Recognizing the Supernatural in our Time
and its Significance for Modern Life
GA 55
28 February 1907, Berlin
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Supersensible Knowledge, tr. Stebbing
10. Der Lebenslauf des Menschen vom Geisteswissenschaftlichen Standpunkte
10. Stages in Man's Development in the Light of Spiritual Science
[ 1 ] Der alte Wahrspruch eines griechischen Mysterientempels: «Erkenne dich selbst» geht durch die Menschheit als eine Aufforderung zu der tiefsten menschlichen Betrachtungsweise. Er stellt eine der größten Wahrheiten dar, aber es geht mit diesem Ausspruch wie mit allen eigentlichen großen Wahrheiten: Richtig verstanden, bedeuten sie etwas Universelles, etwas Gewaltiges. Aber nur allzu leicht können sie mißverstanden werden — und dieser insbesondere. Er ist niemals im ursprünglichen Sinne so gemeint gewesen, daß der Mensch sein alltägliches Selbst betrachten soll, auch niemals so, daß der Mensch die Summe alles Wissens in sich selber finden könne. Wenn wir ihn richtig verstehen, so bedeutet er eine Aufforderung, das Selbst, das höhere Selbst des Menschen zu erkennen.
[ 1 ] The saying above the ancient Greek Temple: “Know Thyself,” has resounded to mankind down the ages like a summons to earnest self-introspection. And indeed it expresses one of the greatest truths, but even more than other great truths it is all too easily misunderstood. The real meaning points to something powerful and universal. Originally it neither suggested that a person should contemplate his ordinary everyday self, nor expect to find the sum total of all knowledge within his own being. Rightly understood, the call is for knowledge of the higher self.
[ 2 ] Wo ist das höhere Selbst des Menschen?
[ 2 ] But where is a person's higher self to be found?
[ 3 ] Wir können uns durch einen Vergleich klarmachen, wo dieses höhere Selbst ist und was dieser Spruch bedeutet. Gewiß, hätten wir nicht Augen, wir könnten unmöglich das Licht um uns herum wahrnehmen. Aber niemals — und das gilt als ebenso sicher — niemals könnten wir Augen haben, wenn nicht das den Raum durchflutende Sonnenlicht erst diese Augen geschaffen hätte. Aus ursprünglich niederen Organisationen, aus einem Lebewesen, das keine Augen hatte, das um sich nur Dunkles hatte, lockte geradezu das Licht erst die Augen heraus. Darum ist es so tief begründet, was Goethe sagt: «Die Augen sind am Licht und für das Licht gebildet.» Aber die Augen sind nicht da, um sich selbst zu betrachten. Wollten wir vom Standpunkt der Augen sprechen, so müßten wir sagen: Die Augen erfüllen ihren Zweck um so besser, je mehr sie sich selbst vergessen und ihren Schöpfer — das Licht — erkennen. Der Mensch würde nimmermehr die Mission der Augen erfüllen, wenn er hereinblicken könnte in dieses Augeninnere selbst. Dieses sogenannte Innere vergessen und gerade das, was das Innere geschaffen hat, das höhere Selbst des Auges, das Licht, erkennen, das ist die Aufgabe, die Mission des Auges! Ähnlich verhält es sich mit dem, was der Mensch das gewöhnliche Selbst nennt. Auch das ist nichts anderes als Organ, Werkzeug, und die Selbsterkenntnis steigt um so höher, je mehr dieses Selbst des Menschen sich selbst vergessen kann, je mehr es gewahr wird, daß in der Außenwelt ebenso das Geisteslicht ist, das unsere geistigen Augen geschaffen hat und noch fortwährend schafft. Daher ist mit Selbsterkenntnis, wenn sie richtig verstanden wird, Selbstentwicklung gemeint. Dies müssen wir im Hintergrunde sehen, wenn wir heute ein Thema — wichtig für den Menschen wie wenige — betrachten wollen: das Thema der Selbsterkenntnis im höchsten Sinne des Wortes.
[ 3 ] We can by means of a comparison make clear where the higher self exists, and what the saying means: We know for certain that without eyes we would not perceive light; it is, however, equally certain that we would not have eyes had the light flooding all space not first created them. Out of an originally lower organism without sight, knowing only darkness, the light enticed forth the eyes. Hence the truth of Goethe's saying: “The eyes are created by the light for the light.” However, the purpose of the eyes is not to perceive themselves. From the point of view of the eye, we must say that they fulfill their task all the better the more they forget themselves and recognize their creator—the light. The true mission of the eyes is to forget their inner being and recognize what created them, that is what to the eyes is the higher self—the light. The situation is the same in regard to a person's ordinary self; that too is nothing but an organ, a tool; and self-knowledge becomes ever greater the more this self can forget itself and become aware of the spirit-light, existing in the eternal world, that created our spiritual eyes and continually does so. Therefore, self-knowledge rightly understood means self-development. This we must keep in mind and see as background to today's lecture, which concerns the subject of self-knowledge in the highest sense of the word.
[ 4 ] Wir wollen den Menschen betrachten von der Geburt bis zum Tode, und wollen die ganze Wesenheit des Menschen dabei berücksichtigen. Dann müssen wir allerdings nicht vergessen, daß der Mensch bei Beginn seines physischen Daseins bereits etwas mitbringt, daß er uns nicht wie etwas Neugebildetes entgegentritt, sondern wie ein Wesen, das schon wiederholte Erdenleben hinter sich hat und in diesen Erdenleben sich den Grundcharakter seiner Individualität bereits geholt hat. Wollen wir verstehen, was der Mensch bei seiner Geburt sich mitbringt, so müssen wir den Menschen betrachten nach dem Tode. Denn daraus wird sich uns ergeben, was sich der Mensch durch den Zeitraum vom Tode bis zur neuen Geburt aufbewahrte, um es bei der neuen Geburt mitzubringen.
[ 4 ] Taking all aspects of an individual's nature into consideration, let us look at the way he evolves during his life between birth and death. In so doing, we must not forget that when a person starts his life an earth he is not a newly created entity; he brings certain qualities with him. Repeated earth lives are behind him, during which the fundamental character of his individuality has already been established. We must consider a person's existence after death if we are to recognize what he brings with him through birth. That existence will reveal what he has retained throughout the time between death and new birth, and so brings with him into a new life.
