Knowledge of Soul and Spirit
GA 56
12 December 1907, Berlin
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Die Erkenntnis der Seele und des Geistes
6. Die sogenannten Gefahren der Einweihung
6. Die sogenannten Gefahren der Einweihung
[ 1 ] Es ist nicht der einzige Vorwurf, der der Geheimwissenschaft gemacht wird, daß sie phantastisch, träumerisch sei, sondern es besteht bei vielen auch der Glaube, daß für denjenigen, der dieser Geheimwissenschaft oder Geisteswissenschaft nähertritt, auch Gefahren mit ihr verbunden seien. Es herrschen in gewissen Kreisen geradezu abenteuerliche Anschauungen über diese sogenannten Gefahren der Geisteswissenschaft. Zunächst wird viel im allgemeinen auf solche Gefahren hingedeutet, ohne auch nur zu versuchen, die angeblichen Gefahren des näheren zu charakterisieren oder anzugeben, worin sie bestehen; denn da, wo zuweilen so viel von diesen Gefahren gesprochen wird, herrscht ebensooft eine, man darf sagen tiefsinnige Unkenntnis dessen, was die Geheimwissenschaft in sich birgt. Man hat nur so die unbestimmte Vorstellung, daß sie etwas Gefahrvolles in sich schließt. Man geht dabei auch nicht näher auf das ein, worauf man unbedingt eingehen müßte: ob die Geheimwissenschaft selbst das Gefahrvolle sein soll oder erst das tiefere Eindringen in sie dadurch, daß man sich bekannt macht mit den Methoden, den Übungen, die den Menschen hineinführen in die uns umgebende, für die gewöhnlichen Sinne unsichtbare und unwahrnehmbare, für die höheren Sinne aber durchaus wahrnehmbare geistige Welt. Wer überhaupt von Gefahren sprechen will auf diesem Gebiete, der muß aber diese Unterscheidung machen. Nur handelt es sich, wie gesagt, oftmals gar nicht um einen Hinweis auf bestimmte Gefahren, sondern es wird nur gesagt: Ach, diese Geheimwissenschaft oder diese Theosophie macht die Menschen weltfremd, entfernt sie von demjenigen, womit sie sich eigentlich im Leben befassen müßten, wofür sie Interesse haben sollten. — Und mancher Kreis findet es ungeheuer bedauerlich, daß dieses oder jenes Mitglied ihm scheinbar entrissen wird dadurch, daß es anfängt, sich für die Theosophie oder die ihr zugrunde liegende Geheimwissenschaft zu interessieren. Dadurch ist wohl auch das schon oft ausgesprochene Urteil entstanden, daß die Theosophie den Menschen unpraktisch mache, ihn abbringe von den unmittelbaren Pflichten des Lebens, ihn zur Askese und Weltfremdheit treibe.
[ 1 ] Es ist nicht der einzige Vorwurf, der der Geheimwissenschaft gemacht wird, daß sie phantastisch, träumerisch sei, sondern es besteht bei vielen auch der Glaube, daß für denjenigen, der dieser Geheimwissenschaft oder Geisteswissenschaft nähertritt, auch Gefahren mit ihr verbunden seien. Es herrschen in gewissen Kreisen geradezu abenteuerliche Anschauungen über diese sogenannten Gefahren der Geisteswissenschaft. Zunächst wird viel im allgemeinen auf solche Gefahren hingedeutet, ohne auch nur zu versuchen, die angeblichen Gefahren des näheren zu charakterisieren oder anzugeben, worin sie bestehen; denn da, wo zuweilen so viel von diesen Gefahren gesprochen wird, herrscht ebensooft eine, man darf sagen tiefsinnige Unkenntnis dessen, was die Geheimwissenschaft in sich birgt. Man hat nur so die unbestimmte Vorstellung, daß sie etwas Gefahrvolles in sich schließt. Man geht dabei auch nicht näher auf das ein, worauf man unbedingt eingehen müßte: ob die Geheimwissenschaft selbst das Gefahrvolle sein soll oder erst das tiefere Eindringen in sie dadurch, daß man sich bekannt macht mit den Methoden, den Übungen, die den Menschen hineinführen in die uns umgebende, für die gewöhnlichen Sinne unsichtbare und unwahrnehmbare, für die höheren Sinne aber durchaus wahrnehmbare geistige Welt. Wer überhaupt von Gefahren sprechen will auf diesem Gebiete, der muß aber diese Unterscheidung machen. Nur handelt es sich, wie gesagt, oftmals gar nicht um einen Hinweis auf bestimmte Gefahren, sondern es wird nur gesagt: Ach, diese Geheimwissenschaft oder diese Theosophie macht die Menschen weltfremd, entfernt sie von demjenigen, womit sie sich eigentlich im Leben befassen müßten, wofür sie Interesse haben sollten. — Und mancher Kreis findet es ungeheuer bedauerlich, daß dieses oder jenes Mitglied ihm scheinbar entrissen wird dadurch, daß es anfängt, sich für die Theosophie oder die ihr zugrunde liegende Geheimwissenschaft zu interessieren. Dadurch ist wohl auch das schon oft ausgesprochene Urteil entstanden, daß die Theosophie den Menschen unpraktisch mache, ihn abbringe von den unmittelbaren Pflichten des Lebens, ihn zur Askese und Weltfremdheit treibe.
[ 2 ] Obwohl es hier schon erwähnt worden ist von der einen oder anderen Seite, darf vielleicht doch noch einmal darauf aufmerksam gemacht werden, daß es der unbilligste und zu gleicher Zeit der unmöglichste Vorwurf ist, den man der Geheimwissenschaft und ihrer Arbeit machen kann, daß sie die Menschen irgendwie weltfremd, weltfern mache oder sie zur Askese verführe. Immer wieder muß es betont werden, daß, weil unserer Welt der Sinne, unserer Welt des physischen Lebens eine geistige Welt mit ihren Wesenheiten und Kräften zugrunde liegt, die fortwährend in unsere Sinneswelt hereinwirkt, derjenige weltfremd und weltfern genannt werden muß, der sich nicht um die wahren und eigentlichen Kräfte des Daseins kümmert und sich nur auf die äußere Welt, auf das, was die Sinne sagen und was sie genießen können, beschränken will. Es ist keine Rede davon, daß die Theosophie ihre Bekenner zu einem asketischen Leben, zu Entbehrungen oder zur Weltfremdheit hindränge. Wahr ist aber, daß derjenige, welcher Interesse entwickelt für dasjenige, was aus der Geheimwissenschaft fließt, was sie zu bieten vermag, andere Wünsche, andere Sympathien und Antipathien haben muß, als viele Menschen sie haben.
[ 2 ] Obwohl es hier schon erwähnt worden ist von der einen oder anderen Seite, darf vielleicht doch noch einmal darauf aufmerksam gemacht werden, daß es der unbilligste und zu gleicher Zeit der unmöglichste Vorwurf ist, den man der Geheimwissenschaft und ihrer Arbeit machen kann, daß sie die Menschen irgendwie weltfremd, weltfern mache oder sie zur Askese verführe. Immer wieder muß es betont werden, daß, weil unserer Welt der Sinne, unserer Welt des physischen Lebens eine geistige Welt mit ihren Wesenheiten und Kräften zugrunde liegt, die fortwährend in unsere Sinneswelt hereinwirkt, derjenige weltfremd und weltfern genannt werden muß, der sich nicht um die wahren und eigentlichen Kräfte des Daseins kümmert und sich nur auf die äußere Welt, auf das, was die Sinne sagen und was sie genießen können, beschränken will. Es ist keine Rede davon, daß die Theosophie ihre Bekenner zu einem asketischen Leben, zu Entbehrungen oder zur Weltfremdheit hindränge. Wahr ist aber, daß derjenige, welcher Interesse entwickelt für dasjenige, was aus der Geheimwissenschaft fließt, was sie zu bieten vermag, andere Wünsche, andere Sympathien und Antipathien haben muß, als viele Menschen sie haben.
[ 3 ] In einer großen Anzahl der Fälle ist es jedoch nicht so, daß diejenigen, die an die Geheimwissenschaft herankommen, etwa erst innerhalb eines geheimwissenschaftlichen oder theosophischen Kreises sich dieses Interesse, diese Sympathien und Antipathien aneignen. Die Gefühle bringen die Leute in der Regel mit; die Interessen tragen sie hinein in die theosophischen Kreise, und dasjenige, was die Theosophie oder Geheimwissenschaft ihnen bieten will oder soll, ist nichts anderes, als was sie verlangen. Nicht deshalb werden sie aus den Kreisen, die sagen: ... sie werden uns fremd, — hinweggetrieben, weil sie durch die Theosophie weggenommen werden, sondern weil diese Kreise sie mit ihrer scheinbaren Zugewendetheit zur Welt, mit ihren egoistischen Interessen selbst immer fremder und fremder werden lassen. Wenn ein solcher Kreis jammert, daß dieses oder jenes Mitglied ihm entzogen wird, so sollte er sich fragen: Hat die Theosophie mir dieses Mitglied genommen oder haben wir es durch Langeweile hinausgetrieben? Wenn man vergleicht das Leben, wie es im theosophischen Kreise sein soll, mit dem Leben eines «weltfreudigen» Kreises, der sagt, man dürfe sich nicht der Askese hingeben, man müsse das Leben nehmen, wie es ist, so ist darauf zu antworten, daß der Theosoph sich nicht deshalb von gewissen Dingen zurückzieht, weil er sich aus dem Leben herausreißen, dem Leben entfliehen will, sondern weil er in das wahre, echte Leben hineinwill.
[ 3 ] In einer großen Anzahl der Fälle ist es jedoch nicht so, daß diejenigen, die an die Geheimwissenschaft herankommen, etwa erst innerhalb eines geheimwissenschaftlichen oder theosophischen Kreises sich dieses Interesse, diese Sympathien und Antipathien aneignen. Die Gefühle bringen die Leute in der Regel mit; die Interessen tragen sie hinein in die theosophischen Kreise, und dasjenige, was die Theosophie oder Geheimwissenschaft ihnen bieten will oder soll, ist nichts anderes, als was sie verlangen. Nicht deshalb werden sie aus den Kreisen, die sagen: ... sie werden uns fremd, — hinweggetrieben, weil sie durch die Theosophie weggenommen werden, sondern weil diese Kreise sie mit ihrer scheinbaren Zugewendetheit zur Welt, mit ihren egoistischen Interessen selbst immer fremder und fremder werden lassen. Wenn ein solcher Kreis jammert, daß dieses oder jenes Mitglied ihm entzogen wird, so sollte er sich fragen: Hat die Theosophie mir dieses Mitglied genommen oder haben wir es durch Langeweile hinausgetrieben? Wenn man vergleicht das Leben, wie es im theosophischen Kreise sein soll, mit dem Leben eines «weltfreudigen» Kreises, der sagt, man dürfe sich nicht der Askese hingeben, man müsse das Leben nehmen, wie es ist, so ist darauf zu antworten, daß der Theosoph sich nicht deshalb von gewissen Dingen zurückzieht, weil er sich aus dem Leben herausreißen, dem Leben entfliehen will, sondern weil er in das wahre, echte Leben hineinwill.
[ 4 ] Es gibt keine größere Askese, keine furchtbarere Entbehrung für die, welche Interesse für die Geisteswissenschaft haben, als sich hinzugeben dem Treiben, das man in vielen Kreisen eben das «Leben» nennt. Wenn man das Leben nennt: Morgens aufstehen, seine Zeitung lesen, diesem oder jenem nachgehen, von dem man einsehen kann, daß es einen praktischen Nutzen hat, am Abend dieses oder jenes Banale mitmachen — wenn man das Leben nennt, dann gibt es in der Tat eine «Askese» für den Theosophen, eine schreckliche Entbehrung, nämlich, wenn man ihn zwingt, dieses Leben mitzumachen. Wenn daher trotz allen widerstrebenden Kräften das Interesse für die Theosophie und für dasjenige, was von der Geheimwissenschaft öffentlich gebracht werden darf, heute immer größer und größer wird, so ist das nur ein Beweis dafür, daß es immer mehr und mehr Leute gibt, die dem «asketischen» Leben der gewöhnlichen Vergnügungen entfliehen und sich dem wirklichen Leben einmal in die Arme werfen wollen. Das würden die Menschen einsehen müssen, wenn sie einmal mit sich zu Rate gehen würden; denn ein Gejammer und ein Gewimmer unter Leiden und Entbehrungen ist eben das Leben in der Geheimwissenschaft durchaus nicht. Und die Lebenspraxis ist ja ein Kapitel, das in den verschiedenen Vorträgen auch schon besprochen worden ist.
[ 4 ] Es gibt keine größere Askese, keine furchtbarere Entbehrung für die, welche Interesse für die Geisteswissenschaft haben, als sich hinzugeben dem Treiben, das man in vielen Kreisen eben das «Leben» nennt. Wenn man das Leben nennt: Morgens aufstehen, seine Zeitung lesen, diesem oder jenem nachgehen, von dem man einsehen kann, daß es einen praktischen Nutzen hat, am Abend dieses oder jenes Banale mitmachen — wenn man das Leben nennt, dann gibt es in der Tat eine «Askese» für den Theosophen, eine schreckliche Entbehrung, nämlich, wenn man ihn zwingt, dieses Leben mitzumachen. Wenn daher trotz allen widerstrebenden Kräften das Interesse für die Theosophie und für dasjenige, was von der Geheimwissenschaft öffentlich gebracht werden darf, heute immer größer und größer wird, so ist das nur ein Beweis dafür, daß es immer mehr und mehr Leute gibt, die dem «asketischen» Leben der gewöhnlichen Vergnügungen entfliehen und sich dem wirklichen Leben einmal in die Arme werfen wollen. Das würden die Menschen einsehen müssen, wenn sie einmal mit sich zu Rate gehen würden; denn ein Gejammer und ein Gewimmer unter Leiden und Entbehrungen ist eben das Leben in der Geheimwissenschaft durchaus nicht. Und die Lebenspraxis ist ja ein Kapitel, das in den verschiedenen Vorträgen auch schon besprochen worden ist.
