Recognizing the Supernatural in our Time
and its Significance for Modern Life
GA 55
25 October 1906, Berlin
Translate the original German text into any language:
Versions Available:
Recognizing the Supernatural in our Time, tr. SOL
2. Blut ist ein ganz besonderer Saft
2. Blood Is a Very Special Fluid
[ 1 ] Ein jeder von Ihnen hat zweifellos im Gedächtnis, daß der heutige Vortrag, seinem Titel nach, an ein Wort des Goetheschen Faust anknüpft. Sie wissen alle, daß in diesem Gedichte dargestellt wird, wie Faust, der Repräsentant des höchsten menschlichen Strebens, einen Bund eingeht mit den bösen Mächten, die ihrerseits wieder in dem Gedichte durch Mephistopheles, den Sendling der Hölle, repräsentiert werden. Sie wissen alle, daß Faust einen Vertrag schließen soll mit Mephistopheles, und daß das Schriftstück dann von Faust mit Blut unterschrieben werden soll. Faust hält das zunächst für eine Posse; Mephistopheles aber spricht den an dieser Stelle von Goethe zweifellos ernst gemeinten Satz: «Blut ist ein ganz besonderer Saft».
[ 1 ] Each of you undoubtedly recalls that today’s lecture, as its title suggests, draws on a line from Goethe’s Faust. You all know that this poem depicts how Faust, the embodiment of the highest human aspirations, enters into a pact with the forces of evil, which in turn are represented in the poem by Mephistopheles, the emissary of Hell. You all know that Faust is to conclude a contract with Mephistopheles, and that the document is then to be signed by Faust with his own blood. At first, Faust considers this a farce; but Mephistopheles utters the line that Goethe undoubtedly intended to be serious at this point: “Blood is a very special fluid.”
[ 2 ] Etwas Merkwürdiges ist bei dieser Stelle des Goetheschen Faust den sogenannten Goethe-Kommentatoren passiert. Sie wissen ja, daß über Goethes Faust eine so umfangreiche Literatur existiert, daß man ganze Bibliotheken damit fülJlen könnte. Natürlich kann es nicht meine Aufgabe sein, mich weiter auszulassen über dasjenige, was diese verschiedenen Goethe-Erklärer gerade über diese Fauststelle sagen; aber sie bringen nicht viel anderes zutage als das, wovon der Faustkommentar, der einer der letzten ist, von dem Universitätsprofessor Minor, ein Beispiel gibt. Er sowie andere Kommentatoren behandeln diesen Satz als etwas, das von Mephistopheles wie eine Art ironischer Bemerkung hingesprochen sein soll, und Minor macht die merkwürdige, in der Tat höchst merkwürdige Bemerkung — hören Sie genau, was er sagt, um vielleicht auch staunen zu können, auf was alles ein Goethe-Erklärer kommen kann —, die Bemerkung: «Der Teufel ist der Feind des Blutes», und er verweist dabei darauf, daß das Blut dasjenige sei, was dem Menschen eigentlich das Leben erhöht und erhält, und daß daher der Teufel, der Feind des menschlichen Geschlechtes, auch nur der Feind des Blutes sein könne. Er macht nun mit Recht darauf aufmerksam, daß schon in der ältesten Bearbeitung der Faustsage, wie auch in der Sage überhaupt, dieses Blut dieselbe Rolle spielt.
[ 2 ] Something strange has happened to the so-called Goethe commentators regarding this passage from Goethe’s Faust. As you know, there is such an extensive body of literature on Goethe’s Faust that it could fill entire libraries. Of course, it cannot be my task to elaborate further on what these various Goethe interpreters say specifically about this passage from Faust; but they reveal little more than what is exemplified in the Faust commentary by University Professor Minor, which is one of the most recent. He, like other commentators, treats this sentence as something Mephistopheles is supposed to have uttered as a kind of ironic remark, and Minor makes the strange—indeed, highly strange—remark—listen carefully to what he says, so that you, too, might be amazed at what a Goethe scholar can come up with—the remark: “The devil is the enemy of blood,” and in doing so he points out that blood is what actually elevates and sustains human life, and that therefore the devil, the enemy of the human race, can only be the enemy of blood. He rightly points out that even in the oldest version of the Faust legend—as well as in legends in general—this blood plays the same role.
[ 3 ] In einem alten Faustbuche wird uns klar beschrieben, wie Faust sich mit einem kleinen Federmesser die linke Hand etwas aufzuritzen hat, wie er dann das herausfließende Blut in die Feder nimmt und seinen Namen unter den Pakt schreibt, wie dann auf der linken Hand das Blut gerinnt und die Worte bildet: «O Mensch entfliehe.» Dies alles ist richtig. Aber nun die Bemerkung, daß der Teufel ein Feind des Blutes sei und die Unterschrift deshalb mit Blut fordere, eben weil er ein Feind des Blutes sei. Ich möchte Sie fragen, ob jemand sich vorstellen kann, daß er just dasjenige begehre, was ihm unsympathisch: ist. Vernünftigerweise kann man nur voraussetzen, daß an dieser Stelle Goethe gemeint hat — daß nicht nur Goethe, sondern auch die Hauptsage und die ältere Faustdichtung einzig und allein das gemeint haben können —, daß dem Teufel an dem Blute etwas Besonderes liegt und daß es ihm nicht einerlei ist, ob er mit gewöhnlicher, neutraler Tinte den Pakt unterschrieben erhält oder mit Blut. Man kann hier nichts anderes voraussetzen, als daß der Repräsentant der bösen Mächte glaubt, ja überzeugt ist, daß er den Faust ganz besonders dadurch in der Hand haben werde, daß er sich wenigstens eines Tropfens seines Blutes bemächtigt haben wird. Das ist ganz selbstverständlich und niemand kann diese Stelle anders verstehen, als daß Faust nicht deshalb mit Blut unterschreiben soll, weil der Teufel ein Feind des Blutes ist, sondern weil er sich des Blutes bemächtigen möchte.
[ 3 ] An old book on Faust clearly describes how Faust must slightly cut his left hand with a small penknife, how he then collects the flowing blood on the nib and writes his name beneath the pact, and how the blood then coagulates on his left hand, forming the words: “O man, flee.” All of this is correct. But now consider the remark that the Devil is an enemy of blood and therefore demands a signature in blood, precisely because he is an enemy of blood. I would like to ask you whether anyone can imagine desiring precisely that which is repugnant to him. Reasonably, one can only assume that what Goethe meant here—and that not only Goethe, but also the main narrative and the earlier Faust poem could have meant nothing other than this—is that the Devil attaches special importance to blood and that it matters to him whether the pact is signed with ordinary, neutral ink or with blood. One can assume nothing else here than that the representative of the evil powers believes—indeed, is convinced—that he will have Faust particularly firmly in his grasp precisely because he will have obtained at least a single drop of his blood. This is entirely self-evident, and no one can interpret this passage any other way than to say that Faust is not to sign with blood because the Devil is an enemy of blood, but because the Devil wishes to take possession of the blood.
[ 4 ] Dem liegt eine merkwürdige Empfindung zugrunde, die Empfindung, daß derjenige, der sich des Menschen Blutes bemächtigt, die Herrschaft über den Menschen habe, und daß das Blut deshalb ein ganz besonderer Saft ist, weil es sozusagen dasjenige ist, um das eigentlich gekämpft werden muß, wenn um den Menschen in bezug auf das Gute und auf das Böse gekämpft wird.
[ 4 ] This is based on a strange notion—the notion that whoever takes possession of a person’s blood has dominion over that person, and that blood is therefore a very special fluid because it is, so to speak, the very thing that must actually be fought over when the battle for humanity is waged in terms of good and evil.
[ 5 ] Alle diejenigen Dinge, welche aus den Sagen und Mythen des Volkes uns überkommen sind und sich auf das Menschenleben beziehen, werden in unserer Zeit in bezug auf die ganze Anschauung und Auffassung des Menschen einer besonderen Umwandlung unterliegen. Dasjenige Zeitalter liegt hinter uns, in dem man auf Sagen, Märchen und Mythen so geblickt hat, als ob in ihnen nur kindliche Volksphantasie sich ausspräche. Ja, selbst die Zeit liegt hinter uns, in der man in einer kindlich gelehrtenhaften Weise davon gesprochen hat, daß in der Sage die dichtende Volksseele zum Ausdruck komme. Die dichtende Volksseele ist nichts anderes als ein Erzeugnis des grünen Gelehrtentisches, denn es gibt ebenso einen grünen Gelehrtentisch, wie es einen grünen Bürokratentisch gibt. Wer einen Blick hineingetan hat in die Volksseele, der weiß sehr gut, daß es sich im Volke nicht um Erdichtungen und dergleichen Dinge handelt, sondern um etwas viel Tieferes, das in seinen Sagen und Märchen von wunderbaren Mächten und wunderbaren Ereignissen zum Ausdruck kommt.
[ 5 ] All those elements that have come down to us from the legends and myths of the people and that relate to human life will, in our time, undergo a special transformation with regard to our entire view and understanding of humanity. The era in which legends, fairy tales, and myths were viewed as if they were merely expressions of a childlike folk imagination is now behind us. Indeed, even the time is behind us when people spoke, in a childishly pedantic manner, of the “poetic folk soul” finding expression in legend. The “poetic folk soul” is nothing more than a product of the ivory tower, for there is such a thing as an ivory tower just as there is a bureaucratic desk. Anyone who has taken a look into the folk soul knows very well that the folk are not concerned with fabrications and the like, but with something much deeper, which finds expression in their legends and fairy tales of wondrous powers and wondrous events.
[ 6 ] Wenn wir uns von dem neuen Standpunkte der Geistesforschung aus wieder in die Sagen und Mythen vertiefen, wenn wir jene großartigen und gewaltigen Bilder, die uns aus der Urzeit überkommen sind, auf uns wirken lassen, nachdem wir mit geisteswissenschaftlichen Forschungsmethoden ausgerüstet sind, so erscheinen uns diese Mythen und Sagen so, daß sie uns zum Ausdruck einer tiefsinnigen Urweisheit werden.
[ 6 ] When we delve once more into legends and myths from the new perspective of spiritual research, when we allow those magnificent and powerful images that have come down to us from primeval times to take effect upon us—now that we are equipped with the research methods of spiritual science—these myths and legends appear to us as expressions of a profound primordial wisdom.
[ 7 ] Wahr ist es, daß der Mensch sich zunächst frägt, wie es komme, da wir es doch ursprünglich mit primitiven Volksstufen, primitiven Volksanschauungen zu tun haben, daß der naive Mensch sich die Welträtsel bildlich veranschaulichen konnte in diesen Sagen und Märchen und daß, wenn wir uns heute in diese Sagen und Märchen vertiefen, wir im Bilde dasjenige erblicken, was uns die Geistesforschung heute klar enthüllt. Zunächst muß das unsere Verwunderung erregen. Wer sich aber tiefer und tiefer einläßt in die Art und Weise, wie diese Märchen und Mythen zustande gekommen sind, dem schwindet jedes Erstaunen, jeder Zweifel und er wird nicht nur das, was man naive Anschauung nennt, in diesen Sagen und Märchen finden, sondern den weisheitsvollen Ausdruck einer uralten, wahren Weisheits-Anschauung der Welt erkennen. Mehr, viel mehr noch kann man lernen, wenn man die Grundlage dieser Mythen und Sagen positiv durchforscht, als wenn man die heutige verstandes- und erfahrungsmäßige Wissenschaft in sich aufnimmt. Freilich muß man mit den Erforschungsmethoden der Geisteswissenschaft ausgerüstet an diese Dinge herangehen. Alles, was man in den Sagen und alten Weltanschauungen über das Blut findet, pflegt von Bedeutung zu sein, weil man in diesen uralten Zeiten eine Weisheit hatte, die über das Blut, über jenen besonderen Saft, der das fließende MenschenJeben selbst ist, und über seine Bedeutung für die Welt Bescheid wußte.
[ 7 ] It is true that one initially wonders how it is that—since we are originally dealing with primitive stages of human development and primitive folk beliefs—the naive person was able to visualize the mysteries of the world through these legends and fairy tales, and that when we immerse ourselves in these legends and fairy tales today, we see in the imagery precisely what spiritual research clearly reveals to us today. At first, this must arouse our astonishment. But for anyone who delves deeper and deeper into the way these fairy tales and myths came into being, all astonishment and doubt will fade, and they will find in these legends and fairy tales not only what is called a “naive worldview,” but will recognize the wise expression of an ancient, true wisdom-based view of the world. One can learn more—much more, in fact—by actively investigating the foundations of these myths and legends than by absorbing today’s science based on reason and experience. Of course, one must approach these matters equipped with the research methods of spiritual science. Everything one finds in the legends and ancient worldviews concerning blood tends to be significant, because in those ancient times people possessed a wisdom that understood blood—that special life-giving fluid which is the very flow of human life itself—and its significance for the world.
