Recognizing the Supernatural in our Time
and its Significance for Modern Life
GA 55
8 November 1906, Berlin
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3. Der Ursprung des Leides
3. The Origin of Suffering
[ 1 ] Mehr noch als die anderen Vorträge des Winterzyklus hängen die drei nächsten zusammen: der heutige «Über den Ursprung des Leids», der nächste «Über den Ursprung des Bösen» und der folgende «Wie begreift man Krankheit und Tod?», doch wird jeder von diesen drei Vorträgen auch in sich selbst abgeschlossen und verständlich sein.
[ 1 ] Today's lecture has a close connection with the two succeeding discourses entitled, “The Origin of Evil”; and “Illness and Death.” Yet each lecture is complete and comprehensible by itself.
[ 2 ] Wenn der Mensch das Leben rings um sich her betrachtet, wenn er Selbstschau hält und den Sinn und die Bedeutung des Lebens bei sich selbst erforschen will, dann findet er einen eigentümlichen, zum Teil warnenden, zum Teil ganz rätselvollen Wächter vor dem Tore dieses Lebens stehen: das Leid.
[ 2 ] Someone who contemplates his own life, as well as life in general, encounters at the outset, like an enigmatic figure standing guard before life's portal, the problem of suffering.
[ 3 ] Das Leiden, das seinerseits wiederum eng verbunden ist mit dem, was wir in den nächsten Vorträgen betrachten wollen, mit dem Bösen, mit Krankheit und Tod, erscheint dem Menschen manchmal als etwas, was so tief ins Leben eingreift, daß es mit den allerhöchsten Fragen des Lebens zusammenzuhängen scheint. Daher ist die Frage nach dem Leide eine der wesentlichsten aller Weltanschauungen seit den ältesten Zeiten des Menschengeschlechts, und immer, wenn man versuchte, den Wert des Lebens abzuschätzen, den Sinn des Lebens zu erkennen, hat man vor allen Dingen erkennen wollen, welche Rolle das Leid, der Schmerz im menschlichen Leben spielt.
[ 3 ] Suffering, so closely bound up with evil, illness and death, often cuts deeply into people's lives, and is seen as one of its greatest riddles. When attempts are made to find meaning in life, to assess its value, it is above all pain and suffering that come under scrutiny. In all world views since ancient times, it features as one of the foremost questions.
[ 4 ] Wie ein Störenfried erscheint das Leid mitten im fröhlichen Leben, es erscheint als eine Herabminderung von Lebenlust und Lebenshoffnung. Gerade diejenigen, welche den Wert des Lebens in der Lebensfreudigkeit suchen, welche nur für die Lebensfreudigkeit da zu sein scheinen, haben diesen Störenfried, Leid und Schmerz, am meisten empfunden. Wie wäre es sonst erklärbar, daß bei einem so lebensfrohen, so in Lebensfreudigkeit aufgehenden Volke, wie es die Griechen waren, ein Ausspruch wie ein dunkler Punkt am Sternenhimmel der Schönheit des Griechentums auftaucht, der Ausspruch des weisen Silen im Gefolge des Dionysos: Was ist für den Menschen das Beste? Das Beste für den Menschen ist, nicht geboren zu sein, und ist er einmal geboren, so ist das Zweitbeste, bald nach der Geburt zu sterben. — Vielleicht wissen Sie, daß Friedrich Nietzsche, als er die Geburt der Tragödie aus dem Geiste des alten Griechentums zu begreifen suchte, an diesen Spruch anknüpfte, um zu zeigen, wie auf dem Grunde griechischer Lebensweisheit und griechischer Kunst das Leid und die Betrübnis des Menschen über das Leid und über das, was damit zusammenhängt, eine bedeutungsvolle Rolle spielt.
[ 4 ] Suffering appears like an unwelcome intruder; it destroys, in the midst of happiness, enjoyment and hope. People who feel pain and suffering the most are those that measure life's value according to its pleasures, that, as it were, exist solely for the sake of enjoyment. It explains why a people as happy and as full of enjoyment of life as the ancient Greeks had a saying which hung like a dark cloud in the midst of the beautiful stars on the Hellenic firmament. The wise Silenus,1Silenus was a drunken attendant of Bacchus and one of the satyrs. He was a personage in Greek mythology. a member of Dionysus2Dionysus was the god of wine and fertility. retinue, answers the question, What is best for man? by saying: “The best for man is not to be born, and if born the next best for him is to die soon after.” As you may know, Friedrich Nietzsche occupied himself with this saying in his effort to understand the birth of tragedy out of the Spirit of ancient Greece. He wanted to demonstrate, on the basis of Greek art and philosophy, the significant role played by suffering itself, and the sorrow it caused.
[ 5 ] Nun aber finden wir auch einen anderen und kaum viel jüngeren Satz aus dem Griechentum, einen kurzen Ausspruch, der uns zu gleicher Zeit zeigt, wie in einer gewissen Art wiederum aus diesem alten Griechentum heraus eine Erkenntnis aufdämmert, daß das Leiden und die Schmerzen der Welt doch nicht bloß eine verhängnisvolle Rolle spielen. Es ist der Ausspruch, den wir bei einem der ältesten griechischen Tragiker, bei Äschylos finden, daß aus Leiden Erkenntnis erwächst. Da werden zwei Dinge zusammengebracht, von denen zweifellos ein großer Teil der Menschheit das eine aus dem Leben hinweggelöscht haben möchte, während er das andere, die Erkenntnis, als eines der höchsten Güter des Lebens betrachtet.
[ 5 ] However, not muck later another saying came to the fore in Greece that shows a dawning understanding for the fact that the significance of pain goes far beyond that of misfortune. We find in Aeschylus,3 Aeschylus (c.525–456 B.C. one of the early Greek tragic poets, the saying, “From suffering knowledge is born.” Two things are here brought together, one of which the greater part of humanity would no doubt prefer to see eliminated, while seeing in the other one of life's greatest benefits.
[ 6 ] Daß das Leben und das Leid, wenigstens das Leben der heutigen Menschen und der höheren Wesen auf unserem Erdenrund, tief verflochten sind, hat man von jeher geglaubt einsehen zu müssen. So stehen nicht nur am Ausgangspunkt des biblischen Schöpfungsmythos Erkenntnis des Guten und Bösen und Leid innig miteinander verbunden, sondern wir sehen auch auf der anderen Seite, mitten aus der Anschauung des Alten Testaments heraus, wie aus einer schwarzen Anschauung des Leidens auch eine helle, lichtvolle aufdämmert. Wenn wir uns im Alten Testament umsehen, wenn wir den Schöpfungsmythos in bezug auf diese Frage verfolgen, so wird uns klar, daß man innerhalb dieser alten Weltanschauung Leiden und Sünde zusammenbrachte, daß man Leid als die Folge der Sünde ansah. Heute, bei der Denkweise, die selbst da, wo man nicht recht will, sich der materialistischen Weltauffassung nähert, begreift man nicht m hr leicht, wie man in der Sünde die Ursache des Leidens suchen kann. Aber wenn wir Geistesforscher sind und uns in frühere Zeitalter hineindenken lernen, dann werden wir sehen, daß es nicht ganz so unsinnig ist, an einen solchen Zusammenhang zu glauben, und der nächste Vortrag wird uns zeigen, daß es eine Möglichkeit gibt, einen Zusammenhang zwischen dem Bösen und dem Leid zu sehen. Das Leid aber aus seinen Ursachen zu erklären, stellte sich für die Anschauung des alten Judentums als eine Unmöglichkeit heraus. So sehen wir, daß mitten in dieser Anschauung, die Leid und Sünde in Zusammenhang bringt, die merkwürdige Gestalt des Hiob steht, jene Gestalt, die uns zeigt oder zeigen will, wie Leiden und unsägliche Schmerzen mit einem vollkommen unschuldigen Leben zusammenhängen können, wie es unverdiente Leiden und Schmerzen geben kann. In dem Bewußtsein dieser eigenartig tragischen Persönlichkeit Hiob sehen wir noch einen anderen Zusammenhang von Leid und Schmerz aufdämmern, einen Zusammenhang mit der Veredlung des Menschen. Das Leid erscheint uns da als eine Prüfung, als Wurzel eines Aufwärtsklimmens, einer Höherentwicklung. So braucht dieses Leiden im Sinne dieser Hiob-Tragik keineswegs seinen Ursprung im Bösen zu haben, sondern kann selbst erster Ursprung sein, so daß das, was aus ihm hervorgeht, eine vollkommenere Phase menschlichen Daseins, menschlichen Lebens darstellt. Das alles liegt unserem heutigen, modernen Denken ziemlich fern, und die breitere Masse unseres heutigen gebildeten Publikums kann sich nicht mehr in eine solche Denkweise hineinfinden. Sie brauchen aber nur in Ihrem Leben etwas zurückzudenken und Sie werden sehen, daß Vollkommenheit und Leid gar oft auch vor Ihren Augen zusammengestellt erschien, und daß es in der Menschheit immer ein Bewußtsein gegeben hat von dem Zusammenhang zwischen Leiden und Vollkommenheit. Dieses Bewußtsein wird uns hinüberheben zu dem, was wir heute im Sinne der Geistesforschung zu betrachten haben werden, nämlich den Zusammenhang zwischen Leiden und Geistigkeit.
