Recognizing the Supernatural in our Time
and its Significance for Modern Life
GA 55
25 October 1906, Berlin
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Supersensible Knowledge, tr. Stebbing
2. Blut ist ein ganz besonderer Saft
2. Blood is a Very Special Fluid
[ 1 ] Ein jeder von Ihnen hat zweifellos im Gedächtnis, daß der heutige Vortrag, seinem Titel nach, an ein Wort des Goetheschen Faust anknüpft. Sie wissen alle, daß in diesem Gedichte dargestellt wird, wie Faust, der Repräsentant des höchsten menschlichen Strebens, einen Bund eingeht mit den bösen Mächten, die ihrerseits wieder in dem Gedichte durch Mephistopheles, den Sendling der Hölle, repräsentiert werden. Sie wissen alle, daß Faust einen Vertrag schließen soll mit Mephistopheles, und daß das Schriftstück dann von Faust mit Blut unterschrieben werden soll. Faust hält das zunächst für eine Posse; Mephistopheles aber spricht den an dieser Stelle von Goethe zweifellos ernst gemeinten Satz: «Blut ist ein ganz besonderer Saft».
[ 1 ] The title of today's lecture no doubt reminds you of a passage in Goethe's Faust, when Faust, representing striving man, enters into a pact with evil powers, represented by the emissary from hell, Mephistopheles. Faust is to sign the pact in blood. At first he regards this as a joke, but Goethe undoubtedly meant the words spoken by Mephistopheles at this point to be taken seriously: “Blood is a very special fluid.”
[ 2 ] Etwas Merkwürdiges ist bei dieser Stelle des Goetheschen Faust den sogenannten Goethe-Kommentatoren passiert. Sie wissen ja, daß über Goethes Faust eine so umfangreiche Literatur existiert, daß man ganze Bibliotheken damit fülJlen könnte. Natürlich kann es nicht meine Aufgabe sein, mich weiter auszulassen über dasjenige, was diese verschiedenen Goethe-Erklärer gerade über diese Fauststelle sagen; aber sie bringen nicht viel anderes zutage als das, wovon der Faustkommentar, der einer der letzten ist, von dem Universitätsprofessor Minor, ein Beispiel gibt. Er sowie andere Kommentatoren behandeln diesen Satz als etwas, das von Mephistopheles wie eine Art ironischer Bemerkung hingesprochen sein soll, und Minor macht die merkwürdige, in der Tat höchst merkwürdige Bemerkung — hören Sie genau, was er sagt, um vielleicht auch staunen zu können, auf was alles ein Goethe-Erklärer kommen kann —, die Bemerkung: «Der Teufel ist der Feind des Blutes», und er verweist dabei darauf, daß das Blut dasjenige sei, was dem Menschen eigentlich das Leben erhöht und erhält, und daß daher der Teufel, der Feind des menschlichen Geschlechtes, auch nur der Feind des Blutes sein könne. Er macht nun mit Recht darauf aufmerksam, daß schon in der ältesten Bearbeitung der Faustsage, wie auch in der Sage überhaupt, dieses Blut dieselbe Rolle spielt.
[ 2 ] Goethe commentators usually provide curious interpretations of this passage. You will be aware that so much has been written about Goethe's Faust that it can fill libraries. I naturally cannot go into what every commentator has said about this particular passage, but it all amounts more or less to what is said by a recent commentator, Professor Jacob Minor.1Jacob Minor (1855–1912) was professor of philology. Like others, he regards Mephistopheles' remark to be ironic, but Minor adds a curious sentence. I quote it in order to illustrate the amazing things said about Goethe's Faust. Minor states: “The devil is an enemy of blood.” He goes on to point out that as blood invigorates and sustains human life, the devil, being an enemy of the human race, must of necessity be also an enemy of blood. Minor is quite right when he further demonstrates that in sagas and legends blood always plays the kind of role it plays in Goethe's Faust. The oldest version of the Faust legend clearly describes how Faust makes a slight cut in his left hand with a penknife, dips a quill in the blood in order to sign the agreement, and as he does so, the blood, flowing from the wound, forms the words: “Oh man, escape!”
[ 3 ] In einem alten Faustbuche wird uns klar beschrieben, wie Faust sich mit einem kleinen Federmesser die linke Hand etwas aufzuritzen hat, wie er dann das herausfließende Blut in die Feder nimmt und seinen Namen unter den Pakt schreibt, wie dann auf der linken Hand das Blut gerinnt und die Worte bildet: «O Mensch entfliehe.» Dies alles ist richtig. Aber nun die Bemerkung, daß der Teufel ein Feind des Blutes sei und die Unterschrift deshalb mit Blut fordere, eben weil er ein Feind des Blutes sei. Ich möchte Sie fragen, ob jemand sich vorstellen kann, daß er just dasjenige begehre, was ihm unsympathisch: ist. Vernünftigerweise kann man nur voraussetzen, daß an dieser Stelle Goethe gemeint hat — daß nicht nur Goethe, sondern auch die Hauptsage und die ältere Faustdichtung einzig und allein das gemeint haben können —, daß dem Teufel an dem Blute etwas Besonderes liegt und daß es ihm nicht einerlei ist, ob er mit gewöhnlicher, neutraler Tinte den Pakt unterschrieben erhält oder mit Blut. Man kann hier nichts anderes voraussetzen, als daß der Repräsentant der bösen Mächte glaubt, ja überzeugt ist, daß er den Faust ganz besonders dadurch in der Hand haben werde, daß er sich wenigstens eines Tropfens seines Blutes bemächtigt haben wird. Das ist ganz selbstverständlich und niemand kann diese Stelle anders verstehen, als daß Faust nicht deshalb mit Blut unterschreiben soll, weil der Teufel ein Feind des Blutes ist, sondern weil er sich des Blutes bemächtigen möchte.
[ 3 ] This is all quite correct, but what about the remark that the devil is an enemy of blood and for that reason demands the signature written in blood? Can you imagine anyone wishing to possess the very thing he abhors? The only reasonable interpretation of the passage is that Goethe, as well as earlier writers of Faust legends, wishes to show that the devil regards blood as especially valuable, and that to him it is important that the deed is signed in blood rather than in neutral ink. The supposition must be that the representative of the powers of evil believes, or rather is convinced, that he will gain a special power over Faust by possessing at least a drop of his blood. It is quite obvious that Faust must sign in blood, not because the devil is his enemy, but because he wants to have power over him.
[ 4 ] Dem liegt eine merkwürdige Empfindung zugrunde, die Empfindung, daß derjenige, der sich des Menschen Blutes bemächtigt, die Herrschaft über den Menschen habe, und daß das Blut deshalb ein ganz besonderer Saft ist, weil es sozusagen dasjenige ist, um das eigentlich gekämpft werden muß, wenn um den Menschen in bezug auf das Gute und auf das Böse gekämpft wird.
[ 4 ] The reason behind this passage is a strange premonition that if someone gains power over an individual's blood, one gains power over the person. In short, the feeling is that blood is a very special fluid and it is the real issue in the fight for an individual's soul between good and evil.
[ 5 ] Alle diejenigen Dinge, welche aus den Sagen und Mythen des Volkes uns überkommen sind und sich auf das Menschenleben beziehen, werden in unserer Zeit in bezug auf die ganze Anschauung und Auffassung des Menschen einer besonderen Umwandlung unterliegen. Dasjenige Zeitalter liegt hinter uns, in dem man auf Sagen, Märchen und Mythen so geblickt hat, als ob in ihnen nur kindliche Volksphantasie sich ausspräche. Ja, selbst die Zeit liegt hinter uns, in der man in einer kindlich gelehrtenhaften Weise davon gesprochen hat, daß in der Sage die dichtende Volksseele zum Ausdruck komme. Die dichtende Volksseele ist nichts anderes als ein Erzeugnis des grünen Gelehrtentisches, denn es gibt ebenso einen grünen Gelehrtentisch, wie es einen grünen Bürokratentisch gibt. Wer einen Blick hineingetan hat in die Volksseele, der weiß sehr gut, daß es sich im Volke nicht um Erdichtungen und dergleichen Dinge handelt, sondern um etwas viel Tieferes, das in seinen Sagen und Märchen von wunderbaren Mächten und wunderbaren Ereignissen zum Ausdruck kommt.
[ 5 ] A radical change must come about in our modern understanding and evaluation of the sagas and myths handed down since ancient times. We cannot go on regarding legends, fables and myths as childlike folklore or pretentiously declare them to be poetical expressions of a nation's soul. The poetic soul of a nation is nothing but a fantasy product of donnish officialdom. Anyone with true insight into the soul of a people knows with certainty that the contents of fables and myths, depicting powerful beings and wonderful happenings, is something very much more profound than mere invention.
[ 6 ] Wenn wir uns von dem neuen Standpunkte der Geistesforschung aus wieder in die Sagen und Mythen vertiefen, wenn wir jene großartigen und gewaltigen Bilder, die uns aus der Urzeit überkommen sind, auf uns wirken lassen, nachdem wir mit geisteswissenschaftlichen Forschungsmethoden ausgerüstet sind, so erscheinen uns diese Mythen und Sagen so, daß sie uns zum Ausdruck einer tiefsinnigen Urweisheit werden.
[ 6 ] When with knowledge provided by spiritual research we delve into sagas and myths, allowing the mighty primordial pictures to act on us, we begin to recognize the profound ancient wisdom they reveal.
[ 7 ] Wahr ist es, daß der Mensch sich zunächst frägt, wie es komme, da wir es doch ursprünglich mit primitiven Volksstufen, primitiven Volksanschauungen zu tun haben, daß der naive Mensch sich die Welträtsel bildlich veranschaulichen konnte in diesen Sagen und Märchen und daß, wenn wir uns heute in diese Sagen und Märchen vertiefen, wir im Bilde dasjenige erblicken, was uns die Geistesforschung heute klar enthüllt. Zunächst muß das unsere Verwunderung erregen. Wer sich aber tiefer und tiefer einläßt in die Art und Weise, wie diese Märchen und Mythen zustande gekommen sind, dem schwindet jedes Erstaunen, jeder Zweifel und er wird nicht nur das, was man naive Anschauung nennt, in diesen Sagen und Märchen finden, sondern den weisheitsvollen Ausdruck einer uralten, wahren Weisheits-Anschauung der Welt erkennen. Mehr, viel mehr noch kann man lernen, wenn man die Grundlage dieser Mythen und Sagen positiv durchforscht, als wenn man die heutige verstandes- und erfahrungsmäßige Wissenschaft in sich aufnimmt. Freilich muß man mit den Erforschungsmethoden der Geisteswissenschaft ausgerüstet an diese Dinge herangehen. Alles, was man in den Sagen und alten Weltanschauungen über das Blut findet, pflegt von Bedeutung zu sein, weil man in diesen uralten Zeiten eine Weisheit hatte, die über das Blut, über jenen besonderen Saft, der das fließende MenschenJeben selbst ist, und über seine Bedeutung für die Welt Bescheid wußte.
[ 7 ] To begin with, one naturally wonders how it was possible for primitive man, with his unsophisticated views, to depict in the form of fables and myths, cosmic riddles that are unveiled and described in exact terms by means of modern spiritual research. This at first seems very surprising. However, as further research reveals how these ancient fables and myths came into existence, one ceases to be amazed, and all doubt vanishes. One discovers that myths and fables, far from containing naive views, are filled with primordial wisdom. A thorough study of myths and fables yields infinitely more insight than today's intellectual, experimental sciences. Admittedly the approach to such a study must be with spiritual scientific methods. Whatever legends have to say about blood is important, because in earlier times an individual's inherent wisdom made him aware of the true significance of blood, this special fluid that in human beings is a stream of flowing life.
[ 8 ] Es soll uns heute nicht beschäftigen, woher in Urzeiten jene Weisheit gekommen ist, obwohl der Schluß des Vortrages auch darauf wird hindeuten müssen. Die eigentliche Betrachtung dieses Gegenstandes soll späteren Vorträgen vorbehalten bleiben. Aber das Blut selbst, in seiner Bedeutung für die Menschheit und den menschlichen Kulturprozeß, wollen wir uns heute einmal anschauen. Nicht etwa eine physiologische oder rein naturwissenschaftliche Betrachtung soll hier geboten werden, sondern eine Betrachtung aus der geistigen Weltanschauung heraus. Und da dringen wir am besten in jedes Ding ein, wenn wir uns zunächst bewußt werden, welches die Bedeutung eines uralten Satzes ist, eines Satzes, der mit der Urkultur des alten Ägyptens zusammenhängt, wo die Priesterweisheit des Hermes gewaltet hat, eines Satzes, der als Grundsatz aller Geisteswissenschaft gilt, der der hermetische Grundsatz genannt worden ist und der heißt: «Es ist oben alles wie unten.»
