World-Riddles and Theosophy
GA 54
19 April 1906, Berlin
Translate the original German text into any language:
Versions Available:
World-Riddles and Theosophy, tr. SOL
20. Innere Entwickelung
20. Inner Development
[ 1 ] Heute möchte ich wieder zu Ihnen sprechen über innere Entwickelung. Diejenigen, welche öfter diese Vorträge besuchen, werden sich erinnern, daß ich verschiedene Ausführungen über dieses Thema bereits gegeben habe. Ich werde daher nur berühren, was früher schon besprochen worden ist und das hinzufügen, was darüber hinausgeht.
[ 1 ] Today I would like to speak to you again about inner development. Those of you who attend these lectures regularly will recall that I have already given several talks on this topic. I will therefore only touch on what has been discussed previously and add what goes beyond that.
[ 2 ] Es ist immer wieder zu reden gewesen von Tatsachen der Erscheinungen der höheren Welten, und es liegt die Frage nahe: Wie kommen wir zu solchen Erkenntnissen? — Nun ist der Weg zu diesen Erkenntnissen kein so leichter, daß er sich in ein oder zwei Stunden auch nur in ganz äußerlicher Weise beschreiben ließe. Aber es muß doch ab und zu eine Andeutung darüber fallen, wie man sich diese Entwickelung vorstellen soll. Sie alle wissen, daß hier nicht nur von der gewöhnlichen physischen Welt die Rede ist, sondern es ist hier auch noch die Rede von der Welt des Seelischen und von der Welt des Geistigen, die wir als astralische Welt und als das Devachan kennenlernten. In allen diesen Welten lebt der Mensch. Er gehört nicht einer, er gehört drei Welten an. Er gehört im Grunde viel mehr Welten noch an, aber die Erkenntnis noch höherer Welten liegt so sehr über dem heutigen gewöhnlichen Stand der Erkenntnismöglichkeit der Menschen, daß schwerlich hier von diesen Welten noch die Rede sein kann.
[ 2 ] There has been repeated discussion of the facts concerning the phenomena of the higher worlds, and the question naturally arises: How do we arrive at such insights? — Well, the path to these insights is not so straightforward that it could be described, even in a very superficial way, in just one or two hours. But every now and then, a hint must be given as to how one should conceive of this development. You all know that we are not speaking here only of the ordinary physical world, but also of the world of the soul and the world of the spirit, which we have come to know as the astral world and Devachan. Human beings live in all these worlds. They do not belong to one, but to three worlds. In fact, they belong to many more worlds still, but knowledge of even higher worlds lies so far beyond the ordinary level of human understanding today that it is difficult to speak of these worlds here.
[ 3 ] Die Frage, die wir uns nun stellen müssen, ist diese: Wie dringt der Mensch hinauf zur astralen und zur geistigen Welt? — Das sind die Welten, in denen der Mensch hier zwar lebt, von denen er aber zunächst nichts weiß, in denen er leben wird, wenn er einstmals nicht mehr von einem sinnlichen Körper bekleidet sein wird. Alles, was als sinnliche Welt um uns herum lebt, kann also dann keine Bedeutung mehr für uns haben. Aber die andern Welten, die durch höhere Erkenntnisse erworben werden, haben dann sehr wohl für uns eine höhere Bedeutung. Es wird oft gefragt: Wozu braucht denn eigentlich der Mensch die Erkenntnisse von andern Welten als derjenigen, in der er lebt? Wenn der Mensch seinen Mitmenschen Gutes erweist, wozu braucht er sich da um höhere Welten zu kümmern? — Dies ist ein Einwand, der sehr bald in seiner Nichtigkeit erkannt werden muß. Diejenigen Kräfte, Tatsachen und Wesenheiten, denen der Mensch in den höheren Welten begegnet, sind nämlich nicht nur wirksam in diesen, sondern sie wirken herein in unsere physische Welt. Denn die Dinge sind nicht durch sich selbst gemacht, sondern sie sind durch die Kräfte der geistigen Welt zustande gekommen. Wir erkennen auch uns selbst nur oberflächlich, wenn wir uns nur durch die Sinne erkennen. Durch die Sinne stellt sich uns nur dar, was sich zwischen Geburt und Tod abspielt. Mit dem Menschen tritt bei der Geburt eine ganze Summe von Anlagen und Fähigkeiten in die Welt hinein. Nur ein oberflächliches Urteil kann sagen, daß der Mensch mit seiner ganzen Anlagenwelt erst im Moment der Geburt oder der Keimesentwickelung beginnen sollte.
[ 3 ] The question we must now ask ourselves is this: How does a human being ascend to the astral and spiritual worlds? — These are the worlds in which a human being lives here, though he is initially unaware of them, and in which he will live once he is no longer clothed in a physical body. Everything that exists as the physical world around us will therefore no longer have any significance for us. But the other worlds, which are attained through higher knowledge, will indeed have a higher significance for us. People often ask: Why does a person actually need knowledge of worlds other than the one in which they live? If a person does good for their fellow human beings, why should they concern themselves with higher worlds? — This is an objection that must very quickly be recognized as groundless. For the forces, facts, and beings that a person encounters in the higher worlds are not only active in those worlds but also exert their influence into our physical world. For things are not created by themselves, but have come into being through the forces of the spiritual world. We also perceive ourselves only superficially when we know ourselves solely through the senses. Through the senses, we perceive only what takes place between birth and death. At birth, a whole range of predispositions and abilities enters the world with the human being. Only a superficial judgment would claim that a person’s entire range of predispositions begins only at the moment of birth or embryonic development.