[ 6 ] From time immemorial, the belief has existed that life on this planet is unavoidably entwined with suffering, at least as far as human beings and the higher creatures are concerned—a view we find expressed at the start of the biblical story of creation, where knowledge of good and evil is intimately bound up with suffering. However, we also find in the Old Testament the view expressed that there can dawn, within the bleakest outlook caused by suffering, one filled with hope and light. A closer look at the Old Testament makes it clear that right from ancient times, sin and suffering have always been seen as connected, suffering as being a consequence of sin. The modern materialistic outlook finds it difficult to grasp that suffering may originate from sin. But when one has learned through spiritual research to look back into earlier ages, one recognizes that this view is not without foundation; the next lecture will show that it is possible to connect evil and suffering. But in one case ancient Judaism found it impossible to explain the origin of suffering. In the midst of views connecting suffering with sin, we find the remarkable figure of Job. The story of Job shows, or is meant to show, that undeserved suffering can exist, that unspeakable pain can come about in a life without sin. In the uniquely tragic personality of Job, we see a dawning consciousness of a different connection, namely, a connection between suffering and ennoblement. Here suffering appears as a testing, as an incentive to greater striving. In the sense of Job's tragedy, suffering need not originate from evil; it may be a first cause from which will result a more perfect phase in human life. This viewpoint is rather remote from the modern way of thinking; most of today's educated people would find it difficult to accept. But if you look back over your life you will realize how often suffering and higher development go together. Furthermore, humanity has always been aware of this connection; and that leads us to today's subject. We shall consider in the sense of spiritual science the connection between suffering and spirituality
[ 7 ] Erinnern Sie sich, wie oft in diesem oder jenem Trauerspiel der tragische Held vor Ihren Augen gestanden hat. Durch Leiden und leidensvolle Kämpfe hindurch führt der Dichter immer wieder und wiederum den Helden; und wenn er dann bis zu dem Punkte kommt, wo der Schmerz sich aufs höchste steigert und in dem Ende des physischen Körpers seinen Abschluß findet, dann lebt in der Seele des Zuschauers nicht bloß Mitleid mit dem tragischen Helden, nicht bloß die Betrübnis darüber, daß solche Leiden, wie sie sich eben abgespielt haben, möglich sind, sondern es stellt sich heraus, daß der Mensch vom Anblick des Leidens gehoben und erbaut wurde, daß er das Leid hat untergehen sehen im Tode und aus dem Tode heraus sich die Gewißheit ergeben hat, daß es einen Sieg gibt über Schmerzen und Leiden, ja selbst über den Tod. Durch nichts kann künstlerisch dieser höchste Sieg des Menschen, dieser Sieg seiner innersten Kräfte und Triebe, dieser Sieg des edelsten Triebes seiner Natur so erhaben vor Augen geführt werden als durch das Trauerspiel. Wenn dem Bewußtsein dieses Sieges das Erlebnis von Leiden und Schmerzen vorhergegangen ist und wir von solchen Tatsachen, die sich vor den Augen des Zuschauers im Theater immer wieder abspielen können, aufschauen zu dem, was ein großer Teil der heutigen Menschheit noch immer als das Höchste aller geschichtlichen Entwicklung empfindet, wenn wir aufschauen zu dem Ereignis, das unsere Zeitrechnung in zwei Teile teilt, zu dem Ereignisse der Erlösung durch den Christus Jesus, dann kann es uns auffallen, daß eine der größten Erhebungen, eine der größten Erbauungen und Siegeshoffnungen, die jemals im Herzen der Menschen Platz gegriffen haben, aus dem weltgeschichtlichen Anblick des Leides entsprossen ist. Die großen, bedeutsamen und tief in das Menschenherz einschneidenden Empfindungen der christlichen Weltanschauung, jene Empfindungen, die für so viele Menschen Lebenshoffnung und Lebenskraft sind, die Gewißheit geben, daß es ein Ewiges, daß es einen Sieg über den Tod gibt, alle diese erbauenden und erhebenden Empfindungen entspringen aus der Anschauung eines universellen Leidens, eines Leidens, das die Unschuld trifft, eines Leidens, das durch keine Sünde der eigenen Persönlichkeit herbeigeführt worden ist.
[ 7 ] In dramas the central figure is often the tragic hero. The hero is faced again and again with suffering and conflict; at last at the climax the suffering ends with the death of the physical body. At this point the onlooker not only experiences compassion for the tragic hero and sorrow that such suffering exists; but he also has Bone through a catharsis, and feels that from death certainty arises, certainty that pain and suffering, and even death itself, are conquered. No art form portrays more sublimely than the tragedy the greatest human victory, the victory of a person's innermost and noblest forces. On the stage we can often witness the conquest of pain and suffering. It is brought forcefully to our consciousness when we contemplate the event recognized by a large part of humanity as the greatest in history. The event that divides our reckoning of time into two parts—the salvation through Christ Jesus. It may strike us that, precisely through contemplating a suffering of world magnitude, the profoundest hope takes root in human hearts. Christianity reassures us concerning eternity, concerning victory over death. From looking up to a universal suffering preceded by no personal guilt or sin, we derive hope and strength. This indicates a consolatory feeling in the human soul that always asserts itself in the face of suffering.
[ 8 ] So sehen wir auch hier ein Höchstes im Bewußtsein der Menschheit sich an das Leid anknüpfen. Und wenn wir so sehen, wie diese Dinge im kleineren und im größeren immer wieder in der Menschheit auftauchen, wie sie geradezu den elementaren Teil der ganzen menschlichen Natur und des ganzen menschlichen Bewußtseins bilden, dann muß es uns doch scheinen, als ob das Leiden irgendwie mit dem Höchsten im Menschen zusammenhänge.
[ 8 ] Not translated
[ 9 ] Nur ein Hinweis sollte das sein auf eine Grundempfindung der menschlichen Seele, die sich immer und immer wieder losringt, und die gleichsam wie ein großer Trost dasteht dafür, daß es Leiden gibt. Wenn wir uns nun noch feiner und intimer in das Menschenleben einleben, so können sich uns auch Erscheinungen vor die Seele stellen, die uns auf die Bedeutung des Leidens hinweisen. Wir werden hier symptomatisch auf einesolcheErscheinung hinweisen müssen, die vielleicht kaum damit zusammenzuhängen scheint, wenn wir uns jedoch intimer auf die menschliche Natur einlassen, werden wir sehen, daß auch diese Erscheinung auf die Bedeutung gewisser Seiten des Leides hinweisen wird.
[ 9 ] If we look at human life more carefully, we find phenomena that indicate the significance of suffering. Let us look at one such phenomenon that is symptomatic, although at first sight it may not appear to be connected with suffering.
[ 10 ] Denken Sie noch einmal an das tragische Kunstwerk, das Trauerspiel, das nur entstehen kann, wenn sich des Dichters Seele weit, weit öffnet, aus sich herausgeht und lernt, fremdes Leid mitzuempfinden, fremdes Leid auf die eigene Seele abzulagern. Und nun vergleichen Sie diese Empfindung nicht etwa bloß mit dem Lustspiele — da werden wir keinen guten Vergleich herausbekommen —, sondern mit etwas, was in gewisser Weise auch zur Kunst gehört: mit der Stimmung, aus der die Karikatur fließt, die vielleicht mit Spott und Hohn dasjenige im Zerrbilde zeigt, was in der Seele des anderen vorgeht und in die äußere Wirksamkeit tritt. Versuchen wir es, uns zwei Menschen vor die Seele hinzustellen, von denen der eine ein Ereignis oder einen Menschen tragisch ergreift, der andere als Karikatur erfaßt. Nicht ein bloßer Vergleich, nicht ein bloßes Bild ist es, wenn wir sagen, die Seele des tragischen Dichters und Künstlers erscheint uns, wie wenn sie aus sich herausginge und weiter und weiter würde. Was aber eröffnet sich ihr durch dieses Weiterwerden? Das Verständnis des anderen Menschen. Durch nichts versteht man das Leben des anderen mehr, als wenn man seinen Schmerz auf die eigene Seele ablagern läßt. Was muß man aber tun, wenn man karikieren will? Man darf nicht eingehen auf das, was die andere Seele fühlt, man muß sich über sie stellen, sie von sich weisen, und dieses Vonsichweisen ist die Grundlage des Zerrbildes. Niemand wird leugnen, daß, ebenso wie uns durch das tragische Mitleid die andere Persönlichkeit tief verständlich wird, durch die Karikatur dasjenige vor uns auftritt, was in der Seele der eigenen Persönlichkeit des Karikierenden lebt. Viel mehr lernen wir die Überlegenheit, den Witz, das Anschauungsvermögen, die Phantasie des Karikierenden kennen als den, der karikiert wird.
[ 10 ] Think once more of a tragedy. The poet can only create such a work of art if he has the capacity to go out of himself, to widen his soul and encompass the suffering of others. The poet must be able to experience the suffering of others as if it were his own. But now compare this attitude with a very different one–not however with what inspires comedy—that would not be the right comparison. Rather compare it with the attitude that inspires caricature; that too in a sense belongs to the realm of art. The caricaturist distorts what is expressed outwardly of what lives in another soul, perhaps with ridicule and derision. Let us now imagine two persons, one of whom sees an event or a human being as tragic, the other who sees the situation in caricature. It is no mere simile when we say that the artist as tragic poet goes out of himself, allowing his soul to become ever more encompassing. But what is it that individuals attain through this ever widening of their inner being? They attain understanding of the other. Nothing provides greater understanding than experiencing another person's suffering as one's own. But what about the caricaturist? He cannot enter into the other person's feeling; on the contrary, he must reject, must set himself above it. The refusal to consider the other person's inner life is basic to caricature. No one can fail to see that compassion leads to understanding of the other, whereas caricature reveals the nature of the caricaturist. We learn through his work far more about his feeling of superiority, wit, and power of observation and imagination, than we learn about the nature of his subject.
[ 11 ] Haben wir so aus gewissen Symptomen heraus anschaulich gemacht, daß das Leid doch mit etwas Tiefem in der Menschennatur zusammenhängt, so dürfen wir hoffen, daß durch ein Begreifen des eigentlichen Wesens der Menschennatur uns auch Schmerz und Leid in ihrem Ursprung klar werden können.
