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The Rudolf Steiner Archive

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Metamorphoses of the Inner Life
Paths of Spiritual Experience
First Part
GA 58

14 March 1910, Munich
in lieu of 29 October 1909, Berlin

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5. Der Menschliche Charakter

5. Human Character

[ 1 ] Es kann einen tiefen Eindruck auf die menschliche Seele machen, wenn man die Worte liest, die Goethe niedergeschrieben hat in Anknüpfung an die Betrachtung von Schillers Schädel. Diese Betrachtung konnte er anstellen, als er zugegen war beim Ausgraben von Schillers Leichnam, da dieser aus dem provisorischen Grab, in dem er war, in die weimarische Fürstengruft hinübergetragen werden sollte.

[ 1 ] The words written by Goethe after contemplating Schiller's skull can make a deep impression on the human soul.*See Preface regarding date

[ 2 ] Da nahm Goethe Schillers Schädel in die Hand und glaubte an der Formung und Prägung dieses wunderbaren Gebildes das ganze Wesen von Schillers Geist wie in einem Abdruck wiederzuerkennen. Wie da das geistige Wesen sich ausdrückt in den Linien und Formen der Materie, das inspirierte Goethe zu den schönsten Worten:

[ 2 ] Goethe was present when Schiller's body was removed from its provisional grave and taken to the princely vault at Weimar. Holding Schiller's skull in his hands, Goethe believed he could recognise in the form and cast of this wonderful structure the whole nature of Schiller's spiritual being, and he was inspired to write these beautiful lines:

Was kann der Mensch im Leben mehr gewinnen,
Als daß sich Gott-Natur ihm offenbare,
Wie sie das Feste läßt zu Geist verrinnen,
Wie sie das Geist-Erzeugte fest bewahre!

What greater gift can life on man bestow
Than that to him God-Nature should disclose
How solid to spirit it attenuates,
How spirit's work it hardens and preserves.30From the poem “Bei Betrachtung von Schillers Schädel”, 1826.

[ 3 ] Wer eine solche Stimmung wie diejenige, die damals durch Goethes Seele zog, zu würdigen versteht, der wird leicht, von ihr ausgehend, seine Gedanken hinlenken können zu all jenen Erscheinungen im Leben, wo ein Inneres sich herausarbeitet, um sich in materieller Form, in plastischer Gestaltung, in Linien und sonstigem äußerlich zu offenbaren. Im eminentesten Sinn aber haben wir ein solches Prägen und Abdrücken, ein solches Offenbaren eines inneren Wesens in demjenigen vor uns, was wir den menschlichen Charakter nennen. In dem menschlichen Charakter drückt sich ja auf die mannigfaltigste Weise aus, was der Mensch immer wieder und wiederum darlebt; ein Einheitliches verstehen wir darunter, wenn wir von dem menschlichen Charakter sprechen. Ja, wir haben dabei das Gefühl, daß Charakter etwas ist, was sozusagen zum ganzen Wesen des Menschen notwendig gehört, und daß es sich uns als Fehler darstellt, wenn das, was der Mensch denkt, empfindet und tut, sich nicht in einer gewissen Weise zu einem Einklang vereinigen läßt. Von einem Bruch im menschlichen Wesen, von einem Bruch in seinem Charakter sprechen wir als von etwas wirklich Fehlerhaftem in seiner Natur. Wenn sich der Mensch im Privatleben mit diesem oder jenem Grundsatz und Ideal äußert, und ein andermal im öffentlichen Leben in ganz entgegengesetzter oder wenigstens abweichender Weise, so sprechen wir davon, daß sein Wesen auseinanderfällt, daß sein Charakter einen Bruch hat. Und man ist sich bewußt, daß ein solcher Bruch den Menschen überhaupt im Leben in schwierige Lagen oder gar wohl in den Schiffbruch hineintreiben kann. Was eine solche Zerspaltung des menschlichen Wesens bedeutet, darauf wollte Goethe hinweisen in einem bemerkenswerten Spruch, den er seinem Faust einverleibt hat. Einen Spruch berühren wir da, der sehr häufig, sogar von Menschen, die da glauben zu wissen, was Goethe im Innersten wollte, falsch angeführt wird. Es ist gemeint der Spruch im Goetheschen «Faust»:

[ 3 ] Anyone who understands Goethe's feelings on this occasion will easily turn his mind to all those phenomena where something inward is working to reveal itself in material form, in plastic shapes, as drawing, and so on. We have a most eminent example of this shaping, whereby an inner being reveals itself through outward form, in what we call human character. For human character gives the most varied and manifold expression to the direction and purpose of man's life. We think of human character as having a basic consistency. Indeed, we feel that character is inseparable from a person's whole being, and that something has gone wrong if their thinking, feeling and doing do not make up in some way a harmonious unity. We speak of a split in a man's character as evidence of a real fault in his nature. If in private life a man upholds some principle or ideal, and then in public life says something contrary to it or at least discrepant, we speak of a break in his character, of his inner life falling apart. And we know very well that this can bring a man into difficult situations or may even wreck his life. The significance of a divided character is indicated by Goethe in a remarkable saying that he assigns to Faust—a saying that is often wrongly interpreted by people who believe that Goethe's innermost intentions are known to them:

Zwei Seelen wohnen, ach! in meiner Brust,
Die eine will sich von der andern trennen;
Die eine hält in derber Liebeslust
Sich an die Welt mit klammernden Organen;
Die andre hebt gewaltsam sich vom Dust
Zu den Gefilden hoher Ahnen.

Two souls, alas, are pent within my breast,
To tear themselves apart, forever striving;
One, in pursuit of passions' crude delights,
Clings close with avid senses to the world;
The other, thrusting earthly dust away,
Aspires to rise to longed-for higher realms.31Faust I, 11.1112–1117.

[ 4 ] Diese Zweispaltung in der Seele wird sehr häufig so angeführt, als ob sie etwas Erstrebenswertes für den Menschen sei. Goethe charakterisiert sie durchaus nicht unbedingt als etwas Erstrebenswertes, sondern es zeigt sich an der Stelle ganz genau, daß er den Faust in jener Epoche sagen lassen will, wie unglückselig er sich fühlt unter dem Eindruck der zwei Triebe, von denen der eine nach idealen Höhen geht, der andere nach dem Irdischen herunterstrebt. Etwas Unbefriedigendes soll damit angedeutet werden. Gerade dasjenige, worüber Faust hinaus soll, das will Goethe damit charakterisieren. Wir dürfen diesen Zwiespalt nicht anführen als etwas Berechtigtes im menschlichen Charakter, sondern nur als etwas, was gerade durch den einheitlichen Charakter, der gewonnen werden soll, zu überwinden ist.

[ 4 ] This divided condition of the soul is often spoken of as though it were a desirable achievement, but Goethe certainly does not say so. On the contrary, the passage shows clearly how unhappy Faust feels in that period under the pressure of these two drives, one aspiring towards ideal heights, the other striving towards the earthly. An unsatisfying state of soul which Faust has to overcome—that is what Goethe is describing. It is wrong to cite this schism in human nature as though it were justified; it is something to be abolished by the unified character that we must always strive to achieve.

[ 5 ] Wenn wir aber das Wesen des menschlichen Charakters vor unsere Seele treten lassen wollen, so müssen wir auch heute wieder berücksichtigen, was wir zur Charakteristik des Wesens der Andacht skizzierten. Wir haben wiederum zu berücksichtigen, daß dasjenige, was wir das eigentliche menschliche Seelenleben, das menschliche Innere nennen, nicht einfach ein Chaos von durcheinanderwogenden Empfindungen, Trieben, Vorstellungen, Leidenschaften, Idealen ist; sondern wir haben uns mit aller Klarheit zu sagen, daß diese menschliche Seele in drei voneinander gesonderte Glieder zerfällt; daß wir ganz genau unterscheiden können: das unterste Seelenglied, die Empfindungsseele; das mittlere Seelenglied, die Verstandes- oder Gemütsseele; und das höchste Seelenglied, die Bewußtseinsseele. Diese drei Glieder sind im menschlichen Seelenleben zu unterscheiden. Sie dürfen aber in dieser menschlichen Seele nicht auseinanderfallen. Die menschliche Seele muß eine Einheit sein. Was verbindet nun im Menschen diese drei Seelenglieder zu einer Einheit? Das ist eben dasjenige, was wir im eigentlichen Sinne das menschliche «Ich», den Träger des menschlichen Selbstbewußtseins nennen.

[ 5 ] If now we wish to look more deeply into human character, the facts outlined in previous lectures must be kept in mind. We must remember that the human soul, embracing the inner life of man, is not merely a chaos of intermingled feelings, instincts, concepts, passions and ideals, but has three distinct members—the Sentient Soul, the lowest; in the middle the Intellectual Soul; and finally the highest, the Consciousness Soul. These three soul-members are to be clearly distinguished, but they must not be allowed to fall apart, for the human soul must be a unity. What is it, then that holds them together? It is what we call the Ego in its true sense, the bearer of self-consciousness; the active element within our soul which plays upon its three members as a man plays upon the strings of an instrument. And the harmony or disharmony which the Ego calls forth by playing on the three soul-members is the basis of human character.

[ 6 ] So erscheint uns denn dieses menschliche Seelenwesen so, daß wir es zerspalten müssen in seine drei Glieder das unterste Seelenglied: die Empfindungsseele, das mittlere Seelenglied: die Verstandesseele oder Gemütsseele, und das höchste Seelenglied: die Bewußtseinsseele —, und es erscheint uns das Ich gleichsam als das Tätige, als der Akteur, der innerhalb unseres Seelenwesens auf den drei Seelengliedern spielt, wie ein Mensch spielt auf den Saiten seines Instruments. Und jene Harmonie oder Disharmonie, welche das Ich hervorbringt aus dem Zusammenspiel der drei Seelenglieder, ist das, was dem menschlichen Charakter zugrunde liegt.

[ 6 ] The Ego is indeed something of an inner musician, who with a powerful stroke calls one or other soul-member into activity; and the effects of their combined influence, resounding from within a human being as harmony or disharmony, make up the real foundation of his character.

[ 7 ] Das Ich ist wirklich etwas wie ein innerer Musiker, der bald die Empfindungsseele, bald die Verstandesseele oder Gemütsseele, bald die Bewußtseinsseele mit einem kräftigen Schlag in Tätigkeit versetzt; aber zusammenklingend erweisen sich die Wirkungen dieser drei Seelenglieder wie eine Harmonie oder Disharmonie, die sich vom Menschen aus offenbaren und als die eigentliche Grundlage seines Charakters erscheinen. Freilich, so haben wir den Charakter nur ganz abstrakt bezeichnet, denn wenn wir ihn verstehen wollen, wie er im Menschen eigentlich auftritt, dann müssen wir etwas tiefer noch eingehen auf das ganze menschliche Leben und Wesen; wir müssen zeigen, wie sich dieses harmonische und disharmonische Spiel des Ich auf den Seelengliedern in der ganzen menschlichen Persönlichkeit, wie sie vor uns steht, ausprägt, wie sie nach außen sich offenbart.

[ 7 ] However, that is no more than an abstract description. If we are to understand how character comes out in people, we must enter somewhat more deeply into human life and the being of man. We must show how the harmonious or disharmonious play of the Ego on the three soul-members sets its stamp on man's entire personality as he stands before us, and how personality is outwardly revealed.

[ 8 ] Dieses Menschenleben — das haben wir schon öfter betont — tritt uns ja so vor Augen, daß es alltäglich wechselt zwischen den Zuständen des Wachens und den Zuständen des Schlafes. Wenn der Mensch des Abends einschläft, so sinken in ein unbestimmtes Dunkel hinunter seine Empfindungen, seine Lust, sein Leid, seine Freude, sein Schmerz, alle Triebe, Begierden und Leidenschaften, alle Vorstellungen und Wahrnehmungen, Ideen und Ideale; und das eigentliche Innere geht über in einen Zustand des Unbewußtseins oder des Unterbewußtseins.

[ 8 ] Human life—as we all know—alternates between waking and sleeping. At night, when a man falls asleep, his feelings, his pleasure and pain, his joys and griefs, his urges, desires and passions, his perceptions and concepts, his ideas and ideals, all sink down into indefinite darkness; and his inner life passes into an unconscious or subconscious condition.

[ 9 ] Was ist da geschehen? — Nun, was da geschehen ist beim Einschlafen, das wird uns klar, wenn wir uns an etwas erinnern, was schon auseinandergesetzt worden ist: daß der Mensch ein kompliziertes Wesen ist für die Geisteswissenschaft, daß er sich überhaupt aus verschiedenen Gliedern bestehend darstellt. Was uns hierüber schon bekannt ist, muß heute wieder skizziert werden, damit wir das ganze Wesen des Charakters begreifen können, das da dem Menschen zugrunde liegt.