[ 4 ] Im Okkultismus, der sich mit den für die Sinne unbekannten Welten beschäftigt, spricht man davon, daß dem gewöhnlichen Menschen das Unterscheidungsvermögen für die wichtigsten Tatsachen abgeht; er beobachtet keineswegs intensiv genug, wie unbeholfen der Mensch in die Welt tritt, wie der Mensch immer mehr seine erst in der Anlage vorhandenen Organe zu Organen des Geisteslebens gebrauchen lernt. Da sehen wir den einen, der sehr wenig die Organe seines Geistes zu gebrauchen versteht, wogegen der andere nicht nur seine ganzen Gliedmaßen in ganz besonderer Weise beherrscht, sondern auch seine Gehirneswerkzeuge in ganz besonderer Art gebrauchen lernt. Gerade der materialistische Denker müßte sagen: Ich glaube an die Bedeutung der menschlichen Organe; aber warum passen diese Organe zu den Gefühlen und Empfindungen des einen und auch zu den Gefühlen und Empfindungen des andern? — Ein jeder gibt zu, daß ein Hammer, dessen sich der Mensch zu irgendeiner vernünftigen Verrichtung bedient, doch erst durch eine vernünftige Gedankenarbeit zustande gekommen sein muß. Für den Hammer glaubt es jeder. Von dem Leib, von den Lebewesen überhaupt glaubt der materialistische Denker das nicht. Niemals kann daher der, der den Wunderbau des menschlichen Gehirns studiert, der den Wunderbau des menschlichen Herzens kennenlernt, nimmer kann der glauben, daß diese Dinge alle durch irgendein blindes Ungefähr, durch irgendein geistloses Geschehen zustande gekommen sein können. Aber diese Dinge stellen sich bei jedem Menschen in einer andern Art dar, als das bei den Tieren vorkommen kann. Tiere sind alle der Abdruck eines allgemeinen Schemas, die besonderen Unterschiede kommen dabei weniger in Betracht. Das Wort «Individualität» macht uns diesen Unterschied mit einem Male klar. Weil jeder Mensch eine Individualität ist, deshalb kommt jeder einzelne viel mehr in Betracht. Ein jeder Mensch, eine jede Individualität bereitet sich in ihrer eigenen Art ihren Körper vor. Denn zu der besonderen Anlage, die jeder Mensch hat, muß dieser Körper passen. Wenn der Mensch durch die Geburt in sein Dasein tritt, war er geistig schon da, und er selbst ist es, der sich die Organe zu seinem individuellen Gebrauch zubereitet hat, nicht bis zu seinem letzten Ende — denn der Mensch ist auch ein tierisches Geschöpf —, aber je höher er sich entwickelt, desto mehr hat er auch den Bau seiner eigenen Organe in der Hand. Man könnte allenfalls glauben, daß ein ganz auf der niedersten Stufe stehender Mensch bei seiner Geburt begonnen habe; aber kein vernünftiger Denker kann annehmen, daß ein denkendes Wesen vor seiner Geburt noch nicht da war. Die Verrichtungen mit dem Hammer kann jeder vornehmen, die Verrichtungen des Gehirns kann aber keiner für den andern vornehmen. Daher ist der Mensch ohne die Annahme, daß er über Geburt und Tod hinausgehr, nicht verständlich, sondern nur dann, wenn man die Kräfte anerkennt, welche die Organe des menschlichen Denkens schon vorher vorgearbeitet haben.
[ 4 ] In occultism, which deals with worlds unknown to the senses, it is said that the ordinary person lacks the discernment to grasp the most important facts; he does not observe with nearly enough intensity how awkwardly a person enters the world, how a person gradually learns to use the faculties that are initially only latent as organs of spiritual life. We see one person who knows very little how to use the organs of his spirit, whereas another not only masters all his limbs in a very special way but also learns to use the tools of his brain in a very special way. The materialist, in particular, ought to say: I believe in the significance of the human organs; but why do these organs correspond to the feelings and sensations of one person and also to the feelings and sensations of another? — Everyone admits that a hammer, which a person uses for some rational purpose, must first have come into being through rational thought. Everyone believes this about the hammer. But the materialist does not believe this about the body or about living beings in general. Therefore, anyone who studies the marvelous structure of the human brain, who comes to know the marvelous structure of the human heart, can never believe that all these things could have come into being through some blind chance or some spiritless process. But these things manifest themselves differently in every human being than they do in animals. Animals are all imprints of a general pattern; the specific differences are of lesser importance. The word “individuality” makes this difference clear to us at once. Because every human being is an individuality, each individual is of much greater significance. Every human being, every individuality, prepares their body in their own unique way. For this body must fit the particular constitution that every human being possesses. When a human being enters existence through birth, they were already there spiritually, and it is they themselves who have prepared their organs for their individual use—not to the very end, for a human being is also an animal creature—but the higher they develop, the more control they have over the structure of their own organs. One might at most believe that a human being standing entirely at the lowest level began to exist at birth; but no rational thinker can assume that a thinking being did not already exist before birth. Anyone can perform the tasks of a hammer, but no one can perform the tasks of the brain on behalf of another. Therefore, human beings cannot be understood without the assumption that they extend beyond birth and death, but only when one acknowledges the forces that have already laid the groundwork for the organs of human thought.
[ 5 ] Die Erhebung in die astrale und die geistige Welt ist für den einzelnen Menschen mit gewissen Schwierigkeiten, mit Entsagen verbunden, dem er sich unterziehen muß, und auch mit gewissen Gefahren. An die Welt der Sinne ist der Mensch gewöhnt, aber an die andern Welten ist er nicht so gewöhnt. Vor allem müssen wir uns darüber klar sein, daß uns für vieles, was in dieser Welt unsichtbar bleibt, die Ursachen in den höheren Welten klarwerden; dadurch wird der Mensch überrascht, bestürzt. Und auch die Übungen, durch die er hochkommen will, strengen ihn in gewisser Weise an. Weil es Gefahren gibt, sagen einige, daß man zu der höchsten Erkenntnis der göttlichen Weltenkräfte auch kommen könne, wenn man nichts wisse von diesen hinter der Sinneswelt verborgenen geistigen und astralen Kräften. Es wird heute geradezu behauptet, daß der Mensch zu der Gotteserkenntnis sich auch erheben könne, ohne erst die Welten, die ihn trennen von dem Allerhöchsten, wirklich zu durchlaufen.
