, but whom we can perceive when the deeper spiritual powers slumbering within us are awakened, when our spiritual eyes are opened. The theosophical or spiritual-scientific worldview is one that is intended to restore an awareness of these more highly evolved beings, who stand in relation to human beings just as human beings do in relation to the lower kingdoms of nature. When human beings first came into existence here, they were not created out of nothing, but arose from earlier, much earlier stages of development. But other beings, too, have undergone such developments. They stood above humankind. Religion—including the Bible—speaks of these beings. It speaks of beings who, at the time when humankind began its development on Earth, could feel themselves to be roughly as perfect as humankind itself will one day feel when it has reached the end of the phase of development in which it currently finds itself. In the spiritual-scientific worldview, we say: within human beings, in their innermost being, lives a God-in-the-making. And in the spirit of the Christian mysteries of the Middle Ages, we speak of how human beings can rise into realms that stand above those in which they dwell today. The Christian mystic Angelus Silesius expresses this beautifully: “When you rise above yourself and let God reign, the Ascension takes place within your spirit.” Then human beings are not merely among the creative powers, merely enjoying them as they do today, but will stand as creators, as spiritualized and deified beings.

[ 9 ] Und am Ausgangspunkte, wo die Kräfte, die heute schon gewisse Vollkommenheitsgrade erreicht haben, noch in der Kindheit lagen, da waren neben ihm Wesenheiten, die schon solche Stufen durchgemacht hatten, die er heute zu absolvieren hat. Sie waren, wenn wir die Bibel recht innerlich verstehen, das, wovon die Götter abstammen. Auch die Götter haben sich, selbst im Sinne der Bibel, entwickelt. Die Elohim sind nicht etwas, was einfach dasteht, sondern sie sind etwas, was geworden ist und sich zu jener Höhe hinaufentwickelt hat. Sie standen in der Vergangenheit vor dem Auge des forschenden Menschen auf der Höhe, zu der er sich selbst einst entwickeln wird. Eine gewisse Vollendung haben sie erreicht, diese Götter. Aber so wie auf den Stufen unseres heutigen Daseins neben vollkommener entwickelten Menschenindividuen auch solche stehen, die erst einen geringeren Grad der Vollkommenheit erreicht haben, die hinter ihren Mitbrüdern etwas zurückgeblieben sind, so standen auch damals noch Wesenheiten zwischen Menschen und Göttern, die höher waren als der Mensch, aber tiefer als die, welche als schaffende Götter bezeichnet wurden. Ich weiß, wie mißverständlich solche Dinge sind, auch wenn sie ernst genommen, ernst aufgefaßt werden. Ich weiß, daß die materialistische Weltanschauung geradezu verbietet, weil sie es als einen Aberglauben betrachtet, von Stufenfolgen in der Entwickelung solcher Wesenheiten zu sprechen. Das aber kann nicht hindern, der Wahrheit ins Antlitz zu schauen und von Stufenfolgen über den Menschen hinaus zu sprechen. In erhabener Höhe waren also die Götter über den Menschen, und unmittelbar über diesen waren Wesenheiten, die in ihrer Entwickelung zwischen den Göttern und Menschen standen, sie aber damals nicht zu Ende führten und dann ihre Entwickelung zwischen den Menschen durchmachten, weil sie dem Menschen näherstanden. Diese Wesenheiten holten gewissermaßen auf unserer Erde innerhalb ihrer Entwickelung das nach, was sie früher versäumt hatten. Dasjenige, was man Geheimlehre, Okkultismus nennt, befindet sich in Eintracht mit den alten Religionen und den tieferen Weisheiten unserer Zeit. Da werden diese Mächte zusammengefaßt unter dem Namen des Luzifer. Und ebenso wie durch die theosophische Weltanschauung es klar wird, daß ein Gott in dem Menschen lebt, der ihn hält und trägt und der sich ausspricht in den schlummernden Anlagen, die aber dereinst göttliche Anlagen sind, die der Mensch entwickelt haben wird am Ziele der Entwickelung, ebenso lebt aber auch das luziferische Prinzip im Menschen und gehört zu seiner eigenen Seele, wie diese zu den Göttern.

[ 9 ] And at the starting point, when the forces that have already attained certain degrees of perfection today were still in their infancy, there were beings alongside him who had already passed through the stages that he must now complete. If we understand the Bible deeply enough, they were the ones from whom the gods are descended. Even the gods, in the sense of the Bible, have evolved. The Elohim are not something that simply exists; rather, they are something that has come into being and has evolved to that height. In the past, they stood before the eyes of the inquiring human being at the height to which he himself will one day evolve. These gods have attained a certain degree of perfection. But just as on the stages of our present existence there stand, alongside fully developed human individuals, those who have attained only a lesser degree of perfection—who have lagged somewhat behind their fellow human beings—so too did there exist at that time beings between humans and gods who were higher than humans but lower than those designated as creative gods. I know how misleading such things are, even when they are taken seriously and understood seriously. I know that the materialistic worldview virtually forbids speaking of successive stages in the development of such beings, because it regards this as superstition. But that cannot prevent us from looking the truth in the face and speaking of successive stages beyond humanity. Thus, the gods stood at a sublime height above human beings, and immediately above them were beings who, in their evolution, stood between the gods and human beings; yet they did not complete their evolution at that time and subsequently underwent their evolution among human beings because they were closer to them. These beings, so to speak, made up for on our Earth—within the course of their own evolution—what they had previously neglected. What is called the Esoteric Doctrine or occultism is in harmony with the ancient religions and the deeper wisdom of our time. There, these powers are grouped together under the name of Lucifer. And just as the theosophical worldview makes it clear that a God lives within the human being—a God who sustains and supports him and who expresses Himself in the dormant faculties that are, however, divine faculties which the human being will have developed at the culmination of his evolution—so, too, does the Luciferic principle live within the human being and belong to his own soul, just as the soul belongs to the gods.

[ 10 ] Nachdem wir dieses uns vor Augen geführt haben, dürfen wir wohl ebenso, wie der Physiker von Elektrizität und Magnetismus spricht, von Göttern und luziferischen Mächten, vom göttlichen und vom luziferischen Prinzip in uns sprechen. Die Götter standen als erhabene Wesen da. Beide — Götter und luziferische Mächte — müssen wir uns nun als das große Gesetz klarmachen, das in aller Entwickelung lebt und wirkt. Betrachten Sie einmal die Natur um sich herum. In einer Stufenfolge tritt uns entgegen als Tiefstes die leblose Welt des Mineralischen, dann das Pflanzen-, dann das Tier- und endlich das Menschenreich; und noch weiter hinauf dann die Reiche der höheren Wesenheiten. Wenn die Pflanze die Augen auftun und mit heller klarer Erkenntnis um sich blicken könnte, dann würde sie sich sagen: Diesem Mineralreich, das um mich herum lebt, ihm verdanke ich mein Dasein; wäre es nicht, nimmermehr könnte ich sein. Aus ihm ziehe ich meine Lebenskraft. Dieses Reich bildet den Boden, aus dem meine Wurzeln ersprießen. Ohne dieses Reich könnte ich nimmermehr dasein. — Und wiederum, wenn das Tier in derselben Weise die unteren Naturreiche betrachten könnte, es würde ebenso sein. Und es müßte hinunterblicken in das niedere Pflanzenreich und sagen: Aus ihm bin ich herausgewachsen, ihm verdanke ich meine Nahrung; wäre das Pflanzenreich nicht, so wäre ich nicht. —- Und weiterhin ist es ebenso beim Menschen. Auch er muß sich sagen: Herausgewachsen bin ich aus diesen unteren Naturreichen, diesen verdanke ich mein Dasein; wären sie nicht, so wäre ich nicht. Da tritt wiederum das höhere Naturreich dem niedereren gegenüber und hilft ihm sozusagen, sein Dasein weiterzubringen. Denken Sie sich nur einmal, es hätte sich nur ein mineralisches Reich auf der Erde entwickelt! Was wäre aus der Erde geworden? Ein starrer, lebloser Körper, der durch den Weltenraum eilte. Wie in einem Grabe schlummernd wäre das Leben geblieben im mineralischen Reich. Dieses Leben hat sich nun sozusagen in ein höheres Reich hinaufgeflüchtet, in das Pflanzenreich, und durch das Pflanzenreich wird wieder das mineralische Reich auf der Erde zu einem lebendigen gemacht. Das Mineralische hält und trägt das Pflanzenreich, das Pflanzenreich wandelt das Mineralische fortwährend um im lebendigen Kreislauf. Bedenken Sie, was die Pflanze macht mit den mineralischen Kräften auf der Erde! Gäbe es keine Pflanzen auf der Erde, die Stoffe des Mineralreiches ruhten im toten Gestein. So aber, da es ein Pflanzenreich gibt, saugt es die Stoffe auf, belebt sich selbst damit und gibt sie wieder zurück. Das niederere Reich bietet die Grundlage und Kräfte fürs höhere, und das höhere Reich hilft wieder mit, das Dasein des niedereren zu erhalten. Und so ist es mit jedem nächsthöheren Reiche. Das tierische Reich lebt einträchtiglich mit dem Pflanzenreich zusammen, es atmet Sauerstoff ein und Kohlensäure aus; die Pflanze baut sich aus dem Kohlenstoff ihren Körper auf und gibt dafür Sauerstoff ab. Und der Mensch? Auch er lebt durch die niederen Naturreiche. Da kommen wir schon allmählich herauf zu dem sich dem Geiste nähernden, von dem Geiste sich nährenden Menschen; und gehen wir zu den geistigen Mächten über, da ist ungefähr zwischen den Göttern und Menschen ein ebensolches Verhältnis wie zwischen den niederen Reichen des Universums, ein Verhältnis, ähnlich dem zwischen den Pflanzen und den Mineralien oder dem zwischen den andern sich auftürmenden Reichen des Universums, Wissen wir, was die Pflanze zur Bildung und Belebung des mineralischen Reiches tut, was tun denn die geistigen Reiche, was tun die Götter mit dem Menschen am Ausgangspunkte der Entwickelung und im Fortschritt derselben? Was taten sie mit dem Menschenreich?