[ 9 ] What has happened? As we have often explained, when a man goes to sleep his physical and etheric bodies remain in bed, while his astral body, including the Sentient Soul, Intellectual Soul and Consciousness Soul, withdraw, as does the Ego. During sleep the astral body and Ego are in a spiritual world. Why does a man return every night to this spiritual world? Why does he have to leave behind his physical and etheric bodies?

[ 10 ] Alles das am Menschen, was uns gegenüber der äußeren Sinneswelt zutage tritt, was wir mit Augen sehen können, mit Händen greifen können, was die äußere Wissenschaft allein betrachten kann, das nennt Geisteswissenschaft den physischen Leib des Menschen. Das aber, was diesen physischen Leib des Menschen durchzieht und durchwebt, das, was diesen physischen Leib zwischen Geburt und Tod verhindert, ein Leichnam zu sein, seinen eigenen physischen und chemischen Kräften zu folgen, das nennen wir in der Geisteswissenschaft den Äther- oder Lebensleib. Im Grunde setzt sich der äußere Mensch aus dem physischen und Ätherleibe zusammen. Dann haben wir ein drittes Glied der menschlichen Wesenheit; das ist der Träger von alledem, was wir hinuntersinken sehen mit dem Einschlafen in ein unbestimmtes Dunkel. Dieses dritte Glied der menschlichen Wesenheit bezeichnen wir mit dem Ausdruck astralischer Leib. Dieser astralische Leib ist der Träger von Lust und Leid, Freude und Schmerz, von Trieben, Begierden und Leidenschaften, von alledem, was eben im Wachleben auf und ab wogt in der Seele. Und in diesem Astralleibe ist der eigentliche Mittelpunkt unseres Wesens: das Ich. Für unseren gewöhnlichen Menschen gliedert sich aber dieser Astralleib weiter, denn in ihm finden wir als Unterglieder gleichsam dasjenige, was Ihnen aufgezählt worden ist als die Seelenglieder: die Empfindungsseele, die Verstandesseele, die Bewußstseinsseele.

[ 10 ] There are good reasons for it. Spiritual Science says that the astral body is the bearer of pleasure and pain, joy and grief, instincts, desires and passions. Yes, but these are precisely the experiences that sink into indefinite darkness on going to sleep. Yet is it asserted that the astral body and the Ego are in spiritual worlds? Is there not a contradiction here? Well, the contradiction is only apparent. The astral body is indeed the bearer of pleasure and pain, of joy and sorrow, of all the inner experiences that surge up and down in the soul during waking hours, but in man as he is today, the astral body cannot perceive these experiences directly. It can perceive them only when they are reflected from outside itself, and for this to be possible the Ego and astral body must come back into the etheric and physical bodies at the time of awakening from sleep. Everything that a man experiences inwardly, his pleasure and pain, joy and sorrow, is reflected by the physical and etheric bodies—especially by the etheric body—as from a mirror. But we must not suppose that this active process, which goes on every day from morning to evening, requires no effort to sustain it. The inner self of man, his Ego and astral body, his Consciousness Soul, Intellectual Soul and Sentient Soul, all have to work on the physical and etheric bodies, so that through the reciprocal interaction of his inner forces and his outer bodies the surging life of the daytime is engendered.

[ 11 ] Wenn nun der Mensch des Abends einschläft, so bleiben im Bette liegen physischer Leib und Ätherleib; heraus tritt der Astralleib mit all dem, was wir Empfindungsseele, Verstandes- oder Gemütsseele, Bewußtseinsseele nennen; heraus tritt auch das Ich. Astralleib und Ich nun, in ihrer ganzen Wesenheit, sind während des Schlafzustandes in einer geistigen Welt. Warum kehrt der Mensch jede Nacht in diese geistige Welt ein? Warum muß er seinen physischen Leib und seinen Ätherleib jede Nacht zurücklassen? Das hat seinen guten Sinn für das menschliche Leben. Wir können diesen Sinn so recht vor unsere Seele stellen, wenn wir jetzt einmal die folgende Betrachtung anstellen: Die Geisteswissenschaft sagt uns, der Astralleib ist der Träger von Lust und Leid, von Freude und Schmerz, von Trieben, Begierden und Leidenschaften! Schön! Aber das sind ja gerade diejenigen Erlebnisse, die in ein unbestimmtes Dunkel hinuntersinken beim Einschlafen. Dennoch behauptet man, daß der Astralleib mit dem Ich in geistigen Welten ist — der eigentliche innere Mensch ist in einer geistigen Welt, ist mit dem Astralleib in einer geistigen Welt. — Aber Triebe und Leidenschaften, alles dasjenige, was eigentlich im Astralleib sitzt, das gerade schwindet doch sozusagen in ein unbestimmtes Dunkel während der Nacht hinab. Ist das nicht ein Widerspruch?

[ 11 ] This reciprocal interaction involves a continual using up of soul-forces. When in the evening a man feels tired, this means that he is no longer able to draw from his inner life a sufficiency of the forces which enable him to work on his physical and etheric bodies. When he is nearing sleep and the faculty that required the most intensive play of his spirit into the physical, the faculty of speech, begins to weaken; when sight, smell, taste and finally hearing, the most spiritual of the senses, gradually fade away, because he is no longer able to draw on his inner forces to sustain them—then we see how these forces are used up through the day.

[ 12 ] Nun, der Widerspruch ist bloß scheinbar. In der Tat ist der Astralleib der Träger von Lust und Leid, von Freude und Schmerz, von allen auf und ab wogenden inneren Seelenerlebnissen des Tages; aber er kann sie nicht durch sich selber, so wie der Mensch heute ist, wahrnehmen.

[ 12 ] Not translated

[ 13 ] Damit dieser Astralleib und das Ich wahrnehmen können ihre eigenen Erlebnisse, sind sie darauf angewiesen, daß sich diese inneren Erlebnisse äußerlich spiegeln; und spiegeln können sie sich nur, wenn des Morgens beim Aufwachen das Ich mit dem Astralleib untertaucht in den Äther- und physischen Leib. Da wirkt für alles das, was der Mensch innerlich erlebt, für alle Lust und alles Leid, für Freude und Schmerz und so weiter der physische, aber namentlich der Ätherleib wie ein Spiegel, der zurückwirft, was wir im Innern erleben. Wie wir uns selber in einem Spiegel sehen, so sehen wir dasjenige, was wir im Astralleib erleben, aus dem Spiegel unseres physischen und unseres Ätherleibes; aber wir dürfen nicht glauben, daß dieses Seelenleben, das vom Morgen bis zum Abend sich vor unserer Seele abspielt, zu seinem Zustandekommen keine Arbeit erfordert. Des Menschen Inneres, das Ich und der Astralleib, alles dasjenige, was Bewußtseinsseele, Verstandesseele, Empfindungsseele ist, das muß arbeiten mit seinen Kräften an dem physischen Leib und an dem Ätherleib, muß sozusagen durch seine Wechselwirkung auf diese beiden Leiber des Menschen das auf und ab wogende Leben des Tages erst erzeugen.

[ 13 ] Not translated

[ 14 ] Während dieses Erlebens des Tages werden nun gewisse Kräfte verbraucht. In dieser Wechselwirkung des menschlichen Innern mit dem Äußern des Menschen werden fortwährend Seelenkräfte verbraucht. Das drückt sich dadurch aus, daß der Mensch am Abend sich ermüdet fühlt, das heißt nicht imstande ist, aus dem Innern heraus jene Kräfte zu finden, die ihm möglich machen, in das Getriebe von Äther- und physischem Leibe einzugreifen. Wenn des Abends der Mensch in der Ermüdung fühlt, wie dasjenige zuerst erlahmt, was am meisten von seinem Geist in die Materie hineinspielt, wenn er sich ohnmächtig des Sprechens fühlt, wenn Gesicht, Geruch, Geschmack und zuletzt das Gehör, der geistigste der Sinne, nach und nach dahinschwinden, weil der Mensch nicht aus dem Innern heraus die Kräfte entfalten kann, dann zeigt uns das, wie die Kräfte während des Tageslebens verbraucht sind.

[ 14 ] Not translated

[ 15 ] Woher stammen nun die Kräfte, welche da vom Morgen bis zum Abend verbraucht werden? Diese Kräfte stammen aus dem Nachtleben, aus dem Schlafzustand. Während des Lebens, das die Seele vom Einschlafen bis zum Aufwachen führt, saugt sie sich gleichsam voll mit jenen Kräften, die sie braucht, um das ganze Tagesleben vor uns hinzaubern zu können. Im Tagesleben kann sie ihre Kräfte entwickeln, aber sie kann aus ihm nicht die Kräfte ziehen, die sie zum Aufbau braucht. — Es ist selbstverständlich, daß die verschiedenen Hypothesen, die über den Ersatz der im Tage verbrauchten Kräfte von der äußeren Wissenschaft gegeben werden, auch der Geisteswissenschaft bekannt sind, aber darauf brauchen wir jetzt nicht einzugehen. — So also können wir sagen: Wenn die Seele aus dem Schlafzustand heraus- und in den Wachzustand übergeht, bringt sie sich aus dem Lande, das gleichsam ihre geistige Heimat ist, die Kräfte mit, die sie den ganzen Tag über verwenden muß zum Aufbau jenes Seelenlebens, das sie vor uns hinzaubert. So wissen wir also, was die Seele sich mitbringt aus der geistigen Welt heraus, wenn sie des Morgens aufwacht.

[ 15 ] What is the origin of these forces? They come from the nightly condition of sleep. During the period between going to sleep and waking up the soul absorbs to the full the forces it needs for conjuring up before us all that we live through by day. During waking hours the soul can deploy its powers, but it cannot draw on the forces necessary for recuperation. Naturally, Spiritual Science is familiar with the various theories advanced by external science to account for the replenishment of forces used up by day, but we need not go into that now. Thus we can say that when the soul passes back from sleep into waking life, it brings from its spiritual home the forces which it devotes all day long to building up the soul-life which it conjures before us.

[ 16 ] Fragen wir uns jetzt das andere: Trägt die Seele nichts am Abend, wenn sie einschläft, in die geistige Welt hinein?

[ 16 ] Now let us ask: When the soul goes off to sleep in the evening, does it carry anything with it into the spiritual world?

[ 17 ] Was bringt sich die Seele des Abends in den Zustand, den wir Schlaf nennen, aus dem Wachzustand mit hinein?

[ 17 ] Not translated

[ 18 ] Wenn wir das einmal durchdringen wollen, was sich die Seele aus der äußeren Welt der physischen Wirklichkeit, in der sie von Erlebnis zu Erlebnis geht während des Wachens, hineinbringt in das geistige Wesen des Schlafes, dann müssen wir uns vor allen Dingen an dasjenige halten, was wir die persönliche Entwickelung des Menschen zwischen Geburt und Tod nennen. Diese Entwickelung des Menschen tritt uns ja darin entgegen, daß uns der Mensch in einem späteren Lebenszustand reifer, mehr durchdrungen von Lebenserfahrung und Lebensweisheit erscheint, daß er in einem späteren Lebensalter gewisse Fähigkeiten und Kräfte sich erworben hat, die er in früherem Lebensalter nicht hatte.

[ 18 ] Yes; and if we want to understand what this is, we must above all closely observe man's personal development between birth and death. This development is evident when in later years a man shows himself to be riper, richer in experience and wisdom learnt from life, while he may also have acquired certain capabilities and powers that he did not possess in his younger days.

[ 19 ] Daß der Mensch aus der Außenwelt etwas in sich hineinnimmt und es umgestaltet in seinem Innern, davon können wir uns schon überzeugen, wenn wir folgendes überlegen: Zwischen 1770 und 1815 haben sich gewisse Ereignisse abgespielt, die für die Weltentwickelung von großer Bedeutung waren. Die verschiedensten Menschen haben diese Ereignisse mitgemacht. Es gab nun solche Menschen, die sie mitgemacht haben, an denen aber diese Ereignisse stumm vorbeigegangen waren; andere hat es gegeben, auf welche diese Ereignisse so gewirkt haben, daß sie sich mit Lebenserfahrung, mit Lebensweisheit erfüllt haben, so daß sie auf eine höhere Stufe ihres Seelenlebens hinaufgestiegen sind.

[ 19 ] A man does indeed receive from the outer world something that he transforms inwardly, as the following consideration clearly shows. Between 1770 and 1815 certain events of great significance for the development of the world took place. They were witnessed by the most diverse contemporaries, some of whom were unaffected by them, while others were so deeply moved that they became imbued with experience and wisdom and their soul-lives progressed to a higher stage.