[ 5 ] Ascension into the astral and spiritual worlds involves certain difficulties for the individual, as well as sacrifices that he must make, and also certain dangers. Human beings are accustomed to the world of the senses, but they are not so accustomed to the other worlds. Above all, we must be clear that the causes of much that remains invisible to us in this world become apparent in the higher worlds; this surprises and unsettles us. And the exercises through which we seek to ascend also tax us in a certain way. Because there are dangers, some say that one can attain the highest knowledge of the divine world forces even without knowing anything about these spiritual and astral forces hidden behind the sensory world. It is even claimed today that human beings can rise to the knowledge of God without first truly passing through the worlds that separate them from the Most High.
[ 6 ] Eine solche Rede kann nur der führen, der nicht eine wirkliche Ahnung von den höheren Welten hat. Eine Art höherer Erkenntnis, die auch oftmals eine theosophische genannt wird, ist nichts anderes als eine ganz gewöhnliche Erkenntnis des menschlichen niederen Selbstes, und ob er noch so sehr das niedere Selbst als sein Göttliches bezeichnet, er findet nichts als sein niederes Selbst. Nur außer sich findet der Mensch sein höheres Selbst, denn wir sind herausgeboren aus der äußeren Welt. — Es gibt manche spirituelle Bewegungen, die den Menschen von der äußeren Welt hinwegweisen; man solle das höhere Selbst nur in sich selbst suchen. Dieser Standpunkt kann nie zu einer wirklichen Erkenntnis führen; er ist zu gleicher Zeit ein unchristlicher und widerchristlicher. Nur in der Hinkehr zu der Welt, die uns umgibt, finden wir unser höheres Selbst. Wir müssen den Gott suchen in den unsichtbaren Welten und in allen äußeren Geschöpfen, Tatsachen und Vorgängen. Wenn uns jemand sagt: Verleugne die äußere Welt, es gibt diese äußere Materie nicht —, so verleugnet ein solcher die göttliche Welt; und es gibt für eine große Perspektive keine schlimmere Erkenntnis, als sich von der Außenwelt abzuwenden. Gerade die Vertiefung in die Außenwelt führt zu höherer Erkenntnis. Ein wenig hinaufgehoben über die Erde, verdorrt alles Körperliche, ein wenig über die geistige Welt erhoben, verdorrt alles Seelische. In der Welt leben, aus der der Mensch herausgeboren ist, der er angehört, wie die Hand zum Körper gehört, das gehört zu der Gesinnung, die in Wahrheit zu höherer Entwickelung führt. Fragen Sie Ihr eigenes Inneres, wo der Sinn eines Menschen liegt. Ebensowenig wie der Mensch sich von der Außenwelt abwenden kann, ebensowenig liegt der Sinn des Menschen in der Haut eingeschlossen. Er gehört zu dem höheren Selbst der Welt, und indem wir das höhere Selbst der Welt erforschen, erforschen wir unser eigenes höheres Selbst. Es ist nicht möglich, für den Okkultismus zu agitieren. Nur der, der wirklich will, und der die Bedingungen zu der höheren Entwickelung erfüllen will, muß sich auch anheischig machen, das auszuführen, was vom Okkultismus zu einer solchen hohen Entwickelung vorgeschrieben wird. Die eigentliche okkulte Richtung in der Theosophie soll daher nicht mit dem verwechselt werden, was man oft äußerlich Theosophie nennt. Es handelt sich um durch Jahrhunderte hindurch erprobte Methoden. Es ist in eines jeden Menschen eigenen freien Willen gestellt, wann er das Ziel erreichen will; daher kann auch kein Einwand gelten wie der, er sei ein Außenstehender.
[ 6 ] Only someone who has no real understanding of the higher worlds can make such a statement. A kind of higher knowledge, often referred to as “theosophical,” is nothing more than a very ordinary understanding of the human lower self; and no matter how much one may call the lower self “divine,” one finds nothing but one’s lower self. It is only outside oneself that a person finds their higher self, for we are born out of the external world. — There are some spiritual movements that turn people away from the external world; they say one should seek the higher self only within oneself. This viewpoint can never lead to true knowledge; it is both unchristian and anti-Christian. Only by turning toward the world that surrounds us do we find our higher self. We must seek God in the invisible worlds and in all external creatures, facts, and events. If someone tells us, “Deny the external world; this external matter does not exist,” then such a person is denying the divine world; and from a broader perspective, there is no worse insight than turning away from the external world. It is precisely immersion in the external world that leads to higher knowledge. Raised just a little above the earth, everything physical withers; raised just a little above the spiritual world, everything psychological withers. To live in the world from which a person is born, to which they belong—just as the hand belongs to the body—is part of the mindset that truly leads to higher development. Ask your own inner self where a person’s essence lies. Just as a person cannot turn away from the external world, so too is a person’s essence not confined within the skin. It belongs to the higher Self of the world, and as we explore the higher Self of the world, we explore our own higher Self. It is not possible to campaign for occultism. Only those who truly wish to do so, and who wish to fulfill the conditions for higher development, must also commit themselves to carrying out what occultism prescribes for such high development. The actual occult path within Theosophy should therefore not be confused with what is often superficially called Theosophy. These are methods that have been tested over the centuries. It is left to each person’s own free will to decide when they wish to reach the goal; therefore, no objection such as that they are an outsider can hold water.