[ 11 ] If these examples make it evident that suffering is connected with deeper aspects of human nature, it is to be hoped that an understanding of our essential nature will also make clear how pain and suffering originate.
[ 12 ] Die Geisteswissenschaft, die wir hier zu vertreten haben, geht davon aus, daß alles Dasein um uns herum seinen Ursprung aus dem Geiste genommen hat. Eine mehr materialistische Anschauung sieht den Geist nur da, wo er wie eine Krone der sinnlichen Schöpfung erscheint, wie eine Blüte, die sich aus der Wurzel des materiellen Daseins heraushebt. Diese letztere Anschauung sieht rings um sich das materielle Dasein, die physische Körperwelt sich herauforganisieren innerhalb der lebenden Wesen, sie sieht das Bewußtsein, die Empfindung entspringen, sieht Lust und Leid innerhalb des Lebens hervorgehen und den Geist aus der Körperlichkeit heraus sich erheben.
[ 12 ] Spiritual science recognizes that the whole physical world about us originated from the spirit, whereas the materialistic view only sees spirit where it appears as a kind of crown on physical material creation, as a kind of flower growing from physical roots. The materialistic view sees, as it were, the inorganic organizing itself within the living creatures. Consciousness, pleasure and pain emerge from sentient life, the spirit from the corporeal. When the spiritual researcher looks at the way spirit first appears in the natural world, he too sees it emerging from the physical.
[ 13 ] Wenn wir so das Leben rings um uns betrachten, so ist auch für die wahre Geistesforschung der Geist, wie er uns in der sinnlichen Welt entgegentritt, zunächst ein Ergebnis der physischen Natur, aus welcher er heraussprießt.
[ 13 ] Not translated
[ 14 ] In den zwei letzten Vorträgen wurde dargestellt, wie wir uns im Sinne der Geistesforschung den ganzen Menschen, den physischen oder leiblichen, den seelischen und den geistigen Menschen vorzustellen haben. Das, was wir mit Augen sehen, mit den Sinnen äußerlich wahrnehmen können, das, was der Materialismus als das einzige Wesen der Natur betrachtet, ist der Geistesforschung nichts anderes als das erste Glied der menschlichen Wesenheit: der physische Leib. Wir wissen, daß dieser in bezug auf seine Stoffe und Gesetze dem Menschen mit der ganzen übrigen leblosen Welt gemeinsam ist. Wir wissen aber auch, daß dieser physische Körper aufgerufen wird zum Leben durch das, was wir den sogenannten Äther- oder Lebensleib nennen; und wir wissen dies, weil für die geistige Forschung dieser Lebensleib nicht eine Spekulation, sondern eine Wirklichkeit ist, die erschaut werden kann, wenn der Mensch die höheren Sinne, die in ihm schlummern, in sich eröffnet hat. Wir betrachten den zweiten Teil der menschlichen Wesenheit, den Ätherleib, als etwas, was der Mensch gemeinschaftlich hat mit der übrigen Pflanzenwelt. Als das dritte Glied der menschlichen Wesenheit betrachten wir den Astralleib, den Träger von Lust und Unlust, von Begierde und Leidenschaft, den der Mensch mit der Tierheit gemeinsam hat. Und dann sehen wir, daß des Menschen Selbstbewußtsein, die Möglichkeit, zu sich «Ich» zu sagen, die Krone der Menschennatur ist, die er mit keinem anderen Wesen gemeinsam hat; daß dieses Ich als die Blüte der drei Leiber, des physischen, Äther- und Astralleibes hervorgeht. So sehen wir einen Zusammenhang dieser vier Glieder, auf welchen die Geistesforschung immer hingewiesen hat. Die pythagoräische Vierheit ist nichts anderes als diese Vierheit: physischer Leib, Ätherleib, Astralleib und Ich. Diejenigen, die sich tiefer mit Theosophie beschäftigt haben, wissen, daß dieses Ich aus sich selber herausarbeitet, was wir das Geistselbst oder Manas, den Lebensgeist oder Buddhi und den eigentlichen Geistmenschen oder Atma nennen,
[ 14 ] We saw in the preceding two lectures that in the light of spiritual science we must think of the human being as consisting not only of a physical or bodily nature, but also of soul and spirit. What materialism regards as the whole of existence, that is, what can be perceived physically, spiritual science maintains is in plan only his first member: the physical body. We know it is built up from the same substances as those that exist in inorganic nature, but we also know that it is called into life by the so-called ether or life body. This ether body is not something merely thought out; it is a reality and can be perceived when the higher senses that slumber in us are developed. The ether body is the second member of our being also possessed by the vegetable kingdom. Our third member, the astral body, is the bearer of pleasure and pain, cravings and passions; animals also possess an astral body. In the human being we see emerging within his physical, ether and astral bodies consciousness of self, that is, the ability to call himself “I.” This is the crown of his nature, which no other earthly being possesses. Spiritual science has often indicated the interrelation of these four members. The Pythagorean fourfoldness is nothing else than that of physical body, ether body, astral body and “I.” Those who have gone more deeply into spiritual science know that the “I” of a human being will develop out of itself what is termed: Spirit Self or Manas; Life Spirit or Buddhi; and Spirit Man or Atma, an individual's essential spirit being. This is all mentioned again today to ensure proper orientation.
[ 15 ] Das sei noch einmal vor Sie hingestellt, damit wir uns in richtiger Weise orientieren können. Dem Geistesforscher erscheint also der Mensch als ein viergliedriges Wesen. Nun kommt der Punkt, wo sich die wahre Geistesforschung, die mit den Augen des Geistes hinter die Wesenheiten sieht, die eindringt in die tiefen Gründe des Daseins, tief unterscheidet von einer rein äußerlichen Betrachtungsweise der Dinge. Zwar sagen wir auch, so wie der Mensch jetzt vor uns steht, müssen chemische und physikalische Gesetze die Grundlage des Leibes, des Lebens, die Grundlage der Empfindung, des Bewußtseins, die Grundlage des Selbstbewußtseins werden. Wenn wir aber geisteswissenschaftlich auf das Wesen eingehen, stellt sich uns die Sache gerade umgekehrt dar. Was sich uns im Sinne der Erscheinung als das Letzte darstellt, das Bewußtsein, das sich heraushebt aus dem physischen Leib, das erscheint uns als das ursprünglich Schöpferische. Auf dem Grunde von allem erblicken wir den bewußten Geist, und deshalb erkennt der Geistesforscher, wie unsinnig die Frage ist: woher kommt der Geist? Das kann nie die Frage sein; es kann lediglich gefragt werden: woher kommt die Materie? Die Materie aber ist für die Geistesforschung aus dem Geiste entsprungen, ist nichts als verdichteter Geist.
[ 15 ] Thus, the spiritual investigator sees the human being as a fourfold being. At a certain point spiritual research differs decisively from external research because spiritual perception penetrates deeply into the foundation of existence. However, the spiritual investigator also sees that, as a human being comes before us in the physical world, physical matter and laws constitute the foundation of a person's bodily nature; life constitutes the foundation of sensation; and consciousness the foundation of self-consciousness. But to spiritual research the sequence is seen the other way round. What to physical appearance seems to be the last to emerge from the physical body, that is, consciousness, is seen by the spiritual investigator as the primordial creative element. The conscious spirit is seen as the foundation of all existence. Consequently one cannot ask, Where does spirit come from? That can never be the question, rather, Where does matter come from? Spiritual research shows that matter originates from spirit; it is nothing but condensed spirit.
[ 16 ] Ein Gleichnis: Denken Sie sich ein Gefäß mit Wasser. Dieses Wasser denken Sie sich in einem seiner Teile abgekühlt, bis es zu Eis erstarrt. Was ist nun das Eis? Eis ist Wasser, Wasser in anderer Form, in festem Zustande. So sieht der Geistesforscher auch die Materie an. Wie das Wasser sich zum Eis verhält, so verhält sich der Geist zur Materie. Wie das Eis nichts anderes ist als ein Ergebnis des Wassers, so ist die Materie nichts anderes als ein Ergebnis des Geistes, und wie Eis wieder zu Wasser werden kann, so kann der Geist wieder seinen Ursprung nehmen aus der Materie, kann wieder aus der Materie hervorgehen oder umgekehrt, die Materie kann sich wieder in Geist auflösen.
[ 16 ] One might compare the process with water condensing into ice. Think of a vessel with water, part of which has cooled to below freezing so that ice has formed. This ice is nothing but water in solid form. Spirit relates to matter as water to ice. As ice can become water once more, so can spirit emerge again from matter, or conversely, matter can dissolve into spirit.
[ 17 ] So sehen wir einen ewigen Kreislauf des Geistes. Wir sehen den Geist, der das ganze Universum durchflutet, wir sehen aus ihm heraus die materiellen Wesenheiten entstehen, die sich verdichten, und wir sehen wieder auf der anderen Seite Wesenheiten, die das Feste wieder verflüchtigen. In allem, was uns heute als Materielles umgibt, ist etwas, in das der Geist hineingeflossen und darin erstarrt ist. So sehen wir in jeglichem materiellen Wesen erstarrten Geist. So wie wir dem Eise nur die nötige Wärme zuzuführen brauchen, um wieder Wasser entstehen zu lassen, so brauchen wir den Wesen um uns herum nur den nötigen Geist zuzuführen, um in ihnen den Geist erstehen zu lassen. Wir sprechen von einer Wiedergeburt des Geistes, der in die Materie hineingeflossen und darin erstarrt ist. So erscheint uns auch der astralische Leib — der Träger von Lust und Unlust, Begierde und Leidenschaft — nicht als etwas, was aus dem physischen Dasein hervorgehen konnte, sondern als dasselbe Element, das in uns auflebt als bewußter Geist, wie das, was uns erscheint als das die ganze Welt durchflutende Element, welches — durch einen Prozeß des menschlichen Lebens — wieder aus der Materie erlöst wird. Das, was als Letztes erscheint, ist zu gleicher Zeit das Erste. Es hat den physischen Leib und ebenso den Ätherleib hervorgebracht und erscheint, wenn beide in ihrer Entwicklung auf einer gewissen Höhe angelangt sind, aus ihnen heraus aufs neue geboren.