[ 10 ] Having brought this to mind, we may well speak—just as a physicist speaks of electricity and magnetism—of gods and Luciferic powers, of the divine and the Luciferic principle within us. The gods stood as sublime beings. We must now understand both—the gods and the Luciferic powers—as the great law that lives and works in all evolution. Consider for a moment the nature around you. In a series of stages, we encounter, as the lowest, the lifeless mineral world; then the plant kingdom; then the animal kingdom; and finally the human kingdom; and even higher still, the realms of the higher beings. If a plant could open its eyes and look around with bright, clear insight, it would say to itself: “To this mineral kingdom that lives all around me, I owe my existence; were it not for it, I could never be. From it I draw my life force. This kingdom forms the soil from which my roots spring forth. Without this kingdom, I could never exist.” — And likewise, if the animal could view the lower kingdoms of nature in the same way, it would be just the same. And it would have to look down into the lower plant kingdom and say: “I have grown out of it; to it I owe my nourishment; were the plant kingdom not here, I would not be.” —- And the same is true of human beings. They, too, must say to themselves: I have grown out of these lower kingdoms of nature; to them I owe my existence; were they not here, I would not be here. Here, once again, the higher kingdom of nature stands opposite the lower one and helps it, so to speak, to advance its existence. Just imagine for a moment that only a mineral kingdom had developed on Earth! What would have become of the Earth? A rigid, lifeless body hurtling through space. Life would have remained slumbering in the mineral kingdom, as if in a grave. This life has now, so to speak, taken refuge in a higher kingdom—the plant kingdom—and through the plant kingdom, the mineral kingdom on Earth is once again transformed into a living one. The mineral kingdom sustains and supports the plant kingdom; the plant kingdom continually transforms the mineral kingdom within the living cycle. Consider what the plant does with the mineral forces on Earth! If there were no plants on Earth, the substances of the mineral kingdom would lie dormant in dead rock. But as it is, since there is a plant kingdom, it absorbs these substances, animates itself with them, and returns them. The lower kingdom provides the foundation and forces for the higher one, and the higher kingdom, in turn, helps to sustain the existence of the lower one. And so it is with every next higher kingdom. The animal kingdom lives in harmony with the plant kingdom; it inhales oxygen and exhales carbon dioxide; the plant builds its body from carbon and releases oxygen in return. And what of human beings? They, too, live through the lower kingdoms of nature. There we gradually ascend to the human being who draws nearer to the spirit and is nourished by the spirit; and as we move on to the spiritual powers, there is, roughly speaking, a relationship between the gods and human beings just like that between the lower kingdoms of the universe—a relationship similar to that between plants and minerals or between the other ascending kingdoms of the universe. If we know what the plant does to form and enliven the mineral kingdom, what then do the spiritual kingdoms do? What do the gods do with humankind at the starting point of development and as that development progresses? What did they do with the human kingdom?

[ 11 ] Die Götter haben ihre Entwickelung vollendet. Sie haben, wenn wir hier einleuchtend, wenn auch nicht ganz zutreffend sprechen wollen, kein unmittelbares Interesse an dem Menschenreich. Aber sie haben ein mittelbares; sie geben ihm die Kräfte, das im Menschen schlummernde und erstarrte Leben wieder zum Dasein zu bringen, so wie die Pflanze dem toten Steine das Leben gibt. Nun sehen Sie sich das mineralische Gesteinreich, das Pflanzenreich und das Tierreich an. Wie stehen sie einander gegenüber? Der Okkultist, das heißt derjenige, der die tieferen Kräfte der Natur erforscht, sagt: Das mineralische, das pflanzliche und das tierische Reich stehen sich gegenüber wie Weisheit, Leben und Liebe. — Versuchen wir das zu begreifen!

[ 11 ] The gods have completed their evolution. To put it in a way that is clear, even if not entirely accurate, they have no direct interest in the human realm. But they do have an indirect interest; they give it the powers to bring the life that lies dormant and frozen within human beings back into existence, just as a plant gives life to a dead stone. Now consider the mineral kingdom, the plant kingdom, and the animal kingdom. How do they relate to one another? The occultist—that is, the one who explores the deeper forces of nature—says: The mineral, plant, and animal kingdoms relate to one another like wisdom, life, and love. — Let us try to understand this!

[ 12 ] Wenn Sie das mineralische Reich ansehen, wie es uns entgegentritt in der Natur: überall suchen Sie es zu begreifen mit dem Verstand und mit der menschlichen Weisheit. Sie erforschen die Gestirne in ihren Bahnen, das was als Naturgesetz in der mineralischen Welt lebt. Die Pflanze, sie zieht die Weisheit und die Weltgesetzlichkeit aus der mineralischen Welt heraus. Wir sagen daher: Es ruht die Weisheit, die Gesetzmäßigkeit im mineralischen Reich; verkörperte Weisheit ist dieses mineralische Reich. Aber arm und nüchtern und tot wäre dieses mineralische Reich mit seiner Weisheit, wenn nicht die Pflanzenwelt hinzugetreten wäre und das belebende Prinzip, das sprießende und sprossende Leben in dieser schlummernden Weisheit geweckt hätte. Liebe und Weisheit tauschen miteinander die Kräfte, indem die Pflanzen und Mineralien miteinander in Wechselwirkung treten. In einer ähnlichen Art ist es auch zwischen den Göttern und Menschen. So wie der Mensch war, als er seine Entwickelung begann auf der Erde, da ruhte in ihm zunächst das Leben; die Götter fachten es wieder an zu einer neuen irdischen Entwickelung. Diese irdische Entwickelung, woran ist sie geknüpft? Wiederum verhalten sich hier Menschenreich und Götterreich, wenn wir sie miteinander in ein Verhältnis setzen, wie Weisheit und Liebe. Daher spricht der Okkultismus, sprechen alle tieferen Religionsbekenntnisse — auch das Christentum — davon, daß Gott oder die Götter die Liebe sind, das belebende, das sprossende Prinzip. Zuerst bringt das sprießende und sprossende Prinzip die SinnenJiebe auf. Daher wird in der jüdischen Religion des Alten Testamentes Jehova als der Spender des sinnlichen Triebes hingestellt, als der Geber von Wachstum und Vermehrungsrätigkeit. In dem sinnlichen Trieb liegt das Prinzip der Fortentwickelung, das vom Unvollkommenen zum Vollkommenen treibt, das die Entwickelung ist von der Tierheit bis herauf, wo die Liebe Staaten begründet. In dieser Liebe, die sozusagen im Menschen zu Gemeinschaften aufruft, die dasjenige, was im Menschen verhärtet ist, so mit sprießendem und sprossendem Leben durchquillt, wie die Pflanze den Stein aufruft zum Leben, in ihr haben wir zunächst die sich offenbarende, ursprüngliche Gottheit. So ist es in allen Religionen und auch in dem, was wir Geheimwissenschaft nennen. Und nun müssen wir uns klar sein darüber, daß wir also hier in der menschlichen Entwickelung die göttlichen Triebkräfte zu sehen haben, die göttliche Macht. Der Mensch mußte immerdar dasjenige, was ihn vorwärtstreibt, was ihn aufwärtsbringt, als eine Gabe, als Offenbarung eines göttlichen Prinzips ansehen.

