World-Riddles and Theosophy
GA 54
26 April 1906, Berlin
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World-Riddles and Theosophy, tr. SOL
21. Paracelsus
21. Paracelsus
[ 1 ] Es ist gewiß reizvoll, sich in die Vergangenheit zu vertiefen und ein wenig Umschau zu halten bei den großen Geistern, die uns vorangegangen sind. Bei der Persönlichkeit, von der wir heute sprechen wollen, kommt aber noch etwas ganz anderes als der Reiz geschichtlicher Betrachtung als Gesichtspunkt in Betracht. Es kommt bei Paracelsus viel mehr darauf an, daß er den Menschen von heute noch sehr, sehr viel geben kann. Und gerade eine Bewegung der geistigen Erforschung der Dinge, wie es die Geisteswissenschaft ist, ist ganz besonders geeignet, den Schatz zu heben, den Geist der Erkenntnis, der Naturerforschung und -erleuchtung, der bei Paracelsus verborgen liegt. Zwar wendet sich mehr oder weniger die Tagesforschung heute auch Geistern wie Jakob Böhme, Paracelsus und andern dieser Zeit des ausgehenden Mittelalters zu. Allein die Betrachtungsweise unserer gegenwärtigen Wissenschaft ist doch so verschieden von dem Geist, dem Standpunkt eines Mannes wie Paracelsus, daß sie, im wahrsten Sinne des Wortes, ihm doch nicht gerecht werden kann.
[ 1 ] It is certainly appealing to delve into the past and take a brief look at the great minds who have gone before us. However, when it comes to the figure we wish to discuss today, there is something quite different from the appeal of historical reflection that comes into play. What matters far more with Paracelsus is that he still has a great, great deal to offer people today. And it is precisely a movement of spiritual inquiry into things—such as spiritual science—that is particularly well-suited to unearthing the treasure, the spirit of knowledge, natural inquiry, and enlightenment, that lies hidden within Paracelsus. It is true that contemporary research today is, to a greater or lesser extent, also turning its attention to thinkers such as Jakob Böhme, Paracelsus, and others from this period at the end of the Middle Ages. Yet the approach of our present-day science is so different from the spirit and perspective of a man like Paracelsus that it cannot, in the truest sense of the word, do him justice.
[ 2 ] Paracelsus muß nämlich in einer andern Art begriffen werden, als es gewöhnlich geschieht, wenn man sich heute in einen Geist der Vergangenheit vertieft. Man muß ein lebendiges Gefühl empfinden für den Gegenstand und die Richtung des Denkens, denen er sich hingegeben hat. Das ist in gewisser Beziehung eine solche Vertiefung in das Geistesleben, namentlich in die geistigen Kräfte und Wesenheiten, die der Natur zugrunde liegen, und das kann nur eine Betrachtungsweise, wie es die geisteswissenschaftliche ist. Einer interessanten Zeit gehört Paracelsus schon an. Es war die Zeit von 1493 bis 1541, in der er lebte, die entweder eben hinter sich hatte oder noch mitten darinstand in dem, was wir das Heraufkommen des Bürgertums nennen. Das übte im Grunde genommen auf das ganze Geistesleben einen bedeutsamen Einfluß aus.
[ 2 ] Paracelsus must, in fact, be understood in a different way than is usually the case when one immerses oneself in the spirit of the past today. One must develop a living sense of the subject matter and the direction of thought to which he devoted himself. In a certain sense, this is a deep immersion into spiritual life—namely, into the spiritual forces and entities that underlie nature—and this can only be achieved through an approach such as that of spiritual science. Paracelsus already belongs to an interesting era. He lived from 1493 to 1541, a period that had either just passed or was still in the midst of what we call the rise of the bourgeoisie. This, in essence, exerted a significant influence on the entire spiritual life.
[ 3 ] Zwei Stände nur kamen für das tonangebende Geistesleben vor dem Herankommen des Bürgerlebens in Betracht: Adel und Geistlichkeit. Nachdem das Bürgertum heraufkam, war die Geisteskultur außerordentlich viel mehr auf die Einzelpersönlichkeit und deren Tüchtigkeit gebaut als vorher, wo auf der einen Seite innerhalb des Adeltums die Blutsverwandtschaft, die Stammeszugehörigkeit über den Wert des Menschen und seine Stellung, die er in sozialer Beziehung einnehmen sollte, mitsprachen, wo nicht das allein, was der einzelne Geistliche aus sich selbst schuf, hinter ihm stand, sondern wo hinter dem einzelnen die ganze Kraft und Geisteskultur der Kirche stand. Die stand als ein Ganzes hinter der einzelnen Persönlichkeit. Erst in der Zeit des Bürgertums war die Leistung des einzelnen auf die persönliche Tüchtigkeit des einzelnen gebaut. Daher wird auch alles, was uns in dieser Zeit des ausgehenden Mittelalters, des heranwachsenden Bürgertums begegnet, so, daß es einen persönlichen Charakter bekommt, daß die Persönlichkeit sich viel mehr einsetzen muß. Viele solcher Persönlichkeiten könnten wir anführen, die so ihre ureigensten Kräfte damals einsetzen mußten.
[ 3 ] Only two estates were considered capable of shaping intellectual life before the rise of the bourgeoisie: the nobility and the clergy. After the rise of the bourgeoisie, intellectual culture was based far more on the individual personality and his or her competence than before, when, on the one hand, within the nobility, blood ties and clan affiliation determined a person’s worth and the social position he or she was to occupy—and when it was not merely what the individual clergyman created on his own stood behind him, but where the entire strength and intellectual culture of the Church stood behind the individual. The Church, as a whole, stood behind the individual personality. It was not until the era of the bourgeoisie that an individual’s achievements were based on his or her personal competence. This is why everything we encounter in this period of the late Middle Ages, with the emerging bourgeoisie, takes on a personal character, requiring the individual to engage much more fully. We could cite many such individuals who had to draw upon their very own inner strengths at that time.
[ 4 ] Eine der merkwürdigsten und interessantesten Persönlichkeiten ist eben Paracelsus. Auch andere Dinge kamen noch in Betracht in der Zeit, in der er lebte. Das war unmittelbar in der Zeit, als der Schauplatz der Völker sich ungeheuer erweiterte, als die großen Entdeckungen ferner Länder gemacht wurden, in der Zeit, als die eben erst erfundene Buchdruckerkunst dem Geistesleben ganz andere Richtungen und Strömungen angewiesen hatte, als das früher der Fall war. All dieses, das sozusagen für uns das Grundtableau abgibt, ist das Tableau, aus dem heraus sich erhebt diese Persönlichkeit des Theophrastus Paracelsus. Zu alledem kommt hinzu, daß wir es in ihm selbst mit einer selten markanten Persönlichkeit zu tun haben, mit einer Persönlichkeit von revolutionärem Charakter im geistigen Sinne. Er war eine Persönlichkeit, die sich bewußt war, was früher auf den Gebieten des Geisteslebens geleistet worden war und wie sehr ihr eigenes Werk davon abstach.
[ 4 ] One of the most remarkable and interesting figures is none other than Paracelsus. Other factors also came into play during the time in which he lived. This was right at the time when the world was expanding enormously, when great discoveries of distant lands were being made, and when the recently invented art of printing had set intellectual life on entirely different paths and currents than had previously been the case. All of this, which, so to speak, provides the backdrop for us, is the setting from which the figure of Theophrastus Paracelsus emerges. Added to all this is the fact that we are dealing in him with a personality of rare distinction, a personality of a revolutionary character in the intellectual sense. He was a figure who was fully aware of what had previously been achieved in the realms of intellectual life and of how greatly his own work stood apart from it.
[ 5 ] Um zu verstehen, was Paracelsus gewesen ist, muß man den ganzen Grundcharakter seines Wirkens als Arzt und als Philosoph betrachten, und ihn, wie er diese beiden Seelencharaktere miteinander vereinigte, als Theosoph erfassen. Ganz einheitlich war sie, diese Persönlichkeit. Mit genialem Blick suchte er den Bau des Weltgebäudes zu erfassen. Sein erstaunender Blick schaute hinauf zu den Geheimnissen der Sternenwelt, vertiefte sich in den Bau der Erde und namentlich auch in den Bau des Menschen selbst. Dieser genialische Blick drang ein auch in die Geheimnisse des geistigen Lebens. Ebensosehr war er Theosoph, indem er versuchte, das Wesen der astronomischen Erkenntnisse und zugleich das Wesen der Anthropologie, der Lehre von dem Menschen im Zusammenhang mit der Lehre von allen Lebewesen zu umfassen. Nichts war in diesem Menschen bloße Theorie, alles war unmittelbar so, daß es auf die Praxis abgesehen war, unmittelbar so, daß das Heil, die geistige und physische Gesundheit des Menschen dasjenige war, wozu er alles verwenden wollte, was er wußte. Und er wußte von Gott und den Sternen, den Menschen, Tieren, Pflanzen und Mineralien. Das gibt seinem Wirken, Denken und Forschen die große, gewaltige Einheit. Das zeigt ihn uns wie aus einem einzigen Stück Holz scharf geschnitten. So steht er vor uns als eine ursprüngliche, elementare Persönlichkeit.