[ 8 ] Es soll uns heute nicht beschäftigen, woher in Urzeiten jene Weisheit gekommen ist, obwohl der Schluß des Vortrages auch darauf wird hindeuten müssen. Die eigentliche Betrachtung dieses Gegenstandes soll späteren Vorträgen vorbehalten bleiben. Aber das Blut selbst, in seiner Bedeutung für die Menschheit und den menschlichen Kulturprozeß, wollen wir uns heute einmal anschauen. Nicht etwa eine physiologische oder rein naturwissenschaftliche Betrachtung soll hier geboten werden, sondern eine Betrachtung aus der geistigen Weltanschauung heraus. Und da dringen wir am besten in jedes Ding ein, wenn wir uns zunächst bewußt werden, welches die Bedeutung eines uralten Satzes ist, eines Satzes, der mit der Urkultur des alten Ägyptens zusammenhängt, wo die Priesterweisheit des Hermes gewaltet hat, eines Satzes, der als Grundsatz aller Geisteswissenschaft gilt, der der hermetische Grundsatz genannt worden ist und der heißt: «Es ist oben alles wie unten.»
[ 8 ] We will not concern ourselves today with the question of where that wisdom came from in ancient times, although the conclusion of this lecture will inevitably have to allude to it. A thorough examination of this subject will be reserved for later lectures. But today, let us take a look at blood itself, in terms of its significance for humanity and the process of human cultural development. The aim here is not to offer a physiological or purely scientific analysis, but rather an examination grounded in a spiritual worldview. And we can best penetrate the essence of any matter by first becoming aware of the meaning of an ancient saying—a saying connected to the primordial culture of ancient Egypt, where the priestly wisdom of Hermes prevailed; a saying that serves as the fundamental principle of all spiritual science, known as the Hermetic Principle, which states: “As above, so below.” ”
[ 9 ] Sie können manche dilettantische Erklärung dieses Satzes finden. Diejenige Erklärung aber, die uns zunächst heute hier beschäftigen soll, ist die folgende. Alle Geisteswissenschaft ist sich darüber klar, daß die Welt, die dem Menschen zunächst durch seine fünf Sinne zugänglich ist, nicht die ganze Welt darstellt, sondern daß sie nur der Ausdruck ist für eine tiefere, hinter ihr verborgene Welt, die geistige Welt. Diese geistige Welt wird im Sinne dieses hermetischen Grundsatzes die obere Welt genannt, und die sinnliche Welt, die sich um uns herum ausbreitet, die wir mit unseren Sinnen wahrnehmen und mit unserem Verstande erforschen können, gilt als untere, als der Ausdruck der geistigen Welt. So daß der Geistesforscher in dieser sinnlichen Welt kein Letztes sieht, sondern eine Art Physiognomie, die ihm eine dahinterliegende seelische und geistige Welt ausdrückt, genau so wie man, wenn man das menschliche Antlitz betrachtet, nicht bei den Formen des Gesichtes und der Gesten stehenbleiben darf, sondern selbstverständlich von den Gesten und der Physiognomie auf dasjenige hingeführt wird, was sich seelisch und geistig in ihnen ausdrückt.
[ 9 ] You can find some amateurish explanations of this statement. However, the explanation that concerns us here today is the following. All spiritual science is clear on the fact that the world initially accessible to human beings through their five senses does not represent the whole world, but is merely an expression of a deeper world hidden behind it—the spiritual world. In accordance with this Hermetic principle, this spiritual world is called the upper world, and the sensory world that surrounds us—which we can perceive with our senses and explore with our intellect—is regarded as the lower world, as the expression of the spiritual world. Thus, the spiritual researcher does not view this sensory world as the ultimate reality, but rather as a kind of physiognomy that reveals to him a spiritual and soul-world lying behind it, just as when one observes the human face, one must not stop at the forms of the face and the gestures, but is naturally led from the gestures and the physiognomy to that which is expressed in them psychologically and spiritually.
[ 10 ] Dasjenige, was jeder Mensch naiv tut, wenn er einem beseelten Wesen gegenübertritt, das macht der Okkultist oder der Geistesforscher der ganzen Welt gegenüber. «Es ist oben alles wie unten» würde, auf den Menschen angewandt, heißen: Es drücken sich diejenigen Impulse in seinem Gesichte aus, die in seiner Seele liegen: in einem harten, rohen Antlitz die Roheit der Seele, in einem Lächeln innerlicher Frohsinn, in den Tränenperlen die Leiden der Seele.
[ 10 ] What every person naively does when faced with an animated being is what the occultist or spiritual researcher does when faced with the entire world. “As above, so below,” when applied to human beings, would mean: The impulses lying within one’s soul are expressed in one’s face—the coarseness of the soul in a harsh, rough countenance; inner joy in a smile; and the sufferings of the soul in tears.
[ 11 ] Lassen Sie mich an der Frage, was eigentlich Weisheit ist, den hermetischen Grundsatz einmal darlegen. Es wurde in der Geisteswissenschaft immer davon gesprochen, daß die Weisheit des Menschen etwas zu tun habe mit der Erfahrung, und zwar mit schmerzlicher Erfahrung. Derjenige, der unmittelbar in Schmerz und Leiden darinnensteckt, wird innerhalb dieses Schmerzes und Leidens vielleicht etwas zeigen, was innerliche Disharmonie ist. Derjenige aber, der die Schmerzen und Leiden überwunden hat und ihre Frucht in sich trägt, wird Ihnen immer wieder nur das sagen, daß er damit etwas von Weisheit aufgenommen hat. Die Freuden und Lüste des Lebens, das, was mir das Leben geboten hat an Befriedigungen, das nehme ich dankbar hin; aber weniger als das alles möchte ich hingeben meine Schmerzen und Leiden, die hinter mir liegen: Meinen Schmerzen und Leiden verdanke ich die Weisheit. So hat von jeher die Geistesforschung in der Weisheit etwas gesehen wie kristallisierten Schmerz, der überwunden ist und sich in sein Gegenteil verwandelt hat.
[ 11 ] Let me use the question of what wisdom actually is to illustrate the Hermetic principle. In spiritual science, it has always been said that human wisdom has something to do with experience—specifically, with painful experience. The person who is directly immersed in pain and suffering may, within that pain and suffering, reveal something that constitutes inner disharmony. But the person who has overcome pain and suffering and bears their fruit within will tell you time and again that through this they have gained a measure of wisdom. The joys and pleasures of life—the satisfactions that life has offered me—I accept with gratitude; but I would be willing to give up my past pains and sufferings for even less than all of that: I owe my wisdom to my pains and sufferings. Thus, spiritual research has always viewed wisdom as something like crystallized pain that has been overcome and transformed into its opposite.
[ 12 ] Interessant ist es nun, daß die gegenwärtige mehr materialistische Forschung in einer eigenartigen Weise gerade darauf zurückgekommen ist. In jüngster Zeit ist ein schönes Buch erschienen über die Mimik des Denkens, ein Buch, das lesenswert ist. Das Buch ist von keinem Theosophen, sondern von einem Natur- und Seelenforscher. Er versucht zu zeigen, wie sich das innere Leben des Menschen, seine Art und Weise des Vorstellens, zum Ausdrucke bringt in der Physiognomie, und auch dieser Forscher macht darauf aufmerksam, daß der Denker immer etwas in seinem Gesichtsausdruck hat, das an absorbierten Schmerz erinnert.
[ 12 ] It is interesting to note that contemporary, more materialistic research has, in a peculiar way, come back to this very point. A fine book has recently been published on the facial expressions of thought—a book well worth reading. The book was not written by a theosophist, but by a researcher of nature and the soul. He attempts to show how a person’s inner life—their way of imagining—is expressed in their physiognomy, and this researcher also points out that a thinker always has something in their facial expression that is reminiscent of absorbed pain.
[ 13 ] So sehen Sie, als eine schöne Bestätigung eines uralten Grundsatzes der Geisteswissenschaft, diesen Grundsatz wieder in der mehr materialistischen Anschauung unserer Zeit auftauchen. Das werden Sie noch tiefer und tiefer einsehen, und Sie werden finden, wie Zug um Zug dasjenige, was uralte Weisheit ist, der heutigen Wissenschaft wiederum zugänglich wird.
[ 13 ] As you can see, this is a beautiful confirmation of an ancient principle of spiritual science—a principle that is reemerging within the more materialistic worldview of our time. You will come to understand this more and more deeply, and you will discover how, step by step, what constitutes ancient wisdom is once again becoming accessible to modern science.
[ 14 ] Es macht das Wesen der Geistesforschung aus, daß alles, was uns in der Welt umgibt — das mineralische Gerüst, die Pflanzendecke, die Tierwelt unserer Erde —, als der physiognomische Ausdruck oder das Untere eines Oberen, eines dahinterliegenden geistigen Lebens angesehen wird. Vom okkulten oder geisteswissenschaftlichen Standpunkt aus wird dasjenige, was uns in der sinnlichen Welt gegeben wird, erst richtig verstanden, wenn man dazu das Obere, das geistige Vorbild, die geistigen Urwesen, aus denen das alles hervorgegangen ist, kennt. So soll uns heute beschäftigen, was hinter der Erscheinung des Blutes verborgen liegt, dasjenige, was sich in dem Blute einen physiognomischen Ausdruck hier in der Sinnenwelt schuf. Hat man dann diesen geistigen Hintergrund des Blutes, dann wird man auch einsehen, wie eine solche Erkenntnis zurückwirken muß auf unser ganzes geistiges Kulturleben.
[ 14 ] The essence of spiritual research lies in the fact that everything that surrounds us in the world—the mineral framework, the plant cover, and the animal world of our Earth—is regarded as the physiognomic expression or the lower aspect of a higher, underlying spiritual life. From the occult or spiritual-scientific standpoint, what is given to us in the sensory world is only truly understood when one knows the higher aspect—the spiritual archetype, the primordial spiritual beings—from which all of this has emerged. So today we shall consider what lies hidden behind the phenomenon of blood—that which has created a physiognomic expression for itself here in the sensory world through blood. Once we have this spiritual background of blood, we will also come to see how such an insight must have a reciprocal effect on our entire spiritual cultural life.
[ 15 ] Große Fragen drängen sich in unserer Zeit an den Menschen heran: Fragen der Erziehung nicht nur des jungen Menschen, sondern Fragen der Erziehung ganzer Völker, und auch die große Erziehungsfrage, die die Zukunft an die Menschheit stellen wird. Sie muß jeder erblicken, wenn er sein Auge auf die großen sozialen Umwälzungen unserer Zeit richtet, auf die sozialen Forderungen, die überall auftreten, seien sie verkörpert in der Frauenfrage, in der sozialen Frage, in der Friedensfrage und so weiter. Alles das tritt vor unsere sorgende Seele. Alle diese Fragen werden hell und klar, wenn wir das, was als geistige Wesenheit hinter dem Blute liegt, kennen.
[ 15 ] Major questions are pressing upon people in our time: questions of education—not only of young people, but of entire nations—and also the great question of education that the future will pose to humanity. Everyone must recognize this when they turn their gaze to the great social upheavals of our time, to the social demands that are arising everywhere—whether embodied in the women’s issue, the social issue, the peace issue, and so on. All of this presents itself to our concerned souls. All these questions become clear and distinct when we understand what lies behind the blood as a spiritual entity.
[ 16 ] Wer wollte leugnen, daß mit dieser Frage auch die Rassenfrage zusammenhängt, die bezeichnenderweise auch in unserer Gegenwart wieder auftritt? Wir verstehen die Rassenfrage aber nur, wenn wir das geheimnisvolle Wirken des Blutes und der Blutmischung unter den Völkern verstehen. Endlich hängt auch noch eine Frage damit zusammen, die immer aktueller und aktueller werden wird, je mehr man sich aus einem bloß ziellosen Vorgehen in dieser Sache herauswindet und durchringen wird zu einem einheitsvollen Vorgehen auf diesem Gebiete. Die Frage, auf die hier hingedeutet wird, ist die Kolonisationsfrage, jene Frage, die auftaucht, wenn Menschen kultivierter Völker mit unkultivierten Völkern zusammenkommen: Inwiefern können unkultivierteVölker neue Kulturen in sich aufnehmen? Wie kann ein Schwarzer, wie kann ein barbarischer Wilder kultiviert werden, wie hat man sich ihnen gegenüber zu benehmen? Da kommen nicht bloß die Gefühle einer schattenhaften Moral in Betracht, sondern große, ernste und bedeutsame Lebensfragen des Daseins. Derjenige, der nicht weiß, unter welchen Bedingungen ein Volk steht, ob in auf- oder absteigender Linie der Entwicklung, ob dies oder jenes durch sein Blut bedingt ist, der vermag nicht den richtigen Weg zu finden, um irgendeine Kultur bei einem anderen Volke einzuführen. Alles das taucht auf, wenn diese bedeutungsvolle Frage nach dem Blute aufgeworfen wird.