[ 17 ] Thus, we see spirit in eternal circulation. Out of spirit that fills the whole universe, we see material entities arise and solidify; on the other hand material entities continually dissolve again. Spirit has flowed into everything that surrounds us as matter. Everything material is solidified spirit. Just as we only have to add the necessary heat for ice to turn back into water, so it is only necessary to add enough spirit to the physical beings to make the spirit resurrect in them. One speaks of a rebirth of the spirit which, having flowed into matter, has become solidified. Thus, we see that the astral body, the bearer of pleasure and pain, cravings and passions, is something that could not possibly originate from the physical. It is of the same element that permeates the whole world, but in us it lives as conscious spirit. It will be released from matter through the processes that govern human life. The spirit that in the physical world appears as the last is at the same time the first. The spirit brings the physical body and the ether body into existence, and when these have reached a certain point in their evolution, the spirit reappears as if reborn within them.
[ 18 ] So sieht die Geistesforschung die Dinge an. Nun erscheinen uns diese drei Glieder — Worte sollen uns nur zur Klärung dienen — unter drei bestimmten Namen am allerbesten. Die Materie nehmen wir wahr in gewisser Form, sie erscheint uns in der Außenwelt in bestimmter Weise. Wir sprechen von der Form, von der Gestalt der Materie und von dem Leben, das in der Gestalt erscheint, und endlich von dem Bewußtsein, das innerhalb des Lebens erscheint. So sprechen wir, wie von den drei Stufen: physischer Leib, Ätherleib und Astralleib, auch von den drei Stufen: Form, Leben und Bewußtsein. In dem Bewußtsein entspringt erst das Selbstbewußtsein. Das soll uns indessen heute nicht beschäftigen, mehr das nächste Mal.
[ 18 ] Physical substance, matter, we always perceive in a certain shape, in a certain form. We speak of material form, of life that arises within that form, and of consciousness arising within the living form. Thus, we speak of the three stages: physical body, ether body and astral body, and also of the three corresponding stages: form, life and consciousness. Not until the stage of consciousness is reached can self-consciousness arise. This will concern us in the next lecture.
[ 19 ] Seit jeher und auch besonders in unserer Zeit hat man viel darüber nachgedacht, was das Leben eigentlich bedeutet, was der Ursprung und der Sinn des Lebens sei. Wenige Anhaltspunkte hat die heutige Naturwissenschaft über die Bedeutung des Lebens und über sein Wesen erkunden können. Aber eines hat sich diese neue Naturwissenschaft schon seit längerer Zeit zu eigen gemacht, was auch die Geistesforschung immer wieder als ihre Überzeugung und ihre Erkenntnis ausgesprochen hat, nämlich: Leben innerhalb der physischen Welt unterscheidet sich stofflich von dem sogenannten Nichtleben, dem Leblosen, im Grunde nur durch die Mannigfaltigkeit und Kompliziertheit der Gestaltung. Nur da kann das Leben wohnen, wo eine viel kompliziertere Gestaltung der Stoffe eintritt, als sie im Gebiete des Leblosen vorhanden ist. Sie wissen vielleicht, daß das Leben zu seiner Grundsubstanz etwas hat, was man als eiweißartige Substanz bezeichnen könnte, für die der Ausdruck «lebendiges Eiweiß» nicht unangebracht wäre. Dieses lebendige Eiweiß unterscheidet sich vom toten leblosen Eiweiß ganz beträchtlich durch eine Eigenschaft. Lebendiges Eiweiß zerfällt nämlich sogleich, wenn es vom Leben verlassen ist. Totes Eiweiß, zum Beispiel das vom toten Hühnerei, können Sie nicht längere Zeit in dem Zustande erhalten, in dem es ist. Das ist überhaupt die Eigenart der lebendigen Substanz, daß in dem Augenblick, wo das Leben von ihr gewichen ist, sie ihre Teile nicht mehr zusammenhalten kann. Wenn wir uns auch heute nicht weiter auf das Wesen des Lebens einlassen können, so kann uns doch schon eine Erscheinung hinweisen auf etwas, was tief mit dem Leben zusammenhängt und es charakterisiert. Und was ist nun dieses Charakteristische? Es ist eben diese Eigenschaft der lebendigen Substanz, daß sie zerfällt, wenn das Leben aus ihr gewichen ist. Denken Sie sich eine Substanz vom Leben entblößt: sie zerfällt; denken Sie sich eine stoffliche Mannigfaltigkeit, die nicht von Leben durchdrungen ist: sie hat die Eigenschaft, zu zerfallen. Was tut nun das Leben? Es stellt sich immer und immer wieder dem Zerfall entgegen; also das Leben erhält. Das ist das Verjüngende des Lebens, daß es sich dem, was in seiner Materie vorgehen würde, immer wieder widersetzt. Leben in der Substanz heißt: Widerstand gegen den Zerfall. Vergleichen Sie den äußeren Vorgang des Todes mit dem Leben, und es wird Ihnen klar sein, daß das Leben alles das nicht zeigt, was den Vorgang des Todes, das In-sich-selbst-Zerfallen, charakterisiert, sondern daß es vielmehr die Substanz immer wieder vor dem Zerfall errettet, sich ihrem Zerfall entgegenstellt. So ist das Leben, indem es die in sich selbst zerfallende Substanz wieder erneuert, die Grundlage des physischen Daseins und des Bewußtseins.
[ 19 ] The meaning and origin of life have always been subjects of much discussion, not least in our time. Modern natural science has not discovered many points of reference in this field. However, natural science has recently arrived at a conclusion that spiritual science has always maintained, namely, that organic and inorganic substances do not differ as far as the actual substances are concerned. The only difference lies in the fact that organic substances are more complex in their composition. Life can arise only where there are substances of varied and complex structure. As you may know, the basic substance where there is life is a white-of-egg-like substance which could well be called “living albumen.” It has one important characteristic that makes it differ from lifeless albumen; it begins to deteriorate the moment life has left it. That is why eggs, for example, do not stay fresh for long. The essential character of living substance is that it cannot remain a unity once life has departed. Although we cannot today go into detail about the nature of life, we can consider this one essential characteristic of living substance, the fact that it disintegrates the moment life has gone from it. A complex structure composed of various substances will disintegrate if not permeated with life. That is its most characteristic feature. So what does life do? It preserves, it continuously opposes disintegration. Life has the ability to rejuvenate because it continuously opposes what would otherwise take place in substances it permeates. When a substance contains life it means that disintegration is being fought. Life possesses the exact opposite qualities to those of death; instead of causing substances to fall apart, it continually holds them together. Thus, life becomes the foundation of physical existence and consciousness by constantly preventing disintegration.
[ 20 ] Nicht eine bloße Worterklärung haben wir damit gegeben. Eine Worterklärung wäre es, wenn sich das, was sie bedeutet, nicht fortwährend zutragen würde. Sie brauchen aber nur eine lebendige Substanz zu betrachten, so werden Sie finden, daß sie fortwährend von außen Stoff aufnimmt, sich ihn einverleibt, indes Teile von ihr vernichtet werden: ein Prozeß, durch den das Leben fortwährend der Vernichtung entgegenarbeitet. Wir haben es also mit einer Wirklichkeit zu tun.
[ 20 ] This is not just a verbal definition; what it points to happens all the time. You only have to observe the simplest form of life and you will find that substances are perpetually being absorbed and incorporated while bodily particles deteriorate; it is the latter process that life continuously works against. Thus, we are dealing with an actual phenomena.
[ 21 ] Alte Materie absondern und neue wieder bilden, das ist Leben. Leben ist aber noch nicht Empfindung und noch nicht Bewußtsein. Es ist eine kindliche Vorstellungsart mancher Wissenschaftler, die sie den Begriff der Empfindung so wenig richtig fassen läßt, daß sie der Pflanze, der wir Leben zuschreiben müssen, auch Empfindung beimessen. Wenn man das sagt, weil manche Pflanzen Blätter und Blüten auf einen äußeren Reiz hin schließen, wie wenn sie diesen Reiz empfinden würden, so könnte man auch sagen, das blaue Lackmuspapier, das durch äußeren Reiz gerötet wird, habe Empfindung. Auch chemischen Substanzen könnten wir dann Empfindung zuschreiben, weil sie auf gewisse Einflüsse reagieren. Das genügt aber nicht. Soll Empfindung konstatiert werden, so muß sich der Reiz im Innern spiegeln. Erst dann können wir von dem ersten Element des Bewußtseins, von der Empfindung sprechen. Und was ist dieses erste Element des Bewußtseins? Wenn wir uns in der Welterforschung auf die nächsthöhere Stufe erheben und das Wesen des Bewußtseins zu erfassen suchen, so werden wir es zwar nicht gleich erkennen, aber es doch ein wenig in der Seele leuchten spüren, ebenso wie wir auch das Wesen des Lebens ein wenig erklären konnten. Wo Leben ist, kann allein Bewußtsein entstehen, nur aus dem Leben heraus kann Bewußtsein entspringen. Entspringt das Leben aus der scheinbar leblosen Materie, indem die Zusammensetzung der Materie so kompliziert wird, daß sie sich selbst nicht erhalten kann und vom Leben ergriffen werden muß, um ihren Zerfall fortwährend zu verhindern, so erscheint uns das Bewußtsein innerhalb des Lebens als etwas Höheres. Da, wo das Leben fortwährend als Leben vernichtet wird, wo fortwährend ein Wesen hart an der Grenze zwischen Leben und Tod steht, wo fortwährend das Leben wieder aus der lebendigen Substanz zu verschwinden droht, da entsteht das Bewußtsein. Und wie zuerst die Substanz zerfallen ist, wenn das Leben sie nicht bewohnte, so scheint uns jetzt das Leben zu zerfallen, wenn nicht als neues Prinzip das Bewußtsein hinzuträte. Das Bewußtsein kann nicht anders begriffen werden als indem wir sagen: so wie das Leben dazu da ist, gewisse Vorgänge zu erneuern, deren Fehlen den Zerfall der Materie herbeiführen würde, so ist das Bewußtsein dazu da, das Leben, das sich sonst auflösen würde, immer wieder zu erneuern.