[ 20 ] Was ist da eigentlich geschehen?

[ 20 ] How did this come about?

[ 21 ] Das zeigt sich uns am besten an einem einfachen Ereignis des menschlichen Lebens. Nehmen wir die Entwickelung des Menschen in bezug auf das Schreibenkönnen. Was ist eigentlich geschehen, damit wir imstande sind, in einem bestimmten Augenblick unseres Lebens die Feder ansetzen und unsere Gedanken durch die Schrift ausdrücken zu können? Da mußte früher mancherlei geschehen. Eine ganze Reihe von Erlebnissen mußte gemacht werden, vom ersten Versuche an, die Feder in die Hand zu nehmen, den ersten Strich zu machen, bis zu all den Bemühungen, die zuletzt dahin führten, daß wir diese Kunst auch wirklich verstanden. Wenn wir uns erinnern, was sich da alles abspielen mußte, durch Monate und Jahre hindurch, wenn wir uns erinnern an alles, was wir durchgemacht haben dabei, vielleicht an Strafen, Verweisen und dergleichen, um endlich umzuwandeln eine Reihe von Erlebnissen in die Fähigkeit des Schreibenkönnens, dann müssen wir sagen: es sind Erlebnisse umgegossen, umgeschmolzen worden, so daß sie gleichsam wie in einer Essenz erscheinen im späteren Leben in dem, was wir die Fähigkeit des Schreibenkönnens nennen.

[ 21 ] It is best illustrated by a simple event in ordinary human life. Take the process of learning to write. What really happens before the moment when we are able to put pen to paper and express our thoughts in writing? A great deal must have happened—a whole series of experiences, from the first attempt to hold the pen, then to making the first stroke, and so on through all the efforts which lead at last to a grasp of the craft of writing. If we recall everything that must have occurred during months or years, and all we went through, perhaps by way of punishments and reproofs, until at last these experiences were transformed into knowing how to write, then we must say: These experiences were recast and remoulded, so that later on they appear like the essential core of what we call the ability to write.

[ 22 ] Geisteswissenschaft zeigt, wie das geschieht, wie eine Reihe von Erlebnissen zusammenrinnt, gleichsam gerinnt in eine Fähigkeit. Das aber könnte niemals geschehen, wenn der Mensch nicht immer und immer wieder durch den Schlaf durchgehen könnte. Derjenige, der das Leben beobachtet, der wird wissen, was sich schon im Alltag zeigt: Wenn wir uns bemühen, dies oder jenes uns einzuprägen, dann erfährt das Einprägen und Behalten eine wesentliche Förderung, wenn wir wieder darüber schlafen können; dann wird es unser Eigentum. Und so ist es im ganzen menschlichen Leben.

[ 22 ] Spiritual Science shows how this transformation comes about. It is possible only because human beings pass repeatedly through the condition of sleep. In daily life we find that when we are at pains to absorb something, the process of imprinting and retentions is considerably aided if we sleep on it; in that way we make it our own.

[ 23 ] Dasjenige, was wir an Erlebnissen durchmachen, muß sich vereinigen mit unserer Seele; es muß von dieser verarbeitet werden; es muß zur Gerinnung gebracht werden, um in Fähigkeit umgebildet werden zu können.

[ 23 ] The experiences we go through have to be united with the soul and worked on by the soul if they are to coalesce and be transformed into faculties.

[ 24 ] Diesen ganzen Prozeß vollzieht die Seele während des Schlafzustandes. Die Tageserlebnisse, die sich ausbreiten in der Zeit, die rinnen zusammen während des nächtlichen Schlafes und gießen sich um in dasjenige, was wir geronnene Erlebnisse, menschliche Fähigkeiten nennen. So zeigt sich uns, was wir des Abends mitnehmen aus den äußeren Erlebnissen, nämlich dasjenige, was dann umgewandelt wird und umgewoben zu unseren Fähigkeiten. So steigert sich unser Leben dadurch, daß die Erlebnisse des Tages umgegossen werden während der Nacht in Fähigkeiten, in Kräfte.

[ 24 ] This whole process is carried through by the soul during sleep, and thereby our life is enhanced.

[ 25 ] Das heutige Zeitbewußtsein hat von diesen Dingen nicht viel Ahnung; aber es war nicht immer so, es gab Zeiten, in denen man aus einem alten Hellsehertum heraus über diese Dinge wohl Bescheid wußte. Da soll nur ein Beispiel angeführt werden, wo ein Dichter in einer höchst merkwürdigen Weise bildlich zeigt, wie er sich dieser Umwandlung bewußt war. Der alte Dichter Homer, der mit Recht auch ein Seher genannt wird, schildert uns in seiner «Odyssee», wie Penelope in der Abwesenheit ihres Gatten von einer Anzahl von Freiern bestürmt wird, und wie sie ihnen verspricht, sich erst dann zu entscheiden, wenn sie ein Gewebe fertig gebracht hätte. Sie löste aber in der Nacht immer wieder auf, was sie bei Tag gewoben hatte. Wenn ein Dichter darstellen will, wie eine Reihe von Erlebnissen, die wir am Tage haben, eine Reihe von Erlebnissen, wie es diejenigen der Penelope mit den Freiern waren, sich nicht zu irgendeiner Fähigkeit umbilden sollen und nicht zusammenrinnen sollen zu der Fähigkeit des Entschlusses, dann muß er darstellen, wie das, was die Tageserlebnisse weben, des Nachts wieder aufgedröselt werden muß, denn sonst würde es sich unweigerlich umgestalten zur Fähigkeit des Entscheidens. Solche Dinge können demjenigen, der nur vom heutigen Bewußtsein erfüllt ist, wie eine Haarspalterei erscheinen, und er kann glauben, daß man in die Dichter etwas hineinträgt; aber die Großen unter den Menschen waren wirklich nur diejenigen, die aus den großen Weltgeheimnissen heraus gearbeitet haben, und man hat, wenn man heute schön von Ursprünglichkeit und ähnlichem redet, keine Ahnung davon, aus welchen Tiefen die wirklich großen Kunstleistungen der Welt gekommen sind.

[ 25 ] Present-day consciousness has little inkling of these things, but in times of ancient clairvoyance they were well known. An example will show how a poet once indicated in a remarkable way his knowledge of this transforming process. Homer, who can rightly be called a seer, describes in his Odyssey 32Cf. 19th Book, 1.137ff. how Penelope, during the absence of her husband, Odysseus, was besieged by a throng of suitors. She promised them that she would give her decision when she had completed a robe she was weaving; but every night she undid the work of the day. If a poet wishes to indicate how a series of experiences, such as those of Penelope with her suitors, are not to merge into a faculty—in this case the faculty of decision—he must show how these experiences have to be unwoven at night, or they would unfailingly coalesce. To anyone imbued with a typical modern consciousness these ideas may sound like hair-splitting, or they may seem to be imposing something arbitrary on the poet; but the only really great men are those, whose work derives from the great world-secrets, and many people today who talk glibly of originality and the like have no inkling of the depths from which the truly great achievements in the arts have been born.

[ 26 ] Also wir sehen, wie sich die äußeren Erlebnisse, die wir hineinnehmen in den Schlafzustand der Seele, umgießen in Fähigkeiten und Kräfte, und wie die menschliche Seele dadurch vorrückt in dem Leben zwischen Geburt und Tod, wie sie etwas hineinbringt in die geistige Welt, um es wiederum herauszubringen zu einer Steigerung der menschlichen Seele. Wenn wir aber dann diese Entwickelung zwischen der Geburt und dem Tode betrachten, dann müssen wir sagen: Oh, es ist dem Menschen eine gewisse enge Grenze gesetzt in bezug auf diese Entwickelung. Diese Grenze tritt uns dann besonders vor die Seele, wenn wir uns überlegen, daß wir zwar an unseren Seelenfähigkeiten arbeiten und sie steigern können, daß wir sie umgestalten können und in einer späteren Epoche des Lebens mit einer vollkommeneren Seele existieren als in einer früheren Epoche, aber daß hier eine Grenze der Entwickelung ist. Man kann gewisse Fähigkeiten im Menschen entwickeln, aber alles das nicht, was nur dadurch vorwärts schreiten könnte, daß wir das Organ des physischen und des Ätherleibes umgestalteten. Diese sind mit ihren bestimmten Anlagen von der Geburt an vorhanden; wir finden sie vor. Wir können uns zum Beispiel nur dann ein gewisses Musikverständnis aneignen, wenn wir von vornherein die Anlage zu einem musikalischen Gehör haben. Das ist ein krasser Fall, an dem sich zeigt, daß die Umwandlung scheitern kann, und daß sich die Erlebnisse zwar mit unserer Seele vereinigen können, wir aber darauf verzichten müssen, sie uns einzuverleiben.

[ 26 ] If now we look further at the progress of human life between birth and death, we have to recognise that it is confined within certain narrow limits. We can indeed work at and enhance our faculties; in later life we can acquire qualities of soul which were lacking earlier on; but all this is subject to the fact that we can accomplish nothing that would require us to transform our physical and etheric bodies. These bodies, with their particular aptitudes, are there at birth; we find them ready-made. For example, we can reach a certain understanding of music only if we are born with a musical ear. That is a crude example, but it shows how transformation can be frustrated; in such cases the experiences can indeed be united with the soul, but we must renounce any hope of weaving them into our bodily life.

[ 27 ] Wenn wir solche Grenzen finden an unserem Leibesleben, dann müssen wir verzichten, zwischen Geburt und Tod diese Erlebnisse in unser Leibesleben hineinzuverweben. Weil das so ist, so müssen wir, wenn wir das menschliche Leben von einem höheren Standpunkt aus betrachten, die Möglichkeit, diesen Leib zersprengen, ablegen zu können, geradezu als etwas ungeheuer Heilsames, als etwas ungeheuer Bedeutsames für unser gesamtes menschliches Leben betrachten. Daran scheitert unsere Umwandlungsfähigkeit für den menschlichen Leib, daß wir diesen Ätherleib und physischen Leib jeden Morgen wieder vorfinden. Im Tode erst legen wir ihn ab. Wir schreiten durch die Pforte des Todes in eine geistige Welt hinein. Da, in dieser geistigen Welt, wo wir jetzt nicht mehr einen physischen und Ätherleib als Hindernis vorfinden, da können wir innerhalb der geistigen Substantualitäten alles dasjenige ausbilden, was wir erleben konnten zwischen Geburt und Tod, dem gegenüber wir aber resignieren mußten, weil wir an Grenzen stießen. — Wenn wir aus der geistigen Welt wiederum in ein neues Leben treten, dann erst können wir diese Kräfte, die wir dem geistigen Urbilde einverwoben haben, eintreten lassen in ein Dasein, das wir uns jetzt plastisch gestalten können in dem zunächst weichen Menschenleib. Nun erst können wir mit unserem Wesen verweben dasjenige, was wir uns im vorhergehenden Leben zwar aneignen, nicht aber auch hineintragen konnten in unser Wesen. So ist die Steigerung des Lebens möglich durch den Tod, weil wir dasjenige, was wir uns in einem Leben als Frucht der Erlebnisse nicht einverleiben konnten, nun im nächsten Leben uns einverweben können. Dasjenige, was das eigentliche menschliche Innere ist, was am Menschen durch die Leiber sich zum Dasein arbeitet, das tritt durch die Pforte des Todes von einem Leben zum anderen. Der Mensch hat nun nicht bloß die Möglichkeit, gewissermaßen zu arbeiten im Gröberen an seiner plastischen Leiblichkeit, damit er in diese plastische Leiblichkeit hineinprägt dasjenige, was er vorher nicht hineinprägen konnte, sondern er hat auch die Möglichkeit, gewisse feinere Früchte der vorhergehenden Leben in sein ganzes Wesen einzuprägen.

[ 27 ] If, then, we consider human life from a higher standpoint, the possibility of breaking free from the physical body and laying it aside must be regarded as enormously wholesome and significant for our entire human existence. Our capacity to transform experiences into faculties is limited by the fact that every morning, on returning from sleep, we find our physical and etheric bodies waiting for us. At death we lay them aside and pass through the gate of death into a spiritual world. There, unhampered by these bodies, we can carry to spiritual completion those experiences between birth and death that we could not embody because of our corporeal limitations. When we descend once more from the spiritual world to a new life on earth, then, and only then, can we take the powers we have woven into our spiritual archetype and give them physical existence by impressing them plastically into the initially soft human body. Now for the first time we can weave into our being those fruits of experience that we had indeed garnered in our previous life but could not then carry into physical embodiment. Seen in this light, death provides for the enhancement of life. Moreover, this comparatively crude work that a man can do on his physical body, whereby he moulds into it what he could not impress on it in his previous life, is not the only possibility open to him. He is able also to imprint on his entire being certain finer fruits of foregoing lives.

