Where and how can one find the Spirit?
GA 57
14 January 1909, Berlin
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Where and how can one find the Spirit?, tr. SOL
8. Gesundheitsfragen im Lichte der Geisteswissenschaft
8. Health Issues in the Light of the Humanities
[ 1 ] Das Thema, das uns heute beschäftigen soll, schließt eine Anzahl von Fragen ein, die den Menschen mit Recht auf das allertiefste interessieren. Die Fragen nach der Gesundheit sind ja solche, die zusammenhängen mit alledem, was den Menschen lebenstüchtig macht, mit alledem, was ihm verhilft, seine Bestimmung in der Welt ungehemmt zu erfüllen, und es ist deshalb die Gesundheit gewiß für die meisten Menschen, in dem richtigen Lichte gesehen, etwas, das sie sozusagen anstreben, wie man äußere Güter anstrebt. Aber die Gesundheit ist auch als ein inneres Gut zu betrachten, wie die äußeren Güter zunächst nicht um ihrer selbst willen von dem gesund denkenden Menschen angestrebt werden, sondern als Mittel der Arbeit, als Mittel seines Wirkens und Schaffens. Daher können wir es wohl erklären, daß der Drang, die Sehnsucht, sich Aufklärung zu verschaffen über die Rätsel und Fragen des gesunden und kranken Lebens, insbesondere in unserer Gegenwart so tiefgehend sind. Allerdings ist im allgemeinen Denken jene Gesinnung wenig verbreitet, die geeignet ist, den Menschen empfänglich zu machen gerade für diejenigen Antworten, die man braucht, wenn man solche Fragen lösen will, welche so innig mit dem ganzen Wesen des Menschen zusammenhängen.
[ 1 ] The topic we are to address today encompasses a number of questions that rightly interest people to the very core. Questions of health are, after all, those related to everything that enables people to live fully, to everything that helps them fulfill their purpose in the world without hindrance; and therefore, when viewed in the proper light, health is certainly, for most people, something they strive for, so to speak, just as one strives for external goods. But health must also be regarded as an inner good, just as external goods are not, at first, sought by the sound-minded person for their own sake, but as a means of work, as a means of action and creation. We can therefore well explain why the urge, the longing to gain insight into the mysteries and questions of healthy and diseased life is so profound, especially in our present age. However, the mindset that is most likely to make people receptive to precisely those answers needed to resolve such questions—which are so intimately connected with the very essence of human beings—is not widely prevalent in general thinking.
[ 2 ] Es soll auch heute, wie schon einmal bei einer ähnlichen Gelegenheit, an einen alten Ausspruch erinnert werden, der manchem einfällt, wenn von Gesundheit und Krankheit gesprochen wird, an den Ausspruch: Es gibt so viele Krankheiten und nur eine einzige Gesundheit! — Dieser Ausspruch erscheint im Grunde genommen manchen so selbstverständlich als möglich, und dennoch ist er ein Irrtum, ein Irrtum im eminenten Sinne des Wortes, denn es gibt nicht bloß eine Gesundheit, sondern so viele Gesundheiten, wie es Menschen gibt. Das ist es gerade, was wir in unsere Gesinnung aufnehmen müssen, wenn wir die Fragen nach dem Gesunden und Kranken im richtigen Lichte sehen wollen. Wir müssen in unsere Gesinnung aufnehmen, daß der Mensch ein individuelles Wesen ist, daß jeder Mensch anders beschaffen ist als der andere, und daß das, was dem einen heilsam und für den anderen schädlich und krankmachend sein kann, ganz abhängt von seiner individuellen Beschaffenheit.
[ 2 ] Today, as on a similar occasion in the past, we should recall an old saying that comes to mind for many when speaking of health and illness: “There are so many illnesses, but only one kind of health!” — To some, this saying seems, in essence, as self-evident as possible, and yet it is a fallacy—a fallacy in the truest sense of the word—for there is not just one form of health, but as many forms of health as there are people. This is precisely what we must take to heart if we wish to view the questions of health and illness in the proper light. We must accept that human beings are individual beings, that every person is different from the next, and that what may be beneficial to one person but harmful and disease-inducing to another depends entirely on that person’s individual constitution.
[ 3 ] Daß diese Gesichtspunkte nicht so weitverbreitet sind, das zeigt eine Erfahrung, die jeder von uns täglich machen kann. Da fehlt einem dies oder jenes. Die Mutter erfährt es oder nimmt es wahr; sie erinnert sich, daß ihr in ähnlichen Fällen einmal dies oder jenes geholfen hat, also wird in dieser Weise draufloskuriert. Dann kommt der Vater, der sich erinnert, daß ihm einmal etwas anderes geholfen hat. Dann kommt die Tante, dann der Onkel; die sagen vielleicht: Frische Luft, Licht oder Wasser werden helfen. — Diese Verordnungen sind oft so einander widersprechend, daß sie gar nicht erfüllt werden können. Jeder hat sein Heilmittel, auf das er eingeschworen ist, und das muß dann losgelassen werden auf den armen Kranken. Wer hätte es nicht erfahren, daß diese sich überstürzenden guten Ratschläge, die von allen Seiten kommen, eigentlich eine recht mißliche Sache sind, wenn dem Menschen dies oder jenes fehlt! Alle diese Dinge gehen hervor aus einer unrealistischen Denkweise, aus einer abstrakten Denkweise, aus einem Dogmatismus, der gar nicht beachtet, daß der Mensch ein individuelles Wesen, ein Einzelwesen ist. Jeder Mensch ist ein Wesen für sich, und darauf kommt es vor allen Dingen an: diese Realität Mensch ins Auge zu fassen, wenn man es mit den Erscheinungen von Gesundheit und Krankheit zu tun hat.
[ 3 ] The fact that these perspectives are not widely held is demonstrated by an experience each of us can have every day. One is missing this or that. The mother notices it or senses it; she remembers that in similar situations, this or that once helped, so she immediately begins treating the child in that way. Then the father comes along, remembering that something else once helped him. Then comes the aunt, then the uncle; they might say: Fresh air, light, or water will help. — These prescriptions are often so contradictory that they cannot possibly all be followed. Everyone has their own remedy they swear by, and that must then be unleashed on the poor sick person. Who hasn’t experienced that this barrage of well-meaning advice, coming from all sides, is actually quite a predicament when a person is lacking this or that! All these things stem from an unrealistic way of thinking, from an abstract way of thinking, from a dogmatism that completely fails to take into account that a human being is an individual, a unique being. Every person is a being in their own right, and this is what matters above all else: to face this reality of the human being head-on when dealing with the manifestations of health and illness.
[ 4 ] Nun entspringt ja eine solche Hilfsbedürftigkeit, wie sie der Mensch in der Krankheit hat, gewiß einer Artung seines inneren Wesens, die das Mitgefühl, das Mitleid seiner Umgebung wachrufen muß. Wir können begreifen, daß jeder gern helfend herbeispringen möchte, denn es ist dies nur ein Ausdruck dafür, welches tiefste Interesse gerade diese Fragen im Zusammenhange mit der ganzen Menschennatur hervorrufen. Allerdings, wenn man auf der einen Seite dieses tiefe Interesse ins Auge faßt, auf der anderen Seite aber nur ein klein wenig hineinblickt in das, was in unserer Zeit an verschiedenen Anschauungen über Gesundheit und Krankheit herrscht, dann kann man unter Umständen recht betrübt werden. Man könnte sagen, die Krankheit sei eine so wichtige Sache im Menschenleben und warum es denn geschehe, daß sich gelehrte und ungelehrte Leute, Mediziner und Laien, nicht nur über die Heilmittel für die einzelnen Krankheiten, nicht nur über die rechten Wege zur Gesundheit, sondern sogar über das Wesen des Krankseins in den mannigfaltigsten Theorien streiten. Es scheint manchmal, daß in unserer Zeit geistiger und wissenschaftlicher Betriebsamkeit der kranke und vielleicht auch der gesunde Mensch mehr als je den Parteianschauungen ausgesetzt ist, die von allen Seiten sich geltend machen in bezug auf wichtige Fragen der Menschheitsentwickelung und des Menschenwesens.
[ 4 ] Now, a need for help such as that which a person experiences when ill certainly stems from a quality of their inner being that must evoke compassion and sympathy from those around them. We can understand that everyone would like to rush to help, for this is merely an expression of the profound interest that these very questions evoke in connection with human nature as a whole. However, if, on the one hand, we take this deep interest into account, but on the other hand look even just a little into the various views on health and illness that prevail in our time, we may well find ourselves quite disheartened. One might say that illness is such an important matter in human life, and yet why is it that educated and uneducated people, medical professionals and laypeople alike, argue over the most diverse theories—not only regarding remedies for individual illnesses, not only regarding the proper paths to health, but even regarding the very nature of being ill? It sometimes seems that in our age of intellectual and scientific activity, the sick—and perhaps even the healthy—are more than ever exposed to partisan views that assert themselves from all sides regarding important questions of human development and the human condition.
[ 5 ] Dürfen wir nun — diese Frage wollen wir uns heute stellen — die Hoffnung hegen, daß die Geisteswissenschaft, die von den verschiedensten Seiten in diesen Vortragszyklen charakterisiert ist und noch weiter charakterisiert werden wird, in gewisser Beziehung auch Licht bringen kann in die Theorien und Partei-Schattierungen, welche wir heute um uns herum erblicken, wenn wir die Ansichten über Gesundheit und Krankheit einmal an uns herantreten lassen? Es ist ja des öfteren hier betont worden, daß die Geisteswissenschaft einen höheren Gesichtspunkt anstrebt, der es möglich macht, dasjenige, was die Menschen in Parteiungen zerteilt, dadurch, daß sie nur gewisse engere Kreise des Anschauens und Beobachtens haben, zu überbrücken, zu zeigen, wie das eine dem anderen widerstrebt, weil es einseitig ist. Wir haben öfter gezeigt, daß die Geisteswissenschaft gerade da ist, um das Gute in den Einseitigkeiten zu suchen und die Harmonie unter den verschiedenen Einseitigkeiten herzustellen. Einseitigkeit — so muß sich derjenige sagen, der die Sache nicht nur oberflächlich betrachtet — dürfte es doch sein, was uns da entgegentritt, wenn von seiten dieser oder jener Krankheitslehre diese oder jene Dogmen mit einer anspruchsvollen Autorität gepredigt werden. Sie haben alle erfahren, welche Summen von Partei-Schattierungen einander gegenüberstehen in bezug auf diese Fragen. Jeder weiß, daß auf der einen Seite dasjenige steht, was man oftmals heute sogar schon leider im verächtlichen Sinne — die Schulmedizin nennt mit ihrer allopathischen Richtung, und auf der andern Seite jene Richtung, die man als die homöopathische bezeichnet. Dann haben aber auch weite Kreise Zutrauen gefunden zu dem, was man Naturheilkunde nennt, die vielfach eine andere Auffassung über Krankheit und Gesundheit hat und nicht nur das empfiehlt, was auf den kranken Menschen Bezug hat, sondern auch das, was als richtig gehalten wird für den gesunden Menschen, damit er sich stark und kräftig erhält. Alles ist gefärbt von dieser oder jener Seite, von der schulmedizinischen oder von der mehr der Naturheilkunde zuneigenden Richtung.