[ 16 ] Who would deny that this issue is also linked to the racial question, which, significantly, is reemerging in our own time? However, we can only understand the racial question if we understand the mysterious workings of blood and the mixing of blood among peoples. Finally, there is another question connected to this that will become increasingly relevant the more we extricate ourselves from a merely aimless approach to this matter and resolve to adopt a unified approach in this area. The question alluded to here is the question of colonization—the question that arises when people from civilized nations come into contact with uncivilized peoples: To what extent can uncivilized peoples assimilate new cultures? How can a Black person, how can a barbaric savage, be civilized; how should one behave toward them? This involves not merely the sentiments of a shadowy morality, but great, serious, and significant questions of life and existence. Anyone who does not know the conditions under which a people lives—whether it is on an ascending or descending trajectory of development, whether this or that is determined by its blood—cannot find the right way to introduce any culture to another people. All of this comes to the fore when this significant question of blood is raised.
[ 17 ] Was das Blut als solches ist, das kennen Sie ja wohl alle aus der landläufigen Naturwissenschaft. Sie wissen, wenn Sie den Menschen und die höheren Tiere betrachten, daß dieses Blut wirklich das fließende Leben ist. Sie wissen, daß durch das Blut des Menschen Inneres nach außen geöffnet wird, und indem dies geschieht, nimmt der Mensch durch das Blut die Lebensluft, den Sauerstoff auf. Das Blut erfährt durch diese Sauerstoffaufnahme eine Erneuerung. Dasjenige Blut, welches das menschliche Innere gleichsam dem hereinströmenden Sauerstoff anbietet, ist eine Art von Giftstoff für den Organismus, eine Art Vernichter und Zerstörer, Dieses blaurote Blut wird umgewandelt durch Aufnahme von Sauerstoff, durch eine Art Verbrennungsprozeß, in rotes, lebenschaffendes Blut. Dieses Blut, das in alle Teile des Körpers dringt, in allen Teilen des Körpers die Ernährungsstoffe ablagert, hat die Aufgabe, die Stoffe der Außenwelt unmittelbar in sich aufzunehmen und auf dem kürzesten Wege zur Ernährung des Wesens zu verwenden. Der Mensch und die höheren Tiere haben nötig, erst diese Ernährungsstoffe in das Blut überzuführen, das Blut zu bilden, den Sauerstoff der Luft in das Blut aufzunehmen und den Körper durch das Blut aufzubauen und zu erhalten.
[ 17 ] You are all surely familiar with what blood is, as described in conventional science. You know, when you observe human beings and higher animals, that this blood is truly the flowing life. You know that through the blood, the human interior is opened to the outside, and as this happens, the human being takes in the life-giving air—oxygen—through the blood. Through this absorption of oxygen, the blood is renewed. The blood that the human interior, as it were, offers up to the inflowing oxygen is a kind of toxin for the organism, a kind of destroyer and corrupter. This blue-red blood is transformed—through the absorption of oxygen, through a kind of combustion process—into red, life-giving blood. This blood, which penetrates all parts of the body and deposits nutrients in all parts of the body, has the task of directly absorbing substances from the external world and using them by the shortest route to nourish the being. Humans and higher animals must first transfer these nutrients into the blood, form the blood, absorb oxygen from the air into the blood, and build up and sustain the body through the blood.
[ 18 ] Nicht mit Unrecht hat ein geistvoller Seelenkenner gesagt: Das Blut mit seiner Bewegung ist wie ein zweiter Mensch, der sich zu dem anderen aus Knochen, Muskeln und Nervenmasse bestehenden Menschen wie eine Art von Außenwelt verhält. Und in der Tat nimmt der ganze Mensch fortwährend aus dem Blute seine Erhaltungskräfte auf und gibt andererseits dasjenige, was er nicht gebraucht hat, an das Blut ab. Im Blute ist also ein wirklicher Doppelgänger des Menschen vorhanden, der ihn fortwährend begleitet, aus dem er fortwährend seine neuen Kräfte schöpft und an den er dasjenige, was er nicht mehr braucht, abgibt. Mit volJlem Recht hat man daher das Blut das fließende Menschenleben genannt und ihm ähnliche Bedeutung beigemessen wie dem Zellstoff für die niederen Organismen. Was der Zellstoff für den niederen Organismus ist, das ist der so vielfach umgewandelte «besondere Saft», das Blut, für den Menschen.
[ 18 ] A witty connoisseur of the human soul once said, quite rightly: “Blood, with its movement, is like a second human being, which relates to the other human being—composed of bones, muscles, and nervous tissue—as a kind of external world.” And indeed, the whole human being continually draws its sustaining forces from the blood and, on the other hand, releases into the blood what it has not used. Thus, there is a true double of the human being present in the blood—one that continually accompanies him, from which he continually draws his new strength, and to which he releases what he no longer needs. It is therefore entirely justified to call blood “flowing human life” and to attribute to it a significance similar to that of cell substance for lower organisms. What cell substance is to the lower organism, the much-transformed “special sap”—blood—is to the human being.
[ 19 ] Ein bedeutender Forscher, Ernst Haeckel, hat tief in die Werkstatt der Natur hineingeschaut und mit Recht in popuJlären Werken darauf aufmerksam gemacht, daß das Blut eigentlich am spätesten im Organismus entsteht. Wenn man die Entwicklung des Menschenkeims im Mutterleibe verfolgt, so findet man, daß die Anlagen zum Knochen- und Muskelbau längst ausgebildet sind, bevor die Anlage zur Blutbildung entsteht. Erst sehr spät werden die Anlagen zur Blutbildung — mit ihr das Blutgefäß-System — im Menschen sichtbar; erst sehr spät kommen sie heraus. Daraus schließt die Naturwissenschaft mit Recht, daß die Blutbildung überhaupt erst spät in der Weltentwicklung aufgetreten ist, daß sozusagen andere Kräfte, die da waren, erst bis zur Höhe des Blutes heraufgehoben worden sind, um auf dieser Höhe dasjenige zu bewirken, was innerhalb des Menschen bewirkt werden soll. Wenn der Mensch als Menschenkeim die früheren Stadien der Menschheitsentwicklung durchmacht, sie noch einmal wiederholt, dann eignet er sich erst dasjenige an, was vor der Blutbildung in der Welt vorhanden war, um dann der Evolution in der Umwandlung, in der Heraufhebung alles Früheren zu diesem besonderen Saft, dem Blute, die Krone aufzusetzen.
[ 19 ] A prominent researcher, Ernst Haeckel, has looked deeply into the workings of nature and, in his popular works, has rightly pointed out that blood is actually the last thing to develop in the organism. If one traces the development of the human embryo in the womb, one finds that the structures for bone and muscle formation are already fully developed long before the structures for blood formation emerge. Only very late do the structures for blood formation—and with them the vascular system—become visible in humans; only very late do they emerge. From this, natural science rightly concludes that blood formation itself did not occur until late in the world’s development; that, so to speak, other forces that were already present were first raised to the level of blood in order to bring about at that level what is to be brought about within the human being. When the human being, as a human embryo, passes through the earlier stages of human development—repeating them once more—he first assimilates what existed in the world prior to the formation of blood, in order then to crown the process of evolution by transforming and elevating all that came before into this special fluid, blood.
[ 20 ] Wollen wir nun die hinter dem Blute waltenden geheimnisvollen Gesetze des geistigen Universums studieren, dann müssen wir uns mit den elementarsten Begriffen der Geisteswissenschaft ein wenig befassen. Schon oft sind diese elementaren Begriffe der Geisteswissenschaft hier auseinandergesetzt worden. Sie werden sehen, daß diese elementaren Begriffe der Geisteswissenschaft das Obere sind, und daß sich uns dieses Obere, wenn wir es kennengelernt haben, in den bedeutungsvollen Gesetzen des Blutes, wie in denen des übrigen Lebens, zum Ausdruck bringt wie in einer Physiognomie. Diejenigen, welche diese elementaren Gesetze der Geisteswissenschaft längst kennen, gestatten mir wohl, daß ich für die, welche zum ersten Male hier sind, kurz wiederhole. Dabei werden auch Ihnen solche Gesetze immer klarer und klarer werden, wenn Sie sie immer wieder in besonderen neuen Fällen anwenden lernen. Freilich für diejenigen, die noch nichts wissen von Geisteswissenschaft, die sich noch nicht eingelebt haben in die Lebens- und Weltanschauung, um die es sich hier handelt, ist, was ich jetzt sagen werde, mehr oder weniger nur eine Zusammenstellung von Worten, unter denen sie sich nichts denken können. Aber es ist ja nicht immer der Mangel eines hinter dem Worte steckenden Begriffes daran schuld, wenn sich jemand bei einem Worte nichts denken kann. Es kann hier eine Bemerkung, die der geistvolle Lichtenberg gemacht hat, etwas verändert angenommen werden: Wenn ein Kopf und ein Buch zusammenstoßen und es hohl klingt, so muß nicht immer das Buch daran schuld sein. So ist es auch bei der Beurteilung der geisteswissenschaftlichen Wahrheiten von seiten unserer Zeitgenossen. Wenn diese Wahrheiten den Menschen oftmals als bloße Worte an die Ohren klingen und sie sich nichts dabei denken können, so muß nicht immer die Geisteswissenschaft daran schuld sein. Derjenige aber, der sich einlebt in diese Dinge, der wird sehen, daß hinter den Bezeichnungen und Hinweisen auf höhere Wesenheiten auch wirklich solche Wesenheiten stecken, die nicht in unserer sinnlichen Welt zu finden sind.
[ 20 ] If we now wish to study the mysterious laws of the spiritual universe that govern the blood, we must first familiarize ourselves a little with the most basic concepts of spiritual science. These elementary concepts of spiritual science have often been discussed here. You will see that these elementary concepts of spiritual science represent the higher realm, and that once we have come to know this higher realm, it expresses itself in the meaningful laws of blood—as well as in those of the rest of life—just as in a physiognomy. Those of you who have long been familiar with these fundamental laws of spiritual science will surely allow me to briefly review them for those who are here for the first time. In doing so, these laws will also become clearer and clearer to you as you learn to apply them again and again in specific new cases. Of course, for those who know nothing yet about spiritual science, who have not yet become familiar with the view of life and the world that is at issue here, what I am about to say is more or less just a collection of words that mean nothing to them. But it is not always the lack of a concept behind the word that is to blame when someone cannot make sense of a word. Here, a remark made by the witty Lichtenberg can be adapted slightly: If a head and a book collide and it sounds hollow, the book is not always to blame. The same is true of our contemporaries’ assessment of the truths of spiritual science. If these truths often sound to people like mere words and they cannot make sense of them, it is not always the fault of spiritual science. But those who immerse themselves in these matters will see that behind the terms and references to higher beings there truly lie such beings that cannot be found in our sensory world.
[ 21 ] In der geisteswissenschaftlichen Weltanschauung sehen wir, daß der Mensch, insofern er uns in der Außenwelt für unsere Sinne entgegentritt, insofern er Form und Gestalt ist, nur einen Teil der menschlichen Wesenheit ausmacht, und daß sogar hinter dem physischen Leibe viele andere Wesenheiten sind. Diesen physischen Leib hat der Mensch mit allen um ihn herumliegenden mineralischen, sogenannten leblosen Dingen gemeinschaftlich. Darüber hinaus hat aber der Mensch den sogenannten Äther- oder Lebensleib. Äther wird hier nicht in dem Sinne verstanden, wie die physische Wissenschaft es tut. Dieser Äther- oder Lebensleib ist ein Prinzip, das für den geisteswissenschaftlichen Forscher nicht bloß etwas Erdachtes, nicht bloß etwas Ausspekuliertes ist, sondern etwas, das für seine geöffneten geistigen Sinne ebenso wirklich vorhanden ist wie die äußeren sinnlichen Farben für das sinnliche Auge. Zu sehen, wirklich zu sehen ist für den hellsehenden Menschen dieser Äther- oder Lebensleib. Er ist dasjenige, was die unorganischen Stoffe zu lebendigem Dasein aufruft, sie heraufholt aus der Leblosigkeit, um sie aufzufädeln an dem Faden des Lebens. Glauben Sie nicht, daß dieser Lebensleib für den okkulten Forscher nur etwas ist, was er zum Leblosen hinzudenkt. Das versuchen die Naturforscher. Sie versuchen das, was sie mit dem Mikroskop und so weiter an den Dingen sehen können, zu vervollständigen, sich etwas zu erdenken, was sie dann das Lebensprinzip nennen. Auf diesem Standpunkt steht die geisteswissenschaftliche Forschung nicht, sie hat ein bestimmtes Prinzip. Sie sagt sich nicht: Hier stehe ich als Forscher so, wie ich nun einmal bin. Was es in der Welt gibt, muß sich meinem gegenwärtigen Standpunkt fügen. Was ich nicht erkennen kann, das gibt es nicht. — Das ist ungefähr ebenso gescheit, wie wenn ein Blinder sagt, die Farben seien eine phantastische Sache. Es hat nicht derjenige über eine Sache zu entscheiden, der nichts darüber weiß, sondern derjenige, welcher etwas darüber erlebt hat. Der Mensch ist in Entwicklung begriffen. Daher sagt die Geisteswissenschaft: Wenn du so bleibst, wie du bist, so kannst du nichts vom Ätherleibe sehen, und kannst in der Tat von «Grenzen des Erkennens» und von «Ignorabismus» sprechen; wirst du aber ein anderer, eignest du dir die nötigen Fähigkeiten an, um die geistigen Dinge wahrzunehmen, so kann nicht von Grenzen der Erkenntnis gesprochen werden. Nur so lange gibt es diese, als der Mensch seine inneren Sinne nicht geöffnet hat. Daher ist auch der Agnostizismus nichts als eine drückende Last für unsere Kultur. Er sagt: Der Mensch ist so und so, und wenn er so und so ist, so kann er auch nur dies und das erkennen. Darauf ist zu antworten: Wenn er heute so und so ist, so muß er eben anders werden, und dann wird er auch anderes erkennen.