[ 5 ] Wenn diejenigen, die sich häufig so viel einbilden auf ihre Lebenspraxis, sagen, die Theosophie mit ihren weltfremden Ideen setzte den Menschen nur Mucken in den Kopf, und die Leute, die sich an so etwas hingeben, brächten es niemals zu einer wirklichen Arbeit im Leben, nur einmal einen Blik in die Welt werfen würden und auf das, was man einerseits Praxis, anderseits unpraktischen Idealismus nennt, so würden sie vielleicht anders sprechen. Es war ein deutscher Philosoph, Johann Gottlieb Fichte, der das schöne Wort gesprochen hat: Daß Ideale nicht unmittelbar im Leben anzuwenden sind, das wissen die Idealisten ebensogut wie die sogenannten praktischen Leute, vielleicht besser. Daß aber gewisse Leute nicht einsehen können, daß alles Leben aus dem Lebensideal herausfließt, aus dem, was noch nicht da ist, was erst werden soll, das zeigt nur, daß auf sie, wie Fichte sich ausdrückt, im Plane der Veredelung der Menschheit nicht gerechnet ist. Möge ihnen daher die Gottheit zur rechten Zeit Regen und Sonnenschein, Nahrung, und dabei kluge Gedanken verleihen! — Der Theosoph mag sich aus einer objektiven Betrachtung des Lebens heraus trösten, wenn auf die Gefahr des sogenannten Unpraktischen hingewiesen wird. Da kann nämlich als Beispiel dafür, was Praxis ist, jenes kluge Kollegium von Praktikern in einem Lande des südlichen Deutschland angeführt werden. Als man in Deutschland die erste Eisenbahn bauen wollte, fragte man bei ihnen an, ob es gut sei, wenn diese Eisenbahn gebaut würde. Das Kollegium sagte — jeder kann sich überzeugen, daß das Dokument vorhanden ist —, man solle keine Eisenbahn bauen, denn die Menschen würden schwere Schädigungen ihres Nervensystems erleiden; sollte es aber Menschen geben, die doch mit einer Eisenbahn fahren wollen, und sollte sie gebaut werden, so müßte man links und rechts von ihr hohe Bretterwände aufrichten, damit diejenigen, an denen sie vorbeifährt, nicht Gehirnerschütterung bekommen. — Das ist noch nicht lange her! Es ist auch noch nicht lange her, daß ein Mann, der kein Praktiker, sondern ein «unpraktischer Lehrer» war, den Rat gab, statt der teuren Porti die billigeren Postkarten einzuführen. Es war Rowland Hill, der Nichtpraktiker. Da war aber ein Postmeister, der sagte: Ich kann es nicht recht einsehen, daß man dadurch, daß man auf diese Art und Weise die Portoerhebung einführt, einen Vorteil hat; denn wenn der Verkehr sich in einer solchen Weise entwickeln würde, so würde das Postgebäude nicht mehr ausreichen, um alle Briefschaften und Postsachen aufzunehmen und zu befördern. — So erscheint einem manches Urteil, das heute aus den Kreisen der Leute kommt, die der 'Theosophie feindlich gesinnt sind.
[ 5 ] Wenn diejenigen, die sich häufig so viel einbilden auf ihre Lebenspraxis, sagen, die Theosophie mit ihren weltfremden Ideen setzte den Menschen nur Mucken in den Kopf, und die Leute, die sich an so etwas hingeben, brächten es niemals zu einer wirklichen Arbeit im Leben, nur einmal einen Blik in die Welt werfen würden und auf das, was man einerseits Praxis, anderseits unpraktischen Idealismus nennt, so würden sie vielleicht anders sprechen. Es war ein deutscher Philosoph, Johann Gottlieb Fichte, der das schöne Wort gesprochen hat: Daß Ideale nicht unmittelbar im Leben anzuwenden sind, das wissen die Idealisten ebensogut wie die sogenannten praktischen Leute, vielleicht besser. Daß aber gewisse Leute nicht einsehen können, daß alles Leben aus dem Lebensideal herausfließt, aus dem, was noch nicht da ist, was erst werden soll, das zeigt nur, daß auf sie, wie Fichte sich ausdrückt, im Plane der Veredelung der Menschheit nicht gerechnet ist. Möge ihnen daher die Gottheit zur rechten Zeit Regen und Sonnenschein, Nahrung, und dabei kluge Gedanken verleihen! — Der Theosoph mag sich aus einer objektiven Betrachtung des Lebens heraus trösten, wenn auf die Gefahr des sogenannten Unpraktischen hingewiesen wird. Da kann nämlich als Beispiel dafür, was Praxis ist, jenes kluge Kollegium von Praktikern in einem Lande des südlichen Deutschland angeführt werden. Als man in Deutschland die erste Eisenbahn bauen wollte, fragte man bei ihnen an, ob es gut sei, wenn diese Eisenbahn gebaut würde. Das Kollegium sagte — jeder kann sich überzeugen, daß das Dokument vorhanden ist —, man solle keine Eisenbahn bauen, denn die Menschen würden schwere Schädigungen ihres Nervensystems erleiden; sollte es aber Menschen geben, die doch mit einer Eisenbahn fahren wollen, und sollte sie gebaut werden, so müßte man links und rechts von ihr hohe Bretterwände aufrichten, damit diejenigen, an denen sie vorbeifährt, nicht Gehirnerschütterung bekommen. — Das ist noch nicht lange her! Es ist auch noch nicht lange her, daß ein Mann, der kein Praktiker, sondern ein «unpraktischer Lehrer» war, den Rat gab, statt der teuren Porti die billigeren Postkarten einzuführen. Es war Rowland Hill, der Nichtpraktiker. Da war aber ein Postmeister, der sagte: Ich kann es nicht recht einsehen, daß man dadurch, daß man auf diese Art und Weise die Portoerhebung einführt, einen Vorteil hat; denn wenn der Verkehr sich in einer solchen Weise entwickeln würde, so würde das Postgebäude nicht mehr ausreichen, um alle Briefschaften und Postsachen aufzunehmen und zu befördern. — So erscheint einem manches Urteil, das heute aus den Kreisen der Leute kommt, die der 'Theosophie feindlich gesinnt sind.
[ 6 ] Die Gefahren, die da geschildert werden, sie gleichen denen, welche die Leute von der Eisenbahn erfahren haben, nachdem sie nun seit Jahrzehnten damit fahren. Die Zukunft wird dafür den Beweis erbringen. Sowenig wie das bayrische Medizinalkollegium den Bau der Eisenbahn, der Postmeister in London die Ausbreitung des Postverkehrs verhindern konnte, ebensowenig kann der Ausbreitung der Theosophie, welche sich als notwendig in unserer Zeit herausgestellt hat, durch ähnliche Einwände Einhalt geboten werden.
[ 6 ] Die Gefahren, die da geschildert werden, sie gleichen denen, welche die Leute von der Eisenbahn erfahren haben, nachdem sie nun seit Jahrzehnten damit fahren. Die Zukunft wird dafür den Beweis erbringen. Sowenig wie das bayrische Medizinalkollegium den Bau der Eisenbahn, der Postmeister in London die Ausbreitung des Postverkehrs verhindern konnte, ebensowenig kann der Ausbreitung der Theosophie, welche sich als notwendig in unserer Zeit herausgestellt hat, durch ähnliche Einwände Einhalt geboten werden.
[ 7 ] Es richten sich aber viele der Besorgnisse nicht auf das Allgemeine, man wittert etwas Besonderes. Man darf daher auch einmal öffentlich von dem sprechen, was eventuell zu solchen Besorgnissen und solchem Reden von Gefahren Veranlassung gibt. Zunächst dürfen wir eines nicht vergessen: Etwas, was wirken soll, was eine Bedeutung und Kraft haben soll in der Welt, das wirkt auf die verschiedenen Menschen verschieden. Es wirkt in der Weise, wie die Menschen sich davon beeinflussen und beeindrucken lassen. Nun ist die Theosophie und die Geheimwissenschaft so etwas wie ein reinigendes Gewitter in unserer geistigen Atmosphäre und wird es immer mehr sein. Womit ist denn diese geistige Atmosphäre erfüllt? Sie ist erfüllt von allen möglichen siegesgewissen und zuversichtlichen Urteilen, die um so siegesgewisser auftreten, je weniger tief sie in das Wesen der Dinge einführen. Insbesondere ist es das materialistische Denken und Fühlen, die materialistische Gesinnung, die mit einer ungeheuren Unfehlbarkeitsmeinung von sich, mit ungeheurem Hochmut und Dünkel sich heute als die alleinseligmachende Lehre betrachtet und alles, was in die geistige Welt weisen will, mit Hohnlachen übergießt, wie wenn es sich nur um Phantasien handeln würde.
[ 7 ] Es richten sich aber viele der Besorgnisse nicht auf das Allgemeine, man wittert etwas Besonderes. Man darf daher auch einmal öffentlich von dem sprechen, was eventuell zu solchen Besorgnissen und solchem Reden von Gefahren Veranlassung gibt. Zunächst dürfen wir eines nicht vergessen: Etwas, was wirken soll, was eine Bedeutung und Kraft haben soll in der Welt, das wirkt auf die verschiedenen Menschen verschieden. Es wirkt in der Weise, wie die Menschen sich davon beeinflussen und beeindrucken lassen. Nun ist die Theosophie und die Geheimwissenschaft so etwas wie ein reinigendes Gewitter in unserer geistigen Atmosphäre und wird es immer mehr sein. Womit ist denn diese geistige Atmosphäre erfüllt? Sie ist erfüllt von allen möglichen siegesgewissen und zuversichtlichen Urteilen, die um so siegesgewisser auftreten, je weniger tief sie in das Wesen der Dinge einführen. Insbesondere ist es das materialistische Denken und Fühlen, die materialistische Gesinnung, die mit einer ungeheuren Unfehlbarkeitsmeinung von sich, mit ungeheurem Hochmut und Dünkel sich heute als die alleinseligmachende Lehre betrachtet und alles, was in die geistige Welt weisen will, mit Hohnlachen übergießt, wie wenn es sich nur um Phantasien handeln würde.
[ 8 ] Derjenige freilich, der sein Denken schult in jener Logik, die notwendig ist, um die Gebiete zu beherrschen, die außerhalb der sinnlichen Welt liegen, ist immer in der Gefahr, daß man ihn mit der Logik der Materialisten von heute krank machen möchte. Die oberflächlichen Urteile, die heute geprägt werden, die heute gang und gäbe sind und mit einer Sicherheit und einem Unfehlbarkeitsdünkel ohnegleichen auftreten, sind aber manchmal sehr kurzatmig, und wenn ihnen jene Logik gegenübertritt, die mit innerer Denkergeduld von Begriff zu Begriff schreitet, wie es notwendig ist, wenn man nicht auf der Brücke der äußeren sinnlichen Erlebnisse vorwärtsschreiten kann, sondern darauf ausgeht, eine sichere Stütze in sich selbst und eine innere Gewißheit zu haben, dann wird ihre Fadenscheinigkeit sehr bald sichtbar. Schon in dieser Beziehung muß uns das Denken, wie es aus der Geheimwissenschaft für die Gegenwart fließt, vielfach wie ein reinigendes Gewitter erscheinen. Es erscheint so für die große Menschenmasse und auch für den einzelnen Menschen. Da können wir nicht umhin, zu betonen, daß das doch keine Gefahr ist. Für die große Masse besteht höchstens die Gefahr, daß es Unsicherheit in die Urteile bringt, die wert sind, so hingestellt zu werden.
[ 8 ] Derjenige freilich, der sein Denken schult in jener Logik, die notwendig ist, um die Gebiete zu beherrschen, die außerhalb der sinnlichen Welt liegen, ist immer in der Gefahr, daß man ihn mit der Logik der Materialisten von heute krank machen möchte. Die oberflächlichen Urteile, die heute geprägt werden, die heute gang und gäbe sind und mit einer Sicherheit und einem Unfehlbarkeitsdünkel ohnegleichen auftreten, sind aber manchmal sehr kurzatmig, und wenn ihnen jene Logik gegenübertritt, die mit innerer Denkergeduld von Begriff zu Begriff schreitet, wie es notwendig ist, wenn man nicht auf der Brücke der äußeren sinnlichen Erlebnisse vorwärtsschreiten kann, sondern darauf ausgeht, eine sichere Stütze in sich selbst und eine innere Gewißheit zu haben, dann wird ihre Fadenscheinigkeit sehr bald sichtbar. Schon in dieser Beziehung muß uns das Denken, wie es aus der Geheimwissenschaft für die Gegenwart fließt, vielfach wie ein reinigendes Gewitter erscheinen. Es erscheint so für die große Menschenmasse und auch für den einzelnen Menschen. Da können wir nicht umhin, zu betonen, daß das doch keine Gefahr ist. Für die große Masse besteht höchstens die Gefahr, daß es Unsicherheit in die Urteile bringt, die wert sind, so hingestellt zu werden.