[ 5 ] May we now—this is the question we wish to ask ourselves today—cherish the hope that spiritual science, which has been characterized from a wide variety of perspectives in these lecture series and will continue to be characterized, can in a certain sense also shed light on the theories and partisan nuances we see all around us today, if we allow the views on health and illness to truly take root within us? It has, after all, been emphasized here on numerous occasions that spiritual science strives for a higher perspective, one that makes it possible to bridge the divisions that split people into factions—divisions arising from their having only certain narrow circles of perception and observation—and to show how one view conflicts with another because it is one-sided. We have often shown that spiritual science exists precisely to seek the good in these one-sidednesses and to establish harmony among the various one-sidednesses. One-sidedness—as anyone who looks at the matter more than superficially must admit—is likely what we encounter when this or that school of medicine preaches this or that dogma with a pretentious air of authority. You have all experienced the multitude of factional nuances that stand in opposition to one another regarding these questions. Everyone knows that on one side stands what is today, unfortunately, often even referred to in a derogatory sense—conventional medicine with its allopathic approach—and on the other side, the approach known as homeopathy. But broad circles have also come to trust what is called naturopathy, which often takes a different view of illness and health and recommends not only what pertains to the sick person, but also what is considered beneficial for the healthy person, so that they may remain strong and vigorous. Everything is influenced by one approach or the other—either conventional medicine or the approach that leans more toward naturopathy.
[ 6 ] Wenn wir uns einmal vor Augen führen, von welchen Gesichtspunkten aus ein solcher Streit über Krankheit und Gesundheit zum Beispiel existiert zwischen den Anhängern der schulmedizinischen Heilweise und den Anhängern der Naturheilkunde, dann hören wir die Anhänger der Naturheilkunde sagen, die Schulmedizin suche für jede Krankheit ihr bestimmtes Heilmittel und sei der Anschauung, daß die Krankheit etwas ist, was den Menschen wie etwas Außerliches, wie durch eine äußerliche Ursache ergreift, und daß es für die Krankheit auch dieses oder jenes äußerliche Heilmittel gibt. Wir wollen bei solcher Charakteristik nicht vergessen, daß das, was da von der einen oder anderen Seite gesagt wird, oft über das Ziel hinausschießt, und wollen nicht vergessen, daß in vielen Dingen die beiden Parteien einander unrecht tun. Aber wir wollen einzelne Vorwürfe herausheben, die uns zur Verdeutlichung dienen können. Der Anhänger der Naturheilkunde wird hervorheben, daß der Schulmediziner eine Entzündung in gewissen Fällen durch Eisumschläge lindere, daß man bei Gelenkrheumatismus durch Salizylsäure und so weiter zu helfen suche. Besonders weitgehende Anhänger der Naturheilkunde werden kräftige Vorwürfe erheben. Sie werden sagen: Wenn der Magen zuviel Magensäure absondert, dann werde derSchulmediziner versuchen, diese Magensäure zu neutralisieren. Der Naturheilkundige sagt, das gehe an dem tiefen Wesen der Krankheit und vor allem an dem tiefen Wesen des Menschen vorbei. Das alles treffe den Nagel nicht auf den Kopf. Nehmen wir an, der Magen sondert wirklich zuviel Magensäure ab, so sei das ein Beweis dafür, daß etwas im Organismus nicht richtig ist. Im richtig funktionierenden Organismus wird nicht zuviel Magensäure abgesondert. Wenn man daher die Magensäure, die abgesondert wird, neutralisiert, so hebt man damit noch nicht die Kraft auf, die Tendenz, zuviel Magensäure zu schaffen. Man müsse also seine Aufmerksamkeit nicht darauf richten, dieMagensäure einfach zu beseitigen. — Das sagen diejenigen, die gegen die Schulmedizin polemisieren. Man würde, wenn man die Magensäure beseitigt, den Organismus geradezu aufstacheln, ja recht viel Magensäure zu erzeugen. Man müsse also tiefergehen und die eigentliche Ursache aufsuchen. So insbesondere wird der Naturheilkundige, wenn er es bis zum Fanatiker bringt, wettern, wenn man jemandem, der an Schlaflosigkeit leidet, ein Schlafmittel gibt. Schlafmittel beseitigen die Schlaflosigkeit für eine gewisse Zeit; aber die Ursache wird nicht beseitigt. Die müsse aber beseitigt werden, wenn man dem Kranken wirklich helfen will.
[ 6 ] If we consider the perspectives from which such a dispute over illness and health exists—for example, between proponents of conventional medicine and proponents of naturopathy— then we hear the advocates of naturopathy say that conventional medicine seeks a specific remedy for every illness and holds the view that illness is something that affects a person as an external factor—as if caused by an external source—and that there is also this or that external remedy for the illness. In considering such characterizations, let us not forget that what is said by one side or the other often goes too far, and let us not forget that in many respects both sides do each other an injustice. But let us highlight a few specific criticisms that can serve to clarify the issue. The proponent of naturopathy will point out that the conventional physician alleviates inflammation in certain cases with ice packs, and that salicylic acid and the like are used to treat rheumatoid arthritis. Particularly ardent advocates of naturopathy will level strong accusations. They will say: If the stomach secretes too much stomach acid, then conventional doctors will attempt to neutralize this stomach acid. The naturopath says that this misses the true nature of the disease and, above all, the true nature of the human being. None of this hits the nail on the head. Let’s assume that the stomach really does secrete too much stomach acid; this is proof that something is not right in the organism. In a properly functioning organism, too much stomach acid is not secreted. Therefore, if one neutralizes the stomach acid that is secreted, this does not eliminate the underlying force—the tendency—to produce too much stomach acid. One should therefore not focus simply on eliminating the stomach acid. — That is what those who polemicize against conventional medicine say. If one eliminates the stomach acid, one would actually provoke the body to produce even more of it. One must therefore dig deeper and seek out the actual cause. In particular, a naturopath—especially one who has become fanatical—will rail against giving a sleeping pill to someone suffering from insomnia. Sleeping pills eliminate insomnia for a certain period of time; but the cause is not eliminated. Yet the cause must be eliminated if one truly wants to help the patient.
[ 7 ] Unter denjenigen, die wieder mehr auf dem Arzneistandpunkte stehen, gibt es zwei Parteien: die Allopathen, die ein spezifisches Heilmittel gegen gewisse Krankheiten anführen und gebrauchen, sozusagen ein Heilmittel, welches die Aufgabe hat, diese Krankheit zu beseitigen. Sie gehen also von der Anschauung aus, die Krankheit sei eine Störung im Organismus, und diese Störung müsse durch ein Mittel beseitigt werden. Dagegen wenden die Homöopathen ein, das sei durchaus nicht das eigentliche Wesen der Krankheit, sondern das eigentliche Wesen der Krankheit sei eine Art Reaktion des ganzen Organismus gegen eine Schädigung in demselben. Es sei eine Schädigung aufgetreten im Organismus, und nun wehre sich der ganze Organismus gegen diese Schädigung. Man müsse an den Symptomen, die beim kranken Menschen auftreten, erkennen und darauf Rücksicht nehmen, daß dasjenige, was Fieber und so weiter erzeugt, eine Art Aufruf sei an die Kräfte im Organismus, die den eingeschlichenen Feind vertreiben können. — Daher werden sich die Anhänger dieser Art Heilweise sagen, man müsse gerade zu denjenigen Mitteln in der Natur greifen, welche, wenn der gesunde Organismus sie zu sich nimmt, die betreffende Krankheit hervorrufen. Man dürfe natürlich dann diese Mittel, die im gesunden Organismus bestimmte Krankheitserscheinungen hervorrufen, dem kranken Organismus nicht in großer Dosis verabreichen, sondern gerade nur soviel, daß das betreffendeMittel eben hinreicht, um eine Reaktion des Organismus gegen die eingetretene Schädigung hervorzurufen. Das ist das Prinzip der Homöopathie: Dasjenige, was im gesunden Organismus eine bestimmte Krankheit hervorrufen kann, das schließt auch die Möglichkeit in sich, den kranken Organismus wieder zur Gesundheit zu führen. Es wird das Mittel angewendet, was der Organismus durch die Krankheitserscheinungen selber zeigt. Man denkt sich das so, daß der Organismus im kranken Zustande durch die Symptome zeigt, daß er sich bemüht, die Krankheit zu überwinden. Deshalb müssen wir ihn mit eben diesem Mittel unterstützen.
[ 7 ] Among those who place greater emphasis on the medicinal aspect, there are two camps: the allopaths, who prescribe and use a specific remedy for certain diseases—in other words, a remedy designed to eliminate that disease. They therefore proceed from the view that disease is a disturbance in the organism, and that this disturbance must be eliminated by a remedy. In contrast, homeopaths object that this is by no means the true nature of disease; rather, the true nature of disease is a kind of reaction of the entire organism against an injury within it. An injury has occurred in the organism, and now the entire organism is defending itself against this injury. One must recognize from the symptoms that appear in the sick person—and take them into account—that what causes fever and so on is a kind of call to the forces within the organism that can drive out the intruding enemy. — Therefore, proponents of this method of healing will say that one must turn specifically to those natural remedies which, when ingested by a healthy organism, induce the disease in question. Of course, these remedies—which cause specific disease symptoms in a healthy organism—should not be administered to the sick organism in large doses, but only in an amount just sufficient for the remedy in question to elicit a reaction from the organism against the damage that has occurred. This is the principle of homeopathy: that which can induce a specific disease in a healthy organism also holds within itself the potential to restore the sick organism to health. The remedy used is the one that the organism itself indicates through its disease symptoms. One can think of it this way: when the organism is in a diseased state, it shows through its symptoms that it is striving to overcome the disease. Therefore, we must support it with precisely this remedy.
[ 8 ] Daher kommt es, daß der homöopathische Arzt in vielen Fällen gerade das Gegenteil von dem anwenden wird, was der allopathische Arzt anwenden würde. Der Naturheilkundige steht oftmals — nicht immer — auf dem Standpunkte, daß es vor allen Dingen nicht darauf ankomme, ob irgendein spezifisches Heilmittel eine Krankheitsschädigung aufhebt, sondern darauf, den Organismus und seine Tätigkeit zu unterstützen, damit er seine inneren Gesundungskräfte wachruft, um dem Krankheitsprozeß zu begegnen. So wird der Naturheilkundige vor allen Dingen darauf bedacht sein, auch dem Gesunden zu raten, die Tätigkeit des Organismus zu unterstützen. Er wird zum Beispiel betonen, daß es auch für Gesunde weniger darauf ankomme, ob eine Nahrung dem Menschen besonders Gelegenheit gäbe, sagen wir, sich vollzupfropfen mit dem oder jenem, sondern ob eine Nahrung dem Menschen Gelegenheit gibt, seine inneren Kräfte so aufzurufen, daß sie in Tätigkeit kommen. Die Funktion der Organe wird der Naturheilkundige vor allem auch beim gesunden Menschen betonen. Er wird sagen: Du wirst dein Herz nicht kräftig machen, wenn du dich bemühst, es mit Aufpeitschungsmitteln fortwährend anzuspornen, sondern du wirst dein schwaches Herz dadurch stärken, daß du es in Tätigkeit bringst, daß du zum Beispiel Bergpartien machst und so weiter. — So wird derjenige, der auf die Tätigkeit der Organe des Menschen ausgeht, auch dem gesunden Menschen anraten, seine Organe in sachgemäßer Art in Tätigkeit zu bringen.
[ 8 ] This is why, in many cases, the homeopathic physician will prescribe exactly the opposite of what an allopathic physician would prescribe. The naturopath often—though not always—takes the view that what matters most is not whether a specific remedy reverses the damage caused by a disease, but rather supporting the organism and its functions so that it can mobilize its inner healing powers to counteract the disease process. Thus, the naturopath will be particularly concerned with advising even healthy people to support the body’s functions. For example, he will emphasize that even for healthy people, what matters is not so much whether a food gives a person a particular opportunity—say, to stuff themselves with this or that—but whether a food gives a person the opportunity to mobilize their inner forces so that they become active. The naturopath will emphasize the function of the organs above all, even in healthy people. He will say: You will not strengthen your heart by constantly trying to stimulate it with stimulants, but you will strengthen your weak heart by putting it into action—for example, by going on hikes in the mountains and so on. — Thus, those who focus on the activity of the human organs will also advise healthy people to engage their organs in an appropriate manner.
