Where and how can one find the Spirit?
GA 57
12 March 1909, Berlin
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Where and how can one find the Spirit?, tr. SOL
14. Die Rätsel in Goethes «Faust» Esoterisch
14. The Mysteries in Goethe’s “Faust”: Esoteric
[ 1 ] In einer der Fassungen, die Goethe seinem «Faust» geben wollte, sollte im zweiten Teile, am Ende des dritten Aktes, Mephistopheles, der in diesem Akte die Maske der Phorkyas getragen hat, vor die Rampe treten, die Maske fallen lassen, von den Kothurnen herunter treten und eine Art Epilog sprechen. Es war gedacht, wie uns die szenische Bemerkung sagt, die jetzt ohne Sinn geblieben ist, daß in diesem Epilog hingedeutet werden sollte auf die Art und Weise, wie die letzte Gestalt des Faust aufzufassen ist. Die Worte, welche da Mephistopheles gleichsam als Kommentator sprechen sollte, stehen nicht im «Faust»; sie sind aber auf einem Blatt in Goethes Nachlaß erhalten geblieben. In einer gewissen humorvollen Weise sucht da Goethe durch den Mund des Mephistopheles darauf hinzuweisen, wie sich eigentlich das Publikum zu seinem «Faust» stellen sollte.
[ 1 ] In one of the versions Goethe intended for his *Faust*, in the second part, at the end of the third act, Mephistopheles—who had worn the mask of Phorkyas in that act—was to step forward onto the proscenium, drop the mask, step down from his buskins, and deliver a sort of epilogue. As the stage direction—which has now lost its meaning—tells us, the intention was for this epilogue to hint at how Faust’s final appearance should be interpreted. The words that Mephistopheles was to speak there, as it were, in the role of a commentator, do not appear in *Faust*; however, they have been preserved on a sheet of paper in Goethe’s estate. In a somewhat humorous manner, Goethe seeks here, through the words of Mephistopheles, to indicate how the audience should actually approach his *Faust*.
[ 2 ] Diese Worte sind bemerkenswert, und in einer gewissen Beziehung soll die heutige Betrachtung in ihrem Geist gehalten werden. Sie knüpfen an den Euphorion an, der auf eine geisterhafte Art geboren worden ist, gleich nach seiner Geburt springt und hüpft und «ein zierlich Wort» sagt. Und so knüpfen diese Worte an:
[ 2 ] These words are remarkable, and in a certain sense, today’s reflection should be guided by their spirit. They tie in with the story of Euphorion, who was born in a supernatural manner, and who, immediately after his birth, leaps and bounds and utters “a graceful word.” And so these words tie in as follows:
Genug, ihr seht ihn, ob es gleich viel schlimmer ist
Als auf der britischen Bühne, wo ein kleines Kind
Sich nach und nach herauf zum Helden wächst.
Hier is’s noch toller: kaum ist er gezeugt, so ist er auch geboren,
Er springt und tanzt und ficht schon! Tadeln viele das,
So denken andere, dies sei nicht so grad
Und gröblich zu verstehen, dahinter stecke was.
Man wittert wohl Mysterien, vielleicht wohl gar
Mystifikationen, Indisches und auch
Ägyptisches, und wer das recht zusammenkneipt,
Zusammenbraut, etymologisch hin und her
Sich zu bewegen Lust hat, ist der rechte Mann.
Wir sagen’s auch, und unseres tiefen Sinnes wird
Der neueren Symbolik treuer Schüler sein.
Enough—you see him, though it’s far worse
Than on the British stage, where a small child
Gradually grows into a hero.
Here it’s even more amazing: no sooner is he conceived than he’s born,
He’s already leaping, dancing, and fencing! Many criticize this,
While others think it’s not quite so straightforward
And that there’s something more to it than meets the eye.
One senses mysteries, perhaps even
mystifications, Indian and also
Egyptian elements, and whoever can really piece it all together,
brew it up, move back and forth etymologically
with a desire to explore—that is the right man.
We say it too, and our deepest meaning will
be a faithful disciple of modern symbolism.
[ 3 ] Also alle solche Erklärung, welche auf Grundlage alter Überlieferung baut, wird, man darf sagen, schlankweg abgewiesen. Dagegen wird eine Erklärung aus den Tiefen des Geisteslebens gerade gefordert. Daher spricht Mephistopheles auch: «Wir sagen’s auch, und unseres tiefen Sinnes wird der neueren Symbolik treuer Schüler sein.»
[ 3 ] Thus, any such explanation based on ancient tradition is, one might say, flatly rejected. On the other hand, an explanation drawn from the depths of spiritual life is precisely what is called for. That is why Mephistopheles also says: “We say it too, and our innermost being will be a truer disciple of the newer symbolism.”
[ 4 ] Wer sich hineinliest in den zweiten Teil des «Faust», der ! wird wissen, daß Goethe an Wortbildungen in dieser Dichtung reich ist, und daß wir uns daher nicht stoßen dürfen an dem, was scheinbar der Grammatik widerspricht. Hier in diesem Satz ist ausdrücklich ausgesprochen, daß derjenige, der den «Faust» recht im Sinne Goethes versteht, auch sieht, daß Tieferes dahinterliegt. Aber abgewiesen wird zugleich alles, was auf Studieren beruht und was zu irgendeiner bloß symbolischen und dergleichen Auslegung führen könnte. Es wird gefordert, daß die Auslegung des «Faust» leisten solle jene treue Schülerschaft, die ein solches Erleben des Geistigen kennt, das wir nennen können das Erleben im Sinne der neueren Geisteswissenschaft. «Unseres tiefen Sinnes», «der neueren Symbolik treuer Schüler» soll derjenige sein, der im Sinne Goethes den «Faust» kommentiert. Also aus dem unmittelbaren Geistesleben heraus soll das geschöpft sein, und Goethe verrät wohl hier, daß er etwas hineingelegt hat, was es ihm ermöglichte, sich nicht wieder an alte Symbole zu halten, sondern neue, selbständige Symbole aus dem unmittelbaren Geistesleben heraus zu prägen. Wenn man den ersten Teil des «Faust» mit dem zweiten Teil vergleichen will in bezug auf die Darstellung der geistigen Welt, so darf man wohl sagen, daß der erste Teil zum großen Teil Erlerntes darstellt, das, was von außen herandringen kann an den, der Ahnungen hat von der geistigen Welt, der sich aber durch allerlei Lektüre, durch allerlei Operationen in die geistige Welt hineinversetzen will. Erlerntes in bezug auf die übersinnliche Welt enthält der erste Teil des «Faust».
[ 4 ] Anyone who delves into the second part of *Faust* will know that Goethe makes abundant use of neologisms in this work, and that we must therefore not take offense at what appears to contradict grammar. This sentence explicitly states that anyone who understands *Faust* correctly in Goethe’s sense will also see that there is something deeper underlying it. But at the same time, it rejects everything based on scholarly study and anything that might lead to a purely symbolic or similar interpretation. It is required that the interpretation of *Faust* be undertaken by those faithful disciples who are familiar with a spiritual experience that we might call the experience in the sense of modern spiritual science. One who comments on *Faust* in Goethe’s spirit should be “of our deep sense” and “a faithful disciple of modern symbolism.” Thus, this should be drawn from immediate spiritual life, and Goethe probably reveals here that he has incorporated something that enabled him not to adhere to old symbols, but to forge new, independent symbols out of immediate spiritual life. If one wishes to compare the first part of *Faust* with the second part in terms of the depiction of the spiritual world, one may well say that the first part largely represents what has been learned—that which can penetrate from the outside to one who has intuitions about the spiritual world but who seeks to immerse himself in it through all manner of reading and various mental exercises. The first part of *Faust* contains what has been learned about the supersensible world.
[ 5 ] Der zweite Teil enthält Erlebtes, durchaus Erlebtes, und wer es versteht, der weiß, daß es nur herrühren kann von einer Persönlichkeit, welche die Realität der geistigen übersinnlichen Welten, die hinter der physischen Welt sind, kennengelernt hat. Wahrhaftig, Goethe ist sozusagen im Faden der Darstellung geblieben, trotzdem manches im zweiten Teil so unähnlich sieht dem ersten Teil. Was er da erlernt hat, das hat er im zweiten Teil erlebt, das hat er geschaut. Er war drinnen in den geistigen, in den übersinnlichen Welten. Er deutet das auch genügend an in dem, was er im ersten Teil den Faust sprechen läßt: Ich sehe aus meiner Ahnung heraus, daß es wahr ist, was der Weise spricht:
[ 5 ] The second part contains experiences—genuine experiences—and anyone who understands it knows that it can only stem from a person who has come to know the reality of the spiritual, supersensory worlds that lie beyond the physical world. Truly, Goethe has, so to speak, remained faithful to the thread of his narrative, even though much in the second part seems so unlike the first. What he learned there, he experienced in the second part; he beheld it. He was immersed in the spiritual, in the supersensible worlds. He also alludes to this sufficiently in what he has Faust say in the first part: “I see from my intuition that it is true what the sage says:
Die Geisterwelt ist nicht verschlossen;
Dein Sinn ist zu, dein Herz ist tot!
Auf, bade, Schüler, unverdrossen
Die irdsche Brust im Morgenrot!
The spirit world is not closed off;
Your mind is closed, your heart is dead!
Come, bathe, disciple, undaunted
Your earthly breast in the morning glow!
[ 6 ] Darauf kann Goethe hinweisen, da wo er selbst mitteilen kann — was derjenige schaut, der «die irdsche Brust im Morgenrotbadet», um zu warten auf die aufgehende Geistessonne. Im ganzen ersten Teil finden wir — das mag wohl aus den gestrigen Darlegungen hervorgegangen sein — zwar ein energisches Hinaufstreben des Schülers Faust in dieses Morgenrot, aber wir finden auch klar und deutlich angedeutet, daß der Weg nirgends in einer befriedigenden Weise durchmessen ist.
[ 6 ] Goethe can point this out where he himself is able to convey—what is seen by the one who “bathes his earthly breast in the morning glow,” waiting for the rising sun of the spirit. Throughout the entire first part—as may well have emerged from yesterday’s explanations—we do indeed find a vigorous striving by the student Faust toward this dawn, but we also find it clearly and unambiguously indicated that the path has not been traversed in a satisfactory manner anywhere.
[ 7 ] Wie beginnt nun der zweite Teil? Ist die Weisung des Weisen «die irdische Brust im Morgenrot zu baden» erfüllt in einer Beziehung? Wir finden Faust «auf blumigen Rasen gebettet, ermüdet, unruhig, schlafsuchend», umspielt von Wesen der geistigen Welt. Wir finden, daß er entrückt ist aller Sinnesanschauung, in Schlaf gehüllt. Mit seinem Geiste, der aus der physischen Welt entrückt ist, beschäftigen sich Wesenheiten der geistigen Welt. Großartig und gewaltig wird uns angedeutet, welchen Gang des Faust Seele nimmt, um hineinzuwachsen in die geistige Welt. Und dann wird uns gezeigt, wie des Faust Seele wirklich selber hinein. wächst in die Welt, die uns angedeutet ist als die geistige Welt im «Prolog im Himmel» im ersten Teil. Goethe sagt aus tiefer Erfahrung heraus das, was immer dem Schüler in den Pythagoräerschulen gesagt worden ist, daß dem eine geheimnisvolle Weltenmusik entgegendringt, der in die geistige Welt eintritt.
[ 7 ] How, then, does the second part begin? Has the sage’s instruction to “bathe the earthly breast in the dawn’s glow” been fulfilled in any sense? We find Faust “reclining on a flower-strewn lawn, weary, restless, seeking sleep,” surrounded by beings from the spiritual world. We find that he is detached from all sensory perception, enveloped in sleep. Beings of the spiritual world are engaged with his spirit, which has been lifted out of the physical world. We are given a magnificent and powerful glimpse of the path Faust’s soul takes to grow into the spiritual world. And then we are shown how Faust’s soul truly grows into that world itself—the world that is hinted at as the spiritual world in the “Prologue in Heaven” in the first part. Speaking from deep experience, Goethe expresses what has always been taught to students in the Pythagorean schools: that a mysterious music of the worlds resounds to meet those who enter the spiritual world.
Die Sonne tönt nach alter Weise
In Brudersphären Wettgesang,
Und ihre vorgeschriebne Reise
Vollendet sie mit Donnergang.
The sun resounds in the ancient way
A contest of song in the spheres of the brotherhood,
And its prescribed journey
It completes with a thunderous roar.
[ 8 ] So muß es herausklingen aus den Welten des geistigen Lebens, wenn diese sachgemäß geschildert werden. Nicht ein poetisches Bild, nicht eine Metapher ist es, was da von der Sphärenmusik gesagt wird, sondern eine Wahrheit; und Goethe bleibt bei dieser Wahrheit, da Faust jetzt selbst, dem physischen Dasein entrückt, wie ein Eingeweihter hineinwächst in die Welt, aus der es so heraustönt. Daher heißt es in der Szene, wo am Beginn des zweiten Teiles Faust in die geistige Welt entrückt wird:
[ 8 ] This is how it must sound when the worlds of spiritual life are described accurately. What is said here about the music of the spheres is not a poetic image or a metaphor, but a truth; and Goethe remains true to this truth, for Faust himself, now removed from physical existence, grows into the world from which this music resounds, like an initiate. Hence, in the scene where Faust is transported into the spiritual world at the beginning of the second part, it is written:
Tönend wird für Geistesohren
Schon der neue Tag geboren.
Felsentore knarren rasselnd,
Phöbus Räder rollen prasselnd;
Welch Getöse bringt das Licht!
Es trommetet, es posaunet,
Auge blinzt und Ohr erstaunet,
Unerhörtes hört sich nicht.
With a resounding sound to the ears of the spirit
The new day is already dawning.
Rock gates creak and rattle,
Phoebus’s wheels roll with a crackling sound;
What a din the light brings!
It drums, it trumpets,
The eye blinks and the ear is astonished,
The unheard cannot be heard.