[ 7 ] Die höhere Entwickelung, zu der jeder Mensch gelangen kann, geht langsam und allmählich vor sich. Die Welt, die der Mensch dann sehen kann, in der lebt er immer. Sie alle leben nicht bloß in der sinnlichen Welt, sondern ebenso wahrhaftig umgeben Sie hier seelische und geistige Kräfte und geistige Geschehnisse. Und diese geistigen und seelischen Welten sind für den da, dessen geistiges und seelisches Auge geöffnet wird. Die Methoden sind da, um das geistige und seelische Auge des Menschen überhaupt zu öffnen. Dann lebt der Mensch erst für diese Welten; denn es ist etwas Verschiedenes zwischen Leben in diesen Welten und Wahrnehmen in diesen Welten. Leben tut der Mensch auch in der Nacht in diesen Welten, aber er nimmt nicht wahr, weil ihm die Organe dazu noch fehlen. Darin besteht die höhere Entwickelung, daß die Seele seelische Organe bekommt und dadurch wahrnehmen lernt.
[ 7 ] The higher level of development that every human being can attain proceeds slowly and gradually. The world that a person can then perceive is the one in which they always live. You do not live solely in the physical world; just as truly, you are surrounded here by soul and spiritual forces and spiritual events. And these spiritual and soul worlds are there for those whose spiritual and soul eyes are opened. The methods exist to open a person’s spiritual and soul eyes in the first place. Only then does a person truly live for these worlds; for there is a difference between living in these worlds and perceiving within them. A person also lives in these worlds at night, but does not perceive them because the necessary organs are still lacking. Higher development consists in the soul acquiring spiritual organs and thereby learning to perceive.
[ 8 ] Zuerst erwächst alles höhere Erkennen in der Nacht. Während für den bloß sinnlich wahrnehmenden Menschen sich in der Nacht Finsternis verbreitet, wird für den seelisch wahrnehmenden die Finsternis erhellt. Es gibt ein Licht, das die Welt erhellen kann, wenn auch keine Sonne da ist, das nicht den Tisch wahrnehmbar macht, wohl aber die seelischen Tatsachen. Das ist das astrale Licht. Haben Sie seelische Organe, ist Ihre Seele nicht blind, dann kann das astrale Licht auch die Seele eines Menschen schauen, wo vorher die Augen die Gestalt sahen. Die Seele ist dann durch das astrale Licht erhellt, wie der Körper durch das Sonnenlicht am Tage erhellt ist. Alles was da im Menschen entwickelt werden soll, ist der Anlage nach in ihm schon vorhanden, so wie der Menschenkeim die Anlage zu Augen und Ohren hat, so sind die Anlagen zum Hellsehen auch in der Seele, die in jedem Menschen wohnt, vorhanden; aber so, wie der Menschenkeim noch nicht in der physischen Welt sehen kann, so müssen auch die geistigen und seelischen Anlagen in dem Menschen entwickelt werden. So ist der Mensch in der seelischen Welt jetzt eigentlich in der Keimesanlage. Das, was heute noch nicht das Seelische und Geistige sieht, das wird später sehen. Da liegt der Anfang zu der Betrachtung: Was tut denn diese Seele jetzt während des Schlafes? — Dort ist die Seele nicht untätig, auch wenn sie nicht sieht. Die Kräfte des physischen Menschen erschöpfen sich im Laufe des Tages, aber des Menschen Seele arbeitet während des Schlafes an der Wiederherstellung der physischen Kräfte. Und weil die Seele mit sich selbst beschäftigt ist, hat sie keine Kraft frei, um Organe neu zu entwickeln. Aber diese Kräfte müssen herhalten, um Neues zu bilden; dadurch wird dann dem Menschenleib etwas entzogen. Diesen physischen Leib hat sich des Menschen Geist nach und nach auferbaut, und die Werkzeuge, die der Mensch gebraucht, baut sich die Seele selbst nach und nach auf; ebenso arbeitet die Seele auch, wenn der physische Leib abgenutzt wird. Während des Schlafes bringt sie alles wieder in Ordnung.
[ 8 ] All higher knowledge first arises at night. While darkness spreads at night for the person who perceives only through the senses, for the person who perceives through the soul, the darkness is illuminated. There is a light that can illuminate the world even when the sun is not present—a light that does not make the table visible, but does reveal spiritual realities. This is the astral light. If you have spiritual faculties—if your soul is not blind—then the astral light can also perceive a person’s soul where the eyes previously saw the physical form. The soul is then illuminated by the astral light, just as the body is illuminated by sunlight during the day. Everything that is to be developed in a human being is already present within them as a potential; just as the human embryo possesses the potential for eyes and ears, so too are the potentials for clairvoyance present in the soul that dwells within every human being; but just as the human embryo cannot yet see in the physical world, so too must the spiritual and soul capacities within the human being be developed. Thus, in the soul world, the human being is actually still at the embryonic stage. What does not yet perceive the spiritual and soul realms today will do so later. This is the starting point for the question: What, then, is this soul doing now during sleep? — There, the soul is not idle, even if it does not see. The physical human being’s forces are exhausted in the course of the day, but the human soul works during sleep to restore these physical forces. And because the soul is occupied with itself, it has no energy left to develop new organs. But these forces must be used to form something new; as a result, something is then drawn away from the human body. The human spirit has gradually built up this physical body, and the soul itself gradually builds up the tools that the human being uses; the soul works in the same way when the physical body becomes worn out. During sleep, it restores everything to order.