[ 9 ] Sie werden vielleicht, wenn Sie sich um solche Fragen gekümmert haben, weil sie doch die heutige Gegenwart’ so viel beschäftigen, gesehen haben, mit welcher Heftigkeit und mit welchem Dogmatismus von der einen oder anderen Seite oft gekämpft wird, wie die eine und die andere Seite dasjenige hervorhebt, was sie für ihre Anschauung vorzubringen hat. So kann die sogenannte Schulmedizin hinweisen darauf, wie sie im Laufe der letzten Jahrzehnte, namentlich im Verlaufe der letzten drei bis vier Jahrzehnte, großartige Fortschritte gemacht hat gerade dadurch, daß sie darauf gesehen hat, wie die äußeren Krankheitserreger an dieMenschen herankommen und sozusagen ihre Gesundheit vernichten. Diese Schulmedizin kann darauf hinweisen, wie sie besorgt war darum, die äußeren Lebensverhältnisse, die Zustände des Lebens so zu verbessern, daß in der Tat in der letzten Zeit ein Aufschwung eingetreten ist. Gerade diejenige Richtung der Medizin, die vorzugsweise auf die äußeren Krankheitserreger sieht — sagen wir auf die heute so gefürchtete Bakterien- und Bazillenwelt —, sie hat dadurch, daß sie auf dem Gebiete der Hygiene und der sanitären Einrichtungen eingegriffen hat, in einer für die Laien gar nicht so durchschaubaren Weise, ungeheuer viel getan für die Verbesserung der Gesundheitsverhältnisse.
[ 9 ] If you have given thought to such questions—since they are, after all, so very much a part of “the present day”—you may have noticed the vehemence and dogmatism with which the debate is often waged on one side or the other, and how each side emphasizes the arguments that support its own viewpoint. For example, so-called conventional medicine can point out how, over the course of the last few decades—particularly the last three to four decades—it has made tremendous progress precisely by focusing on how external pathogens affect people and, so to speak, destroy their health. Conventional medicine can point out how it has been concerned with improving external living conditions and the circumstances of life to such an extent that there has indeed been an upturn in recent times. It is precisely that branch of medicine that focuses primarily on external pathogens—let us say, the world of bacteria and germs so feared today—that, by intervening in the fields of hygiene and sanitation in ways not entirely transparent to the layperson, has done an immense amount to improve health conditions.
[ 10 ] Es wird gewiß — wiederum nicht ganz mit Unrecht, aber auch nur mit einseitigem Recht — von mancher Seite betont, wie diese Schulmedizin geradezu eine Bakterien- und Bazillenfurcht hervorgerufen hat. Aber auf der anderen Seite hat die Untersuchung dazu geführt, daß die Gesundheitsverhältnisse im Laufe der letzten Jahrzehnte sich gebessert haben. Mit Stolz weist der Anhänger dieser Richtung darauf hin, um wieviel Prozent dieSterblichkeit da oder dort in den letzten Jahrzehnten tatsächlich abgenommen hat. Diejenigen aber, die sagen, daß es nicht so sehr die äußeren Ursachen sind, welche für dieBetrachtung der Krankheit wichtig sind, sondern daß es vor allen Dingen die im Menschen liegenden Ursachen sind, sozusagen seine Krankheitsdisposition, sein vernünftiges oder unvernünftiges Leben, die werden wieder besonders betonen, daß in den letzten Zeiten zwar unleugbar die Sterblichkeitsziffern abgenommen haben, daß aber die Krankheitsziffern in einer erschreckenden Weise zugenommen haben. Es wird betont, wie gewisse Krankheitsformen zugenommen haben: Herzkrankheiten, Krebskrankheiten, Krankheitsformen, die in den Schriften der älteren Zeit gar nicht verzeichnet sind, Krankheiten der Verdauungsorgane und so weiter. Diejenigen Gründe, die von der einen oder anderen Seite hervorgebracht werden, sind durchaus beachtenswert. Es kann von einem oberflächlichen Standpunkte aus nicht eingewendet werden, die Bazillen oder Bakterien seien nicht Krankheitserreger furchtbarster Art. Es kann aber auf der anderen Seite auch nicht geleugnet werden, daß der Mensch in gewisser Beziehung entweder gefestigt und gesichert ist gegen Einflüsse solcher Krankheitserreger oder es nicht ist. Er ist es nicht, wenn er sich durch unvernünftige Lebensweise um seine Widerstandskraft gebracht hat.
[ 10 ] It is certainly emphasized—again, not entirely without reason, but only from one perspective—by some quarters that conventional medicine has virtually instilled a fear of bacteria and germs. On the other hand, however, research has led to improvements in public health over the course of the last few decades. Adherents of this school of thought proudly point out by what percentage mortality has actually decreased in various places over the past decades. However, those who argue that it is not so much external causes that are important in understanding disease, but rather, above all, causes inherent in the individual—his or her predisposition to illness, so to speak, their sensible or unsensible way of life—will in turn emphasize in particular that, while mortality rates have undeniably declined in recent times, the incidence of disease has increased in an alarming manner. They point out how certain forms of disease have become more prevalent: heart disease, cancer, forms of illness not even recorded in the writings of earlier times, diseases of the digestive organs, and so on. The reasons put forward by one side or the other are certainly worthy of consideration. From a superficial standpoint, one cannot argue that germs or bacteria are not the most dreadful of pathogens. On the other hand, however, it cannot be denied that, in a certain sense, human beings are either resilient and protected against the effects of such pathogens or they are not. They are not so if they have deprived themselves of their resistance through an unhealthy lifestyle.
[ 11 ] In vieler Beziehung sind diejenigen Dinge bewundernswert, welche von der Schulmedizin in der letzten Zeit geleistet worden sind. Sehen wir doch einmal zu, wie subtil und fein die Untersuchungen über das gelbe Fieber sind im Zusammenhange mit der Art und Weise, wie es durch gewisse Insekten von Mensch zu Mensch übertragen wird. Wie vorzüglich sind die Untersuchungen in bezug auf die Malaria und ähnliches! Aber auf der anderen Seite können wir sehen, daß berechtigte Ansprüche dieser Schulmedizin sehr leicht unser ganzes Leben durchkreuzen können, was in gewisser Beziehung zu einer Tyrannis führen kann. Denken wir, daß — und zwar mit einem gewissen Recht — behauptet wird,in einer in der letzten Zeit häufig auftretenden Krankheit, in der Genickstarre, werde durchaus nicht der Krankheitserreger von einem Kranken auf einen anderen Menschen übertragen, sondern Menschen, die ganz gesund sind, die ganz fernstehen dem, was man mit Genickstarre bezeichnet, könnten in gewisser Beziehung die Krankheitskeime in sich tragen und sie auf andere Menschen übertragen, so daß Menschen, die unter uns herumgehen, die Träger vonKrankheitskeimen seien, von denen dann der, welcher dazu geeignet ist, die Krankheit bekommen kann, während die anderen, welche die Keime tragen, durchaus nicht von derKrankheit befallen zu werden brauchen. — So könnte es dahin kommen, daß die Forderung aufgestellt würde, die Krankheitskeimträger zu isolieren; denn wenn irgendeiner an Genickstarre erkrankt ist, so sei er gar nicht einmal so gefährlich wie diejenigen, welche ihn pflegen, und die vielleicht die eigentlichen Krankheitsträger sind. Zu welchen Konsequenzen das führen muß, wenn man diesen Menschen den Umgang erschweren würde, das mag man daraus erkennen: Man kann anführen und es ist schon angeführt worden —., daß an irgendeiner Schule plötzlich eine größereAnzahl von Kindern an dieser oder jener Krankheit erkrankt ist. Man wußte nicht, woher die Krankheit gekommen ist. Da stellte sich heraus, daß dieLehrer die eigentlichen Krankheitsträger waren. Sie selber sind nicht von der Krankheit befallen worden, aber die ganze Schule ist von ihnen angesteckt worden. Der Ausdruck Bazillenträger oder Bazillenfänger ist ein Ausdruck, der von einer gewissen Seite sogar mit einem gewissen Recht gebraucht werden kann. Daß derjenige, welcher Laie ist auf diesem Gebiete, in allem, was ihm entgegentreten kann von dieser oder jener Seite, sich recht wenig auskennt, das ist schon aus dem wenigen, was wir anführen konnten, fast selbstverständlich.
[ 11 ] In many respects, the achievements of conventional medicine in recent times are admirable. Let us consider, for example, how subtle and refined the research on yellow fever is, particularly regarding the way it is transmitted from person to person by certain insects. How excellent are the studies on malaria and similar diseases! But on the other hand, we can see that the legitimate claims of conventional medicine can very easily interfere with our entire lives, which in a certain sense can lead to tyranny. Let us consider that—and with some justification—it is claimed that in a disease that has occurred frequently in recent times, namely stiff neck, the pathogen is by no means transmitted from one sick person to another, but rather that people who are completely healthy—who are entirely removed from what is referred to as stiff neck— might, in a certain sense, carry the pathogens within themselves and transmit them to others, so that people walking among us are carriers of pathogens, from whom those who are susceptible may then contract the disease, while the others who carry the pathogens need not necessarily be afflicted by the disease at all. — This could lead to the demand that carriers of pathogens be isolated; for if someone contracts stiff neck, they may not even be as dangerous as those who care for them, who may in fact be the actual carriers of the disease. The consequences of restricting these people’s social interactions can be seen from the following example: One can cite—and it has already been cited—a case where a large number of children at a certain school suddenly fell ill with this or that disease. No one knew where the disease had come from. It then turned out that the teachers were the actual carriers of the disease. They themselves did not contract the disease, but the entire school was infected by them. The term “germ carrier” or “germ catcher” is one that can even be used with some justification from a certain perspective. That a layperson in this field has very little understanding of everything that might confront them from one side or the other is almost self-evident from the little we have been able to cite.
[ 12 ] Nun müssen wir sagen: Gerade das, was wir am Eingange unserer heutigen Betrachtung ausgeführt haben, müßte ein Leitfaden sein dafür, was eigentlich aus alledem, was an guten Gründen von der einen oder anderen Seite vorgebracht wird, wirklich zum Heile führen kann. AlsGrundsatz im tiefsten und bedeutsamsten Sinne muß gelten, daß vor allen Dingen vor uns stehen muß die Individualität des . Menschen als eine einzelne Realität, als etwas, was anders ist als jeder andere Mensch. Wir werden uns das sozusagen an einem konkreten Beispiel am besten vor dieSeele führen. Nehmen wir einen Menschen an — ich erzähle Dinge, die durchaus vorgekommen sind —, der hatte von Kindheit auf einen gar nicht zu bezwingenden Widerwillen gegen alles, was Fleisch heißt. Er konnte Fleisch nicht ausstehen, nicht essen. Auch nicht das konnte er essen, was irgendwie mit Fleisch im Zusammenhang steht. Er entwickelte sich ganz gesund bei seiner Pflanzenkost. Das ging so lange, bis sich wohlwollende, gute Freunde fanden, die all ihre Energie einsetzten, um diesen Menschen doch von seiner paradoxen Empfindung abzubringen. Sie waren es, die ihm zuerst anrieten, sozusagen ihm zusetzten, zunächst es einmal mit ein wenig Fleischbrühe zu versuchen. Immer weiter und weiter wurde er getrieben, bis zum Hammaelfleisch. Er fühlte sich dabei immer kränker und kränker. Nach einiger Zeit trat bei ihm auf eine Erscheinung wie ein besonderer Überfluß des Blutes. Es trat auf eine eigentümliche Schlafsucht, und der gute Mann ging zugrunde an einer Gehirnentzündung. Hätte man diesen Menschen nicht jeden Tag aufs neue darauf aufmerksam gemacht, was er eigentlich essen solle, hätte man ihn bei seinem gesunden Trieb gelassen, hätte man nicht geglaubt, «eines schicke sich für alle», hätte man sich nicht auf einen Dogmatismus eingeschworen, sondern die individuelle Natur des Menschen respektiert, dann wäre er gesund geblieben.