[ 9 ] Mögen diejenigen, welche glauben, eine Dichtung nur dann zu verstehen, wenn sie sagen können, man solle solcheDinge des Dichters hinnehmen als seine Bilder, die er in dichterischer Freiheit schaff}, mögen sie es ablehnen, diese Dinge realistisch zu nennen. Die physische Sonne tönt nicht! Die geistige Sonne, die hinter der physischen steht, ist es, aus welcher der sich in die geistige Welt Einlebende Töne hört, allerdings geistige, nicht physische Töne. Und auch hier hören wir wiederum, wie die Töne von Jahrtausenden zusammenklingen. Unwillkürlich wird, wer den Gang des menschlichen Geistes durch die Jahrtausende zu verfolgen vermag, bei der Stelle der «tönenden Sonne» erinnert an große Worte, die vor Jahrtausenden einmal gesprochen worden sind, Worte, die einer gesprochen hat, der durch seine Einweihung wußte, daß das, was uns als die physische Sonne erscheint, der Ausdruck ist des Sonnengeistes und der Sonnenseele, so wie der physische Menschenleib der Ausdruck ist des Menschengeistes und der Menschenseele, und der da hinaufgeschaut hat zur geistigen Sonne und sie die große Sonnen-Aura, Ahura Mazdao, nannte, An Zarathustra werden wir erinnert, der, als er die Sonne so geschaut hatte, als ihm die Welt so durchgeistigt war, die großen, gewaltigen Worte sprach:
[ 9 ] Let those who believe they can understand a poem only if they can say that such things from the poet should be accepted as images he creates in poetic freedom—let them refuse to call these things realistic. The physical sun does not make a sound! It is the spiritual sun, which lies behind the physical one, from which those who immerse themselves in the spiritual world hear sounds—though these are spiritual sounds, not physical ones. And here, too, we hear once again how the sounds of millennia resonate together. Anyone capable of tracing the course of the human spirit through the millennia is involuntarily reminded, upon encountering the passage about the “resounding sun,” of great words spoken millennia ago—words spoken by one who, through his initiation, knew that what appears to us as the physical sun is the expression of the sun spirit and the sun soul, just as the physical human body is the expression of the human spirit and the human soul; and who, having looked up to the spiritual Sun and called it the great Solar Aura, Ahura Mazdao, reminds us of Zarathustra, who, having beheld the Sun in this way, when the world appeared to him as so imbued with spirit, spoke these great, mighty words:
[ 10 ] Ich will reden! Hört mir zu, ihr, die ihr von fern, ihr, die ihr von nah darnach Verlangen tragt! Merket alles genau, denn Er wird offenbar sein! Nicht mehr soll der Irrlehrer die Welt verderben, er, der schlechten Glauben mit seiner Zunge bekannt hat. Ich will reden von dem, was in der Welt das Höchste ist, was Er mich gelehrt hat, der Große, Ahura Mazdao. Wer nicht hören will seine Worte, wie ich sie sage, der wird Elendigliches erfahren, wenn der Erdenzyklus erfüllt sein wird!
[ 10 ] I will speak! Listen to me, you who yearn for this from afar, and you who yearn for it from near! Pay close attention to everything, for He will be revealed! No longer shall the false teacher corrupt the world—he who has professed false faith with his tongue. I will speak of what is highest in the world, of what He has taught me, the Great One, Ahura Mazdao. Whoever refuses to hear His words as I speak them will suffer misfortune when the cycle of the earth is fulfilled!
[ 11 ] Bevor die geistige Sonne in der Seele aufgeht, muß der Schüler baden im Morgenrot, das vorangeht. Daher spricht der Weise: «Auf, bade, Schüler, unverdrossen die irdsche Brust im Morgenrot!»
[ 11 ] Before the spiritual sun rises in the soul, the disciple must bathe in the dawn that precedes it. Therefore, the sage says: “Arise, disciple, and bathe your earthly breast undaunted in the dawn!”
[ 12 ] Tut das der Schüler Faust?
[ 12 ] Is that what the student Faust does?
[ 13 ] Nachdem die geistigen Wesenheiten ihn umspielt und sich mit ihm beschäftigt hatten, während seine Seele eine Zeitlang entrückt war dem Leibe, da wacht er auf als ein Gewandelter. Die Seele ist hineingerückt in den Leib, so daß er ahnt, badend im Morgenrot, die aufgehende Sonne des Geistes:
[ 13 ] After the spiritual beings had surrounded him and engaged with him while his soul was temporarily separated from his body, he awoke a changed man. His soul had returned to his body, so that, bathed in the morning glow, he sensed the rising sun of the spirit:
Des Lebens Pulse schlagen frisch lebendig,
Ätherische Dämmerung milde zu begrüßen;
Du, Erde, warst auch diese Nacht beständig
Und atmest neu erquickt zu meinen Füßen,
Beginnest schon mit Lust mich zu umgeben,
Du regst und rührst ein kräftiges Beschließen,
Zum höchsten Dasein immer fortzustreben. —
In Dämmerschein liegt schon die Welt erschlossen,
Der Wald ertönt von tausendstimmigem Leben,
Tal aus, Tal ein ist Nebelstreif ergossen;
Doc senkt sich Hiimmelsklarheit in die Tiefen,
Und Zweig und Äste, frisch erquickt, entsprossen
Dem duftgen Abgrund, wo versenkt sie schliefen;
Auch Farb an Farbe klärt sich los vom Grunde,
Wo Blum und Blatt von Zitterperle triefen,
Ein Paradies wird um mich her die Runde.
The pulse of life beats fresh and alive,
Gently welcoming the ethereal twilight;
You, Earth, remained steadfast this night as well
And breathe, refreshed anew, at my feet,
Already beginning to surround me with delight,
You stir and inspire a resolute determination,
To ever strive toward the highest existence. —
In the twilight, the world already lies revealed,
The forest resounds with a thousand voices of life,
From valley to valley, a streak of mist is poured forth;
Sky-clear light descends into the depths,
And twigs and branches, freshly revitalized, have sprung forth
From the fragrant abyss where they lay submerged;
Color upon color, too, emerges from the depths,
Where flowers and leaves drip with dew,
A paradise unfolds all around me.
[ 14 ] Faust fühlt sich nun auch erwacht in derjenigen Welt, in die er hineinversetzt worden ist während der Entrückung, und er badet die irdische Brust im Morgenrot. Aber es ist erst der Anfang des Weges. Er fühlt sich beim Tor der Initiation. Daher verträgt er noch nicht das, was da scheint, wenn das geistige Auge direkt der geistigen Sonne ausgesetzt wird:
[ 14 ] Faust now feels himself awakened in the world into which he was transported during his rapture, and he bathes his earthly breast in the morning glow. But this is only the beginning of the journey. He feels himself standing at the gate of initiation. Therefore, he cannot yet bear what appears when the spiritual eye is directly exposed to the spiritual sun:
Nun aber bricht aus jenen ewigen Gründen
Ein Flammenübermaß, wir stehn betroffen;
Des Lebens Fackel wollten wir entzünden,
Ein Feuermeer umschlingt uns, welch ein Feuer!
But now, for those eternal reasons,
A flood of flames breaks forth; we stand in awe;
We sought to kindle life’s torch,
A sea of fire engulfs us—what a fire!
[ 15 ] Daher sieht er zunächst die Welt des Geistigen, aber doch, wie wir gleich sehen werden, als ein Gleichnis.
[ 15 ] Therefore, he initially perceives the spiritual world, but—as we shall see shortly—as a parable.
So bleibe denn die Sonne mir im Rücken!
Der Wassersturz, das Felsenriff durchbrausend,
Ihn schau ich an mit wachsendem Entzücken.
Von Sturz zu Sturzen wälzt er jetzt in tausend,
Dann abertausend Strömen sich ergießend,
Hoch in die Lüfte Schaum an Schäume sausend.
Allein wie herrlich diesem Sturm ersprießend,
Wölbt sich des bunten Bogens Wechseldauer,
Bald rein gezeichnet, bald in Luft zerfließend,
Umher verbreitend duftig kühle Schauer.
Der spiegelt ab das menschliche Bestreben.
Ihm sinne nach, und du begreifst genauer:
Am farbigen Abglanz haben wir das Leben.
So may the sun remain at my back!
The waterfall, roaring through the rocky reef,
I gaze upon it with growing delight.
From cascade to cascade it now rolls in thousands,
Then pouring out into thousands upon thousands of streams,
Foam upon foam whizzing high into the air.
Yet how magnificent, springing from this tempest,
Is the ever-changing arch of the rainbow,
Now clearly defined, now dissolving into the air,
Spreading fragrant, cool showers all around.
It reflects human striving.
Contemplate it, and you will understand more clearly:
Life lies in this colorful reflection.
[ 16 ] Das ist Faust, der die irdische Brust im Morgenrot badet, um sich reif zu machen, der geistigen Sonne ins Auge zu schauen, die bei der Einweihung aufgeht.
[ 16 ] This is Faust, who bathes his earthly breast in the dawn’s first light to prepare himself to gaze into the eyes of the spiritual sun, which rises at the initiation.
[ 17 ] Nun soll Faust mit den Gaben, die er als ein geistiger, in die Erleuchtung gehender Mensch erhalten hat, in die große Welt versetzt werden. Man könnte es merkwürdig finden, daß Faust jetzt versetzt wird an den Kaiserhof, daß allerlei Masken und Scherze ihn umspielen. Dennoch, diese Masken und Scherze enthalten tiefe, tiefe Wahrheiten und sind überall bedeutungsvoll. Es ist nicht möglich, gerade heute in die Bedeutung dieses Maskenspieles einzudringen. Es wird ja ohnedies das Schicksal dieser Betrachtung sein, nur einzelne Momente aus dem ganzen Inhalt des zweiten Teiles des «Faust» herauszugreifen. Man müßte sonst viele Vorträge halten, wenn man in alles hineinleuchten wollte. Nur das ist aber zu sagen über den Gesamtinhalt dieser Maskenbilder: Für denjenigen Menschen, der mit erleuchtetem Blick das Menschenleben überschaut, werden gewisse Worte andere Bedeutung erhalten als sie sonst im äußeren, nüchternen Leben haben. Ein solcher Mensch, der sich hineinlebt in den ganzen großen Gang der Menschheitsentwickelung, der weiß, daß solche Worte wie Volksgeist, Zeitgeist, nicht bloße Abstraktionen sind. Er schaut in der geistigen Welt die wahren realen Wesenheiten, die dem entsprechen, was man sonst so abstrakt Volksgeist und Zeitgeist nennt.
[ 17 ] Now Faust is to be transported into the wider world with the gifts he has received as a spiritual being on the path to enlightenment. One might find it strange that Faust is now transported to the imperial court, where all manner of masks and pranks surround him. Nevertheless, these masks and pranks contain deep, deep truths and are significant in every respect. It is not possible, especially today, to delve into the meaning of this masquerade. After all, the nature of this discussion will be to highlight only individual moments from the entire content of the second part of *Faust*. Otherwise, one would have to give many lectures if one wanted to shed light on everything. But this much can be said about the overall content of these masked scenes: For the person who surveys human life with an enlightened gaze, certain words will take on a different meaning than they otherwise have in outward, sober life. Such a person, who immerses themselves in the entire grand course of human development, knows that words such as “national spirit” and “zeitgeist” are not mere abstractions. In the spiritual world, they perceive the true, real entities that correspond to what is otherwise so abstractly called the “national spirit” and the “zeitgeist.”
[ 18 ] So wird dem Faust, da er erleuchtet ist, klar, als er eintritt in die große Welt, wo von einem Hof aus Weltgeschicke bestimmt werden, daß in dem, was sich ereignet, übersinnliche Kräfte spielen. Außen in der. sinnlichen Welt kann man nur einzelne Menschen und das, was sie als Gesetze haben, beobachten. In der geistigen Welt liegen dem allem Wesenheiten zugrunde. Während die Menschen glauben, daß dasjenige, was sie tun, aus ihrer eigenen Seele kommt, daß sie ihre eigenen Entschlüsse fassen, durchpulsen und durchdringen die Taten der Menschen, die Gedanken der Menschen Wesenheiten aus der übersinnlichen Welt, Volksgeister, Zeitgeister und so weiter. Die Menschen glauben, frei zu sein in ihren Entschlüssen, Gedanken und Begriffen, aber sie werden geleitet von dem, was hinter der physisch-sinnlichen Welt als geistige Wesenheiten vorhanden ist. Was die Menschen ihren eigenen Verstand nennen, von dem sie glauben, daß durch ihn der Gang der Zeiten gelenkt wird, das ist zu gleicher Zeit der Ausdruck für dahinterstehende geistige Wesenheiten.
[ 18 ] Thus, once Faust has been enlightened, it becomes clear to him as he enters the wider world—where the course of world events is determined from a single court—that supernatural forces are at work in what takes place. Out there in the sensory world, one can observe only individual human beings and the laws they follow. In the spiritual world, however, all of this is underpinned by spiritual beings. While people believe that what they do comes from their own souls—that they make their own decisions—the actions and thoughts of human beings are permeated and influenced by spiritual beings from the supersensible world: national spirits, spirits of the age, and so on. People believe they are free in their decisions, thoughts, and concepts, but they are guided by what exists behind the physical-sensory world as spiritual beings. What people call their own intellect—through which they believe the course of history is directed—is at the same time the expression of the spiritual beings behind it.
[ 19 ] So wird für Faust das ganze Maskenspiel, das etwas bedeuten soll, der Ausdruck dafür, daß man erkennen kann, wie in den Gang der großen Weltereignisse Kräfte hineinspielen, herkommend von derlei Wesenheiten, die Faust schon im ersten Teil kennenlernte, herkommend von Mephistopheles. Eingefaßt sind die Menschen von solchen sie überragenden geistigen Wesenheiten. So erscheint denn Mephistopheles an der Wende der neueren Zeit als diejenige Wesenheit, die dem menschlichen Intellekt die Erfindung des Papiergeldes einbläst. Goethe stellt den ganzen Gang der Sache mit einem gewissen überragenden Humor dar: wie aus demselben Geist, aus demselben Intellekt, der sich beim Menschen nur an das physische Instrument des Gehirns bindet, wenn er inspiriert wird von dem ihm verwandten Geist, der nur das Sinnliche gelten lassen will, solche Erscheinungen hervorgehen, welche die Welt beherrschen, die aber nur für die sinnliche Welt eine Bedeutung haben. So wird auf den tieferen Sinn der Entwickelung gerade in diesem Masken-Mummenscherz hingedeutet.