[ 8 ] Whence this wisdom came in ancient times is not our concern today; it will be the subject of a later lecture, though an indication will be given at the close of this one. Today we shall look at the significance of blood in human evolution and its role in cultural life. However, our discussion will not be from a physiological, or any other natural scientific point of view, but from that of spiritual science. It will be a help if before pursuing our subject we remind ourselves of a maxim that originated within the civilization of ancient Egypt, where the priestly wisdom of Hermes held sway. This maxim, which expresses a fundamental truth, is known as the Hermetic maxim and runs as follows: As above, so below.
[ 9 ] Sie können manche dilettantische Erklärung dieses Satzes finden. Diejenige Erklärung aber, die uns zunächst heute hier beschäftigen soll, ist die folgende. Alle Geisteswissenschaft ist sich darüber klar, daß die Welt, die dem Menschen zunächst durch seine fünf Sinne zugänglich ist, nicht die ganze Welt darstellt, sondern daß sie nur der Ausdruck ist für eine tiefere, hinter ihr verborgene Welt, die geistige Welt. Diese geistige Welt wird im Sinne dieses hermetischen Grundsatzes die obere Welt genannt, und die sinnliche Welt, die sich um uns herum ausbreitet, die wir mit unseren Sinnen wahrnehmen und mit unserem Verstande erforschen können, gilt als untere, als der Ausdruck der geistigen Welt. So daß der Geistesforscher in dieser sinnlichen Welt kein Letztes sieht, sondern eine Art Physiognomie, die ihm eine dahinterliegende seelische und geistige Welt ausdrückt, genau so wie man, wenn man das menschliche Antlitz betrachtet, nicht bei den Formen des Gesichtes und der Gesten stehenbleiben darf, sondern selbstverständlich von den Gesten und der Physiognomie auf dasjenige hingeführt wird, was sich seelisch und geistig in ihnen ausdrückt.
[ 9 ] All kinds of trivial explanations of this saying are to be found, but the one that concerns us today is the following. It is obvious to spiritual science that the world accessible to our five senses, far from being complete in itself, is a manifestation of a spiritual world hidden behind it. This hidden world is called, according to the Hermetic axiom, the “world above, or the upper world.” The sense world spread all about us, perceptible to our senses and accessible to our intellect, is called the “world below,” and is an expression of the spiritual world above it. The physical world is therefore not complete to the spiritual researcher, but is a kind of physiognomic expression of the soul and spirit world behind it, just as when looking at a human face one does not stop short at its shape and features, but recognizes them as an expression of the soul and spirit behind them.
[ 10 ] Dasjenige, was jeder Mensch naiv tut, wenn er einem beseelten Wesen gegenübertritt, das macht der Okkultist oder der Geistesforscher der ganzen Welt gegenüber. «Es ist oben alles wie unten» würde, auf den Menschen angewandt, heißen: Es drücken sich diejenigen Impulse in seinem Gesichte aus, die in seiner Seele liegen: in einem harten, rohen Antlitz die Roheit der Seele, in einem Lächeln innerlicher Frohsinn, in den Tränenperlen die Leiden der Seele.
[ 10 ] What everyone does instinctively when faced with an ensouled being, the spiritual researcher does in regard to the whole world. The axiom, As above, so below, when applied to a human being, means that a person's soul impulses come to expression on the face. A hard, coarse face denotes coarseness of soul, a smile inner joy, and tears inner suffering.
[ 11 ] Lassen Sie mich an der Frage, was eigentlich Weisheit ist, den hermetischen Grundsatz einmal darlegen. Es wurde in der Geisteswissenschaft immer davon gesprochen, daß die Weisheit des Menschen etwas zu tun habe mit der Erfahrung, und zwar mit schmerzlicher Erfahrung. Derjenige, der unmittelbar in Schmerz und Leiden darinnensteckt, wird innerhalb dieses Schmerzes und Leidens vielleicht etwas zeigen, was innerliche Disharmonie ist. Derjenige aber, der die Schmerzen und Leiden überwunden hat und ihre Frucht in sich trägt, wird Ihnen immer wieder nur das sagen, daß er damit etwas von Weisheit aufgenommen hat. Die Freuden und Lüste des Lebens, das, was mir das Leben geboten hat an Befriedigungen, das nehme ich dankbar hin; aber weniger als das alles möchte ich hingeben meine Schmerzen und Leiden, die hinter mir liegen: Meinen Schmerzen und Leiden verdanke ich die Weisheit. So hat von jeher die Geistesforschung in der Weisheit etwas gesehen wie kristallisierten Schmerz, der überwunden ist und sich in sein Gegenteil verwandelt hat.
[ 11 ] Let us now apply the Hermetic axiom to the question: What is wisdom? Spiritual science has often pointed to the fact that human wisdom is related to experience, particularly to painful experience. For someone actually in the throes of pain and suffering, the immediate experience will no doubt be inner discord. But when pain and suffering have been conquered, when only their fruits remain, a person will say that from the experience a measure of wisdom is gained. The happiness, enjoyment and contentment life brings one gratefully accepts; but more valuable by far, once it is overcome, is the pain and suffering, for to that people owe what wisdom they possess. Spiritual science recognizes in wisdom something like crystallized pain; pain transformed into its opposite.
[ 12 ] Interessant ist es nun, daß die gegenwärtige mehr materialistische Forschung in einer eigenartigen Weise gerade darauf zurückgekommen ist. In jüngster Zeit ist ein schönes Buch erschienen über die Mimik des Denkens, ein Buch, das lesenswert ist. Das Buch ist von keinem Theosophen, sondern von einem Natur- und Seelenforscher. Er versucht zu zeigen, wie sich das innere Leben des Menschen, seine Art und Weise des Vorstellens, zum Ausdrucke bringt in der Physiognomie, und auch dieser Forscher macht darauf aufmerksam, daß der Denker immer etwas in seinem Gesichtsausdruck hat, das an absorbierten Schmerz erinnert.
[ 12 ] It is interesting that modern research, with its more materialistic approach, has come to the same conclusion. A book well worth reading was published recently about the mimicry of thought. The writer is not an anthroposophist, but a natural scientist and psychologist. He sets out to show that a person's thought life reveals itself in the physiognomy, and draws attention to the fact that a thinker's facial expression always suggest assimilated pain.
[ 13 ] So sehen Sie, als eine schöne Bestätigung eines uralten Grundsatzes der Geisteswissenschaft, diesen Grundsatz wieder in der mehr materialistischen Anschauung unserer Zeit auftauchen. Das werden Sie noch tiefer und tiefer einsehen, und Sie werden finden, wie Zug um Zug dasjenige, was uralte Weisheit ist, der heutigen Wissenschaft wiederum zugänglich wird.
[ 13 ] Thus, you see emerging, interspersed with more materialistic views, a confirmation of an ancient maxim that originated from spiritual knowledge. This will happen more and more frequently; you will find ancient wisdom gradually reappearing within the framework of modern science.
[ 14 ] Es macht das Wesen der Geistesforschung aus, daß alles, was uns in der Welt umgibt — das mineralische Gerüst, die Pflanzendecke, die Tierwelt unserer Erde —, als der physiognomische Ausdruck oder das Untere eines Oberen, eines dahinterliegenden geistigen Lebens angesehen wird. Vom okkulten oder geisteswissenschaftlichen Standpunkt aus wird dasjenige, was uns in der sinnlichen Welt gegeben wird, erst richtig verstanden, wenn man dazu das Obere, das geistige Vorbild, die geistigen Urwesen, aus denen das alles hervorgegangen ist, kennt. So soll uns heute beschäftigen, was hinter der Erscheinung des Blutes verborgen liegt, dasjenige, was sich in dem Blute einen physiognomischen Ausdruck hier in der Sinnenwelt schuf. Hat man dann diesen geistigen Hintergrund des Blutes, dann wird man auch einsehen, wie eine solche Erkenntnis zurückwirken muß auf unser ganzes geistiges Kulturleben.
[ 14 ] Spiritual research confirms that everything that surrounds us in the world: the configuration of minerals, the covering of vegetation, the world of animals, is the physiognomic expression of the life of spirit behind it. It is the “below” reflecting the “above.” Spiritual science maintains that what thus surrounds us can be properly understood only when one has knowledge of the “above,” that is, knowledge of the prototypes, the primordial beings from whom it all originated. Today we shall turn our attention to that which creates on earth its physiognomic expression in the blood. Once the spiritual background of blood is understood, it will be recognized that such knowledge must of necessity influence our spiritual and cultural life.
[ 15 ] Große Fragen drängen sich in unserer Zeit an den Menschen heran: Fragen der Erziehung nicht nur des jungen Menschen, sondern Fragen der Erziehung ganzer Völker, und auch die große Erziehungsfrage, die die Zukunft an die Menschheit stellen wird. Sie muß jeder erblicken, wenn er sein Auge auf die großen sozialen Umwälzungen unserer Zeit richtet, auf die sozialen Forderungen, die überall auftreten, seien sie verkörpert in der Frauenfrage, in der sozialen Frage, in der Friedensfrage und so weiter. Alles das tritt vor unsere sorgende Seele. Alle diese Fragen werden hell und klar, wenn wir das, was als geistige Wesenheit hinter dem Blute liegt, kennen.
[ 15 ] The problems human beings are facing today are momentous and pressing—especially educational problems involving not only the young but also entire populations. These particular problems are bound to increase as time goes on. The great social upheavals taking place make this evident to anyone. Demands causing anxiety are continually made, whether in the guise of the woman question, the labor question or the peace question. These are all problems that become understandable once insight is gained into the spiritual nature of blood.
[ 16 ] Wer wollte leugnen, daß mit dieser Frage auch die Rassenfrage zusammenhängt, die bezeichnenderweise auch in unserer Gegenwart wieder auftritt? Wir verstehen die Rassenfrage aber nur, wenn wir das geheimnisvolle Wirken des Blutes und der Blutmischung unter den Völkern verstehen. Endlich hängt auch noch eine Frage damit zusammen, die immer aktueller und aktueller werden wird, je mehr man sich aus einem bloß ziellosen Vorgehen in dieser Sache herauswindet und durchringen wird zu einem einheitsvollen Vorgehen auf diesem Gebiete. Die Frage, auf die hier hingedeutet wird, ist die Kolonisationsfrage, jene Frage, die auftaucht, wenn Menschen kultivierter Völker mit unkultivierten Völkern zusammenkommen: Inwiefern können unkultivierteVölker neue Kulturen in sich aufnehmen? Wie kann ein Schwarzer, wie kann ein barbarischer Wilder kultiviert werden, wie hat man sich ihnen gegenüber zu benehmen? Da kommen nicht bloß die Gefühle einer schattenhaften Moral in Betracht, sondern große, ernste und bedeutsame Lebensfragen des Daseins. Derjenige, der nicht weiß, unter welchen Bedingungen ein Volk steht, ob in auf- oder absteigender Linie der Entwicklung, ob dies oder jenes durch sein Blut bedingt ist, der vermag nicht den richtigen Weg zu finden, um irgendeine Kultur bei einem anderen Volke einzuführen. Alles das taucht auf, wenn diese bedeutungsvolle Frage nach dem Blute aufgeworfen wird.
[ 16 ] Another question, similar in nature, which is again coming to the fore, is that of race. The racial problem cannot be understood unless one understands the mysterious effect when blood of different races is mingled. And finally, there is the problem of colonization that also belongs in this category. This problem has become even more pressing since attempts have been made to tackle it more consistently than was formerly the case. It arises when cultivated people are to share their lives with uncultivated people. Certain questions ought to be asked when attempts are made to tackle the problem: To what extent is it possible for a primitive people to assimilate a strange culture? Can a savage become civilized? What here comes under consideration are vital and far-reaching questions of existence, not just concern about doubtful morality. It is unlikely that one will find the right way of introducing a strange culture to a people if it is not known whether it is on an ascending or descending line of evolution; whether this or that aspect of its life is ruled by its blood. When the significance of blood is discussed, all these things come under scrutiny.