[ 12 ] Now we must say: Precisely what we set forth at the beginning of our discussion today should serve as a guide to what, among all the sound arguments put forward by one side or the other, can truly lead to salvation. The principle that must be upheld in the deepest and most significant sense is that, above all else, we must place before us the individuality of the human being as a unique reality, as something that is different from every other human being. We can best bring this to mind, so to speak, through a concrete example. Let’s take a person—I’m recounting events that actually happened—who, from childhood onward, had an utterly insurmountable aversion to anything that involved meat. He couldn’t stand meat; he couldn’t eat it. Nor could he eat anything that was in any way related to meat. He developed quite healthily on his plant-based diet. This continued until some well-meaning, good friends stepped in and devoted all their energy to trying to dissuade this person from his paradoxical aversion. It was they who first advised him—or, so to speak, pressed him—to try a little meat broth to start with. He was pushed further and further, all the way to ham. The more he ate, the sicker and sicker he felt. After some time, he began to exhibit symptoms of what appeared to be an excessive accumulation of blood. A peculiar drowsiness set in, and the good man perished from encephalitis. If people hadn’t constantly reminded him every day what he was actually supposed to eat, if they had left him to his natural instincts, if they hadn’t believed that “one thing suits everyone,” if they hadn’t clung to dogmatism but had instead respected the individual nature of the person, then he would have remained healthy.
[ 13 ] Aus einem solchen Fall sollen wir aber nicht mehr lernen, als die individuelle Natur des Menschen zu respektieren. Wir sollen nicht ein neues Dogma davon ableiten; dadurch kämen wir in eine Einseitigkeit. Wenn wir uns überlegen, wodurch in diesem Falle der Tod herbeigeführt wurde, so können wir uns die Frage in folgender Art beantworten. Wenn Sie sich erinnern, was das letzte Mal im Vortrage über die Ernährungsfragen gesagt worden ist, so können Sie daraus folgendes entnehmen: Das, was man Lebensprozesse nennt, führt die Pflanze bis zu einem gewissen Punkt; sie verarbeitet leblosen Stoff in lebendigen Organismus. Im menschlichen Organismus wird dieser Prozeß weitergeführt. In gewisser Beziehung ist dasjenige, was der menschliche und auch der tierische Organismus tut, ein Abbau dessen, was die Pflanze aufgebaut hat. Darauf beruht in gewisser Beziehung der menschliche und dertierischeLeib, daß abgebaut und zerstört wird, was die Pflanze aufgebaut hat.
[ 13 ] However, we should not draw any further lessons from such a case other than to respect the individual nature of human beings. We should not derive a new dogma from it; doing so would lead us into one-sided thinking. If we consider what caused death in this case, we can answer the question as follows. If you recall what was said last time in the lecture on nutritional issues, you can deduce the following: What are called life processes guide the plant up to a certain point; they transform inanimate matter into a living organism. In the human organism, this process continues. In a certain sense, what the human and animal organisms do is a breakdown of what the plant has built up. In a certain sense, the human and animal bodies are based on the breakdown and destruction of what the plant has built up.
[ 14 ] Nun kann ein Organismus so eingerichtet sein, daß er sozusagen gerade den Punkt für sich verlangt, da zu beginnen, wo die Pflanze mit ihrer Tätigkeit aufgehört hat. Dann kann es für ihn im eminentesten Sinne schädlich sein, wenn er den Teil des Prozesses, den das Tier mit den Pflanzenprodukten bereits besorgt hat, sich abnehmen läßt. Das Tier führt den Pflanzenprozeß bis zu einem gewissen Punkte, der Mensch kann ihn dann nur fortsetzen. Wenn er tierische Nahrung genießt, wird ihm das abgenommen. Und wenn seine Natur gerade über die Kräfte verfügt, welche die Pflanzennahrung frisch und kräftig aufnehmen und sie dann weiterführen können, dann wird er in sich Kräfte haben, die jetzt unverwendet sind für irgendeine Nahrungsaufnahme und Nahrungsverarbeitung. Diese Kräfte sind da. Diese Kräfte schaffen wir nicht dadurch weg, daß wir ihnen nichts zu tun geben, denn dann werfen sie sich auf etwas anderes. Sie wirken im Inneren des menschlichen Organismus. Die Folge davon ist, daß sie als überschüssige Tätigkeit den Organismus im Inneren zerstört.
[ 14 ] Now, an organism may be constituted in such a way that it, so to speak, requires precisely the point at which the plant has ceased its activity as the starting point for itself. In that case, it can be harmful to it in the most profound sense if it allows the part of the process that the animal has already carried out with the plant products to be taken away from it. The animal carries the plant process forward to a certain point; humans can then only continue it. When they consume animal food, this task is taken away from them. And if their nature possesses precisely the forces capable of absorbing plant food fresh and vigorously and then carrying it forward, then they will have forces within themselves that are now left unused for any kind of food intake or digestion. These forces are present. We do not eliminate these forces by giving them nothing to do, for then they will turn their attention to something else. They are at work within the human organism. The consequence of this is that, as excess activity, they destroy the organism from within.
[ 15 ] Man sieht, wenn man nur ein wenig einen durch die Geisteswissenschaft geschärften Blick hat, wie diese überschüssige Tätigkeitskraft sich überstürzend den ganzen Menschen eingenommen hat, sich auf sein Blut und sein Nervensystem wirft. Man sieht, wie es in dem Organismus so ausgesehen hat, wie bei einem Hausbau, in den man ungeeignetes Material hineingeworfen hat, so daß man sich bemühen muß, das ungeeignete Material zu ordnen und zu arrangieren. Nicht ungestraft leitet man die Kräfte für die Verarbeitung der Nahrungsstoffe nach dem Inneren. Wenn wir uns das klarmachen, dann werden wir tolerant werden und uns nicht gegen die Natur stellen. Dann dürfen wir auch nicht in der entgegengesetzten Richtung wieder zum Schablonisieren kommen und Fanatiker werden des Vegetarismus für einen Jeden Menschen. Gerade so, wie sich bei dem Manne, den ich jetzt als radikales Beispiel angeführt habe, die nach innen abgelenkte Tätigkeitskraft überstürzte, so kann es auf der anderen Seite sein, daß es Menschen gibt, welche über diese Kraft gar nicht verfügen, die sozusagen den Pflanzenprozeß unmittelbar da,wo er aufgehört hat, nicht fortsetzen können. Solche Menschen würden, wenn man ihnen zumutet, ohne weiteres Vegetarier zu werden, erleben, daß sie die Kräfte, welche sie da brauchen, notdürftig aus dem eigenen Organismus nehmen müßten. Sie würden diesen dadurch in gewisser Weise verzehren und in gewisser Weise zum Verhungern bringen. Das kann also durchaus auf der anderen Seite vorliegen. Worum es sich handelt, ist, daß wir den Blick abwenden von diesen oder jenen Dogmen, wenn wir von gesunden und kranken Verhältnissen reden, abwenden davon, nur dieses oder nur jenes zu essen. Das, worauf es ankommt, ist der einzelne Mensch und die Notwendigkeit, seine Bedürfnisse kennenzulernen. Es kommt vor allem darauf an, daß dieser einzelne Mensch die Möglichkeit hat, in gewisser Beziehung seine Bedürfnisse selber zu fühlen und zu erkennen.
[ 15 ] If one has even a slightly more discerning eye, sharpened by spiritual science, one can see how this excess of active energy has overwhelmed the entire human being, throwing itself upon his blood and nervous system. One can see how the organism has come to resemble a house under construction into which unsuitable materials have been thrown, so that one must strive to organize and arrange these unsuitable materials. One does not redirect the forces needed to process nutrients inward without consequences. If we realize this, we will become more tolerant and will not oppose nature. Nor should we then swing in the opposite direction, resorting to a one-size-fits-all approach and becoming fanatics of vegetarianism for everyone. Just as, in the case of the man I have just cited as a radical example, the inwardly diverted active force became overwhelming, so, on the other hand, there may be people who do not possess this force at all—who, so to speak, cannot continue the plant process directly from where it left off. If such people were expected to become vegetarians without further ado, they would find that they would have to draw the necessary forces from their own organism in a makeshift manner. In doing so, they would, in a sense, consume their own organism and, in a sense, starve it. So this situation can certainly exist on the other end of the spectrum as well. What matters is that we turn our attention away from this or that dogma when we speak of healthy and unhealthy conditions—away from the idea of eating only this or only that. What really matters is the individual human being and the need to understand their own needs. Above all, it is essential that this individual have the opportunity, in a certain sense, to feel and recognize their own needs.
[ 16 ] Wenn eine materialistische Anschauung gar zu sehr auf das bloß Stoffliche sieht, so wäre es doch für diese materialistische Anschauung notwendig, nach dieser Richtung hin sich zu bewegen, die eben jetzt angedeutet worden ist. Gerade für sie wäre es eigentlich unmöglich, zu schablonisieren und zu vereinheitlichen. Und wie schablonisiert man in unserer heutigen Zeit! Da wird zum Beispiel ohne weiteres gesagt, dieses oder jenes Nahrungsmittel oder diese oder jene Arznei sei schädlich. Es ist eine förmliche Epidemie des Schablonisierens ausgebrochen, und dies ist ja auch nicht anders möglich, wenn nicht jede Einseitigkeit ausgeschlossen wird bei der Bekämpfung der verschiedenen Heilweisen. Eine Epidemie ist ausgebrochen unter dem Stichwort «Kraft», so daß zum Beispiel bei Versammlungen Naturheilkundiger gesagt wird, dies oder jenes sei «Kraft». Damit glaubt man, genug getan zu haben, um diese oder jene anzuschwärzen und zu sagen, daß sie nur ausgingen vom Materiellen. Diejenigen, die in erster Linie für sich in Anspruch nehmen, den Menschen als Individualität zu betrachten, sollten darauf auch Rücksicht nehmen. Aber auch, wenn man zum Beispiel die anderen Lebewesen überblickt, verliert das Wort «Kraft» im Grunde genommen jeden Sinn. Unsere Anschauungen in bezug auf solche Dinge müssen modifiziert werden. Wer würde nicht daran denken, für den Menschen eine besondere Kraft anzunehmen, wenn er hört, daß zum Beispiel Kaninchen ohne Schaden den Schierling fressen, während Sokrates daran starb. Auch die Ziege kann den Schierling ohne Schaden fressen, ebenfalls Aconit, Eisenhut, auch Pferde. Bei all diesen Dingen müssen wir also in der Regel uns immer den individuellen Organismus vorhalten. Wenn wir uns den individuellen Organismus vorhalten, dann kommen wir dazu, uns zu sagen: Im einzelnen Falle ist etwas vielleicht richtig für einen Menschen, aber «Eines schickt sich nicht für alle»!