[ 5 ] To understand who Paracelsus was, one must consider the fundamental nature of his work as a physician and as a philosopher, and, in light of how he united these two aspects of his character, recognize him as a theosophist. His personality was entirely unified. With a genius’s insight, he sought to grasp the structure of the universe. His astonishing gaze looked up to the mysteries of the starry world, delved into the structure of the Earth, and, in particular, into the structure of the human being itself. This genius’s insight also penetrated the mysteries of spiritual life. He was just as much a theosophist in that he sought to encompass the essence of astronomical knowledge and, at the same time, the essence of anthropology—the study of humankind—in connection with the study of all living beings. Nothing in this man was mere theory; everything was so directly oriented toward practice that the well-being—the spiritual and physical health—of humankind was the very purpose for which he wished to apply all that he knew. And he knew about God and the stars, about humans, animals, plants, and minerals. This gives his work, thought, and research a great, powerful unity. This presents him to us as if he were carved from a single piece of wood. Thus he stands before us as a primal, elemental personality.
[ 6 ] Zwei Richtungen gab es für ihn auf dem Gebiete, auf das es ihm vorzugsweise ankam, auf dem Gebiete der Arzneikunst. Die eine knüpfte an den alten griechischen Arzt Hippokrates an, die andere an Galenos. Der Vater der Medizin, Hippokrates, stand vor ihm wie ein großes Ideal. Der heutige Gelehrte kann weder dem, was jener Grieche war, noch auch dem, was Paracelsus in ihm sah, gerecht werden. Es nimmt sich heute gewiß recht problematisch aus, wenn wir hören, daß im Sinne dieser Medizin dasjenige, was den Menschen zusammensetzt, unterschieden wurde in schwarze Galle, weiße Galle, Blut und Schleim, Säfte, vier Säfte, die wiederum einen gewissen Bezug haben sollten zu Erde, Wasser, Luft und Feuer. Das sollten Bestandteile der menschlichen Natur sein. Der heutige Naturforscher denkt selbstverständlich, daß das eine kindliche Anschauungsweise sei, die im Laufe der Zeit durch eine eindringliche Erkenntnis überwunden werden mußte. Er ahnt nicht, daß es dabei doch noch auf etwas ganz anderes ankommt. Deshalb ist auch Paracelsus für die heutige gelehrte Auffassung so außerordentlich schwer zu verstehen. Mit diesen vier Gliedern der menschlichen Natur nämlich waren keineswegs Säfte und Bestandteile, Stoffe im gewöhnlichen physikalischen, im gewöhnlichen materiellen Sinne gemeint, sondern etwas ganz anderes. Der Naturforscher jener alten Zeit sah im menschlichen Leibe, wie er sich aus den physikalischen, sinnlich wahrnehmbaren Stoffen aufbaut, nur den äußeren Ausdruck für etwas Geistiges, den eigentlichen Erbauer dieses äußeren Leibes.
[ 6 ] There were two schools of thought for him in the field that mattered most to him—the field of medicine. One drew on the teachings of the ancient Greek physician Hippocrates, the other on those of Galen. The father of medicine, Hippocrates, stood before him as a great ideal. Today’s scholars can do justice neither to who that Greek truly was nor to what Paracelsus saw in him. It certainly seems rather problematic today when we hear that, according to this medical system, the elements composing the human being were distinguished as black bile, white bile, blood, and phlegm—four humors—which in turn were said to have a certain connection to earth, water, air, and fire. These were supposed to be the constituents of human nature. Today’s natural scientist naturally assumes that this is a childish way of looking at things, one that had to be overcome over time through deeper insight. He does not realize that something entirely different is at stake here. This is why Paracelsus is so extraordinarily difficult to understand from the perspective of modern scholarship. For these four elements of human nature were by no means intended to refer to humors and constituents—substances in the ordinary physical or material sense—but to something entirely different. The natural scientist of that ancient time saw in the human body—as it is composed of physical, sensually perceptible substances—merely the outward expression of something spiritual, the actual builder of this outer body.
[ 7 ] In geisteswissenschaftlichen Vorträgen haben wir von diesem Erbauer des menschlichen Leibes oft gesprochen. Wir haben davon gesprochen, daß ein sogenannter Ätherleib, ein feiner Leib, diesem physischen Leib in allen seinen mannigfaltigen Stoffen, Substanzen und Säften zugrunde liegt, und daß dieser Äther- oder Lebensleib die Kräfte enthält, die den physischen Leib auferbauen. Es ist also so, daß jegliches Organ herauserbaut ist aus diesem Ätherleib. Diesen Ätherleib zu studieren, dazu gehört nicht bloß sinnliche Forschung, dazu gehört noch etwas anderes, nämlich das, was man Intuition, geistige Forschung nennt. Und wenn man von dem, was für diese geistige Forschung in Betracht kommt, sinnliche Ausdrücke gebraucht, wie schwarz, weiß, gelb, grün und so weiter, so meint man damit nur Gleichnisse für etwas, was dahintersteht. Es ist ganz falsch, wenn man sie mit unseren materiellen Dingen identifiziert.
[ 7 ] In our lectures on the humanities, we have often spoken of this builder of the human body. We have spoken of how a so-called etheric body—a subtle body—underlies this physical body in all its manifold materials, substances, and fluids, and how this etheric or life body contains the forces that build up the physical body. It is thus the case that every organ is built up from this etheric body. Studying this etheric body involves not only sensory research, but also something else—namely, what is called intuition, spiritual research. And when one uses sensory terms—such as black, white, yellow, green, and so on—to describe what is relevant to this spiritual research, one is merely using metaphors for something that lies behind them. It is entirely wrong to identify them with our material things.
[ 8 ] Die Art und Weise, wie die alten Ärzte in den Kliniken an den kranken Menschen herangingen, war eine andere. Es war der intuitive Blick, der nicht auf das Physische losging, sondern der auf das dem Physischen zugrunde liegende Feinere, Ätherische losging. Von der Idee ging man aus: ist irgend etwas krank, so kommt es weniger darauf an, was an Veränderungen äußerlich wahrnehmbar ist, sondern auf das, was es bewirkt hat. Der Unordnung im äußeren physischen Leib entspricht etwas Unordentliches im Ätherleib. Man erkennt, wie der Ätherleib verändert ist an dem kranken Organismus, und geht darauf aus, durch Maßnahmen der Arzneikunst das, was hinter dem physischen Leibe ist, zu kurieren: den Bildner, die Kraft, die hinter dem physischen Leibe steht. Wenn ich mich etwas grob ausdrücken darf, so kann man sagen: Wenn jemand am Magen erkrankt ist, so krankt man nicht am Magen, sondern an dem feineren Leib, von dem die Magenerkrankung nur der Ausdruck ist.
[ 8 ] The way the doctors of old approached sick people in the hospitals was different. It was an intuitive perspective that did not focus on the physical, but rather on the finer, etheric aspect underlying the physical. The starting point was this idea: if something is ill, what matters is not so much the changes that are outwardly perceptible, but rather what caused them. The disorder in the outer physical body corresponds to a disorder in the etheric body. One recognizes how the etheric body is altered by observing the diseased organism, and seeks, through the practices of pharmacology, to heal that which lies behind the physical body: the formative force, the power that underlies the physical body. If I may put it somewhat bluntly, one could say: When someone is ill with a stomach ailment, they are not actually ill in the stomach, but in the finer body, of which the stomach ailment is merely an expression.
[ 9 ] Den Geist einer solchen intuitiven Medizin hatte Paracelsus in sich aufgenommen. Nun wirkte aber überall, wie eine Autorität, der römische Arzt Galenos. Er baut zwar äußerlich auf diesen alten Grundsätzen seine Medizin auf, und wenn man so äußerlich Galen liest, dann bekommt man die Vorstellung: Ja, was will denn Paracelsus, daß er so gegen den Galen kämpft und die ältere Medizin in Schutz nimmt? Ist es nicht dasselbe? — So könnte es fast scheinen, aber es ist doch nicht so. Denn, was bei Galen zur Medizin geworden ist, das ist die materielle Außerlichkeit, die Vermaterialisierung der ursprünglich geistigen Anschauung. So verstanden dann die Schüler des Galen schon unter dem, was früher noch intuitiv gemeint war, etwas äußerlich Materielles. Und statt mit dem intuitiven Blick zu durchschauen, forschten sie bloß in der Materie, spekulierten, erfanden Theorien. Der moralische Blick war abhanden gekommen.