[ 9 ] Beim einzelnen Menschen steht die Sache schlimmer. Es kommt da etwas in Betracht, was im Geheimsten seiner Seele wirkt, eine Disharmonie zwischen dem Fühlen und dem Urteilen des Menschen. Und diese Disharmonie ist heute am größten bei denjenigen Menschen, die am sichersten zu sein glauben in irgendeinem materialistischen Glaubensbekenntnis. Ein materialistisches Glaubensbekenntnis hat nämlich die Eigentümlichkeit, daß es letzten Endes nur den Verstand, nur das abstrakte Urteil befriedigen kann. Die tieferen Interessen der Seele, alle Wünsche, alle Gefühle, alle Empfindungen sind bei sämtlichen Menschen viel wahrer und viel tiefer, als oftmals ihr Urteil ist. Und während jeder mit seinem Urteile, mit seinen matertalistischen Begriffen und seiner materialistischen Gesinnung an der Oberfläche haften bleibt, lebt in der Tiefe seiner Seele — für ihn oft ganz unbewußt — das Drängen und das Sehnen nach einem Geistigen. Für feinere Menschenbeobachter kommt das zuweilen recht anschaulich zum Vorschein, indem man sieht, wie viele Disharmonien in den Reden und Aussprüchen der Menschen sind. Da kann man sehen, daß sie eigentlich gar nicht übereinstimmend fühlen mit dem, was sie sagen. In geringem Maße ist bei einem großen Prozentsatz der heutigen Menschen der Fall, was ein Dichter grotesk ausgedrückt hat mit den Worten, die er eine seiner Gestalten sagen läßt: So wahr ein Gott im Himmel ist, bin ich ein Atheist. — Das ist, nur radikal, grotesk ausgedrückt, das gefühlsmäßige Stehenbleiben bei etwas TraditionellHergebrachtem und das Stehenbleiben des oberflächlichen Urteils bei einem radikalen Verneinen. In dieser radikalen Form wird es heute bei wenigen Menschen vorkommen. Aber für den, der feiner beobachten kann, bietet fast jedes Gespräch Beispiel um Beispiel, daß die Menschen in ihren Seelen heute so leben.
[ 9 ] Beim einzelnen Menschen steht die Sache schlimmer. Es kommt da etwas in Betracht, was im Geheimsten seiner Seele wirkt, eine Disharmonie zwischen dem Fühlen und dem Urteilen des Menschen. Und diese Disharmonie ist heute am größten bei denjenigen Menschen, die am sichersten zu sein glauben in irgendeinem materialistischen Glaubensbekenntnis. Ein materialistisches Glaubensbekenntnis hat nämlich die Eigentümlichkeit, daß es letzten Endes nur den Verstand, nur das abstrakte Urteil befriedigen kann. Die tieferen Interessen der Seele, alle Wünsche, alle Gefühle, alle Empfindungen sind bei sämtlichen Menschen viel wahrer und viel tiefer, als oftmals ihr Urteil ist. Und während jeder mit seinem Urteile, mit seinen matertalistischen Begriffen und seiner materialistischen Gesinnung an der Oberfläche haften bleibt, lebt in der Tiefe seiner Seele — für ihn oft ganz unbewußt — das Drängen und das Sehnen nach einem Geistigen. Für feinere Menschenbeobachter kommt das zuweilen recht anschaulich zum Vorschein, indem man sieht, wie viele Disharmonien in den Reden und Aussprüchen der Menschen sind. Da kann man sehen, daß sie eigentlich gar nicht übereinstimmend fühlen mit dem, was sie sagen. In geringem Maße ist bei einem großen Prozentsatz der heutigen Menschen der Fall, was ein Dichter grotesk ausgedrückt hat mit den Worten, die er eine seiner Gestalten sagen läßt: So wahr ein Gott im Himmel ist, bin ich ein Atheist. — Das ist, nur radikal, grotesk ausgedrückt, das gefühlsmäßige Stehenbleiben bei etwas TraditionellHergebrachtem und das Stehenbleiben des oberflächlichen Urteils bei einem radikalen Verneinen. In dieser radikalen Form wird es heute bei wenigen Menschen vorkommen. Aber für den, der feiner beobachten kann, bietet fast jedes Gespräch Beispiel um Beispiel, daß die Menschen in ihren Seelen heute so leben.
[ 10 ] Unter welcher Voraussetzung kann man so leben? Man kann so leben unter der Voraussetzung, daß man in seinem Seelenleben oberflächlich bleibt. Denn niemand, der in die Tiefe seiner Seele hinuntersteigt, wird eine solche Disharmonie dulden können, wie sie heute vielfach vorhanden ist. Für den, der gewohnt ist an Logik, zeigt sich das in dem ganzen Umfang matenialistischer oder — wie man es nobler nennt — monistischer Literatur. Nehmen wir einen Menschen an, der eingebettet ist in unsere Zeitatmosphäre und nicht aus innerer Freiheit, aus innerem starkem Drang aus ihr herausstrebt: Er bleibt eingebettet, er lebt allgemein, dumpf, aber zufrieden fort. Aber es hängt ja heute nicht mehr von den Dingen, bei denen viele stehenbleiben wollen, ab, ob der Mensch so dumpf leben kann, ob es ihm möglich ist, so dumpf zu leben. Zahlreichen Menschen ist es nicht mehr möglich. Und dasjenige, was populäre Literatur ist — Zeitschriften, populäre Bücher, Zeitungen sogar —, was sie bietet, das ist für feinere Köpfe und tiefere Gemüter durchaus nicht etwas, was einer Antwort gleicht auf die großen Rätselfragen des Daseins, sondern es dient nur dazu, um neue Fragen zu erzeugen.
[ 10 ] Unter welcher Voraussetzung kann man so leben? Man kann so leben unter der Voraussetzung, daß man in seinem Seelenleben oberflächlich bleibt. Denn niemand, der in die Tiefe seiner Seele hinuntersteigt, wird eine solche Disharmonie dulden können, wie sie heute vielfach vorhanden ist. Für den, der gewohnt ist an Logik, zeigt sich das in dem ganzen Umfang matenialistischer oder — wie man es nobler nennt — monistischer Literatur. Nehmen wir einen Menschen an, der eingebettet ist in unsere Zeitatmosphäre und nicht aus innerer Freiheit, aus innerem starkem Drang aus ihr herausstrebt: Er bleibt eingebettet, er lebt allgemein, dumpf, aber zufrieden fort. Aber es hängt ja heute nicht mehr von den Dingen, bei denen viele stehenbleiben wollen, ab, ob der Mensch so dumpf leben kann, ob es ihm möglich ist, so dumpf zu leben. Zahlreichen Menschen ist es nicht mehr möglich. Und dasjenige, was populäre Literatur ist — Zeitschriften, populäre Bücher, Zeitungen sogar —, was sie bietet, das ist für feinere Köpfe und tiefere Gemüter durchaus nicht etwas, was einer Antwort gleicht auf die großen Rätselfragen des Daseins, sondern es dient nur dazu, um neue Fragen zu erzeugen.
[ 11 ] Ja, auch die heutige Wissenschaft selber, wie sie auftritt mit ihrem Haften an den Tatsachen: nur für den oberflächlichen Geist gibt sie Antwort. Für den gemütstiefen Menschen, für den feingeistigen Menschen ist diese Wissenschaft etwas ganz anderes. Sie ist eine Summe von Fragezeichen. Und da, wo viele glauben, daß sie fertig sein können, wenn sie eine Weltanschauung zimmern aus den naturwissenschaftlichen Tatsachen heraus, da fängt für viele Leute das Fragen gerade erst an. Nur merken die Leute, die fertig zu sein glauben, nichts davon. So sehen Sie heute zahlreiche Menschen, die zu einem Buche wie Haeckels «Welträtsel» greifen, um die Welträtsel gelöst zu bekommen. Haben sie dieses Buch gelesen, dann fangen sie erst an, die großen Fragen aufzuwerfen. Denn nicht Lösungen sind es, sondern Fragen, die da aufgeworfen sind. Solche Gemüter und solche Köpfe können dann, auf diesem oder jenem Wege, einmal zur Theosophie gebracht werden.
[ 11 ] Ja, auch die heutige Wissenschaft selber, wie sie auftritt mit ihrem Haften an den Tatsachen: nur für den oberflächlichen Geist gibt sie Antwort. Für den gemütstiefen Menschen, für den feingeistigen Menschen ist diese Wissenschaft etwas ganz anderes. Sie ist eine Summe von Fragezeichen. Und da, wo viele glauben, daß sie fertig sein können, wenn sie eine Weltanschauung zimmern aus den naturwissenschaftlichen Tatsachen heraus, da fängt für viele Leute das Fragen gerade erst an. Nur merken die Leute, die fertig zu sein glauben, nichts davon. So sehen Sie heute zahlreiche Menschen, die zu einem Buche wie Haeckels «Welträtsel» greifen, um die Welträtsel gelöst zu bekommen. Haben sie dieses Buch gelesen, dann fangen sie erst an, die großen Fragen aufzuwerfen. Denn nicht Lösungen sind es, sondern Fragen, die da aufgeworfen sind. Solche Gemüter und solche Köpfe können dann, auf diesem oder jenem Wege, einmal zur Theosophie gebracht werden.
[ 12 ] Nun tritt ihnen die Theosophie und die Geheimwissenschaft entgegen mit ihrem strengen, in sich logischen Denken, das den Quell der Gewißheit, wie die Mathematik, in sich selber hat, und eine ungeheure Disharmonie zwischen dem, was sie bisher von der Außenwelt gewohnt waren, und den Anforderungen, die plötzlich an sie gestellt werden, tritt ihnen entgegen. An der Oberfläche der Dinge hafteten sie bisher; in Abgründe sehen sie jetzt hinein. Ein halbes Leben und mehr haben sie oftmals verloren. Besorgt sind sie, ob der Rest des Lebens noch ausreichen möchte, um alles, was ihnen entgegentritt, in die Löcher ihrer Seele, die ihnen die Welt geschlagen hat, hineinzugießen. Oder aber sie kommen aus diesen oder jenen Gesellschaftskreisen her und können sich dem nicht entreißen; dann entstehen ihnen daraus die furchtbarsten Hindernisse. Der praktischste und auf Sicherheit gebaute Weg, der ihnen werden kann, wäre, wenn sie sich einließen auf die geheimwissenschaftliche Forschung; aber tausend Fäden ziehen sie zurück. Da treten ihnen die Disharmonien entgegen, die erscheinen müssen, wenn ihnen das Tiefe, dasjenige, wonach die Seele sich sehnt, entgegentritt gegenüber dem Oberflächlichen, dem Äußerlichen. Da tritt eine eigentümliche Erscheinung bei manchen Menschen hervor, die wir uns am besten durch einen Vergleich klarmachen. Denken Sie sich, in irgendeiner Ecke eines Zimmers wäre wochenlang nicht gereinigt worden, viel Schmutz sei da — verzeihen Sie das Gleichnis. Wenn nun in diesem Zimmer keine ordentliche Beleuchtung ist, so können die, die hineinsehen, glauben, daß alles reinlich sei. Wird aber einmal ordentlich hineingeleuchtet, so fällt die Unordnung auf. Es hängt nur davon ab, daß man ordentlich hineinleuchtet.
[ 12 ] Nun tritt ihnen die Theosophie und die Geheimwissenschaft entgegen mit ihrem strengen, in sich logischen Denken, das den Quell der Gewißheit, wie die Mathematik, in sich selber hat, und eine ungeheure Disharmonie zwischen dem, was sie bisher von der Außenwelt gewohnt waren, und den Anforderungen, die plötzlich an sie gestellt werden, tritt ihnen entgegen. An der Oberfläche der Dinge hafteten sie bisher; in Abgründe sehen sie jetzt hinein. Ein halbes Leben und mehr haben sie oftmals verloren. Besorgt sind sie, ob der Rest des Lebens noch ausreichen möchte, um alles, was ihnen entgegentritt, in die Löcher ihrer Seele, die ihnen die Welt geschlagen hat, hineinzugießen. Oder aber sie kommen aus diesen oder jenen Gesellschaftskreisen her und können sich dem nicht entreißen; dann entstehen ihnen daraus die furchtbarsten Hindernisse. Der praktischste und auf Sicherheit gebaute Weg, der ihnen werden kann, wäre, wenn sie sich einließen auf die geheimwissenschaftliche Forschung; aber tausend Fäden ziehen sie zurück. Da treten ihnen die Disharmonien entgegen, die erscheinen müssen, wenn ihnen das Tiefe, dasjenige, wonach die Seele sich sehnt, entgegentritt gegenüber dem Oberflächlichen, dem Äußerlichen. Da tritt eine eigentümliche Erscheinung bei manchen Menschen hervor, die wir uns am besten durch einen Vergleich klarmachen. Denken Sie sich, in irgendeiner Ecke eines Zimmers wäre wochenlang nicht gereinigt worden, viel Schmutz sei da — verzeihen Sie das Gleichnis. Wenn nun in diesem Zimmer keine ordentliche Beleuchtung ist, so können die, die hineinsehen, glauben, daß alles reinlich sei. Wird aber einmal ordentlich hineingeleuchtet, so fällt die Unordnung auf. Es hängt nur davon ab, daß man ordentlich hineinleuchtet.
[ 13 ] So ist es mit der Seele. Sie ist gewohnt, den gewöhnlichen Gang des Schlendrians zu gehen. Sie ist vielleicht gezwungen, oberflächlich unter Oberflächlichen zu sein. Nun kommt sie aber an das Licht, das diese Oberflächlichkeit beleuchtet, das diese Oberflächlichkeit in ihrer ganzen Minderwertigkeit erscheinen läßt. Wenn diese Seele empfindend ist, was tritt dann für sie ein? Ist sie gewohnt an oberflächliches Urteilen, dann muß sie das Licht, das über sie hereinfällt, erst recht in Verwirrung bringen. Daher sehen wir, daß zahlreiche Seelen durch die Berührung mit den geheimwissenschaftlichen Wahrheiten vielleicht zunächst etwas in Verwirrung oder auch in etwas mehr als Verwirrung gebracht werden. Hat die Geheimwissenschaft schuld daran? Wahrhaftig, wer hier logisch denkt, wird nicht der Geheimwissenschaft, die das Licht ist, die Schuld geben, sondern der Tatsache, daß die Seele sich so sehr der Oberflächlichkeit des Urteils ergeben hat.