[ 16 ] If a materialistic worldview focuses too much on the purely material, it would nevertheless be necessary for that materialistic worldview to move in the direction that has just been indicated. For such a worldview in particular, it would actually be impossible to stereotype and standardize. And how much stereotyping goes on in our time! For example, it is readily claimed that this or that food, or this or that medicine, is harmful. A veritable epidemic of stereotyping has broken out, and this is, of course, inevitable unless all one-sidedness is ruled out in the struggle against various healing methods. An epidemic has broken out under the buzzword “force,” so that, for example, at gatherings of naturopaths, it is said that this or that is “force.” People believe this is enough to denigrate this or that approach and claim that they are based solely on the material. Those who claim, above all else, to view human beings as individuals should also take this into account. But even when one considers, for example, other living beings, the word “force” essentially loses all meaning. Our views regarding such matters must be revised. Who would not be inclined to assume that human beings possess a special power when they hear, for example, that rabbits can eat hemlock without harm, while Socrates died from it? Goats, too, can eat hemlock without harm, as can aconite and monkshood—and horses as well. In all these cases, then, we must generally always keep the individual organism in mind. When we keep the individual organism in mind, we come to realize: In a particular case, something may be right for one person, but “one thing does not suit everyone”!
[ 17 ] Die Frage ist also: Wie kann der Mensch einen Maßstab für seine Gesundheit in sich selber gewinnen? Ein gewisser Leuchtturm könnte uns das Kind sein. Wir müssen uns daher durchaus vorhalten, daß das Kind in ganz bestimmter Weise seine Sympathie oder Antipathie für dieses oder jenes Nahrungsmittel äußert. Das sorgfältige Beobachten dieser Dinge würde für jeden von uns von außerordentlicher Wichtigkeit sein. Es ist manchmal durchaus verfehlt, wenn derjenige, der das Kind zu lenken und zu erziehen hat, die Instinkte, die da beim Kinde auftreten und sich als bestimmtes Wollen äußern, austreiben will, wenn man sie als Ungezogenheit betrachtet. Vielmehr ist es so: Was das Kind als Trieb, als Instinkt äußert, ist ein Anzeichen dafür, wie die innere Natur des Kindes geartet ist. Was das Kind empfindet und was ihm schmeckt, wonach es Verlangen hat, da ist die Empfindung, das Verlangen nichts anderes als der Ausdruck dafür, daß der Organismus gerade dieses oder jenes verlangt. Ja, ein Fingerzeig, oder, wenn wir radikaler sprechen wollen, ein Leuchtturm für die Erkenntnis kann uns dieser leitende Instinkt des Kindes sein. Wir können das ganze Leben durchwandern und werden überall die Notwendigkeit finden, daß der Mensch in gewisser Beziehung gerade diese innere Sicherheit in sich entwickeln muß für das, was sein Organismus braucht. Das ist unbequemer, als sich von dieser oder jener Partei die Richtung vorschreiben und sich sagen zu lassen, was für alleMenschen das Gute ist. Die Menschen haben es nicht so leicht wie die, welche mit einem bestimmten allgemeinen Rezept kommen, das man sich nur in die Tasche zu stecken braucht, um zu wissen, was den Menschen gesundmachen und was ihn krankmachen kann. Gerade wenn man mit einem solchen Leitfaden die Gesundheit betrachtet, wird man auch in bezug auf die Krankheit sich klarmachen müssen, daß für die verschiedenen Menschen die verschiedensten Bedingungen für Gesundheit und Heilung vorliegen.
[ 17 ] The question, then, is: How can a person find within themselves a yardstick for their own health? A child could serve as a kind of beacon for us. We must therefore bear in mind that children express their likes and dislikes for this or that food in very specific ways. Careful observation of these things would be of extraordinary importance for each of us. It is sometimes entirely misguided when the person responsible for guiding and raising the child attempts to suppress the instincts that arise in the child and manifest as a specific desire, viewing them as bad behavior. Rather, the truth is this: What the child expresses as a drive or instinct is an indication of the nature of the child’s inner being. What the child feels, what it finds appealing, and what it craves—these feelings and desires are nothing other than an expression of the fact that the organism demands precisely this or that. Indeed, this guiding instinct of the child can serve as a pointer—or, to put it more radically, a beacon—for our understanding. We can journey through life and find everywhere the necessity for a person, in a certain sense, to develop precisely this inner certainty within themselves regarding what their organism needs. This is more inconvenient than having one’s direction dictated by this or that party and being told what is good for all people. People do not have it as easy as those who come up with a specific, universal formula that one need only tuck into one’s pocket to know what makes people healthy and what can make them sick. Precisely when one views health through such a guide, one must also realize, with regard to illness, that the conditions for health and healing vary greatly from person to person.
[ 18 ] Nehmen wir an, jemand habe Migräne. Wer dogmatisch auf dem Standpunkt steht — wenn auch die Schulmedizin dies nicht mehr wahrhaben will —, daß es spezifische Heilmittel gibt für diese oder jene Krankheit, der wird sagen: MangebedemKrankenbestimmteHeilmittelgegenMigräne. Der Kranke wird sich wohler fühlen, und die Migräne wird verschwinden. — Wer auf dem Standpunkte der Naturheilkunde steht und es zum Praktiker gebracht hat, wird sagen: Man kann so nur das Symptom bekämpfen und hat manchem damit mehr geschadet als genützt; es kommt darauf an, daß man auf die tieferen Ursachen eingeht; dann wird man auf allerlei Dinge kommen, die allerdings mehr auf den Kern der Sache eingehen, die vielleicht im einzelnen Falle nicht so schnell ein Wohlbefinden herstellen, die aber wirklich tiefer auf den Krankheitskern eingehen. — Man wird, wenn man sich dogmatisch auf den einen oder anderen Standpunkt stellt, das eine oder das andere bekämpfen oder für nützlich halten. Es handelt sich aber dabei, so sonderbar es klingen wird, wiederum um den Menschen. Es könnte ja einen Menschen geben, der sich sagte: Wenn ich eine heftige Migräne habe, wäre es zwar ganz schön zu warten, bis die Naturheilkunde dem Kern der Krankheit beigekommen ist, um sie in ihren tieferen Wurzeln zu erkennen und dann dasjenige zu tun, was sie beseitigt. Aber dazu habe ich keine Zeit. Es ist für mich viel wichtiger, daß ich die Migräne so bald wie möglich loskriege und meiner Tätigkeit zurückgegeben werde. — Nehmen wir nun an, dieser Mensch habe eine gesundheitsfördernde Beschäftigung, die so geartet sei, daß er auch ohne Mittel das Übel losbekommen hätte. Da würde ihm das Migränemittel wenig schaden, denn er würde wenig aus seiner Tätigkeit herausgerissen sein, die ihm nützt. Er würde dann zwar nach einem Rezept behandelt, das den Menschen mit einer auszubessernden Maschine vergleicht. Dieser Vergleich muß aber bis zu Ende geführt werden. Man darf nicht vergessen, daß einer da sein muß, der so arbeitet wie der Führer auf der Lokomotive. Nehmen wir an, bei einer Lokomotive zeige sich, daß eine Kurbel besonders schwer geht. Da könnte ja jemand sagen: Ich sehe, daß der Lokomotivführer die Kurbel nicht drehen kann, weil er zu schwach ist; ich werde einen anderen Lokomotivführer nehmen, der mehr Kräfte anwenden kann, um die Kurbel zu drehen. Ein anderer könnte sagen: Man .kann ja vielleicht das, was die Kurbel schwer zu drehen macht, ein wenig ausfeilen, damit die Kurbel leichter geht; dann kann der Zugführer bleiben. — Man bessert also die Maschine aus. Natürlich darf man das nicht als ein allgemeines Rezept anwenden, denn wenn man sagen wollte: Wenn der Lokomotive etwas fehlt, so muß man daran feilen —, so braucht das nicht immer richtig zu sein. Vielleicht muß an der betreffenden Stelle nicht etwas abgetragen, sondern etwas zugefügt werden.
[ 18 ] Let’s assume someone has a migraine. Anyone who dogmatically holds the view—even if conventional medicine no longer wants to acknowledge it—that there are specific remedies for this or that illness will say: “There are specific remedies for migraines.” The patient will feel better, and the migraine will disappear. — Anyone who adheres to the principles of naturopathy and has become a practicing practitioner will say: This approach only treats the symptom, and in many cases has done more harm than good; what matters is addressing the deeper causes; then one will encounter all sorts of things that do indeed get to the heart of the matter—things that may not bring about a sense of well-being as quickly in individual cases, but that truly address the core of the illness more deeply. — If one takes a dogmatic stance on one position or the other, one will either oppose one approach or consider the other useful. But, strange as it may sound, it is once again about the person. There could, after all, be someone who says to themselves: When I have a severe migraine, it would certainly be nice to wait until naturopathy has gotten to the root of the illness—to identify its deeper causes and then do what is necessary to eliminate it. But I don’t have time for that. It’s much more important to me that I get rid of the migraine as soon as possible and get back to my work.” — Now let’s assume this person has a health-promoting occupation of such a nature that he would have been able to get rid of the ailment even without medication. In that case, the migraine medication would do him little harm, because he would be only briefly torn away from his work, which benefits him. He would then be treated according to a prescription that compares a person to a machine in need of repair. But this comparison must be taken to its logical conclusion. We must not forget that there must be someone who works just like the engineer on the locomotive. Let’s suppose that, on a locomotive, a crank turns with particular difficulty. Someone might say: “I see that the engineer can’t turn the crank because he’s too weak; I’ll bring in another engineer who can apply more force to turn it.” Another might say: “Perhaps we can file down whatever is making the crank hard to turn, so that it turns more easily; then the current engineer can stay on the job.” — So you improve the machine. Of course, you can’t apply this as a universal solution, because if you were to say, “If the locomotive is lacking something, you have to file it down,” that wouldn’t always be correct. Perhaps what’s needed at that particular point isn’t to remove something, but to add something.
[ 19 ] Bei dem Menschen, der Migräne hatte, hat man durch das Migränemittel den Schaden einfach ausgebessert, und wenn der Betreffende die innere Kraft dazu hat, so wird, wenn er nicht gestört wird, die Sache schon selbst wieder in Ordnung kommen. Freilich würde es unter Umständen schlimm sein, wenn man in derselben Weise dächte gegenüber jemand, der die Migräne loshaben will, aber hinterher nicht zu einer mit seiner gesundheitlichen Tüchtigkeit zusammenhängenden Tätigkeit übergeht.Er würde besser getan haben, wenn er dieinneren Ursachen weggeräumt hätte.
[ 19 ] In the case of a person who had a migraine, the migraine medication simply repaired the damage, and if the person has the inner strength to do so, the problem will resolve itself as long as they are not disturbed. Of course, it could be problematic under certain circumstances to think in the same way about someone who wants to get rid of their migraine but then fails to engage in activities related to their physical well-being. They would have been better off if they had addressed the underlying causes.
[ 20 ] So müssen wir also durchaus diese Sache durchdrungen und eingesehen haben, daß es ja für das, was man Krankheit nennt, spezifische Heilmittel gibt, und daß die Anwendung spezifischer Heilmittel in gewisser Beziehung damit zusammenhängt, daß unser Organismus ein selbständiges Wesen ist und in vielerlei Richtung ausgebessert werden kann. Wenn man sich darauf verlassen darf, daß nach der Ausbesserung eine richtige tüchtige Kraft vorhanden ist, die den Menschen antreibt, so braucht man nicht zu betonen, man betreibe eben nur eine Symptom-Kur, denn da denkt man eben doch nur wieder materialistisch. Der Naturheilkundige wird manches wissen, was ganz richtig wäre zur Beseitigung dieser oder jener Krankheit, aber ebenso wahr ist es, daß dieser oder jener Mensch nicht die Zeit und nicht die Kraft hat, es durchzuführen, und daß es sich vor allen Dingen für ihn darum handelt, den Schaden schnell wieder gutzumachen.