[ 9 ] Wenn Sie nun die Kräfte des Schlafes anders gebrauchen, müssen Sie dafür Ersatz schaffen. Alles was im Kampf der Kräfte verlorengeht, kann durch die Harmonie der Kräfte ersetzt werden. Wenn der Mensch heute, wo er fortwährend arbeitet, wo er jedem Willensimpuls folgt, im Beruf, bei jeder Sensation, in regelloser Weise fühlt, will und denkt, so nutzen sich durch diesen Kampf seine Kräfte ab. Wenn er dann daran denkt, gewisse Kräfte der Seele seinem Leibe zu entziehen, muß er dem Leib Ersatz bieten in gewissen Verrichtungen harmonischen Geschehens. Daher schreibt die innere Entwickelung für den Anfang ganz bestimmte Tugenden vor, damit die Kraft, die jetzt dem Leibe entzogen wird, durch den Rhythmus ersetzt wird. Diese Tugenden sind: Kontrolle der Gedanken, der Handlungen, Unbefangenheit, Ertragsamkeit, Lebensgleichmut, Vertrauen in seine ganze Umgebung.
[ 9 ] If you now choose to use the forces of sleep in a different way, you must find a way to compensate for it. Everything that is lost in the struggle between these forces can be replaced by the harmony of these forces. When people today—constantly working, following every impulse of the will, in their professions, in pursuit of every sensation, feeling, willing, and thinking in a disorderly manner—their forces are worn down by this struggle. When they then consider withdrawing certain forces of the soul from their bodies, they must offer the body compensation through certain activities of harmonious action. Therefore, inner development prescribes very specific virtues at the outset, so that the strength now withdrawn from the body may be replaced by rhythm. These virtues are: control of thoughts and actions, impartiality, resilience, equanimity in life, and trust in one’s entire surroundings.
[ 10 ] Heute ist der Mensch jedem Einfall hingegeben; er muß aber selbst derjenige sein, der seinen Gedanken gegenüber die Zügel führt. Dann bringt er Rhythmus in sich hinein. Aus eigener Initiative Handlungen vollbringen, jede Handlung sich so vornehmen, daß sie seine ureigene ist, das bringt in ihn eine solche Ruhe, die für die Seele nötig ist. Ertragsamkeit: sicher und fest stehen, Leid und Freude über sich ergehen lassen; ertragsam werden: durch die Freude ebensowenig wie durch den Schmerz aus dem Geleise gebracht werden. Weiter muß sich der Mensch die größte Unbefangenheit erwerben. Durch nichts wird er mehr abgenutzt, als wenn er an das Negative der Dinge herantritt; das bedeutet eine Disharmonie und zugleich eine Erschöpfung des Menschen. Dafür ist jene persische Legende maßgebend, die uns berichtet, wie der Christus Jesus und seine Jünger einst an einer Straße einen verwesenden toten Hund liegen sahen. Die Jünger baten den Meister, sich doch nicht mit dem Hund abzugeben, das Tier sei doch zu häßlich. Christus aber besah sich den Hund und sagte: Was für schöne Zähne hat doch das Tier. Er suchte hier das Schöne in der doch häßlichen Sache. Alle Bejahung belebt, alle Verneinung erschöpft und tötet. Nicht nur, weil eine sittliche Kraft dazugehört, sich der positiven Seite einer Sache zuzuwenden, sondern weil eine jede Bejahung belebt und Kräfte der Seele frei und sicher macht.
[ 10 ] Today, people are at the mercy of every whim; yet they must be the ones to hold the reins over their own thoughts. Then they bring rhythm into their lives. Carrying out actions on one’s own initiative, undertaking each action in such a way that it is truly one’s own—this brings a sense of calm that is necessary for the soul. Endurance: standing firm and steady, allowing suffering and joy to pass over oneself; becoming resilient: not being thrown off course by joy any more than by pain. Furthermore, a person must cultivate the greatest possible impartiality. Nothing wears a person down more than approaching the negative aspects of things; this creates disharmony and, at the same time, exhausts the person. This is illustrated by that Persian legend which tells us how Jesus Christ and his disciples once saw a decaying dead dog lying by the roadside. The disciples begged the Master not to concern himself with the dog, saying the animal was too ugly. But Christ looked at the dog and said, “What beautiful teeth this animal has.” Here he sought the beauty in what was, after all, an ugly thing. All affirmation enlivens; all negation exhausts and kills. Not only because it takes moral strength to turn toward the positive side of a matter, but because every act of affirmation enlivens and sets the soul’s powers free and secure.
[ 11 ] In einem solchen Zeitalter wie heute herrscht auch die Nervosität. Nervosität und Kritiksucht gehören zusammen. Die vorgeschriebenen Tugenden sind dazu da, um höhere Kräfte für den Menschen freizubekommen. Solche Tugenden, die das ganze untere Leben rhythmisch machen sollen, geben der Seele Kräfte, daß sie sich der höheren Entwickelung widmen kann. Ganz still geht diese innere Entwickelung vor sich.
[ 11 ] In an age like today’s, nervousness also prevails. Nervousness and a tendency to criticize go hand in hand. The prescribed virtues are meant to unlock higher powers within the human being. Such virtues, which are intended to bring rhythm to the entire lower life, give the soul the strength to devote itself to higher development. This inner development takes place in complete stillness.
[ 12 ] Einige von den Dingen, die dazugehören, möchte ich noch aufzählen. Diese Dinge waren früher das Geheimnis der okkulten Schulen, aber jetzt werden sie aus bestimmten Gründen mitgeteilt. Wenn ein Mensch durch eine solche Übung seine Seele vorbereitet hat, wird er von irgendeinem Lehrer, den er finden wird, wenn er ihn finden soll, weitergeleitet. Er geht dann durch verschiedene Stufen der Schülerschaft hindurch und muß die Kräfte, die er freibekommen hat, zum höheren Seelenleben gebrauchen.
[ 12 ] I would like to list a few of the things that are part of this. These things used to be the secret of the occult schools, but now they are being revealed for certain reasons. Once a person has prepared his soul through such practice, he will be guided by a teacher whom he will find when the time is right. He then passes through various stages of discipleship and must use the powers he has unlocked to attain a higher spiritual life.