[ 5 ] Erinnern wir uns, was geschieht, wenn der Mensch stirbt: er hinterläßt den physischen Leichnam. Der wesentliche Unterschied zwischen Tod und Schlaf ist der, daß der Mensch im Schlafe im Bette liegen hat den physischen und den Ätherleib, und daß nur herausgeholt ist der Astralleib und das, was wir das Ich nennen. Ebenso wie die Ziegelsteine nicht von selbst zum Palast zusammenlaufen, so brauchen die physischen Kräfte den Ätherleib als inneren Architekten. Er ist mit dem Menschen verbunden und erhält von der Geburt bis zum Tode den Zusammenhang der physischen Stoffe und Kräfte; er rettet jeden Augenblick die chemische Mischung vor dem Verfall. Im Tode hebt er sich jetzt wirklich heraus, und daher bleibt der physische Teil als der verfallende Leichnam zurück. Im Schlafe also geht nur der Astralleib, als der Träger von Lust und Leid, Begierden und Affekten, und dazu das Ich aus dem physischen Leib heraus; im Tode trennt sich nun noch der Ätherleib heraus und ist eine Weile mit dem Astralleib und dem Ich zusammen. Dies ist ein wichtiger Augenblick im Dasein des Menschen. In diesem Augenblick geht an der menschlichen Seele blitzschnell die Erinnerung an das ganze bisherige Erdenleben vorüber, von der Geburt bis zum Tode, wie ein großes Tableau. Dieses Tableau stellt sich wie ein Gemälde dar. Alles, was uns mit Lust und Leid verknüpft hat, das empfinden wir in diesem Augenblicke nicht. Wie wir bei einem Gemälde nicht den Dolchstich fühlen, so fühlen wir auch dabei nicht all den Schmerz und all das Leid, die Lust oder Freude, die da an uns vorübergleiten. Wie objektive Betrachter stehen wir da dem verflossenen Leben gegenüber.
[ 5 ] Let us remind ourselves that at death the human being leaves behind only the physical corpse. The main difference between death and sleep is that the human being asleep possesses a physical and an etheric body; only the astral body and what we call “I” are lifted out. Just as an architect is needed to create a building, as the bricks do not come together of themselves, so do the physical forces need the ether body as an inner architect. The ether body holds together the physical matter and forces from birth to death. At every moment it prevents the chemical combinations from falling apart. But at death it leaves the physical body, which consequently is left behind as the decaying corpse. Thus, in sleep it is only the “I” and astral body, the bearer of pleasure and pain, cravings and sentiments, that leaves, whereas in death the ether body also leaves and remains with the astral body and the “I” for a short time. This is an important moment in a person's existence. During that short time there passes before the human soul with lightning speed a mighty memory tableau of his whole past life. This tableau is like a painting, and just as we do not feel the stab of the dagger depicted in a painting, so do we not experience either pleasure or pain in what the tableau portrays. We stand before our past life as objective observer.
[ 6 ] Dann kommt der Zeitpunkt, wo sich auch der Ätherleib herauszieht und auflöst im allgemeinen die Welt durchflutenden Weltenäther. Aber etwas bleibt da von dem Ätherleib zurück: das ist eine Art Auszug aus dem ganzen bisherigen Leben. Das Tableau verliert sich und löst sich auf; aber wie wenn wir in einem Buche einen kurzen Auszug machen, so bleibt hier durch die ganzen folgenden Wege mit dem Menschen etwas wie eine Art Essenz vereinigt. Zu gleicher Zeit müssen wir uns eines klarmachen: Neben dieser Essenz vom Ätherleib bleibt, wenn auch wenig, nur gleichsam ein Kraftpunkt, auch eine Essenz von dem physischen Leibe des Menschen zurück; selbstverständlich nicht so, daß ihn ein physisches Auge sehen kann, sondern wie ein Kraftzentrum. Das ist mit dem Lebensleib ebenfalls verbunden, und das gibt dem physischen Leibe gerade die menschliche Form. Dann geht der Mensch durch einen Zustand durch, in dem er sich allmählich den Zusammenhang mit der physischen Welt abgewöhnt.
[ 6 ] Then comes the time when the ether body withdraws and disperses into the general world ether. However, something of the ether body remains, which is like an extract or a summary of the past life. The tableau becomes indistinct and dissolves, but the extract remains united with a person throughout his further journey. In fact, an essence or extract also remains of the physical body, which is of course not something that can be seen with physical sight; it is like a center of energy that remains with the ether body; it is what gives the physical body its human form.
[ 7 ] Jetzt ist nach dem Tode noch der Astralleib des Menschen da. Um uns klarzumachen, welches Leben jetzt der Astralleib führt, stellen wir uns vor: alles, was der Mensch auch an den niedrigsten Genüssen erlebt, bleibt an seinem Astralleib haften. Der physische Leib fühlt nicht die Freude und hat keine Begierden; er ist das Werkzeug des Astralleibes, und der hat daran seine Freude und seinen Genuß. Wenn wir zum Beispiel einen Feinschmecker vor uns haben, so hat nicht sein physischer Leib Genuß an den Genußmitteln, sondern der Astralleib empfindet ihn, indem er sich des physischen Werkzeuges zum Genuß bedient. Die Sucht zu genießen bleibt auch, wenn er den physischen Leib abgelegt hat; nur die Werkzeuge fehlen jetzt. Daraus ersehen Sie die Natur des Astralleibes, wie der jetzt nach dem Tode lebt. Es ist so, wie wenn Sie durch eine Gegend gehen, lechzend vor Durst, aber diesen Durst nicht befriedigen können, weil weit und breit keine Quelle ist. In ähnlicher Weise empfindet der Astralleib aus einem guten Grunde Begierden, Genußsucht, Affekte, die er früher gehabt hat, als einen brennenden Durst — nicht weil die Dinge nicht da sind, sondern weil ihm die Organe fehlen, um den Genuß zu befriedigen. Gerade deshalb haben die Religionen die Feuerqualen, die der Mensch nach dem Tode zu bestehen hat, als Beispiel dafür hingestellt.
[ 7 ] After the ether body has dissolved, the astral body still remains. An individual now passes through a condition during which he gradually adjusts to being without a physical environment. We must realize that everything a person has experienced as lower enjoyment clings to the astral body. The physical body has no cravings; it experiences no pleasure, but is the instrument that enables the astral body to obtain enjoyment. Take the case of a gourmet. It is not the physical body that enjoys the food, but the astral body that uses the physical body as a tool to enjoy it. The craving remains after the physical body is laid aside, but now the tool for obtaining satisfaction is lacking. This indicates the nature of the astral body's existence after death, comparable to someone suffering thirst in a region for the length and breadth of which there is no water. Instincts, cravings and passions are now felt by the astral body as burning thirst, not because the objects of its desires are not there, but because the organs are lacking through which satisfaction can be obtained. That is why religion speaks of the ordeal by fire that human beings undergo after death.