[ 21 ] In the spiritual-scientific worldview, we see that the human being—insofar as he appears to us in the external world through our senses, insofar as he is form and shape—constitutes only a part of the human being, and that there are many other beings even behind the physical body. Human beings share this physical body with all the mineral, so-called lifeless things surrounding them. Beyond that, however, the human being possesses the so-called etheric or life body. “Ether” is not understood here in the sense that physical science uses the term. This etheric or life body is a principle that, for the spiritual scientist, is not merely something imagined or speculated upon, but something that is just as truly present to his open spiritual senses as the external sensory colors are to the physical eye. For the clairvoyant, this etheric or life body is what is truly seen. It is that which calls inorganic substances to life, raising them up from lifelessness to thread them onto the thread of life. Do not believe that this life body is, for the occult researcher, merely something he imagines onto the inanimate. That is what natural scientists attempt to do. They try to supplement what they can see in things through the microscope and so on by conceiving of something they then call the life principle. Spiritual scientific research does not take this standpoint; it follows a specific principle. It does not say to itself: Here I stand as a researcher, just as I am. What exists in the world must conform to my current point of view. What I cannot perceive does not exist. — That is about as sensible as a blind person saying that colors are a figment of the imagination. It is not for the one who knows nothing about a matter to decide on it, but for the one who has experienced something of it. Human beings are in the process of development. That is why spiritual science says: If you remain as you are, you cannot perceive anything of the etheric body, and you can indeed speak of “limits of knowledge” and “ignorabismus”; but if you become a different person and acquire the necessary abilities to perceive spiritual things, then there can be no talk of limits of knowledge. These “limits” exist only as long as human beings have not opened their inner senses. That is why agnosticism, too, is nothing but a crushing burden on our culture. It asserts: Human beings are this way or that way, and if they are this way or that way, then they can perceive only this or that. To this one must reply: If they are this way or that way today, then they must simply become different, and then they will also perceive other things.
[ 22 ] Das zweite Glied des Menschen ist also der Ätherleib, den der Mensch gemeinschaftlich mit der Pflanzenwelt hat.
[ 22 ] The second member of the human being is thus the etheric body, which humans share with the plant kingdom.
[ 23 ] Das dritte Glied ist der sogenannte Astralleib, sehr schön und bedeutungsvoll so genannt, und es soll hier auch später noch einmal gezeigt werden, daß dieser Astralleib mit Recht so genannt wird. Theosophen, die für diesen Namen einen anderen wählen wollten, haben keine Ahnung davon, um was es sich hier handelt. Dem Astralleib obliegt es, im Menschen und im Tiere, das Lebendige zur Empfindungssubstanz aufzurufen, so daß sich innerhalb des Lebendigen nicht bloß Säfte bewegen, sondern daß sich darin dasjenige ausdrückt, was man Lust und Leid, Freude und Schmerz nennt. Damit haben Sie im wesentlichen auch den Unterschied zwischen Pflanze und Tier angedeutet, obwohl es Übergänge gibt.
[ 23 ] The third member is the so-called astral body—a very beautiful and meaningful name—and it will be shown here again later that this astral body is rightly so called. Theosophists who would prefer to choose a different name for it have no idea what is actually being referred to here. It is the astral body’s task, in both humans and animals, to summon the living essence to the substance of sensation, so that within the living being it is not merely fluids that move, but rather that which is expressed as pleasure and pain, joy and sorrow. In doing so, you have essentially also indicated the difference between plants and animals, although there are transitions.
[ 24 ] Eine neue naturwissenschaftliche Forschergruppe hat geglaubt, auch den Pflanzen im direkten Sinne Empfindung zuschreiben zu sollen. Das ist aber nur ein Spiel mit Worten. Es ist für gewisse Pflanzen selbstverständlich, daß sie Erregungszustände haben, wenn etwas in ihre Nähe kommt, wenn etwas auf sie einwirkt. Das ist aber keine Empfindung. Es muß im Innern des Geschöpfes ein Bild auftauchen als Reflex der Erregung. Wenn auch bei gewissen Pflanzen eine Gegenwirkung auf einen äußeren Eindruck geschieht, so ist das doch noch kein Beweis dafür, daß die Pflanze auch innerlich einen solchen Reiz zu einer Empfindung erhebt, daß sie ihn innerlich erlebt. Dasjenige, was man innerlich erlebt, hat seinen Sitz im Astralleibe. So sehen wir also, daß das, was bis zum Tier heraufkam, aus dem physischen Leib, dem Äther- oder Lebensleib und dem Astralleib besteht.
[ 24 ] A new group of scientific researchers has believed that they should also attribute sensation to plants in the literal sense. But this is merely a play on words. It goes without saying that certain plants experience states of arousal when something comes near them or when something acts upon them. But this is not sensation. An image must arise within the creature as a reflection of the stimulation. Even if certain plants exhibit a reaction to an external impression, this is still no proof that the plant elevates such a stimulus to a sensation internally, that it experiences it inwardly. That which is experienced internally has its seat in the astral body. Thus we see that what has developed up to the level of the animal consists of the physical body, the etheric or life body, and the astral body.
[ 25 ] Der Mensch ragt nun über das Tier durch etwas ganz Besonderes hinaus, und das, wodurch er über das Tier hinausragt, haben sinnige Menschen immer gefühlt. Es wird darauf hingewiesen durch das, was Jean Paul in seiner Lebensbeschreibung selbst von sich sagt: er erinnere sich ganz genau, wie ihm als kleines Kind im Hofe seines Elternhauses der Gedanke durch die Seele schoß: du bist ja ein «Ich», du bist ja eine Wesenheit, die innerlich zu sich Ich sagen kann. Das machte auf ihn einen bedeutenden Eindruck.
[ 25 ] Human beings now rise above animals through something quite special, and thoughtful people have always sensed what it is that sets them apart from animals. This is indicated by what Jean Paul himself says about himself in his autobiography: he recalls very clearly how, as a small child in the courtyard of his parents’ home, the thought flashed through his soul: “You are, after all, an ‘I’; you are, after all, a being who can say ‘I’ to yourself inwardly.” This made a profound impression on him.
[ 26 ] Alle sogenannte äußerliche Seelenkunde übersieht das Wichtigste, worauf es in diesem Punkte ankommt. Folgen Sie mir für einige Minuten in eine subtile Betrachtung hinein, die Ihnen aber zeigen wird, um was es sich handelt. Im ganzen Umkreis der deutschen Sprache gibt es ein einziges Wörtchen, das sich von allen anderen Wörtern prinzipiell unterscheidet. Von jedem Dinge, das hier in diesem Saale ist, kann jeder von Ihnen den Namen dieses Dinges nennen.
[ 26 ] All so-called external psychology overlooks the most important point at issue here. Please follow me for a few minutes into a subtle line of thought that will show you what this is all about. Throughout the entire German-speaking world, there is a single little word that differs fundamentally from all other words. For every object here in this hall, each of you can name that object.
[ 27 ] Den Tisch kann jeder Tisch, den Stuhl kann jeder Stuhl nennen. Aber ein Wort, einen Namen gibt es, den Sie nicht aussprechen können außer für das, dem dieser Name zukommt: das ist das Wörtchen «Ich». Niemand kann zu einem anderen «Ich» sagen. Das «Ich» muß heraustönen aus der innersten Seele selbst, es ist der Name, den sich nur die Seele selbst beilegen kann. Jeder andere ist für mich ein «Du», und ich selbst bin für jeden anderen ein «Du».
[ 27 ] Anyone can call a table a table, and a chair a chair. But there is one word, one name, that you cannot utter except for that to which this name belongs: that is the little word “I.” No one can say “I” to another. The “I” must resound from the innermost soul itself; it is the name that only the soul itself can bestow upon itself. Everyone else is a “you” to me, and I myself am a “you” to everyone else.
[ 28 ] Alle Religionen empfanden dieses Ich als den Ausdruck für jenes Wesen in der Seele, durch das die Seele in sich selbst ihre Grundwesenheit, ihr Göttliches, sprechen zu lassen vermag. Da beginnt dann dasjenige, was niemals durch die äußeren Sinne eindringen kann, was niemals in seiner Bedeutung von außen benannt werden kann, sondern aus dem Innersten heraus ertönen muß. Da beginnt jener Monolog, jenes Selbstgespräch der Seele, wodurch das göttliche Selbst in der Seele sich ankündigt, wenn die Bahn frei wird für das Einziehen des Geistes in die Seele.
[ 28 ] All religions perceived this “I” as the expression of that essence within the soul through which the soul is able to give voice to its fundamental being, its divine nature, within itself. That is where that which can never penetrate through the external senses begins—that which can never be named from the outside in terms of its meaning, but must resound from the innermost depths. That is where that monologue begins, that inner dialogue of the soul, through which the divine Self in the soul makes itself known when the path is cleared for the Spirit to enter the soul.
[ 29 ] In den älteren Kulturreligionen, noch im alten Hebräischen, hat man diesen Namen «den unaussprechlichen Namen Gottes» genannt, und was auch die heutige Philologie übersetzen mag, der alte jüdische Gottesname bedeutet nichts anderes als das, was heute durch das deutsche Wort «Ich» ausgedrückt wird. Bewegung ging durch die Reihen der Zuhörer, wenn der Name des «unbekannten Gottes» durch den Eingeweihten gesprochen wurde, wenn geahnt wurde, was durch dieses Wort ausgedrückt war, wenn das «Ich bin der Ich-Bin» im Tempel ertönte. In diesem Wort drückt sich das vierte Glied der menschlichen Wesenheit aus, das der Mensch im Umkreis seines irdischen Daseins für sich allein hat. Dieses Ich umschließt wiederum und bildet in sich aus die Keime zu höheren Stufen des Menschentums. Nur hingewiesen soll darauf werden, was in der mensch lichen Entwicklung durch dieses vierte Glied in Zukunft zum Dasein gebracht werden wird, hingewiesen soll werden darauf, daß der Mensch aus dem physischen Leib, dem Ätherleib, dem Astralleib und dem Ich oder dem eigentlichen inneren Leben besteht, und daß in diesem inneren Leben die Keime zu drei weiteren Stufen der Entwicklung vorhanden sind, die aus dem Blute erstehen werden, nämlich Manas, Buddhi und Atma, oder mit deutschen Worten: Manas = Geistselbst im Gegensatz zum Körperselbst, Buddhi = Lebensgeist, Atma = Geistmensch, der eigentliche, wahre Geistmensch, der heute dem Menschen nur als Ideal vorschwebt, der als kleiner Keim im Innern veranlagt ist und in ferner Zukunft seine Vollendung erreichen wird.
[ 29 ] In the older cultural religions, even in ancient Hebrew, this name was called “the unpronounceable name of God,” and whatever modern philology may translate it as, the ancient Jewish name for God means nothing other than what is expressed today by the German word “Ich.” A stir would run through the ranks of the listeners when the name of the “unknown God” was spoken by the initiate, when they sensed what was expressed by this word, when the “I Am Who I Am” resounded in the temple. This word expresses the fourth element of human being-hood, which the human being possesses for himself alone within the sphere of his earthly existence. This “I,” in turn, encompasses and develops within itself the seeds of higher stages of humanity. It suffices to point out what this fourth element will bring into being in human development in the future; it suffices to point out that the human being consists of the physical body, the etheric body, the astral body, and the “I”—or the actual inner life— and that within this inner life lie the seeds of three further stages of development that will arise from the blood, namely Manas, Buddhi, and Atma—or, to put it in German terms: Manas = the spiritual self in contrast to the physical self, Buddhi = the life spirit, Atma = the spiritual human being—the true, authentic spiritual human being who today exists for humanity only as an ideal, who is predisposed as a small seed within and will attain his full perfection in the distant future.
[ 30 ] So haben wir, wie im Regenbogen sieben Farben, wie in der Tonskala sieben Töne, im Reich der Atome sieben Stufen der Atomgewichte, die siebenstufige Skala des Menschenwesens, die wieder in vier untere und in drei obere Stufen zerfällt.
[ 30 ] Just as there are seven colors in the rainbow and seven notes in the musical scale, so too in the realm of atoms there are seven levels of atomic weight, and the seven-level scale of human existence, which is further divided into four lower and three upper levels.