[ 13 ] So ist es mit der Seele. Sie ist gewohnt, den gewöhnlichen Gang des Schlendrians zu gehen. Sie ist vielleicht gezwungen, oberflächlich unter Oberflächlichen zu sein. Nun kommt sie aber an das Licht, das diese Oberflächlichkeit beleuchtet, das diese Oberflächlichkeit in ihrer ganzen Minderwertigkeit erscheinen läßt. Wenn diese Seele empfindend ist, was tritt dann für sie ein? Ist sie gewohnt an oberflächliches Urteilen, dann muß sie das Licht, das über sie hereinfällt, erst recht in Verwirrung bringen. Daher sehen wir, daß zahlreiche Seelen durch die Berührung mit den geheimwissenschaftlichen Wahrheiten vielleicht zunächst etwas in Verwirrung oder auch in etwas mehr als Verwirrung gebracht werden. Hat die Geheimwissenschaft schuld daran? Wahrhaftig, wer hier logisch denkt, wird nicht der Geheimwissenschaft, die das Licht ist, die Schuld geben, sondern der Tatsache, daß die Seele sich so sehr der Oberflächlichkeit des Urteils ergeben hat.
[ 14 ] Und die Sache geht noch viel weiter. Wir sehen Menschen, die überhaupt nicht mehr gewachsen sind unserer komplizierten Kultur, sie kranken an unserer komplizierten Kultur, und warum? Sie finden sich nicht mehr zurecht mit ihrem Urteil! Die Theosophie oder die Geheimwissenschaft ist das Mittel, um sich in unserer Kultur zurechtzufinden, und sie kann gesundend wirken für denjenigen, den unsere Kultur krank gemacht hat. Aber kann nicht auch noch etwas anderes vorkommen? Auch das können wir uns durch einen Vergleich klarmachen. Eine Speise kann äußerlich gesund sein; es kann aber einer einen total verdorbenen Magen mitbringen. Wenn die Speise auch recht gesund ist für den Gesunden, so kann unter Umständen der verdorbene Magen gerade diese gesunde Speise nicht vertragen. Und so ist es auch in vielen Fällen, wenn die Menschen mit kranken Seelen herauskommen aus unserer Kultur in die heitere und beseligende Luft der Geheimwissenschaft. Dann kann es vorkommen, daß sie mit ihren kranken Seelen die gesunde Speise nicht vertragen können. Das sind jedoch Ausnahmefälle.
[ 14 ] Und die Sache geht noch viel weiter. Wir sehen Menschen, die überhaupt nicht mehr gewachsen sind unserer komplizierten Kultur, sie kranken an unserer komplizierten Kultur, und warum? Sie finden sich nicht mehr zurecht mit ihrem Urteil! Die Theosophie oder die Geheimwissenschaft ist das Mittel, um sich in unserer Kultur zurechtzufinden, und sie kann gesundend wirken für denjenigen, den unsere Kultur krank gemacht hat. Aber kann nicht auch noch etwas anderes vorkommen? Auch das können wir uns durch einen Vergleich klarmachen. Eine Speise kann äußerlich gesund sein; es kann aber einer einen total verdorbenen Magen mitbringen. Wenn die Speise auch recht gesund ist für den Gesunden, so kann unter Umständen der verdorbene Magen gerade diese gesunde Speise nicht vertragen. Und so ist es auch in vielen Fällen, wenn die Menschen mit kranken Seelen herauskommen aus unserer Kultur in die heitere und beseligende Luft der Geheimwissenschaft. Dann kann es vorkommen, daß sie mit ihren kranken Seelen die gesunde Speise nicht vertragen können. Das sind jedoch Ausnahmefälle.
[ 15 ] Aber über sie wird am meisten geschrieben in der Welt. Es wird gesagt: Die Theosophie ist etwas, was die Leute verrückt macht. — Es soll nicht geleugnet werden, daß sie auch störend wirken kann für diese oder jene Seele, wie die gesunde Speise für den verdorbenen Magen. Hat aber die gesunde Speise den Magen verdorben? Viele sogenannte entgleiste Seelen kommen an die Theosophie heran; es ist geradezu auffällig, wie viele entgleiste Seelen an sie herankommen. Der, welcher genötigt ist, in dieser Bewegung zu wirken, könnte Ihnen manches traurige Kapitel erzählen, könnte erzählen, wie von da und dort der Hilferuf kommt: Ich finde mich nicht mehr zurecht mit der Welt, ich weiß nicht mehr, wie ich die Sehnsucht meines Herzens befriedigen soll. — Die jammervollsten Hilferufe, sie kommen jeden Tag in größerer Zahl. Das hat unsere materialistische Kultur, unsere materialistische Gesinnung gemacht, die den Menschen — verzeihen Sie den trivialen Ausdruck — Steine gereicht hat statt Brot. Die Oberflächlichkeit des Urteils konnte manchmal befriedigt werden. Die in der Seeleruhenden Wünsche und Interessen konnten nicht befriedigt werden. Eine Weile lassen sie sich zurückdrängen und stumpf machen, dann aber drängen sie sich an die Oberfläche, und die Menschen kommen mit ihren Hilferufen. Es ist — das ist nicht zu leugnen — bei manchem dann zu spät.
[ 15 ] Aber über sie wird am meisten geschrieben in der Welt. Es wird gesagt: Die Theosophie ist etwas, was die Leute verrückt macht. — Es soll nicht geleugnet werden, daß sie auch störend wirken kann für diese oder jene Seele, wie die gesunde Speise für den verdorbenen Magen. Hat aber die gesunde Speise den Magen verdorben? Viele sogenannte entgleiste Seelen kommen an die Theosophie heran; es ist geradezu auffällig, wie viele entgleiste Seelen an sie herankommen. Der, welcher genötigt ist, in dieser Bewegung zu wirken, könnte Ihnen manches traurige Kapitel erzählen, könnte erzählen, wie von da und dort der Hilferuf kommt: Ich finde mich nicht mehr zurecht mit der Welt, ich weiß nicht mehr, wie ich die Sehnsucht meines Herzens befriedigen soll. — Die jammervollsten Hilferufe, sie kommen jeden Tag in größerer Zahl. Das hat unsere materialistische Kultur, unsere materialistische Gesinnung gemacht, die den Menschen — verzeihen Sie den trivialen Ausdruck — Steine gereicht hat statt Brot. Die Oberflächlichkeit des Urteils konnte manchmal befriedigt werden. Die in der Seeleruhenden Wünsche und Interessen konnten nicht befriedigt werden. Eine Weile lassen sie sich zurückdrängen und stumpf machen, dann aber drängen sie sich an die Oberfläche, und die Menschen kommen mit ihren Hilferufen. Es ist — das ist nicht zu leugnen — bei manchem dann zu spät.
[ 16 ] Heute kann aber die Geisteswissenschaft nicht so betrieben werden, daß sie sich nur an einzelne Ausgesuchte richtet. Die Dinge müssen vor die große Öffentlichkeit gebracht werden. Niemandem können die elementaren Grundbegriffe vorenthalten werden, und nicht einmal die Anfangsgründe der Einweihung, wie sie in dem letzten Vortrage angedeutet wurden, können heute jemandem versagt werden. Wenn heute einzelne Menschen, zugrunde gerichtet durch die zeitgenössische Kultur, an die Theosophie herankommen und als so entgleiste Seelen durch das reinigende Gewitter zunächst noch mehr in Unordnung gebracht werden, sollte deshalb allen Seelen das Heilmittel vorenthalten werden, nur weil einzelne, durch ihre verkehrte Denkweise, in seelisches Unglück gebracht worden sind? So redet heute keineswegs irgendein Fanatismus, so redet die Erfahrung auf dem Gebiete des Geisteslebens unserer Zeit.
[ 16 ] Heute kann aber die Geisteswissenschaft nicht so betrieben werden, daß sie sich nur an einzelne Ausgesuchte richtet. Die Dinge müssen vor die große Öffentlichkeit gebracht werden. Niemandem können die elementaren Grundbegriffe vorenthalten werden, und nicht einmal die Anfangsgründe der Einweihung, wie sie in dem letzten Vortrage angedeutet wurden, können heute jemandem versagt werden. Wenn heute einzelne Menschen, zugrunde gerichtet durch die zeitgenössische Kultur, an die Theosophie herankommen und als so entgleiste Seelen durch das reinigende Gewitter zunächst noch mehr in Unordnung gebracht werden, sollte deshalb allen Seelen das Heilmittel vorenthalten werden, nur weil einzelne, durch ihre verkehrte Denkweise, in seelisches Unglück gebracht worden sind? So redet heute keineswegs irgendein Fanatismus, so redet die Erfahrung auf dem Gebiete des Geisteslebens unserer Zeit.
[ 17 ] Freilich besteht auf der anderen Seite eine ernste Gefahr für das Verhältnis zwischen unseren Zeitgenossen und der geheimwissenschaftlichen Weltanschauung. Diese Gefahr wird herbeigeführt dadurch, daß unsere Zeitgenossen mit ihrer Weltanschauung und solchen Charakteren, die unsere Zeit gezüchtet hat, an die geheimwissenschaftliche Weltanschauung herankommen. Was bringen sie nicht an Vorurteilen, an oberflächlichen Urteilen in diese geisteswissenschaftliche Weltanschauung mit herein! Wieviel Gefahr ist da vorhanden, daß zunächst aus unserer Zeitströmung heraus da und dort die Geheimwissenschaft, die theosophische Weltanschauung selbst, verdorben wird! Hier liegt eine Gefahr vor. Und da muß auf einzelnes hingewiesen werden, damit wir tiefer und tiefer in die sogenannten und in die wirklichen Gefahren des geheimwissenschaftlichen Strebens hineinschauen können.
[ 17 ] Freilich besteht auf der anderen Seite eine ernste Gefahr für das Verhältnis zwischen unseren Zeitgenossen und der geheimwissenschaftlichen Weltanschauung. Diese Gefahr wird herbeigeführt dadurch, daß unsere Zeitgenossen mit ihrer Weltanschauung und solchen Charakteren, die unsere Zeit gezüchtet hat, an die geheimwissenschaftliche Weltanschauung herankommen. Was bringen sie nicht an Vorurteilen, an oberflächlichen Urteilen in diese geisteswissenschaftliche Weltanschauung mit herein! Wieviel Gefahr ist da vorhanden, daß zunächst aus unserer Zeitströmung heraus da und dort die Geheimwissenschaft, die theosophische Weltanschauung selbst, verdorben wird! Hier liegt eine Gefahr vor. Und da muß auf einzelnes hingewiesen werden, damit wir tiefer und tiefer in die sogenannten und in die wirklichen Gefahren des geheimwissenschaftlichen Strebens hineinschauen können.
[ 18 ] Um den Menschen herum sind geistige Welten — das haben wir in den vorangegangenen Vorträgen dargestellt, und wir werden immer tiefer und tiefer in diese Weisheiten eindringen —, Welten, welche sich zu der gewöhnlichen Sinneswelt verhalten wie die Welt der Farbe, des Glanzes und des Lichtes zu der Welt des Tastens beim Blinden; und es gibt eine Welt, die viel höher ist als das, was der Blinde erlebt, wenn er operiert wird, und ihm aus der Finsternis und der Öde Licht und Farbe entgegenzuglänzen beginnen. Das gibt es auf dem höheren Gebiete. Diese Welten sind um uns herum. Diese Welten aber sind nicht nur Welten des Paradieses, nicit nur Welten der Seligkeit, obwohl Paradies und Seligkeit in ihnen ist, sondern sie sind auch Welten, die furchtbar sein können für den Menschen, gefährlich durch Tatsachen und Wesenheiten. Will der Mensch Kenntnis erhalten von dem Großen und Beseligenden dieser Welten, dann kann er das nicht anders, als daß er auch Bekanntschaft macht mit dem Gefährlichen, mit dem Furchtbaren, das sie enthalten. Das eine ist nicht ohne das andere möglich.
[ 18 ] Um den Menschen herum sind geistige Welten — das haben wir in den vorangegangenen Vorträgen dargestellt, und wir werden immer tiefer und tiefer in diese Weisheiten eindringen —, Welten, welche sich zu der gewöhnlichen Sinneswelt verhalten wie die Welt der Farbe, des Glanzes und des Lichtes zu der Welt des Tastens beim Blinden; und es gibt eine Welt, die viel höher ist als das, was der Blinde erlebt, wenn er operiert wird, und ihm aus der Finsternis und der Öde Licht und Farbe entgegenzuglänzen beginnen. Das gibt es auf dem höheren Gebiete. Diese Welten sind um uns herum. Diese Welten aber sind nicht nur Welten des Paradieses, nicit nur Welten der Seligkeit, obwohl Paradies und Seligkeit in ihnen ist, sondern sie sind auch Welten, die furchtbar sein können für den Menschen, gefährlich durch Tatsachen und Wesenheiten. Will der Mensch Kenntnis erhalten von dem Großen und Beseligenden dieser Welten, dann kann er das nicht anders, als daß er auch Bekanntschaft macht mit dem Gefährlichen, mit dem Furchtbaren, das sie enthalten. Das eine ist nicht ohne das andere möglich.