[ 8 ] Bis sich der Astralleib seinen Zusammenhang mit dem physischen Leibe abgewöhnt hat, bleibt er im Kamaloka, wo sich der Astralleib nach und nach freimachen muß von dem, was ihm zugeströmt ist, während er den physischen Leib hatte. Ein Mensch, der schon in diesem Leben seine Affekte geläutert hat, der nicht mehr an den rohen Genüssen der Nahrungsmittel, sondern an dem Schönen, der Kunst oder an der Geistigkeit seinen Gefallen findet, wird sich sein Kamaloka abkürzen; ein Mensch, der sich aber nur befriedigen kann durch die Anwendung dessen, was ihm die physischen Werkzeuge geben können, wird lange in der Sphäre des brennenden Durstes leben, und dieser Zustand endet damit, daß alles, was der Mensch in seinem Astralleib noch nicht vergeistigt hat, wie eine Art von Leichnam vom Astralleib abfällt, so wie der Ätherleib und der physische Leib abgefallen sind, und um so mehr abfallen muß, je weniger er seinen Astralleib geläutert und gereinigt hat. Daher wird später eine geläuterte Natur viel mitnehmen von ihrem Astralleib und zu dem hinzufügen, was wir die Essenz des physischen und Ätherleibes nannten.
[ 8 ] The human being remains in kamaloca for as long as the astral body retains a longing for the physical body. Gradually it frees itself of its dependence on what surrounded it when clothed in a physical body. Someone who has purified his passions already during life, so that instead of coarser enjoyments he takes pleasure in what is beautiful, artistic and spiritual, will shorten his time kamaloca. On the other hand, those who only find pleasure in things for which a physical tool is needed will remain a long time in the region of burning thirst. Eventually what is not purified falls away like a kind of astral corpse, comparable to what is left behind of the physical and etheric bodies. The more of the astral body a person has purified, the more he is able to retain and add to the extracts from the physical and etheric bodies.
[ 9 ] Mit diesen drei Essenzen geht das Ich nun ein in die eigentliche geistige Welt, und in dieser geistigen Welt hat das Ich auszubilden alles, was es hier während dieses Lebens erlebt und erworben hat. Sie brauchen nur daran zu denken, daß der eine schon mit großen Anlagen in das Leben hineinkommt, als ganz junges Kind Anlagen hat, die wir nur herauszuholen brauchen. Die hat er, weil er während des Aufenthaltes im Geistesland seine Erfahrungen ausgebildet hat, die zu Fähigkeiten und Anlagen während dieser Zeit umgewandelt worden sind.
[ 9 ] With these three extracts, a person passes into the essentially spiritual world where everything the “I” has experienced and has acquired during earthly life is perfected. Some people enter life possessing great talents, discernible already in childhood, and only waiting to be brought out. A person can bring such talents because his earthly experiences were transformed into abilities during his sojourn in Spirit Land.
[ 10 ] Im Laufe eines jeden Erdenlebens bringt der Mensch etwas Neues hinzu zu den drei Essenzen seiner Leiber. Ein Mensch, der als ein besonders begabter Mensch geboren wird, hat seine früheren Leben gut angewendet, hat in seinem verflossenen Leben viele Blätter wie zu einem Buche zusammengelegt, und darin stehen die Erfahrungen und Errungenschaften seiner früheren Erdenleben. Damit tritt der Mensch in ein neues Leben ein und erhält einen physischen Leib von seinen physischen Vorfahren. Dieser Wesenskern, der sich aus den früheren Erlebnissen die Früchte mitbringt, wird zu der Familie hingezogen, die ihm die physischen Merkmale geben kann, die ihn befähigen, seine individuellen Anlagen, die er sich früher erworben hat, zu gebrauchen. Nicht sind es die Vererbungsmerkmale, die des Menschen Handeln und Fähigkeiten ausmachen, die liefern nur die Werkzeuge; aber die Werkzeuge müssen da sein. Wie der Klaviervirtuose ein Instrument, so muß die Individualität, wenn sie von einem neuen physischen Leib umhüllt wird, in diesem die richtigen Werkzeuge finden, um sich in der physischen Welt in der richtigen Weise zum Ausdruck bringen zu können. Daher die Täuschung, als ob nur physische Vererbung vorliegt. Gewiß liegt sie vor, aber nur weil die Individualität sich zu den Eltern hingezogen fühlt, die ihr die geeigneten Werkzeuge geben können. Alles, von dem wir gesagt haben, daß es im Laufe der Zeit abgeworfen worden ist, muß sich in derselben Weise wieder um den Menschen herum kristallisieren; alles das erhält der Mensch wiederum neu, damit er im weiteren Leben von neuem zur Läuterung seiner Wesenheit beitragen kann.
[ 10 ] In the course of each life on earth, a person adds something new to the extracts of his three bodies. If a person is born with special talents, it shows that he has made good use of his former lives. He has as it were added many pages to the record of his experiences and achievements. When he enters a new life he receives a physical body from physical ancestors. The core of his being, bringing the fruits of former experiences, is drawn to a family that can provide the physical characteristics he needs for making use of the already acquired capabilities. The characteristics a person inherits do not determine his actions or his abilities; all they provide is the tool with which to express them. However, the tool is essential. A master pianist needs an instrument, and so does the incarnating individuality. If a person is to express himself properly in the physical world, the new body that clothes him must be the right tool. This tends to give rise to the mistaken view that everything is inherited. Heredity certainly plays a part, but only insofar as the incarnating individuality feels drawn to parents that can provide him with the most suitable tool. Everything as yet not purified that was left behind at different stages gathers again about the person. He must receive it back in order to continue the purification of the being.
[ 11 ] Für die erste Hälfte des menschlichen Lebens haben wir schon die Bausteine zusammengetragen. Wir werden nun etwas zu wiederholen haben aus dem Bereich der Erziehungs- und Schulfragen, werden das für den zweiten Teil des menschlichen Lebenslaufes weiter auszubauen haben, um zu sehen, wie der physische, ätherische und astralische Leib im ersten Teil des menschlichen Lebenslaufes sich entwickeln, und wie Glück und Inhalt des Menschenlebens davon abhängen. Dies ist ein wichtiges Kapitel, das wir allerdings so auffassen müssen, daß es große Gesetze hinstellt, die vielfach Abänderung erfahren, aber in großen Umrissen gilt es. Und nur wer die Gesetze kennt und sie immer zu beachten versteht, wird sich in der richtigen Weise in den Lebenslauf einfügen, wird seiner Bestimmung immer klarer und klarer entgegengehen können.
[ 11 ] We have already discussed various aspects of what takes place during the first half of a person's life. In order to see how his fate and fortune in later life depends upon the way his physical, etheric and astral bodies develop during the first half, we must repeat some aspects connected with school life and education that reach further completion in the second half. This is an important issue, and it is essential to recognize certain significant laws. These are laws that apply in general, though they may become modified in various ways. In order to adjust properly to life and recognize one's destination ever more clearly, the working of these laws must be understood.