[ 31 ] Nun versuchen wir, uns einmal klar zu werden darüber, wie sich dieses Obere, Geistige, einen physiognomischen Ausdruck verschafft in dem Unteren, wie es uns vor Augen tritt in der Sinneswelt. Nehmen Sie zunächst dasjenige, was sich im Menschen zu seinem physischen Leib kristallisiert. Er hat es gemeinschaftlich mit der sogenannten leblosen Natur. Wenn wir geisteswissenschaftlich sprechen von diesem physischen Leib, dann sprechen wir gar nicht einmal von dem, was das Auge sieht, sondern von dem Zusammenhang von Kräften, die den physischen Leib konstruiert haben, von dem, was als Kraftnatur hinter dem physischen Leibe steht.
[ 31 ] Now let us try to gain a clear understanding of how this higher, spiritual aspect finds a physiognomic expression in the lower realm, as it appears to us in the sensory world. First, consider that which crystallizes within the human being into his physical body. He shares this with what is called inanimate nature. When we speak of this physical body in the context of spiritual science, we are not even referring to what the eye sees, but rather to the interplay of forces that have constructed the physical body—to what lies behind the physical body as a force-nature.
[ 32 ] Sehen wir uns die Pflanze an als das Wesen, das schon den Ätherleib hat, welcher die physischen Stoffe heraufholt zum Leben, das heißt dasjenige, was sinnliche Materie ist, in Lebenssäfte verwandelt. Was ist es, das so die sogenannten leblosen Kräfte in die Lebenssäfte umgestaltet? Wir nennen es den Ätherleib, und dieser Ätherleib tut dasselbe im Tier und dasselbe auch im Menschen; er ruft dasjenige, was bloß sinnlich ist, zu lebendiger Konfiguration, zu lebendiger Gestaltung auf. Dieser Ätherleib wird wieder durchsetzt von dem Astralleib. Und was macht dieser Astralleib? Er ruft die bewegte Substanz zum innerlichen Miterleben des Kreislaufs der stofflichen Säftebewegung auf, so daß sich die äußere Bewegung in innerlichen Erlebnissen spiegelt.
[ 32 ] Let us consider the plant as the being that already possesses the etheric body, which brings physical substances to life—that is, transforms what is sensory matter into life juices. What is it that transforms these so-called lifeless forces into life juices? We call it the etheric body, and this etheric body does the same thing in animals and in human beings; it calls what is merely sensory into living configuration, into living form. This etheric body is in turn permeated by the astral body. And what does this astral body do? It calls upon the dynamic substance to inwardly participate in the cycle of the material flow of fluids, so that the external movement is reflected in inner experiences.
[ 33 ] Wir sind damit so weit gekommen, daß wir den Menschen begreifen, insofern er in das Tierreich hineingestellt ist. Alle Substanzen, aus denen der Mensch zusammengesetzt ist, finden Sie auch draußen in der leblosen Natur: Sauerstoff, Stickstoff, Wasserstoff, Schwefel, Phosphor und so weiter. Soll das, was umgewandelt ist durch den Ätherleib in lebendige Substanz, zu innerlichem Erfassen, zur Schaffung innerer Spiegelbilder von dem, was außen vorgeht, aufgerufen werden, so muß der Ätherleib von dem, was wir Astralleib nennen, durchdrungen werden. Der Astralleib ruft die Empfindung hervor. Aber jetzt, auf dieser Stufe ruft der Astralkörper die Empfindung in ganz besonderer Weise hervor. Der Ätherleib wandelt unorganische Substanz in Lebenssäfte um, der Astralleib wandelt diese lebendige Substanz in empfindende Substanz um. Aber — und das bitte ich besonders zu beachten — was empfindet eine Wesenheit, die nur mit diesen drei Leibern ausgestattet ist? Sie empfindet nur sich selbst, nur die eigenen Lebensvorgänge, sie führt ein in sich abgeschlossenes Leben. Das ist eine höchst interessante Tatsache von außerordentlicher Wichtigkeit, wert, festgehalten zu werden. Sehen Sie sich einmal ein niederes Tier an. Was hat es ausgebildet? Umgestaltet hat es leblose Substanz in lebendige Substanz, lebendige, bewegliche Substanz in empfindende Substanz. Und empfindende Substanz ist nur da, wo wenigstens die Anlage zu dem vorhanden ist, was später im ausgebildeten Nervensystem erscheint. So haben wir also leblose Substanz, lebendige Substanz und von empfindungsbegabten Nerven durchsetzte Substanz. Wenn Sie sich einen Kristall ansehen, so haben Sie sich zunächst in dieser Kristallform einen Ausdruck gewisser Naturgesetze, die im sogenannten leblosen Reich draußen herrschen, vorzustellen. Kein Kristall könnte zustande kommen ohne die ganze ihn umgebende Natur. Sie können kein Glied aus dem Kosmos herausreißen und für sich hinstellen, ebensowenig wie Sie den Menschen aus seiner ganzen Umgebung herausreißen können, der, wenn er nur ein paar Meilen über die Erde erhoben würde, sterben müßte. Wie er nur denkbar ist an dem Orte, an dem er ist, wo die entsprechenden Kräfte sich in ihm zusammenfügen, in ihm leben müssen, so ist es schon beim Kristall der Fall, und wer den Kristall richtig anschaut, wird in ihm die ganze Natur, den ganzen Kosmos in einem Einzelabdruck sehen. Es ist ganz richtig, was Cuvier gesagt hat, daß ein vollkommener Anatom aus einem Knochen schließen kann, was für einem Tier derselbe angehört hat, weil jedes Tier seine ganz besonderen Knochenformen haben muß.
[ 33 ] We have thus come to the point where we can understand human beings insofar as they are situated within the animal kingdom. All the substances of which human beings are composed can also be found in the inanimate natural world: oxygen, nitrogen, hydrogen, sulfur, phosphorus, and so on. If what has been transformed by the etheric body into living substance is to be called upon for inner perception—for the creation of inner reflections of what is happening externally—then the etheric body must be permeated by what we call the astral body. The astral body gives rise to sensation. But now, at this stage, the astral body evokes sensation in a very special way. The etheric body transforms inorganic substance into life-forces; the astral body transforms this living substance into sentient substance. But—and I ask you to pay particular attention to this—what does a being that is endowed only with these three bodies perceive? It perceives only itself, only its own life processes; it leads a life closed in upon itself. This is a highly interesting fact of extraordinary importance, worthy of being noted. Consider a lower animal. What has it developed? It has transformed inanimate substance into living substance, and living, mobile substance into sentient substance. And sentient substance exists only where there is at least the potential for what later appears in the developed nervous system. So we have inanimate substance, living substance, and substance permeated by nerves capable of sensation. When you look at a crystal, you must first imagine in this crystalline form an expression of certain laws of nature that prevail in the so-called inanimate realm outside. No crystal could come into being without the entire natural world surrounding it. You cannot tear a single element out of the cosmos and set it aside on its own, any more than you can tear a human being out of his entire environment—a human being who, if raised just a few miles above the Earth, would surely die. Just as a human being is conceivable only in the place where he is, where the corresponding forces come together within him and must live within him, so it is with the crystal; and whoever looks at the crystal correctly will see in it the whole of nature, the entire cosmos, in a single imprint. Cuvier was quite right when he said that a skilled anatomist can determine from a single bone to which animal it belonged, because every animal must have its own very specific bone structures.
[ 34 ] So lebt auch in der Form des Kristalls der ganze Kosmos. Und ebenso drückt sich in der lebendigen Substanz eines Einzelwesens der ganze Kosmos aus. Die bewegten Säfte eines Wesens sind schon eine kleine Welt, ein Abdruck der großen Welt. Und wenn die Substanz zur Empfindung aufgerufen wird, was lebt dann in den Empfindungen des einfachsten Wesens? In diesen Empfindungen sind die kosmischen Gesetze gespiegelt, so daß das einzelne lebendige Wesen mikrokosmisch in sich den ganzen Makrokosmos empfindet. Das Empfindungsleben eines einfachen Wesens ist also ein Abdruck des Kosmos, wie der Kristall ein Abdruck seiner Form ist. Mit einem dumpfen Bewußtsein hat man es in solch einfachem Lebewesen zu tun. Aber was dieses Bewußtsein an größerer Dumpfheit hat, das ist auf der anderen Seite ausgeglichen durch den größeren Umfang. Der ganze Kosmos leuchtet in dem dumpfen Bewußtsein, im Innern des Lebenswesens auf. Nun ist aber im Menschen auch nichts anderes vorhanden als eine kompliziertere Ausbildung derjenigen drei Leiber, die in dem einfachsten empfindenden Lebewesen sich finden. Nehmen Sie den Menschen und sehen Sie ab von seinem Blute, nehmen Sie ihn als ein Wesen, das geformt ist von der Substanz der es umgebenden physischen Welt, das ebenso wie die Pflanze Säfte in sich enthält, die es zu lebendiger Substanz aufruft, und in die es sich ein Nervensystem eingliedert. Dieses erste Nervensystem ist das sogenannte sympathische. Das sympathische Nervensystem im Menschen dehnt sich zu beiden Seiten längs des Rückgrats aus, hat auf jeder Seite eine Reihe von Knoten, verzweigt und verästelt sich und schickt seine Fäden zu den verschiedenen Organen: Lunge, Verdauungswerkzeuge und so weiter. Es ist durch Seitenstränge mit dem Rückenmark verbunden.
[ 34 ] Thus, the entire cosmos also lives within the form of the crystal. And in the same way, the entire cosmos is expressed in the living substance of a single being. The flowing vital fluids of a being are already a small world, an imprint of the great world. And when the substance is called upon to feel, what then lives within the sensations of the simplest being? The cosmic laws are reflected in these sensations, so that the individual living being perceives the entire macrocosm within itself on a microcosmic level. The sensory life of a simple being is thus an imprint of the cosmos, just as a crystal is an imprint of its form. In such a simple living being, we are dealing with a dull consciousness. But what this consciousness lacks in sharpness, it compensates for on the other hand through its greater scope. The entire cosmos shines forth within this dull consciousness, within the inner being of the living creature. Yet in human beings, there is nothing other than a more complex development of those three bodies found in the simplest sentient living being. Consider the human being and set aside the question of blood; regard him as a being formed from the substance of the surrounding physical world, who, just like a plant, contains sap within himself that he transforms into living substance, and into which a nervous system is integrated. This first nervous system is the so-called sympathetic nervous system. The sympathetic nervous system in humans extends on both sides along the spine, has a series of ganglia on each side, branches out, and sends its fibers to the various organs: the lungs, the digestive organs, and so on. It is connected to the spinal cord by lateral strands.
[ 35 ] Zunächst bedeutet dieses sympathische Nervensystem das Empfindungsleben, das Ihnen eben geschildert worden ist. Der Mensch kann aber mit seinem Bewußtsein nicht hinunterreichen zu dem, was durch diese Nerven von den Weltvorgängen abgespiegelt wird. Diese Nerven sind Ausdrucksmittel. Und so, wie das Menschenleben aufgebaut ist aus der umliegenden kosmischen Welt, so spiegelt sich wider in dem sympathischen Nervensystem diese kosmische Welt. Diese Nerven leben ein dumpfes Innenleben. Könnte der Mensch untertauchen in dieses sympathische Nervensystem, so würde er, wenn er sein oberes Nervensystem einschläferte, wie in einem Lichtleben die großen Gesetze des Kosmos walten und wirken sehen. Es gab beim Menschen der Vorzeit ein heute überwundenes Hellsehen, welches man erkennen kann, wenn durch besondere Vorgänge die Tätigkeit des höheren Nervensystems ausgeschaltet und dadurch das untere Bewußtsein freigemacht wird. Dann lebt der Mensch in dem Nervensystem, das zum Spiegel für die Welt um ihn herum wird, in einer eigenartigen Weise. Gewisse niedere Tiere haben sich diese Stufe des Bewußtseins allerdings erhalten und bewahren sie noch heute. Es ist also ein dumpfes, dämmerhaftes Bewußtsein, aber es ist wesentlich umfassender als das gegenwärtige Menschenbewußtsein. Es spiegelt als dumpfes Innenleben eine weiterreichende Welt, nicht bloß den kleinen Ausschnitt, den der heutige Mensch wahrnimmt.
[ 35 ] First of all, this sympathetic nervous system represents the life of sensation that has just been described to you. However, human consciousness cannot reach down to what is reflected by these nerves from the processes of the world. These nerves are means of expression. And just as human life is structured from the surrounding cosmic world, so too is this cosmic world reflected in the sympathetic nervous system. These nerves lead a subdued inner life. If a person could immerse themselves in this sympathetic nervous system—by putting their higher nervous system to sleep—they would see the great laws of the cosmos reigning and at work, as if in a world of light. Ancient humans possessed a form of clairvoyance—now lost—that can be recognized when, through specific processes, the activity of the higher nervous system is suspended, thereby freeing the lower consciousness. Then the human being lives in a peculiar way within the nervous system, which becomes a mirror for the world around them. Certain lower animals, however, have retained this stage of consciousness and still possess it today. It is, therefore, a dull, twilight-like consciousness, but it is far more comprehensive than present-day human consciousness. As a dull inner life, it reflects a more far-reaching world, not merely the small fragment that modern humans perceive.