[ 13 ] Das erste ist, daß eine einzelne Meinung im Grunde gar nichts wert ist. Die persönliche Meinung, der Ausdruck: Ich glaube darüber dies oder jenes — muß der Mensch als höherer Schüler gründlich überwinden. Nun muß aber der höhere Schüler nicht nur die Torheit des Materialisten einsehen, sondern auch die guten Gründe, die der Materialist für sich haben kann, in sich durchmachen, um einzusehen, wie jemand dazu kommen konnte, Materialist zu werden. Er wird finden, daß alle Menschen, wo sie zu den Dingen ja sagen, also die positive Seite behaupten, meistens Recht haben; wo sie nein sagen, fängt das an, was der höhere Schüler überwinden lernen muß. Die Gründe und den Gehalt einer jeden Weltanschauung muß er nicht nur logisch kennengelernt haben, sondern er muß sie auch gelebt haben. Er muß sich in die Seele eines jeden Zweiflers hineinversetzen. Ohne daß der Schüler weiß, was sich gegen jedes einwenden läßt, erwachen die höheren Kräfte nicht. Wer das durchgemacht hat, der wird auch in seiner Seele Kräfte zum Erwachen bringen, die ganz sicher kommen.
[ 13 ] The first is that a single opinion is, in essence, worth nothing at all. The personal opinion—the expression, “I believe this or that about it”—is something that a person, as an advanced student, must thoroughly overcome. Now, however, the advanced student must not only recognize the folly of the materialist but also work through the valid reasons the materialist may have for his position, in order to understand how someone could have come to be a materialist. He will find that whenever people say “yes” to things—that is, affirm the positive side—they are usually right; whenever they say “no,” that is where what the advanced student must learn to overcome begins. He must not only have come to know the reasons and substance of every worldview logically, but he must also have lived them. He must put himself in the shoes of every doubter. Unless the student knows what can be objected to in each case, the higher powers will not awaken. Whoever has gone through this process will also awaken powers within his own soul that are sure to emerge.
[ 14 ] Dann muß er jeden Aberglauben überwinden; nicht nur den Aberglauben des afrikanischen Fetischanbeters, sondern auch den des aufgeklärten Europäers. Jeder kennt die Wirkungen der Hypnose; unsere europäischen Professoren, zum Beispiel Wundt erklärte den Hypnotismus dadurch, daß er sagt, es seien gewisse Gehirnpartien nicht gut mit Blut versorgt. Das ist aber nichts anderes als der Aberglaube des Afrikaners. So könnten Sie im Grunde alle materialistischen Theorien, die nur von gewissen Gehirnpartien sprechen, widerlegen. So groß Haeckel als Naturforscher ist, so klar muß es jedem sein, daß das, was dieser Naturforscher über diese Dinge behauptet, der purste Aberglaube ist. Alle Formen des Aberglaubens muß der Schüler überwinden.
[ 14 ] Then he must overcome all superstition—not only the superstition of the African fetish worshipper, but also that of the enlightened European. Everyone is familiar with the effects of hypnosis; our European professors—Wundt, for example—explained hypnotism by claiming that certain parts of the brain are not well supplied with blood. But this is nothing other than the superstition of the African. In this way, you could essentially refute all materialistic theories that speak only of certain parts of the brain. As great as Haeckel is as a naturalist, it must be clear to everyone that what this naturalist claims about these matters is sheer superstition. The student must overcome all forms of superstition.
[ 15 ] Das dritte ist die Erkenntnis der Illusion des persönlichen Selbstes, indem der Mensch sich einredet, er könne in sich selbst das höhere Leben finden. Hat der Mensch das erreicht, dann ist er reif für die zweite Stufe. Der Mensch muß durch die Illusion des persönlichen Selbstes hindurch, er muß die Berechtigung erkennen, um sich dadurch von ihr zu befreien. Das nächste ist, daß ihm jedes Ding zum Gleichnis werden muß: «Alles Vergängliche ist nur ein Gleichnis.» Jedes Ding nehmen als das, was es eben ist, ein Gleichnis für das, was es zum Ausdruck bringt. Die einzelne Blume, selbst der einzelne Mensch muß für den Menschen zum Gleichnis werden; dann wird er schon fühlen, wie das in seiner Seele Kräfte erwachen macht. — Hat der Mensch so eine Zeitlang gelernt, die Dinge als Gleichnis zu betrachten, dann muß er lernen, daß der Mensch eine kleine Welt ist, daß es in ihm nichts gibt, was nicht der Welt draußen entspräche. Ein tiefer Sinn liegt in der germanischen Mythologie, wo erzählt wird, daß aus dem Riesen Ymir die ganze Welt gebildet wird. Wie jedes Organ mit der Welt zusammenhängt, muß er kennenlernen, dann wird er seinen eigenen Organismus in das richtige Verhältnis bringen können. So wie der Mensch durch die Welt schreitet, ist er sich nicht bewußt, wie seine Organe mit der Welt zusammenhängen. Das muß er lernen. Der morgenländische Okkultist lehrt das sogar so, daß er den Schüler dabei in eine ganz besondere Sitzweise bringt, damit er auch äußerlich in einem richtigen Verhältnis zur Welt stehe.
[ 15 ] The third is the realization of the illusion of the personal self, whereby a person convinces himself that he can find the higher life within himself. Once a person has achieved this, he is ready for the second stage. One must pass through the illusion of the personal self; one must recognize its validity in order to free oneself from it. The next step is that everything must become a parable for one: “Everything transitory is merely a parable.” One must take every thing for what it is—a parable for what it expresses. A single flower, even a single human being, must become a parable for a person; then they will already feel how this awakens powers within their soul. — Once a person has spent some time learning to view things as parables, they must then learn that a human being is a small world, that there is nothing within them that does not correspond to the world outside. There is a deep meaning in Germanic mythology, which tells how the entire world was formed from the giant Ymir. A person must come to understand how each organ is connected to the world; then they will be able to bring their own organism into the proper relationship with it. As a person goes through the world, they are not aware of how their organs are connected to the world. They must learn this. The Eastern occultist even teaches this by having the student assume a very specific sitting posture, so that he may also be in the correct relationship to the world outwardly.