[ 9 ] Paracelsus had absorbed the spirit of this kind of intuitive medicine. At that time, however, the Roman physician Galen was exerting his influence everywhere as an authority. Outwardly, he based his medicine on these ancient principles, and if one reads Galen in such a superficial way, one gets the impression: “Well, what does Paracelsus want, fighting so hard against Galen and defending the older medicine? Isn’t it all the same?” — It might almost seem that way, but it is not so. For what has become medicine in Galen is the material externality, the materialization of the originally spiritual insight. Understood in this way, Galen’s students already perceived something outwardly material in what had previously been meant intuitively. And instead of seeing through things with an intuitive gaze, they merely delved into matter, speculated, and devised theories. The moral gaze had been lost.
[ 10 ] Gegen die Methode, gegen dieses Abhandenkommen des intuitiven Blickes wendet Paracelsus sich. Zurück wollte er wiederum, aus der Erkenntnis der großen Natur heraus wollte er wieder die Mittel finden, wie man den Menschen heilen kann. Deshalb war ihm das alles zuwider, was dazumal offiziell als Medizin herrschte. Er wollte nicht das, was in den Büchern steht, zugrunde legen, sondern das Grundbuch, das große Buch der Natur selbst aufschlagen. Alles dasjenige, was so allmählich als Medizin aufgetaucht war, war herausgesponnen aus einer ganz und gar abgeleiteten Spekulation, aus einer Forschung, die nichts mehr wußte von dem ursprünglichen geistigen Blick. Da konnte man nicht mehr den Zusammenhang erblicken zwischen dem Arzneimittel und einer Krankheit, weil man eben nicht mehr sah, was hinter dem Körper stand, weil man nur materiell alles betrachtete. Das verursachte, daß Paracelsus sagte: Das Licht der Natur selbst soll wieder leuchten. — Das brachte ihn in einen scharfen Konflikt mit der Medizin seiner Zeit. Ein solcher Tiefblick, wie er ihn hatte, das einsichtige Wesen, das ihm eigen war, das den großen Zusammenhang mit dem Kosmos erfaßte, gab ihm das intensive Selbstbewußtsein, das etwas Entzückendes hat, in der Art, wie er auftrat gegen diejenigen, welche in landläufiger Weise die damalige Wissenschaft betrieben. Die damalige Arzneikunde hat eine große Ahnlichkeit mit derjenigen unserer heutigen Zeit, mit dem Unterschiede aber, daß unsere heutige Zeit auf dem medizinischen Gebiete keinen Paracelsus hat. Aber jene Verwirrung und Unsicherheit war fast ebenso, wie sie heute ist. Das erinnert sehr gut an jene alte Zeit des Paracelsus. Wenn wir heute die Medizin verfolgen und sehen, wie ein Heilmittel erfunden wird und nach fünf Jahren schon wieder als schädlich gilt und verworfen wird, wie soundso viele Menschen untersucht werden, aber der große Blick für den Zusammenhang der Menschen mit der Natur ganz und gar abhanden gekommen ist, so erinnert das recht gut an die Zeit des Paracelsus. Es ist wahr, die meisten ahnen nicht, wie sie wieder in einer solchen Zeit darinnenstecken und wie der Autoritätsglaube gerade auf diesem Gebiete eine ungeheure Macht hat. Man bekämpft auf der einen Seite den Autoritätsglauben, und man fühlt sich groß, wenn man zu Felde zieht gegen den alten Aberglauben, der die Leute nach Lourdes schickt. Man mag damit recht haben, aber man ahnt nicht, daß sich nur die Form des Aberglaubens verändert hat, und daß der Aberglaube kaum kleiner ist, wenn man jemanden nach Wiesbaden und andern Orten schickt. Man kann darin etwas Ähnliches erblicken, wie es vorhanden war bei Paracelsus und seiner Zeit, wo man geneigt war, sich dem Hergebrachten entgegenzustellen. Paracelsus sagte: «Wie ich aber die vier für mich neme, also müsset irs auch nemen und müsset mir nach, ich nicht euch nach, ir mir nach. Mir nach Avicenna, Galene, Rasis, Montagnana, Mesue etc., mir nach und nit ich euch nach, ir von Paris, von Cöln, ir von Wien und was an der Donau und Rheinstrom ligt, ir insulen im meer, du Italia, du Dalmatia, du Sarmatia, du Athenis, du Griech, du Arabs, du Israelita, mir nach und ich nicht euch nach . . . Ich werd monarcha und mein wird die monarchei sein, und ich füre die monarchei und gürte euch eure lenden.»
[ 10 ] Paracelsus turned against this method, against this loss of the intuitive gaze. He wanted to return to the past; drawing on his understanding of the great natural world, he sought once again to discover the means by which to heal people. That is why he was repelled by everything that was officially regarded as medicine at the time. He did not want to base his approach on what was written in books, but rather to open the fundamental book—the great book of Nature itself. Everything that had gradually emerged as medicine had been spun out of purely derivative speculation, out of research that had lost all connection to the original spiritual insight. It was no longer possible to see the connection between a remedy and a disease, precisely because people no longer saw what lay behind the body, because they viewed everything solely in material terms. This led Paracelsus to say: “The light of nature itself must shine again.” — This brought him into sharp conflict with the medicine of his time. Such profound insight as he possessed, the perceptive nature that was his own—which grasped the great connection with the cosmos—gave him an intense self-confidence that had something enchanting about it in the way he stood up against those who practiced the science of that time in the conventional manner. The medical science of that time bears a great resemblance to that of our own era, with the difference, however, that our present age has no Paracelsus in the medical field. But that confusion and uncertainty were almost exactly as they are today. This is very reminiscent of Paracelsus’s time. When we follow medicine today and see how a remedy is invented only to be deemed harmful and discarded after just five years, how so many people are examined, yet the broader perspective on humanity’s connection to nature has been completely lost—this is quite reminiscent of Paracelsus’s time. It is true that most people have no idea that they are once again caught up in such a time, and that blind faith in authority wields immense power, particularly in this field. On the one hand, people fight against blind faith in authority, and they feel great when they take up arms against the old superstitions that send people to Lourdes. They may be right to do so, but they do not realize that only the form of superstition has changed, and that the superstition is hardly any less when people are sent to Wiesbaden and other places. One can see in this something similar to what existed in the time of Paracelsus, when people were inclined to oppose established tradition. Paracelsus said: “But just as I take the four for myself, so must you also take them and follow me—not I following you, but you following me. Follow me—Avicenna, Galen, Rasis, Montagnana, Mesue, etc.—follow me, and not I you; you from Paris, from Cologne, you from Vienna, and all that lies along the Danube and the Rhine, you islands in the sea, you Italy, you Dalmatia, you Sarmatia, you Athens, you Greeks, you Arabs, you Israelites—follow me, and not I you . . . I shall become monarch, and the monarchy shall be mine; and I shall lead the monarchy and gird your loins.”
[ 11 ] Das zur Charakteristik, mit welcher Kraft sich diese Persönlichkeit äußerte. Diese Kraft glaubte sie zu verdanken ihrer ursprünglichen Verwandtschaft mit den Geheimnissen der Natur. Diese sprach sich für Paracelsus so aus, daß er nicht nur erblickte, was sein Auge sah, sondern mit seinem Wesen, das sich mit der Natur verband, sah. Er machte große Reisen. Nicht von der Lehrkanzel her wollte er sich etwas Wissenschaftliches sagen lassen, sondern aus dem dunklen Ahnen des einfachen Volkes draußen, das noch nicht die Bande des Fühlens und Empfindens mit der Natur zerrissen hatte, daraus wollte er lernen. Ich möchte die Art und Weise, wie es in der Seele des Paracelsus aussah, durch einen Vergleich klarmachen. Es ist eigentlich recht schön zu sehen, wie die Tiere mit ihrem Instinkt draußen auf dem Felde ganz genau wissen, was sie zu grasen haben und was sie stehen zu lassen haben, was ihnen zum Heile dient und was ihnen zum Unheil gereichen würde. Das beruht auf dem, was man die Verwandtschaft des Wesens mit seiner Umwelt nennt. Diese Verwandtschaft ist es, die in den Kräften der Seele vorhanden ist und dasjenige zu wählen vermag, was taugt und was nicht taugt.
[ 11 ] This characterizes the power with which this personality expressed himself. He believed he owed this power to his innate affinity with the mysteries of nature. For Paracelsus, this manifested itself in such a way that he did not merely perceive what his eye saw, but saw with his very being, which was united with nature. He undertook extensive travels. He did not want to be taught anything scientific from the lectern, but rather wanted to learn from the dark intuition of the simple people out in the world, who had not yet severed the bonds of feeling and sensation with nature. I would like to clarify the state of Paracelsus’s soul through a comparison. It is actually quite beautiful to see how animals, guided by their instincts out in the fields, know exactly what to graze on and what to leave alone—what serves their well-being and what would be harmful to them. This is based on what is called the kinship of a being with its environment. It is this kinship that is present in the powers of the soul and is capable of choosing what is good and what is not.