[ 36 ] Für den Menschen tritt aber etwas anderes ein. Hat im Laufe der Entwicklung bis zum sympathischen Nervensystem der Kosmos ein Spiegelbild gefunden, so öffnet sich auf dieser Stufe der Entwicklung das Wesen wieder nach außen: dem sympathischen System gliedert sich das Rückenmark ein. Das Rückenmark- und Gehirnsystem führt dann hin zu den Organen, die mit der Außenwelt die Verbindung herstellen. Wenn im Menschen die Bildung so weit ist, dann ist er nicht mehr berufen, bloß die ursprünglichen Bildungsgesetze des Kosmos in sich spiegeln zu lassen, sondern es tritt das Spiegelbild selbst in ein Verhältnis zur Umgebung. Wenn das sympathische Nervensystem sich zusammengegliedert hat mit den höheren Teilen des Nervensystems, so ist dies ein Ausdruck der vor sich gegangenen Umwandlung des Astralleibes. Dieser lebt dann nicht mehr bloß das kosmische Leben im dumpfen Bewußtsein mit, sondern er fügt sein besonderes Innenleben zu diesem hinzu. Durch das sympathische Nervensystem empfindet ein Wesen, was außer ihm vorgeht, durch das höhere Nervensystem dasjenige, was in ihm vorgeht. Und durch die höchste Form des Nervensystems, die gegenwärtig in der allgemeinen Menschheitsentwicklung zum Vorschein kommt, wird aus dem höher gegliederten Astralleib wieder das Material entnommen, um Bilder der Außenwelt, Vorstellungen, zu schaffen. Der Mensch hat also die Fähigkeit verloren, die ursprünglichen dumpfen Bilder der Außenwelt zu erleben; er empfindet sein Innenleben und baut sich aus diesem seinem InnenJeben auf höherer Stufe eine neue Bilderwelt auf, die ihm zwar ein kleineres Stück der Außenwelt spiegelt, aber in hellerer, vollkommenerer Art.
[ 36 ] For human beings, however, something else occurs. While the cosmos found a reflection in the development leading up to the sympathetic nervous system, at this stage of development the being opens up to the outside world once more: the spinal cord becomes integrated into the sympathetic system. The spinal cord and brain system then leads to the organs that establish a connection with the outside world. When this formation has reached this stage in the human being, he is no longer called upon merely to reflect the original laws of cosmic formation within himself; rather, the reflection itself enters into a relationship with the environment. Once the sympathetic nervous system has integrated with the higher parts of the nervous system, this is an expression of the transformation of the astral body that has taken place. The astral body then no longer merely participates in cosmic life through a dull consciousness, but adds its own unique inner life to it. Through the sympathetic nervous system, a being perceives what is happening outside of itself; through the higher nervous system, it perceives what is happening within itself. And through the highest form of the nervous system, which is currently emerging in the general development of humanity, material is once again drawn from the more highly structured astral body to create images of the external world—concepts. Human beings have thus lost the ability to experience the original, dull images of the external world; they perceive their inner life and, on the basis of this inner life at a higher level, construct a new world of images for themselves, which, while reflecting only a smaller part of the external world, does so in a clearer and more perfect way.
[ 37 ] Mit dieser Umwandlung geht, auf höherer Stufe der Entwicklung, eine andere Hand in Hand. Es dehnt sich die Umgestaltung des Astralleibes bis auf den Ätherleib aus. Ebenso wie der Ätherleib in seiner Umgestaltung den Astralleib hervorruft, wie zum sympathischen Nervensystem das Rückenmark- und Gehirnsystem hinzukommen, so bewirkt dasjenige, was von dem Ätherleibe nach Aufnahme der niederen Säftezirkulation herausgewachsen und frei geworden ist, die Umsetzung der niederen Säfte in das, was wir Blut nennen. Das Blut ist ebenso ein Ausdruck des individualisierten Ätherleibes wie das Gehirn und Rückenmark ein Ausdruck des individualisierten Astralleibes. Und durch diese Individualisierung kommt das zustande, was sich in dem «Ich» auslebt.
[ 37 ] At a higher stage of development, this transformation goes hand in hand with another. The transformation of the astral body extends to the etheric body. Just as the transformation of the etheric body gives rise to the astral body—just as the spinal cord and brain systems are added to the sympathetic nervous system—so too does that which has grown out of the etheric body and become free after absorbing the lower fluid circulation bring about the transformation of the lower fluids into what we call blood. Blood is just as much an expression of the individualized etheric body as the brain and spinal cord are expressions of the individualized astral body. And through this individualization, what unfolds in the “I” comes into being.
[ 38 ] Wenn wir von diesem Gesichtspunkte aus den Menschen in seiner Entwicklung so weit verfolgt haben, so sehen wir, daß wir zunächst eine fünfgliedrige Kette haben, die sich uns wie folgt zusammenschließt: erstens der physische Leib, zweitens der Ätherleib, drittens der Astralleib, oder erstens die unorganischen, neutralen, physischen Kräfte, zweitens die Lebenssäfte, die sich auch in der Pflanze finden, drittens das niedere oder sympathische Nervensystem, viertens der von dem niederen astralen Leibe herausgehobene höhere Astralleib, der im Rückenmark und Gehirn seinen Ausdruck findet, fünftens dasjenige Prinzip, das den Ätherleib individualisiert.
[ 38 ] If we have traced human development from this perspective thus far, we see that we initially have a five-part chain that comes together as follows: first, the physical body; second, the etheric body; third, the astral body; or, first, the inorganic, neutral, physical forces; second, the life juices, which are also found in plants; third, the lower or sympathetic nervous system; fourth, the higher astral body, which is distinguished from the lower astral body and finds its expression in the spinal cord and brain; and fifth, the principle that individualizes the etheric body.
[ 39 ] So wie diese zwei Prinzipien individualisiert worden sind, so wird auch für den Menschen das erste Prinzip individualisiert, durch welches die leblosen Stoffe von außen eindringen und den menschlichen Körper aufbauen. Diese Umwandlung ist beim heutigen Menschen erst in der ersten Anlage vorhanden.
[ 39 ] Just as these two principles have been individualized, so too is the first principle individualized in human beings, through which inanimate substances penetrate from the outside and build up the human body. In modern humans, this transformation is present only in its initial stage.
[ 40 ] Wir sehen, wie die äußeren formlosen Stoffe einfließen in den menschlichen Leib, wie der Ätherleib diese Stoffe zu lebendigen Gebilden aufruft und wie dann durch den Astralleib Bilder der Außenwelt geformt werden; wie weiter dieser Reflex der Außenwelt sich zu inneren Erlebnissen entfaltet und dann dieses Innenleben aus sich selbst wieder Bilder der Außenwelt erzeugt.
[ 40 ] We see how the formless substances from the outside flow into the human body, how the etheric body transforms these substances into living forms, and how images of the external world are then formed through the astral body; how this reflection of the external world further unfolds into inner experiences, and how this inner life then generates images of the external world from within itself.
[ 41 ] Greift nun die Umwandlung auf den Ätherleib über, so entsteht das Blut. Das Blutgefäß-System mit dem Herzen ist ein Ausdruck des umgewandelten Ätherleibes, wie das Rückenmark- und Gehirnsystem ein solcher des umgewandelten Astralleibes. Wie durch das Gehirn die Außenwelt verinnerlicht wird, so wird durch das Blut diese Innenwelt in dem Leib des Menschen zu einem äußeren Ausdrucke umgeschaffen. Ich muß im Gleichnisse sprechen, wenn ich die hier in Betracht kommenden komplizierten Vorgänge darstellen will. Das Blut nimmt die durch das Gehirn verinnerlichten Bilder der Außenwelt auf, gestaltet sie zu lebendigen Bildungskräften um und bildet durch sie den jetzigen Menschenleib aus. Das Blut ist so der Stoff, der den menschlichen Leib auferbaut. Es stellt sich hier ein Vorgang uns vor Augen, durch den das Blut das Höchste aufnimmt, was es der Umwelt entnehmen kann, den Sauerstoff, nämlich dasjenige, was das Blut stets wieder erneuert, mit neuem Leben versorgt. Dadurch wird das Blut veranlaßt, sich der Außenwelt zu öffnen. Damit haben wir den Weg verfolgt von der Außenwelt zur Innenwelt und wieder zurück vom Innern zum AÄußern. Nun ist ein Zweifaches möglich. Wir sehen, daß die Entstehung des Blutes da liegt, wo der Mensch als selbständiges Wesen der Außenwelt entgegentritt, wo er aus den Empfindungen, zu denen die Außenwelt geworden ist, selbständig wiederum Gestalten und Bilder schafft, wo er schöpferisch wird, wo also das Ich, der Eigenwille aufleben kann. Kein Wesen, in dem dieser Vorgang noch nicht stattgefunden hat, könnte aus sich selbst heraus Ich sagen. Im Blute liegt das Prinzip für die Ich-Werdung. Ein Ich kann nur da zum Ausdrucke kommen, wo ein Wesen die Bilder, die es von der Außenwelt erzeugt, in sich selbst zu gestalten vermag. Ein Ich-Wesen muß fähig sein, die Außenwelt in sich aufzunehmen und innerhalb seiner selbst wieder zu erzeugen. Hätte der Mensch bloß Gehirn, so könnte er nur Bilder der Außenwelt in sich erzeugen und in sich erleben; er würde dann zu sich nur sagen können: Die Außenwelt ist in mir als Spiegelbild noch einmal wiederholt; kann er aber diese Wiederholung der Außenwelt zu einer neuen Gestalt aufbauen, dann ist diese Gestalt nicht mehr bloß die Außenwelt: sie ist «Ich». Ein Wesen mit bloßem sympathischen Nervensystem spiegelt die Außenwelt, es empfindet also diese Außenwelt noch nicht als sich, noch nicht als Innenleben. Ein Wesen mit Rückenmark und Gehirn empfindet die Spiegelung als Innenleben. Ein Wesen aber mit Blut erlebt als seine eigene Gestalt sein Innenleben. Durch das Blut wird mit Hilfe des Sauerstoffes der Außenwelt nach den Bildern des Innenlebens der eigene Leib gestaltet. Diese Gestaltung kommt als Ich-Wahrnehmung zum Ausdruck. Nach zwei Seiten weist das Ich, und das Blut ist der äußere Ausdruck dieser Hinweisung. Nach innen gerichtet ist der Blick des Ich, nach außen gerichtet ist der Wille des Ich. Nach innen sind die Kräfte des Blutes gerichtet, sie bauen das Innere auf; nach außen sind sie gerichtet zum Sauerstoff der äußeren Welt hin. Daher geht der Mensch, wenn er in Schlaf fällt, im Unbewußtsein unter, er geht unter in dasjenige, was das Bewußtsein im Blute erleben kann. Wenn der Mensch aber sein Auge der Außenwelt öffnet, dann nimmt das Blut die durch Gehirn und Sinne erzeugten Bilder in seine Gestaltungskräfte auf. Das Blut steht so in der Mitte zwischen der inneren Bilderwelt und der lebendigen Gestaltenwelt des Außeren. Diese Rolle wird uns klar werden, wenn wir zwei Erscheinungen betrachten. Die eine Erscheinung ist die Abstammung, die Verwandtschaft der bewußten Wesen, die andere Erscheinung ist die Erfahrung der Welt der äußeren Erlebnisse. Die Abstammung stellt uns dahin, wo wir, wie man es gewöhnlich nennt, durch das Blut stehen. Der Mensch wird herausgeboren aus einem Zusammenhang, einer Rasse, einem Stamme, aus seiner Vorfahrenreihe, und dasjenige, was aus seinen Vorfahren sich auf ihn vererbt, findet seinen Ausdruck im Blute. Im Blut wird gleichsam zusammengefaßt, was sich aus der materiellen Vergangenheit des Menschen herausgebildet hat. Es wird aber im Blute auch vorgebildet, was sich für die Zukunft des Menschen vorbereitet.