[ 19 ] Thus, for Faust, the entire masquerade—which is meant to signify something—becomes an expression of the fact that one can recognize how forces come into play in the course of great world events, forces originating from such beings as Faust already encountered in the first part, forces originating from Mephistopheles. Human beings are surrounded by such spiritual beings that tower above them. Thus, at the dawn of the modern era, Mephistopheles appears as the being who inspires the human intellect to invent paper money. Goethe portrays the entire course of events with a certain lofty humor: how from the very same spirit, from the very same intellect—which in human beings is bound only to the physical instrument of the brain—when inspired by a spirit akin to it that acknowledges only the sensory, such phenomena arise that dominate the world, yet have significance only for the sensory world. Thus, the deeper meaning of human development is hinted at precisely in this masquerade and carnival farce.
[ 20 ] Im weiteren werden wir aber gleich aus der Welt, die vor uns liegt, und von der uns gezeigt wird, wie übersinnliche Kräfte da hineinspielen, hineingeführt in die wirklich geistige Welt. Der Hof wünscht, nachdem er reich gemacht worden ist, auch in der Weise amüsiert zu werden, daß ihm Gestalten aus längstvergangener Zeit vorgeführt werden. Paris und Helena sollen aus der Vergangenheit heraufgezaubert werden. Mephistopheles, der denjenigen Mächten der geistigen Welt angehört, welche dieErfindung des Papiergeldes inspirierten, er kann dahin nicht dringen, wo die Welten sind, aus denen die ganze tiefere menschliche Entwickelung hervorgeht. Faust trägt in sich die Seele und den Geist, die eindringen können in diese geistigen Welten. Denn Faust ist der Schüler, der die irdische Brust im Morgenrot gebadet hat, und es wird uns gezeigt, wie Faust schon etwas erlebt hat, was man als die erste Stufe der Hellsichtigkeit betrachten kann, die Stufe, die der Hellseher durchmacht, wenn er die entsprechenden Übungen auf seine Seele hat wirken lassen. Es sind da gewisse Übungen, die der Schüler durchzumachen hat in Meditation, Konzentration und so weiter, die ihm aufgegeben werden in geheimwissenschaftlichen Symbolen, in die er sich vertieft, und wodurch dann die Seele, wenn sie hinausrückt aus dem physischen Leib und Ätherleib, umgestaltet wird in der Nacht, so daß sie zunächst hellsichtig wird in der geistigen Welt. Was der Schüler da erlebt, wenn er diese Übungen hat auf sich wirken lassen, was ist das?
[ 20 ] But as we proceed, we will be led directly from the world that lies before us—a world in which we are shown how supernatural forces are at work—into the truly spiritual world. Now that the court has been made rich, it also wishes to be entertained by having figures from a time long past presented to it. Paris and Helen are to be conjured up from the past. Mephistopheles, who belongs to those powers of the spiritual world that inspired the invention of paper money, cannot penetrate to the realms from which the entire deeper human evolution springs. Faust carries within himself the soul and the spirit that can penetrate these spiritual worlds. For Faust is the disciple who has bathed his earthly breast in the dawn’s first light, and we are shown how Faust has already experienced something that can be regarded as the first stage of clairvoyance—the stage that the clairvoyant passes through when he has allowed the appropriate exercises to take effect upon his soul. There are certain exercises the student must undergo in meditation, concentration, and so on, which are assigned to him in esoteric symbols into which he immerses himself; and through these, when the soul steps out of the physical and etheric bodies, it is transformed during the night so that it first becomes clairvoyant in the spiritual world. What does the student experience when he has allowed these exercises to take effect?
[ 21 ] Die erste Stufe der Hellsichtigkeit ist etwas, was zunächst den Menschen in große Verwirrung bringen kann. Wir machen uns am besten klar, woher das kommen kann, wenn wir uns vor Augen halten, was manchmal auch als die «Gefahren der Einweihung» geschildert wird. Wer in der physisch-sinnlichen Welt lebt, sieht die Dinge um sich herum in scharfen Konturen. Im Raume gezeichnet stellen sich ihm die Dinge dar, und an den festen Konturen, die Sie überall finden, mit denen sich Ihre Seele erfüllt, wenn sie der sinnlichen Erscheinung sich hingibt, hat die menschliche Seele einen Halt. Denken Sie einmal für einen Augenblick, alle die Gegenstände, die um Sie herum wären, würden nebelhaft, verlören ihre Konturen, eines dringe in das andere ein, alles ziehe wie Wolkengebilde herum, metamorphosiere sich. So ungefähr ist es in der Welt, in die der hellsichtige Mensch nach den ersten Wirkungen der Übungen eindringt. Denn er kommt zu dem, was hinter der ganzen Sinneswelt ist, was aller Materie zugrunde liegt, woraus aber die Sinneswelt herausgeboren ist, er kommt zu der Stufe, wo ihm die geistige Welt zuerst entgegentritt. Denken Sie sich, etwa wie im Gebirge die Kristalle sich herausgestalten aus ihren Muttersubstanzen zu ihren Kristallformen und kristallinischen Linien, so etwa ist es, wenn der hellsichtige Mensch hineinkommt in die geistige Welt. Zunächst verwirrend erscheint es dann, wenn der Schüler nicht genügend vorbereitet ist. Aber aus der Welt, die ihm wie ein Chaos erscheint, wachsen die Gestalten der sinnlichen Welt heraus, wie die Kristallformen aus ihren Muttersubstanzen. Wie dieMuttersubstanzen der physisch-sinnlichen Welt erlebt der Mensch zunächst die geistige Welt. In dieses Reich geht der Mensch hinein durch die Pforte des Todes. Zwar werden die Gebilde, wenn der hellsichtige Mensch sich weiterentwickelt, andere, feste Formen annehmen, die durchzogen sind von denjenigen Konturen, die wiederum in der geistigen Welt sind und die durchklungen sind von dem, was wir als Sphärenmusik angedeutet haben im geistigen Sinne. Das erlebt der hellsichtige Mensch nach einiger Zeit, aber zunächst wirkt das alles verwirrend. Hinein aber in dieses Reich geht der Mensch.
[ 21 ] The first stage of clairvoyance is something that can initially cause great confusion for a person. We can best understand where this might come from by keeping in mind what is sometimes described as the “dangers of initiation.” Those who live in the physical-sensory world see the things around them with sharp contours. Objects appear to them as if drawn in space, and the human soul finds a foothold in the fixed contours found everywhere—contours with which the soul fills itself when it surrenders to sensory perception. Imagine for a moment that all the objects around you were to become misty, lose their contours, merge into one another, drift about like cloud formations, and undergo metamorphosis. That is roughly what it is like in the world into which the clairvoyant person enters after the initial effects of the exercises. For they arrive at what lies behind the entire sensory world—what underlies all matter, yet from which the sensory world is born—and they reach the stage where the spiritual world first appears to them. Imagine, for example, how crystals in the mountains take shape from their parent substances into their crystalline forms and crystalline lines; that is roughly what it is like when the clairvoyant enters the spiritual world. At first, it seems confusing if the student is not sufficiently prepared. But from the world that appears to him as chaos, the forms of the sensory world emerge, just as crystal forms emerge from their parent substances. Just as the parent substances of the physical-sensory world, so does the human being initially experience the spiritual world. Human beings enter this realm through the gate of death. As the clairvoyant person continues to develop, these forms will indeed take on different, more definite shapes, permeated by the contours that exist in the spiritual world and resonating with what we have referred to as “sphere music” in the spiritual sense. The clairvoyant experiences this after some time, but at first it all seems confusing. Yet it is into this realm that the human being enters.
[ 22 ] Soll nun das Bild von Helena und Paris heraufgeholt werden, so muß es aus dieser Welt geholt werden. Nur Faust, der die irdische Brust im Morgenrot gebadet hat, der den Eintritt gefunden hat in die geistige Welt, kann in diese Welt hineinsteigen. Mephistopheles nicht; er vermag nur das, was die Verstandeswelt zuwege bringen kann. Bis zum Schlüssel bringt er es, der das Reich des Geistigen aufschließt. Faust aber hat das Vertrauen, die Sicherheit, daß er da finden werde, was er sucht: das Ewige, das Bleibende, wenn die physische Gestalt des Menschen mit dem Tode sich auflöst in ihre Elemente.
[ 22 ] If the image of Helen and Paris is to be summoned, it must be brought from this world. Only Faust, who has bathed his earthly breast in the dawn’s first light, who has found entry into the spiritual world, can descend into this world. Mephistopheles cannot; he is capable only of what the world of reason can accomplish. He manages to obtain the key that unlocks the realm of the spiritual. Faust, however, has the confidence and the certainty that he will find there what he seeks: the eternal, the enduring, even as the physical form of man dissolves into its elements upon death.
[ 23 ] Nun ist es wunderbar, wie uns in einem grandiosen Sinn angedeutet wird, wie Faust da hinuntersteigen soll in das geistige Reich. Aber schon die Einleitung zeigt uns, daß derjenige, der das schildert, wohl bekannt ist mit den Tatsachen, auch mit den Empfindungen und Gefühlen, die den überkommen, der nicht mit solchen Dingen spielt, sondern der sie wirklich kennenlernt, So grandios stand vor Goethes Seele alles, was es von dieser Empfindungswelt gibt, als der gestern besprochene Keim der Einweihung herauskam durch ein besonderes Ereignis. Er las im Platarch eine Stelle, wo geschildert wird, wie die Stadt Engyion den Anschluß sucht an Karthago. Nikias, der Freund der Römer, soll verhaftet werden. Er stellt sich aber als ein Besessener. Die Karthager wollen ihn ergreifen. Da hörten sie aus seinem Munde die Worte: «Die Mütter, die Mütter verfolgen mich!» Das war ein Ruf, den man im Altertum nur kannte von einem Menschen, der in einem Zustande der Hellsichtigkeit entrückt war der physischen Welt. Man konnte Nikias entweder als einen Narren, als einen Besessenen auffassen, oder als einen hellsichtigen Menschen. Aber woran konnte man das erkennen? Daran, daß er etwas sprach, wovon diejenigen etwas wußten, welche etwas kannten von den geistigen Welten. An dem Ausspruch: «Die Mütter sind es, die mich verfolgen!» erkennen die Karthager, daß er nicht ein Besessener ist, daß er ein Inspirierter ist, daß er aus eigenem Zeugnis heraus etwas sagen kann, was man nur aus der geistigen Welt heraus wissen kann, und so bleibt er ungeschoren.
[ 23 ] It is truly marvelous how, in a magnificent way, we are given a glimpse of how Faust is to descend into the spiritual realm. But even the introduction shows us that the one who describes this is well acquainted with the facts, as well as with the sensations and feelings that come over one who does not merely toy with such things but truly comes to know them. Everything that exists in this world of sensation stood so magnificently before Goethe’s soul when the seed of initiation discussed yesterday emerged through a particular event. He was reading a passage in Plutarch that describes how the city of Engyion sought an alliance with Carthage. Nicias, a friend of the Romans, was to be arrested. But he pretended to be possessed. The Carthaginians wanted to seize him. Then they heard these words from his mouth: “The mothers, the mothers are pursuing me!” This was a cry known in antiquity only from a person who, in a state of clairvoyance, had been transported beyond the physical world. Nicias could be regarded either as a fool, as a possessed man, or as a clairvoyant. But how could one tell? By the fact that he spoke of something known only to those who were familiar with the spiritual worlds. From the statement, “It is the mothers who are pursuing me!” the Carthaginians recognize that he is not possessed, that he is inspired, that he can speak from his own experience about something that can only be known from the spiritual world, and so he goes unpunished.
[ 24 ] Bei der Lektüre dieser Szene löste sich los in Goethes Seele, was schon während seiner Frankfurter Zeit als Keim der Initiation in ihn gelegt war. Da wußte er, um was es sich handelt, wenn man hineindringt in die geistigen Welten. Daher auch die Worte, die dem Faust in den Mund gelegt werden. Wo Mephistopheles von den «Müttern» spricht, da schaudert es dem Faust. Er weiß, um was es sich handelt, daß er ein heiliges, aber auch ein «nicht zu betretendes» Reich berührt, nicht zu betreten für den, der nicht genügend vorbereitet ist. Zwar weiß auch Mephistopheles von diesem Reich, daß er unvorbereitet es nicht betreten soll. Daher die Worte: «Ungern entdeck’ ich höheres Geheimnis.» Aber Faust muß doch hinunter in dieses Reich, um das zu vollbringen, was zu vollbringen ist, in dieses Reich, wo man das, was sonst fest und starr ist, in Umgestaltungen des ewigen Seins erblickt. Hier erblickt der geistige Sinn hinter den physischen Gestalten der Sinneswelt dasjenige, was hineindringt in die Sinneswelt, um in ihr feste Konturen zu erhalten. Und dann sagt Mephistopheles, so charakterisierend dieses Reich, wie es sich jedem darbietet, der es betritt:
[ 24 ] As Goethe read this scene, something stirred within his soul—something that had already been planted within him during his time in Frankfurt as the seed of initiation. He knew then what it meant to penetrate the spiritual worlds. Hence the words put into Faust’s mouth. When Mephistopheles speaks of the “Mothers,” Faust shudders. He knows what is at stake—that he is touching upon a sacred realm, but also one that is “off-limits,” forbidden to those who are not sufficiently prepared. Mephistopheles, too, knows of this realm and that he should not enter it unprepared. Hence the words: “Reluctantly do I uncover a higher mystery.” But Faust must still descend into this realm to accomplish what must be accomplished—into this realm where one beholds, in the transformations of eternal being, that which is otherwise fixed and rigid. Here, the spiritual mind perceives, behind the physical forms of the sensory world, that which penetrates the sensory world to take on fixed contours within it. And then Mephistopheles says, characterizing this realm as it presents itself to everyone who enters it:
... Entfliehe dem Entstandenen
In der Gebilde losgebundne Reiche;
Ergötze dich am längst nicht mehr Vorhandnen;
Wie Wolkenzüge schlingt sich das Getreibe.
... Escape from what has come to be
Into realms untethered from form;
Delight in what has long since ceased to exist;
Like drifting clouds, the hustle and bustle winds its way.