[ 17 ] Was das Blut als solches ist, das kennen Sie ja wohl alle aus der landläufigen Naturwissenschaft. Sie wissen, wenn Sie den Menschen und die höheren Tiere betrachten, daß dieses Blut wirklich das fließende Leben ist. Sie wissen, daß durch das Blut des Menschen Inneres nach außen geöffnet wird, und indem dies geschieht, nimmt der Mensch durch das Blut die Lebensluft, den Sauerstoff auf. Das Blut erfährt durch diese Sauerstoffaufnahme eine Erneuerung. Dasjenige Blut, welches das menschliche Innere gleichsam dem hereinströmenden Sauerstoff anbietet, ist eine Art von Giftstoff für den Organismus, eine Art Vernichter und Zerstörer, Dieses blaurote Blut wird umgewandelt durch Aufnahme von Sauerstoff, durch eine Art Verbrennungsprozeß, in rotes, lebenschaffendes Blut. Dieses Blut, das in alle Teile des Körpers dringt, in allen Teilen des Körpers die Ernährungsstoffe ablagert, hat die Aufgabe, die Stoffe der Außenwelt unmittelbar in sich aufzunehmen und auf dem kürzesten Wege zur Ernährung des Wesens zu verwenden. Der Mensch und die höheren Tiere haben nötig, erst diese Ernährungsstoffe in das Blut überzuführen, das Blut zu bilden, den Sauerstoff der Luft in das Blut aufzunehmen und den Körper durch das Blut aufzubauen und zu erhalten.
[ 17 ] The physical composition of blood will be known to you from science in general. In humans, and also in the higher animals, blood is truly the stream of life. Our inner bodily nature is in contact with the external world through the fact that we absorb into the blood the life-giving oxygen from the air, a process by which the blood is renewed. The blood that meets the instreaming oxygen acts as a kind of poison, as a kind of destroyer within the organism. This blue-red blood, by absorbing the oxygen, is transformed into red, life-giving blood through a process of combustion. This red blood that penetrates all parts of the organism has the task to absorb directly into itself substances from the outer world, and deposit them as nourishment along the shortest route within the body. Humans and the higher animals must of necessity first absorb nutritive substances into the blood, then, having formed the blood, absorb into it oxygen from the air and finally build up and sustain the body by means of the blood.
[ 18 ] Nicht mit Unrecht hat ein geistvoller Seelenkenner gesagt: Das Blut mit seiner Bewegung ist wie ein zweiter Mensch, der sich zu dem anderen aus Knochen, Muskeln und Nervenmasse bestehenden Menschen wie eine Art von Außenwelt verhält. Und in der Tat nimmt der ganze Mensch fortwährend aus dem Blute seine Erhaltungskräfte auf und gibt andererseits dasjenige, was er nicht gebraucht hat, an das Blut ab. Im Blute ist also ein wirklicher Doppelgänger des Menschen vorhanden, der ihn fortwährend begleitet, aus dem er fortwährend seine neuen Kräfte schöpft und an den er dasjenige, was er nicht mehr braucht, abgibt. Mit volJlem Recht hat man daher das Blut das fließende Menschenleben genannt und ihm ähnliche Bedeutung beigemessen wie dem Zellstoff für die niederen Organismen. Was der Zellstoff für den niederen Organismus ist, das ist der so vielfach umgewandelte «besondere Saft», das Blut, für den Menschen.
[ 18 ] A knowledgeable psychologist once remarked that the blood circulating through the body is not unlike a second person who, in relation to the one made of bone, muscle and nerve, constitutes a kind of outer world. And indeed our entire being constantly takes from the blood what sustains it, and gives back what it cannot use. One could say that a person carries in his or her blood a double (Doppelgänger) who, as a constant companion, furnishes him or her with renewed strength and relieves a person of what is useless. It is entirely justified to refer to blood as a stream of life and compare its importance with that of fibre. What fibre is for the lower organism. blood is for the human being as a whole.
[ 19 ] Ein bedeutender Forscher, Ernst Haeckel, hat tief in die Werkstatt der Natur hineingeschaut und mit Recht in popuJlären Werken darauf aufmerksam gemacht, daß das Blut eigentlich am spätesten im Organismus entsteht. Wenn man die Entwicklung des Menschenkeims im Mutterleibe verfolgt, so findet man, daß die Anlagen zum Knochen- und Muskelbau längst ausgebildet sind, bevor die Anlage zur Blutbildung entsteht. Erst sehr spät werden die Anlagen zur Blutbildung — mit ihr das Blutgefäß-System — im Menschen sichtbar; erst sehr spät kommen sie heraus. Daraus schließt die Naturwissenschaft mit Recht, daß die Blutbildung überhaupt erst spät in der Weltentwicklung aufgetreten ist, daß sozusagen andere Kräfte, die da waren, erst bis zur Höhe des Blutes heraufgehoben worden sind, um auf dieser Höhe dasjenige zu bewirken, was innerhalb des Menschen bewirkt werden soll. Wenn der Mensch als Menschenkeim die früheren Stadien der Menschheitsentwicklung durchmacht, sie noch einmal wiederholt, dann eignet er sich erst dasjenige an, was vor der Blutbildung in der Welt vorhanden war, um dann der Evolution in der Umwandlung, in der Heraufhebung alles Früheren zu diesem besonderen Saft, dem Blute, die Krone aufzusetzen.
[ 19 ] The distinguished scientist Ernst Haeckel 2Ernst Haeckel (1834–1919) was a German biologist who supported Darwin's theory of evolution and his theory of ontogeny or the development of an individual organism. has probed deeply into nature's workshop, and in his popular works he quite rightly points out that blood is the last to develop in an organism. When tracing the stages of development in a human embryo, one finds rudiments of bone and muscle long before there is any indication of blood formation. Only late in embryonic development does formation of blood and blood vessels become apparent. This leads natural science to rightly conclude that blood made its appearance only late in world evolution, and that forces already in existence had first to reach a stage of development comparable to that of blood before they could accomplish what was necessary in the human organism. When as embryos human beings repeat once more the earlier stages of human evolution, they adapt to what existed before blood first made its appearance, This a person must do in order to achieve the crowning glory of evolution: the enhancement and transmutation of all that went before into that special fluid that is blood.
[ 20 ] Wollen wir nun die hinter dem Blute waltenden geheimnisvollen Gesetze des geistigen Universums studieren, dann müssen wir uns mit den elementarsten Begriffen der Geisteswissenschaft ein wenig befassen. Schon oft sind diese elementaren Begriffe der Geisteswissenschaft hier auseinandergesetzt worden. Sie werden sehen, daß diese elementaren Begriffe der Geisteswissenschaft das Obere sind, und daß sich uns dieses Obere, wenn wir es kennengelernt haben, in den bedeutungsvollen Gesetzen des Blutes, wie in denen des übrigen Lebens, zum Ausdruck bringt wie in einer Physiognomie. Diejenigen, welche diese elementaren Gesetze der Geisteswissenschaft längst kennen, gestatten mir wohl, daß ich für die, welche zum ersten Male hier sind, kurz wiederhole. Dabei werden auch Ihnen solche Gesetze immer klarer und klarer werden, wenn Sie sie immer wieder in besonderen neuen Fällen anwenden lernen. Freilich für diejenigen, die noch nichts wissen von Geisteswissenschaft, die sich noch nicht eingelebt haben in die Lebens- und Weltanschauung, um die es sich hier handelt, ist, was ich jetzt sagen werde, mehr oder weniger nur eine Zusammenstellung von Worten, unter denen sie sich nichts denken können. Aber es ist ja nicht immer der Mangel eines hinter dem Worte steckenden Begriffes daran schuld, wenn sich jemand bei einem Worte nichts denken kann. Es kann hier eine Bemerkung, die der geistvolle Lichtenberg gemacht hat, etwas verändert angenommen werden: Wenn ein Kopf und ein Buch zusammenstoßen und es hohl klingt, so muß nicht immer das Buch daran schuld sein. So ist es auch bei der Beurteilung der geisteswissenschaftlichen Wahrheiten von seiten unserer Zeitgenossen. Wenn diese Wahrheiten den Menschen oftmals als bloße Worte an die Ohren klingen und sie sich nichts dabei denken können, so muß nicht immer die Geisteswissenschaft daran schuld sein. Derjenige aber, der sich einlebt in diese Dinge, der wird sehen, daß hinter den Bezeichnungen und Hinweisen auf höhere Wesenheiten auch wirklich solche Wesenheiten stecken, die nicht in unserer sinnlichen Welt zu finden sind.
[ 20 ] If we are to enter into the mysterious laws of the spiritual realm that hold sway behind blood, we must first take a brief look at some of the basic ideas of spiritual science. You will come to see that these basic ideas are the “above,” and that this “above” comes to expression in the laws that govern blood, as it does in all other laws, as if in a physiognomy. There are in the audience some who are acquainted with the basics of spiritual science; they will allow a brief repetition for the sake of others who are present for the first time. In any case, repetitions help to make these basic ideas clearer, as light will be thrown on them from a different aspect. In fact, what I am going to say may well appear as just a string of words to those who as yet know nothing about spiritual science, and are therefore unfamiliar with this outlook on life. However, when ideas behind words seem to have no meaning, it is not always the ideas that are at fault. In this context a witty remark made by Georg Christoph Lichtenberg 3Georg Christoph Lichtenberg (1744–1799) was a physicist and satirical writer. is apt. He said: If a head and a book collide and the result is a hollow sound, it is not always the book's fault. So, too, when some of our contemporaries pass judgment on spiritual truths, which to them seem like a string of words, it is not always spiritual science that is at fault. However, those acquainted with spiritual science will know that the references made to higher beings are to beings that really do exist, even if they cannot be found in the physical world.
[ 21 ] In der geisteswissenschaftlichen Weltanschauung sehen wir, daß der Mensch, insofern er uns in der Außenwelt für unsere Sinne entgegentritt, insofern er Form und Gestalt ist, nur einen Teil der menschlichen Wesenheit ausmacht, und daß sogar hinter dem physischen Leibe viele andere Wesenheiten sind. Diesen physischen Leib hat der Mensch mit allen um ihn herumliegenden mineralischen, sogenannten leblosen Dingen gemeinschaftlich. Darüber hinaus hat aber der Mensch den sogenannten Äther- oder Lebensleib. Äther wird hier nicht in dem Sinne verstanden, wie die physische Wissenschaft es tut. Dieser Äther- oder Lebensleib ist ein Prinzip, das für den geisteswissenschaftlichen Forscher nicht bloß etwas Erdachtes, nicht bloß etwas Ausspekuliertes ist, sondern etwas, das für seine geöffneten geistigen Sinne ebenso wirklich vorhanden ist wie die äußeren sinnlichen Farben für das sinnliche Auge. Zu sehen, wirklich zu sehen ist für den hellsehenden Menschen dieser Äther- oder Lebensleib. Er ist dasjenige, was die unorganischen Stoffe zu lebendigem Dasein aufruft, sie heraufholt aus der Leblosigkeit, um sie aufzufädeln an dem Faden des Lebens. Glauben Sie nicht, daß dieser Lebensleib für den okkulten Forscher nur etwas ist, was er zum Leblosen hinzudenkt. Das versuchen die Naturforscher. Sie versuchen das, was sie mit dem Mikroskop und so weiter an den Dingen sehen können, zu vervollständigen, sich etwas zu erdenken, was sie dann das Lebensprinzip nennen. Auf diesem Standpunkt steht die geisteswissenschaftliche Forschung nicht, sie hat ein bestimmtes Prinzip. Sie sagt sich nicht: Hier stehe ich als Forscher so, wie ich nun einmal bin. Was es in der Welt gibt, muß sich meinem gegenwärtigen Standpunkt fügen. Was ich nicht erkennen kann, das gibt es nicht. — Das ist ungefähr ebenso gescheit, wie wenn ein Blinder sagt, die Farben seien eine phantastische Sache. Es hat nicht derjenige über eine Sache zu entscheiden, der nichts darüber weiß, sondern derjenige, welcher etwas darüber erlebt hat. Der Mensch ist in Entwicklung begriffen. Daher sagt die Geisteswissenschaft: Wenn du so bleibst, wie du bist, so kannst du nichts vom Ätherleibe sehen, und kannst in der Tat von «Grenzen des Erkennens» und von «Ignorabismus» sprechen; wirst du aber ein anderer, eignest du dir die nötigen Fähigkeiten an, um die geistigen Dinge wahrzunehmen, so kann nicht von Grenzen der Erkenntnis gesprochen werden. Nur so lange gibt es diese, als der Mensch seine inneren Sinne nicht geöffnet hat. Daher ist auch der Agnostizismus nichts als eine drückende Last für unsere Kultur. Er sagt: Der Mensch ist so und so, und wenn er so und so ist, so kann er auch nur dies und das erkennen. Darauf ist zu antworten: Wenn er heute so und so ist, so muß er eben anders werden, und dann wird er auch anderes erkennen.