[ 12 ] When you look at the mineral kingdom as it appears to us in nature, you seek everywhere to understand it through reason and human wisdom. You study the celestial bodies in their orbits—that which exists as a natural law in the mineral world. The plant draws wisdom and the laws of the universe from the mineral world. We therefore say: Wisdom and the laws of nature rest within the mineral kingdom; this mineral kingdom is embodied wisdom. But this mineral kingdom, with its wisdom, would be poor, austere, and lifeless were it not for the plant world, which has joined it and awakened the life-giving principle—the sprouting and budding life—within this slumbering wisdom. Love and wisdom exchange their forces as plants and minerals interact with one another. The relationship between the gods and human beings is similar. Just as human beings were when they began their evolution on Earth—at first, life lay dormant within them; the gods rekindled it for a new earthly evolution. To what is this earthly evolution linked? Here, too, when we consider the human realm and the divine realm in relation to one another, they behave like wisdom and love. That is why occultism, and all deeper religious traditions—including Christianity—speak of God or the gods as love, the life-giving, sprouting principle. First, this sprouting and germinating principle brings forth sensual love. This is why, in the Jewish religion of the Old Testament, Jehovah is portrayed as the bestower of the sensual impulse, as the giver of growth and the drive to procreate. In the sensual impulse lies the principle of further development, which drives from the imperfect to the perfect—that is, the development from the animal realm upward, where love establishes communities. In this love, which, so to speak, calls forth communities within the human being—a love that causes that which is hardened within the human being to be permeated by sprouting and budding life, just as the plant calls the stone to life—in this love we first encounter the revealing, primordial Divinity. This is the case in all religions and also in what we call esoteric science. And now we must be clear that here, in human evolution, we must see the divine driving forces—the divine power. Human beings have always had to regard that which propels them forward, that which lifts them upward, as a gift, as a revelation of a divine principle.

[ 13 ] Zwischen ihn und die Götter tritt das luziferische Prinzip mitten hinein. Dadurch wird er instand gesetzt, dasjenige, was als göttliches Prinzip in ihm unbewußt lebt, in seinem unbewußten Fortpflanzungs- und Entwickelungstrieb, in seine eigenen Hände zu nehmen. Dadurch wird er zu Selbständigkeit und Freiheit in seiner Entwickelung aufsteigen. Und warum das? Weil dasjenige, was in Luzifer lebt, ihm nähersteht, 'sozusagen ein jüngerer Bruder des göttlichen Prinzips ist. Damals, als die Entwickelung noch in einer älteren Phase war, da waren die Götter selbst auf der Stufe der Menschheit, da suchten sie selbständig innerhalb der Menschheitsstufe ihre eigene Entwickelung. Jetzt aber, da sie sich entwickelt haben, ist der Mensch ein Geschöpf unter ihnen; jetzt beherrschen sie den Menschen und wirken im Menschen. Das Luziferische tritt nun hinzu. Und das hat noch ein familiäreres und intimeres Verhältnis zum Menschen; das ist noch nicht ganz hinausgewachsen über dieStufe, die man als Menschlichkeit bezeichnet. Es ist etwas, was sich über den gegenwärtigen Standpunkt der Menschheit erhebt, aber im intimen Zusammenhang steht, so daß es mit den Menschen mehr zusammenschmilzt und als ein eigener Trieb im Menschen wirkt, sich vorwärtszubringen. Das sind die drei Stufen, die im Menschen selbst wirken als seine Entwickelungskräfte: seine Menschlichkeit, das luziferische Prinzip und die Göttlichkeit. Wenn wir den Menschen, so wie er vor uns steht auf der gegenwärtigen Stufe der Entwickelung, begreifen wollen, dann müssen wir im Sinne der geisteswissenschaftlichen Weltanschauung sehen, daß er die sogenannten vier unteren Prinzipien ausgebildet hat. Ich setze dabei etwas voraus von dem, was die theosophische Weltanschauung lehrt. Nur eine kurze Erklärung will ich dazu geben.

[ 13 ] The Luciferic principle steps right in between him and the gods. This enables him to take into his own hands that which lives unconsciously within him as the divine principle—in his unconscious drive for procreation and development. Through this, he will rise to independence and freedom in his development. And why is that? Because that which lives in Lucifer is closer to him—it is, so to speak, a younger brother of the divine principle. Back then, when evolution was still in an earlier phase, the gods themselves were at the level of humanity; they sought their own evolution independently within the human stage. But now that they have evolved, humanity is a creature among them; now they rule over humanity and work within it. The Luciferic principle now enters the picture. And it has an even more familial and intimate relationship with humanity; it has not yet fully outgrown the stage known as humanity. It is something that rises above humanity’s present stage, yet remains intimately connected to it, so that it merges more closely with human beings and acts within them as a distinct impulse to propel themselves forward. These are the three stages that operate within the human being as forces of development: humanity, the Luciferic principle, and divinity. If we wish to understand human beings as they stand before us at the present stage of development, then we must recognize, in accordance with the spiritual-scientific worldview, that they have developed the so-called four lower principles. In doing so, I am drawing on certain teachings of the theosophical worldview. I will offer only a brief explanation of this.

[ 14 ] Zunächst haben wir den physischen Leib des Menschen, dann das Prinzip des Ätherleibes, das belebende, das formende, dann seine Triebe, Begierden und Leidenschaften, das Tierische in ihm; das ist zur Selbständigkeit erwacht durch das vierte Prinzip, durch das eigentliche Ich des Menschen, wodurch er über das Tier hinausgewachsen ist. Dieses Ich des Menschen ist es, was sich eigentlich weiterentwickelt. Dieses Ich lebt in den drei unteren Prinzipien. Es ist das vierte. Und innerhalb dieses vierten Prinzips wirken die göttlichen Mächte, die in ihrer Entwickelung das vierte Prinzip bereits überschritten haben und es von oben herunter beherrschen. Auch noch halb darinnen, noch verbunden mit dem vierten Prinzip, haben wir die luziferischen Mächte. Die Götter sind von der Ichheit zur Selbstlosigkeit, zur Hingabe und zur Überwindung alles Sonderdaseins aufgestiegen. Das Luziferische im Menschen ist mit dem größeren Teil seines Wesens noch innerhalb des Ich eingeschlossen, das liegt noch innerhalb der menschlichen Interessen selbst. So sehen wir, daß alles dasjenige, was als Selbstlosigkeit und Opferwilligkeit im Menschen lebt, göttliches Prinzip im Menschen ist, und daß neben diesem göttlichen Prinzip eine andere Triebkraft in ihm ist. Derjenige, der wahre Selbstbeobachtung übt, lernt das andere Prinzip erkennen. Es ist das Luziferische. Es ist dasjenige, das nicht allein in völliger Hingabe mit Aufgabe des Selbstes zur Göttlichkeit hinstrebt, sondern, mit Enthusiasmus zwar, aber gerade aus tiefstem Interesse des Selbstes heraus, hinaufstrebend zu den hohen Stufen der Vollkommenheit, sagt: Nicht bloß weil ich sie liebe, sondern weil die höhere Vollkommenheit mit dem zusammenfällt, was ich lieben muß, will ich als Mensch in göttlicher Freiheit dahin streben. Die göttlichen Mächte trachten nicht nach dieser Vollkommenheit. Durch das luziferische Streben aber mache ich die göttliche Vollkommenheit zu meinem eigensten Wesen.

[ 14 ] First, we have the human physical body; then the principle of the etheric body—the life-giving, form-giving principle; then his instincts, desires, and passions—the animal nature within him; this has awakened to independence through the fourth principle, through the human being’s true “I,” by which he has transcended the animal realm. It is this human “I” that actually continues to develop. This “I” lives within the three lower principles. It is the fourth. And within this fourth principle, the divine powers are at work—powers that, in their development, have already transcended the fourth principle and govern it from above. Still halfway within it, still connected to the fourth principle, we find the Luciferic forces. The gods have ascended from selfhood to selflessness, to devotion, and to the overcoming of all separate existence. The Luciferic aspect in human beings is, for the greater part of their being, still enclosed within the “I”; it still lies within human interests themselves. Thus we see that everything that lives in human beings as selflessness and a willingness to sacrifice is a divine principle within them, and that alongside this divine principle there is another driving force within them. Those who practice true self-observation learn to recognize this other principle. It is the Luciferic principle. It is that which does not merely strive toward divinity in complete self-surrender and self-renunciation, but—though with enthusiasm—precisely out of the deepest interest of the self, aspiring to the highest levels of perfection, says: Not merely because I love it, but because higher perfection coincides with what I must love, I, as a human being, wish to strive toward it in divine freedom. The divine powers do not seek this perfection. But through the Luciferic striving, I make divine perfection my very own essence.