[ 12 ] Durch den Verstand und durch die Spekulation reißt sich das Wesen von der Natur los. Es ist kein Aberglaube, wenn man sagt, daß der einfache Mensch, der auf dem Lande lebt, noch etwas hat von den ursprünglichen Kräften, die in sehnsüchtiger und instinktiver Weise das Tier zum Nahrungsmittel hinführen, daß diese Verwandtschaft auch noch etwas gibt von dem Wissen, wie das einzelne Kraut, wie der einzelne Stein auf den Menschen wirkt. Das ist ein Gefühl, das vorhanden ist, das da ist, das etwas ganz anderes ist, als man gewöhnlich unter Wissen versteht, das aber deshalb nicht mehr so wichtig ist für den Menschen. Daher findet man bei dem Menschen, der noch nicht durch die Bildung durchgegangen ist, eine ursprüngliche Sicherheit darin, was innerhalb der Natur dem Menschen frommt. Mit diesem ursprünglichen Naturgefühl fühlt sich Paracelsus verwandt. Er betont es immer wieder, daß diejenigen Leute nicht die richtigen sind, welche die Welt nur so durchschweifen, daß sie in Kutschen und getrennt von dem unmittelbaren Landvolk die Welt bereisen. Paracelsus reiste anders. Er horcht hin auf das, was ihm der einfache Mann sagen konnte. Der Instinkt des einfachen Mannes wurde bei ihm zur Intuition des genialen Menschen. Er zerschnitt nicht das Band zwischen der Natur und der ursprünglichen intuitiven Kraft im Menschen. Das drückt er so aus: «Von der natur bin ich nichts subtil gespunnen, ist auch nicht meins lants art, das man was mit seidenspinnen erlange. wir werden auch nicht mit feigen erzogen, noch mit met, noch mit weizenbrot, aber mit kes, milch und haberbrot: es kan nit subtil gesellen machen. zu dem das eim alle sein tag anhengt, daß er in der jugent entpfangen hat; dieselbig ist nur vast grob sein gegen subtilen, kazreinen, superfeinen. dann dieselbigen in weichen kleidern und die (in) frauenzimern erzogen werden und wir die in tanzapfen erwachsen, verstehent einander nit wol.» — Er wußte, daß er immer auf seinen weiten Reisen durch Polen, Ungarn bis in die Türkei hinein gewandelt ist in der Sonne, nicht nur in der Sonne der physischen Welt, sondern auch in der Sonne des Geistigen. Was Paracelsus auszeichnet, ist der einheitliche Blick in das Geistige. Der Mensch ist für ihn daher nicht der Mensch, in den man bei der Untersuchung sinnlich hineinschlüpft, sondern er steht für ihn im Zusammenhang mit der ganzen Natur. Er sagt: Schaut euch einmal den Apfel an und dann den Apfelkern. Ihr könnt nicht begreifen, wie der Apfelkern wächst, wenn ihr nicht den ganzen Apfel betrachtet. Der Kern zieht aus der Umgebung, dem Apfel, die Kraft, und so ist es mit dem Menschen und der ganzen Welt wie mit dem Apfel und dem Apfelkern. — Derjenige versteht nicht — im Sinne des Paracelsus — den Apfelkern, der nur den Kern untersucht und nicht den Apfel. Daher gibt es für ihn keine Medizin und keine Naturwissenschaft, die nicht zugleich Astronomie und Gotteserkenntnis ist. In diesem Zusammenhang muß man den Menschen verstehen. Daher zerfällt ihm der Mensch in drei Glieder der menschlichen Wesenheit.
[ 12 ] Through reason and speculation, the human being breaks away from nature. It is no superstition to say that the simple person who lives in the countryside still possesses something of the primal forces that, in a longing and instinctive way, guide the animal toward its food, and that this kinship also conveys something of the knowledge of how a particular herb or a particular stone affects a person. This is a feeling that exists, that is there, that is something quite different from what is usually understood as knowledge, but which is no longer considered so important to human beings for that very reason. Therefore, in people who have not yet undergone the process of education, one finds a primal certainty regarding what within nature is beneficial to human beings. Paracelsus feels a kinship with this primal sense of nature. He emphasizes time and again that those who merely roam the world—traveling in carriages and separated from the common people of the countryside—are not the right kind of people. Paracelsus traveled differently. He listened to what the common man had to say. For him, the instinct of the common man became the intuition of a genius. He did not sever the bond between nature and the original intuitive power within man. He expresses this as follows: “By nature I am not finely spun; nor is it the custom of my country to achieve anything through silk-spinning. Nor are we raised on figs, nor on mead, nor on wheat bread, but on cheese, milk, and oat bread: this cannot produce refined company. Moreover, whatever one clings to all one’s days—what one received in youth—is simply too coarse compared to the subtle, pure, and ultra-refined. For those who are raised in soft garments and in women’s chambers, and we who grow up on dance cones, do not understand one another well.” — He knew that on his long journeys through Poland, Hungary, and as far as Turkey, he had always walked in the sun—not only in the sun of the physical world, but also in the sun of the spiritual. What distinguishes Paracelsus is his unified view of the spiritual realm. For him, therefore, a human being is not merely the object into which one delves through sensory observation, but rather stands in connection with the whole of nature. He says: Take a look at the apple, and then at the apple seed. You cannot understand how the apple seed grows unless you consider the whole apple. The seed draws its power from its surroundings—the apple—and so it is with human beings and the entire world, just as it is with the apple and the apple seed. — In Paracelsus’s view, one does not understand the apple seed if one examines only the seed and not the apple. Therefore, for him, there is no medicine and no natural science that is not at the same time astronomy and knowledge of God. It is in this context that one must understand human beings. Consequently, for him, the human being is divided into three aspects of human existence.
[ 13 ] Diese drei Glieder müssen wir uns einmal näher ansehen. Zunächst haben wir den physischen Menschen, bestehend aus denselben physischen Bestandteilen, Stoffen und Kräften, die man auch sonst rings in der Natur findet. Also derjenige, der die Natur durchschreitet, der die Mineralien, Pflanzen und Tiere der Natur studiert, der studiert eigentlich im Sinne des Paracelsus dasjenige, was den physischen Menschen zusammensetzt. So, wie wenn man die ganze physische Natur ringsherum genommen hätte und aus allen einzelnen Metallen, Pflanzen und Tieren eine Art Essenz, eine Art Extrakt herausgezogen und daraus den physischen Menschen gebilder hätte, so sieht er den physischen Menschen an, und er nennt diesen physischen Menschen den elementarischen Menschen. Das ist ihm das unterste Glied, das sich vergleichen 1äßt mit dem Apfelkern, den man aber nicht verstehen kann, wenn man nicht den ganzen Apfel versteht. So versteht man auch den elementarischen Menschen nicht, wenn man nicht die Erde mit allen ihren Stoffen und Kräften erkennt, denn er hat alle seine Kraft aus der Erde. Dann baut eine Kraft in diesen physischen Elementarmenschen eine feinere Stofflichkeit hinein. Das nennt Paracelsus den Archäus. Er unterscheidet also von dem elementarischen Leib den feineren Leib, den Aufbauer des physischen Leibes, so wie er auch der Aufbauer der Erde ist. So sieht er von dem äußerlich sinnlich Wahrnehmbaren auf den Grund, von dem Leib auf den Lebensleib, von dem äußerlich Physischen auf das, was ihm als Kraft zugrunde liegt. Das ist das erste Glied der menschlichen Wesenheit im Sinne von Paracelsus.
[ 13 ] We need to take a closer look at these three aspects. First, we have the physical human being, consisting of the same physical components, substances, and forces that are found everywhere else in nature. Thus, anyone who explores nature, who studies its minerals, plants, and animals, is actually studying—in the sense of Paracelsus—the very elements that make up the physical human being. It is as if one had taken all of physical nature around us and extracted a kind of essence, a kind of extract, from all the individual metals, plants, and animals, and formed the physical human being from it; this is how he views the physical human being, and he calls this physical human being the elemental human. For him, this is the lowest link, comparable to the apple seed—which, however, cannot be understood unless one understands the whole apple. Likewise, one cannot understand the elemental human unless one recognizes the earth with all its substances and forces, for the elemental human derives all its power from the earth. Then a force builds a finer substance into this physical elemental human. Paracelsus calls this the Archäus. He thus distinguishes the finer body—the builder of the physical body, just as it is the builder of the Earth—from the elemental body. In this way, he looks beyond what is outwardly perceptible to the senses to the foundation—from the body to the life body, from the outwardly physical to the force that underlies it. This is the first link in the human being, as understood by Paracelsus.