[ 19 ] Nun müssen wir uns einmal klarmachen, inwiefern hier eine Gefahr liegt. Denken Sie sich einen Menschen, der, ohne es zu wissen, in der Nähe eines Pulvermagazins ist. Er weiß nichts davon. Plötzlich erfährt er es aber, und er bekommt eine ungeheure Angst bei dem Gedanken, daß er in die Luft gesprengt werden könnte, wenn das Pulvermagazin explodiert. Draußen hat sich nichts geändert; dennoch ist für ihn das Leben ein anderes. Das einzige, was anders ist als früher, ist, daß er jetzt von der Gefahr weiß. Das Wissen unterscheidet ihn von dem, der nichts weiß. So ist es auch mit den höheren Welten. Die Gefahr, das Furchtbare, das in ihnen enthalten ist, ist immer um den Menschen herum. Ja, es lauern ungeheure Gefahren für des Menschen Seele in Welten, von denen die Menschen keine Ahnung haben. Der einzige Unterschied in bezug auf diese Gefahren und Furchtbarkeiten für den, der niemals an die Geisteswissenschaft herangetreten ist, und dem, der an sie herangetreten ist, ist, daß der letztere von dieser Gefahr weiß und der erstere nicht. Und doch ist es vielleicht nicht ganz so, und zwar aus den folgenden Gründen: Wir betreten die geistige Welt, in welcher das Geistige wirksam ist. Das Pulvermagazin wird nicht gefahrvoll dadurch, daß Sie Angst davor haben, daß das Pulver explodiert; aber Ihre Furcht, die bedeutet etwas in der geistigen Welt! Es ist ein Uhnterschied, ob Sie sie haben oder nicht haben. Der geistigen Welt sind die Gedanken, die Sie hegen, als etwas Reales eingefügt. Ein Haßgefühl, das Sie einem Menschen entgegenbringen, ist in der geistigen Welt realer und für denjenigen, der es durchschaut, auch viel wirksamer als ein Schlag, den Sie dem Betreffenden mit einem Stock geben. Wenn sich das Furchtbare auch nicht unmittelbar vor Ihren Augen abspielt, es ist doch so. Furcht und Angst, solche negativen Gefühle, die sind in der Tat etwas, was, wenn es aus dem Menschen ausströmt, dadurch, daß er die entsprechenden geistigen Wesen und Kräfte kennenlernt, verhängnisvoll werden kann. Diese Angst und diese Furcht sind in der Tat etwas, was den Menschen zu der geistigen Welt in ein verhängnisvolles Verhältnis setzt; denn es gibt in der geistigen Welt Wesenheiten, für die Angst und Furcht, die von dem Menschen ausströmen, wie eine willkommene Nahrung sind. Hat der Mensch nicht Angst und nicht Furcht, dann hungern diese Wesen. Derjenige, der noch nicht tiefer eingedrungen ist, möge das als Vergleich nehmen. Derjenige aber, welcher diese Sache kennt, weiß, daß es sich um eine Wirklichkeit handelt. Strömt der Mensch Furcht und Angst und Kopflosigkeit aus, dann finden diese Wesen eine willkommene Nahrung, und sie werden mächtiger und mächtiger. Das sind feindliche Wesen für die Menschen. Alles, was sich nährt von negativen Gefühlen, von Angst, Furcht und Aberglauben, von Hoffnungslosigkeit, von Zweifel, das sind in der geistigen Welt dem Menschen feindliche Mächte, die grausame Angriffe auf ihn führen, wenn sie von ihm genährt werden. Daher ist es vor allen Dingen notwendig, daß der Mensch, der in die geistige Welt eintritt, vorerst sich stark mache gegen Furcht, Hoffnungslosigkeit, Zweifelsucht und Angst. Das sind aber gerade Gefühle, die so recht moderne Kulturgefühle sind, und der Materialismus ist geeignet, weil er die Menschen abschneidet von der geistigen Welt, durch Hoffnungslosigkeit und Furcht vor dem Unbekannten diese dem Menschen feindlichen Mächte gegen ihn aufzurufen.
[ 19 ] Nun müssen wir uns einmal klarmachen, inwiefern hier eine Gefahr liegt. Denken Sie sich einen Menschen, der, ohne es zu wissen, in der Nähe eines Pulvermagazins ist. Er weiß nichts davon. Plötzlich erfährt er es aber, und er bekommt eine ungeheure Angst bei dem Gedanken, daß er in die Luft gesprengt werden könnte, wenn das Pulvermagazin explodiert. Draußen hat sich nichts geändert; dennoch ist für ihn das Leben ein anderes. Das einzige, was anders ist als früher, ist, daß er jetzt von der Gefahr weiß. Das Wissen unterscheidet ihn von dem, der nichts weiß. So ist es auch mit den höheren Welten. Die Gefahr, das Furchtbare, das in ihnen enthalten ist, ist immer um den Menschen herum. Ja, es lauern ungeheure Gefahren für des Menschen Seele in Welten, von denen die Menschen keine Ahnung haben. Der einzige Unterschied in bezug auf diese Gefahren und Furchtbarkeiten für den, der niemals an die Geisteswissenschaft herangetreten ist, und dem, der an sie herangetreten ist, ist, daß der letztere von dieser Gefahr weiß und der erstere nicht. Und doch ist es vielleicht nicht ganz so, und zwar aus den folgenden Gründen: Wir betreten die geistige Welt, in welcher das Geistige wirksam ist. Das Pulvermagazin wird nicht gefahrvoll dadurch, daß Sie Angst davor haben, daß das Pulver explodiert; aber Ihre Furcht, die bedeutet etwas in der geistigen Welt! Es ist ein Uhnterschied, ob Sie sie haben oder nicht haben. Der geistigen Welt sind die Gedanken, die Sie hegen, als etwas Reales eingefügt. Ein Haßgefühl, das Sie einem Menschen entgegenbringen, ist in der geistigen Welt realer und für denjenigen, der es durchschaut, auch viel wirksamer als ein Schlag, den Sie dem Betreffenden mit einem Stock geben. Wenn sich das Furchtbare auch nicht unmittelbar vor Ihren Augen abspielt, es ist doch so. Furcht und Angst, solche negativen Gefühle, die sind in der Tat etwas, was, wenn es aus dem Menschen ausströmt, dadurch, daß er die entsprechenden geistigen Wesen und Kräfte kennenlernt, verhängnisvoll werden kann. Diese Angst und diese Furcht sind in der Tat etwas, was den Menschen zu der geistigen Welt in ein verhängnisvolles Verhältnis setzt; denn es gibt in der geistigen Welt Wesenheiten, für die Angst und Furcht, die von dem Menschen ausströmen, wie eine willkommene Nahrung sind. Hat der Mensch nicht Angst und nicht Furcht, dann hungern diese Wesen. Derjenige, der noch nicht tiefer eingedrungen ist, möge das als Vergleich nehmen. Derjenige aber, welcher diese Sache kennt, weiß, daß es sich um eine Wirklichkeit handelt. Strömt der Mensch Furcht und Angst und Kopflosigkeit aus, dann finden diese Wesen eine willkommene Nahrung, und sie werden mächtiger und mächtiger. Das sind feindliche Wesen für die Menschen. Alles, was sich nährt von negativen Gefühlen, von Angst, Furcht und Aberglauben, von Hoffnungslosigkeit, von Zweifel, das sind in der geistigen Welt dem Menschen feindliche Mächte, die grausame Angriffe auf ihn führen, wenn sie von ihm genährt werden. Daher ist es vor allen Dingen notwendig, daß der Mensch, der in die geistige Welt eintritt, vorerst sich stark mache gegen Furcht, Hoffnungslosigkeit, Zweifelsucht und Angst. Das sind aber gerade Gefühle, die so recht moderne Kulturgefühle sind, und der Materialismus ist geeignet, weil er die Menschen abschneidet von der geistigen Welt, durch Hoffnungslosigkeit und Furcht vor dem Unbekannten diese dem Menschen feindlichen Mächte gegen ihn aufzurufen.
[ 20 ] Wenn ich mich ganz deutlich ausdrücke, so muß ich sagen: In dem Augenblicke, wo der Mensch jene Pforte sieht, die man durchschreitet im Tode, da sieht er auch zahlreiche, den Menschen hindernde, ja ihm verderblich entgegentretende Kräfte. Die meisten aber ziehen diese Kräfte durch die Todesfurcht an. Je größer die Todesfurcht, desto stärker ist deren Macht. Die Todesfurcht überhaupt ist ein Teil der Furchtgefühle. Wie ausgedörrte Säcke erscheinen diese Kräfte und Mächte, wenn der Mensch sich stark macht und weiß, daß er durch keine Todesfurcht an dem Ereignisse des Todes etwas ändern kann.
[ 20 ] Wenn ich mich ganz deutlich ausdrücke, so muß ich sagen: In dem Augenblicke, wo der Mensch jene Pforte sieht, die man durchschreitet im Tode, da sieht er auch zahlreiche, den Menschen hindernde, ja ihm verderblich entgegentretende Kräfte. Die meisten aber ziehen diese Kräfte durch die Todesfurcht an. Je größer die Todesfurcht, desto stärker ist deren Macht. Die Todesfurcht überhaupt ist ein Teil der Furchtgefühle. Wie ausgedörrte Säcke erscheinen diese Kräfte und Mächte, wenn der Mensch sich stark macht und weiß, daß er durch keine Todesfurcht an dem Ereignisse des Todes etwas ändern kann.
[ 21 ] Zu jener Überwindung der Todesfurcht, zu jenem kühnen dem Tode Ins-Angesicht-Schauen kommt der Mensch nur, wenn er weiß, daß ein unsterblicher ewiger Kern in seinem Innern ist, für den der Tod nur eine Umwandlung des Lebens ist, eine Anderung der Lebensform. Sobald der Mensch den unsterblichen Kern in sich selber findet durch die Geheimwissenschaft, erzieht er sich mehr und mehr zur Überwindung aller solcher Gefühle, zuletzt auch zur Überwindung dessen, was man Todesfurcht nennt. Je materialistischer aber der Mensch wird, desto todesfürchtiger wird er. Keine Geheimwissenschaft kann den Menschen davor schützen, das Wahrhafte zu sehen hinter den Kulissen. Sie muß ihm zeigen, wie das ewige Leben, wie Karma den großen Ausgleich im geistigen Leben nach sich zieht. Sie muß ihm mancherlei zeigen, diese Geisteswissenschaft. Sie kann ihm nicht die Seligkeiten hinter den Kulissen des Lebens zeigen, ohne ihm zu gleicher Zeit die furchtbaren Mächte zu zeigen, die Feinde, die dahinter lauern. Das ist durchaus wahr. Aber sie zeigt ihm auch, wie er eine jegliche Furcht überwinden kann vor diesen seinen Feinden. Sie zeigt ihm, wie er sich mit freiem, kühnem Auge alledem gegenüberstellen kann. Sie lehrt ihn, objektiv, unbefangen zu werden, wenn er geduldig sich ihrer Erziehung überläßt. Es kommen aber viele mit den gewöhnlichen Gefühlen unserer heutigen Zeitströmungen zur 'Theosophie. Auf sie wirkt manchmal dasjenige, was sie da hören, wie etwas sie tief Niederdrückendes, wie etwas, was sie furchtbar in der Seele angreift, weil sie infolge ihrer materialistischen Denkweise Lebensangst und Lebensfurcht haben. Das ist die Unreife, die sehr viele Leute in die Theosophie hereinbringen und die erst nach und nach, durch das theosophische Wirken selber wird überwunden werden können. Wiederum ist nicht die Theosophie oder die Geheimwissenschaft daran schuld. Sie tut das ihrige, um die Menschen nicht zu stark zu schockieren. Denn würde sie über manches dem Menschen sehr Naheliegendes die ganze, volle Wahrheit enthüllen, würde sie sagen, wie sich die Angstmeier von den Furchtlosen scheiden, und wie groß die Zahl auf der einen und die Zahl auf der anderen Seite ist, so würden manche schockiert sein.
[ 21 ] Zu jener Überwindung der Todesfurcht, zu jenem kühnen dem Tode Ins-Angesicht-Schauen kommt der Mensch nur, wenn er weiß, daß ein unsterblicher ewiger Kern in seinem Innern ist, für den der Tod nur eine Umwandlung des Lebens ist, eine Anderung der Lebensform. Sobald der Mensch den unsterblichen Kern in sich selber findet durch die Geheimwissenschaft, erzieht er sich mehr und mehr zur Überwindung aller solcher Gefühle, zuletzt auch zur Überwindung dessen, was man Todesfurcht nennt. Je materialistischer aber der Mensch wird, desto todesfürchtiger wird er. Keine Geheimwissenschaft kann den Menschen davor schützen, das Wahrhafte zu sehen hinter den Kulissen. Sie muß ihm zeigen, wie das ewige Leben, wie Karma den großen Ausgleich im geistigen Leben nach sich zieht. Sie muß ihm mancherlei zeigen, diese Geisteswissenschaft. Sie kann ihm nicht die Seligkeiten hinter den Kulissen des Lebens zeigen, ohne ihm zu gleicher Zeit die furchtbaren Mächte zu zeigen, die Feinde, die dahinter lauern. Das ist durchaus wahr. Aber sie zeigt ihm auch, wie er eine jegliche Furcht überwinden kann vor diesen seinen Feinden. Sie zeigt ihm, wie er sich mit freiem, kühnem Auge alledem gegenüberstellen kann. Sie lehrt ihn, objektiv, unbefangen zu werden, wenn er geduldig sich ihrer Erziehung überläßt. Es kommen aber viele mit den gewöhnlichen Gefühlen unserer heutigen Zeitströmungen zur 'Theosophie. Auf sie wirkt manchmal dasjenige, was sie da hören, wie etwas sie tief Niederdrückendes, wie etwas, was sie furchtbar in der Seele angreift, weil sie infolge ihrer materialistischen Denkweise Lebensangst und Lebensfurcht haben. Das ist die Unreife, die sehr viele Leute in die Theosophie hereinbringen und die erst nach und nach, durch das theosophische Wirken selber wird überwunden werden können. Wiederum ist nicht die Theosophie oder die Geheimwissenschaft daran schuld. Sie tut das ihrige, um die Menschen nicht zu stark zu schockieren. Denn würde sie über manches dem Menschen sehr Naheliegendes die ganze, volle Wahrheit enthüllen, würde sie sagen, wie sich die Angstmeier von den Furchtlosen scheiden, und wie groß die Zahl auf der einen und die Zahl auf der anderen Seite ist, so würden manche schockiert sein.