[ 15 ] Deshalb können wir sagen: Wenn dieses luziferische Prinzip im Menschen nicht wäre, so würde der Mensch in einer gewissen Passivität, in einer gewissen Untätigkeit, von den Göttern getragen, zur Vollkommenheit geführt. Er wäre sozusagen vollständig der Gotteskindschaft hingegeben. Zwar strebte sein Wesen zur Vollkommenheit, aber nicht er wäre es, der so strebte, sondern der Gott in ihm. — Dazu kommt die andere Kraft, die wir als luziferische betrachten. Diese macht dieses Streben zu einer ureigenen Angelegenheit. Die setzt sich selbst dieses Ziel der Vollkommenheit. Das ist auch in wunderbarer Weise in der biblischen Mythe dargestellt. Da sind Adam und Eva hervorgegangen aus der Hand der Götter, dazu bestimmt, ohne ihr Zutun durch die göttlichen Mächte hingeführt zu werden zur göttlichen Vollkommenheit, weil der Gott in ihnen sie führt. Weil aber nun die Schlange kommt, welche die Erkenntnis gibt und die Freiheit und dadurch auch den Hinblick und die Möglichkeit zur Vollkommenheit, so bringt sie auch die Möglichkeit des Bösen. Da nun die Entscheidung zwischen Gut und Böse in des Menschen eigene Hand und eigene Erkenntnis gelegt wird, so wird der Trieb, die Liebe, zum Träger gemacht eines unbewußten, aber göttlichen Vollkommenheitsstrebens. Alles das, was leben und sprießen soll in diesem Vollkommenheitsstreben, das soll durchglüht werden von dieser Liebe, von dem, was sich dem Menschen offenbart in dieser Liebe. Auf der andern Seite tritt dem entgegen jene Macht, welche den Menschen führt, indem sie sich dieses vierten Prinzips, des Ich bemächtigt hat, es zu eigener Wahl auferweckt, zu eigener Erkenntnis ihm Licht gibt, so daß er im Lichte wandelt zu der Vollkommenheit hin. So haben wir den Liebesträger, so den Lichtträger als die zwei im Menschen waltenden wirklichen Kräfte.

[ 15 ] That is why we can say: If this Luciferic principle were not present in human beings, they would be carried by the gods—in a certain passivity, in a certain inactivity—and led to perfection. They would be, so to speak, completely devoted to their divine sonship. True, his being would strive toward perfection, but it would not be he who strove in this way, but rather the God within him. — Added to this is the other force, which we regard as Luciferic. This force makes this striving a matter entirely of one’s own. It sets this goal of perfection for itself. This is also depicted in a wondrous way in the biblical myth. There, Adam and Eve emerged from the hand of the gods, destined to be guided by the divine powers—without any effort on their part—toward divine perfection, because the God within them guides them. But when the serpent comes, offering knowledge and freedom—and thereby also the vision and the possibility of perfection—it also brings the possibility of evil. Now that the decision between good and evil is placed in humanity’s own hands and within its own knowledge, the impulse—love—becomes the bearer of an unconscious yet divine striving for perfection. Everything that is to live and flourish in this striving for perfection must be infused with this love, with that which reveals itself to humanity through this love. On the other hand, this is countered by that power which guides human beings by taking possession of this fourth principle—the “I”—awakening it of its own volition, shedding light upon it for their own understanding, so that they may walk in the light toward perfection. Thus we have the bearer of love and the bearer of light as the two real forces at work within the human being.

[ 16 ] Das ist in einer modernen Form ausgesprochen dasjenige, was in allen Religionsbekenntnissen, in allen okkulten Weltanschauungen als das Prinzip des Gottes und das Prinzip des Luzifer sich findet. Nur jene Religionsbekenntnisse, welche immer mehr und mehr dazu übergegangen sind, bloß auf die Offenbarung, bloß auf den Glauben sich zu begründen, haben das, was im Menschen wirkt und als das eigene Vervollkommnungsprinzip lebt, als den Träger des Bösen empfunden. So kommt es, daß Luzifer, der Lichtträger, aus dem, was den Menschen zur Freiheit, zur Selbständigkeit, zur hellen, klaren Erkenntnis aufruft, geworden ist zu dem, was ihn verführt. Das ist die eine Seite. Alle jene Religionen, die ihren Ausgangspunkt verlassen haben — denn alle haben an ihrem Ausgangspunkt die richtige Anschauung von Gott und Luzifer —, die nur auf der einen Seite den Gott suchen, der die Menschen in Unbewußtheit führt zur Seligkeit, alle empfinden zu gleicher Zeit das, worin der Gott selbst wirkt, auch als etwas Verderbliches. Die Natur empfinden sie als Sünde; den Geist, die helle, lichte, klare Erkenntnis empfinden sie als den verderblichen Luzifer.Das hat Goethe schön ausgesprochen: «Natur ist Sünde, Geist ist Teufel, sie hegen zwischen sich den Zweifel, ihr mißgestaltet Zwitterkind.» Ja, wahr ist es, durchaus wahr, daß der Zweifel mitten drinnensteht zwischen dem, was göttliche Offenbarung, und dem, was freiheitliches Streben ist. Aber wahr ist es auch, daß dieser Zweifel dem Menschen notwendig ist, wenn er wirklich aus seinem eigenen Ich hinausstreben will durch sein eigenes Verdienst zur Gottseligkeit. Wir müssen durch den Zweifel hindurchgehen, und erst, wenn wir alle Wahrheiten bezweifeln können, sind wir auch imstande, uns die Wahrheit wirklich zu unserem Besitztum zu machen. Wer nie gezweifelt hat, weiß nicht, wie der Mensch mit der Wahrheit verbunden ist. Wer aber den Zweifel überwindet, der hat eine höhere Erkenntnis gewonnen, als wenn sic sein Besitz geworden ist aus der blinden Offenbarung heraus. Das ist der erzieherische Wert des Zweifels. Deshalb steht er mit Recht zwischen dem, was göttlich ist, dem, was nicht getrennt werden kann von der Natur und zur Sünde gemacht wird, zwischen dem, was teuflisch, luziferisch ist und der Stufe der Vollkommenheit.

[ 16 ] This is, expressed in a modern form, precisely what is found in all religious creeds and in all occult worldviews as the principle of God and the principle of Lucifer. Only those religious creeds that have increasingly come to base themselves solely on revelation and solely on faith have perceived that which works within the human being and lives as the principle of self-perfection as the bearer of evil. Thus it comes to pass that Lucifer, the bearer of light, has become—out of that which calls human beings to freedom, to independence, to bright, clear knowledge—that which seduces them. That is one side of the matter. All those religions that have strayed from their starting point—for all of them began with the correct view of God and Lucifer—those that seek only the one aspect of God who leads people to bliss through unconsciousness, all of them simultaneously perceive that in which God Himself is at work as something corrupting. They perceive nature as sin; they perceive the spirit—bright, luminous, clear knowledge—as the corrupting Lucifer. Goethe expressed this beautifully: “Nature is sin, the spirit is the devil; between them they harbor doubt, their misshapen hybrid child.” Yes, it is true, absolutely true, that doubt stands right in the middle between what is divine revelation and what is the striving for freedom. But it is also true that this doubt is necessary for human beings if they truly wish to strive beyond their own ego toward godlikeness through their own merit. We must pass through doubt, and only when we are able to doubt all truths are we also capable of truly making the truth our own. Whoever has never doubted does not know how human beings are connected to the truth. But whoever overcomes doubt has gained a higher understanding than if it had become his possession through blind revelation. This is the educational value of doubt. That is why it rightly stands between what is divine—that which cannot be separated from nature and is turned into sin—between what is diabolical and Luciferic, and the level of perfection.

[ 17 ] So betrachtet, erscheint uns die menschliche Entwickelung wie in ein gewisses Licht gerückt. Es erscheint uns die ganze alttestamentliche Entwickelung als eine solche, in welcher der Gott als Liebe in dem Fortschreiten des menschlichen Geschlechts waltet, in der sinnlichen Liebe und in alledem, was sie begründet: Blutsverwandtschaft, Familie, Stamm und so weiter. Das Vollkommenste haben wir bei dem jüdischen Volke in Jehova. Dieser ist nichts anderes als die personifizierte Naturkraft, wenn man beachtet, wie er waltet im Mineralreich, im sprossenden Pflanzenreich, in dem Lust und Leid empfindenden Tierreich, und im Menschen selbst. Der Mensch-Gott, der Christus-Einschlag ist es, der das Mineral zum Kristall aufschließen läßt, der die Pflanze sprießen und die Tiere durch das Triebleben hindurchgehen läßt, und auch den Menschen vom Unvollkommenen zum Vollkommenen führt. Stiege auch der Mensch herauf zu den höheren Gebieten, so würde er ein bloßes Naturwesen bleiben, wenn nicht der andere Geist, aber der dem Menschen wohltätige Geist, Luzifer, in ihm waltete, der die Selbstsucht zwar, aber auch die Selbständigkeit und Freiheit wachruft, der den Menschen zu einem Eigenen, zu einem Sonderwesen macht, ihn aber dadurch auch erhebt über die bloße Naturgewalt. So wahr es ist für das Empfinden der Jehovadiener, daß Jehova selbst die Grundlage der Menschenwelt, die Gottheit ist, so wahr ist Luzifer derjenige, der sich empört, auflehnt gegen diese Naturgewalt, der den Menschen in ein Wissen führt, ihn aufruft zu einem klaren Bewußtsein.