[ 41 ] When this transformation extends to the etheric body, blood is formed. The circulatory system, together with the heart, is an expression of the transformed etheric body, just as the spinal cord and brain system is an expression of the transformed astral body. Just as the external world is internalized through the brain, so this inner world is transformed into an external expression within the human body through the blood. I must speak in parables if I am to describe the complex processes under consideration here. The blood takes in the images of the external world internalized by the brain, transforms them into living formative forces, and through them shapes the present human body. The blood is thus the substance that builds up the human body. Here we see a process in which the blood absorbs the highest substance it can draw from the environment—oxygen—namely, that which constantly renews the blood and supplies it with new life. This causes the blood to open itself to the external world. We have thus traced the path from the external world to the inner world and back again from the inner to the outer. Now, two possibilities exist. We see that the formation of blood occurs where the human being, as an independent being, confronts the external world; where, from the sensations into which the external world has been transformed, the human being independently creates forms and images; where the human being becomes creative; and where, therefore, the “I”—the individual will—can come to life. No being in whom this process has not yet taken place could say “I” of its own accord. The principle for the development of the “I” lies in the blood. An “I” can only come to expression where a being is able to shape within itself the images it generates from the external world. A being with an “I” must be capable of taking in the external world and recreating it within itself. If a human being had only a brain, he could only generate images of the external world within himself and experience them there; he would then be able to say to himself only: “The external world is repeated within me as a mirror image.” But if he can build up this repetition of the external world into a new form, then this form is no longer merely the external world: it is “I.” A being with only a sympathetic nervous system mirrors the external world; thus, it does not yet perceive this external world as itself, nor as an inner life. A being with a spinal cord and a brain perceives this reflection as an inner life. A being with blood, however, experiences its inner life as its own form. Through the blood, and with the help of oxygen from the external world, the body is shaped according to the images of the inner life. This shaping is expressed as self-perception. The self points in two directions, and the blood is the outward expression of this pointing. The gaze of the self is directed inward; the will of the self is directed outward. The forces of the blood are directed inward; they build up the inner self; outwardly, they are directed toward the oxygen of the external world. Therefore, when a person falls asleep, they sink into the unconscious; they sink into that which consciousness can experience in the blood. But when a person opens their eyes to the external world, the blood absorbs the images produced by the brain and the senses into its formative powers. The blood thus stands at the center between the inner world of images and the living, formative world of the external. This role will become clear to us when we consider two phenomena. One phenomenon is lineage—the kinship of conscious beings—and the other is the experience of the world of external events. Lineage places us where we stand, as it is commonly said, through the blood. A human being is born into a context—a race, a tribe, a line of ancestors—and that which is inherited from these ancestors finds its expression in the blood. The blood, as it were, encapsulates what has emerged from the human being’s material past. But the blood also prefigures what is being prepared for the human being’s future.
[ 42 ] Wenn der Mensch daher sein höheres Bewußtsein herabdämpft, wenn er in der Hypnose, im Somnambulismus oder im atavistischen Hellsehen ist, dann taucht er unter in ein viel tieferes Bewußtsein und nimmt die großen Weltgesetze wahr, in einer traumartigen Form, nur viel klarer und heller als in den hellsten Träumen des gewöhnlichen Schlafes. Der Mensch hat dann die Tätigkeit des Gehirns, und bei tiefstem Somnambulismus auch diejenige des Rückenmarkes unterdrückt; er erlebt die Tätigkeit seines sympathischen Nervensystems, das heißt in einer dumpfen, dämmerhaften Form das Leben im ganzen Kosmos. In einem solchen Falle bringt dann das Blut nicht mehr die Bilder des Innenlebens zum Ausdruck, die durch das Gehirn vermittelt sind, sondern dasjenige, was die Außenwelt in ihn hineingebaut hat. Nun aber haben an ihm gebaut die Kräfte seiner Vorfahren. Wie er die Form seiner Nase von einem Vorfahren hat, so die Form seines ganzen Leibes. Er empfindet so bei gedämpftem Bewußtsein seine Vorfahren in sich, wie er die durch dieSinne erzeugten Bilder der Außenwelt bei wachem Bewußtsein empfindet. Das heißt: seine Vorfahren rumoren in seinem Blute. Er lebt dann noch das Leben seiner Vorfahren dumpf mit.
[ 42 ] When a person therefore suppresses his higher consciousness—whether through hypnosis, somnambulism, or atavistic clairvoyance—he plunges into a much deeper state of consciousness and perceives the great laws of the universe in a dreamlike form, only much more clearly and vividly than in the brightest dreams of ordinary sleep. The person has then suppressed the activity of the brain, and in the deepest somnambulism, also that of the spinal cord; he experiences the activity of his sympathetic nervous system—that is, in a dull, twilight-like form, life throughout the entire cosmos. In such a case, the blood no longer expresses the images of inner life mediated by the brain, but rather what the external world has imprinted upon him. Now, however, the forces of his ancestors have shaped him. Just as he has inherited the shape of his nose from an ancestor, so too has he inherited the shape of his entire body. With his consciousness subdued, he thus perceives his ancestors within himself, just as he perceives the images of the external world produced by the senses when his consciousness is awake. That is to say: his ancestors stir within his blood. He then continues to live out the lives of his ancestors in a dull manner.
[ 43 ] Alles in der Welt ist in Entwicklung begriffen, auch das menschliche Bewußtsein. Die Bewußtseinsart, welche der Mensch jetzt hat, war ihm nicht immer eigen. Wenn wir in der Zeit zurückgehen zu unseren fernen Vorfahren, so finden wir eine andere Bewußtseinsart. Gegenwärtig nimmt der Mensch in seinem wachen Tagesleben durch seine Sinne die äußeren Dinge wahr und bildet sie zu Vorstellungen um. Diese Vorstellungen der Außenwelt wirken auf sein Blut. Es lebt daher und arbeitet in seinem Blute alles das, was er durch die äußeren Erlebnisse der Sinne empfangen hat. Das Gedächtnis ist nun mit diesen Erlebnissen, mit den Erfahrungen der Sinne erfüllt. Dagegen bleibt diesem heutigen Menschen unbewußt, was sich in seinem leiblichen Innenleben durch die Vererbung von seinen Vorfahren her vererbt hat. Er weiß nichts von den Formen seiner inneren Organe. So war es nicht in der Vorzeit. Da lebte im Blute nicht nur, was die Sinne von außen empfangen hatten, sondern auch dasjenige, was in der Leibesgestalt vorhanden ist. Und weil diese Leibesgestalt ererbt ist von den Vorfahren, so empfand der Mensch in sich das Leben der Vorfahren. Denkt man sich ein solches Bewußtseinsleben gesteigert, so erhält man eine Vorstellung davon, wie es sich auch in einem entsprechenden Gedächtnisse zum Ausdruck bringt. Ein Mensch, der nur erlebt, was er durch seine Sinne wahrnimmt, der erinnert sich auch nur an das, was er durch die äußere Sinneserfahrung erlebt hat. Er kann nur ein Bewußtsein von dem haben, was er seit seiner Kindheit auf diese Art erfahren hat. Anders war es beim Menschen der Vorzeit. Der erlebte, was in ihm war, und da dieses «Innere» ein Ergebnis der Vererbung ist, erlebte er in seinen Vorstellungen die Erlebnisse seiner Vorfahren mit. Er erinnerte sich nicht nur an seine Kindheit, sondern auch an die Erlebnisse seiner Vorfahren. Dieses Leben seiner Vorfahren war in den Bildern, die sein Blut empfing, mit gegenwärtig. So unglaublich es für die heutige materialistische Vorstellungsart auch ist: es ist doch wahr, daß es einmal ein Bewußtsein gegeben hat, durch das die Menschen nicht nur ihre Sinneswahrnehmungen als ihre eigenen Erlebnisse betrachteten, sondern auch die Erlebnisse ihrer Vorfahren. Damals sagten sie: «Ich habe es erlebt» nicht nur zu dem, was ihre eigene Person erlebt hat, sondern auch zu dem, was die Vorfahren erfahren hatten; sie erinnerten sich dessen. Zwar war diese frühere Bewußtseinsform des Menschen gegenüber dem gegenwärtigen wachen Tagesbewußtsein dämmerhaft, mehr wie ein lebhaft gesteigertes Träumen, aber sie war dafür umfassender. Sie dehnte sich über die Erfahrung der Vorfahren aus. Der Sohn fühlte sich mit Vater, Großvater in einem Ich verbunden, weil er deren Erlebnisse als seine eigenen miterlebte.
[ 43 ] Everything in the world is in a state of development, including human consciousness. The kind of consciousness that humans possess today was not always theirs. If we go back in time to our distant ancestors, we find a different kind of consciousness. At present, in their waking daily life, human beings perceive external things through their senses and transform them into mental images. These mental images of the external world affect their blood. Thus, everything they have received through their external sensory experiences lives and works within their blood. Memory is now filled with these experiences, with the sensory impressions. In contrast, modern human beings remain unaware of what has been passed down to them through heredity from their ancestors in their physical inner life. They know nothing of the forms of their internal organs. This was not the case in ancient times. Back then, what lived in the blood was not only what the senses had received from the outside, but also what was present in the physical form. And because this physical form was inherited from the ancestors, human beings sensed within themselves the life of their ancestors. If one imagines such a life of consciousness heightened, one gains a sense of how it also finds expression in a corresponding memory. A person who experiences only what he perceives through his senses remembers only what he has experienced through external sensory perception. He can have consciousness only of what he has experienced in this way since childhood. It was different for people in ancient times. They experienced what was within them, and since this “inner life” is a result of heredity, they relived the experiences of their ancestors in their imaginations. They remembered not only their own childhood but also the experiences of their ancestors. The lives of their ancestors were present in the images received through their blood. As incredible as it may seem to today’s materialistic way of thinking, it is nevertheless true that there was once a form of consciousness through which people regarded not only their sensory perceptions as their own experiences, but also the experiences of their ancestors. Back then, they would say, “I have experienced it,” not only in reference to what they themselves had experienced, but also to what their ancestors had experienced; they remembered it. Admittedly, this earlier form of human consciousness was hazy compared to today’s waking, daytime consciousness—more like a vividly intensified dream—but it was, in turn, more comprehensive. It extended beyond the experiences of their ancestors. The son felt connected to his father and grandfather in a single “I,” because he relived their experiences as his own.
[ 44 ] Weil der Mensch dieses Bewußtsein hatte, weil er nicht bloß in seiner persönlichen Welt lebte, sondern weil in seinem Innern das Bewußtsein seiner vorhergehenden Generation auflebte, deshalb bezeichnete er auch nicht bloß seine Person mit einem Namen, sondern eine ganze Generationenreihe. Der Sohn, der Enkel und so weiter bezeichneten das Gemeinsame, das durch sie alle hindurchging, mit einem Namen. Der Mensch empfand sich als ein Glied der ganzen Generationsreihe. Das war eine wirkliche und wahre Empfindung. Und wodurch wurde diese Bewußtseinsform in eine andere verwandelt? Sie wurde es durch ein Ereignis, das die geheimwissenschaftliche Geschichte gut kennt. Wenn Sie in der Geschichte zurückgehen, dann tritt für alle Völker des Erdkreises ein Moment auf, der Ihnen ganz genau bei jedem einzelnen Volke bezeichnet werden kann. Das ist der Moment, wo das Volk in einen neuen Kulturzustand eintritt, in dem es aufhört, alte Traditionen zu haben, wo es aufhört, Urweisheit zu besitzen, jene Weisheit, die durch das Blut der Generationen hindurchgerollt ist. Die Völker haben ein Bewußtsein davon, und dieses Bewußtsein finden wir ausgedrückt in den alten Sagen der Völker. Die Stämme blieben nämlich in früherer Zeit in sich abgeschlossen, die einzelnen Mitglieder der Familien heirateten untereinander. Das finden Sie ursprünglich bei allen Rassen und Völkern. Und ein wichtiger Moment für die Menschheit ist der, als dieses Prinzip durchbrochen wird, sich fremdes Blut mit fremdem Blute mischt, wo die Nah-Ehe in die Fern-Ehe übergeht. Die Nah-Ehe bewahrt das Blut der Generationen, sie läßt dasselbe Blut durch die einzelnen Glieder rinnen, das seit Generationen den Stamm, die Nation durchfloß. Die Fern-Ehe gießt neues Blut dem Menschen ein, und diese Durchbrechung des Stammesprinzipes, diese Mischung des Blutes, die bei allen Völkern sich findet und früher oder später auftritt, bedeutet die Geburt des äußeren Verstandes, die Geburt des Intellektes.
[ 44 ] Because humans possessed this awareness—because they did not live merely in their personal world, but because within them the consciousness of their preceding generation came to life—they did not merely designate their own person with a name, but an entire line of generations. The son, the grandson, and so on designated the common thread that ran through them all with a single name. Human beings perceived themselves as a link in the entire generational chain. This was a genuine and true perception. And what transformed this form of consciousness into another? It was transformed by an event well known to the history of esoteric science. If you look back through history, you will find that for all peoples of the world there is a moment that can be pinpointed with precision for each individual people. This is the moment when a people enters a new cultural phase in which it ceases to uphold old traditions, ceases to possess primordial wisdom—that wisdom which has flowed through the blood of generations. The peoples are aware of this, and we find this awareness expressed in the ancient legends of the peoples. For in earlier times, the tribes remained self-contained, and the individual members of families married among themselves. You find this originally among all races and peoples. And a pivotal moment for humanity is when this principle is broken, when foreign blood mixes with foreign blood, and close-kin marriage gives way to marriage with those from outside the clan. Close-kin marriage preserves the blood of the generations; it allows the same blood—which has flowed through the tribe and the nation for generations—to flow through its individual members. Marriage between distant relatives infuses new blood into the human race, and this breach of the tribal principle—this mixing of blood, which is found among all peoples and occurs sooner or later—signifies the birth of external reason, the birth of the intellect.