[ 20 ] We must therefore have thoroughly grasped and understood this point: that there are indeed specific remedies for what is called disease, and that the use of specific remedies is, in a certain sense, connected to the fact that our organism is an independent entity and can be restored in many ways. If one can trust that, following the restoration, a genuine, vigorous force will be present to drive the person forward, then there is no need to emphasize that one is merely treating the symptoms, for that would simply be thinking in materialistic terms once again. The naturopath may know many things that would be entirely appropriate for eliminating this or that illness, but it is equally true that this or that person lacks the time and the strength to carry them out, and that, above all, the priority for them is to quickly repair the damage.
[ 21 ] Sie sehen, daß hier nicht in einseitiger, sondern in allseitiger Weise gesprochen werden muß und man die Unbequemlichkeit mit in Kauf nehmen muß, nicht nur Theoretiker zu sein, sondern auf die Tatsachen einzugehen und auf den ganzen Menschen zu sehen. Darauf kommt es an. Wenn wir so sprechen, müssen wir uns darüber klar sein, daß wir dann, wenn wir den Menschen als Realität betrachten wollen, den ganzen Menschen ins Auge fassen müssen. Der ganze Mensch ist für die Geisteswissenschaft nicht bloß der äußere physische Leib, namentlich dann nicht, wenn unsere Gesundheit nicht bloß durch äußere, sondern durch innere Ursachen zerstört ist. Was viel mehr in Betracht kommt, ist die Gesundheit des Ätherleibes, der ein Kämpfer ist gegen die Krankheiten, bis zum Tode, das ist die Gesundheit des Astralkörpers, der ja der Träger ist der Leidenschaften, Triebe, Begierden und Vorstellungen, und endlich die Gesundheit des Ich-Trägers, der macht, daß der Mensch ein selbstbewußtes Wesen ist. Wer auf den ganzen Menschen Rücksicht nehmen will, der muß durchaus auf die vier Glieder des Menschen Rücksicht nehmen, und wenn die Frage nach der Gesundheit in Betracht kommt, so handelt es sich nicht nur darum, daß wirStörungen beseitigen, die den physischen Leib betreffen, sondern auch das betrachten, was in den höheren Gliedern, in den mehr seelisch-geistigen Gliedern vor sich geht. Da müssen wir feststellen, daß nicht bloß von dieser oder jener Parteischattierung, sondern von unserer ganzen zeitgenössischen Gesinnung gesündigt wird.
[ 21 ] You see that we must not speak here in a one-sided way, but in a comprehensive way, and that we must accept the inconvenience of not merely being theorists, but of addressing the facts and considering the whole person. That is what matters. When we speak in this way, we must be clear that if we wish to regard the human being as a reality, we must take the whole human being into account. For spiritual science, the whole human being is not merely the outer physical body—especially not when our health is undermined not only by external but also by internal causes. What is far more important is the health of the etheric body, which fights against disease right up to death; the health of the astral body, which is the bearer of passions, drives, desires, and ideas; and finally, the health of the “I”-bearer, which makes the human being a self-conscious entity. Anyone who wishes to take the whole human being into account must certainly take into account the four members of the human being, and when the question of health arises, it is not merely a matter of eliminating disturbances affecting the physical body, but also of considering what is taking place in the higher members—the more soul-spiritual members. Here we must recognize that the fault lies not merely with this or that political faction, but with our entire contemporary mindset.
[ 22 ] Das können Sie daraus ersehen, daß sehr selten die Frage gestellt wird: Wie hängt denn die Gesundheitsfrage mit den seelisch-geistigen Dingen zusammen? — Man wird heute viel Zustimmung finden, wenn man davon spricht, wieviel dieses oder jenes Nahrungsmittel Brennwert hat, wie dieses oder jenes Nahrungsmittel im Organismus wirkt. Man wird auch volle Zustimmung finden, wenn man auseinandersetzt, wie die Luft in dieser oder jener Gegend ist, wo dieses oder jenes Sanatorium sich befindet, wie die Luft und das Licht da oder dort wirken. Aber nicht wird man Anklang finden, wenn man seelische Eigenschaften als mögliche Ursachen bestimmter Erkrankungen angibt.
[ 22 ] You can see this from the fact that the question is very rarely asked: How is the issue of health related to mental and spiritual matters? — Today, one will find widespread agreement when discussing the caloric value of this or that food, or how this or that food affects the organism. People will also fully agree when you discuss what the air is like in this or that region where this or that sanatorium is located, and how the air and light affect people there. But you will not find a receptive audience if you point to psychological characteristics as possible causes of certain illnesses.
[ 23 ] Nehmen wir die Instinkte des Kindes, wie sie sich ausdrücken in Sympathie und Antipathie gegenüber diesem oder jenem Nahrungsmittel. Nehmen wir das Ekelgefühl, mit dem es dies oder jenes zurück weist als ein Anzeichen, welches darauf hinweist, daß auch das, was an sich zugrundeliegt dem Gesundsein des physischen Leibes, der astralische Leib — der aus Gefühlen und Empfindungen, aus Impulsen und Begierden besteht —, daß auch das GeistigSeelische gesund sein muß, und daß, wenn eine Abweichung von dem Gesunden im Menschen erblickt wird, man auch auf die Gesundung des astralischen Leibes achten muß. Frägt man heute wirklich noch, wenn diese Fragen in Betracht kommen, was des Menschen Seele erlebt gegenüber der Außenwelt? Der Geisteswissenschaftler muß darauf hinweisen, daß es im Grunde genommen wenig darauf ankommt, ob man einen Menschen, der an diesem oder jenem erkrankt, da oder dorthin schickt, weil man glaubt, die Luft oder das Licht werde aus äußeren mechanischen oder chemischen Gründen gesundend auf ihn wirken. Eine andere, viel größere Frage ist es, ob ich ihn in eine solche Umgebung bringen kann, daß er Freude, Erhebung, in gewisser Beziehung eine Durchleuchtung seines ganzen Gefühlslebens nach einer bestimmten Richtung erfahren kann.
[ 23 ] Let us consider a child’s instincts, as they are expressed in sympathy and antipathy toward this or that food. Let us take the feeling of disgust with which the child rejects this or that as a sign indicating that not only must the physical body be healthy—but also the astral body, which consists of feelings and sensations, impulses, and desires—and that the spiritual-soul aspect must also be healthy, and that, when a deviation from health is observed in a person, one must also attend to the healing of the astral body. When these questions arise, does one really still ask today what the human soul experiences in relation to the external world? The spiritual scientist must point out that, fundamentally, it matters little whether one sends a person suffering from this or that ailment here or there, believing that the air or light will have a healing effect on them for external mechanical or chemical reasons. A different, far more important question is whether I can place them in an environment where they can experience joy, elevation, and, in a certain sense, a purification of their entire emotional life in a specific direction.
[ 24 ] Wenn wir dies im Großen betrachten, so werden wir auch verstehen, daß es zu dem Gesundsein gehört, daß dem Menschen eine Speise schmeckt, daß der Mensch sozusagen in seinem Geschmacke, in der unmittelbaren Geschmacksempfindung, in der Annehmlichkeit und Freude, die ihm die Speise bereitet, einen Gradmesser hat für dasjenige, was er essen soll, und daß der Mensch auf der anderen Seite an dem richtig auftretenden Hungergefühl einen Gradmesser hat dafür, wann sein Organismus essen soll.
[ 24 ] If we look at this from a broader perspective, we will also understand that being healthy involves a person enjoying their food—that a person, so to speak, has in their sense of taste, in their immediate taste sensation, and in the pleasure and joy that food brings them, a gauge for what they should eat, and that, on the other hand, a person’s properly functioning sense of hunger serves as a guide for when their body needs to eat.
[ 25 ] Es sind nicht bloß von der materiellen Welt her kommende Einflüsse, welche diese innere Sicherheit im Menschen zerstören, es sind in den weitaus meisten Fällen durchaus auch Einflüsse aus dem geistigen Leben, welche dem Menschen die Sicherheit des Hungertriebes untergraben. Statt dem Menschen im richtigen Moment einen gesunden Hunger beizubringen, kann der geistige Einfluß auf die Natur des Menschen so wirken, daß dieser Hunger nicht da ist, sondern Appetitlosigkeit. Ein Mensch, der die Bedürfnissse seines Organismus in der richtigen Weise entwickelt hat, so daß ihm das Richtige schmeckt und sympathisch ist und auch seinem Organismus dienen kann, ein solcher wird auch das richtige sympathische Gefühl haben, um die richtige Umgebung zu finden, die seiner Gesundheit dient in bezug auf Licht und Luft, so daß ihm zur richtigen Zeit der Hunger danach kommt.
[ 25 ] It is not merely influences originating from the material world that destroy this inner sense of security in human beings; in the vast majority of cases, it is also influences from spiritual life that undermine the security provided by the hunger instinct. Instead of instilling a healthy hunger in a person at the right moment, spiritual influences on human nature can have the effect of causing not hunger but a lack of appetite. A person who has developed the needs of their organism in the right way—so that what is right tastes good to them, appeals to them, and also serves their organism—will also have the right, positive feeling to find the right environment that promotes their health in terms of light and air, so that the hunger for it arises at the right time.
[ 26 ] Das sind Forderungen, die eng zusammenhängen mit dem gesundheitlichen Leben, und die zu dem hinführen, was der astralische Leib und das Ich beizutragen haben zu dieser Gesundheit. Leicht wird der Einwand gemacht: wenn jemand Hunger habe, könne er nicht von Gefühlen und von Empfindungen leben. Das ist wahr, daß wenn man jemand eine leckere Speise vorsetzt, ihm unter Umständen das Wasser im Munde zusammenlaufen kann, aber man ihn nicht damit sättigen kann, wenn ihm der wirkliche Geschmack der Speise verborgen bleibt. Leicht ist dieser Einwand. Durch das, was wir dem Menschen geben können an dem, was seine Seele so beeinflußt, daß sie in richtiger Weise die Empfindungen und Vorstellungen ablaufen läßt, dadurch können wir ihn nicht sättigen und nicht gesundmachen; das ist selbstverständlich. Aber was dabei übersehen wird, ist ein anderes. Nicht dadurch können wir die Nahrung regeln, daß wir die Nahrungsmittel erklären, wohl aber dadurch, daß wir den Geschmack regeln, bis hin zum richtig auftretenden Hungergefühl. Hier mündet das, was sich heute zersplittert, weil es nur vom Standpunkte äußerlicher stofflicher Betrachtung gehandhabt wird, ein in das GeistigSeelische.
[ 26 ] These are requirements that are closely connected with a healthy life and that lead to what the astral body and the ego have to contribute to this health. It is easy to raise the objection: if someone is hungry, they cannot live on feelings and sensations alone. It is true that if you set a delicious meal before someone, their mouth may water under certain circumstances, but you cannot satisfy them with it if the true taste of the food remains hidden from them. This objection is easy to make. Through what we can give a person—that which influences their soul in such a way that it allows sensations and perceptions to unfold properly—we cannot satisfy them or make them healthy; that goes without saying. But what is overlooked here is something else. We cannot regulate nutrition by explaining the foodstuffs themselves, but rather by regulating the taste, right down to the proper sensation of hunger. This is where what is currently fragmented—because it is approached solely from the standpoint of external, material observation—converges into the spiritual-psychic realm.