[ 14 ] Das zweite Glied betrachtet er in einer gewissen andern Richtung wie einen Apfelkern. Für dieses zweite Glied ist der Apfel die ganze Gestirnswelt. Und ebenso wie der elementarische Leib seine Kräfte und Säfte aus der Erde zieht und dem, was zu ihr gehört, so zieht der zweite Mensch seine Kräfte aus dem, was in den Sternen lebt, aus den Gesetzen der Sterne. So wie das Blut, die Muskeln, die Knochen und Nahrungssäfte sich zusammensetzen und die Nahrungssäfte sich umtauschen, umwandeln, und wie diese abhängig sind von dem Irdischen, so sind ihm die Instinkte und Triebe, die Begierden und Leidenschaften, ja die Vorstellungen, Lust und Leid, alles das, was Paracelsus zusammenfaßt unter den zwei Grundkräften der seelischen Natur des Menschen, Sympathie und Antipathie, ein Ausdruck der ganzen Sternenwelt, wie der Apfelkern ein Ausdruck ist des ganzen Apfels. Deshalb nennt er den zweiten Leib den astralischen Leib oder den der Sternenwelt angehörigen Leib.
[ 14 ] He regards the second member, from a certain other perspective, as an apple seed. For this second member, the apple represents the entire celestial world. And just as the elemental body draws its forces and vital fluids from the earth and from what belongs to it, so the second human being draws his forces from what lives in the stars, from the laws of the stars. Just as blood, muscles, bones, and digestive juices come together, and the digestive juices are exchanged and transformed, and just as these depend on the earthly realm, so too are his instincts and drives, his desires and passions—indeed, his ideas, pleasure, and suffering— all that which Paracelsus summarizes under the two fundamental forces of the human soul’s nature—sympathy and antipathy—an expression of the entire stellar world, just as the apple seed is an expression of the entire apple. That is why he calls the second body the astral body or the body belonging to the stellar world.
[ 15 ] Das, was draußen als Gravitation, als Schwer-, als Anziehungskraft und Repulsionskraft wirkt, das ist im Menschen, wie in einem Extrakt im Menschen vorhanden als Lust und Unlust, als Sympathie und Antipathie, so daß nichts, was im Menschen ist an Instinkten und Leidenschaften anders begriffen werden kann als durch das, was Paracelsus die astrologische Astronomie nennt. Das ist eine Wissenschaft, von der die heutige Zeit wenig weiß. Die Astronomie ist andere Bahnen gegangen. Paracelsus will als Arzt nichts wissen davon. Er will wissen, wie die astralischen Kräfte im Weltenraum mit dem Astralleibe des Menschen zusammenhängen. Er verhält sich zu einem Astronomen wie ein Priester zu einem Requiempfaff sich verhält. Ein Requiempfaff ist ein solcher, der die Messe abliest und sich dafür bezahlen läßt, während ein richtiger Priester einer ist, der in den Geist eindringt. Paracelsus gebraucht da deutliche Ausdrücke, was andere oft Grobheit nennen. Nun haben wir den zweiten Teil der menschlichen Weisheit begriffen.
[ 15 ] What acts externally as gravity, as the force of gravity, as the force of attraction and repulsion, is present within the human being—as if in an extract—as desire and aversion, as sympathy and antipathy, so that nothing within the human being in terms of instincts and passions can be understood other than through what Paracelsus calls “astrological astronomy.” This is a science of which the present age knows little. Astronomy has taken a different course. As a physician, Paracelsus wants nothing to do with it. He wants to know how the astral forces in outer space are connected to the human astral body. He relates to an astronomer much as a priest relates to a requiem priest. A requiem priest is one who recites the Mass and gets paid for it, whereas a true priest is one who penetrates the spirit. Paracelsus uses clear language here, which others often call crudeness. Now we have grasped the second part of human wisdom.
[ 16 ] Der dritte Teil ist das, was er Geist nennt. Dieser Geist wiederum verhält sich wie der Kern des Apfels zu dem noch viel gewaltigeren, größeren Apfel, zu der ganzen geistigen Welt, wie der Gottesfunke im Menschen zu der ganzen Summe göttlicher Kräfte in der Welt. So unterscheidet Paracelsus dreierlei in der Welt: das Göttlich-Geistige, das Gestirnhafte und das Elementarisch-Irdische. Im Menschen ist von den drei Dingen ein Extrakt: von dem Geistig-Göttlichen der menschliche Geist, von dem Gestirnhaften der astralische Leib, von dem Elementarisch-Irdischen der physische Leib. Und ebenso wie man das Materielle, die Pflanzen und Tiere und so weiter studieren muß, wenn man den Leib des Menschen verstehen will, so muß der Arzt studieren und verstehen, was in der Sternenwelt vorgeht, wenn er den Menschen verstehen will. Und da Paracelsus sich sagt, eine Krankheit versteht man nur, wenn man auf deren Ursprung zurückgeht, so sucht er den Grund der Erkrankung in den Trieben und Leidenschaften. Er sieht die Krankheit als eine Folge des seelischen Irrtums an und ganz zuletzt, also im höchsten Sinn, führt er sie auf moralische Eigenschaften zurück, wenn er auch diese Eigenschaften nicht auf die Gestirne zurückführt, denn das weiß er wohl, daß so schnell die Wirkung nicht einzutreten braucht.
[ 16 ] The third part is what he calls the Spirit. This Spirit, in turn, relates to the much more powerful, larger apple—the entire spiritual world—just as the spark of God in human beings relates to the totality of divine powers in the world. Thus, Paracelsus distinguishes three aspects of the world: the divine-spiritual, the celestial, and the elemental-earthly. In human beings, there is an extract of these three things: from the divine-spiritual, the human spirit; from the celestial, the astral body; and from the elemental-earthly, the physical body. And just as one must study the material world—plants, animals, and so on—if one wishes to understand the human body, so too must the physician study and understand what takes place in the celestial world if he wishes to understand human beings. And since Paracelsus maintains that a disease can only be understood by tracing it back to its origin, he seeks the cause of illness in the drives and passions. He regards illness as a consequence of mental error and, ultimately—that is, in the highest sense—he attributes it to moral qualities, even though he does not trace these qualities back to the stars, for he is well aware that the effect need not occur so quickly.
[ 17 ] Er sieht überall in dem Physischen einen Ausdruck des Geistigen. So sagt er, derjenige, der den Grund einer Krankheit erforschen will, der muß den ganzen Grund der Sympathien und Antipathien der Seele studieren, und diesen kann er nur studieren, wenn er die Gestirne des Menschen studiert. So stellen Sie sich vor, wie er an einen kranken Menschen herantritt. Mit intuitivem Blick schweift diese Seele von dem äußerlich erkrankten Gliede ab zu dem, was innerlich in der Seele des Menschen lebt. Und von da geht er zu den astralischen Einflüssen der Gestirne und zu den elementarischen Einflüssen der Erde. Das hat er in jedem einzelnen Falle vor sich. Das ist eine richtige geistige Medizin. Wie er sich das vorstellt, und wie er das mit seinem eigenen Bilde klarzumachen versucht, das drückt er in schöner Weise aus in diesem Enträtseltsein der ganzen Welt: Das ist ein Großes, das ihr bedenken sollt. Nichts ist im Himmel und auf der Erde, das nicht auch im Menschen ist, und Gott, der im Himmel und auf der Erde ist, der ist auch im Menschen. — Ich habe oft einen andern schönen Spruch angeführt, worin er im Vergleich das gibt, was er hier hat sagen wollen. Er sagt: Sehet hinaus in die Natur. Was ist da? Er sieht ein Mineral, ein Tier, eine Pflanze, das sieht er an wie einzelne Buchstaben und der Mensch ist das Wort, das aus diesen einzelnen Buchstaben zusammengesetzt ist. Will man dann den Menschen lesen, so muß man sich die einzelnen Buchstaben im großen Buche der Natur zusammensuchen. — Das ist nicht ein Zusammenklauben, sondern ein Zusammenschauen bei Paracelsus. Das ist das, was es ihm immer möglich macht, die ganze Welt gegenwärtig zu haben im einzelnen besonderen Fall, den er als Arzt zu behandeln hat. Was hinter alledem wirkt, das ist die genialisch-moralische Kraft, aus der das alles bei ihm entspringt. Es ist zuletzt etwas wie moralische Entrüstung, die sich in ihm auflehnt gegen die damals hergebrachte Art, zu kurieren und für alle möglichen Dinge Mixturen zu finden. Er sagt: Ich bin nicht da, um die Apotheker zu bereichern, ich bin da, um die Menschen zu heilen.
[ 17 ] He sees an expression of the spiritual in everything physical. Thus, he says, anyone who wishes to investigate the cause of an illness must study the entire basis of the soul’s sympathies and antipathies, and he can only study this by studying the celestial bodies of the human being. So imagine how he approaches a sick person. With an intuitive gaze, this soul wanders from the outwardly diseased limb to what lives inwardly in the person’s soul. And from there, he turns to the astral influences of the celestial bodies and to the elemental influences of the Earth. This is what he does in every single case. That is true spiritual medicine. How he conceives of this, and how he tries to make it clear through his own imagery, he expresses beautifully in this unraveling of the entire world: This is a great truth that you should ponder. Nothing is in heaven or on earth that is not also within the human being, and God, who is in heaven and on earth, is also within the human being. — I have often cited another beautiful saying in which he uses a comparison to convey what he intended to say here. He says: Look out into nature. What is there? He sees a mineral, an animal, a plant; he regards them as individual letters, and man is the word composed of these individual letters. If one then wishes to “read” a person, one must gather the individual letters from the great book of nature. — For Paracelsus, this is not a matter of piecing things together haphazardly, but of synthesizing them through observation. This is what always enables him to have the entire world present in the specific individual case he must treat as a physician. What drives all of this is the genius-like moral force from which everything in him springs. Ultimately, it is something like moral indignation that rebels within him against the traditional methods of the time—curing patients and concocting mixtures for all manner of ailments. He says: “I am not here to enrich the pharmacists; I am here to heal people.”