[ 28 ] Wenn wir einen Menschen durch die Geburt ins Dasein treten sehen, so können wir sagen: So wie das Ich und der Astralleib mit Empfindungsseele, Verstandes- oder Gemütsseele und Bewußtsseinsseele durch die Geburt ins Dasein treten, so sind sie nicht bestimmungslos, sondern ihnen sind bestimmte Eigenschaften, bestimmte Merkmale eigen, die sie sich aus vorhergehenden Leben mitgebracht haben. Im Gröberen arbeitet der Mensch in das Plastische seines Leibes schon vor der Geburt alles das hinein, was er vorher als Früchte erhalten hat; aber im Feineren arbeitet der Mensch — und das zeichnet ihn dem Tiere gegenüber aus — auch nach der Geburt während seiner ganzen Kindheit und Jugendzeit, er arbeitet in die feinere Gliederung seiner äußeren und auch inneren Natur alles das hinein, was das Ich sich an Bestimmungsmerkmalen, an Bestimmungsgründen aus seinem vorhergehenden Leben mitgebracht hat. Und daß da das Ich hineinarbeitet und wie das Ich da arbeitet aus dem Wesen des Menschen heraus, sich in dem ausprägend, was es darlebt in der Welt, das ist es, was als der Charakter des Menschen hereintritt in diese Welt. Dieses Ich des Menschen arbeitet ja zwischen der Geburt und dem Tode, indem es auf dem Instrumente der Seele, der Empfindungs-, der Verstandes- und der Bewußtseinsseele erklingen läßt, was es sich erarbeitet hat. Aber es arbeitet nicht so in dieser Seele, daß das Ich etwa als ein Äußerliches dem gegenüberstünde, was als Triebe, Begierden und Leidenschaften in der Empfindungsseele lebt, nein, das Ich eignet sich selber, wie zu seinem inneren Wesen gehörig, die Triebe, Begierden und Leidenschaften an: das Ich ist eins mit ihnen, ist auch eins mit seinen Erkenntnissen und mit seinem Wissen in der Bewußtseinsseele.

[ 28 ] When someone is born, his Ego and astral body, including his Sentient Soul, Intellectual Soul and Consciousness Soul, are by no means featureless; they are endowed with definite attributes and characteristics brought from previous lives. The cruder work, whereby the fruits of past experiences are impressed on the plastic physical body, is accomplished before birth, but a more delicate work—and this distinguishes man from the animals—is performed after birth. Throughout childhood and youth a man works into the finer Organisation of his inner and outer nature certain determining characteristics and motives for action, brought by his Ego from a previous life. While the Ego thus impresses itself from within on its vehicles of expression, the fact of its activity and its way of working combine to form the character which a man presents to the world. Between birth and death the Ego works on the organs of the soul, the Sentient Soul, Intellectual Soul and Consciousness Soul, in such a way that they respond to what it has made of itself. But the Ego does not stand apart from the urges, desires and passions of the Sentient Soul. No, it unites itself with these emotions as though they were its own; and equally unites itself with the cognitions and the knowledge that belong to the Consciousness Soul.

[ 29 ] Daher nimmt sich der Mensch dasjenige, was er sich in diesen Seelengliedern an Harmonie und Disharmonie erarbeitet, durch die Pforte des Todes mit und arbeitet es in dem neuen Leben in die menschliche Äußerlichkeit hinein. Es prägt sich so das menschliche Ich mit dem, was es aus einem vorhergehenden Leben her geworden ist, in einem neuen Leben aus. Deshalb erscheint uns der Charakter zwar als etwas Bestimmtes, als etwas Angeborenes, aber doch wiederum als etwas, was sich nach und nach im Leben erst herausentwickelt.

[ 29 ] So it is, that the harmony or disharmony that a human being has wrought in his soul-members is impressed by his Ego on his exterior being in his next earthly life. Human character, therefore, although it appears to us as determined and inborn, can yet be seen to be developing gradually in the course of his life.

[ 30 ] Das Tier ist seinem Charakter nach von allem Anfange an durch die Geburt bestimmt, ist voll ausgeprägt; es kann nicht plastisch arbeiten an seinem Äußeren; der Mensch aber hat gerade diesen Vorzug, daß er bei seiner Geburt auftritt, ohne einen bestimmten Charakter nach außen zu zeigen, daß er aber in demjenigen, was in den tiefen Untergründen seines Wesens schlummert, was von früheren Leben her in dieses Dasein hereingeraten ist, Kräfte hat, die sich in dieses unbestimmte Äußere hineinarbeiten und so den Charakter allmählich formen, insoweit er durch das vorige Leben bestimmt ist.

[ 30 ] With animals, character is determined entirely at birth; an animal cannot work plastically on its exterior nature. Man has the advantage of appearing at birth with no definite character manifest externally, but in the depths of his being he has slumbering powers brought from previous lives; they work into his undeveloped exterior and gradually shape his character, in so far as this is determined by previous lives.

[ 31 ] So sehen wir, wie der Mensch in gewisser Beziehung einen angeborenen Charakter hat, der aber im Laufe des Lebens erst nach und nach sich auslebt. Wenn wir dies ins Auge fassen, so werden wir verstehen können, daß selbst große Persönlichkeiten sich irren konnten in bezug auf Beurteilung des menschlichen Charakters. Es gibt Philosophen, die behaupten, der menschliche Charakter könne sich nicht ändern, er sei als ein ganz Bestimmtes im Innern vorhanden. Das ist aber nicht richtig, nur insofern ist es zutreffend, als uns dasjenige, was von vorhergehenden Leben stammt, wie ein angeborener Charakter entgegentritt. Das ist es also, was als menschliches Zentrum aus dem Innern des menschlichen Wesens sich herausarbeitet und allen einzelnen Gliedern des Menschen das gemeinsame Siegel aufprägt, den gemeinsamen Charakter verleiht. Dieser Charakter geht sozusagen in das Seelische selbst hinein, er geht hinein auch in die äußeren Leibesglieder. Wir sehen das Innere sich gleichsam so nach außen ergießen, daß es alles nach sich in gewisser Weise formt, und wir empfinden, wie dieses innere Zentrum die einzelnen Glieder des Menschen zusammenhält. Bis in das äußere Leibliche hinein empfinden wir etwas, was uns als Abdruck der inneren Wesenheit in dem Äußeren des Menschen erscheinen kann.

[ 31 ] Thus we see how in a certain sense man has an inborn character, but one that gradually develops in the course of life. If we keep this in mind, we can understand how even eminent personalities can go wrong in judging character. There are philosophers who argue that character is inwardly determined and cannot change, but that is a mistake. It applies only to attributes which derive from a previous life and appear as inborn character. Man's inward centre, his Ego, sends out its influence and gives a common stamp and character to every member of his organism. This character extends into the soul and even into the external limbs of the body. We see this inner centre pouring itself forth, as it were, shaping everything in accord with itself, and we feel how this centre holds the members of the human organism together. Even in the external parts of his physical body the imprint of a man's inner being can be discerned.

[ 32 ] Das, was man gewöhnlich theoretisch nicht gehörig beachtet, das hat einmal ein Künstler ganz wunderbar zur Darstellung gebracht. Er zeigt die menschliche Natur in dem Augenblick, wo das menschliche Ich, das zusammenhaltend allen Gliedern einen Mittelpunkt bildet, eine Einheit gibt, für sie verloren geht. Er zeigt, wie dann die einzelnen Wesensglieder, ein jedes sich selbst folgend, das eine die Richtung dahin und das andere dorthin nimmt. Es gibt ein großes berühmtes Kunstwerk, das uns gerade diesen Augenblick der menschlichen Wesenheit festhält, wo der Mensch desjenigen verlustig wird, was seinem Charakter zugrunde liegt, was dem ganzen Menschenwesen angehört. Es ist hier gemeint ein Kunstwerk, das vielfach mißverstanden worden ist. Glauben Sie nicht, daß hier eine billige Kritik angelegt werden soll an Geistern, deren Wirken von mir im höchsten Sinne Verehrung entgegengebracht wird; aber gerade darin zeigt sich die Schwierigkeit des menschlichen Weges zur Wahrheit, daß gewissen Erscheinungen gegenüber, gerade aus einem ungeheuren Wahrheitstrieb heraus, selbst große Geister irren.

[ 32 ] In this connection, an artist once gave wonderful expression to something which generally receives only theoretical attention. The work he produced portrays human nature at the moment when the human Ego, the centre which holds the organism together as a unity, is lost, and the limbs, each going its own way, strain apart in different directions. The work I mean seizes precisely this moment, when a man loses the foundation of his character, of his being as a whole. But this work, a great and famous one, has been very often misunderstood. Do not suppose that I am about to level cheap criticism at men for whose work I have the highest respect. But the fact that even great minds can make mistakes in face of certain phenomena, just when they are most earnestly striving for truth, shows how difficult the path to truth really is.

[ 33 ] Einer der größten deutschen Kunstkenner, Winckelmann, mußte aus den ganzen Voraussetzungen seines Wesens heraus irren gegenüber jenem Kunstwerk, welches unter dem Namen Laokoon bekannt ist. Diese Winckelmannsche Erklärung des Laokoon bewundert man vielfach. Man ist sich klar darüber in vielen Kreisen, daß man Besseres gar nicht sagen kann, als was Winkkelmann gesagt hat über die Gestalt des Laokoon, jenes Priesters von Troja, der inmitten seiner beiden Söhne von Schlangen umwunden, zu Tode gepreßt wird. Winkkelmann, der in schöner Begeisterung dem Kunstwerk gegenüberstand, sagte: man sähe hier den Priester Laokoon, der in jeder Form, die sich in seinem Leibe darstellt, edel und groß einen unendlichen Schmerz zum Ausdruck bringt, vor allen Dingen den Vaterschmerz. Er steht zwischen den Söhnen; die Schlangen umwinden die Leiber. Der Vater — so meint Winckelmann — merkt den Schmerz seiner Söhne und in seinem Vaterempfinden erfühlt er jenes Ungeheure, das den Unterleib einzieht und das Ganze des Schmerzes herauspreßt. Wir könnten die Gestalt des Laokoon aus dem verstehen, daß er sich selbst vergißt, indem er von unendlichem Mitleid für die Söhne seines Blutes entbrennt.

[ 33 ] One of the greatest German authorities on art, Winckelmann,33Johann Joachim Winkelmann, 1717–68. Cf. his “Geschichte der Kunst im Altertum”, part 11. was impelled by his whole disposition to err in interpreting the work of art known as the Laocoon.34Agesander, a Rhodian sculptor, is mentioned by Pliny as the creator, together with Polydorus and Athenodorus, of the Laocoon group, which dates from the period 42–21 B.C. Now in the Vatican. His interpretation has been widely admired. In many circles it has been thought that nothing better could be said about this portrayal of Laocoon, the Trojan priest who, with his two sons, was crushed to death by serpents. Winckelmann, filled with enthusiasm for this example of the sculptor's art, said that here we are shown how the priest, Laocoon, whose every limb bespeaks his nobility and greatness, is torn with anguish, above all the anguish of a father. He is placed between his two sons, with the serpents coiled round their bodies. Conscious of the pain inflicted on his sons, he himself, as a father, is so agonised by it that the lower part of his body is contracted, as though pressing out the full degree of pain. He forgets himself, consumed with immeasurable pity for his sons.

[ 34 ] Es ist eine schöne Erklärung, die Winckelmann von diesem Schmerz des Laokoon gegeben hat, aber derjenige, der Gewissen hat und immer wieder und wieder, weil er gerade Winckelmann als große Persönlichkeit verehrt, den Laokoon ansieht, der muß sich zuletzt sagen: Winckelmann muß hier geirrt haben, denn es ist ganz unmöglich, daß in der Gruppe der Moment gegeben ist, der aus dem Mitleid hervorgeht. Der Kopf ist so gerichtet, daß der Vater seine Söhne gar nicht sieht. Es ist ganz falsch dargestellt, wie Winckelmann die Gruppe ansah. Wenn wir die Gruppe ansehen und ein unmittelbares Empfinden haben, dann werden wir uns klar darüber, daß wir in der Laokoon-Gruppe den ganz bestimmten Moment gegeben haben, wo durch die Umringelung der Schlangen dasjenige, was wir das menschliche Ich nennen, aus dem Leibe des Laokoon heraus ist, wo die einzelnen des Ich entblößten Triebe, ein jeder bis in das Körperliche hinein, ihren Weg gehen. So sehen wir, wie der Unterleib, der Kopf, jedes einzelne Glied seinen Weg geht und nicht in einen charaktervollen Einklang gebracht werden mit der äußeren Gestalt, weil das Ich eben entschwunden ist.