[ 27 ] Es ist nicht einerlei, ob der Mensch diese oder jene Speise mit Lust oder Unlust zu sich nimmt, ob er in dieser oder jener Umgebung lebt, ob er die Arbeit, die er verrichtet, mit Lust oder Unlust tut. Damit hängt in geheimnisvoller Weise, mehr als mit irgend etwas anderem, das zusammen, was man seine innere Gesundheitsdisposition nennt. Wie wir beim Kinde sehen, daß es richtige Instinkte entwickelt, und — wenn wir die Möglichkeit haben, seine Instinkte zu beobachten — einen Gradmesser haben für seine inneren Bedürfnisse, so ist es auch notwendig, daß der Erwachsene das Geistig-Seelische so erlebt, daß die richtigen Bedürfnisse zur richtigen Zeit vor die Seele hintreten, daß er fühlt und empfindet, was für ein Verhältnis er herstellen soll zwischen sich und der Außenwelt. Das Leben ist im weitesten Umfange geeignet, den Menschen in Irrtum über Irrtum zu bringen über dieses sein Verhältnis zur Außenwelt. Und gerade unsere heutige Geistesrichtung ist in mehr als einer Richtung die Veranlassung solcher Irrtümer.
[ 27 ] It matters whether a person eats this or that food with pleasure or reluctance, whether they live in this or that environment, and whether they perform their work with pleasure or reluctance. What is known as one’s inner disposition toward health is mysteriously linked to this, more so than to anything else. Just as we see in a child that it develops proper instincts—and, if we have the opportunity to observe these instincts, we have a barometer for its inner needs—so too is it necessary for the adult to experience the spiritual and soul life in such a way that the right needs come to the fore at the right time, so that he feels and senses what kind of relationship he should establish between himself and the outside world. Life is, to the greatest extent, capable of leading people into one error after another regarding this relationship to the outside world. And our current way of thinking, in more ways than one, is the cause of such errors.
[ 28 ] Damit wir uns besser verstehen, möchte ich auf den kleinen Anfang hinweisen, den wir mit einer bestimmten Heilweise gemacht haben. In München wird von einem unserer geisteswissenschaftlichen Genossen eine Art von Kur oder Heilweise versucht, wie sie sich ergibt aus den Anschauungen der Geisteswissenschaft heraus. Wer heute glaubt, auf den Menschen könnten in gesundendem Sinne wirken nur 'stoffliche, physikalisch-chemische und physiologische Einflüsse, der wird vielleicht lachen darüber, daß der Mensch da in besonders eigenartig gefärbte Kammern geführt wird, und daß da durch die Kräfte einer gewissen Farbe und durch andere Dinge, die hier nicht weiter erörtert werden sollen, auf die menschliche Seele gewirkt werden kann, allerdings nicht auf die Oberfläche. Da müssen Sie aber sehen den Unterschied zwischen dieser Wirkungsweise in den Kammern, einer Art Chromotherapie, einer Art Farbentherapie, und dem, was man Lichttherapie nennt. Wenn der Mensch mit Licht bestrahlt wird, so liegt der Gedanke zugrunde, das physische Licht unmittelbar wirken zu lassen, so daß man sich sagt, wenn man diesen oder jenen Lichtstrahl auf den Menschen wirken läßt, so wird von außen auf den Menschen eingewirkt. Darauf wird bei der erwähnten Farbentherapie gar keine Rücksicht genommen.
[ 28 ] To help us understand each other better, I would like to point out the small beginning we have made with a particular method of healing. In Munich, one of our colleagues in spiritual science is experimenting with a kind of treatment or healing method that arises from the principles of spiritual science. Anyone who believes today that only ‘material, physical-chemical, and physiological influences’ can have a healing effect on human beings might laugh at the idea that people are led into chambers with particularly peculiar colors, and that through the powers of a certain color and other factors—which need not be discussed further here—it is possible to influence the human soul, though certainly not on a superficial level. However, you must recognize the difference between this method of treatment in the chambers—a kind of chromotherapy, a kind of color therapy—and what is called light therapy. When a person is exposed to light, the underlying idea is to allow the physical light to act directly, so that one assumes that when this or that beam of light is directed at a person, the effect is exerted on the person from the outside. The color therapy mentioned above takes no account of this at all.
[ 29 ] Bei dieser der Geisteswissenschaft entnommenen Heilweise, die unser Freund Dr. Peipers eingerichtet hat, ist nicht darauf gerechnet, was die Lichtstrahlen als solche, unabhängig von der menschlichen Seele, auf den Menschen für eine Wirkung haben, sondern es ist Rücksicht genommen darauf, was unter der Einwirkung sagen wir der blauen Farbe, nicht des Lichtes, auf dem Umwege über die Vorstellung in der Seele bewirkt wird und dadurch zurückwirkt auf den ganzen körperlichen Organismus.
[ 29 ] In this healing method, derived from spiritual science and established by our friend Dr. Peipers, no account is taken of the effect that light rays as such, independently of the human soul, have on a person; rather, it takes into account what is brought about in the soul—indirectly through the imagination—under the influence of, let us say, the color blue (not the light itself), and how this in turn affects the entire physical organism.
[ 30 ] Diesen gewaltigen Unterschied zwischen dem, was man sonst Lichttherapie nennt, und dem, was man hier Farbentherapie nennen kann, muß man ins Auge fassen. Es kommt dazu, daß gewisse Kranke ausgefüllt sind mit dem Inhalte einer ganz bestimmten Farbenvorstellung. Man muß wissen, daß die Farben in sich Kräfte enthalten, die dann in Erscheinung treten, wenn sie uns nicht nur bestrahlen, sondern in unserer Seele wirken. Man muß wissen, daß die eine Farbe etwas ist, das herausfordernd wirkt, daß eine andere Farbe etwas ist, was Sehnsuchtskräfte auslöst, daß eine dritte Farbe etwas ist, was die Seele über sich selbst erhebt, und eine andere Farbe etwas, das die Seele unter sich herunterdrückt.
[ 30 ] One must take into account this enormous difference between what is otherwise called light therapy and what can be called color therapy here. In addition, certain patients are filled with the content of a very specific conception of color. One must understand that colors contain forces within them that manifest when they not only shine upon us but also work within our souls. One must understand that one color has a challenging effect, that another color triggers forces of longing, that a third color lifts the soul above itself, and that yet another color presses the soul down below itself.
[ 31 ] Wenn wir auf diese physisch-geistige Wirkung sehen, dann wird sich uns zeigen, was der Urgrund des Physischen und Ätherischen ist: daß unser astralischer Leib der eigentliche Bildner des Physischen und Ätherischen ist. Das Physische ist nur eine Verdichtung des Geistigen, und das Geistige kann wiederum zurückwirken auf das Physische, so daß es in der richtigen Weise durchwirkt und durchlebt wird. Dann, wenn wir uns den Grundgedanken einer solchen Sache vor Augen führen, werden wir auch die Hoffnung haben können zu verstehen — dadurch, daß wir wiederum eine Wissenschaft haben, die darauf hinweist, wie Geistig-Seelisches im Menschen lebt —, daß das, was im Geistig-Seelischen lebt, sich in Gesundheit und Krankheit im Physischen ausdrückt.
[ 31 ] When we consider this physical-spiritual interaction, we will see what the source of the physical and etheric realms is: that our astral body is the true shaper of the physical and etheric realms. The physical is merely a condensation of the spiritual, and the spiritual, in turn, can act back upon the physical so that it is permeated and lived through in the proper way. Then, when we keep the fundamental idea of such a matter in mind—and because we have a science that points to how the spiritual-soul aspect lives within the human being—we will also be able to hope to understand that what lives in the spiritual-soul aspect expresses itself in the physical realm in both health and illness.
[ 32 ] Wer sich das klarmacht, wird hinsichtlich der Gesundheitsfragen auf die Geisteswissenschaft hoffen dürfen. So leicht es ist, zu sagen: Mit Weltanschauung könnt ihr einen Menschen nicht kurieren, — so ist es doch auch wahr, daß von der Weltanschauung die Gesundheit des Menschen abhängt. Für die heutige Menschheit ist das ein Paradoxon, für die Zukunft wird es eine Selbstverständlichkeit sein! Ich will dies noch ein wenig weiter erörtern. Man kann sagen: Der Mensch muß auf die rein objektive Wahrheit kommen, er muß seine Begriffe zu genauen Abbildern der äußeren physischen Tatsachen machen. Eine solche Forderung kann man als Theoretiker aufstellen. Man kann einen Menschen als Ideal hinstellen, der sich bemüht, nur das zu denken, was die Augen sehen, die Ohren hören und die Hände betasten können. — Da kommt nun die Geisteswissenschaft und sagt: Ihr könnt das, was wirklich ist, niemals begreifen, wenn Ihr nur auf das seht, was äußerlich wahrnehmbar ist, was die Augen sehen, die Ohren hören, die Hände greifen können. Was wirklich ist, enthält das Geistige als Urgrund. Das Geistige kann man nicht wahrnehmen, man muß es durch die Mitarbeit, durch die Produktion des Geistig-Seelischen erleben. Zum Geistigen braucht man produktive Kräfte. Der Geisteswissenschaftler ist, wenn er von den einzelnen Teilen seiner Wissenschaft spricht, nicht immer in der Lage, handgreiflich vorzuführen, was zu seinen Begriffen führt. Er schildert dasjenige, was nicht mit Augen gesehen, mit Ohren gehört oder mit Händen gefaßt werden kann, weil es mit den Augen des Geistes verfolgt werden muß. Da kann man dann sagen: Das ist ja eine Schilderung von etwas, das es in der Sinneswelt gar nicht gibt. Für uns ist Wahrheit das, was ein inneres Abbild der äußeren Wirklichkeit gibt. Eine solche Theorie mag man aufstellen, aber über deren Wahrheits- und Erkenntniswert wollen wir heute nicht sprechen, wir wollen über deren Gesundungswert sprechen. Die Sache ist so, daß alle diejenigen Vorstellungen, die wir bloß von der äußeren sinnlichen Wirklichkeit abstrahieren, die sozusagen nur Abbilder sind dessen, was man mit Augen sieht, mit Ohren hört, mit Händen betastet, welche nicht beruhen auf der inneren Mittätigkeit der Seele beim Schaffen von Bildern, alle diese Abstraktionen, alle treu an der Wirklichkeit der äußeren Sinne haftenden Vorstellungen haben keine inneren Bildekräfte; sie lassen die Seele tot; sie rufen die Seele nicht auf, ihre im Innern schlummernden Kräfte in Tätigkeit zu bringen.
[ 32 ] Anyone who realizes this can place their hope in the spiritual sciences when it comes to health issues. As easy as it is to say, “You cannot cure a person with a worldview,” it is nevertheless true that a person’s health depends on their worldview. For humanity today, this is a paradox; for the future, it will be a matter of course! I would like to discuss this a little further. One might say: Human beings must arrive at purely objective truth; they must make their concepts exact representations of external physical facts. As a theorist, one can make such a demand. One can hold up as an ideal a person who strives to think only what the eyes can see, the ears can hear, and the hands can touch. — But then spiritual science comes along and says: You can never grasp what is truly real if you look only at what is outwardly perceptible—what the eyes see, the ears hear, and the hands can grasp. What is truly real has the spiritual as its foundation. The spiritual cannot be perceived; one must experience it through active participation, through the creative activity of the spiritual-soul. One needs creative powers to access the spiritual. When the spiritual scientist speaks of the individual aspects of his science, he is not always able to demonstrate tangibly what leads to his concepts. He describes that which cannot be seen with the eyes, heard with the ears, or grasped with the hands, because it must be perceived with the eyes of the spirit. One might then say: This is, after all, a description of something that does not exist at all in the sensory world. For us, truth is that which provides an inner reflection of external reality. One may put forward such a theory, but we do not wish to discuss its value in terms of truth and knowledge today; rather, we wish to speak of its value for healing. The fact is that all those concepts which we merely abstract from external sensory reality—which are, so to speak, merely images of what one sees with the eyes, hears with the ears, or touches with the hands—and which do not rest on the soul’s inner participation in the creation of images—all these abstractions, all concepts that cling faithfully to the reality of the external senses, lack inner imaginative powers; they leave the soul dead; they do not call upon the soul to bring its inner, slumbering powers into activity.