[ 21 ] Spiritual science recognizes that humans, as they appear in the sense world to physical sight, represent only a part of their true being. In fact, behind the physical body there are several more principles that are invisible to ordinary sight. Human beings have the physical body in common with the so-called surrounding lifeless mineral world. In addition, they have a life body, or ether body. What is here understood by ether is not that of which natural science speaks. The life body or ether body is not something speculative or thought out, but is as concretely visible to the spiritual senses of the clairvoyant as are physical colors to physical sight. The ether body is the principle that calls inorganic matter into life and, in lifting it out of lifelessness, weaves it into the fabric of life. Do not for a moment imagine that the life body is something the spiritual investigator thinks into the lifeless. Natural science attempts to do that by imagining something called the “principle of life” into what is found under the microscope, whereas the spiritual investigator points to a real definite entity. The natural scientist adopts, as it were, the attitude that whatever exists must conform to the faculties a person happens to have; therefore, what he or she cannot perceive does not exist. This is just about as clever as a blind person saying that colors are nothing but a product of fantasy. The person to pass judgment on something must be the one who has experienced it, not someone who knows nothing about it. Nowadays one talks of “ignorabimus” and “limits of knowledge”; this is possible only as long as human beings remain as they are. But, as spiritual science points out, we are constantly evolving, and once we develop the necessary organs, we will perceive, among other things, the ether body, and will no longer speak of “limits of knowledge.” Agnosticism is grave obstacle to spiritual progress because it insists that, as human beings are as they are, their knowledge can only be limited accordingly. All that can be said to this is that then human beings must change, and when they do they will be able to know things they cannot now know things they cannot now know.
[ 22 ] Das zweite Glied des Menschen ist also der Ätherleib, den der Mensch gemeinschaftlich mit der Pflanzenwelt hat.
[ 22 ] Thus, the second member of a person's being is the ether body, which one has in common with the vegetable kingdom.
[ 23 ] Das dritte Glied ist der sogenannte Astralleib, sehr schön und bedeutungsvoll so genannt, und es soll hier auch später noch einmal gezeigt werden, daß dieser Astralleib mit Recht so genannt wird. Theosophen, die für diesen Namen einen anderen wählen wollten, haben keine Ahnung davon, um was es sich hier handelt. Dem Astralleib obliegt es, im Menschen und im Tiere, das Lebendige zur Empfindungssubstanz aufzurufen, so daß sich innerhalb des Lebendigen nicht bloß Säfte bewegen, sondern daß sich darin dasjenige ausdrückt, was man Lust und Leid, Freude und Schmerz nennt. Damit haben Sie im wesentlichen auch den Unterschied zwischen Pflanze und Tier angedeutet, obwohl es Übergänge gibt.
[ 23 ] A human being's third member is the astral body. This name, as well as being beautiful, is also significant; that it is justified will be shown later. Those who wish to find another name only show that they have no inkling as to why the astral body is so named. In humans and animals, the astral body bestows on living substance the ability to experience sensation. This means that not only do currents of fluid move within it, but also sensations of joy, sorrow, pleasure and pain. This capacity constitutes the essential difference between plant and animal, although transitional stages between them do exist.
[ 24 ] Eine neue naturwissenschaftliche Forschergruppe hat geglaubt, auch den Pflanzen im direkten Sinne Empfindung zuschreiben zu sollen. Das ist aber nur ein Spiel mit Worten. Es ist für gewisse Pflanzen selbstverständlich, daß sie Erregungszustände haben, wenn etwas in ihre Nähe kommt, wenn etwas auf sie einwirkt. Das ist aber keine Empfindung. Es muß im Innern des Geschöpfes ein Bild auftauchen als Reflex der Erregung. Wenn auch bei gewissen Pflanzen eine Gegenwirkung auf einen äußeren Eindruck geschieht, so ist das doch noch kein Beweis dafür, daß die Pflanze auch innerlich einen solchen Reiz zu einer Empfindung erhebt, daß sie ihn innerlich erlebt. Dasjenige, was man innerlich erlebt, hat seinen Sitz im Astralleibe. So sehen wir also, daß das, was bis zum Tier heraufkam, aus dem physischen Leib, dem Äther- oder Lebensleib und dem Astralleib besteht.
[ 24 ] A certain group of scientists believes that sensation should be ascribed also to plants, but that is only playing with words. Certainly some plants do react when something approaches them, but it has nothing to do with sensation or feeling. When the latter is the case, an image arises within the creature in response to the stimulus. Even if certain plants respond to external stimuli, that is no proof that they experience inner sensation. The inwardly felt has its seat in the astral body. Thus, we see that creatures belonging to the animal kingdom consist of physical body, ether or life body, and astral body.
[ 25 ] Der Mensch ragt nun über das Tier durch etwas ganz Besonderes hinaus, und das, wodurch er über das Tier hinausragt, haben sinnige Menschen immer gefühlt. Es wird darauf hingewiesen durch das, was Jean Paul in seiner Lebensbeschreibung selbst von sich sagt: er erinnere sich ganz genau, wie ihm als kleines Kind im Hofe seines Elternhauses der Gedanke durch die Seele schoß: du bist ja ein «Ich», du bist ja eine Wesenheit, die innerlich zu sich Ich sagen kann. Das machte auf ihn einen bedeutenden Eindruck.
[ 25 ] Human beings tower above the animal through a specific quality, often sensed by thoughtful natures. In his autobiography, Jean Paul 4Jean Paul (Jean Paul Friedrich Richter, 1763–1825), German author. relates the deep impression made upon him when, as a small child, standing in the courtyard of his parent's house, the thought suddenly flashed through his mind: “I am an ‘I,’ I am a being who inwardly calls himself ‘I.’”
[ 26 ] Alle sogenannte äußerliche Seelenkunde übersieht das Wichtigste, worauf es in diesem Punkte ankommt. Folgen Sie mir für einige Minuten in eine subtile Betrachtung hinein, die Ihnen aber zeigen wird, um was es sich handelt. Im ganzen Umkreis der deutschen Sprache gibt es ein einziges Wörtchen, das sich von allen anderen Wörtern prinzipiell unterscheidet. Von jedem Dinge, das hier in diesem Saale ist, kann jeder von Ihnen den Namen dieses Dinges nennen.
[ 26 ] What is here described is of immense significance, yet generally overlooked by psychologists. A subtle observation will illustrate what is involved: In the whole range of speech, there is one small word that in its application differs from all others. We can all give a name to the objects in this room.
[ 27 ] Den Tisch kann jeder Tisch, den Stuhl kann jeder Stuhl nennen. Aber ein Wort, einen Namen gibt es, den Sie nicht aussprechen können außer für das, dem dieser Name zukommt: das ist das Wörtchen «Ich». Niemand kann zu einem anderen «Ich» sagen. Das «Ich» muß heraustönen aus der innersten Seele selbst, es ist der Name, den sich nur die Seele selbst beilegen kann. Jeder andere ist für mich ein «Du», und ich selbst bin für jeden anderen ein «Du».
[ 27 ] Each one of us will call the table, “table,” the chairs, “chairs,” but there is one word, one name that can only refer to the one who speaks it: the little word “I.” No one can call someone else “I.” The word “I” must sound forth from the innermost soul to which it applies. To me, everyone else is a “you,” and I am a “you” to everyone else.
[ 28 ] Alle Religionen empfanden dieses Ich als den Ausdruck für jenes Wesen in der Seele, durch das die Seele in sich selbst ihre Grundwesenheit, ihr Göttliches, sprechen zu lassen vermag. Da beginnt dann dasjenige, was niemals durch die äußeren Sinne eindringen kann, was niemals in seiner Bedeutung von außen benannt werden kann, sondern aus dem Innersten heraus ertönen muß. Da beginnt jener Monolog, jenes Selbstgespräch der Seele, wodurch das göttliche Selbst in der Seele sich ankündigt, wenn die Bahn frei wird für das Einziehen des Geistes in die Seele.
[ 28 ] Religions have recognized that the “I” is that principle in us that makes it possible for the human soul to express its innermost divine nature. With the “I” begins what can never enter the soul through the external senses, what must sound forth in its innermost being. It is where the monologue, the soliloquy, begins in which, if the path has been made clear for the spirit's entry, the divine Self may reveal itself.
[ 29 ] In den älteren Kulturreligionen, noch im alten Hebräischen, hat man diesen Namen «den unaussprechlichen Namen Gottes» genannt, und was auch die heutige Philologie übersetzen mag, der alte jüdische Gottesname bedeutet nichts anderes als das, was heute durch das deutsche Wort «Ich» ausgedrückt wird. Bewegung ging durch die Reihen der Zuhörer, wenn der Name des «unbekannten Gottes» durch den Eingeweihten gesprochen wurde, wenn geahnt wurde, was durch dieses Wort ausgedrückt war, wenn das «Ich bin der Ich-Bin» im Tempel ertönte. In diesem Wort drückt sich das vierte Glied der menschlichen Wesenheit aus, das der Mensch im Umkreis seines irdischen Daseins für sich allein hat. Dieses Ich umschließt wiederum und bildet in sich aus die Keime zu höheren Stufen des Menschentums. Nur hingewiesen soll darauf werden, was in der mensch lichen Entwicklung durch dieses vierte Glied in Zukunft zum Dasein gebracht werden wird, hingewiesen soll werden darauf, daß der Mensch aus dem physischen Leib, dem Ätherleib, dem Astralleib und dem Ich oder dem eigentlichen inneren Leben besteht, und daß in diesem inneren Leben die Keime zu drei weiteren Stufen der Entwicklung vorhanden sind, die aus dem Blute erstehen werden, nämlich Manas, Buddhi und Atma, oder mit deutschen Worten: Manas = Geistselbst im Gegensatz zum Körperselbst, Buddhi = Lebensgeist, Atma = Geistmensch, der eigentliche, wahre Geistmensch, der heute dem Menschen nur als Ideal vorschwebt, der als kleiner Keim im Innern veranlagt ist und in ferner Zukunft seine Vollendung erreichen wird.
[ 29 ] In religions of earlier cultural epochs, and still in the Hebrew religion, the word “I” was called: “The unutterable name of God.” No matter how it is interpreted according to modern philology, the ancient Hebrew name for God signifies what today is expressed by the word “I.” A hush went through the assembly when the initiate spoke the “Name of the Unknown God”; the people would dimly sense the meaning contained in the words that resounded through the temple: “I am the I am.” Thus, the human being consists of physical body, ether body, astral body and the “I” or the essential inner being. This inner being contains within itself the germ of the three further evolutionary stages that will arise out of the blood. They are: Manas or Spirit Self, in contrast to the bodily self; Buddhi or Life Spirit; and a human's true spiritual being: Atma or Spirit Man, which today rests within us as a tiny seed to reach perfection in a far-off future; a stage to which at present we can only look to as a far-distant ideal.
[ 30 ] So haben wir, wie im Regenbogen sieben Farben, wie in der Tonskala sieben Töne, im Reich der Atome sieben Stufen der Atomgewichte, die siebenstufige Skala des Menschenwesens, die wieder in vier untere und in drei obere Stufen zerfällt.
[ 30 ] Therefore, just as we have seven colors in the rainbow and seven tones in the scale, we have seven members of our being that divide into four lower and three higher.
[ 31 ] Nun versuchen wir, uns einmal klar zu werden darüber, wie sich dieses Obere, Geistige, einen physiognomischen Ausdruck verschafft in dem Unteren, wie es uns vor Augen tritt in der Sinneswelt. Nehmen Sie zunächst dasjenige, was sich im Menschen zu seinem physischen Leib kristallisiert. Er hat es gemeinschaftlich mit der sogenannten leblosen Natur. Wenn wir geisteswissenschaftlich sprechen von diesem physischen Leib, dann sprechen wir gar nicht einmal von dem, was das Auge sieht, sondern von dem Zusammenhang von Kräften, die den physischen Leib konstruiert haben, von dem, was als Kraftnatur hinter dem physischen Leibe steht.