[ 25 ] Man kann nicht anschaulicher schildern, was ein wirkliches Erlebnis des wahrhaft eingeweihten Menschen ist. Was «längst nicht mehr vorhanden» ist, es wird gefunden in dieser Welt, wenn es so dargestellt wird. «In der Gebilde losgebundne Reiche», das heißt in das Reich, wo die Gebilde der Sinneswelt nicht sind, das solche Gebilde nicht hat, das losgebunden von ihnen ist. Da hinein, wo das längst nicht mehr Vorhandene ist, soll Faust sich begeben. Und wenn man liest «wie Wolkenzüge schlingt sich das Getreibe», so erkennt man wiederum etwas höchst Eigentümliches. Denken wir uns den Eintritt in die übersinnliche Welt wie ein Tor. Bevor man eintritt, hat man die Seele vorzubereiten durch würdige Symbole. Eines von diesen Symbolen ist entnommen gerade von dem Anblick der aufgehenden Sonne, und es ergänzt das Bild vom Baden der irdischen Brust in der Morgenröte: die Sonne, die ein eigentümliches Dreieck um sich bildet. Dieses Symbolum durchlebt die Seele, und die Nachwirkungen eines solchen Symbolums erlebt sie, wenn sie durch das Tor geschritten ist, wenn sie drinnen ist in der geistigen Welt. Daher diese Nachwirkungen: «Wie Wolkenzüge schlingt sich das Getreibe.» Jedes Wort würde ein lebendiger Beweis sein für das, was diese Szene sein soll, für ein Eindringen des Faust in die ersten Stufen der übersinnlichen Welt, dieSie genannt finden als die imaginative Welt. Als Goethe das darstellte, war er nicht darauf angewiesen, aus altem Indischem oder Ägyptischem zusammenzubrauen, was eine Schilderung der geistigen Welt sein sollte, sondern er konnte Erlebtes ganz realistisch darstellen; und das tat er.
[ 25 ] There is no more vivid way to describe what a genuine experience of the truly initiated person is. What is “long since no longer present” is found in this world when it is portrayed in this way. “In the realms unbound by forms”—that is, in the realm where the forms of the sensory world do not exist, which has no such forms, which is unbound from them. Into that realm, where what has long since ceased to exist is found, Faust is to enter. And when one reads “like drifting clouds, the turmoil winds its way,” one again recognizes something most peculiar. Let us imagine entering the supersensible world as if through a gate. Before entering, one must prepare the soul through fitting symbols. One of these symbols is drawn precisely from the sight of the rising sun, and it complements the image of the earthly breast bathing in the dawn: the sun forming a peculiar triangle around itself. The soul experiences this symbol, and it feels the aftereffects of such a symbol once it has passed through the gate, once it is inside the spiritual world. Hence these aftereffects: “Like drifting clouds, the turmoil winds its way.” Every word would be living proof of what this scene is meant to be—Faust’s entry into the first stages of the supersensible world, which you will find referred to as the imaginative world. When Goethe depicted this, he did not have to draw on ancient Indian or Egyptian sources to concoct what a description of the spiritual world should be; rather, he was able to portray his own experiences quite realistically—and that is precisely what he did.
[ 26 ] Da bringt Faust nunmehr herauf den glühenden Dreifuß, an dem die Mütter sitzen, die Quellen des Daseins in der geistigen Welt. Mit seiner Hilfe ist Faust imstande, Paris und Helena vor die Menschen hinzuzaubern, Bilder der geistigen Welt vor die Menschen zu bringen. Es würde zu weit führen, das wichtigeSymbolum des glühenden Dreifußes auszuführen. Es handelt sich hier darum, zu zeigen, wie wirklich eine Art von Einweihung in dem zweiten Teil des «Faust» geschildert wird. Aber wie vorsichtig und richtig Goethe vorgeht, das sehen wir daran, daß er uns den Weg zeigt in die geistige Welt, den nur der Würdige langsam und mit Resignation gehen kann. Er zeigt uns, daß Faust auch jetzt noch nicht würdig genug ist. Derjenige erst ist würdig, in die geistige Welt einzutreten, der alles, was mit dem engen Persönlichen zusammenhängt, so abgestreift hat, daß sich keine Wünsche und Begierden mehr regen, die aus diesem engen Persönlichen kommen. Das ist scheinbar wenig gesagt, aber in Wahrheit ist außerordentlich viel damit gesagt. Denn es liegen gewöhnlich zwischen dem, was angestrebt, und dem, was erreicht werden soll durch die Austilgung der persönlichen Wünsche und Begierden, nicht nur ein Menschenleben, sondern viele Menschenleben.
[ 26 ] Faust now brings forth the glowing tripod, around which sit the Mothers, the sources of existence in the spiritual world. With its help, Faust is able to conjure up Paris and Helen before the people, bringing images of the spiritual world before them. It would take us too far afield to elaborate on the important symbolism of the glowing tripod. The point here is to show how a kind of initiation is truly depicted in the second part of *Faust*. But we can see how carefully and correctly Goethe proceeds in that he shows us the path into the spiritual world—a path that only the worthy can walk, slowly and with resignation. He shows us that even now Faust is not yet worthy enough. Only the one who has shed everything connected with the narrow personal self to such an extent that no desires or cravings arising from this narrow personal self are stirred is worthy to enter the spiritual world. This may seem like a modest statement, but in truth it conveys an extraordinary amount. For there usually lies between what is aspired to and what is to be attained through the eradication of personal desires and cravings not just one human lifetime, but many human lifetimes.
[ 27 ] Gewissenhaft wird von Goethe gezeigt, daß Faust jetzt noch nicht würdig ist. Die Begierde erwacht in ihm; er will Helena aus einer persönlichen Begierde umschlingen. Da zerstiebt das Ganze, es ist dahin. Er hat sich versündigt an der geistigen Welt. Er kann sie nicht halten. Er muß tiefer hineindringen in die geistige Welt. Und so sehen wir ihn im Verlaufe des zweiten Teils weiter seinen Gang gehen. Wir sehen ihn, wie er, nachdem er von «Helena paralysiert» ist, wiederum in einem andern Bewußtseinszustande, entrückt dem physischen Leibe, in Schlaf versunken. Da sehen wir, wie um ihn herum etwas vorgeht, was sich wie hinaufschlingt aus der sinnlichen Welt in die übersinnliche. Was sich da hinaufschlingt, soll uns nichts anderes darstellen, als daß Faust, da er jetzt aufs neue der physischen Welt entrückt ist, etwas erlebt, was nur in der übersinnlichen Welt mit vollem Bewußtsein erlebt werden kann. Das völlige Werden des Menschen ist es, das er jetzt erleben muß. Er muß jene gewaltigen Ereignisse, die hinter den Kulissen der physischen Welt sich abspielen, erleben, damit er wirklich das schauen kann, was er will. Die Helena muß wiederum herauf in die physische Welt; wiederverkörpert muß sie werden, in eine neue Inkarnation eintreten. Da, wo er das bloße imaginative Bild heraufholt aus der geistigen Welt, bricht er mit dem Ganzen zusammen. Er muß tiefer hineingreifen.
[ 27 ] Goethe meticulously demonstrates that Faust is not yet worthy. Desire stirs within him; he wants to embrace Helena out of personal desire. Then the whole thing shatters; it is gone. He has sinned against the spiritual world. He cannot hold on to it. He must penetrate deeper into the spiritual world. And so, in the course of the second part, we see him continue on his path. We see him, after being “paralyzed by Helena,” once again in a different state of consciousness, detached from his physical body, sunk into sleep. There we see something happening around him that winds its way upward from the sensory world into the supersensory. What winds its way upward there is meant to represent nothing other than that Faust, now that he is once again detached from the physical world, is experiencing something that can only be experienced with full consciousness in the supersensory world. It is the complete becoming of the human being that he must now experience. He must experience those mighty events that unfold behind the scenes of the physical world so that he may truly behold what he desires. Helena, on the other hand, must return to the physical world; she must be reincarnated, entering a new incarnation. When he brings up the mere imaginative image from the spiritual world, he collapses along with the whole. He must reach deeper.
[ 28 ] Wir sehen ihn nun eine zweite Stufe überwinden. In diesem Zustand, in den er hineingestellt ist, sehen wir jetzt, nachdem er neuerdings dem physischen Leibe entrückt ist, wie das Bewußtsein allmählich sich hinauflebt aus der sinnlichen Welt in die übersinnliche. Das wird geradezu in einer dichterisch meisterhaften Weise ausgeführt. Zu bewundern, was Realität ist, das schickt sich hier nicht, denn das wird einfach damit erklärt, daß Goethe seinen zweiten Teil des «Faust» aus dem Erlebnis heraus schildert. Aber grandios ist es, wie Goethe darstellt das Geheimnis der Menschwerdung Helenas, auch dichterisch.
[ 28 ] We now see him ascending to a second stage. In this state into which he has been placed—now that he has once again been separated from his physical body—we see how his consciousness gradually rises from the sensory world into the supersensory. This is portrayed in a truly masterful, poetic manner. It is not appropriate here to marvel at what is real, for this is simply explained by the fact that Goethe depicts the second part of *Faust* based on his own experience. But it is magnificent how Goethe portrays the mystery of Helena’s incarnation, also in a poetic way.
[ 29 ] Wer die elementaren Wahrheiten der Geisteswissenschaft kennt, der weiß, daß der Mensch, indem er sich in unsere irdische Welt hineinlebt, einen ewigen, geistigen Teil aus ganz anderen Reichen hineinbringt, daß sich dieser geistige Teil verbindet mit dem, was physisch unten in der Vererbungslinie sich vollzieht, was zuletzt gegeben wird von Vater und Mutter, was der physisch-sinnlichen Welt entnommen wird. Im ganzen — wenn wir nicht genauer auf das Wesen des Menschen eingehen, sondern die verschiedenen Glieder des Menschen zusammenfassend charakterisieren — können wir sagen, daß sich im Menschen zusammengliedern ein Ewiges und ein Irdisches. Ein Ewiges, das von Leben zu Leben geht, das aus der geistigen Welt heruntersteigt in eine physische Verkörperung — wir nennen es zunächst den Geist. Und damit dieser Geist sich verbinden kann mit dem, was sich herumgliedern soll als physische Materie, muß ein Zwischenglied sein; und dieses Zwischenglied, dieses Glied zwischen dem eigentlichen Leib und dem Geistigen ist, im geisteswissenschaftlichen Sinne gesprochen, die Seele. So gliedern sich zusammen Geist, Seele und Leib in der Menschwerdung.
[ 29 ] Anyone familiar with the fundamental truths of spiritual science knows that when a human being enters our earthly world, they bring with them an eternal, spiritual component from entirely different realms; that this spiritual component connects with what takes place physically in the line of heredity—what is ultimately imparted by the father and mother, what is drawn from the physical-sensory world. On the whole—if we do not go into the nature of the human being in detail, but rather characterize the various parts of the human being in summary—we can say that within the human being, an eternal and an earthly aspect are united. An eternal aspect that passes from life to life, that descends from the spiritual world into a physical embodiment—we shall call this, for the time being, the spirit. And in order for this spirit to connect with what is to take shape as physical matter, there must be an intermediate link; and this intermediate link, this link between the actual body and the spiritual, is, in the sense of spiritual science, the soul. Thus, spirit, soul, and body are united in the process of human incarnation.
[ 30 ] Nun soll Faust mit seinem gehobenen Bewußtsein erleben, wie diese Glieder der Menschennatur sich zusammengliedern. Der Geist steigt herunter aus geistigen Sphären, umgibt sich allmählich aus dem, was er entnimmt aus der seelischen Welt, mit seiner Seele, und zieht dann nach den Gesetzen der physischen Welt die physische Hülle um sich herum. Kennt man das Prinzip, das sich als Seele um den Geist herumgliedert, was wir oftmals den astralischen Leib genannt haben, kennt man das, was zwischen Geist und Leib mittendrinnen steht, so hat man das Zwischenglied, das sozusagen den Geist und den Leib zusammenbindet.
[ 30 ] Now Faust, with his heightened consciousness, is to experience how these aspects of human nature come together. The spirit descends from the spiritual spheres, gradually surrounds itself with its soul from what it draws from the soul world, and then, according to the laws of the physical world, draws the physical body around itself. If one understands the principle that organizes itself around the spirit as the soul—what we have often called the astral body—and if one understands what stands right in the middle between spirit and body, then one has the intermediate link that, so to speak, binds the spirit and the body together.
[ 31 ] Den Geist findet Faust im Reiche der Mütter. Er weiß bereits, wo dieser Geist zu suchen ist, woher er kommt, wenn er sich zu einer neuen Verkörperung hinbegibt. Er muß aber noch kennenlernen, wie das Band gebildet wird, wenn der Geist hineinkommt in die physische Welt. Und nun wird uns vorgeführt in der eigenartigen Szene, wie, vom Sinnlichen ausgehend und sich an der Grenze des Übersinnlichen berührend, im Laboratorium Wagners der «Homunculus» hergestellt wird. Mephistopheles selber trägt dazu bei, und geistvoll wird uns gesagt, daß von Wagner nur die Bedingungen hergestellt werden, daß er entsteht. Und so entsteht, indem sozusagen die geistige Welt mitwirkt, dieses eigenartige Gebilde, der Homunculus.
[ 31 ] Faust finds the spirit in the realm of the mothers. He already knows where to look for this spirit and where it comes from when it sets out for a new incarnation. But he must still learn how the bond is formed when the spirit enters the physical world. And now, in this peculiar scene, we are shown how, starting from the sensory realm and touching upon the boundary of the supersensory, the “Homunculus” is created in Wagner’s laboratory. Mephistopheles himself contributes to this, and we are wittily told that Wagner merely creates the conditions for its coming into being. And so, with the spiritual world, so to speak, playing its part, this peculiar entity, the Homunculus, comes into being.
[ 32 ] Man hat viel gedacht über den Homunculus. Das Nachdenken und das Spekulieren über diese Dinge hilft aber nicht. Nur aus dem wirklichen Schöpfen aus der Geisteswissenschaft heraus kann enträtselt werden, was der Homunculus ist. Denen, die während des Mittelalters von ihm sprachen, war er nichts anderes als eine bestimmte Form des astralischen Leibes. Man darf sich diese Szene nicht in der sinnlichen Sphäre vorstellen, sondern so, daß die ganze Szene entrückt gedacht werden muß in die geistige Welt hinein. Man muß gleichsam mit dem Bewußtseinszustande des Faust den ganzen Vorgang verfolgen. Wie dann Homunculus charakterisiert wird in den folgenden Szenen, so stellt er sich wirklich als der Repräsentant des astralischen Leibes dar.