[ 17 ] Viewed in this light, human development appears to us in a certain new light. The entire Old Testament narrative appears to us as one in which God, as love, reigns over the progress of the human race—in sensual love and in all that underlies it: blood ties, family, tribe, and so on. We find the most perfect expression of this in the Jewish people in Jehovah. He is nothing other than the personified force of nature, when one considers how he reigns in the mineral kingdom, in the sprouting plant kingdom, in the animal kingdom that feels pleasure and pain, and in human beings themselves. It is the human-God, the Christ-principle, that causes the mineral to crystallize, that allows the plant to sprout and the animals to pass through their instinctual life, and that also leads humanity from the imperfect to the perfect. Even if human beings were to ascend to the higher realms, they would remain mere natural beings were it not for the other spirit—the spirit beneficial to humanity, Lucifer—reigning within them; a spirit that, while awakening selfishness, also awakens independence and freedom; a spirit that makes human beings unique, distinct beings, yet thereby also elevates them above mere natural forces. Just as it is true for the perception of the servants of Jehovah that Jehovah himself is the foundation of the human world, the Deity, so too is it true that Lucifer is the one who rebels and rises up against this natural force, who leads humanity to knowledge and calls it to a clear consciousness.

[ 18 ] So hebt sich der Mensch zur Selbständigkeit herauf. Er macht sich los aus den Banden der Blutsverwandtschaft, aus den Banden des Stammes und des Volkes. Er wird allmählich zur Persönlichkeit, allerdings zur selbstsüchtigen Persönlichkeit. Da tritt ihm aus demselben Geist heraus der Jehova, der Ordner des höheren Lebens entgegen, der nur die Entwickelung regelt durch das Gesetz, durch das Gebot. Haben wir in der Natur den durch die sinnliche Liebe mit Notwendigkeit wirkenden Gott, so haben wir ihn jetzt in dem Gesetzgeber, in dem Gotte der Zehn Gebote. In ihm haben wir den Jehova, der den Menschen ein Gesetz gibt, dem sie sich zu fügen haben, das Ordnung in die erwachende Persönlichkeit hineinbringen soll, das sie zusammenfassen soll in Harmonie und Ausgleich. Was unten sinnliche Liebe ist, das ist oben Gebot der Sittlichkeit, das ist Gesetz, das ist Gebot. Heraufgehoben soll auch dasjenige werden, was nicht nur als Naturgewalt, als Gebot wirkt, was nicht nur aus der Göttlichkeit zur Vollkommenheit strebt, sondern es soll auch das menschliche Selbst heraufgehoben werden. So ist es denn — nennen Sie es nun mit einem mehr oder weniger treffenden Ausdruck — von der allgemeinen Naturgesetzlichkeit, von der Notwendigkeit gegeben, daß sich die bloßeGewalt der Liebe umwandelt in dasPrinzip der geistigen Liebe, daß aus dem Sinnen-Jehova der Christus wird, die veredelte, die vergeistigte Liebe, die nicht mehr bloß im Naturtrieb wirkt, sondern das Leben, das früher nur von dem Gesetz beherrscht werden konnte, durchglüht und vergeistigt. So wird der Christus zu dem Begründer des Gesetzes, das nicht wie das gewöhnliche Gesetz von außen an den Menschen herantritt, sondern das wie der innerste Trieb zur Sittlichkeit, zu einer Kraft der Seele selbst wird. Gibt Jehova ein Gebot, so gibt Christus Kraft, zu wirken. Bestimmt der Jehovagott, was gut ist, so gebiert der im Menschen waltende Christus das Gute aus der Kraft im Menschen selbst. Die Naturgewalten sind zur Seele heraufgehoben, das was sinnliche Liebe war, wird zur geistigen Liebe, zu dem, was der Christus gemacht hat. Das Gesetz selbst wird durchglüht von dem Göttlichen, es wirkt in der Welt selbst als ein Göttliches, als die Gnade, wie es mit einem christlichen Ausdruck genannt wird.

[ 18 ] Thus, human beings rise to independence. They break free from the bonds of blood kinship, from the bonds of tribe and nation. They gradually become individuals—albeit selfish individuals. Then, emerging from the same spirit, Jehovah—the organizer of the higher life—comes to meet him, regulating development solely through the law, through the commandments. Just as we have in nature the God who acts out of necessity through sensual love, so now we have him in the Lawgiver, in the God of the Ten Commandments. In him we have Jehovah, who gives humanity a law to which they must submit—a law intended to bring order into the awakening personality, to unify it in harmony and balance. What is sensual love below is, above, the commandment of morality; it is law; it is commandment. That which acts not only as a force of nature, as a commandment—that which strives not only toward perfection from the divine—must also be elevated; indeed, the human self must also be elevated. Thus it is—call it, if you will, with a more or less apt expression — it is given by the general laws of nature, by necessity, that the mere power of love is transformed into the principle of spiritual love, that the sensual Jehovah becomes Christ, the ennobled, spiritualized love that no longer acts merely through natural instinct, but infuses and spiritualizes life, which previously could only be governed by the law. Thus, Christ becomes the founder of the law, which does not approach human beings from the outside like ordinary law, but rather becomes, like the innermost impulse toward morality, a power of the soul itself. When Jehovah gives a commandment, Christ provides the power to act. When the God of Jehovah determines what is good, the Christ reigning within human beings brings forth the good from the power within human beings themselves. The forces of nature are elevated to the soul; what was sensual love becomes spiritual love—that which Christ has made. The law itself is imbued with the divine; it acts in the world itself as something divine, as grace, as it is called in Christian terminology.

[ 19 ] So sehen wir mit dem großen Fortschritt an der Wende unserer Zeit, daß die sinnliche Liebe, das Prinzip der bloß göttlich gedachten Naturkraft, veredelt und vergeistigt wird zur seelischen Liebe, zu der Macht, die nicht mehr auf dem Naturplan, sondern auf dem moralischen Plane wirkt. So ist zunächst die christliche Caritas, die christliche Liebe die veredelte Gewalt, die Gewalt, welche unter den Menschen einen den Menschen durchglühenden moralischen Zusammenhang hervorbringt, der die Menschen streng als Menschen betrachtet, der alle Menschen gleich sein 1äßt gegenüber der höchsten Vollkommenheit, der die Sittlichkeit in Liebe getaucht sein läßt, wie die Natürlichkeit früher in Liebe getaucht war. Das ist die erste Zeit des Christentums. Die christliche Tugend wurde daher zu den Tugenden der Gemeinschaft, zu den Tugenden des Zusammenklangs der menschlichen Seelen. Der Gott, der die Menschen zusammenführt, wollte ein solcher sein, der in seelischer Liebe wirkt, und dies ist das Prinzip der christlichen Religion. Wie sich früher Leib zu Leib im natürlichen Prinzip gefunden hat, so findet sich im Christentum Seele und Seele durch das Christusprinzip in der höheren Liebe zusammen. Wie das Jehovaprinzip menschliche Gemeinschaften auf der GrundJage des Blutes geschaffen hat, auf der Grundlage von Familie, Stamm und Volk, so war der Christus berufen, zu bewirken, daß ohne Vermittlung des Blutes Seelen zu Seelen sich finden lassen. Die sinnliche Liebe wird zur opferwilligen Hingabe veredelt, die Naturgewalt wird veredelt zur sittlichen Gottestat. So wie im Laufe des Alten Testamentes das andere Prinzip gewirkt hat, das luziferische Prinzip, als eine den Menschen durchwallende göttliche Naturkraft, welche Selbständigkeit und Freiheit den Menschen gebracht hat, so durchwaltet in den neueren Zeiten dieses Prinzip die menschliche Entwickelung als Träger des Lichtes, als Träger der Freiheit. Es ist nicht der Gegner, es ist die notwendige Ergänzung des Christusprinzips. Es ist mit diesem Christusprinzip in einer Einheit verbunden, so wie alle scheinbar einander widerstrebenden Naturgewalten in einer Einheit verbunden gedacht werden von denen, welche die Natur und das Universum durchschaut haben. So wie Schiller davon spricht: «Wohltätig ist des Feuers Macht, wenn sie der Mensch bezähmt, bewacht, . . . doch furchtbar wird die Himmelskraft, wenn sie der Fessel sich entrafft», so ist es auch hier. Als Einheit waltet auf der einen Seite die christliche Caritas, die Liebe, das Göttliche, das Seele zu Seele führt, und auf der andern Seite der Träger des Lichtes, der Träger der Selbständigkeit und Freiheit.