[ 21 ] Life means that new substances are formed and old ones thrown off. But life is not yet either sensation or consciousness. Certain scientists fail to understand sensation and ascribe it to plants that have life but not sensation. This childish notion comes about because there are plants that close their leaves and blossoms in response to external stimuli. One could just as well ascribe sensation to blue litmus paper that turns red in response to external stimuli, or to chemical substance as they too react to certain influences. But that is not enough. If sensation is to occur, there must be an inner mirroring of the stimulus; only then can we speak of the lower form of consciousness, sensation and feeling. But what exactly is it? If we are to gain insight into this next higher stage of evolution, we must approach it gradually as we did the nature of life. Consciousness arises from life; it can only come into being where life already exists. It reveals itself as higher than life; the latter seemingly arises out of lifeless matter of such complexity that unless seized by life it disintegrates. Consciousness arises at the border between life and death, that is to say, where life constantly threatens to disappear from substance, and where substance is continually being destroyed. Substance disintegrates unless held together by forces of life. Life dissolves unless a new principle, that is, consciousness, is added. Consciousness can only be understood when it is recognized that it constantly renews life that would otherwise dissolve, just as life forces renew certain processes without which matter would decay.
[ 22 ] Nicht jedes Leben kann sich auf diese Weise innerlich immerfort erneuern. Es muß auf einer höheren Stufe angekommen sein, wenn es sich aus sich selbst erneuern soll. Nur dasjenige Leben kann zum Bewußtsein erwachen, welches in sich selbst so stark ist, daß es for:während den Tod in sich verträgt. Oder gibt es ein solches Leben nicht, das in jedem Augenblick den Tod in sich selbst hat? Sie brauchen nur das Menschenleben anzusehen und sich zu erinnern an das, was im letzten Vortrage unter dem Titel «Blut ist ein ganz besonderer Saft» gesagt worden ist. Aus dem Blute erneuert sich fortwährend das menschliche Leben, und ein geistvoller deutscher Seelenkundiger hat gesagt, im Blute hat der Mensch einen Doppelgänger, aus dem er fortwährend Kraft zieht. Aber auch eine andere Kraft hat das Blut noch: es erzeugt fortwährend aus sich selbst den Tod. Wenn das Blut die lebenerweckenden Stoffe an die Körperorgane abgesetzt hat, dann führt es die lebenzerstörenden Kräfte wieder herauf zum Herzen und in die Lungen. Was in die Lungen zurückfließt, ist für das Leben Gift, ist das, was das Leben fortwährend ersterben macht.
[ 22 ] Not every form of life can renew itself from within. It must first have reached a certain higher level. Only when the force of life is strong enough constantly to endure death within itself can it awake to consciousness. To be aware of life that at every moment contains death, you need only look at life within the human being, and bear in mind what was explained in the last lecture, “Blood is a very special Fluid,” and that within human beings, life is constantly renewed through the blood. As a psychologist with insight remarked: “In the blood man carries within him a double from whom he, constantly draws strength.” But blood contains yet another force: it continuously produces death. When it has taken life-giving substances to the organs, it carries away destructive elements back to the heart and lungs. What returns to the lungs is poisonous, destructive to life.
[ 23 ] Wenn ein Wesen dem Zerfall entgegenarbeitet, dann ist es ein lebendiges Wesen. Ist es imstande, in sich selbst den Tod erstehen zu lassen und diesen Tod fortwährend zum Leben umzuwandeln, dann entsteht Bewußtsein. Das Bewußtsein ist die stärkste von allen Kräften, die uns entgegentreten. Bewußtsein oder bewußter Geist ist diejenige Kraft, welche ewig aus dem Tode, der inmitten des Lebens erzeugt werden muß, das Leben wieder erstehen läßt. Leben ist ein Prozeß, der es zu tun hat mit einer Außenwelt und einer Innenwelt; Bewußtsein aber ist ein Prozeß, der es nur mit einer Innenwelt zu tun hat. Eine Substanz, die nach außen hin sterben kann, kann nicht bewußt werden. Bewußt kann nur eine solche Substanz sein, die in ihrem eigenen Mittelpunkt den Tod erzeugt und überwindet. So ist der Tod — wie ein deutscher geistvoller Theosoph gesagt hat — nicht nur die Wurzel des Lebens, sondern auch die Wurzel des Bewußtseins.
[ 23 ] A being whose nature works against disintegration is a being possessing life. If it is able to let death arise, and continuously transform that death into life, then it is a conscious being. Consciousness is the strongest of all forces. Death must of necessity arise in the midst of life; consciousness, or conscious spirit, is the force that eternally wrenches life from death. Life is both an inward and an external process, whereas consciousness is purely an inward one. A substance that dies outwardly cannot become conscious. Consciousness can only arise in substance that can generate death within itself and overcome it. As a perceptive person once remarked: “From death springs not only life but consciousness.”
[ 24 ] Wenn wir diesen Zusammenhang begriffen haben, dann brauchen wir nur mit offenen Augen die Erscheinungen anzusehen, und der Schmerz wird uns begreiflich erscheinen. Alles das, womit das Bewußtsein beginnt, ist ursprünglich Schmerz. Wenn das Leben sich nach außen öffnet, wenn einer lebendigen Wesenheit Licht, Luft, Hitze, Kälte entgegentreten, dann wirken diese äußeren Elemente zunächst auf das lebendige Wesen. Solange diese Elemente aber nur auf dieses lebendige Wesen wirken, solange sie von diesem lebendigen Wesen aufgenommen werden, wie sie von der Pflanze als Träger von inneren Lebensvorgängen aufgenommen werden, solange entsteht kein Bewußtsein. Bewußtsein entsteht erst dann, wenn diese äußeren Elemente in Widerspruch treten mit dem inneren Leben, wenn eine Zerstörung stattfindet. Aus der Zerstörung des Lebens muß das Bewußtsein erfließen. Ohne teilweisen Tod wird ein Lichtstrahl in ein lebendiges Wesen nicht eindringen können, wird in dem lebendigen Wesen nie der Vorgang angeregt werden können, aus dem das Bewußtsein entspringt. Wenn aber das Licht in die Oberfläche des Lebens eindringt, dann eine teilweise Verwüstung anrichtet, die inneren Stoffe und Kräfte niederreißt, dann entsteht jener geheimnisvolle Vorgang, der sich überall in der Außenwelt in ganz bestimmter Weise abspielt. Stellen Sie sich vor: Die intelligenten Kräfte der Welt wären zu einer Höhe emporgestiegen, daß das äußere Licht und die äußere Luft ihnen fremd geworden wären. Nur eine Zeitlang blieben sie mit ihnen in Einklang, dann vervollkommneten sie sich selbst, wodurch ein Widerspruch entstand. Könnten Sie mit den Augen des Geistes diesen Vorgang verfolgen, so könnten Sie sehen, wie da, wo sich in einfache Wesen ein Lichtstrahl eindrängt, die Haut etwas umgestaltet wird und ein winziges Auge entsteht. Was ist es nun, was da in der Materie zuerst aufdämmert? In was drückt sich diese feine Zerstörung aus, denn eine Zerstörung ist es, was dabei vor sich geht? Es ist der Schmerz, der nichts als ein Ausdruck für diese Zerstörung ist. Überall, wo das Leben der äußeren Natur entgegentritt, findet Zerstörung statt, die, wenn sie größer wird, selbst den Tod hervorbringt. Aus dem Schmerz wird das Bewußtsein geboren. Derselbe Prozeß, der Ihr Auge geschaffen hat, wäre ein Zerstörungsprozeß geworden, wenn er an dem Wesen, das sich in dem menschlichen Wesen heraufentwickelt hat, überhand genommen hätte. So hat er aber nur einen kleinen Teil ergriffen, wodurch er aus der Zerstörung, aus dem partiellen Tod heraus jene Spiegelung der Außenwelt schaffen konnte, die man das Bewußtsein nennt. Das Bewußtsein innerhalb der Materie wird also aus dem Leide, aus dem Schmerz geboren.
[ 24 ] Once this connection is recognized, the existence of pain becomes comprehensible. It is pain that originally gave rise to consciousness. When the life within a being is exposed to light, air, heat or cold, then these external elements act in the first place an the living being. This influence does not give rise to consciousness in plants because here the effects are simply absorbed. Consciousness only arises when there is conflict between the external elements and the inner life-force, causing a breaking down of tissue. Consciousness can only arise from the inner destruction of life. Unless a partial death takes place in the living being, the process that gives rise to consciousness cannot be initiated; beams of light cannot penetrate to the surface of life, causing partial destruction of the inner substances and forces. It is this that produces the mysterious process that is occurring everywhere in the external world. You must visualize that the cosmic forces of intelligence had reached a level of evolution so high that the external light and air became alien. There had been harmony for a time, but through the higher perfection of cosmic forces, conflict arose. If you could follow with spiritual sight what happens at the point where a simple living creature is penetrated by a beam of light, you would see alteration in the skin; a tiny eye begins to appear. A delicate form of destruction occurs that is experienced as pain. From this pain consciousness is born. Wherever the element of life meets the external world, a process of destruction occurs; if great enough, the outcome is death. The pain gives rise to consciousness. The process that originally created our eyes could have resulted in complete destruction had it gained the upper hand. But it seized upon only a small part of the human being, and through partial destruction, partial death created the possibility for that inner reflection of the outer world to arise that we call “consciousness.” Thus, consciousness within matter is born out of suffering and pain.