[ 18 ] Man muß nun, um die Schriften des Paracelsus auch nur einigermaßen lesen zu können, sich klar sein darüber, daß damals von ihm Wortbezeichnungen noch ganz anders gebraucht worden sind, als das später der Fall war. Wenn man heute bei Paracelsus liest von Salz, Quecksilber und Schwefel, dann hat man so ohne weiteres keine richtige Vorstellung, man denkt an das, was heute der Mensch so bezeichnet. Und dann kommt einem alles, was man bei Paracelsus liest, als unvollkommen und kindlich vor. Wer heute die Wissenschaft kennt, der hat ein gewisses Recht, Paracelsus als kindlich zu betrachten, aber man muß da auch etwas tiefer eindringen. Ich will eine Vorstellung geben, wie man dazu kommen kann, zu verstehen, was er meint, wenn er die Ausdrücke gebraucht: Salz, Merkur und Sulfur.
[ 18 ] In order to be able to read Paracelsus’s writings even to some extent, one must realize that at that time he used terms in a manner quite different from how they were used later. When one reads about salt, mercury, and sulfur in Paracelsus today, one does not immediately have a clear idea of what he means; one thinks of what people generally refer to by those terms today. And then everything one reads in Paracelsus seems incomplete and childish. Anyone familiar with modern science has a certain right to regard Paracelsus as childish, but one must also delve a little deeper. I want to give an idea of how one can come to understand what he means when he uses the terms: salt, mercury, and sulfur.
[ 19 ] Paracelsus blickt weit zurück in das Werden der Erde, in das Werden der Wesen, die um ihn herum leben, und des Menschen selbst. Wenn er so zurückblickt, so stellt sich ihm eine Zeit vor Augen, in der die Menschen noch ganz andere Formen des Daseins hatten als jetzt. Niemand war sich so klar über das, was geworden ist, als Paracelsus. Die Erde war vor Millionen von Jahren ganz anders. Wir haben schon oft von der Umbildung der Erde gesprochen. Er blickte zurück auf eine Menschengestalt, die noch ganz und gar tierisch war, wo die Hände noch Fortbewegungsorgane waren, wo der Mensch noch in Luft und Wasser lebte. Die Erde, die Umgebung, war noch eine ganz andere. Selbst die heutige Physik blickt zurück auf ein Zeitalter, in dem das, was heute in fester Form da ist, noch in einem flüssigen Zustande war. Paracelsus, der vom Geistigen ausging, sah natürlich im Zusammenhang einer solchen Erde, die noch ganz anders sich ausnahm als heute, einen geistigen Menschen. Auf einer Erde, die so viel wärmer war als heute, konnte der heutige Mensch nicht leben.
[ 19 ] Paracelsus looks far back into the evolution of the Earth, into the evolution of the beings living around him, and of humankind itself. When he looks back in this way, a time comes to mind in which human beings had forms of existence quite different from those of today. No one was as clear-sighted as Paracelsus about what has come to be. Millions of years ago, the Earth was entirely different. We have often spoken of the Earth’s transformation. He looked back upon a human form that was still entirely animal-like, where the hands were still organs of locomotion, where human beings still lived in air and water. The Earth, the environment, was still quite different. Even modern physics looks back to an age when what now exists in solid form was still in a liquid state. Paracelsus, who proceeded from the spiritual, naturally saw a spiritual human being in the context of such an Earth, which still looked very different from today. On an Earth that was so much warmer than today, modern humans could not have lived.
[ 20 ] Damals lebten die Menschen auch unter andern Bedingungen, damals flossen die Metalle noch, sie konnten kaum als Dampf in der Luft enthalten sein. Damals konnten auch die Lebewesen nicht in einer festen Form sein; sie haben sich aber fortentwickelt. Genauso wie heute der elementarische Mensch in Zusammenhang steht mit der physischen Welt wie der Apfelkern mit dem Apfel, so stand auch der vorzeitliche Mensch mit der vorzeitlich gearteten Erde in einem andern Zusammenhang und in einem andern Zusammenhang mit der ganzen umliegenden astralischen Welt, so daß dasjenige, was heute den Menschen bildet, also der physische Mensch, seine Seele als astralischer Leib und sein Geist als göttlicher Mensch, erst geworden ist. Das war früher in einer ganz andern Weise da. Der Mensch stand der Gottheit noch viel näher. Der astralische Mensch ist herausgeboren aus der astralischen Welt, und der physische Mensch ist herausgeboren aus der ganzen physischen Welt.
[ 20 ] Back then, people lived under different conditions; at that time, metals were still in a liquid state and could hardly exist as vapor in the air. Back then, living beings could not exist in a solid form either; but they continued to evolve. Just as today the elemental human is connected to the physical world in the same way that an apple seed is connected to an apple, so, too, did prehistoric man stand in a different relationship to the Earth as it was in prehistoric times and in a different relationship to the entire surrounding astral world, so that what constitutes human beings today—that is, the physical human being, his soul as the astral body, and his spirit as the divine human being—has only recently come into being. It existed in a completely different way in the past. Human beings were still much closer to the Divine. The astral human being was born out of the astral world, and the physical human being was born out of the entire physical world.
[ 21 ] Paracelsus hat in einem viel größeren und edleren Sinne von dem Herausgeborensein des physischen Menschen aus der physischen Umgebung gesprochen als die heutige Abstammungslehre. Paracelsus sah durchaus das ein, und er betont es auch immer wieder, aber für ihn ist der Mensch ein Zusammenfluß von alledem, was draußen in der Natur lebt. Der Mensch hat Leidenschaften, er hat sie in sich, nur in gemilderter Form, wie sie zum Beispiel auch der Löwe hat, und wie sie in der Umwelt vorhanden sind. Wenn der Mensch im Sinne des Paracelsus auf den Löwen sieht, so sieht er dieselbe Kraft, die heute als seine Leidenschaft in ihm wohnt, herausgeboren aus der ganzen astralen Welt. In dem Löwen ist sie einseitig, beim Menschen ist sie gemischt mit andern Kräften. So ist die ganze Tierwelt für Paracelsus die wie ein Fächer auseinandergelegte Menschheit. Er sieht alles, was in den Formen der Tiere verteilt ist, in sich selbst, unsichtbar in seinem inneren Menschen. So ist es in gewisser Beziehung auch, wenn der Mensch auf die Erde hinsieht. Auch die Metalle, die heute physisch geworden sind, sind herausgeboren aus derselben Wesenheit, aus welcher der physische Mensch herausgeboren ist. Bitte, verstehen Sie mich jetzt richtig, denn es liegt der heutigen Vorstellungsweise fern. Paracelsus sieht weit zurück bis dahin, wo der physische Menschenleib erst das Herz gebaut hat. Es gibt ja niedere Tiere, die kein Herz haben, die die Form noch bewahrt haben, welche der Mensch damals hatte. Das war für Paracelsus dieselbe Zeit, aus der sich aus einer viel allgemeineren Essenz der Erde auch das Gold herausgebildet hat, so daß zwischen der Entstehung des Goldes und dem Herzen im Menschen ein Zusammenhang besteht. Ebenso sieht er intuitiv einen Zusammenhang zwischen einer Abnormität, wie die Cholera es ist, und dem Arsen. Er sagt sich, die Möglichkeit, daß die Cholera entstehen konnte, hängt davon ab, daß das Arsen herausgebildet ist aus der äußeren Welt. So sieht er jedes einzelne Organ als zur menschlichen Einheit gehörig an und es ist so, daß es zu ihm gehört wie irgendein Tier, eine Pflanze oder irgendein Stoff in der äußeren Welt.
[ 21 ] Paracelsus spoke of the physical human being’s emergence from the physical environment in a much broader and nobler sense than today’s theory of descent. Paracelsus certainly recognized this, and he emphasizes it time and again, but for him, the human being is a convergence of everything that lives out there in nature. Human beings have passions; they possess them within themselves, albeit in a tempered form—just as, for example, the lion possesses them, and just as they exist in the natural world. When a human being, in the spirit of Paracelsus, looks at the lion, they see the same force that dwells within them today as their passion, born of the entire astral world. In the lion, this force is one-sided; in human beings, it is mixed with other forces. Thus, for Paracelsus, the entire animal world is humanity spread out like a fan. He sees everything that is distributed among the forms of animals within himself, invisibly in his inner being. In a certain sense, the same is true when a human being looks down upon the Earth. Even the metals, which have now become physical, are born from the same essence from which the physical human being is born. Please understand me correctly here, for this is far removed from today’s way of thinking. Paracelsus looks far back to the time when the physical human body first formed the heart. There are, after all, lower animals that have no heart, which have retained the form that human beings had at that time. For Paracelsus, this was the same period during which gold, too, emerged from a much more general essence of the earth, so that there is a connection between the formation of gold and the heart in human beings. Likewise, he intuitively sees a connection between an abnormality—such as cholera—and arsenic. He tells himself that the possibility of cholera arising depends on arsenic having been formed from the external world. Thus, he regards every single organ as belonging to the human unity, and it is true that it belongs to him just as any animal, plant, or substance in the external world does.