[ 19 ] Thus, with the great progress at the turning point of our era, we see that sensual love—the principle of a natural force conceived as purely divine—is ennobled and spiritualized into spiritual love, into a power that no longer operates on the natural plane but on the moral plane. Thus, Christian charity—Christian love—is, first and foremost, the ennobled force, the force that brings about among human beings a moral bond that permeates them, a bond that regards human beings strictly as human beings, that allows all human beings to be equal in the face of the highest perfection, and that allows morality to be steeped in love, just as nature was once steeped in love. This is the early period of Christianity. Christian virtue thus became the virtues of community, the virtues of harmony among human souls. The God who brings people together was to be one who acts through spiritual love, and this is the principle of the Christian religion. Just as bodies once found one another through the natural principle, so in Christianity souls find one another through the Christ principle in higher love. Just as the Jehovah principle created human communities on the basis of blood—on the foundation of family, tribe, and nation—so Christ was called to bring about a situation in which souls might find one another without the mediation of blood. Sensual love is ennobled into self-sacrificing devotion; the force of nature is ennobled into a moral act of God. Just as the other principle—the Luciferic principle—operated throughout the Old Testament as a divine natural force surging through humanity, bringing independence and freedom to people, so in more recent times this principle has permeated human development as the bearer of light, as the bearer of freedom. It is not the opponent; it is the necessary complement to the Christ principle. It is united with this Christ principle, just as all seemingly conflicting forces of nature are conceived as united by those who have penetrated the nature of the universe. Just as Schiller puts it: “Beneficial is the power of fire when man tames it, guards it, . . . yet terrible becomes the heavenly force when it breaks free from its bonds”—so it is here as well. As a unity, on the one hand there reigns Christian charity, love, the divine that leads soul to soul, and on the other hand, the bearer of light, the bearer of independence and freedom.

[ 20 ] Auch durch die Seelenliebe würde die Menschheit nur in einer mehr oder weniger unbewußt gehaltenen Vervollkommnung leben. Dadurch aber, daß das Seelische durchtränkt und durchglüht wird, durchhellt wird von der hellen, klaren Erkenntnis, durchglüht von dem Lichte des Geistes, dadurch daß im Menschen der Träger des Lichtes lebt und wirkt, dadurch wird die christliche Liebe für des Menschen freie Entwickelung auch in der Zukunft wirken. So stehen die beiden Mächte — geoffenbarte Weisheit und menschlich errungene Wissenschaft — einander gegenüber. Seele und Bewußtsein stehen einander so gegenüber: die Seele erglüht in der geistigen Liebe, und das Bewußtsein durchstrahlt und durchleuchtert diese geistige Liebe mit dem Prinzip der Klarheit und Freiheit. So lebt der Mensch zwischen diesen beiden Polen seines Seins, so wirkt und lebt er zwischen diesen beiden Mächten mitten drinnen. So wird für denjenigen, der die Dinge tiefer betrachtet, Luzifer, der Lichtträger, keine feindliche Gewalt, so wird er — selbst wenn er sich der Fesseln entraffen und einhertreten sollte auf eigner Spur, als freier Wille der universellen Macht —, so wird er, um mit Goethes Worten zu sprechen, wenn er auch das Böse wollen sollte, immerdar doch das Gute schaffen können. Luzifer "stellt sich uns damit als dasjenige, was ein anderes Prinzip im Menschen ergänzen muß, notwendig entgegen. Er erweist sich als der vertraute Freund des Menschen, der ihm gegenübersteht als ein Bruder, während auf der andern Seite der Mensch hinaufblickt zu den erhabenen Göttern, denen er sich fügt in stiller Andacht, die ihn tragen in ihrer Liebe. So erscheint also wirklich das Leben wie ein Kampf zwischen dem Licht und der Liebe. Und das ist es auch in seiner gegenwärtigen Stufe der Entwickelung. So wie die Physiker positive und negative Elektrizität, positiven und negativen Magnertismus als die zwei Pole hinstellen, die notwendig zusammengehören, so gehören Licht und Liebe auf dem höheren Gebiete des menschlichen Lebens zusammen als die zwei Pole des menschlichen Daseins. Niemals entsteht bloß eine Art von Elektrizität; wenn Sie eine Glasstange reiben, wird sie positiv elektrisch, das Reibzeug wird dagegen negativ elektrisch. So ist es überall. Niemals kann in der Entwickelung des Lebens bloß das eine wirken, immer muß als notwendige Ergänzung das andere hinzutreten. Und im menschlichen Leben sind die zwei Pole Liebe und Licht. Eines ist nicht möglich ohne das andere.

[ 20 ] Even through spiritual love, humanity would live only in a state of perfection that is kept more or less unconscious. But because the soul is permeated and inflamed, illuminated by bright, clear knowledge, and set ablaze by the light of the Spirit—because the bearer of the light lives and works within the human being—Christian love will continue to work for the free development of humanity in the future as well. Thus the two forces—revealed wisdom and humanly attained science—stand in opposition to one another. Soul and consciousness stand in opposition to one another in this way: the soul is set ablaze by spiritual love, and consciousness radiates through and illuminates this spiritual love with the principle of clarity and freedom. Thus does the human being live between these two poles of his being; thus does he act and live right in the midst of these two forces. Thus, for those who look more deeply at things, Lucifer, the bearer of light, is not a hostile force; thus—even if he were to break free from his bonds and set out on his own path as the free will of the universal power—thus, to use Goethe’s words, even if he were to will evil, he would still always be able to create good. Luzifer “thus necessarily presents himself to us as that which must complement another principle within the human being. He proves to be the familiar friend of humankind, standing opposite him as a brother, while on the other hand, humankind looks up to the sublime gods, to whom he submits in silent devotion, and who carry him in their love. Thus, life truly appears as a struggle between light and love. And that is indeed the case at its present stage of development. Just as physicists present positive and negative electricity, positive and negative magnetism, as the two poles that necessarily belong together, so too do light and love belong together in the higher realm of human life as the two poles of human existence. Never does only one kind of electricity arise; when you rub a glass rod, it becomes positively charged, while the object used for rubbing becomes negatively charged. It is the same everywhere. In the development of life, one can never act alone; the other must always step in as a necessary complement. And in human life, the two poles are love and light. One is not possible without the other.

[ 21 ] Und so wie das alte Gesetz, die Gebote des Jehova, die symbolisch auf Sinai gegeben sind, sich verwandelt haben durch die Erscheinung des Christus Jesus auf der Erde, so verwandelt sich auch die Liebe. Die Liebe ist ein Seelisches, wie sie aufgetreten ist als höhere Stufe der Naturgewalt in der sinnlichen Liebe. Und so ist es auch möglich, daß auf der höheren Stufe etwas Klareres, die Erkenntnis, auftritt. Was war die Erkenntnis? Sie war, wenn Sie zurückblicken, etwas, was ähnlich ist dem Jehovagesetz, den Zehn Geboten, und umgeschmolzen muß sie werden. Wie durch Christi Leidenstod umgeschmolzen worden ist die Liebe von der sinnlichen Stufe auf die seelische Stufe, so muß auch umgewandelt werden das Prinzip der bloßen Erkenntnis, der Erkenntnis des Luzifer, in ein höheres. In dieser Umwandlung sind wir heute mitten drinnen. Und in gewisser Beziehung erleben wir so eine Erneuerung dessen, was sich im Christentum vollzogen hat. Wie das Gesetz sich in Gnade verwandelt hat, so wird die Wissenschaft sich in Weisheit verwandeln müssen. Wie die Gnade durch die eigene Seele geboren werden muß, so wird die Weisheit aus des Menschen eigener Seele geboren werden müssen. Wie der Christus der Gott ist, der auch im Menschen walten kann und es dem Menschen möglich macht, eigener Gesetzgeber in der Gnade zu werden, so wird die Weisheit aus der menschlichen Wissenschaft geboren. Und wie unsere Wissenschaft als Wissenschaft auf äußere Erfahrung gebaut wird, die von außen gegeben ist wie den Juden das Gebot auf Sinai, also wird diese Wissenschaft geboren werden in der Weisheit, wie das Gesetz geboren worden ist neu durch und in Christus. Das ist das geisteswissenschaftliche Streben. Wissenschaft von außen gegeben, durch die Sinne gegeben, das haben wir bisher und das hat in gewisser Beziehung die höchste Stufe in unserem Kulturleben erreicht. Diese Wissenschaft als des Menschen ureigenster Besitz aus dem Inneren herausgebärend, den Luzifer zu dem machen, was aus dem Menschen heraus wirkt und lebt, das ist das, was die Zukunft bringen muß. Die Geisteswissenschaft will nichts anderes als eine solche Vertiefung des Wissens, eine solche Vertiefung der Erkenntnis. Genau ebenso wie das Gesetz oder Gebot innerlich geworden ist in der christlichen Tugend und wie in der Christus-Tugend die menschliche Entwickelung in der Liebe fortschreitet auf seelischem Gebiet, so wird unsere materielle Wissenschaft seelisch fortschreiten, wenn sie wiedergeboren wird eben aus der Seele heraus. Und diese Wiedergeburt ist es, was durch die Geisteswissenschaft angestrebt werden soll.