[ 25 ] Wenn wir diesen Zusammenhang zwischen Leid und Schmerz und dem bewußten Geist, der uns umgibt, einsehen, dann verstehen wir wohl auch ein Wort eines christlichen Eingeweihten, der solche Dinge gründlich intuitiv wußte und auf dem Grunde von allem bewußten Leben den Schmerz sah, das Wort: «In aller Natur seufzet jede Kreatur in Schmerzen, erwartungsvoll, die Gotteskindschaft zu erlangen.» Das finden Sie im 8. Kapitel des Paulus, als eine wunderbare Ausprägung dieser Grundlage des Bewußtseins im Schmerz. So kann man es auch verstehen, wie bedeutende, sinnige Menschen dem Schmerze eine so große, umfassende Rolle zugeschrieben haben. Nur ein Beispiel möchte ich hier anführen. Ein großer deutscher Philosoph sagt, wenn man die ganze Natur um sich herum ansieht, so erscheint einem überall auf ihrem Antlitz der Schmerz, das Leid ausgedrückt, ja, wenn man die höheren Tiere ansieht, so zeigen sie dem tiefer Blickenden einen leidensvollen Ausdruck. Und wer wollte nicht zugeben, daß manche Tierphysiognomie aussieht wie der Ausdruck eines tief verhaltenen Schmerzes? Wenn wir die Sache so ansehen, wie wir das eben angedeutet haben, dann sehen wir die Entstehung des Bewußtseins aus dem Schmerze, so daß das Wesen, das aus der Zerstörung heraus Bewußtsein bildet, aus dem Verfall des Lebens heraus ein Höheres erstehen läßt, aus dem Tode heraus fortwährend sich selbst erschafft. Wenn das Lebendige nicht leiden könnte, niemals könnte das Bewußtsein entstehen. Wenn der Tod nicht in der Welt wäre, niemals könnte in der sichtbaren Welt der Geist existieren. Das ist die Stärke des Geistes, daß er die Zerstörung in etwas noch Höheres, als das Leben ist, umschafft und so mitten im Leben ein Höheres, ein Bewußtsein bildet. Immer weiter und weiter sehen wir dann die verschiedenen Schmerzerlebnisse zu den Organen des Bewußtseins sich entwickeln. Man sieht es schon bei den Tieren, die zur Abwehr nach außen nur ein Reflexbewußtsein haben, ähnlich wie der Mensch, wenn Gefahr für das Auge besteht, dasselbe schließt. Wenn die Reflexbewegung nicht mehr genügt, das innere Leben zu schonen, wenn der Reiz zu stark wird, so erhebt sich die innere Widerstandskraft und gebiert die Sinne, die Empfindung, Auge und Ohr. Sie wissen vielleicht aus mancher unliebsamen Erfahrung heraus, vielleicht auch instinktiv, daß die Sache so ist. Ja, Sie wissen aus einer höheren Stufe Ihres Bewußtseins ganz genau, daß das, was jetzt gesagt worden ist, eine Wahrheit ist. Ein Beispiel wird die Sache noch verdeutlichen. Wann fühlen Sie gewisse innere Organe Ihres Organismus? Sie gehen durchs Leben und fühlen weder Ihren Magen, noch Ihre Leber, noch Ihre Lunge, Sie fühlen keines Ihrer Organe, solange sie gesund sind. Sie fühlen sie nur dann, wenn sie Sie schmerzen, und Sie wissen eigentlich erst, daß Sie dieses oder jenes Organ haben, wenn es Sie schmerzt, wenn Sie empfinden, daß da etwas nicht in Ordnung ist, daß ein Zerstörungsprozeß beginnt.
[ 25 ] When this connection between pain and the conscious spirit around us is recognized, many things become comprehensible, for example, why thoughtful people ascribe such a significant role to pain. An important philosopher has pointed out that an expression of suffering and pain is to be seen everywhere on the countenance of the world. Indeed, the physiognomy of the higher animals conveys deeply repressed pain. Thus, we see that consciousness comes into existence through pain, that a being in whom consciousness arises from destruction creates from the annihilation of life something that is higher, and in fact continuously creates itself out of death. If the living could not suffer, consciousness could not arise; if there were no death, the spirit could not exist in the visible world. Herein lies the strength of the spirit: It creates from destruction something higher than life, namely, consciousness. We see the organs serving consciousness develop at different levels of pain. This can be observed already in the lower animal kingdom where the level of consciousness, in defense against the outer world, consists of instinctive reflex movements, comparable to the human eye instinctively closing itself against what might harm it. It is when such instinctive reaction is not enough to protect the element of life in the creature, when in other words the provocation is too strong, that the inner forces of opposition are roused which in turn give birth to senses, to sensation, and to organs like the eye and ear. You may have an instinctive feeling that what I have just explained is the truth. You certainly know it in your higher consciousness, but let me give you an example to make it clearer still. When do you become aware of your inner organs? You go through life paying no attention to your stomach, liver or lungs. You feel none of your organs as long as they are sound. You only know that you possess this or that organ when it hurts, when you feel something is out of order, in other words, when destruction has set in. This illustrates that consciousness always arises from pain.
[ 26 ] Wenn wir dieses Beispiel, diese Erklärung nehmen, dann sehen wir, daß aus dem Schmerz fortwährend bewußtes Leben geboren wird. Tritt der Schmerz zum Leben, so gebiert er die Empfindung und das Bewußtsein. Dieses Gebären, dieses Hervorbringen eines Höheren, spiegelt sich wiederum im Bewußtsein als die Lust, und es gab nie eine Lust, ohne daß es vorher einen Schmerz gegeben hätte. Unten in dem Leben, das sich eben aus der physischen Materie heraus erhebt, gibt es noch keine Lust. Wenn aber der Schmerz Bewußtsein hat erstehen lassen und als Bewußtsein schöpferisch weiterwirkt, dann ist diese Schöpfung auf einer höheren Stufe und drückt sich im Gefühle der Lust aus. Dem Schaffen liegt die Lust zugrunde. Lust kann nur da sein, wo innerliches oder äußerliches Schaffen möglich ist. Irgendwie liegt einer jeden Lust das Schaffen zugrunde, wie jeder Unlust die Notwendigkeit des Schaffens zugrunde liegt. Nehmen Sie etwas, was auf niederer Stufe das Leid charakterisieren kann, zum Beispiel das Gefühl des Hungers, der das Leben zerstören kann. Dem treten Sie mit der Nahrung entgegen. Die Nahrungsaufnahme wird zum Genuß, weil die Nahrung in der Lage ist, in eine Lebenssteigerung, in eine Lebensproduktion überzugehen. So sehen Sie, daß auf Grundlage des Schmerzes höheres Schaffen, Lust entsteht. Eher als die Lust ist also das Leid. Daher kann auch die Philosophie Schopenhauers und die Eduard von Hartmanns mit Recht sagen, daß das Leid eine allgemeine Lebensempfindung sei. Sie gehen aber nicht tief genug auf den Ursprung des Leides zurück, kommen nicht auf den Punkt, wo sich das Leid zu etwas Höherem entwickeln soll. Der Ursprung des Leides wird da gefunden, wo aus dem Leben Bewußtsein entsteht, wo Geist aus dem Leben herausgeboren wird,
[ 26 ] If the element of life meets with pain, the result is sensation and consciousness. This bringing forth of a higher element is reflected in the consciousness as pleasure. No pleasure exists without prior pain. At the lower level, where life is just emerging within physical substance, no pleasure exists as yet. But when pain has given rise to consciousness, and as consciousness continues to work creatively, what it then produces is on a higher level, and gives rise to feelings of pleasure. Creativeness is the basis of pleasure. Pleasure only exists where there is a possibility for inner or outer creativity. Happiness is always in some way based on creation, just as unhappiness is in some way due to the need to create. Take an example of suffering that is typical on a lower level, that of hunger which can result in destruction of life. Hunger is alleviated by food; the food is a source of enjoyment because it becomes transformed into something that enhances life. Thus, something higher, namely, pleasure is created on the basis of pain. Suffering precedes pleasure. Thus, it must be said that while Arthur Schopenhauer [ Arthur Schopenhauer (1788–1860) was a German philosopher. ] and Eduard von Hartmann [ Eduard von Hartmann (1842–1906) was a German philosopher and poet. ] are right when they state in their philosophic work that suffering is a universal factor of life, they do not go deeply enough into the origin of suffering. They do not go back to the point where suffering evolves and becomes something higher. The origin of suffering is found where consciousness arises out of the element of life, where life gives birth to spirit.
[ 27 ] So können wir jetzt auch begreifen, was dem Menschen in der Seele dämmert von dem Zusammenhang zwischen Leid und Schmerz und Erkenntnis und Bewußtsein, so konnten wir noch nachweisen, wie aus Schmerz und Leid ein Edleres, Vollkommeneres herausgeboren wird.
[ 27 ] We have shown that from suffering something nobler and more perfect is born. It is therefore comprehensible that an inkling should dawn in human souls for the fact that a connection exists between pain and suffering on the one hand, and knowledge and consciousness on the other.