[ 22 ] Noch einen Ausspruch möchte ich vorlesen, welcher Ihnen zeigen wird, wie er in ganz bestimmter Weise sich ausspricht. Das ist ein Ausspruch, der herausgeholt ist aus einer Anzahl von Aussprüchen des Paracelsus, die man aber vertausendfachen könnte. Für ihn steht in ganz bestimmter Weise der einzelne Mensch, in bezug auf seine einzelnen Organe und der Erkennung von deren Krankheiten, in einer bestimmten Beziehung zur physischen Welt und zur astralischen Welt. Die ist in bestimmtester Weise differenziert. Heute bewundert man die allgemeinen Redensarten von dem, was Pantheismus, von dem, was Naturanschauung ist, aber das ist purster Dilettantismus, wenn man nicht weiß, daß sich der große Paracelsus nicht begnügen läßt von einem All-Leben, das sich auslebt im einzelnen Menschen. Paracelsus spricht von einem Konkreten: «Daraus entspringt, daß ihr nicht sollen sagen, das ist Cholera, das ist Melancholia, sondern das ist Arsenicus, das ist Aluminosum; also auch der ist Saturni, der ist Martis, nicht der ist melancholiae, der ist cholerae. Dan ein Teil ist des Himels, ein Teil ist der Erden und in einander vermischt wie Feuer und Holz, da jedweders seinen Namen verlieren mag; dan es sind zwei Ding in einm.»
[ 22 ] I would like to read one more quote that will show you how he expresses himself in a very specific way. This is a statement taken from a number of sayings by Paracelsus, of which there are countless others. For him, the individual human being—in terms of his or her individual organs and the diagnosis of their diseases—stands in a very specific relationship to the physical world and the astral world. This relationship is differentiated in the most precise way. Today people admire the general platitudes about pantheism and the “view of nature,” but this is pure dilettantism if one does not realize that the great Paracelsus would not be satisfied with a “universal life” that simply plays itself out in the individual human being. Paracelsus speaks of something concrete: “From this it follows that you should not say, ‘This is cholera,’ ‘This is melancholia,’ but rather, ‘This is Arsenicus,’ ‘This is Aluminosum’; thus, too, ‘This is of Saturn,’ ‘This is of Mars,’ not ‘This is of melancholia,’ ‘This is of cholera.’ For one part belongs to the heavens, one part to the earth, and they are mixed together like fire and wood, so that each may lose its name; for there are two things in one.”
[ 23 ] Wie er den Zusammenhang des Herzens mit dem Golde erklärt, so erklärt er auch den Zusammenhang gewisser Erscheinungen mit dem Saturn und anderer wieder mit dem Mars und dem, der mit dem Mars verwandt ist. So stellt sich für den eigenartig aufgebauten Geist des Paracelsus der Mensch in die Natur, in die Welt hinein. Und wenn es auch bei Paracelsus etwas zu korrigieren gibt: auf das Große, Umfassende kommt es an, das in dieser Seele lebt.
[ 23 ] Just as he explains the connection between the heart and gold, so too does he explain the connection between certain phenomena and Saturn, and between others and Mars and that which is related to Mars. Thus, for Paracelsus’s uniquely structured mind, human beings are situated within nature, within the world. And even if there is something to correct in Paracelsus’s work, what matters is the great, all-encompassing essence that lives within this soul.
[ 24 ] Das bringt er auf einzelne bestimmte Typen zurück, So ist ihm alles, was ihm als Niederschlag entsteht im Mineralischen, elementarisch. Zugleich entstand es in der Zeit der Entwickelung, als sich das Menschlich-Leibliche bildete und die Gestalt annahm auf der Erde, die es heute hat. Daher hängt bei ihm dasjenige, was sich im Mineralischen absetzt, alles Salzige, zusammen mit dem Menschlich-Leiblichen, mit dem Tierisch-Leiblichen. Und alles, was flüssig bleibt, nachdem sich gewisse Niederschläge gebildet haben, das nennt er ein Merkurialisches, ein Wechselbares. Das Quecksilber ist ihm ein typisches Beispiel dafür. So haben wir eine Tendenz zum Festwerden für das flüssige Metall. Für ihn ist auch die Seele herausgeboren aus denselben Kräften der Welt, aus denen das Merkurialische, das Quecksilber, geboren ist. Der tiefere Zusammenhang ist so, daß man ihn öffentlich gar nicht besprechen kann.
[ 24 ] He attributes this to specific individual types. Thus, for him, everything that emerges as a precipitate in the mineral realm is elemental. At the same time, it arose during the period of evolution when the human-physical body was formed and took on the form it has today on Earth. Therefore, for him, whatever precipitates in the mineral realm—all that which is salty—is connected to the human-physical and the animal-physical. And everything that remains liquid after certain precipitates have formed, he calls mercurial, or changeable. Mercury is, for him, a typical example of this. Thus, we have a tendency toward solidification in the case of this liquid metal. For him, the soul, too, is born out of the same forces of the world from which the mercurial—mercury—is born. The deeper connection is such that it cannot be discussed in public at all.
[ 25 ] Der Schwefel hat in der Welt eine parallele Ursache mit der Entstehung und der heutigen Form des Geistes. Das hängt aber nicht so zusammen, daß es als Gleichnis gebraucht werden kann. Nein — diese drei Dinge draußen in der Welt entsprechen ganz genau dem Leib, der Seele und dem Geist im Menschen.
[ 25 ] Sulfur in the world has a parallel origin with the emergence and present form of the spirit. However, this connection is not such that it can be used as a parable. No—these three things out in the world correspond exactly to the body, the soul, and the spirit in human beings.
[ 26 ] Schwefel hängt seiner Natur nach mit dem Geiste, Quecksilber mit der Seele und Salz mit dem Leibe des Menschen zusammen. Was außerdem der Mensch zu sich nimmt, steht in einer gewissen Beziehung zu diesen, weil sie aus ihnen herausgeboren sind. Deshalb zeigt uns ein solches Beispiel, daß wir es nötig haben, tiefer hineinzugehen. Es genügt nicht, wenn wir nur die Ausdrücke des Paracelsus verstehen; wir müssen mit einer vertieften Vorbereitung an die Bücher des Paracelsus herangehen, dann verstehen wir ihn. Wir müssen uns klar sein darüber, daß er immer das Ganze im Auge hat, so daß er sich sagt: Hat der Mensch eine Krankheit, so ist das eine Unterbrechung, eine Störung eines gewissen Gleichgewichtes, das er magnetisches Gleichgewicht nennt und — wie niemals nur ein Pol an der Magnetnadel entsteht, sondern immer Nord- und Südmagnetismus zusammengehört —, so gehört auch zu jeder Verdauung im Menschenleib eine Verdauung draußen in der Welt, die er dann aufsucht. Und im ätherischen Menschen sucht er die Ursache für das einzelne, im Stofflichen sucht er den Ausdruck des Geistes. Insofern nennt er das Stoffliche die Mumie. Das ist ein bedeutsamer Ausdruck, den man erst verstehen muß. Es ist eine gewisse Essenz, die dem Leiblichen zugrunde liegt; die Mumie ist anders beim Gesunden und anders beim Kranken, weil das Ganze und das Vereinzelte verändert wird. Deshalb braucht man nur die Mumie zu erkennen, die Veränderungen im Ätherleibe, um zu erkennen, was einem Menschen fehlt.
[ 26 ] By its very nature, sulfur is connected to the spirit, mercury to the soul, and salt to the body of man. Furthermore, whatever else a person consumes is related in some way to these, because it is derived from them. Therefore, such an example shows us that we need to delve deeper into the matter. It is not enough simply to understand Paracelsus’s expressions; we must approach Paracelsus’s books with thorough preparation, and then we will understand him. We must be clear that he always has the whole picture in mind, so that he says to himself: If a person has an illness, it is an interruption, a disturbance of a certain balance, which he calls magnetic balance; and—just as a magnetic needle never points to a single pole but always combines north and south magnetism—so, too, every process of digestion within the human body corresponds to a process of digestion outside in the world, which he then seeks out. And in the etheric human being he seeks the cause of the individual; in the physical, he seeks the expression of the spirit. In this respect, he calls the physical body the “mummy.” This is a significant term that one must first understand. It is a certain essence that underlies the physical body; the mummy is different in a healthy person than in a sick one, because the whole and the individual parts are altered. Therefore, one need only recognize the mummy—the changes in the etheric body—to discern what a person is lacking.