[ 45 ] Das ist eben das Wichtige, daß in alten Zeiten eine Art dämmerhaften Hellsehens vorhanden war und daß Mythen und Sagen aus diesem hellseherischen Vermögen heraus entstanden sind, welches sich in dem verwandtschaftlichen Blute ausleben kann wie in dem vermischten Blute das gegenwärtige Bewußtsein. Mit dem Eintritt der Fern-Ehe fällt auch die Geburt des logischen Denkens, die Geburt des Intellektes zusammen. So überraschend das ist, so wahr ist es. Es ist eine Erkenntnis, die immer mehr und mehr durch die äußere Forschung bestätigt werden wird. Die Anfänge sind schon gemacht. Die Blutmischung, die mit der FernEhe eintritt, ist zu gleicher Zeit dasjenige, was das Hellsehen von früher zunächst auslöscht, um die Menschheit zu einer höheren Entwicklungsstufe hinaufzuheben. Wie der, welcher eine okkulte Entwicklung durchmacht, dieses Hellsehen wieder heraufhebt und es zu einer neuen Form umwandelt, so hat sich umgekehrt das gegenwärtige wache Tagesbewußtsein aus einem alten dämmerhaften Hellsehen heraus entwickelt.
[ 45 ] That is precisely the important point: that in ancient times a kind of twilight clairvoyance existed, and that myths and legends arose from this clairvoyant faculty, which can find expression in kinship ties just as present-day consciousness does in mixed bloodlines. The advent of long-distance marriage coincides with the birth of logical thinking, the birth of the intellect. As surprising as this is, it is true. It is a realization that will be confirmed more and more by external research. The first steps have already been taken. The mixing of blood that occurs with long-distance marriage is, at the same time, what initially extinguishes the clairvoyance of earlier times in order to elevate humanity to a higher stage of development. Just as one who undergoes occult development revives this clairvoyance and transforms it into a new form, so, conversely, our present waking daytime consciousness has developed out of an ancient, twilight-like form of clairvoyance.
[ 46 ] Gegenwärtig drückt sich die ganze Umwelt, der der Mensch sich hingibt, im Blute aus, und diese Umwelt formt das Innere daher nach dem Außeren. Beim Urmenschen drückte sich mehr das leibliche Innere im Blute aus. In den Urzeiten vererbten sich mit der Erinnerung an die Erlebnisse der Vorfahren auch deren Neigungen zu diesem oder jenem Guten und Bösen. In dem Blute des Nachkommen waren die Wirkungen der Neigungen der Vorfahren zu spüren. Als dann das Blut durch die Fern-Ehe gemischt wurde, da wurde auch dieser Zusammenhang mit den Vorfahren durchschnitten. Der Mensch ging über zum persönlichen Eigenleben. Er lernte sich in seinen sittlichen Neigungen nach dem zu richten, was er im persönlichen Leben erfahren hat. So drückt sich in einem ungemischten Blute die Macht des Vorfahrenlebens aus, in dem gemischten die Macht der eigenen Erlebnisse. Davon erzählen die Sagen und Mythen der Völker. Sie sagen uns: Was Macht hat auf dein Blut, das hat Macht über dich. Die Macht der Völkertraditionen hörte auf, als sie nicht mehr wirken konnte auf das Blut, als dessen Aufnahmefähigkeit für solche Vorfahrenmacht erlischt durch die Beimischung des fremden Blutes. Und dieser Satz gilt im weitesten Umfange. Welche Macht auch immer sich eines Menschen bemächtigen will, sie muß so auf ihn wirken, daß sich diese Wirkung im Blute ausdrückt. Will also eine böse Macht Einfluß gewinnen auf den Menschen, dann muß sie Herrschaft haben über sein Blut. Das ist der tiefe und geistvolle Zug des erwähnten Wortes aus Faust. Daher sagt der Repräsentant des bösen Prinzipes: Schreibe mir deinen Namen mit Blut unter den Pakt. Habe ich deinen Namen mit deinem Blute geschrieben, dann habe ich dich bei demjenigen erfaßt, wodurch der Mensch überhaupt erfaßt werden kann, ich habe dich zu mir herübergezogen. Wem das Blut gehört, dem gehört auch der Mensch oder des Menschen Ich.
[ 46 ] At present, the entire environment to which a person surrenders is expressed in the blood, and this environment therefore shapes the inner self according to the outer world. In primitive man, the physical inner self was expressed more fully in the blood. In primeval times, along with the memory of their ancestors’ experiences, their inclinations toward this or that good or evil were also passed down. The effects of the ancestors’ inclinations could be felt in the blood of their descendants. When the blood was then mixed through intermarriage, this connection with the ancestors was also severed. Human beings transitioned to a life of personal autonomy. They learned to guide their moral inclinations according to what they had experienced in their own lives. Thus, in unmixed blood, the power of ancestral life is expressed; in mixed blood, the power of one’s own experiences. This is what the legends and myths of the peoples tell us. They tell us: Whatever has power over your blood has power over you. The power of folk traditions ceased when they could no longer act upon the blood—when the blood’s receptivity to such ancestral power was extinguished by the admixture of foreign blood. And this statement holds true in the broadest sense. Whatever power seeks to take hold of a human being must act upon them in such a way that this effect is expressed in the blood. Thus, if an evil power wishes to gain influence over a human being, it must have dominion over their blood. This is the profound and spiritual essence of the aforementioned line from Faust. That is why the representative of the evil principle says: “Sign the pact with your name in blood.” Once I have written your name with your blood, I have seized you by that through which a human being can be seized at all; I have drawn you over to me. To whom the blood belongs, to that person also belongs the human being—or the human being’s “I.”
[ 47 ] Wenn zwei Menschengruppen aufeinanderstoßen, wie dies bei der Kolonisation der Fall zu sein pflegt, dann wird derjenige, welcher die Evolution kennt, sagen können, ob eine fremde Kultur aufgenommen werden kann oder nicht. Nehmen Sie ein Volk, das herausgewachsen ist aus seiner Umgebung, in dessen Blut sich seine Umgebung hineingebildet hat, und versuchen Sie, ihm eine fremde Kultur aufzupfropfen. Es ist unmöglich. Das ist auch der Grund, warum gewisse Ureinwohner zugrunde gehen mußten, als die Kolonisten in bestimmte Gegenden kamen. Von diesem Gesichtspunkte aus wird man diese Frage beurteilen müssen, und dann wird man auch nicht mehr glauben, daß man jedes jedem aufpfropfen kann. Dem Blute darf nur dasjenige zugemutet werden, was es noch vertragen kann.
[ 47 ] When two groups of people come into contact, as is often the case during colonization, those who understand evolution will be able to determine whether a foreign culture can be assimilated or not. Take a people that has grown out of its environment—a people whose very blood has been shaped by that environment—and try to graft a foreign culture onto it. It is impossible. That is also the reason why certain indigenous peoples were doomed to perish when colonists arrived in certain regions. This issue must be assessed from this perspective, and then one will no longer believe that anything can be imposed on anyone. One must only expect the blood to tolerate what it can still bear.
[ 48 ] Die Entdeckung der neueren Wissenschaft, daß, wenn man Blut eines Tieres mit dem eines ihm nicht verwandten vermischt, das eine Blut das andere tötet, ist eine alte okkulte Erkenntnis. Mischen Sie Menschenblut mit dem Blut niederer Affen, so tritt Vernichtung ein, weil sie zu weit voneinander abliegen. Mischen Sie Menschenblut und das Blut höherer Affen, so töten sie sich nicht. So wie die Mischung des Blutes von Tiergattungen, wenn sie zu entfernt sind, den wirklichen Tod hervorbringt, so tötete es das alte Hellsehen des niederen Menschen, als sein Blut mit dem Blute des nicht stammverwandten vermischt wurde. Das ganze heutige Geistesleben ist nichts anderes als das Ergebnis der Blutmischung, und man wird in nicht zu ferner Zeit auch den Einfluß der Blutmischung studieren und im Menschenleben zurückverfolgen können, wenn man von diesem Gesichtspunkte aus wieder die Forschung betreibt. Also: Blut zu Blut von in der Entwicklung sich fernstehenden Tiergattungen tötet; Blut zu Blut von verwandten Tiergattungen tötet nicht. Der physische Organismus des Menschen wird erhalten, auch wenn fremdes Blut zu fremdem Blute kommt, aber die hellseherische Kraft stirbt unter dem Einfluß der Blutmischung oder der Fern-Ehe.
[ 48 ] The discovery by modern science that when the blood of one animal is mixed with that of an unrelated animal, one blood kills the other, is an ancient occult insight. If you mix human blood with the blood of lower apes, destruction ensues because they are too far apart. If you mix human blood with the blood of higher apes, they do not kill each other. Just as the mixing of blood from animal species that are too distantly related brings about actual death, so too did it kill the ancient clairvoyance of primitive man when his blood was mixed with that of a non-kin. The entire spiritual life of today is nothing other than the result of blood mixing, and in the not-too-distant future it will also be possible to study the influence of blood mixing and trace it back in human life, if research is conducted again from this perspective. Thus: Blood mixed with blood from animal species that are far apart in their evolution kills; blood mixed with blood from related animal species does not kill. The human physical organism is preserved even when foreign blood is mixed with foreign blood, but the clairvoyant power dies under the influence of blood mixing or intermarriage.
[ 49 ] Der Mensch ist so gestaltet, daß, wenn sich Blut und Blut mischt und diese Blutmischung nicht von einer Seite herkommt, die in der Entwicklung zu weit absteht, der Intellekt geboren wird. Dadurch wird die ursprünglich aus dem Animalischen kommende Hellseherkraft vernichtet und ein neues Bewußtsein in der Entwicklung geboren.
[ 49 ] Human beings are designed in such a way that when blood mixes with blood—and this mixture does not originate from a source that is too far behind in its development—the intellect is born. As a result, the clairvoyant power that originally stemmed from the animal realm is destroyed, and a new consciousness is born in the course of development.
[ 50 ] Es ist also bei der menschlichen Entwicklung auf höherer Stufe etwas Ähnliches vorhanden wie auf niederer Stufe in der Tierwelt. In der Tierwelt tötet fremdes Blut das fremde Blut. In der Menschenwelt tötet das fremde Blut dasjenige, was mit dem Verwandtenblut verbunden ist: das dumpfe, dämmerhafte Hellsehen. Das wache Tagesbewußtsein des Menschen der Gegenwart ist also ein Ergebnis eines Tötungsprozesses, Es ist im Laufe der Entwicklung das Geistesleben der Nah-Ehe getötet worden, aber es ist auch dafür aus der Fern-Ehe das Neue, der Intellekt, das wache Tagesbewußtsein geboren worden.
[ 50 ] Thus, at a higher stage of human development, there is something similar to what exists at a lower stage in the animal kingdom. In the animal kingdom, foreign blood kills foreign blood. In the human world, foreign blood kills that which is connected to kinship blood: the dull, twilight-like clairvoyance. The waking daytime consciousness of modern humans is thus the result of a process of elimination. In the course of evolution, the spiritual life of close kinship has been eliminated, but in its place, the new—the intellect, the waking daytime consciousness—has been born from distant kinship.
[ 51 ] Was also im Blute des Menschen leben kann, das lebt in seinem Ich. Wie der physische Leib der Ausdruck ist für das physische Prinzip, der Ätherleib für die Lebenssäfte und ihre Systeme, der Astralleib für das Nervensystem, so ist das Blut der Ausdruck für das Ich. Physisches Prinzip, Ätherleib, Astralleib sind das Obere, Blutzustand und Ich sind das Mittlere und physischer Leib, Lebenssystem, Nervensystem sind das Untere. Was sich deshalb eines Menschen bemächtigen will, das muß sich seines Blutes bemächtigen. Das muß berücksichtigt werden, wenn man im praktischen Leben vorwärtskommen will. Man kann zum Beispiel ein fremdes Volk in seiner Eigenart töten, wenn man kolonisierend seinem Blute zumutet, was dieses Blut nicht ertragen kann. Denn im Blute drückt sich das Ich aus. Erst dann haben Schönheit und Wahrheit den Menschen, wenn sie sein Blut haben. Mephistopheles bemächtigt sich des Blutes des Faust, weil er dessen Ich haben will. Der Satz, der das Leitmotiv dieses Vortrags bildet, ist daher aus der Tiefe der Erkenntnis heraus genommen. Ja, Blut ist ein ganz besonderer Saft.
[ 51 ] Whatever can live in human blood, therefore, lives in the “I.” Just as the physical body is the expression of the physical principle, the etheric body of the vital fluids and their systems, and the astral body of the nervous system, so blood is the expression of the “I.” The physical principle, the etheric body, and the astral body constitute the upper realm; the state of the blood and the “I” constitute the middle realm; and the physical body, the life system, and the nervous system constitute the lower realm. Therefore, whatever seeks to take control of a human being must first take control of their blood. This must be taken into account if one wishes to make progress in practical life. For example, one can destroy a foreign people’s distinct character by imposing upon their blood—through colonization—what that blood cannot endure. For the “I” expresses itself in the blood. Only then do beauty and truth belong to a person when they possess his blood. Mephistopheles seizes Faust’s blood because he wants his “I.” The sentence that forms the leitmotif of this lecture is therefore drawn from the depths of insight. Yes, blood is a very special sap.