[ 34 ] This is a beautiful explanation of a father's ordeal, but if—just because we honour Winckelmann as a great personality—we look repeatedly and conscientiously at the Laocoon, we are obliged finally to say that Winckelmann must be mistaken, for it is not possible for pity to be the dominating motif in the scene portrayed. The father's head is aligned at such an angle that he cannot see his sons. Winckelmann's view of the group is quite wrong. The immediate impression we get from looking at the figures is that here we are witnessing the quite definite moment when the encircling pressure of the snakes has driven the human Ego out of Laocoon's body, and the separate instincts, deprived of the Ego, make their way into the physical body. Thus we see the head, the lower body and the limbs each taking its own course, not brought into natural harmony with the figure as a whole because the Ego is absent. The Laocoon group shows us, in external bodily terms, how a man loses his unified character when bereft of the Ego, the strong central point which holds together the members of his bodily organism. And if we allow this spectacle to work on our souls, we can come to experience the unifying element which naturally expresses itself in the harmonising of the limbs, and imprints on a man what we call his character.

[ 35 ] Ein solcher Moment, der uns im Äußerlich-Körperlichen zeigt, wie der Mensch den einheitlichen Charakter verliert, wenn das Ich schwindet, das als starker Mittelpunkt selbst die Leibesglieder zusammenfügt, ein solcher Moment ist uns im Laokoon dargestellt. Und gerade, wenn wir so etwas wirken lassen auf unsere Seele, dann dringen wir bis in jenes Einheitliche vor, das sich uns als das Zusammenstimmende der Leibesglieder ausdrückt, das hineinprägt dasjenige, was wir den menschlichen Charakter nennen.

[ 35 ] But now we must ask: If it is true that a man's character is to some extent inborn—if the characteristics given by birth cannot by any effort be altered beyond a certain limit, as every glance at human life will tell us—is it then possible for a man to change his character in a certain way?

[ 36 ] Nun aber müssen wir uns fragen: Wenn das richtig ist, daß der Mensch in gewisser Beziehung seinen Charakter angeboren hat — und das läßt sich nicht leugnen, denn jeder Blick ins Leben kann uns lehren, daß über eine bestimmte Grenze hinaus alles dasjenige, was der Mensch mitbringt, sich durch alle Mühe nicht verändern läßt —, wenn der Mensch auf der einen Seite den Charakter angeboren hat, ist es da doch möglich, daß der Mensch etwas tut, um den Charakter in gewisser Weise umzuformen?

[ 36 ] Yes, in so far as character belongs to the life of the soul and is not subject to the bodily limitations we encounter every morning on waking from sleep, and so can help to harmonise and strengthen the Sentient Soul, Intellectual Soul and Consciousness Soul. To this extent there can be a development of character during a person's life between birth and death.

[ 37 ] Ja, insofern nämlich der Charakter dem Seelenleben angehört, insofern er demjenigen angehört, was, ohne daß wir eine Grenze finden an den äußeren Leibesgliedern, wenn wir des Morgens aufwachen, umgebildet werden kann am Zusammenstimmen der einzelnen Seelenglieder, an Verstärkung der Kräfte der Empfindungsseele, der Verstandes- oder Gemütsseele und der Bewußtseinsseele, insofern kann auch noch am Charakter fortgebildet werden durch das persönliche Leben zwischen Geburt und Tod.

[ 37 ] Some knowledge of all this is of special importance in education.

[ 38 ] Darüber etwas zu wissen, ist besonders wichtig für die Erziehung. Wie es außerordentlich wichtig ist, die Unterschiede und die Wesenheit der menschlichen Temperamente zu kennen, wenn man ein richtiger Erzieher sein soll, so notwendig ist es, auch etwas über den menschlichen Charakter zu wissen, und auch darüber etwas zu wissen, was der Mensch tun kann zwischen Geburt und Tod, um diesen Charakter umzuformen, der in gewisser Beziehung durch das vorhergehende Leben und seine Früchte bestimmt ist. Wenn wir das wissen wollen, dann müssen wir uns klar sein, daß der Mensch in seinem persönlichen Leben gewisse allgemein typische Entwickelungsepochen durchmacht. Sie finden die nötigen Anhaltspunkte für das, was jetzt skizzenhaft angedeutet wird, in meinem Schriftchen: «Die Erziehung des Kindes vom Gesichtspunkte der Geisteswissenschaft.» Der Mensch macht zunächst eine Epoche durch vom Momente seiner Geburt bis zu der Zeit, wo der Zahnwechsel um das siebente Jahr herum eintritt. Das ist die Epoche, wo vorzugsweise der physische Leib durch äußeren Einfluß ausgebildet werden kann. Von diesem siebenten Jahre an, von dem Zahnwechsel bis zum dreizehnten, vierzehnten, fünfzehnten Jahre, bis zur Geschlechtsreife, ist eine Epoche, wo vorzugsweise sein Ätherleib ausgebildet werden kann, das zweite Glied der menschlichen Wesenheit. Dann tritt der Mensch in eine dritte Epoche ein, wo vorzugsweise sein Astralleib, der niedrigere Astralleib, gebildet werden kann; und dann kommt, etwa vom einundzwanzigsten Jahre angefangen, das Lebensalter, wo der Mensch nun gleichsam wie eine selbständige, freie Wesenheit der Welt gegenübersteht und selber an der Ausbildung seiner Seele arbeitet. Da sind die Jahre von zwanzig bis achtundzwanzig wichtig für die Entwickelung der Kräfte der Empfindungsseele.

[ 38 ] Essential as it is to understand the temperaments and the differences between them, it is necessary also to know something about human character and what can be done to change it between birth and death, even though it is in some measure determined by the fruits of a previous life. If we are to make good use of this knowledge, we must be clear that personal life goes through four typical periods of development. In my small book,35For his concept of asceticism see The World as Will and Representation, Book IV. Particularly from par. 68. you will find further information on these stages; here I can only sketch them in outline. The first period runs from birth up to the beginning of the change of teeth around the age of seven. It is during this period that external influence can do most to develop the physical body. During the next period, from the seventh year up to the onset of puberty at about the thirteenth, fourteenth or fifteenth year, the etheric body, particularly, can be developed. Then comes a third period when the lower astral body, especially, can be developed, until finally, from about the 21st year onwards, the time comes when a human being meets the world as a free, independent being and can himself work on the progress of his soul.

[ 39 ] Die nächsten sieben Jahre etwa — das sind immer nur Durchschnittszahlen — bis zum fünfunddreißigsten Jahre sind besonders wichtig für die Entwickelung der Verstandes- oder Gemütsseele, die wir insbesondere dadurch zur Ausbildung bringen können, daß wir mit dem Leben in Wechselwirkung treten. Wer das Leben nicht beobachten will, der mag darin Unsinn sehen; wer aber das Leben mit offenen Augen betrachtet, der wird wissen, daß gewisse Wesensglieder des Menschen insbesondere in gewissen Epochen des Lebens ausgebildet werden können. In den ersten Zwanzigerjahren sind wir besonders imstande, durch Wechselwirkung mit dem Leben unsere Begierden, Triebe, Leidenschaften und so weiter an den Eindrücken und Einflüssen der Außenwelt zu entfalten. Ein Werden an Kräften werden wir fühlen können durch entsprechende Wechselwirkung der Verstandesseele mit der Umwelt; und derjenige, der da weiß, was wirkliche Erkenntnis ist, der weiß auch, daß alles frühere Aneignen von Erkenntnissen nur Vorbereitung sein kann; daß jene Reife des Lebens, wo man wirklich überschauend sich Erkenntnisse aneignen kann, im Grunde genommen durchschnittlich erst mit dem fünfunddreißigsten Jahre eintritt. Solche Gesetze gibt es. Nur derjenige wird sie nicht beobachten, der überhaupt das menschliche Leben nicht beobachten will.

[ 39 ] The years from 20 to 28 are important for developing the forces of the Sentient Soul. The next seven years up to the age of 35—these are all only average figures—are important for the development of the Intellectual Soul, especially through intercourse with the outer world. All this may be regarded as nonsense by those who fail to observe the course of human life, but anyone who studies life with open eyes will come to know that certain elements in the human being are most open to development during particular periods. During our early twenties we are particularly well placed to bring our desires, instincts, passions and so on into relation with the impressions and influences received from our dealings with the outer world. We can feel our powers growing through the corresponding interaction between the Intellectual Soul and the world around us, and anyone who knows what true knowledge is, will realise that all earlier acquisitions of knowledge were no more than a preparation for this later stage. The ripeness of experience which enables one to survey and evaluate the knowledge one acquires is not attained, on average, before the thirty-fifth year. These laws exist. Anyone unwilling to recognise them is unwilling to observe the course of human life.

[ 40 ] Wenn wir das ins Auge fassen, dann sehen wir, wie dieses menschliche Leben zwischen Geburt und Tod gegliedert ist. Daraus aber, daß das Ich so arbeitet, daß es die Seelenglieder abstimmt gegeneinander, daß es aber auch dasjenige, was es erarbeitet, gliedern muß nach Maßgabe der äußerlichen Leiblichkeit, daraus werden wir einsehen, wie wichtig es ist, als Erzieher zu wissen, daß bis zum siebenten Jahre der äußere physische Leib seine Entwickelung erfährt. Alles dasjenige, was auf den physischen Leib einwirken kann von der physischen Welt, was ihn mit Kraft und Stärke ausstattet, das kann nur in dieser ersten Epoche an den Menschen herangebracht werden. Nun besteht ein geheimnisvoller Zusammenhang zwischen dem physischen Leib und der Bewußtseinsseele, der bei genauer Beobachtung des Lebens gründlich hervorgehen kann.

[ 40 ] If we keep this in mind, we can see how human life between birth and death is structured. The work of the Ego in harmonising the soul-members, and its necessary endeavour to impress the fruits of its work on the physical body, will show you how important it is for an educator to know how the physical body goes through its development up to the seventh year. It is only during this period that influences from the outer world can be brought in to endow the physical body with power and strength. And here we encounter a mysterious connection between the physical body and the Consciousness Soul, a connection which exact observation can thoroughly confirm.

[ 41 ] Wenn nun das Ich stark werden soll, so daß es sich mit den Kräften der Bewußitseinsseele im späteren Leben, also erst nach dem fünfunddreißigsten Jahre, durchsetzen soll, wenn das Ich so arbeiten soll im Seelenleben, daß es durch die Durchdringung der Bewußtseinsseele herausgehen kann aus sich selber zu einem Wissen von der Welt, so darf es an dem physischen Leib keine Grenze finden, denn der physische Leib gerade kann dasjenige sein, was der Bewußtseinsseele und dem Ich die größten Hindernisse entgegensetzt, wenn dieses Ich nicht verschlossen bleiben will im Innern, sondern heraus will zu einem offenen Wechselverkehr mit der Welt. Da wir aber innerhalb gewisser Grenzen durch die Erziehung dem Kinde bis zum siebenten Jahr Kräfte zuführen können für den physischen Leib, so sehen wir hier einen merkwürdigen Lebenszusammenhang. Oh, es ist nicht gleichgültig für das spätere Leben des Menschen, was der Erzieher mit dem Kinde vornimmt! Nur diejenigen, die das Leben nicht zu beobachten verstehen, die wissen nichts von solchen Lebensgeheimnissen; wer aber vergleichen kann frühestes Kindesalter mit demjenigen, was vom fünfunddreißigsten Jahre an auftritt an freiem Wechselverkehr mit der Welt, der weiß, daß wir einem Menschen, der mit der Welt in offenen Verkehr treten soll, der auf die Welt eingehen und nicht verschlossen in sich selber ruhen soll, daß wir dem die größten Wohltaten erweisen können, wenn wir in entsprechender Weise in der ersten Epoche seines Lebens auf ihn wirken. Was wir da dem Kinde zuführen an Freuden des unmittelbaren physischen Lebens, an Liebe, die einströmt aus seiner Umgebung, das führt dem physischen Leibe Kräfte zu, das macht ihn bildungsfähig, das macht ihn gleichsam weich und plastisch.