[ 31 ] If we now look upon the three higher spiritual members as the “above” and the four lower as the “below,” let us try to get a clear picture of how the above creates a physiognomic expression in the below as it appears to physical sight. Take first what we have in common with the whole inorganic nature, that is, that which crystallized into the form of a person's physical body. When we speak of the physical body in a spiritual-scientific sense, it is not what can be seen physically that is meant, but the combination of forces behind it that constructed this form.
[ 32 ] Sehen wir uns die Pflanze an als das Wesen, das schon den Ätherleib hat, welcher die physischen Stoffe heraufholt zum Leben, das heißt dasjenige, was sinnliche Materie ist, in Lebenssäfte verwandelt. Was ist es, das so die sogenannten leblosen Kräfte in die Lebenssäfte umgestaltet? Wir nennen es den Ätherleib, und dieser Ätherleib tut dasselbe im Tier und dasselbe auch im Menschen; er ruft dasjenige, was bloß sinnlich ist, zu lebendiger Konfiguration, zu lebendiger Gestaltung auf. Dieser Ätherleib wird wieder durchsetzt von dem Astralleib. Und was macht dieser Astralleib? Er ruft die bewegte Substanz zum innerlichen Miterleben des Kreislaufs der stofflichen Säftebewegung auf, so daß sich die äußere Bewegung in innerlichen Erlebnissen spiegelt.
[ 32 ] The next member of our being is the ether body, which plants and animals also possess, and by means of which they are endowed with life. The ether body transforms physical matter into living fluids, thus raising what is merely material into living form. In animal and human the ether body is permeated by the astral body, which calls up in the circulating fluid inner participation of its movement, causing the movement to be reflected inwardly.
[ 33 ] Wir sind damit so weit gekommen, daß wir den Menschen begreifen, insofern er in das Tierreich hineingestellt ist. Alle Substanzen, aus denen der Mensch zusammengesetzt ist, finden Sie auch draußen in der leblosen Natur: Sauerstoff, Stickstoff, Wasserstoff, Schwefel, Phosphor und so weiter. Soll das, was umgewandelt ist durch den Ätherleib in lebendige Substanz, zu innerlichem Erfassen, zur Schaffung innerer Spiegelbilder von dem, was außen vorgeht, aufgerufen werden, so muß der Ätherleib von dem, was wir Astralleib nennen, durchdrungen werden. Der Astralleib ruft die Empfindung hervor. Aber jetzt, auf dieser Stufe ruft der Astralkörper die Empfindung in ganz besonderer Weise hervor. Der Ätherleib wandelt unorganische Substanz in Lebenssäfte um, der Astralleib wandelt diese lebendige Substanz in empfindende Substanz um. Aber — und das bitte ich besonders zu beachten — was empfindet eine Wesenheit, die nur mit diesen drei Leibern ausgestattet ist? Sie empfindet nur sich selbst, nur die eigenen Lebensvorgänge, sie führt ein in sich abgeschlossenes Leben. Das ist eine höchst interessante Tatsache von außerordentlicher Wichtigkeit, wert, festgehalten zu werden. Sehen Sie sich einmal ein niederes Tier an. Was hat es ausgebildet? Umgestaltet hat es leblose Substanz in lebendige Substanz, lebendige, bewegliche Substanz in empfindende Substanz. Und empfindende Substanz ist nur da, wo wenigstens die Anlage zu dem vorhanden ist, was später im ausgebildeten Nervensystem erscheint. So haben wir also leblose Substanz, lebendige Substanz und von empfindungsbegabten Nerven durchsetzte Substanz. Wenn Sie sich einen Kristall ansehen, so haben Sie sich zunächst in dieser Kristallform einen Ausdruck gewisser Naturgesetze, die im sogenannten leblosen Reich draußen herrschen, vorzustellen. Kein Kristall könnte zustande kommen ohne die ganze ihn umgebende Natur. Sie können kein Glied aus dem Kosmos herausreißen und für sich hinstellen, ebensowenig wie Sie den Menschen aus seiner ganzen Umgebung herausreißen können, der, wenn er nur ein paar Meilen über die Erde erhoben würde, sterben müßte. Wie er nur denkbar ist an dem Orte, an dem er ist, wo die entsprechenden Kräfte sich in ihm zusammenfügen, in ihm leben müssen, so ist es schon beim Kristall der Fall, und wer den Kristall richtig anschaut, wird in ihm die ganze Natur, den ganzen Kosmos in einem Einzelabdruck sehen. Es ist ganz richtig, was Cuvier gesagt hat, daß ein vollkommener Anatom aus einem Knochen schließen kann, was für einem Tier derselbe angehört hat, weil jedes Tier seine ganz besonderen Knochenformen haben muß.
[ 33 ] We have now reached the point where the being of humans can be understood insofar as they are related to the animal kingdom. The substances, such as oxygen, nitrogen, hydrogen, sulphur, phosphorus, and so forth, out of which our physical body is composed, are to be found outside in inorganic nature. If the substances transformed by the ether body into living matter are to attain the capacity to create inner mirror images of external events, then the ether body must be permeated by the astral body. It is the astral body that gives rise to sensations and feelings, but at the animal level does so in a specific way. The ether body transforms inorganic substances into living fluids; the astral body transforms living substance into sensitive substance. But—and of this please take special note—a being composed of no more than the three bodies is only capable of sensing itself. It is only aware of its own life processes; its existence is confined within the boundaries of its own being. This fact is most interesting, and it is important to keep it in mind. Look for a moment at what has developed in a lower animal: inorganic matter is transformed into living substance, and living mobile substance into sensitive substance. The latter is to be found only where there is at least the rudiment of what at a higher stage becomes a developed nervous system. Thus, we have inorganic substance, living substance, and nerve substance capable of sensation. In a crystal you see manifest certain laws of inorganic nature. (A crystal can be formed only within the whole surrounding nature.) No single entity could exist by itself separated from the rest of the cosmos. If we were to be transferred a mile or two above the earth's surface, we would die. Just as we are conceivable only within the environment to which we belong, where the necessary forces exist that combine to form and sustain us, so too, in the case of a crystal. A person who knows how to look at a crystal will see it as an individual imprint of the whole of nature, indeed of the whole cosmos. Georges Leopold Chrètien Cuvier 5Georges Leopold Chretien Couvier (1769–1832) was a French comparative anatomist and the founder of paleontology. is quite right when he says that a competent anatomist is able to deduce from a single bone to what kind of animal it belongs, as each kind has its own specific bone formation.
[ 34 ] So lebt auch in der Form des Kristalls der ganze Kosmos. Und ebenso drückt sich in der lebendigen Substanz eines Einzelwesens der ganze Kosmos aus. Die bewegten Säfte eines Wesens sind schon eine kleine Welt, ein Abdruck der großen Welt. Und wenn die Substanz zur Empfindung aufgerufen wird, was lebt dann in den Empfindungen des einfachsten Wesens? In diesen Empfindungen sind die kosmischen Gesetze gespiegelt, so daß das einzelne lebendige Wesen mikrokosmisch in sich den ganzen Makrokosmos empfindet. Das Empfindungsleben eines einfachen Wesens ist also ein Abdruck des Kosmos, wie der Kristall ein Abdruck seiner Form ist. Mit einem dumpfen Bewußtsein hat man es in solch einfachem Lebewesen zu tun. Aber was dieses Bewußtsein an größerer Dumpfheit hat, das ist auf der anderen Seite ausgeglichen durch den größeren Umfang. Der ganze Kosmos leuchtet in dem dumpfen Bewußtsein, im Innern des Lebenswesens auf. Nun ist aber im Menschen auch nichts anderes vorhanden als eine kompliziertere Ausbildung derjenigen drei Leiber, die in dem einfachsten empfindenden Lebewesen sich finden. Nehmen Sie den Menschen und sehen Sie ab von seinem Blute, nehmen Sie ihn als ein Wesen, das geformt ist von der Substanz der es umgebenden physischen Welt, das ebenso wie die Pflanze Säfte in sich enthält, die es zu lebendiger Substanz aufruft, und in die es sich ein Nervensystem eingliedert. Dieses erste Nervensystem ist das sogenannte sympathische. Das sympathische Nervensystem im Menschen dehnt sich zu beiden Seiten längs des Rückgrats aus, hat auf jeder Seite eine Reihe von Knoten, verzweigt und verästelt sich und schickt seine Fäden zu den verschiedenen Organen: Lunge, Verdauungswerkzeuge und so weiter. Es ist durch Seitenstränge mit dem Rückenmark verbunden.
[ 34 ] So you see that in the form of a crystal a certain aspect of the whole cosmos is reflected, just as an aspect of the whole cosmos is imprinted on living substance. The fluid circulating in a living creature is a small world that mirrors the great world. When substance possesses not only life, but also experiences inner sensation, it mirrors universal laws; it becomes a microcosm that dimly senses within itself the whole macrocosm. As the crystal is an image of cosmic form, so is sentient life an image of cosmic life. The dullness of consciousness in simple creatures is compensated by its immense range, for mirrored in it is the whole cosmos. The constitution of humans is simply a more intricate structure composed of the three bodies already found in simple sentient creatures. If you consider people while disregarding their blood, you have beings built up from the same substances as those to be found in their environment. Like the plant, human beings contain fluids that call mineral substances to life, which in turn incorporate a system of nerves. The first nerves to appear are those of the so-called sympathetic nervous system. In humans it extends along both sides of the vertebral column, forming a series of knots from which it branches out and sends threads to the various organs, the lungs, the digestive tract and so on.
[ 35 ] Zunächst bedeutet dieses sympathische Nervensystem das Empfindungsleben, das Ihnen eben geschildert worden ist. Der Mensch kann aber mit seinem Bewußtsein nicht hinunterreichen zu dem, was durch diese Nerven von den Weltvorgängen abgespiegelt wird. Diese Nerven sind Ausdrucksmittel. Und so, wie das Menschenleben aufgebaut ist aus der umliegenden kosmischen Welt, so spiegelt sich wider in dem sympathischen Nervensystem diese kosmische Welt. Diese Nerven leben ein dumpfes Innenleben. Könnte der Mensch untertauchen in dieses sympathische Nervensystem, so würde er, wenn er sein oberes Nervensystem einschläferte, wie in einem Lichtleben die großen Gesetze des Kosmos walten und wirken sehen. Es gab beim Menschen der Vorzeit ein heute überwundenes Hellsehen, welches man erkennen kann, wenn durch besondere Vorgänge die Tätigkeit des höheren Nervensystems ausgeschaltet und dadurch das untere Bewußtsein freigemacht wird. Dann lebt der Mensch in dem Nervensystem, das zum Spiegel für die Welt um ihn herum wird, in einer eigenartigen Weise. Gewisse niedere Tiere haben sich diese Stufe des Bewußtseins allerdings erhalten und bewahren sie noch heute. Es ist also ein dumpfes, dämmerhaftes Bewußtsein, aber es ist wesentlich umfassender als das gegenwärtige Menschenbewußtsein. Es spiegelt als dumpfes Innenleben eine weiterreichende Welt, nicht bloß den kleinen Ausschnitt, den der heutige Mensch wahrnimmt.
[ 35 ] In the first instance, the sympathetic nervous system gives rise to the kind of sentient life just described. But a person's consciousness does not reach down far enough to experience the cosmic processes it mirrors. The surrounding cosmic world out of which the human being, as a living being, is created, mirrors itself in the sympathetic nervous system. There is in these nerves a dull inner life. If human beings could dive down consciously into the sympathetic nervous system, while the higher nervous system fell asleep, they would behold in a world of light the workings of the great cosmic laws. Human beings once had a clairvoyant faculty that has been superseded. However, it can still be experienced, if through certain measures the function of the higher nervous system is suspended, setting free the lower consciousness. When that happens, the world is experienced through the lower nervous system in which the environment is mirrored in a special way. Certain lower animals still have this kind of consciousness. As explained, it is extremely dull, but provides a dim awareness of a far wider aspect of the world than the tiny section perceived by humans today.