[ 16 ] Ein weiteres, was der Mensch dann lernen muß und das hier auch nur erwähnt werden kann, ist, daß er etwas, was sonst nur durch eine ihm unbewußte Natur geregelt wird, bewußt regelt. Das ist zunächst das Atmungssystem. Will der Mensch sich höherentwickeln, so muß sein Atmen ein den großen Entwickelungsprozessen angemessenes werden. In bestimmt vorgeschriebener Weise einatmen, den Atem innehalten und wieder ausatmen. Wenn der Mensch vom Geiste aus Regelung in sein Atmen bringt, dann vergeistigt er seinen Odem, seine Lebensluft. Damit steigt er von der Hathajoga zur Rajajoga, der königlichen Joga.
[ 16 ] Another thing that a person must then learn—and which can only be mentioned here in passing—is to consciously regulate something that is otherwise governed by a natural process of which they are unaware. This is, first and foremost, the respiratory system. If a person wishes to evolve to a higher level, their breathing must become commensurate with the great processes of evolution. They must inhale, hold their breath, and exhale in a precisely prescribed manner. When a person brings spiritual control to their breathing, they spiritualize their breath, their life-giving air. In this way, they ascend from Hatha Yoga to Raja Yoga, the royal yoga.
[ 17 ] Dann kommt das Höchste: die Meditations- und Kontemplationsübungen mit dem Leben des Menschen in sich selbst. Wenn der Mensch sich so vorbereitet und geübt hat, wenn er bis zur Rhythmisierung seines Lebens hinaufgedrungen ist, dann ist er vollends reif, ein inneres Leben zu führen. Drei Stufen der Meditation gibt es. Sie kann organisch hineingegliedert werden in den rhythmischen Atmungsprozeß. Zunächst muß der Ausgangspunkt genommen werden von der Sinnenwelt, damit der Mensch sich von der äußeren Welt und von der Menge ihrer äußeren Eindrücke ablenken kann. Seine ganze Aufmerksamkeit selbst in die Hand zu nehmen, das hilft ihm für die höhere Entwickelung. Wenn er imstande ist, auf diese Weise Herr seiner Aufmerksamkeit zu sein, dann muß er imstande sein, sich ganz in den Gegenstand seiner Aufmerksamkeit zu vertiefen, nichts anderes hinzulassen; nur der eine Gedanke muß in ihm leben. Am besten ist es, wenn ihm von dem Lehrer nach seiner Individualität ganz bestimmte Aufgaben gegeben werden. Wenn er es so weit gebracht hat, muß neben ihm eine Kanone losgeschossen werden können, ohne daß er abgelenkt wird. Dann hat er den Gegenstand seines Nachdenkens selbst zu verlassen, aber die Tätigkeit beizubehalten. Das ist das, was ihn in die höchsten Welten bringt.
[ 17 ] Then comes the highest stage: the exercises in meditation and contemplation centered on one’s own inner life. When a person has prepared and trained themselves in this way, when they have advanced to the point of bringing rhythm to their life, then they are fully ready to lead an inner life. There are three stages of meditation. It can be organically integrated into the rhythmic breathing process. First, one must take the sensory world as the starting point, so that a person can detach themselves from the external world and the multitude of its external impressions. Taking full control of one’s own attention helps them in their higher development. Once they are able to master their attention in this way, they must be able to immerse themselves completely in the object of their attention, allowing nothing else in; only that one thought must live within them. It is best if the teacher assigns him very specific tasks tailored to his individuality. Once he has reached this stage, a cannon could be fired right next to him without distracting him. Then he must let go of the object of his contemplation itself, yet maintain the activity. This is what brings him into the highest worlds.
[ 18 ] Wenn der Mensch es so weit gebracht, nachdem er den Gegenstand durchdacht, dann ihn aber fallengelassen hat und nur in der Tätigkeit lebt, dann erreicht er den Zustand, den man im Okkultismus denjenigen des Dhyana nennt. Und diesen Zustand kann er unmittelbar fallenlassen; dann ist sein inneres Auge erweckt.
[ 18 ] If a person has progressed this far—having thoroughly contemplated the object, but then let it go and lives solely in the act—then he reaches the state known in occultism as that of Dhyana. And he can let go of this state immediately; then his inner eye is awakened.
[ 19 ] Er lernt die Kräfte seines Denkens an äußeren Gegenständen üben. Dabei kommt er aber noch nicht sonderlich weit; er gelangt da zu einer Welt, die sich wie eine Art Knochengerüst für die höhere Welt ausnimmt. Er hat nun aus dem Gegenstand heraus ein Gefühl zu entwickeln von ganz besonderer Intensität, wiederum mit Ausschluß von allem andern. So muß er imstande sein, etwas ganz Bestimmtes zu fühlen, wenn er einen Kristall in der Hand hat; so muß er etwas fühlen, wenn er ein Oktaeder in der Hand hat. Er bekommt ein Gefühl, das man haben kann gegenüber der leblosen Welt. Wir vergleichen dann das leblose Gestein mit dem lebenden, bluterfüllten Wesen und sagen uns: Das hat Sinnlichkeit, das wasserhelle Gestein ist aber begierdelos. Bin ich imstande zu fühlen, wie der Stein seine Begierde hat ersterben lassen, wie er rein und keusch geworden ist, und weiß ich mich selbst zu vertiefen in dieses Gefühl, so daß die Welt um mich abstirbt und ich nur dieses Gefühl in mir leben lasse — sei es das Gefühl aus dem Kristall, aus dem Tier oder dem Menschen —, und wenn ich dann den Gegenstand fallenlassen kann, in derselben Weise zurückgehe wie vorhin und in den Zustand von Dhyana komme, dann merke ich, daß das Gefühl nicht bloß ein Gefühl ist, sondern daß es anfängt hell zu werden, daß das Gefühl eine Lichterscheinung zu werden beginnt. So erscheint das, was man als Gedankenform wahrnimmt, was man aber besser als Gefühlsform bezeichnen sollte.