[ 41 ] If the Ego is to gain strength, so that in later life, after the thirty-fifth year, it can permeate itself with the forces of the Consciousness Soul, and through this permeation can go forth to acquire knowledge of the world, it ought to encounter no boundaries in the physical body. For the physical body can set up the greatest obstacles to the Consciousness Soul and the Ego, if the Ego is not content to remain enclosed in the inner life but wishes to go out and engage in free intercourse with the world. Now since in bringing up a child during his first seven years we are able to strengthen the forces of his physical body, within certain limits, a remarkable connection between two periods of life is apparent. What can be accomplished for a child during these years by those who care for him is not a matter of indifference! People who fail to realise this have not learnt how to observe human life. Anyone who can compare the early years of childhood with the period after the thirty-fifth year will know that if a man is to go out into the world and engage in free intercourse with it, the best thing we can do for him is to bring him the right sort of influence during his early years. Anything we can do to help the child to find joy in immediate physical life, and to feel that love surrounds him, will strengthen the forces of his physical body, making it supple, pliant and open to education.

[ 42 ] Und so viel Freude und so viel Liebe und Glück wir dem Kinde in dieser ersten Lebensepoche zuführen, um so weniger Hindernisse und Hemmnisse hat der Mensch dann später, wenn er aus seiner Bewußtseinsseele heraus, durch die Arbeit des Ich, das auf der Bewußtseinsseele wie auf einer Saite spielt, einen offenen, einen freien, mit der Welt in Wechselwirkung tretenden Charakter bilden soll. — Alles das, was wir an Unliebe, was wir an finsteren Lebensschicksalen, an Schmerz das Kind bis zum siebenten Lebensjahre ertragen lassen, verhärtet seinen physischen Leib, und das alles schafft dann Hindernisse für das spätere Lebensalter. Und in dem gekennzeichneten späteren Lebensalter tritt dann das auf, was man einen verschlossenen Charakter nennt, ein Charakter, der in seiner Seele sein ganzes Wesen versperrt und nicht zu einem freien offenen Verkehr mit all den Eindrücken der Außenwelt gelangen kann. So geheimnisvoll sind die Zusammenhänge im Leben.

[ 42 ] The more joy, love and happiness that we can give the child during his early years, the fewer obstacles and hindrances he will encounter later on, when the work of his Ego on his Consciousness Soul should enable him to become an open character, associating in free give-and-take with the outer world. Anything in the way of unkindness pain or distressing circumstances that we allow the child to suffer up to his seventh year has a hardening effect on his physical body, and this creates obstacles for him in later life. He will tend to become a closed character, a man whose whole being is imprisoned in his soul, so that he is unable to achieve a free and open intercourse with the world and the impressions it yields.

[ 43 ] Und wiederum gibt es Zusammenhänge zwischen dem Äther- oder Lebensleib und demjenigen, was in der zweiten Lebensepoche sich besonders ausbildet. Zwischen dem Ätherleib und der Verstandes- oder Gemütsseele besteht ein Zusammenhang. In der Verstandesseele ruhen die Kräfte, die durch das Spiel des Ich auf dieser Seele ihr entlockt werden können. Das sind alle die Kräfte, die den Menschen zu einem Menschen der Initiative, des Mutes oder zu einem Menschen der Feigheit, der Unentschlossenheit, der Lässigkeit heranbilden. Je nachdem das Ich stärker ist oder schwächer, je nachdem lebt sich der Mensch als feiger oder mutvoller Charakter dar. Dann aber, wenn der Mensch die beste Gelegenheit hat, durch das Wechselverhältnis mit dem Leben diese Eigenschaft der Verstandes- oder Gemütsseele sich besonders einzuprägen, sie besonders zu einem festen Charakter zu machen, dann kann er Hemmanisse und Hindernisse finden an seinem Äther- oder Lebensleib. Bringen wir nun dem Äther- oder Lebensleib zwischen dem siebenten, dreizehnten, vierzehnten Jahre alles dasjenige bei, was ihn durchdringen kann mit solchen Kräften, an denen ihm im späteren Leben kein Widerstand erwächst — also gerade für die Jahre achtundzwanzig bis fünfunddreißig —, dann haben wir für die Erziehung dieses Menschen etwas getan, wofür er uns innig danken muß. Wenn wir einem Menschen die Möglichkeit geben, zwischen dem siebenten und dreizehnten Jahre neben uns so zu stehen, daß wir ihm eine Autorität sein können, daß wir ihm persönlich ein Wahrheitsträger sind, wenn in diesem Alter, für welches Autorität etwas besonders Heilsames ist, wir als Lehrer, als Eltern oder Erzieher neben dem jungen Menschen so stehen, daß dieser sich sagt: Was sie uns darleben, das ist wahr —, dann steigern wir die Kräfte des Ätherleibes, und der Mensch wird dann im späteren Lebensalter, vom achtundzwanzigsten bis fünfunddreißigsten Jahre, am wenigsten Widerstand finden am Äther- oder Lebensleib; er wird dann, entsprechend der Anlage seines Ich, zu einem mutvollen Menschen mit Initiative werden können. Wir können also durch diese geheimnisvollen Zusammenhänge des Lebens, wenn wir sie kennen, in ungeheuer heilsamer Weise auf den Menschen einwirken.

[ 43 ] Again, there are connections between the etheric body and the second period of life, and therefore with the Intellectual Soul. The play of the Ego on the Intellectual Soul releases forces which can either endow a man with courage and initiative or incline him to cowardice, indecision, sluggishness. Which way it goes depends on the strength of the Ego. But when a man has the best opportunity to use the Intellectual Soul for strengthening his character through intercourse with the world, between the ages of 28 and 35, he may encounter hindrances in his etheric body. If during the period from the seventh to the fourteenth year we supply the etheric body with forces that will prevent it from creating these hindrances in later life, we shall be doing something for his education that should earn his gratitude. If during the period from seven to fourteen in a child's life we can stand towards him as an authority, and as a source of truth whom he can trust, this is particularly health-giving. Through this relationship, we, as parents or teachers, can strengthen his etheric forces so that in later life he will encounter the least possible obstacles in his etheric body. Then he will be able, if his Ego has the disposition for it, to become a man of courage and initiative. If we are aware of these hidden connections, we can have an enormously health-giving influence on human beings while they are growing up.

[ 44 ] Es ist in unserer chaotischen Bildung verlorengegangen das Bewußtsein von solchen Zusammenhängen, die man früher instinktiv gekannt hat. Da kann man immer mit Wohlbehagen betrachten, was ältere Lehrer wie aus einem tiefen Instinkt oder aus Inspiration heraus über diese Dinge noch gewußt haben. Da muß man sagen: Die alte Rottecksche Weltgeschichte mag heute da und dort überholt sein; wenn man aber mit Menschenverständnis diese alte Rottecksche Weltgeschichte in die Hand nimmt, die wir, als wir jung waren, in den Bibliotheken unserer Väter gefunden haben, denn da wurde sie gelesen, so findet man eine eigentümliche Darstellungsweise, eine Darstellungsweise, die zeigt, daß jener Badenser Lehrer, der in Freiburg Geschichte gelehrt hat, nicht nur trocken und nüchtern gelehrt hat. Wenn man nur das Vorwort liest zu dieser Rotteckschen Weltgeschichte, die ihrem Geist nach etwas Außerordentliches ist, dann hat man das Gefühl: Das ist ein Mensch, der spricht zu der Jugend aus dem Bewußtsein heraus: Du mußt dem Menschen in diesem Alter — zwischen vierzehn und einundzwanzig Jahren, wo der Astralleib zur Entwickelung kommt — die Kräfte zuführen, die aus schönen, großen Idealen hervorgehen. Überall sucht Rotteck herauszuholen, was den Menschen erfüllen kann mit der Größe der Ideen der Helden, mit Begeisterung für das, was Menschen gewollt, gelitten haben im Verlauf der Menschheitsentwickelung. Und solch ein Bewußtsein hat seine volle Berechtigung; denn dasjenige, was in den Astralleib in diesem Lebensalter, von vierzehn bis einundzwandzig Jahren, in solcher Art hineingegossen wird, das kommt unmittelbar nachher der Empfindungsseele zugute, wenn das Ich im freien Wechselspiel mit der Welt den Charakter erarbeiten will. In der Empfindungsseele wird eingeprägt, das heißt dem Charakter wird einverleibt dasjenige, was an hohen Idealen, an Begeisterung in die Seele geflossen ist. Das wird dem Ich selber einverleibt, das wird dem Charakter aufgeprägt.

[ 44 ] Our chaotic education has lost all knowledge of these connections; they were known instinctively in earlier times. It is always a pleasure to see that some old teachers knew of these things, whether by instinct or by inspiration. Rotteck's old World History, for example: it was to be found in our fathers' libraries and it may now be out of date here and there, but if we approach it with understanding we encounter a quite individual method of presentation which shows that Rotteck, who taught history in Freiburg, had a way of teaching which was the very reverse of dry or insipid. We have only to read the Foreword, which is quite out of the ordinary in spirit, to feel: here is a man who knows that in addressing young people of this age—from 14 to 21, when the astral body is developing—he must bring them into touch with the power of great, beautiful ideals. Rotteck is always at pains to show how we can be inspired by the great thoughts of the heroes and to kindle the enthusiasm that can be felt for all that men and women have striven for and suffered in the course of human evolution. This approach is entirely justified, for the influence thus poured into the astral body during these years is of direct benefit to the Sentient Soul, when the Ego is working to develop a person's character through free intercourse with the world. All that has flowed into the soul from high ideals and enthusiasm is imprinted on the Sentient Soul and embodied accordingly in character.

[ 45 ] So sehen wir, wie in der Tat dadurch, daß in einer gewissen Weise die menschlichen Hüllen, der physische Leib, der Äther- oder Lebensleib, der Astralleib noch plastisch sind, sie durch die Erziehung dieses oder jenes beigefügt erhalten können in der Jugend, und es dadurch möglich machen, daß später der Mensch an seinem Charakter arbeitet. Wenn das Nötige nicht geschehen ist, dann wird es schwierig, am Charakter zu arbeiten; da sind dann die stärksten Mittel notwendig. Dann wird es notwendig, daß? der Mensch sich ganz bewußt hingibt einer tief innerlichen meditativen Betrachtung gewisser Eigenschaften und Gefühle, die er bewußt einprägt in das Seelenerleben. Solch ein Mensch muß versuchen, die Kulturströmungen, die als Bekenntnisse zum Beispiel religiöser Art nicht nur wie Theorien sprechen wollen, inhaltlich zu erleben. Den großen Weltanschauungen, dem, was uns im späteren Leben noch mit unseren Begriffen und Empfindungen, mit unseren Ideen in die großen umfassenden Weltengeheimnisse hineinführt, dem müssen wir uns wieder und wiederum hingeben, nicht nur in einmaliger Betrachtung. Wenn wir uns in solche Weltgeheimnisse vertiefen können, uns ihnen immer wieder gerne hingeben, wenn sie uns eingeprägt werden in Gebeten, die wir tagtäglich wiederholen, dann können wir selbst noch im späteren Leben durch das Spiel des Ich unseren Charakter umprägen.

[ 45 ] Thus we see that because the physical, etheric and astral bodies are still plastic in young people, this or that influence can be impressed on them through education, and this makes it possible for a man to work on his character in later life. If education has not helped him in this way, he will find it difficult to work on his character and he will have to resort to the strongest measures. He will need to devote himself to deep meditative contemplation of certain qualities and feelings in order to impress them consciously on his soul. He must try, for example, to experience inwardly the content of those religious confessions which can speak to us as more than theories. He must devote himself again and again to contemplation of those great philosophies in the widest sense which in later life can lead through our thoughts and feelings into the great, all-embracing cosmic secrets. If we can immerse ourselves in these secrets, ever and again willingly devoting ourselves to them; if through daily prayer we make them part of ourselves, then through the play of the Ego, we can re-mould our characters in later life.

[ 46 ] Das erste dabei ist, daß der Mensch also dasjenige, was seinem Ich einverleibt ist, was sein Ich sich erobert, in seine Seelenglieder, in die Empfindungsseele, in die Verstandes- oder Gemütsseele und in die Bewußtseinsseele hineinprägt. Nun vermag der Mensch im allgemeinen nicht viel über die äußere Leiblichkeit. Wir haben gesehen, daß der Mensch eine Grenze hat an der äußeren Leiblichkeit, daß sie mit gewissen Anlagen ausgestattet ist; doch wenn wir genauer beobachten, so sehen wiir, daß allerdings diese Grenze dennoch zuläßt, daß der Mensch auch zwischen Geburt und Tod an seiner äußeren Leiblichkeit arbeitet.

[ 46 ] In this connection the essential thing is that the qualities acquired by and embodied in the Ego are imprinted on the Sentient Soul, the Intellectual Soul and the Consciousness Soul. Generally speaking, man has little power over his external body. We have seen how he encounters a boundary in his physical body, with its innate pre-dispositions. Nevertheless, observation shows that in spite of this limitation, man can do some work on his physical body between birth and death.