[ 36 ] Für den Menschen tritt aber etwas anderes ein. Hat im Laufe der Entwicklung bis zum sympathischen Nervensystem der Kosmos ein Spiegelbild gefunden, so öffnet sich auf dieser Stufe der Entwicklung das Wesen wieder nach außen: dem sympathischen System gliedert sich das Rückenmark ein. Das Rückenmark- und Gehirnsystem führt dann hin zu den Organen, die mit der Außenwelt die Verbindung herstellen. Wenn im Menschen die Bildung so weit ist, dann ist er nicht mehr berufen, bloß die ursprünglichen Bildungsgesetze des Kosmos in sich spiegeln zu lassen, sondern es tritt das Spiegelbild selbst in ein Verhältnis zur Umgebung. Wenn das sympathische Nervensystem sich zusammengegliedert hat mit den höheren Teilen des Nervensystems, so ist dies ein Ausdruck der vor sich gegangenen Umwandlung des Astralleibes. Dieser lebt dann nicht mehr bloß das kosmische Leben im dumpfen Bewußtsein mit, sondern er fügt sein besonderes Innenleben zu diesem hinzu. Durch das sympathische Nervensystem empfindet ein Wesen, was außer ihm vorgeht, durch das höhere Nervensystem dasjenige, was in ihm vorgeht. Und durch die höchste Form des Nervensystems, die gegenwärtig in der allgemeinen Menschheitsentwicklung zum Vorschein kommt, wird aus dem höher gegliederten Astralleib wieder das Material entnommen, um Bilder der Außenwelt, Vorstellungen, zu schaffen. Der Mensch hat also die Fähigkeit verloren, die ursprünglichen dumpfen Bilder der Außenwelt zu erleben; er empfindet sein Innenleben und baut sich aus diesem seinem InnenJeben auf höherer Stufe eine neue Bilderwelt auf, die ihm zwar ein kleineres Stück der Außenwelt spiegelt, aber in hellerer, vollkommenerer Art.
[ 36 ] At the time when evolution had reached the stage of the cosmos being mirrored in the sympathetic nervous system, another event occurred in human beings. The spinal cord was added to the sympathetic nervous system. The system of brain and spinal cord extended to the organs, through which contact was established with the outer world. Once their organisms had reached this stage, humans were no longer obliged to be merely a mirror for the primordial cosmic laws; the mirror image itself now entered into relationship with the environment. The incorporation of the higher nervous system in addition to the sympathetic nervous system denoted the transformation that had occurred in the astral body. Whereas formerly it participated dully in the life of the cosmos, it now contributed its own inner experiences. Through the sympathetic nervous system, a being senses what takes place outside itself; through the higher nervous system, what takes place within itself. In individuals at the present stage of their evolution, the highest form of the nervous system is developed; it enables people to obtain from the highly structured astral body what is needed to formulate mental pictures of the outer world. Therefore, a person has lost the ability to experience the environment in the original dull pictures. Instead, individuals are aware of their inner life, and build within the inner self a new world of pictures on a higher level. This world of mental pictures mirrors, it is true, a much smaller section of the outer world, but does so much more clearly and perfectly.
[ 37 ] Mit dieser Umwandlung geht, auf höherer Stufe der Entwicklung, eine andere Hand in Hand. Es dehnt sich die Umgestaltung des Astralleibes bis auf den Ätherleib aus. Ebenso wie der Ätherleib in seiner Umgestaltung den Astralleib hervorruft, wie zum sympathischen Nervensystem das Rückenmark- und Gehirnsystem hinzukommen, so bewirkt dasjenige, was von dem Ätherleibe nach Aufnahme der niederen Säftezirkulation herausgewachsen und frei geworden ist, die Umsetzung der niederen Säfte in das, was wir Blut nennen. Das Blut ist ebenso ein Ausdruck des individualisierten Ätherleibes wie das Gehirn und Rückenmark ein Ausdruck des individualisierten Astralleibes. Und durch diese Individualisierung kommt das zustande, was sich in dem «Ich» auslebt.
[ 37 ] Hand in hand with this transformation, another one occurred on a higher evolutionary level. The reorganization of the astral body became extended to the ether body. Just as the ether body through its reorganization became permeated with the astral body, and just as there was added to the sympathetic nervous system that of the brain and spinal cord, so what was set free from the ether body—after it had called into being the circulation of living fluids—now transformed these lower fluids into what we call “blood.” Blood denotes an individualized ether body, just as the brain and spinal cord denote an individualized astral body. And through this individualizing comes about that which expresses itself as the “I.”
[ 38 ] Wenn wir von diesem Gesichtspunkte aus den Menschen in seiner Entwicklung so weit verfolgt haben, so sehen wir, daß wir zunächst eine fünfgliedrige Kette haben, die sich uns wie folgt zusammenschließt: erstens der physische Leib, zweitens der Ätherleib, drittens der Astralleib, oder erstens die unorganischen, neutralen, physischen Kräfte, zweitens die Lebenssäfte, die sich auch in der Pflanze finden, drittens das niedere oder sympathische Nervensystem, viertens der von dem niederen astralen Leibe herausgehobene höhere Astralleib, der im Rückenmark und Gehirn seinen Ausdruck findet, fünftens dasjenige Prinzip, das den Ätherleib individualisiert.
[ 38 ] Having traced man's evolution up to this point, we notice that we are dealing with a gradation in five stages: First the physical body (or inner forces); second the ether body (or living fluids, to be found also in plants); third the astral body (manifesting itself in the lower or sympathetic nervous system); fourth the higher astral body emerging from the lower astrality (manifesting itself in the brain and spinal cord); and finally the principle that individualizes the ether body.
[ 39 ] So wie diese zwei Prinzipien individualisiert worden sind, so wird auch für den Menschen das erste Prinzip individualisiert, durch welches die leblosen Stoffe von außen eindringen und den menschlichen Körper aufbauen. Diese Umwandlung ist beim heutigen Menschen erst in der ersten Anlage vorhanden.
[ 39 ] Just as two of humanity's principles, the ether, and astral bodies, have become individualized, so will the human being's first principle, built up out of external lifeless substances, that is, the physical body, become individualized. In present day humanity there is only a faint indication of this transformation.
[ 40 ] Wir sehen, wie die äußeren formlosen Stoffe einfließen in den menschlichen Leib, wie der Ätherleib diese Stoffe zu lebendigen Gebilden aufruft und wie dann durch den Astralleib Bilder der Außenwelt geformt werden; wie weiter dieser Reflex der Außenwelt sich zu inneren Erlebnissen entfaltet und dann dieses Innenleben aus sich selbst wieder Bilder der Außenwelt erzeugt.
[ 40 ] We see that formless substances come together in the human body, that the ether body transforms them into living forms, that through the astral body the outer world is reflected and becomes inner sensation, and finally this inner life produces of itself pictures of the outer world.
[ 41 ] Greift nun die Umwandlung auf den Ätherleib über, so entsteht das Blut. Das Blutgefäß-System mit dem Herzen ist ein Ausdruck des umgewandelten Ätherleibes, wie das Rückenmark- und Gehirnsystem ein solcher des umgewandelten Astralleibes. Wie durch das Gehirn die Außenwelt verinnerlicht wird, so wird durch das Blut diese Innenwelt in dem Leib des Menschen zu einem äußeren Ausdrucke umgeschaffen. Ich muß im Gleichnisse sprechen, wenn ich die hier in Betracht kommenden komplizierten Vorgänge darstellen will. Das Blut nimmt die durch das Gehirn verinnerlichten Bilder der Außenwelt auf, gestaltet sie zu lebendigen Bildungskräften um und bildet durch sie den jetzigen Menschenleib aus. Das Blut ist so der Stoff, der den menschlichen Leib auferbaut. Es stellt sich hier ein Vorgang uns vor Augen, durch den das Blut das Höchste aufnimmt, was es der Umwelt entnehmen kann, den Sauerstoff, nämlich dasjenige, was das Blut stets wieder erneuert, mit neuem Leben versorgt. Dadurch wird das Blut veranlaßt, sich der Außenwelt zu öffnen. Damit haben wir den Weg verfolgt von der Außenwelt zur Innenwelt und wieder zurück vom Innern zum AÄußern. Nun ist ein Zweifaches möglich. Wir sehen, daß die Entstehung des Blutes da liegt, wo der Mensch als selbständiges Wesen der Außenwelt entgegentritt, wo er aus den Empfindungen, zu denen die Außenwelt geworden ist, selbständig wiederum Gestalten und Bilder schafft, wo er schöpferisch wird, wo also das Ich, der Eigenwille aufleben kann. Kein Wesen, in dem dieser Vorgang noch nicht stattgefunden hat, könnte aus sich selbst heraus Ich sagen. Im Blute liegt das Prinzip für die Ich-Werdung. Ein Ich kann nur da zum Ausdrucke kommen, wo ein Wesen die Bilder, die es von der Außenwelt erzeugt, in sich selbst zu gestalten vermag. Ein Ich-Wesen muß fähig sein, die Außenwelt in sich aufzunehmen und innerhalb seiner selbst wieder zu erzeugen. Hätte der Mensch bloß Gehirn, so könnte er nur Bilder der Außenwelt in sich erzeugen und in sich erleben; er würde dann zu sich nur sagen können: Die Außenwelt ist in mir als Spiegelbild noch einmal wiederholt; kann er aber diese Wiederholung der Außenwelt zu einer neuen Gestalt aufbauen, dann ist diese Gestalt nicht mehr bloß die Außenwelt: sie ist «Ich». Ein Wesen mit bloßem sympathischen Nervensystem spiegelt die Außenwelt, es empfindet also diese Außenwelt noch nicht als sich, noch nicht als Innenleben. Ein Wesen mit Rückenmark und Gehirn empfindet die Spiegelung als Innenleben. Ein Wesen aber mit Blut erlebt als seine eigene Gestalt sein Innenleben. Durch das Blut wird mit Hilfe des Sauerstoffes der Außenwelt nach den Bildern des Innenlebens der eigene Leib gestaltet. Diese Gestaltung kommt als Ich-Wahrnehmung zum Ausdruck. Nach zwei Seiten weist das Ich, und das Blut ist der äußere Ausdruck dieser Hinweisung. Nach innen gerichtet ist der Blick des Ich, nach außen gerichtet ist der Wille des Ich. Nach innen sind die Kräfte des Blutes gerichtet, sie bauen das Innere auf; nach außen sind sie gerichtet zum Sauerstoff der äußeren Welt hin. Daher geht der Mensch, wenn er in Schlaf fällt, im Unbewußtsein unter, er geht unter in dasjenige, was das Bewußtsein im Blute erleben kann. Wenn der Mensch aber sein Auge der Außenwelt öffnet, dann nimmt das Blut die durch Gehirn und Sinne erzeugten Bilder in seine Gestaltungskräfte auf. Das Blut steht so in der Mitte zwischen der inneren Bilderwelt und der lebendigen Gestaltenwelt des Außeren. Diese Rolle wird uns klar werden, wenn wir zwei Erscheinungen betrachten. Die eine Erscheinung ist die Abstammung, die Verwandtschaft der bewußten Wesen, die andere Erscheinung ist die Erfahrung der Welt der äußeren Erlebnisse. Die Abstammung stellt uns dahin, wo wir, wie man es gewöhnlich nennt, durch das Blut stehen. Der Mensch wird herausgeboren aus einem Zusammenhang, einer Rasse, einem Stamme, aus seiner Vorfahrenreihe, und dasjenige, was aus seinen Vorfahren sich auf ihn vererbt, findet seinen Ausdruck im Blute. Im Blut wird gleichsam zusammengefaßt, was sich aus der materiellen Vergangenheit des Menschen herausgebildet hat. Es wird aber im Blute auch vorgebildet, was sich für die Zukunft des Menschen vorbereitet.