[ 32 ] Much has been thought about the homunculus. But pondering and speculating about these things does not help. Only through genuine creation based on spiritual science can the mystery of what the homunculus is be unraveled. To those who spoke of him during the Middle Ages, he was nothing other than a specific form of the astral body. One must not imagine this scene in the sensory realm, but rather in such a way that the entire scene must be conceived as transported into the spiritual world. One must, as it were, follow the entire process from Faust’s state of consciousness. Just as the homunculus is characterized in the following scenes, so he truly presents himself as the representative of the astral body.
Ihm fehlt es nicht an geistigen Eigenschaften,
Doch gar zu sehr am greiflich Tüchtighaften.
He does not lack intellectual qualities,
but he is sorely lacking in practical competence.
[ 33 ] Das ist die Charakteristik des astralischen Leibes; und Homunculus selbst sagt von sich:
[ 33 ] This is the characteristic of the astral body; and the homunculus himself says of himself:
Dieweil ich bin, muß ich auch tätig sein ...,
Since I exist, I must also be active ...,
[ 34 ] ein astralisches Gebilde, das nicht stille stehn kann, das in fortwährenden Tätigkeiten sich ausleben muß. Er muß hingeführt werden in solche Sphären, wo er wirklich Geist und Leib miteinander vereinigen kann.
[ 34 ] an astral entity that cannot remain still, that must express itself through constant activity. It must be led into spheres where it can truly unite spirit and body.
[ 35 ] Und nun sehen wir das, was Faust da durchmacht, die Menschwerdung, dargestellt in der klassischen Walpurgisnacht. Da werden uns vorgeführt die Summen von all den Kräften und Wesenheiten, die hinter der physisch-sinnlichen Welt wirken; und fortwährend werden hineinverwoben Geister aus der physischen Welt, die ihre Seele so weit ausgebildet haben, daß ihre Seele zusammengewachsen ist mit der geistigen Welt, daß sie gleichzeitig auch 'in der geistigen Welt bewußt sind. Solche Gestalten sind die beiden griechischen Philosophen Anaxagoras und Thales. Von ihnen will dieser Homunculus sich sagen lassen, wie man entstehen kann; wie man, wenn man geistig ist, zu einer physischen Gestaltung vordringen kann. Und mitwirken sollen alle die Gestalten, die uns in dieser klassischen Walpurgisnacht vorgeführt werden, die Gestalten der Verwirklichung des astralischen Leibes, der reif ist zum Eintritt in die Sinnlichkeit, in die physische Welt. Wenn man das alles genau verfolgen könnte, würde selbst im einzelnen jede Wendung beweisend sein für das, was gemeint ist. Bei Proteus und Nereus sucht Homunculus Kundschaft, wie er hineindringen kann in die physische Welt. Es wird ihm gezeigt, wie er sich die Elemente der Materie herumgliedern kann, und wie bei ihm die geistigen Eigenschaften sind, das heißt, wie die Seele sich nach und nach hineinbegibt in die physischsinnlichen Elemente, durch das hindurch, was sich abgespielt hat in den Reichen der Natur. Es wird uns gezeigt, wie die Seele wieder zu durchlaufen hat die Zustände des mineralischen, des pflanzlichen, des tierischen Reiches, um hinauf sich zu gestalten zum Menschen:
[ 35 ] And now we see what Faust is going through—the process of becoming human—as depicted in the classic Walpurgis Night. There we are shown the sum total of all the forces and beings that work behind the physical-sensory world; and continually interwoven into this are spirits from the physical world who have developed their souls to such an extent that their souls have grown together with the spiritual world, so that they are simultaneously “conscious in the spiritual world.” Such figures are the two Greek philosophers Anaxagoras and Thales. From them, this homunculus wishes to learn how one can come into being; how, if one is spiritual, one can advance to a physical form. And all the figures presented to us on this classical Walpurgis Night are to play a part—the figures representing the realization of the astral body, which is ripe for entry into the physical world. If one could follow all of this closely, even the smallest detail would serve as proof of what is meant. Homunculus seeks guidance from Proteus and Nereus on how to enter the physical world. He is shown how to organize the elements of matter around himself, and what his spiritual qualities are—that is, how the soul gradually enters into the physical-sensory elements through what has taken place in the realms of nature. We are shown how the soul must once again pass through the states of the mineral, plant, and animal kingdoms in order to develop upward into a human being:
Im weiten Meere mußt du anbeginnen!
You must set out on the vast ocean!
[ 36 ] das heißt im Mineralischen. Dann mußt du durchgehen durch das pflanzliche Reich. Goethe erfindet sogar einen Ausdruck dafür, den es sonst nicht gibt. Er läßt den Homunculus sagen:
[ 36 ] that is, in the mineral kingdom. Then you must pass through the plant kingdom. Goethe even invents a term for this that does not exist elsewhere. He has the homunculus say:
Es grunelt so, und mir behagt der Duft!
It's rumbling like that, and I love the smell!
[ 37 ] Es wird ihm angedeutet, wie er den Weg zu machen hat bis dahin, wo allmählich sich um ihn herum ein physischer Leib bildet. Zuletzt tritt der Moment der Liebe ein. Eros wird das Ganze vollenden. Thales gibt den Rat dazu:
[ 37 ] He is shown how to proceed until a physical body gradually forms around him. Finally, the moment of love arrives. Eros will bring the whole process to completion. Thales offers the following advice:
Gib nach dem löblichen Verlangen,
Von vorn die Schöpfung anzufangen!
Zu raschem Wirken sei bereit!
Da regst du dich nach ewigen Normen,
Durch tausend abertausend Formen,
Und bis zum Menschen hast du Zeit.
Give in to that noble desire,
To begin creation anew!
Be ready to act swiftly!
There you move according to eternal laws,
Through a thousand and a thousand forms,
And you have time until you reach humanity.
[ 38 ] Denn wenn der Homunculus in die physische Welt eingetreten ist, verliert er seine Eigenschaften. Das Ich wird sein Beherrscher:
[ 38 ] For once the homunculus has entered the physical world, it loses its characteristics. The ego becomes its master:
Nur strebe nicht nach höheren Orden:
Denn bist du erst ein Mensch geworden,
Dann ist es völlig aus mit dir.
Just don't strive for higher orders:
For once you have become human,
Then it's completely over for you.
[ 39 ] So sagt Proteus; das heißt, aus mit dir, dem astralischen Leibe, der noch nicht in das Menschenreich eingedrungen ist.
[ 39 ] So says Proteus; that is to say, be gone, astral body, which has not yet entered the human realm.
[ 40 ] Die ganze Goethesche Naturanschauung von der Verwandtschaft aller Wesen, von ihrer metamorphosischen Entwickelung aus dem Unvollkommenen zum Vollkommenen, tritt hier im Bilde auf. Der Geist kann in der Welt zunächst nur keimartig sein. Er muß sich in die Materie, in die Elemente ausgießen, in sie untertauchen, um aus ihnen erst höhere Gestalt anzunehmen. Homunculus zerschellt am Muschelwagen der Galatee. Er löst sich in die Elemente auf. Der Moment wird in wunderbarer Weise dargestellt, wo wirklich der astralische Leib sich umgliedert hat mit einem Leibe aus physischer Materie und nun als Mensch leben kann.
[ 40 ] Goethe’s entire view of nature—the kinship of all beings and their metamorphic development from the imperfect to the perfect—is embodied here in this image. At first, the spirit can exist in the world only in embryonic form. It must pour itself out into matter, into the elements, submerge itself in them, in order to assume a higher form from them. The homunculus shatters against Galatea’s shell chariot. It dissolves into the elements. The moment is depicted in a wondrous way—the moment when the astral body has truly united with a body of physical matter and can now live as a human being.
[ 41 ] Das sind Erlebnisse, die Faust durchmacht, während er in einem andern Bewußtseinszustand, in einem dem Leibe entrückten Zustand ist. Reif wird er nach und nach, die Geheimnisse zu schauen, die hinter dem physisch-sinnlichen Dasein liegen. Und jetzt kann er schauen, wie das, was in dem Reiche des «längst nicht mehr Vorhandenen» ist, der Geist der Helena, verkörpert vor ihm auftritt. Wir haben den dritten Akt des zweiten Teils des «Faust», die Wiederverkörperung der Helena. Goethe stellt geheimnisvoll, wie er es damals mußte, die Idee der Wiederverkörperung hin: wie aus den drei Reichen sich zusammenschließen Geist, Seele und Leib, um einen Menschen zu bilden, und vor uns steht die wiederverkörperte Helena.
[ 41 ] These are experiences that Faust undergoes while he is in a different state of consciousness, a state detached from the body. Gradually, he matures to the point where he can perceive the mysteries that lie beyond physical, sensory existence. And now he can see how that which belongs to the realm of “what has long since ceased to exist”—the spirit of Helena—appears before him in physical form. We have the third act of the second part of *Faust*, the reincarnation of Helena. Goethe presents the idea of reincarnation in a mysterious way, as he had to at that time: how spirit, soul, and body from the three realms unite to form a human being, and before us stands the reincarnated Helena.
[ 42 ] Wir müssen uns natürlich klarsein, daß Goethe, indem er Dichter ist, dasjenige, was das hellseherische Bewußtsein erlebt, gleichsam im Bilde darstellt. Daher dürfen wir nicht mit grobschlächtiger Kritik eingreifen und fragen: Ist nun wirklich Helena wiederverkörpert? Wir müssen uns klarsein, daß ein Dichter spricht über das, was er in den geistigen Welten erfahren hat. So kann Faust, nachdem er eine neue Stufe des Lebens überwunden hat, erleben den Zusammenklang mit dem «längst nicht mehr Vorhandenen», die Verbindung mit der Helena.
[ 42 ] We must, of course, realize that Goethe, as a poet, depicts what the clairvoyant consciousness experiences, as it were, in imagery. Therefore, we must not intervene with crude criticism and ask: Has Helena truly been reincarnated? We must realize that a poet speaks of what he has experienced in the spiritual worlds. Thus, after having overcome a new stage of life, Faust can experience harmony with that which “has long since ceased to exist”—the connection with Helena.
[ 43 ] Nun sehen wir, wie aus der Verbindung der Menschenseele mit dem Geistigen, wenn die Seele sich in höhere Welten hinaufgehoben hat, ein Wesen entspringt, das als ein Kind des Geistes nicht die Gesetze der sinnlichen Welt, sondern die Gesetze der geistigen Welt darlebt: Euphorion. Gerade wenn wir uns an die vorhin besprochenen Sätze von dem beabsichtigten Epilog der Mephistopheles-Phorkyas am Schluß des dritten Aktes erinnern, so werden wir begreifen, was entspringt aus der Vermählung des so gehobenen Geistes mit der Sinneswelt, wenn wir verstehen, daß Goethe in den Euphorion Züge hineingelegt hat von dem von ihm so hoch verehrten Byron. Dabei darf er, weil es sich um Erlebnisse in der geistigen Welt handelt, die Gesetze der geistigen Welt darauf anwenden. Daher darf Euphorion, kaum gezeugt, auch schon geboren sein und sogleich springen, sich bewegen und geistvolle Worte sprechen.
[ 43 ] Now we see how, from the union of the human soul with the spiritual—once the soul has risen into higher worlds—a being emerges who, as a child of the Spirit, lives not by the laws of the sensory world but by the laws of the spiritual world: Euphorion. Precisely when we recall the lines discussed earlier from the intended epilogue of *Mephistopheles-Phorkyas* at the end of the third act, we will grasp what arises from the union of the spirit thus elevated with the sensory world, once we understand that Goethe imbued Euphorion with traits of Byron, whom he so highly revered. Since these are experiences in the spiritual world, he is free to apply the laws of that world to them. Thus, Euphorion, barely conceived, is already born and immediately leaps, moves, and speaks words full of spirit.
[ 44 ] Und wiederum sehen wir, wie Goethe nochmals den Einzug In die geistige Welt streng und gewissenhaft faßt. Faust ist im Hineinstreben in die übersinnlichen Welten weit über dem, was er da erlebt. Aber auch da ist er noch nicht frei von den Mächten, von denen er sich befreien muß, wenn seine Seele sich ganz verbinden soll mit der geistigen Welt. Nicht frei ist er von dem, was ihm Mephistopheles hineinmischt in diese geistigen Erlebnisse. Faust ist das, was man einen Mystiker nennt, der, in der Helena-Euphorion-Szene, ganz darinnen lebt und webt in der geistigen Welt. Aber weil er doch noch nicht die nötige Stufe erstiegen hat, die ihn fähig macht, um ganz von der geistigen Welt aufgenommen zu werden, so entfällt ihm das, was er darinnen erleben kann, noch einmal: Helena und Euphorion. Was er sich durch sein Erlebnis aus der geistigen Welt herausgeholt hat, es entfällt ihm noch einmal. Er ist fähig geworden, sich hineinzuleben in die geistige Welt, den Euphorion zu erleben, das Kind des Geistes, das entsteht durch die Ehe zwischen der menschlichen Seele und dem Weltengeiste, aber es entfällt ihm wieder und versinkt.
[ 44 ] And once again we see how Goethe rigorously and conscientiously portrays the entry into the spiritual world. In his striving toward the supersensory worlds, Faust is far beyond what he actually experiences there. But even there, he is not yet free from the forces from which he must free himself if his soul is to unite fully with the spiritual world. He is not free from what Mephistopheles interweaves into these spiritual experiences. Faust is what one calls a mystic who, in the Helena-Euphorion scene, lives entirely within and weaves in the spiritual world. But because he has not yet ascended to the necessary level that would enable him to be fully absorbed into the spiritual world, what he could have experienced there slips away from him once again: Helena and Euphorion. What he had drawn from the spiritual world through his experience slips away from him once more. He has become capable of immersing himself in the spiritual world, of experiencing Euphorion, the child of the Spirit who arises from the union between the human soul and the World Spirit, but it slips away from him again and sinks into oblivion.