[ 12 ] Beginnen wir bei des Menschen Geburt. Wir haben schon davon gesprochen, daß bei der physischen Geburt eigentlich erst sein physischer Leib völlig geboren wird, der bis dahin von der physischen Mutterhülle umgeben wurde. Da haben sich alle Organe nur dadurch entwickelt, daß der Mensch bis zur physischen Geburt gegen alle Seiten hin geschützt ist. Und nun ist es, wie wenn der Mensch die physische Mutterhülle zurückstößt und sein physischer Leib jetzt allein erst den Wirkungen der physischen Elemente ausgesetzt ist. Nach dieser Geburt ist der Ätherleib noch nicht und noch weniger der Astralleib geboren; diese sind noch eingehüllt von einer Äther- und von einer astralen Hülle. Wie eine Schale, die nur für das geistige Auge des Sehers sichtbar ist, umgibt eine astrale und eine ätherische Hülle den Menschen, die nicht seiner eigenen Natur angehören, die ihn schützen und einhüllen. Die Ätherhülle umgibt den Menschen bis zum siebenten Jahre, der Zeit des Zahnwechsels. Da erst wird der Ätherleib geboren; da erst wird die Ätherhülle zurückgedrängt, wie die physische Hülle bei der physischen Geburt; und mit der Geschlechtsreife wird erst der Astralleib der äußeren Welt vollständig ausgesetzt.
[ 12 ] Let us begin with birth. We know that-at physical birth only the physical body is fully born. The organs could develop before birth because the embryo is completely protected by the surrounding maternal sheath. Only when this is pushed aside is this body exposed to the physical elements. The ether body is not born yet, even less the astral body; they are still surrounded by an etheric and an astral sheath. These sheaths, visible only to spiritual sight, are not part of a person's own nature, but they envelop and protect him. At the change of teeth in the seventh year when the ether body is born, the etheric sheath is pushed aside as was the maternal body at physical birth. And only at puberty is the astral body born and fully exposed to the influences of the external world.
[ 13 ] Wir müssen uns klarmachen, daß in den ersten sieben Jahren des Lebens nur jene Essenz, die wir die Essenz des physischen Leibes nannten, vollständig frei wirkt, daß sie die physische Form gibt; sie leitet die physische Struktur ein. Die Organe wachsen in der Außenwelt heran, so daß sie ihre Form, ihre Anlage haben und nur noch weiterwachsen brauchen. Wir müssen daher alles in seine Umgebung bringen, was die Struktur des physischen Leibes in der allerbesten Weise entfalten kann. Dafür konnten wir zwei Zauberworte anführen: Nachahmung und Beispiel oder Vorbild. Alles, was um das Kind herum ist, wird von ihm nachgeahmt, und diese Nachahmung lockt die inneren Organe zu ihrer Form. Wenn auch das Gehirn mit dem siebenten Jahre noch sehr unvollkommen ist, die Richtung hat es doch erhalten, und was ihm bis dahin vorenthalten ist, kann es später nicht mehr nachholen. In den Zähnen macht das physische Prinzip gleichsam Schlußpunkt, denn es ist das Prinzip des Gestaltens, des Formens. So wie die Zähne am anschaulichsten zeigen, daß die Glieder sich konsolidiert haben, so sind auch die anderen weicheren Organe bestimmt. Das Licht wirkt und lockt die Kraft des Auges an die Oberfläche. Wir haben erwähnt, daß es gut ist, dem Kinde mögJichst nicht fertige Puppen und derartiges zu geben; wir haben erwähnt, daß ein gesundes Kind nur für eine kurze Zeit Freude daran findet. Dagegen hat es seine Freude daran, wenn Sie eine Serviette zusammenbinden und mit Tintenklecksen Augen und Ohren machen und ihm als Spielzeug geben. Wie ein Muskel nur stark wird, wenn er angewendet wird, so ist es auch hier: jetzt muß das Kind arbeiten und das in der Phantasie aufbauen, was die Puppe nicht hat. Da wird der innere organische Aufbau bewirkt. Es ist daher von besonderer Bedeutung, daß man das Kind innerlich arbeiten läßt, in seine Umgebung das bringt, was die Organe durchströmt mit Freude und Lust und Genuß an der Umgebung. Das schafft Kraft für die Bildung der Organe. Durch nichts kann man die Organe mehr ruinieren, als wenn man dem Kinde nicht das Richtige zuführt. Die Phantasie, die in ihm tätig ist, arbeitet an den Formen seiner Organe, und nichts wäre verfehlter, als durch eine falsche Askese das Kind an ein lustloses Dasein gewöhnen zu wolJen. Freude ist der Praktiker in den ersten Lebensjahren, und die gesunden Lebensinstinkte sind die Bildner, die man nur nicht verderben soll. Die richtige Nahrung, dem Kinde gereicht, wird bewirken, daß das Kind Lust an der Ernährung bekommt, die ihm frommt; falsche Nahrung wird das Kind krank machen. Für jede Stufe, für alles weiß die Geisteswissenschaft da die nötigen Dinge. So müssen wir uns darüber klar sein, daß in den ersten sieben Jahren das Gattungsgemäße vorzugsweise herauskommt, denn das physische Prinzip arbeitet an dem Menschen, und ungestört müssen wir das Kind arbeiten lassen.
[ 13 ] It must be realized that in the first seven years of life only what is described as the essence or extract of the former physical body is freed; this is what gives the physical its form, guiding its structural development. The organs grow larger, but their shape and function are inherent in them. It is of the greatest importance that everything in the environment of the growing child enables the physical structure to unfold in the best possible way. The essential aspect of this period can be summed up in two significant words: imitation and example. At this age the child Imitates everything that goes on or exists around him. It is this activity of imitation that coaxes the inner organs to develop their inherent form. The brain of a seven-year old may still be incomplete, but the foundation for the child's further development is laid, and any lack cannot be made up later. The appearance of the second teeth marks the end of the activity of the physical principle, which is the principle of structure and form. The teeth are the outwardly visible sign that the bones and joints and also the softer organs have consolidated. The influence of light is what entices the power of sight to the surface in the eyes. As already mentioned, it is best not to give children perfect dolls and similar toys. A healthy child will only get pleasure from it for a short while. A knot in a table napkin with indications of eyes and ears will provide far more pleasure; this is because the child's fantasy becomes active in providing what the doll lacks. This encourages the development of the inner Organs; they become strong, as a muscle becomes strong when activated. The environment should provide happiness, pleasure and enjoyment because it calls up in the child inner feelings and activity that flow like strong up-building forces through its organs. A bad environment at this time in the child's life does more to harm the organs than anything else. The notion, based on false asceticism, that the child benefits from being accustomed to an austere, lackluster existence is utterly wrong. As regards nourishment, if the child is given the right food it will develop a liking for what is beneficial, whereas wrong food will cause sickness.