[ 41 ] When the process of transformation extends to the etheric body, the result is the forming of blood. This transformation manifests itself in the system of heart and blood vessels, just as the transformation of the astral body manifests in the system of brain and spinal cord. And, as through the brain the outer world becomes inner world, so does this inner world become transformed through the blood into an outer manifestation as the human body. I shall have to speak in similes if I am to describe these complicated processes. The pictures of the external world made inward through the brain are absorbed by the blood and transformed into vital formative forces. These are the forces that build up the human body; in other words, blood is the substance that builds the body. We are dealing with a process that brings the blood into contact with the outer world; it enables it to take from it the most perfect substance, oxygen. Oxygen continually renews the blood, endowing it with new life. In tracing human development, we have followed a path that leads from the outer world to humanity's inner world and back to the outer world. We have seen that the origin of blood coincides with our ability to face the world as an independent being, a being able to form his or her own pictures of the external world from its reflection within the self. Unless this stage is reached, a being cannot say “I” to itself. Blood is the principle whereby “I-hood” is attained. An “I” can express itself only in a being who is able independently to formulate the pictures the outer world produces within the self. A being who has attained “I-hood” must be able to take in the outer world and recreate it within the self. If we possessed only a brain without a spinal cord, we would still reproduce within ourselves pictures of the outer world and be aware of them, but only as a mirror image. It is quite different when we are able to build up anew what is repeated within ourselves; for then what we thus build up is no longer merely pictures of the outer world; it is the “I.” A being who possesses brain and spinal cord will not only mirror the outer world, as does a being with only the sympathetic nervous system, but will also experience the mirrored picture as inner life. A being who in addition possesses blood will experience inner life within the self. The blood, assisted by oxygen taken from the outer world, builds up the individual body according to the inner pictures. This is experienced as perception of the “I”. The “I” turns its vision inwards into a person's being, and its will outwards to the world. This twofold direction manifests itself in the blood, which directs its forces inwards, building up a person's being, and outwards towards the oxygen. When humans fall asleep they sink into unconsciousness because of what the consciousness experiences within the blood, whereas when they, by means of sense organs and brain, form mental pictures of the outer world, then the blood absorbs these pictures into its formative forces. Thus, the blood exists midway between an inner picture-world and an outer world of concrete forms. This becomes clearer if we look at two phenomena. One is that of genealogy, that is, the way conscious beings are related to ancestors, the other is the way we experience external events. We are related to ancestors through the blood. We are born within a specific configuration, within a certain race, a certain family and from a certain line of ancestors. Everything inherited comes to expression in our blood. Likewise, all the results from an individual's physical past accumulates in the blood, just as within it there is prepared a prototype of that person's future.
[ 42 ] Wenn der Mensch daher sein höheres Bewußtsein herabdämpft, wenn er in der Hypnose, im Somnambulismus oder im atavistischen Hellsehen ist, dann taucht er unter in ein viel tieferes Bewußtsein und nimmt die großen Weltgesetze wahr, in einer traumartigen Form, nur viel klarer und heller als in den hellsten Träumen des gewöhnlichen Schlafes. Der Mensch hat dann die Tätigkeit des Gehirns, und bei tiefstem Somnambulismus auch diejenige des Rückenmarkes unterdrückt; er erlebt die Tätigkeit seines sympathischen Nervensystems, das heißt in einer dumpfen, dämmerhaften Form das Leben im ganzen Kosmos. In einem solchen Falle bringt dann das Blut nicht mehr die Bilder des Innenlebens zum Ausdruck, die durch das Gehirn vermittelt sind, sondern dasjenige, was die Außenwelt in ihn hineingebaut hat. Nun aber haben an ihm gebaut die Kräfte seiner Vorfahren. Wie er die Form seiner Nase von einem Vorfahren hat, so die Form seines ganzen Leibes. Er empfindet so bei gedämpftem Bewußtsein seine Vorfahren in sich, wie er die durch dieSinne erzeugten Bilder der Außenwelt bei wachem Bewußtsein empfindet. Das heißt: seine Vorfahren rumoren in seinem Blute. Er lebt dann noch das Leben seiner Vorfahren dumpf mit.
[ 42 ] Consequently, when the individual's normal consciousness is suppressed, for example under hypnosis or in cases of somnambulism or atavistic clairvoyance, a much deeper consciousness becomes submerged. Then, in a dreamlike fashion, the great cosmic laws are perceived. Yet this perception is nevertheless clearer than that of ordinary dreams even when lucid. In such conditions all brain activity is suppressed, and in deep somnambulism even that of the spinal cord. In this condition what the person experiences is conveyed by the sympathetic nervous system; the individual has a dull, hazy awareness of the whole cosmos. The blood no longer conveys mental pictures produced by the inner life through the brain; it only conveys what the outer world has built including everything inherited from ancestors. Just as the shape of a person's nose stems from his or her ancestors, so does the whole bodily form. In this state of consciousness a person senses his ancestors in the same manner that waking consciousness senses mental pictures of the outer world. A person's blood is haunted by his ancestors; he dimly participates in their existence.
[ 43 ] Alles in der Welt ist in Entwicklung begriffen, auch das menschliche Bewußtsein. Die Bewußtseinsart, welche der Mensch jetzt hat, war ihm nicht immer eigen. Wenn wir in der Zeit zurückgehen zu unseren fernen Vorfahren, so finden wir eine andere Bewußtseinsart. Gegenwärtig nimmt der Mensch in seinem wachen Tagesleben durch seine Sinne die äußeren Dinge wahr und bildet sie zu Vorstellungen um. Diese Vorstellungen der Außenwelt wirken auf sein Blut. Es lebt daher und arbeitet in seinem Blute alles das, was er durch die äußeren Erlebnisse der Sinne empfangen hat. Das Gedächtnis ist nun mit diesen Erlebnissen, mit den Erfahrungen der Sinne erfüllt. Dagegen bleibt diesem heutigen Menschen unbewußt, was sich in seinem leiblichen Innenleben durch die Vererbung von seinen Vorfahren her vererbt hat. Er weiß nichts von den Formen seiner inneren Organe. So war es nicht in der Vorzeit. Da lebte im Blute nicht nur, was die Sinne von außen empfangen hatten, sondern auch dasjenige, was in der Leibesgestalt vorhanden ist. Und weil diese Leibesgestalt ererbt ist von den Vorfahren, so empfand der Mensch in sich das Leben der Vorfahren. Denkt man sich ein solches Bewußtseinsleben gesteigert, so erhält man eine Vorstellung davon, wie es sich auch in einem entsprechenden Gedächtnisse zum Ausdruck bringt. Ein Mensch, der nur erlebt, was er durch seine Sinne wahrnimmt, der erinnert sich auch nur an das, was er durch die äußere Sinneserfahrung erlebt hat. Er kann nur ein Bewußtsein von dem haben, was er seit seiner Kindheit auf diese Art erfahren hat. Anders war es beim Menschen der Vorzeit. Der erlebte, was in ihm war, und da dieses «Innere» ein Ergebnis der Vererbung ist, erlebte er in seinen Vorstellungen die Erlebnisse seiner Vorfahren mit. Er erinnerte sich nicht nur an seine Kindheit, sondern auch an die Erlebnisse seiner Vorfahren. Dieses Leben seiner Vorfahren war in den Bildern, die sein Blut empfing, mit gegenwärtig. So unglaublich es für die heutige materialistische Vorstellungsart auch ist: es ist doch wahr, daß es einmal ein Bewußtsein gegeben hat, durch das die Menschen nicht nur ihre Sinneswahrnehmungen als ihre eigenen Erlebnisse betrachteten, sondern auch die Erlebnisse ihrer Vorfahren. Damals sagten sie: «Ich habe es erlebt» nicht nur zu dem, was ihre eigene Person erlebt hat, sondern auch zu dem, was die Vorfahren erfahren hatten; sie erinnerten sich dessen. Zwar war diese frühere Bewußtseinsform des Menschen gegenüber dem gegenwärtigen wachen Tagesbewußtsein dämmerhaft, mehr wie ein lebhaft gesteigertes Träumen, aber sie war dafür umfassender. Sie dehnte sich über die Erfahrung der Vorfahren aus. Der Sohn fühlte sich mit Vater, Großvater in einem Ich verbunden, weil er deren Erlebnisse als seine eigenen miterlebte.
[ 43 ] Everything in the world evolves, also human consciousness. If we go back to the time when our remote ancestors lived, we find that they possessed a different type of consciousness. Today, during waking life we perceive external objects through the senses, and transform them into mental pictures that act an our blood. Everything a person experiences through the senses is working in not only his blood but also in his memory. By contrast, a person remains unconscious of everything bestowed by ancestors. We know nothing about the shape of our inner organs. In the past all this was different; at that time the blood conveyed not only what it received from outside through the senses, but also what existed in the bodily form, and as this was inherited, we could sense our ancestors within our own being. If you imagine such a consciousness enhanced, you will get an idea of the kind of memory that corresponded to it. When our experiences are confined to what can be perceived through the senses, then only such sense perceptible experiences are remembered. A person's consciousness comprises only his experiences since childhood. In the past this was different, because the inner life contained all that was brought over through heredity. A human's mental life depicted ancestors' experiences as if they were his own. A person could remember not only his own childhood, but his ancestors' lives, because they were contained in the pictures absorbed by his blood. Incredible as it may seem to the modern materialistic outlook, there was a time when human consciousness was such that an individual regarded both his and his forefathers' physical experiences as his own. When someone said: “I have experienced... ,” he referred not only to personally known events but also to events experienced by his ancestors. It was a dim and hazy consciousness compared with modern human waking consciousness, more like a vivid dream. However, it was much more encompassing, as it included not only his own life but the lives of ancestors. A son would feel at one with his father and grandfather, as if they were sharing the same “I.” This was also the reason he did not give himself a personal name but one that included past generations, designating what they had in common with one and the same name. Each person felt strongly that he was simply a link in a long line of generations.
[ 44 ] Weil der Mensch dieses Bewußtsein hatte, weil er nicht bloß in seiner persönlichen Welt lebte, sondern weil in seinem Innern das Bewußtsein seiner vorhergehenden Generation auflebte, deshalb bezeichnete er auch nicht bloß seine Person mit einem Namen, sondern eine ganze Generationenreihe. Der Sohn, der Enkel und so weiter bezeichneten das Gemeinsame, das durch sie alle hindurchging, mit einem Namen. Der Mensch empfand sich als ein Glied der ganzen Generationsreihe. Das war eine wirkliche und wahre Empfindung. Und wodurch wurde diese Bewußtseinsform in eine andere verwandelt? Sie wurde es durch ein Ereignis, das die geheimwissenschaftliche Geschichte gut kennt. Wenn Sie in der Geschichte zurückgehen, dann tritt für alle Völker des Erdkreises ein Moment auf, der Ihnen ganz genau bei jedem einzelnen Volke bezeichnet werden kann. Das ist der Moment, wo das Volk in einen neuen Kulturzustand eintritt, in dem es aufhört, alte Traditionen zu haben, wo es aufhört, Urweisheit zu besitzen, jene Weisheit, die durch das Blut der Generationen hindurchgerollt ist. Die Völker haben ein Bewußtsein davon, und dieses Bewußtsein finden wir ausgedrückt in den alten Sagen der Völker. Die Stämme blieben nämlich in früherer Zeit in sich abgeschlossen, die einzelnen Mitglieder der Familien heirateten untereinander. Das finden Sie ursprünglich bei allen Rassen und Völkern. Und ein wichtiger Moment für die Menschheit ist der, als dieses Prinzip durchbrochen wird, sich fremdes Blut mit fremdem Blute mischt, wo die Nah-Ehe in die Fern-Ehe übergeht. Die Nah-Ehe bewahrt das Blut der Generationen, sie läßt dasselbe Blut durch die einzelnen Glieder rinnen, das seit Generationen den Stamm, die Nation durchfloß. Die Fern-Ehe gießt neues Blut dem Menschen ein, und diese Durchbrechung des Stammesprinzipes, diese Mischung des Blutes, die bei allen Völkern sich findet und früher oder später auftritt, bedeutet die Geburt des äußeren Verstandes, die Geburt des Intellektes.
[ 44 ] The question is how this form of consciousness came to be transformed into a different one. It happened through an event well-known to spiritual historical research. You will find that every nation the world over describes a significant moment in history when a new phase of its culture began—the moment when the old traditions begin to lose their influence, and the ancient wisdom that had flowed down the generations via the blood begins to wane, although the wisdom still finds expression in myths and sagas. A tribe used to be an enclosed unit; its members married among themselves. You will find this to be the case in all races and peoples. It was a significant moment in the history of mankind when this custom ceased to be upheld—the moment when a mingling of blood took place through the fact that marriage between close relations was replaced by marriage between strangers. Marriage within a tribe ensured that the same blood flowed through its members down the generations; marriage between strangers allowed new blood to be introduced into a people. The tribal law of intermarriage will be broken sooner or later among all peoples. It heralds the birth of the intellect, which means ability to understand the external world, to understand what is foreign.