[ 28 ] Diejenigen, welche meine Vorträge öfter gehört haben, werden sich auf die Hinweise entsinnen, daß es etwas gibt wie eine Einweihung, wobei ein höheres Bewußtsein vorhanden ist und wobei der Mensch sich von den sinnlichen Dingen zu der Anschauung einer geistigen Welt erhebt, daß Kräfte und Fähigkeiten in der menschlichen Seele schlummern, die aus der Seele herausgeholt werden können wie die Sehkraft aus dem Blindgeborenen durch die Operation, daß dann gleichsam ein neuer Menschersteht, dem die ganze Welt auf höherer Stufe wie verwandelt erscheint. Wie dem Blindgeborenen nach der Operation, so erscheinen dem geistig Geborenen die Dinge in neuem Licht. Aber auch dies kann nur geschehen, indem derselbe Prozeß, der eben genannt worden ist, sich auf einer höheren Stufe wiederholt. Wenn das, was Sie beim Durchschnittsmenschen vereint finden, getrennt wird, wenn eine Art Zerstörungsprozeß in der niederen Menschennatur auftritt, dann kann dieses höhere Bewußtsein, dieses Schauen in der geistigen Welt, eintreten.
[ 28 ] Those who are acquainted with my lectures will recall references to initiation by means of which a higher consciousness is attained that enables us to perceive the spiritual world. When a person's slumbering soul forces and faculties are awakened, the result is comparable to sight being restored to someone born blind. Just as such a person will experience the whole world differently, so the whole world is transformed for the human being who has attained spiritual sight. Everything is seen in a new light and on a higher level. But for this to come about, the process that has been explained must be repeated at a higher stage. The soul forces that generally speaking from a unity in humans must separate; a kind of destruction must take place in a person's lower nature. Only when this occurs is a higher consciousness and spiritual perception attained.
[ 29 ] Drei Kräfte gibt es in der menschlichen Natur: Denken, Fühlen und Wollen. Diese drei Kräfte hängen an der physischen Menschenorganisation. Gewisse Willensakte treten auf, nachdem gewisse Denk- und Gefühlsvorgänge stattgefunden haben. Der Organismus des Menschen muß in richtiger Weise funktionieren, wenn diese drei Kräfte zusammenstimmen sollen. Sind gewisse Leitungen unterbrochen, gewisse Teile erkrankt, dann herrscht keine richtige Harmonie zwischen Denken, Fühlen und Wollen. Der Mensch ist dadurch, daß die Organe des Wollens gelähmt sind, nicht imstande, seine Gedanken in Willensimpulse umzusetzen. Er ist schwach als Tatmensch, er kann zwar gut denken, aber sich nicht entschließen, einen Gedanken in Wirklichkeit umzusetzen. Eine andere Art ist die, wo der Mensch nicht imstande ist, seine Gefühle durch die Gedanken richtig lenken zu lassen, die Gefühle in Einklang mit den dahinterstehenden Gedanken zu bringen. Der Tobsüchtige ist im Grunde nichts anderes.
[ 29 ] There are three soul forces in human beings: thinking, feeling and willing. These three forces are bound up with the physical organization. Certain thoughts and feelings will call up certain acts of will. The human organism must function correctly if the three soul forces are to act in harmony. If the connection between them has broken down due to illness, then there is no longer consistency between thinking, feeling and willing. If an organ connected with the will is impaired, the human being will be unable to translate his thoughts into impulses of will; he is weak as far as action is concerned. Although a person is well able to think, he cannot decide on action. Another disturbance may be that someone is unable to link thoughts and feelings correctly; this human cannot bring his feelings into harmony with the thoughts behind them. Basically that is the cause of insanity.
[ 30 ] Im Menschen der Gegenwart besteht eine Harmonie zwischen Denken, Fühlen und Wollen, in der befindet sich heute ein normal gebildeter Mensch, der einem Leidenden gegenüber in den richtigen Gefühls- und Willenszustand kommt. Dies ist alles richtig für gewisse Stufen der Entwicklung. Es ist aber zu beachten, daß sich diese Harmonie im Gegenwartsmenschen unbewußt herstellt. Soll der Mensch aber eingeweiht werden, soll er hineinsehen in die höheren Welten, dann müssen diese drei Glieder: Denken, Fühlen und Wollen, auseinandergerissen werden. Die Willens- und Gefühlsorgane müssen eine Scheidung erleiden. Der physische Organismus eines Eingeweihten ist daher auch anders als der eines Nichteingeweihten, wenn das die Anatomie auch noch nicht hat nachweisen können. Der Kontakt zwischen Denken, Fühlen und Wollen ist unterbrochen. Der Eingeweihte wäre imstande, irgend jemand tief leiden zu sehen, ohne daß sich ein Gefühl in ihm regte, kalt würde er stehenbleiben und es ansehen können. Und warum ist dies so? Es darf sich beim Eingeweihten nichts unbewußt ineinandergliedern, er ist aus Freiheit ein mitleidsvoller Mensch und nicht, weil ihn etwas ÄAußeres dazu zwingt. Das ist der Unterschied zwischen einem Eingeweihten und einem Nichteingeweihten. Ein solches höheres Bewußtsein schafft gleichsam eine höhere Substanz, und der Mensch zerfällt in einen Gefühls-, einen Willens- und einen Denkmenschen. Über diesen dreien thront dann erst der höhere, neugeborene Mensch, und von dieser Stufe eines höheren Bewußtseins aus werden dann jene drei in Einklang gebracht. Hier muß dann auch wieder der Tod, die Zerstörung eingreifen. Träte diese Zerstörung so ein, daß nicht zugleich auch ein neues Bewußtsein entsproßte, dann würde Wahnsinn entstehen. Wahnsinn würde also nichts anderes sein als der Zustand, in dem das menschliche Wesen zerschellt ist, ohne daß die höhere, bewußte Instanz geschaffen worden ist.
[ 30 ] In the normally constituted human being of today, thinking, feeling and willing are in harmony. This is right at certain stages of evolution. However, it must be born in mind that as far as a person is concerned, this harmony is established unconsciously. If a person is to be initiated, if he or she is to become capable of higher perception, then thinking, feeling and willing must be severed from one another. The organs connected with feeling and will must undergo division. Consequently, even if it cannot be proved anatomically, the organism of an initiate is different from that of a non-initiate. Because the contact between thinking, feeling and willing is severed, the initiate can see someone suffering without his feelings being roused; he can stand aside and coldly observe. The reason is that nothing must occur in the initiate unconsciously. An individual is compassionate out of his own free will, not because of some external compulsion. He becomes separated into human beings of feeling, a person of will and a thinking person; above these three is the ruler, the newfound individual, bringing them into harmony from a higher consciousness. Here too a death process, a destructive process must intervene; should this occur without a higher consciousness being attained, insanity would set in. Insanity is in fact a condition in which the three soul members have separated without being ruled by a higher consciousness.
[ 31 ] So tritt auch hier wieder ein Doppeltes ein: eine Art Zerstörungsprozeß des Niederen neben einem Entstehungsprozeß des Höheren. Wie im Blute das Gift in den Venen und wie zwischen dem roten und blauen Blut das Bewußtsein im gewöhnlichen Menschen erzeugt wird, so wird in dem initiierten Menschen wieder in dem Zusammenwirken von Leben und Tod das höhere Bewußtsein im Inneren erzeugt, und die Seligkeit entspringt wiederum einer höheren Lust, dem Schaffen, das aus dem Tode hervorgeht.
[ 31 ] Here too we see a twofold event taking place: a destructive process at work in what is lower, simultaneous with the creation of a higher element. The ordinary person's consciousness lights up between blue, poisonous, destructive blood, and red, life-giving blood; similarly the initiate's higher consciousness is born from the interaction of life and death, and bliss arises from the higher happiness of creating out of death.
[ 32 ] Das ist es, was der Mensch ahnt, wenn er den geheimnisvollen Zusammenhang spürt zwischen Schmerz und Leid und dem Höchsten, das der Mensch erreichen kann. Deshalb Jäßt der tragische Dichter aus dem im Leide untergehenden Helden den Sieg des Lebens, das Bewußtsein von dem Siege des Ewigen über das Zeitliche hervorgehen. Deshalb sieht das Christentum mit Recht in dem Untergehen des Christus Jesus — seiner irdischen Natur nach — in Schmerz und Leid, in Qual und Elend den Sieg des ewigen Lebens über die zeitliche Vergänglichkeit. Deshalb auch wird unser Leben reicher, inhaltsvoller, wenn wir es erweitern können über dasjenige, was außerhalb unseres Selbstes liegt, wenn wir in dem Leben, das außerhalb unseres Selbstes ist, aufgehen können.
[ 32 ] Human beings have an instinctive feeling for that mysterious connection between the highest they can attain, and suffering, and pain. This feeling inspires the tragic poet to let the suffering to which his hero succumbs give rise to the conviction that ultimately life triumphs over death; the eternal over the temporal. Thus, Christianity rightly sees in the pain and suffering, in the anguish and misery to which Christ Jesus' earthly nature succumbs, the victory of eternal life over the temporal and transitory. It is also the reason why our life becomes richer, more satisfying, when we can widen it so that we absorb and make our own what lies beyond our own self.
[ 33 ] So wie wir aus dem Schmerz, der durch einen äußeren Lichtstrahl angeregt ist und durch uns als lebendige Wesen überwunden wird, ein höheres Bewußtsein schaffen, so wird, wenn wir die Leiden der anderen in unsere eigene, größere Bewußtseinswelt umwandeln, aus der EmpfängJichkeit für das Leid der anderen ein Schaffen im Mitleid geboren. Und so entsteht endlich aus dem Leide auch die Liebe. Denn was ist die Liebe anderes, als sein Bewußtsein ausdehnen über andere Wesen? Wenn wir selbst soviel entbehren wollen, soviel ausgeben wollen, uns selbst soviel ärmer machen wollen, als wir dem anderen Wesen geben, und wenn wir imstande sind, geradeso wie die Haut, die den Lichtstrahl empfängt und aus ihrem Schmerz ein höheres Wesen, ein Auge zu bilden vermag, wenn wir imstande sind, aus der Verbreitung unseres Lebens über die anderen Leben ein höheres Leben zu saugen, dann wird in uns selbst, aus dem, was wir weggeben an das andere Wesen, die Liebe, das Mitfühlen mit allen Kreaturen geboren.