[ 14 ] Bei der Ernährungsfrage tritt ein innerlicher Zusammenhang hervor zwischen der Muttermilch und dem Kinde, der sich dadurch ausdrückt, daß in den ersten Lebensjahren geradezu ein geistiges Verhältnis zwischen der Mutter und dem Kinde besteht; und eine Mutter, die ihr Kind selbst nährt, beachtet das. In der Muttermilch ist nicht bloß das, was physisch und chemisch ist, es ist etwas, was geistig verwandt ist mit dem Kinde. Der Geisteswissenschafter sieht da etwas, was aus dem Ätherleib der Mutter herausgeboren ist, und weil der Ätherleib des Kindes noch ungeboren ist, so verträgt er in der ersten Zeit insbesondere nur das, was schon durch einen anderen Ätherleib zubereitet ist. Es besteht ein inniger Kontakt zwischen dem, was das Kind braucht, und dem, was ihm die Mutter selbst reicht. Prozentual betrachtet: Etwa 16 bis 20 Prozent derjenigen Kinder, die im Säuglingsalter sterben, sind solche, die von der eigenen Mutter genährt werden; dagegen 26 bis 30 Prozent solche, die von Fremden genährt werden. Darin sehen Sie den Zusammenhang zwischen den Lebensleibern. Es ist eine Art Charakter, der sich in den ersten Lebensjahren physisch zum Ausdruck bringt; das mehr Gattungsmäßige bildet sich heraus, konsolidiert sich, wird fest, gibt ihm den Charakter, durch den es einem bestimmten Geschlecht angehört. Die Familienzüge prägen sich erst von dieser Zeit an auf seinem Antlitz aus.
[ 14 ] Through spiritual science we can gain insight into what would be done at every age. Thus, we must be clear that as the physical principle is at work in the first seven years, and should be left undisturbed, our primary concern must be to do what is right and healthy for the child's bodily nature. Regarding nutrition it must be realized that there exists a spiritual bond between mother and child, especially during the early years; the mother who breast-feeds her child pays heed to this relationship. The milk contains more than its physical, chemical components; spiritually it is related to the child. It is evident from spiritual research that the milk issues from the mother's ether body. Because the child's own ether body is not born yet, it can at first only tolerate what has been prepared by another ether body. Statistical evidence shows that of those who die in infancy, 16 to 20 percent have been breast-fed by their own mother, while 26 to 30 percent have not. This is an indication of the close affinity between the ether bodies. The affinity expresses itself physically in family likeness. Traits and characteristics pointing to the line of descent develop and become established during the first years.
[ 15 ] Die Zeit vom siebenten bis zum vierzehnten Jahre ist die, für welche wir schon die beiden Zauberworte «Nacheiferung» und «Autorität» angeführt haben. Der Mensch braucht in dieser Zeit einen andern Menschen, der für ihn die Verkörperung alles Guten, Schönen und Weisen ist; er braucht einen Menschen überhaupt, in dem er die Grundsätze und Lehren verleiblicht sieht. Mit Moralpredigen ist in dieser Zeit viel weniger getan, als wenn Sie dem Kinde Vorbilder anführen, die dem Kinde den Weg hinauf zum Olymp zeigen. Für die ganze spätere Zeit ist es für den Menschen von Bedeutung, wenn er jetzt einen Menschen über sich sieht, vor dem er eine tiefe Achtung hat. Selbstverständliche Nachfolge ist es, um die es sich da handelt. Daher müssen wir den Geschichtsunterricht so einrichten, daß wir die Weisheit und verkörperte Charakterstärke dem Kinde im Bilde vor Augen führen; und vom Art-Charakter geht er über mehr zu einem Spezial-Charakter, was nicht mehr mit der Vorfahrenreihe zusammenhängt. Aus der Nachahmung der Eltern wird die Nachahmung der fremden Art. Der Gesichtskreis erweitert sich über das Familienhafte hinaus; wir müssen Menschen in die Nähe des Kindes bringen, damit der Ätherleib sich weiter ausbreiten kann über das Artgemäße hinaus. Während bis zum Zahnwechsel das sich ausprägt, was den Menschen in die Familie hineinstellt, bekommen die Gesten jetzt ihren Charakter; das, was den Menschen zu einem besonderen Menschen macht, prägt sich aus, wenn der Mensch heraustritt aus dem Kreise der Familie. Denn jetzt ist die Ätherhülle zerschlagen, nun kann auf den Ätherleib gewirkt werden, wenn in des Kindes Umgebung solche Menschen sind, die durch das, was sie in sich selber tragen, solche Eigenschaften ausbilden können, die im Ätherleib des Kindes aufgespeichert liegen. Und jene Grundanlagen, die der Mensch als Früchte seiner früheren Inkarnation in seinem Ätherleib mitgenommen hatte, entwickeln sich jetzt, wo nach dem siebenten Jahre der Ätherleib nach allen Seiten frei ist. Daher muß der Erzieher womöglich etwas zurücktreten und nicht darauf pochen: dies sind die richtigen Erziehungsgrundsätze, sondern auf das sehen, was das Kind mitgebracht hat; denn jetzt müssen durch den freigewordenen Ätherleib nach allen Seiten die Organe erstarken und sich vergrößern. Während bis zum siebenten Jahre die physischen Organe durch physische Kräfte ausgearbeitet und plastisch gestaltet wurden, haben wir jetzt diese sich vergrößernden Organe, um Gewissen, Moral, Tatkraft, all die ätherischen Eigenschaften da hineinzuarbeiten. Alles, was bildhaft ist, was mit der reineren geistigen Freude an der Natur zusammenhängt, müssen wir hineinprägen, denn das muß so fest im Menschen sitzen, daß es im Ätherleib haftet: Einen festen Charakter kann der Mensch nur haben, wenn er so seinen Ätherleib frei entwickeln kann. Und ein Erzieher muß sich in dieser Zeit sagen: Du hast es nicht zu tun mit etwas, das du formen kannst, so wie du willst; sondern du kannst da etwas für das ganze Leben verderben, wenn du nicht erlauschest, was aus dem früheren Ätherleib herübergekommen ist. Daher müssen auch die physischen Übungen so ausgedacht sein, daß in dem Kinde das Gefühl des Erstarkens, des Vermehrtwerdens lebt. «Ich werde größer», «ich wachse», muß eine moralische, nicht bloß physische Empfindung im Kinde sein. Das arbeitet ebenso plastisch am Ätherleib wie das physische Prinzip am physischen Leibe.