[ 22 ] Aber auch manches andere bringen die unreifen Menschen unreif an die theosophische Bewegung heran, indem sie gewisse Begriffe, die in der Theosophie gegeben werden, und die aus der Geheimwissenschaft stammen, einfach übersetzen in die gewöhnliche heutige Trivialsprache. So sonderbar es klingt, hier liegt manchmal eine große Gefahr in den Beziehungen zwischen der Theosophie und unserer heutigen Zeitgenossenschaft. So wird von unreifen Theosophen und von solchen, die äußerlich an die Theosophie herankommen, immer wieder gesagt, die erste Anforderung sei, selbstlos zu werden, allen Egoismus zu überwinden. Manche Leute glauben, daß, wenn sie einem etwas recht Theosophisches sagen wollen, sie niemals genug versichern können: Alles was ich tue, will und möchte, das ist ganz selbstlos gemeint. Ich will nur für die anderen Menschen wirken. — Sie ahnen meist nicht, wie egoistisch dieser Glaube ist. Wahr ist es, daß durch die Bekanntschaft mit den Wahrheiten der Geheimwissenschaft der Mensch allmählich wirklich zu dem kommt, was so schön angedeutet ist in dem Goethe-Wort: «Von der Gewalt, die alle Wesen bindet, befreit der Mensch sich, der sich überwindet.» Wahr ist es, aber es gehört fast alles, was die Geheimwissenschaft bieten kann, ihr Höchstes und ihr Tiefstes, dazu, um dieses Ideal zu erreichen. Es wird am besten dann erreicht, wenn man möglichst wenig davon spricht und es möglichst direkt erstrebt.
[ 22 ] Aber auch manches andere bringen die unreifen Menschen unreif an die theosophische Bewegung heran, indem sie gewisse Begriffe, die in der Theosophie gegeben werden, und die aus der Geheimwissenschaft stammen, einfach übersetzen in die gewöhnliche heutige Trivialsprache. So sonderbar es klingt, hier liegt manchmal eine große Gefahr in den Beziehungen zwischen der Theosophie und unserer heutigen Zeitgenossenschaft. So wird von unreifen Theosophen und von solchen, die äußerlich an die Theosophie herankommen, immer wieder gesagt, die erste Anforderung sei, selbstlos zu werden, allen Egoismus zu überwinden. Manche Leute glauben, daß, wenn sie einem etwas recht Theosophisches sagen wollen, sie niemals genug versichern können: Alles was ich tue, will und möchte, das ist ganz selbstlos gemeint. Ich will nur für die anderen Menschen wirken. — Sie ahnen meist nicht, wie egoistisch dieser Glaube ist. Wahr ist es, daß durch die Bekanntschaft mit den Wahrheiten der Geheimwissenschaft der Mensch allmählich wirklich zu dem kommt, was so schön angedeutet ist in dem Goethe-Wort: «Von der Gewalt, die alle Wesen bindet, befreit der Mensch sich, der sich überwindet.» Wahr ist es, aber es gehört fast alles, was die Geheimwissenschaft bieten kann, ihr Höchstes und ihr Tiefstes, dazu, um dieses Ideal zu erreichen. Es wird am besten dann erreicht, wenn man möglichst wenig davon spricht und es möglichst direkt erstrebt.
[ 23 ] Diejenigen sind am wenigsten selbstlos, die am meisten der Selbstlosigkeit sich rühmen, wie diejenigen gewöhnlich die Unwahrsten sind, die nach jedem dritten Satz das Wort «wahrhaftig» im Munde führen. Auch dem liegt ein tiefes Gesetz zugrunde im Okkultismus. Zuerst handelt es sich darum, tiefer und tiefer in die wirklichen Wahrheiten und Erkenntnisse der Geheimwissenschaft einzudringen, und nicht solche Ideale sich vorzusetzen, wie: Du sollst dein Ich überwinden. — Mit einer solchen Phrase ist gar nichts getan. Es ist nichts getan, wenn zum Beispiel ein Ofen hier steht und ich sage zu ihm: Du sollst ein braver Ofen sein, du mußt das Zimmer warm machen. — Sie können ihn streicheln und liebevoll behandeln, aber damit ist nichts getan. Erst wenn Sie dem Ofen Holz geben, wird er heizen. $o nützt es auch gar nichts, der Welt Tugend, Selbstlosigkeit, Freiheit zu predigen. Das Richtige ist, einzuheizen, dem Menschen Heizmaterial zu geben; und das Heizmaterial sind die geheimwissenschaftlichen Wahrheiten. Wie das Holz und die Kohlen den Ofen warm machen, so machen die wirklichen geheimwissenschaftlichen Wahrheiten den Menschen nach und nach selbstlos. Und warum? Weil sie in vielem das Interesse abziehen von dem kleinen Punkte, den man das Ich nennt. Die theosophischen oder geheimwissenschaftlichen Wahrheiten sind so groß, so mächtig und bedeutsam, nehmen uns so stark in Anspruch, daß wir uns nach und nach als Einzelpersönlichkeit höchst uninteressant vorkommen. Man lernt erst, wie uninteressant die Einzelpersönlichkeit ist. Dieses Lernen, wie uninteressant die einzelne menschliche Persönlichkeit ist, dieses Lernen an sich selbst, wenn es herbeigeführt wird durch das Heizmaterial der geheimwissenschaftlichen Wahrheiten, das führt den Menschen erst zur Befreiung vom Egoismus.
[ 23 ] Diejenigen sind am wenigsten selbstlos, die am meisten der Selbstlosigkeit sich rühmen, wie diejenigen gewöhnlich die Unwahrsten sind, die nach jedem dritten Satz das Wort «wahrhaftig» im Munde führen. Auch dem liegt ein tiefes Gesetz zugrunde im Okkultismus. Zuerst handelt es sich darum, tiefer und tiefer in die wirklichen Wahrheiten und Erkenntnisse der Geheimwissenschaft einzudringen, und nicht solche Ideale sich vorzusetzen, wie: Du sollst dein Ich überwinden. — Mit einer solchen Phrase ist gar nichts getan. Es ist nichts getan, wenn zum Beispiel ein Ofen hier steht und ich sage zu ihm: Du sollst ein braver Ofen sein, du mußt das Zimmer warm machen. — Sie können ihn streicheln und liebevoll behandeln, aber damit ist nichts getan. Erst wenn Sie dem Ofen Holz geben, wird er heizen. $o nützt es auch gar nichts, der Welt Tugend, Selbstlosigkeit, Freiheit zu predigen. Das Richtige ist, einzuheizen, dem Menschen Heizmaterial zu geben; und das Heizmaterial sind die geheimwissenschaftlichen Wahrheiten. Wie das Holz und die Kohlen den Ofen warm machen, so machen die wirklichen geheimwissenschaftlichen Wahrheiten den Menschen nach und nach selbstlos. Und warum? Weil sie in vielem das Interesse abziehen von dem kleinen Punkte, den man das Ich nennt. Die theosophischen oder geheimwissenschaftlichen Wahrheiten sind so groß, so mächtig und bedeutsam, nehmen uns so stark in Anspruch, daß wir uns nach und nach als Einzelpersönlichkeit höchst uninteressant vorkommen. Man lernt erst, wie uninteressant die Einzelpersönlichkeit ist. Dieses Lernen, wie uninteressant die einzelne menschliche Persönlichkeit ist, dieses Lernen an sich selbst, wenn es herbeigeführt wird durch das Heizmaterial der geheimwissenschaftlichen Wahrheiten, das führt den Menschen erst zur Befreiung vom Egoismus.
[ 24 ] Wenn Sie die Dinge von Grund aus betrachten, dann ist der Egoismus überhaupt nicht etwas, was von einem höheren Gesichtspunkte aus nicht einbezogen wäre in die göttliche Weltordnung. Er ist von einem höheren Gesichtspunkte aus etwas sehr Gesundes. Denken Sie sich einmal, wenn viele Menschen unserer Zeit, unserer heutigen Menschheitsentwickelung, nicht aus Egoismus dieses oder jenes unterlassen würden, wenn sie nicht aus Selbstsucht das eine oder das andere nicht tun würden, weil sie rein aus egoistischen Gründen wissen, was es für Folgen bringt —, denken Sie sich, was das für Schädlinge in der Menschheitsentwickelung wären! Wahrlich, die Weltenweisheit hat dem Menschen den Egoismus eingepflanzt, um ihn über eine Entwickelungsstufe hinwegzuführen, um ihn zu packen an dem Selbst, damit er es so bedeutungsvoll und wertvoll mache, wie er es nur machen kann.
[ 24 ] Wenn Sie die Dinge von Grund aus betrachten, dann ist der Egoismus überhaupt nicht etwas, was von einem höheren Gesichtspunkte aus nicht einbezogen wäre in die göttliche Weltordnung. Er ist von einem höheren Gesichtspunkte aus etwas sehr Gesundes. Denken Sie sich einmal, wenn viele Menschen unserer Zeit, unserer heutigen Menschheitsentwickelung, nicht aus Egoismus dieses oder jenes unterlassen würden, wenn sie nicht aus Selbstsucht das eine oder das andere nicht tun würden, weil sie rein aus egoistischen Gründen wissen, was es für Folgen bringt —, denken Sie sich, was das für Schädlinge in der Menschheitsentwickelung wären! Wahrlich, die Weltenweisheit hat dem Menschen den Egoismus eingepflanzt, um ihn über eine Entwickelungsstufe hinwegzuführen, um ihn zu packen an dem Selbst, damit er es so bedeutungsvoll und wertvoll mache, wie er es nur machen kann.
[ 25 ] Es ist eine hohe Wahrheit auf der einen und eine schokkierende Phrase auf der anderen Seite, wenn dem Menschen gesagt wird: Du sollst deine Persönlichkeit hinopfern. — An einem Beispiel will ich es klarmachen, wie es das eine Mal etwas sehr Hohes und das andere Mal etwas Phrasenhaftes sein kann. Denken Sie einmal, Sie stellen einem Menschen, der zehn Pfennig in der Tasche hat, die Zumutung, er soll diese zehn Pfennig hinopfern für irgendeine Sache. Er wird dieses Opfer leicht bringen. Wenn Sie dagegen einem Menschen, der zufällig zwanzigtausend Mark bei sich hat vielleicht sein ganzes Vermögen —, die Zumutung stellen, daß er das, was er bei sich hat, opfern soll, so ist das eine ganz andere Sache. Die Zumutung an jemand, der noch nicht an sich gearbeitet hat, der seine Persönlichkeit noch nicht erhöht hat, noch nicht eine Persönlichkeit genannt werden kann, er solle sich der Persönlichkeit entschlagen, ist etwas ganz anderes als bei dem, der lange an ihr gearbeitet hat, um sie so tüchtig wie nur möglich zu machen. Der eine opfert am Altar der Menschheitsentwickelung ein Genie, der andere einen Dummkopf. Es kommt nicht darauf an, daß man opfert, sondern was man opfert. Um eine Persönlichkeit für die Menschheit in die Schranken schlagen zu können, muß man erst diese Persönlichkeit ausbilden. So ist es das eine Mal eine Phrase, von dem Opfer der Persönlichkeit zu sprechen, das andere Mal ist es eine große, eine bedeutsame Wahrheit. Daher nützt es gar nichts, wenn in theosophischen Büchern die Forderung des Opfers der Persönlichkeit ausgesprochen wird und nicht zu gleicher Zeit gefordert wird: mache die Persönlichkeit so stark, so umfassend wie nur möglich.
[ 25 ] Es ist eine hohe Wahrheit auf der einen und eine schokkierende Phrase auf der anderen Seite, wenn dem Menschen gesagt wird: Du sollst deine Persönlichkeit hinopfern. — An einem Beispiel will ich es klarmachen, wie es das eine Mal etwas sehr Hohes und das andere Mal etwas Phrasenhaftes sein kann. Denken Sie einmal, Sie stellen einem Menschen, der zehn Pfennig in der Tasche hat, die Zumutung, er soll diese zehn Pfennig hinopfern für irgendeine Sache. Er wird dieses Opfer leicht bringen. Wenn Sie dagegen einem Menschen, der zufällig zwanzigtausend Mark bei sich hat vielleicht sein ganzes Vermögen —, die Zumutung stellen, daß er das, was er bei sich hat, opfern soll, so ist das eine ganz andere Sache. Die Zumutung an jemand, der noch nicht an sich gearbeitet hat, der seine Persönlichkeit noch nicht erhöht hat, noch nicht eine Persönlichkeit genannt werden kann, er solle sich der Persönlichkeit entschlagen, ist etwas ganz anderes als bei dem, der lange an ihr gearbeitet hat, um sie so tüchtig wie nur möglich zu machen. Der eine opfert am Altar der Menschheitsentwickelung ein Genie, der andere einen Dummkopf. Es kommt nicht darauf an, daß man opfert, sondern was man opfert. Um eine Persönlichkeit für die Menschheit in die Schranken schlagen zu können, muß man erst diese Persönlichkeit ausbilden. So ist es das eine Mal eine Phrase, von dem Opfer der Persönlichkeit zu sprechen, das andere Mal ist es eine große, eine bedeutsame Wahrheit. Daher nützt es gar nichts, wenn in theosophischen Büchern die Forderung des Opfers der Persönlichkeit ausgesprochen wird und nicht zu gleicher Zeit gefordert wird: mache die Persönlichkeit so stark, so umfassend wie nur möglich.
[ 26 ] Das lernen wir durch ein wirkliches Denken, das seine Wurzeln in der geistigen Welt hat. Diejenige Logik, die nicht einseitige Gesetze hinstellt, sondern weiß, daß jeder Satz wie jede Münze zwei Seiten, vielleicht sogar noch mehr Seiten hat, die von dem, was das Äußere ist, auf das Innere zu schauen lehrt, das ist die wahre Theosophie, und die lehrt oft das, was heute oberflächlich Theosophie genannt wird, gar nicht. Und nur das, was nicht nur oberflächliche, sondern wirkliche Gefahr ist, wird hier Gefahr genannt.
[ 26 ] Das lernen wir durch ein wirkliches Denken, das seine Wurzeln in der geistigen Welt hat. Diejenige Logik, die nicht einseitige Gesetze hinstellt, sondern weiß, daß jeder Satz wie jede Münze zwei Seiten, vielleicht sogar noch mehr Seiten hat, die von dem, was das Äußere ist, auf das Innere zu schauen lehrt, das ist die wahre Theosophie, und die lehrt oft das, was heute oberflächlich Theosophie genannt wird, gar nicht. Und nur das, was nicht nur oberflächliche, sondern wirkliche Gefahr ist, wird hier Gefahr genannt.