[ 45 ] Nun ertönt ein merkwürdiger Ruf aus der Tiefe. Es ist Faust jetzt so, wie es dem für eine Weile gestrauchelten Mystiker ist, der hineingeschaut hat in die geistige Welt und weiß, wie es darinnen ist, der aber doch nicht darin bleiben konnte und sich plötzlich wieder hinausversetzt sieht in die Gebilde der sinnlichen Welt: seine Seele selbst empfindet er als die Mutter dessen, was er geboren hat aus der geistigen Welt. Das aber, was er geboren hat, versinkt wieder hinein in die geistige Welt, und es ist da, wie wenn es nachrufen würde der Seele selber, die so etwas gebiert:
[ 45 ] Now a strange cry rings out from the depths. Faust is now like a mystic who has stumbled for a while, who has looked into the spiritual world and knows what it is like there, but who could not remain within it and suddenly finds himself cast back into the forms of the sensory world: he perceives his own soul as the mother of what he has brought forth from the spiritual world. But what he has brought forth sinks back into the spiritual world, and it is as if it were calling out to the soul itself that gives birth to such things:
Laß mich im düstern Reich,
Mutter, mich nicht allein!
Don't leave me alone, Mother,
in this gloomy realm!
[ 46 ] Wie wenn die Menschenseele nach müßte in das Reich, das ihr noch einmal entschwunden ist. Es bleibt dem Faust zurück nichts anderes als das Kleid und der Schleier der Helena. Derjenige, der tiefer eindringt in den Sinn solcher Sachen, weiß, was Goethe mit «Kleid und Schleier» meinte. Es ist so recht das, was dem verbleibt, der einmal einen Einblick hineingetan hat in die geistige Welt und dann wieder heraus mußte. Es verbleibt ihm das, was eigentlich nichts anderes darstellt als die Abstraktion, die Ideen, die sich von Epoche zu Epoche hin erstrecken, was nichts anderes weiter ist als Kleid und Schleier von geistigen Mächten, die sich von Epoche zu Epoche hinleben.
[ 46 ] It is as if the human soul were compelled to return to the realm from which it has once again vanished. All that remains for Faust is Helena’s dress and veil. Those who delve more deeply into the meaning of such things know what Goethe meant by “dress and veil.” It is precisely what remains for one who has once gained insight into the spiritual world and then had to leave it again. What remains for him is nothing other than abstraction—the ideas that span from epoch to epoch—which are nothing more than the dress and veil of spiritual powers that live out their existence from epoch to epoch.
[ 47 ] So ist denn der Mystiker wieder für eine Weile hinausversetzt und angewiesen auf sein Denken, wie der geistvolle Historiker angewiesen ist auf sein Denken, nur überall Kleid und Schleier hat, die ihn von Epoche zu Epoche tragen. Diese Ideen sind nicht unfruchtbar. Sie sind für den, der auf die sinnliche Welt beschränkt ist, durchaus notwendig. Sie sind sogar für den, der nun schon ein Gefühl und ein Erlebnis aus der geistigen Welt hat, noch etwas Besonderes. Sie nehmen sich trocken und abstrakt aus bei dem, der überhaupt ein Abstraktling ist. Aber wer einmal von der geistigen Welt berührt ist — wenn er auch nur diese abstrakten Ideen erfaßt —, den tragen sie jetzt durch die Welt hin in eine ganz andere Zeit, wo er wieder etwas erleben kann, wie die Kräfte durch die große Welt spielen.
[ 47 ] Thus, the mystic is once again set aside for a while and must rely on his own thinking, just as the insightful historian must rely on his own thinking, only that the former is clothed in garments and veils that carry him from one epoch to the next. These ideas are not fruitless. They are absolutely necessary for those confined to the sensory world. They are even something special for those who already have a sense of and experience from the spiritual world. They seem dry and abstract to those who are abstract thinkers by nature. But once someone has been touched by the spiritual world—even if they grasp only these abstract ideas—they now carry that person through the world into a completely different time, where they can once again experience how the forces play out throughout the great world.
[ 48 ] Wiederum wird Faust in die Welt, die er schon einmal am Hofe erlebt hat, hineinversetzt. Wiederum sieht er, wie die Wesenheiten, in deren Taten die Menschen nur eingebettet sind, sich geltend machen. Wiederum sieht er, wie übersinnliche Fäden sich spinnen, und wie dieselbe Macht, die er als Mephistopheles kennt, Mitspinnerin ist an diesen übersinnlichen Fäden. So lebt er sich wiederum von der sinnlichen Welt in die übersinnliche hinein, lernt kennen, wie sich hineinschlingen in unsere Sinneswelt Mächte, die wir draußen im Naturdasein erblicken, wie sozusagen Mephistopheles die Geister hinter den Naturgewalten in das Kriegsfeld hineinführt. «Bergvolk» nennt er es. Die Gewalten, die hinter der sinnlichen Welt stehen, werden dargestellt, wie wenn die Berge selbst ihre Völker hineinspielen in den Krieg. Aber hier geht ein Leben vor sich, das auf untergeordneten Stufen steht. Dieses Hineinspielen einer unter dem Menschenreich liegenden, aber doch von geistigen Mächten gelenkten Welt wird hier anschaulich geschildert.
[ 48 ] Once again, Faust is transported into the world he has already experienced at court. Once again, he sees how the spiritual beings—whose actions merely serve as a backdrop for human beings—assert themselves. Once again, he sees how supersensible threads are spun, and how the same power he knows as Mephistopheles is a co-weaver of these supersensible threads. Thus he immerses himself once more from the sensory world into the supersensory, learning how powers that we perceive out there in the natural world entwine themselves into our sensory world—just as, so to speak, Mephistopheles leads the spirits behind the forces of nature onto the battlefield. He calls them the “mountain folk.” The forces that lie behind the sensory world are depicted as if the mountains themselves were sending their peoples into the war. But here, a life unfolds that exists on subordinate levels. This intervention by a world that lies beneath the human realm—yet is guided by spiritual forces—is vividly described here.
[ 49 ] Dann wird geschildert, grandios anschaulich, wie hineinspielen die historischen Mächte, die für den geistigen Anschauer wirkliche Mächte sind. Aus den alten Rüstkammern und Rumpelkammern, wo die alten Helme liegen, gehen hervor diejenigen Wesenheiten, von denen der Abstraktling sagen würde, es sind die historischen Ideen, — von denen aber der, der hineinsehen kann in die geistige Welt, weiß, daß sie in den geistigen Welten leben. Und wir sehen da, wie Faust in seinem höheren Bewußtseinszustand zu den Mächten in der Geschichte geführt wird; wir sehen die Mächte der Geschichte aufstehen und ins Feld geführt werden. — Noch höher soll sich Fausts Bewußtsein erheben. Die ganze Welt soll ihm durchgeistigt erscheinen, alle die Ereignisse, die wir um uns erblicken, die der gewöhnliche Abstraktling nur mit dem Verstande schildert, der an ein physisches Gehirn gebunden ist und dann glaubt, alles getan zu haben, wenn er das Äußere schildert. Aber das ist alles gebunden, und wird gelenkt und geleitet von übersinnlichen Wesenheiten und Mächten.
[ 49 ] Then it is described, with magnificent vividness, how historical forces—which are real forces for the spiritual observer—come into play. From the old armories and storerooms, where the ancient helmets lie, emerge those beings of whom the abstract thinker would say, “These are historical ideas”—but of whom the one who can see into the spiritual world knows that they live in the spiritual realms. And there we see how Faust, in his higher state of consciousness, is led to the powers of history; we see the powers of history rise up and be led into the fray. — Faust’s consciousness is to rise even higher. The whole world is to appear to him as spiritualized; all the events we behold around us—which the ordinary abstract thinker describes only with the intellect, which is bound to a physical brain, and then believes he has done everything once he has described the outward appearance. But all of this is bound, and is guided and directed by supersensible beings and powers.
[ 50 ] Wenn der Mensch sich so hinauflebt in die geistigen Höhen, dann lernt er die ganze Gewalt dessen kennen, was ihn wiederum herunterziehen soll in die sinnliche Welt. Er lernt in einer merkwürdigen Art denjenigen kennen, den er früher noch nicht ganz kennengelernt hat. So geht es Faust jetzt. Hier steht Faust an einem wichtigen Punkt seiner inneren Entwickelung. Er soll den Weg vollenden. Mephistopheles ist in alles das verknüpft, was er bis jetzt gesehen hat. Frei kann er nur werden von Mephistopheles, von denjenigen geistigen Mächten, die den Menschen an die Sinneswelt fesseln, und die ihn nicht loslassen wollen, wenn ihm Mephistopheles als der Versucher entgegentritt. Da, wo sich die Welt mit ihren Reichen, die Natur und die Historie mit ihrer Geistigkeit vor Faust hinstellen, da erlebt er etwas, woran derjenige, der von diesen Dingen etwas versteht, ohne weiteres erkennen kann, aus was für Tiefen heraus Goethe gesprochen hat. Der Versucher, der den Menschen herunterziehen will, wenn der Mensch schon ein Stück hinaufgegangen ist in die geistige Welt, er trittan den Menschen heran und versucht, ihm falsche Gefühle und Empfindungen beizubringen über das, was er erschaut in der übersinnlichen Welt. Grandios wird dargestellt, wie der Versucher dem Menschen entgegentritt! Er, der auch an den Christus herantrat da, wo ihm der Versucher verspricht alle Reiche der Welt und ihre Herrlichkeiten.
[ 50 ] When a person rises in this way to the spiritual heights, he comes to know the full power of that which is meant to pull him back down into the sensory world. In a strange way, he comes to know the one whom he had not yet fully known before. This is how Faust feels now. Here Faust stands at a crucial point in his inner development. He must complete his journey. Mephistopheles is intertwined with everything he has seen thus far. He can only free himself from Mephistopheles—from those spiritual forces that bind human beings to the sensory world and refuse to let them go—when Mephistopheles confronts him as the tempter. Where the world with its realms, nature, and history with their spirituality present themselves before Faust, there he experiences something from which anyone who understands these things can readily recognize the depths from which Goethe spoke. The Tempter, who seeks to pull a person down once that person has already ascended a little way into the spiritual world, approaches the person and attempts to instill false feelings and sensations regarding what he beholds in the supersensible world. The way the Tempter confronts the person is portrayed in a truly magnificent manner! He who also approached Christ at the very moment when the tempter promised him all the kingdoms of the world and their glories.
[ 51 ] So etwas tritt an den Menschen heran, der sich hineingelebt hat in die geistige Welt. Es wird ihm vom Versucher versprochen die Welt mit allen ihren Herrlichkeiten. Was heißt das? Es heißt nichts anderes, als er dürfe nicht glauben, es könne irgend etwas von dieser Welt noch seinem engherzigen Egoismus gehören. Daß alle Persönlichkeit mit ihren egoistischen Wünschen und Begierden hingeschwunden sein muß, daß der Versucher überwunden sein muß, das deutet Goethe geradezu durch Mephistopheles so an, daß es uns ein Prüfstein sein kann für das, was er meint:
[ 51 ] Something like this approaches the person who has immersed himself in the spiritual world. The tempter promises him the world with all its splendors. What does this mean? It means nothing other than that he must not believe that anything from this world can still belong to his narrow-minded egoism. That the entire personality, with all its egoistic desires and cravings, must have vanished, that the Tempter must have been overcome—Goethe hints at this so clearly through Mephistopheles that it can serve as a touchstone for what he means:
Doch daß ich endlich ganz verständlich spreche:
Gefiel dir nichts an unsrer Oberfläche?
Du übersahst in ungemeßnen Weiten
«DieReiche der Welt und ihre Herrlichkeiten.»
(Matth. 4.)
But so that I may finally speak quite clearly:
Did nothing about our surface appeal to you?
You overlooked, across immeasurable expanses,
“The kingdoms of the world and their splendors.”
(Matt. 4.)
[ 52 ] Man möchte sagen, zum Überfluß für die, welche nicht verstehen wollen, deutet Goethe gerade mit diesen Worten an, was er eigentlich will, um auch damit diese wichtige Etappe des geistigen Werdens des Menschen darzustellen. Dann gelingt es Faust, den Egoismus des persönlichen Wünschens und Wollens so weit zu überwinden, daß er alle seine Tätigkeit widmet dem Stück Land, mit dem er belehnt worden ist. Er will nicht Besitz von diesem Lande, er will nicht Ruhm, nichts von alledem, nur hingebungsvoll arbeiten für andere Menschen: «Auf freiem Grund mit freiem Volke stehn.»
[ 52 ] One might say—to drive the point home for those who refuse to understand—that Goethe uses precisely these words to hint at what he actually intends, in order to depict this important stage in the spiritual development of humankind. Then Faust succeeds in overcoming the selfishness of personal desire and will to such an extent that he devotes all his energy to the piece of land he has been granted. He does not want to own this land; he does not want fame; he wants none of that—only to work selflessly for other people: “To stand on free soil with a free people.”
[ 53 ] Wir müssen diese Worte so nehmen, daß sich nach und nach ablöst von der Menschenseele der persönliche Egoismus. Denn niemand, der diesen persönlichen Egoismus nicht überwunden hat, kann die letzte Stufe, die Goethe auch noch schildern will, wirklich erreichen. So schildert er den Faust da, wo wie Schuppen abfallen die Hüllen des menschlichen persönlichen Egoismus, wo Faust sich ganz dem Geistigen hingibt, wo ihm wirklich all der Firlefanz von Ruhm und äußerer Ehre in der Welt nichts mehr ist. Aber eines hat Faust auch da noch nicht überwunden. Und wiederum sehen wir Goethe vom spirituellen Gesichtspunkt aus tief, tief ins Herz hinein, wenn er jetzt schildert, was weiter vorgeht.
[ 53 ] We must understand these words to mean that personal selfishness gradually peels away from the human soul. For no one who has not overcome this personal selfishness can truly reach the final stage that Goethe also seeks to describe. Thus he depicts Faust at the point where the veils of human personal selfishness fall away like scales, where Faust surrenders himself entirely to the spiritual, where all the trappings of fame and outward honor in the world truly mean nothing to him anymore. But there is one thing Faust has not yet overcome, even at this point. And once again, we see Goethe looking deep, deep into the heart from a spiritual perspective as he now describes what happens next.