[ 47 ] Wer wird nicht schon beobachtet haben, wie ein Mensch, der sich wirklich tieferen Erkenntnissen durch ein Jahrzehnt zum Beispiel hingibt — solchen Erkenntnissen, welche nicht graue Lehre bleiben, sondern die sich umgestalten in Lust und Leid, in Seligkeit und Schmerz, die im Grunde erst dadurch zu wirklicher Erkenntnis werden und sich mit dem Ich verweben —, wer wird nicht beobachtet haben, daß da selbst die Physiognomie, die Geste, das ganze Gehaben des Menschen sich umändert, wie das Arbeiten des Ich sozusagen bis in die äußere Leiblichkeit hineingeht!

[ 47 ] Who has not noticed that a man who devotes himself for a decade to knowledge of a really deep kind—knowledge that does not remain grey learning but is transformed into pleasure and pain, happiness and sorrow, thus becoming real knowledge and uniting itself with the Ego—who has not noticed that such a man's physiognomy, his gestures, his entire behaviour have changed, showing how the working of the Ego has penetrated right into his external physique!

[ 48 ] Aber viel ist es nicht, was da der Mensch durch das, was er sich im Leben zwischen Geburt und Tod erwirbt, in seine äußere Leiblichkeit einprägen kann. Das meiste von dem, was er sich so erwirbt, ist etwas, dem gegenüber er verzichten muß, das er sich aufbewahren muß für ein nächstes Leben. Dafür bringt der Mensch mancherlei aus früheren Leben mit und kann, wenn er sich die innere Fähigkeit dazu erwirbt, es steigern durch das, was er sich zwischen Geburt und Tod erarbeitet.

[ 48 ] However, the extent to which the outer body can be influenced by powers acquired between birth and death is very limited. For the most part man has to resign himself to keeping them for his next earthly life. On the other hand, the various attributes brought over from previous lives can be enhanced by working on them between birth and death, if the faculty for doing so has been acquired.

[ 49 ] Und so sehen wir, wie der Mensch bis in die Leiblichkeit hinein arbeiten kann, wie der Charakter nicht bloß im inneren Seelenleben sich begrenzt, sondern herausdringt in die äußeren Leibesglieder. Dasjenige am Menschen, in dem sich das Äußerste seines innersten Charakters besonders ausprägt, das ist in erster Linie sein mimisches Spiel; ferner das, was wir nennen können seine Physiognomie, und drittens die plastische Bildung der Knochen seines Schädels, dasjenige, was uns in der Schädelkunde entgegentritt.

[ 49 ] Thus we see how character is not confined to the inner life of the soul, but penetrates into a man's external physique and limbs. It finds expression, first, in his gestures; second, in his physiognomy; and third, in the plastic formation of the skull, the origin of what we call phrenology.

[ 50 ] Wenn wir uns nun fragen: Wie kommt der Charakter des Menschen bis in der Äußerlichkeit, in seiner Geste, Physiognomie und Knochenbildung zum Ausdruck? — so haben wir dazu wiederum einen Anhaltspunkt durch jene geisteswissenschaftliche Vertiefung in die menschliche Wesenheit, die sagen kann: Das Ich arbeitet bildend zunächst an der Empfindungsseele, die alle Triebe, Begierden, Leidenschaften, kurz, alles das umschließt, was man innere Impulse des Willens nennen kann. Dasjenige, was das Ich auf dieser Saite des Seelenlebens spielt, das kommt dann im Äußeren, in der Geste zur Darstellung. Was in der Empfindungsseele als Charakter innerlich sich auslebt, offenbart sich nach außen in der Mimik, in der Geste, und wir können sagen, daß uns diese Geste vom Innern des Menschen gerade in bezug auf seinen Charakter viel verraten kann.

[ 50 ] How, then, does character achieve this outward expression in gesture, physiognomy and bone-formation? The Ego works formatively first of all in the Sentient Soul, which embraces all the instincts, desires, passions—in short, everything that belongs to the inner impulses of the will. The note sounded by the Ego on this member of the soul is manifest externally as gesture, and this play of gestures, springing from a man's inner being, can tell us a great deal about his character.

[ 51 ] Wenn beim Menschen auch vorzugsweise aus seinem Charakterwesen heraus das Ich in der Empfindungsseele arbeitet, so spielt doch das, was das Ich gleichsam anschlägt auf der Saite der Empfindungsseele, in die anderen Seelenglieder hinein. Wenn das Ich vorzugsweise an der Empfindungsseele arbeitet, dann klingt besonders stark die Empfindungsseele, und es müssen mitklingen die anderen; das drückt sich aber in der Geste aus. Alles dasjenige, was sich im gröbsten Stile bloß in der Empfindungsseele ausprägt, kommt in der Geste zum Erscheinen im menschlichen Unterleib. Wer sich in Wohlbehagen auf den Bauch klopft, bei dem können wir genau sehen, wie er ganz mit seinem Charakter in der Empfindungsseele eingeschlossen lebt, wie wenig bei ihm zum Ausdruck kommt von dem, was seine Willensimpulse in den höheren Seelengliedern sind.

[ 51 ] When the Ego is active chiefly in the Sentient Soul, the note it sounds there resonates in the Intellectual Soul and the Consciousness Soul, and this, too, is evident in gesture. The coarser elements of the Sentient Soul come to expression in gestures connected with the lower part of the body. If, for instance, a man pats his stomach with a feeling of satisfaction, we can see how his character is bound up with his Sentient Soul, and how volitions connected with his higher soul-members come to expression hardly at all.

[ 52 ] Wenn aber das Ich, das in der Empfindungsseele vorzugsweise lebt, doch aber das, was es an Trieben, Begierden, Willensentschlüssen in dieser Empfindungsseele auslebt, heraufschlägt in die Verstandesseele, dann kommt das in einer Geste zum Ausdruck, die sich auf dasjenige Organ des Menschen bezieht, das vorzugsweise der äußere Ausdruck ist für die Verstandes- oder Gemütsseele: hier in der Gegend des Herzens. Daher sehen wir bei denjenigen Menschen, die den sogenannten Brustton der Überzeugung haben, die aus ihren Empfindungen heraus zwar sprechen, aber imstande sind, diese Empfindungen doch umzuprägen in Worte und das auszudrücken: daß sie sich ans Herz schlagen. Nicht aus der Objektivität des Urteils heraus reden sie, sondern aus Leidenschaft. Wir können den leidenschaftlichen Charakter, der aber in die Verstandesseele heraufschlägt, wir können den Menschen, der zwar ganz in der Empfindungsseele lebt, der aber durch sein starkes Ich fähig ist, die Töne heraufschlagen zu lassen in die Verstandesseele, erkennen, wenn er sich besonders breit hinstellt.

[ 52 ] When, however, the activity of the Ego resonates in the intellectual Soul, we can often observe a gesture related to the organ which serves the Intellectual Soul as its chief means of outer expression. Speakers who have the so-called “breast-tone of conviction” are given to striking themselves over the heart. They are men who speak with passion and are not concerned with objective judgment. Here we have the passionate character who lives entirely in the Sentient Soul but has so strong an Ego that his emotions resonate in the Intellectual Soul; we recognise him by his expansive attitudes.

[ 53 ] Es gibt Volksredner, die den Daumen in die Westenlöcher hineinstecken und sich breit vor das Publikum hinstellen: das sind diejenigen, die aus der unmittelbaren Empfindungsseele heraus sprechen, die das, was sie egoistisch und ganz persönlich, nicht aus der Objektvität heraus empfinden, in Worte umprägen, aber jetzt mit der Geste — Daumen in den Westenlöchern — bekräftigen.

[ 53 ] For example, there are popular speakers who thrust their thumbs into their waistcoats and swell out their chests when they are facing an audience. Far from being objective, they speak directly out of the Sentient Soul, putting into words their personal egoistic feelings and reinforcing them with this gesture—thumbs in waistcoat.

[ 54 ] Diejenigen Menschen, welche bis in die Bewußtseinsseele heraufklingen lassen, was in ihrer Empfindungsseele vom Ich ausgeprägt und angeschlagen ist, das sind solche, die durch ihre Geste an dem Organ arbeiten, das insbesondere der äußerliche Ausdruck der Bewußtseinsseele ist. Solche Menschen zeigen es klar, wenn sie es besonders schwer haben, das, was sie innerlich fühlen, zu einer gewissen Entscheidung zu bringen; es erscheint uns wie ein äußerlicher Abdruck dieser Entscheidung, wenn der Mensch den Finger an die Nase legt, wenn er das insbesondere andeuten will, wie schwer es ihm wird, das aus den Tiefen der Bewußtseinsseele zu heben.

[ 54 ] When the note struck by the Ego in the Sentient Soul resonates in the Consciousness Soul, we see a gesture bearing on the organ which gives the Consciousness Soul its chief outer expression. If a person finds it particularly difficult to bring his inner feelings to the point of reaching a decision, he will lay a finger on his nose—a gesture indicating how hard it is for him to fetch up a decision from the depth of his Consciousness Soul.

[ 55 ] Und so können wir sehen, wie alles, was eigentlich in den Seelengliedern sich ausprägt als die charakterisierte Arbeit des Ich, sich hinausergießt bis in die Geste.

[ 55 ] When someone lives chiefly in the Intellectual Soul, this is apparent in his physiognomy and facial expression.

[ 56 ] Wir können aber sehen, wenn der Mensch vorzugsweise in der Verstandes- oder Gemütsseele lebt, was also schon näher dem menschlichen Innern liegt, was also am Menschen nicht von außen bestimmt ist, worunter er nicht sklavisch seufzt, was mehr sein Eigentum ist, wie das sich kundgibt im physiognomischen Ausdruck namentlich seines Gesichtes. Wenn das Ich die Saite der Verstandesseele anschlägt, diese aber hinunterklingt in die Empfindungsseele, wenn der Mensch zunächst zwar fähig ist, mit seinem Ich in der Verstandesseele zu leben, aber alles, was dann darinnen ist, sich hinunterdrückt in die Empfindungsseele; wenn sein Urteil ihn so durchdringt, daß er erglüht für sein Urteil, dann sehen wir, wie sich das ausdrückt in der zurücktretenden Stirn, in dem hervortretenden Kinn. Was eigentlich in der Verstandesseele erlebt wird und nur hinunterklingt in die Empfindungsseele, das drückt sich aus an den unteren Partien des Gesichts. Wenn der Mensch dasjenige entfaltet, was gerade die Verstandesseele entfalten kann, den Einklang zwischen dem Äußeren und dem Innern, wo der Mensch weder durch inneres Grübeln verschlossen, noch durch völliges Hingegebensein leer wird im Innern, wo ein schöner Einklang ist zwischen dem Äußeren und Innern, wenn also vorzugsweise das Ich in seiner Charakterprägung in der Verstandesseele lebt, so drückt sich das in der Mittelpartie des Gesichts — dem äußeren Ausdruck für die Verstandes- oder Gemütsseele — aus.

[ 56 ] The experience of the Intellectual Soul lies closer to man's inner life and is not subject to the outer pressure under which he might sigh like a slave. He feels it to be more his own property, and this is reflected in his face. If a man is indeed capable of living in the Intellectual Soul, but presses down its content into the Sentient Soul, if any judgment he forms gets hold of him so strongly that he glows with enthusiasm for it, we can see this expressed in his sloping forehead and projecting chin. If something is actually experienced in the Intellectual Soul and only resonates in the Sentient Soul, this is expressed in the lower part of the face. If a man achieves the special virtue of the Intellectual Soul, a harmony between inner and outer, so that he neither secludes himself in inward brooding nor depletes his inner life by complete surrender to outer impressions, and if his Ego's work in the shaping of character is accomplished chiefly through the Intellectual Soul, then all this will be manifest in the middle part of his face, the external expression of the Intellectual Soul.

[ 57 ] Und hier können wir sehen, wie fruchtbar Geisteswissenschaft wird für die Kulturbetrachtung. Sie zeigt, daß die aufeinanderfolgenden Eigenschaften auch bei den aufeinanderfolgenden Völkern in der Weltentwickelung ganz besonders sich ausprägen. So war die Verstandes- oder Gemütsseele insbesondere im alten Griechentum ausgeprägt. Da war jener schöne Einklang zwischen dem Äußern und dem Innern da, da war vorhanden das, was man in der Geisteswissenschaft nennt den charaktervollen Ausdruck des Ich in der Verstandes- oder Gemütsseele. Bei den Griechen tritt uns daher in der äußeren Gestaltung die griechische Nase in ihrer Vollendung entgegen. Wahr ist es, daß wir solche Dinge erst verstehen, wenn wir das Äußere, das in der Materie Geprägte begreifen aus den geistigen Untergründen heraus, aus denen es hervorgeht.