[ 45 ] Das ist eben das Wichtige, daß in alten Zeiten eine Art dämmerhaften Hellsehens vorhanden war und daß Mythen und Sagen aus diesem hellseherischen Vermögen heraus entstanden sind, welches sich in dem verwandtschaftlichen Blute ausleben kann wie in dem vermischten Blute das gegenwärtige Bewußtsein. Mit dem Eintritt der Fern-Ehe fällt auch die Geburt des logischen Denkens, die Geburt des Intellektes zusammen. So überraschend das ist, so wahr ist es. Es ist eine Erkenntnis, die immer mehr und mehr durch die äußere Forschung bestätigt werden wird. Die Anfänge sind schon gemacht. Die Blutmischung, die mit der FernEhe eintritt, ist zu gleicher Zeit dasjenige, was das Hellsehen von früher zunächst auslöscht, um die Menschheit zu einer höheren Entwicklungsstufe hinaufzuheben. Wie der, welcher eine okkulte Entwicklung durchmacht, dieses Hellsehen wieder heraufhebt und es zu einer neuen Form umwandelt, so hat sich umgekehrt das gegenwärtige wache Tagesbewußtsein aus einem alten dämmerhaften Hellsehen heraus entwickelt.
[ 45 ] The important fact to bear in mind is that in ancient times a dim clairvoyance existed out of which arose sagas and legends, and that the clairvoyant consciousness is based on unmixed blood, whereas our awakened consciousness depends on mixed blood. Surprising as it may seem, marriage between strangers has resulted in logical, intellectual thoughts. This is a fact that will increasingly be confirmed by external research, which has already made a beginning in that direction. The mingling of blood extinguishes the former clairvoyance and enables humanity to reach a higher stage of evolution. When a person today goes through esoteric training and causes clairvoyance to reappear, that person transforms it to a higher consciousness, whereas today's waking consciousness has evolved out of the ancient dim clairvoyance.
[ 46 ] Gegenwärtig drückt sich die ganze Umwelt, der der Mensch sich hingibt, im Blute aus, und diese Umwelt formt das Innere daher nach dem Außeren. Beim Urmenschen drückte sich mehr das leibliche Innere im Blute aus. In den Urzeiten vererbten sich mit der Erinnerung an die Erlebnisse der Vorfahren auch deren Neigungen zu diesem oder jenem Guten und Bösen. In dem Blute des Nachkommen waren die Wirkungen der Neigungen der Vorfahren zu spüren. Als dann das Blut durch die Fern-Ehe gemischt wurde, da wurde auch dieser Zusammenhang mit den Vorfahren durchschnitten. Der Mensch ging über zum persönlichen Eigenleben. Er lernte sich in seinen sittlichen Neigungen nach dem zu richten, was er im persönlichen Leben erfahren hat. So drückt sich in einem ungemischten Blute die Macht des Vorfahrenlebens aus, in dem gemischten die Macht der eigenen Erlebnisse. Davon erzählen die Sagen und Mythen der Völker. Sie sagen uns: Was Macht hat auf dein Blut, das hat Macht über dich. Die Macht der Völkertraditionen hörte auf, als sie nicht mehr wirken konnte auf das Blut, als dessen Aufnahmefähigkeit für solche Vorfahrenmacht erlischt durch die Beimischung des fremden Blutes. Und dieser Satz gilt im weitesten Umfange. Welche Macht auch immer sich eines Menschen bemächtigen will, sie muß so auf ihn wirken, daß sich diese Wirkung im Blute ausdrückt. Will also eine böse Macht Einfluß gewinnen auf den Menschen, dann muß sie Herrschaft haben über sein Blut. Das ist der tiefe und geistvolle Zug des erwähnten Wortes aus Faust. Daher sagt der Repräsentant des bösen Prinzipes: Schreibe mir deinen Namen mit Blut unter den Pakt. Habe ich deinen Namen mit deinem Blute geschrieben, dann habe ich dich bei demjenigen erfaßt, wodurch der Mensch überhaupt erfaßt werden kann, ich habe dich zu mir herübergezogen. Wem das Blut gehört, dem gehört auch der Mensch oder des Menschen Ich.
[ 46 ] In our time, a person's whole surrounding world in which he acted came to expression in the blood; consequently, this surrounding world formed the inner in accordance with the outer. In ancient times it was more a person's inner bodily life that came to expression in the blood. A person inherited, along with the memory of his ancestors' experiences, also their good or bad inclinations; these could be traced in his blood. This ancestral bond was severed when blood became mingled through outside marriages. The individual began to live his own personal life; he learned to govern his moral inclinations according to his own experiences. Thus, ancestral power holds sway in unmixed blood; that of personal experience in mixed blood. Myths and legends told of these things: “That which has power over thy blood has power over thee.” Ancestral power over a folk came to an end when the blood, through being mingled with foreign blood, ceased to be receptive to its influence. This held good in all circumstances. Whatever power wishes to subjugate a person will have to exert an influence that imprints itself in his blood. Thus, if an evil power wishes dominance over an individual, it must gain dominance over his or her blood. That is the profound meaning of the quotation from Faust, and the reason the representative of evil says: “Sign your name to the pact in blood; once I possess your name written in your blood, I shall have caught you by the one thing that will hold man. I shall then be able to pull you over to my side.” That which possesses a person's blood possesses that person, and possesses the human “I. ”
[ 47 ] Wenn zwei Menschengruppen aufeinanderstoßen, wie dies bei der Kolonisation der Fall zu sein pflegt, dann wird derjenige, welcher die Evolution kennt, sagen können, ob eine fremde Kultur aufgenommen werden kann oder nicht. Nehmen Sie ein Volk, das herausgewachsen ist aus seiner Umgebung, in dessen Blut sich seine Umgebung hineingebildet hat, und versuchen Sie, ihm eine fremde Kultur aufzupfropfen. Es ist unmöglich. Das ist auch der Grund, warum gewisse Ureinwohner zugrunde gehen mußten, als die Kolonisten in bestimmte Gegenden kamen. Von diesem Gesichtspunkte aus wird man diese Frage beurteilen müssen, und dann wird man auch nicht mehr glauben, daß man jedes jedem aufpfropfen kann. Dem Blute darf nur dasjenige zugemutet werden, was es noch vertragen kann.
[ 47 ] When two groups of human beings confront one another, as used to be the case in colonization, then only if there is true insight into evolutionary laws is there any possibility of foreseeing if the foreign culture can be assimilated. Take the case of a people that is very much at one with its environment, a people into whose blood the environment has as it were inserted itself. No attempt to graft upon it a foreign culture will succeed. It is simply impossible, and is also the reason why in certain regions the original inhabitants became extinct when colonized. One must approach such problems with insight and realize that anything and everything cannot be forced upon a people. It is useless to demand of blood more than it is able to endure.
[ 48 ] Die Entdeckung der neueren Wissenschaft, daß, wenn man Blut eines Tieres mit dem eines ihm nicht verwandten vermischt, das eine Blut das andere tötet, ist eine alte okkulte Erkenntnis. Mischen Sie Menschenblut mit dem Blut niederer Affen, so tritt Vernichtung ein, weil sie zu weit voneinander abliegen. Mischen Sie Menschenblut und das Blut höherer Affen, so töten sie sich nicht. So wie die Mischung des Blutes von Tiergattungen, wenn sie zu entfernt sind, den wirklichen Tod hervorbringt, so tötete es das alte Hellsehen des niederen Menschen, als sein Blut mit dem Blute des nicht stammverwandten vermischt wurde. Das ganze heutige Geistesleben ist nichts anderes als das Ergebnis der Blutmischung, und man wird in nicht zu ferner Zeit auch den Einfluß der Blutmischung studieren und im Menschenleben zurückverfolgen können, wenn man von diesem Gesichtspunkte aus wieder die Forschung betreibt. Also: Blut zu Blut von in der Entwicklung sich fernstehenden Tiergattungen tötet; Blut zu Blut von verwandten Tiergattungen tötet nicht. Der physische Organismus des Menschen wird erhalten, auch wenn fremdes Blut zu fremdem Blute kommt, aber die hellseherische Kraft stirbt unter dem Einfluß der Blutmischung oder der Fern-Ehe.
[ 48 ] Modern science has discovered recently that if blood from one animal is mixed with that of another not akin to it, the two types of blood prove fatal to one another. This is something that has been known to spiritual knowledge for a long time. Just as unrelated types of blood if mixed cause death, so is the old clairvoyance killed in primitive humanity when blood from different lines of descent are mingled. Our modern intellectual life is entirely the outcome of the mingling of blood. Once this approach is adopted it will be possible to study what effect the mingling of blood has had on the various people in the course of history. Thus, when the blood of animals from different evolutionary stages is mixed the result is death, whereas that is not the case when the species are related. The human organism survives when, through marriage, blood is mingled with strange blood; here the result is the extinction of the original animal kind of clairvoyance, and the birth in evolution of a new consciousness.
[ 49 ] Der Mensch ist so gestaltet, daß, wenn sich Blut und Blut mischt und diese Blutmischung nicht von einer Seite herkommt, die in der Entwicklung zu weit absteht, der Intellekt geboren wird. Dadurch wird die ursprünglich aus dem Animalischen kommende Hellseherkraft vernichtet und ein neues Bewußtsein in der Entwicklung geboren.
[ 49 ] In other words, something happens in humans, but on a higher level, that is similar to what happens in the animal kingdom where strange blood kills strange blood. In the human kingdom strange blood kills the hazy clairvoyance that is based on kindred blood.
[ 50 ] Es ist also bei der menschlichen Entwicklung auf höherer Stufe etwas Ähnliches vorhanden wie auf niederer Stufe in der Tierwelt. In der Tierwelt tötet fremdes Blut das fremde Blut. In der Menschenwelt tötet das fremde Blut dasjenige, was mit dem Verwandtenblut verbunden ist: das dumpfe, dämmerhafte Hellsehen. Das wache Tagesbewußtsein des Menschen der Gegenwart ist also ein Ergebnis eines Tötungsprozesses, Es ist im Laufe der Entwicklung das Geistesleben der Nah-Ehe getötet worden, aber es ist auch dafür aus der Fern-Ehe das Neue, der Intellekt, das wache Tagesbewußtsein geboren worden.
[ 50 ] Therefore, it is a destructive process that gave rise to the modern human wakeful day-consciousness. The kind of spiritual life that resulted from intermarriage has been destroyed in the course of evolution; while the very thing that destroyed it, that is, marriage between strangers, gave birth to the intellect and today's lucid consciousness.
[ 51 ] Was also im Blute des Menschen leben kann, das lebt in seinem Ich. Wie der physische Leib der Ausdruck ist für das physische Prinzip, der Ätherleib für die Lebenssäfte und ihre Systeme, der Astralleib für das Nervensystem, so ist das Blut der Ausdruck für das Ich. Physisches Prinzip, Ätherleib, Astralleib sind das Obere, Blutzustand und Ich sind das Mittlere und physischer Leib, Lebenssystem, Nervensystem sind das Untere. Was sich deshalb eines Menschen bemächtigen will, das muß sich seines Blutes bemächtigen. Das muß berücksichtigt werden, wenn man im praktischen Leben vorwärtskommen will. Man kann zum Beispiel ein fremdes Volk in seiner Eigenart töten, wenn man kolonisierend seinem Blute zumutet, was dieses Blut nicht ertragen kann. Denn im Blute drückt sich das Ich aus. Erst dann haben Schönheit und Wahrheit den Menschen, wenn sie sein Blut haben. Mephistopheles bemächtigt sich des Blutes des Faust, weil er dessen Ich haben will. Der Satz, der das Leitmotiv dieses Vortrags bildet, ist daher aus der Tiefe der Erkenntnis heraus genommen. Ja, Blut ist ein ganz besonderer Saft.
[ 51 ] What is able to live in a person's blood lives in that person's “I.” Just as the physical principle comes to expression in the physical body, the ether body comes to expression in the system of living fluids, and the astral body in the system of nerves, so does the “I” come to expression in the blood. Physical principle, ether body and astral body are the “above” blood; the “I” forms the center; and physical body, living fluids and nervous system are the “below.” Therefore, whatever power wishes to dominate humans must take possession of their blood. These are things that must be taken into account if progress is to be achieved in practical life. For example, just because the “I” comes to expression in the blood, a people's racial character can be destroyed through colonization, when more is demanded than the blood can endure. Not till Beauty and Truth become part of a person's blood does he truly possess them. Mephistopheles wants power over Faust's “I”; that is why he seizes Faust's blood. So you see that the quotation, which is the Leitmotiv of this lecture, arose out of profound knowledge. Blood is indeed a very special fluid.