[ 54 ] Ein egoismusfreier Mensch ist Faust bis zu einem gewissen Grade geworden. Gelernt hat er, was es heißt sich zu sagen: «Die Tat ist alles, nichts der Ruhm!» Gelernt hat er zu sagen: Ich will tätig sein. Meine Tätigkeit soll hinausfließen in die Welt; ich will nichts haben als Lohn für diese Tätigkeit! — Aber es macht sich auf einem ganz kleinen Felde bemerkbar, daß der Egoismus noch nicht verschwunden ist. Auf seinem weiten Besitz steht ein altes Häuschen auf einem erhöhten Platze, in dem ein altes Paar, Philemon und Baucis, wohnt. Allem andern gegenüber ist Fausts Egoismus geschwunden, diesem Häuschen gegenüber noch nicht. Da ist ein letzter Rest von Egoismus, der sich in seiner Seele geltend macht. Was könnte er von diesem erhöhten Platz aus haben! Er könnte da oben stehen und die Früchte seiner Tätigkeit mit kurzem Blick überschauen, und sich erfreuen an seinem Geschaftenen! Das ist ein letzter Egoismus, der Genuß am sinnlichen Überschauen. Der Rest von Behagen im sinnlichen Überschauen ist ihm geblieben. Er muß noch heraus, er muß weg. Nichts darf in seiner Seele zurückbleiben von Lust und Behagen, das heißt von unmittelbarer Hingabe an die äußere Welt, mit der der Egoismus sich verknüpft.
[ 54 ] A person free of selfishness has, to a certain extent, become like Faust. He has learned what it means to say to himself: “Action is everything; glory is nothing!” He has learned to say: I want to be active. “My work shall flow out into the world; I want nothing but the reward of this work!” — But in one very small area, it becomes apparent that his selfishness has not yet disappeared. On his vast estate stands an old cottage on a hilltop, inhabited by an elderly couple, Philemon and Baucis. While Faust’s selfishness has vanished in relation to everything else, it has not yet vanished in relation to this little cottage. There remains a final remnant of selfishness that asserts itself in his soul. What could he gain from this elevated spot! He could stand up there and survey the fruits of his labor at a glance, and take delight in what he has created! This is a final form of selfishness: the pleasure of sensory contemplation. The remnant of pleasure in this sensory overview has remained with him. He must still break free; he must leave. Nothing of pleasure and contentment—that is, of immediate devotion to the external world, with which egoism is linked—must remain in his soul.
[ 55 ] Und wiederum sehen wir Faust in der Berührung mit geistigen Mächten. In der «Mitternacht» stellen sich vier graue Weiber ein. Sie treten an ihn heran. Drei von ihnen, der Mangel, die Schuld und die Not, vermögen nichts an ihm. Aber jetzt stellt sich etwas heraus, was zu den Erlebnissen des Initiationsweges gehört. Es ist bei dem Initiationsweg ein geheimnisvoller Zusammenhang zwischen alledem, was der Mensch aus dem Egoismus heraus tun kann, und derjenigen Seelenverfassung, die mit dem Wort Sorge ausgedrückt wird. Bei demjenigen Menschen, der so weit ist, daß er egoismusfrei hineinschaut in die geistige Welt, gibt es keine Sorge. Sorge ist die Begleiterscheinung des Egoismus. Und so wenig es vielleicht mancher glauben kann, daß, wenn die Sorge vorhanden ist, der Egoismus noch nicht verschwunden ist, so wahr ist es doch, daß auf dem langen, entsagungsvollen Wege in die geistige Welt hinein der Egoismus restlos schwinden muß. Betritt der Mensch die geistige Welt, und trägt er in sie hinein noch etwas von Egoismus, dann kommt die Sorge und zeigt sich in ihrer zerstörenden Gewalt.
[ 55 ] And once again we see Faust coming into contact with spiritual powers. In “Midnight,” four gray women appear. They approach him. Three of them—Deprivation, Guilt, and Distress—have no power over him. But now something emerges that is part of the experiences of the path of initiation. On the path of initiation, there is a mysterious connection between everything a person can do out of selfishness and the state of mind expressed by the word “worry.” For the person who has reached the point where they can look into the spiritual world free from selfishness, there is no worry. Worry is a byproduct of selfishness. And as hard as it may be for some to believe that, as long as worry is present, selfishness has not yet disappeared, it is nonetheless true that on the long, self-sacrificing path into the spiritual world, selfishness must vanish completely. If a person enters the spiritual world while still carrying some trace of selfishness into it, then worry arises and reveals itself in all its destructive power.
[ 56 ] Da haben wir etwas von den Gefahren der Einweihung. In der sinnlichen Welt sorgen die gütigen Mächte der geistigen Welt dafür, daß die Macht der Sorge so nicht an den Menschen herantreten kann. In dem Moment aber, wo der Mensch zusammenwächst mit der geistigen. Welt, wo er Kräfte kennenlernt, die in der geistigen Welt spielen, werden solche Dinge wie die Sorge zu zerstörenden Mächten. Manches kann man überwunden haben durch die Schlüssel, die in die geistige Welt hineinführen; die Sorge schleicht sich durch alle Schlüssellöcher hinein. Ist der Mensch allerdings weit genug, dann wird die Sorge, wenn sich der Mensch ihr mutig gegenüberstellt, eine Macht, die ihm diesen letzten Rest von Egoismus noch nimmt: Faust erblindet. Warum? Durch den Austausch der letzten Kraft des noch in ihm befindlichen Egoismus und der Kraft der Sorge erblindet er. Die letzte Genußmöglichkeit ist von Faust weggenommen. Finsterer und finsterer wird es ringsherum. Jetzt erlebt es seine Seele, daß der letzte Rest des Egoismus in ihr waltete, als sie das Häuschen zerstören ließ, von dessen Platz aus egoistischer Genuß in Befriedigung über das Erschaffene hätte erreicht werden können.
[ 56 ] Here we see something of the dangers of initiation. In the physical world, the benevolent powers of the spiritual world ensure that the power of worry cannot approach human beings in this way. But the moment a person merges with the spiritual world—the moment they become acquainted with the forces at work there—things like worry become destructive forces. Some things can be overcome through the keys that lead into the spiritual world; worry, however, creeps in through every keyhole. If, however, a person has progressed far enough, then worry—when faced courageously—becomes a force that takes away even this last remnant of selfishness: Faust goes blind. Why? He goes blind through the exchange of the last remnant of selfishness still within him and the power of worry. The last possibility of pleasure is taken away from Faust. It grows darker and darker all around him. Now his soul realizes that the last remnant of egoism reigned within it when it had the little house destroyed—from whose site egoistic pleasure, in the form of satisfaction with what had been created, could have been attained.
[ 57 ] «Allein im Innern leuchtet helles Licht!» Jetzt gehört die Seele des Faust derjenigen Welt an, über welche die Sorge und alle die zerstörenden Elemente, die den Körper zerreißen, keine Macht haben. Und jetzt erlebt Faust etwas, was der in die geistige Welt Einzuweihende erlebt. Er macht mit als ein äußeres Ereignis die Geschehnisse, die er in der physischen Welt nicht erlebt: seinen eigenen Tod, seine eigene Grablegung. Er schaut von der geistigen Welt aus auf die physische Welt und auf alles, was mit ihm vorgeht, wie auf einen andern herab: Damit haben jetzt nur diejenigen Mächte zu tun, die bloß in der physischen Welt sind.
[ 57 ] “Only within does a bright light shine!” Now Faust’s soul belongs to that world over which worry and all the destructive elements that tear the body apart have no power. And now Faust experiences what one who is to be initiated into the spiritual world experiences. He witnesses, as if they were external events, the occurrences he did not experience in the physical world: his own death, his own burial. From the spiritual world, he looks down upon the physical world and everything happening to him as if it were happening to someone else: these matters are now the concern only of those forces that exist solely in the physical world.
[ 58 ] Es würde weit führen, wenn man darstellen wollte, wie Goethe jetzt die «Lemuren» auftreten läßt, die nur zusammengefügt sind aus Sehnen und Knochen, so daß sie keine Seele in sich tragen; die den Menschen in dem Zustande darstellen, als noch keine Seele in ihn hineingestiegen war. Faust selber aber wird entrückt in die geistige Welt. Wir sehen Mephistopheles jetzt einen letzten Kampf kämpfen um die Seele des Faust, einen bedeutungsvollen, bemerkenswerten Kampf. Wenn man diesen Kampf im einzelnen zergliedern wollte, würde man sehen, welch ein tiefer Kenner der geistigen Welt Goethe war.
[ 58 ] It would take us too far afield to describe how Goethe now has the “Lemurs” appear—creatures composed solely of tendons and bones, so that they possess no soul; they represent human beings in the state before a soul had yet entered them. Faust himself, however, is transported into the spiritual world. We now see Mephistopheles fighting a final battle for Faust’s soul—a significant, remarkable battle. If one were to analyze this battle in detail, one would see what a profound connoisseur of the spiritual world Goethe was.
[ 59 ] Da liegt der sterbende Faust. Mephistopheles kämpft um die Seele. Er weiß, daß an verschiedenen Partien des Leibes diese Seele heraustreten kann. Hier würde viel zu lernen sein für die, welche aus diesen oder jenen Handbüchern lernen, wie die Seele den Leib verläßt. Goethe ist weiter. Er weiß, daß es nicht immer derselbe Ort ist, daß der Heraustritt der Seele aus dem Leibe im Tode ganz abhängig ist von dem Entwickelungszustande eines Menschen. Er weiß, daß die Seele, während sie im Leibe ist und da eine dem Leibe entsprechende Form erhält, diese Form nur haben kann durch die elastische Kraft der Liebe. Mephistopheles glaubt, daß die Seele des Faust reif ist für das Reich der Finsternisse. Dann kann sie nur die Gestalt annehmen, die er bezeichnet als einen «häßlichen Wurm». Wenn die Seele ihren eigenen Kräften hingegeben ist, kann sie nur eine Gestalt haben, die der Ausdruck ihrer Tugenden oder ihrer Untugenden ist. Wäre Fausts Seele reif für das Reich der Finsternisse, dann wäre sie so gestaltet, wie Mephistopheles es annimmt. Jetzt aber hat sie sich entwickelt, und sie wird entrückt, weil ihre Tugenden so sind, wie sie der geistigen Welt entsprechen, und wird in Besitz genommen von den geistigen Welten.
[ 59 ] There lies the dying Faust. Mephistopheles is fighting for his soul. He knows that this soul can emerge from various parts of the body. There is much to be learned here for those who study from this or that textbook how the soul leaves the body. Goethe goes further. He knows that it is not always the same place, that the soul’s departure from the body at death depends entirely on a person’s stage of development. He knows that while the soul is in the body and takes on a form corresponding to the body, it can only maintain this form through the elastic power of love. Mephistopheles believes that Faust’s soul is ripe for the realm of darkness. In that case, it can only take on the form he describes as an “ugly worm.” When the soul is surrendered to its own powers, it can only have a form that is the expression of its virtues or its vices. If Faust’s soul were ripe for the realm of darkness, it would be shaped as Mephistopheles assumes. But now it has developed, and it is carried away because its virtues correspond to the spiritual world, and it is taken into possession by the spiritual worlds.
[ 60 ] Da treten uns nun zuerst entgegen diejenigen Menschen, die sozusagen die Verbindungsglieder sind zwischen der physischen Welt und der geistigen Welt, die als Initiierte dastehen in der physischen Welt und mit ihrem Geist hinaufragen in die geistige Welt: übersinnliche Erleber und Anschauer. So werden sie uns vorgeführt. Goethe spricht in seinem Gedicht, das er «Symbolum» überschrieben hat, davon, wie aus der geistigen Welt heraus zwei Stimmen klingen:
[ 60 ] First, we encounter those people who are, so to speak, the links between the physical world and the spiritual world—those who stand as initiates in the physical world and reach upward with their spirit into the spiritual world: those who experience and perceive the supersensible. This is how they are presented to us. In his poem titled “Symbolum,” Goethe speaks of how two voices resound from the spiritual world:
Doch rufen von drüben
Die Stimmen der Geister,
Die Stimmen der Meister:
Versäumt nicht zu üben
Die Kräfte des Guten!
But from over there
The voices of the spirits call out,
The voices of the masters:
Do not neglect to practice
The powers of good!
[ 61 ] Goethe bleibt auch hier wieder im Einklang mit seiner Erkenntnis. Er stellt dar die Geister, die nicht verkörpert sind in der sinnlichen Welt. Zuerst aber stellt er dar diejenigen, für die vielfach der Name der «Meister» gebraucht wird, die in der sinnlichen Welt verkörpert sind. Er stellt sie dar in dem Kleid, das ihm damals das nächstliegende war, als Pater ecstaticus, Pater Seraphicus und Pater profundus, und worüber er zu Eckermann sagte: «Übrigens werden Sie zugeben, daß der Schluß, wo es mit der geretteten Seele nach oben geht, sehr schwer zu machen war, und daß ich, bei so übersinnlichen, kaum zu ahnenden Dingen, mich sehr leicht im Vagen hätte verlieren können, wenn ich nicht meinen poetischen Intentionen durch die scharf umrissenen christlich-kirchlichen Figuren und Vorstellungen eine wohltätig beschränkende Form und Festigkeit gegeben hätte.»
[ 61 ] Here, too, Goethe remains true to his insight. He depicts the spirits that are not embodied in the sensory world. First, however, he depicts those for whom the name “Masters” is often used—those who are embodied in the sensory world. He depicts them in the guise that seemed most natural to him at the time—as Pater Ecstaticus, Pater Seraphicus, and Pater Profundus—and regarding which he said to Eckermann: “Incidentally, you will admit that the conclusion, where the saved soul ascends, was very difficult to write, and that, with such supernatural, scarcely conceivable things, I could very easily have lost myself in vagueness had I not given my poetic intentions a beneficially limiting form and firmness through the sharply defined Christian-ecclesiastical figures and concepts.”
[ 62 ] Wer die Vorträge über die christliche Einweihung hier gehört hat, der wird wiedererkennen, wie Goethe in diese Dinge eingeweiht war.
[ 62 ] Anyone who has heard the lectures on Christian initiation here will recognize how deeply Goethe was initiated into these matters.