[ 57 ] Here we can see how fruitful Spiritual Science can be for the study of civilisations: we are shown how successive characteristics are imprinted on successive peoples. Thus the Intellectual Soul made its imprint particularly on the ancient Greeks, among whom we can discern the beautiful harmony between inner and outer that is the characteristic manifestation of the Intellectual Soul. And here, accordingly, we find the Greek nose in its perfection. True it is that we cannot fully understand these things unless we relate them to their spiritual background.

[ 58 ] Und der physiognomische Ausdruck, der entsteht, wenn der Mensch das, was vorzugsweise in der Verstandes- oder Gemütsseele lebt, heraufbringt bis zum Wissen, wenn er es auslebt in der Bewußtseinsseele, der ergibt die hervortretende Stirne. In diesem physiognomischen Ausdruck liegt die Offenbarung der Verstandes- oder Gemütsseele; daher drückt sich dies in einer besonderen Stirnbildung aus, gleichsam in die Bewußtseinsseele hinaufströmend das, was das Ich in der Verstandesseele arbeitet.

[ 58 ] Again, when someone carries the content of the Intellectual Soul into the realm of cognition and experiences it in the Consciousness Soul, the outward sign of this is a projecting forehead, as though the working of the Ego in the Intellectual Soul were flowing up into the Consciousness Soul.

[ 59 ] Wenn aber der Mensch ganz besonders lebt mit seinem Ich, so daß er charaktervoll dasjenige, was das Wesen des Ich ist, in seiner Bewußtseinsseele ausprägt, dann kann er zum Beispiel das, was das Ich anschlägt auf der Saite der Bewußtseinsseele, hinunterdrängen in die Verstandes- oder Gemütsseele und in die Empfindungsseele. Dieses letztere ist eine gewisse höhere Vollendung der menschlichen Entwickelung. Nur in unserer Bewußtseinsseele können wir durchdrungen werden von den hohen sittlichen Idealen, von den großen Erkenntnisüberblicken über die Welt.

[ 59 ] If, however, someone lives in close unity with his Ego, so that the character of the Ego is impressed on the Consciousness Soul, he can then carry the note sounded by the Ego in his Consciousness Soul down into his Intellectual Soul and his Sentient Soul. This goes with a higher stage of human development. Only the Consciousness Soul can be permeated by high moral and aesthetic ideals and by great, wide-ranging conceptions of the world.

[ 60 ] Das alles muß in unserer Bewußstseinsseele leben. Dasjenige, was das Ich der Bewußtseinsseele an Kräften gibt, damit diese Erkenntnisse und einen Überblick über die Welt gewinnen kann, dasjenige, was das Ich der Bewußtseinsseele geben kann, damit in dieser leben können hohe sittliche Ideale, hohe ästhetische Anschauungen, das kann sich herunterdrücken und kann Enthusiasmus, Leidenschaft werden, das, was man nennen kann innere Wärme der Empfindungsseele. — Das tritt ein, wenn der Mensch erglühen kann für dasjenige, was er erkennt. Dann ist das Edelste, wozu sich der Mensch zunächst erheben kann, wiederum heruntergebracht bis in die Empfindungsseele. So erhöht der Mensch die Empfindungsseele, wenn er sie durchströmen läßt mit dem, was zuerst in der Bewußtseinsseele vorhanden ist. Allerdings, was wir so in der Bewußtseinsseele erleben, was als der Ideal-Charakter erscheinen kann durch die Arbeit des Ich in der Bewußtseinsseele, das kann, weil unsere äußere Leiblichkeit durch die Anlagen, die wir bei der Geburt mitbringen, begrenzt ist, nicht hineingeprägt werden in die menschliche Leiblichkeit. Demgegenüber müssen wir darauf verzichten, es in die Leiblichkeit hineinzuprägen; das kann ein Ausdruck werden eines edlen Seelencharakters, aber bis in einen Ausdruck der äußeren Leiblichkeit können wir es nimmermehr hineinbringen. Wir müssen es mitnehmen durch die Pforte des Todes, dann aber ist es die mächtigste Kraft für das nächste Leben.

[ 60 ] All this has to come to life in the Consciousness Soul, but the forces engendered by the Ego in the Consciousness Soul on this account can penetrate down into the Sentient Soul, where they are fired with enthusiasm and passion and with what we may call the inner warmth of the Sentient Soul, This comes about when a man can glow with enthusiasm for some knowledge he has gained. Then the noblest aspiration to which man can rise at present is carried down into the Sentient Soul. And the Sentient Soul itself is enhanced when permeated by forces from the Consciousness Soul. But what the Ego can accomplish for a character—ideal through its work in the Consciousness Soul may encounter obstacles caused by inborn pre-dispositions, so that it cannot be impressed on the physical body. Then we have to practise resignation; the work of the Ego in the Consciousness Soul may give rise to a noble quality of soul, but this cannot come to expression in the physical body during that single life-time. But the ardent passion for high moral ideals that a person has experienced in the Sentient Soul can be taken through the gate of death and carried over into his next life as a most powerful formative force. We can see how this comes to expression in the contours of the skull, showing that what a man has made of himself penetrates into his very bones.

[ 61 ] Was wir durchfeuert haben in der Empfindungsseele mit jener Leidenschaft, die erglühen kann für hohe sittliche Ideale, was wir so in die Empfindungsseele gegossen haben und was wir mitnehmen können durch die Pforte des Todes, das können wir hinübertragen in das neue Leben, und da kann es die mächtigste plastische Kraft entwickeln. Wir sehen im neuen Leben in der Schädelbildung, in den verschiedenen Erhöhungen und Vertiefungen des Schädels zum Ausdruck kommen, was wir an hohen sittlichen Idealen uns erarbeitet haben. So sehen wir herüberleben bis in die Knochen hinein dasjenige, was der Mensch aus sich gemacht hat; daher müssen wir auch erkennen, daß alles, was sich auf die Erkenntnis der eigentlichen Knochenbildung des Schädels bezieht, auf die Erkenntnis der Erhöhungen und Vertiefungen im Schädelbau, daß das schließen läßt auf den Charakter, daß das individuell ist. Es ist Hohn, wenn man glaubt, allgemeine Schemen, allgemeine typische Grundsätze aufstellen zu können für die Schädelkunde. Nein, so etwas gibt es nicht. Für jeden Menschen gibt es eine besondere Schädelkunde; denn dasjenige, was er als Schädel mitbringt, bringt er sich aus vorhergehenden Leben mit, und das muß man bei jedem Menschen erkennen. So gibt es hierfür keine allgemeine Wissenschaft. Nur Abstraktlinge, die alles auf Schemen bringen wollen, die können Schädelkunde im allgemeinen Sinn begründen; wer da weiß, was den Menschen bis in die Knochen hinein formt, wie das eben geschildert wurde, der wird nur von einer individuellen Erkenntnis am Knochenbau des Menschen sprechen können. Damit haben wir auch etwas in dieser Schädelbildung, was bei jedem Menschen anders ist, und wofür wir den Grund nimmer im Einzelleben finden. In der Schädelbildung können wir greifen dasjenige, was man Wiederverkörperung nennt; denn in den Formen des menschlichen Schädels greifen wir, was der Mensch in früheren Leben aus sich gemacht hat. Da wird Reinkarnation oder Wiederverkörperung handgreiflich. Man muß nur erst wissen, wo man die Dinge in der Welt aufzugreifen hat.

[ 61 ] A study of the contours of the skull can indeed throw some light on character, but always in a strictly individual context. It is absurd to suppose that phrenology can lay down general schemes and typical principles that will be universally valid. Everyone has a phrenology that applies to himself alone, for his skull is shaped by forces derived from his previous life, and in every individual this must be recognised. Only abstract theorists addicted to diagrams would think of founding a phrenology on general principles. Anyone who knows about the formative forces that work into man's very bones would speak only of recognising their effects in individuals. The formation of the skull is different with everyone and can never be accounted for in terms of a single earthly life. Here we touch on what is called reincarnation, for in the contours of the skull we can discern what a man has made of himself in previous lives. Here reincarnation becomes a palpable fact. We need only know where to read the evidence for it.

[ 62 ] So sehen wir, daß man dasjenige, was in einer gewissen Weise aus dem menschlichen Charakter herauswächst, bis in das härteste Gebilde hinein seinem Ursprung nach zu suchen hat, und wir sehen im menschlichen Charakter ein wunderbares Rätsel vor uns. Wir haben damit begonnen, diesen menschlichen Charakter zu schildern, wie das Ich ihn prägt in den Gebilden der Empfindungsseele, Verstandes- oder Gemütsseele und Bewußtseinsseele. Wir sahen dann, wie dasjenige, was das Ich in ihnen erarbeitet, sich in die äußere Leiblichkeit hineinprägt, bis in die Geste, in die Physiognomie, ja bis in die Knochen hinein. Und indem das Menschenwesen von der Geburt bis zum Tode und zu einer neuen Geburt geführt wird, sehen wir, wie das innere Wesen am Äußeren arbeitet, im Menschen einen Charakter dem inneren Seelenleben aufprägend, und auch dem, was das äußere Bild und Gleichnis für dieses Innere ist, dem äußeren Leib. Und so verstehen wir wohl, wie es uns tief ergreifen kann, wenn wir im Laokoon den äußeren Leibescharakter auseinanderfallen sehen in die einzelnen Glieder; wir sehen gleichsam das Verschwinden des Charakters, der zum Wesen des Menschen gehört, an der äußeren Geste an diesem Kunstwerk. Hier haben wir vor uns, was uns so recht das Herausarbeiten in die Materie erweist, und umgekehrt wiederum etwas, was uns zeigt, wie die Anlagen, die wir von früher mitgebracht haben, uns bestimmen, wie in der Tat für ein Leben lang die materielle Ausgestaltung für den Geist bestimmend ist, und wie der Geist, indem er das Leben zersprengt, in einem neuen Leben jenen Charakter zum Ausdruck bringen kann, den er als Frucht für das neue Leben erwirbt. Da kann uns eine Stimmung ergreifen, die anklingt an jene Stimmung Goethes, die er empfand, da er Schillers Schädel in der Hand hielt und sagte: In den Formen dieses Schädels sehe ich materiell den Geist eingeprägt; charaktervoll eingeprägt, was mir entgegentönte in den Dichtungen Schillers, in den Worten der Freundschaft, die so oftmals zu mir geklungen haben; ja, hier sehe ich, wie Geist in der Materie arbeitete. Und wenn ich dieses Stück Materie betrachte, so zeigt es mir in seinen edlen Formen, wie frühere Leben dasjenige vorbereiteten, was mir in Schillers Geist so gewaltig entgegenleuchtete.

[ 62 ] Thus we see how the effects of human character have to be followed from their origin all the way into the hardest structures, and then human character stands before us as a wonderful riddle. We have begun to describe how the Ego impresses character into the forms of the Sentient Soul, the Intellectual Soul and the Consciousness Soul. Then we saw how this work by the Ego has results which make their mark on man's external physique and are manifest in gesture and physiognomy and even in the bones. And since man is led from birth to death and on again to a new birth, we saw how his inner being works on the outer, impressing character both on the inner life and on the physical body, which is an image of the inner life. Hence we can very well understand the deep impression made on us by the Laocoon, where we see the bodily character failing asunder into the several limbs; we see, as it were, the character, which belongs to the very essence of man, vanishing in the outward gestures of this work of art. Here we have plain evidence of the working of inner forces in the material realm, and of how the dispositions brought from earlier lives are determining factors in any given life; and we see how the spirit, by breaking life asunder, brings to expression in a new life the character acquired as the outcome of a previous one. We can now enter into Goethe's feelings when he held Schiller's skull in his hand and said: In the contours of this skull I see how the spirit sets its stamp on matter. This form, full of character, calls up for me the voice that I heard sounding through Schiller's poems and in the words of friendship he so often spoke to me. Yes, I see here how the spirit has worked in the material realm. And when I contemplate this piece of matter, its noble forms show me how previous lives prepared the radiance that shone out so powerfully for me from Schiller's mind.

[ 63 ] So lehrt uns diese Betrachtung als eigene Überzeugung den Ausspruch wiederholen, den Goethe der Betrachtung von Schillers Schädel gegenüber getan hat:

[ 63 ] So we are led to repeat as our own conviction the words written by Goethe after contemplating Schiller's skull:

What greater gift can life on man bestow
Than that to him God-Nature should disclose
How solid to spirit it attenuates,
How spirit's work it hardens and preserves.

Was kann der Mensch im Leben mehr gewinnen,
Als daß sich Gott-Natur ihm offenbare,
Wie sie das Feste läßt zu Geist verrinnen,
Wie sie das Geist-Erzeugte fest bewahre.