[ 27 ] Kurz, wir sehen da hinein in das Tiefe eines Geisteslebens, von dem man ganz besonders viel lernen kann. Wir müssen uns klar sein, daß erst wieder eine vertiefte Geistesforschung verstehen kann, was in Paracelsus liegt, und daß dann Paracelsus, wenn er so vertieft verstanden wird, nicht mehr erscheinen wird als ein Geist, den man nur als ein interessantes geschichtliches Objekt betrachtet, sondern als einen Geist, den man zu betrachten hat von einem höheren Standpunkte aus, und von dem man auch in der heutigen Zeit — wenigstens in der Methode — noch viel, viel lernen kann. Das ist die Art, wie man sich zu Paracelsus stellen sollte. Wer das tut, der wird in Paracelsus’ holdselig-grober Weise einen Unterschied finden zwischen der heutigen Art der Forschung und seiner Art, einen Unterschied, den er schon gemacht hat für seine Zeitgenossen. Er unterscheidet nämlich zwischen zwei Vernunften, zwischen der Vernunft, die in das ganze Gebiet des Geisteslebens hineinsieht und derjenigen, die nur auf das einzelne geht. Er nennt das eine die erste Vernunft. Die nennt er so, weil sie zu dem verborgenen Geist der Dinge führt, und die andere Vernunft nennt er: eine öffentliche Torheit gegenüber der verborgenen Weisheit. Er drückt sich einmal noch holdseliger oder gröber aus, indem er sagt: Man hat zu unterscheiden eine menschlich-göttliche Vernunft und eine viehische Vernunft. — Er drückt sich nicht so aus, daß er von der tierischen und geistigen Natur des Menschen spricht, sondern von der viehischen. Er sieht die Verwandtschaft ein so, daß der Mensch als der Sohn der tierischen Gattung zu betrachten ist. Auseinandergebreitet in einzelne Facetten ist das Tierische; zusammengefaßt ist das Tierische im Menschen. Er sagt einmal: Der Mensch ist also der Sohn der ganzen übrigen Tierwelt. Daß er aber so sein will wie die andern viehischen Wesen, das würden sie nicht begreifen, dann würden die viehischen Wesen wie auf einen mißratenen Sohn hinblicken und erstaunt sein über das, was er geworden ist.
[ 27 ] In short, we are gaining insight into the depths of a spiritual life from which there is so much to learn. We must realize that only in-depth spiritual research can once again understand what lies within Paracelsus, and that once Paracelsus is understood in this profound way, he will no longer appear as a figure to be regarded merely as an interesting historical subject, but as a figure who must be viewed from a higher vantage point—and from whom we can still learn much, much more even today, at least in terms of method. This is the way we should approach Paracelsus. Anyone who does so will find, in Paracelsus’s charming yet blunt manner, a distinction between today’s approach to research and his own—a distinction he had already drawn for his contemporaries. For he distinguishes between two kinds of reason: the reason that looks into the entire realm of spiritual life, and the one that focuses only on the individual. He calls the former “the first reason.” He calls it that because it leads to the hidden spirit of things, and he calls the other kind of reason “public folly in the face of hidden wisdom.” He expresses himself even more charmingly—or crudely—at one point by saying: One must distinguish between a human-divine reason and a bestial reason. — He does not speak in terms of the animal and spiritual nature of man, but rather of the bestial nature. He understands this kinship in such a way that man is to be regarded as the son of the animal species. The animal nature is spread out into individual facets; in human beings, the animal nature is synthesized. He once says: “Man is thus the son of the entire rest of the animal world.” But if he were to want to be like the other bestial beings, they would not understand this; then the bestial beings would look upon him as if he were a wayward son and be astonished at what he has become.
[ 28 ] Auch sonst finden Sie die Möglichkeit bei Paracelsus, elementarische Anleitung zu empfangen zu gewissen wirklich theosophischen Grundbegriffen. Was Paracelsus über den Traum und über den Schlaf vorbringt, ist im eminentesten Sinne dasjenige, was auch die Geisteswissenschaft darüber zu sagen hat, nur drückt er es in seiner grandiosen Sprache aus. Wenn der Mensch schläft, ist der elementarische Leib im Raum, und dasjenige ist tätig, was der astralische Mensch ist. Dann kann der astralische Mensch Zwiesprache halten mit den Sternen, so daß er sich nur zu erinnern braucht an die Zwiesprache mit den Sternen, um Hilfe zu bringen dem Kranken, ihn zu kurieren. Alles das weiß er zurückzuführen auf die Propheten. Mehr als alles Spätere sind sie ihm wert. Moses, Daniel, Enoch nennt er nicht Zauberer, sondern er sagt: Wenn man sie richtig versteht, sind sie die Vorläufer dieser großen astronomisch-astrologischen Medizin, die für die Menschheit gewirkt hat. Ein solcher Mann durfte in gewisser Weise ein Selbstbewußtsein haben, und die Kraft des Wirkens fließt aus diesem Selbstbewußtsein heraus. Er war sich aber auch klar darüber, daß das fortleben muß und bei denjenigen, die es erkennen können, fortleben wird, was er gestiftet hat. Trotz allem hat sich viel, sehr viel Klatsch und auch geschichtlicher Klatsch an ihn herangemacht. Man hat noch seinen Schädel untersucht, um ihn zu verleumden, weil dieser Schädel ein Loch gehabt hat und man auf solche äußeren Dinge viel geben muß, hat man es als bewahrheitet gefunden, daß er in der Trunkenheit einem Sturze zum Opfer gefallen ist und sich den Schädel eingeschlagen hat. So hat man sein ganzes Leben beurteilen wollen. Das Gleichnis des Christus Jesus mit dem toten Hunde kann man anführen, wo der Christus Jesus auf die schönen Zähne des Tieres wies. All das andere geht uns nichts an bei einer solchen Persönlichkeit, als dasjenige, was wir von ihm lernen können, dasjenige, wodurch er ein Wohltäter der Menschheit geworden ist, das Viele, das er überwunden hat und wodurch er unsterblich geworden ist.
[ 28 ] In other respects as well, you will find in Paracelsus the opportunity to receive elementary guidance on certain truly theosophical fundamental concepts. What Paracelsus says about dreams and sleep is, in the truest sense, exactly what spiritual science has to say on the subject; he simply expresses it in his magnificent language. When a person sleeps, the elemental body is present in space, and what is active is the astral self. Then the astral self can communicate with the stars, so that one need only recall this communication with the stars to bring help to the sick person and cure them. He traces all of this back to the prophets. To him, they are worth more than anything that came later. He does not call Moses, Daniel, or Enoch magicians; rather, he says: If one understands them correctly, they are the forerunners of this great astronomical-astrological medicine that has worked for humanity. A man like this was, in a certain sense, permitted to possess self-confidence, and the power of his work flows from this self-confidence. But he was also fully aware that what he had established must live on—and will live on—among those who are able to recognize it. Despite everything, a great deal—a very great deal—of gossip, including historical gossip, has been leveled at him. People even examined his skull in order to slander him; because this skull had a hole in it—and since people place great importance on such external details—they concluded that it was a fact that he had fallen while intoxicated and fractured his skull. This is how they sought to judge his entire life. One can cite the parable of Jesus Christ and the dead dog, in which Jesus Christ pointed out the animal’s beautiful teeth. With such a figure, nothing else concerns us except what we can learn from him—that which made him a benefactor of humanity, the many obstacles he overcame, and that through which he became immortal.
[ 29 ] Lassen Sie mich mit seinen eigenen Worten schließen, die er seinen Gegnern ins Gesicht schleudert, da, wo er seinen Gegnern sagt: «ich wil euchs dermassen erleutern und fürhalten, das bis in den lezten tag der welt meine gschriften müssen bleiben und wahrhaftig, und die euer werden voller gallen, gift und schlangen gezücht erkennet werden und von den leuten gehasset wie die kröten. Es ist nit mein wil, das ir auf ein jar sollet umbfallen oder umbgestossen werden, sondern ir müsset nach langer zeit euer schand selbs eröfnen und wol durch die reutern fallen. mer will ich richten nach meinem tot wider euch dan darvor. und ob ir schon mein leib fressent, so habt ir nur drek gefressen: der Theophrastus wird mit euch kriegen on den leib.»
[ 29 ] Let me conclude with his own words, which he hurls in the faces of his opponents, where he tells them: “I will explain and demonstrate to you in such a way that my writings must remain true until the very last day of the world, and yours will be recognized as full of gall, poison, and a brood of snakes, and will be hated by people like toads. It is not my will that you should fall or be overthrown in a single year, but rather that after a long time you yourselves must reveal your shame and fall through your own remorse. I will judge you after my death more than before it. And even if you devour my body, you have eaten only dung: Theophrastus will wage war against you through my body.”