[ 33 ] When we, as beings possessing life, overcame the pain caused by the beam of external light, something higher was born, that is, consciousness. Likewise, something higher is born from receptiveness to suffering when we, in our widened consciousness, transform out of compassion the suffering of another into our own. Therefore, at the highest level suffering gives rise to love. For what else is love than widening one's consciousness to encompass other beings? It is love when we are willing to deprive ourselves, to sacrifice ourselves to whatever extent for the sake of another. Like the skin that received the beam of light, and out of the pain became able to create a higher entity: the eye; so will we, through widening our life to encompass the lives of others, become able to attain a higher life. There will then, out of what we have given away to others, be born within us love and compassion for all creatures.
[ 34 ] Das liegt auch dem Ausspruche des griechischen Dichters zugrunde: Aus Leben ward Lehre, aus Lehre Erkenntnis. Hier berührt sich wiederum, wie im vorigen Vortrage schon gesagt, eine auf neuesten naturwissenschaftlichen Forschungen beruhende Erkenntnis mit den Resultaten der alten Geistesforschung. Immer hat die alte Geistesforschung gesagt, daß höchste Erkenntnis, höchste Lehre nur aus dem Leid hervorgehen kann. Wenn wir ein krankes Glied besitzen und Schmerz daran gelitten haben, so kennen wir dieses Glied am allerbesten; ebenso kennen wir das am besten, was wir in der eigenen Seele abgelagert haben. Es quillt aus dem eigenen Leid als dessen Frucht die Erkenntnis.
[ 34 ] Not translated
[ 35 ] Dasselbe liegt auch dem Kreuzestod des Christus Jesus zugrunde, dem, wie aus der christlichen Anschauung hervorgeht, bald der sich in der Welt ausbreitende Heilige Geist folgte. Wir verstehen also jetzt das Hervorgehen des Heiligen Geistes aus dem Kreuzestod des Christus Jesus als einen Prozeß, auf den durch das Gleichnis vom Weizenkorn hingewiesen wird. Aus der Zerstörung muß die neue Frucht hervorgehen, und so wird auch aus der Zerstörung, aus den Schmerzen, die am Kreuze ertragen worden sind, der Geist, der sich am Pfingstfeste über die Apostel ergießt, geboren. Das wird im Johannes-Evangelium klar ausgesprochen, wenn gesagt ist: der Geist war noch nicht da, denn der Christus war noch nicht verklärt. Wer das Johannes-Evangelium tiefer liest, der wird Bedeutungsvolles für sich daraus hervorgehen sehen.
[ 35 ] The death on the cross of Christ Jesus bears witness to this truth, for, as Christianity teaches, there soon followed the outpouring of the Holy Spirit. In the light of the process we have explained, which is indicated in the parable of the grain of wheat, we can now understand the coming forth of the Holy Spirit as a consequence of the death on the Cross. Just as the new crop of wheat must rise from the decay, the destruction of the seeds; so from the destruction, the pain endured upon the Cross, that Spirit is born which poured out over the Apostles at the feast of Pentecost. This is dearly stated in the Gospel of John 7:39, where it is said that the Spirit was not yet there, for Christ was not yet glorified. To read the Gospel of John closely is to discover things of immense significance.
[ 36 ] Manchen wird man sagen hören können, daß er die Schmerzen nicht missen möchte, da sie ihm die Erkenntnis gebracht haben. Jeder Gestorbene kann Sie lehren, daß das wahr ist, was ich gesagt habe. Würde der Mensch den Kampf gegen die Zerstörung in sich bis zum wirklichen Tode führen, wenn nicht der Schmerz, wie ein Wächter des Lebens, fortwährend neben ihm stände? Der Schmerz macht uns aufmerksam darauf, daß wir gegen die Zerstörung des Lebens Vorkehrungen zu treffen haben. Aus dem Schmerze heraus schaffen wir neues Leben. In den Aufzeichnungen eines modernen Naturforschers über die Mimik des Denkers lesen wir, daß auf dem Antlitz des Denkers etwas liegt wie ein verhaltener Schmerz.
[ 36 ] Many people say that they would not want to be spared the pain they have endured, for from it they have gained knowledge. This is a truth that those who have died would confirm. If pain did not stand constantly at our side, like a guardian of life, the destruction that goes on within us would lead to actual death. It is pain that warns us we must take precaution to prevent life being destroyed; thus, from pain comes new life. As mentioned, a modern natural scientist describes the mimicry of thinking as the expression of suppressed pain on a thinker's face.
[ 37 ] Wenn es sich mit der Erhebung, die aus der durch Schmerz erlangten Erkenntnis fließt, so verhält, wenn es also wahr ist, daß aus Leid Lehre entsteht, dann ist nicht mit Unrecht — wie wir das nächste Mal sehen werden — in der biblischen Schöpfungsurkunde die Erkenntnis des Guten und des Bösen mit den Leiden und Schmerzen in Zusammenhang gebracht. Deshalb ist auch von tiefer Blickenden mit Recht immer wieder betont worden, wie der Ursprung der Läuterung, die Erhöhung der menschlichen Natur, im Schmerz liegt, und wenn die theosophische Weltanschauung in dem großen Schicksalsgesetze, Karma, von den Leiden aus, die ein Mensch im gegenwärtigen Leben erleidet, hindeutet auf das, was er in früheren Leben gesündigt, verbrochen hat, dann verstehen wir einen solchen Zusammenhang auch nur aus der tieferen Menschennatur heraus. Dasjenige, was im früheren Leben von uns in der Außenwelt vollführt wurde, verwandelt sich aus wilden in erhabene Kräfte. Die Sünde ist gleichsam wie ein Gift, das aber, wenn es in Substanz des Lebens verwandelt wird, sich zum Heilmittel gestaltet. So kann die Sünde wieder zur Kräftigung und Erhöhung des Menschen beitragen, und so stellen sich uns auch in der Erzählung von Hiob die Schmerzen und Leiden als eine Erhöhung der Erkenntnis und des Geistes dar.
[ 37 ] If we learn through pain, if knowledge attained through pain has an ennobling effect, then it explains why in the biblical story of creation pain and suffering are connected with the knowledge of good and evil. This we shall go into in the next lecture. It also explains why knowledgeable people have always emphasized that pain has an ennobling, purifying effect on a person. Through the great law of destiny, karma, spiritual science indicates that a person's pain and suffering in one life point to wrong done in former lives. This is a connection that can only be understood through the deeper aspects of human nature. Baser impulses that in a former life led to external action are transformed into nobler ones. Sin is like a poison that when transformed becomes a source of healing. Thus, sin can eventually contribute to a person's strength and ennoblement. In the story of Job, pain and suffering are shown to lead to greater knowledge and ennoblement.
[ 38 ] Das sollte nur eine Skizze sein, die auf den Zusammenhang von irdischem Dasein und Leiden und Schmerzen hinweisen sollte. Sie sollte zeigen, wie wir den Sinn von Leiden und Schmerzen einsehen können, wenn wir sehen, wie sie erstarren, sich kristallisieren in physischen Dingen und Organismen bis zum Menschen, und wie durch ein Verflüssigen des Erstarrten der Geist bei uns wiedergeboren werden kann, wenn wir sehen, daß im Geist der Ursprung des Schmerzes, des Leides ist. Das, was uns der Geist gibt, ist Schönheit, Kraft und Weisheit, das verwandelte Bild der ursprünglichen Stätte des Schmerzes. Deshalb hat nicht mit Unrecht ein geistvoller Mann, Fabre d’Olivet, den Vergleich gebraucht, um das Höchste, Edelste, Geläutertste in der Menschennatur in seinem Hervorgehen aus dem Schmerz zu zeigen, daß das Hervorgehen von Weisheit und Schönheit aus dem Leid vergleichbar ist einem Vorgang draußen in der Natur, dem Geborenwerden der wertvollen, schönen Perle. Denn aus was wird sie geboren? Aus der Krankheit des Muscheltieres, aus der Zerstörung innerhalb der Perlmuschel. Wie die Schönheit der Perle geboren wird aus Krankheit und damit aus Leiden, so wird Erkenntnis, edle Menschennatur und geläuterter Menschensinn aus dem Leiden, aus dem Schmerz geboren.
[ 38 ] This is meant only as a sketch, as an indication of the significance of suffering in earthly existence. When we recognize the solidifying, crystallizing effect of pain in physical entities right up to that of human beings, then we begin to realize the reason for its existence—especially when we further recognize that through dissolving what has hardened, the spirit can be reborn through us, that through the transformation of pain and suffering the spirit bestows upon us beauty, strength and wisdom. Fabre d'Olivet used the formation of a pearl when he wished to illustrate that the highest, noblest and purest in human nature is born from pain. The precious and beautiful pearl is created from the illness and pain of the pearl-oyster. The highest and noblest qualities of human nature are attained through suffering and pain.
[ 39 ] So dürfen wir wohl im Einklang mit dem alten griechischen Dichter Äschylos sagen: Aus dem Leid entsteht Lehre, aus der Lehre Erkenntnis. Und ebenso wie in bezug auf vieles andere dürfen wir in bezug auf den Schmerz sagen, daß wir ihn erst dann erfaßt haben, wenn wir ihn erkennen nicht nur an sich selbst, sondern an dem, was aus ihm hervorgeht. Wie so manches andere wird auch der Schmerz nur an seinen Früchten erkannt.
[ 39 ] Thus, we may say, as did the ancient Greek poet Aeschylus, that from suffering knowledge is born, and also that pain, like much else, can be understood only by its fruits.