[ 15 ] What is of paramount importance from the seventh to the fourteenth year can also be summed up in two significant words: emulation and authority. This is the time when it is essential that the evolving human being can look up to someone who for him or her incorporates all that is good, beautiful and wise. To the child this person must be the embodiment of everything contained in maxims and precepts. Preaching moral axioms has far less effect than presenting to the child ideal examples to emulate—examples showing the path to Olympus. To be able at this age to look up to someone with feelings of deepest reverence and respect is of great significance for the rest of a person's life. What matters here is of course the emulation. This is why the teaching of history should be so conducted that figures illustrating wisdom and strength of character are brought before the child. From descriptions of the characteristics of a folk or a race, one proceeds to descriptions of individuals where ancestry no longer plays a part. Emulation of relatives widens to become emulation of strangers. The child's horizon expands through awareness of other people; the ether body also widens beyond its own race and clan. Whereas before the change of teeth, features that show family likeness become defined, now when the child's life widens beyond the family circle, his gestures, that is, what is distinctly individual, become characteristic. At this time the etheric sheath dissolves. Influence can now be brought to bear on the ether body. This influence should come from people who, because of what they themselves are, can bring out the attributes stored in the child's ether body. Furthermore, now that the ether body, after the seventh year, is no longer restricted, those basic traits, the fruits brought over from former incarnations, begin to develop. Consequently, a true principle of education demands that the educator should now, as it were, stand back and consider just what it is the child has brought over; for thanks to the freed ether body the organs should now become stronger and increase in size. Up to the seventh year physical forces elaborated and plastically formed the organs, but now our task is to instill into these organs, as they grow larger, all the attributes related to the ether body, such as conscience, energy and morality. Everything we bring the child must be pictorial and imbued with a pure spiritual delight in the world, for these are qualities that must be so deeply imprinted that they become part of the ether body. If the human being is to develop a strong character, his ether body must be able to evolve unimpeded. The educator must at this time say to himself: What I am dealing with is not something to be molded arbitrarily; I may do irrevocable harm unless I pay heed to what the child has brought over from the ether body of his former life. This is also the reason why it is important that physical exercises produce a feeling in the child of growing strength and increase of stature. The child should experience a sensation of growing, not just physically, but morally. These feelings work plastically on the ether body, as the physical principle did earlier on the physical body.
[ 16 ] Und in derselben Weise wie, während die physische Mutterhülle den physischen Leib umgibt, die physischen Organe sich ausbilden, so umgibt die Astralhülle noch die astralen Eigenschaften, die der Mensch sich mitbringt; die bilden sich zunächst in der astralischen Hülle, und erst mit der Geschlechtsreife tritt der Mensch der Welt mit einem freien Astralleib entgegen. Jetzt erst kann Urteil, Kritik und Begriffsbildung hineingreifen. In einem früheren Lebensalter würde ihm das viel zu früh gegeben werden. Der Mensch sollte in einem früheren Lebensjahre noch kein Bekenntnis haben, denn das kann er sich erst bilden, wenn sein Astralleib geboren ist. Vorher soll er aufschauen zu den Bekennern und von ihnen entgegennehmen, was er glauben soll; denn in diesem Zeitalter sich das selbst bestimmen, gibt eine astrale Karikatur. Vom okkulten Standpunkt ist es unmöglich, wenn der junge Mensch veranlaßt wird, schon irgendein Bekenntnis zu haben. Es ist sinnlos und ist entwicklungswidrig, wenn ein Kind in diesem Lebensalter es für möglich hält zu sagen: Ich habe ein eigenes Glaubensbekenntnis. Das wäre ein Zeichen, daß etwas in der Erziehung des betreffenden Menschen versiäumt worden ist; daß er nicht jene große Kraft in sich hat ausbilden können, die gerade unter dem Eindruck der berechtigten Autorität heranreift. Der Astralleib wird in dieser Zeit geboren, und langsam und allmählich hat in dieser Zeit vom vierzehnten Jahre ab das Urteil heranzureifen, das zum Bekenntnis führt. Das ist die Zeit, wo religiöse, moralische Empfindungen, wo künstlerische Errungenschaften in seinem Antlitz sich ausprägen. Dadurch kann er frei und als einzelnes Individuum der Welt gegenübertreten. Das dauert bis zum einundzwanzigsten oder dreiundzwanzigsten Jahre,
[ 16 ] The astral attributes which an individual brings with him develop while the astral body is still surrounded by its astral sheath, as did the physical organs while still surrounded by the maternal body before birth. Only when puberty is reached does the astral body become free, that is, become open to external influence. Only now should appeal be made to the power of judgment and abstract thought. Before puberty the child should not be obliged to form personal opinions and judgments. The ability to do so is not present until the astral body is born. Before puberty the child should be able to look up to those with authority and obtain from them the important beliefs and opinions; to be obliged to formulate personal opinion at this time only leads to astral distortions. Not only is it absurd for anyone so young to have opinions about this or that belief or confession, but it is also detrimental to healthy development. It is a sign that something important has been neglected in his education. It shows the child has not had the opportunity to develop that great inner strength that matures under the influence of the right kind of authority. At this time, from the fourteenth year onwards, when the astral body is born, slowly and gradually the power of judgment begins to ripen and leads to convictions. Artistic accomplishment, religious and moral feelings now set their stamp on the countenance. A child now faces the world as a distinct individual. This gradual process lasts up to the twenty-first or twenty-third year.
[ 17 ] Es ist ein wichtiger Moment, wo mit der Geschlechtsreife der Mensch dem Menschen entgegentritt. Wie alles Vergängliche ein Gleichnis ist, so ist auch das Gegenübertreten des Männlichen und Weiblichen ein Symbolum. So wie die Liebe zum Einzelnen nach und nach erwacht, so erwachen jetzt überhaupt erst die persönlichen Verhältnisse zur Umgebung; vorher sind es allgemein menschliche Verhältnisse. Eigenes Urteil und eigene Verhältnisse zur Umwelt treten erst jetzt auf. Da kommt im Astralen der Fond heraus, den der Mensch sich mitgebracht hat und der sich jetzt erst frei entwickeln kann. Alle hohen Ideale, alle schönen Lebenshoffnungen und Lebenserwartungen, die nichts anderes sind als das, was im Astralleib als astraler Fond mitgebracht wird, sind Kräfte, die da sein müssen. Der Mensch entwickelt sich recht, der seine Lehrzeit so durchmacht, daß er das, was in ihm veranlagt ist, nach und nach herausbringt, nicht das, was in der Welt ist, sondern was er sich mitbringt. Ideale sind nicht da, sondern wir haben sie, weil die Kraft in uns rege ist, die in dieser Zeit jenes Hinausstreben des Jünglings macht; und nichts ist schlimmer für das spätere Leben, als wenn diese Kräfte bis zum zwanzigsten Jahre nicht da waren, die Lebenshoffnung und Lebenssehnsucht sind, denn das sind reale Kräfte. Je mehr wir von dem heutigen Fond des Inneren herauszubringen imstande sind, desto besser fördern wir den sich entwickelnden Menschen. Erst mit dem dreiundzwanzigsten Jahre ist das alles herausgebracht, und dann kann der Mensch seine Wanderjahre antreten. Da erst ist sein Ich geboren, da tritt er als eine freie Persönlichkeit frei der Welt gegenüber.