[ 27 ] Ich war noch sehr jung, da saß ich einmal mit jemand zusammen, der vor kurzem in einem anderen Lande seinen fünfzigsten Geburtstag gefeiert hatte, und der seinerzeit gemeinschaftliche Interessen mit mir hatte in bezug auf meine Goethe-Studien. Der Mann sagte dazumal, er habe Sorge, unter die Schriftsteller zu gehen. Er war dazumal, obwohl noch verhältnismäßig jung, schon älter als viele, die heute noch schreiben. Er kam auf den Gedanken: Kritiken schreibe ich nicht. Ich will etwas anderes schreiben, denn Kritiken sollte nur der schreiben, der eine große Lebenserfahrung hat; eigentlich müßten nur die Alten kritisieren. — Das war jedenfalls ein sehr guter Einfall von dem Mann. Es besteht nämlich heute in den weitesten Kreisen gar kein Urteil mehr darüber, daß Reife dazu gehört, um auf geistigem Gebiete zu wirken. Je weiter wir hineinwachsen in die Zeiten, desto jünger werden namentlich die Leute, die unter dem sogenannten Strich schreiben, und da gemeiniglich der Leser nicht nachdenkt und eigentlich kein Mittel hat, nachzuforschen, wie jung der ist, der da unter dem Strich schreibt, so hat er keine Ahnung davon, auf was er da hineinfällt. Daß es heute nicht schwer ist, geistreich zu schreiben, das weiß jeder, der mit solchen Dingen überhaupt bekannt ist. Zwar verwundert sich noch mancher, daß der oder jener geistreich schreibt. Ein Mensch, der vielleicht seit seinem fünfzehnten, sechzehnten Jahre sich mit nichts anderem beschäftigt hat, als solches Zeug zu lesen, der das Handwerk also ordentlich gelernt hat, der braucht nur etwas herauszugeben, und er kann durch das Radikale oder Verschwommene seines Urteils furchtbar imponieren. Es ist da möglich, daß ein Mensch das hat, was man in ernster Weise Schwachsinn nennen kann. So sonderbar es klingt: es kann heute jemand schwachsinnig sein und er kann geistreich für die Welt schreiben, so daß er als geistreicher Schriftsteller bewundert werden kann. Dieser Fall ist durchaus möglich. Vor Jahrzehnten ist es schon ein richtiges Urteil gewesen, wenn jemand sagte: Es ist in unserer Zeit nicht schwer, ein gutes Gedicht zu machen; die Kultur dichtet und die Sprache. — Heute gilt das noch mehr, so daß manche Schülerin Zeitungsartikel schreiben kann. Es sind ganz andere Mächte, die da urteilen, die den Menschen benützen für ihre Zwecke. Immer mehr muß die Menschheit dahin kommen, Reife zu fordern von demjenigen, der wahre Urteile haben soll. Wirkliche Reife gehört gerade auch zu der Arbeit auf geisteswissenschaftlichem Gebiet. Daher ist auch erforderlich, daß die, welche Leiter sogenannter Geheimschulen sind, erst in ihren Zirkeln wirken und nicht vor einem Alter von ungefähr fünfunddreißig Jahren vor die Welt treten und geisteswissenschaftliche Wahrheiten hinaustragen. Vorher können sie Urteile aus dem Gebiete der Philosophie in die Welt bringen. Reif aber, um aus dem Geiste zu schöpfen, wird man erst in dem Augenblicke, wo man nicht mehr die geistige Kraft zu verwenden hat auf den Aufbau des Leibes. Solange der Körper im Wachsen ist, müssen die Kräfte, aus denen sich ein logisches Urteil aufbaut, in den Leib hineingehen. Daher kann es möglich sein, daß einem Dichter wirkliche Gedichte gekommen sind vor der Lebensmitte. Der Mensch verkennt aber so leicht, daß, um wirklich in die Tiefe zu dringen, so daß man nicht nur etwas versteht zu seiner eigenen Befriedigung und zu seinem Werden, sondern dazu kommt, unter voller Verantwortung vor die Menschheit hinzutreten und geisteswissenschaftliche Arbeit zu vertreten, die höchste Lebensreife gehört, die nur in einem vorgerückten Lebensalter zu erreichen ist. Um aber theosophische Phrasen zu dreschen, dazu gehört gar keine Reife.
[ 27 ] Ich war noch sehr jung, da saß ich einmal mit jemand zusammen, der vor kurzem in einem anderen Lande seinen fünfzigsten Geburtstag gefeiert hatte, und der seinerzeit gemeinschaftliche Interessen mit mir hatte in bezug auf meine Goethe-Studien. Der Mann sagte dazumal, er habe Sorge, unter die Schriftsteller zu gehen. Er war dazumal, obwohl noch verhältnismäßig jung, schon älter als viele, die heute noch schreiben. Er kam auf den Gedanken: Kritiken schreibe ich nicht. Ich will etwas anderes schreiben, denn Kritiken sollte nur der schreiben, der eine große Lebenserfahrung hat; eigentlich müßten nur die Alten kritisieren. — Das war jedenfalls ein sehr guter Einfall von dem Mann. Es besteht nämlich heute in den weitesten Kreisen gar kein Urteil mehr darüber, daß Reife dazu gehört, um auf geistigem Gebiete zu wirken. Je weiter wir hineinwachsen in die Zeiten, desto jünger werden namentlich die Leute, die unter dem sogenannten Strich schreiben, und da gemeiniglich der Leser nicht nachdenkt und eigentlich kein Mittel hat, nachzuforschen, wie jung der ist, der da unter dem Strich schreibt, so hat er keine Ahnung davon, auf was er da hineinfällt. Daß es heute nicht schwer ist, geistreich zu schreiben, das weiß jeder, der mit solchen Dingen überhaupt bekannt ist. Zwar verwundert sich noch mancher, daß der oder jener geistreich schreibt. Ein Mensch, der vielleicht seit seinem fünfzehnten, sechzehnten Jahre sich mit nichts anderem beschäftigt hat, als solches Zeug zu lesen, der das Handwerk also ordentlich gelernt hat, der braucht nur etwas herauszugeben, und er kann durch das Radikale oder Verschwommene seines Urteils furchtbar imponieren. Es ist da möglich, daß ein Mensch das hat, was man in ernster Weise Schwachsinn nennen kann. So sonderbar es klingt: es kann heute jemand schwachsinnig sein und er kann geistreich für die Welt schreiben, so daß er als geistreicher Schriftsteller bewundert werden kann. Dieser Fall ist durchaus möglich. Vor Jahrzehnten ist es schon ein richtiges Urteil gewesen, wenn jemand sagte: Es ist in unserer Zeit nicht schwer, ein gutes Gedicht zu machen; die Kultur dichtet und die Sprache. — Heute gilt das noch mehr, so daß manche Schülerin Zeitungsartikel schreiben kann. Es sind ganz andere Mächte, die da urteilen, die den Menschen benützen für ihre Zwecke. Immer mehr muß die Menschheit dahin kommen, Reife zu fordern von demjenigen, der wahre Urteile haben soll. Wirkliche Reife gehört gerade auch zu der Arbeit auf geisteswissenschaftlichem Gebiet. Daher ist auch erforderlich, daß die, welche Leiter sogenannter Geheimschulen sind, erst in ihren Zirkeln wirken und nicht vor einem Alter von ungefähr fünfunddreißig Jahren vor die Welt treten und geisteswissenschaftliche Wahrheiten hinaustragen. Vorher können sie Urteile aus dem Gebiete der Philosophie in die Welt bringen. Reif aber, um aus dem Geiste zu schöpfen, wird man erst in dem Augenblicke, wo man nicht mehr die geistige Kraft zu verwenden hat auf den Aufbau des Leibes. Solange der Körper im Wachsen ist, müssen die Kräfte, aus denen sich ein logisches Urteil aufbaut, in den Leib hineingehen. Daher kann es möglich sein, daß einem Dichter wirkliche Gedichte gekommen sind vor der Lebensmitte. Der Mensch verkennt aber so leicht, daß, um wirklich in die Tiefe zu dringen, so daß man nicht nur etwas versteht zu seiner eigenen Befriedigung und zu seinem Werden, sondern dazu kommt, unter voller Verantwortung vor die Menschheit hinzutreten und geisteswissenschaftliche Arbeit zu vertreten, die höchste Lebensreife gehört, die nur in einem vorgerückten Lebensalter zu erreichen ist. Um aber theosophische Phrasen zu dreschen, dazu gehört gar keine Reife.
[ 28 ] Das ist das Eigentümliche bei den höchsten Dingen, daß, sollen sie gründlich bearbeitet werden, Reife dazu gehört. Sie können aber, weil sie auch als Phrase leicht sich einleben, weil viele gar nicht in der Lage sind, die Tiefe einzusehen, sondern bei der Phrase bleiben, auch als Phrase betrieben werden. Alles, was in der Theosophie verbreitet werden kann, kann ernst und tief im höchsten Maße sein, kann eine Kraft des Lebens sein. Wird sie aber zum Gegenteil verkehrt, so kann es die wüsteste Phrase sein. Deshalb erleben wir es gerade auf diesem Felde so sehr, daß Phrase über Phrase blüht, und daß gerade das Unreife, das Unreifste fort und fort wirkt. Dabei schadet der, welcher das Unreife vertritt, mehr noch sich selbst als der Welt. Die Welt wird wiederum auswerfen, was von dieser Seite kommt. Engagieren Sie sich in dieser Richtung, dann setzen Sie sich selbst vor Ihre weitere Entwickelung. Sie kommen nicht vorwärts. Es ist eben so, daß der, welcher auf geisteswissenschaftlichem Gebiete nach außen wirkt, ein Opfer bringt. Etwas anderes ist es, wenn die Geisteswissenschaft wie ein Geheimnis in der jungfräulichen Seele gehütet wird, als wenn sie hinausgeworfen wird in die Welt. Es gilt da, was von dem Schatzgräber gesagt wird: Er muß schweigsam sein. Wird ein Wort gesprochen, dann ist der Schatz nicht zu erreichen. So werden auch die Tiefen der höheren Welt um so besser erreicht, je mehr man schweigen kann. Für den, der diese Dinge begriffen hat, gibt es überhaupt kein Reden, wenn er nicht dazu gezwungen wird, wenn die Welt es ihm nicht abfordert. Unaufgefordert soll niemand reden. Es braucht die Forderung nicht von da oder dorther zu kommen, es kann diese Forderung von unsichtbaren, von übersinnlichen Mächten kommen.
[ 28 ] Das ist das Eigentümliche bei den höchsten Dingen, daß, sollen sie gründlich bearbeitet werden, Reife dazu gehört. Sie können aber, weil sie auch als Phrase leicht sich einleben, weil viele gar nicht in der Lage sind, die Tiefe einzusehen, sondern bei der Phrase bleiben, auch als Phrase betrieben werden. Alles, was in der Theosophie verbreitet werden kann, kann ernst und tief im höchsten Maße sein, kann eine Kraft des Lebens sein. Wird sie aber zum Gegenteil verkehrt, so kann es die wüsteste Phrase sein. Deshalb erleben wir es gerade auf diesem Felde so sehr, daß Phrase über Phrase blüht, und daß gerade das Unreife, das Unreifste fort und fort wirkt. Dabei schadet der, welcher das Unreife vertritt, mehr noch sich selbst als der Welt. Die Welt wird wiederum auswerfen, was von dieser Seite kommt. Engagieren Sie sich in dieser Richtung, dann setzen Sie sich selbst vor Ihre weitere Entwickelung. Sie kommen nicht vorwärts. Es ist eben so, daß der, welcher auf geisteswissenschaftlichem Gebiete nach außen wirkt, ein Opfer bringt. Etwas anderes ist es, wenn die Geisteswissenschaft wie ein Geheimnis in der jungfräulichen Seele gehütet wird, als wenn sie hinausgeworfen wird in die Welt. Es gilt da, was von dem Schatzgräber gesagt wird: Er muß schweigsam sein. Wird ein Wort gesprochen, dann ist der Schatz nicht zu erreichen. So werden auch die Tiefen der höheren Welt um so besser erreicht, je mehr man schweigen kann. Für den, der diese Dinge begriffen hat, gibt es überhaupt kein Reden, wenn er nicht dazu gezwungen wird, wenn die Welt es ihm nicht abfordert. Unaufgefordert soll niemand reden. Es braucht die Forderung nicht von da oder dorther zu kommen, es kann diese Forderung von unsichtbaren, von übersinnlichen Mächten kommen.
[ 29 ] So kann man sagen: Weil unsere Zeit so wenig geeignet ist, über das Reife und Unreife richtig zu denken, bildet sich so etwas wie Theosophie. Sie kann das Höchste sein; in ihrer Verkehrung aber ist sie ein Zerrbild und eine Ge fahr. Das ist nicht ihre Schuld. Sie wird nach und nach das richtige Urteil an die Stelle des grotesk-falschen Urteils setzen in bezug auf die Reife und Unreife. Niemand darf sich wundern, daß dies so ist. Sollte er sich wundern, dann sollte er sich auch wundern darüber, daß da, wo großes starkes Licht ist, auch starke schwarze Schatten sind. Wo minder starkes Licht ist, sind auch nur geringe Schatten. Die Theosophie wirft unter Umständen schwarze Schatten; das ist nur ein Beweis dafür, daß sie ein starkes Licht sein soll. Überall, wo man von den sogenannten Gefahren spricht, muß man sich darüber klar sein, daß gegen die große Gefahr einfach dadurch ein Schutzwall da ist, daß kein wirklicher Lehrer auf diesem Gebiete die Menschen dieser ernsten, großen Gefahr aussetzen wird, und daß alles dasjenige, was aussieht wie eine Gefahr, nicht aus der Theosophie und der Geheimwissenschaft, sondern aus dem kommt, was ihr entgegentritt. Wenn man das weiß, wird man ruhig sein, auch wenn scheinbar schlechte und schlimme Wirkungen auftreten. Auch diese können kommen. Man kann es erleben, daß Menschen, solange sie der Theosophie fernstehen, leidlich anständige Menschen sind. Wenn sie zur Theosophie kommen, werden sie eitel, ehrgeizig, hochmütig. Warum? Aus einem sehr einfachen Grunde. Solange ein Mensch nur wenig über das, was seine Umgebung urteilt, hinausragt, kann er nicht sonderlich gut, aber auch nicht sonderlich böse sein. Wenn er aber an Ursprüngliches kommt, dann steigt die Möglichkeit des Gutseins; aber auch die Möglichkeit des Böseseins schlägt auf der anderen Seite ein.