[ 33 ] Es mögen noch so sehr die Äußere-Tatsachen-Fanatiker davon sprechen, man solle die Wirklichkeit nicht mit Bildern der übersinnlichen Welt durchsetzen. Aber so paradox es auch klingt, diese Bilder bringen unseren Geist wieder in eine Tätigkeit, die ihm angemessen ist. Sie bringen ihn wieder in Einklang mit dem physischen Organismus. Derjenige, der an den rein abstrakten Vorstellungen der bloß materialistischen Wissenschaft haftet, der tut aus seinem Geistigen nichts für seine Gesundheit. Wer positiv nur Abstraktionen in seinen Begriffen sich schafft, macht seineSeele öde und leer,und er ist immer darauf angewiesen, das äußere Instrument des Leibes zum Träger der Gesundheit und zum Träger der Krankheit zu machen. Wer in ungeordneten und verkehrten Vorstellungen lebt, der weiß auch nicht, wie er sich in geheimnisvoller Weise einimpft die Ursachen der Zerstörung seines Organismus. Daher steht die Geisteswissenschaft auf dem Standpunkte, daß durch die Gesichtspunkte, die sie geltend macht in bezug auf die übersinnliche Welt, auf jene Welt, die wir nicht mit äußeren Sinnen erkennen, sondern in starker Weise innerlich wachrufen müssen, wir unsere Seele innerlich so regsam machen, daß ihre Tätigkeit in Einklang steht mit der geistigen Welt, aus der heraus unser ganzer Organismus geschaffen worden ist. Daher wird unser Organismus nicht durch kleinliche Mittel zur Gesundung gebracht, sondern die Geisteswissenschaft selbst ist das große Heilmittel zur Gesundung.
[ 33 ] No matter how much the fanatics of “external facts” may insist that reality should not be interwoven with images of the supersensible world, But as paradoxical as it may sound, these images restore our spirit to an activity that is appropriate for it. They bring it back into harmony with the physical organism. Those who cling to the purely abstract concepts of purely materialistic science do nothing for their health with their spiritual nature. Those who construct only abstractions in their concepts make their soul barren and empty, and they are always dependent on making the external instrument of the body the bearer of both health and illness. Those who live amid disordered and distorted ideas are also unaware of how they are, in a mysterious way, instilling within themselves the causes of their organism’s destruction. Therefore, spiritual science takes the position that through the perspectives it asserts regarding the supersensible world—that world which we do not perceive with our external senses but must powerfully evoke within ourselves—we make our soul so inwardly active that its activity is in harmony with the spiritual world from which our entire organism was created. Therefore, our organism is not restored to health through petty means; rather, spiritual science itself is the great remedy for healing.
[ 34 ] Derjenige, der aus den großen Gesichtspunkten der Welt seine Gedanken bildet, diese Gedanken lebendig macht, der ruft eine solche innerliche Tätigkeit hervor, daß auch seine Gefühle und Empfindungen in einer harmonischen, die Seele beseligenden Weise abfließen. Wer auf seine Gedanken so wirkt, wirkt auch auf seine Willensimpulse, und diese wirken dann in einer gesundenden Weise. Aber das tun sie nur dadurch, daß wirklich eine gesunde Weltanschauung, eine gesunde Harmonie der Gedanken unsere Seele erfüllt. Dadurch werden auch unsere Empfindungen, und im Zusammenhange damit unsere Lust und Unlust, unsere Sympathie und Antipathie, unser Verlangen und unsere Abscheu so geregelt, daß wir der Welt so gegenüberstehen, daß wir in jedem einzelnen Falle wissen, was zu tun ist, wie das Kind, dessen Instinkt noch nicht verdorben ist. So werden wir in unserer Seele innerlich diejenigen Gefühle, Empfindungen, Willensimpulse und Begierden wachrufen, die uns eine sichere Richtschnur im Leben sind, die uns anweisen, was zu tun ist, um das richtige Verhältnis zwischen der Außenwelt und uns selber hervorzurufen.
[ 34 ] Those who form their thoughts based on the grand perspectives of the world and bring these thoughts to life evoke such inner activity that even their feelings and sensations flow in a harmonious way that brings bliss to the soul. Whoever influences their thoughts in this way also influences their impulses of will, and these then have a healing effect. But they do so only when a truly healthy worldview—a healthy harmony of thoughts—fills our soul. As a result, our sensations—and, in connection with them, our likes and dislikes, our sympathies and antipathies, our desires and aversions—are regulated in such a way that we face the world knowing, in every single case, what to do, just like a child whose instinct has not yet been corrupted. In this way, we will internally awaken within our soul those feelings, sensations, impulses of the will, and desires that serve as a sure guide in life, instructing us on what to do in order to establish the proper relationship between the outside world and ourselves.
[ 35 ] Es ist nicht zuviel gesagt, wenn wir sagen: Klare, helle Gedanken, umfassende Gedanken, wie sie nur durch eine umfassende, auf das Ganze der Welt, also auch auf das Übersinnliche gehende Weltanschauung hervorgerufen werden können, sind Voraussetzung für die Gesundheit. Reine, dem Objektiven des Geistigen entsprechende Gefühle und Willensimpulse, wie sie solchen Gedanken entsprechen, die werden den Menschen die Möglichkeit geben, einen gesunden Hunger zu empfinden. Wenn man den Menschen auch nicht mit Weltanschauung füttern kann, so bietet dies doch die Möglichkeit, das zu finden, was seiner Seele entspricht, zu suchen, was für ihn entsprechend ist und zu verabscheuen, was für ihn nicht entsprechend ist. Die Gedanken, die Abbilder sind für die übersinnliche Welt, sind das beste Verdauungsmittel — wenn auch als Paradoxon — nicht weil in den Gedanken die Kräfte der Verdauung sind, sondern dadurch, daß durch tatkräftige Gedanken die Kräfte wachgerufen werden, welche die Verdauung in geregelter Weise vor sich gehen lassen.
[ 35 ] It is no exaggeration to say that clear, lucid thoughts—comprehensive thoughts of the kind that can only be brought about by a comprehensive worldview extending to the whole of the world, including the supersensible—are a prerequisite for health. Pure feelings and impulses of will that correspond to the objective reality of the spiritual—such as those that accompany such thoughts—will give people the ability to feel a healthy appetite. Even if one cannot “feed” people a worldview, this still offers them the opportunity to find what corresponds to their soul, to seek out what is appropriate for them, and to reject what is not. Thoughts—which are images of the supersensible world—are the best digestive aid—even if this seems paradoxical—not because the forces of digestion reside within the thoughts themselves, but because active thoughts awaken the forces that allow digestion to proceed in an orderly manner.
[ 36 ] Solange die Menschen diesen Ruf der Geisteswissenschaft nicht vernehmen, solange sie immer wieder glauben, dasjenige, was ihnen in dieser oder jener Krankheitsform in dieser oder jener Weise entgegentritt, das habe seine Gesundung gefunden, wenn man ein entsprechendes Mittel dafür gefunden hat, so lange werden sie die Wichtigkeit der Geisteswissenschaft nicht erkannt haben. Sie werden auch nicht erkannt haben, inwiefern dieGesundheit im Wesen der Entwickelung eine Rolle spielt. Auch die gehen nicht weit genug, welche sagen, man solle nicht Symptom-Kuren ausführen. Auch sie erfassen nicht den geistigen Kern. Wer an die Geisteswissenschaft herantritt, der wird finden, daß sie eine Weltanschauung ist, durch welche innereSeligkeit fließt, eine Weltanschauung der Lust und Freude, daß sie Voraussetzung ist, um das große Heilmittel für die Gesundheit zu fördern. Leichter ist es, dieses oder jenes Mittel zu gebrauchen, als sich in den Strom der Geisteswissenschaft zu begeben, um das zu finden, was die Menschen immer gesunder und gesunder machen wird. Dann wird man aber einsehen, wenn man sich in diese Geisteswissenschaft hinein begibt, daß es wahr ist, was ein altes Wort sagt: «In einem gesunden Körper wohnt eine gesunde Seele», aber daß es falsch ist, dieses Wort materialistisch aufzufassen. Wer da glaubt, er müsse dieses Wort materialistisch auffassen, der soll nur auch gleich sagen: Hier sehe ich ein Haus. Dieses Haus ist schön. Also schließe ich daraus, weil dieses Haus schön ist, so muß es auch hervorgebracht haben einen schönen Besitzer. Das schöne Haus macht einen schönen Besitzer. — Vielleicht ist der doch etwas klüger, der sagt: Hier ist ein schönes Haus; daraus schließe ich, daß darin ein Besitzer lebt, der Geschmack hat. Ich sehe in dem Besitzer des schönen Hauses einen Menschen von gutem Geschmack, und in dem Haus das äußere Anzeichen dafür, daß der Besitzer ein Mensch von gutem Geschmack ist.
[ 36 ] As long as people do not heed this call from spiritual science, as long as they continue to believe that whatever afflicts them in this or that form of illness, in this or that way, has been cured once an appropriate remedy has been found, they will not have recognized the importance of spiritual science. Nor will they have recognized the extent to which health plays a role in the nature of evolution. Even those who say one should not treat symptoms do not go far enough. They, too, fail to grasp the spiritual core. Anyone who approaches spiritual science will find that it is a worldview through which inner bliss flows—a worldview of delight and joy—and that it is a prerequisite for fostering the great remedy for health. It is easier to use this or that remedy than to enter into the stream of spiritual science in order to find what will make people healthier and healthier. But once one enters into this spiritual science, one will realize that it is true what an old saying states: “A healthy soul dwells in a healthy body,” but that it is wrong to interpret this saying in a materialistic way. Anyone who believes they must interpret this saying materialistically should simply say: Here I see a house. This house is beautiful. Therefore, I conclude that, because this house is beautiful, it must also have produced a beautiful owner. The beautiful house makes for a beautiful owner. — Perhaps the person who says, “Here is a beautiful house; from this I conclude that a person of good taste lives there,” is a bit wiser. I see in the owner of the beautiful house a person of good taste, and in the house the outward sign that the owner is a person of good taste.
[ 37 ] Vielleicht findet sich aber auch der Gescheite, der sagt: Weil äußere Mächte den Körper gesund gemacht haben, hat sich der Körper wieder eine gesunde Seele formiert. — Aber richtig ist es nicht, sondern recht hat der, der sagt: Hier sehe ich den gesunden Körper. Das ist ein Zeichen dafür, daß er aufgebaut sein muß von einer gesunden Seele. Er ist gesund, weil die Seele gesund ist. — Deshalb kann man sagen: Weil man das äußere Symptom des gesunden Leibes erblickt, deshalb muß da eine gesundeSeele zugrunde liegen. Eine materialistische Zeit mag sich das Wort: «Einem gesunden Leibe muß eine gesunde Seele zugrunde liegen» ganz materialistisch auslegen. Die Geisteswissenschaft aber zeigt uns, daß in einem gesunden Leibe eine gesunde Seele am Werke ist.
[ 37 ] But perhaps there is also someone wise who says: Because external forces have restored the body to health, the body has once again formed a healthy soul. — But that is not correct; rather, the one who says, “Here I see a healthy body,” is right. This is a sign that it must be built up by a healthy soul. It is healthy because the soul is healthy. — Therefore, one can say: Because we see the outward symptom of a healthy body, there must be a healthy soul underlying it. A materialistic age may interpret the saying, “A healthy body must be underpinned by a healthy soul,” in a purely materialistic way. Spiritual science, however, shows us that a healthy soul is at work within a healthy body.