[ 21 ] And just as the old law—the commandments of Jehovah, symbolically given on Mount Sinai—has been transformed by the appearance of Christ Jesus on earth, so too is love transformed. Love is a spiritual phenomenon, just as it emerged as a higher stage of natural power within sensual love. And so it is also possible that, at this higher stage, something clearer—knowledge—emerges. What was this knowledge? If you look back, it was something similar to the Law of Jehovah, the Ten Commandments, and it must be transformed. Just as love was transformed through Christ’s death on the cross from the sensual level to the soul level, so too must the principle of mere knowledge—the knowledge of Lucifer—be transformed into a higher one. We are in the midst of this transformation today. And in a certain sense, we are experiencing a renewal of what took place in Christianity. Just as the law has been transformed into grace, so science will have to be transformed into wisdom. Just as grace must be born through one’s own soul, so wisdom will have to be born from the human being’s own soul. Just as Christ is the God who can also reign within the human being and enables the human being to become their own lawgiver in grace, so wisdom will be born from human science. And just as our science, as a science, is built upon external experience—which is given from without, just as the Commandments were given to the Jews on Sinai—so will this science be born in wisdom, just as the Law was born anew through and in Christ. This is the aspiration of spiritual science. Science given from without, given through the senses—that is what we have had until now, and in a certain sense it has reached the highest level in our cultural life. To bring forth this science from within as humanity’s most intrinsic possession, to make Lucifer that which acts and lives from within the human being—that is what the future must bring. Spiritual science seeks nothing other than such a deepening of knowledge, such a deepening of insight. Just as the law or commandment has become internalized in Christian virtue, and just as human development in love progresses in the realm of the soul through the virtue of Christ, so too will our material science progress in the realm of the soul when it is reborn from within the soul itself. And it is this rebirth that spiritual science should strive to achieve.

[ 22 ] Ein ganz analoges Ereignis für die menschliche Entwickelung: sittliche Tugend anstelle der bloßen Naturgewalt in der Liebe, hat bisher das Christentum gesetzt. Innere Tugend — durch das Wachrufen innerer, verborgener Kräfte im Menschen — wird die Entwickelung der Zukunft bringen. Wie wir zurücksehen in einer Entwickelung, die Verinnerlichung, Beseligung gebracht hat, auf ein Gesetz, so sehen wir zurück im äußeren wissenschaftlichen Betrieb auf ein wissenschaftliches Streben, das Verinnerlichung bringen wird. Wie das Gesetz zur Gnade vertieft worden ist, so wird die Wissenschaft zur Weisheit vertieft werden. Das heißt aber, innere Entwickelung suchen. In Seele verwandelt, umgeschmolzen, wurde das Gesetz durch die christliche Gnade. Umgeschmolzen wird unsere Wissenschaft werden aus der Kraft der eigenen Seele in menschliches Können und Vollbringen. Die Wachrufung innerer, schlummernder Fähigkeiten wird durch die Geisteswissenschaft erstrebt.

[ 22 ] Christianity has thus far established a very similar process for human development: moral virtue in love, rather than mere natural force. Inner virtue—through the awakening of inner, hidden forces within human beings—will bring about the development of the future. Just as we look back in a process of development that has brought about internalization and spiritualization to a law, so we look back in the external realm of science to a scientific endeavor that will bring about internalization. Just as the law has been deepened into grace, so science will be deepened into wisdom. But this means seeking inner development. Transformed and recast into the soul, the law was transformed by Christian grace. Our science will be recast from the power of our own soul into human skill and achievement. Spiritual science strives to awaken inner, dormant abilities.

[ 23 ] Wirkt der Christ gegenüber dem alten Jehova-Diener aus der Liebe seiner Seele heraus, so wird in der Zukunft der Erkennende aus der Weisheit seines Herzens heraus wirken und damit eine noch weitergehendere Vertiefung der menschlichen Entwickelung erlangen. Entwickelung auch des äußeren seelischen Lebens verspricht das Christentum. Ein Bürger des Geistes, wie er Mensch und Mensch äußerlich verbindet ohne Unterschied von Rasse und Geschlecht, das ist es, was das Christentum verheißt. Es wird das Zukunftsstreben den Menschen zu einem solchen Bürger in den höheren geistigen Welten durch innere okkulte Entwickelung machen.

[ 23 ] Just as the Christian acts toward the former servant of Jehovah out of the love of his soul, so in the future the one who recognizes the truth will act out of the wisdom of his heart and thereby achieve an even deeper level of human development. Christianity also promises the development of the outer spiritual life. A citizen of the Spirit, who unites human beings outwardly without distinction of race or gender—that is what Christianity promises. The striving of the future will make human beings such citizens in the higher spiritual worlds through inner occult development.

[ 24 ] Das ist das Verhältnis zwischen der Geisteswissenschaft und dem äußeren Christentum: Das äußere Christentum sucht äußere Tugend, um damit das Geistige zu erringen; der Okkultist wird innere Tugenden, die im Menschen schlummernden Fähigkeiten erwecken, um den noch tieferen Sinn der höheren geistigen Welten zu erringen. Das, wovon wir hier reden, ist nur eine Vertiefung des Christentums selbst. Vertieft wurde das Gesetz durch das christliche Prinzip, vertieft wird die Wissenschaft werden durch das geisteswissenschaftliche Prinzip.

[ 24 ] This is the relationship between spiritual science and external Christianity: External Christianity seeks external virtue in order to attain the spiritual; the occultist awakens inner virtues—the abilities lying dormant within the human being—in order to attain the even deeper meaning of the higher spiritual worlds. What we are discussing here is merely a deepening of Christianity itself. The law was deepened by the Christian principle; science will be deepened by the principle of spiritual science.

[ 25 ] So haben wir in der ganzen menschlichen Entwickelung das luziferische Prinzip hingestellt nicht als einen Feind, sondern als einen notwendig zu einem andern hinzugehörigen Pol. Zu dem Christentum, wie es bisher war, haben wir es hingestellt. Aber gerade da haben wir erkannt, daß sich das Prinzip des Lichtträgers mit dem Prinzip der Liebe zu einer höheren Einheit zusammenschließen wird. Wenn durch dieEntwickelung der bloß äußeren christlichen Tugenden innere geistige Fähigkeiten treten, dann werden wir ein noch tieferes Christentum haben, ein Christentum, das nicht durch die Kirche vorgeschrieben werden kann, sondern das jeder durch die in ihm heute noch schlummernden Fähigkeiten entwickeln wird. Ein jeder wird den Gott durch die eigene Kraft entwickeln, und zusammenwirken werden alle Seelen in völlig freiem Streben. Zur Liebe und Güte wird hinzugebracht haben Luzifer die Freiheit, die Wissenschaft und die Selbständigkeit. Nur derjenige, welcher bei einer Epoche der menschlichen Entwickelung stehenbleiben will, kann es über sich bringen, den Blick wegzuwenden von dem, was in dieser Zukunftsperspektive Verheißungsvolles liegt. Jede Vergangenheit wäre unfruchtbar, wenn sie nicht eine neue, höhere Zukunft in sich trüge. Das ist es, was bei der wirklich richtig verstandenen Geisteswissenschaft des Menschen Herz höher schlagen machen muß, was das Menschenherz erfüllen muß mit einem ganz andern Enthusiasmus. Dasjenige, was durch die äußeren Einrichtungen bis heute erzielt werden konnte, aufgezwungen werden konnte dem Menschen auf edle, aber doch äußere Art, das wird einst der Mensch aus der Kraft der eigenen Seele gebären, das wird er aus sich selbst hervorbringen. Eine innere Kirche wird es geben, einen inneren Tempel, der den äußeren erst zur richtigen Verklärung, zur richtigen Vergeistigung bringen wird. Christ wird ein jeder sein, weil der Christus in ihm erwachen soll, weil der innere Christus in ihm leben wird und hinzutreten wird zu dem Christus, der die Menschheit als Ganzes erlöst hat. Als Ganzes hat Christus diese Menschheit erlöst; dies wird der Mensch verstehen, wenn er innerlich frei und erlöst sein wird, wenn er nicht nur an die Erlösung glauben, sondern selbst diese Erlösung nachleben wird.

[ 25 ] Thus, throughout human evolution, we have presented the Luciferic principle not as an enemy, but as a pole that is necessarily linked to another. We have presented it in relation to Christianity as it has been up to now. But it is precisely here that we have recognized that the principle of the Light-Bearer will unite with the principle of love to form a higher unity. When inner spiritual capacities emerge through the development of the merely outward Christian virtues, we will have an even deeper Christianity—a Christianity that cannot be prescribed by the Church, but which each person will develop through the capacities still slumbering within them today. Each person will develop God through their own power, and all souls will work together in completely free striving. Luzifer will have added freedom, science, and independence to love and goodness. Only those who wish to remain stuck at a particular epoch of human development can bring themselves to turn their gaze away from what lies so promisingly within this vision of the future. Any past would be fruitless if it did not carry within it a new, higher future. This is what must make the human heart beat faster when spiritual science is truly and correctly understood—what must fill the human heart with an entirely different kind of enthusiasm. What has been achieved to date through external institutions—what has been imposed upon humanity in a noble yet still external manner—will one day be brought forth by human beings from the power of their own souls; they will produce it from within themselves. There will be an inner church, an inner temple, which will bring about the true transfiguration and spiritualization of the outer one. Everyone will be a Christian, because Christ is to awaken within them, because the inner Christ will live within them and will draw near to the Christ who has redeemed humanity as a whole. Christ has redeemed humanity as a whole; humanity will understand this when it is inwardly free and redeemed, when it not only believes in redemption but lives out this redemption itself.