[ 17 ] It is an important moment when at the time of puberty awareness of other people as individuals awakens. Just as: “All that is transient but as symbol is sent,” so too is the becoming aware of the other sex symbolic. Only now does the human being attain a personal relationship to the world; thus, love of the individual awakens. Up to then the relationships are more universally human, whereas now personal judgment plays a part. The astral extract a person brought over into life is now freed and able to develop. It comes to expression as high ideals, beautiful hopes and expectations of life, all of which are forces that are essential to human beings. A person's development will take the right course if, rather than having something external imposed upon him, his inherent inclinations and talents are brought out during his school days. Ideals are not simply there; they originate in forces that are astir within youth which at this time strive for expression. Nothing is worse for later life than an absence of feelings of great hopes and expectations; right up into the twenties, they constitute real forces. The more we are able to bring out a person's inner inclinations and talents brought over from former lives, the more we benefit his development. Not until the twenty-third year does this come to an end; then a person is ready to begin his “years of apprenticeship” (Wanderjahre). Only now is the “I” born; only now does a person face the world as an independent personality.
[ 18 ] Jetzt ist das, was sein Ich, seine vier Glieder sich zusammengearbeitet haben, in unmittelbarem Umgang mit der Welt. Jetzt wirkt ganz frei, ohne daß er ein Inneres erst noch ausgebildet braucht, die innere Lebenserfahrung des Menschen; jetzt erst ist er reif, der unmittelbaren Wirklichkeit gegenüberzutreten. Hat er das schon früher getan, so sind die schönsten Anlagen in ihm verdorben; er hat da die Kräfte ertötet, die er als Fond mitgebracht hat. Es ist eine Versündigung an der Jugend, wenn wir die Prosa des Lebens früher wirken lassen. Jetzt reift der Mensch heran, und es kommt nun die Zeit, wo er so recht vom Leben lernen kann. Er entwickelt sich jetzt nach den sogenannten Meisterjahren hin, die in die Zeit vom achtundzwanzigsten bis zum fünfunddreißigsten Jahre fallen. Nehmen Sie aber den Zeitraum nicht zu pedantisch.
[ 18 ] Now is the “I,” as a result of collaboration with his four members, in direct contact with the world. The fruits of former life experiences no longer have to be inwardly developed; an individual is ripe to face the reality of the world. If a person is obliged to do so earlier, his best talents and abilities are spoiled; the essence brought over as forces is deadened. It is a sin against youth if the person is exposed to the prosaic aspects of life at an earlier age. Now a person matures; the time has come when that individual is truly able to learn from life. He approaches his “years of mastery” (Meister-jahren) between his twenty-eighth and thirty-fifth years. However, these time limits must not be taken too rigidly.
[ 19 ] Um das fünfunddreißigste Jahr herum, da liegt des Menschen Lebensmitte, was alle Zeiten, die etwas gewußt haben von der Geisteswissenschaft, als etwas ungeheuer Wichtiges angesehen haben. Denn während bis zum einundzwanzigsten Jahre der Mensch aus seinen drei Leibern herausgeholt hat, was in ihm veranlagt ist, und bis zum achtundzwanzigsten Jahre aus der Umgebung herausgeholt hat, was sie ihm frei bieten konnte, beginnt er jetzt frei an seinen Leibern zu arbeiten, zuerst seinen astralen Teil zu festigen. Vorher hat er zu lernen gehabt aus der Umgebung und von der Umgebung; jetzt wird sein Urteil so, daß es eine gewisse Tragkraft bekommt für die Umgebung, und der Mensch tut wohl, wenn er vorher mit seinem Urteil über die Welt nicht zu stark abschließt. Erst gegen das fünfunddreißigste Jahr zu sollten wir unser Urteil verfestigen. Dann wird der Astralleib immer dichter und dichter. Haben wir bis dahin geübt, so dürfen wir jetzt ausübend werden. Jetzt fängt unser Urteil an, für die Umgebung etwas zu bedeuten. Jetzt, wo es heißt, mittun für die Welt, beginnt der Mensch sein Urteil in die Waagschale zu legen. Nun wird aus dem Wandernden ein Ratender, und nun können sich die andern nach ihm richten.
[ 19 ] About the thirty-fifth year a human being reaches the middle of life. Those with spiritual insight have always regarded this age as extremely important. They have recognized that, while up to the twenty-first year a person evolves, the talents and abilities contained as predispositions in his three bodies—and up to the twenty-eighth year what the world offers him—now at the age of thirty-five he begins to work on his three bodies. First of all a person strengthens the astral body. Up till now the world has taught him, but now his judgment begins to carry weight with his fellowmen. It would be well if his opinions have not been so far too definite, too conclusive; they should not become consolidated until about the age of thirty-five. From now on the astral body becomes ever denser; if up till now the person has been a learner, he or she can now become an adviser. A person's judgments have significance and are taken into account when problems are in the balance. The apprentice has become counselor.
[ 20 ] Mit dem fünfunddreißigsten Jahre beginnt es, daß die Erfahrungen zu einer Art von Weisheit werden können. Mit dem fünfunddreißigsten Jahre ist der Zeitpunkt eingetreten, der sich auch im physischen Leben dadurch kennzeichnet, daß der Astralleib und Ätherleib sich von der Welt zurückziehen. Bis zum einundzwangzigsten Jahre und darüber hinaus wirkt der Astralleib im Ich, im Blut und Nervensystem. Da wirkt er wachsend, verfestigend, konsolidierend, der Mensch bekommt in dieser Beziehung eine gewisse Festigkeit. Was sich in seiner Gefühls- und Gedankenwelt richtig kristallisiert, das wird er in Einklang und zum Ausdruck bringen in Mut und Geistestätigkeit. Daher können wir diese Zeit auch die Zeit der Ausbildung des Blut- und Nervensystems nennen. Diese Zeit ist physisch abgeschlossen etwa gegen das fünfunddreißigste Jahr zu, wo sich der Ätherleib mehr zurückzieht von dem Wirken im äußeren physischen Leibe. Daher die Eigenart, daß von dieser Mitte an der Mensch allmählich aufhört, sich zu vergrößern; er konsolidiert sich, das Fett fängt an sich abzulagern, und die Muskeln gewinnen an Stärke. Das rührt aber nur davon her, daß der Ätherleib beginnt, sich zurückzuziehen. Daher werden auch die Kräfte des Ätherleibes frei, weil sie nicht mehr an dem physischen Leib zu arbeiten haben, und es gliedert sich zusammen mit dem, was der Mensch innerlich ausgebildet hat. Da wird der Mensch weise, Daher haben die Alten wohl gewußt, daß der Rat eines Menschen im öffentlichen Leben erst dann eine Bedeutung haben kann, wenn der Ätherleib sich zurückzieht vom physischen Leibe: dann kann er eintreten ins öffentliche Leben, und seine Anlagen haben für Staat und öffentliches Leben eine Bedeutung.