[ 63 ] So lebt sich die Seele des Faust hinauf durch die Regionen, durch die sich solche Seelen schon hindurchgelebt haben, die hineingewachsen sind in die geistige Welt und in ihr tätig sind; die auch dabei tätig sind, die Seelen hineinzubringen in die geistige Welt. Und dann sehen wir, wie Goethe sozusagen sein Bekenntnis ablegt, jenes Bekenntnis, welches ihn als einen Angehörigen derjenigen geisteswissenschaftlichen Strömung charakterisiert, von der auch hier öfter gesprochen worden ist, vor allem in dem Vortrag «Wo und wie findet man den Geist?», wo ein Beispiel gegeben worden ist, wie der Mensch sich hineinlebt in die geistige Welt. Da wurde angeführt das schwarze Kreuz mit den roten Rosen. Kräfte werden in der Seele wach, wenn der Mensch sich dem hingibt, diesem Rosenkreuz, das in dem schwarzen Kreuz darstellt das Heruntersinken der sinnlichen Welt, und in den roten Rosen das Aufsprießen der geistigen Welt, das darstellt, was abstrakt die Worte sagen:
[ 63 ] Thus the soul of Faust ascends through the regions through which such souls have already passed—souls that have grown into the spiritual world and are active within it; souls that are also active in bringing other souls into the spiritual world. And then we see how Goethe, so to speak, makes his profession of faith—that profession which characterizes him as a member of the spiritual-scientific movement that has been mentioned here frequently, especially in the lecture “Where and How Does One Find the Spirit?,” where an example was given of how a human being enters into the spiritual world. There, the black cross with the red roses was cited. Forces awaken in the soul when a person devotes themselves to this Rosicrucian symbol, in which the black cross represents the descent into the sensory world, and the red roses represent the sprouting of the spiritual world—which abstractly expresses what the words say:
Und solang du das nicht hast,
Dieses: Stirb und Werde!
Bist du nur ein trüber Gast,
Auf der dunklen Erde.
And as long as you don’t have that,
This: Die and Be Reborn!
You are but a gloomy guest,
On this dark earth.
[ 64 ] Was der Mensch erreicht durch das spirituelle Verständnis, durch die Kraft der roten Rosen, das kannte Goethe, und er bekennt sich dazu: Herunter fallen die Rosen aus der geistigen Welt, da Faustens Unsterbliches aufgenommen wird. Und so sehen wir, wie Goethe uns wirklich den Weg der menschlichen Seele hinein in die geistige Welt darstellt.
[ 64 ] Goethe knew what a person can achieve through spiritual understanding and through the power of the red roses, and he acknowledges this: The roses fall from the spiritual world as Faust’s immortal soul is received. And so we see how Goethe truly depicts for us the path of the human soul into the spiritual world.
[ 65 ] Nur skizzenhaft konnte manches dargestellt werden. Denn es ist etwas Eigenartiges mit diesem Goetheschen «Faust»: tiefer und immer tiefer wird er, je mehr man in ihn hineinwächst, und da lernt man erst kennen, was Goethe der Menschheit sein kann. Man lernt kennen, was einstmals Goethe der Menschheit werden wird, wenn Anthroposophie hineinleuchten wird in die esoterische Dichtung Goethes da, wo er aus seinen eigenen Erlebnissen heraus über die geistige Welt spricht. Goethe stellte realistisch dar, was er als Tatsachen der geistigen Welt kennt. Eine realistische Dichtung ist dieser zweite Teil des «Faust», verschlossen aber natürlich für die, welche nicht wissen, daß die geistigen Welten Realitäten sind. Nicht Symbole haben wir, sondern nur dichterische Einkleidung ganz realistisch dargestellter, aber übersinnlicher Ereignisse; derjenigen übersinnlichen Ereignisse, welche die Seele erlebt, wenn sie eins wird mit der Welt, die ihre Urheimat ist, wenn sie sich fühlt nicht in einer solchen Erkenntnis, die nur eine Abstraktion ist, ein Zusammenwachsen mit den sinnlichen Beobachtungen oder Verstandesabstraktionen, sondern die eine reale Tatsache der geistigen Welt ist.
[ 65 ] Some things could only be sketched out. For there is something peculiar about Goethe’s *Faust*: the more one delves into it, the deeper and deeper it becomes, and only then does one come to understand what Goethe can mean to humanity. One comes to understand what Goethe will one day become for humanity when anthroposophy sheds light on the esoteric poetry of Goethe—there where, drawing on his own experiences, he speaks of the spiritual world. Goethe depicted realistically what he knew to be facts of the spiritual world. This second part of *Faust* is realistic poetry, though naturally it remains closed to those who do not know that the spiritual worlds are realities. We have not symbols here, but only poetic renditions of events that are depicted quite realistically yet are supersensory; those supersensible events that the soul experiences when it becomes one with the world that is its original home—when it feels not merely a kind of knowledge that is merely an abstraction, a fusion with sensory observations or intellectual abstractions, but rather a real fact of the spiritual world.
[ 66 ] Freilich, man wird noch lange von dem Verständnis des Goetheschen «Faust» entfernt sein, denn man wird erst die Sprache des «Faust» erkennen müssen, wenn man da hinein will. Man kann Faust-Kommentare über Faust-Kommentare in die Hand nehmen: nicht einmal die Worte werden von sonst ganz klugen Leuten gedeutet. — Als Wagner in der Retorte den Homunculus ersprießen sieht, da sagt er — Sie können in Faust-Kommentaren lesen, was die Worte heißen sollen, die da Wagner spricht:
[ 66 ] Of course, we are still a long way from truly understanding Goethe’s *Faust*, for one must first come to understand the language of *Faust* if one wishes to delve into it. One can pick up commentary after commentary on *Faust*: not even the words themselves are interpreted correctly by people who are otherwise quite intelligent. — When Wagner sees the homunculus spring forth in the retort, he says—you can read in commentaries on *Faust* what the words Wagner speaks are supposed to mean:
Es wird! die Masse regt sich klarer!
Die Überzeugung wahrer, wahrer.
It’s happening! The masses are stirring more clearly!
Their conviction grows truer and truer.
[ 67 ] Ich spreche so falsch, wie alle jene Menschen seit Goethe gesprochen haben, die damit meinten, daß Wagner die Überzeugung habe, daß der Homunculus entstehen wird: Die Überzeugung in Wagner regt sich klarer! — Und die FaustErklärer denken mit solchen Trivialitäten die ganzen Tiefen des «Faust» ausschöpfen zu können! Freilich unser Zeitalter, das ja auch ein von Goethe geprägtes Wort, den «Übermenschen», im Munde führt, ohne seinen tieferen Sinn zu erfassen, konnte diese Worte nicht anders deuten. Der wahre Sinn aber ist dieser: Das, was in der physischen Welt gezeugt wird, ist eine Zeugung; das, was hier in der astralischen Welt gezeugt wird, ist eine Überzeugung, eine Zeugung in den übersinnlichen Welten, eine Überzeugung. Aber man muß eben Goethe erst lesen lernen, da, wo er, wie alle großen Geister, wortbildend auftritt. Dann wird man den ganzen Ernst, aus dem der «Faust» heraus entstanden ist, ermessen können. Dann wird man vor allem auch nicht mehr die Trivialität begehen, die Schlußworte des «Faust» in dem Sinne zu verstehen, daß unter dem «EwigWeiblichen» etwas gemeint ist, was mit dem Weiblichen in der Sinneswelt zusammenhängt.
[ 67 ] I am speaking just as incorrectly as all those people since Goethe who have claimed that Wagner was convinced the Homunculus would come into being: That conviction is far more clearly evident in Wagner! — And the interpreters of *Faust* think they can exhaust the full depths of *Faust* with such trivialities! Of course, our age—which, after all, bandies about a term coined by Goethe, the “Superman,” without grasping its deeper meaning—could not interpret these words any other way. But the true meaning is this: What is begotten in the physical world is a begetting; what is begotten here in the astral world is a conviction—a begetting in the supersensible worlds, a conviction. But one must first learn to read Goethe, where he, like all great minds, creates new words. Then one will be able to appreciate the full gravity from which *Faust* emerged. Then, above all, one will no longer commit the triviality of understanding the closing words of *Faust* to mean that the “Eternal Feminine” refers to something connected with the feminine in the sensory world.
[ 68 ] Das Ewig-Weibliche ist diejenige Kraft in der Seele, die sich befruchten läßt aus der geistigen Welt und daher zusammenwächst in ihren hellsichtigen und magischen Taten mit der geistigen Welt. Was da befruchtet werden kann, ist das Ewig-Weibliche in jedem Menschen, das ihn hinaufzieht zu den Sphären des Ewigen. Und diesen Werdegang des Ewig-Weiblichen in die geistigen Welten hinein hat uns Goethe im «Faust» geschildert.
[ 68 ] The Eternal Feminine is that force within the soul which allows itself to be fertilized by the spiritual world and thus grows together with the spiritual world through its clairvoyant and magical deeds. What can be fertilized there is the Eternal Feminine within every human being, which draws them upward toward the spheres of the Eternal. And Goethe has described this journey of the Eternal Feminine into the spiritual worlds in *Faust*.
[ 69 ] Sehen wir uns um in der physischen Welt: Alles, was uns da entgegentritt, wir sehen es erst recht an, wenn wir in ihm nicht die wahre Realität sehen, sondern ein Gleichnis für das Ewige. Dieses Ewige erlebt die Seele, wenn sie die Tore durchschreitet in die geistige Welt hinein. Da erlebt sie das, was mit sinnlichen Worten angedeutet werden kann, wenn man diese sinnlichen Worte in einer ganz besonderen Weise hinstellt. Auch darüber hat sich Goethe einmal ausgesprochen, und damit etwas ausgesprochen wie eine große Warnung für alle diejenigen, welche in einer abstrakten Meinung über dieses oder jenes beharren wollen. Wie einegroße Mahnung an die Menschheit hat Goethe in zwei Gedichten zum Ausdruck gebracht, daß, wenn jemand etwas aus der geistigen Welt heraus sagt, er es in einander ganz entgegengesetzten Anschauungen zum Ausdruck bringen kann. In dem ersten Gedicht sagt er:
[ 69 ] Let us look around in the physical world: everything we encounter there—we see it all the more clearly when we do not view it as true reality, but rather as a parable for the eternal. The soul experiences this eternal reality when it passes through the gates into the spiritual world. There it experiences what can be hinted at with sensory words, provided these sensory words are used in a very special way. Goethe also once spoke about this, issuing something like a great warning to all those who insist on clinging to an abstract opinion about this or that. As a great admonition to humanity, Goethe expressed in two poems that when someone speaks of something from the spiritual world, they can express it in two completely opposing perspectives. In the first poem, he says:
Das Ewige regt sich fort in allen,
Denn alles muß in Nichts zerfallen,
Wenn es im Sein beharren will.
The Eternal continues to stir within all things,
For everything must dissolve into nothingness,
If it is to persist in being.
[ 70 ] Während er hier also den Gedanken seiner Philosophie des Ewig-Fließenden ausspricht, sagt er darauf in dem nächsten Gedicht:
[ 70 ] So while he expresses the idea of his philosophy of the eternally flowing here, he goes on to say in the next poem:
Kein Wesen kann zu nichts zerfallen!
Das Ewge regt sich fort in allen,
Am Sein erhalte dich beglückt!
No being can disintegrate into nothingness!
The Eternal continues to stir within all things,
May you find happiness in Being!
[ 71 ] Während man die entgegengesetzten Gedanken für die sinnliche Welt als die sich gegenüberstehenden Spiegelungen der übersinnlichen Welt darstellt, kann man die übersinnliche Welt nicht so beschreiben wie die sinnliche. Die sinnlichen Worte sind immer unzulänglich, wenn sie im besonderen Sinne gebraucht werden.
[ 71 ] While the opposing ideas in the sensible world are represented as the opposing reflections of the supersensible world, the supersensible world cannot be described in the same way as the sensible world. Sensible words are always inadequate when used in a specific sense.
[ 72 ] So sehen wir, wie Goethe, gerade indem er von den verschiedensten Seiten darstellt, was «unbeschreiblich» ist, es vor dem Auge des Geistes getan werden läßt. Was für die sinnliche Welt «unzulänglich» ist, dem geistigen Anschauen ist es erreichbar, wenn die Seele sich schult in jenem Teil, der zu entwickeln ist durch die Kräfte, die durch die Geisteswissenschaft der Seele gegeben werden können. Nicht umsonst läßt Goethe dasjenige Werk, in dem er das Herrlichste und Reichste seiner Erlebnisse dargelegt hat, ausklingen in einen «Chorus mysticus», in den aber auch gar nichts Triviales hineingelegt werden darf. Denn in diesem Chorus mysticus deutet er uns an, wie das, was durch sinnliche Worte nicht zu beschreiben ist, wenn man spiegelnde Darstellung gebraucht, getan wird, wie die Seele durch ihre ewig-weibliche Kraft hingezogen wird in die geistige Welt.
[ 72 ] Thus we see how Goethe, precisely by depicting what is “indescribable” from a wide variety of perspectives, makes it visible to the eye of the spirit. What is “inadequate” for the sensory world is accessible to spiritual contemplation if the soul trains itself in that aspect which is to be developed through the powers that can be bestowed upon the soul by spiritual science. It is no coincidence that Goethe allows the work in which he has set forth the most magnificent and rich of his experiences to conclude with a “Chorus mysticus”—a chorus into which, however, absolutely nothing trivial may be introduced. For in this *Chorus mysticus*, he hints to us how that which cannot be described in sensory terms—when one employs reflective representation—is accomplished, and how the soul is drawn into the spiritual world through its eternally feminine power.
Alles Vergängliche
Ist nur ein Gleichnis;
Das Unzulängliche,
Hier wird’s Erreichnis;
Das Unbeschreibliche,
Hier ist’s getan;
Das Ewig-Weibliche
Zieht uns hinan.
All that is fleeting
Is but a parable;
That which is inadequate,
Here becomes an achievement;
That which is indescribable,
Here it is accomplished;
The eternal feminine
Draws us upward.
[ 73 ] So konnte Goethe sprechen von dem Weg hinein in die geistige Welt. So konnte er sprechen von den Kräften der Seele, die, wenn sie entwickelt werden, den Menschen nach und nach hineinführen in die geistige Welt.
[ 73 ] This is how Goethe could speak of the path into the spiritual world. This is how he could speak of the powers of the soul which, when developed, gradually lead a person into the spiritual world.