[ 26 ] Immer erinnern uns die, welche uns hinweisen wollen auf das Christentum: Ihr strebt die Selbsterlösung an, aber ihr verkennt, was der Christus getan hat. — Es ist nicht richtig, was da der Geisteswissenschaft entgegengebracht wird. Die Geisteswissenschaft ist nicht Gegner, sondern Freund und Mitarbeiter des Christentums; nicht des Christentums der vergangenen Zeit, sondern des Christentums, das weiß, was Jesus gesagt hat: «Ich bin bei euch alle Tage bis ans Ende der Welt», des Christentums, das sich entwickelt zu höherer und immer höherer Vollkommenheit. Die Geisteswissenschaft ist nicht feindlich dem Erlösungsprinzip des Christus, weil sie nicht auf dem einseitigen Standpunkt steht, daß jeder Mensch nur für sich selbst etwas tun soll. Das wäre der wüsteste Egoismus, selbst wenn der Mensch nur in sich selbst zu den edelsten Kräften streben wollte. Die Menschheit ist ein Ganzes, und wenn ein einzelner — der Christus - den Tod, den Erlösungstod vollbringt, so ist dies der Erlösungstod für die ganze Menschheit. Aber durchdrungen muß dies werden durch das Bewußtsein, es muß nachgelebt werden von dem einzelnen. Die Erlösung muß selbst in Freiheit wiedergeboren werden. Auch hier gilt das Prinzip des Johannes-Evangeliums von der neuen Wiedergeburt des Menschen. Der ist kein wahrer Mensch, der nicht wiedergeboren ist im Geiste und in der Wahrheit. Das sagte der Christus Jesus. Und heute, da er noch lebt nach seinem Ausspruch, sagt er klar und deutlich in bezug auf den eigenen Erlösungstod: Zwar bin ich einstmals gestorben für die ganze Menschheit, um der Menschheit die Gewißheit zu bringen, daß der Tod besiegt werden kann von dem Leben, aber wiedergeboren werden muß dieser Tod in der Seele des einzelnen Menschen. Der erlöste Mensch ist erst dann wahrhaft erlöst, wenn er auch die Erlösung in sich wiedergeboren hat.

[ 26 ] Those who seek to point us toward Christianity always remind us: “You are striving for self-redemption, but you fail to recognize what Christ has done.” — What is being said against spiritual science is not correct. Spiritual science is not an adversary, but a friend and collaborator of Christianity; not of the Christianity of the past, but of the Christianity that knows what Jesus said: “I am with you always, even to the end of the age,” the Christianity that is developing toward higher and ever higher perfection. Spiritual Science is not hostile to Christ’s principle of redemption, because it does not take the one-sided view that every person should do something only for themselves. That would be the most desolate form of egoism, even if a person were merely striving within themselves toward the noblest forces. Humanity is a whole, and when an individual—Christ—accomplishes death, the redemptive death, this is the redemptive death for all of humanity. But this must be imbued with consciousness; it must be lived out by the individual. Redemption itself must be reborn in freedom. Here, too, the principle of the Gospel of John regarding the new birth of the human being applies. No one is a true human being who has not been born again in spirit and in truth. This is what Christ Jesus said. And today, since He still lives according to His own words, He says clearly and unequivocally regarding His own redemptive death: Although I once died for all of humanity to bring humanity the certainty that death can be conquered by life, this death must be reborn in the soul of each individual. The redeemed person is truly redeemed only when he or she has also reborn redemption within himself or herself.

[ 27 ] Das ist das lebendige Christusprinzip, das durch die Geisteswissenschaft vertiefte Christusprinzip. So steckt in jedem einzelnen Menschen die Seele, welche Liebe entfaltet mit den edelsten Idealen der Menschheit, diese Liebe, welche zur bloßen Sinnlichkeit als geistige Liebe hinzutritt und den Menschen zur göttlichen Vollkommenheit führt; auf der andern Seite steht das Luziferprinzip, das von Wissenschaft, Freiheit und Selbständigkeit durchleuchtet ist. Die Liebe in heller Klarheit, das Bewußtsein tritt zur Seele hinzu. Die Seele bringt die Kraft der Liebe, und das Bewußtsein durchstrahlt und durchleuchtet diese Kraft der Liebe mit heller, lichter Klarheit. Und durch die Seele und das Bewußtsein schreitet der Mensch selbst zur Vollkommenheit. Zum Durchgang durch eine ihm nicht klare I *:be würde er zur Göttlichkeit emporschreiten, wenn er bloß eine fühlende Seele wäre; zur kalten, bloß vernünftigen Vollkommenheit würde er aufsteigen, wenn er bloß Bewußtsein wäre. Aber die Seele und das Bewußtsein werden sich da immer durchdringen müssen. Deshalb blickt der geisteswissenschaftlich Strebende zurück und blickt auch vorwärts. Er blickt auf die Seele mit ihrem Gefühl und ihrer Empfindung, und er blickt auf das Bewußtsein mit seinem Licht und seiner Weisheit und sagt sich: Nicht der in Dumpfheit lebende Mensch, sondern der in heller, lichter Klarheit gedeihende Mensch ist es, der angestrebt werden soll. — Und zu allen andern Tugenden müssen hinzutreten die Tugenden, die da liegen in der Wissenschaft, in der Freiheit und in der Selbständigkeit. Aber die Freiheit muß vertieft werden durch die Liebe, sonst wird sie Willkür und führt den Menschen nur dem Triebe näher. Auf der andern Seite muß die Wissenschaft vertieft werden durch die Liebe: dann wird sie zur Weisheit, zur wahren, von der Tat getragenen Geistigkeit. Sonst wird sie kalt und öd und abstrakt. Und auch die Selbständigkeit muß sich verbinden mit der Liebe, sonst wird sie zum blinden Egoismus, sonst führt sie zur Verhärtung in sich selbst. Das ist die tiefere Lebenswahrheit der auf Geisteswissenschaft gegründeten Weltanschauung und Lebensführung, daß wieder gestaltet werden müssen ganz und gar, als die notwendigen Prinzipien der menschlichen Seele, die drei großen Tugenden: Wissenschaft, Freiheit und Selbständigkeit, daß aber vertieft werden müssen diese drei Tugenden durch die Kraft der Liebe. Und dann wird diese verwandeln die Wissenschaft in Weisheit, die Freiheit in Opferwilligkeit, Hingabe und Verehrung des Göttlichen und die Selbständigkeit in Selbstlosigkeit, in dasjenige Prinzip im Menschen, das das Sondersein überwindet, das aufgeht im All und auf diese Weise in Freiheit die Göttlichkeit erringt.

[ 27 ] This is the living Christ principle, the Christ principle deepened through spiritual science. Thus, within every single human being lies the soul that unfolds love through humanity’s noblest ideals—this love that transcends mere sensuality to become spiritual love and leads the human being to divine perfection; on the other hand stands the Lucifer principle, illuminated by science, freedom, and independence. Love in bright clarity—consciousness joins the soul. The soul brings the power of love, and consciousness radiates through and illuminates this power of love with bright, luminous clarity. And through the soul and consciousness, human beings themselves advance toward perfection. In passing through a state that is unclear to him, he would ascend to divinity if he were merely a feeling soul; he would rise to a cold, purely rational perfection if he were merely consciousness. But the soul and consciousness will always have to interpenetrate one another in this process. That is why the seeker of spiritual science looks back and also looks forward. He looks at the soul with its feeling and sensation, and he looks at consciousness with its light and wisdom, and says to himself: It is not the human being living in dullness, but the human being flourishing in bright, luminous clarity who is to be aspired to. — And to all other virtues must be added the virtues found in science, in freedom, and in independence. But freedom must be deepened through love; otherwise, it becomes arbitrariness and leads the human being only closer to instinct. On the other hand, science must be deepened through love: then it becomes wisdom, true spirituality grounded in action. Otherwise, it becomes cold, barren, and abstract. And independence, too, must be united with love; otherwise, it becomes blind egoism and leads to a hardening within oneself. This is the deeper truth of life underlying the worldview and way of life founded on spiritual science: that the three great virtues—science, freedom, and independence—must be reshaped entirely as the necessary principles of the human soul; yet these three virtues must be deepened by the power of love. And then love will transform science into wisdom, freedom into a willingness to sacrifice, devotion, and reverence for the Divine, and independence into selflessness—into that principle within the human being that overcomes individuality, merges with the universe, and in this way attains divinity in freedom.