[ 20 ] After the thirty-fifth year and beyond, the astral body influences the “I,” the blood and the nervous system; it acts on growth and has a stabilizing, consolidating effect that results in a certain firmness. What a human being absorbs in his life of thoughts and feelings of a spiritual nature comes to expression as cultural interest and courage. One could therefore also call this “a period when the systems of blood and nerves are elaborated.” It all comes to an end physically when the ether body begins to withdraw its activity from the external aspect of the physical body, at about the thirty-fifth year. It is also the reason why a human then ceases to grow; a person solidifies, fat begins to be deposited; the strength of the muscles diminishes. It all stems from the fact that the ether body is withdrawing. However, it also means that forces are released as they no longer have to work on the physical body. They can now unite with what has inwardly been elaborated: a person becomes wise. It was well-known in ancient times that in public life a person's counsel could not be of value until the ether body began to withdraw from the physical body. Only then was a person ready to enter public life; only then could his or her talents be of benefit to the people and the state.
[ 21 ] Vom fünfunddreißigsten Jahre ab zieht sich der Mensch immer mehr und mehr ins Innere zurück, Wenn wir auf einen solchen Menschen hinsehen, wird er nicht mehr jene Jugenderwartung und jene Jugendsehnsucht haben; dafür aber hat er seine Urteile, etwas, von dem wir fühlen, daß es eine Kraft ist im öffentlichen Leben. Nun sehen wir auch, wie diejenigen Kräfte und Fähigkeiten, die an dem ÄtherJeib hängen, wie das Gedächtnis, abzunehmen beginnen. Und nun kommen wir in die Jahre hinein, etwa gegen fünfzig, wo auch das physische Prinzip sich zurückzieht von dem Menschen, immer mehr und mehr Knochenerde absetzt, wo die Gewebe locker werden. Das physische Prinzip verbindet sich immer mehr mit dem Ätherprinzip, und das, was in Knochen, Muskeln, Blut und Nerven gegangen ist, fängt an, ein eigenes Leben zu entwickeln. Geistiger und immer geistiger wird der Mensch. Allerdings muß das dadurch gefördert werden, daß die frühere Erziehung in richtiger Weise gelenkt worden ist. Da muß der Astralleib auch etwas gehabt haben. Hat der Astralleib keine Jugendfreuden gehabt, dann ist das nicht in ihm, was sich jetzt in den dichteren Ätherleib einprägen soll. Und ist das nicht drinnen, dann kann jenes mächtige Innenleben sich nicht entwickeln, und es muß das eintreten, was man das Kindischwerden im Alter nennt. Jene, die in der Jugend nicht die frische Kraft bekommen haben, fangen an auszudorren. Es ist geradezu auch in geisteswissenschaftlicher Beziehung außerordentlich wichtig, das zu beobachten.
[ 21 ] Human beings withdraw more and more into their inner being after the thirty-fifth year. No longer does a person have the longings and expectations of youth; he is instead capable of judgment, which one feels carries weight. At the same time certain abilities connected with the ether body, such as memory, begin to wane. About the fiftieth year the physical principle also begins to withdraw. More and more calcium is deposited while the tissue becomes slack. The withdrawing physical principle gradually unites with the etheric principle; what has gone into the Bones, muscles, blood and nerves begins to develop a life of its own. The human being becomes more and more spiritual. All this is certainly greatly enhanced and furthered if the early education was right, particularly as far as the astral body is concerned. Unless the astral body has experienced youthful joy and expectation, it will not now contain what it should be able to imprint on the denser ether body. If that is lacking, then the strong inner life described cannot unfold. We find instead what is called the “childishness of old age.” People who in their youth failed to be imbued with fresh vigorous forces will begin in old age to dry up. It is especially important to take note of this fact from the point of view of spiritual science.
[ 22 ] Die günstigste Zeit für die Entfaltung spiritueller Anlagen ist die Zeit, wenn das fünfunddreißigste Jahr gekommen ist. Da werden die Kräfte, die sonst in den Körper hineingehen, frei, man hat sie zur Verfügung und kann mit ihnen arbeiten. Es ist daher ein besonders günstiges karmisches Geschick, wenn der Mensch nicht zu spät zur okkulten Entwicklung kommt. Solange der Mensch noch damit zu tun hat, seine Kräfte nach außen zu richten, solange kann er sie nicht nach innen richten. Daher muß der Zeitpunkt um das fünfunddreißigste Jahr herum als ein Kulminationspunkt angesehen werden. In der ersten Hälfte des Lebens hat sich alles schon zu einem rhythmischen Gang entwickelt, aber in der zweiten Hälfte sind die Grenzen nicht mehr so bestimmt, obwohl in der Geisteswissenschaft Grenzen immer angegeben worden sind, aber diese sind ungenau.
[ 22 ] With the thirty-fifth year, the most favorable time arrives for attaining spiritual insight and developing spiritual faculties. A person's karma is particularly auspicious when this does not happen too late in life. The forces that otherwise flow into the bodily nature are becoming free and are at our disposal. As long as a person is obliged to direct his forces outwards, he cannot direct them inwards; that is why the age of about thirty-five is the most favorable time for developing spiritual insight. Development in the first half of life proceeds according to specific time sequences; as indicated by spiritual science, they also exist in the second half, but are not so sharply defined.
[ 23 ] Wir arbeiten da der Zukunft erst entgegen. Was der Mensch in der höheren Altersstufe in seinem Innern ausbildet, wird in der Zukunft Organ- und Körper-schaffend sein; das wird auch im Welten-Kosmos später mitwirken. Es wird in der Zukunft etwas da sein, was wir an der ersten Hälfte jetzt schon beobachten können. Diese Einteilung hat vielleicht, namentlich für die Jugend, etwas Bedrückendes, aber wer die Lehren der Geisteswissenschaft wirklich in sich aufnimmt, kann das nicht mehr empfinden. Wenn Sie das Menschenleben von einem hohen Standpunkt aus überschauen, werden Sie sehen, daß gerade durch eine solche Betrachtung des Lebenslaufes der Mensch zum richtigen Gebrauch und zu der Praxis hingeführt wird. Der Mensch wird die Resignation üben müssen, zu warten, bis er die Organe hat, um in der ihnen entsprechenden Sphäre richtig zu wirken.
[ 23 ] Human beings begin to work towards the future in the second half of life. What they inwardly develop at an older age becomes in the future organ and body-building forces; later they participate in cosmic forces. What will thus exist in the future is already indicated in the first half of life. Young people in particular may find this division oppressive; not, however, if spiritual science has been absorbed and understood. When human life is surveyed from a higher viewpoint, it is precisely through such details that one gains practical insight into life's requirements. One must have patience and be able to wait until the organs that are necessary in a particular sphere have developed.