[ 19 ] He learns to exercise the powers of his thinking on external objects. However, he does not yet get very far in this; he arrives at a world that appears to be a kind of skeletal framework for the higher world. He must now develop a feeling of very special intensity from the object itself, again while excluding everything else. Thus, he must be able to feel something very specific when he holds a crystal in his hand; he must feel something when he holds an octahedron in his hand. He develops a feeling that one can have toward the inanimate world. We then compare the lifeless rock with the living, blood-filled being and tell ourselves: That has sensuality, but the water-clear rock is devoid of desire. If I am able to feel how the stone has allowed its desire to die away, how it has become pure and chaste, and if I know how to immerse myself in this feeling so that the world around me fades away and I allow only this feeling to live within me—be it the feeling from the crystal, from the animal, or from the human being— and if I can then let go of the object, return in the same way as before, and enter the state of dhyana, then I realize that the feeling is not merely a feeling, but that it begins to grow bright, that the feeling begins to become a manifestation of light. Thus appears what is perceived as a thought-form, but which should more accurately be called a feeling-form.
[ 20 ] Das sind einzelne Begriffe, die ich Ihnen heute geben wollte. Immer sind Lehrer dagewesen, die dem einzelnen Anleitung, für seine Individualität passende Aufgaben gaben. Ein jeder Mensch hat in der geistigen Welt seinen eigenen Namen; er ist in ihr noch viel mehr individuell als in der physischen Welt, und diese eigene Individualität muß sorgsam berücksichtigt werden, besonders auf den höheren Stufen, wenn es sich um höhere Entwickelung handelt. Daher kann nur ein Lehrer das geben, was notwendig ist.
[ 20 ] These are a few concepts I wanted to share with you today. There have always been teachers who provided guidance to individuals and assigned tasks suited to their individuality. Every person has their own name in the spiritual world; there, they are even more individual than in the physical world, and this unique individuality must be carefully taken into account, especially on the higher levels, where higher development is concerned. Therefore, only a teacher can provide what is necessary.
[ 21 ] Was ich heute gegeben habe, sind die ersten Stufen von dem, was man nennt: das Selbst zu erkennen. Wenn der Mensch die Gegenstände um sich herum fühlen lernt und die Gegenstände Farben annehmen, die sich dann zu Bildern kristallisieren, dann sieht er seine Gefühlswelt um sich herum. Man muß sich selbst als ein Objektiver gegenübertreten, dann überschreitet man die Schwelle, wo man sich wahrnimmt mit alledem, was man ist und noch nicht ist. Der erste Hüter der Schwelle steht da vor uns, der uns zeigt: Das bist du! — Ein jeder muß sich selbst erkennen lernen, denn durch Selbsterkenntnis kommt er zur Welterkenntnis. Es darf aber nun auch niemand die Selbsterkenntnis als Gotteserkenntnis nehmen. Daher stand an der Pforte des Delphischen Tempels geschrieben: Erkenne dich selbst! — Und wenn man durch die Selbsterkenntnis hindurchgeschritten ist, dann schreitet man in das innerste Heiligtum der Welt, wo die göttlichen Kräfte walten und geistige Erkenntnisse gegeben werden. Wenn sich das eigene Innere verbunden fühlt mit dem Welteninneren, wo erst im wirklichen Sinne von innerer Entwickelung gesprochen werden kann, wenn der Mensch sich würdig und nicht in frivoler oder niedriger Weise dieser Erkenntnis nähert, dann wird sie ihm werden. Und es wird ihm gegeben, wodurch seine Menschheit immer mehr entwickelt werden kann und er ein immer würdigeres Glied im Werdegang der Menschheit wird. Keiner aber soll zu höherer Erkenntnis herauf wollen bloß um seiner selbst willen. Nur um ein Diener des ganzen Weltalls zu werden, soll der Mensch sich entwickeln, seine Kräfte erhöhen, und Erkenntnisse sammeln, heißt: seine Kräfte erhöhen.
[ 21 ] What I have presented today are the first steps toward what is called “recognizing the self.” When a person learns to sense the objects around them and those objects take on colors that then crystallize into images, they see their emotional world unfolding around them. One must face oneself as an objective observer; then one crosses the threshold where one perceives oneself with all that one is and is not yet. The first guardian of the threshold stands there before us, showing us: “This is you!” — Everyone must learn to know themselves, for through self-knowledge one comes to knowledge of the world. However, no one should mistake self-knowledge for knowledge of God. That is why it was written at the gate of the Temple of Delphi: “Know thyself!” — And once one has passed through the gateway of self-knowledge, one enters the innermost sanctuary of the world, where divine forces reign and spiritual insights are bestowed. When one’s own inner being feels connected to the inner being of the world—where only then can one speak in the true sense of inner development—and when a person approaches this knowledge with dignity and not in a frivolous or base manner, then it will be granted to him. And he will be given that through which his humanity can be developed more and more, and he will become an ever more worthy member in the course of human development. But no one should seek to ascend to higher knowledge merely for their own sake. A person should develop themselves, increase their powers, and gather knowledge—that is, increase their powers—solely to become a servant of the entire universe.
[ 22 ] So werden wir Diener innerhalb des Weltenganzen, und in diesem Sinne allein soll das Vorschreiten zu höherer Erkenntnis geschehen.
[ 22 ] In this way, we become servants within the whole of the world, and it is in this sense alone that the journey toward higher knowledge should take place.