[ 29 ] So kann man sagen: Weil unsere Zeit so wenig geeignet ist, über das Reife und Unreife richtig zu denken, bildet sich so etwas wie Theosophie. Sie kann das Höchste sein; in ihrer Verkehrung aber ist sie ein Zerrbild und eine Ge fahr. Das ist nicht ihre Schuld. Sie wird nach und nach das richtige Urteil an die Stelle des grotesk-falschen Urteils setzen in bezug auf die Reife und Unreife. Niemand darf sich wundern, daß dies so ist. Sollte er sich wundern, dann sollte er sich auch wundern darüber, daß da, wo großes starkes Licht ist, auch starke schwarze Schatten sind. Wo minder starkes Licht ist, sind auch nur geringe Schatten. Die Theosophie wirft unter Umständen schwarze Schatten; das ist nur ein Beweis dafür, daß sie ein starkes Licht sein soll. Überall, wo man von den sogenannten Gefahren spricht, muß man sich darüber klar sein, daß gegen die große Gefahr einfach dadurch ein Schutzwall da ist, daß kein wirklicher Lehrer auf diesem Gebiete die Menschen dieser ernsten, großen Gefahr aussetzen wird, und daß alles dasjenige, was aussieht wie eine Gefahr, nicht aus der Theosophie und der Geheimwissenschaft, sondern aus dem kommt, was ihr entgegentritt. Wenn man das weiß, wird man ruhig sein, auch wenn scheinbar schlechte und schlimme Wirkungen auftreten. Auch diese können kommen. Man kann es erleben, daß Menschen, solange sie der Theosophie fernstehen, leidlich anständige Menschen sind. Wenn sie zur Theosophie kommen, werden sie eitel, ehrgeizig, hochmütig. Warum? Aus einem sehr einfachen Grunde. Solange ein Mensch nur wenig über das, was seine Umgebung urteilt, hinausragt, kann er nicht sonderlich gut, aber auch nicht sonderlich böse sein. Wenn er aber an Ursprüngliches kommt, dann steigt die Möglichkeit des Gutseins; aber auch die Möglichkeit des Böseseins schlägt auf der anderen Seite ein.
[ 30 ] Was hier schon beim gewöhnlichen Theosophen auftritt, das kann um so mehr beim Schüler auftreten. Bei ihm treten die Fehler, die auf dem Grunde seines Wesens vorhanden sind, wenn er sein freies Urteil gewinnen muß — und das muß er gewinnen —, mit großer Deutlichkeit auf. Aber das ist notwendig. Will sich jemand rascher entwickeln, dann mag von heute auf morgen eine ganze Summe von schlechten Eigenschaften bei ihm herauskommen. Diese Eigenschaften hätten sich vielleicht auf sechzig Jahre verteilt. Wenn man etwas in einer großen Wassermasse auflöst, so sieht man nichts von der Farbe; in einem 'Tropfen mag es sehr gefärbt erscheinen. So ist es auch bei dem Schüler. Was in einigen Tagen herauskommen soll, das wird auffällig. Wenn aber etwas sechzig Jahre Zeit hat zum Ausleben, dann merkt man nichts davon. Ja, in der Geheimwissenschaft selber kommt mancher Hochmutsteufel zum Vorschein. Recht bald mußte man erleben, daß Menschen, die an sich nicht hochmütig sind, mit Wünschen an einen herankommen. Sie kommen dann an und sagen: Ich will anfangen, Schüler zu sein und möglichst schnell Adept werden. — Man hört das gar nicht so selten. Es ist etwas, was Erfahrung ist, daß der Hochmutsteufel jemand packt. Gegenüber dem Großen werden sie oft am hochmütigsten, und sie verstehen dann schwer, daß dieses Gefühl das größte Hindernis für ihre weitere Entwickelung ist, und daß das beste für die Weiterentwickelung darin besteht, daß man sich dieses Gefühls, des Hochmuts, entschlägt. — Aber das hängt auch damit zusammen, daß wir starke Lacher und auch starke Schwätzer sind.
[ 30 ] Was hier schon beim gewöhnlichen Theosophen auftritt, das kann um so mehr beim Schüler auftreten. Bei ihm treten die Fehler, die auf dem Grunde seines Wesens vorhanden sind, wenn er sein freies Urteil gewinnen muß — und das muß er gewinnen —, mit großer Deutlichkeit auf. Aber das ist notwendig. Will sich jemand rascher entwickeln, dann mag von heute auf morgen eine ganze Summe von schlechten Eigenschaften bei ihm herauskommen. Diese Eigenschaften hätten sich vielleicht auf sechzig Jahre verteilt. Wenn man etwas in einer großen Wassermasse auflöst, so sieht man nichts von der Farbe; in einem 'Tropfen mag es sehr gefärbt erscheinen. So ist es auch bei dem Schüler. Was in einigen Tagen herauskommen soll, das wird auffällig. Wenn aber etwas sechzig Jahre Zeit hat zum Ausleben, dann merkt man nichts davon. Ja, in der Geheimwissenschaft selber kommt mancher Hochmutsteufel zum Vorschein. Recht bald mußte man erleben, daß Menschen, die an sich nicht hochmütig sind, mit Wünschen an einen herankommen. Sie kommen dann an und sagen: Ich will anfangen, Schüler zu sein und möglichst schnell Adept werden. — Man hört das gar nicht so selten. Es ist etwas, was Erfahrung ist, daß der Hochmutsteufel jemand packt. Gegenüber dem Großen werden sie oft am hochmütigsten, und sie verstehen dann schwer, daß dieses Gefühl das größte Hindernis für ihre weitere Entwickelung ist, und daß das beste für die Weiterentwickelung darin besteht, daß man sich dieses Gefühls, des Hochmuts, entschlägt. — Aber das hängt auch damit zusammen, daß wir starke Lacher und auch starke Schwätzer sind.
[ 31 ] So habe ich über die Gefahren der Geheimwissenschaft gesprochen. Ich habe Ihnen nicht verhehlt, daß es solche Fälle gibt, ich habe auch versucht, zu zeigen, wo eigentlich die gefährlicheren Fälle solcher Gefahren liegen. Das sahen wir gerade im Laufe dieses Zyklus, wo diese Gefahren sind. Heute sollte nur im allgemeinen hingewiesen werden auf das, was man überall in der 'Theosophie und in der ihr zugrunde liegenden Geheimwissenschaft findet. Wer die Geheimwissenschaft sucht, wird nicht durch die Gefahren von ihr abgehalten werden, sondern er wird das Heil, die Gesundung der Seele gerade in der Geheimwissenschaft finden. Er weiß, daß sie nicht Schaden verursacht, daß sie nicht Gefahren bringt, sondern daß sie Schäden aufdeckt und Gefahren zeigt da, wo sie sonst auch vorhanden sind, und wo sie weiterfressen würden, wenn sie nicht in die Gesundung geführt werden. Daher darf durch diese sogenannte Gefahr sich niemand abhalten lassen, einzudringen in die Gebiete, die wir das Geistige nennen müssen. Wie durch alle anderen Betrachtungen und Gesichtspunkte werden wir auch hier dazu geführt, uns immer mehr klar zu werden, daß für den Menschen, der die in ihm schlummerndenKräfte und Fähigkeiten entwickeln will, es keine Abhaltung gibt, einzudringen in die Natur. Denn, was materiell ist, ist Offenbarung des Geistes. Und wie um uns herum die Wesen sind, die wir als furchtbare Wesen gewahr werden können, wenn wir in sie hineinsehen, so sind sie auch in der Natur. Nur dadurch, daß der Mensch seine Augen verschließt, entzieht er sich dieser Tatsache. Diejenigen, welche etwas gewußt haben von der Geheimwissenschaft, wissen das auch.
[ 31 ] So habe ich über die Gefahren der Geheimwissenschaft gesprochen. Ich habe Ihnen nicht verhehlt, daß es solche Fälle gibt, ich habe auch versucht, zu zeigen, wo eigentlich die gefährlicheren Fälle solcher Gefahren liegen. Das sahen wir gerade im Laufe dieses Zyklus, wo diese Gefahren sind. Heute sollte nur im allgemeinen hingewiesen werden auf das, was man überall in der 'Theosophie und in der ihr zugrunde liegenden Geheimwissenschaft findet. Wer die Geheimwissenschaft sucht, wird nicht durch die Gefahren von ihr abgehalten werden, sondern er wird das Heil, die Gesundung der Seele gerade in der Geheimwissenschaft finden. Er weiß, daß sie nicht Schaden verursacht, daß sie nicht Gefahren bringt, sondern daß sie Schäden aufdeckt und Gefahren zeigt da, wo sie sonst auch vorhanden sind, und wo sie weiterfressen würden, wenn sie nicht in die Gesundung geführt werden. Daher darf durch diese sogenannte Gefahr sich niemand abhalten lassen, einzudringen in die Gebiete, die wir das Geistige nennen müssen. Wie durch alle anderen Betrachtungen und Gesichtspunkte werden wir auch hier dazu geführt, uns immer mehr klar zu werden, daß für den Menschen, der die in ihm schlummerndenKräfte und Fähigkeiten entwickeln will, es keine Abhaltung gibt, einzudringen in die Natur. Denn, was materiell ist, ist Offenbarung des Geistes. Und wie um uns herum die Wesen sind, die wir als furchtbare Wesen gewahr werden können, wenn wir in sie hineinsehen, so sind sie auch in der Natur. Nur dadurch, daß der Mensch seine Augen verschließt, entzieht er sich dieser Tatsache. Diejenigen, welche etwas gewußt haben von der Geheimwissenschaft, wissen das auch.
[ 32 ] Goethe hörte schon in seiner Jugend manchen Einwand gegen das Eindringen in das Innere der Dinge. Er hörte die Worte des Naturforschers Haller, der sagte: «Ins Innere der Natur dringt kein erschaffner Geist. Glückselig, wem sie nur die äußere Schale weist.» Goethe, der sich hineinzuschauen getraute, wußte, daß der Mensch fähig ist, überall in das Wesen der Natur einzudringen. Daher war er immer wieder dazu gedrängt, zu sagen:
[ 32 ] Goethe hörte schon in seiner Jugend manchen Einwand gegen das Eindringen in das Innere der Dinge. Er hörte die Worte des Naturforschers Haller, der sagte: «Ins Innere der Natur dringt kein erschaffner Geist. Glückselig, wem sie nur die äußere Schale weist.» Goethe, der sich hineinzuschauen getraute, wußte, daß der Mensch fähig ist, überall in das Wesen der Natur einzudringen. Daher war er immer wieder dazu gedrängt, zu sagen:
Müsset im Naturbetrachten
Immer eins wie alles achten.
Nichts ist drinnen, nichts ist draußen,
Denn was innen, das ist außen...
Müsset im Naturbetrachten
Immer eins wie alles achten.
Nichts ist drinnen, nichts ist draußen,
Denn was innen, das ist außen...
[ 33 ] Und in seiner eigentümlichen Art hat Goethe noch im hohen Alter gegen diesen Ausspruch sich gewendet, der das menschliche Erkenntnisvermögen begrenzt. Er hat dagegen protestiert mit den Worten, die gerade geeignet sind, eine Seele auf das Praktisch-Wirkende der theosophischen Weltanschauung hinzuweisen. Goethe hat darauf hingewiesen, indem er in hohem Alter an die Worte Hallers erinnerte:
[ 33 ] Und in seiner eigentümlichen Art hat Goethe noch im hohen Alter gegen diesen Ausspruch sich gewendet, der das menschliche Erkenntnisvermögen begrenzt. Er hat dagegen protestiert mit den Worten, die gerade geeignet sind, eine Seele auf das Praktisch-Wirkende der theosophischen Weltanschauung hinzuweisen. Goethe hat darauf hingewiesen, indem er in hohem Alter an die Worte Hallers erinnerte:
ALLERDINGS
Dem Physiker
«Ins Innre der Natur»
O du Philister! —
«Dringt kein erschaffner Geist.»
Mich und Geschwister
Mögt ihr an solches Wort
Nur nicht erinnern!
Wir denken: Ort für Ort
Sind wir im Innern.
«Glückselig, wem sie nur
Die äußre Schale weist!»
Das hör’ ich sechzig Jahre wiederholen,
Ich fluche drauf, aber verstohlen;
Sage mir tausend tausendmale:
Alles gibt sie reichlich und gern;
Natur hat weder Kern
Noch Schale,
Alles ist sie mit einemmale.
Dich prüfe du nur allermeist,
Ob du Kern oder Schale seist.
ALLERDINGS
Dem Physiker
«Ins Innre der Natur»
O du Philister! —
«Dringt kein erschaffner Geist.»
Mich und Geschwister
Mögt ihr an solches Wort
Nur nicht erinnern!
Wir denken: Ort für Ort
Sind wir im Innern.
«Glückselig, wem sie nur
Die äußre Schale weist!»
Das hör’ ich sechzig Jahre wiederholen,
Ich fluche drauf, aber verstohlen;
Sage mir tausend tausendmale:
Alles gibt sie reichlich und gern;
Natur hat weder Kern
Noch Schale,
Alles ist sie mit einemmale.
Dich prüfe du nur allermeist,
Ob du Kern oder Schale seist.
